Donnerstag, 15. Januar 2026
Faktencheck Omega-3-Fettsäuren – für wen sind sie sinnvoll?
Evidenz, Indikationen und Grenzen einer Supplementation
Michael van den Heuvel, Medscape

15. Januar 2026

Omega-3-Fettsäuren in Form von Nahrungsergänzungsmitteln sind nicht automatisch für jede Person sinnvoll. Zwar ist ihr gesundheitlicher Nutzen bei verschiedenen Erkrankungen wissenschaftlich gut belegt – allerdings zeigt sich dieser Effekt nur unter bestimmten Voraussetzungen. Entscheidend sind dabei vor allem eine ausreichend hohe Dosierung sowie der Einsatz als Ergänzung zu einer bereits etablierten Standardtherapie.

Für Menschen ohne Erkrankung, die Omega-3 lediglich zur allgemeinen Gesundheitsprävention einnehmen möchten, ist die Studienlage bislang nicht überzeugend genug, um eine generelle Empfehlung auszusprechen.

Keine Einzelsubstanz, sondern eine heterogene Stoffgruppe
Mittlerweile zählen Omega-3-Fettsäuren zu den am besten untersuchten bioaktiven Lipiden der Ernährungs- und Präventivmedizin. Dabei handelt es sich um keine einzelne Substanz, sondern um eine Gruppe strukturell verwandter mehrfach ungesättigter Fettsäuren. Sie alle haben ihre 1. Doppelbindung – vom Methylende (ω-Ende) aus gezählt – am 3. Kohlenstoffatom. Diese chemische Definition erklärt den Namen.


Für Menschen sind vor allem 3 Omega-3-Fettsäuren wichtig: die kurzkettige α-Linolensäure (ALA) sowie die langkettigen marinen Fettsäuren Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA). ALA kommt überwiegend in pflanzlichen Lebensmitteln wie Leinöl, Rapsöl oder Walnüssen vor, während EPA und DHA fast ausschließlich in fettreichen Meeresfischen und Mikroalgen zu finden sind.

ALA gilt als essenziell, da sie vom menschlichen Organismus nicht synthetisiert werden kann. EPA und DHA können theoretisch aus ALA gebildet werden. Nur geschieht diese Umwandlung beim Menschen in geringem Umfang: Weniger als 5% der aufgenommenen ALA wird zu EPA und weniger als 1% zu DHA konvertiert. Aus physiologischer Sicht gelten EPA und DHA als bedingt essenziell, da eine ausreichende Versorgung über die Ernährung allein häufig nicht erreicht wird.

Ernährung und Versorgung
Die European Food Safety Authority (EFSA) empfiehlt eine Zufuhr von mindestens 250 mg EPA + DHA pro Tag. Dieser Wert bezieht sich jedoch auf die Ernährung und nicht auf die pharmakologische Prävention kardiovaskulärer Erkrankungen.


In westlichen Industrienationen liegt die Zufuhr mariner Omega-3-Fettsäuren häufig unter den empfohlenen Werten. Dennoch gilt: Eine niedrige Aufnahme allein ist kein Beweis für einen behandlungsbedürftigen Mangel. Fachgesellschaften sprechen sich gegen die generelle Supplementierung aus.

Kardiologie: belegter Nutzen – aber nur in klaren Settings
Studien zur Wirksamkeit von Omega-3-Fettsäuren als Nahrungsergänzungsmittel zur Senkung des Risikos für Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben widersprüchliche Ergebnisse geliefert. Unterschiedliche Dosierungen und Darreichungsformen in Studien erschwerten die Interpretation.

Zur Bewertung ist die REDUCE-IT-Studie wichtig: Bei Hochrisikopatienten mit Hypertriglyzeridämie trotz Statintherapie hat die Gabe von 4 g Icosapent-Ethyl (hochreines EPA) täglich die Zahl schwerer kardiovaskulärer Ereignisse um 25% verringert. Neuere Analysen bestätigen, dass der Nutzen von Icosapent-Ethyl über verschiedene LDL-C-Ausgangsbereiche hinweg konsistent bleibt.


Was steckt dahinter? Forscher haben zumindest in Tiermodellen gezeigt, dass Icosapent-Ethyl eine ausgeprägte hemmende Wirkung auf die Blutplättchenfunktion besitzt. Dieser Effekt wird über die Cyclooxygenase-1 (COX-1) in Thrombozyten vermittelt. Er könnte erklären, warum IPE in klinischen Studien mit einer Reduktion des kardiovaskulären Risikos assoziiert ist.

Omega-3-Fettsäuren können etablierte Therapien wie Statine, Blutdruckmedikamente oder die Thrombozytenhemmung aber nicht ersetzen, sondern kommen – wenn überhaupt – als Ergänzung zum Einsatz. Gerade bei höheren Dosierungen ist auch eine sorgfältige Abwägung von Nutzen und Risiken erforderlich. So zeigt eine Metaanalyse ein geringfügig erhöhtes Blutungsrisiko bei der Einnahme hochdosierter, gereinigter EPA-Präparate. Darüber hinaus diskutieren Forscher einen dosisabhängigen Anstieg des Risikos für Vorhofflimmern unter Omega-3-Supplementen.

Rheumatologie: Möglicher Benefit als Add-on
In der Rheumatologie ist der Nutzen von Omega-3-Fettsäuren vor allem als ergänzende Maßnahme zur Modulation entzündlicher Prozesse plausibel. Eine Metaanalyse bei Patienten mit rheumatoider Arthritis deutet darauf hin, dass eine Omega-3-Supplementierung Entzündungsparameter, die Krankheitsaktivität sowie bestimmte Lipidmarker günstig beeinflusst. Allerdings ist die Aussagekraft der Daten durch eine hohe Heterogenität der Studien eingeschränkt, insbesondere im Hinblick auf Dosierung, Behandlungsdauer und gewählte Endpunkte.

Medizinisch ist die Abgrenzung eindeutig: Omega-3-Fettsäuren sind in der Rheumatologie keine krankheitsmodifizierenden Medikamente. Sie können weder strukturelle Gelenkschäden verhindern noch etablierte Therapien wie Methotrexat oder Biologika ersetzen.

Forschung: Neurologie im Fokus
Jenseits der Rheumatologie und der Kardiologie rücken Indikationen aus der Neurologie und Psychiatrie in den Fokus. Bei Depression deuten die verfügbaren Daten auf statistisch signifikante, insgesamt jedoch eher moderate Effekte hin, wobei eine Dosis-Wirkungs-Beziehung diskutiert wird.

Für kognitive Endpunkte wiederum zeigen neuere Analysen, dass die Ergebnisse stark von der untersuchten Population, dem jeweiligen Ausgangsstatus und der eingesetzten Dosierung abhängen. Ein verlässlicher und klinisch relevanter Nutzen für alle Personen lässt sich daraus bislang nicht ableiten.

Fazit für die Praxis: Evidenz mit Grenzen
Die Daten zeigen: Omega-3-Fettsäuren sind weder Allheilmittel noch grundsätzlich entbehrlich. Der klinische Nutzen ist indikationsabhängig – am überzeugendsten bei Hypertriglyzeridämie/Hochrisiko (insbesondere hochreines EPA) und adjuvant bei entzündlichen Beschwerden (z. B. RA). Gleichzeitig müssen unerwünschte Effekte in die Nutzen-Risiko-Abwägung einfließen.

https://deutsch.medscape.com/viewarticle/omega-3-fettsaeuren-supplementation-chancen-grenzen-2025a10010gg?ecd=WNL_mdplsfeat_260115_mscpedit_de_etid8030095&uac=389796AZ&impID=8030095

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Unterschiedliche Betrachtungsweisen zu Horkheimer und Adorno
Dies ist eigentlich eine Antwort auf eine Frage von ARE auf einen Kommentar zu verschiedenen Adorno-Interpretationen, aber zu schade um in der Kommentarsektion herumzuliegen, daher hier als eigenständiges Posting.

Also, zunächst mal Krahl und Reiche: Krahl war Vorsitzender des SDS (Sozialistischer Deutscher Studentenbund) während der 67er-69er Unruhen, Reimut Reiche ein Soziologe, Psychologe und Psychoanalytiker, der die Lehre Wilhelm Reichs (dissidente Form der Psychoanalyse, welche die sexuelle Befreiung und die subversive Energie des Orgasmus in den Focus stellte) mit der Kritischen Theorie verband. Krahl und Reiche waren der Auffassung, dass man, wenn man die Dialektik der Aufklärung, die Studien zum autoritären Charakter und die Negative Dialektik gelesen hätte eigentlich zum Staatsfeind werden müsste. Sie leiteten als Konsequenz der Kritischen Theorie daraus eine Art freudomarxistisch begründeten Anarchismus ab.

Adorno und Horkheimer wehrten sich gegen diese Vereinnahmungen und gegen die zeitgleiche Besetzung des Frankfurter Instituts für Sozialforschung durch Studierende mit gerichtlichen Schritten. Darauf reagierten Krahl und Reiche (und andere 68er) mit dem Vorwurf, sie fielen hinter die eigenen Positionen zurück und bewiesen die Dialektik der Aufklärung, nämlich das Zurückschlagen der Aufklärung in Reaktion an den eigenen Personen, indem sie als an ihrer privilegierten Stellung hängende bürgerliche Professoren diese Stellungen verteidigten statt sich denen anzuschließen, die Konsequenzen aus der Theorie ziehen und diese in die Praxis umsetzen würden. Adorno entzog sich dieser Debatte mit dem Hinweis, er habe ein Theoriegebäude entwickelt, wie habe er ahnen können, dass dieses eines Tages mit Molotow-Cocktails in die Tat umgesetzt werden sollte.

Ich finde diese Kritik an Horkdorno zumindest herrlich dialektisch und in Grundzügen berechtigt, aber andererseits auch eine unheimliche Hybris, anzunehmen, dass die 68er-Revolte die "Ihrer selbst mächtige, zur Gewalt werdende Aufklärung" darstellen sollte, die laut Dialektik der Aufklärung die einzige Macht sei, die die fortwährende Pervertierung der Aufklärung ins Regressive aufheben könne.

Ein anderer Vertreter der Kritischen Theorie, Herbert Marcuse in den USA ging hingegen direkt ein Bündnis mit der dortigen Studenten- Hippie- Bürgerrechts- und Antivietnamkriegsbewegung ein und postulierte "Die große Weigerung", die von Kriegsdienstverweigerung bis hin zum völligen Aussteigertum reichen konnte als sowohl einzig mögliche als auch historisch notwendige Form der Rebellion. Die Beatnik- Hippie- Alternativbewegungen erschienen Marcuse als neues historisches revolutionäres Potenzial jenseits der Arbeiterklasse.

Völlig anders ausgerichtet ist die Adorno-Rezeption Stephan Grigats. Grigat ist einerseits ein sehr guter Adornokenner und vielleicht der größte Adornit überhaupt. Seine Adornobegeisterung geht so weit, dass er von Adorno komponierte Musikstücke auf dem Klavier spielt. Seine Interpretation der Kritischen Theorie kann man vielleicht als deren Judaica-Variante bezeichnen: Er betont sehr stark die jüdische Herkunft Adornos und rechnet seine Theorien zum jüdischen Beitrag der westlichen Kultur, obwohl Adorno kein religiöser Jude war und sich erst unter dem Eindruck der Shoah überhaupt fürs Judentum zu interessieren begann. Der Adornosche Kategorische Imperativ, dass Auschwitz nie wieder sein dürfe und dass dem alles legitime politische Handeln zu folgen habe wird von ihm als direkte Legitimation der Politik Israels, auch direkt von israelischen Militärschlägen gebraucht.

Grigat setzt einen Gegensatz von Kritischer Theorie und Linker: Erstens sei die Linke in ihrer Vorstellung eines fortschrittlichen Verlaufs oder Ausgangs der Geschichte, eines Erreichens des Kommunismus chiliastisch und positivistisch ausgerichtet, die Kritische Theorie hingegen grundsätzlich positivismuskritisch.

Zweitens sei die Linke seit den Sechzigern mit ihrer Unterstützung der PLO und anderer palästinensischer Widerstandsgruppen in der Grundtendenz antisemitisch, die Kritische Theorie hingegen DIE profunde Antisemitismus-Kritik überhaupt.

In einer Publikation des Ca ira-Verlags, die sich auf die Schrift "Mit den überkommenen Vorstellungen radikal brechen" der Freiburger autonomen Studis-Bolschewiki bezog, in der eine Revision grundsätzlicher linker Inhalte gefordert wurde nahm Grigat für sich in Anspruch, diese Kritik mitentwickelt zu haben, obwohl die Veteranen der autonomen Studis sich dagegen verwehrten, dass ihre Publikationen von Antideutschen ausgeweidet wurden.
In diesem Zusammenhang polemisierte Grigat gegen die Materialien für einen neuen Antiimperialismus scheinbar ohne diese je gelesen zu haben - er bezeichnete eine Redaktionsgruppe als tendenziell antisemitisch, deren Geschichte auf eine Auseinandersetzung mit den antisemitischen Annäherungen des klassischen Anttiimperialismus zurückgeht und die mit "Revolte gegen die Vernichtung. Der Aufstand im Warschauer Ghetto" die erste deutschsprachige Berichterstattung eines jüdischen Teilnehmers dieses Auftstands publiziert hatte.

Der Begriff der Linken bei Grigat ist äußerst problematisch: Es kann nicht die Rede davon sein, dass DIE Linke insgesamt israelfeindlich ausgerichtet sei. Dass gilt für das moskautreue Lager der Kommunisten vor der Perestroika und für Altantiimperialisten, deren extremste Form die RAF war, zu denen aber auch weltweit linke Organisationen wie die meisten kommunistischen Parteien und beispielsweise der ANC gehören. Diese Feindstellung macht sich an einer Wahrnehmung Israels als kolonialistischer Siedlerstaat fest und an besonderen Frontstellungen der Siebziger und frühen Achtziger Jahre, als Israel eine inoffiizielle
Allianz mit rechten Regimen wie Pinochet-Chile, Videla-Argentinien, Apartheid-Südafrika und Schah-Iran gebildet hatte.

Bezogen auf die Bundesrepublik Deutschland war diese Linke bis auf Splittergruppen schon historisch, als Grigat noch studierte. Die nicht parteiförmige linke Szene in Deutschland ist mehrheitlich nicht am Marxismus-Leninismus orientiert, es gibt dort viel mehr Anarchisten als Marxisten, ansonsten Feministinnen, Radikalökologen und mindestens zur Hälfte der Gesamtlinken Menschen ohne geschlossenes Weltbild. Die Mehrheit zumindest der westdeutschen Linken handelt primär aus emotionaler Betroffenheit von irgendeinem Unrecht, die Betroffenheit wird sogar als eigene Kategorie thematisiert: "Die großen Betroffenen leben nicht in deutschen Kiezen oder Unistädten, sondern im globalen Süden oder Städten wie Amsterdam, wir können uns nur solidarisch auf sie beziehen", O-Ton eines Plenums.

Und das ist nun schon seit etwa 40 Jahren so. Die Linke, an der Grigat sich abarbeitet existiert zumindest in Deutschland schon lange nicht mehr.
Ich selbst hatte mich während meines Studiums und zuletzt im Promotionsverfahren, innerhalb des Rigorosums mit dem Zusammenhang zwischen den Elementen des Antisemitismus und den Studien zum autoritären Charakter auseinandergesetzt.

Diesen analysierte ich als ambivalent und kohärent zugleich. Einerseits sind die Untersuchungen in den USA, die anhand der F-Skalen-Sätze nachwiesen, dass die Anfälligkeit für faschistische Ideologeme "in judenreinen Gegenden" so verbreitet war "wie selbst in Hollywood" ein Nachweis dafür, dass die US-Bevölkerung in ihren inneren Charakterstrukturen in keinerlei Hinsicht liberaler, demokratischer, ungefährdeter durch die totalitäre Versuchung war als die deutsche. Andererseits gab es doch sehr spezifische Unterschiede, und nicht nur, weil der Faschismus in den USA nicht an die Macht gelangt war. So etwas wie den tough guy gab es in Deutschland nicht, ebenso wie in den USA völkisch-romantische Vorstellungen keine große Rolle spielten und US-Rechte, die maximale persönliche Freiheit für sich forderten mit einem Führerstaat nichts anfangen konnten. In Deutschland waren Juden das Hauptziel falscher Projektion und Opfer des Rassismus, in den USA erst in weit zurückgeschobener zweiter Linie, im Vordergrund standen die Schwarzen, wobei es allerdings auch antisemitische Angriffe von Schwarzen in Harlem gegen mit Wall Street assoziierte Juden gegeben hatte . Horkheimer betonte, dass der eigentliche Angriff den Arbeitern gelte, die Projektion erfolgte, um für die Massen einen Sündenbock zu schaffen.
In "Elemente des Antisemitismus" in der "Dialektik der Aufklärung" wurde spezifisch die Genese des Antisemitismus in Deutschland geschildert. Dennoch gibt es eine gemeinsame Matrix, eine gemeinsame Vorurteilsstruktur die den Autoren zufolge wie eine kollektive paranoide Psychose funktioniere, außerhalb der die ihr folgenden aber nicht geisteskrank wären, also eine Psychose auf der gesellschaftlichen und gerade nicht der individualpsychischen Ebene.

"Die Wut entlädt sich auf alle ohne Schutz. Und wie die Opfer untereinander auswechselbar sind, je nach der Konstellation: Vagabunden, Juden, Protestanten, Katholiken, kann jedes von ihnen anstelle der Mörder treten, in derselben blinden Lust des Totschlags, sobald es als die Norm sich mächtig fühlt". Dialektik der Aufklärung, Fischer Ausgabe 1984, S. 154.

Damit liefern die Studien zum autoritären Charakter und die Elemente des Antisemitismus in ihrer Kombination eine archetypische Grundstruktur, eine Art Blaupause zur Analyse von gruppenbezogenem exterminatorischen Menschenhass an sich. Die Genozide an den Armeniern, Kurden, Tutsi, die ethnischen Säuberungen im jugoslawischen Bürgerkrieg werden analysierbar als Anwendungen eines strukturellen Antisemitismus.

Diese Analyse, die ich während des Jugoslawienkriegs schrieb, traf auf sehr positive Aufnahme am Historischen Seminar und der Fakultät für Politikwissenschaft an der Georg-August-Universität Göttingen wie auch bei Antirassismusgruppen und geradezu Schaum vorm Mund bei Antideutschen, für die Antisemitismus und sonstiger Rassismus als völlig getrennt und unvergleichbar gelten.

Ich erlebte Reaktionen, die Haltungen offenbarten, die auf eine Art "Höherwertigkeit" der Opfer des Antisemitismus gegenüber sonstig Rassifizierten hinausliefen. Worauf ich mutmaßte, dass es dann darum ginge, hinsichtlich Antisemitismus die hohe Moral zu predigen, sich selbst aber zuzugestehen, auf Migranten rassistisch herabzusehen.

Ich hatte das schon mal, dass ich das Horkheimer-Zitat "Wer vom Faschismus spricht, darf vom Kapitalismus nicht schweigen" postete und dann einer von denen damit kam, von einem seriösen Linken sei nicht klassenkämpferische oder antirassistische Agitation zu erwarten, sondern, vom eigenen Land ausgehend, die Demaskierung der "Appeaser", und Horkheimer hätte sein Zitat in dem Sinne gemeint, dass der Faschismus die negativste Form sei, in der der Kapitalismus zu sich selber komme, und das sei schon etwas anderes, als das "plakative Gebrüll", als das ich dieses Zitat gebrauchen würde. Die waren zeitweise systematisch dabei, jeden konkrete gesellschaftliche Machtverhältnisse kritisierenden Aspekt der Kritischen Theorie in eine abstrakt-quasitheologische Metaphorik umzuformulieren, und dann wabern da Identisches und Nichtidentisches wie der Hegel´sche Weltgeist, der in Völkern und Nationen zu sich selber kommt. Es ist eine Schande, was die aus der Kritischen Theorie gemacht haben.

Dann gibt es noch Adorno-Rezeptionen, die darauf hinauslaufen Adorno politisch zu entschärfen.

Etwa Herbert Schnädelbach, der das Adornosche Gesamtwerk als kulturpessimistisch bewertete. Der Schlusssatz der Elemente des Antisemitismus "Die ihrer selbst mächtige, zur Gewalt werdende Aufklärung selbst vermöchte die Grenzen der Aufklärung zu durchbrechen" scheint für ihn nicht zu existieren, für Schnädelbach ist das Geschichtsbild der Dialektik der Aufklärung ein hoffnungsloses. Die Person Adorno schildert er als einen l´art pour l´art Ästheten, der in der kontemplativen Betrachtung des Kunstwerks seine Erfüllung findet und deshalb gegen jede Form von angewandter Kunst ist. Diese Sichtweise nenne ich Hirnschrumpfung.

Ich bin mit Martin Jay, dessen Buch "Dialektische Fantasie" ich als Einführungslektüre zur Thematik dringend anempfehle der Auffassung, dass die Kritische Theorie eine der Hauptströmungen der Neuen Linken darstellt.

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Sonntag, 11. Januar 2026
Winter bei mir zu Hause












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Samstag, 10. Januar 2026
Solidarität mit den Aufständischen Irans
Auch wenn es mir gar nicht gefällt, welche Rolle der Sohn des Schah da spielt. Im Iran, da wird geschossen - und trotzdem demonstriert.

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Freitag, 9. Januar 2026
Eiszeit
Blizzard in Norddeutschland - für mich eine willkommene Gelegenheit, meine Polaruniform auszuprobieren. Die mehrschichtgefütterten Snowboots, die Thermo-Treckinghose, den Daunenmantel, die Skihandschuhe, die sibirische Zobelfellmütze. Toll, wie gut ich in den schweren Schaftstiefeln mit Alpinprofilsohle durch den hohen Schnee und auch rutschfest über Eis laufe, nur - die Klamotten sind zu warm. Bei - 5 Grad gerate ich mächtig ins Schwitzen. Immerhin: Mein Auto war nicht nur eingeschneit sondern auch festgefroren, und ich konnte es zünftig mit dem Eispickel freihacken.

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Mittwoch, 7. Januar 2026
Tatsächlicher und vermeintlicher Sexismus im Islam oder von echten Problemen und modernen Mythen
Vorbemerkung: Ehe mir hier wieder irgendwelcher Blödsinn etikettenhaft angeheftet wird, sei es in der Richtung "Alter weißer Mann mit latent rassistischen Ansichten", sei es "Sozialromantisch-naiver linker Moslemversteher" möchte ich zunächst mal meine Expertise zu dem Thema klarstellen.

Ich bin seit 1982 in mit der Zeit schwankender Intensität in der Flüchtlingssolidarität engagiert, habe auch einmal hauptamtlich für den Flüchtlingsrat Niedersachsen gearbeitet und bin von daher mit sozialen, mentalen, politischen und religiösen Problemen, die in migrantischen Communities auftreten wohl vertraut. Hinzu kommen Erfahrungen aus Ägypten und Tunesien, wo ich intensive Erlebnisse hatte und diese Länder im engen Kontakt mit Einheimischen, zeitweise unter diesen lebend kennenlernte, anders als normale Touris oder in den Ingenieurs- oder Helferghettos von projektweise dort Beschäftigten solche Länder kennenlernen durfte.

Schließlich hatte ich auch zwei Liebschaften mit muslimischen Frauen, einer Deutsch-Afghanin und einer Syrerin. Das waren westlich orientierte, emanzipierte moderne Frauen, die kein besonders islamisch geprägtes Leben führen, aber sie konnten mir tiefe Eindrücke vermitteln, was in ihren Herkunftsländern und auch ihren Communities in Deutschland so abgeht.


Der Islam in seinen konservativen dominanten Formen ist sicherlich weit überwiegend eine Religion, die in ihrer gelebten Praxis stark patriarchale, sexistische und frauenfeindliche Züge aufweist. Parallel zu dieser Tatsache sind in Deutschland Erzählungen im Schwange, die mal gestützt auf Tatsachen mal eher ominös raunend diese Dinge operationalisieren zu einem Feindbild Islam, das nicht mit der sehr realen Gefahr des politischen Islamismus identisch ist aber mit diesem gleichgesetzt wird.

Tatsächlich lässt sich eine fortschreitende Islamisierung muslimischer Migrantenmilieus in Deutschland beobachten. Waren die eingewanderten Menschen arabischer oder nordafrikanischer Herkunft in den 1970ern bis 1990ern überwiegend säkular eingestellt nimmt der Anteil religiöser und ihre Religiosität sichtbar nach außen tragender Leute seither zu.

Wenn ich an jüngere Araberinnen in Deutschland bis in die Nullerjahre denke, so trugen die meiste ihre langen schwarzen Haare offen und liefen sehr häufig in einem verschärften Outfit herum: Miniröcke, Strapsteile, hohe Stiefel mit High Heels. Heute überwiegen eher Kopftuch und Hijab.

Damit korrespondiert auch eine oft repressive Sexualmoral und Probleme, von denen Deutschnormal sich keine Vorstellung macht. Eines der häufigsten Probleme, das die psychosozialen Beratungsstellen der Migrantenselbstorganisationen beschäftigt hängt damit zusammen, dass sexuell erfahrene junge muslimische Frauen Arztpraxen oder Krankenhäuser mit dem Wunsch aufsuchen, sich die Vagina zunähen zu lassen, weil sie jungfräulich heiraten wollen, bzw. der soziale Druck ihrer Milieus das von ihnen verlangt. Und genau hier setzen dann auf Emanzipation abzielende Beratungsansätze an.

Aber solche Themen sind den meisten normaldeutschen selbsternannten Islamkritikern fremd. Sie beschäftigen sich mit anderen Dingen; eine der häufigsten Figuren ist da in letzter Zeit der Mythos von der Weigerung muslimischer Männer, Frauen die Hand zu geben, was auf Frauenverachtung zurückgeführt wird. Oder die Verweigerung des Handschlags gegenüber Christen, was als Verachtung der Ungläubigen interpretiert wird. Sicher gibt es beides, aber in den meisten Fällen hat diese Handschlagverweigerung andere Gründe.


Schon die Geschichte mit der Begegnung Annalena Baerbocks mit Syriens Al Sharaa nimmt sich bei genauerer Betrachtung etwas diffiziler aus.

https://www.spiegel.de/politik/deutschland/syrien-annalena-baerbock-trifft-ahmed-al-sharaa-k-ein-handschlag-a-9835d45a-e171-46d0-b819-af3a8145be27

Grundsätzlich ist der Handschlag in den meisten arabisch-islamischen Gesellschaften - und auch unter arabischen Christen - keine übliche Begrüßungsform. Arabische Männer begrüßen arabische Männer und arabische Frauen einander oft mit einer Umarmung, wenn Männer und Frauen sich gegenseitig begrüßen legen sie hingegen die rechte Hand aufs Herz und deuten eine Verbeugung an oder senken zumindest den Kopf. Bei den KurdInnen wird dazu, ähnlich einem militärischen Salutieren, die linke Hand über das Auge gehoben, und wenn man ganz höflich ist die Formel "Willkommen bei Auge und Herz" gesprochen. Händeschütteln findet eigentlich nur beim Abschluss von Geschäften statt.

Die Begrüßungsgesten in unterschiedlichen Kulturen differieren nun einmal, in Ostasien legt man die Hände wie zum Gebet zusammen und verneigt sich, Mongolen verneigen sich mit Xförmig vor der Brust verschränkten Armen.

Auch innerhalb Europas sind die Begrüßungsgesten ja regional verschieden. Der in Bayern, Österreich, Italien, Frankreich, Polen und Lateinamerika übliche Bussi-Gruß - zwei oder mehr angedeutete Küsse erst auf die linke, dann auf die rechte Wange - ist bei uns in Norddeutschland völlig unüblich. Wer noch nie in Bussi-Länder gereist ist würde dies womöglich als sexuelle Handlung wahrnehmen, und wer als Deutscher in Skandinavien eine Frau auf diese Weise begrüßt kann sich eine Ohrfeige und eine Anzeige wegen sexueller Belästigung einfangen.

Im jüngeren Teil meines eigenen Umfelds, jünger heißt 30- ist auch der Handschlag unüblich, man grüßt mit High five oder gegeneinandergedrückten geballten Fäusten. Die Welt ist nun einmal bunt und Gebräuche in verschiedenen Kulturen unterschiedlich. Die Handschlagverweigerung von Muslimen gegenüber Christen kann ein Affront sein, das aber grundsätzlich und immer als Zeichen einer verächtlichen Haltung zu werten ist so daneben, wie Deutschen in Grönland Rassismus zu unterstellen weil sie Inuit nicht so grüßen wie die es tun - Nasen aneinanderreiben.

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Zornige Randbemerkungen zu Venezuela, Grönland und dem ganzen Rest
Die deutsche mediale Öffentlichkeit regt sich gerade darüber auf, dass die Bundesregierung zu Trumps Überfall auf Venezuela eine verhaltene Antwort hat.

Es muss unmissverständlich gesagt werden: Ein militärischer Angriff auf einen souveränen Staat ist ein Völkerrechtsbruch. Da beißt die Maus keinen Faden ab.

Es gibt da nichts zu relativieren, nichts zu difizilieren, nichts zu verharmlosen, keine Lage für "komplex" zu erklären.

Doch ist die Empörung selektiv. Und der Moralismus schwebt frei im Raum.

Das Ganze hat ja historische Voraussetzungen die nicht mitgedacht, jedenfalls nicht benannt werden.
Seit Jahrzehnten ist der Westen von der militärischen Infrastruktur der USA abhängig. Satellitenaufklärung, Waffensysteme, Logistik, Luftbetankung, Atomwaffen - alles in den Händen von Uncle Sam. Ich vermute, dass die F35 der Luftwaffe nicht voll einsatzfähig sein werden, wenn der Ami die Softwareupdates sperrt.

Die weitgehend autarke Einsatzfähigkeit der Waffensysteme, wie sie Frankreich, Schweden und die Schweiz besitzen hat die BRD nicht, auch nicht die übrigen europäischen NATO-Staaten.

Im High-Tech-Bereich sind wir extrem auf US-Konzerne angewiesen: Clouds, Daten, KI, digitale Infrastruktur.

Damit unterliegt dieser Sektor auch US-Recht und US-Zugriffsmöglichkeiten.

Und dann die Basis von Allem: Money makes the world go round. Und die Weltleitwährung ist nun mal immer noch der Dollar.


Wer das Finanzsystem dominiert, beherrscht Sanktionen, Zahlungswege, internationale Geschäfte – Hier gilt seit jeher "America first".


Europa müsste es erstmal schaffen, sich aus diesen Abhängigkeitsverhätnissen zu lösen.

Das erratische, autoritäre Verhalten von Trump, dessen Herrschaftsstil an den eines Cäsaren erinnert ist die Quittung für die selbstverschuldete Unmündigkeit Europas. Ein Europa, das bisher nicht bereit ist, die Kosten für seine Sicherheit selber aufzubringen und autarke Strukturen zu erschaffen.

Wer Kritik an einem Diktator übt muss das Echo vertragen können.

Und da hapert es gewaltig an der Glaubwürdigkeit der an sich ja berechtigten europäischen Kritik an der Trump-Administration. Ich sage mal: Maximalmoral ohne Kostendeckung. Die westeuropäischen Regierungen verhalten sich da wie Studierende, die lautstark gegen das Schweinesystem demonstrieren, aber von Papis Geld leben.

Es wäre nicht zu fragen
„Warum ist die Kritik der Bundesregierung an der Venezuela-Intervention der USA so verhalten?“

Sondern:
„Ist Deutschland, ist Europa entschlossen und handlungsfähig, den Preis echter europäischer Souveränität zu zahlen? Wenn nicht, wie schaffen wir es, dort hinzukommen?“

Für das, was geschehen würde wenn uns die USA die Cyberverbindungen kappen gibt uns der Anschlag der Vulkan-Gruppe auf die Energieversorgung eines Teils von Berlin eine ungefähre Vorstellung. Es wird Zeit, dass Europa aufwacht und sich die eigene Lage klarmacht.

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Montag, 5. Januar 2026
Crans-Montana
Die Verantwortlichen für den Brand können sich schon mal die Einbürgerungsunterlagen von Paraguay ausdrucken, oder noch besser von Fiji.

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Samstag, 3. Januar 2026
Sport im Alter
Ich habe jetzt auch schon die 60 hinter mir. Also bekam ich ein Angebot von meiner Krankenkasse zum Thema Sport im Alter. Spezielle seniorenbezogene Trainings, damit Treppensteigen und Gartenarbeiten weiterhin keine Probleme bereiten. Menno. Ich halte beim Kampf- und Kraftsport immer noch konditionell mit den Mittzwanzigern mit. Den Großglockner nicht hochzukommen, das wäre für mich eine moralische Krise. Die alpinen Ziele, die ich in der Planung vor mir habe sind mächtiger als die, die hinter mir liegen. Ich möchte auch nicht als sabbernder Greis in einem Bett sterben. In dem Alter in dem ich es gerade noch hinbekomme 500 m freier Fall aus einer Nordwand, das wäre es.

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Ein neues Jahr
Eine Chance wie ein leeres Schulheft. Es beginnt mit schlechten Zeichen, zumindest politisch, nicht für mich persönlich. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt.

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Mittwoch, 31. Dezember 2025
Die Despotengasse
Mein Vater hatte kürzlich einen Arztbesuch, und da seine Mobilität eingeschränkt ist organsierte ich eine Fahrt mit dem KTW. Ich sprach am Vortag mit der Ambulanz alles durch, insbesondere die zu fahrende Strecke.

Noch vor dem Einschlafen dachte ich das alles noch mal durch und über all die Straßennamen nach.

Als ich dann eingeschlafen war hatte ich einen Traum. Ich träumte dass ich mit einem Taxifahrer über die zu fahrende Strecke diskutierte und er sagte: "Dieses Taxi fährt nicht durch die Despotengasse."

Ich fragte mich ob er damit meine dass sein Taxi feste Routen fahren würde wie ein Bus oder ob das ein Bekenntnis zur Zivilcourage war.

Jedenfalls wünsche ich allen Menschen die in Despotenländern leben müssen einen guten Putsch ins neue Jahr!

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Montag, 29. Dezember 2025
Zum Donbass
Es wird behauptet: "Die Ukraine hat ab 2014 den Donbass, ein Gebiet mit russlandfreundlichen Menschen in der Ostukraine, beschossen. Es gab dort Tausende Opfer unter Zivilisten." Diese Behauptung ist falsch.
Richtig ist: Diese Behauptung wird von
russischer Seite gezielt als Vorwand für den Angriffskrieg gestreut. Es gab vor der russischen Invasion keine Bombardierung des Donbass
durch die Ukraine.
Immer wieder wird behauptet, die Ukraine sei verantwortlich für „15 000 Tote im Donbass“ seit 2014 und habe „die eigenen Leute“ bombardiert, sodass Russland „schützend eingreifen musste“. Das ist ein durch Wladimir Putin und Russland gezielt konstruierter Vorwand für den Krieg.
Russland verbreitet diese Falschinformationen im Rahmen der hybriden Kriegsführung besonders in Deutschland. Die Zahl „15 000“ stammt aus Aufrundungen der Schätzungen der Vereinten Nationen. Allerdings handelt es sich dabei nicht um Opfer angeblicher ukrainischer Angriffe. Die Zahlen der Vereinten Nationen gehen von etwa 3500 getöteten Zivilisten aus, etwa 4000 ukrainischen Soldaten, etwa 5500 Toten bei den von Russland angeleiteten bewaffneten Separatisten.
Es lässt sich bei den etwa 3500 zivilen Opfern im Donbass der Jahre 2014 und 2015 nicht genau sagen, ob sie sich auf einer Seite der Auseinandersetzung verorteten und ob diese Menschen „pro-ukrainisch“ oder „pro-russisch” waren.
Enthalten sind in der Zahl auch die 298 Passagiere des abgeschossenen Flugs MH17. Es ist besonders zynisch, die getöteten Menschen ausgerechnet der Ukraine anrechnen zu wollen angesichts der Tatsache, dass das Passagierflugzeug durch von Russland gesteuerte Separatisten mit russischen Flugabwehrraketen abgeschossen wurde.
Nach den Jahren 2014 und 2015 sank die Zahl der Opfer im Donbass. Laut dem letzten Bericht der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) kamen 161 Zivilisten im Zeitraum von Januar 2017 bis Mitte September 2020 ums Leben – etwa gleich viele auf beiden Seiten. Etwa die Hälfte dieser Opfer starb durch Unfälle mit Minen und Blindgängern.
Es gab vor dem Beginn des russischen Großangriffs auf die Ukraine am 24. Februar 2022 keine „Bombardierungen“ der Zivilbevölkerung im Donbass durch die Ukraine und es gab auch keinerlei Pläne der Ukraine, den Donbass militärisch angreifen zu wollen.
Weder die OSZE-Beobachtermission, die mit dem Einverständnis Russlands seit 2014 die Lage beobachtete, noch der Bericht der Vereinten Nationen vom September 2021 sehen Anzeichen für einen Genozid oder gezieltes Vorgehen der Ukraine gegen die „pro-russische Zivilbevölkerung“.
Ein Bericht des UNHCR (Hochkommissariat der Vereinten Nationen für Flüchtlinge) vom Juli 2016 fasst zusammen: „Der bewaffnete Konflikt, der durch den Zustrom ausländischer Kämpfer und Waffen aus der Russischen Föderation angeheizt wird, ist für die meisten Verletzungen des Rechts auf Leben in der Ukraine in den letzten zwei Jahren verantwortlich.“
Die russische Propaganda hat die offizielle Gesamtzahl nach den Angaben der Vereinten Nationen auf „15 000“ aufgerundet und daraus entgegen der Sachlage propagandistisch „Opfer der ukrainischen Angriffe auf den Donbass“ gemacht. Bis heute wird diese Propaganda in Diskussionen um den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine und die ukrainische Selbstverteidigung ständig wiederholt. Durch Fakten ist sie nicht gedeckt.
Zitiert nach via Nico Lange auf Twitter

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Sonntag, 28. Dezember 2025
Mythos Schlafstörungen
Schlafstörungen werden zu den Volkskrankheiten gezählt. Schlaflabore boomen seit einigen Jahren, und am Liebsten überweisen Hausärzte PatientInnen mit unruhigem Schlaf dorthin um sie durchchecken zu lassen. Ich war da auch schon. Schlafmittel gehören zu den meistgenommenen Medikamenten, von homöopathisch oder pflanzlich, z.B. Baldrian (beides bei mir völlig wirkungslos, aber auf mich wirkt auch Valium wie Smarties) über Antihistaminika (im Prinzip überdosierte Heuschnupfenmittel oder unterdosierte Neuroleptika bzw. mitunter auch beides zugleich) bis hin zu Zoplikon oder gar Rohypnol.

Neueste historisch-anthropologische Untersuchungen legen allerdings nahe, dass das mit dem Thema "Volkskrankheit Schlafstörung" ein existentiell fauler Zauber ist. Untersucht wurden Aufzeichnungen über das Schlafverhalten von Menschen seit es diese gibt, d.h. von der Bronzezeit bis zur Industrialisierung. Dabei kam heraus wie die Menschen früherer Zeiten geschlafen haben, und das war über Jahrtausende hinweg ziemlich gleich. Man ging zu Bett sobald es dunkel wurde und stand mit der Morgendämmerung auf. Das heißt, Schlafenszeit war im Sommer von 22 Uhr bis 4 Uhr morgens und im Winter von 18 Uhr bis morgens um 8. Nun hat man aber nicht 14 Stunden am Stück geschlafen; geschlafen wurde vielmehr in 2 Schichten. Eine erste Schlafphase etwa bis Mitternacht, dann wachte man auf, hatte Sex, betete, sah noch mal nach den Tieren, die meisten Tagebücher prominenter AutorInnen der frühen Neuzeit wurden zwischen Mitternacht und ein oder zwei Uhr morgens bei Kerzenschein geschrieben. Am frühen morgen legte man sich wieder hin zur zweiten Schlafphase.

Im Sommer schlief man eher in einem Stück durch, leistete sich aber einen Mittagsschlaf, den es in der kalten Jahreshälfte nicht gab.

Dies änderte sich erst mit der Industrialisierung, die dem Leben ihren Maschinentakt aufzwang und mit der Ausbreitung künstlichen Lichts. Der auf die Nacht beschränkte, zu jeder Jahreszeit gleich lange Einheitsschlaf ist das Ergebnis kapitalistischer Disziplinierung der Körper seit dem späten 18. und dem 19. Jahrhundert. Und wenn nicht gerade Befunde wie Apnoe oder Bluthochdruck vorliegen ist das stundenlang Wachliegen bei Nacht oftmals eigentlich Teil des physiologisch normalen, gesunden Schlafs. Nur unsere Lebensgewohnheiten sind unnatürlich geworden.

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Freitag, 26. Dezember 2025
Oh Du fröhliche






Weihnachten im Kreise der Familie, wunderschön und sehr harmonisch. Seit einigen Jahren gilt die Regel "Wir schenken uns nichts." Das hieß diesmal, Uropa, also mein Vater, verteilte 50 Euro-Scheine und schenkte seinem Urenkel ein Playmobilrettungsfahrzeug, mein Neffe schenkte mir einen professionell produzierten Photokalender mit Bildern von seinen Wüstentripps und Tundratouren, ich schenkte ihm einen professionell produzierten Photokalender mit Bildern von meinen Bergtouren, meine große Nichte schenkte mir ein Buch über die Eiger-Nordwand und den Karakorum, meine kleine Nichte schenkte mir ein Paket mit Konzentratnahrung für solche Touren, ich schenkte ihr eine Baskenmütze, der Lover meiner kleinen großen Schwester schenkte mir ein Buch über das Weltherrschaftsstreben der Tech-Konzerne.

Mein Vater bekam diverse Marmeladen und ein Zubehör zum Ipad.

Auch das hausnahe Personal - Fußpflegerin, Gebäudereinigerin und Zugehfrau wurde mit Pralinen und Wein beschenkt und wir bekamen von der Fußpflegerin Fußbimsen, Kosmetiktücher und Duschgels und Vater von der Zugehfrau Bettzeug und ich eine Umluftfriteuse.

Ich finde gut, wie liberal in unserer Familie mit der Regel "wir schenken uns nichts" umgegangen wird.

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Dienstag, 23. Dezember 2025
Who voted for Hitler?
Ein Volk, das korrupte Politiker, Betrüger, Diebe und Verräter wählt, ist nicht das Opfer, sondern der Komplize.

George Orwell

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Weihnachten ohne Mythos
Jeshua ben Joseph wurde nicht am 24.12. geboren sondern irgendwann im Frühling. Er wurde auch nicht in einem Stall geboren, lag aber wohl in einer mit Heu und Stroh gefüllten Krippe - dem Aufbewahrungsort für jedes Neugeborene in jener Zeit. Der Stern von Bethlehem war eine Konjunktion von Jupiter und Saturn, die so nahe beieinander standen dass sie wie ein Stern aussahen und heller strahlten als die Venus. Aus astrologischer Sicht war das bedeutsam, da Jupiter für den gleichnamigen Gott stand und Saturn für das Volk Israel, die Konjunktion also für die Geburt des Königs der Juden stand. Die drei Weisen aus dem Morgenland hingegen kamen etwa 60 Jahre später, nämlich als Gesandte des Schah der Parther an den Hof des Kaisers Nero, um diesem eine glückliche Regierungszeit zu prophezeien. Dass nun Jesus und Nero upgemixt wurden ist ebenso unfreiwillig komisch wie die Tatsache dass Nero keine glückliche Regierungszeit hatte.


Das angebliche Geburtsdatum am 24. oder 25. Dezember ergibt sich aus der Tatsache, dass in die Zeit zwischen Mitte Dezember und Anfang Januar mehrere religiöse Hochfeste fielen, die es schon gab: Das jüdische Chanukka, das Fest des römischen Sonnengottes Sol Invictus und des griechischen Sonnengottes Helios, des keltischen Lichtgottes Belenos, die germanische Wintersonnenwende, das Fest des persischen Heilsgottes Mithra und das Fest des römischen Gottes Janus, d.h. das Neujahrsfest.

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Sonntag, 21. Dezember 2025
Weibermacht in Braunschweig
Das Braunschweiger Herzog-Anton-Ulrich-Museum zeigt eine Ausstellung zum Thema Gewalt durch Frauen in der Kunst. Dabei werden Werke von künstlerischen Titanen wie Dürer, Rembrandt, Vermeer und Hogarth wie auch eher unbekannten KünstlerInnen gezeigt. Programmatische Texte feministischen Inhalts, die auf IPads gelesen werden können begleiten diese Ausstellung, die vor allem mythologische Frauengestalten wie Judith, Salome und Kirke darstellt. Es gibt aber auch Ausflüge in die Welt des Japan-Bondages und des US-amerikanischen Schusswaffenkults. Die feministische Gesamtinterpretation ist teilweise stringent und überzeugend, teilweise aber auch monokausal und einseitig.




Es geht immer darum, dass Gewalt durch Frauen oder Waffen in den Händen von Frauen von der patriarchalen Männerwelt als widernatürlich wahrgenommen werden und Männer sich dadurch depotenziert fühlen, insbesondere die Maler der Bilder und sich dies durch die gesamte Kunstgeschichte ziehe. Erst in letzter Zeit gäbe es hoffnungsvolle emanzipative Ansätze, nicht zuletzt durch die Sichtbarwerdung von Trans-und Intersexualität. Die Möglichkeit, das etwa ein Dürer Spaß an der teilweisen Skurrilität seiner Grafiken hatte oder dass da auch SM-Fantasien mitschwangen wird gar nicht erst in Erwägung gezogen. Ob die Macherinnen der Ausstellung die nötige Kenntnis der japanischen Kultur haben um die Bedeutung von Japan-Bondage überhaupt beurteilen zu können erscheint mir zweifelhaft.


Richtig ärgerlich wird es bei einem Text, der mit der Ausstellung selber gar nichts zu tun hat, sondern sich in dem Fitnesscenter-Bashing ergeht, ohne das kontemporärer akademischer Feminismus nicht auszukommen scheint. In den Fitnesscentern werde ein eigentlich historisch längst überholtes Geschlechtsrollenbild eintrainiert mit superschlanken Frauen und supermuskulösen Männern. Es liefe darauf hinaus dass die Frauen schwinden sollten, abmagern bis zum Tod und die Männer sich in gefühllose herkulesartige Krafthelden mit mangelnder Empathiefähigkeit verwandeln sollten.

Ich vermute mal, dass die VerfasserInnen solcher Texte noch nie ein Fitnesscenter von innen gesehen haben.

Ich jedenfalls ging am Tag nach dem Ausstellungsbesuch in meinen Sportclub zum martialischen Kampfsporttraining mit einem leichten Frauenübergewicht in der Gruppe (nein, übergewichtig sind die natürlich nicht) und anschließend in die gemischte Sauna, in Nacktheit gemeinsam den Kult der eigenen Körper zelebrierend, ganz frei von repressiven Geschlechtsrollennormierungen.

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Freitag, 19. Dezember 2025
Quizfrage: Warum hat der Weihnachtsmann in seinem Sack kein Bargeld?

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