Freitag, 3. Juli 2015
Pressemeldung der Bildungsgenossenschaft Südniedersachsen eG (BIGS)
vom 30. Juni 2015

Flüchtlinge ins Studium
Bildungsgenossenschaft beginnt neues Unterstützungsprojekt

Göttingen. Am 1. Juli 2015 beginnt in Göttingen ein neues Pilotprojekt, das Flüchtlingen die Aufnahme eines Hochschulstudiums ermöglichen soll. Dies gab die Bildungsgenossenschaft Südniedersachsen eG (BIGS) nun bekannt. Der Schwerpunkt des Projekts liegt auf dem Erwerb von Deutschkenntnissen auf Hochschulniveau.

Dr. Natalia Hefele, Leiterin der Bildungsberatung bei der BIGS, begründet die Notwendigkeit des Projektes: "Wer vor der Flucht ein Studium angestrebt hat, sieht sich in Deutschland einer hohen sprachlichen Hürde und einem völlig anderen Bildungssystem gegenüber." Damit dieser Einschnitt nicht zu einem dauerhaften Bruch der Bildungsbiografie führe, müssten geeignete Ansätze gefunden werden. "Für studieninteressierte Flüchtlinge fehlen bislang erprobte Fördermittel - anders als für Ausbildungsberufe." Hier solle das Pilotprojekt Abhilfe schaffen.

Das neue Projekt der Bildungsgenossenschaft richtet sich an bis zu 15 Teilnehmer aus den Landkreisen Göttingen, Northeim und Osterode ab dem 18. Lebensjahr. Die Teilnahme ist für sie kostenlos, auch anfallende Fahrtkosten können übernommen werden.
Die Teilnehmer erwerben in einem sechsmonatigen Intensivkurs an der Volkshochschule Göttingen fortgeschrittene Deutschkenntnisse. Anschließend werden sie in weiteren vier Monaten auf die Deutsche Sprachprüfung zum Hochschulzugang (DSH) vorbereitet. Neben grundlegenden Sprachmodulen wird besonders auch die Fach- und Wissenschaftssprache vermittelt. Parallel findet durch die Bildungsgenossenschaft eine individuelle Beratung rund um Studium und Studienfinanzierung statt - beispielsweise eine Orientierungs- oder Anerkennungsberatung ­-, ergänzt um Maßnahmen wie die Vermittlung in Praktika oder Vorbereitungskurse.
Das Modellprojekt wird finanziert durch das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur (MWK) im Rahmen der Landesinitiative "Offene Hochschule Niedersachsen". Es ist Teil eines Programmes zur Unterstützung von Geflüchteten, das am 19. Juni der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Es werden fünf Projekte an den Niedersächsischen Hochschulstandorten Göttingen, Hannover, Lüneburg, Oldenburg und Osnabrück mit insgesamt 350 000 Euro gefördert.

Als ausschlaggebend für die Auswahl der Bildungsgenossenschaft als Projektträger sieht Natalia Hefele neben der langjährigen Erfahrung in der Bildungsberatung vor allem die Berührungspunkte zu anderen Projekten der Genossenschaft: "Der neue Ansatz ergänzt das Projekt FairBleib Südniedersachsen-Harz, das den Arbeitsmarktzugang für Flüchtlinge verbessern soll, und die Beratung zur Anerkennung von ausländischen Berufsqualifikationen im Netzwerk IQ - Integration durch Qualifizierung."

Die Bildungsgenossenschaft Südniedersachsen eG (BIGS) ist ein Zusammenschluss von derzeit 26 Bildungseinrichtungen aus der Region. Sie verfolgt das Ziel einer Weiterentwicklung der Bildungslandschaft und der Verbesserung des Zugangs zu Bildungsangeboten insbesondere für Benachteiligte Bevölkerungsgruppen. Seit 2008 unterstützt sie gemeinsam mit vier anderen Projektpartnern im Rahmen des Netzwerkprojekts FairBleib Südniedersachsen Bleibeberechtigte und Flüchtlinge auf dem Weg in langfristig tragfähige Beschäftigungsverhältnisse. Gefördert wird dieses Projekt durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) und den Europäischen Sozialfonds. Seit 2009 bietet die BIGS als einer von acht Modellstandorten in Göttingen eine trägerunabhängige Bildungsberatung an, gefördert durch das Nds. Ministerium für Wissenschaft und Kultur. Im Rahmen des Netzwerks IQ - Integration durch Qualifizierung bietet die BIGS seit Januar 2013 eine Beratung zur Anerkennung im Ausland erworbener Abschlüsse und Qualifikationen an. Die Finanzierung dieses Angebots stammt aus Mitteln des BMAS, des ESF und des Niedersächsischen Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung. Seit Juli 2012 koordiniert die Genossenschaft darüber hinaus die Integrations-Sprachkurse des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge für alle anerkannten Sprachkursträger in der Region.

Kontakt: Dr. Natalia Hefele, Bildungs- und Anerkennungsberatung, Tel.: 0551 49569436, n.hefele@bildungsgenossenschaft.de<mailto:n.hefele@bildungsgenossenschaft.de>

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Sicher ein sinnvolles Projekt, wobei man die Bedeutung der Sprachbarriere nicht unterschätzen sollte. Mein Schwager hat grade sein Arztexamen in Kolumbien gemacht. Ich habe mich darum bemüht, ihm einen Platz für eine Spezialisierung an einer deutschen Uni zu verschaffen, aber da werden Deutschkenntnisse mit Niveau B2 verlangt, das entspricht einem vollständigen Volkshochschulkurs von sechs Semestern.

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