Samstag, 22. April 2017
It´s marching season
Der ist aber sowas von angesagt, der march for science. Gegen die Gegen-Aufklärung!

http://www.zeit.de/wissen/2017-04/march-for-science-demonstration-freiheit-wissenschaft

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Freitag, 21. April 2017
FIM's Scheitern - von der unerhörten Verweigerung arbeitsmarktpolitischer Logik
Nun ist es amtlich: Das vermeintliche Arbeitsmarktprogramm "Flüchtlingsintegrationsmaßnahmen", abgekürzt FIM – ist faktisch gescheitert. Auf die Unsinnigkeit dieses Programms wurde von vielen Seiten bereits frühzeitig hingewiesen, siehe z.B.:

https://www.nds-fluerat.org/19496/aktuelles/die-wundersame-metamorphose-des-asylblg/

Standen ursprünglich für das Jahr 2016 75 Mio. € und die Jahre 2017 – 2019 jeweils 300 Mio. € zur Verfügung, so wurde bereits zur Jahreswende das Budget für 2017 bis 2019 auf 200 Mio. € gedeckelt. Aber selbst unter diesen Voraussetzungen ist die Ergebnislage desaströs:

Umgerechnet auf den Zeitraum 08/2016 bis 03/2017 (8 Monate) hätten mit einem auf diesen Zeitraum berechneten und bereits angepassten Budget von 125 Mio. € etwa 75.000 Asylsuchende in Maßnahmen sein sollen. Mit Sachstand 27.03.2017 waren es etwas mehr als 20.000 aktivierte Plätze (davon 5.877 als staatliche/kommunale Plätze und 14.279 externe – also z.B. bei NGO angedockte - Plätze). Ob diese für ein Jahr bewilligten Maßnahmen dann auch tatsächlich im Gesamtzeitraum mit Asylsuchenden besetzt sein werden, kann derzeit niemand mit Sicherheit sagen. Fest steht aber, dass trotz gedeckeltem Budgetansatz und bei Annahme, dass die aktivierten Plätze auch tatsächlich belegt sind, die Zielerreichung nur bei etwa 25% liegt, eine Einsparung aus diesem Zeitraum also von mehr als 90 Mio. €.

Die Erkenntnis, dass das nicht funktionieren kann, kam dann auch recht schnell. Die Bundesregierung zog Ende März 2017 die Reißleine und kürzte den Haushaltsansatz ab 2018 von 200 Mio. € auf 60 Mio. € pro Jahr. Die eingesparten Mittel werden ab 2018 (ca. 240 Mio. €/Jahr) nunmehr den Jobcentern für ihren Verwaltungshaushalt zur Verfügung gestellt.

siehe z.B.: http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/integration-ein-euro-job-flop-1.3469454

Ob das ein Taschenspielertrick zum Stopfen von notorisch klammen Haushaltsmitteln der JC ist oder ob diese Mittel am Ende dann doch zu mehr Effektivität bei der Arbeitsmarktintegration (aller Menschen ohne Arbeit) beitragen werden, sei einmal dahingestellt und wird uns ggf. im kommenden Jahr beschäftigen. Erwähnenswert ist vielmehr die Begründung des BMAS. Mit Schreiben vom 30.03.2017 erklärt das BMAS den entsprechenden Länderministerien:

„... gerade Flüchtlinge mit einer guten Bleibeperspektive, die die Hauptzielgruppe der Flüchtlings-integrationsmaßnahmen darstellen, wechseln durch zügigere Asylverfahren schneller in die Grundsicherung für Arbeitsuchende………..“

Verwunderung löst zunächst einmal die Zielgruppenverengung aus. Von einer Bleibeperspektive liest sich weder im Asylbewerberleistungsgesetz (AsylbLG) noch im Sozialgesetzbuch III (SGB III) etwas. Darüber hinaus stellt sich die Frage, was die Bundesregierung denn eigentlich mit dieser Bleibeperspektive meint. Immerhin wurde ja auch eine Bleiberechtsregelung für abgelehnte Asylsuchende geschaffen, die in der Ausbildung sind.

Unterstellen wir aber, dass diese Vorgabe tatsächlich Intention der Bundesregierung war, dann stellt sich natürlich die Frage, warum die Bundesregierung nicht bereits im Vorfeld ihrer Planungen davon hätte ausgehen müssen, dass angesichts der immerhin 320.000 Menschen, denen im Zeitraum von 01/2015 bis 06/2016 durch ihre anerkannten Schutzbedarfe eine Bleibeperspektive eröffnet wurde, ein Rechtskreiswechsel vom AsylbLG in das SGB II die Regel und nicht die unerwartete Ausnahme sein würde.

Ein solch gerüttelt Maß an Unwissenheit und Unfähigkeit sollte der Bundesregierung hingegen nicht unterstellt werden. Der – vielleicht etwas hilflose – Versuch, das Scheitern des Programms in gewisser Hinsicht „übernatürlichen Kräften“ zuzuschieben, mag zum menschlichen Reflex gehören, Fehler nicht allzu gern bereitwillig zugeben zu wollen, die eigentliche Ursache des Scheitern liegt indes woanders.

Es macht Sinn, an dieser Stelle auf das drohende Scheitern eines weiteren Programms (KompAS - Kompetenzfeststellung, frühzeitige Aktivierung und Spracherwerb) hinzuweisen. Dieses Programm sollte schutzberechtigte Menschen und denen, die es nach Prognose des Bundesinnenministeriums bald sein werden, schneller in eine Ausbildung oder eine Arbeit bringen. Bis Ende 2016 sollten hier 40.000 Plätze besetzt sein, tatsächlich waren es jedoch nur 9.833 Menschen, die von dieser Turbo-Integration in den Arbeitsmarkt profitiert haben, auch hier also eine Zielerreichung von etwa 25%.

siehe dazu: www.sueddeutsche.de/politik/integration-buerokratisches-gewirr-1.3464439

Anders als FIM war KompAS tatsächlich nur bestimmten Flüchtlingen zugänglich. Das ist angesichts des frühzeitigen Arbeitsmarktzugangs nahezu aller Flüchtlinge aus arbeitsmarktpolitischer Sicht bereits unsinnig. Was aber angeblich wegen dem Rechtskreiswechsel bei FIM nicht geklappt hat, klappt offenbar auch nach dem Rechtskreiswechsel (vom AsylbLG in das SGB II ) offenbar nicht.

Es muss also einen anderen Grund haben, warum das alles nicht funktioniert, – und der liegt auf der Hand: Mehrfachzuständigkeiten innerhalb gemeinsamer Programmansätze, Maximierung von Rechtskreisschnittstellen und von Abstimmungszwängen, völlig unzureichende bis fehlende Überleitungsszenarien, unterschiedlichste Handhabung aufgrund unterschiedlichster Strategieansätze und regionaler Sachverhalte vor Ort, u.v.m., - kurzum: hausgemachte Probleme, die letztlich entstanden sind und bestehen werden, wenn die Regeln der arbeitsmarktpolitischen Kunst zugunsten einer ordnungspolitischen Dominanz (Bleibeperspektive) geopfert werden. Das ist nicht nur teuer, sondern vor allem menschenunwürdige Politik!

Wie lässt sich das auflösen? Die Antwort ist simpel: durch die Auflösung des Rechtskreischaos. Und da muss nicht jeder Knoten im Wirrwarr gelöst werden, sondern nur der Hauptfaden anders gelegt werden: mit der Abschaffung des AsylbLG und damit folgerichtig einem ALG II – Bezug für alle schutzsuchenden Flüchtlinge oder geduldeten Ausländer/innen.

Nicht, dass sich das SGB II in einem kritikfreien Raum befände, wohl im Gegenteil, aber mit einem Festhalten an einem ordnungspolitischen Leistungsgesetz – das AsylbLG ist NICHT Bestandteil der Sozialgesetzgebung – wird nicht nur mehr soziale Gerechtigkeit verhindert, sondern werden auch weiterhin arbeitsmarktpolitische Ansätze für Flüchtlinge ins Leere laufen, zumindest aber nicht optimal umgesetzt werden können.

Auch eine andere Zahl kann dann nicht mehr ignoriert werden: annähernd 63.000 Asylanträge wurden in den ersten drei Monaten des Jahres 2017 abgelehnt (2016: ca. 73.000, 2015: ca. 6.000). Viele dieser Verfahren werden ihre Fortsetzung in den Verwaltungsgerichten finden. Nehmen wir nun noch die etwa 265.000 offenen Erstverfahren hinzu, so stellt sich die Frage, warum die voraussichtlich mehr als 200.000 Menschen, die sich auch in 2017 (und 2018) noch in einem Asylverfahren befinden werden, trotz Arbeitsmarktzugang keine Zielgruppe der Arbeitsmarktpolitik sind? Diese Frage stellt sich bei einem ALG II – Bezug nicht mehr!

Indes stehen die Zeichen eher auf Sturm. Am 26.04.2017 wird der Vermittlungsausschuss zwischen Bundestag und Bundesrat die Novellierung des AsylbLG beraten. Nicht Abschaffung, sondern Verschärfung des diskriminierenden AsylbLG steht dabei im Mittelpunkt der politischen Debatte. Bleibt die Hoffnung, dass sich jenseits einer in dieser Frage eher hoffnungsfernen CDU die anderen Regierungsparteien in den Ländern zu einer fulminanten Gegenattacke aufraffen und soziale Gerechtigkeit schon einmal im Vorwahlkampf probieren

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Solidarität ist vielfältig - Ein Morgenvor Lampedusa
Zwei Veranstaltungen mit der szenischen Lesung "Ein Morgen vor Lampedusa" finden demnächst in Niedersachsen statt:

Am 24. April 2017, um 19:00 Uhr in der Martin-Luther-Kirche in Goldenstedt (Vechtaer Str. 2, Goldenstedt)

Veranstalter:

Caritas-Sozialwerk
kath. Kirchengemeinde St. Gorgonius
evang. Kirchengemeinde Goldenstedt

Mit Unterstützung von Patenprojekt Goldenstedt, Theatergruppe Goldenstedt, Jugendparlament Goldenstedt, Marienschule Goldenstedt und Landes-Caritasverband für Oldenburg

Eintritt frei. Spenden gehen an das Patenprojekt Goldenstedt, welches viele Flüchtlingskinder und deren Familien begleitet.

Am 4. Mai 2017, um 20:00 Uhr im Forum der KGS Schneverdingen (Am Timmerahde 28-30, Schneverdingen)
Veranstalter:

KGS Schneverdingen
Flüchtlingshilfe Schneverdingen

Eintritt frei. Spenden gehen an die Flüchtlingshilfe Schneverdingen

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Rage against Abschiebung
Am Montag, dem 24.4., findet ein Abschiebungsflug von München nach Kabul statt.
Damit erklären sich die Meldungen aus einigen Bundesländern über Afghanen, die
in Abschiebungshaft genommen worden sind. Flüchtlinge aus Niedersachsen sind
nicht betroffen.
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OB aus Salzgitter spaltet, statt Chancen zu nutzen
Der Flüchtlingsrat Niedersachsen kritisiert den Ruf nach Wohnsitzauflagen, mit dem sich der Oberbürgermeister der Stadt Salzgitter, Frank Klingebiel (CDU), an die Landesregierung gewandt hat. Wenn die Stadt Salzgitter für die Integration von Flüchtlingen weitere finanzielle Mittel benötigt, sollte die logische Folge sein, das verfügbare Geld – und nicht die Menschen – anders zu verteilen.

Wohnsitzauflagen sind integrationshemmend und beschneiden anerkannte Flüchtlinge in ihren Rechten. Eine solche Forderung ist eine Abkehr von der von der Stadt bisher selbst proklamierten „Willkommenskultur“ und scheint vor allem dem aufziehenden Landtagswahlkampf geschuldet zu sein.

Unsicherheiten junger Eltern hinsichtlich der Betreuungsplätze zu instrumentalisieren und mit dem Raunen von einer drohenden „Gettobildung“ Ressentiments zu bedienen, ist allzu leicht als Wahlkampfmanöver durchschaubar.

Ganz sicher ziehen vergleichsweise überdurchschnittlich viele Geflüchtete nach Salzgitter. Angesichts der oft jahrelangen Trennungen von Familien ist es auch nur allzu verständlich, wenn Flüchtlinge dorthin ziehen, wo bereits Verwandte und Bekannte leben und somit Unterstützungssysteme vorhanden sind. Zudem ist eigener Wohnraum eine wesentliche Grundlage für die Partizipation von Geflüchteten am gesellschaftlichen Leben.

Um diese Entwicklung gelingend zu gestalten, ist es essentiell, konkrete Aufnahme- und Teilhabekonzepte zu formulieren und umzusetzen. Die Erfahrung zeigt, dass solche Handlungsleitfäden Transparenz schaffen und Handlungssicherheit für alle Beteiligten schaffen.

Wünschenswert wäre, dass die Stadt Salzgitter Geflüchtete weiterhin offensiv begleitet und in ihre Gemeinwesenarbeit einbezieht. Mehrere Projekte in Salzgitter haben bereits tolle Erfolge gezeigt, etwa AWiSTA im Ortsteil Fredenberg.

Statt in den Wahlkampfmodus zu schalten und angebliche Gefahren herbeizureden, sollte der Oberbürgermeister seinen Fokus viel eher auf die positiven Wirkungen solcher Maßnahmen für das Gemeinwesen lenken. Solche Projekte zu fördern und fortzuentwickeln, stünde der Stadt gut zu Gesicht. Immerhin sind gerade für Integrationsprojekte und Gemeinwesenarbeit über zahlreiche Fördertöpfe Gelder abrufbar. Zu den Aufgaben gehört dann auch ein aktualisiertes kommunales Konzept zur Integration und Partizipation von Geflüchteten.

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Afghanische Söldner kämpfen mit hohem Blutzoll für die iranische Armee in Syrien
http://www.atlanticcouncil.org/blogs/syriasource/shia-afghan-fighters-in-syria

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Flüchtlingsabwehr mit Hilfe von Gangstern und Diktatoren
Die Asylpolitik hat hierzulande eine Kehrtwende vollzogen. Stand noch vor zwei Jahren die Willkommenskultur im Vordergrund, geht es heute vor allem um die Abwehr von Flüchtlingen. Im Gespräch mit der MAIZEITUNG (Seite 8) wirft Kai Weber, Geschäftsführer des Flüchtlingsrats Niedersachsen, einen Blick ins Unterholz der offiziellen Flüchtlingspolitik.



MAIZEITUNG: Viele Menschen begrü-
ßen, dass seit geraumer Zeit deutlich
weniger Flüchtlinge zu uns kommen.
Warum kritisieren Sie die Flüchtlings-
politik der Bundesregierung?
Kai Weber: Die Politik der Bundesregierung
setzt darauf, die Aufnahme von Flüchtlingen
anderen Staaten zu übertragen. Diese Politik
schiebt Flüchtlinge in Staaten ab, die keine
Gewähr dafür bieten, dass Flüchtlinge dort
menschenwürdig aufgenommen werden. Das
gilt für die Türkei, wo wir tausende, wenn
nicht zehntausende von rechtswidrigen und
fragwürdigen Inhaftierungen, Hauszerstö-
rungen und ähnliche Fälle erlebt haben. Oder
nehmen wir Libyen, wo wir eine hohe Zahl
von Internierungslagern, Entführungen und
Erpressungen verzeichnen. Frauen werden in
Lagern vergewaltigt und Menschen auf eine
sehr schlimme Weise misshandelt. Es werden
Bündnispartner salonfähig gemacht wie
Omar al-Baschir, Staatschef des Sudan, der
wegen Völkermords vom Internationalen
Strafgerichtshof gesucht wird. Oder der
ägyptische Putschist und Staatschef Sisi, den
Vizekanzler Gabriel bei seinem Staatsbesuch
trotz der Verhängung von hunderten Todes-
urteilen einen »beeindruckenden Präsiden-
ten« nannte. Wir halten es in höchstem Maße
für schäbig, wenn die Bundesregierung mit
solchen Staaten verhandelt, damit die Flücht-
linge dort bleiben.
Dazu passt doch, dass Geflüchtete
mittlerweile in Einsatzgebiete der
Bundeswehr, etwa nach Afghanistan
abgeschoben werden.
Afghanistan ist das zweitgrößte Herkunftsland
für Flüchtlinge auf der Welt. Der Hochkommis-
sar der Vereinten Nationen für Flüchtlinge hat
klargestellt, dass es keine sicheren Gebiete in
Afghanistan gibt. Insofern kann die Konse-
quenz nur sein, diese Flüchtlinge hier aufzu-
nehmen und ihnen Schutz zu gewähren. Wenn
jetzt der Bundesinnenminister öffentlich Stim-
mung dafür macht, dass Afghanen zurückkeh-
ren sollen und medial inszenierte Abschiebun-
gen durchführt, bemüht sich die Bundesregie-
rung damit, Signale an die zu senden, die noch
kommen könnten. Und dieses Signal lautet:
Kommt nicht nach Deutschland, ihr seid hier
unerwünscht.
Was passiert im Mittelmeer?
Die Politik Europas versucht, das Mittelmeer mit
Satelliten und neuester Technik zu überwachen,
um Fluchthilfe zu unterbinden und Boote zu zer-
stören. Mit dem fatalen Effekt, dass sich Flücht-
linge auf immer wackligere Nussschalen und
Schlauchboote begeben. Auch deshalb kom-
men Menschen ums Leben. Das hat wenig mit
Hilfe für Flüchtlinge und viel mit Fluchtverhinde-
rung zu tun. Die Zahl der Toten im Mittelmeer
hat im vergangenen Jahr mit 5.022 einen trauri-
gen Höchststand erreicht.
Flüchtlingsorganisationen fordern,
die Grenzen zu öffnen. Erhalten dann
nicht rechte Parteien wie die AfD
immer mehr Zuspruch?
Erstaunlich ist doch, dass wir 2015 eine in
Deutschland bisher nicht gekannte Form der
Begeisterung für Flüchtlingshilfe erlebt haben
– und zwar zu einem Zeitpunkt, als wir schon
hunderttausende Flüchtlinge im Land hatten.
Die Gegenbewegung setzte erst mit einer
gewissen Zeitverzögerung ein und erhielt
auch Auftrieb durch Brüche und Widersprü-
che bei den etablierten Parteien. Wenn sich
Herr Seehofer zum Sprachrohr des Rechtspo-
pulismus macht und die Kanzlerin öffentlich
beschimpft, dann muss man sich nicht wun-
dern, dass rechte Gruppierungen darüber
Auftrieb erhalten. Man wird den Rechtspopu-
lismus nicht dadurch bekämpfen, dass man
ihm nach dem Mund redet. Die Zusammen-
hänge von Zahl der Flüchtlinge und Rechtspo-
pulismus lassen sich jedenfalls nicht so sim-
pel auf den Nenner bringen: je mehr Flücht-
linge, desto mehr Rechtspopulismus. Auch
aus historischer Erfahrung wissen wir, dass
ein Antisemitismus ganz ohne Juden aus-
kommt, und dass der Rassismus in Deutsch-
land dort am größten ist, wo es am wenig-
sten Ausländer gibt.
Wie wollen Sie die Flüchtlingszah-
len begrenzen?
Wir wollen eine solidarische Aufnahme und
Verteilung von Flüchtlingen überall auf der
Welt, auch in Europa erreichen. Wir wissen,
dass das im Moment sehr, sehr schwierig ist.
Viele europäische Staaten verweigern diese
Solidarität.
Wäre es nicht einfacher, die Flucht-
ursachen zu bekämpfen, statt enorme
Grenzbefestigungen zu bauen und
militärisch aufzurüsten?
Eine Politik, die darauf zielt, nicht die Fluchtur-
sachen, sondern die Flüchtlinge zu bekämp-
fen, wird auf Dauer scheitern, weil die Flücht-
linge dennoch verzweifelt versuchen werden
durchzukommen. Wenn wir tatsächlich die
Fluchtursachen bekämpfen wollen, müssen
wir auch bestimmte Lebensweisen in Europa
Immer noch sind von der steigenden
Altersarmut vorwiegend Frauen
betroffen. Seit einem Jahr ist
Monika Windhorn nun in Ren-
te. Obwohl die gelernte Ver-
lagskauffrau vor der Arbeits-
losigkeit als Bürokraft gear-
beitet und zwei Kinder groß-
gezogen hat, liegt sie mit
ihren Einkünften laut EU-Sta-
tistikbehörde Eurostat unter der
Armutsgrenze für Bundesbürger/
innen von rund 1.000 Euro im Monat.
Trotzdem sie 18 Jahre verheiratet war und
ihr Mann regelmäßig in die Rentenkasse ein-
zahlte, beträgt ihre offizielle Rente nur 621
Euro netto im Monat. Zum Glück kann sie
diese karge Summe durch einen kleinen
Nebenjob und eine Aufwandsentschädigung
für ihr Mandat in einem hannoverschen
Bezirksrat etwas aufbessern. Mit insgesamt
810 Euro muss sie jeden Monat über die Run-
den kommen.
»Durch meine Nebeneinkünfte stehe ich
im Vergleich zu vielen anderen Frauen noch
gut da«, meint Monika Windhorn. »Deshalb
kann ich mir für Notfälle wie kleine Repara-
turen, den Ersatz von kaputten technischen
Geräten oder auch einfach nur eine Drucker-
patrone ein wenig Geld zurücklegen.« Als
»Luxus« bezeichnet sie eigentlich notwendi-
ge Dinge wie eine Monatskarte für den Nah-
Flüchtlingsabwehr mit Hilfe von
Gangstern und Diktatoren
infrage stellen. Wenn etwa riesige Trawler die
Meere leer fischen und Fischer arbeitslos
machen, müssen wir uns nicht wundern, wenn
sie sich andere Existenzmöglichkeiten suchen.
Es gibt riesige Ländereien in Afrika, in denen
Getreide angebaut wird, um unser Diesel und
Benzin zu finanzieren, während die Menschen
dort nicht genug zu essen haben. Es muss
doch zu denken geben, dass gerade die reich-
sten Staaten Afrikas mit den meisten Boden-
schätzen wie Öl oder Diamanten gekennzeich-
net sind durch Bürgerkriege und einseitige
Handelsbeziehungen, in denen vor allem gro-
ße Konzerne den Reibach machen und die
Bevölkerung nicht viel davon abbekommt. Wir
müssen auch Europas Zollschranken und die
Zerstörung heimischer Märkte in Afrika durch
unfaire Handelsbeziehungen der EU mit afrika-
nischen Staaten infrage stellen. Es reicht nicht,
nur ein neues Entwicklungshilfeprogramm
aufzulegen.

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Mittwoch, 19. April 2017
Von der Willkommenskultur zum Notstandsszenario
Der Fluchtdiskurs in deutschen Leitmedien

Ströme, Fluten, Invasionen. In den letzten Jahren bedienten deutsche Leitmedien Bilder von Flucht und Migration, die dazu geeignet sind, Menschen als Massen wahrzunehmen und weitere Entrechtungen von Geflüchteten zu legitimieren. Zwar wurde im Sommer 2015 in den Leitmedien noch positiv auf eine “Willkommenskultur” verwiesen, aber bereits zu dieser Zeit auch die Aufteilung in legitime Flüchtlinge und illegitime Flüchtlinge bedient. Mit der voranschreitenden Krisenrhetorik änderte sich auch der Fluchtdiskurs.

Eng verknüpft erschien die Debatte um Flucht und Asyl mit der um rassistische Mobilisierungen und Brandanschläge. Zentral war dabei die Aussage, dass die Anwesenheit von Geflüchteten Ursache sei für rassistische Agitationen. Insofern wurde auch eine Beschränkung der Rechte Geflüchteter als Strategie gegen rassistische Gewalt interpretiert.
Wie korrespondiert der mediale Diskurs mit dem der politischen Eliten? Wie hängt dies mit rassistischen Mobilisierungen zusammen? Warum sprechen alle von einer Flüchtlingskrise und nicht etwa von einer Rassismuskrise?

Mit REGINA WAMPER (Politikwissenschaftlerin und wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung)

Eine gemeinsame Veranstaltung der Rosa-Luxemburg-Stiftung Niedersachsen und dem Flüchtlingsrat Niedersachsen. Die Veranstaltung findet im Rahmen des „festival contra le racisme“ statt.

Veranstaltungsort
Medienhaus Hannover
Schwarzer Bär 6 (Eingang Minister-Stüve-Straße)
30449 Hannover

Zeit
20.06.2017, 19:00 – 21:00 Uhr

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Respektverweigerung. Warum wir andere Kulturen nicht achten sollten - und die eigene auch nicht
Noch vor wenigen Jahrzehnten bedeutete Weltoffenheit
gegenüber einem Fremden, dass man ihm signalisierte, er sei
ungeachtet seiner Herkunft in unserer Gesellschaft willkommen.
Fremdenfeindliche Ressentiments hingegen waren immer mit
der Betonung der Herkunft des Angefeindeten verknüpft.
Heute scheint aber auch der Weltoffene, wenn es um
Fremde geht, nicht ohne ausdrückliche Betonung von deren
Zugehörigkeit zu einer „anderen Kultur“ auszukommen. Mehr
noch: Als Mensch mit Migrationshintergrund wird der Fremde
seine Zugehörigkeit zu einer „fremden Kultur“ auch in den
Folgegenerationen nicht los.
Welches Konzept von Gesellschaft steckt hinter der Inflation
des Begriffs „Kultur“ in der aktuellen Debatte („fremde Kultur“,
„unsere Kultur“, „Leitkultur“, „Multikulturalität“ etc.)? Welche
Art Unterschiede sollen „kulturelle“ Unterschiede denn sein?
Und welche Konsequenzen haben sie? Gelten für Angehörige
„anderer Kulturen“ andere Maßstäbe hinsichtlich Demokratie,
Freiheit und Recht? Was wurde aus der Idee der Gleichheit aller
Menschen?
Wie kommt es, dass wir die Ablehnung des Islams als
„rassistisch“ wahrnehmen – nicht jedoch die Ablehnung des
Christentums? Warum waren die DemonstrantInnen des
arabischen Frühlings für uns in erster Linie Moslems die
DemonstrantInnen der Occupy-Bewegung in New York aber nicht
christlich? Warum reden wir, wenn wir vorgeben über den Islam
zu reden, über alles Mögliche andere (Terrorismus, Migration,
„Integration“) – nur nicht über die Religion des Islam? Und: Was
hat unser (Nicht-)Reden über den Islam mit unserer eigenen
Beziehung zur Religion zu tun?)
Sama Maani arbeitet als Schriftsteller und Psychoanalytiker.


Vortrag von Sama Maani, Wien, am 25.04.2017. 19 Uhr in der Üstra-Remise,
Goethestr. 19, Hannove

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Freiheit für Gabriele del Grande!
Der italienische Journalist Gabriele del Grande, der am 10. April 2017 nahe der syrischen Grenze in der türkischen Provinz Hatay festgenommen wurde (siehe Presseerklärung vom 13.4.), ist gestern aus Protest gegen seine fortgesetzte Inhaftierung in der Türkei in den Hungerstreik getreten.

Der aus Lucca in der Toskana stammende Del Grande ist auch als Internetblogger, Autor und Menschenrechtsaktivist tätig. Sein Blog Fortress Europa befasst sich mit der Flüchtlingstragödie im Mittelmeer. Er war auch als Koautor und Koregisseur am halbdokumentarischen Film „Io sto con la sposa“ (An der Seite der Braut) über syrische und palästinensische Flüchtlinge beteiligt, der 2014 beim Internationalen Filmfestival von Venedig und später auch in Deutschland gezeigt wurde, u.a. in Hannover und Lüneburg.

Nachfolgend dokumentieren wir eine übersetzte Facebook-Mitteilung von Alexandra D’Onofrio (Partnerin von Gabriele) von gestern Nachmittag:
____________________________________________

Heute um 14.30 Uhr hat uns Gabriele angerufen. Es war das erste Telefongespräch seit Sonntag, dem 9. April, als Gabriele in der Grenzregion Hatay von den türkischen Behörden festgenommen wurde. Er war seit dem 7. April in der Türkei. Gabriele sagt:

„Während ich spreche gibt es vier Polizisten, die mich anschauen und zuhören. Ich bin an der Grenze festgehalten worden, und nachdem sie mich im Identifizierungs- und Ausweisungszentrum Hatay hielten, haben sie mich nach Mugla gebracht, wo ich in einem weiteren Identifizierungs- und Ausweisungszentrum in Einzelhaft gesperrt worden bin. Meine Papiere sind in Ordnung, aber es ist mir weder erlaubt worden, einen Anwalt zu kontaktieren, noch ist mir erklärt worden, wie lange diese Festnahme dauern soll. Mir geht es gut, man hat mir nichts getan, aber ich darf nicht telefonieren, sie haben mein Telefon und meine persönlichen Gegenstände beschlagnahmt, obwohl sie mir keine Straftat vorwerfen. Der Grund meiner Festnahme hat mit dem Inhalt meiner Arbeit zu tun. Ich bin darüber mehrmals verhört worden. Anrufen durfte ich nur nach mehreren Tagen des Protests. Es wurde mir nicht mitgeteilt, dass die italienischen Behörden sich mit mir in Verbindung setzen wollten. Ab heute Abend trete ich in Hungerstreik, und ich bitte alle sich aktiv einzusetzen, damit meine Rechte respektiert werden“.
Italien hat die Türkei inzwischen aufgefordert, Gabriele Del Grande freizulassen. Der Fall werde „seit Beginn mit äußerster Aufmerksamkeit“ und in ständigem Kontakt mit Del Grandes Familie verfolgt, erklärte das italienische Außenministerium heute in Rom. Der italienische Präsident des Europäischen Parlaments, Antonio Tajani, forderte im Kurzbotschaftendienst Twitter ebenfalls die „sofortige Freilassung“ Del Grandes „und aller ungerechtfertigt in der Türkei inhaftierten Journalisten“

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Schwulenhatz in Tschetschenien
In brutalster Weise wird im Augenblick in Tschetschenien gegen schwule bz. generell LGBT-Leute vorgegangen. Besonders perfide ist hierbei, dass regierungsamtlich abgestritten wird, dass es solche Menschen im Land überhaupt gäbe.

https://www.vice.com/de/article/in-tschetschenien-werden-schwule-in-lager-gesperrt-und-gefoltert

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Dienstag, 18. April 2017
Mal ehrlich - wie ist die Situation von Flüchtlingen?
Unsere Neue Broschüre

https://www.nds-fluerat.org/24158/zeitschrift/mal-ehrlich-flucht-und-asyl-in-niedersachsen/

liefert Grundlageninformationen zu Flucht und Asyl (nicht nur) in Niedersachsen.

Auf 48 Seiten (Din A 5) werden in anschaulicher Form grundlegende Informationen sowie aktuelle Zahlen und Fakten zum Thema Flucht und Asyl auf den Punkt gebracht. Außerdem bietet die Broschüre Argumentationshilfen, um gängigen Vorurteilen entgegen zu treten, und gibt darüber hinaus praktische Tipps zum selbst aktiv werden. Die Broschüre wurde in Zusammenarbeit mit der Stiftung Leben & Umwelt verfasst. Als Grundlage für diese Broschüre diente „Mal ehrlich! Flucht und Asyl in Bayern!“

Autor_innen: Eleonore von Oerzen, Kai Weber, Franziska Wolters
Mitarbeit: Stephan Wedemeyer, Gesine Wilbrandt
Endredaktion: Silke Inselmann

Diese Bestandsaufnahme wird aus Mitteln des Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds sowie durch Mittel des Landes Niedersachsen und der UNO-Flüchtlingshilfe kofinanziert.

--
Flüchtlingsrat Niedersachsen e.V.
Röpkestr. 12
30173 Hannover
Tel.: 0511/98 24 60 30 Mo-Fr: 10.00 bis 12.30, Di+Do: 14.00 bis 16.00
Fax: 0511/98 24 60 31
Mail: nds@nds-fluerat.org
www.nds-fluerat.org
www.facebook.com/Fluechtlingsrat.Niedersachsen

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Sonntag, 16. April 2017
Nereye Yol Jöstermek?
Großes Bangen beim Blicken auf das Referendum in der Türkei. Die Weltgeschichte gibt mal wieder Gas.

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Stoppt die Foltercamps für Schwule -Aufruf von Rewan al Haddad
Liebe Freundinnen und Freunde,

in Tschetschenien werden Schwule zusammengetrieben und in Foltercamps gebracht -- und das ist genau so grauenhaft, wie es sich anhört. Männer werden mit Stromschlägen gequält, so lange gefoltert, bis sie die Namen anderer schwuler Männer verraten, und so schlimm verprügelt, dass einige von ihnen gestorben sind.

Auf schwule Menschen abzuzielen und sie in Camps zu schleppen klingt wie etwas aus der Nazizeit. Es ist erschütternd und macht wütend, doch es gibt einen Plan, um das zu stoppen.

Avaaz wird die Stimmen von mutigen Aktivisten vor Ort in den Medien verstärken und mit unserem weltweiten Aufruf ein Ende dieses brutalen Vorgehens erzwingen. Unterzeichnen Sie mit einem Klick und verbreiten Sie die Petition -- erreichen wir eine Million:

Die Foltercamps für Schwule schließen

An den russischen Präsidenten Wladimir Putin und alle russischen Behörden:

Als besorgte Bürgerinnen und Bürger aus der ganzen Welt fordern wir Sie eindringlich dazu auf, dem brutalen Umgang mit schwulen Menschen in Tschetschenien ein Ende zu setzen und Werte wie Gerechtigkeit und Toleranz zu achten.

Die Foltercamps für Schwule schließen

Es ist fast zu schlimm um wahr zu sein, aber Tschetschenien wird seit langem von einem brutalen Menschenrechtsverletzer regiert, der von Russland unterstützt wird. Auf die Foltercamps angesprochen, leugneten die Behörden die Existenz von schwulen Menschen allgemein: „Wenn es solche Leute in Tschetschenien gäbe, müssten sich die Behörden keine Gedanken um sie machen, weil ihre eigenen Verwandten sie an einen Ort geschickt hätten, von dem sie niemals zurückkehren könnten.”

Jetzt hat die hoch angesehene International Crisis Group Aussagen von Menschen bestätigt, die aus den Camps entkommen sind, und veröffentlicht die Informationen, um weltweite Aufmerksamkeit zu bekommen.

Nutzen wir also diesen Moment, um für einen massiven weltweiten Aufruf zu sorgen, der Russland, Tschetschenien und diese barbarischen Vorgehensweisen an den Pranger stellt. Klicken Sie hier, um mitzumachen, und leiten Sie diesen Aufruf weiter:

Die Foltercamps für Schwule schließen

Vieles in der Welt fühlt sich momentan so an, als sei es außer Kontrolle geraten. Aber wir haben jeden Tag die Wahl: Wir können uns zurücklehnen und dem Wahnsinn zuschauen oder etwas gegen ihn unternehmen. Entscheiden wir uns gemeinsam zu handeln und uns für Liebe und Zusammenhalt einzusetzen. Stehen wir den Familien in Tschetschenien zur Seite, die einen geliebten Menschen verlieren könnten.

Mit Hoffnung und Entschlossenheit

Rewan, Emma, Fatima, Sarah und das ganze Avaaz-Team

Weitere Informationen:

Behörden verfolgen und töten Schwule in Tschetschenien (Zeit)
http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2017-04/tschetschenien-homosexuelle-maenner-festnahmen-verschleppung

Festnahmen in Tschetschenien - Schwule? Bei uns nicht! (TAZ)
http://www.taz.de/!5393912/

„Ja, die Schwulen müssen ermordet werden“ (Welt)
https://www.welt.de/politik/ausland/article163481397/Ja-die-Schwulen-muessen-ermordet-werden.html

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Samstag, 15. April 2017
Initiativentreffen in Hannover
Liebe Freund_innen, liebe Interessierte,

wir laden Sie und Euch zusammen mit der „Refugee Law Clinic Hannover e.V.“ herzlich zum nächsten Initiativentreffen am Samstag, 06. Mai 2017 ein. Die Veranstaltung richtet sich an alle Menschen, die Geflüchtete unterstützen, mit ihnen arbeiten oder dies zukünftig tun wollen. Das Thema unseres Treffens lautet:

„Wie umgehen mit Rassismus?
Ideen - Handlungsmöglichkeiten - Austausch“

Geflüchtete und ihre Unterstützer_innen sind täglich mit rassistische Ressentiments und rechtspopulistischen Argumentation- und Agitationsstrategien konfrontiert. Insbesondere angesichts der bevorstehenden Bundes- und Landtagswahlen werden in politischen Debatten Schutzsuchende als „Gefahr für die innere Sicherheit“ dargestellt. Immer wieder werden Vorurteile geschürt und rassistische Stereotype bedient. Sprach- und handlungsfähig werden und bleiben ist jetzt besonders wichtig, um rechten Parolen Einhalt zu gebieten und für eine offene Gesellschaft zu streiten.

Wie können wir der immer stärker werdenden Flut an diskriminierenden und menschenverachtenden Äußerungen konkret begegnen? Welche Strategien können wir verfolgen? Wie kann ich Betroffene rechter Gewalt unterstützen und welche Formen der Solidarität sind möglich? Dies wollen wir zusammen mit Ihnen und Euch bei unserem nächsten Treffen diskutieren.

Wann? Samstag, 06. Mai. 2017, von 12 bis 17 Uhr
Wo? Conti Campus Uni Hannover
Königsworther Platz 1
Juristische Fakultät (Gebäude 1502), Raum 003
30167 Hannover

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Frühling, halte Einzug!
Das Jahr ist jung, das Wetter scheint nach vorne loszugehen, Schöne-Frauen-Wetter (oder wie Gary sagt "die schwere Zeit"), und ich gehe viel zur Luft. Erstmal Motive einsammeln, ehe gründlichst gestärkt mit voller Wucht das nachösterliche Business losgeht.



















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Freitag, 14. April 2017
Zeitlos schön
Hakan fährt seit 30 Jahren das gleiche Auto, das selbst noch viel älter ist. Wer es gesehen hat weiß warum.

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Freitag, 31. März 2017
Leben im Umbruch
Völlig überraschenderweise bin ich mal wieder in der Situation, mich beruflich neu erfinden zu müssen. Nun, ich habe einen neuen Job, viel Vorschusslorbeer und parallel tolle Möglichkeiten noch hinzuzuverdienen, wobei mir alte Kollegen zuarbeiten und ich denen. Perfekte Netzwerkstrategie!

Sportlich gibt es auch neue Perspektiven, ich powere durch, Kick-Box-Aerobic (nennt sich Body-Combat), Boxen, Vorbereitungstraining auf harte Bergtouren, eine Einladung von einer Bergführerschule bekommen, der Sommer wird ein Abenteuer!

Und gleichzeitig erfahre ich, dass meine Schwester Krebs hat. Ein Schatten auf ihrer Lunge und auf der ganzen Familie. Und ich frage mich nach der Sinnhaftigkeit, dass die sehr guten und die ganz grauenhaften Dinge gleichzeitig passieren, der Tipp für den neuen Job stammt noch dazu von dieser Schwester.

Was die hat ist wirklich ein bösartiger Krebs. Der Primärtumor und die erste Sekundärmanifestation (Ich will noch nicht Metastase sagen, denn das bedeutete, dass alle sekundären Tumore streuen würden) wurden entfernt, aber ob sie damit geheilt ist bleibt fraglich. Bisher hatte ich immer gedacht, wer in unserer Familie als Nächster stirbt bin entweder ich (aufgrund unsoliden Lebenswandels oder Sturz aus einer Nordwand) oder Vater (wg. Alter), und ich hatte mir auf dem Familiengrab schon überlegt, wer da demnächst steht.Aber sie? Hoffentlich dauert das noch lange.

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Aktuelle Informationen zum Thema geschlechtsspezifische Verfolgung
Eine neue Dokumentation zur Veranstaltung vom 18. Januar 2017 im Landeshaus Kiel thematisiert geschlechtsspezifische Verfolgung:

Geschlechtsspezifische Verfolgung – keine Relevanz für Schutzsuchende?

Nach wie vor ist das Thema in der Öffentlichkeit wie auch in der fachpolitischen Diskussion wenig präsent. Die letzte Veröffentlichung des Flüchtlingsrats zu diesem Thema stammt aus dem Jahr 2012. Die neue Veröffentlichung aus Schleswig-Holstein verleiht dem Thema neue Aufmerksamkeit und ist insofern zu begrüßen

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Eine neue Bürgerbewegung
In den letzten anderthalb Jahren haben sich in Deutschland mehr Menschen für Flüchtlinge engagiert als in den Siebzigern/Achtzigern gegen AKWs auf die Straße gegangen sind. Die Flüchtlingssolidaritätsbewegung erfasst rein zahlenmäßig ungefähr so viele Menschen wie die alte Friedensbewegung zu ihrer Hochzeit.

http://ffm-online.org/2017/03/30/eine-neue-buergerbewegung/#more-47489 <http://ffm-online.org/2017/03/30/eine-neue-buergerbewegung/#more-47489>

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Montag, 27. März 2017
Wie Kanake zum rassistischen Hasswort wurde
https://www.welt.de/kultur/article154409100/Wie-Kanake-zum-rassistischen-Hasswort-wurde.html

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Zana Ramadani im Deutschlandradio
http://www.deutschlandradiokultur.de/zana-ramadani-schriftstellerin-und-feministin-endlose.990.de.html?dram:article_id=382144




Zana Ramadani, Schriftstellerin und Feministin" Endlose Toleranz führt uns zum Verschwinden der Toleranz"

Moderation: Christian Rabhansl

Passt der Islam zu Deutschland? Für die Feministin Zana Ramadani ist klar: Muslime haben in Deutschland nur dann einen Platz, wenn sie ihre Religion als Privatsache betrachten. Der deutschen Mehrheitsgesellschaft attestiert die Aktivistin einen "Toleranzwahn".

Deutschlandradio Kultur: Heute von der Leipziger Buchmesse und mit einer Frau, die viele von Ihnen kennen. Sie kennen das Gesicht. Sie kennen die spektakulären feministischen Aktionen. Denn die Frau, die hier zu Gast ist, hat einst das TV-Finale von Germany‘s Next Top Model gestürmt und im Protest gegen die Sendung ihre Brüste entblößt. Sie kennen Zana Ramadani, aber eben nur einen Teil von ihr.

Heute lernen Sie eine andere Zana Ramadani kennen, nämlich die Sachbuchautorin. Und wenn ich den Buchtitel ihres neuen Buches verrate, "Die verschleierte Gefahr. Die Macht der muslimischen Mütter und der Toleranzwahn der Deutschen", dann ist gleich klar, diese Buchautorin ist nicht harmloser als die Femen-Aktivistinnen. – Herzlich willkommen, Frau Ramadani, in Tacheles.

Zana Ramadani: Dankeschön.

Deutschlandradio Kultur: Sie haben mit Ihren 33 Jahren schon ziemlich viel Wildes und Widersprüchliches erlebt. Sie sind als Flüchtlingskind mit sieben Jahren vom Balkan ins Siegerland gekommen. Sie sind aus den Familientraditionen ausgebrochen. Sie haben Rechtswissenschaften studiert, Politologie, Soziologie, Femen Deutschland mitbegründet, langjähriges CDU-Mitglied. Um zu verstehen, wie Sie eigentlich zu dieser immer unbeirrbaren und immer sehr streitbaren Feministin geworden sind, beginnen wir mit der Kindheit in Skopje.

Der Vater, liberaler Atheist, die Mutter strenggläubige Muslimin – wer von den beiden hat Ihre Kindheit da mehr geprägt?

Zana Ramadani: Beide haben meine Kindheit sehr geprägt. Ich muss aber darauf hinweisen, dass meine Mutter nicht strenggläubig war, sondern sie ist eine ganz normale Durchschnittsmuslima gewesen. In Mazedonien war es nicht so schlimm, wie dann, als wir nach Deutschland gekommen, als sie sich selber radikalisiert hat. Radikalisieren hört sich natürlich erstmal negativ an, aber ich meine damit, dass sie Halt und Zuflucht und Sicherheit im Vertrauten gesucht hat. Sie war hier fremd. Ihr war alles fremd. Und sie hat versucht, in etwas Halt zu finden, was sie kannte, und daraus folgte dann natürlich die innere Radikalisierung, die Zurückführung zur Religion, zu den religiösen Werten.

Deutschlandradio Kultur: Dann habe ich das "strenggläubig" hineingelesen, weil es doch zumindest eine sehr strenge Mutter war. Welche Botschaften haben Sie schon von klein auf von Ihrer Mutter gelernt?

Zana Ramadani: Die Botschaften waren ganz klar. Mein Stellenwert als Mädchen war immer sehr klar. Sie war auch sehr klar in dem, dass ich weniger wert bin als die Jungs, weniger wert als mein Bruder bin, und mir auch beigebracht wurde, wie ich mich zu benehmen habe – sittlich, ruhig und vor allem ganz stark als Bedienstete agieren sollte.

Zana Ramadani 20.01.2016 in Hamburg (imago)Zana Ramadani im Januar 2016 in Hamburg. (imago)

Deutschlandradio Kultur: Und auch einen Ehrbegriff haben Sie von Ihrer Mutter gelernt. Der zentrale Satz, glaube ich, lautet: Die Ehre einer Familie liegt zwischen den Beinen der Tochter. – Sie schildern eine Schlüsselszene. Da sind Sie gerade mal elf Jahre alt, das heißt, seit vier Jahren in Deutschland. Dort erteilt Ihnen Ihre Mutter – ich glaube, Sie schreiben im Buch – 'eine Lektion in gelebtem Islam'. Was geschieht denn da?

Zana Ramadani: Das ist eine der Geschichten. Ich versuche, mit diesen kleinen biographischen Geschichten zu erklären, was es bedeutet. Für mich war es ganz unbedarft. Wir waren im Urlaub, nach vier Jahren das erste Mal in Skopje. Ich bin zu meinem Vater gegangen, weil ich nach meiner Mutter fragen wollte. Und aus dem Nichts ist sie wie irre auf mich zu gerannt, hat mich weggezogen und brüllte mich an, 'benimm dich nicht wie eine Hure', nur weil ich zu den Männern gegangen bin, die draußen zusammen in einer Gruppe saßen und miteinander redeten.

Sie kam ihrer Verpflichtung nach als Mutter, die ihre Erziehungsaufgaben einfach übernehmen muss in der islamischen Welt. Und in diesen Kulturkreisen ist es so, dass nicht die Väter oder die Söhne dafür verantwortlich sind, dass die Familie aufrechterhalten wird, sondern die Mutter. Die Mutter muss dafür sorgen, dass die Tochter sich zu benehmen hat, sich sittlich und ehrbar verhalten muss. Und wenn die Tochter sich daneben benimmt, dann hat sie ihren Erziehungsauftrag nicht erfüllt.

Dann kam erstens hinzu, dass die Männer das mitgekriegt haben, dass ich einfach ganz unbedarft als Kind mit elf zu meinem Vater gegangen bin. Er hat das in dem Moment eigentlich auch nicht verstanden. Er war auch etwas perplex. Und meine Mutter war bei den Frauen. Und die anderen, ihre Schwägerinnen, haben das auch mitgekriegt. Sie musste, sie war in der Verpflichtung in diesem Moment, mich zurechtzuweisen und da wegzuholen.

Deutschlandradio Kultur: Wenn Sie solche Episoden jetzt erzählen und Ihre Mutter säße hier bei uns in Leipzig auf der Buchmesse, würde die mir eine ganz andere Geschichte von diesem Ereignis erzählen?

Zana Ramadani: Ich weiß es nicht. Da müssen Sie meine Mutter selber fragen. Aber es geht ja hier nicht um meine Mutter. Es geht auch nicht darum, ein Trauma zu verarbeiten. Ich habe keine Traumata. Alle meine Traumata habe ich schon lange überwunden, spätestens ab dem Punkt, an dem ich verstanden habe, dass meine Mutter in dem Moment eigentlich nicht anders konnte. Sie konnte nicht anders handeln. Sie ist so sozialisiert worden. Viele Menschen sind einfach nicht stark genug, sich zu emanzipieren.

Sie hatte auch keine Gelegenheit, sich wirklich selber zu emanzipieren und zu verstehen, was Emanzipation bedeutet. Sie konnte sich davon nicht lösen. Ich bin bis heute davon fest überzeugt. Ich habe auch verstanden, dass sie mir nicht schaden wollte. Sie konnte einfach nicht anders. – Das ist keine Entschuldigung. Das ist keine Rechtfertigung. Aber als ich das verstanden habe, dass sie eigentlich in dem Moment nicht anders konnte, da konnte ich schon damit abschließen. Ich habe eigentlich mittlerweile ein sehr gutes Verhältnis zu ihr. Ich lass vieles an dem Unsinn, den sie mir bis heute entgegenbringt, nicht an mich rankommen.

Deutschlandradio Kultur: Trotzdem wird Ihre Mutter wahrscheinlich ganz schön schlucken, wenn sie Ihr Buch aufschlägt und solche Sätze liest: 'Die Mütter sind die größten Unterdrücker der Töchter.' Nun sagen Sie selber, es geht nicht um Ihre Mutter, es geht um ein System. Ist das wirklich typisch?

Zana Ramadani: Ich sage nicht, dass Mütter nur die Unterdrücker sind, sondern sie sind ja eben erstmal Unterdrückte. Aber ab einem gewissen Punkt werden sie zu Unterdrückern, indem sie diese Erziehungsaufgaben halt übernehmen.

Deutschlandradio Kultur: Das ist die Macht der muslimischen Mütter?

Zana Ramadani: Das ist die Macht der muslimischen Mütter. Und ich versuche auch in dem Buch aufzuzeigen, dass die Mütter in den Familien intern sehr viel Macht haben durch diese Erziehungsaufgaben, denn die Männer übernehmen ja keine Erziehungsaufgaben. Das ist Frauenarbeit. Das gehört sich nicht. Der Vater kommt erst sehr spät dazu, und wenn, dann meistens in sehr strafender Form. Aber die Mütter haben die Kinder bis dahin schon sozialisiert.

Und diese Macht müssen wir nutzen, die sie in diesen Familien haben. Wir müssen den Frauen beibringen, dass sie gleichwertig sind. Sie müssen das verstehen und sich auch als gleichwertig fühlen. Und wenn sie das tun, werden sie automatisch auch ihre Töchter genauso behandeln wie ihre Söhne. Dann wird es auch diesen Söhnchenkult nicht mehr geben. Die Jungs werden nicht als Prinzen erzogen, die Mädchen nicht als Bedienstete. Die werden nicht dazu aufgefordert, sich sittlicher zu verhalten als die Jungs. – Das ist der Ansatz. Also, Macht hört sich erstmal negativ an, aber es ist auch sehr positiv gemeint.
"Opfer werden zu Täterinnen"

Deutschlandradio Kultur: Sie haben das gerade schon gestreift, dass die Söhne völlig anders erzogen werden. Sie haben das einen "Söhnchenkult" genannt. Im Buch schreiben Sie auch, die werden zu kleinen Prinzen erzogen. Ich hatte aber den Eindruck, die werden eigentlich zu Losern erzogen.

Zana Ramadani: Das werden die ja auch. Wenn Sie ein Kind von klein auf so erziehen, also gerade auch die Jungs, dass sie keine Leistung erbringen müssen, wenn Sie sie mit Samthandschuhen anfassen. Natürlich bringt man ihnen bei, den Jungs, dass sie irgendwann für ihre Familie als Versorger herhalten müssen. Also ein gewisses Rollenbild. Aber dass sie eigentlich nur zahlen müssen, keine sonstigen Aufgaben übernehmen müssen.

Sie werden für die Leistungsgesellschaft an sich nicht gut genug vorbereitet. Wir sind eine Leistungsgesellschaft. Sie kommen in die Schule, sind als Prinzen sozialisiert und geprägt worden und versagen zum Teil in den Schulen. Denn sie erwarten ja auch, dass sie weiterhin in der Klasse oder von den Lehrern so behandelt werden. Und wenn sie dann auch noch von fremden Frauen, von Lehrerinnen unterrichtet werden und auch noch nach ihren Ansätzen dann falsch behandelt werden, weil sie nicht gute Noten schreiben und dafür vielleicht einen blauen Brief nach Hause kriegen oder was auch immer, dann ziehen die sich natürlich noch weiter in die Opferrolle zurück.

Also: Erst werden sie zu Prinzen erzogen, dadurch gleichzeitig zu Losern.

Deutschlandradio Kultur: Was Sie da beschreiben, wenn das die typische Situation in vielen muslimischen Familien ist, dann ist eigentlich sehr offensichtlich, dass es schief gehen muss. Die Töchter leiden, die Söhne werden zu Verlierern. Die Mütter leiden. Aber die Mütter sind doch diejenigen, die die Erziehungsarbeit leisten. – Warum tun die das dann in dieser Form?

Zana Ramadani: Weil das einfach Frauenarbeit ist. Männer tun das nicht.

Deutschlandradio Kultur: Ich meine, warum erziehen sie ihre Kinder dann in dieser Form, wenn sie selber die Macht haben und die Männer gar nicht reinreden?

Zana Ramadani: Sie sind ja selber Opfer. Sie sind erstmal Opfer und werden dann zu Täterinnen. Was macht ein Opfer, um zu überleben? Es gibt sich allem hin. Und irgendwann verinnerlicht es diese Unterdrückungsmechanismen und diese Unfreiheit und diesen Zwang ja so sehr, dass es vielleicht nachher als Freiheit empfunden wird. Wenn man dann noch weiterhin in diesen Parallelgesellschaften und nur in diesen Kulturkreisen lebt und sich gar nicht aus seiner eigenen Komfortzone herausbewegen muss, was natürlich bedeuten würde, dass man viel Sicherheit aufgeben müsste, dass man gegen irgendwas ankämpfen müsste, dann hat man da so verinnerlicht, dass man das genauso weitergibt an die Kinder.

Und hier im Westen ist das ja zum Teil sogar noch ein bisschen stärker ausgeprägt, weil die "Gefahren" ja viel größer sind als in den Herkunftsländern: die Gefahren, die Familienehre zu verletzen, die Gefahren, der Religion den Rücken zu kehren. Hier herrscht Religionsfreiheit. Die sehen, oh, viele Deutsche gehen nicht in die Kirche. Viele Deutsche leben die Religion ja gar nicht. Da ist die Gefahr, dass meine Kinder ja auch so werden. Die Gefahr, dass die Tochter die Familienehre verletzt, also ihre Jungfräulichkeit verliert, ist hier auch größer, denn die Mädchen hier leben ja ihre Sexualität aus. Und das geht ja auch nicht.

Die Kontrollfunktionen außerhalb der Familie, außerhalb der Parallelgesellschaft, außerhalb der Community sind ja nicht so stark wie in den Herkunftsländern. Deswegen sind die Gefahren hier viel größer und dadurch auch natürlich die Unterdrückungsmechanismen und die Härte viel stärker.

Deutschlandradio Kultur: Die Folgen, die Sie beschreiben, sind dramatisch. Wenn ich das lese, was Sie beschreiben, dann lese ich davon, dass Zwangsverheiratung auch in Deutschland eine durchaus alltägliche Sache ist, dass Frauen Tauschware sind, dass es um abgesprochene Brautgelder geht, dass es von Hilfsorganisationen wirklich Leitfäden gibt für junge Mädchen und auch Jungs, bevor sie in die Heimat der Eltern, in die Türkei fahren, dass sie hier eidesstattliche Erklärungen zurücklassen sollen beim Anwalt, dass sie wieder zurück nach Deutschland wollen, dass sie in der Türkei nicht heiraten wollen und dergleichen.

Und Sie zitieren aus einem Eheratgeber, der zwar aus dem fünften Jahrhundert stammt, aber – ich habe es nachgeguckt – in jeder Buchhandlung für 16 Euro in deutscher Übersetzung zu kriegen ist, in dem erklärt wird, wie der Mann die ungehorsame Frau erst mahnen soll, warnen, sie dann aber auch schlagen darf – nicht ins Gesicht, nicht, dass es Knochenbrüche gibt, aber so, dass es schmerzhaft ist. Man schluckt, und gleichzeitig denke ich: Wollen Sie mir wirklich erzählen, in muslimischen Familien ist es Standard, dass Männer sich nach einem Eheleitfaden aus dem fünften Jahrhundert richten?

Zana Ramadani: Es ist natürlich nicht in jeder Familie Standard. Jede Familie ist nicht so. Es gibt ganz viele ganz tolle Familien und auch ganz viele Muslime, die sich von negativen Religionsinhalten, die genau das beinhalten und das sind, was ich anspreche, emanzipiert und losgelöst haben. Die den Glauben als spirituellen Glauben leben. Und ich greife nie einen spirituellen Glauben an. Aber das ist kein spiritueller Glaube. Das sind klare Anweisungen. Und nach Al-Ghazali, das ist das Buch der Ehe, was Sie gerade beschreiben, danach lehrt auch heutzutage jeder Imam. Und wenn man als Muslime vor einem Imam heiratet, also nach muslimischem Brauch heiratet, kriegt man auch so gewisse Anweisungen. Und Al-Gazali wird als der Poet des Islam bezeichnet. Aber wie poetisch ist das?
"Der politische Islam geht nicht zusammen mit Feminismus"

Deutschlandradio Kultur: Ihr Buch 'Die verschleierte Gefahr. Die Macht der muslimischen Mütter und der Toleranzwahn der Deutschen' ist aus einer klar feministischen Perspektive geschrieben. Sie sind echt eine Kämpferin. Sie haben Femen in Deutschland mitbegründet. Und wer Frauen nicht alle Rechte zugesteht, hat in Ihnen wirklich eine sehr grundsätzliche und sehr taffe Gegnerin. Das wird da sehr deutlich.

Ich frage deswegen auch ganz grundsätzlich: Gehen Islam und Feminismus in Ihren Augen überhaupt zusammen?

Zana Ramadani: Wenn der Islam als spiritueller Glaube gelebt wird, geht der Islam, genauso wie Christentum und alle anderen monotheistischen Religionen natürlich mit Feminismus zusammen. Aber der politische Islam geht nicht zusammen mit Feminismus.

Deutschlandradio Kultur: Ich frage deswegen, weil in Ihrem Buch viele Feministinnen auftauchen, die sich selber als muslimische Feministinnen sehen. Es gibt Sineb El Masrar zum Beispiel, eine sehr kämpferische Frau. Es gibt auch eine Bloggerin, die Sie beschreiben, die sehr stolz über ihr selbstbestimmtes Sexleben schreibt. Und über solche Frauen schreiben Sie, das seien falsche Feministinnen. Sie schreiben, das seien 'Kopftuch-Feministinnen'.

Zana Ramadani: Also, über Sineb El Masrar habe ich das nicht geschrieben, aber ich habe über die anderen geschrieben. Aber die Bloggerin, die über die Sexualität diesen Artikel schreibt und die auch unter einem Pseudonym arbeitet, die stellt ein Kopftuch mit der gelebten Sexualität einer Frau gleich, die erlaubt sei. Das gibt es nicht. Und in diesem Artikel, den ich genau zitiere und dort benenne, den man auch ganz einfach googeln kann, in dem liest man, wie frei das sei und wie viele Freiheiten man habe und dass natürlich Sexualität gehe und dass das ja alles gar nicht so in den Texten drin stehe. – Dabei ist das klar definiert. Man kann aus dem Koran, aus den Suren, man kann aus den Hadithen klar herauslesen, dass Frauen keine Sexualität haben. Und wenn sie Sexualität haben sollten, dann bitte nur mit dem Ehemann und dann nur zum gewissen Zweck.

Sexualität und Kopftuch gehen nicht zusammen.

Deutschlandradio Kultur: Trotzdem, Frau Ramadani: Sie selber sagen ja immer, Sie fordern immer, der Koran müsse historisch gelesen werden. Jetzt lesen Sie ihn aber selber sehr wörtlich.

Zana Ramadani: Ich lese das wörtlich. Ich interpretiere natürlich auch. Aber es ist eine Lüge, wenn jemand sagt, das stehe alles im Koran nicht drin. Ich zeige es auf. Und das, was die Radikalen heutzutage predigen, das kann man alles mit den Suren, mit den Hadithen und mit der Sunna von Mohamed belegen.

Ich fordere, dass diese negativen Religionsinhalte heraus genommen werden. Sie werden natürlich niemals gelöscht werden, aber ich fordere jeden Muslimen auf, sich von diesen negativen Religionsinhalten, die in den Texten stehen, sich davon zu trennen und auch diese erstmal anzuerkennen. Wenn sie anerkannt werden, können die sich davon trennen.

Deutschlandradio Kultur: Ich habe vorhin schon gesagt, Sie sind eine echte Kämpferin. Und ihr Zorn trifft nicht nur die Frauen, die Sie für falsche Feministinnen halten, der trifft auch manchen liberalen männlichen Muslimen. Bei manchen war ich wirklich erstaunt. Navid Kermani beispielsweise, den Sie oft in sehr positivem Kontext zitieren, immerhin Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels, der immer sehr gelobt wird für seine Verständigung, auch dem werfen Sie falsche Toleranz vor.

Zana Ramadani: Ich werfe ihm vor, dass er vieles relativiert und vieles auch nicht klar benennt. Ich finde seine Arbeit gut. Und sie ist auch richtig. Ich bin froh darüber, über jeden liberalen Muslim, der das auch wirklich ausgrenzt. Aber ich habe heutzutage wirklich ein Problem damit, dass die negativen Sachen komplett hinten runterfallen und auch geleugnet werden. Deswegen bin ich der Meinung: Ja, liberale, gerade liberale Muslime müssen zu diesen Sachen stehen und diese auch immer wieder klar benennen. Sie müssen auch fordern, dass unser Kulturkreis und wir, die aus diesem Kulturkreis kommen, diese Sachen noch lauter und noch stärker benennen müssen, damit wir sie intern bekämpfen können.

Und der Rest, der sich davon nicht lösen kann und will und sich nicht davon gelöst hat, den müssen wir noch aggressiver auffordern, sich davon zu trennen. Wenn wir diese negativen Sachen aber nicht klar benennen und wenn wir nur sagen, das ist nicht so, wie es da steht, oder das steht nicht drin, und diese komplett relativieren und leugnen, haben wir eigentlich genau das gemacht, was die anderen wollen.
"Ich habe mich von der AfD distanziert"

Deutschlandradio Kultur: Sie sehen mich gerade ein bisschen überrascht, denn ich habe ihr Buch in vielen, vielen Teilen so verstanden, dass eigentlich jeder, der auf Verständigung setzt, in Ihren Augen schon naiv ist.

Zana Ramadani: Nein. Ich bin froh über jeden, der wirklich diskutieren will, der versucht, sich auch in andere Positionen hineinzuversetzen. Aber man darf nicht den Fehler machen, vieles zu relativieren. Ich bin immer für eine klare Ansprache. Ich bin immer für einen guten Streit und eine gute Diskussion Bei jedem Streit merke ich ja auch selber, dass ich mich weiterentwickle, denn ich hinterfrage ja automatisch bei einem Streit auch mich selber und meine Position.

Ich habe nicht die perfekte Lösung. Ich bin nicht perfekt. Aber dafür müssen wir miteinander reden. Und das geht aber nicht, wenn wir sagen, ach, nee, ich will ja nicht die Gefühle eines Menschen verletzen, ich muss noch diplomatischer sein. – Das ist kein Streit. Das führt uns nirgendwo hin.

Deutschlandradio Kultur: Und dieser Satz führt uns schon zu der dritten Gruppe, die ihr Fett wegkriegt in diesem Buch. Es sind nämlich nicht nur die 'falschen Feministinnen' und die 'naiven liberalen Muslime', sondern es ist auch die deutsche nichtmuslimische Mehrheitsgesellschaft, die, wenn ich Ihnen glauben darf, unter einem 'Toleranzwahn" leidet. – Woran machen Sie den fest?

Zana Ramadani: Oh, den mache ich gerade bei den Jüngeren ganz stark fest. Ich merke, dass man mit älteren Generationen ganz gut reden kann und offen reden kann, auch wenn die nicht einer Meinung sind. Aber alle, die jünger sind… ich weiß nicht. Also, es wird nur noch 'Rassismus!' geschrien, es wird nur noch 'Polarisierung!' geschrien. Man kann gar nicht mehr miteinander diskutieren. Jede Diskussion wird vermieden. Jede Diskussion wird aktiv bekämpft unter dem Punkt: Wir müssen alles tolerieren.

In meiner Welt können wir aber nicht alles tolerieren, denn endlose Toleranz führt uns irgendwann zum Verschwinden der Toleranz. Wir haben hier klare Gesetze. Wir haben hier klare Werte. Wenn wir alles tolerieren, dann könnten wir auch Genitalverstümmelung tolerieren, als Kultur und als religiös bedingt. Wir können Pädophilie irgendwie auf irgendeine Art und Weise tolerieren, denn das ist ja auch irgendwie begründbar. – Also, wie Sie sehen, können wir nicht alles tolerieren.

Deutschlandradio Kultur: Mir ist aber noch niemand untergekommen, der für ein tolerantes Zusammenleben einsteht, der diese Dinge fordern würde, die Sie gerade genannt haben.

Zana Ramadani: Ja, aber wenn ich für Geschlechterapartheid stehe oder kulturell bedingten Zwang oder religiös begründeten Zwang und Unterdrückung kämpfe und einstehe und sage, das muss ich tolerieren, wofür gab es denn dann die Frauenbewegung? Warum kämpfen wir noch tagtäglich für Gleichberechtigung und Gleichstellung? Warum kämpfen wir dann eigentlich für Lohngleichheit?

Deutschlandradio Kultur: In Ihrem Buch lese ich viel über die Intoleranz in vielen muslimischen Familien. Ich lese viel über die Weltoffenheit und Toleranz der deutschen Mehrheitsgesellschaft, die Sie auch erfahren haben, als Sie als Tochter einer Flüchtlingsfamilie nach Deutschland gekommen sind und hier wirklich mit offenen Armen empfangen wurden. Ich lese nichts darüber, dass es hier NSU-Morde gab, die von der Mehrheitsgesellschaft als 'Döner-Morde' abgetan wurden. Ich lese nichts von den regelmäßigen Brandanschlägen auf Moscheen. Ich lese schon etwas von der AfD, aber ich lese weniger darüber, dass die AfD-Erfolge vielleicht auch was damit zu tun haben, dass die eine Absage an jede Toleranz fahren.

Zana Ramadani: Ich habe mich von der AfD und von anderen rechten Gruppierungen klar distanziert. Da lasse ich mich nicht in einen Topf schmeißen. Das ist auch klar. Darüber müssen wir nicht diskutieren. Das bin ich auch sehr leid. Natürlich kann ich nicht über alles schreiben. Ich habe ein Integrationsbuch geschrieben. Ich habe den Fokus auf eine Problematik gelenkt und eine große Chance aufgezeigt. Und ich habe auch im letzten Kapitel einen Integrationsleitfaden geschrieben, wie wir es schaffen können, dass wir wirklich ein gutes, starkes gemeinsames Volk werden. Dass wir nicht nebeneinander leben, sondern miteinander leben.

Deutschlandradio Kultur: Dazu kommen wir noch...

Zana Ramadani: Alles andere? Ich kann nicht über alles schreiben. Wie dick hätte das Buch denn werden sollen. Es ist ja jetzt über 260 Seiten lang. Also, Rassismus habe ich aber auch klar benannt, was ich unter Rassismus verstehe, und dass es natürlich auch deutsche Rassisten gibt. Aber es gibt genauso Migranten, die Rassisten sind.

Deutschlandradio Kultur: Ich habe Sie deshalb gefragt, weil ich mich selber frage, ob denn diese Beispiele, die ich genannt habe – NSU-Morde etc. –, vielleicht zu dieser Stimmung beigetragen haben zu signalisieren, ihr gehört gar nicht wirklich zu uns, und dann zu der Reaktion: Okay, dann gehören wir eben nicht dazu. – Kann es dieses Moment geben?

Zana Ramadani: Na gut. Aber wenn ich durch Neukölln laufe in Berlin, fühle ich mich auch nicht dazugehörig. Ich parke neulich in Neukölln hinterm Rathaus, war dort verabredet – parke, steige aus dem Auto aus, kann mich kaum hoch hieven…
"Habe mich bewusst für die deutsche Identität entschieden"

Deutschlandradio Kultur: Dazu sollte man wissen, dass Sie schon relativ bald so weit sind, dass wir Ihnen zur Geburt Ihrer Tochter gratulieren dürfen.

Zana Ramadani: Ich hieve mich aus dem Auto. Da kommt ein Typ auf mich zu mit einem entsprechenden Migrationshintergrund, den ich ihm ansehe. Das erste, womit er mich begrüßt ist, brüllend: Ey, du Schlampe, fahr dein Auto weg, ich will hier parken. Das ist so ein Statement. Tut mir leid, so ein Mensch gehört auch nicht dazu. Er will nicht dazu gehören. Das könnte ich auch so argumentieren. Das ist Unsinn. Man kann nicht immer die Entschuldigung woanders suchen. Es ist ein Geben und Nehmen.

Und ich habe in dem Buch klar benannt, wo bei der Mehrheitsgesellschaft das Problem liegt und dass wir auch ein paar Vorurteile abbauen müssen, unsere Aufgaben dort klar benannt. Aber ich habe genauso die Aufgaben der anderen Seite benannt. Es geht nur miteinander. Und es geht auch nur im Einverständnis der Mehrheitsgesellschaft.

Deutschlandradio Kultur: Gelungene Integration, ist das in Ihren Augen Anpassung?

Zana Ramadani: Was heißt Anpassung? Also, für mich ist es klar: Wenn jemand hier geboren wird, und er sich irgendwie anders definiert oder sich nicht deutsch fühlt, ist für mich ganz merkwürdig.

Ich habe mich ganz bewusst für die deutsche Identität entschieden. Als ich offiziell mit Staatsbürgerschaft Deutsche werden konnte, habe ich sie sofort beantragt. Für mich ist das Deutschsein sehr multikulti. Es ist sehr lebendig. Es ist sehr frei. Es ist sehr demokratisch. Ich liebe dieses Land. Ich will in diesem Land leben. Wie kann ich dann das Deutschsein und die deutschen Werte, die sich in unseren Gesetzen widerspiegeln, in unserem Grundgesetz widerspiegeln, verachten und leugnen und nicht akzeptieren und nicht danach leben wollen?

Deutschlandradio Kultur: Da sagen Sie auch: Wir müssen klarere Grenzen ziehen im Sinn der Ihrer Meinung nach endlosen Toleranz, die ein Ende haben müsste. Wer Recht und Gesetz nicht respektieren wolle, und das machen Sie fest an Dingen wie beispielsweise sich respektlos gegenüber der Polizei zu verhalten, der habe 'sein Aufenthaltsrecht verwirkt'. – Was soll das heißen? Wollen Sie Deutsche in dritter Generation, die deutsche Staatsbürger sind, in die Herkunftsländer ihrer Urgroßeltern abschieben?

Zana Ramadani: Wenn sie deutsche Staatsbürger sind und nur die deutsche Staatsbürgerschaft haben, haben sie ein Recht hierzubleiben. Das sind unsere Pappenheimer. Punkt. Wenn sie aber verschiedene Staatsbürgerschaften haben, dann können sie sich gerne ein Land suchen oder in das Land ziehen, dem ihre Werte mehr entsprechen. Wir haben hier klare Gesetze. Wir haben hier klare Werte, die sich in unseren Gesetzen widerspiegeln. Und wer dagegen arbeitet und straffällig wird, sorry, der hat hier einfach nichts verloren. Wir haben schon genug deutsche Staatsbürger, die eigentlich härter bestraft werden müssen. Wir haben hier, meiner Auffassung nach, noch ein recht schlechtes Strafrecht. Da müsste viel bessere Strafverfolgung gelten. Aber wir müssen nicht noch fremde Straftäter dulden. Das ist mein Ansatz. Und das ist das, was ich sage.

Deutschlandradio Kultur: Sie sagen jetzt sehr deutlich: Die, die hier deutsche Staatsbürger sind, sind natürlich unsere eigenen Pappenheimer. Auf dem Buchrücken, auf dem Cover lassen Sie sich allerdings vom Verlag mit einem Satz zitieren, der sehr pauschal ist, nämlich: 'Der Islam gehört nicht zu Deutschland.' – Riskieren Sie da nicht doch den Applaus von denen, von denen Sie sich eigentlich distanzieren, von AfD und Co.?

Zana Ramadani: Hören Sie. Ich bediene weder die AfD, noch sonst irgendwelche Rechten. Ich bediene keinen. Das Einzige, was ich tue: Ich diene der Sache. Mein oberstes Ziel ist Humanismus. Mein oberstes Ziel ist, dass wir eine gute, starke gemeinsame Gesellschaft werden. Ich möchte, dass wir uns nach vorne entwickeln. Und das bedeutet, dass wir unsere Errungenschaften nicht aufgeben dürfen.

Und der Islam, dieser undefinierte Islam, so, wie er momentan auf der ganzen Welt gelebt wird, und so, wie er auch zum Teil in Deutschland gelebt wird, der ein politisches System beinhaltet, gehört nicht zu Deutschland. Der spirituelle Glaube und Muslime, die sich von negativen Religionsinhalten getrennt haben und emanzipiert sind, gehören natürlich zu Deutschland, wenn die sich zu Deutschland bekennen und hier leben wollen und sich als Deutsch definieren.
Mythen über die Jungfräulichkeit

Deutschlandradio Kultur: Deshalb schreiben Sie auch sehr deutlich über die muslimischen Verbände, von denen Sie wenig halten, von den Moscheen, in denen Ihrer Meinung nach Politik betrieben wird. Sie fordern sehr radikal, zum Beispiel die Deutsche Islamkonferenz aufzulösen oder die Gelder, die Moscheen oder die Verbände für die Integrationsarbeit bislang bekommen, diese Gelder zu streichen. – Warum?

Zana Ramadani: Also, seit Jahren predige ich ja genau das und viele andere ja auch, was jetzt mit der Ditib alles rausgekommen ist. Ich habe es ja sogar schon vor ein paar Monaten schon aufgeschrieben.

Deutschlandradio Kultur: Was meinen Sie?

Zana Ramadani: Die Abhörsachen. Was bei der Ditib gepredigt wird, wenn man sieht, was auf deren Homepages an Freitagspredigten veröffentlicht wird auf Deutsch, das entspricht nicht der Herkunftssprache, in denen die Predigten getätigt werden.

Was die Verbände – nicht nur die Ditib, sondern es gibt ja viele andere Verbände – was die geleistet haben in den letzten Jahren, war zu integrieren, ja. Aber nicht in die Mehrheitsgesellschaft, in unser Land, sondern in Parallelgesellschaften. Für mich gehört Integration in die Hand der Regierung. Integration muss religionsneutral sein, damit die Menschen auch verstehen, von Anfang an verstehen, dass Religion Spiritualität und Glaube bedeutet, und nicht Beeinflussung und kein politisches System. Und dass Religion in der Öffentlichkeit nicht groß was zu sagen hat und dass jeder nach seiner Fasson leben kann, dass aber es auch klare Grenzen gibt.

Wir haben uns emanzipiert im Westen von negativen Religionsinhalten und von diesem unterdrückenden System. Wie können wir einerseits dagegen sein und dagegen arbeiten, so dass alles neutral ist und schön alles getrennt ist, aber nicht in den Moscheeverbänden. Für mich sind das keine gläubigen Muslime, die was Gutes wollen, sondern das sind für mich größtenteils einfach Islamisten, nicht mehr und nicht weniger. Die will ich in der Integration nicht haben. Ich möchte, dass sie ein Teil unserer Gesellschaft werden und nicht eine Parallelgesellschaft.

Deutschlandradio Kultur: Das ist der zweite Punkt Ihres Planes für ein besseres Zusammenleben in Deutschland. Und der dritte Punkt ist, dass Sie Ihre Hoffnung, und damit sind wir wieder beim Anfang des Gesprächs, auf die Mütter setzen. – Was wollen Sie da erreichen?

Zana Ramadani: Also, mein Ansatz ist, dass wir den Müttern in diesen Integrationskursen oder den Frauen in den Integrationskursen von Anfang an viele Mythen nehmen, die Mythen über die Jungfräulichkeit, die Mythen über irgendwelche Religionsinhalte, und wir denen die Anatomie und die Sexualität aufzeigen, dass an uns Frauen nichts Verwerfliches ist, dass wir in diesen Integrationskursen den Frauen auch zeigen, dass die westliche Frau, die deutsche Frau kein Alien ist und nicht anders ist als sie. Sondern in Westdeutschland war es so, dass sie noch vor dreißig Jahren die Männer anbetteln mussten, dass sie ein Konto eröffnen dürfen oder arbeiten dürfen.

Und die Frauenbewegung hat dazu geführt, dass wir uns weiterentwickeln konnten. Sie werden auch ganz schnell verstehen, welche Chancen ihnen diese Gesellschaft gerade als Frau bietet. Sie werden sich automatisch emanzipieren und sie werden ihre Töchter und ihre Söhne gleich behandeln und gleich erziehen und diese extremen Unterschiede nicht mehr machen. Das ist mein Ansatz.

Und wenn wir es schaffen, dass die Frauen sich emanzipieren, werden sie sich integrieren. Und gleichzeitig haben wir die nächsten Generationen integriert. Und wir werden diese zweite und dritte Generation nicht mehr haben, die identitätsgestört ist und sich zu einem radikalen Islam wieder hingezogen fühlt.

Deutschlandradio Kultur: Und so endet dieses Buch doch noch mit einem optimistischen Ausblick. Zana Ramadani hat das Buch geschrieben "Die verschleierte Gefahr, die Macht der muslimischen Mütter und der Toleranzwahn der Deutschen", 264 Seiten, 18,90 Euro, im Europa Verlag. – Vielen Dank, Frau Ramadani, für Ihren Besuch.

Zana Ramadani: Dankeschön.

https://www.buchhandel.de/buch/Das-Buch-der-Ehe-9789963400485

https://www.amazon.de/Das-Buch-Ehe-n-nik%C3%A2%E1%B8%A5-ad-d%C3%AEn/dp/9963400485/ref=sr_1_5?ie=UTF8&qid=1490616959&sr=8-5&keywords=Al-Ghazali



Zana Ramadani, geboren 1984 in Skopje/Jugoslawien, heute Mazedonien, entstammt einer muslimischen Familie, mit der sie als Siebenjährige nach Deutschland zog. Nach einer Ausbildung als Rechtsanwalts- und Notargehilfin studierte sie Rechtswissenschaft, Politologie und Soziologie. Sie ist CDU-Mitglied, war aber auch Mitbegründerin der Frauenrechts-Organisation Femen Deutschland. Zwischen 2012 und 2015 nahm sie an mehreren Protestaktionen von Femen teil, unter anderem gegen die Fernseh-Show "Germany’s Next Topmodel". Öffentlich kritisiert sie patriarchale Strukturen im Islam. 2017 erschien ihr Buch "Die verschleierte Gefahr. Die Macht der muslimischen Mütter und der Toleranzwahn der Deutschen."

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Mittwoch, 22. März 2017
Flüchtlingstandems
Liebe Alle,



ich möchte Euch auf eine Initiative einiger Lokaljournalist*innen hinweisen, die Tandems für Geflüchtete anbieten, um auch Geflüchtete selbst in Zeitungen berichten und schreiben zu lassen. Sie haben hierzu ein Crowdfunding gestartet, um die Begleitseminare zu finanzieren. Darüber hinaus suchen sie noch Interessierte, die mitmachen und sich bewerben wollen. Vielleicht ja für die Eine oder den Anderen interessant.



Unter folgendem Link könnt ihr weitere Informationen erhalten: http://newscomer.de/



Liebe Grüße

Julia



Julia Willie Hamburg, MdL

Sprecherin für Kinder-, Jugend-, Familien und Queerpolitik, Angelegenheiten des Verfassungsschutzes und Antifaschismus

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im niedersächsischen Landtag
Hannah-Arendt-Platz 1
30159 Hannover
Tel. 0511-3030-3307

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Der Reichtum der Fremden - eine poetische Spurensuche mit Hanna und Rosa Legatis
Datum/Zeit

23.03.2017
19:00 - 21:00 Uhr

Veranstaltungsort
SOWJETHAUS
Am Markt 6
38108 Dibbesdorf/ Braunschweig

Sie bringen großen Reichtum mit – die Menschen, die gerade Schutz in Deutschland suchen: ihre Musik, ihre Malerei, ihr Theater – und ihre Literatur. Diesen poetischen Reichtum präsentieren Rosa und Hanna Legatis.

Europäische Politiker tun mittlerweile alles, um Geflüchtete abzuschrecken. Die deutschen Asylgesetze sind die schärfsten seit Bestehen der Bundesrepublik. Grenzpolizeien werden mit Steuergeldern aufgerüstet, nordafrikanische Sammel-Lager, in denen jetzt schon unmenschliche Zustände herrschen, als politische „Lösung“ verkauft. Die Zahl der Ertrunkenen im Mittelmeer steigt jedes Jahr. Denjenigen, die es dennoch bis nach Deutschland schaffen, schlägt eine Welle der Ablehnung entgegen, häufig offener Fremdenhass. Wer dagegen Geflüchteten in Deutschland helfen will, verzweifelt nicht selten an bürokratischen Hindernissen.

Die beiden Künstlerinnen sagen: Das ist nicht die Gesellschaft, die wir wollen!

Es sind Flüchtende, die kommen. Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten, weil sie keine Überlebenschance mehr hatten. Sie sind nicht unsere Feinde.

Heimat – damit wird Geborgenheit verbunden, Muttersprache, Herkunftsland. Aber auch: Flucht aus der Heimat, Heimatlosigkeit, Verlust. Blutige Konflikte und Armut rauben den Menschen jede Zukunft und treiben sie aus dem eigenen Land. Was bedeutet Heimat heute, in einer offenen Gesellschaft, die sich aus so vielen Nationalitäten zusammensetzt? Wie verkraften es Menschen, ihre Heimat nie wieder zu sehen? Traumata bleiben, bei vielen. Verzweiflung und dennoch – Hoffnung.

Zu jeder Zeit haben Künstlerinnen und Künstler beides beschrieben. Nach einer Antwort gesucht auf die Frage, was es für die eigene Identität bedeutet, ewig eine Fremde, ein Fremder zu sein. Rosa und Hanna Legatis begeben sich auf die Spuren der Dichterinnen und Dichter.

Und entdecken dabei nicht nur Schmerz, sondern vor allem große sprachliche Kunst, Humor, die Pracht der Worte, die Kraft der Gefühle, der Träume. Sie lesen Gedichte und Texte von Faraj Bayrakdar, May Ayim, Luc Degla, Tahere Asghary, Rose Ausländer, Hilde Domin, Heinrich Heine, Chimamanda Adichie, Mascha Kaleko, Yahya Hassan und anderen – klassische und moderne Werke.

Dieses Mal bei einem der Dichter persönlich, bei Luc Degla – in seiner Kultur-Gaststätte „Sowjethaus“ in Braunschweig.

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Die Gottespest in Pakistan - ein Beispiel aus dem alltäglichen Leben
“Ich bin schiitischer Moslem, doch Saima, meine Frau ist Sunnitin – Ich wurde als Vergewaltiger, Mörder und Entführer betitelt, weil meine Frau und ich den Normen trotzten und zu heiraten beschlossen. Ich erschien nicht bei Gerichtsterminen, die nur dazu dienen sollten, mich zu verfolgen.”

http://thevoiceforum.org/node/4339

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Mit Bierdeckeln gegen Rassismus
http://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/osnabrueck_emsland/Maulaufmachen-Mit-Bierdeckeln-gegen-Rassismus,bierdeckel116.html

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