Mittwoch, 18. Mai 2022
Check-up gefällig?
Mehr als nur Laborwerte ? wie Vorsorgeuntersuchungen für Erwachsene optimiert werden können
Ute Eppinger, Medscape


Routine-Check-ups sind sinnvoll ? wenn sie denn genutzt werden. Dr. Jill Jin, Associate Editor des JAMA bricht auf der Patientenseite des Journals eine Lanze für Vorsorgeuntersuchungen. Sie verweist auf eine 2021 veröffentlichte Studie, die Hinweise darauf liefert, dass das Wahrnehmen von Check-ups mit besserer Krebsvorsorge (z.B. für Dickdarm- und Gebärmutterhalskrebs) und mit der Aufdeckung von chronischen Krankheiten wie Bluthochdruck und Depressionen verbunden ist.

Untersuchungen zur Gesundheitsvorsorge ? wie auch der Check-up ab 35 ? sind grundsätzlich sinnvoll. Prof. Dr. Georg Ertl
?Untersuchungen zur Gesundheitsvorsorge ? wie auch der Check-up ab 35 ? sind grundsätzlich sinnvoll; es geht darum, gesunde Menschen für ihre Gesundheit und für eine gesunde Lebensführung zu sensibilisieren?, sagt Prof. Dr. Georg Ertl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM). Check-ups bieten auch die Möglichkeit, ?vielleicht eine Veränderung des Lebensstils herbei zu führen, ohne dass unbedingt gleich ein Medikament verordnet werden muss?, so Ertl.

Zu einem Routine Check-up in den USA gehören laut Jin:

das Messen von Größe, Gewicht und Blutdruck,

die Bestimmung von Cholesterin, Nüchtern-Glukose und Hepatitis-C-Antikörpern,

Screenings auf Depressionen, Lungen-, Gebärmutterhals-, Darm- und Brustkrebs,

auf sexuell übertragbare Erkrankungen (STD) und

das Prüfen des Impfschutzes gegen Influenza, Tetanus, Pneumonie und Masern.

Als zusätzliche Untersuchungen für ältere Menschen kommen infrage:

Sturzrisiko,

Hörvermögen,

Gedächtnisfunktion,

Beratungsgespräche zu Patientenverfügungen.

?Vorsorgeuntersuchungen können auch zu einer gesünderen Ernährung und regelmäßigeren Bewegung sowie zu einer besseren Selbsteinschätzung der Patienten führen?, schreibt Jin. Ein jährlicher Check-up ist aus ihrer Sicht nicht notwendig

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Dienstag, 17. Mai 2022
Abseits vom Ukraine-Geschehen
und aus der Abteilung "Nichts ist so geschmacklos wie die Wirklichkeit": Das türkische Militär zivilisiert mal wieder die Kurden.

Kein Aufschrei, kein Ruf nach internationaler Solidarität, keine Waffenspenden.

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Montag, 16. Mai 2022
Sind offene und gewissenhafte Menschen eher vor Demenz geschützt?
Persönlichkeitsmerkmale und Risiko geistigen Abbaus
Batya Swift Yasgur

Extravertierte Personen und Menschen mit hoher Selbstdisziplin haben möglicherweise ein geringeres Risiko für einen kognitiven Abbau im späteren Leben, während das Risiko bei Menschen mit Neurotizismus erhöht sei, wie neue Forschungsergebnisse zeigen.

Die Forschenden analysierten die Daten von fast 2.000 Personen, die am Rush Memory and Aging Project (MAP) teilnahmen. Dabei handelt es sich um eine Längsschnittstudie mit älteren Erwachsenen aus dem Großraum Chicago. Die Rekrutierung begann 1997 und dauert bis heute an. Die Teilnehmer unterzogen sich einer Persönlichkeitsbeurteilung und ihre kognitiven Fähigkeiten wurden im Jahresturnus beurteilt. Die Studie wurde im April online im Journal of Personality and Social Psychology veröffentlicht.

Gewissenhaftigkeit und Extraversion als ?Schutzfaktoren?
Bei Personen, die bei der Bestimmung der Gewissenhaftigkeit hohe Werte erzielten, war die Wahrscheinlichkeit, dass sie während der Studie von einer normalen kognitiven Leistungsfähigkeit zu einer leichten kognitiven Beeinträchtigung (LKB; oder mild cognitive impairment, MCI) übergingen, deutlich geringer.

Ein zusätzlicher Wert von 1 in der Standardabweichung auf der Skala für Gewissenhaftigkeit war mit einem 22% niedrigeren Risiko des Übergangs von keiner kognitiven Beeinträchtigung (NCI) zur MCI verbunden. Andererseits war ein zusätzlicher Wert von 1 in der Standardabweichung auf der Neurotizismus-Skala mit einem um 12% höheren Risiko für den Übergang zur MCI verbunden.

Personen mit einem hohen Wert für Extraversion sowie für Gewissenhaftigkeit oder einem niedrigen Wert für Neurotizismus hatten eher länger normale kognitive Funktionen als andere Teilnehmende.

?Persönlichkeitsmerkmale spiegeln relativ dauerhafte Denk-, Fühl- und Verhaltensmuster wider, die sich über die gesamte Lebenszeit kumulativ in gesunden und ungesunden Verhaltensweisen und Denkmustern äußern können?, sagte die Hauptautorin Dr. Tomiko Yoneda, Medizinsoziologin an der Northwestern University in Chicago gegenüber Medscape.

?Die Akkumulation der lebenslangen Erfahrungen kann dann zur Anfälligkeit für bestimmte Krankheiten oder Störungen wie MCI oder zu der individuellen Prädisposition gegenüber altersbedingten neurologischen Veränderungen beitragen?, fügte sie hinzu.

Konkurrierende Risikofaktoren
?So zeichnet sich etwa Gewissenhaftigkeit durch Kompetenz, Pflichtbewusstsein und Selbstdisziplin aus, während Neurotizismus für Ängstlichkeit, depressive Symptome und emotionale Instabilität steht. Ebenso sind Personen mit einem hohen Grad an Extraversion eher begeisterungsfähig, gesellig, gesprächig und durchsetzungsfähig?, fügte sie hinzu.

?Frühere Untersuchungen legen nahe, dass eine geringe Gewissenhaftigkeit und ein hoher Neurotizismus mit einem erhöhten Risiko für kognitive Beeinträchtigungen verbunden sind?, so die Wissenschaftlerin weiter. Allerdings ?scheint die Wahrscheinlichkeit, ein höheres Alter zu erreichen, auch größer zu sein. Es handelt sich also mit anderen Worten nach diesen Ergebnissen um ?konkurrierende Risikofaktoren?.

Rund 2.000 Ältere untersucht
Laut Yoneda wollte ihr Team ?die Auswirkungen von Persönlichkeitsmerkmalen auf das gleichzeitige Risiko für den Übergang zu einer MCI, Demenz und Tod untersuchen.

Für die Studie analysierten die Forschenden die Daten von 1.954 Studienteilnehmern (Durchschnittsalter bei Studienbeginn 80 Jahre; 73,7% weiblich, 86,8% weiß), deren Persönlichkeit standardisiert untersucht und deren kognitive Fähigkeiten dann jährlich beurteilt wurden.

Zur Bewertung der Persönlichkeitseigenschaften ? insbesondere Gewissenhaftigkeit, Neurotizismus und Extraversion ? verwendeten sie das NEO Five Factor Inventory (NEO-FFI). Darüber hinaus untersuchten sie mithilfe von Multistate-Modellen für das Überleben den potenziellen Zusammenhang zwischen diesen Merkmalen und dem Übergang von einer Kategorie des Kognitionszustandes zu einer anderen (NCI, MCI und Demenz) und zum Tod.

Kognitiv gesunde Jahre
Bei Studienende war über die Hälfte der Stichprobe (54%) verstorben.

Die meisten Teilnehmer zeigten ihres ?relative Stabilität des kognitiven Status über die Messzeitpunkte hinweg?:

Es gab 725 ?Rückübergänge? von MCI zu NCI, ?die eine Verbesserung oder eine innerpersonelle Variabilität der kognitiven Funktion oder auch Lerneffekte widerspiegeln können?, so die Autorinnen und Autoren.

Es gab nur 114 ?Rückübergänge? von Demenz zu MCI und nur 12 von Demenz zu NCI, ?was darauf hindeutet, dass eine Verbesserung des kognitiven Status relativ selten ist, insbesondere wenn eine Person einmal das Demenzstadium erreicht hat?.

Nach Adjustierung der Daten an Demografie, depressive Symptome und das Apolipoprotein ε4-Allel (APOE) fanden die Forschenden heraus, dass die Persönlichkeitsmerkmale die wichtigsten Faktoren beim Übergang von NCI zu MCI waren.

Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine hohe Gewissenhaftigkeit und ein niedriger Neurotizismus Personen vor leichten kognitiven Beeinträchtigungen schützen können. Dr. Tomiko Yoneda
Eine höhere Gewissenhaftigkeit in der Persönlichkeitsstruktur war mit einem geringeren Risiko für einen Übergang von NKI zu MCI verbunden (Hazard Ratio: 0,78; 95%-Konfidenzintervall: 0,72?0,85). Umgekehrt war ein höherer Neurotizismus mit einem erhöhten Risiko des Übergangs von NKI zu MCI und einer signifikant geringeren Wahrscheinlichkeit des Übergangs zurück von MCI zu NKI verbunden (HR: 1,12; 95%-KI: 1,04?1,21 bzw. HR: 0,90; 95%-KI: 0,81?1,00).

Eine Punktzahl von ~6 auf einer Gewissenhaftigkeitsskala von 0?48 (d.h. 1 SD auf der Skala) war signifikant mit einem ~22% niedrigeren Risiko des Übergangs von NCI zu MCI verbunden, während eine Punktzahl von ~7 auf einer Neurotizismus-Skala (1 SD) signifikant mit einem ~12% höheren Risiko für einen Übergang von NCI zu MCI verbunden war.

Eine höhere Extraversion bedeutete eine erhöhte Wahrscheinlichkeit eines Übergangs von MCI zurück zu NCI (HR: 1,12; 95% KI: 1,03?1,22) Und obwohl Extraversion nicht mit einer längeren Gesamtlebensdauer verbunden war, behielten Teilnehmende, die eine hohe Extraversion aufwiesen, sowie diejenigen, die eine höhere Gewissenhaftigkeit oder einen niedrigen Neurotizismus aufwiesen, ihre normale kognitive Funktion länger bei als andere Teilnehmer.

?Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine hohe Gewissenhaftigkeit und ein niedriger Neurotizismus Personen vor leichten kognitiven Beeinträchtigungen schützen können?, so Yoneda.

?Wichtig ist, dass Personen, die entweder eine höhere Gewissenhaftigkeit, eine höhere Extraversion oder einen niedrigeren Neurotizismus aufwiesen, mehr kognitiv gesunde Jahre aufwiesen, d.h. mehr Jahre ohne kognitive Beeinträchtigung?, fügte sie hinzu.

Darüber hinaus ?erholten sich Personen mit niedrigerem Neurotizismus und höherer Extraversion eher von der Diagnose MCI, was darauf hindeutet, dass diese Eigenschaften auch dann noch protektiv wirken können, wenn die Demenz bereits fortgeschritten ist?, sagte sie.

Die Forschenden weisen darauf hin, dass sich die Studie nur auf 3 der Big-Five-Persönlichkeitsmerkmale konzentrierte, während die anderen beiden ? Offenheit für Erfahrungen und Verträglichkeit ? ebenfalls mit kognitiven Alterungsprozessen und Mortalität in Verbindung gebracht werden können.

In Anbetracht der aktuellen Ergebnisse und der umfangreichen Forschung im Bereich der Persönlichkeit ist das Ziel, die Gewissenhaftigkeit durch dauerhafte Verhaltensänderungen zu erhöhen, eine mögliche Strategie zur Förderung eines gesunden kognitiven Alterns, so Yoneda.

?Ungeahnte Einblicke?
Der Psychologe Dr. Brent Roberts von der University of Illinois Urbana-Champaign erklärte gegenüber Medscape, die Studie eröffne ?ungeahnte Einblicke bei der Frage, wie die Persönlichkeit den Prozess des kognitiven Abbaus beeinflusst und ihn entweder beschleunigt, wie beim Neurotizismus, oder verlangsamt, wie bei der Gewissenhaftigkeit?.

Für mich war das faszinierendste Ergebnis, dass die Extraversion mit dem Übergang von MCI zurück zum NCI zusammenhing. Dr. Brent Roberts
?Für mich war das faszinierendste Ergebnis, dass die Extraversion mit dem Übergang von MCI zurück zum NCI zusammenhing. Derartige Übergänge waren bislang einfach kein Forschungsgegenstand. Damit bieten sich ganz einzigartige Einblicke und Möglichkeiten für Interventionen, die Menschen tatsächlich dabei helfen können, sich von einem Abbau wieder zu erholen?, sagte Roberts, der nicht an der Studie beteiligt war.

Dr. Claire Sexton, Programmleiterin Wissenschaft und Öffentlichkeitsarbeit bei der Alzheimer's Association, betonte in einem Kommentar für Medscape die Neuartigkeit der Untersuchung, weil sie die Übergänge zwischen NCI und MCI sowie zwischen MCI und Demenz untersucht habe.

Sexton, die Teil des Forschungsteams war, gab zu bedenken, dass es sich um eine Beobachtungsstudie handelt. Eine solche könne zwar ?Assoziationen oder Korrelationen aufzeigen, aber keine Ursachen. Daher können wir nicht mit Sicherheit sagen, welche Mechanismen hinter diesen potenziellen Verbindungen zwischen Persönlichkeit und Kognition stehen, und es sind weitere Untersuchungen erforderlich.?

https://deutsch.medscape.com/artikelansicht/4911168?uac=389796AZ&faf=1&sso=true&impID=4250036&src=WNL_mdplsfeat_220516_mscpedit_de#vp_3

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?Pandemie nicht vorbei?; Schutzwirkung einer Infektion; Leitlinie für Prophylaxe; Risiko für psychische Ekrankungen
Michael van den Heuvel, Medscape

Das Infektionsgeschehen entwickelt sich weiter rückläufig. Derzeit ist die 7-Tage-Inzidenz auf 439,2 Fälle pro 100.000 Einwohner gesunken (13. Mai: 485,7).

Experten warnen vor falscher Sicherheit. ?Die Pandemie ist nicht vorbei?, twittert Maria Klein-Schmeink von den Grünen. ?Saisonal entspannt sich die Lage. Kein Grund, nicht weiterhin achtsam zu bleiben.? Insbesondere der Schutz durch Masken in Bus und Bahn sei weiter zu beherzigen. ?Jetzt müssen die Vorbereitungen für den Herbst anlaufen?, fordert Klein-Schmeink. Bereits im April ? nach dem Scheitern der gesetzlichen Grundlagen zur allgemeinen Impfpflicht ? sprach sie sich für möglichst hohe Impfquoten aus.

WHO-Generaldirektor beim globalen COVID-Gipfel: in 70 Ländern Zunahme ? 4 Forderungen an die Staatengemeinschaft

Länder-Vergleich: Deutschland nur Mittelmaß bei der Pandemiekontrolle

SARS-CoV-2: Neue Subtypen mit klinisch unklarer Relevanz

Neuropsychiatrische Erkrankungen nach COVID-19

Infektion schützt Ungeimpfte gegen erneutes COVID-19

COVID-19: S1-Leitlinie zur Präexpositionsprophylaxe publiziert

WHO-Generaldirektor spricht beim globalen COVID-Gipfel: 4 Forderungen an die Staatengemeinschaft
Zu einer ähnlichen Bewertung kommt die Weltgesundheitsorganisation (WHO). ?Obwohl die Zahl der gemeldeten Fälle und Todesfälle nun weltweit abnimmt, ist es falsch zu glauben, dass diese Pandemie vorbei ist?, sagte WHO-Generaldirektor Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus beim 2. globalen COVID-Gipfel. ?Tatsächlich nehmen die Fälle in mehr als 70 Ländern zu.? Und fast eine Milliarde Menschen in Ländern mit niedrigem Einkommen blieben ungeimpft.

Aus Sicht der WHO ergeben sich hieraus 4 Handlungsfelder:

Die Weltgesundheitsorganisation wünscht sich politische Verpflichtungen zur Förderung von Impfungen, Tests und Therapien in ärmeren Ländern.

Investitionen in die lokale Produktion sollten verstärkt werden.

Die WHO macht sich für finanzielle Zusagen zur vollständigen Finanzierung ihrer Programme zur Bekämpfung von COVID-19 stark.

Sie fordert auch mehr politisches Engagement zur Unterstützung des Financial Intermediary Fund und den Aufbau einer neuen Struktur für die globale Gesundheit.

Länder-Vergleich: Deutschland nur Mittelmaß bei der Pandemiekontrolle
Doch was ergibt der Vergleich wohlhabender Industrienationen? Hat sich das deutsche Gesundheitssystem bewährt? Ein Blick auf Zahlen.

Todesfälle pro 1 Million Einwohner: Hier stehen südamerikanische und osteuropäische Länder an der Spitze der Liste (4.000-6.000); Deutschland ist im Mittelfeld (1.636). Besser haben die Niederlande (1.296), Dänemark (1.078) oder Israel (1.153) abgeschnitten.

Erkrankungen pro 1 Million Einwohner: Hier sieht es schlecht für Island (540.134), Dänemark (510.483), die Niederlande (468.869), Österreich (462.804) und für viele andere Nationen aus. Deutschland bewegt sich erneut im mittleren Bereich (305.810); niedrigere Zahlen haben Norwegen (259.940), die USA (251.659) oder Schweden (245.180) vorzuweisen.

Impfquoten: Besser sieht die Sachlage beim Vergleich der Impfquoten europäischen Länder aus. Deutschland liegt nach Malta (249,06), Portugal (234,28), Italien (227,47), Dänemark (227,4), Schweden (218,81), Irland (218,49) und Belgien (217,75) im vorderen Feld (213,83). Angegeben sind jeweils Vakzin-Dosen pro 100 Einwohner.

SARS-CoV-2: Neue Subtypen mit klinisch unklarer Relevanz
COVID-19 ist noch lange nicht vorbei. Wie dynamisch das Infektionsgeschehen immer noch entwickelt, zeigen Analysen des Robert Koch-Instituts (RKI).

Laut Wochenbericht lag der Anteil von BA.2 zuletzt bei rund 97%. Der zuvor für die meisten Ansteckungen verantwortliche Subtyp BA.1 wiederum ist unter 2% gesunken. Der Anteil von BA.5 ist auf 0,6% angestiegen. BA.4 liegt unverändert bei 0,1%. Ob es relevante klinische Unterschiede zwischen den Subformen gibt, ist noch ungeklärt.

Neuropsychiatrische Erkrankungen nach COVID-19
Personen, die schweres COVID-19 überleben, haben ein erhöhtes Risiko für neuropsychiatrische Folgeerkrankungen. Zu dem Ergebnis sind Wissenschaftler schon bald nach Beginn der Pandemie gekommen. Doch die Details blieben unklar.

Ziel einer neuen Kohortenstudie war, das Risiko bei stationären COVID-19-Patienten und bei stationären Patienten mit anderen infektiösen Atemwegserkrankungen zu vergleichen. Dazu haben Forscher Angaben aus verschiedenen britischen Registern und Patientenakten vom 24. Januar 2020 bis zum 7. Juli 2021 zusammengetragen.

In dieser Kohorte mit Daten von 8,38 Millionen britischen Erwachsenen (4,18 Millionen Frauen, 4,20 Millionen Männer; mittleres Alter 49,18 Jahre) wurden 16.679 (0,02%) nach einer Krankenhausaufnahme wegen infektiöser Atemwegserkrankungen als geheilt entlassen. Das galt auch für 32.525 (0,03%) stationäre COVID-19-Patienten.

Im Vergleich zur übrigen Bevölkerung hatten Überlebende beider Gruppen ein höheres Risiko für nachfolgende neuropsychiatrische Diagnosen. So lag die HR für Angstzustände in der Gruppe ehemaliger Patienten mit sonstigen infektiösen Atemwegserkrankungen bei 1,86 (95%-KI 1,56-2,21) und bei ehemaligen COVID-19-Patienten bei 2,36 (95%-KI 2,03-2,74); als HR für eine Demenz nennen die Autoren 2,55 (95%-KI 2,17-3,00) bzw. 2,63 (95%-KI 2,21-3,14).

Ähnliche Ergebnisse wurden für Pharmakotherapien beobachtet. Beispielsweise lag die HR für die Erstverschreibung von Antidepressiva bei 2,55 (95%-KI 2,24-2,90) bzw. bei 3,24 (95%-KI 2,91-3,61). Beim direkten Vergleich der COVID-19-Gruppe mit der Gruppe anderer Atemwegsinfektionen wurden keine signifikanten Unterschiede festgestellt, abgesehen von einem geringeren Risiko der Verschreibung von Antipsychotika in der COVID-19-Gruppe (HR 0,80; 95%-KI 0,69-0,92).

Wichtig sei für Ärzte, erhöhte Risiken für neuropsychiatrische Erkrankungen im Blick zu behalten, resümieren die Autoren.


Infektion schützt Ungeimpfte gegen erneutes COVID-19
Menschen, die ohne eine vorherige Impfung an COVID-19 erkrankten und dies überlebten, waren nach 90 Tagen anhaltend vor einer erneuten Infektion mit und ohne Hospitalisierung geschützt. Darüber hat Univadis.de berichtet.

Analysiert wurden Daten von etwa 120.000 Personen, die in 6 westlichen US-Bundestaaten im Zeitraum von Oktober 2020 bis November 2021 mittels PCR getestet worden waren. Darunter waren 24.043 Ungeimpfte, die zum Zeitpunkt des positiven Tests Symptome einer SARS-CoV-2-Infektion hatten. Weitere 97.572 Personen waren im Test negativ und zeigten keine Symptome (Kontrolle).

Ab 90 Tagen nach den Tests wurden beide Gruppen bezüglich neuer SARS-CoV-2-Infektionen mittels PCR überwacht, und das COVID-19-freie Überleben (adjustiert für Alter, Geschlecht und ethnische Zugehörigkeit) bestimmt.

Unter den zu Beginn Erkrankten kam es 98 Neuinfektionen (0,4%). In der Kontrollgruppe steckten sich 2.762 Personen (2,8 %) an. Die HR für bereits Erkrankte betrugen für eine COVID-19-Erkrankung 0,15 (95%-KI 0,13-0,18), für eine Hospitalisierung wegen COVID-19 0,12 (95%-KI 0,08-0,18) und für COVID-19 ohne Hospitalisierung 0,17 (95%-KI 0,13-0,21).

Die Schutzraten nach einer COVID-19-Erkrankung lagen für eine erneute Erkrankung bei 85%, für eine Hospitalisierung wegen COVID-19 bei 88% und für COVID-19 ohne Hospitalisierung bei 83 %. Die Schutzwirkung blieb über den Studienzeitraum stabil und zeigt auch nach 9 Monaten keine Anzeichen für eine Abschwächung.

Bleibt als Fazit: Eine natürliche Infektion mit SARS-CoV-2 und anschließender COVID-19-Sympomatik hat bei ungeimpften Personen einen Schutzeffekt, der in etwa der Größenordnung von mRNA-Vakzinen entspricht. Da die Untersuchung im Zeitraum von Oktober 2020 bis November 2021 durchgeführt wurde, beziehen diese Ergebnisse sich lediglich auf die damals kursierenden Virusvarianten.

COVID-19: S1-Leitlinie zur Präexpositionsprophylaxe publiziert
Patienten mit stark geschwächtem Immunsystem bilden nach einer Impfung oft keinen ausreichenden Immunschutz gegen COVID-19. Für sie kann die vorbeugende Gabe monoklonaler Antikörper als Präexpositionsprophylaxe (PrEP) sinnvoll sein, um das Risiko einer Infektion zu reduzieren ? und um schweres COVID-19 zu vermeiden. Details wurden in einer neuen Leitlinie zusammengestellt.

Von der PrEP profitieren Patienten mit schwerwiegender Immundefizienz, mit hohem Risiko für einen schweren Verlauf sowie mit nachweislich nicht ausreichendem Ansprechen auf die Impfung.

Während der Pandemie standen Ärzten verschiedene neutralisierende monoklonale Antikörper (nMAK) zur Verfügung. Sie binden an verschiedenen Regionen des Spike-Proteins von SARS-CoV-2. Mutationen schwächen jedoch die Wirksamkeit ab, was zuletzt bei Omikron beobachtet worden ist.

Seit März 2022 ist das Kombinationspräparat Tixagevimab/Cilgavimab (AZD7442) erhältlich. Es zeigt zumindest in vitro eine gute Wirksamkeit gegenüber Omikron, einschließlich der momentan zirkulierenden Subvariante BA.2.

?Die SARS-CoV-2-PrEP ist allerdings keinesfalls als Ersatz für eine vollständig durchgeführte Schutzimpfung entsprechend der STIKO-Empfehlungen zu verstehen. Auch Patienten mit geschwächtem Immunsystem profitieren in den meisten Fällen von einer intensivierten Impfserie?, so die Einschätzung von Dr. Jakob J. Malin, Uniklinik Köln. Er hat gemeinsam mit PD Dr. Christoph Spinner, Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität in München, die Leitlinie koordiniert.

https://deutsch.medscape.com/artikelansicht/4911170?uac=389796AZ&faf=1&sso=true&impID=4250036&src=WNL_mdplsfeat_220516_mscpedit_de#vp_3

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Donnerstag, 12. Mai 2022
Bittere Abrechnung mit Putin - Lenta.ru schreiben, wie es ist
Großartiger mutiger Journalismus, übersetzt vom Genossen Avantgarde:

https://avantgarde.blogger.de/stories/2846452


Der mutigste Artikel aus lenta.ru
"Ein Krieg macht es leichter, Misserfolge in der Wirtschaft zu vertuschen".

Putin muss weg. Er hat einen sinnlosen Krieg begonnen und führt Russland in den Abgrund.

00:01, 9. Mai 2022

https://web.archive.org/web/20220509071031/https://lenta.ru/articles/2022/05/09/den_pobedy/

Der russische Präsident Wladimir Putin trägt die volle Verantwortung für den sinnlosen und blutigen Krieg gegen die Ukraine. Unter weit hergeholten Vorwänden einer Bedrohung Russlands hat der Staatschef zwei Nachbarstaaten in einen Krieg gestürzt, in dem es keine Gewinner, sondern nur Verlierer geben wird. Die Entscheidung des Präsidenten wird das Land Isolation, Armut und einen Rückfall in die 90er Jahre kosten, mit denen Putin den Russen gerne Angst macht.

In seinen mehr als 20 Jahren an der Macht hat sich der Staatschef zu einem Diktator entwickelt, der begonnen hat, an Verschwörungstheorien zu glauben und den Bezug zur Realität verloren hat. Zurzeit beraubt Putin Millionen von Russen ihrer Zukunft und nimmt unschuldigen Ukrainern das Leben. Wladimir Putin sollte den Krieg sofort beenden und zurücktreten.

Disclamer: Dieses Material wurde nicht von der Leitung genehmigt, und für die Veröffentlichung wird die Präsidialverwaltung die Veröffentlichung mit einem Sternchen versehen, mit anderen Worten: SCHNELLSTMÖGLICH, bevor es gelöscht wird.

Der nackte König

Wladimir Putin ist seit mehr als 20 Jahren in den höchsten Rängen der Macht. In dieser Zeit hat sich das Staatsoberhaupt von einem legitimen und demokratischen Präsidenten zu einem archaischen, inkompetenten und blutigen Diktator entwickelt. Die Paranoia des Präsidenten, gepaart mit einem totalen Misstrauen gegenüber seiner Umgebung, hat ihn von seinem inneren Kreis abhängig gemacht - der Präsident erhält keine aktuellen Informationen, sondern konsumiert sie nur über Ordner, deren Zusammensteller die Meinung des Präsidenten regelmäßig manipulieren. Der Staatschef hat kein Handy, surft nicht im Internet - er ist zurückgeblieben und versucht, das Land nach sowjetischen Methoden zu regieren, was in der heutigen Zeit einfach unhaltbar ist.

25.500 russische Soldaten starben während des Krieges in der Ukraine.

In 20 Jahren an der Macht hat Wladimir Putin alle demokratischen Institutionen zerstört, für deren Aufbau die russischen Bürger seit den Anfängen des modernen Russlands so hart gearbeitet haben. Es gibt keine Kontrolle mehr im Land, es gibt keine Opposition im Parlament, der Föderationsrat hat längst den Status eines "Pflegeheims" - auch wenn er noch vor 15 Jahren ganze Gesetzespakete blockieren konnte, wenn die regionalen Behörden damit nicht einverstanden waren -, die unabhängige Justiz ist zerstört. Die lokalen Behörden sind zahnlos geworden; ohne die Erlaubnis des Präsidenten trauen sich die Regionalchefs, Gouverneure und Bürgermeister nicht, einen Finger zu rühren, was sie zu Einrichtungsgegenständen macht und die Lösung wichtiger Fragen vor Ort verzögert.

Auch die Institution des Präsidenten hat sich in den letzten 20 Jahren drastisch verändert: Zunächst wurden Putins Versprechen durch das Fehlen einer vertikalen Befehlskette behindert, dann durch eine zu kurze Amtszeit des Präsidenten, dann durch "unnötige Diskussionen im Parlament", unverständliche bürgerliche Freiheiten, unabhängige Medien und die "fünfte Kolonne" und schließlich durch die Verfassung, die in aller Eile umgeschrieben wurde, um sie dem Präsidenten anzupassen, wobei alle Amtszeiten auf Null reduziert wurden und der alternde Staatschef sich wie ein unparteiischer Zar fühlte.

Etwa 900 Millionen Dollar gibt Russland jeden Tag für den Krieg mit der Ukraine aus.

In diesen 20 Jahren sind jedoch keine wirklichen Fortschritte erzielt worden. Die erhoffte Wirtschaftskraft und ein "normales Leben" auf dem Niveau Portugals (ja, das war das Land, auf das sich Wladimir Putin zu Beginn seiner Amtszeit als Präsident bescheiden bezog) sind nicht erreicht worden. Der durchschnittliche monatliche Nettolohn der Russen ist heute einer der niedrigsten in Europa und liegt unter dem des ärmsten Landes der Europäischen Union, Bulgarien. Gemessen am nominalen BIP ist Russland in den letzten 10 Jahren aus den Top-10-Ländern der Welt herausgefallen (https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_countries_by_largest_historical_GDP), und angesichts der Situation, in die der russische Präsident das Land gebracht hat, hat Russland keine Perspektiven. Egal, wie sehr die Propagandisten versuchen zu schreien, dass "wir jetzt hier sind" - das BIP wächst nicht durch das Schreien, Spucken und Kreischen im Fernsehen.

Wladimir Putin sagt gerne: "Der Westen will kein starkes Russland, er will uns eindämmen", aber das Problem ist, dass Russland unter Wladimir Putin noch nie stark war. Die russische Wirtschaft ist seit 20 Jahren extrem abhängig von den Kohlenwasserstoffexporten, und ihre Struktur hat sich nicht dramatisch verändert, egal wie sehr die russischen Behörden versuchen, die Zahlen zu verfälschen, indem sie den Beitrag der verschiedenen Sektoren berechnen. Russland ist innerhalb von 20 Jahren in nur einer Branche führend geworden - im Internet-Banking -, aber nicht dank des Präsidenten, sondern dank jemandem, der keine Angst hatte und sich öffentlich gegen den Krieg stellte - dem Unternehmer Oleg Tinkov. Seinem Talent und seiner Hartnäckigkeit (und der seines Teams) ist es zu verdanken, dass eine der besten Internetbanken der Welt entstanden ist, auf deren Erfahrung sich heute die führenden Finanzinstitute der Welt verlassen. Tinkov ist es zu verdanken, dass die Russen heute alle ihre Bankgeschäfte online über ihr Smartphone abwickeln können. Aber was hat Tinkov für seinen Mut und seine Talente bekommen? Ausschluss, Vorwürfe des Verrats und stumpfe Verdrängung aus dem Geschäft.

10.000 Rubel wird von Putin an jedem 9. Mai an die Veteranen gezahlt.

Russland ist auch in einem anderen Bereich führend - bei der Zahl der Milliardäre, aber wer sind diese Menschen? Sind sie das russische Pendant zu Jeff Bezos, der von ganz unten angefangen hat, oder zu Jack Ma, der keinen Job bei KFC bekommen hat? Nein, sie sind Judokas, Sportler, ehemalige Kraftprotze und einfach gute Freunde von Wladimir Putin. Im Jahr 2017 wurde das gemeinsame Vermögen der engsten Vertrauten des Präsidenten auf mehr als 24 Milliarden Dollar geschätzt - Zufall? Dasselbe gilt für die Vergabe staatlicher Unternehmen an seine treuen Mitarbeiter - Alexej Miller, Herman Gref, Andrej Kostin, Igor Setschin, Nikolai Tokarew, Sergej Tschemezow. Das Gleiche gilt für das Ausbleiben eines Regimewechsels, für das Fehlen von Wirtschaftswachstum, von Perspektiven und einer Zukunft für Russland, solange es von Wladimir Putin regiert wird.

Das russische Establishment ist eine Bedrohung für Russland und das russische Volk, es ist Armut, Armut und Probleme, die nur in Ländern der Dritten Welt relevant sind: sei es die HIV-Epidemie, über die die russischen Behörden so ungern sprechen, oder der fehlende Zugang zu sauberen Toiletten und zentralen Abwassersystemen. Russland verfügt über die größten Gas- und Ölreserven, aber ein Drittel der Russen hat noch immer kein Gas in ihren Häusern. Russland ist das reichste Land der Welt, aber die Russen gehören zu den ärmsten Menschen der Welt. Warum?

Russlands Anteil am globalen BIP wird bis 2024 bei 2,52 Prozent liegen

Denn das Leben der Russen war für Wladimir Putin weniger wichtig als sein Ehrgeiz, als "Sammler russischer Ländereien und Beschützer traditioneller Werte" in die Geschichtsbücher einzugehen. Das Problem ist, dass der Präsident sich selbst in die Geschichte eingebracht und das gesamte russische Volk mit hineingezogen hat, ohne es überhaupt nach seiner Meinung zu fragen. Im Rahmen der mystischen "Entnazifizierung" - ein Begriff, dessen Bedeutung nicht einmal von den Russen verstanden wird, die die Aggression gegen die Ukraine unterstützen - sind bereits mehr als 50 000 Menschen gestorben. Unter ihnen - etwa 20 000 Menschen - sind russische Militärangehörige, die für die ganze Welt und nach einiger Zeit auch für die Bürger Russlands zu Ausgestoßenen und Kriegsverbrechern werden.

Latentes Heldentum

Nicht? Sind sie unser Stolz? Warum werden sie dann so sorgfältig vor ihren Müttern, Verwandten und Freunden versteckt? Vom Rest der Russen? Warum sind ihre Gesichter verborgen, wenn wir "das Richtige tun und unser Heimatland verteidigen"? Wovor haben diese "Helden" Angst? Warum verabschiedet die Regierung diese "Helden" nicht mit allen Ehren, sondern verschweigt oder ignoriert sie und ihre Angehörigen zynisch und tut so, als wüsste sie nichts von ihrem Schicksal? Warum lügt das Verteidigungsministerium so dreist über den Einsatz von Wehrpflichtigen im Krieg? Und dann lügt sie wieder, wenn sie behauptet, dass der Kreuzer Moskva nicht an der "Sonderoperation" beteiligt war? Und als er dem Vater des wahrscheinlich toten Matrosen keine Antwort auf dessen Schicksal geben kann? Ist dies das Schicksal eines Helden?

Warum werden die Angehörigen von "Helden" eingesperrt und bedroht? Warum sind sie gezwungen, bei den ukrainischen Behörden Informationen über ihre Kinder, Ehemänner und Väter einzuholen? Warum schweigen die Behörden über die "Helden", die gefangen genommen wurden, aber "wir lassen unsere Leute nicht im Stich"? Oder "Russen geben nicht auf"? Oder ist es vielleicht nur die Angst vor einer Panik unter den Russen, wenn sie die Wahrheit erfahren? Die Wahrheit über das mittelmäßige Kommando, die Wahrheit über die rekordverdächtige Zahl von Opfern unter den Offizieren, die Wahrheit über Probleme mit Nachschub, Kleidung, Lebensmitteln, Logistik, Ausrüstung und sogar Munition.

Die von uns dokumentierten Vorfälle stellen unsägliche vorsätzliche Brutalität und Gewalt gegen ukrainische Zivilisten dar

Hugh Williamson Direktor Europa und Zentralasien, Human Rights Watch

Die Russen geben auf, weil die Russen wie jedes andere Volk sind. Die Russen sind keine besondere ethnische Gruppe oder ein besonderes Volk; es gibt keine guten oder schlechten ethnischen Gruppen, nur schlechte Menschen. Es schien, als sollte unser Land dies wissen. Nachdem die UdSSR und ihre Verbündeten den Zweiten Weltkrieg gewonnen hatten, zerstörten sie Deutschland nicht; sie halfen den Deutschen, wenn auch mit Problemen und Fehlern, ihr Land und ihre Nation neu aufzubauen, sie zeigten Menschlichkeit und Respekt für die Freiheit anderer - die Eigenschaften, für die unsere Großväter kämpften und für die viele später im Gulag-System landeten.

Frieden, Freiheit und Unabhängigkeit sind die wichtigsten Attribute des Großen Sieges, aber sind dies die Ziele, die Wladimir Putin im Krieg gegen die Ukraine anstrebt? Nein, der Präsident erzählt und beharrt darauf, zu beweisen, dass ein ganzes Volk einfach kein Recht hat zu existieren, dass "Lenin es erfunden hat", und findet viele Entschuldigungen für seine eigene Aggression, deren Endziel so veraltet ist wie die Kriege selbst - die Beschlagnahme von Gebieten und die imaginäre "Befreiung". Nur die Ukrainer wurden nicht gebeten, sie zu befreien; sie sind durchaus in der Lage, über ihr eigenes Schicksal zu entscheiden und, vielleicht sogar besser als Russland, ihren künftigen Entwicklungsweg zu wählen.

Offenbar ist er der Meinung, dass die Leichen von Soldaten der Russischen Föderation es nicht verdienen, in ihr Heimatland gebracht und dort auf menschliche Weise bestattet zu werden.
(Iryna Vereshchukvili, stellvertretende Ministerpräsidentin der Ukraine)

Und wofür kämpfen die Ukrainer? Für den Frieden in ihrer zerrütteten Heimat, für ihre Familien, für die Freiheit ihres Volkes und die Unabhängigkeit ihres Landes. Wenn Stärke wirklich in der Wahrheit liegt, dann gibt es schlechte Nachrichten für die "russische Welt". Weder Russland noch Wladimir Putin noch irgendjemand sonst hat das Recht, über ein anderes Volk zu entscheiden, geschweige denn seine Vorstellungen mit Panzern, Bomben und Attentaten durchzusetzen. Eine Bedrohung durch die NATO? In einem Monat wird Russland zwei weitere vollwertige NATO-Mitglieder in der Nähe seiner Grenzen haben, und das Militärkontingent in der Nähe Russlands hat sich bereits vervielfacht. "Eine Marionettenregierung in Kiew"? Warum interessiert das die Russen überhaupt? Russophobie? Wladimir Putin hat in 75 Tagen Krieg mehr für die Russophobie getan als jeder andere in der russischen Geschichte. Er hat die russischsprachigen Städte der Ukraine in Ruinen und die Russen in Parias verwandelt und Millionen von Russen die Hoffnung auf die Zukunft genommen.

Die Alternative zum Großvater

Wenn nicht Putin, wer dann? Ich gebe es ungern zu, aber es lohnt sich, vom "Gegner" des Nachbarn zu lernen - von jedem, selbst von einem Schauspieler und ehemaligen KVN-Mann. Das Problem ist nicht, wer Putin ersetzen wird, das Problem ist, dass die Russen nicht bereit sind, die Verantwortung für diese Wahl zu übernehmen. Sie weigern sich, sie zu akzeptieren, in der Hoffnung, dass "sich alles schon irgendwie regeln wird", weil "ich mich nicht für Politik interessiere" und "es mich nichts angeht" und generell "alles nicht so einfach ist".

Der gestrige KVN-Spieler erwies sich als wahrer Führer seines Volkes, der keine Angst hatte und sich nicht in einen Bunker oder ins Ausland flüchtete, sondern täglich mit seinem Volk kommunizierte und sich aufrichtig um es sorgte. Er überzeugte fast die halbe Welt, seinem Land zu helfen, und schaffte es, die "Zweite-Welt-Armee" mit weit weniger Mitteln zu stoppen. Wladimir Zelenski wurde vom ukrainischen Volk in einer nicht ganz fairen, aber sicherlich umkämpften Wahl gewählt, und der Präsident hat ihn nicht im Stich gelassen - 95 Prozent der Bevölkerung unterstützen ihn, mehr als die Russen Wladimir Putin unterstützen, so der VCIOM.

In den 20 Jahren, in denen Putin an der Macht ist, ist es dem Präsidenten und seiner Entourage nicht gelungen, eine erfolgreiche Ideologie für das moderne Russland und die "russische Welt" zu formulieren. In dem Versuch, mit den sowjetischen Nostalgikern und den traditionellen Teilen der Gesellschaft, die die Orthodoxie und die Kirche verehren, zu flirten, hat das russische Establishment einen schändlichen Frankenstein geschaffen, der sich gegenseitig ausschließende sowjetische Doktrinen und die Lehren der Orthodoxie in sich vereint. Das Schlüsselelement jeder Ideologie - eine ansprechende Zukunftsvision - hat der Kreml jedoch nie zustande bringen können.

Du sollst nicht töten. Das sechste Gebot

Fernsehtalker werden behaupten, die nationale Ideologie von Putins Russland sei der Patriotismus, aber keiner von ihnen ist in der Lage, mehr als drei absurde Postulate zu formulieren, geschweige denn zu entschlüsseln (Vaterlandsliebe, Respekt vor den Vorfahren, traditionelle Familie). Putins Russland hatte nie ein Bild von der Zukunft und wird es auch nie haben, denn dieses Regime ist nicht an seinen Bürgern interessiert, sein Ziel ist die Selbstreproduktion und der Machterhalt. Sie kann kein konkretes Bild formulieren, denn für konkrete Bilder wird sie sich verantworten müssen, und es steht dem Zaren nicht zu, seinen Leibeigenen Bericht zu erstatten, die nur gehorsam zu sein haben.

Ein Schritt nach links, ein Schritt nach rechts

Russland hat sich unbewusst wieder einmal an einer historischen Weggabelung wiedergefunden, an der sich die eine Perspektive als bewundernswerter erweist als die andere. Es ist an der Zeit, dass die Russen überlegen, ob sie bereit sind, den Tausch zu akzeptieren, den Wladimir Putin ihnen anbietet: die zerstörten Gebiete der Ukraine und Zehntausende von Toten gegen eine Zukunft in einem Schurkenstaat.

Mehr als 1.000 russische Militärangehörige weigerten sich, gegen die Ukraine zu kämpfen

Bei der Beantwortung dieser Frage wird den Russen die historische Erfahrung helfen, auf die sich der derzeitige Staatschef so gerne beruft. Paradoxerweise hat das moderne Russland trotz des vorherrschenden Narrativs des "Sklavenbewusstseins" Erfahrung mit der Überwindung ähnlicher Krisen: 1991 und 2012 für die einfachen Bürger und 1993 für die Machthaber. Wir können uns nicht auf ausländische Erfahrungen verlassen, aber wir haben genug eigene Beispiele, um zu versuchen, die bereits gemachten Fehler nicht zu wiederholen und eine nukleare Katastrophe zu verhindern.

Ein nationales Nachdenken über die aktuellen Ereignisse ist für das heutige Russland unvermeidlich, aber es liegt an den Bürgern, über die Art dieses Nachdenkens zu entscheiden; niemand wird dieses Mal für sie entscheiden.


P.S.
Für diese Leistung sind wir verantwortlich:
Egor Polyakov, Leiter der Abteilungen "Wirtschaft" und "Lebensraum" (meine Grüße an Marina Druchina, an alle von 1246 und Metrogoth!)

Redakteurin für Wirtschaft und Lebensraum Aleksandra Miroshnikova

Auf der Suche nach Arbeit, Anwälten und wahrscheinlich politischem Asyl!

Wir möchten uns bedanken bei:
Yuri Dudy, Maxim Pokrovsky, Diana Arbenina, Evgeny Savin, Evgeny Roizman, Elena Osipova, Face, Maxim Galkin, Elena Kostyuchenko, Chulpan Khamatova, Boris Akunin, Lokimini, Alexey Polyarinov, Oksimiron, Zemfira, Daria Serenko, Oleg Tinkov, Boris Grebenschikov, Ekaterina Shulman, Irina Fatyanova, Andrei Makarevich, Alexei Navalny und sein Team, Alexander Dolgopolov, Ingeborga Dapkunaite, Dmitry Muratov, Sergey Smirnov, Taisia Bekbulatova, Monetochka, Alina Olesheva, Alexander Nevzorov, Maestro Ponasenkov, Danila Kozlovsky, Leonid Parfenov, Danila Poperechniy, Maria Mashkova, Leonid Agutin, Valery Meladze, Vera Brezhneva und Millionen von Russen, die Menschen bleiben.

Habt keine Angst! Schweigen Sie nicht! Widerstehen Sie! Sie sind nicht allein, wir sind viele! Die Zukunft gehört uns!

*** Krieg. Frieden für die Ukraine!

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Strategien für künftige Booster; Urlaub ohne Maske; Virus bleibt im Darm; Tumorarten und Sterberisiko; Darmkrebs später erkannt
Michael van den Heuvel, Medscape


Das Infektionsgeschehen entwickelt sich weiter rückläufig. Mittlerweile ist die 7-Tage-Inzidenz auf 502,4 Fälle pro 100.000 Einwohner gesunken (Vortag 507,1).

Triage-Gesetzesentwurf: Lauterbach rudert zurück

Bundesregierung löst Corona-Krisenstab auf

In den Urlaub ohne Maske

Krebserkrankungen und Chemotherapien ? 2 Risikofaktoren für schweres COVID-19

Darmkrebs-Versorgung: Was sich während COVID-19 verändert hat

4. Dosis eines mRNA-Impfstoffs: Nachweislich ein ?erheblichen? Immunitätsschub

Parallelen zu Influenza-Vakzinen: Mehr Impfungen ? weniger Schutz?

Nicht nur an die Lunge denken: Das SARS-CoV-2-Virus bleibt lange im Darm

Suizide in COVID-19-Zeiten: Generell kein erhöhtes Risiko

Triage-Gesetzesentwurf: Lauterbach rudert zurück
Wie Medscape im Corona-Blog berichtet hat, sorgt ein neuer Referentenentwurf zur Triage bei COVID-19 für reichlich Ärger. Der Text sah eine sogenannte Ex-Post-Triage vor: Sollte sich ein Patient mit schlechterer Prognose in Behandlung befinden, so wäre die Therapie abzubrechen, falls ein Patient mit besseren Chancen die Ressourcen bräuchte.

Bundesgesundheitsminister Prof. Dr. Karl Lauterbach (SPD) hat sich mit seinem Vorpreschen wenig Freunde gemacht; SPD und Grüne waren gegen diese Formulierung. Und Caritas-Präsidentin Eva Maria Welskop-Deffaa schrieb: ?Schleichend verändert sich ? die Diskussion um die Triage ? von einem Instrument der medizinischen Abwägung in akuten Notfallsituationen zu einer Legitimation von Rationierung medizinischer Leistungen nach Nützlichkeit und Lebenswert.? Weitere Zweifel kamen von Juristen und von Intensivmedizinern.

Schließlich machte Lauterbach eine Rolle rückwärts und konstatierte auf Twitter : ?Es wird keinen Behandlungsabbruch (Ex-Post Triage) in Deutschland geben. Damit ÄrztInnen erst gar nicht in eine solche Entscheidungsnotlage geraten, brauchen wir genug Personal auf den Intensivstationen. Daran wird gearbeitet.?

Bundesregierung löst Corona-Krisenstab auf
Zirka 5 Monate nach dessen Einrichtung hat sich die Bundesregierung entschlossen, ihren Corona-Krisenstab unter Leitung von Bundeswehr-General Carsten Breuer wieder aufzulösen. Grund dafür sei eine ?andere Situation bei den Infektionen und Impfungen?, erklärte eine Sprecherin. Die bisherigen Aufgaben würden von der Regierung übernommen. In Spitzenzeiten gehörten dem Krisenstab bis zu 30 Experten aus unterschiedlichen Bereichen an. Ihre Aufgabe war vor allem, die Impfkampagne zu koordinieren.

Der Corona-Expertenrat bleibt jedoch bestehen. Er berät die Bundesregierung, trifft jedoch ? anders als zuvor der Krisenstab ? keine eigenen Entscheidungen.

In den Urlaub ohne Maske
Eine weitere Änderung betrifft den europäischen Flugverkehr. Die European Union Aviation Safety Agency (EASA) und das European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) haben neue Regelung zum Gesundheitsschutz bei Flugreisen veröffentlicht.

Am 16. Mai wird die Empfehlung zum verpflichtenden Tragen medizinischer Masken in Flughäfen und an Bord von Flugzeugen gestrichen. Dennoch raten beide Behörden, dies auf freiwilliger Basis weiterhin zu tun. Die Lufthansa wartet mit der Anpassung noch, bis die Regelung in deutsches Recht umgesetzt worden ist.

Krebserkrankungen und Chemotherapien ? 2 Risikofaktoren für schweres COVID-19
SARS-CoV-2-Infektionen wurden bei Krebspatienten seit Beginn der Pandemie mit schwerem COVID-19 und mit mehr Todesfällen in Verbindung gebracht; Details waren jedoch unklar. Diese Lücke schließt eine neue Review und Metaanalyse.

Ausgewertet wurden verschiedene frei zugängliche Literaturdatenbanken, und zwar bis 14. Juni 2021. Die Autoren haben alle Fall-Kontroll- oder Kohortenstudien eingeschlossen, an denen 10 oder mehr Patienten mit maligner Erkrankung und mit SARS-CoV-2-Infektion mit oder ohne Kontrollgruppe (definiert als Patienten ohne Krebs, aber mit SARS-CoV-2-Infektion) teilgenommen haben.

Es wurden insgesamt 81 Studien mit 61.532 Krebspatienten ausgewertet. Von 58.849 Patienten gab es detaillierte Daten; 30.557 männlich (52%) und das Durchschnittsalter lag zwischen 35 und 74 Jahren.

Die Analyse hat ergeben:

Das relative Risiko (RR) aufgrund von COVID-19 zu sterben, betrug bei Patienten mit Krebs im Vergleich zu Patienten ohne Krebs 1,69 (95%-KI 1,46-1,95).

Im Vergleich zu anderen Krebsarten waren Lungenkrebs (RR 1,68; 95%-KI 1,45-1,94) und maligne hämatologische Erkrankungen (RR 1,42; 95%-KI 1,31-1,54) mit einem signifikant höheren Sterberisiko verbunden.

Brustkrebs (RR 0,51; 95%-KI 0,36-0,71) und maligne gynäkologische Erkrankungen (RR 0,76; 95%-KI 0,62-0,93) waren mit einem geringeren Sterberisiko verbunden.

Die Chemotherapie war mit der höchsten gepoolten Gesamtmortalitätsrate von 30% (95% KI 25 %-36 %) assoziiert.

Speziell für endokrine Therapien geben die Autoren 11% (95 % KI 6%-16%) an.

?Die Ergebnisse dieser Studie deuten darauf hin, dass Patienten mit Krebs und mit SARS-CoV-2-Infektion ein höheres Sterberisiko hatten als Patienten ohne Krebs?, heißt es als Fazit. ?Ein jüngeres Alter, Lungenkrebs und hämatologische maligne Erkrankungen waren ebenfalls Risikofaktoren, die mit einem schlechten Ausgang der COVID-19-Infektion verbunden waren.?

Darmkrebs-Versorgung während COVID-19: Weniger Diagnosen, mehr fortgeschrittene Tumore
Hat sich die Behandlung von Darmkrebs während der COVID-19-Pandemie verändert? Diese Frage stellen sich seit Beginn der Pandemie. Neue Erkenntnisse kommen aus Schweden.

Grundlage der registerbasierten Kohortenstudie waren Daten aus einem Darmkrebsregister aus den Jahren 2020 und 2019. Alle Patienten mit Darmkrebs- Diagnose vom 1. März bis 31. August 2019 und vom 1. März bis 31. August 2020 kamen in Frage. Eingeschlossen wurden 1.140 Patienten (583 Männer [51%]; medianes Alter 74 Jahre in 2019 und 73 Jahre in 2020).

In den Monaten März bis August 2020 erhielten weniger Patienten eine Darmkrebsdiagnose als in den gleichen Monaten des Jahres 2019 (550 vs. 590 Patienten). Insgesamt waren die Patientencharakteristika ähnlich, aber das prätherapeutische Tumorstadium war 2020 im Vergleich zu 2019 weiter fortgeschritten, mit einem höheren Anteil an T4-Tumoren (30% [172 Patienten] gegenüber 22% [132 Patienten]).

Der Anteil der Patienten mit laparoskopischer Operation, die Zeit bis zur Operation und die Rate an 30-Tage-Komplikationen waren ähnlich. Aber der Anteil der Patienten, die mit einem Stoma behandelt wurden, verdoppelte sich fast zwischen 2019 und 2020 von 17% (53 Patienten) auf 30% (96 Patienten; absolutes Risiko 13,0%; 95%-KI 6,8% bis 20,0%).

4. Dosis eines mRNA-Impfstoffs: Nachweislich ein erheblicher Immunitätsschub
Die 4. Dosis des mRNA-Booster-Impfstoffs COVID-19 wird gut vertragen und stärkt die zelluläre und humorale Immunität, so das Ergebnis einer neuen Studie der COV-BOOST-Studie. Darüber hat Medscape UK berichtet.

Insgesamt 166 Teilnehmer von COV-BOOST, die zuvor den Impfstoff von BioNTech/Pfizer als 3. Dosis bekommen hatten, erhielten nach dem Zufallsprinzip entweder eine 4. Dosis des gleichen Vakzins (30 µg; eine volle Dosis) oder mRNA-1273 (Moderna; 50 µg; die halbe Dosis).

Das Durchschnittsalter lag bei 70 Jahren und 86 der 166 Teilnehmer waren Frauen. Der durchschnittliche Abstand zwischen der 3. und 4. Dosis betrug 208,5 Tage.

In der Gruppe, die eine 4. Dosis des Vakzins von BioNTech/Pfizer erhalten hat, lag die mittlere Immunogenität 28 Tage nach der 3. Dosis bei 23.325 ELISA-Laboreinheiten (ELU)/ml (95%-KI 20.030-27.162). Dieser Wert stieg 2 Wochen nach der 4. Dosis auf 37.460 ELU/ml (95%-KI 31.996-43.857).

Auch in der Gruppe, die eine 4. Dosis Moderna erhalten hat, lag die mittlere Immunogenität 28 Tage nach der 3. Dosis (Pfizer) bei 25.317 ELU/ml (95%-KI 20.996-30.528) und stieg 2 Wochen nach der 4. Dosis auf 54.936 ELU/ml (95%-KI 46.826-64.452).

Die Forscher errechnen von dem Zeitpunkt unmittelbar vor der 4. Dosis (Tag 0) bis 14 Tage danach einen Anstieg der Immunität um das 12,19-Fache (95%-KI 10,37 bis 14,32) bei BioNTech/Pfizer. Für Moderna stieg der Wert um das 15,90-Fache (95%-KI 12,92 bis 19,58) an.

Auch die T-Zell-Antworten wurden von vor bis nach der vierten Dosis gesteigert: auf das 7,32-Fache (95%-KI 3,24 bis 16,54) in der BioNTech/Pfizer-Gruppe und auf das 6,22-Fache (95%-KI 3,90 bis 9,92) in der Moderna-Gruppe.

?Die 4. Dosis des COVID-19-Impfstoffs stärkt sowohl die Antikörper als auch die zelluläre Immunität erheblich, wenn sie mindestens sechs Monate nach der dritten Auffrischungsdosis verabreicht wird?, so das Resümee der Autoren.

Parallelen zu Influenza-Vakzinen: Mehr Impfungen ? weniger Schutz?
Doch hilft viel auch wirklich viel? Ein Kommentar in The Lancet Respiratory Medicine geht der Frage nach, welche möglicherweise negativen Folgen die Strategie, Patienten nach der COVID-19-Grundimmunisierung mehrfach zu boostern, haben könnte.

Daten zu Grippeimpfstoffen deuten darauf hin, dass wiederholte Impfungen bei einer Person zu einer abgeschwächten Immunantwort, einer Abnahme der Wirksamkeit des Impfstoffs und einer möglicherweise verkürzten Schutzdauer führen können. In Studien waren sowohl die Immunogenität nach der Influenza-Impfung als auch die Wirksamkeit des Impfstoffs gegen Influenza-assoziierte Arztkontakte bei Personen, die in der vorherigen und der aktuellen Saison geimpft wurden, häufig niedriger als bei Personen, die nur in der aktuellen Saison geimpft wurden.

In den wenigen Studien mit Daten für 4-6 vorangegangene Jahre waren die Immunogenität und die Wirksamkeit des Impfstoffs bei denjenigen am höchsten, die keine oder nur wenige vorherige Impfungen hatten, und am niedrigsten bei denjenigen, die häufig geimpft wurden. Die Mechanismen sind unklar; in der Literatur werden einige Hypothesen diskutiert.

Welche Konsequenzen haben diese Daten für Impfungen generell und speziell für COVID-19-Vakzine?

Studien zur Wirksamkeit von Impfstoffen sollten nach Personen mit und ohne vorherige Infektion und nach Unterschieden im vorherigen Impfstatus stratifiziert werden, um Änderungen der Impfstoffwirksamkeit von Änderungen der Anfälligkeit der Bevölkerung im Laufe der Zeit zu unterscheiden. Bei Influenza war dies bislang nicht möglich.

Der optimale zeitliche Abstand zwischen der COVID-19-Grundimmunisierung und Auffrischungsimpfungen verdient viel mehr Aufmerksamkeit als bisher. Wenn COVID-19 zu einem endemischen Virus mit saisonaler Zirkulation wird, könnte eine Verteilung der COVID-19-Impfstoffdosen in 9-Monats- oder 12-Monats-Intervallen ebenso viel Schutz bieten wie eine häufigere Impfung, z. B. alle 6 Monate.

Ein Wechsel des SARS-CoV-2-Impfstoffantigens kann notwendig sein, um Menschen, die wiederholt geimpft werden, vor neuen Varianten zu schützen.

Die Einführung alternativer Impfstofftypen könnte die Immunogenität und die Wirksamkeit im Vergleich zur wiederholten Verwendung derselben Impfstofftechnologie verbessern.

Nicht nur an die Lunge denken: Das SARS-CoV-2-Virus bleibt lange im Darm
Forscher hatten in den letzten Monaten bei Infizierten SARS-CoV-2 in etlichen Geweben nachgewiesen, auch im Darm. Studien lieferten bislang kein klares Bild, wie lange das Virus fäkal ausgeschieden wird; jetzt liegen neue Daten vor.

Die Forscher analysierten die Dynamik der fäkalen RNA-Ausscheidung bis zu 10 Monate nach der COVID-19-Diagnose bei 113 Personen mit leichter bis mittelschwerer Erkrankung. Außerdem haben sie Assoziationen der Ausscheidung viraler RNA mit Krankheitssymptomen bewertet.

Die Ergebnisse: Fäkale SARS-CoV-2-RNA wurde bei 49,2% (95%-KI 38,2%-60,3%) der Teilnehmer innerhalb der ersten Woche nach der Diagnose nachgewiesen. Während bei den Teilnehmer 4 Monate nach der Diagnose keine oropharyngeale SARS-CoV-2-RNA-mehr nachzuweisen war, schieden 12,7% (95%-KI 8,5%-18,4 %) 4 Monate nach der Diagnose weiterhin SARS-CoV-2-RNA im Stuhl aus und 3,8% (95%-KI 2,0 %-7,3%) sogar nach 7 Monaten.

Dies alles deute darauf hin, dass SARS-CoV-2 den Magen-Darm-Trakt infiziere und dass diese Infektion bei manchen Patienten länger bestehen bliebe, heißt es als Fazit.

Suizide in COVID-19-Zeiten: Generell kein erhöhtes Risiko
Die Pandemie mit ihren Lockdowns und mit Ängsten vor Krankheit oder vor Jobverlust hat zu starken psychischen Belastungen geführt; Krisen sind bekannte Risikofaktoren für Suizide. Wissenschaftler der Universitätsmedizin Leipzig haben deshalb Suizidstatistiken anhand verschiedener soziodemografischer Merkmale ausgewertet. Daten kamen aus Sachsen, Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein.

Die Analyse zeigt: Bei Männern sank die Anzahl der Suizide von 2020 bis 2021 im Vergleich zu den Jahren 2017 bis 2019 leicht ab, bei Frauen war ein leichter Anstieg der Suizide zu verzeichnen. In beiden Fällen war die Änderung nicht signifikant.

Eine signifikante Verringerung ergab sich bei Männern zwischen 81 und 90 Jahren; ein signifikanter Anstieg wurde bei über 90-jährigen Männern beobachtet. Da die Merkmale männliches Geschlecht und hohes Lebensalter stark mit Suizid assoziiert seien, liegt bei dieser Gruppe ohnehin ein hohes Suizidrisiko vor, so die Autoren.


https://deutsch.medscape.com/artikelansicht/4911157?uac=389796AZ&faf=1&sso=true&impID=4240649&src=WNL_mdplsfeat_220512_mscpedit_de#vp_4

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Mittwoch, 11. Mai 2022
Kommerz stoppen: Hausärzte-Tagung verabschiedet 10-Punkte-Plan gegen Investoren-MVZ und zieht bittere Bilanz über Corona-Blindflug
Christian Beneker, Medscape


Rund 140 Delegierte trafen sich auf der Frühjahrstagung des Deutschen Hausärzteverbandes in Hannover und packten auch heiße Eisen an: namentlich die holperige Digitalisierung der Praxen und die Kommerzialisierung vieler Medizinsicher Versorgungszentren (MVZ).

In der Diskussion nach dem Bericht zur Lage durch den Vorsitzenden des deutschen Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt, griffen mehrere Delegierte seine Worte zur Kommerzialisierung der Medizin vor allem durch Investorenbetriebene MVZ auf.

Um ihre Forderungen bei der Praxisdigitalisierung zu untermauern, hat der Hausärzteverband für seine Frühjahrtagung das ?Konzeptpapier Digitalisierung der hausärztlichen Versorgung? erstellt, das ?Idealbild einer digitalen hausärztlichen Versorgung?, so der Titel. Es zählt die digitalen Anwendungen von der digitalisierten Anmeldung über das digitalisierte Wartezimmer und Sprechzimmer bis hin zum Datenabruf durch die Patienten, wenn er wieder zuhause ist.

Eine neue Versorgungsebene ?digitale Medizin? lehnte Weigeldt ab. Die Schwierigkeiten in der Digitalisierung deckten die Strukturdefizite in der hausärztlichen Versorgung auf. Sie müssten vor einer Digitalisierung bereinigt werden. ?Noch immer gilt: Wer einen schlechten Prozess digitalisiert, hat einen schlechten digitalen Prozess?, sagte Weigeldt.

Deutschland im ?Datenblindflug?
Besonderes Augenmerk legten Weigeldt und die Delegierten auch auf den schleppenden Fortgang der Digitalisierung in den Praxen. ?Es hakt an allen Ecken und Enden?, so Weigelt. Beim Fortgang der Digitalisierung belege Deutschland im Europa-Vergleich einen Abstiegsplatz statt einen der vorderen Ränge, so Weigelt.

Für das e-Rezept, die e-AU oder die ePA verlangte der Vorsitzende funktionierende Produkte. Die Hausärztinnen und Hausärzte wollen die Produkte als fertige und funktionierende Anwendungen in der Praxis. So begrüßte das Plenum in Hannover die Digitalisierung, kritisierte aber, dass die Hausarztpraxen als Beta-Tester eingesetzt werden. Darüber hinaus forderten Weigeldt, ?dass zum Teil überzogene Sicherheitsanforderungen in der TI keine zusätzlichen Aufwände in unseren Praxen auslösen dürfen?.

Um ihre Forderungen bei der Praxisdigitalisierung zu untermauern, hat der Hausärzteverband für seine Frühjahrtagung das ?Konzeptpapier Digitalisierung der hausärztlichen Versorgung? erstellt, das ?Idealbild einer digitalen hausärztlichen Versorgung?, so der Titel. Es zählt die digitalen Anwendungen von der digitalisierten Anmeldung über das digitalisierte Wartezimmer und Sprechzimmer bis hin zum Datenabruf durch die Patienten, wenn er wieder zuhause ist.

Eine neue Versorgungsebene ?digitale Medizin? lehnte Weigeldt ab. Die Schwierigkeiten in der Digitalisierung deckten die Strukturdefizite in der hausärztlichen Versorgung auf. Sie müssten vor einer Digitalisierung bereinigt werden. ?Noch immer gilt: Wer einen schlechten Prozess digitalisiert, hat einen schlechten digitalen Prozess?, sagte Weigeldt.

Deutschland im ?Datenblindflug?

Obwohl die gegenwärtige Corona-Welle ausläuft, beschäftige das Infektionsgeschehen die Hausärztinnen und Hausärzte derzeit massiv, erklärte Weigeldt. 80% aller Corona-Patienten würden in den Hausarztpraxen versorgt. So stark die hausärztliche Versorgung sei, so schwach erscheine allerdings die Datenlage. ?Deutschland befindet sich nach über zwei Jahren Pandemie immer noch im Daten-Blindflug?, kritisierte Weigeldt.

So sei keine konsistente Strategie erkennbar: ?Da werden Zahlen über Infizierte verbreitet, deren Grundlage einzig und alleine positive PCR-Tests sind?, so Weigeldt. ?Eigentlich müsste jedem klar sein, dass sich nicht jede oder jeder Infizierte einem PCR-Test unterzogen hat.?

Es sei unklar geblieben, auf welchen Grundlagen das Infektionsgeschehen dargestellt und bewertet wird ? auf der Hospitalisierungsrate? Aufgrund der Inzidenzen? Die Auslastung der Intensivstationen? ?Nachvollziehbar ist das nicht wirklich?, so Weigeldt.

Ökonomisierung sei nichts Negatives, hatte Weigeldt gesagt, im medizinischen Kontext allerdings ein Begriff, ?der die Abhängigkeit medizinischer Entscheidungen von Renditeerwartungen der jeweiligen Investoren? beschreibe. Damit war das Problem markiert. ?Wir wollen und brauchen kooperative Formen der Berufsausübung von Hausärztinnen und Hausärzten, aber dabei muss klar sein, dass Ärztinnen und Ärzte das Sagen haben und nicht die Controller!?, so Weigeldt weiter.

MVZ: ?Mittelverschwendung und Überversorgung.?
Stimmen aus der Versammlung kritisierten unter anderem Mittelverschwendung und Überversorgung durch investorenbetriebene MVZs. Die Überweisungen in MVZs wiesen ein Plus von 20 Prozent auf, 70 Prozent davon führten die Patienten wieder zurück in Praxen des MVZ, hieß es. ?Wir sind nicht beleidigt, weil uns jemand etwas wegnähme, sondern wir fragen: Was machen solche Strukturen mit der Versorgung?? Man müsse verhindern, dass das Geld der Versichertengemeinschaft in andere Kanäle abfließt.


Die Delegierten beschlossen denn auch ein 10-Punkte-Programm, um die Übernahmen von MVZ durch Investoren zu beschränken. Darin fordern die Delegierten unter anderem, ein MVZ-Transparenzregister, dass auch die nachgelagerten Inhaberstrukturen abbildet.

Außerdem sollen Ärzte bei den Gesellschaftsanteilen und den Stimmrechte der MVZ-Trägergesellschaft in der Mehrheit sein. Die Delegierten forderten zudem, dass ein Krankenhaus-MVZ ?nur noch in räumlicher Nähe zu dem gründenden Krankenhaus? möglich sein soll.

Umstritten war Punkt 9 auf der Liste. Er verlangt, die Möglichkeit zu streichen, zu Gunsten eines MVZ auf eine Zulassung zu verzichten. Das wollten mehrere Delegierte so nicht durchgehen lassen. Denn eine Möglichkeit der lukrativen Praxis-Abgabe würde damit untergraben.

Digitalisierung: ?Es hakt an allen Ecken und Enden!?
Besonderes Augenmerk legten Weigeldt und die Delegierten auch auf den schleppenden Fortgang der Digitalisierung in den Praxen. ?Es hakt an allen Ecken und Enden?, so Weigelt. Beim Fortgang der Digitalisierung belege Deutschland im Europa-Vergleich einen Abstiegsplatz statt einen der vorderen Ränge, so Weigelt.

Für das e-Rezept, die e-AU oder die ePA verlangte der Vorsitzende funktionierende Produkte. Die Hausärztinnen und Hausärzte wollen die Produkte als fertige und funktionierende Anwendungen in der Praxis. So begrüßte das Plenum in Hannover die Digitalisierung, kritisierte aber, dass die Hausarztpraxen als Beta-Tester eingesetzt werden. Darüber hinaus forderten Weigeldt, ?dass zum Teil überzogene Sicherheitsanforderungen in der TI keine zusätzlichen Aufwände in unseren Praxen auslösen dürfen?.


Mit Sorge blickte Weigeldt auf die Impfungen, die im Herbst schwere Corona-Verläufe verhindern sollen. Die Hausarztpraxen brauchen nicht nur ausreichend Impfstoff, sondern auch Unterstützung von der Politik, ?eine motivierende politischen Kommunikation?, so Weigeldt. Sie soll deutlich machen: ?Impfen ist cool, Impfverweigerung nicht!?

Im Übrigen müssten die Impfungen vor allem in den hausärztlichen Praxen stattfinden, forderte Weigeldt. ?Das sind Dinge, die müssen wir einfordern!? Die Praxen hätten ?den Impfturbo gezündet? und damit bewiesen, dass sie täglich hunderttausende von Menschen impfen können. Dies sei auch die kostengünstigste Variante. Stattdessen Impfzentren im Leerlauf weiter mit Steuergeldern zu finanzieren, sei absurd und teuer. Und: Dass Apotheken beim Impfen keine Alternative zu den Hausarztpraxen sind, zeigten schon die Zahlen: Bisher ?deutlich unter 50.000 Impfungen!?.

Was die Finanzierung des Gesundheitssystems angeht, verwies Weigeldt auf das jährliche Defizit von 17 bis 20 Milliarden Euro, die abgesichert werden müssen. Weigeldt forderte, in diesem Zusammenhang über die Reduzierung der Krankenhauszahl nachzudenken, etwa um den Fachkräftemangel zu lindern. Und: ?Ist es nicht vernünftig, die HZV stärker zu fördern und ihre strukturellen und qualitativen Vorteile zu nutzen??

Versorgung der Ukraine-Flüchtlingen: ?Nicht auf Honorarvereinbarungen gewartet?
Ungewöhnliches Lob sprach Weigeldt Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) aus. Anders als sein Vorgänger Jens Spahn sei Lauterbach zum Frühjahrsempfang des Verbandes gekommen. ?Die Anliegen der Hausärzte sind auch meine Anliegen?, hatte Lauterbach gesagt, ein Zitat, das Weigeldt ganz offensichtlich gerne wiederholte.

Die Anliegen der Hausärzte sind auch meine Anliegen. Karl Lauterbach
Schließlich forderte der Vorsitzende vom Gesetzgeber erneut eine steuerfreie Prämie für die von der Versorgung in Pandemiezeiten besonders belasteten MFA zu ermöglichen. ?Unsere Praxismitarbeitenden haben es verdient, und zwar ohne Steuerabzug!?, sagte Weigeldt unter großem Applaus der Delegierten, die einen entsprechenden Antrag einstimmig beschlossen.

Auch den Ukraine-Krieg ließ der Vorsitzende nicht aus. Er dankte den vielen Hausärztinnen und Hausärzten, die Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine versorgt haben und dabei ?nicht aus Honorarvereinbarungen gewartet?, sondern einfach geholfen hätten, wo es ging.

https://deutsch.medscape.com/artikelansicht/4911152?uac=389796AZ&faf=1&sso=true&impID=4237911&src=WNL_mdplsfeat_220511_mscpedit_de#vp_3

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Und zum Ausgleich etwas zum Freien Westen
https://www.youtube.com/watch?v=oY_a-HjdiOE

https://www.youtube.com/watch?v=7QvrwK-zC2I

https://www.youtube.com/watch?v=-AEumk2gh9U

https://www.youtube.com/watch?v=W2G7NiUS1vU

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Die Lieder zur Lage der Welt zur Zeit
https://www.youtube.com/watch?v=941PHEJHCwU

https://www.youtube.com/watch?v=lqRSGUZQHog

https://www.youtube.com/watch?v=33xkf3hHwF0

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Dienstag, 10. Mai 2022
Iran - Schrei nach Freiheit
?Mein Herz ist bedrückt - ein poetischer Ruf nach Freiheit.?
Lesung auf Deutsch aus Gefangenen-Portraits und Lyrik
14.5.2022 - 19 Uhr - kargah-Haus (Zur Bettfedernfabrik 1, 30451 Hannover)

Es sind Tausende: politische Gefangene im Iran.
Wie viele genau, weiß niemand. Familien und Freunde erfahren häufig nicht einmal, ob sie noch leben.

Die Geschichten von einigen dieser Frauen und
Männer wollen wir erzählen.

Eine Kooperation von: kargah e. V. | Die Rote Hilfe e. V., Ortsgruppe Hannover | Radio Flora |
Forum der iranischen Demokrat*innen und Sozialist*innen in Hannover

Texte: Hanna Legatis und Martin-G. Kunze
Klaviermusik: Hushang Piruzdad

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Putins Krieg und der Universalienstreit
Herr Dugin leitet den aktuellen Konflikt zwischen Russland und dem Westen, den er als welthistorischen Großkonflikt mit Armageddon-Potenzial betrachtet, auf einen manichäischen Dualismus zwischen einem "Liberalismus", der bis zum Transhumanismus reicht und spirituellen Werten zurück, der bereits im Universalienstreit der Hochscholastik angelegt ist.

https://bersarin.wordpress.com/2022/04/24/putins-tote/#comment-22373

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Montag, 9. Mai 2022
Nach schwerem COVID-19 sinkt IQ und Gehirn altert um 20 Jahre; mRNA-Vakzin für Babys in Sicht; Zahnärzte sollen impfen
Michael van den Heuvel, Medscape


Corona-Newsblog, Update vom 9. Mai 2022
Das Infektionsgeschehen entwickelt sich weiter rückläufig. Mittlerweile ist die 7-Tage-Inzidenz auf 499,2 Fälle pro 100.000 Einwohner gesunken (6. Mai: 553,2). Das Robert Koch-Institut schätzt die Gefährdung durch COVID-19 für die Gesundheit der Bevölkerung nur noch als ?hoch? ein, aber nicht mehr als ?sehr hoch?.

Bald 1. COVID-19-Vakzin für Kleinkinder ab 6 Monaten?

Verlängerung der Coronavirus-Impfverordnung: Zahnärzte sollen impfen

Gesetzesentwurf zur Triage bei COVID-19: Laufende Behandlungen abbrechen?

EMA: Modifizierte COVID-19-Vakzine spätestens bis September

US-Arzneimittelbehörde schränkt Verwendung des COVID-19-Impfstoffs von Janssen ein

Durch COVID-19 altert das Gehirn um 20 Jahre

Peginterferon Lambda als Therapie: Zulassungsantrag noch im 2. Quartal 2022?

Bald 1. COVID-19-Vakzin für Kleinkinder ab 6 Monaten?
Moderna hat bei der EMA eine Änderung der bedingten Marktzulassung für 2 Dosen seines Vakzins mRNA-1273 (Spikevax®) beantragt. Die Zulassung soll auf Kinder im Alter von 6 Monaten bis unter 6 Jahren ausgeweitet werden. Läuft alles nach Plan, wäre Spikevax® das 1. Vakzin für diesen Altersbereich.

Positive Zwischenergebnisse aus der Phase-2/3-KidCOVE-Studie zeigten laut Pressemeldung eine robuste neutralisierende Antikörperreaktion in der Altersgruppe nach einer Primärserie mit 2 Dosen. Antikörpertiter bei Probanden im Alter von 6 Monaten bis zu 23 Monaten und von 2 Jahren bis unter 6 Jahren seien mit Titern Erwachsener aus der COVE-Studie vergleichbar gewesen, so Moderna.

Als Wirksamkeit des Impfstoffs geben die Forscher 51% (95%-KI: 21%-69%) für Kinder im Alter von 6 Monaten bis < 2 Jahre an. In der Altersgruppe 2 Jahre bis < 6 Jahre nennt der Hersteller 37% (95%-KI: 13%-54%) ? jeweils bezogen auf die Vermeidung von Infektionen mit positivem PCR-Test.

Eine vergleichbare Effektivität habe man bei Erwachsenen gegen Omikron gesehen, heißt es weiter. Auch das Verträglichkeitsprofil sei ähnlich gewesen.

Verlängerung der Coronavirus-Impfverordnung: Zahnärzte sollen impfen
Derzeit kursiert ein Entwurf zur Änderung der Coronavirus-Impfverordnung (CoronaImpfVo). Die wichtigsten Punkte im Überblick:

Künftig dürfen auch Zahnärzte gegen COVID-19 impfen und diese Leistungen abrechnen.

Impfzentren und mobile Impfteams erhalten weiterhin finanzielle Unterstützung vom Bund.

Geflüchtete aus der Ukraine erhalten in Impfzentren bzw. durch mobile Teams Schutzimpfungen gegen COVID-19, Masern, Röteln, Mumps, Diphterie und Keuchhusten.

Mit der Änderung will das Bundesgesundheitsministeriums die am 31. Mai 2022 auslaufende Verordnung bis zum 25. November 2022 zu verlängern. Spätestens 1 Jahr nach Beendigung der epidemischen Lage von nationaler Tragweite tritt die CoronaImpfVo außer Kraft.

Gesetzesentwurf zur Triage bei COVID-19: Laufende Behandlungen abbrechen?
Aus Berlin kommen noch weitere Neuerungen, um sich auf neue Ausbrüche vorzubereiten. Auf Intensivstationen steigt die Zahl leerer Betten. Dennoch treibt das Bundesministerium für Gesundheit ein Gesetz zur Triage bei COVID-19 voran; mehreren Medien liegt der neue Entwurf vor. Der Druck, aktiv zu werden, ist auf einen Beschluss des Bundesverfassungsgerichts von Ende Dezember 2021 zurückzuführen.

In dem neuen Vorschlag heißt es unter anderem: ?Bei bereits zugeteilten pandemiebedingt nicht ausreichend vorhandenen überlebenswichtigen intensivmedizinischen Behandlungskapazitäten ist eine Zuteilungsentscheidung (?) von drei mehrjährigen intensivmedizinisch erfahrenen praktizierenden (?) Fachärzten mit der Zusatzausbildung Intensivmedizin einvernehmlich zu treffen, die den Patienten (?) unabhängig voneinander begutachtet haben.?

Das bedeutet: Bei knappen intensivmedizinischen Ressourcen soll es künftig möglich sein, eine bereits begonnene Behandlung zugunsten eines Patienten mit höherer Überlebenschance abzubrechen. Fachliche Stellungnahmen zur Formulierung werden in Kürze erwartet.

EMA: Modifizierte COVID-19-Vakzine spätestens bis September
Neues gibt es auch von der Impfstoffentwicklung zu berichten. ?Wir sollten uns auf das Auftreten von neuen SARS-CoV-2-Varianten und einem möglichen Anstieg der Fallzahlen im kommenden Winter vorbereiten?, sagt Dr. Marco Cavaleri, EMA-Direktor für Impfstrategien. Dazu gehöre auch die Entwicklung von Varianten-Impfstoffen. Die besten Chancen räumt er mRNA-Vakzinen von Biontech/Pfizer und Moderna ein. Es gehe aber darum, alle 5 in der EU zugelassenen Impfstoffe zu modifizieren, so Cavaleri. ?Unsere Priorität ist es, dass adaptierte Vakzine möglicherweise bis spätestens September zugelassen sind.?

US-Arzneimittelbehörde schränkt Verwendung des COVID-19-Impfstoffs von Janssen ein
Der COVID-19-Impfstoff von Janssen erhielt am 27. Februar 2021 eine Notfallzulassung der US Food and Drug Administration (FDA). Bald darauf meldeten Ärzte die ersten 6 Fälle mit Vakzin-induzierter immunthrombotischer Thrombozytopenie (VITT), auch Thrombose-mit-Thrombozytopenie-Syndrom (TTS) genannt. Das höhere Risiko bis zum Zeitraum von etwa 2 Wochen nach der Impfung rechtfertige die Einschränkung der Zulassung, schreibt die FDA. Sie nennt als Melderate 3,23 TTS-Fälle und 0,48 TTS-Todesfälle pro 1 Million verabreichter Impfstoffdosen.

Deshalb beschränkt die FDA den Einsatz auf Personen ab 18 Jahren, für die andere zugelassene COVID-19-Impfstoffe nicht verfügbar oder klinisch nicht geeignet sind sowie auf Personen ab 18 Jahren, die sich für den Janssen-COVID-19-Impfstoff entscheiden, weil sie andernfalls nicht geimpft würden.

Durch COVID-19 altert das Gehirn um 20 Jahre
Beeinträchtigungen als Folge von schwerem COVID-19 führen zu kognitiven Leistungen, wie sie für Menschen zwischen 50 und 70 Jahren typisch sind. Dabei kam es zu einem Verlust von durchschnittlich 10 IQ-Punkten, so die Ergebnisse einer neuen Studie.

Forscher analysierten Daten von 46 COVID-19-Patienten, die im Addenbrooke's Hospital, Cambridge, England, auf einer Normal- oder Intensivstation behandelt worden waren. Alle Teilnehmer wurden zwischen März und Juli 2020 aufgenommen; 16 wurden während ihres Krankenhausaufenthaltes mechanisch beatmet.

Rund 6 Monate nach der akuten Erkrankung folgten detaillierte computergestützten kognitiven Tests, um Gedächtnis, Aufmerksamkeit und logisches Denken zu messen. Es wurden auch Scores eingesetzt, die Angst, Depression und posttraumatische Belastungsstörung quantifizieren. Alle Daten wurden mit Kontrollen verglichen.

COVID-19-Überlebende waren bei den Tests weniger genau und hatten langsamere Reaktionszeiten als die entsprechende Kontrollpopulation ? und diese Defizite waren immer noch nachweisbar, als Patienten 6 Monate später nachuntersucht wurden. Die Auswirkungen waren am stärksten für Personen, die eine mechanische Beatmung benötigt hatten. Aufgrund eines Vergleichs mit 66.008 Kontrollpersonen aus der Bevölkerung schätzen die Forscher, dass das Ausmaß des kognitiven Verlusts im Durchschnitt 20 Lebensjahren entspricht, bei einem Verlust von 10 IQ-Punkten.

Überlebende erzielten besonders schlechte Ergebnisse bei Aufgaben wie dem verbalen Analogieschluss. Sie zeigten auch langsamere Verarbeitungsgeschwindigkeiten, was mit früheren Beobachtungen nach COVID-19 über einen verringerten Glukoseverbrauch im frontoparietalen Netzwerks des Gehirns übereinstimmt: einer Region, die unter anderem für Aufmerksamkeit, komplexe Problemlösung und Arbeitsgedächtnis verantwortlich ist.

Um ihre Beobachtungen zu erklären, führen die Autoren mehrere Hypothesen an: Eine direkte Virusinfektion sei zwar denkbar, schreiben sie, aber wahrscheinlich keine Hauptursache. Stattdessen halten sie es für wahrscheinlicher, dass eine Kombination von Faktoren dazu beitrage, einschließlich unzureichender Sauerstoff- oder Blutversorgung des Gehirns, Blockierung großer oder kleiner Blutgefäße aufgrund von Blutgerinnseln sowie mikroskopischer Blutungen. Systemische Entzündungsreaktion kämen ebenfalls infrage.

Peginterferon Lambda als Therapie: Zulassungsantrag noch im 2. Quartal 2022?
Eiger BioPharmaceuticals berichtet in einer Pressemeldung über Peginterferon Lambda zur Therapie von COVID-19. Aufgrund von Ergebnissen der Phase-3-Studie TOGETHER mit mehr als 1.900 Personen soll eine Notfallzulassung bei der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) beantragt werden.

Eine Einzeldosis Peginterferon Lambda verringerte laut Meldung das Risiko von Krankenhausaufenthalten oder Behandlungen in der Notaufnahme um 50% in einer überwiegend geimpften Population.

Das Präparat stimuliert Immunantworten, welche für die angeborene Abwehr entscheidend sind, mit einem Wirkmechanismus, der wahrscheinlich durch Varianten wie Omikron nicht ausgehebelt wird.

https://deutsch.medscape.com/artikelansicht/4911140?uac=389796AZ&faf=1&sso=true&impID=4232447&src=WNL_mdplsfeat_220509_mscpedit_de#vp_3

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Sonntag, 8. Mai 2022
Compliments
Aus einer spontanen Stimmung heraus sagte ich heute nach dem Training einer Sportskumpeline was für eine tolle Frau sie sei. Dafür erntete ich ein "Danke!" und das strahlendste Lächeln der Welt.

Sollte mich öfter so verhalten;-)

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Befreiung vom Faschismus
Zu diesem Gedenktag hat Bersarin ein paar passende Worte gefunden:

https://bersarin.wordpress.com/2022/05/08/9-mai-tag-der-russischen-schande/

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Freitag, 6. Mai 2022
Erste Hilfe an der Grenze: Eine Medizinjournalistin und Ärztin hat ukrainischen Flüchtlingen in Polen geholfen
Daniela Ovadia, Agenzia Zoe


Als ich in Mailand mit einem Sanitäter des Zivilschutzes und einem Neurologen des Niguarda-Krankenhauses ins Auto gestiegen bin, um an die polnisch-ukrainische Grenze zu fahren, hatte ich keine besonderen Erwartungen. Ich wollte nur dieses Gefühl der Hilflosigkeit bekämpfen, das ich habe, seit ich den Krieg Russlands gegen die Ukraine vom Sofa meines Wohnzimmers aus verfolge.

Dringend benötigte Medikamente für Przemysl
Unsere Aufgabe war, dringend benötigte Medikamente von der Universität Pavia und von privaten Spendern in die polnische Stadt Przemysl (sprich: Pshemishl) zu bringen. Dort gibt es ein Durchgangszentrum für ukrainische Flüchtlinge. Sowohl meine Aufgabe als auch mein Bestimmungsort waren vor allem dem Zufall geschuldet.

Ich hatte Kontakte zu einer Gruppe, die innerhalb des Flüchtlingszentrums einen kleinen Kindergarten betreibt. Er ermöglicht es Müttern, die von ihrer oft tagelangen Reise erschöpft sind, ihre Kinder für ein paar Stunden in vertrauenswürdige Hände zu geben. Sie brauchen diese Zeit, auch um sich um Dokumente zu kümmern und Asylanträge vorzubereiten.

In 19 Stunden von Mailand bis an die ukrainische Grenze
Der Weg von Mailand bis zur ukrainischen Grenze ist lang. Die Reise dauert 19 Stunden, einschließlich Pausen, und führt durch Österreich, Ungarn, die Tschechische Republik und ganz Polen.

Weder ich, die als Redakteurin von Univadis Italia und als Forscherin an der Universität arbeitet, noch meine Begleiter hatten zuvor Erfahrungen mit freiwilliger Arbeit als Sanitäter vor Ort gemacht. Aber wir hatten gehört, dass die Zahl der Flüchtlinge weiter steige und dass jeder mit medizinischem Fachwissen willkommen sei.

Sich nützlich machen ? ein Weg aus der Hilfslosigkeit?
Eine freie Woche über die Osterfeiertage schien die perfekte Gelegenheit zu sein, um zu sehen, ob wir uns nützlich machen könnten. Selbst wenn wir vielleicht nur bei der Verteilung von Kleidung und warmen Speisen helfen sollten.


Grenzübergang zwischen Polen und der Ukraine in Medyka: Nach dem Grenzübertritt warten Sanitäts- und Schutzzelte verschiedener NGOs auf die Flüchtlinge, die es nicht mehr weiter bis ins Durchgangszentrum in Przemysl schaffen. ©

Zum medizinischen Wachdienst direkt an die Grenze
Vor Ort angekommen hatten wir nicht einmal Zeit, um uns als Freiwillige im Flüchtlingszentrum zu registrieren. Unser lokaler Kontakt rief an, weil die französisch-israelische NGO Rescuers Without Borders dringend nach medizinischem Personal suchte. Die Organisation betreibt ein Sanitätszelt an der Grenze zur Ukraine in der nahe Przemysl gelegenen Stadt Medyka und hatte Wachdienste zu besetzen. Wir sagten zu, noch bevor wir genau wussten, worauf wir uns einließen.

Nachdem unsere berufliche Qualifikation überprüft worden war, fanden wir uns in einem Armeezelt wieder. Es war direkt neben dem Grenztor auf einer im Schlamm sitzenden Holzplattform aufgestellt worden. Daneben befand sich ein großes Schutzzelt, in dem die NGO Frauen und Kinder notversorgte, die zu müde waren, um zum Flüchtlingszentrum zu gelangen.

Erste Hilfe an der Grenze: Eine Medizinjournalistin und Ärztin hat ukrainischen Flüchtlingen in Polen geholfen. Hier ihr Bericht ?
Daniela Ovadia ? Agenzia Zoe

INTERESSENKONFLIKTE 5. Mai 2022
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Eine lange Reihe von Zelten säumt die Straße
Die Sanitätsstation von Rescuers without Borders in Medyka ist Teil einer langen Reihe von Zelten, welche die Straße entlang der Grenze säumen. Flüchtlinge, die mit Koffern und Tieren im Schlepptau zu Fuß aus der Ukraine kommen, haben keine andere Wahl, als sie zu passieren.

Selbst wenn die Sonne scheint, ist es dort immer noch eiskalt. Wer die Grenze überquert, hat oft schon mindestens 8 Stunden in der Schlange vor den Grenzkontrollen in der Kälte verbracht. Manche der Freiwilligen übernehmen die Verteilung von warmer Kleidung, Getränken und Lebensmitteln. Andere helfen mit SIM-Karten für kostenlose Telefonate, die die größten europäischen Telefongesellschaften zur Verfügung stellen.


Flüchtlinge warten auf der ukrainischen Seite der Grenze darauf, nach Polen einreisen zu dürfen ? oft über viele Stunden bei noch immer eisiger Kälte. © Daniela Ovadia

Basisversorgung an Medikamenten und Geräten
Den medizinischen Mitarbeitern vor Ort steht eine Basisapotheke zur Verfügung, die nach Vorgaben der Vereinten Nationen klassifizierte Notfallmedikamente enthält: entzündungshemmende und blutdrucksenkende Mittel, Insulin, einige orale Antidiabetika, Breitbandantibiotika, dermatologische Salben, Antiepileptika (vor allem Phenobarbital und Carbamazepin), Steroide und zahlreiche Anxiolytika sowie pädiatrische Formulierungen der gängigsten Medikamente. Außerdem gibt es eine Notfalltasche (die wir zum Glück nie benutzen mussten) und einen halbautomatischen Defibrillator.

Frauen, Kinder und ältere Menschen mit unterschiedlichen Leiden
Vor allem Frauen mit Kindern, die oft noch sehr klein sind, und ältere Menschen passieren die Grenze. Die meisten Personen, die wir behandeln mussten, hatten chronische Krankheiten wie Diabetes oder Bluthochdruck. Sie waren oft während ihrer gesamten Flucht ohne medikamentöse Versorgung. In einigen Fällen ? etwa wenn sie aus Kriegsgebieten kamen ? sogar noch länger. Auch Angststörungen waren häufig, mit Atemnot oder richtigen Panikattacken.

Ich wollte nur dieses Gefühl der Hilflosigkeit bekämpfen Daniela Ovadia
Viele der geflüchteten Frauen begreifen erst, dass sie ihr Zuhause verloren haben, wenn sie sich tatsächlich in einem fremden Land widerfinden. Ihre Ehemänner und Lebensgefährten müssen sie in der Ukraine zurücklassen, da Männer im wehrfähigen Alter nicht ausreisen dürfen.

Decken und Laken, die schon von anderen benutzt wurden
Die Notunterkünfte sind recht gut ausgestattet. Dennoch schläft man auf behelfsmäßigen Pritschen mit Decken und Laken, die zuvor schon von anderen benutzt wurden.

Ältere Menschen leiden häufig an starken Gelenk- und Muskelschmerzen Daniela Ovadia
Ältere Menschen leiden häufig an starken Gelenk- und Muskelschmerzen. Sie sind die Folge tage- oder wochenlanger Aufenthalte in kalten Kellern, wo sie auf behelfsmäßigen Betten schlafen mussten, um sich vor den Bomben zu schützen. Häufig sind sie auch dehydriert und dekompensiert.


Sanitäts- und Schutzzelte am Grenzübergang Medyka: Viele Menschen überqueren die Grenze nach Polen mit ihren Haustieren. So bleibt es nicht aus, dann mancher Hilfsorganisationsmitarbeiter auch einmal beim Gassigehen aushilft. © Daniela Ovadia

Kriegsverletzungen sind bei den Flüchtlingen selten
Nur in 2 Fällen hatten wir es mit Kriegsverletzungen zu tun. Eine Frau kam vom Bahnhof Kramatorsk, der während des Transports eines Flüchtlingskonvois von Russen bombardiert worden war. Sie hatte einen Verband, der einen bläulich-roten, eindeutig infizierten und ödematösen Fuß verbarg. Wir nahmen an, dass ein Splitter aus Metall oder einem anderen Material in ihren Fuß eingedrungen war. Denn durch die Hitze der Explosion hatten sich noch andere Splitter mit dem Kunststoff ihres Anoraks verklebt.

Wir konnten ihr lediglich intravenös ein Antibiotikum verabreichen und sie zum polnischen Roten Kreuz schicken - in der Hoffnung, dass dort wenigstens ein Röntgenbild gemacht wird. Ein weiteres Opfer von Kriegsverletzungen war ein junger Mann, der mit einem klassischen Ödem als Folge einer Explosion vorgestellt wurde. Sanitäter hatten ihn mit Kompressionsverbänden behandelt.

Ärzte aller Fachrichtungen ohne spezielle Ausbildung
Man ist nie wirklich bereit, Kriegsverletzungen zu behandeln, aber man ist noch weniger darauf vorbereitet, wenn man nie eine spezifische Ausbildung in diesem Bereich erhalten hat. Die Ärzte, die in diesen vorübergehend von NGOs verwalteten Strukturen arbeiten, kommen aus verschiedenen Fachrichtungen.

Man ist nie wirklich bereit, Kriegsverletzungen zu behandeln Daniela Ovadia
Fast immer sind Internisten darunter, und zwar aus ganz unterschiedlichen Ländern. Wir haben mit einem indischen Arzt, mit 2 Amerikanern, mit 2 Israelis und mit einem französischen Arzt zusammengearbeitet. Oft sind sie nur für kurze Zeiträume, etwa 10 Tage bis zu 3 Wochen, vor Ort. Ihnen steht eine medizinische Grundausstattung zur Verfügung, die für echte Notfälle nicht geeignet ist.


Das Sanitätszelt der NGO Rescuers without Borders am Grenzübergang in Medyka steht auf einer im Schlamm sitzenden Holzplattform. © Daniela Ovadia


Den freiwilligen Hilfskräften steht im Sanitätszelt eine Grundausstattung an medizinischem Material und Medikamenten zur Verfügung, zur Behandlung von Notfällen ausgerüstet ist es nicht. © Daniela Ovadia

Viele Medikamente fehlen
Ein weit verbreitetes Problem war der Mangel an Medikamenten. Von den Vereinten Nationen empfohlene Kits enthalten zwar wichtige Wirkstoffe. Diese decken aber nicht einmal annähernd das breite Spektrum an Verodnungen ab, mit denen die Patienten zu uns ins Zelt kamen. Es ist nicht immer möglich, ein Medikament durch ein anderes zu ersetzen - zumindest nicht ohne einen angemessenen Beobachtungszeitraum oder eine überlappende Behandlung. Beides war in unserer Situation nicht möglich.

Ein weit verbreitetes Problem war der Mangel an Medikamenten Daniela Ovadia
Der komplizierteste Fall, mit dem wir uns befassen mussten, war eine junge Epilepsiepatientin, die in der Warteschlange an der Grenze einen Anfall erlitt. Wir hatten ihre Medikamente nicht zur Hand. Nur dank eines Glücksfalls und dank der Hartnäckigkeit einiger Freiwilliger, die buchstäblich alle örtlichen medizinischen Zentren absuchten, konnten wir einige der fehlenden Medikamente beschaffen. Die Frau war mit ihrem 10-jährigen Sohn im Schlepptau unterwegs, und nach einer Nacht unter Beobachtung im Sanitätszelt setzte sie ihre Reise zu ihrem Zielort in Deutschland fort.

Belastete Mütter, gefährdete Kinder
Oft mussten wir bei der Auswahl einer Behandlung auch die Verantwortlichkeiten der Patienten berücksichtigen: Bei alleinerziehenden Müttern mit einem oder mehreren Kindern können bewusstseinsverändernde oder schläfrig machende Medikamente wie Benzodiazepine nicht verabreicht werden. Denn leider hat es schon Fälle von Kindesmissbrauch gegeben und es gibt nicht ausreichend Personal, das sich um die Kleinen kümmern kann, während sich die Eltern ausruhen.

Schlechte Chancen bei seltenen Erkrankungen
Medikamente gegen seltene Erkrankungen waren nirgends zu finden, obwohl sie lebensrettend sein können. Wir mussten einem Myasthenie-Patienten helfen, bei dem sich die Symptome schnell verschlimmert hatten und der an Schluckbeschwerden litt. Um zu vermeiden, dass wir ihn im Falle einer Beeinträchtigung der Atemmuskulatur hätten intubieren müssen, schickten wir ihn ins städtische Krankenhaus. Unsere Hoffnung war, dass sie dort wenigstens Physiostigmin zur Verfügung haben würden

Polnisches Gesundheitssystem in den Grenzstädten kurz vor dem Zusammenbruch
Wir wissen nicht, was mit ihm geschehen ist. Der Übersetzer, der ihn begleitete, erzählte uns von einer überstürzten und wenig einfühlsamen Aufnahme durch das örtliche Personal. Das ist durchaus verständlich, wenn man bedenkt, dass das gesamte polnische Gesundheitssystem in den Grenzstädten zur Ukraine am Rande des Zusammenbruchs steht und das Personal ausgebrannt ist.

Leider hat es schon Fälle von Kindesmissbrauch gegeben. Daniela Ovadia
Allein in Przemysl, einer Stadt mit etwa 60.000 Einwohnern, sind in den letzten anderthalb Monaten schätzungsweise 3.000 Flüchtlinge pro Tag angekommen.

Fast alle Freiwilligen haben sich mit SARS-CoV-2 infiziert
COVID-19 ist vor Ort ein großes Problem, nur befasst sich niemand damit. Das Flüchtlingszentrum in Przemysl, das in einem stillgelegten Einkaufszentrum befindet, beherbergt etwa 4000 Menschen. Sie werden in ehemaligen Geschäften untergebracht, eine Fahne davor signalisiert das endgültige Reiseziel.

COVID-19 ist vor Ort ein großes Problem, nur befasst sich niemand damit. Daniela Ovadia
Es gibt keine Fenster, kein natürliches Licht und natürlich auch keine wirksamen Belüftungssysteme. Feldbetten nehmen jeden freien Platz ein, selbst in den Gängen.

Nur Freiwillige werden zu Beginn mit einem Antigen-Schnelltest untersucht, danach nie wieder. Die Verwendung von Masken ist nicht vorgesehen und in einer solchen Umgebung ohnehin fast unmöglich. Fast alle Freiwilligen haben sich infiziert oder rechnen damit, dass sie sich bald infizieren werden.

Viel Spielraum für Verbesserungen
Alles in allem war die Erfahrung heftiger und intensiver, als ich erwartet hatte. Ich weiß nicht, ob wir mit unserer Absicht, zu helfen, Erfolg hatten. Sicher ist, dass es zumindest bei der medizinischen Grundversorgung noch sehr viel Spielraum für Verbesserungen gibt. Eine bessere Koordinierung zwischen den NGOs, den örtlichen Gesundheitszentren und dem endgültigen Bestimmungsort der Flüchtlinge ist ebenfalls erforderlich - vor allem, um den komplexesten Fällen die richtige Unterstützung zukommen zu lassen.

Psychologische Betreuung braucht bessere Koordination
Der psychologische Aspekt ist von grundlegender Bedeutung, um die Verfestigung posttraumatischer Belastungsstörungen zu vermeiden. Er wird jedoch nur von ehrenamtlichen Mitarbeitern übernommen, deren Fähigkeiten begrenzt sind. Es wäre auch an dieser Stelle hilfreich, professionelle Maßnahmen unter der Leitung von Notfallexperten besser zu koordinieren.

Der Beitrag ist im Original erschienen auf Univadis.it und wurde von Michael van den Heuvel übersetzt.

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Vorsicht bei vegetarischer Ernährung für Kinder: Langzeitstudie liefert Hinweise zu höherem Risiko für Untergewicht
Antje Sieb, Medscape


Eine leichte Tendenz zum Untergewicht ? das ist der Hauptunterschied zwischen vegetarisch und nicht-vegetarisch ernährten Kindern, den kanadische Forscher in einer Längsschnittstudie gefunden haben. Dazu haben die Wissenschaftler fast 9.000 Kinder bis zum Alter von 8 Jahren über mehrere Jahre beobachtet. Das Autorenteam um Laura J. Elliott von der Universität Toronto publizierte die Studienergebnisse in Pediatrics.

Ernährungswissenschaftlerin Dr. Ute Alexy von der Universität Bonn hat zum gleichen Thema Querschnittsvergleiche in Deutschland durchgeführt. ?Die Studie bestätigt eigentlich die Ergebnisse unserer VeChi Diet-Studie, in der wir Kinder zwischen 1 und 3 Jahren untersucht haben. Es gab einen etwas höheren Anteil von zu kleinen und zu leichten Kindern bei den vegetarisch und bei uns auch bei den vegan ernährten Kindern?, erklärt die Bonner Forscherin im Gespräch mit Medscape.

Allerdings könnte die festgestellte Tendenz auch andere Gründe haben, erklärt Ernährungsmediziner Dr. Peter von Philippsborn von der Ludwig-Maximilians-Universität München: ?Da die Anzahl der Kinder mit Untergewicht in der Studie insgesamt sehr niedrig war, ist der scheinbare Unterschied zwischen den 2 Gruppen möglicherweise auf einen Zufallseffekt zurückzuführen.? Auch der höhere Anteil an asiatisch-stämmigen Kindern in der vegetarisch ernährten Gruppe könnte möglicherweise die Ergebnisse beeinflussen.

Bei vegetarischer Ernährung Wachstum beobachten
Gewicht und Größe vegetarisch ernährter Kinder sollte man trotzdem im Auge behalten, um im Fall des Falles eingreifen zu können, empfiehlt Ernährungswissenschaftlerin Alexy. ?Man muss dann überprüfen, ob sie genügend Energie und genügend Eiweiß bekommen und eventuell intervenieren. Das heißt nicht, dass sie unbedingt Fleisch essen müssen, man kann das auch im Rahmen der vegetarischen Ernährung optimieren.?

Bei den Ergebnissen zu Blutfettwerten sieht Alexy ebenfalls Parallelen zu eigenen Studien in Deutschland. Denn bei vegetarisch ernährten Kindern, die zusätzlich wenig oder keine Kuhmilch tranken, waren die Blutfettwerte in der kanadischen Studie tendenziell niedriger als bei omnivor ernährten Kindern.


?Die Arteriosklerose beginnt schon im Kindesalter, und auch in der VeChi Youth-Studie, bei den 6- bis 18-Jährigen, hatten wir Unterschiede in den Blutlipiden gefunden. Die Werte waren tendenziell etwas besser bei den pflanzenbasiert ernährten Kindern und Jugendlichen als bei den omnivor ernährten?, berichtete Alexy.

Generell kann eine vegetarische Ernährung bei Kindern nach den Ergebnissen der nun vorliegenden Studie offenbar funktionieren. ?Diese Ergebnisse stehen im Einklang mit früheren Untersuchungen aus anderen Ländern, die ebenfalls zeigten, dass eine ausgewogene, abwechslungsreiche vegetarische Ernährung Kinder und Erwachsene gleichermaßen mit allen notwendigen Nährstoffen versorgt und eine normale kindliche Entwicklung ermöglicht?, erklärt Philippsborn.

Aussagen zu veganer Ernährung nicht möglich
Allerdings betonen die Autoren selbst, dass längere Studien mit detaillierteren Daten zur Ernährung notwendig sind, um noch offene Fragen zu beantworten.

Beispielsweise ist es anhand der aktuellen Studie aus Kanada nicht möglich, unterschiedliche Formen einer vegetarischen Ernährung zu vergleichen. Denn von den beinahe 9.000 erfassten Kindern lebten zwar 248 durchgehend vegetarisch. Vegan ernährten sich aber nur 25 davon ? zu wenig für eine eigene Auswertung.

In der Studie wurden auch keine Blutwerte von Vitamin B12 überprüft, ein für Veganer kritisches Vitamin, dass supplementiert werden muss. Allerdings kann B12 auch bei vegetarischer Ernährung ein Problem sein, sagt Alexy auf Anfrage von Medscape: ?Vegetarisch ernährte Kinder sollten gelegentlich Vitamin B12 einnehmen, weil sie häufig vergleichsweise wenig Milch trinken. Sie trinken zum Teil auch pflanzenbasierte Drinks, und darin ist natürlich kein Vitamin B12 enthalten.?

Nach Schätzungen ernähren sich rund 10% aller Deutschen inzwischen vegetarisch und mindestens 1% der Bevölkerung sogar strikt vegan. Prof. Dr. Hans Hauner
Insgesamt ist die Wissenschaftlerin froh über Langzeitdaten zur vegetarischen Ernährung von Kindern. Denn die seien bisher Mangelware. In der kanadischen Studie wurden die Kinder nun im Schnitt über knapp 3 Jahre beobachtet. ?Besser wären noch längere Zeiträume, aber immerhin ist das die erste Langzeitstudie, die mir bekannt ist, und insofern ist das auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung?, so Alexy.

Denn vegetarische und vegane Ernährungsformen setzen sich gerade bei jungen Menschen zunehmend durch, ergänzt Prof. Dr. Hans Hauner, Direktor des Else-Kröner-Fresenius Zentrums für Ernährungsmedizin an der TU München: ?Nach Schätzungen ernähren sich rund 10% aller Deutschen inzwischen vegetarisch und mindestens 1% der Bevölkerung sogar strikt vegan. Dabei handelt es sich nicht selten um junge Familien mit Kleinkindern.?

Eine vegetarische Ernährung von Kindern hält die Deutsche Gesellschaft für Ernährung grundsätzlich für möglich. Von einer veganen Ernährung rät sie allerdings weiterhin ab ? die Experten halten das Risiko für zu groß, dass die Kinder nicht ausreichend mit allen wichtigen Nährstoffen versorgt werden.


https://deutsch.medscape.com/artikelansicht/4911135?uac=389796AZ&faf=1&sso=true&impID=4223291&src=WNL_mdplsfeat_220505_mscpedit_de#vp_2

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Hinweis auf mehr Impf-Nebenwirkungen; Risikofaktoren für schweres COVID-19 altersabhängig; neue Daten zu Paxlovid®
Michael van den Heuvel, Medscape



Das Infektionsgeschehen entwickelt sich weiter rückläufig. Mittlerweile ist die 7-Tage-Inzidenz auf 566,8 Fälle pro 100.000 Einwohner gesunken (Vortag 591,8).

Ähnliche Trends zeigen sich beim Testgeschehen, wie eine Datenanalyse der Akkreditierten Labore in der Medizin (ALM) ergeben hat. In Woche 17 wurden insgesamt 1.013.650 PCR-Untersuchungen in ALM-Laboren durchgeführt (KW 16: 986.930, KW 15: 1.073.894, KW 14: 1.462.201). 435.685 PCR-Tests waren positiv befundet (KW 16: 515.818, KW 15: 599.490, KW 14: 735.663). Sowohl die Gesamtzahl der Tests als auch die Zahl der positiv befundeten Tests entwickelt sich stark rückläufig.

Real-World-Daten: Deutlich mehr Impf-Nebenwirkungen als bekannt

COVID-19-Risikofaktoren unterscheiden sich je nach Alter der Patienten

Forscherin ausgezeichnet: Biomarker für schweres COVID-19

Paxlovid® keine Option zur Postexpositionsprophylaxe

Real-World-Daten: Deutlich mehr Impf-Nebenwirkungen als bekannt


Prof. Dr. Harald Matthes von der Charité-Universitätsmedizin, Berlin, untersucht zusammen mit Kollegen Nebenwirkungen von SARS-CoV-2-Vakzinen. Bei ImpfSurv, einer Beobachtungsstudie, erfassen Teilnehmer online Beschwerden nach Impfungen oder durch COVID-19. Außerdem werden Fragen zur mentalen Gesundheit (PHQ-9, GAD-7 und PHQ-Stressmodul) beantwortet. An der Studie nehmen bundesweit 40.000 Personen teil.

Gegenüber Medien hat Matthes jetzt Zwischenergebnisse nach 1-jähriger Laufzeit der Studie vorgestellt. Schwere Nebenwirkungen haben demnach 8 von 1.000 Geimpften gemeldet ? das 40-mal häufiger als vom Paul-Ehrlich-Institut (PEI) genannt. ?Die Zahl ist nicht überraschend?, so Matthes. ?Sie entspricht dem, was man aus anderen Ländern, wie Schweden, Israel oder Kanada kennt.? Bei Impfstoffen gegen Polio oder Masern sei die Zahl schwerer Nebenwirkungen deutlich geringer.

COVID-19-Risikofaktoren unterscheiden sich je nach Alter der Patienten
Impfungen schützen vor schwerem COVID-19, doch welche Faktoren beeinflussen den Schweregrad dieser Krankheit noch? Erste Risikomodelle für Krankenhauspatienten wurden schon zu Beginn der Pandemie entwickelt, müssen jedoch aktualisiert werden.

Im Rahmen einer retrospektiven Studie wurden Daten von 6.906 hospitalisierten Erwachsenen mit COVID-19 aus einem Gesundheitssystem in 5 US-Staaten analysiert. Die Forscher haben Risikomodelle zur Vorhersage von mechanischer Beatmung oder Tod über einen bis 56 Tage des Krankenhausaufenthalts entwickelt, wobei klinische Daten verwendet wurden, die innerhalb der 1. Stunde nach der Aufnahme mit COVID-19 oder einem ersten positiven SARS-CoV-2-Test verfügbar waren.

Einige der wichtigsten Erkenntnisse:

Der Body-Mass-Index ist bei jüngeren Patienten ein wichtigerer Prädiktor für den Schweregrad von COVID-19 als bei älteren Patienten.

Viele Komorbiditäten wie Krebs, Kardiomyopathie und COPD weisen bei jüngeren Patienten höhere Odds Ratios für schwere Verläufe auf als bei älteren Patienten.

Sowohl für ältere als auch für jüngere Patienten sind Vitalfunktionen, frühe Krankenhauslabortests und der Bedarf an zusätzlichem Sauerstoff nützlicher für die Vorhersage schwerwiegender Folgen als Komorbiditäten und demografische Daten.

?Diese Studie stellt unser Dogma in Frage, dass Komorbiditäten die Hauptursachen für schwerwiegende Folgen wie mechanische Beatmung oder Tod bei Krankenhauspatienten mit COVID-19 sind?, kommentiert Dr. Jason Goldman, Spezialist für Infektionskrankheiten bei Swedish Providence und Mitglied des Studienteams. ?Stattdessen stellen wir fest, dass andere physiologische Merkmale, die innerhalb einer Stunde nach dem Krankenhausaufenthalt gemessen werden können, stärker vorhersagen, wer schwerwiegende Folgen haben wird.?

Paxlovid® keine Option zur Postexpositionsprophylaxe
Nirmatrelvir/Ritonavir (Paxlovid®) von Pfizer konnte laut Zwischenergebnissen einer Phase-II/III-Studie das Risiko, dass sich Haushaltsangehörige von Infizierten selbst anstecken, nicht signifikant verringern.

Für ihre Analyse werteten die Forscher Daten von 2.957 Erwachsenen aus. Teilnehmer der Studie hatten einen negativen SARS-CoV-2-Antigen-Schnelltest und waren asymptomatisch, hatten jedoch innerhalb von 96 Stunden Kontakt mit einer infizierten Person. Sie wurden randomisiert (1:1:1) und erhielten 2-mal täglich

Paxlovid® für 5 Tage, gefolgt von Placebo für 5 Tage

Paxlovid®für 10 Tage

Placebo für 10 Tage

In dieser Studie beobachtete Pfizer im Vergleich zu Placebo zwar eine Risikominderung von 32% bzw. 37% bei Erwachsenen, die Paxlovid® 5 bzw. 10 Tage lang erhielten. Diese Ergebnisse unterschieden jedoch statistisch nicht signifikant voneinander.

Paxlovid® ist seit dem 28. Januar in der Europäischen Union zugelassen. Es soll Das Medikament soll zur Behandlung von symptomatischen, nicht hospitalisierten Patienten mit COVID-19 ohne zusätzlichen Sauerstoffbedarf und erhöhtem Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf eingesetzt werden.

https://deutsch.medscape.com/artikelansicht/4911134?uac=389796AZ&faf=1&sso=true&impID=4223291&src=WNL_mdplsfeat_220505_mscpedit_de#vp_2

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Donnerstag, 5. Mai 2022
Verschwörungstheorien zum Ukraine-Krieg: Wer daran glaubt und wer nicht
https://www.gmx.net/magazine/politik/russland-krieg-ukraine/umfrage-zeigt-fuenfte-deutsche-glaubt-verschwoerungsmythen-ukraine-krieg-36837966

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Mittwoch, 4. Mai 2022
Intensivstation über den Wolken
So gelangen ukrainische Patienten mit der Bundeswehr zur Behandlung nach Deutschland

Michael van den Heuvel, M edscape


Die Bundeswehr hat auf 2 MedEvac-Flügen mit dem Spezialflugzeug Airbus A310 bislang 32 verletzte Personen und 12 Begleitpersonen nach Deutschland gebracht ? darunter mehrere verletzte Kinder. Die ukrainischen Patienten wurden in Polen aufgenommen. MedEvac steht für Medical Evacuation. Ein Blick hinter die Kulissen.

Was verbirgt sich hinter der A310 MedEvac?
Zum Einsatz kommt der Airbus A310, ein zweistrahliges Großraumflugzeug des europäischen Flugzeugherstellers Airbus. Es wurde zu einer fliegenden Intensivstation ausgebaut und ist von Köln-Wahn aus innerhalb von 24 Stunden startklar, um Erkrankte oder Verletzte auszufliegen.


Welche Logistik steckt hinter den Transporen?
Sind Krankenhäuser in der Ukraine oder in Anrainerstaaten überlastet, melden sie dies über ihre Behörden. In Deutschland bearbeitet das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe entsprechende Anfragen. Es stimmt sich mit der Bundeswehr und mit zivilen Unternehmen der Luftrettung ab, um geeignete Flugzeuge für Intensivtransporte zu bekommen.

Nach der Landung greift der aus Corona-Zeiten bekannte Kleeblatt-Mechanismus zur Verteilung der Patienten auf Krankenhäuser.

Kleeblatt Nord: Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg, Bremen, Niedersachsen

Kleeblatt Ost: Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thüringen

Kleeblatt West: Nordrhein-Westfalen

Kleeblatt Südwest: Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Baden-Württemberg

Kleeblatt Süd: Bayern

Ein weiteres Kleeblatt bildet das Gemeinsame Melde- und Lagezentrum von Bund und Ländern.

Welche Einsätze gab es vor dem Ukraine-Konflikt?
Einer der größten Einsätze war der Rücktransport von verletzten Deutschen nach dem Tsunami 2004 in Südostasien. Aber auch im Zuge der Corona-Pandemie wurden Patienten aus Italien bzw. aus Frankreich nach Deutschland verlegt. Darüber hinaus hat die Bundeswehr COVID-19-Patienten nach dem ?Kleeblatt-Konzept? innerhalb Deutschlands verteilt.
Das Flugzeug hat als weitere Besonderheit ein großes, seitliches Ladetor. Die insgesamt 4 Flugzeuge dieses Typs können innerhalb weniger Tage umgebaut werden; sie lassen sich auch als Tanker oder als Passagier- bzw. Truppentransporter nutzen. Darüber hinaus stehen der Bundeswehr mehrere A400M- und A319-Flugzeuge für den Patiententransport zur Verfügung.




Ukrainische Patienten landen mit dem Transportflugzeug A310 MedEvac auf dem Flughafen Köln-Wahn (am 11.04.2022)

Welche Kapazität hat das Flugzeug?
Das Flugzeug kann insgesamt 44 Patienten liegend transportieren, darunter 6 auf Patiententransporteinheiten, die nach intensivmedizinischen Standards ausgestattet sind.

Die bis zu 25-köpfige medizinische Crew überwacht und stabilisiert Patienten; sie greift ein, sollte sich der Zustand verschlechtern. Zum Team gehören Fachärzte, Fachpfleger, Rettungsassistenten, Rettungssanitäter, aber auch ein Fliegerarzt und ein Medizintechniker der Bundeswehr.




Soldaten betreuen die Übungsverletzten an den Patiententransporteinheiten im Airbus A400M beim Training AirMedEvac (Wunstorf, 13.09.2018)

Welche medizinische Ausstattung befindet sich an Bord?
Laut Bundeswehr-Angaben besteht jede Intensivtransport-Einheit aus:

Intensivbeatmungsgerät ?Evita 4?

Transportbeatmungsgerät ?Oxylog 3000?

Multi-Funktions-Monitor ?Propaq EL106?

2 Dreifach-Spritzenpumpen ?Combimat 2000?

Absaugpumpe ?Accuvac?

Zusätzlich sind an Bord:

16 Patientenmonitore ?Micropaq?

1 Blutgasanalysegerät ?I-Stat?

2 flexible Bronchoskope

1 tragbares Ultraschallsystem ?SonoSite?

6 Patientenwärmesysteme ?Barkey?

12-Kanal-EKG

2 Defibrillatoren

16 Dreifach-Spritzenpumpen ?Combimat 2000?

4 Medumat LifeBase III

4 Infusionspumpen ?IP 2000?

1 Zentralmonitorsystem

1 Kühlschrank für medizinische Kühlware

Medikamente und Spritzen zur Versorgung der Patienten für mindestens 24 Stunden.

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Montag, 2. Mai 2022
Neue Omikron Varianten; nach 3 Monaten sinkt Impfschutz deutlich; 5 Tage Quarantäne; weniger tödliche Verläufe unter Migranten
Michael van den Heuvel, Medscape


EU-weit haben sich nach Schätzungen der Europäischen Kommission schätzungsweise 60 bis 80% der EU-Bevölkerung mit COVID-19 infiziert. Die bundesweite 7-Tage-Inzidenz sinkt weiter auf 639,5 Infektionen pro 100.000 Menschen (29.4.: 758,5).

Auf die mittelfristige Entwicklung reagieren Gesundheitspolitiker von Bund und Ländern. Sie wollen die Isolation positiv Getesteter von 10 Tagen auf 5 Tage bundesweit verringern ? mit einer entsprechenden Empfehlung des Robert Koch-Instituts ist in Kürze zu rechnen. Mehrere Länder hatten Änderungen bereits implementiert.

?Ich persönlich glaube, dass am Ende von fünf Tagen ? zumindest eine Selbsttestung dringend empfohlen sein müsste?, erklärt Bundesgesundheitsminister Prof. Dr. Karl Lauterbach (SPD). Denn man wisse, dass viele Infizierte nach dem 5. Tag noch positiv seien.

BA.4 und BA.5: Neue Varianten ante portas

Regierung verlängert Corona-Einreiseregeln

Anhörung: Einrichtungsbezogene Impfpflicht erneut in der Kritik

Deutsche Projekte für neue Impfstoffe

US-Zahlen: Hohe Impfraten ? niedrige Mortalität

Weitere Belege: Menschen über 80 profitieren von Auffrischungsimpfung

Dänemark: Geringe COVID-19-Mortalität bei Migranten, verglichen mit der Bevölkerung

Real-World-Daten zum BioNTech-Pfizer-Vakzin: Nach 3 Monaten sinkt der Schutz deutlich

BA.4 und BA.5: Neue Varianten ante portas
Die Weltgesundheitsorganisation nennt in ihrer Liste besorgniserregender Varianten (VOC) mittlerweile auch die Omikron-Unterformen BA.4 und BA.5. Beide wurden zuerst in Südafrika nachgewiesen. ?Dies sind Omikron-Varianten mit eigenem Ursprung, d.h. nicht von BA.1, -.2 oder -.3 abstammend, sondern vom gemeinsamen Omikron-Vorläufer?, schreibt Prof. Dr. Christian Drosten von der Charité-Universitätsmedizin, Berlin.

?Man sieht eine schleichende Zunahme von BA.4 und BA.5 seit Januar in Südafrika?, seit Mitte April aber nun plötzlich eine exponentielle Zunahme (?)?, berichtet Drosten. Medien aus Südafrika sprechen bereits von einer 5. Welle. Wie kann das sein? ?Wahrscheinlich hat die Variante einen Immunescape-Vorteil in einer Bevölkerung, in der es (wie in Südafrika) keine BA.2-Welle gab?, so Drostens Erklärung.


Prof. Dr. Tulio de Oliveira, Virologe an der Universität Stellenbosch in Südafrika, er hatte Omikron zuerst beschrieben, gibt Entwarnung. Es sei ?an der Zeit, sorgfältig und gewissenhaft, aber ruhig zu arbeiten?, sagt er. Obwohl die Untervarianten in Südafrika im vergangenen Monat schnell an Boden gewonnen hätten, seien die Raten von COVID-19-Fällen und an Krankenhausaufenthalten im Land stabil. ?Bisher sieht man glücklicherweise keine Auswirkungen auf die Krankenhaus-Einweisungen in Südafrika, aber das könnte sich in den kommenden 2 Wochen einstellen?, kommentiert Drosten.

BA.4 und BA.5 tragen beide eine spezifische Aminosäuremutation namens F486V. Sie befindet sich auf dem Spike-Protein in der Nähe der Stelle, an der das Protein an den ACE2-Rezeptor auf Zellen bindet. Wichtige Antikörper, die als Reaktion auf COVID-19-Impfstoffe und frühere Infektionen mit SARS-CoV-2 erzeugt werden, neutralisieren das Virus, indem sie sich an diese Stelle heften. Ob es bei BA.4 und BA.5 zu Problemen bei Impfungen oder bei therapeutischen Antikörpern kommen könnte, ist derzeit unklar.

Noch ein Blick auf Deutschland. Das RKI hat BA.5 bundesweit in 25 Proben nachgewiesen, Stand 18.04.2022. BA.4 wurde bislang nicht detektiert.

Regierung verlängert Corona-Einreiseregeln
Am 28. April wären die Regeln zur Einreise nach Deutschland ausgelaufen; die Regierung hat sie kurzerhand bis 31. Mai verlängert. Konkret bedeutet dies:

Kinder ab 12 Jahren und Erwachsene müssen wie gehabt 3G-Nachweise vorlegen (geimpft, genesen, getestet).

Für Personen, die aus Hochrisikogebieten einreisen, gelten Quarantäneregeln. Nur listet das Robert Koch-Institut in dem Zusammenhang kein einziges Land mehr; die Maßnahme hat eher vorbeugenden Charakter, sollten neue Varianten von SARS-CoV-2 auftreten.

Mobilfunk-Anbieter müssen Kunden bei der Einreise keine SMS mit Informationen zu Pandemie-Regelungen in Deutschland mehr schicken. Der Sinn dieser Maßnahme war recht umstritten.

Anhörung: Einrichtungsbezogene Impfpflicht erneut in der Kritik
Der Gesundheitsausschuss des Bundestages wollte von Experten wissen, wie sie die institutionenbezogene Impfpflicht bewerten. Auslöser waren Änderungsanträge der Unionsfraktion und der AfD. CDU und CSU fordern, diese Form der Impfpflicht konsequent umzusetzen und Schwächen zu beseitigen. Die AfD will das bestehende Regelwerk ganz kippen.

Stefan Hahn vom Deutschen Städtetag betonte, die einrichtungsbezogene Impfpflicht sei richtig, der rechtliche Rahmen für die Umsetzung jedoch schlecht. Außerdem hätten sich manche Regeln als unklar bzw. als inkonsistent erwiesen. Hahn rechne nicht vor den Sommermonaten mit ersten Betretungsverboten.

Eine Stellungnahme der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) lag dem Ausschuss ebenfalls vor. Die DGK schrieb, in Kliniken liege die Impfquote derzeit bei 95%. Es sei Angestellten aber nicht zu vermitteln, warum sie zur Impfung verpflichtet würden, aber nicht ihre Patienten. Daher sollte die sektorale Impfpflicht sofort ausgesetzt werden.

Auch der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste war der Meinung, ohne allgemeinen Impfpflicht gehöre die einrichtungsbezogene Impfpflicht auf den Prüfstand.

Deutsche Projekte für neue Impfstoffe
Apropos Impfquoten: In Deutschland haben laut Bundesregierung mittlerweile 63,8 Millionen Menschen (76,7% der Bevölkerung) mindestens 1 Impfdosis und 49,3 Millionen (59,3%) zusätzlich eine Auffrischungsimpfung erhalten. Unter den Ungeimpften befinden sich auch Patienten mit Immundefekten, Babys und Kleinkinder. Die Forschung versucht, Impflücken bei bestimmten Personengruppen zu schließen.

Ein Blick auf ausgewählte Projekte aus Deutschland, die zeigen, welche Perspektiven es noch geben könnte:

BioNTech und Pfizer arbeiten an einem Impfstoffkandidaten mit gezielter Wirksamkeit gegen Omikron; klinische Überprüfungen haben begonnen, und Ergebnisse sollen bald veröffentlicht werden.

Auch Moderna untersucht ein Omikron-Vakzin. Dabei werden sowohl monovalente als auch bivalente Kandidaten (gegen den Wildtyp und gegen Omikron) in Betracht gezogen.

Die Universität Tübingen entwickelt den Peptid-Impfstoff CoVac-1 speziell für Patienten in Krebsbehandlung oder mit anderweitig verursachter Immunschwäche. Eine Phase-II-Studie läuft.

Die Universität Würzburg und Aeterna Zentaris untersuchen, ob eine Schluckimpfung auf Basis eines oralen Typhus-Lebendimpfstoffs möglich wäre. Die Arbeiten befinden sich noch im Laborstadium.

Das Universitätsklinikum Erlangen arbeitet an einem Vektorimpfstoff für Booster-Impfungen, der als Nasen- oder Mundspray verabreicht werden soll. Das Projekt ist noch in der vorklinischen Entwicklung.

Die Freie Universität Berlin und die Universität Bern (Schweiz) wollen einen COVID-19-Impfstoff mit attenuierten SARS-CoV-2-Viren zur intranasalen Anwendung entwickeln. Auch sie befinden sich in der vorklinischen Entwicklung.

US-Zahlen: Hohe Impfraten ? niedrige Mortalität
Impfungen gehören zu den wichtigsten Strategien der Pandemie-Kontrolle, wie eine neue Beobachtungsstudie aus den USA bestätigt: In Gemeinden mit hoher Durchimpfungsrate treten rund 80% weniger Todesfälle auf als in Gegenden mit wenig Impfungen.

Die Ergebnisse basieren auf mehr als 30 Millionen COVID-19-Fällen und mehr als 400.000 Todesfällen in 2.558 US-Bezirken, die im 2. Jahr der Pandemie, zwischen Dezember 2020 und Dezember 2021, gemeldet wurden.

Bei der Analyse wurden die COVID-19-Inzidenz- und -Mortalitätsraten in Bezirken mit sehr niedrigem (0-9%), niedrigem (10-39%), mittlerem (40-69%) und hohem (70% oder mehr) Durchimpfungsgrad verglichen, definiert als der Prozentsatz der Erwachsenen (ab 18 Jahren), die mindestens eine Dosis erhalten hatten.

Nach Berücksichtigung potenzieller Einflussfaktoren stellten die Forscher fest, dass eine höhere Durchimpfungsrate in Bezirken mit einer geringeren Zahl an COVID-19-bedingten Todesfällen oder Erkrankungen einherging.

In der 1. Hälfte des Jahres 2021 beispielsweise, als die Alpha-Variante vorherrschte, war die Sterblichkeitsrate in Bezirken mit niedriger, mittlerer und hoher Durchimpfungsrate um 60%, 75% bzw. 81% niedriger als in Bezirken mit sehr niedriger Durchimpfungsrate. Die Zahl an COVID-19-Fällen verringerte sich um 57%, 70% und 80%.

Ein ähnlicher Rückgang der Sterblichkeit wurde auch in der 2. Hälfte des Jahres 2021 beobachtet, als die Delta-Variante in den USA vorherrschend war, allerdings mit geringeren Auswirkungen auf die Fallzahlen.

Weitere Belege: Menschen über 80 profitieren von Auffrischungsimpfung
Um die Impfreaktion von Hochbetagten zu ermitteln, analysierten Forscher Blutproben von Personen über 80, die 2 oder 3 Dosen des BioNTech/Pfizer-Vakzins erhalten hatten. Im Vergleich wurde bestimmt, wie viele Antikörper und T-Zellen das Immunsystem bereitstellt. Nach der 3. Impfung waren entsprechende Titer ? wenig überraschend ? erhöht. Später nahm die Zahl der Antikörper wieder ab, jedoch langsamer als nach der 2. Dosis.

?Wir kommen zu dem Schluss, dass eine 3. Impfdosis bei der Mehrzahl der älteren Geimpften einen insgesamt verbesserten Immunschutz für mindestens 3 Monate bewirkt?, so Prof. Dr. Michael Lohoff, einer der Hauptautoren der Veröffentlichung. Er forscht an der Philipps-Universität Marburg. Damit sei, so Lohoff, eine Grundimmunität durch 3 Impfdosen gewährleistet. ?Gerade bei Älteren oder Personen mit geschwächtem Immunsystem kann aber eine 4. Impfung notwendig werden, vor allem wegen der besseren Abdeckung der Omikron-Variante durch T-Zellen, die durch die Impfung induziert werden.?

Dänemark: Geringe COVID-19-Mortalität bei Migranten, verglichen mit der Bevölkerung
Bei Einwanderern in Dänemark und ihren Nachkommen, die mit COVID-19 ins Krankenhaus eingeliefert werden, ist die Wahrscheinlichkeit, an COVID-19 zu sterben, um 46% geringer als bei Menschen, die in Dänemark geboren worden sind. Dies geht aus einer 12-monatigen, landesweiten Studie hervor.

Wissenschaftler haben die COVID-bedingten Todesfälle und mechanischer Beatmung bei allen Erwachsenen untersucht, die zwischen Februar 2020 und März 2021 mit COVID-19 ins Krankenhaus eingeliefert worden sind. Ihre Ergebnisse haben sie auf dem European Congress of Clinical Microbiology & Infectious Diseases (ECCMID) in Lissabon vorgestellt.

Von 6.229 COVID-19-Patienten, die ins Krankenhaus eingeliefert wurden, starben 977 Patienten innerhalb von 30 Tagen an COVID-19, und 295 wurden mechanisch beatmet.


https://deutsch.medscape.com/artikelansicht/4911116?uac=389796AZ&faf=1&sso=true&impID=4215134&src=WNL_mdplsfeat_220502_mscpedit_de#vp_3

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Keine gesundheitliche Absolution: Welche Fallstricke bei vegetarischer und veganer Ernährung lauern
Dr. Thomas Kron

Vegetarische oder sogar vegane Ernährung soll unter Mädchen und jungen Frauen besonders beliebt sein. Doch anders als manche Menschen glauben, ist vor allem vegane Kost nicht automatisch gesund. Sie kann als Folge der eingeschränkten Lebensmittelauswahl zu Nährstoffdefiziten führen, die klinisch relevante Symptome verursachen können, wenn sie nicht ausgeglichen werden sollten.

Zu achten ist unter anderem auf die ausreichende Versorgung mit Vitamin B12 und B6 sowie Vitamin D, erläutert die Diplom-Oecotrophologin Dr. Bettina Dörr aus München.

Vom Ovolactovegetarier über Puddingvegetarier bis zu Orthorektikern
Bei den vegetarischen Ernährungsformen werden nach Angaben von Dörr folgende Hauptgruppen unterschieden:

Ovolactovegetarier: Verzicht auf Fleisch und Fisch

Ovovegetarier: Verzicht auf Fleisch, Fisch und Milch

Lactovegetarier: Verzicht Fleisch, Fisch und Eier

Veganer: Verzicht auf Fleisch, Fisch, Eier, Milch, (Honig)

Vegane Rohköstler: Verzicht auf Fleisch, Fisch, Eier, Milch, (Honig) sowie erhitzte Nahrung

Außerdem gebe es mehrere kleinere Gruppierungen:

Frutarier: Sie wollen sich ausschließlich mit pflanzlichen Produkten ernähren, die nicht die Beschädigung der Pflanze selbst zur Folge haben (Äpfel und Nüsse etwa, aber nicht Karotten oder Kartoffeln).

Pescetarier: Sie verzichten auf Fleisch, essen jedoch Fisch oder Meeresfrüchte.

Puddingvegetarier: Sie meiden zwar Fleisch und Fisch, achten laut Dörr jedoch nicht besonders auf ihre Ernährung und essen zum Beispiel übermäßig viel Fertigprodukte und Süßigkeiten.

Flexitarier: Sie legen Wert auf eine ausgewogene Ernährung, essen Fleisch oder Fisch allerdings nur in Maßen und auch nicht besonders oft.

Orthorektiker: Sie zwingen sich zu einer gesunden Ernährung und haben Angst, durch ungesunde Ernährung krank zu werden. Wie die Ernährungswissenschaftlerin weiter erklärt, definieren Orthorektiker selbst, was für sie als gesund gilt: Während einige auf einzelne Lebensmittel (z. B. kein Haushaltszucker) verzichten, streichen andere ganze Lebensmittelgruppen und essen nur noch Rohkost. Ebenso könnten bestimmte Zubereitungsarten oder fixe Zeitpläne für dieMahlzeiten das zwanghafte Verhalten prägen. Unter den Orthorektikern befänden sich überwiegend jüngere Frauen. Eine Studie an der Universität Göttingen belege, dass vor allem sportlich aktive Frauen ? insbesondere Intensivsportlerinnen ? ein orthorektisches Verhalten zeigten. Mittlerweile gebe es auch Kinder, die von Orthorexie betroffen seien, wenn sich ihre Eltern entsprechend ernährten.

Kritische Nährstoffe bei veganer Ernährung
Wer sich vegan ernährt, kann laut Dörr durchaus genügend kritische Nährstoffe auch mit pflanzlichen Lebensmitteln aufnehmen. Voraussetzung sei ein gutes Wissen zu Lebensmitteln und Nährstoffen. Allerdings komme es immer häufiger vor, dass Lebensmittel ?einfach weggelassen? würden, ohne sich mit den Folgen auseinanderzusetzen, ein Aspekt, der bei der ärztlichen Beratung berücksichtigt werden sollte.


Zu den wichtigen Nährstoffen in diesem Zusammenhang zählen Proteine, Vitamine B6 und B12 sowie Vitamin D.

Proteine

Mädchen brauchen pro Kg Körpergewicht täglich 0,9 g Proteine, bei einem Körpergewicht von 60 kg sind dies demnach 54 g. Beispiele dafür, wie der tägliche Proteinbedarf bei einem Körpergewicht von 60 kg durch vegane Lebensmittel gedeckt werden könnte: 54 g Protein sind laut Dörr enthalten in

300 g Tofu

350 g gekochten Sojabohnen

350 g Haselnüssen

750 g Vollkornbrot (15 Scheiben à 50 g)

750 g gekochte Linsen und

1 kg weiße Bohnen

Vitamin B6

Vitamin B6 (Pyridoxin) hat, wie Dörr erläutert, mehrere Funktionen im Stoffwechsel, vor allem sei es bei der Verstoffwechselung von Aminosäuren und in neurologischer Hinsicht von Bedeutung. Bei Mädchen sei zudem die Bedeutung im Hormonstoffwechsel zu beachten. Es gebe Daten, nach denen etwa 14% der Mädchen im Alter von 14?18 Jahren weniger Vitamin B6 aufnehmen als empfohlen.

Bei Veganern komme es zu einem hoher Prozentsatz zu einer unzureichenden Versorgung, da das Vitamin B6 in einer schlecht verfügbaren Form in pflanzlichen Lebensmitteln vorkomme.

Hinzu komme bei Mädchen der Faktor ?Einnahme oraler Kontrazeptiva?. So gebe es Anhaltspunkte, dass Verwenderinnen östrogenhaltiger oraler Kontrazeptiva niedrige Werte an PLP (Pyridoxal-5-Phosphat, Marker für Vitamin B6) hätten. Da PLP- abhängige Enzyme auch für die Synthese von Hormonen wie Serotonin essenziell seien, könnten Symptome wie depressive Verstimmungen, erhöhte Reizbarkeit, Nervosität und Libidoverlust auch auf eine Unterversorgung mit Vitamin B6 hindeuten.

Der tägliche Bedarf von Mädchen liege bei 1,4 mg und könne beispielsweise folgendermaßen gedeckt werden:

200 g Haselnüsse

200 g Walnüsse

400 g Bananen (2?3 Stück, je nach Gewicht)

700 g gekochte grüne Bohnen

1 kg gekochte Kartoffeln und

1,4 kg Haferflocken.

Vitamin B12

Da in pflanzlichen Lebensmitteln kein Vitamin B12 enthalten ist, kommt es bei lang andauernder veganer Ernährung ohne Supplementierung zu Mangelerscheinungen. Bei den verschiedenen Produkten, die zur Nahrungsergänzung angeboten werden, sollte berücksichtigt werden, dass die Verwertung von Vitamin B12 aus pflanzlichen Quellen wie Algen oder Pilzen nicht unbedingt gegeben ist. Eine sorgfältige Auswahl und eine regelmäßige Überwachung des B12-Status sind empfehlenswert.

Vitamin D

In den letzten Jahren hat laut Dörr die Evidenz dafür zugenommen, dass Vitamin D nicht nur für den Knochen, sondern auch für zahlreiche andere Stoffwechselvorgänge von entscheidender Bedeutung ist. Fakt sei, dass Lebensmittel kaum in der Lage seien, bei der Einhaltung verzehrsüblicher Mengen, den Vitamin-D-Bedarf zu decken.

Vegane Lebensmittel könnten keinen Beitrag zur Vitamin-D-Zufuhr leisten, da nennenswerte Mengen lediglich in tierischen Lebensmitteln enthalten seien. Die Entscheidung zur Supplementierung bzw. zur notwendigen Höhe sollte in Abhängigkeit vom Status fallen.

Mineralstoffe

Zu den Mineralstoffen, die bei rein pflanzlicher Ernährung schnell in nicht ausreichender Menge zur Verfügung stehen, zählen Kalzium, Jod, Eisen, Selen und Zink. Dies hänge damit zusammen, dass pflanzliche Lebensmittel in der Regel geringere Mengen enthielten als tierische Lebensmittel und zudem die Mineralstoffe aus pflanzlichen Quellen schlechter bioverfügbar seien.

Derzeit mehren sich laut Dörr die Hinweise, dass eine vegane Ernährung negative Auswirkungen auf die Knochengesundheit haben kann. Dies zeige unter anderen eine aktuelle Querschnittsstudie, in der Ultraschallmessungen am Fersenbein vorgenommen sowie Biomarker in Blut und Urin bestimmt wurden. Hauptergebnis: Menschen, die sich vegan ernährten, hatten im Vergleich zu Mischköstlern durchschnittlich niedrigere Ultraschallwerte.

Darüber hinaus habe die Auswertung der DPIC (European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition-)Studie aus Großbritannien mit knapp 55.000 Personen ergeben, dass Veganer im Vergleich zu Fleischessern ein um 43% höheres Risiko für Frakturen hatten.

Ein wichtiger Nährstoff, insbesondere für die Zellentwicklung, ist auch Cholin, der, wie Dörr erklärt, hauptsächlich über Eier, Fisch, Fleisch und Milch aufgenommen werden kann. Es gebe zunehmend Hinweise darauf, dass eine vegane Ernährung keine ausreichenden Mengen an Cholin liefern könne, insbesondere wenn der Bedarf steige, beispielsweise in Schwangerschaft und Stillzeit.

Es verstärkten sich Hinweise, dass Frauen mit Kinderwunsch zur Vorbeugung von Neuralrohrdefekten und zur günstigen Entwicklung des Feten nicht nur von einer ausreichenden Folatzufuhr profitierten, sondern auch von ausreichende Mengen an Cholin (Empfehlung für Schwangere: 480 mg pro Tag).

Dieser Artikel ist im Original erschienen auf Univadis.de .

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Freitag, 29. April 2022
Warnung vor Drittem Weltkrieg - Emma ruft zur Deeskalation auf
In einem offenen Brief an Kanzler Scholz rufen 28 KünstlerInnen und SchriftstellerInnen als Erstunterzeichnende dazu auf, keine weitere schweren Waffen an die Ukraine zu liefern, sondern alles zu tun, um eine Beendigung des Ukraine-Konflikts durch einen Kompromiss zu erreichen. Der offene Brief ist zugleich eine Petition.

https://www.emma.de/artikel/offener-brief-bundeskanzler-scholz-339463

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Donnerstag, 28. April 2022
Die Regel, nicht die Ausnahme: 75% aller ehemals stationären COVID-Patienten leiden nach 1 Jahr noch an Long-COVID
Michael van den Heuvel, Medscape


Selbst 1 Jahr nach stationären COVID-19-Therapien fühlten sich 75% aller Patienten immer noch nicht vollständig genesen. Ähnlich hoch war der Prozentsatz 5 Monate nach der Entlassung. Das hat die Post-Hospitalisation-COVID-19-Studie, eine prospektive Beobachtungsstudie aus Großbritannien, gezeigt. Ergebnisse der Untersuchung wurden jetzt in The Lancet Respiratory Medicine veröffentlicht.

Weibliches Geschlecht und starkes Übergewicht waren mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit der vollständigen Rekonvaleszenz verbunden. Gleichzeitig fanden Wissenschaftler erhöhte Spiegel an Entzündungsmediatoren bei Personen mit den schwersten körperlichen und kognitiven Beeinträchtigungen im Vergleich zu Personen mit leichteren Beeinträchtigungen.

Eine der wichtigsten Arbeiten zu Long-COVID: Deutliche Einschränkung der Lebensqualität selbst nach 1 Jahr. Physisch und psychisch Prof. Dr. Christian Karagiannidis
?Eine der wichtigsten Arbeiten zu Long-COVID: Deutliche Einschränkung der Lebensqualität selbst nach 1 Jahr. Physisch und psychisch?, twittert Prof. Dr. Christian Karagiannidis von der Deutschen Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI). Die Entzündungsmarker CRP und IL-6 seien nach langer Zeit zum Teil noch erhöht; ein ?Hinweis auf mögliche therapeutische Ansätze?.

Bundesgesundheitsminister Prof. Dr. Karl Lauterbach (SPD) kommentiert: ?Die Langzeitwirkungen von COVID werden unserer Gesundheitssystem noch lange sehr viel Geld kosten.? Deshalb fordert er: ?Die Forschung für Long-COVID muss dringend ausgebaut werden.?

Offene Fragen zu Long-COVID
Zum Hintergrund: Trotz zahlreicher Forschungsprojekte weltweit gibt es keine evidenzbasierten pharmakologischen oder nicht-pharmakologischen Interventionen bei Long-COVID. Auch zu Risikofaktoren und zur Häufigkeit finden sich in der Literatur unterschiedliche Angaben.

Die Forschung für Long-COVID muss dringend ausgebaut werden. Prof. Dr. Karl Lauterbach
Deshalb haben Forscher der PHOSP-COVID Collaborative Group eine Kohorte aufgebaut und Probanden nach Ende der stationären Therapie weiter untersucht. Außerdem wollten sie mehr über Entzündungsprofile bestimmter Patientengruppen erfahren.

Kohorte mit 2.320 genesenen COVID-19-Patienten
Die Post-Hospitalisation-COVID-19-Studie PHOSP-COVID wurde als prospektive, longitudinale Kohortenstudie konzipiert. Forscher haben Erwachsene im Alter von mindestens 18 Jahren eingeschlossen, die im Vereinigten Königreich nach einer COVID-19-Therapie virologisch genesen aus dem Krankenhaus entlassen worden sind.

Der Gesundheitszustand wurde anhand von Patientenangaben, anhand der körperlichen Leistungsfähigkeit und der Organfunktionen 5 Monate sowie 1 Jahr nach der Entlassung aus dem Krankenhaus bewertet. Außerdem haben die Forscher bei der 5-monatigen Nachuntersuchung Entzündungsproteinprofile anhand von Plasmaproben erstellt.

An der Studie nahmen 2.320 ehemalige COVID-19-Patienten teil, die zwischen 7. März 2020 und 18. April 2021 das Krankenhaus verlassen hatten. Die Probanden wurden 5 Monate später untersucht. 807 Teilnehmer (32,7%) absolvierten sowohl die 5-Monats- als auch die 1-Jahres-Nachuntersuchung. 279 (35,6%) dieser 807 Patienten waren Frauen und 505 (64,4%) Männer, mit einem Durchschnittsalter von 58,7 Jahren. 224 Personen (27,8 %) hatten eine invasive mechanische Beatmung erhalten.

Nur minimale Besserung der Beschwerden
Der Anteil der Patienten mit vollständiger Genesung zwischen 5 Monaten (25,5%) und 1 Jahr (28,9%) war nahezu unverändert, wie die Autoren berichten. Faktoren, die mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit einer vollständigen Genesung nach 1 Jahr in Verbindung standen, waren weibliches Geschlecht (Odds Ratio: 0,68; 95%-Konfidenzintervall: 0,46-0,99), Übergewicht/Adipositas (OR: 0,50; 95%-KI: 0,34-0,74) und eine invasive mechanische Beatmung (OR: 0,42; 95%-KI: 0,23-0,76).

Die Analyse von Subgruppen mit Daten von insgesamt 1.636 Probanden ermöglichte es Forschern, Teilnehmer 4 Clustern zuzuweisen: sehr schweres, schweres, mittelschweres mit kognitiver Beeinträchtigung und leichtes Long-COVID. Die Beschreibung bezieht sich auf die körperliche Beeinträchtigung, die psychischen Gesundheit und die kognitiven Beeinträchtigung nach 5 Monaten.

Als häufigste Symptome nennen die Autoren Fatigue (60%), Muskelschmerzen (54%), eine generell schlechtere körperliche Leistungsfähigkeit (52%), Schlafstörungen (52%), Atemnot (51%), Gelenkschmerzen (47%) und kognitive Einschränkungen (46%).

Sie fanden erhöhte Entzündungsmediatoren für Gewebeschäden und -reparaturen sowohl in den sehr schweren als auch in den mittelschweren Clustern mit kognitiver Beeinträchtigung im Vergleich zu den leichten Clustern, einschließlich der IL-6-Konzentration, die bei Betroffenen erhöht war (n = 626 Teilnehmer).

?Die Folgen einer Krankenhauseinweisung mit COVID-19 waren 1 Jahr nach der Entlassung in einer Reihe von Bereichen erheblich, wobei sich die Minderheit in unserer Kohorte vollständig erholt fühlte?, fassen die Autoren zusammen. Systematische Entzündungen und Übergewicht seien jedoch behandelbar, was weitere Untersuchungen in klinischen Studien rechtfertige.

Studie bestätigt frühere Veröffentlichungen
Kurz zuvor hatten Wissenschaftler im Journal of General Internal Medicine Resultate einer weiteren Studie mit unterschiedlichen COVID-19-Patienten veröffentlicht (Medscape.com berichtete). Sie untersuchten 1.038 Personen, die zwischen April 2020 und Februar 2021 im UCLA COVID Ambulatory Program eingeschrieben waren, einem Programm der University of California, Los Angeles (ULCA). Darunter befanden sich ambulante und stationäre Patienten. 309 von ihnen entwickelten Long-COVID entwickelten.

Zu den häufigsten Symptomen zählten Müdigkeit (31%) und Kurzatmigkeit (15%) bei stationären Teilnehmern. 16% der ambulanten Patienten gaben an, den Geruchssinn verloren zu haben. Menschen mit stationärer COVID-19-Therapie, mit Diabetes oder mit einem höheren Body-Mass-Index entwickelten am ehesten Long-COVID.

https://deutsch.medscape.com/artikelansicht/4911111?uac=389796AZ&faf=1&sso=true&impID=4198102&src=WNL_mdplsfeat_220428_mscpedit_de#vp_2

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Große Übersicht zur 4. Corona-Impfung: Wem Experten einen weiteren Booster empfehlen und in welchem Abstand
Ute Eppinger, Medscape


Je mehr Booster, desto besser? Daten aus Israel zeigen, dass bei älteren Menschen nach einer 4. Dosis der Immunschutz noch einmal verstärkt wird. Bundesgesundheitsminister Prof. Dr. Karl Lauterbach hatte unlängst für einen 2. Booster ab 18 Jahren plädiert und auf eine EU-weite Empfehlung gedrängt. Durchsetzen konnte er sich damit bislang nicht: Nach wie vor empfiehlt die STIKO den 2. Booster nur für Menschen ab 70 Jahren, die EMA empfiehlt die 4. Impfung für alle ab 80 Jahren, und die USA haben die allgemeine Altersgrenze bei 50 Jahren festgelegt.

Fachleute bleiben im Hinblick auf eine Ausweitung des 2. Boosters sehr skeptisch. ?Aus immunologischer Sicht brauchen immungesunde unter 70-Jährige diese 4. Impfung nicht?, stellte Prof. Dr. Christiane Falk, Leiterin des Instituts für Transplantationsimmunologie der Medizinischen Hochschule Hannover und Mitglied des Corona-Expertenrats der Bundesregierung, auf einem Press Briefing des Science Media Center (SMC) klar.

Aus immunologischer Sicht brauchen immungesunde unter 70-Jährige diese 4. Impfung nicht. Prof. Dr. Christiane Falk
Junge gesunde Menschen seien aus immunologischer Sicht bereits nach der 2. Impfung ausreichend gegen einen schweren Krankheitsverlauf geschützt. Die STIKO-Empfehlung stuft Falk als praktikabel ein, damit lasse sich arbeiten. Vor allem Menschen in Pflegeeinrichtungen oder Menschen mit verschiedenen zusätzlichen Grunderkrankungen kämen für eine 4. Impfung in Betracht, erklärte Falk.

Kompletter Infektionsschutz unrealistisch
Das Erreichen eines kompletten Infektionsschutzes durch mehrmaliges Aufboostern sei nicht realistisch, stellte Prof. Dr. Christoph Neumann-Haefelin klar, Leiter der Arbeitsgruppe Translationale Virusimmunologie an der Klinik für Innere Medizin II, Universitätsklinikum Freiburg. Man solle dieses Ziel beim Thema Boostern deshalb nicht weiterverfolgen. ?Ziel der Booster-Impfung sollte es sein, die verschiedenen Personengruppen vor schweren Infektionsverläufen zu schützen?, sagte Neumann-Haefelin.

Neutralisierende Antikörper, die nur einige Wochen nach der Infektion oder der Impfung in hohen Konzentrationen vorhanden sind, können teilweise die Infektion selbst verhindern. Das Immungedächtnis der B- und T-Zellen, das für einen langanhaltenden Schutz vor schweren Krankheitsverläufen sorgt, ist Studien zufolge bereits nach 2 Dosen auf einem hohen Niveau, eine 3. Dosis verstärkt den Schutz noch einmal.

Ziel der Booster-Impfung sollte es sein, die verschiedenen Personengruppen vor schweren Infektionsverläufen zu schützen. Prof. Dr. Christoph Neumann-Haefelin
Während Menschen mit einer Immunschwäche deutlich mehr Impfungen in einem kürzen Abstand brauchten, um den gleichen Impfschutz zu erhalten, sind zu viele Booster-Impfungen gegen SARS-CoV-2 für junge gesunde Menschen nicht sinnvoll.

Sättigungseffekt des Immunsystems
Eine aktuelle Studie an Makaken zeigt, dass ein angepasster Omikron-Booster im Vergleich zum herkömmlichen Booster nicht zu höheren Antikörpertitern führt. Die EMA warnte schon im Januar vor zu häufig hintereinander folgenden Boostern, die möglicherweise nicht mehr die gewünschte Wirkung erzielen.

Wird zu früh geboostert, kann ein Sättigungseffekt eintreten, warnte Prof. Dr. Andreas Radbruch, Wissenschaftlicher Direktor des Deutschen Rheuma-Forschungszentrums Berlin. ?Das wissen wir aus vielen experimentellen Arbeiten, aber auch von vielen anderen Impfungen: Man kann sich z.B. nicht im Abstand von 3, 4 Wochen zweimal gegen Tetanus impfen lassen, beim 2. Mal würde dann gar nichts passieren?, erklärte Radbruch.

Wird immer wieder das gleiche Antigen in der gleichen Dosis appliziert, fährt das Immunsystem schnell so hoch, dass das Antigen direkt abgefangen wird und erst gar nicht neu auf das Immunsystem einwirken könne. Dieser Mechanismus sei schon lange bekannt, so Radbruch.

Auswirkungen der Antigenerbsünde ? bei SARS-CoV-2 nicht beobachtet
Eine zu frühe Boosterung könne im Wettlauf zwischen der Immunantwort und dem Virus sogar ein Handicap sein, sagte Radbruch. Das spielt auf das Prinzip der Antigenerbsünde an: Ist das Immunsystem bereits einmal in Kontakt mit einem Virus gekommen, bildet es bei Kontakt mit einer neuen Virusvariante vor allem Antikörper gegen diejenigen Epitope, die bereits in dem ursprünglichen Virus vorhanden waren. Das könnte dazu führen, dass zu viele Booster den Schutz gegen verschiedene Varianten verschlechtern.

Alle Varianten, die es bisher gibt, werden abgedeckt durch ein affinitätsgereiftes Immunsystem mit einer zwei- bis dreimaligen Immunisierung. Prof. Dr. Andreas Radbruch
?Wir haben das bei SARS-CoV-2 aber eigentlich nicht beobachtet. Die Immunität ist immer extrem breit; alle Varianten, die es bisher gibt, werden abgedeckt durch ein affinitätsgereiftes Immunsystem mit einer zwei- bis dreimaligen Immunisierung?, erklärte Radbruch.

Das bestätigte auch Neumann-Haefelin und ergänzte, dass sich alle Virusmutanten, auch Omikron, zwar in den Epitopen unterschieden, die die Antikörperantwort betreffen, nicht aber in der T-Zellantwort.

Radbruch berichtete, dass der Impfschutz vermutlich über Jahrzehnte anhalten werde. Nach einer Infektion oder Impfung sei die Konzentration an Antikörpern im Knochenmark ähnlich wie die nach einer Masern- oder Tetanus-Impfung. ?Die Impfung ist schon extrem effizient. Man hat in der gleichen Größenordnung wie bei anderen Infektionskrankheiten oder Impfungen einen Schutz, der voraussichtlich auch über Jahrzehnte anhalten wird?, sagte Radbruch.

Er stellte auch klar, dass der Abfall der Antikörper nach Impfung und Infektion normal ist und keinen Anhaltspunkt dafür liefert, dass der Schutz nachlässt. ?Man darf dabei nicht Quantität mit Qualität verwechseln: Es ist nur weniger Masse da, die Klasse der verbleibenden Antikörper nimmt aber zu.?

Man hat ? einen Schutz, der voraussichtlich auch über Jahrzehnte anhalten wird. Prof. Dr. Andreas Radbruch
In der Konkurrenz um die Virusantigene ? Affinitätsreifung genannt ? entstehen Antikörper, die 10- bis 100-mal besser binden und besonders wirksam gegen das Virus schützen. Das Immunsystem arbeite da sehr nachhaltig.

Welche Patienten in welchem Abstand boostern?
Weil die Immunantwort auch altersabhängig ist, ist es bei älteren Menschen sinnvoller als bei jungen Menschen, ein wiederholtes Mal zu boostern. In diese Gruppe fallen aber auch die Menschen, deren Immunsystem nach einer 2. oder auch nach einer 3. Impfung noch nicht den gleichen Schutz aufweist, wie es bei jüngeren Gesunden der Fall ist.

Radbruch wies daraufhin, dass 4% der über 70-Jährigen Autoantikörper gegen Interferone aufwiesen. Die Auswirkungen sind groß: ?Auf einer Intensivstation sind das 20% der Patienten ? und die haben alle eine sehr schlechte Prognose?, sagte Radbruch. Gerade diese Menschen seien durch das Virus extrem gefährdet, für sie seien mehrere Impfungen sinnvoll.

Auch Menschen mit einer Immunschwäche profitieren von mehreren Impfungen, bestätigte Neumann-Haeferlin: ?Wir sehen hier die Antikörperantworten, die wir bei jungen immungesunden Personen sehen, teils erst nach der 3. oder nach der 4. Impfung.?

Während es bei jungen Gesunden besonders wichtig ist, einen ausreichenden Abstand zwischen den Impfungen zu gewährleisten, um die Affinititätsreifung nicht zu beeinträchtigen, könne diese Gruppe bereits nach 3 Monaten erneut geimpft werden.

Als ?optimalen Mindestabstand? für immungesunde Personen nannte Neumann-Haeferlin 6 Monate. ?Das gilt für alle Menschen, bei denen man mit einem ordentlichen Ansprechen rechnet.? Wahrscheinlich halte der Impfschutz deutlich länger an, deshalb werde eine häufige Boosterung in Zukunft wohl nicht notwendig sein, meint der Immunologe. Der Abstand gilt auch für medizinisches Personal, für das das RKI ebenfalls einen 2. Impfbooster empfiehlt.

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