Mittwoch, 7. Januar 2026
Tatsächlicher und vermeintlicher Sexismus im Islam oder von echten Problemen und modernen Mythen
Vorbemerkung: Ehe mir hier wieder irgendwelcher Blödsinn etikettenhaft angeheftet wird, sei es in der Richtung "Alter weißer Mann mit latent rassistischen Ansichten", sei es "Sozialromantisch-naiver linker Moslemversteher" möchte ich zunächst mal meine Expertise zu dem Thema klarstellen.

Ich bin seit 1982 in mit der Zeit schwankender Intensität in der Flüchtlingssolidarität engagiert, habe auch einmal hauptamtlich für den Flüchtlingsrat Niedersachsen gearbeitet und bin von daher mit sozialen, mentalen, politischen und religiösen Problemen, die in migrantischen Communities auftreten wohl vertraut. Hinzu kommen Erfahrungen aus Ägypten und Tunesien, wo ich intensive Erlebnisse hatte und diese Länder im engen Kontakt mit Einheimischen, zeitweise unter diesen lebend kennenlernte, anders als normale Touris oder in den Ingenieurs- oder Helferghettos von projektweise dort Beschäftigten solche Länder kennenlernen.

Schließlich hatte ich auch zwei Liebschaften mit muslimischen Frauen, einer Deutsch-Afghanin und einer Syrerin. Das waren westlich orientierte, emanzipierte moderne Frauen, die kein besonders islamisch geprägtes Leben führen, aber sie konnten mir tiefe Eindrücke vermitteln, was in ihren Herkunftsländern und auch ihren Communities in Deutschland so abgeht.


Der Islam in seinen konservativen dominanten Formen ist sicherlich weit überwiegend eine Religion, die in ihrer gelebten Praxis stark patriarchale, sexistische und frauenfeindliche Züge aufweist. Parallel zu dieser Tatsache sind in Deutschland Erzählungen im Schwange, die mal gestützt auf Tatsachen mal eher ominös raunend diese Dinge operationalisieren zu einem Feindbild Islam, das nicht mit der sehr realen Gefahr des politischen Islamismus identisch ist aber mit diesem gleichgesetzt wird.

Tatsächlich lässt sich eine fortschreitende Islamisierung muslimischer Migrantenmilieus in Deutschland beobachten. Waren die eingewanderten Menschen arabischer oder nordafrikanischer Herkunft in den 1970ern bis 1990ern überwiegend säkular eingestellt nimmt der Anteil religiöser und ihre Religiosität sichtbar nach außen tragender Leute seither zu.

Wenn ich an jüngere Araberinnen in Deutschland bis in die Nullerjahre denke, so trugen die meiste ihre langen schwarzen Haare offen und liefen sehr häufig in einem verschärften Outfit herum: Miniröcke, Strapsteile, hohe Stiefel mit High Heels. Heute überwiegen eher Kopftuch und Hijab.

Damit korrespondiert auch eine oft repressive Sexualmoral und Probleme, von denen Deutschnormal sich keine Vorstellung macht. Eines der häufigsten Probleme, das die psychosozialen Beratungsstellen der Migrantenselbstorganisationen beschäftigt hängt damit zusammen, dass sexuell erfahrene junge muslimische Frauen Arztpraxen oder Krankenhäuser mit dem Wunsch aufsuchen, sich die Vagina zunähen zu lassen, weil sie jungfräulich heiraten wollen, bzw. der soziale Druck ihrer Milieus das von ihnen verlangt. Und genau hier setzen dann auf Emanzipation abzielende Beratungsansätze an.

Aber solche Themen sind den meisten normaldeutschen selbsternannten Islamkritikern fremd. Sie beschäftigen sich mit anderen Dingen; eine der häufigsten Figuren ist da in letzter Zeit der Mythos von der Weigerung muslimischer Männer, Frauen die Hand zu geben, was auf Frauenverachtung zurückgeführt wird. Oder die Verweigerung des Handschlags gegenüber Christen, was als Verachtung der Ungläubigen interpretiert wird. Sicher gibt es beides, aber in den meisten Fällen hat diese Handschlagverweigerung andere Gründe.


Schon die Geschichte mit der Begegnung Annalena Baerbocks mit Syriens Al Sharaa nimmt sich bei genauerer Betrachtung etwas diffiziler aus.

https://www.spiegel.de/politik/deutschland/syrien-annalena-baerbock-trifft-ahmed-al-sharaa-k-ein-handschlag-a-9835d45a-e171-46d0-b819-af3a8145be27

Grundsätzlich ist der Handschlag in den meisten arabisch-islamischen Gesellschaften - und auch unter arabischen Christen - keine übliche Begrüßungsform. Arabische Männer begrüßen arabische Männer und arabische Frauen einander oft mit einer Umarmung, wenn Männer und Frauen sich gegenseitig begrüßen legen sie hingegen die rechte Hand aufs Herz und deuten eine Verbeugung an oder senken zumindest den Kopf. Bei den KurdInnen wird dazu, ähnlich einem militärischen Salutieren, die linke Hand über das Auge gehoben, und wenn man ganz höflich ist die Formel "Willkommen bei Auge und Herz" gesprochen. Händeschütteln findet eigentlich nur beim Abschluss von Geschäften statt.

Die Begrüßungsgesten in unterschiedlichen Kulturen differieren nun einmal, in Ostasien legt man die Hände wie zum Gebet zusammen und verneigt sich, Mongolen verneigen sich mit Xförmig vor der Brust verschränkten Armen.

Auch innerhalb Europas sind die Begrüßungsgesten ja regional verschieden. Der in Bayern, Österreich, Italien, Frankreich, Polen und Lateinamerika übliche Bussi-Gruß - zwei oder mehr angedeutete Küsse erst auf die linke, dann auf die rechte Wange - ist bei uns in Norddeutschland völlig unüblich. Wer noch nie in Bussi-Länder gereist ist würde dies womöglich als sexuelle Handlung wahrnehmen, und wer als Deutscher in Skandinavien eine Frau auf diese Weise begrüßt kann sich eine Ohrfeige und eine Anzeige wegen sexueller Belästigung einfangen.

Im jüngeren Teil meines eigenen Umfelds, jünger heißt 30- ist auch der Handschlag unüblich, man grüßt mit High five oder gegeneinandergedrückten geballten Fäusten. Die Welt ist nun einmal bunt und Gebräuche in verschiedenen Kulturen unterschiedlich. Die Handschlagverweigerung von Muslimen gegenüber Christen kann ein Affront sein, das aber grundsätzlich und immer als Zeichen einer verächtlichen Haltung zu werten ist so daneben, wie Deutschen in Grönland Rassismus zu unterstellen weil sie Inuit nicht so grüßen wie die es tun - Nasen aneinanderreiben.

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Zornige Randbemerkungen zu Venezuela, Grönland und dem ganzen Rest
Die deutsche mediale Öffentlichkeit regt sich gerade darüber auf, dass die Bundesregierung zu Trumps Überfall auf Venezuela eine verhaltene Antwort hat.

Es muss unmissverständlich gesagt werden: Ein militärischer Angriff auf einen souveränen Staat ist ein Völkerrechtsbruch. Da beißt die Maus keinen Faden ab.

Es gibt da nichts zu relativieren, nichts zu difizilieren, nichts zu verharmlosen, keine Lage für "komplex" zu erklären.

Doch ist die Empörung selektiv. Und der Moralismus schwebt frei im Raum.

Das Ganze hat ja historische Voraussetzungen die nicht mitgedacht, jedenfalls nicht benannt werden.
Seit Jahrzehnten ist der Westen von der militärischen Infrastruktur der USA abhängig. Satellitenaufklärung, Waffensysteme, Logistik, Luftbetankung, Atomwaffen - alles in den Händen von Uncle Sam. Ich vermute, dass die F35 der Luftwaffe nicht voll einsatzfähig sein werden, wenn der Ami die Softwareupdates sperrt.

Die weitgehend autarke Einsatzfähigkeit der Waffensysteme, wie sie Frankreich, Schweden und die Schweiz besitzen hat die BRD nicht, auch nicht die übrigen europäischen NATO-Staaten.

Im High-Tech-Bereich sind wir extrem auf US-Konzerne angewiesen: Clouds, Daten, KI, digitale Infrastruktur.

Damit unterliegt dieser Sektor auch US-Recht und US-Zugriffsmöglichkeiten.

Und dann die Basis von Allem: Money makes the world go round. Und die Weltleitwährung ist nun mal immer noch der Dollar.


Wer das Finanzsystem dominiert, beherrscht Sanktionen, Zahlungswege, internationale Geschäfte – Hier gilt seit jeher "America first".


Europa müsste es erstmal schaffen, sich aus diesen Abhängigkeitsverhätnissen zu lösen.

Das erratische, autoritäre Verhalten von Trump, dessen Herrschaftsstil an den eines Cäsaren erinnert ist die Quittung für die selbstverschuldete Unmündigkeit Europas. Ein Europa, das bisher nicht bereit ist, die Kosten für seine Sicherheit selber aufzubringen und autarke Strukturen zu erschaffen.

Wer Kritik an einem Diktator übt muss das Echo vertragen können.

Und da hapert es gewaltig an der Glaubwürdigkeit der an sich ja berechtigten europäischen Kritik an der Trump-Administration. Ich sage mal: Maximalmoral ohne Kostendeckung. Die westeuropäischen Regierungen verhalten sich da wie Studierende, die lautstark gegen das Schweinesystem demonstrieren, aber von Papis Geld leben.

Es wäre nicht zu fragen
„Warum ist die Kritik der Bundesregierung an der Venezuela-Intervention der USA so verhalten?“

Sondern:
„Ist Deutschland, ist Europa entschlossen und handlungsfähig, den Preis echter europäischer Souveränität zu zahlen? Wenn nicht, wie schaffen wir es, dort hinzukommen?“

Für das, was geschehen würde wenn uns die USA die Cyberverbindungen kappen gibt uns der Anschlag der Vulkan-Gruppe auf die Energieversorgung eines Teils von Berlin eine ungefähre Vorstellung. Es wird Zeit, dass Europa aufwacht und sich die eigene Lage klarmacht.

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