Freitag, 18. Juni 2021
Für einen Boykott der Präsidentschaftswahlen im Iran - für eine demokratische Revolution!
https://www.labournet.de/internationales/iran/politik-iran/praesidentschaftswahl-2021-im-iran-gewerkschaftlicher-aufruf-zum-wahlboykott-auch-in-deutschland/

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Donnerstag, 17. Juni 2021
SARS-CoV-2 als neues ?Forever Virus?: Wie sich Wissenschaftler auf die Zukunft mit dem Erreger vorbereiten
Michael van den Heuvel, Medscape



Zu Beginn der SARS-CoV-2-Pandemie hofften Forscher noch, das Virus könnte vielleicht eines Tages wieder verschwinden ? spätestens nach Abschluss flächendeckender Impfkampagnen zum Aufbau einer Herdenimmunität. Diese Hoffnung schwindet mehr und mehr, denn SARS-CoV-2 reagiert auf den evolutionären Druck mit immer wieder neuen Mutationen. Das Robert Koch-Institut (RKI), Berlin, nennt aktuell 4 Variants of Concern (VOC, besorgniserregende Varianten). Und ?Foreign Affairs?, ein Online-Magazin, schreibt bereits vom nächsten ?Forever Virus?.

Für die Wissenschaft bleibt als Herausforderung, neuartige Coronaviren flächendeckend zu überwachen und daraus ? falls erforderlich ? entsprechende Maßnahmen abzuleiten. Wie dies funktionieren könnte, erklärten Experten gegenüber dem Science Media CenterGermany (SMC) [1].

Lehren aus Influenza
Aus wissenschaftlicher Sicht ist die Aufgabe, pathogene Viren dauerhaft zu erfassen, nicht neu. Beim Influenzavirus gibt es schon lange entsprechende Strukturen. So bietet das Global Influenza Surveillance and Response System (GISRS) der WHO eine flächendeckende Überwachung. Es arbeitet mit einzelnen Zentren in allen 123 WHO-Mitgliedsstaaten.

Das Influenza-Überwachungssystem kann tatsächlich ein Vorbild sein. Prof. Dr. Richard Neher
?Das Influenza-Überwachungssystem kann tatsächlich ein Vorbild sein?, erklärte Prof. Dr. Richard Neher von der Universität Basel. Viren würden seit Jahren weltweit gesammelt und bei der WHO charakterisiert. Übertragen auf das neuartige Coronavirus heißt das: ?Die genomische Surveillance von SARS-CoV-2 funktioniert mittlerweile in Europa sehr gut, aber bei der Charakterisierung der Varianten und der Risikobewertung wäre mehr internationale Koordination sinnvoll?, so Nehers Einschätzung.

Die genomische Surveillance von SARS-CoV-2 funktioniert mittlerweile in Europa sehr gut, aber bei der Charakterisierung der Varianten und der Risikobewertung wäre mehr internationale Koordination sinnvoll. Prof. Dr. Richard Neher
Prof. Dr. Isabella Eckerle von der Universität Genf befürwortet auch, Strukturen und Netzwerke, die bereits zur Influenza-Surveillance bestehen, für SARS-CoV-2 zu nutzen. Probleme erwartet die Expertin in Ländern mit niedrigem oder mittlerem Pro-Kopf-Einkommen. Denn sie hätten nicht nur geringe Durchimpfungsraten, sondern auch niedrige Laborkapazitäten.

?Welche Faktoren bei der Zirkulation von SARS-CoV-2 eine Rolle spielen, ist noch sehr viel weniger gut verstanden als bei der Influenza, sodass man viel breiter und umfassender überwachen muss?, lautet ihre Empfehlung. ?Ein weiterer wichtiger Punkt ist in meinen Augen der Hergang in Tierpopulationen, der überwacht und sofort erkannt werden muss, wie es bereits mehrfach etwa auf Nerzfarmen geschehen ist.?

Wie könnte die Surveillance bei SARS-CoV-2 aussehen?
Wenig überraschend besteht bei Experten Einigkeit darin, SARS-CoV-2 engmaschig zu überwachen. ?Inzidenzen werden ein wichtiger Parameter bleiben; sie sind ein guter Indikator für das Infektionsgeschehen?, ist sich Neher sicher. ?Wir sollten den Fokus aber ebenso weiterhin auf die Genomsequenzierungen legen.?

Eckerle bestätigt: ?Eine Surveillance mittels Vollgenom-Sequenzierung kann den besten Überblick über zirkulierende Varianten geben, allerdings ist die Auswahl der Proben hier sehr wichtig und nicht trivial.? Wichtig sei eine repräsentative, flächendeckende Probennahme. Methodisch nennt sie entweder Sentinel-Untersuchungen, also repräsentative Stichproben, oder eine symptomatische Surveillance für respiratorische Infektionen, etwa über Hausarztpraxen. ?Neben der technisch aufwendigen und teuren Vollgenom-Sequenzierung, die gerade in ressourcenarmen Regionen ein Problem darstellen kann, können mutationsspezifische PCRs auf Marker-Mutationen einen Überblick verschaffen?, weiß die Expertin.

?Ein wichtiger Punkt ist, dass Surveillance allein noch keine Infektionskontrolle darstellt?, schränkt Eckerle ein. Ein Monitoring sei wichtig, um neue Varianten möglichst früh zu erkennen und ihre Dynamik zu beschreiben. ?Die Vorstellung jedoch, dass man sich durch massive Vollgenom-Sequenzierung vor der Verbreitung von Varianten schützen kann, ist in meinen Augen ein Trugschluss.?

Wichtig sei, dass sich das Infektionsgeschehen in sehr niedrigen Inzidenzen bewege, sodass die Nachverfolgung von Kontakten umfassend möglich sei, inklusive geeigneter Maßnahmen zur Eindämmung. Auf globaler Ebene sei die möglichst schnelle und breite Durchimpfung jetzt besonders wichtig.

Prof. Dr. Gérard Krause vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig wünscht sich außerdem, dass die im Jahr 2020 initiierten großen, repräsentativen Antikörper-Studien weitergeführt werden. ?Anhand einer solche Kohorte kann man die Veränderungen des Immunstatus in der Bevölkerung überwachen?, lautet seine Einschätzung. Mittlerweile gebe es Methoden, um Antikörper, die nach Impfung gebildet werden, von denjenigen Antikörpern nach Infektion zu unterscheiden. Auch nach Virusvarianten könne man bei dem Verfahren differenzieren.

Unklare Rolle von Hotspots
Eine Besonderheit bei der Surveillance: ?Regionale Hotspots werden dort eine Rolle spielen, wo geringe Impfraten vorliegen und das Virus weiterhin in einer teil-immunen Bevölkerung zirkuliert?, so Eckerle. ?Dies kann ganze Länder umfassen, die benachteiligten Zugang zu Impfstoff haben, oder aber bestimmte Bevölkerungsgruppen, die die Impfung aus den verschiedensten Gründen ablehnen.?

Krause spekuliert ebenfalls, das lokale Geschehen werde an Bedeutung zunehmen und damit auch die Rolle der Gesundheitsämter. Doch Vorsicht: ?Deren aktuelle Personalunterstützung von außen wird gerade wieder abgebaut und kann auch nicht nachhaltig in dem Maße wie im vergangenen Jahr aufrechterhalten werden.? Somit komme der Digitalisierung der Arbeitsprozesse weiterhin eine große Bedeutung zu.

Regionale Hotspots werden dort eine Rolle spielen, wo geringe Impfraten vorliegen und das Virus weiterhin in einer teil-immunen Bevölkerung zirkuliert. Prof. Dr. Isabella Eckerle
?Ich glaube, regionale Hotspots werden keine große Rolle spielen?, widerspricht Neher. ?Mit zunehmender Impfrate wird das Infektionsgeschehen an Dynamik weiter verlieren und eher nach dem Muster der Grippe oder Erkältungswellen ablaufen.? Es werde also voraussichtlich nicht mehr zu einer Karnevalsfeier kommen, bei der die Zahl der Ansteckungen durch die Decke gehe. ?Regionale Unterschiede bleiben aber bei der Nachverfolgung neuer Varianten wichtig?, so seine Einschätzung.

Szenarien für Impfungen
Auch zur Zukunft von Vakzinen äußerten sich die Experten. Prof. Dr. Annelies Wilder-Smith von der London School of Hygiene and Tropical Medicine nannte 4 hypothetisch denkbare Szenarien:

COVID-19-Impfstoffe führen zur starken T-Zell-Antwort und zusätzlich zur humoralen Antwort. Innerhalb der nächsten 1 bis 3 Jahre ist keine Auffrischung erforderlich.

Patienten benötigen eine Auffrischungsimpfung mit dem gleichen Vakzin wie bei der Grundimmunisierung. Es gibt bereits Hinweise darauf, dass diese Strategie zu höheren Antikörper-Titern und zu einem besseren Schutz gegen COVID-19 führt.

Eine Auffrischungsimpfung wird mit einem angepassten Impfstoff, der sich gegen eine bestimmte, zirkulierende Variante richtet, durchgeführt.

Patienten erhalten eine multivalente Auffrischungsimpfung, die neben dem Wildtyp diverse VOC als Antigen oder als Nukleinsäure enthält.

Die beste Strategie, um die Entwicklung von bedenklichen Varianten zu reduzieren, ist ganz klar die schnelle Immunisierung eines großen Teils der Bevölkerung. Prof. Dr. Annelies Wilder-Smith
Wilder-Smith´ Fazit: ?Die beste Strategie, um die Entwicklung von bedenklichen Varianten zu reduzieren, ist ganz klar die schnelle Immunisierung eines großen Teils der Bevölkerung.? Doch dann müssten prospektive Studien zeigen, welche der 4 Optionen die effektivste sei.

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Impfstoff falsch verteilt? ?Man hätte sozial Schwache eher impfen müssen? ? ein Medizinethiker über Gerechtigkeit und Impfneid
Christian Beneker, Medscape



Sind Sie privilegiert und können schon mit dem digitalen Impfausweis in den Urlaub starten? Wie gerecht wird und wurde der SARS-CoV2-Impfstoff verteilt? Medscape sprach mit Prof. Dr. Georg Marckmann, an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität Vorstand des Instituts für Ethik, Geschichte und Theorie der Medizin, über die Fragen von Impfneid und Impfgerechtigkeit.


Prof. Dr. Georg Marckmann

Medscape: Am 7. Juni wurde die Priorisierung aufgehoben - prompt sind die Hausarztpraxen überlaufen von Impfwilligen. Erwarten Sie jetzt eine Art Verteilungskampf, wo jeder nur noch sich selbst der Nächste ist?

Marckmann: Ich mahne zur Gelassenheit. Die Frage der Impfpriorisierung ist etwas dramatisiert worden, als ginge es um den Zugang zu lebensnotwendigen Maßnahmen. Das Infektionsrisiko ist inzwischen sehr niedrig und auch derjenige, der noch keine Impfung bekommen hat, kann sich weiter mit den üblichen Maßnahmen wie Mund-Nase-Schutz oder Abstand halten schützen.

Der Impfneid ist im Übrigen vor allem deshalb entstanden, weil wir so intensiv über die Rücknahme von Freiheitsbeschränkungen für Geimpfte diskutiert haben. Das ist für mich die falsche Frage gewesen.

Wir hätten eher diskutieren müssen, ob es noch gerechtfertigt ist, die Freiheiten der Menschen insgesamt weiter einzuschränken angesichts einer zunehmenden Durchimpfung der Hochrisikogruppen, angesichts sinkender Inzidenzzahlen, angesichts möglicher Alternativen zum Impfen, wie zum Beispiel Schelltests. Es war nicht mehr gut nachvollziehbar, warum die Geimpften bestimmte Freiheiten bekommen, aber die Ungeimpften nicht.

Medscape: Sie kritisieren, dass man bei der Impfpriorisierung mehr soziale Aspekte mitberücksichtigen hätte sollen. Hat man Arme, Obdachlose und Migranten vergessen?

Prof. Marckmann: Es ist ethisch geboten, schlechter Gestellte und sozial Schwache eher zu impfen. Dafür sehe ich 3 gute Gründe: Sie haben aufgrund ihrer oft beengten Lebenssituation ein erhöhtes Infektionsrisiko, sie können zum Beispiel oft nicht im Homeoffice arbeiten. Außerdem ist erwiesen, dass zum Beispiel Langzeitarbeitslose ein höheres Risiko für schwere Verläufe einer Corona-Infektion haben.

Sozial Schwache, die ohnehin schlechtere Gesundheitschancen haben, haben zudem auch noch einen schlechteren Zugang zu den Impfungen. Man hätte arme, benachteiligte Bevölkerungsgruppen eher impfen müssen.

Medscape: Ist so etwas wie Impfgerechtigkeit überhaupt möglich?

Prof. Marckmann: Ja, aber es bleibt ein Ideal, das wir nie vollkommen erreichen. Impfstoffe sollen so eingesetzt werden, dass möglichst viel gesundheitlicher und sozio-ökonomischer Schaden abgewendet wird. Wesentliche Aspekte wurden bisher bei der Priorisierung ja auch berücksichtig. Die Anwendung der Kriterien führt zwar zu einer Ungleichverteilung, aber zu einer ethisch gerechtfertigten Ungleichverteilung. Mein Ziel wäre eine ?ausreichende Gerechtigkeit.?

Es liegt übrigens im Interesse aller, dass Menschen, die in armen Verhältnissen enger zusammenleben und ein höheres Infektionsrisiko haben, schnell geimpft werden. Denn dies verhindert Infektionsausbrüche, die sich weiter auf andere Bevölkerungsgruppen ausbreiten können.

Medscape: Inzwischen sind ja Impfteams etwa in Hochhaus-Siedlungen unterwegs.

Marckmann: Ja, das ist ein wichtiger erster Schritt. Allerdings: Saisonarbeiter, Migranten oder Obdachlose sind oft nicht leicht zu identifizieren, um ihnen ein Impfangebot zu unterbreiten. Wir wissen nicht genau, wo sie leben.

In den USA gibt es Indizes, die systematisch erfassen, welche Regionen und Stadtbezirke am meisten benachteiligt sind. Den dort lebenden Menschen kann man dann gezielt Impfangebote machen. Meines Wissens werden solche Instrumente bei uns bislang nicht angewendet.

Medscape: Jetzt werden verschiedentlich auch Kinder geimpft ?

Prof. Marckmann: Ob es richtig ist, Kinder und Jugendliche jetzt zu impfen, finde ich fraglich. Das wäre eine egalitäre Gerechtigkeit, die alle gleich behandelt, aber insgesamt wenig hilft, da sie die individuelle Bedürftigkeit nicht berücksichtigt. Kinder und Jugendliche haben nun einmal ein sehr geringes Risiko für schwerwiegende COVID-19-Verläufe.

Ob es richtig ist, Kinder und Jugendliche jetzt zu impfen, finde ich fraglich. Prof. Dr. Georg Marckmann
Zudem gibt es bislang nur wenig wissenschaftliche Evidenz zur Corona-Impfung bei Kindern. Insofern sollten wir nicht alle Kinder impfen, sondern nur diejenigen, die beispielsweise aufgrund von Vorerkrankungen ein erhöhtes Risiko für schwere Verläufe haben. Dies wäre wieder eine eher bedürfnisorientierte Gerechtigkeit.

Medscape: Bei der internationalen Verteilung der Impfstoffe werden ebenfalls die armen Länder benachteiligt. Da wiederholt sich auf internationaler Ebene, was schon national nicht funktionierte.

Prof. Marckmann: Die internationale Verteilung der Impfstoffe ist bislang noch unzureichend geregelt. Dabei ist die Pandemie eine internationale Herausforderung, wir müssen entsprechend global agieren.

Doch es haben sich Länder, die nur etwa 16% der Weltbevölkerung ausmachen, über 70% der im Jahr 2021 weltweit verfügbaren Impfstoffe gesichert. Hier haben die reichen Länder eine moralische Pflicht entsprechend gegenzusteuern. Auch die ärmeren Länder müssen unbedingt ausreichenden Zugang zu den SARS-CoV-2-Impfungen erhalten.

Medscape: Auch zu Ungunsten der reichen Länder?

Prof. Marckmann: Wir stehen nicht unter Druck, sehr schnell 70% oder 80% der Gesamtbevölkerung zu impfen. Vor allem müssen die Risikogruppen geschützt werden, und das ist ja auch weitgehend erfolgt. Die Impfung der verbleibenden vor allem jüngeren Menschen hat keine so hohe Priorität mehr. Von den knapp 90.000 Menschen, die in Deutschland im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion gestorben sind, waren nur knapp 1.000 unter 50 Jahre alt.

Vor diesem Hintergrund wäre es durchaus vertretbar, der internationalen Verteilung der Impfstoffe eine höhere Priorität einzuräumen. Es wäre ethisch gerechtfertigt, global zu denken und den ärmeren Ländern mehr Impfstoffe zukommen zu lassen.

Natürlich muss dann auch über globale Verteilungskriterien nachgedacht werden: Vorrang sollte die Vermeidung von vorzeitigen Todesfällen durch COVID-19 haben, dann wären schwerwiegende soziale und wirtschaftliche Auswirkungen zu berücksichtigen und schließlich die Rückkehr zu einem normalen gesellschaftlichen Leben.

Medscape: Ist das in Deutschland vermittelbar?

Marckmann: Zumindest sollte man versuchen, dafür zu werben. Dies muss ja nicht notwendig bedeuten, dass wir viel weniger Impfstoffe für die eigene Bevölkerung zur Verfügung haben. Vielleicht sollten wir sogar vorrangig versuchen, ausreichende Produktionskapazitäten in ärmeren Ländern zu schaffen. Astra Zeneca produziert zum Beispiel Impfstoffe in Brasilien.

Aber so lange die Impfstoffe global noch knapp sind, wäre es ratsam, in den reichen Ländern zunächst nur die Risikogruppen zu impfen, um international mehr Impfstoff zur Verfügung stellen zu können.

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Die Lehren aus der Pandemie: Experten diskutieren auch über die richtige Kommunikation in Krisenzeiten
Christian Beneker


Berlin ? Vertrauen schaffen, das Erreichte ausbauen, Fehler korrigieren ? diesen Dreiklang im Hinblick auf den bisherigen Umgang mit der Corona-Krise schlugen alle Rednerinnen und Redner bei der Eröffnung des Hauptstadtkongresses 2021 Medizin und Gesundheit am Dienstag in Berlin an .

?Bald wird es nicht mehr darum gehen, wer beim Impfen als erster dran kommt. Sondern wir werden bald in die Phase kommen, wo wir um Leute werben müssen, die sich impfen lassen wollen?, sagte Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) in seiner Rede. ?Wir müssen an einer hohen Impfquote im Land arbeiten, weil es ? das muss man leider sagen ? auch Leute gibt, die dagegen arbeiten.? Man erlebe an Desinformation in Hinblick auf die Impfstoffe ?eine ganze Menge?, deutete Braun an.

Wir werden bald in die Phase kommen, wo wir um Leute werben müssen, die sich impfen lassen wollen. Helge Braun
Umso professioneller müsse die öffentliche Kommunikation politischer Entscheidungen etwa zum Impfen ablaufen, laut Braun eines der zentralen Themen der Pandemie. ?Wir machen pausenlos Regeln und erwarten, dass die Bürger sich daran halten?, sagte Braun. Da die Infektionen sich meistens da abspielten, wo der Staat sich mit Kontrollen zurückzuhalten habe, müsse die Kommunikation wissenschaftlicher Ergebnisse an die Bürger umso effektiver sein.

?Wir sind auf die Bevölkerung in einer Weise angewiesen, wie das sonst selten der Fall ist?, sagte Braun. Man müsse sich deshalb fragen, wie Politik und Wissenschaft der Öffentlichkeit die Balance zwischen Mehrheitsmeinung und Minderheitsmeinung der Forschung erklären können, um Desinformationen zu vermeiden.

Skandalisierungen vermeiden
Doch das dürfte schwer werden. ?Wir kennen in der Wissenschaft den Widerspruch als treibendes Element?, sagte der Kongresspräsident, Prof. Dr. Karl Max Einhäupl. Dies führte in den Medien aber oft zu Unsicherheit und Skandalisierung der Widersprüche. ?Die Menschen wissen nicht mehr, woran sie sind?, so Einhäupl.

Prof. Dr. Christian Drosten, Direktor des Institutes für Virologie an der Berliner Charité, forderte in diesem Zusammenhang eine bessere Moderation der Widersprüche durch die Medien. ?Die Medien sollten der Wissenschaft entgegenkommen?, so Drosten. Gerade der Wissenschaftsjournalismus müsse darauf hinweisen, dass verschiedene Ansichten in der Wissenschaft nicht gleich Konflikte darstellen, sondern ?differenzierte Meinungen?.

Die Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, Prof. Dr. Alena Buyx unterstrich, dass die Wissenschaft nur wenige Erfahrungen mit der öffentlichen Kommunikation habe. ?Wir sind in diesen Medienkontexten im Ehrenamt und überhaupt nicht ausgebildet für diese Art von Arbeit?, sagte Buyx. Auch die Wissenschaft verfahre hier nach dem Prinzip ?learning by doing?. Und das sei ?manchmal besser gelungen und manchmal schlechter?.

Im Übrigen sei das Vertrauen der Deutschen in die Wissenschaft erstaunlich hoch. Das Wissenschaftsbarometer, das einmal im Jahr das Vertrauen in die Wissenschaft abfragt, sei im Vergleich zu den Jahren vor der Pandemie enorm gestiegen. Im Verlauf der Pandemie sank es allerdings ?von spektakulären über 70% auf immer noch über 60%?, so Buyx. ?Deshalb meine erste Botschaft: Die Bevölkerung hält das aus, jedenfalls ein großer Teil der Bevölkerung!?

Wir sind in diesen Medienkontexten im Ehrenamt und überhaupt nicht ausgebildet für diese Art von Arbeit. Prof. Dr. Alena Buyx
Buyx plädierte dafür, schon in den Schulen zu erläutern, wie Bildung und Wissenschaft einander durchdringen. Buyx warnte auch vor Desinformation durch die Medien, die zum Teil gewollt sei. Dagegen könne allerding die Wissenschaft nichts beitragen. Sie sei vielmehr mitunter ?den Medien hingeworfen?, sagte die Ethikerin.

?Wir haben unter Dauerbelastung aufgerüstet!?
Nicht nur in der Wissenschaftskommunikation hätten die Verantwortlichen hinzu zu lernen, hieß es auf dem Hauptstadtkongress. ?Wir haben auch Schwachstellen gesehen?, räumte die Berliner Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) in ihrem Statement ein. ?Wir waren nicht gut genug vorbereitet?, so Kalayci. Tatsächlich fehlten nicht nur in Berlin Masken, Schutzanzüge, Einmalhandschuhe oder Testkits. Allerdings habe die Mangelsituation auch die Hilfsbereitschaft stimuliert. ?Wir haben unter der Dauerbelastung aufgerüstet und mussten am Schluss in den Krankenhäusern keine Triage vornehmen?, resümierte die Senatorin.

Wir waren nicht gut genug vorbereitet. Dilek Kalayci
Auch EU-Kommissionspräsidentin Dr. Ursula von der Leyen (CDU) betonte die Lernfähigkeit der EU unter dem Druck der Pandemie. So habe die EU einen Weg gefunden, die Impfstoffe gemeinsam zu bestellen. ?Die EU hat die Anfangsschwierigkeiten bewältigt und ausgebliebene Lieferungen ausgleichen können?, so von der Leyen. Zwar hätten manche Staaten ihre Grenzen für Ausfuhren geschlossen und andere nicht. Aber die EU habe dafür gesorgt, dass medizinische Geräte etwa immer dahin gelangt sein, wo man sie gebraucht habe.

Gleichwohl blieben eine Menge Aufgaben zu tun: Ein besseres Pandemie-Frühwarnsystem installieren, die Prozesse der EMA beschleunige oder die Industrie stärker auf Krisenbewältigung ausrichten und die Digitalisierung der Gesundheitsversorgung in den Mitgliedsländern voranbringen.

Der Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit in Berlin läuft noch bis zum 17. Juni. Unter dem Dach des Hauptstadtforums Gesundheitspolitik finden 3 Fachkongresse statt, der Managementkongress Krankenhaus Klinik Rehabilitation, der Deutsche Pflegekongress und das Deutsche Ärzteforum.

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Intensivbetten: DIVI und DKG verwahren sich gegen Betrugsvorwürfe
Ute Eppinger, Medscape


Erstattung von Schutzmasken, Ausgleichszahlungen an Kliniken und Aufbau von Intensivbetten ? der Bericht des Bundesrechnungshofs (BRH), der vergangene Woche dem Haushaltsausschuss des Bundestages zugeleitet wurde, verursacht reichlich Wirbel. Der BRH hat die Ausgaben der Bundesregierung in der Corona-Pandemie scharf kritisiert und strengere Kontrollen verlangt.

Die Regierung müsse ?bei künftigen Maßnahmen zulasten der Steuerzahler stärker auf eine ordnungsgemäße und wirtschaftliche Mittelverwendung achten?, heißt es in dem 42-seitigen Prüfbericht. Unterstützung sei nach dem ?Gießkannenprinzip? verteilt worden.

Eine ?massive Überkompensation aus Steuermitteln? habe es auch bei den Ausgleichszahlungen für Kliniken gegeben. Im Jahr 2020 lagen sie bei 10,2 Milliarden Euro und damit um 1,3 Milliarden höher als 2019, obwohl die Betten 8% weniger ausgelastet waren.

Betrug mit den Intensivbetten?
Moniert wird auch, dass das Bundesgesundheitsministerium bis heute nicht in der Lage sei, die Zahl der tatsächlich aufgestellten sowie der zusätzlich angeschafften Intensivbetten verlässlich zu ermitteln. Die als Folge aufgetretenen ?unerwünschten Mitnahmeeffekte? seien ?nicht vertretbar?.

Innerhalb eines Jahres flossen bis Anfang März 2021 rund 686 Millionen Euro für neue Intensivbetten. Teilt man die Summe durch den Zuschuss pro Bett müsste es 13.700 neue Intensivbetten geben ? doch die kann der BRH nicht finden, berichtet die Tagesschau . Ein im BRH-Bericht erwähntes Schreiben aus dem Robert Koch-Institut (RKI) vom Januar diesen Jahres, in dem das Institut die Vermutung geäußert haben soll, dass Kliniken zum Teil weniger Intensivbetten meldeten, als tatsächlich vorhanden waren, nährt ebenfalls Spekulationen.

?Horror-Zahlen gefälscht: Der große Betrug mit den Intensivbetten?, titelte prompt die Bild . Es sei ?befremdend? wie ein ehemaliger Staatssekretär im Finanzministerium (Spahn) ?so großzügig und planlos mit dem Geld der Bürgerinnen und Bürger? umgehe, sagte die Bundestagsabgeordnete Ekin Deligöz, die als Obfrau der Grünen im Rechnungsprüfungsausschuss den Bericht bereits lesen konnte, gegenüber der Süddeutschen Zeitung .

Erst im Mai hatte die Ad-hoc-Stellungnahme von Prof. Dr. Matthias Schrappe und Kollegen Aufruhr verursacht, in der von verschwundenen Intensivbetten die Rede war. Die Kritik der Verbände folgte prompt und die Autoren mussten einige Punkte ihrer Stellungnahme korrigieren. Durch den BRH-Bericht sehen sie jetzt aber ihre Einschätzung bestätigt. Schrappe sagt dazu: ?Der Bundesrechnungshof hat unsere Beobachtungen bestätigt und er geht sogar noch einen Schritt weiter.? Die Autorengruppe um Schrappe hat einen Kommentar zum Bericht des BRH veröffentlicht.

Laut Bild führt die Landesregierung in NRW jetzt eine ?Überprüfung eventuell auffälliger Meldewerte? durch, um ?systematisches Fehlverhalten? einzelner Krankenhäuser aufzudecken.

Intensivmediziner fordern Aufarbeitung und schnelle Digitalisierung
Wie ernst die Situation auf den Intensivstationen war, machte Prof. Dr. Christian Karagiannidis, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin (DGIIN) und Leitender Oberarzt an der Lungenklinik Köln-Merheim, auf der Pressekonferenz der DGIIN, deutlich [1]. ?Wir hatten bei uns in Köln viele Tage, da war kein einziges Intensivbett mehr frei, wir mussten COVID-19-Patienten kilometerweit auslagern, in andere Kliniken transportieren. Wir waren an diesem Punkt und brauchten dringend Maßnahmen ? das war keine Übertreibung und es waren keine falschen Zahlen.?

War die Krisenkommunikation aus seiner Sicht zu alarmistisch? ?Wir müssen uns da kritisch hinterfragen und ja, wir haben gewisse Dinge akzentuiert ? der Hintergrund war aber, dass jeder zweite COVID-19-Patient auf Intensiv gestorben ist und dass das Personal überlastet war?, erinnerte Karagiannidis.

Er betonte, dass verschiedene Lehren aus der Pandemie gezogen werden müssten. So sollten die pandemischen Daten von Think Tanks aufgearbeitet und analysiert werden. Wichtig sei, die Digitalisierung voranzutreiben und die Real-Time-Erfassung der betreibbaren Intensivbetten und des verfügbaren Personals umzusetzen. ?Eine Real Time Erfassung wäre extrem hilfreich ? hätten wir die jetzt in der Pandemie schon gehabt, wären wir unabhängig von den individuellen Eingaben der Krankenhäuser gewesen.?

DIVI: Daten des Intensivregisters zu jeder Zeit belastbar
Im Bericht des BRH heißt es, dass nach Ansicht des RKI die ans DIVI-Zentralregister gemeldeten Daten ?nicht mehr für eine Bewertung der Situation geeignet? gewesen seien. In einer Stellungnahme weist das die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) ausdrücklich zurück: ?Das DIVI-Intensivregister und die hierin abgefragten Daten aller Intensivstationen mit Akutversorgung in Deutschland, rund 1.330 an der Zahl, sind und waren zu jeder Zeit belastbar ? zur Bewertung der Pandemie und der Lage auf den Intensivstationen.? Als wissenschaftliche Fachgesellschaft stütze man die Aussagen nicht auf einzelne Daten und nicht auf eine einzige Quelle.

?Selbstverständlich gleichen wir Meldungen im DIVI-Intensivregister mit anderen Daten und weiteren Experten ab. Die DIVI hat keinen Hinweis darauf, dass eine bewusste Falschmeldung der Krankenhäuser erfolgt ist. Wir weisen den Verdacht entschieden zurück, Kliniken würden sich im großen Stil durch bewusste Falschmeldungen bereichern?, stellt die DIVI klar.

Wir weisen den Verdacht entschieden zurück, Kliniken würden sich im großen Stil durch bewusste Falschmeldungen bereichern. DIVI
Neben den ?freien betreibbaren Betten? seien im Intensivregister zahlreiche weitere Indikatoren erfasst worden (freie Beatmungskapazitäten, freie ECMO-Kapazitäten, Bewertung der Situation nach dem Ampel-Prinzip). So habe sich ein eindeutiges und umfassendes Bild der Lage ergeben, dass sich mit der Wahrnehmung zahlreicher Kollegen gedeckt habe. ?Die Intensivstationen waren voll, teilweise überlastet, die Zahl der schwerkranken COVID-Patienten stieg steil an, Patienten mussten überregional verlegt werden?, schreibt die DIVI.

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Mittwoch, 16. Juni 2021
Lob an Mats Hummels
Du warst der beste Spieler - für die Franzosen.

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Das Boot ist voll
Das THEATER in der LIST aus Hannover möchte Sie hiermit auf das Theaterstück "DAS BOOT IST VOLL! " von Antonio Umberto Riccò aufmerksam machen,

das nun nach dem langen Lockdown wieder von Ihnen und anderen Veranstaltern, (z.B. Schulen) gebucht werden kann.

Das Boot ist voll !

Theatermonolog von Antonio Umberto Riccò nach der szenischen Lesung: ?Ein Morgen vor Lampedusa? mit Willi Schlüter als Vito Fiorino

Das Theaterstück ist thematisch und inhaltlich an die erfolgreiche szenische Lesung "Ein Morgen vor Lampedusa" angelehnt.

Das Theaterstück "DAS BOOT IST VOLL" geht jedoch über die Grenzen der dokumentarischen Beschreibung der Fakten hinaus,

die die Lesung prägen, und eröffnet eine gänzlich neue Perspektive auf die Folgen der Flüchtlingsbewegung in unserer Gesellschaft.

Aus nüchternen Zahlen und aus Schlagzeilen der Medien wird mit Vito ein Mensch auf der Bühne lebendig, mit Gefühlen, Widersprüchen und ehrlichen Fragen.

Am Beispiel von Vito Fiorino, der eine kleine Eisdiele auf Lampedusa betreibt, erlebt das Publikum die Auseinandersetzung

mit der Katastrophe und ihre noch nach Jahren spürbaren Folgen. Mitleid und Empathie, Zorn und Ohnmacht,

aber auch Hoffnung und Menschlichkeit prägen das Stück ?DAS BOOT IST VOLL?.


Es ist nicht die Beschreibung einer Heldentat, sondern der demütige Versuch einen Sinn in diesem Ereignis (und im Leben selbst) zu finden.

Langsam wird das Publikum verstehen, dass nur der Zufall Vito und seine Freunde vor diese Aufgabe gestellt hat.

Sie waren einfach da, wo auch wir hätten sein können. Sie haben nur das getan, was man tun musste - und wahrscheinlich die meisten Menschen auch tun würden.

So wird die Geschichte eine Auseinandersetzung mit unserer sozialen Verantwortung, unseren Werten und Widersprüchen.

Ich freue mich auf eine kreative Zusammenarbeit

Mit lieben Grüßen

THEATER in der LIST e.V.



Durch die Mitfinanzierung des der Niedersächsischen Lotto-Sport-Stiftung

können wir in ganz Niedersachsen eine gewisse Anzahl von Gastspielen zu einem Sonderpreis von nur 250,- ? pro Vorstellung* anbieten.
Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie in Ihren Veröffentlichungen auf dieses tolle Angebot aufmerksam machen würden.

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Montag, 14. Juni 2021
"Epidemische Notlage" verlängert; Bundesnotbremse läuft Ende Juni aus
Michael van den Heuvel, Sonja Boehm, Dr. Thomas Kron

Produktionsmängel: 60 Millionen J&J-Impfdosen für den Müll

Ausbrüche bei geimpften Heimbewohnern: Schlechtere Immunantwort

USA prüfen Fälle von Myokarditis bei jungen Menschen nach Impfung

Schwere Hirnentzündung als mögliche Folge einer COVID-19-Erkrankung

Ungeimpfte Kinder als "Virus-Reservoir" und "Brutstätte" neuer Varianten?

Dem Robert Koch-Institut (RKI) sind bis Montagmorgen zum 1. Mal seit 8 Monaten weniger als 1.000 Neuinfektionen in den letzten 24 Stunden gemeldet worden, die Gesundheitsämter meldeten nur 549 (Vorwoche 1117) Neuinfektionen mit COVID-19. Die 7-Tage-Inzidenz ist damit bundesweit auf 16,6 gefallen (Vortag: 17,3). Es gab nur 10 neue Todesfälle im Zusammenhang mit COVID-19 deutschlandweit (Vorwoche 22).

"Epidemische Notlage" verlängert; Bundesnotbremse läuft Ende Juni aus
Der Bundestag hatte am Freitag trotz dieser niedrigen Zahlen auf Antrag der Fraktionen von Union und SPD die epidemische Notlage bis Ende September verlängert. Die erstmals im März 2020 vom Bundestag festgestellte ?epidemische Notlage von nationaler Tragweite" ermöglicht es, weitreichende Verordnungen gegen die Pandemie zu erlassen. Ohne Verlängerung wären die aktuellen Regelungen zum 30. Juni ausgelaufen.

Von den Abgeordneten stimmten 375 für die Verlängerung, 218 dagegen, 6 Abgeordnete enthielten sich. Die Fraktionen von FDP und AfD hatten sich gegen die Vorlage ausgesprochen. Durch die Verlängerung sollen rund 20 Verordnungen, die direkt von der festgestellten Notlage abhängen, fortgeführt werden; dazu gehören z.B. Regelungen zu Testangeboten. Im Gegensatz zur "epidemischen Notlage" soll die "Bundesnotbremse" am 30. Juni auslaufen. Mit dieser hatte der Bund im April verfügt, dass es möglich ist, einheitliche Corona-Schutzmaßnahmen in Gebieten mit hoher Inzidenz durchzusetzen.

Produktionsmängel: 60 Millionen J&J-Impfdosen für den Müll
In den USA ist nach Angaben der New York Times das Unternehmen Johnson & Johnson von den Behörden verpflichtet worden, fast 60 Millionen Impfdosen zu vernichten. Hintergrund sind festgestellte Produktionsmängel in einem Werk in Baltimore. Auch Deutschland wird von dieser Maßnahme betroffen: Das BGM erwartet, dass bis Ende Juni dadurch etwa 6,5 Millionen J&J-Impfdosen ausfallen, die nach Deutschland geliefert werden sollten.


Ausbrüche bei geimpften Heimbewohnern: Schlechtere Immunantwort
Wissenschaftler der Charité haben untersucht, warum es in Pflegeheimen " auch bei vollständiger Immunisierung der Bewohner " immer wieder zu größeren Coronavirus-Ausbrüchen kommt. Hauptgründe sind danach neben dem Auftreten neuerer Virusvarianten, eine verzögerte und geringere humorale und zelluläre Immunreaktion der Senioren auf die SARS-CoV-2-Impfung.

Basis der Analyse, die gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und Gesundheitsbehörden erfolgte, waren Längsschnittstudien bei Personal und Bewohnern eines Pflegeheims in Berlin, in dem zwischen Februar und März 2021 bei 11 ungeimpften Pflegekräften und 20 Bewohnerinnen und Bewohnern eine SARS-CoV-2-Infektion festgestellt worden war. 16 der 20 infizierten Bewohner waren vollständig mit der BioNTech/Pfizer-Vakzine geimpft.
Der Ausbruch wurde von der Virusvariante B.1.1.7 (Alpha-Variante) ausgelöst, die mit einer höheren Virusmenge im Rachen und einer größeren Übertragbarkeit einhergeht. Alle 4 ungeimpften erkrankten Heimbewohner mussten stationär behandelt werden, außerdem 2 von den 16 geimpften Senioren. Allgemein verliefen die Erkrankungen bei den Ungeimpften schwerer als bei den Geimpften. Geimpfte hatten zudem tendenziell weniger Virus im Rachen und dies über einen kürzeren Zeitraum, nämlich im Schnitt für 8 Tage vs. 31 Tage bei Ungeimpften.

3 Wochen nach der 1. Impfdosis hatten 87% der im Schnitt 34jährigen Mitarbeiter Antikörper gegen SARS-CoV-2, aber nur 31% der geimpften Heimbewohner (> 70 Jahre). 4 Wochen nach der 2. Dosis hatten 99% der jungen Impflinge SARS-CoV-2-spezifische Antikörper gebildet und circa 91% der Senioren. Die Avidität der Antikörper war bei den Älteren geringer als bei Jüngeren und die T-Zellantworten fielen schwächer aus.

Fazit der Autoren: Die Immunantworten erreichten bei den Älteren nicht das Niveau von jungen Impflingen, daher bleibe die Immunisierung von deren Kontaktpersonen sehr wichtig ? ebenso wie die Beachtung von Hygienemaßnahmen und regelmäßige Tests der Betreuer und Besucher.

USA prüfen Fälle von Myokarditis bei jungen Menschen nach Impfung
Am Freitag den 18. Juni treten Experten des CDC's Advisory Committee on Immunization Practices (ACIP) in den USA zusammen, um Fälle von Myokarditis zu überprüfen, die bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen nach der Gabe von mRNA-Impfstoffen gegen COVID-19 gemeldet wurden. Wie berichtet, scheint es eine Häufung von Fällen von Myokarditis vor allem bei jungen Männern, meist nach der 2. Dosis der Impfstoffe von Pfizer-BioNTech oder Moderna zu geben. Dabei treten die Symptome, typischerweise innerhalb von 3 Tagen nach der 2. Impfung auf.


Bei entsprechenden Symptomen solle ein Kardiologe hinzugezogen werden, raten die CDC. Trotzdem fordern sowohl die CDC als auch die American Heart Association/American Stroke Association (AHA/ASA), weiterhin alle Erwachsenen und Kinder ab 12 Jahren in den USA auf, sich so schnell wie möglich gegen COVID-19 impfen zu lassen.

Mit Stand vom 11. Juni 2021 berichten die CDC, dass seit dem 14. Dezember 2020 mehr als 306 Millionen Dosen des COVID-19-Impfstoffs in den USA verabreicht wurden und fast 43% der US-Amerikaner, mehr als 142 Millionen, vollständig geimpft sind. Laut CDC wurden bis zum 31. Mai 2021 dabei 789 Fälle von vermuteter Myokarditis gemeldet, davon 475 bei Personen unter 30 Jahren. 79 Fälle von vermuteter Myokarditis/Perikarditis betrafen Jugendliche im Alter von 16 oder 17 Jahren.

81% der 270 Patienten unter 30 Jahren mit Verdacht auf Myokarditis im Zusammenhang mit der COVID-19-Impfung haben sich vollständig erholt, die restlichen 19% berichten über anhaltende Symptome oder es fehlen vollständige Daten.

196 Fälle von vermuteter Myokarditis nach COVID-19-Impfung wurden bei jungen Erwachsenen zwischen 18 und 24 Jahren gemeldet. Diese Inzidenz ist höher als für diese Altersgruppe zu erwarten ist. Nur etwa 9% der verabreichten COVID-19-Impfstoffdosen entfielen auf die Altersgruppe der 16- bis 24-Jährigen.

Wie AHA/ASA mitteilen, sind sie ?weiterhin zuversichtlich?, dass der Nutzen der Impfung die möglichen Risiken bei weitem übersteigt?. Dabei seien auch für junge Menschen mögliche langfristige gesundheitliche Auswirkungen der Infektion und Spätfolgen auf das Herz, das Gehirn, das Gefäßsystem und andere Organe zu berücksichtigen. Die Experten verweisen darauf, dass eine Myokarditis auch die Folge einer kürzlich erfolgten Virusinfektion sein kann und der Zusammenhang mit dem Erhalt eines COVID-19-Impfstoffs nicht zweifelsfrei erwiesen sei, zumal die in den USA zugelassenen COVID-19-Impfstoffe kein lebendes Virus enthielten.

Junge Impfligen werden ermutigt, einen Arzt aufzusuchen, wenn sie in den Wochen nach der COVID-19-Impfung eines der folgenden Symptome haben: Brustschmerzen (v.a. wenn diesee plötzlich, scharf und stechend sind), Atembeschwerden/Atemnot; abnormaler Herzschlag; starke Kopfschmerzen; verschwommenes Sehen; Ohnmacht oder Verlust des Bewusstseins; Schwäche oder sensorische Veränderungen; Verwirrung oder Schwierigkeiten beim Sprechen; Krampfanfälle; unerklärliche Bauchschmerzen; oder neue Beinschmerzen oder Schwellungen.

Schwere Hirnentzündung als mögliche Folge einer COVID-19-Erkrankung
Ein Team von Forschenden des Universitätsklinikum Freiburg und des Exzellenzcluster CIBSS ? Centre for Integrative Biological Signalling Studies ? der Universität Freiburg um Prof. Dr. Marco Prinz, Ärztlicher Direktor am Institut für Neuropathologie, und Prof. Dr. Dr. Bertram Bengsch, Sektionsleiter für Translationale Systemimmunologie in der Hepatogastroenterologie der Klinik für Innere Medizin II des Universitätsklinikums Freiburg, konnte jetzt nachweisen, dass sich bei COVID-19 eine schwere Entzündungsreaktion durch unterschiedliche Immunzellen um das Gefäßsystem und im zentralen Hirngewebe entwickeln kann. Die Ergebnisse sind in der aktuellen Ausgabe von Immunity veröffentlicht.

?Auch wenn es bereits Hinweise auf eine Beteiligung des Zentralen Nervensystems bei COVID-19 gab, hat uns das Ausmaß der Entzündung im Hirn überrascht?, kommentiert Erstautorin Henrike Salié die Studie. ?Gerade die vielen sogenannten Mikrogliaknötchen lassen sich im gesunden Hirn sonst nicht finden?, so Erstautor Dr. Marius Schwabenland. Durch die Anwendung einer neuartigen Messmethode, die bildgebende Massenzytometrie, konnten unterschiedliche Zelltypen des Immunsystems, sowie Virus-infizierte Zellen und deren räumliches Zusammenwirken in bisher unbekanntem Detail untersucht werden.

?Bisher war das Entzündungsmuster bei COVID-19 wenig verstanden. Auch im Vergleich zu anderen Hirnentzündungen sind die durch COVID-19 ausgelösten Entzündungsreaktionen einzigartig und weisen auf eine schwerste Störung der hirneigenen Immunantwort hin. Insbesondere die wesentlichen Abwehrzellen im Gehirn, sogenannte Mikrogliazellen, werden besonders stark aktiviert und es kommt zur Einwanderung von T-Killerzellen in das Hirngewebe und Entwicklung einer ausgeprägten Neuroinflammation im Hirnstamm?, erläutert Prinz.

?Die Immunveränderungen sind besonders in der Nähe kleiner Hirngefäße nachweisbar. In diesen Bereichen wird der Virus-Rezeptor ACE2 exprimiert, an den das Coronavirus andocken kann und dort war das Virus auch direkt nachweisbar?, ergänzt Bengsch. ?Es erscheint plausibel, dass die Immunantwort dort infizierte Zellen erkennt und sich die Entzündung dann auf das Nervengewebe ausbreitet und so für Beschwerden sorgt. Möglicherweise könnte eine frühzeitige immunmodulierende oder immunsuppressive Therapie die Entzündung reduzieren.?

Prof. Dr. Robert Thimme, Ärztlicher Direktor der Klinik für Innere Medizin II am Universitätsklinikum Freiburg, ergänzt: ?Während wir schon wussten, dass eine starke Immunantwort für eine Ausheilung der Coronavirus-Infektion benötigt wird, kann offensichtlich auch eine fehlgeleitete Immunantwort schwere Schädigungen hervorrufen.?

Ungeimpfte Kinder als ?Virus-Reservoir? und ?Brutstätte? neuer Varianten?
Zur Diskussion, ob auch Kinder (vorrangig) gegen COVID-19 geimpft werden sollten, nimmt ein Artikel in Nature Stellung. In vielen Teilen der Welt seien auch die Infektionen bei Kindern als Folge der Massenimpfungen von Erwachsenen zurückgegangen. Doch es herrsche unter Experten Uneinigkeit darüber, heißt es, ob ungeimpfte Kinder nicht zu einem ?Reservoir" für die Infektion werden können ? und damit zu einer potenziellen Brutstätte für das Auftreten neuer Varianten.

Dem scheint nach den Daten einer brasilianischen Studie aus der kleinen Stadt Serrana im brasilianischen Bundesstaat São Paulo nicht so zu sein. In der Stadt sind im Rahmen eines Projektes 98% der Erwachsenen geimpft worden ? allerdings mit der chinesischen Vakzine von Sinovac, der eine geringere Wirksamkeit von nur rund 50% gegen symptomatische Infektionen bescheinigt wird.

Wie Forscher des Butantan-Instituts in São Paulo auf einer Pressekonferenz letzte Woche berichtet haben, sanken nach dem Impfprogramm jedoch die symptomatischen Fälle von COVID-19 um 80% und die Todesfälle um 95%. Obwohl 62% der 45.000 Einwohner von Serrana Erwachsene sind, gab es einen ähnlichen Rückgang der symptomatischen Infektionen auch bei ungeimpften Kindern.


?Es war eine unserer Befürchtungen dass, wenn man alle anderen impft, sich die Krankheit wahrscheinlich bei den Kindern und Jugendlichen konzentrieren wird", so die Untersucher. ?Aber das haben wir nicht gesehen."

Ähnlich sind die Erfahrungen in anderen Ländern mit hohen Impfraten. So sind z.B. in USA die Fälle bei Kindern und Jugendlichen zwischen Januar und Mai um 84% zurückgegangen. Dies obwohl erst etwas mehr als die Hälfte der US-Bevölkerung ? überwiegend Erwachsene ? mindestens eine Impfdosis erhalten hat.

Es gibt auch Hinweise darauf, dass Kinder das Virus mit geringerer Wahrscheinlichkeit übertragen als Erwachsene ? ein weiterer Grund, warum die Befürchtungen sie könnten als Virus-Reservoir fungieren, vielleicht nicht zutreffen.

In Israel sind die Infektionsraten bei denjenigen, die für eine Impfung in Frage kommen, ebenfalls stark gesunken, von 559/100.000 bei den über 16-Jährigen Mitte Januar auf nur noch 1,5/100.000. Die meisten Schulen sind seit März wieder geöffnet, doch auch bei den ungeimpften Kindern sank die Inzidenz in ähnlichem Ausmaß von 546 auf 1,5 bei den unter 11-Jährigen.

Dies deute darauf hin, dass Kinder am häufigsten von Erwachsenen angesteckt werden, kommentiert Dr. Eric Haas, ein Kinderarzt für Infektionskrankheiten und Epidemiologe am israelischen Gesundheitsministerium in Jerusalem. ?Sonst würde man erwarten, dass sich die Kinder, wenn sie wieder in die Schule gehen, massenhaft gegenseitig anstecken."

Es gibt aber auch andere Interpretationen. So zeichnen britische Daten, wo die Impfrate bei 60 % liegt, ein komplizierteres Bild: Bis Ende Mai waren dort die Infektionen bei Schülern der Sekundarstufe von einem Höchststand von etwa 600/100.000 im Januar auf weniger als 100/100.000 gesunken. Bei jüngeren Schulkindern sind die Zahlen noch niedriger.

Doch deuten nun jüngste Daten darauf hin, dass ungeimpfte Kinder immer noch wichtige Überträger des Virus sein könnten. Im Mai gab es fast 100 Ausbrüche ? definiert als 2 oder mehr Fälle ? in Grund- und weiterführenden Schulen in England. Dies allerdings bei insgesamt rund 25.000 Schulen in England. Auch hat sich die Gesamtinfektionsrate bei Kindern im Schulalter in den 6 Wochen nach der Wiedereröffnung der Schulen kaum verändert.

Das Ausmaß, in dem ungeimpfte Kinder als Überträger fungieren, hat Auswirkungen darauf, ob sie geimpft werden sollten, sobald die erwachsene Bevölkerung geimpft wurde ? eine Frage, die heiß diskutiert wird. In den USA, wo die FDA bereits am 10. Mai den BioNTech-Impfstoff für Kinder ab einem Alter von 12 Jahren zugelassen hat, haben inzwischen mehr als 7 Millionen Kinder mindestens eine Dosis erhalten.

Allerdings argumentiert die WHO, dass aufgrund des geringen Risikos für einen schweren Verlauf bei Kindern deren Impfung keine Priorität hat, da die Impfstoffmengen weltweit noch bei weitem nicht ausreichen, um alle Erwachsenen zu immunisieren.

Manche Experten sehen allerdings die Impfung von Kindern als entscheidend für die Kontrolle der Pandemie an. Dadurch würden sie als potenzielles Reservoir für asymptomatische Infektionen ausgeschaltet und das Auftreten neuer Varianten werde besser verhindert, argumentieren diese.

Update vom 10. Juni 2021
STIKO: Keine allgemeine Empfehlung zur Impfung ab 12 Jahren

Startschuss für den digitalen Impfnachweis ? CovPass ab nächste Woche

?Angemessene? Vergütung für Nachtragungen

CovPass in allen EU-Ländern anerkannt

Infektion trotz Zweifach-Impfung ? AHA-Regeln behalten Bedeutung

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen nimmt weiter ab, Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und RKI-Präsident Prof. Dr. Lothar Wieler haben Details zum neuen digitalen Impfnachweis vorgestellt und der STIKO-Chef Prof. Dr. Thomas Mertens äußert sich zu Fällen von schlechtem Impfschutz nach vollständiger Impfung bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem.

STIKO: Keine allgemeine Empfehlung zur Impfung ab 12 Jahren
Wie erwartet hat die STIKO sich gegen eine allgemeine Impfung von Kindern und Jugendlichen gegen COVID-19 ausgesprochen. Wie es im Epidemiologischen Bulletin 23/2021 heißt, empfiehlt sie lediglich ?für Kinder und Jugendliche mit Vorerkrankungen aufgrund eines anzunehmenden erhöhten Risikos für einen schweren Verlauf der COVID-19-Erkrankung eine Impfung mit dem mRNA-Impfstoff Comirnaty® (BioNTech/Pfizer)?. Und weiter: ?Der Einsatz von Comirnaty® bei Kindern und Jugendlichen im Alter von 12-17 Jahren ohne Vorerkrankungen wird derzeit nicht allgemein empfohlen, ist aber nach ärztlicher Aufklärung und bei individuellem Wunsch und Risikoakzeptanz möglich.?

In den vergangenen 24 Stunden wurden dem RKI 3.187 Corona-Neuinfektionen gemeldet (vor einer Woche 4.640). Die 7-Tage-Inzidenz lag laut RKI am Donnerstag erstmals unter 20 (bundesweit 19,3; Vortag: 20,8; Vorwoche: 34,1). Allerdings, so gab Wieler zu bedenken, seien die Fallzahlen immer noch etwa 10 Mal so hoch wie zur gleichen Zeit vor einem Jahr.

Zudem sind bundesweit in den letzten 24 Stunden 94 neue Todesfälle in Verbindung mit COVID-19 gemeldet worden ? vor einer Woche waren es noch 166 Tote gewesen. 47% der deutschen Bevölkerung sind laut Spahn nun mindestens einmal gegen SARS-CoV-2 geimpft.

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Mal ganz ehrlich
Das Paul-Ehrlich-Institut zum Thema ADE bei Covid19-Impfungen:

https://www.pei.de/SharedDocs/FAQs/DE/coronavirus/coronavirus-infektionsverstaerkende-antikoerper-ade.html


Wann werden die Verschwörungsschwurbler mal dahin kommen, festzustellen, dass es den großen Corona-Betrug gar nicht gibt?

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Referring Ulrich Rosky
Es waren zwei Ritter, zwei Edle vom Dorf
Der eine war kahl und der and're voll Schorf
Der Kahle hieß Karl, war von listigem Mut
Der and're war blöde, man nannte ihn Knut
Sie sahen eines Tages die Tochter des Grafen
Wollten fortan ohne sie nicht mehr schlafen
Karl hat zum pickligen Knute gesagt:
"Die Gräfin ist reich und so gut wie intakt
Wir lieben sie beide, doch einer schaut zu
Und ich hab so den Eindruck, dieser eine bist du!"
Eifrig sprach Knut: "Wen sie liebt von uns beiden
Das muss die Comtessa wohl selber entscheiden!"
Sie kamen zum Grafen, und der fragte sein Kind:
"Willste den mit der Glatze oder den mit dem Grind?"
Sie sagte: "Für mich gibt's nur eins auf der Welt:
Ich will einen Recken, einen richtigen Held
Und der, der mich will zur Gemahlin erringen
Muss mir zuvor einen Drachenschwanz bringen!"
So zogen die Ritter zum Drachen vorm Tor
Und Karl sprach zu Knut: "Knut, geh du doch mal vor!
Geh mal hin zu dem Drachen und sprich ihn mal an,
Ich mach bloß meinen Schuh zu und komm' dann gleich ran."
Knut spielte häufig mit Käfern und Bienen
Doch konnte ihm diese Erfahrung nicht dienen
Der Drache focht tapfer, doch tapf'rer focht Knut
Und bald schwamm das Untier im eigenen Saft
Knut hieb ihm den Schwanz ab mit schwindender Kraft
Und lief damit zu Karl und rief: "Ich hab's geschafft!"
Setzt' sich am Brunnenrand, fühlt sich so schlapp
Da stieß ihn sein Freund in die Tiefe hinab
Doch Knut riss den Drachenschwanz mit sich hinwech
Da sprach Karl zu sich selbst: "Ach, ich hab auch ein Pech!
Ohne Schwanz keine Gräfin, ohne Gräfin kein Schlaf
Also, Knut, gib den Schwanz her! Komm Kleiner, sei brav!
Und das mit dem Brunnen war nicht so gemeint
Du musst mir vertrauen, denn ich bin doch dein Freund."
Knut gab ihm den Schwanz und bat: "Reich mir die Hand!"
Doch Karl war schon längst zum Schlosse gerannt
Die Gräfin rief: "Karl, dein Kampf war nicht vergebens!
Das ist der herrlichste Schwanz meines Lebens!"
Bis zur Hochzeit war Knut aus dem Brunnen heraus
Er brüllte: "Verrat!" - doch alles lachte ihn aus
"Wer glaubt heut' noch an Drachen?! Ach, du bist nicht normal!"
Riefen alle, doch Knut sprach zornig zu Karl:
"Du find'st Deine Strafe, das weiß ich genau!"
Karl lachte und zog sich zurück mit der Frau
Und lebte noch hundert Jahrr glücklich mit ihr
Knutchen starb früh an einem Magengeschwür
Die Treue ist herrlich und bricht nicht so schnell
So singen schon Schiller und Sacha Distel
Die Freundschaft ist schön und reicht meist bis zuletzt -
Doch wird sie zuweilen auch stark überschätzt.

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Bizarrer Kosmos
Ich interessiere mich ja sehr für die besonders seltsamen Seiten der Astrophysik. Dazu ghören ungewöhnliche Sterntypen, oder sollte man Sternleichen sagen? Neben Weißen Zwergen, Neutronensternen und Schwarzen Löchern gibt es noch einige andere Arten von Kollapsaren bzw. werden diese vermutet: Pygmäensterne, Quarksterne, Gravasterne. Pygmäensterne, nicht mit Blauen Unterzwergen zu verwechseln, sind Weißen Zwergen sehr ähnlich, aber kleiner und heißer. Also bei Sonnenmasse Marsdurchmesser, Oberflächentemperaturen von 40.000 bis 120 000 Grad und eine überwiegende Beschaffenheit aus schwereren Elementen als Sauerstoff sind typisch. Ziemlich bizarr, oder?


Nicht so bizarr wie die im Gegensatz zu ihnen nicht nachgewiesenen, sondern nur vermuteten Quarksterne: bei 2, 5 facher Sonnenmasse Durchmesser von einigen Hundert Metern, eine unvorstellbare Dichte, die um ein Vielfaches über der eines Atomkerns liegt, Oberflächentemperaturen von Milliarden Grad und eine "Spektralfarbe" im Gammastrahlenbereich.

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Sonntag, 13. Juni 2021
Gartenfreuden, wiedereinmal
Die ersten neu gepflanzten Blumen sind gekommen, die langjährigen blühen gerade auf.













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Samstag, 12. Juni 2021
Neuer Antiimperialismus: Anmerkungen zu einer komplexen Theorie
Ausgehend von der Tatsache, dass der marxistische Klassenbegriff seit Ende des 20. Jahrhunderts nicht mehr anwendbar war, hinsichtlich der Frauenfrage und hinsichtlich Rassismus seine Blindstellen hatte und der marxistisch-leninistische klassische Antiimperialismus antisemitische Züge angenommen hatte wurde von überwiegend westdeutschen Linken, allerdings in enger Zusammenarbeit mit britischen, belgischen, französischen und US-amerikanischen Gruppen seit den 1980ern der Neue Antiimperialismus entwickelt, der als offenes Theorieprojekt bis heute weiterentwickelt wird.
Ursprünglich zurückgehend auf die Tübinger Internationalismustage von 1982 und die Diskussionszusammemhänge zwischen entwicklungspolitischen Aktionsgruppen, Weltläden und HistorikerInnen im Umfeld der Hamburger Stiftung für Sozialgeschichte des 20. und 21. Jahrhunderts wurden die Kerngedanken des Neuen Antiimperialismus hauptsächlich in den Zeitschriften Materialien für einen neuen Antiimperialismus und Wildcat ausgebreitet und weiterentwickelt.

http://www.materialien.org/texte/materialien/edit88.html


"Materialien für einen Neuen Antiimperialismus" meint hierbei nicht, Ex Cathedra eine Leitlinie zu verkündigen, wie Antiimperialismus auszusehen hätte, sondern, gestützt auf Forschungsmethoden der Alltagsgeschichte und Mikrohistorie, Diskussionsansätze zu entwickeln, die für die Linke brauchbar sein können, um das heutige Weltgeschehen überhaupt begreifbar zu machen. Neuer Antiimperialismus ist zunächst mal eine Absetzbewegung zum klassischen Antiimperialismus, der daraus bestand, die Weltpolitik der USA, der EU und die Rolle Israels im Mittleren Osten zu kritisieren und einen Internationalismus zu vertreten, der eine Frontstellung der marxistischen Befreiungsbewegungen gegen diese Kräfte beinhaltete. Dagegen meint Neuer Antiimperialismus, sich auf Kämpfe um das unmittelbare Existenzrecht, die Verteidigung bäuerlicher Subsistenz usw. in den drei Kontinenten zu beziehen und diese mit Arbeitskämpfen hierzulande zu verbinden, d. h. nicht an Staaten, Parteien oder Guerrillabewegungen anzulehnen, sondern an soziale Prozesse.

Anders gesagt: Es geht um die Verteidigung vorhandener sozialer Standards und um die Entwicklung von Perspektiven zur Verbesserung der sozialen Verhältnisse aus Sicht der Deklassierten. Es handelte sich um eine Verbindung aus italienischem Operaismus mit der zentralen Vorstellung von ArbeiterInnenkämpfen als Kämpfe gegen die entfremdete Arbeit an sich mit einem starken Mensch-Maschine-Dualismus, dem Versuch, Marx mit Bakunin und Weitling zusammen zu denken, der Dependenztheorie, welche den kulturellen und politökonomischen Zusammenhängen in den Abhängigkeitsverhältnissen zwischen Entwicklungs- Schwellen- und Metropolenländern nachging und den Ansätzen der ?Anderen Arbeitergeschichte?, die Geschichtswissenschaft als Alltagsgeschichte aus der Perspektive von unten betrieb.

Als Gegenposition zum Klassischen Antiimperialismus wurden Ansätze, die sich auf Klassenkämpfe und soziale Proteste in den Metropolen ebenso bezogen wie auf Hungerrevolten und Brotpreisaufstände im Trikont mit einem zwischen Marx, Foucault und der Dependenztheorie aufgespannten Theoriegebäude kontextualisiert. Daran anküpfend wurde die Theorie der permanenten Neuzusammensetzung der Unterklasse in den 1990er Jahren mit unterschiedlichen Schwerpunkten von dem deutschen Historiker Karl Heinz Roth, der Redaktionsgruppe Materialien für einen neuen AntImperialismus und etwas später auch Slavoj Zizek entwickelt.

Hierbei geht es um folgendes: Da die Industriearbeiterschaft in den Metropolenstaaten kein objektives Proletariat mehr ist ? sie lebt nicht mehr in Armut und hat einen bürgerlichen Lebensstil angenommen, zugleich aber ständig neue Armut produziert wird ? Leiharbeiter, Zeitarbeiter, Billiglohnsektor, Pauperisierung kleiner Angestelltenmilieus ? kann davon gesprochen werden dass ein neues, heterogenes Proletariat am Entstehen ist. Dazu gehört dann auch die Deklassierung von Berufsfeldern die früher mal Hochlohnsektoren waren, z.B. in der IT und im Marketing, Stichwort Dauerpraktikanten und outgesourcte Billigpixler.

Bei Hartmann, Roth und den Materialien für einen neuen Antiimperialismus wird das mit einer Entwicklungstheorie verbunden die nach den Interessen der armen Menschen im Trikont und nach den Möglichkeiten praktischer Solidarität fragt, also sich für die kleinen Leute interessiert und sich von der ausschließlichen Orientierung des alten Antiimperialismus an der Solidarität mit Befreiungsbewegungen abwendet.


Zizek hingegen hat eine operaistische Sichtweise zusammengebracht mit Laclau und Mouffe, die davon ausgingen dass in der postmodernen Gesellschaft andere Kämpfe als bisherige Klassenkämpfe relevant werden, nämlich die Kämpfe marginalisierter Gruppen wie Frauen, Schwule, Lesben, Migranten u.a. und dass für diese Gruppen eine Befreiungsperspektive nur sichtbar wird, wenn sie ihre radikal subjektive Eigenperspektive gegen den gesellschaftlichen Mainstream wenden.

Wobei Chantal Mouffe als Antwort auf den erstarkenden Rechtspopulismus weltweit einen Populismus von links fordert, der polemisch, laut, aggressiv und politisch unkorrekt zu sein habe, bei ihr vermischen sich die Positionen Foucaults und des Operaismus mit situationistischen Ideen.

Daran anküpfend vertritt Zizek einen radikalen Partikularismus, der erst in der Auseinandersetzung mit dem Bestehenden zur Möglichkeit kommt,Einfluss auf das Allgemeine zu nehmen oder sogar zum Allgemeinen zu werden. In der gemeinsam mit Detlef Hartmann verfassten Antwort auf "Empire" von Negri und Hardt läuft das auf eine neue Revolutionstheorie hinaus.

https://www.assoziation-a.de/buch/Die_Zeit_der_Autonomie
http://assoziation-a.de/buch/Hartmann_Empire
https://de.wikipedia.org/wiki/Detlef_Hartmann

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Donnerstag, 10. Juni 2021
Optogenetische Therapie bewirkt kleines "Wunder": Funktionell Erblindeter kann nach 40 Jahren wieder rudimentär sehen
Dr. Bianca Bach



Erstmals ist es mit einer optogenetischen Therapie mithilfe einer signalverstärkenden Brille gelungen, einem durch eine Retinitis pigmentosa (RP) funktionell erblindeten Menschen wieder zu einem rudimentären Sehvermögen zu verhelfen. Prof. Dr. José-Alain Sahel vom Institut de la Vision an der Universität Sorbonne, Paris, stellte die Fallstudie jetzt in Nature Medicine vor.

Die neue Studie ist ein sehr bedeutender Schritt auf dem langen und schwierigen Weg, eine visuelle Prothese zu entwickeln. Prof. Dr. Michael Schmid
40 Jahre zuvor war die erbliche, neurodegenerative Augenerkrankung bei dem inzwischen 58-jährigen Patienten diagnostiziert worden. Zu Studienbeginn nahm er gerade noch Licht wahr, erkannte aber nichts. Nach Therapie konnte er im Verlauf des Follow-ups über 84 Wochen wieder verschiedene Objekte wahrnehmen und sie auch lokalisieren, zählen und gezielt berühren. Zugleich ließ sich im Mehrkanal-Elektroenzephalogramm (EEG) eine objektbezogene Hirnaktivität über dem visuellen Kortex ableiten.

?Sehr ermutigend? findet Prof. Dr. Michael Schmid vom Departement für Neuro- und Bewegungswissenschaften der Universität im schweizerischen Freiburg die berichteten Sehleistungen des Patienten. ?Die neue Studie ist ein sehr bedeutender Schritt auf dem langen und schwierigen Weg, eine visuelle Prothese zu entwickeln.? Ansätze dafür würden schon seit Jahrzehnten mit wechselndem Erfolg erprobt. ?Neu und spannend ist der Weg über die Optogenetik.?

Dies ist ein wichtiger Fallbericht und zugleich die erste in einer Fachzeitschrift veröffentlichte Studie über eine optogenetische Therapie zur Wiederherstellung des Sehvermögens. Prof. Dr. Zuho-Hua Pan
?Dies ist ein wichtiger Fallbericht und zugleich die erste in einer Fachzeitschrift veröffentlichte Studie über eine optogenetische Therapie zur Wiederherstellung des Sehvermögens?, betont auch Prof. Dr. Zuho-Hua Pan vom Kresge Eye Institute an der Wayne State University School of Medicine in den USA. Er ist einer der Pioniere der Technologie. ?Leider konnte die Studie nur einen behandelten Patienten mit der niedrigsten Dosis trainieren und testen. Das wiederhergestellte Sehvermögen scheint zudem stark begrenzt zu sein.?

Designerproteine mit Lichtpulsen stimulieren
Optogenetische Technologien ermöglichen es, die Aktivität von Zellen mit Licht zu kontrollieren. Mit einer Gentherapie schleust man dabei zunächst Fremd-Gene in Zielzellen ein, die anhand der genetischen Information lichtempfindliche Ionenkanäle, Transportproteine oder Enzyme produzieren. Diese Designerproteine wiederum können mit Lichtpulsen stimuliert werden und dann beispielsweise, wie im aktuellen Fallbericht, Ganglienzellen in der Netzhaut erregen. Diese leiten dann idealerweise elektrische Signale an höhere Hirnzentren weiter.

Mithilfe eines adeno-assoziierten Virus als Genfähre wurden dem Patienten einmalig 5 x 1010 Vektorgenome für das Protein ChrimsonR zusammen mit dem Fusionsprotein tdTomato in den Glaskörper des stärker betroffenen Auges injiziert ? nahe an die Fovea centralis, die Stelle des schärfsten Sehens.

Das Kanalrhodopsin ChrimsonR ist ein lichtempfindlicher Ionenkanal. Die Kombination mit dem rot-fluoreszierenden tdTomato erhöht die Expression von ChrimsonR auf der Zellmembran. ChrimsonR-tdTomato ist besonders empfindlich für Licht auf Wellenlängen um 590 nm. Das entspricht der Farbe von Bernstein an der Grenze von Gelb zu Orange. Solches Licht sei, so Sahel, sicherer und veranlasse die Pupille weniger, sich zu verengen, als blaues Licht, wie es für viele andere Sensoren verwendet werde.

Neuromorphe Kamera als Spezialbrille
In die verwendete Spezialbrille ist eine sogenannte neuromorphe Kamera eingebaut. Sie registriert Pixel für Pixel Unterschiede in der Lichtintensität in der Umgebung. Das transformiert sie in monochromatische Bilder und projiziert diese in Echtzeit mit 595 nm-Lichtpulsen auf die Netzhaut.

Diese Brille müsse vor allem verwenden werden, weil Kanalrhodopsin-exprimierende Netzhautneuronen im Allgemeinen nur eine geringe Lichtempfindlichkeit aufweisen, so dass man sehr helles Licht über die Brille projizieren müsste, um die transduzierten Neuronen in der Netzhaut zu aktivieren, erläuterte Pan.

Für die Aktivierung der ChrimsonR-tdTomato-transduzierten Netzhautneurone waren Lichtintensitäten von mindestens 1015 Photonen pro Quadratzentimeter und Sekunde erforderlich.

Verbesserung des Sehvermögens nach 7 Monaten
Vor der Injektion änderte die Brille nichts an der visuellen Wahrnehmung des Patienten. Nach 4,5 Monaten begannen die Forscher, ihn regelmäßig damit trainieren zu lassen. Ab dem 7. Monat bemerkte er bei Nutzung der Spezialbrille eine allmähliche Verbesserung seines Sehvermögens. Dies testeten die Wissenschaftler, in dem sie ihm in einem Abstand von 60 cm zu seinem Auge in einer zufälligen Reihenfolge und auch einmal 20 cm zur Seite verschoben, Objekte verschiedener Größe und in 3 Grauabstufungen auf einem weißen Tisch vorlegten. Es handelte sich um einen großen Gegenstand ? ein Notebook ? und um eine kleine Schachtel mit Heftklammern.

Das größere Objekt vermochte der Patient bei 36 von 39 Versuchen und damit in 92% der Fälle zu erkennen, zu lokalisieren und auch zu berühren. Das gelang signifikant besser als bei dem kleinen Objekt, bei dem nur 36% von 45 Versuchen erfolgreich waren. Die Graustufen machten keinen relevanten Unterschied.


In einem zweiten Test musste der Patient 2 oder 3 Becher, die an je einer von 6 möglichen Positionen in 60 bis 80cm Entfernung vom Patientenauge aufgestellt wurden, erkennen, zählen und darauf zeigen. Dafür hatte er je 15 Sekunden Zeit. Erkennen und Zählen gelang in 63% der Versuche, das Lokalisieren in 58%.

5 Monate später, in Woche 72, sollte der Patient in einem dritten Test jeweils entscheiden, ob ein Becher an einer fixen Position aufgestellt war oder nicht. Dabei erfolgten EEG-Ableitungen. Die Objekt-getriggerte optogenetische Stimulation führte dazu, dass die okzipital über der visuellen Hirnrinde abgeleiteten 14-Hertz-Alphawellen signifikant desynchronisierten ? ein Hinweis darauf, dass das teilweise Wiedererlangen der Sehkraft auch mit einer entsprechenden neuronalen Aktivität verbunden war.

Nach Protokoll erfolgten alle Tests in Innenräumen. Doch die Forscher interessierte auch, wie der Patient bei Bewegung im Freien zurechtkam. Tatsächlich konnte er Zebrastreifen erkennen und die weißen Streifen zählen. Im Verlauf berichtete er auch, im Alltag Teller, Tasse und Telefon zu erkennen, sowie Möbelstücke und Türen in einem Gang.

Vor und nach dem Eingriff wurde der Patient regelmäßig augenärztlich untersucht. Mit besonderem Augenmerk auf die Netzhautanatomie: Sie wurde mittels optischer Kohärenz-Tomographie (OCT), sowie anhand von Farbfotographien und Autofluoreszenzbildern des Augenhintergrunds begutachtet. Es wurden keine Veränderungen beobachtet. Intraokuläre Entzündungen oder andere unerwünschte Wirkungen am Auge oder allgemein traten nicht in Erscheinung.

?Eine Expression von Fotorezeptoren in Sekundärzellen der Retina wird nie die volle Sehfähigkeit zurückbringen können?, räumte Hegemann ein. ?Allerdings ist die Tatsache, dass ein optogenetisch behandelter Patient sich in seiner Umgebung visuell orientieren und die Zebrastreifen auf der Straße zählen kann, sicherlich ein toller Erfolg und ein Gewinn an Lebensqualität.?

Noch zahlreiche Verbesserungen nötig
Es sei derzeit noch unklar, wie lange nach der Erblindung das Gehirn noch die Fähigkeit habe, neue optogenetischen Signale zu verstehen und damit, wie lange nach Erblindung eine Therapie möglich sei?, erläutert Prof. Dr. Peter Hegemann von der Humboldt-Universität in Berlin.

?Interessanterweise?, so Pan, ?musste der Patient während der Sehtests eine Head-Scanning-Strategie anwenden.? Um Objekte aufzufinden, bewegte er den Kopf. ?Es ist nicht klar, ob der Patient überhaupt Sehschärfe gewonnen hat.?


Die Studienautoren vermuten, dass das optogenetisch aktivierte Netzhautareal insgesamt relativ klein ist. Objekte können daher nicht erkannt werden, wenn sie nicht in einer Linie mit dem Kamerazentrum liegen. Vom Primaten-Tiermodell her sei beim Menschen eine optogenetische Expression in einem Netzhautbereich von 2,5 mm Durchmesser zu erwarten.

?Die Expression wird in Zukunft noch gleichmäßiger über die Retina erfolgen müssen, es werden sicherlich weitere Kanalrhodopsine mit höheren Leitfähigkeiten eingesetzt werden und die Virustechnologie der Gentherapie wird sich sicherlich weiter verbessern müssen?, so Neurowissenschaftler Hegemann.

Schmid betont, dass es sich erst um ?einen allerersten Schritt beim Menschen? handelt. Um Therapieempfehlungen abzuleiten, sei es zu früh. ?Dafür werden Untersuchungen über einen längeren Zeitraum und an einer größeren Stichprobe von Patienten benötigt.?

Weitere Studienteilnehmer, alternative Verfahren
Der Patient, über den Sahel und Kollegen berichten, ist einer von geplant insgesamt 15 Teilnehmern der offenen Phase I/II-Studie PIONEER mit dem Gentherapievektor GS030-DP der Pariser Firma GeneSight Biologics. Andere Unternehmen arbeiten ebenfalls an optogenetischen Therapien für RP-Betroffene.

Pan berichtete beispielsweise von eigenen Modellversuchen mit einem lichtempfindlicheren Kanalrhodopsin. Es habe bei blinden Mäusen schon bei 1013-1015 Photonen/cm2/s Lichtintensität das funktionelle Sehvermögen wiederhergestellt ? was in etwa dem Übergang von Straßenbeleuchtung zur Helligkeit in einem Operationssaal entspreche. ?Wenn sich dies auf den Menschen übertragen ließe, bräuchten die behandelten Patienten bei den meisten normal vorkommenden Lichtverhältnissen keine Brille mehr zu tragen?, sagt der Biophysiker.

Weitere alternative Verfahren, die bei RP erforscht werden, sind etwa Stammzellbehandlungen und elektrische Retina-Chips. Und Gentherapien, die das jeweils defekte Gen ersetzen. Eine solche ist bereits zugelassen, aber bislang nur für RP-Patienten mit Mutationen im Gen RPE65, die noch über ausreichend lebensfähige Netzhautzellen verfügen. Insgesamt sind mehr als 71 verschiedene Genmutationen als Ursache einer RP bekannt. Weltweit leiden über 2 Millionen Menschen daran.

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Startschuss für den digitalen Impfpass; Neuinfektionen trotz zweiter Impfung
Die Zahl der Corona-Neuinfektionen nimmt weiter ab, Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und RKI-Präsident Prof. Dr. Lothar Wieler haben Details zum neuen digitalen Impfnachweis vorgestellt und der STIKO-Chef Prof. Dr. Thomas Mertens äußert sich zu Fällen von schlechtem Impfschutz nach vollständiger Impfung bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem.

In den vergangenen 24 Stunden wurden dem RKI 3.187 Corona-Neuinfektionen gemeldet (vor einer Woche 4.640). Die 7-Tage-Inzidenz lag laut RKI am Donnerstag erstmals unter 20 (bundesweit 19,3; Vortag: 20,8; Vorwoche: 34,1). Allerdings, so gab Wieler zu bedenken, seien die Fallzahlen immer noch etwa 10 Mal so hoch wie zur gleichen Zeit vor einem Jahr.

Zudem sind bundesweit in den letzten 24 Stunden 94 neue Todesfälle in Verbindung mit COVID-19 gemeldet worden ? vor einer Woche waren es noch 166 Tote gewesen. 47% der deutschen Bevölkerung sind laut Spahn nun mindestens einmal gegen SARS-CoV-2 geimpft.

Startschuss für den digitalen Impfnachweis ? CovPass ab nächste Woche
?Zufrieden? äußerte sich Spahn bei der heutigen Pressekonferenz mit den derzeitigen Entwicklungen: Sinkende Infektionszahlen und weniger COVID-Patienten in den Intensivstationen, immer mehr Impfungen und Lockerungen zählte er zu seiner Erfolgsliste. Und ab jetzt komme auch noch der digitale Impfpass hinzu.


Noch in diesem Monat soll dieser in Deutschland verfügbar sein. Dafür gibt es zum einen eine neue App mit Namen CovPass, die man sich in den nächsten Tagen in den App-Stores herunterladen kann. Zum anderen erhält auch die Corona-Warn-App des Bundes in den nächsten Tagen eine entsprechende Aktualisierung. Ärzte und Impfzentren sollen die Impfzertifikate dann ausstellen können.

Was die nachträgliche Zertifizierung für die bereits vollständig Geimpften angeht, bremste Spahn allzu hohe Erwartungen an das Tempo: ?Es geht jetzt los, Schritt für Schritt", sagte er. Geimpfte bekämen den entsprechenden QR-Code für die Übertragung auf das Mobiltelefon entweder von den Impfzentren zugeschickt oder ab kommender Woche unter Vorlage des gelben Papier-Impfpasses in Apotheken. Auch der Apothekerverband hat sich bereits geäußert, dass es noch einige Zeit dauern könne, bis dieser Service in den Apotheken flächendeckend verfügbar sei.

Auch der Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) Dr. Andreas Gassen warnt vor zu hohen Erwartungen: ?Nicht sofort flächendeckend, sondern zunächst nur im Rahmen einer begrenzten Testphase wird der digitale Impfnachweis in Deutschland starten?, schreibt er in einer gemeinsamen Erklärung mit seinen Vorstandskollegen Dr. Stephan Hofmeister und Dr. Thomas Kriedel. Bislang könnten niedergelassenen Hausärzte und Fachärzte digitale Impfzertifikate noch nicht ausstellen, außer, wenn sie in Modellvorhaben eingebunden seien.

?Noch sind die technischen Voraussetzungen und Klarheit über genaue technische Abläufe in den Praxen nicht gegeben. Für eine flächendeckende Anwendung wird das die Voraussetzung sein?, erklärte Hofmeister. ?Der digitale Nachweis ist eine freiwillige Ergänzung des weiter gültigen gelben Impfheftes aus Papier?, so Kriedel.

Deutschland setze damit ein Vorhaben der Europäischen Union um. ?Urlaubsreisen scheitern ohne das digitale Impfzertifikat aber nicht?, betonte er. ?Der gelbe Impfausweis ist die internationale Bescheinigung über Impfungen und bei Auslandsreisen das Nachweisdokument erster Wahl.?

?Angemessene? Vergütung für Nachtragungen
Die Apotheken sollen eine ?angemessene Vergütung? erhalten, sagte Spahn. ?Hätten wir einen Preis genommen, der den Aufwand nicht angemessen berücksichtigt, dann würden viele Apotheken nicht mitmachen." Er betonte das ?hohe Interesse, dass Bürgerinnen und Bürger ihre Nacheintragungen machen können?.

Nach Angaben der Ärztezeitung erhalten Ärzte und Apotheker für nachträgliche Zertifikate für Impflinge, die im Impfzentrum oder bei anderen Ärzten, geimpft wurden, 18 Euro ? für Impflinge der eigenen Praxis allerdings nur 6 bzw. 2 Euro.


CovPass in allen EU-Ländern anerkannt
Ronald Fritz, CovPass-Projektmanager von IBM, gab Auskunft zu den Funktionalitäten der CovPass-App für den digitalen Impfnachweis. Es würden nur Impfzertifikate akzeptiert, die EU-konform sind und von autorisierten Stellen in Deutschland ausgestellt wurden. Dokumentiert weder der ?volle Impfschutz? mit in der EU zugelassenen Vakzinen (2 Wochen nach der letzten Impfung) oder der ?Genesenen-Status? mittels PCR-Testergebnis. Spahn ergänzte später auf Nachfrage, dass auch heterologe Impfungen, also solche, bei denen der Erst- und Zweitimpfstoff variierten, dabei als voller Impfschutz gültig seien.

Mittels dem CovPass-Check ließen sich die QR-Codes einlesen, sagte Fritz. Der CovPass könne dann etwa bei Reisen oder bei der Teilnahme an Veranstaltungen vorgezeigt werden, ohne dass man den gelben Impfausweis immer dabeihaben müsse. Er wird in allen EU-Mitgliedstaaten anerkannt. Die EU-Länder und das EU-Parlament hatten sich kürzlich auf ein europaweites Zertifikat geeinigt, mit dem man Impfungen, Tests und überstandene Covid-19-Erkrankungen nachweisen kann, um z.B. Reisen zu erleichtern.

CovPass und CovPass-Check seien inzwischen verfügbar, hieß bei der Pressekonferenz. Beide Apps laufen auf allen aktuellen Android- und iOS-Smartphones (Betriebssysteme ab iOS12 oder Android 6). Die Apps speichern den Nachweis lokal auf dem Telefon.

Infektion trotz Zweifach-Impfung ? AHA-Regeln behalten Bedeutung
Spahn und Wieler warnten auf der Pressekonferenz auch vor der indischen Varianten (Delta), die sich etwa in Großbritannien derzeit rasant ausbreite. Um es der Variante möglichst schwer zu machen, sich auch hier zu verbreiten, gelte es, die Inzidenz möglichst niedrig zu halten. ?Das Virus ergreift jede noch so kleine Chance?, sagte Wieler und verwies auch auf immer mehr Meldungen, nach denen sich selbst zweifach Geimpfte noch mit dem Coronavirus infizieren können. ?Bewährte Werkzeuge? wie Abstand halten, Quarantäne bei Infektion und die Hygieneregeln seien nach wie vor wichtig.

Wieler nahm damit Bezug auf aktuelle Warnungen der Ständigen Impfkommission (STIKO), dass anscheinend etliche Menschen trotz vollständiger Impfung keinen effektiven Infektionsschutz gegen SARS-CoV-2 haben. Der STIKO-Vorsitzende Prof. Dr. Thomas Mertens sagte kürzlich gegenüber der Funke-Mediengruppe: ?Es gibt inzwischen mehrere Studien, die zeigen, dass die Impfung gegen COVID-19 bei Menschen, deren Immunsystem medikamentös gebremst wird, nicht so gut wirkt wie bei anderen.?

Dies gelte etwa für manche Krebspatienten oder Menschen nach einer Organtransplantation oder Patienten, die wegen anderer Erkrankungen immunsuppressive Medikamente erhalten. Diese Menschen müssten zusätzlich über einen ?Kokonstrategie? geschützt werden, indem sich ihr Umfeld so weit wie möglich immunisieren lasse. Derzeit lasse sich zwar noch nicht schätzen, wie groß die Gruppe solcher Personen sei, die trotz vollständiger Impfung keinen ausreichenden COVID-19-Schutz aufbauen, ?wir müssen aber davon ausgehen, dass es nicht nur Einzelfälle sind?, sagte Mertens.

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Wegweisendes EuGH-Urteil zu subsidiärem Schutz
Der Europäische Gerichtshof hat heute über die Voraussetzungen zur Gewährung subsidiären Schutzes entschieden. Für Geflüchtete, insbesondere aus Afghanistan, ist das Urteil aus Luxemburg ein wichtiges Hoffnungszeichen

Die Richter*innen des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) haben heute in einem Urteil festgestellt: Allein das Verhältnis von zivilen Opfern zur Gesamtbevölkerung im Herkunftsland eines Geflüchteten kann kein entscheidender Ausgangspunkt sein, um ihm einen Schutzstatus zuzuerkennen oder ihm abzusprechen, dass er Schutz benötigt. Es bedarf vielmehr einer quantitativen als auch qualitativen Gesamtwürdigung der Umstände.

Bei der Feststellung einer »ernsthaften individuellen Bedrohung« sei die Zahl der zivilen Opfer im Verhältnis zur Gesamtzahl der Bevölkerung des betreffenden Gebiets im Rahmen eines bewaffneten Konflikts nicht mehr Ausgangbasis, sondern nur noch ein Kriterium unter vielen weiteren. Der Begriff »ernsthafte individuelle Bedrohung« des Lebens oder der Unversehrtheit der Person, die subsidiären Schutz beantragt, ist demnach weit auszulegen. Daher sei eine umfassende Berücksichtigung aller relevanten Umstände des Einzelfalls, insbesondere derjenigen, die die Situation des Herkunftslands des Antragstellers kennzeichnen, erforderlich. Hierzu zählen beispielsweise die Intensität der bewaffneten Auseinandersetzungen, der Organisationsgrad der beteiligten Streitkräfte und die Dauer des Konflikts. Außerdem können das geografische Ausmaß der Lage willkürlicher Gewalt, der tatsächliche Zielort Schutzsuchender im Falle einer gedachten Rückkehr und die Aggression der Konfliktparteien gegen Zivilpersonen eine Rolle spielen.

Insbesondere afghanische Geflüchtete aus stark umkämpften Provinzen können vor dem Hintergrund der Entscheidung des EuGH nun darauf hoffen, künftig subsidiären Schutz gewährt zu bekommen. ?Die bisherige Rechtsprechung in Deutschland ist der tatsächlichen Situation in Afghanistan nie gerecht geworden. Dies muss sich jetzt nach dem EuGH-Urteil ändern ? erst recht vor dem Hintergrund der sich weiter zuspitzenden Sicherheitslage am Hindukusch?, sagt Peter von Auer, Rechtpolitischer Referent von PRO ASYL.

Mit dem Urteil ist der Ansatz, der eine »ernsthafte individuelle Bedrohung« davon abhängig macht, ob das Verhältnis der Zahl ziviler Opfer zur Gesamtzahl der Bevölkerung des betreffenden Gebiets eine bestimmte Schwelle erreicht, nicht mit der EU-Richtlinie 2011/95 (= Qualifikationsrichtlinie) vereinbar.

Das Urteil des EuGH bedeutet eine zu vollziehende Kehrtwende für die Rechtspraxis der Bundesrepublik. Denn das Bundesverwaltungsgericht ist in seinen bisherigen Urteilen von einem rein quantitativen Ansatz ausgegangen, der als ?body count? bezeichnet werden kann: Ausgangsbasis ist hierbei, wie viele zivile Opfer es im Verhältnis zur Bevölkerung in einer Konfliktregion gibt. Wird dabei eine Mindestschwelle nicht erreicht, ist nach Auffassung des Bundesverwaltungsgerichts die Gewährung von subsidiärem Schutz von vornherein ausgeschlossen. Andere Faktoren, die einen bewaffneten Konflikt neben der Zahl der Opfer so gefährlich machen könnten, dass die Voraussetzungen für die Zuerkennung eines Schutzstatus gegeben wären, können dann gar nicht berücksichtigt werden. Dabei hat das Bundesverwaltungsgericht den zugrunde zulegenden Mindestwert nie exakt beziffert.

Der Gerichtshof hat sich mit seinem heutigen Urteil einmal mehr als wahrer ?Hüter der europäischen Verträge? positioniert ? eine Rolle, die eigentlich der Europäischen Kommission zukommt. Doch während diese die Asyl- und Flüchtlingspolitik immer weiter verschärft, gemeinsam mit EU-Mitgliedstaaten wie Dänemark und Griechenland, verteidigt der EuGH die grundlegenden Flüchtlings- und Menschenrechte. Nun muss auch Deutschland seine Rechtspraxis ändern, denn die Urteile des EuGH sind für alle nationalen Gerichte rechtlich bindend.

Vorabentscheidungsersuchen aus Baden-Württemberg

Grund für die EuGH-Entscheidung war ein Vorabentscheidungsersuchen des Verwaltungsgerichtshofs Baden-Württemberg aus dem Jahr 2019. Dieser musste über die Klagen auf subsidiären Schutz von zwei afghanischen Staatsangehörigen entscheiden. Nach dem ?body-count-Ansatz? ist die Gewährung von subsidiärem Schutz auch für Afghan*innen ausgeschlossen. Weil der Verwaltungsgerichtshof im konkreten Fall anzweifelte, dass der body-count-Ansatz ausreiche, hat er den EuGH um Klärung gebeten. Dieser hat nun deutlich gemacht: Die zynische Rechnung des Bundesverwaltungsgerichts ? in Afghanistan stürben nicht genug Menschen, um davon ausgehen zu können, dass beispielsweise die beiden afghanischen Kläger bei einer Rückkehr in ihre Heimat tatsächlich in Gefahr wären ? kann so nicht länger aufrechterhalten werden.

Am 11. Februar 2021 hat Generalanwalt Priit Pikamäe bereits in seinen Schlussanträgen die Ansicht vertreten, dass eine rein quantitative Betrachtung im Sinne einer Mindestanzahl an zivilen Opfern nicht zur Grundlage der Bestimmung des Vorliegens der Voraussetzungen für Schutz (nach der Qualifikationsrichtlinie 2011/95/EU, Art. 15 Buchst. c) gemacht werden kann. Die Beurteilung des Bedürfnisses nach internationalem Schutz müsse auch »nicht quantifizierbare Gesichtspunkte einbeziehen können wie z.B. jüngste Entwicklungen eines bewaffneten Konflikts, die, auch ohne bereits zu einem Anstieg der Opferzahlen geführt zu haben, signifikant genug sind, um die tatsächliche Gefahr eines ernsthaften Schadens für die Zivilbevölkerung zu begründen«. Erforderlich sei eine »sowohl quantitative als auch qualitative Gesamtwürdigung aller relevanten Tatsachen, die diesen Konflikt kennzeichnen«.
Der EuGH ist in seinem heutigen Urteil der Linie des Generalanwalts gefolgt.

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Mittwoch, 9. Juni 2021
Ein paar Grundsätzlichkeiten über die gesellschaftspolitischen Dynamiken und die Sprengkraft der Corona-Krise
Sehr sorgfältig recherchiert und zusammengetragen:



Antifa-Netzwerke
https://noquerdenken.noblogs.org

Wildcat
https://www.wildcat-www.de/wildcat/107/w107_china.html


Detlef Hartmann/Ben Nielsen/Materialien für einen neuen Antiimperialismus
https://books.google.de/books?id=l9vwDwAAQBAJ&pg=PT203&lpg=PT203&dq=Materialien+f%C3%BCr+einen+neuen+Antiimperialismus+Corona&source=bl&ots=8KFjf1Vk2N&sig=ACfU3U0Y1hzso-rKqhjJuY2Mx2vHs1F1wQ&hl=de&sa=X&ved=2ahUKEwiPx86fhIvxAhVXP-wKHc5qBGoQ6AEwBnoECAYQAw#v=onepage&q=Materialien%20f%C3%BCr%20einen%20neuen%20Antiimperialismus%20Corona&f=false

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COVID-19 als eigene Krankheitsentität: Warum der Körper auf SARS-CoV-2 anders reagiert als auf frühere Coronaviren
Forscher haben in den letzten Monaten viel zur Epidemiologie von SARS-CoV-2 herausgefunden, doch das komplexe klinische Bild von COVID-19 wirft etliche Fragen auf. Deshalb hat Dr. Marcin F. Osuchowski vom Ludwig-Boltzmann-Institut für Experimentelle und Klinische Traumatologie zusammen mit Kollegen die wissenschaftliche Literatur gesichtet. Die Übersichtsarbeit in The Lancet legt nahe, dass das Virus ein besonderes Infektionsprofil hat ? und das COVID-19 eine eigenständige medizinische Entität ist [1].

Besondere Eigenschaften von SARS-CoV-2
Mittlerweile gibt es zunehmend Evidenz, dass SARS-CoV-2 sowohl die oberen als auch die unteren Atemwege infiziert. Das überrascht, denn humane Coronaviren als bekannte Auslöser von Erkältungskrankheiten besiedeln typischerweise die oberen Atemwege. Hochpathogene Coronaviren wie SARS und MERS befallen vor allem die unteren Atemwege.

Die Replikation im Hals-Rachen-Raum, auch während der präsymptomatischen Phase, spielt eine wichtige Rolle zur Erklärung der vergleichsweise hohen Übertragbarkeit von SARS-CoV-2. Untersuchungen zeigen, dass bei Patienten mit COVID-19 die Viruslast in respiratorischen Proben höher als bei SARS und MERS ist. Sie erreicht 3-5 Tage vor Symptombeginn ein Maximum: deutlich früher als bei SARS oder MERS. Bei allen 3 Viren kommt es zu einer ähnlichen kurzzeitigen humoralen Immunantwort.

Wie lange die Immunität gegen SARS-CoV-2 anhält, ist derzeit unklar. Es gibt Hinweise, dass das immunologische Gedächtnis über 6 Monate hinweg persistiert. Möglicherweise ist die T-Zell-Immunität wesentlich länger. Bei SARS konnte eine T-Zell-Reaktivität bis zu 17 Jahre nach der Infektion nachgewiesen werden.

COVID-19: Das Immunsystem außer Takt


Neue Krankheitsbilder nach SARS-CoV-2-Infektionen
Im Vergleich zu anderen Coronaviren überraschen sowohl die Multiorgan-Symptomatik als auch die Thrombenbildung und eine ungewöhnliche immunvermittelte inflammatorische Reaktion. SARS-CoV-2 hat evolutionär besondere Eigenschaften entwickelt.


Während in Tier- und Zellmodellen eine aggressive immunvermittelte Entzündungsreaktion für die Symptome verantwortlich ist, scheint dies im Menschen weniger der Fall zu sein. Auch wenn Entzündungsprozesse als wichtiger Faktor gelten, liegt vor allem eine bislang unbekannte Dysregulation der Immunantwort vor. Die systemische, inflammatorische Antwort auf SARS-CoV-2 scheint im Vergleich zu anderen viralen oder bakteriellen Infektionen eher mild auszufallen.

Effekte auf die Balance des Immunsystems könnten auch eine Erklärung dafür sein, warum manche Patienten an Long-COVID leiden und warum nach der Infektion mitunter schwere Lungenschäden auftreten. Als weiterer wichtiger Faktor bei respiratorischen und nicht-respiratorischen Manifestationen der Krankheit gilt die die SARS-CoV-2-induzierte Endotheliitis.

Meist ist die Lunge beteiligt
COVID-19 wurde zuallererst als Lungenkrankheit beschrieben. Charakteristisch für die Pneumonie selbst ist eine Hypoxie. Dies kann zum akuten Lungenversagen (Acute Respiratory Distress Syndrome, ARDS) führen. Typisch ist ein Horovitz-Quotient unter 300 mmHg; er beschreibt das Ausmaß der Lungenschädigung. Bei Lungengesunden liegt der Wert je nach Alter zwischen 350 mmHg und 450 mmHg. COVID-19 manifestiert sich bei Erwachsenen oft durch Fieber und Husten, aber auch durch eine Atemfrequenz von über 30/Minute.

Die sogenannte stille Hypoxämie gilt als weiteres ungewöhnliches Phänomen. Sie ist charakterisiert durch einen kritisch-niedrigen Sauerstoffpartialdruck, aber nur leichte Beschwerden beim Atmen. Eine Studie zeigte, dass nur 19% der Patienten mit kritischem PaO2 unter Atemnot litten. Dabei kann es zu Atemversagen kommen.

Krankheit mit neuem Profil
Prof. Dr. Ignacio Martin-Loeches vom Trinity College Dublin, einer der Autoren des Reviews, betont, COVID-19 stelle eine neuartige Krankheit mit einem unbekannten Infektionsprofil dar. Das Virus habe seine ganz eigene Charakteristik und eine besondere Pathophysiologie. Dies sollte man sich bei der Behandlung bewusst machen.

Allerdings bedeute dies laut Martin-Loeches nicht, bekannte Therapien, die auf dem Wissen über andere Coronaviren beruhten, zu verwerfen. Zum Lösen des COVID-19-Puzzles wünscht er sich, dass Forscher die Thematik unvoreingenommen und vor allem schrittweise bearbeiten. Auf das Alter, das Geschlecht, auf Ethnien und Vorerkrankungen sei besonders zu achten.


Dieser Artikel ist im Original erschienen auf Coliquio.de.

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Labor, Fledermaushöhle, Pelzindustrie? Was Forscher zum Ursprung von COVID-19 vermuten R
Dieser Beitrag enthält auch wieder die Geschichte mit dem Kontakt Mensch-Fledermaus in chinesischen Bergwerken, die mir vor gut einem Jahr zu Ohren kam.


Ralph Ellis/Ute Eppinger

In Deutschland sorgt eine These des Virologen Prof. Dr. Christian Drosten im aktuellen NDR Info Podcast ?Coronavirus-Update? zum Ursprung von Sars-CoV-für Diskussionen. Er hält wenig von der Hypothese, dass das neuartige Coronavirus in einem Labor entstanden sei. Dagegen sieht er eher eine mögliche Rolle der wenig kontrollierten chinesischen Pelzindustrie und der dort gezüchteten Marderhunde.

Über wilde Marderhunde, die z.B. tote Fledermäuse fressen, könnte das neuartige Coronavirus in Zuchtfarmen eingeschleppt worden sein. In China werden nach seinen Angaben rund 14 Millionen Marderhunde für die Fellproduktion gehalten. Bei ihnen könnten sich erste Menschen angesteckt haben, etwa bei der Tötung der Tiere, denen ? oft noch lebend ? das Fell abgezogen werde und die dabei laut schreiend viele Aerosole ausstoßen. Nach wie vor sei die chinesische Pelzindustrie in weiten Teilen kaum reguliert ? ganz im Gegenteil hat sie von steigenden Preisen profitiert als im letzten Jahr in Dänemark wegen einiger Corona-Infektionen bis zu 17 Millionen Nerze getötet worden waren.

Auch in USA sorgen die Spekulationen um den Ursprung des Pandemie-Virus für Schlagzeilen. Dr. Anthony Fauci, leitender medizinischer Berater des Weißen Hauses, hat China jetzt aufgefordert, Informationen über 9 Menschen freizugeben, die an COVID-19-ähnlichen Symptomen erkrankten, bevor sich das Coronavirus weltweit ausbreiten konnte ? 6 Bergleute, die 2012 in einer Fledermaushöhle gearbeitet hatten, und 3 Laborarbeiter in Wuhan Ende 2019.

In einem Interview mit der Financial Times sagte Fauci, dass die Informationen helfen könnten, den Ursprung von SARS-CoV-2 zu bestimmen und Behauptungen zu entkräften, dass das Coronavirus aus einem Labor in Wuhan entwichen sei, bevor es sich in der ganzen Welt verbreitet habe.

?Ich würde gerne die Patientenakten der 3 Personen sehen, von denen berichtet wird, dass sie 2019 krank geworden sind?, sagte er in dem Interview. ?Sind sie wirklich krank geworden, und wenn ja, woran sind sie erkrankt??

Ich würde gerne die Patientenakten der 3 Personen sehen, von denen berichtet wird, dass sie 2019 krank geworden sind. Dr. Anthony Fauci
?Dasselbe mit den Bergarbeitern, die vor Jahren erkrankt sind ... Was sagen die medizinischen Aufzeichnungen über diese Leute aus??, so Fauci. ?Es ist durchaus denkbar, dass der Ursprung von SARS-CoV-2 in dieser Höhle lag und sich entweder auf natürliche Weise ausbreiten konnte oder über das Labor.?

Fauci sagte, dass er immer noch glaube, dass das Coronavirus von Tieren auf Menschen übertragen wurde, er aber sich nicht zu 100% sicher sei.



Erst vor kurzem hatte Präsident Joe Biden die US-Geheimdienste angewiesen, den Ursprung des neuartigen Coronavirus zu untersuchen.

Fauci sagte, dass noch immer 2 Möglichkeiten auf dem Tisch sind: die bekannte Theorie, dass das Virus von einem Tier auf den Menschen außerhalb eines Labors übertragen wurde, oder dass es versehentlich aus einem Labor entwichen sei. Er sagte, dass die CIA und andere Geheimdienste noch keinen Konsens darüber erreicht hätten, wie sich SARS-CoV-2 in China ausbreiten konnte.

Ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums, Wang Wenbin, wollte sich nicht dazu äußern, ob China die Krankenakten freigeben würde, wies aber die ?Labor-Theorie? zurück. ?Wir hoffen, dass Menschen, die keinen Verschwörungstheorien anhängen und die Fakten und Wahrheit respektieren, aus dieser Erklärung sachliche Antworten entnehmen können?, sagte er laut Financial Times.

Kontakt mit Fledermaus-Guano in einer Kupfermine in China
Das Wall Street Journal berichtete, dass Bergleute im April 2012 eine Kupfermine im Südwesten Chinas betreten hatten, um Fledermaus-Guano zu entfernen. 6 von ihnen entwickelten daraufhin eine COVID-19-ähnliche Erkrankung, und 3 von ihnen starben.

Auch Wissenschaftler des Wuhan Institute of Virology gingen in die Höhle, um Proben des Fledermaus-Guanos zu sammeln, berichtete die Zeitung. Im November 2019 erkrankten 3 Forscher aus diesem Labor an Grippe-ähnlichen Symptomen und suchten ein Krankenhaus auf, wie aus einem Bericht des US-Geheimdienstes hervorgehe, der der Zeitung vorliege.

Die ersten bekannten Coronavirus-Fälle sind bekanntlich Ende Dezember 2019 in der Provinz Wuhan gemeldet worden, auch der erste Todesfall wurde dort im Januar 2020 gemeldet. Seitdem wurden weltweit 172 Millionen Fälle gemeldet, mit 3,7 Millionen Todesfällen durch COVID-19.

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Oskar meldet sich
Lafontaine zur Not der Sozialdemokratie in ihren zwei Varianten:

https://www.gmx.net/magazine/politik/oskar-lafontaine-frage-besser-spd-bleiben-interview-35884328

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Dienstag, 8. Juni 2021
Spruch zur aktuellen Lage
"Eine Krise ist ein produktiver Zustand. Man muss ihr nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen."

Max Frisch

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Und täglich grüßt das Murmeltier
Neues von der Maskenfront:


https://www.gmx.net/magazine/news/coronavirus/corona-news-ticker-krankenhaushygieniker-abkehr-ffp2-maskenpflicht-35810440

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Montag, 7. Juni 2021
Streifzüge des Bizarrologen: Aus der Firma
Da ist eine Mitarbeiterin, Telefonkontakterin, die bezeichnete ihren Vorgesetzten vor KollegInnen und auch dem Chef gegenüber als "geistig verwirrt" und "Unmenschlich", offensichtlich völlig im Unklaren darüber, was solche Nachrede auslösen kann.


Ich nahm sie bei der Seite und fragte sie, was sie damit meine. Da kam dann heraus, dass sie unter geistig verwirrt verstand: "Vergisst schon mal einen Termin, ist manchmal unpünktlich, merkt sich oft nicht, was über einen Kunden besprochen wurde", also so was wie "zerstreuter Professor". Und unter unmenschlich, dass der kein Strahlemann ist sondern sehr ernst auftritt, eigentlich zu ernst für einen Kundenberater.


Dass diese Begriffe so etwas bedeuten wie "Schizophren, Alzheimer, Manisch-depressiv" und "Gemütloser Psychopath", "sadistisch grausam" war ihr nicht klar und auch nicht klar zu machen.


Wer da weniger geeignet für Kundenkontakte ist, diese Frage stellt sich schon nicht mehr.


Dann sind da zwei Trainees Mitte 20, die unterhalten sich, wenn sie unter sich sind, nur über Fußball und Autos und sind ständig am Lachen, bis zu Lachkrämpfen hin. Ich kenne sowas aus meiner Jugend eher so aus dem Alter 14 - 16, habe gleichartige Verhaltensweise aber schon bei vielen Twens mitgekriegt. Wir waren mit Mitte 20 entschieden erwachsener. Gilt aber scheinbar nur für junge Männer. Schreitet die Infantilisierung voran?

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Die Nichtmitgliedschaften der Annalena Baerbock
Dass man, äh, frau beim UNHCR Mitglied sein kann, auf die Idee wäre ich nicht gekommen. Und auch sonst stimmt da einiges nicht. Gut getroffen, Don!

https://mobile.twitter.com/_donalphonso/status/1401431778053787653

https://www.welt.de/kultur/deus-ex-machina/plus231620197/Don-Alphonso-Annalena-Baerbock-und-ihre-Nichtmitgliedschaft-beim-German-Marshall-Fund.html

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Geruchsverlust durch COVID-19: Jeder 2. ist betroffen ? was man bisher dazu weiß und was sich dagegen tun lässt
Dr. Klaus Fleck, Medscape

INTERESSENKONFLIKTE 4. Juni 2021
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Bei freier Nase plötzlich auftretende Riechstörungen gelten als frühes Warnzeichen einer Infektion mit dem SARS-CoV-2-Virus. Falls die Riechfunktion auch nach Monaten gestört sei, könne eine Erholung durch ein Riechtraining gefördert werden, erklärte Prof. Dr. Thomas Hummel, Leiter des Interdisziplinären Zentrums für Riechen und Schmecken an der Klinik für Hals-, Nasen und Ohrenheilkunde des Universitätsklinikums Dresden auf einer virtuellen Pressekonferenz [1]. Anlässlich der 92. & 91.
Jahresversammlung der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie (DGHNO-KHC), informierte er über Details.

50 bis 60% aller COVID-19-Patienten betroffen
Riechstörungen sind unabhängig von SARS-CoV-2 keine Seltenheit. ?Etwa jeder 20. kann gar nicht riechen, und etwa ein Fünftel der Bevölkerung hat keinen besonders guten Geruchssinn?, sagt Hummel. Bei 50 bis 60% aller COVID-19-Erkrankten sei jedoch zu beobachten, dass es oft schon in den ersten Tagen nach der Infektion zu einer plötzlichen Riechstörung komme. Die Beschwerden stünden meist in keinem Zusammenhang mit Schwellungen der Nasenschleimhaut bzw. mit typischen Symptomen eines Schnupfens.

Bei 5 bis 20% der Betroffenen besteht die Riechstörung ? länger fort und kann sich über weitere Monate bis vielleicht sogar Jahre hinziehen. Prof. Dr. Thomas Hummel
Zwar erhole sich die Riechfunktion bei den meisten Corona-Patienten innerhalb von etwa zwei Monaten wieder, berichtet Hummel. ?Bei 5 bis 20% der Betroffenen besteht die Riechstörung jedoch länger fort und kann sich über weitere Monate bis vielleicht sogar Jahre hinziehen.? Von anderen postviralen Riechstörungen wisse man, dass das Riechvermögen bei rund einem Drittel dieser Patienten sogar dauerhaft beeinträchtigt bleibe.

SARS-CoV-2 greift Stütz- und Riechzellen an
Wissenschaftler erklären den Riechverlust so: Das Virus heftet sich nach seinem Eintritt in die Nase an die Riechzellen im Dach der oberen Nasenhöhle und an Stützzellen. Bei diesem Schritt wird der Riechnerv gestört.

Ist die Infektion nur schwach ausgeprägt, verschwinden die Symptome bald ? meist innerhalb von Tagen oder Wochen. Bei schwerem COVID-19 sterben Stützzellen ab, was ebenfalls Riechzellen und Basalzellen beeinträchtigt. Stützzellen werden aus basalen Stammzellen nachgebildet, was Zeit kostet. Patienten leiden längerfristig an diesen Missempfindungen.

?Damit sich eine Riechstörung wieder bessert, müssen sich Riechzellen neu bilden, und ihre Fortsätze zum Gehirn müssen nachwachsen, was Zeit in Anspruch nimmt?, erläuterte Hummel. ER ist auch einer der Autoren der aktuellen S1-Leitlinie ?Neurologische Manifestationen bei COVID-19?.

Mit Riechtraining die Genesung beschleunigen
HNO-Ärzte können die Erholung der Riechfunktion durch ein Riechtraining zu Hause untertstützen. ?Damit lässt sich die Besserung des Riechvermögens um das Doppelte bis Dreifache beschleunigen?, so der Experte. Patienten riechen morgens und abends an 4 verschiedenen Düften jeweils eine halbe Minute lang. Sie üben, bis sich ihr Geruchssinn normalisiert hat. Das kann Wochen oder Monate dauern.

(Mit einem Riechtraining) lässt sich die Besserung des Riechvermögens um das Doppelte bis Dreifache beschleunigen. Prof. Dr. Thomas Hummel
Geeignete Düfte, empfahl Hummel, sollten intensiv sein und am besten so wirken, dass der Nervus trigeminus stimuliert werde. Solche Öle rufen ein leichtes Kribbeln und Stechen in der Nase hervor.

Beispielhaft nennt der Experte Rose, Zitrone, Eukalyptus und Gewürznelke. Entsprechende Sets gibt es im Handel. Nach einiger Zeit können diese Öle eventuell durch dezentere Düfte ergänzt bzw. ersetzt werden, wobei man bei einer Gesamtzahl von 4 Düften bleiben sollte.

Subjektive und objektive Tests
Um Riechstörungen möglichst genau auf den Grund zu gehen, empfiehlt Hummel eine HNO-fachärztliche Untersuchung. Ärzten stehen verschiedene subjektive und objektive Riechtestverfahren zur Verfügung. ?Oft besteht eine Diskrepanz zwischen dem subjektiven Empfinden des Patienten und dem, was dann tatsächlich festgestellt werden kann?, berichtet Hummel. ?Zudem ist es sinnvoll, den Verlauf der Störung fachärztlich beobachten zu lassen.?

Es ist sinnvoll, den Verlauf der Störung fachärztlich beobachten zu lassen. Prof. Dr. Thomas Hummel
Bei der differentialdiagnostischen Beurteilung ist daran zu denken, dass Riechstörungen auch durch andere Viren, etwa Influenzaviren, oder durch Schädel-Hirn-Verletzungen ausgelöst werden können. Ebenso besteht die Möglichkeit, dass es sich um ein frühes Symptom neurodegenerativer Erkrankungen wie Morbus Parkinson oder Morbus Alzheimer handelt.

Während virale Erkrankungen eher die Riechschleimhaut bzw. den Nervus olfactorius schädigen, sind bei den neurodegenerativen Prozessen insbesondere die Riechzentren im Gehirn betroffen. Deshalb setzt der Riechverlust meist nur schleichend ein.

Auch der Geschmack wird beeinträchtigt
COVID-19-Erkrankte beobachten meist nicht nur eine Störung des Riechens, sondern auch Einbußen beim Schmecken. ?Allerdings wird Riechen und Schmecken häufig verwechselt?, erklärte Hummel. Viele Menschen können durch verursachte Veränderungen des Feingeschmacks nicht gut von Störungen der gustatorischen Sensitivität unterscheiden.

Der eigentliche Geschmackssinn wird unabhängig vom Riechen über Geschmacksknospen der Zunge vermittelt. Bekanntlich unterscheidet man so die großen Geschmacksrichtungen süß, sauer, salzig, bitter und umami (japanisch für schmackhaft oder würzig). Um das volle Aroma von Speisen oder Getränken wahrzunehmen, braucht man aber auch den olfaktorisch beeinflussten Feingeschmack. Ist er durch eine Corona-Infektion beeinträchtigt, wird das Essen schnell als fade empfunden. Dass Riechtraining trägt auch dazu bei, den Feingeschmack wieder wahrzunehmen.

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Das Ende der Impfpriorisierung ? aber der Impfstoff fehlt
Mit dem heutigen Tag endet bundesweit die Impfpriorisierung. Das heißt: Im Prinzip kann sich jeder Impfwillige ? ab dem 12. Lebensjahr ? um einen Impftermin ?bemühen?, wie es offiziell heißt. Doch Ärzte und Politiker dämpfen die Erwartungen der Bevölkerung. Denn nach wie vor herrsche Impfstoffmangel.

Ab heute sollen außerdem mehr als 6.000 Betriebsärztinnen und -ärzte mit den Impfungen starten. Sie erhalten dafür in der ersten Woche 702.000 von insgesamt gut 6,6 Millionen für die Woche angekündigten Impfstoffdosen ? sehr viel dieses Impfstoffes wird allerdings für Zweitimpfungen verwendet werden. 45% der Bevölkerung haben inzwischen mindestens eine Impfung, aber nur etwa jeder 5. ist zweimal geimpft.

Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebunds, Gerd Landsberg, hat in der "Rheinischen Post", vor zu großen Hoffnungen an die Aufhebung der Impfpriorisierung gewarnt: ?Enttäuschung und Frust sind dabei vorprogrammiert, da nicht sofort ausreichend Impfstoff zur Verfügung steht", sagte er. Bis Mitte, eventuell sogar bis Ende Juni stünden z.B. in Nordrhein-Westfalen gar keine Termine für Erstimpfungen in den Impfzentren zur Verfügung ? alles werde für Zweitimpfungen benötigt.


Auch die Hausärzte dämpfen die Erwartungen. Befürchtet wird ein Ansturm auf die Praxen ab dem heutigen Tag. Ulrich Weigeldt, Vorsitzender des Deutschen Hausärzteverbandes, sagte: ?Letztlich ist der Impfstoff noch immer zu knapp für die hohe Nachfrage und wird auch weiterhin zu unzuverlässig geliefert." Sein Statement: ?Das Setting wird das Gleiche bleiben: Wir impfen, so viel wir eben können."

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Sonntag, 6. Juni 2021
Dummheit ist unendlich
Ich betrete ein Postamt mit einer Nanofiltermaske. Das ist eine waschbare Stoffmaske, die als medizinische, sogar virologische Maske anerkannt ist und ein aufgedrucktes Prüfsiegel trägt. Der Securitymann weigert sich, mich eintreten zu lassen und sagt, ich müsste eine medizinische Maske tragen. Ich erkläre ihm, dass dies eine medizinische Maske ist und zeige ihm das Zertifikat. Er antwortet, in Deutschland seien diese Masken nicht zugelassen. Ich antworte ihm, dies sei ein EU-Zertifikat, ausgestellt vom Deutschen Ärzteverlag, die Maske wird vom Personal von Zahnarztpraxen und Tageskliniken getragen. Er erwidert, bei Benutzung dieser Masken in öffentlichen Verkehrsmitteln sei ein Bußgeld fällig. Ich setze sie ab und eine FFP2-Maske auf. "Na also", sagt er, jetzt könne ich rein. Da entgegne ich ihm, diese FFP2-Maske sei im Oktober 2020 erworben worden, seither ununterbrochen in Benutzung und nie desinfiziert worden. Hygienisch gesehen sei das Sondermüll.

Das sei egal, damit könne ich rein.

Na dann.

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Ich fall kopfüber vor Lachen
Anderswo konnte ich gerade lesen, dass das Weltsozialforum von Porto Alegre eine Unterabteilung des Weltwirtschaftsforum von Davos sei und die Linksradikalen deren Sturmtruppe. Damit sind wir zurück bei den Bolschewisten als Kampfabteilung der jüdischen Wallstreet-Weltverschwörung. Alternativ könnte es allerdings auch der Nachweis für das Fortschreiten der Globalisierung sein: Es gibt jetzt Internetanschlüsse auch schon in Gummizellen.

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Politökonomische Intentionen hinter der Corona-Krise
Meine Antwort auf die Überlegungen von Netbitch:

https://netbitch1.twoday.net/stories/1022684253/#1022684384

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Samstag, 5. Juni 2021
Drosten zum Ursprung des CV2 Virus
Hardcore-User erinnern sich, wir hatten hier vor gut einem Jahr eine Diskussion zur Herkunft des Virus, bei der ich die Position vertrat dass hier wieder einmal die Dynamik des Tendenziellen Falls der Profitrate zum Tragen käme. Ich machte dies daran fest, dass Bergbaumaßnahmen in China zur Öffnung von seit Jahrzehntausenden von Menschen unberührten Höhlen geführt hätten und hierdurch Fledermäuse die diese Viren in sich trugen in Kontakt mit Nutztieren kamen, über die es wahrscheinlich zur Übertragung auf Menschen kam.

Drosten zufolge dürfte der eigentliche Übertragungsweg allerdings etwas anders verlaufen sein. Und zwar so wie auch schon bei SARS: Hier stehen Pelztiere im Mittelpunkt und die grauenhafte Art, wie diese zu Tode gebracht werden - man zieht ihnen buchstäblich bei lebendigem Leibe das Fell über die Ohren.

https://www.gmx.net/magazine/news/coronavirus/drosten-meinung-herkunft-coronavirus-35877888

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Es reicht, Herr Spahn!
Ist das der Anfang vom Ende der Karriere des Maskenmanns?

https://www.spiegel.de/politik/deutschland/spd-attackiert-jens-spahn-wegen-neuem-masken-desaster-a-9966afa0-7480-4f65-8acd-32769202945e



Herr Klingbeil hingegen klärt unfeiwillig auf: "Klingbeil sagte, die »Liste an Fehlern, die Jens Spahn in der Pandemie zu verantworten hat«, werde immer länger. Der neue Fall könne »nicht ohne Konsequenzen bleiben, wenn Menschen hier wie zweiter Klasse behandelt werden«."


In der Logik des Systems sind HartzIVerInnen und Obdachlose Menschen zweiter Klasse. Man macht für sie doch nicht all die schicken Sondergesetze, um ihnen dann etwa ein Leben in Würde zukommen zu lassen.

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Freitag, 4. Juni 2021
Zitterwölfe im Geheimdienst Ihrer Majestät
Der Checker hat es glasklar erkannt mit seinen Luchsaugen: Wir sind Zeugen Coronas im Sold der Impfmafia. Nun hilft kein Leugnen mehr!

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Kurz was zu Syrien
Schon Jahre vor dem Jugoslawischen Bürgerkrieg hatten osteuropapolitische Arbeitskreise der deutschen Wirtschaft Szenarien durchgespielt, die abbildeten was passiere wenn es zu einem solchen Krieg käme. Hinterher gehörten die Energieversorungsnetze von Slowenien und Kroatien Siemens, und die EU-gelenkte Modernisierung lenkte Gelder in deutsche Taschen.


Schon 2011 legte die Kreditanstalt für Wiederaufbau ein Wiederaufbauprogramm für Syrien auf.

Ein Schelm, wer Schlechtes dabei denkt?

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Der Leib des Herrn
Die Vorstellung, dass beim Abendmahl Brot und Wein zu Fleisch und Blut Christi transformiert werden, ist das nicht eigentlich ein sublimiertes kannibalistisches Ritual?

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Donnerstag, 3. Juni 2021
Noch einmal eine klare medizinische Aussage zur "Kritik" am Drosten-Test
Aus dem Kommentarforum des Deutschen Ärzteblatts.

Als Link in meiner Rezenson des Illa-Buchs war das zwar schon hinterlegt, könnte aber untergegangen sein:

"Oh Herr, lass Hirn regnen
Dieser Ausspruch von Dr. Schätzler ist sicher nicht die feine englische Art und definitiv nicht geeignet, die Wogen zu glätten. In der Sache muss ich ihm aber Recht geben. Wenn all die Wutbürger hier im Forum die Fähigkeit zum verstehenden Lesen hätten, dann wäre ihnen z.B. aufgefallen, dass die Überschrift des Artikels sich zwar auf die Sensitivität bezieht, aber die letzten Absätze im Artikel sich auf die Schritte der technischen und ärztlichen Validierung beziehen, und diese haben mindestens genauso viel mit der Spezifität zu tun.

Spannend finde ich den aktuellen Versuch einer Rufmordkampagne gegen Prof. Drosten:
https://cormandrostenreview.com
Was wirft man ihm dort vor? Er hat in Rekordzeit ein funktionsfähiges Protokoll zur Diagnostik von Sars-CoV-2 geliefert. Die wichtigste Pointe haben die Autoren dieser Rufmordkampagne allerdings übersehen. Das Protokoll von Drosten war nie als Dauerlösung gedacht, sondern als Brückentechnologie, um schnell mit hinreichender Genauigkeit das Virus nachweisen zu können. Das Protokoll musste spezifisch genug sein, bekannte Coronaviren beim Menschen und nah verwandte tierische Verwandte auszuschließen und gleichzeitig in der Lage sein bei noch unbekannten Sequenzvarianten dieses Erregers positive Ergebnisse zu liefern. Und dies unter extremem Zeitdruck, bei einer derartigen Epidemie zählt jeder Tag. In einer derartigen Situation sind die Anforderungen an das Primerdesign andere als für diagnostische Standard-PCR?s.

Form folgt Funktion, das sieht man beim Primerdesign für eine Brückentechnologie. Das sieht man aber auch in der Struktur dieser Rufmordkampagne. Wenn es um die Sache gehen würde, könnte man dies in vertraulichen Gesprächen klären. Hier ist die maximale Öffentlichkeit das Ziel, nicht die Klärung eines Sachverhalts. Ich schäme mich dafür, dass ehemalige Wissenschaftler sich für diese Rufmordkampagne hergeben. Wie bereits mein Vorredner sagte, Frau Prof. Kämmerer hat schon lange nichts mehr mit Virologie zu tun. Sie ist zwar lt. Google-Recherche an der Uni Würzburg gelistet, aber als apl. Prof. an der Frauenklinik und hat sich dort mit ketogener Ernährung und mit Krebs beschäftigt. Wenn man pubmed glauben darf, stammte die neueste virologische Publikation mit ihrem Namen von 1998. Das macht sie natürlich zur absoluten Expertin für Coronaviren:
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/9457433/

Auch wenn ich die Umgangsformen von Dr. Schätzler nicht gutheiße, ich habe vollstes Verständnis für seine Frustration. Was hier als geballter Dunning-Kruger Effekt von Coronaleugnern dargeboten wird, sprengt bei weiten die Möglichkeiten der ärztlichen Kollegen in diesem Forum sich sachlich damit auseinanderzusetzen."


https://www.aerzteblatt.de/studieren/forum/139059

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