Dienstag, 12. Mai 2026
Kein Ferienziel

... link (0 Kommentare)   ... comment


Montag, 11. Mai 2026
Stress verursacht keinen Krebs – warum sich der Mythos trotzdem so hartnäckig hält
F. Perry Wilson, MD, MSCE


"Viele Patienten glauben: Stress verursacht Krebs. Doch Studiendaten widersprechen der Vermutung. Laut Prof. Dr. F. Perry Wilson lässt sich der mitunter beobachtete Zusammenhang durch Risikoverhalten erklären. Wilson ist außerordentlicher Professor für Medizin und Public Health, Direktor des Clinical and Translational Research Accelerator in Yale und regelmäßiger Kommentator auf Medscape.com. Das Transkript wurde aus Gründen der besseren Lesbarkeit redigiert. Das Video finden Sie hier.

Willkommen bei Impact Factor, Ihrer wöchentlichen Einordnung einer neuen medizinischen Studie. Ich bin Dr. F. Perry Wilson von der Yale School of Medicine.


Heute soll es um folgendes Thema gehen: Stress verursacht keinen Krebs.

Wenn man sich die medizinische Literatur ansieht, ist diese Aussage alles andere als kontrovers. Befragt man jedoch Patienten, glauben etwa 50%, dass chronischer Stress ein Risikofaktor für Krebs ist. Und auch viele Ärzte haben diesen Gedanken – zumindest im Stillen.

Wir alle kennen solche Geschichten: Ein Mann durchlebt eine schwierige Scheidung und erhält wenige Jahre später die Diagnose Magenkrebs. Oder eine Frau, dauerhaft stark belastet durch ihren Job, erkrankt in jungen Jahren an Eierstockkrebs. Solche Anekdoten bleiben im Gedächtnis, weil wir Menschen Trost darin finden, tragische Ereignisse erklären zu können.


Die Vorstellung, dass unser Schicksal zufällig ist, beeinflusst von den Launen eines gleichgültigen Universums, etwa durch einen einzelnen Gammastrahl, der genau im falschen Moment die DNA trifft, ist deutlich beunruhigender als die Idee, wir hätten zumindest ein gewisses Maß an Kontrolle. Wenn wir nur ruhig bleiben und weitermachen, so der Gedanke.

Eine gefährliche Annahme
Doch die Überzeugung, Stress würde Krebs verursachen, ist gefährlich. Sie führt dazu, dass sich manche Menschen selbst die Schuld geben, wenn sie eine Krebsdiagnose erhalten. Hätten sie doch nur gelassener, entspannter, „Zen“-hafter gelebt – dann wäre das vielleicht nicht passiert.

Gerade deshalb ist es wichtig, dass wir zeigen: Stress ist zwar gesundheitlich problematisch, aber nicht, weil er Krebs verursacht. Eine aktuelle Studie, die kürzlich veröffentlicht worden ist, liefert spannende Erkenntnisse zum Thema.


Ich habe mich intensiv mit dieser Arbeit beschäftigt, die in der Fachzeitschrift Cancer erschienen ist. Es handelt sich um eine sogenannte Individual-Participant-Data-Metaanalyse zu psychosozialen Faktoren und der Krebsinzidenz, basierend auf Daten aus 22 Kohorten weltweit.

Metaanalysen bündeln Daten aus mehreren Studien. Klassischerweise werden die Ergebnisse einzelner Studien dabei gewichtet – je nachdem, wie präzise sie sind – und anschließend gemittelt. Im Kern bedeutet das: Eine Metaanalyse ist eine Zusammenfassung von Zusammenfassungen. Hier besteht allerdings die Gefahr, quasi den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr zu sehen.


Eine Metaanalyse auf Basis individueller Teilnehmerdaten ist deutlich aussagekräftiger. In diesem Fall lieferten die 22 eingeschlossenen Kohorten nicht nur ihre zusammengefassten Ergebnisse, sondern die individuellen Daten jedes einzelnen Teilnehmers.


Gerade bei einem Thema wie Stress ist das entscheidend, weil es den Forschern ermöglicht, die Bestimmung psychosozialer Faktoren über alle Kohorten hinweg zu vereinheitlichen – unabhängig davon, welche Definitionen in den ursprünglichen Studien verwendet wurden.

Insgesamt umfasst die Analyse Daten von 421.799 Teilnehmern, von denen im Beobachtungszeitraum 35.319 an Krebs erkrankten. Das ist eine ausgesprochen umfangreiche Datengrundlage.


Die Forscher haben psychosoziale Stressfaktoren in 5 verschiedenen Bereichen erfasst, wobei nicht alle in jeder Kohorten verfügbar waren: Beziehungsstatus, wahrgenommene soziale Unterstützung, kürzlich erlebte Verluste (definiert als der Tod eines nahen Familienmitglieds innerhalb der vergangenen 12 Monate), allgemeine psychische Belastung sowie Neurotizismus.

Doch man kann nicht einfach die Korrelation zwischen diesen Faktoren und Krebs betrachten – dafür gibt es zu viele Störfaktoren.

Das Alter ist der bedeutendste einzelne Risikofaktor für Krebs. Gleichzeitig nimmt mit den Lebensjahren die Zahl psychosozialer Belastungen zu. Ältere Menschen haben mit höherer Wahrscheinlichkeit den Verlust nahestehender Personen erlebt, häufiger Trennungen oder Scheidungen durchgemacht und sind insgesamt mehr belastenden Lebensereignissen ausgesetzt.


Tatsächlich dürfte genau das einer der Gründe sein, warum sich die Vorstellung, Stress verursache Krebs, so hartnäckig hält. Denn die Lebensphase, in der Krebs typischerweise auftritt, ist oft dieselbe, in der auch viele dieser Stressoren zum Tragen kommen.


Umso wichtiger ist es, die Daten für das Alter zu adjustieren – was die Autoren auch getan haben. In ihrem Basismodell berücksichtigten sie zudem Geschlecht, Herkunftsland und Bildungsniveau. Auf dieser Grundlage lassen sich die Ergebnisse sinnvoll interpretieren.


Neurotizismus und allgemeine psychische Belastung sind jene Faktoren, die wir typischerweise mit einem bestimmten Persönlichkeitstyp verbinden – dem chronisch gestressten Menschen. Wenn es tatsächlich einen Zusammenhang zwischen Stress und Krebs gäbe, müsste er sich am ehesten hier zeigen.

Die zugrunde liegende Hypothese lautet, dass chronischer Stress etwa zu erhöhten körpereigenen Cortisolspiegeln führt, was das Immunsystem unterdrückt. Dadurch könnte die sogenannte Immunüberwachung beeinträchtigt werden, sodass Krebszellen, die sonst eliminiert worden wären, weiter wachsen können.

Doch genau das zeigte sich nicht: Weder für Neurotizismus noch für allgemeine psychische Belastung fand sich ein Zusammenhang – weder mit Krebserkrankungen insgesamt noch mit einzelnen Krebsarten.


Wie steht es um die anderen psychosozialen Faktoren? Eine als gering empfundene soziale Unterstützung, ein kürzlich erlittener Verlust sowie das Leben ohne Partnerschaft waren jeweils mit einem erhöhten Risiko für Lungenkrebs verbunden. Auch bei Singles gab es einen einen Zusammenhang mit weiteren, durch das Rauchen bedingten Krebsarten.


Rauchen als entscheidender Vermittler

Und genau hier liegt der zentrale Hinweis darauf, was tatsächlich passiert. Irgendetwas vermittelt den Zusammenhang zwischen geringer sozialer Unterstützung, einem kürzlich erlebten Verlust oder dem Fehlen einer Partnerschaft – und einem erhöhten Risiko für Lungenkrebs sowie andere rauchassoziierte Tumoren.

Und dieses „Etwas“? Es ist das Rauchen. Menschen, die solchen Formen von Stress ausgesetzt waren, rauchten häufiger. Nachdem die Autoren ihre Daten für das Rauchverhalten adjustiert hatten, schwächte sich der Zusammenhang deutlich ab. Sie erstellten schließlich ein vollständig adjustiertes Modell, das auch Lebensstilfaktoren wie Rauchen, Body-Mass-Index, Alkoholkonsum und eine familiäre Krebsbelastung berücksichtigte.

Unter Einbeziehung all dieser Parameter zeigte sich praktisch kein Zusammenhang mehr zwischen psychosozialem Stress und irgendeiner Krebsart. Es gab jedoch 2 Ausnahmen: Der kürzliche Verlust eines Familienmitglieds blieb auch nach Anpassung für das Rauchen mit einem erhöhten Lungenkrebs-Risiko verbunden. Diese Daten stammen allerdings nur aus einer einzigen Kohorte und sind daher schwer zu interpretieren. Zudem blieb ein Zusammenhang zwischen dem Leben ohne Partnerschaft und rauchbedingten Krebserkrankungen bestehen – wenn auch deutlich abgeschwächt.

Ist das real? Ich bin skeptisch. Mir erscheint es weiterhin plausibel, dass das Rauchen selbst die Ursache für diese Krebserkrankungen ist – und dass die statistische Anpassung für das Rauchverhalten naturgemäß nicht perfekt ist: Menschen unterschätzen ihren Konsum, geben ihn ungenau an oder verschweigen ihn ganz. Statistische Korrekturen sind kein Allheilmittel, und dass die Effekte nach Anpassung kleiner werden, ist ein wichtiges Signal.

Natürlich ließe sich hypothetisch argumentieren, dass gerade der Stress durch Trauer einen spezifischen krebsauslösenden Effekt auf die Lunge hat – aber biologisch überzeugt mich das nicht.


Was bedeutet die Studie?
Die rationalste Interpretation dieser Daten ist daher: Nein, Stress an sich verursacht keinen Krebs. Aber Stress kann dazu führen, dass Menschen Verhaltensweisen entwickeln – wie Rauchen oder erhöhten Alkoholkonsum –, die tatsächlich das Krebsrisiko steigern.

Das hat Konsequenzen für den Umgang mit einer neuen Krebsdiagnose. Natürlich gibt es Faktoren, die wir selbst beeinflussen und die unser Risiko erhöhen. Wir rauchen, obwohl wir es besser wissen, oder trinken mehr Alkohol als gesund ist. Diese Lebensstil-Risiken sind real.

Doch gleichzeitig spielt auch Zufall eine Rolle. Manche Krebserkrankungen sind schlicht Pech. Sich selbst die Schuld zu geben, weil man etwa mit dem Verlust eines Angehörigen nicht „richtig“ umgegangen ist, eine gescheiterte Beziehung erlebt hat oder in einem übermäßig belastenden Job geblieben ist – hilft nicht. Und vor allem: Es entspricht nicht den Fakten.


Stress ist zweifellos schädlich. Aber er ist nicht dasselbe wie Rauchen – auch wenn sich die Frage stellt, was von beidem schwerer vermeidbar ist."

Der Beitrag ist im Original erschienen auf Medscape.com.

... link (7 Kommentare)   ... comment


Mal nachgefragt
Bist Du der Meinung, dass der Migrant, der Deine Mutter im Pflegeheim versorgt Dir Geld wegnimmt?

Oder der Geflüchtete, der in Deutschland nicht arbeiten darf und von Leistungen aus dem Asylbewerberleistungsgesetz lebt, stets weniger als der Sozialhilfesatz, teils Sachleistungen, ein Mensch der weniger Geld zur Verfügung hat als jeder Obdachlose, nimmt der Dir Geld weg?

Und nicht der Superreiche mit seinen 2 Flugzeugen, 3 Yachten, 5 Häusern und 20 Autos?

Gratuliere, Bei Dir hat die Gehirnwäsche im Auftrag eben dieser Superreichen voll geklappt!

... link (14 Kommentare)   ... comment


Zum Thema 81 Jahre Zweiter Weltkrieg und "Nie wieder Faschismus!"
Lucie Aubrac (1912–2007) war eine mutige französische Résistance-Kämpferin und Geschichtslehrerin, die während des Zweiten Weltkriegs gegen die deutsche Besatzung aktiv war. Bekannt wurde sie vor allem durch die waghalsige Befreiung ihres jüdischen Ehemannes Raymond Samuel aus der Gestapo-Haft in Lyon. Sie gründete die Widerstandsgruppe Libération-Sud und kämpfte aktiv gegen den Nationalsozialismus.Wichtige Stationen ihrer Lebensgeschichte:Frühes Leben & Ausbildung: Geboren als Lucie Bernard am 29. Juni 1912 in Paris, stammte sie aus einer Winzerfamilie. Aufgrund der traumatischen Erfahrungen ihres Vaters im Ersten Weltkrieg entschied sie sich, Geschichtslehrerin zu werden.Engagement im Widerstand: Nach der Besatzung Frankreichs schloss sie sich der Résistance an. Gemeinsam mit ihrem Mann Raymond Samuel (später Aubrac) gründete sie in Lyon die Widerstandsgruppe Libération-Sud und war als Verbindungsagentin tätig.Befreiung von Raymond Aubrac: Ihr Mann wurde im Juni 1943 vom Gestapo-Chef Klaus Barbie verhaftet. Lucie Aubrac, zu diesem Zeitpunkt schwanger, organisierte eine gewagte Kommandoaktion, um ihn und andere Résistance-Kämpfer am 21. Oktober 1943 aus dem Gefängnistransport zu befreien.Flucht nach London: Nach der gelungenen Befreiung tauchte das Paar unter und floh im Februar 1944 mit einem britischen Flugzeug nach London.Nachkriegszeit: Nach dem Krieg setzte sie sich für die Erinnerung an die Résistance ein. Ihre Erfahrungen beschrieb sie in ihrer Autobiografie „Die Gestapo überlisten“ (Ils partiront dans l'ivresse), die auch verfilmt wurde.Tod: Lucie Aubrac starb am 14. März 2007 in Issy-les-Moulineaux.Lucie Aubrac gilt als eine der bedeutendsten Frauen des französischen Widerstands, die zeitlebens für Freiheit, Brüderlichkeit und gegen Unterdrückung eintrat.

https://www.deutschlandfunk.de/ein-husarenstueck-aus-liebe-100.html

... link (0 Kommentare)   ... comment


Montag, 4. Mai 2026
Keine forcierten Abschiebungen nach Syrien!
Friedrich Merz sorgt für Unruhe: Bis zu 800.000 Menschen will der Bundeskanzler nach Syrien zurückschicken. In einen Alltag, der für viele von ihnen lebensgefährlich wäre. Gewalt, Unterdrückung und eine kritische humanitäre Lage prägen das Land noch immer.

Mit seiner Forderung sorgt er für Angst unter syrischen Familien in Deutschland – sie haben sich hier ein neues Leben aufgebaut.


Friedrich Merz will 800.000 Syrer*innen aus Deutschland abschieben. Er blendet dabei die Realität aus: Syrien ist weiterhin kein sicherer Ort und unsere syrischen Mitbürger*innen sind ein wichtiger Bestandteil unserer Gesellschaft. Merz’ Forderungen gefährden Menschenleben, schüren Rassismus und verschärfen Angst unter Schutzsuchenden.

Anlässlich des Staatsempfangs für den derzeitigen syrischen Machthaber Ahmad al-Sharaa sprach sich Bundeskanzler Merz dafür aus, dass 80 Prozent der in Deutschland lebenden syrischen Staatsangehörigen Deutschland verlassen sollten. Laut Merz sei Syrien nunmehr sicher und die Menschen würden dort für den Wiederaufbau gebraucht.

Woran Friedrich Merz dabei nicht denkt: Viele Menschen aus Syrien haben nicht vor, Deutschland zu verlassen, weil Deutschland ihr Zuhause geworden ist. Wir sind alle längst Nachbar*innen, Kolleg*innen und Freund*innen.

Darüber hinaus ist Syrien weiterhin kein sicherer Ort, vor allem nicht für Angehörige ethnischer oder religiöser Gruppen sowie politisch Oppositionelle. Allein in den letzten Monaten gab es unter der Herrschaft von Ahmad al-Sharaa Massaker an Alawit*innen, Drus*innen, Christ*innen und Kurd*innen, hunderttausende Menschen sind nun wieder binnenvertrieben innerhalb Syriens oder verlassen das Land erneut.

Weitaus weniger Menschen als die von Herrn Merz anvisierte Zahl sind tatsächlich ausreisepflichtig – selbst wenn das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge humanitäre Aufenthaltstitel widerrufen würde. Unter den rund 900.000 syrischen Staatsangehörigen in Deutschland befinden sich viele Menschen mit Fachkräfte-, Studien- oder Sprachkursaufenthalten, Menschen mit Niederlassungserlaubnissen und Menschen im Einbürgerungsverfahren.

Bundeskanzler Friedrich Merz spielt mit dem rhetorischen Feuer und bedient rassistische Abschiebediskurse, die Menschen mit syrischer Staatsangehörigkeit vor allem das Gefühl geben sollen: Ihr seid hier nicht willkommen.


Dabei sind wir längst Nachbar*innen, Freund*innen und Kolleg*innen – wir gehen zusammen zur Schule, waren gemeinsam auf den Hand-in-Hand-Protesten und engagieren uns für eine lebenswerte Nachbarschaft für alle!

Und eben deshalb wollen wir keine Gesellschaft, in der Menschen gezwungen werden, ihr Zuhause gegen ein Leben in Unsicherheit zu tauschen.

Wir fordern daher eine Umkehr in der politischen Haltung zum nicht demokratisch legitimierten Machthaber Ahmad al-Sharaa und ein Absehen von zwangsweisen Rückführungen nach Syrien.

Wir stehen für das Recht zu gehen, zu kommen und zu bleiben!
Für eine respektvolle Gesellschaft, in der jeder Mensch willkommen ist.

... link (5 Kommentare)   ... comment


Der Frühling ist da!
Und er zeigt sich in unserem Garten.









... link (0 Kommentare)   ... comment


Mittelmeerdiät schlägt fettarme Kost: neue Studiendaten zeigen klaren Vorteil fürs Herz
Univadis Nachrichten


Carlos Sierra, PhD

04. Mai 2026

Ausgewogene Ernährung ist keine Garantie für Gesundheit – doch sie ist ein entscheidender Faktor. Aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen deutlich: Eine Kost, die arm an Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten, Nüssen und Fisch ist, gleichzeitig aber reich an verarbeiteten Fleischprodukten, zugesetztem Zucker und Salz, zählt zu den wichtigsten Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Demgegenüber verdichten sich die Belege, dass die Mittelmeerdiät weit mehr als nur ein gesunder Lebensstil ist. Sie trägt maßgeblich dazu bei, Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorzubeugen, vorzeitiges Altern zu verlangsamen und den kognitiven Abbau zu bremsen. Ein eindrucksvolles Beispiel liefert die CORDIOPREV-Studie, eine klinische Untersuchung am Universitätsklinikum Reina Sofía im spanischen Córdoba, deren aktuelle Ergebnisse im European Journal of Internal Medicine veröffentlicht worden sind [1].

7 Jahre Forschung: CORDIOPREV liefert harte Zahlen
Die ursprünglich in The Lancet publizierte CORDIOPREV-Studie [2]ist eine randomisierte klinische Untersuchung mit 1.002 Teilnehmern, darunter 827 Männer (82,5%). Alle Teilnehmer litten an einer stabilen koronaren Herzkrankheit. Sie waren zwischen 20 und 75 Jahre alt, das Durchschnittsalter lag bei 59,5 Jahren. Über einen Zeitraum von 7 Jahren wurden sie engmaschig begleitet.


Forscher haben die Probanden in 2 Gruppen eingeteilt: 502 Personen ernährten sich mediterran mit viel nativem Olivenöl, während 500 Teilnehmer eine fettarme, ebenfalls gesunde Kost zu sich nahmen. „Auch die Vergleichsdiät musste aus ethischen Gründen gesund sein – es wäre nicht vertretbar gewesen, den Teilnehmern eine ungesunde Ernährung vorzugeben“, erklärt Dr. Pablo Pérez Martínez. Er ist wissenschaftlicher Direktor des Instituto Maimónides für biomedizinische Forschung (IMIBIC), Professor für Medizin an der Universität Córdoba sowie Facharzt für Innere Medizin am Universitätsklinikum Reina Sofía, Córdoba.

Ziel war es, das Auftreten schwerwiegender kardiovaskulärer Ereignisse zu vergleichen, darunter Herzinfarkt, Revaskularisation, ischämischer Schlaganfall, periphere arterielle Verschlusskrankheit oder kardiovaskulär bedingter Tod.

Im Verlauf der Studie trat ein solches Ereignis bei insgesamt 198 Personen auf: 87 in der Gruppe mit mediterraner Ernährung und 111 in der Kontrollgruppe. Besonders deutlich war der Unterschied bei Männern. Hier kam es bei 16,2% in der Mittelmeerdiät-Gruppe zu einem Ereignis, verglichen mit 22,8% in der Gruppe mit fettarmer Ernährung. Bei den Frauen zeigte sich kein signifikanter Unterschied.


Diese Ergebnisse machen deutlich: „Die Mittelmeerdiät verringert signifikant das Wiederauftreten schwerer kardiovaskulärer Ereignisse und ist damit eine besonders wirksame Strategie in der Sekundärprävention“, so Pérez Martínez.

Warum die Mittelmeerdiät mehr leisten kann
Die Studie belegt nicht nur einen statistischen Vorteil, sondern liefert auch Hinweise auf die zugrunde liegenden Mechanismen. Die mediterrane Ernährung scheint das Fortschreiten einer Atherosklerose zu verlangsamen, die Funktion des Endothels zu verbessern und entzündliche Prozesse zu modulieren, die an der Entstehung und am Aufbrechen von Plaques beteiligt sind. Dazu zählt unter anderem die Aktivität von Neutrophilen, die eine zentrale Rolle im Entzündungsgeschehen spielen.

Diese Erkenntnisse haben inzwischen Eingang in europäische Leitlinien gefunden. Dort wird die Mittelmeerdiät ausdrücklich als empfohlene Ernährungsweise für Patienten mit hohem kardiovaskulärem Risiko genannt.


Ein Studiendesign mit besonderer Aussagekraft
Was CORDIOPREV besonders macht, ist der Fokus auf Risikopatienten mit koronarer Herzkrankheit. Dadurch konnten Forscher erstmals belastbar untersuchen, welche Rolle die Ernährung in der Sekundärprävention spielt.

Hinzu kommt die lange Nachbeobachtungszeit von 7 Jahren sowie der direkte Vergleich mit einer ebenfalls gesunden, fettarmen Ernährung. „Die Studie wurde gezielt so konzipiert, dass wir prüfen können, ob eine mediterrane Ernährung mit viel Olivenöl den klinischen Verlauf stärker verbessert als eine fettarme Diät“, erläutert Pérez Martínez.

Besonders bemerkenswert sei, dass sich die Überlegenheit der Mittelmeerdiät gerade unter diesen anspruchsvollen Bedingungen gezeigt habe, so Pérez Martínez. „Sie wurde nicht mit einer eindeutig ungesunden Ernährung verglichen, sondern mit einer ebenfalls empfohlenen Diät. Das verleiht den Ergebnissen eine besonders hohe klinische Relevanz.“

Vom Wissen zum Verhalten: Die größte Herausforderung
Dich trotz jahrzehntelanger Forschung bleibt ein Problem bestehen: Erkenntnisse aus der Wissenschaft erreichen die Bevölkerung oft nicht in Form konkreter Verhaltensänderungen. Viele Menschen treffen ihre Entscheidungen, was auf dem Speiseplan steht, weiterhin nach Bequemlichkeit, Geschmack oder Gewohnheit. Gesundheitliche Effekte spielen oft nur eine untergeordnete Rolle.

Um diese Lücke zu schließen, haben Ärzte aus Córdoba das Programm E-DUCASS ins Leben gerufen. Es handelt sich um eine 24-monatige Bildungsintervention für sozial benachteiligte Familien mit erhöhtem Risiko, sich ungesund zu ernähren. Teilnehmer erhielten zunächst eine Präsenzschulung und wurden anschließend zufällig 2 Interventionsformen zugeteilt: einer klassischen persönlichen Betreuung oder einer digitalen Begleitung.

Damit wollten Ärzte herausfinden, ob digitale Strategien effektiver sein könnten als traditionelle Ansätze. Unterstützt wurde das Programm durch kostengünstige Workshops, passgenaue Informationsmaterialien sowie leicht zugängliche Kanäle wie YouTube, WhatsApp und SMS. Hinzu kamen gesunde, preiswerte Speisepläne mit regionalen und saisonalen Lebensmitteln.

4 Jahre nach Start des Projekts zeigen vorläufige Ergebnisse eine klare Tendenz: „Die digitale Intervention verbessert die kardiovaskuläre Gesundheit effektiver als herkömmliche Methoden – insbesondere in vulnerablen Bevölkerungsgruppen“, sagt Pérez Martínez.

Skalierung auf internationaler Ebene geplant
Jetzt sollen die Ansätze weiterentwickelt und international erprobt werden. Mit den Projekten E2-DUCASS und E-DUCASS Advance stehen die nächsten Schritte fest.

E2-DUCASS untersucht die Übertragbarkeit des Modells auf andere Länder, darunter Portugal und Taiwan. E-DUCASS Advance wiederum analysiert, inwiefern der sozioökonomische Status den Erfolg der Intervention beeinflusst, indem Forscher Bevölkerungsgruppen mit unterschiedlichem Einkommen in die Studie aufnehmen und begleiten.


Ziel beider Projekte ist, die Anwendbarkeit, Skalierbarkeit und Wirksamkeit der Maßnahmen in unterschiedlichen sozialen und geografischen Kontexten zu überprüfen. Während E2-DUCASS bereits in der Interventionsphase ist, läuft für E-DUCASS Advance derzeit die Rekrutierung der Teilnehmer.

Mediterrane Diät als moderne Präventionsstrategie
Damit wird deutlich: Die Mittelmeerdiät ist längst mehr als ein kulturelles Ernährungsmuster – sie entwickelt sich zunehmend zu einem zentralen Baustein moderner Präventionsstrategien im Kampf gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Jetzt geht es darum, sie in den Alltag der Menschen zu bringen.

Der Beitrag ist im Original erschienen auf Univadis.es.

... link (0 Kommentare)   ... comment


Dienstag, 28. April 2026
Zur Tragik und zugleich Peinlichkeit des Friedrich Merz
Merz vertritt und repräsentiert einen ganz bestimmten Konservatismus, der nicht nur wert- sondern auch normkonservativ, aber nicht strukturkonservativ sondern in wirtschaftlichen Angelegenheiten wirtschaftsliberal ist. Bei ihm ist das noch aufgepeppt mit so einer Manager-Motivations-Ideologie.

Er sieht diesen Konservatismus aber nicht aus seiner ideengeschichtlichen Historie heraus und schon gar nicht als eine politische Ideologie oder Geisteshaltung, Position neben und zwischen anderen. Stattdessen ist das für ihn die mit dem gesunden Menschenverstand gleichgesetzte natürliche Ordnung der Dinge. Wer seiner Sichtweise zustimmt ist ein erkenntnisvoller vernünftiger Mensch. Wer ihr widerspricht oder entgegengesetzte Ansichten vertritt ist unvernünftig und unwissend.

Ansonsten gilt: Leistung wird belohnt. Anstrengung führt zum Erfolg. Wer vermögend ist, hat es verdient vermögend zu sein und sich im Regelfall sein Einkommen in redlicher Arbeit verdient. Wer nichts hat hat nicht genug geleistet und ist schlimmstenfalls ein Versager. Diese Haltung ist kein Zynismus, kein Narzissmus und erst recht keine bewusste Menschenverachtung. Es ist seine ehrliche, naive Überzeugung. Er glaubt das alles. Das ist seine Tragödie und sein Drama.

... link (8 Kommentare)   ... comment


Montag, 27. April 2026
Brownham Inn oder die Features
Mein Vater spricht keinen Satz Englisch. Das hängt damit zusammen dass es das zu seiner Zeit für Volksschüler nicht gab, er gehört halt zu einer sehr alten Generation. Wenn in meiner Jugend wir Kinder etwas auf Englisch, Französisch oder Latein sagten oder irgend etwas intellektuelles, wissenschaftsaffines erzählten antwortete er, um sein Unverständnis auszudrücken: "Braunau am Inn." Da war Adolf Hitler geboren, und die Antwort bedeutete, mehr habe er in der Schule nicht gelernt. Ich aber verstand "Brownham Inn", womit ich zwar nichts anzufangen wusste, aber dachte, das sei eine besonders geistreiche Anspielung;-)

Letzten Freitag erzählte er, dass die Fridays for Future Bewegung wieder Aktionen machte. Er drückte das folgendermaßen aus: "Die Features sind wieder aktiv!".

... link (0 Kommentare)   ... comment


Samstag, 25. April 2026
25. April - Jahrestag der Nelkenrevolution!
https://www.youtube.com/watch?v=0hYn-s64Pgk&list=TLPQMjUwNDIwMjbNzseAoWBPHg&index=1

... link (0 Kommentare)   ... comment


Dienstag, 21. April 2026
Auch eine Art Final: Cook tritt zurück
https://www.businessinsider.com/smart-people-comments-tim-cook-legacy-apple-2026-4

... link (1 Kommentar)   ... comment


Donnerstag, 16. April 2026
Verlangsamen Multivitamine das Altern? Wohl kaum...
F. Perry Wilson, MD, MSCE

16. April 2026

Eine neue Studie sorgt für Schlagzeilen: Tägliche Multivitamine sollen die biologische Alterung verlangsamen. Doch Prof. Dr. F. Perry Wilsons kritischer Blick auf die Daten zeigt: Der Effekt ist minimal – und existiert möglicherweise gar nicht. Wilson ist außerordentlicher Professor für Medizin und Public Health, Direktor des Clinical and Translational Research Accelerator in Yale und regelmäßiger Kommentator auf Medscape.com. Das Transkript wurde aus Gründen der besseren Lesbarkeit redigiert.

"Willkommen bei Impact Factor, Ihrer wöchentlichen Einordnung einer neuen medizinischen Studie. Ich bin Dr. F. Perry Wilson von der Yale School of Medicine.

Momentan sorgt eine neue Studie für Schlagzeilen – immerhin handelt es sich um eine randomisierte Studie. Ihr Ergebnis: Die tägliche Einnahme eines Multivitamins soll die biologische Alterung deutlich verlangsamen.

Doch es gibt ein Problem. Wer die Studie tatsächlich im Detail liest, erkennt schnell: Diese Multivitamine bewirken im Grunde so gut wie nichts.

Beobachtungsstudien mit Bias; randomisierte Arbeiten ohne Effekt
Ich stehe Vitaminen und Nahrungsergänzungsmitteln seit Jahren eher kritisch gegenüber. Meiner Ansicht nach ist ein Großteil der Beobachtungsstudien durch den sogenannten Healthy-User-Effekt verzerrt: Menschen, die regelmäßig Vitamine einnehmen, haben häufig auch in anderen Bereichen einen gesünderen Lebensstil. Auch zeigen randomisierte Studien zu Nahrungsergänzungsmitteln überwiegend keine überzeugenden Effekte.


Allerdings leben wir in einer Zeit schneller persönlicher Angriffe. Bevor mir also jemand vorwirft, ich würde im Interesse der Pharmaindustrie argumentieren, sei erwähnt: Bei der Studie, über die ich heute sprechen werde, untersuchten Forscher das Präparat Centrum Silver – damals produziert von einem Joint Venture zwischen Pfizer und GlaxoSmithKline.

Die COSMOS-Studie: Kakao, Vitamine und hohe Erwartungen
Die betreffende Arbeit erschien im renommierten Fachjournal Nature Medicine. Sie ist eine Subanalyse der COSMOS-Studie, der „Cocoa Supplement and Multivitamin Outcomes Study“.

Wer in dem Bereich arbeitet, kennt diesen Namen vermutlich. COSMOS sollte ursprünglich klären, ob Kakao – oder ein Bestandteil davon – vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen kann. Finanziert wurde die Studie unter anderem vom Süßwarenhersteller Mars. Der primäre Endpunkt fiel jedoch negativ aus. In einigen sekundären Analysen fanden sich zwar Hinweise auf mögliche kardiovaskuläre Vorteile von Kakao. Doch ein klarer Effekt ließ sich nicht belegen.


Die Studie umfasste auch einen Multivitamin-Arm. Genauer gesagt handelte es sich um ein 2×2-faktorielles Studiendesign: Ein Teil der Teilnehmenden erhielt ein Multivitamin plus Placebo, ein anderer ein Kakao-Supplement plus Placebo. Eine 3. Gruppe bekam sowohl Multivitamin als auch Kakao, während eine 4. Gruppe 2 Placebos erhielt. Solche faktoriellen Designs gelten als elegante Methode, um gewissermaßen 2 Studien zum Preis von anderthalb durchzuführen.

Vergrößern
photo of Cocoa Supplement and Multivitamin Outcomes Study
Die COSMOS-Studie hat inzwischen eine ganze Reihe weiterer Analysen hervorgebracht. Dazu gehört auch die COSMOS-Mind-Studie, die darauf hindeutete, dass die Einnahme eines Multivitamins möglicherweise positive Effekte auf die kognitive Leistungsfähigkeit zeigen könnte. Der Kardiologe Dr. Chris Labos hat zu dieser Arbeit allerdings einen lesenswerten Beitrag veröffentlicht, der diese Ergebnisse deutlich relativiert.

Untersuchung der Alterung anhand epigenetischer Marker
In der aktuellen Auswertung wird die Studie nun genutzt, um einen anderen Aspekt zu untersuchen: das Altern selbst – genauer gesagt das Altern, gemessen anhand epigenetischer Alterungsuhren. Doch was verbirgt sich hinter diesem Begriff?


Im Grunde verändert sich unsere DNA im Laufe des Lebens ein wenig. Dabei geht es weniger um Variationen im eigentlichen genetischen Code – auch wenn sich im Laufe der Zeit durchaus einige Mutationen ansammeln können.

Entscheidend sind vielmehr kleine chemische Gruppen, die sich an DNA-Strang anlagern, insbesondere Methylgruppen. Man kann sie sich ein wenig wie Staub vorstellen, der sich im Laufe der Jahre langsam auf einem Kaminsims absetzt. Mit zunehmendem Alter sammeln sich diese Markierungen an – und mehrere Forschungsgruppen konnten zeigen, dass ihr Muster erstaunlich gut mit dem tatsächlichen Lebensalter eines Menschen korreliert.

Vergrößern
photo of Cocoa Supplement and Multivitamin Outcomes Study
Natürlich ist diese Korrelation nicht perfekt. Manche Menschen haben gewissermaßen mehr „Staub auf dem Kaminsims“ ihrer DNA, als es ihr tatsächliches Alter vermuten ließe, andere weniger. Mehrere Studien zeigen jedoch, dass die Differenz zwischen chronologischem und biologischem Alter klinische Bedeutung haben kann, etwa in Hinblick auf ein erhöhtes Risiko für Tod, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebs.

Das Problem: Während es für das kalendarische Alter nur eine einzige Referenz gibt – schließlich sind sich alle einig, wie viele Tage ein Jahr hat –, existieren verschiedene epigenetische Uhren. Im Grunde handelt es sich dabei um Algorithmen, die auf unterschiedliche Weise trainiert wurden. Sie verarbeiten ähnliche, aber nicht identische Datensätze und liefern am Ende eine Zahl. Diese Ergebnisse stimmen nicht immer überein. Wie stark sie voneinander abweichen können, wird gleich noch deutlich. Doch zunächst ein Blick auf die Grundlagen der Studie.

Von den rund 21.000 Teilnehmenden der ursprünglichen COSMOS-Studie wurden 958 Personen zufällig ausgewählt, bei denen DNA-Methylierungsanalysen durchgeführt wurden und die die Qualitätskontrollen bestanden. Durch die Randomisierung der Gesamtstudie verteilten sich auch in dieser Teilgruppe die vier Behandlungsarme relativ gleichmäßig.

Vergrößern
photo of Cocoa Supplement and Multivitamin Outcomes Study
Die untersuchte Gruppe ähnelt stark der Gesamtpopulation der großen COSMOS-Studie: überwiegend ältere Menschen mit einem durchschnittlichen Alter von etwa 70 Jahren, rund die Hälfte davon Frauen. Eine Besonderheit dieser Analyse ist allerdings, dass Personen ausgeschlossen wurden, die innerhalb des 2-jährigen Studienzeitraums Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebs als neue Diagnose erhalten haben.


Damit sollte sichergestellt werden, dass die Ergebnisse tatsächlich „gesundes Altern“ widerspiegeln und nicht durch den Einfluss einer neu auftretenden Krankheit verzerrt werden. Allerdings widerspricht dieses Vorgehen einem meiner epidemiologischen Grundsätze: „Du sollst deine Analyse nicht von Informationen abhängig machen, die erst in der Zukunft entstehen.“ In diesem Fall wollen wir darüber hinwegsehen.

Zu 3 Zeitpunkten, zu Beginn der Studie sowie nach einem und nach 2 Jahren, wurde bei allen Teilnehmenden das biologische Alter bestimmt. Dafür nutzten die Forscher gleich 5 verschiedene Algorithmen, die auf DNA-Methylierungsdaten basieren.

Genau hier lohnt sich ein genauerer Blick auf die Daten. Denn während man bei einer „Uhr“ normalerweise eine sehr präzise Messung erwartet, trifft das auf epigenetische Alterungsuhren nur eingeschränkt zu.

Das zeigt sich etwa in Streudiagrammen, in denen die Ergebnisse verschiedener epigenetischer Uhren miteinander verglichen werden. Betrachtet man zum Beispiel das biologische Alter nach der Horvath-Methode im Vergleich zur GrimAge-Methode, entsteht eine große Punktwolke. Ein solches Muster deutet darauf hin, dass diese Verfahren trotz des Begriffs „Uhr“ offenbar nicht exakt dasselbe biologische Phänomen messen.


Vergrößern
photo of Cocoa Supplement and Multivitamin Outcomes Study
20 verschiedene Hypothesen im Fokus
Betrachtet man die neue Analyse im klassischen Schema von Exposition und Ergebnis, wird die Struktur der Studie klarer. Es gibt 2 Expositionen: zum einen ein Kakao-Extrakt (finanziert von Mars), zum anderen das Multivitaminpräparat Centrum Silver (damals von Pfizer und GlaxoSmithKline produziert). Beide Interventionen wurden den Teilnehmern zufällig zugewiesen. Methodisch ist das Design zunächst einmal sauber.

Auf der Ergebnis-Seite stehen 5 verschiedene epigenetische Alterungsuhren. Allerdings wurden diese nicht nur einmal gemessen, sondern zu 2 Zeitpunkten – nach einem Jahr und nach 2 Jahren. Eine einfache Rechnung zeigt daher, dass insgesamt 2 × 5 × 2, also 20 verschiedene Hypothesen, getestet werden. Eine klar definierte primäre Hypothese oder ein einzelner primärer Endpunkt wird jedoch nicht angegeben.

Wer sich durch das Supplement der Studie arbeitet, findet tatsächlich alle diese 20 Analysen im Detail aufgelistet. Genau dort tauchen sie auf – sämtliche getesteten Kombinationen.


Vergrößern
photo of Cocoa Supplement and Multivitamin Outcomes Study
Von diesen zwanzig Tests überschreiten nur 2 die übliche Schwelle für statistische Signifikanz, also mit einem p-Wert von unter 0,05. Diese Grenze bedeutet: Wenn man 20 statistische Tests durchführt, ist es durchaus zu erwarten, dass mindestens einer davon allein durch Zufall „signifikant“ ausfällt. Tatsächlich liegt die Wahrscheinlichkeit, dass 2 oder mehr solcher scheinbar positiven Ergebnisse rein zufällig auftreten, bei rund 26%.

Vergrößern
photo of Cocoa Supplement and Multivitamin Outcomes Study
In der Studie zeigten sich 2 statistisch positive Zusammenhänge zugunsten der Multivitamin-Gruppe. Teilnehmer, die zufällig der Einnahme eines Multivitamins zugeteilt wurden, wiesen nach 2 Jahren eine geringere Veränderung der epigenetischen Alterungsmarker „PhenoAge“ und „GrimAge“ auf als die Placebogruppe. Konkret stieg der PhenoAge-Wert in der Multivitamin-Gruppe im Durchschnitt um etwa 0,4 Jahre weniger als bei den Personen ohne Supplement.

Allerdings ist dieses Ergebnis mit Vorsicht zu interpretieren. Die Daten weisen eine erhebliche Streuung auf, sodass der Unterschied von 0,4 Jahren statistisch lediglich einem Effekt von 0,08 Standardabweichungen entspricht. In der wissenschaftlichen Forschung gelten Effekte unterhalb von 0,2 Standardabweichungen als sehr klein. Zudem ist nicht sicher, ob der beobachtete Unterschied tatsächlich real ist oder lediglich durch multiple Vergleiche entstanden sein könnte – also dadurch, dass viele statistische Tests gleichzeitig durchgeführt worden sind.

Das Problem der multiplen Vergleiche
Die Autoren der Studie geben selbst an, ihre Analysen nicht für multiple Vergleiche korrigiert zu haben. Ihre Begründung lautet, dass die verschiedenen epigenetischen Uhren miteinander korreliert seien und daher nicht wie vollständig unabhängige Messungen behandelt werden sollten.


Dieses Argument ist jedoch wissenschaftlich umstritten. Zum einen sind diese Marker nicht so stark miteinander korreliert, wie häufig angenommen wird. Zum anderen existieren in der Statistik verschiedene etablierte Methoden, um auch bei korrelierten Endpunkten das Risiko von Fehlentdeckungen zu verringern. Ohne eine solche Korrektur steigt die Wahrscheinlichkeit, dass ein scheinbar signifikanter Effekt lediglich zufällig zustande gekommen ist.

Epigenetische Marker sind nur Ersatzgrößen
Selbst wenn man annimmt, dass der beobachtete Effekt real ist, bleibt eine grundlegende Frage offen: Bedeutet eine Veränderung der DNA-Methylierung tatsächlich, dass sich der Alterungsprozess verlangsamt?

Die epigenetischen Uhren sind klassische Surrogatmarker. Dabei handelt es sich um Messgrößen, die mit wichtigen gesundheitlichen Ergebnissen korrelieren, aber nicht identisch mit diesen sind. Manchmal führt eine Veränderung eines solchen Markers tatsächlich zu einer Verbesserung klinischer Endpunkte – manchmal jedoch nicht.

Ein Beispiel für einen funktionierenden Surrogatmarker ist der Blutdruck. Ein erhöhter Blutdruck ist mit einem höheren Schlaganfallrisiko verbunden, und eine Behandlung, die den Blutdruck senkt, reduziert nachweislich auch das Risiko für Schlaganfälle.


Doch nicht jeder Marker funktioniert auf diese Weise. Griffkraft etwa ist ein guter Indikator für Gebrechlichkeit im Alter. Wenn ältere Menschen jedoch ihre Griffkraft durch regelmäßiges Training mit einem Stressball verbessern, führt das nicht automatisch zu besseren gesundheitlichen Ergebnissen.

Wir wollen aber wissen: Selbst wenn Multivitamine bestimmte epigenetische Marker beeinflussen sollten – bedeutet das tatsächlich, dass Menschen dadurch langsamer altern oder länger gesund bleiben? Genau diese Frage bleibt durch die vorliegenden Daten weiterhin unbeantwortet.

Vergrößern
photo of Cocoa Supplement and Multivitamin Outcomes Study

Ist die DNA-Methylierung also tatsächlich der Mechanismus des Alterns – oder lediglich ein Marker dafür?


Falls sie nur ein Indikator des Alterungsprozesses ist, stellt sich die Frage, wie relevant es überhaupt wäre, wenn Multivitamine diese Werte verändern. Genau diesem Punkt gehen die Autoren der Studie nach. Sie argumentieren, dass ein wichtiger Endpunkt in diesem Zusammenhang die kognitive Leistungsfähigkeit ist.

In einer früheren Untersuchung derselben Forschungsgruppe zeigte sich ein kleiner positiver Effekt von Multivitaminen auf die kognitive Funktion. Daher wollten die Autoren wissen, ob diese Verbesserung durch die in der aktuellen Studie beobachteten Veränderungen der DNA-Methylierung erklärt werden kann.

Die Antwort lautet jedoch: nein. Es zeigte sich keine signifikante Vermittlung der kognitiven Leistungsfähigkeit durch Veränderungen der epigenetischen Uhren. Wenn Vitamine tatsächlich das Denken verbessern, dann geschieht dies offenbar nicht über diesen Mechanismus.

Vergrößern
photo of Cocoa Supplement and Multivitamin Outcomes Study
Mittlerweile liegen einige Publikationen aus dieser randomisierten Untersuchung vor, die verschiedene gesundheitliche Bereiche betrachten. Insgesamt sind die Ergebnisse jedoch – offen gesagt – wenig beeindruckend. Es zeigen sich lediglich kleine Effekte in sehr spezifischen Analysen, die sich innerhalb desselben Datensatzes nicht breiter bestätigen lassen und auch durch andere Studien zu Vitamintherapien nicht gestützt werden.

Wir alle altern – das gehört definitionsgemäß zum Leben. Und natürlich möchte ich diesen Prozess ebenso gern verlangsamen wie jeder andere. Mikronährstoffe und Vitamine könnten dabei durchaus eine Rolle spielen. Dennoch bin ich überzeugt, dass der Nutzen einer vielfältigen, ausgewogenen Ernährung als Quelle für diese Nährstoffe deutlich größer ist als der mögliche Vorteil – falls es ihn überhaupt gibt – von Vitaminen in Tablettenform."


Der Beitrag ist im Original erschienen auf Medscape.com.

... link (1 Kommentar)   ... comment


Nutzen der Grippeimpfung bei Kindern; Antidepressivum gegen Fatigue bei Long-COVID; neue Impfstoffe gegen Tuberkulose
Michael van den Heuvel, medscape

Infektiologie-Newsblog, Update vom 16. April 2026
COVID-19, Influenza, RSV – die Trends in Deutschland
Long-COVID: Nach wie vor immense gesundheitsökonomische Folgen
Long-COVID: Antidepressivum Fluvoxamin lindert Fatigue
Influenza: So effektiv ist die Grippeimpfung bei Kindern
H. pylori: Probiotikum kann die Eradikation verbessern
TBC: Impfstoffe zeigen in Phase-3-Studien einen gewissen Schutz
COVID-19, Influenza, RSV – die Trends in Deutschland
Auf der Website „Infektionsradar“ stellt das Bundesministerium für Gesundheit Trends bei akuten Atemwegserkrankungen (ARE) zusammen. Die neuesten 7-Tage-Inzidenzen (laborbestätigte Fälle je 100.000 Einwohner):

Aktuelle Woche Vorwoche
COVID-19 0,3 0,2
Influenza 0,74 1,16
Respiratorisches Synzytialvirus (RSV) 4,29 4,10
Die Erkältungssaison in Deutschland verliert laut RKI weiter an Dynamik. In der 15. Kalenderwoche 2026 ist die Aktivität akuter respiratorischer Erkrankungen (ARE) in der Bevölkerung erneut zurückgegangen: Sie liegt inzwischen auf einem insgesamt niedrigen Niveau. Damit bestätigt sich der Trend der vergangenen Wochen: Die typische Winterwelle ist weitgehend abgeklungen.


Ein Blick auf virologischen Daten zeigt, welche Erreger aktuell zirkulieren: In den untersuchten Proben dominierten vor allem Rhinoviren, gefolgt von Adenoviren, Respiratorischen Synzytialviren (RSV) und humanen Metapneumoviren (hMPV). Auffällig ist, dass weder Influenza-Viren noch SARS-CoV-2 in den Sentinelproben nachgewiesen wurden – ein klares Zeichen für das Ende der klassischen Grippe- und COVID-Welle in dieser Saison.

Long-COVID: Nach wie vor immense gesundheitsökonomische Folgen
Long-COVID wirft Jahre nach der Pandemie weiterhin einen langen Schatten auf Gesundheitssysteme und Volkswirtschaften. Auf dem Höhepunkt des Infektionsgeschehens im Jahr 2021 waren weltweit rund 75 Millionen Menschen betroffen; die direkten Gesundheitskosten beliefen sich auf etwa 53 Milliarden US-Dollar. Inzwischen ist die Prävalenz stark gesunken. Doch selbst unter konservativen Annahmen werden die Behandlungskosten in OECD- und EU-Ländern weiterhin bei rund 11 Milliarden US-Dollar pro Jahr liegen. Darauf weist ein neuer Bericht der OECD hin.

Noch schwerer wiegen die indirekten Folgen, etwa weniger Leistungsfähigkeit bzw. häufigere Fehlzeiten im Job und ein vorzeitiger Ausstieg aus dem Erwerbsleben. Insgesamt könnten dadurch bis zu 0,2% der weltweiten Wirtschaftsleistung pro Jahr verloren gehen. Das sind etwa 210 Milliarden US-Dollar pro Jahr.


Gleichzeitig kritisiert die OECD im Report, dass viele Länder keine klaren Strategien für Diagnose, Versorgung und berufliche Wiedereingliederung etabliert haben. Einheitliche Leitlinien, strukturierte Versorgungspfade und eine bessere Koordination zwischen der Gesundheits-, Sozial- und Arbeitsmarktpolitik gelten als entscheidend, um Betroffene zu unterstützen.

Long-COVID: Antidepressivum Fluvoxamin lindert Fatigue
Eine randomisierte, placebokontrollierte Studie aus Brasilien liefert Hinweise auf eine mögliche Therapieoption bei Long-COVID: Das Antidepressivum Fluvoxamin könnte Fatigue messbar verringern, wie Forscher in den Annals of Internal Medicine berichten.


An ihrer Studie nahmen 399 Erwachsene teil, die mindestens 90 Tage nach bestätigter SARS-CoV-2-Infektion weiterhin unter ausgeprägter Fatigue litten. Sie erhielten über 60 Tage hinweg entweder Fluvoxamin (100 mg 2-mal täglich), Metformin (750 mg 2-mal täglich) oder Placebo. Als primären Endpunkt haben Forscher die Veränderung der Fatigue Severity Scale (FSS) herangezogen.


Die Ergebnisse zeigen einen signifikanten Vorteil für Fluvoxamin: Nach 60 Tagen veränderte der Fatigue-Score im Vergleich zu Placebo um durchschnittlich -0,43 Punkte. Dieser Effekt blieb auch nach 90 Tagen bestehen und verstärkte sich sogar auf -0,58 Punkte weniger. Zusätzlich verbesserten sich unter Fluvoxamin die Lebensqualität. Metformin zeigte keinen signifikanten Nutzen gegenüber Placebo.

Auch beim Sicherheitsprofil schnitt Fluvoxamin günstig ab. Nebenwirkungen traten bei 20,0% der Patienten auf, verglichen mit 28,8% unter Metformin und 29,7% unter Placebo.

Die Autoren weisen jedoch auf Limitationen ihrer Arbeit hin: Die Nachbeobachtungszeit betrug lediglich 90 Tage, sodass unklar bleibt, ob der Effekt langfristig anhält. Zudem konzentrierte sich die Studie auf Fatigue, während andere typische Long-COVID-Symptome wie kognitive Störungen oder Dyspnoe nicht untersucht worden sind.

Influenza: So effektiv ist die Grippeimpfung bei Kindern
Eine Grippeimpfung kann Kinder wirksam vor schweren Krankheitsverläufen schützen. Zu dem Ergebnis kommt eine umfangreiche, in Pediatrics veröffentlichte Analyse.

Für ihre Arbeit haben Forscher Daten aus 7 pädiatrischen Zentren in den USA ausgewertet, und zwar für die Saisons 2021 bis 2024. Eingeschlossen wurden 19.917 Kinder im Alter von 6 Monaten bis 17 Jahren, die wegen akuter Atemwegsinfektionen ambulant behandelt oder hospitalisiert werden mussten.


Bei 2.831 Kindern (14%) haben Ärzte Influenza nachgewiesen; 17.086 (86%) waren negativ. 8.523 Kinder (43%) waren geimpft, 11.394 (57%) ungeimpft. Die Impfquote blieb über alle Saisons hinweg niedrig: Unter den Kindern ohne Influenza waren je nach Saison nur 44% bis 51% geimpft.

Die Wirksamkeit der Impfung variierte je nach Saison, lag insgesamt jedoch zwischen 34% und 60% beim Schutz vor Influenza-assoziierten Krankenhausaufenthalten und ambulanten Behandlungen. Je nach Virustyp zeigte sich ein unterschiedlicher Schutz: Gegen Influenza B betrug die Wirksamkeit 69%, gegen Influenza A/H1N1 53% und gegen Influenza A/H3N2 43%.

Damit bestätigt die Analyse, dass die Grippeimpfung das Risiko für schwere Verläufe und Arztbesuche auch bei Kindern deutlich senken kann. Eine generelle Empfehlung der Ständigen Impfkommission gibt es bislang nicht, trotz der Forderung von Experten.


H. pylori: Probiotikum kann die Eradikation verbessern
Die Ergänzung einer Standardtherapie gegen Helicobacter pylori mit dem Probiotikum Saccharomyces boulardii könnte die Behandlung wirksamer und besser verträglich machen. Darauf weist eine große Analyse aus dem europäischen Register zur Behandlung von H. pylori hin, in der mehr als 41.000 Therapien ausgewertet wurden. Details sind im Journal Helicobacter nachzulesen.

Die Auswertung umfasste 41.298 Therapien zwischen den Jahren 2013 und 2023. In 2.890 Fällen erhielten Patienten zusätzlich Saccharomyces boulardii. Als Kontrolle zogen die Autoren 38.408 mit Standardtherapie ohne S. boulardii heran. Analysiert wurden die Eradikationsrate und das Auftreten von Nebenwirkungen.

Besonders deutlich zeigte sich der Effekt bei einer Begleittherapie mit Clarithromycin, Amoxicillin und Metronidazol beziehungsweise Tinidazol. Mit zusätzlichem Probiotikum lag die Eradikationsrate bei 93%, ohne Probiotikum bei 90%. Gleichzeitig sank das Risiko für Nebenwirkungen um etwa 20%.


Durchfall trat mit Probiotikum bei 5,0% der Patienten auf, ohne Zusatz bei 7,5%. Geschmacksstörungen wurden in 5,0% statt 7,0% beobachtet, Übelkeit in 4,0% statt 7,0%. Das Risiko von Bauchschmerzen halbierte sich (4,0 % vs. 2,0 %). Ähnliche Effekte zeigten sich bei Dyspepsie (2,5% vs. 3,0 %), Schwäche (2,0 % vs. 4,0 %), Sodbrennen (1,0% vs. 2,0%) und Appetitverlust (0,3% vs. 3,0%).

TBC: Impfstoffe zeigen in Phase-3-Studien einen gewissen Schutz
2 neue TB-Impfstoffe sind sicher, verhindern jedoch keine pulmonale Tuberkulose. Gegen extrapulmonale Verläufe zeigen sich allerdings gute Effekte. Das schreiben Forscher im BMJ.

Im Rahmen der Phase-3-Studie PreVenTB haben sie untersucht, ob die experimentellen Impfstoffe VPM1002 und Immuvac vor Tuberkulose schützen. An der randomisierten Studie nahmen 12.717 gesunde Haushaltskontakte von Patienten mit offener Tuberkulose aus Indien teil. Die Probanden erhielten entweder VPM1002, Immuvac oder Placebo. Sie wurden über 38 Monate hinweg nachbeobachtet.

Dabei erkrankten 1,68% aller Probanden im VPM1002-Arm, 2,09% im Immuvac-Arm und 2,13% in der Placebogruppe. Die Autoren fanden keinen überzeugenden Schutz vor allen TB-Formen oder vor pulmonaler Tuberkulose.


Auffällig war jedoch ein deutlicher Effekt bei extrapulmonaler Tuberkulose: Hier lag die Wirksamkeit von VPM1002 bei rund 50%, für Immuvac bei etwa 33%. Bei Teilnehmern mit positivem Tuberkulin-Hauttest erreichten beide Impfstoffe sogar Schutzraten von rund 65%. Besonders ausgeprägt war der Effekt bei Kindern und Jugendlichen zwischen 6 und 14 Jahren, bei denen VPM1002 die Gesamt-TB-Rate um etwa 65% verringern konnte.

Beide Impfstoffe wurden gut vertragen. Etwa 1 Drittel der Teilnehmer hatte milde lokale Reaktionen. Immunologisch führten beide Vakzine zu Mycobacterium-tuberculosis-spezifischen polyfunktionalen CD4-T-Zellen.

Insgesamt zeigen die Ergebnisse: VPM1002 und Immuvac sind sicher, bieten jedoch keinen klaren Schutz vor pulmonaler Tuberkulose. Für extrapulmonale, oft schwerere TB-Verläufe deutet sich ein Nutzen an.



https://deutsch.medscape.com/viewarticle/nutzen-grippeimpfung-kindern-fluvoxamin-long-covid-neue-2026a1000b26?ecd=WNL_mdplsfeat_260416_mscpedit_de_etid8270065&uac=389796AZ&impID=8270065

... link (0 Kommentare)   ... comment


Mittwoch, 15. April 2026
Tor des Monats
Ist mal wieder Trump: Führt einen Krieg, zu dessen vorgeblichen Zielen es unter anderem gehört, die freie Durchfahrt durch die Straße von Hormuz zu garantieren um diese zu blockieren, nachdem der Iran, wenn auch gegen Mautpflicht, diese Blockade aufgehoben hat.

... link (0 Kommentare)   ... comment


Montag, 13. April 2026
Der Epstein
hat das Weiße Haus früher immer über den Lieferanteneingang betreten. Na ja, entspricht ja auch seiner Aufgabe;-)

... link (0 Kommentare)   ... comment


Die guten alten Läden mit den guten deutschen Namen
Der G. meint, dass es ja viele schöne Juwelier- Goldschmied- und Uhrmacherläden in der Innenstadt gibt, einen neben dem anderen. Sind auch gute Läden, aber die Namen.... Reza Ahmadzadeh, Elyas Hamdani, Leyla Mahmood, Hassan Khaled, Nirumand, Visvanathan."

Sagt die N. : "Früher waren das alles gute Deutsche Namen, Niehoff, Meyer, Wagner, Heidemann, Schultheiß, Wörner, gibt es keinen Einzigen von mehr, eine Schande ist das!".

Sagt der G.: "Ja, seit der Arisierung ist das so, vorher hießen die Levi, Salomon, Rosenthal, Samuelson, Silbermann, Blumenstein....."

... link (0 Kommentare)   ... comment


Donnerstag, 9. April 2026
Vor 81 Jahren
wurde Georg Elser im KZ Dachau ermordet.

... link (0 Kommentare)   ... comment


Mittwoch, 8. April 2026
So eine creepy Cringe!
Die finde ich aber völlig spooky, Digga. Keine Ahnung, genau. Safe und sure. Der hat ja auch so eine goofy Aura und yapped zu viel - Wer so redet ist entweder unter 30, eher unter 20 oder, falls deutlich älter in Kontakt mit der Gamerszene. Lehrer oder Dozenten sollten sich mit dem Vokabular vertraut machen um durchzusteigen.

So, wie wir ja auch in meiner Jugend eine Sprache gebrauchten die die Altvorderen nicht beherrschten. Und deren Ausdrücke heute eher unter Spracharchäologie fallen: Dufte, knorke, toff, schocke, geht ab wie Hacke, Connections haben, GV, Härtner, Drogist, stengelieren, Tausendsassa, Springinsfeld, Maulaffen feilhalten, Turteltäubchen, hurtig, Katzentisch, Tranfunzel, Tropi, Mehlauge, Wuchtbrumme.

Oder der Sprachschatz der Generation meiner Eltern, wo Knast Kittchen hieß oder ein Strafzettel ein Beet war, tanzen schwoofen genannt wurde (dieser Begriff war in meiner Alterskohorte nicht Tanzen allgemein sondern das was heute Klammerblues heißt) und flirten poussieren, leer ausgehen Neese machen oder Korb bekommen hieß. Ein Aufreißer oder auch Dauerkneipenbesucher Geher oder Gänger genannt wurde, ein Mann ohne Charme ein Stiesel und eine schüchterne und unvorteilhaft gekleidete Frau ein Mauerblümchen war. Und ein Ferkel das kein Fett ansetzte als Nichtraucher bezeichnet wurde.

Ich schätze mal, die Youngsters wären auch überfordert wenn man ihnen mit diesem Wortschatz käme ;-)

... link (9 Kommentare)   ... comment


Detlef Hartmann: Der Meister plaudert aus der Werkstatt
Hier wird ganz gut auf den Punkt gebracht, was für eine politische Weltsicht unsereins so hat. Ich teile nicht alles was Detlef im Einzelnen vertritt, aber in den Kernpunkten ist das auch meine eigene politische theoretische Verortung.

Und er selbst so eine Art spiritus rector der eigenen Bewegung und väterlicher Freund eines alten Genossen.


https://www.youtube.com/watch?v=1nrLu7M6iB8&t=2863s

... link (0 Kommentare)   ... comment


Dienstag, 7. April 2026
Katiuska
Die Stalinorgel Katyusha kennt jeder. Weniger bekannt ist der sowjetische Bomber Tupolev SB Katiuska, der zu Anfang des Zweiten Weltkriegs eine paradoxe Rolle erfüllte: Als Nachtjäger der Reichsluftwaffe. Im Zusammenhang mit dem Hitler-Stalin-Pakt hatte Stalin eine Staffel dieser Flugzeuge dem Reich geschenkt, zur Verteidigung von Berlin gegen britische Bomberangriffe. Sie waren sozusagen die Matrix, nach der Zerstörer der Typen ME110 und Ju 88 sowie Do 217 Bomber zu Nachtjägern umgebaut wurden.

... link (0 Kommentare)   ... comment


Der Bombenkrieg als normative Kraft des Faktischen
Hinsichtlich der Bombenangriffe auf Gaza wird ja öfter mal der Vergleich mit dem Zweiten Weltkrieg bemüht und gesagt, dass ohne jahrelange Flächenbombardements auf deutsche Städte die Nazis nicht hätten besiegt werden können.

Was dann zur Rechtfertigung der Tatsache gebraucht wird, dass ganz Gaza in Schutt und Asche gelegt wurde.

Abgesehen davon, dass hier historische Situationen ineins gesetzt werden die völlig unvergleichbar sind und die Antisemitismuskeule zur Komplexitätsreduktion eingesetzt wird stimmt das auch auf einer ganz anderen Ebene faktisch nicht.

Wie ich sowohl als ehemaliger Historiker mit dem Schwerpunkt Faschismus/NS/Zweiter Weltkrieg als auch als Kind von Zeitzeugen weiß bestand die massenpsychologische Breitenwirkung des Bombenkriegs in erster Linie darin, die Deutschen als Kollektiv zusammenzuschweißen. Und das auch bezogen auf Leute, die mit dem NS nicht einverstanden und überzeugt waren, dass Deutschland den Krieg verlieren würde. Man traute den Westallierten nicht zu, dass sie, wie sich dann später zeigen sollte, menschliche Besatzer sein würden. Ein häufig im Schwange befindlicher Spruch in den Jahren 1943-45 lautete: "Genieß den Krieg, der Frieden wird schrecklich!"

... link (0 Kommentare)   ... comment


Ticketdenken
Wer jedwede Kritik am Vorgehen des Staats Israel, insbesondere seiner Sreitkräfte, unter Antisemitismus subsummiert beweist eine bedingungslose Ticketmentalität.

... link (0 Kommentare)   ... comment


Massenmörder Musk
Durch die Schließung von US Aid ist davon auszugehen, dass 14 Millionen Menschen, darunter 5 Millionen Kinder, an Hunger und Seuchen sterben werden.

Nun zum Sport....

... link (0 Kommentare)   ... comment


Montag, 30. März 2026
Die Streifzüge des Bizarrologen, heute: Mal wieder nomen est omen
Dass ein Bergsteiger der auch Eisklettern geht mit Nachnamen Schwingshackl heißt ist ja schon sehr passend, ebenso wie der eines Kletterwarts des Deutschen Alpenvereins mit Namen Klimblgrat. Natürlich ist die Straßenverkehrsbehörde der Stadt Braunschweig in der Porschestraße, und ein Förster namens Waldheim auch echt eine gute Besetzung. Dass aber jetzt ein archäologischer Grabungsleiter, nämlich der Stadtarchäologe von Graz Georg Tiefengraeber heißt, ich finde, da übertreibst Du, liebe Realität!

... link (1 Kommentar)   ... comment


Make America free again
Das war heute ein internationaler Großdemotag gegen Trump mit in den US and a laut Veranstalterangaben 8 Millionen Teilnehmenden. Wenn die Angaben stimmen waren mehr Menschen auf der Straße als zu Vietnam.- und Martin-Luther-King-Zeiten. Am Ersten Mai soll es dann in den USA einen Generalstreik geben. Wäre toll. Und Supertoll, wenn auch die Generäle streiken ;-)

https://www.youtube.com/watch?v=E1EppPc2c4A

https://www.youtube.com/watch?v=ezS01hIxaCk

https://www.youtube.com/watch?v=SxHK9Io1cLE&list=RDSxHK9Io1cLE&start_radio=1

https://www.youtube.com/watch?v=OF8jVYTErC4&list=RDOF8jVYTErC4&start_radio=1

... link (0 Kommentare)   ... comment