Dienstag, 16. Dezember 2025
Mehr Chanukka wagen!
Bondi Beach, das ist nicht nur das monströse antisemitische Attentat, das ist auch Ahmed Al Ahmed, der unbewaffnet dazwischen gegangen ist, den ersten Attentäter entwaffnet und wahrscheinlich sehr vielen Menschen das Leben gerettet hat. Das ist Zivilcourage von der es sehr viel mehr geben müsste.

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Dem Mutigen hilft das Glück. Man muss aber auch sagen, daß solche Aktionen meist nur dann funktionieren, wenn man sie lange trainiert hat. Der Mann war früher bei der Polizei in Syrien, wie man hört. Ehre, wem Ehre gebührt.

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Und wenn der Polizist unter Assad war dürfte er Erfahrung in der körperlichen Bekämpfung gewalttätiger Islamisten haben. In diesem Fall der richtige Mann zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Dennoch, das Lob der Zivilcourage im Allgemeinen verliert dadurch ja nicht.

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Die meisten Menschen sind keine Polizisten, fürchten um das eigene Leben. Bedauerlich, daß sie keine Anerkennung und schon gar kein Lob bekommen, obwohl sie sich den Antisemiten friedlich in den Weg stellen, aber angesichts eines Mörders in Deckung bleiben, was nicht nur der gesunde Menschenverstand rät!

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Ich war auch schon dabei als Nichtprofis Bewaffneten in den Arm gefallen sind, und zwar im Sinne persönlicher Beteiligung. Allerdings nicht in einer derart brenzligen Situation, da ging es nicht um Attentate sondern nur um gewöhnlichen Schusswaffengebrauch.

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Sollte aber nicht unerwähnt bleiben dass der Interveneur ein muslimischer Araber war.

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Soweit wir es beurteilen können ja.
Was auch gar nicht verwundert wenn man so sieht wie der IS in Syrien gehaust hat und was die Normalos dort darüber denken. Sie nennen den IS Daesh, was einerseits ein Akronym aus den Anfangsbuchstaben der offiziellen Bezeichnung ist, im Arabischen aber ein zischender Schimpflaut, der auch Trottel, Zwietrachtsäer oder Abschaum bedeuten kann.

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Nicht dass er eingreift, sondern dass so jemand an einer Chanukka-Feier teilnimmt finde ich im positiven Sinne bemerkenwert.

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Stimmt, da hast Du Recht. Nicht im positiven Sinne bemerkenswert finde ich hingegen einen Thread in der Nachbarschaft, wo lang und zustimmend ein kulturrassistischer Islamhasserkommentar aus dem PI-Spektrum zitiert wird.

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Wir sind bei den hasserfüllten Islamverschwörungstheorien inzwischen auf dem Niveau der Protokolle der Weisen von Zion angelangt. Wer Kopftücher und festliche Straßenbeleuchtung als tödliche Bedrohung des westlichen Abendlands ansieht, dem ist debattentechnisch nicht mehr beizukommen.

Ich bin ein areligiöser Mensch (das trifft es besser als Atheist oder Agnostiker). Wahrscheinlich war Jesus netter als Mohammed, aber in punkto Herrschaftsreligion nehmen sich Christentum und Islam wenig. Immerhin hat das Christentum eine 600 Jahre längere Entwicklung. Aber unsere demokratischen, aufklärerischen, liberalen Werte wurden im wesentlichen nicht mit der Kirche umgesetzt, sondern gegen sie. In Ländern wie den Philippinen oder Honduras hat die katholische Kirche noch eine enorme Macht über die Menschen. Da müssen Frauen noch damit rechnen, wegen einer Fehlgeburt viele Jahre lang im Knast zu landen.

Als das Christentum so alt war wie der Islam, hatte es die schlimmsten Greuel der Inquisition und Hexenverfolgung noch vor sich, von Religionskriegen und sanktionierter Massenversklavung ganz zu schweigen. Im Namen des christlichen Gottes wurde gemordet, geschändet, gefoltert, verbrannt... und natürlich auch viel Gutes getan, wie das bei Religionen halt so ist. Und Fanatismus gibt es im Christentum eben auch nach wie vor. Man denke nur mal daran, was die evangelikalen Sekten weltweit anrichten.

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Unter den Religionsstiftern und Propheten gibt es nur wenige nette, neben Jesus und Buddha fallen mir noch Mahavira, Mo Ti, Lao Tse und Kung Fu Tse ein. Ansonsten waren nicht nur Mohammed sondern fast alle alttestamentarischen Propheten sehr gewalttätig. Bis hin zur Ausrottung als feindlich angesehener Stämme.

Was die öfter mal auftauchende Behauptung, die Muslime hätten von Anfang an Juden bekämpft und getötet angeht gibt sich hier ein differenziertes und kleinteiliges Bild:
https://de.wikipedia.org/wiki/Chaibar_(Feldzug)


Schließlich und letztlich macht es auch keinen Sinn, heutige Maßstäbe unhistorisch auf längst vergangene Zeiten zu übertragen. Andernfalls dürfte man sich nicht auf Kant berufen, weil der in seinem Werk "Über die verschiedenen Racen des Menschen" praktische Tipps gegeben hatte auf welche Weise der Neger zu peitschen sei, nicht auf Cicero und Aristoteles, weil beide Sklavenhalter waren und Ersterer Gladiatorenspiele liebte.

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Natürlich nicht. Das Alte Testament ist aus heutiger Sicht eine barbarische bronzezeitliche Gewaltorgie. Trotzdem ist Israel heute - trotz derzeit sehr problematischer Regierung - eine im wesentlichen tolerante Demokratie.

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Das ist so, wobei zwischen Kritik an der Politik Israels und Negierung des Existenzrechts sehr grundlegend zu unterscheiden ist.

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Und der seltsame Philosemitismus rechter Kreise eher unangenehm auffällt.

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Der zeichnet sich dadurch aus, dass er mit einer Begeisterung für israelische Militäraktionen einhergeht. Mein Vater, der ja den Zweiten Weltkrieg noch erlebt hat, und unabhängig davon Genosse workingclasshero meinten übereinstimmend, das ginge ursprünglich auf die alten Kameraden zurück, ehemalige Wehrmachtsangehörige, die in Moshe Dajan quasi den - diesmal siegreichen - zweiten Rommel feierten. Das war die Kriegsbegeisterung derer, die diesmal auf der richtigen Seite stehen wollten. Dr. Dean meinte mal, der ganze Menschenschlag, bis weit ins antideutsche Lager hinein, wäre vor 1914 in einem Flottenverein gewesen.

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Stimmt, aber nicht nur. Das äußerst rechte, anti-islamistische Lager vereinnahmt gerne das Judentum. Gräbt man aber tiefer, kommen die antijüdischen, antisemitischen Einstellungen dieser Leute sehr schnell wieder zum Vorschein. Gerade auch bei der AfD.

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Bei Bersarin, der sich statt auf Adorno lieber auf Oswald Spengler berufen sollte ist es wohl das, was vor langer Zeit einmal bisher antiautoritäre Linke plötzlich zu Mao trieb: Die Sehnsucht des Intellektuellen nach dem Einfachen.

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Maos Sonne über Mönchengladbach
Mit der Sehnsucht des Intellektuellen nach dem Einfachen dürftest Du Recht haben. Ansonsten würde ich sein Denken, das er selber als superlogisch und intellektuell konsequent und redlich betrachten dürfte erratisch nennen: Eine Kombination aus der Grigatschen Interpretation der Kritischen Theorie - die ich zurückweise, ich stehe da eher der Krahl/Reicheschen Interpretation nahe, kann das gerne näher ausführen - richtigen Kritiken ehrenwerter IslamismuskritikerInnen wie Ates und Mansour und vulgärantislamischen, wohlstandsrassistischen und strukturell antisemitischen Agitationen aus dem Gutachsler- und PI/Kewil/Heerlager der Heiligen-Spektrum. Er vermischt das zu einem Ragout das sich nicht mehr auftrennen lässt.

Und was er wider besseres Wissen über mich verbreitet ist schon absurd. Jetzt laufe ich sogar schon auf israelfeindlichen Araberdemos mit...*lol* ROFL

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Ist doch schön, dass er bei diesem Thema nicht so daneben liegt wie bei Corona.
Interessant, avantgarde, ist jetzt anti-islamistisch auch schon bäh wie äußerst rechts.

https://diezukunft.at/liebevoll-am-teppich-ziehen-liebevoll-am-teppich-ziehen-eine-sozialdemokratische-selbstkritik-von-hans-juergen-tempelmayr-patay-liebevoll-am-teppich-ziehen/
HANS-JÜRGEN TEMPELMAYR-PATAY
geb. 1963, studierte u. a. Geschichte bei Erika Weinzierl mit Schwerpunkt Zeitgeschichte und verfasste seine Diplomarbeit über die Vorgeschichte des Neudörfler Parteitages 1874. Er war u. a. Mitarbeiter der USC Shoah Foundation (Lebensinterviews mit Shoahüberlebenden), Mitarbeiter am Handbuch des Rechtsextremismus (DÖW) und langjähriger Generalsekretär der Österreichisch-Israelischen Gesellschaft (ÖIG).
Aus der November-Ausgabe der Zeitschrift "Zukunft" zum Thema "Politischer Islam".
"In der heftigen Kritik am Katholizismus in den 1980er-Jahren waren wir hemmungsloser. Jeder neue Cartoon von Manfred Deix war (zu Recht) zum Schenkelklopfen. Am Ende meinte Letzterer: Über Muslime mache ich keine Cartoons, ich bin nicht lebensmüde."

https://diezukunft.at/editorial-zukunft-11-2025-der-politische-isam-von-alessandro-barberi-viktoria-kriehebauer-marlies-ettl/

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Diesen Zukunft - Beitrag werde ich mir in Ruhe durchlesen, ehe ich darauf eingehe. Ad hoc ist meine Einstellung zu dem Thema revers zu Deiner: Er lag bei Corona in den meisten Punkten richtig und beim Komplex Israel-Antisemitismus-Islam leider sehr daneben. Nicht, weil Islamkriktik an sich falsch wäre, das meine ich ausdrücklich nicht, sondern wegen der extremen Pauschalisierung und Hassaufladung. Wenn jemand über Politik nicht sine ira et studio in der Lage zu diskutieren ist läuft etwas falsch, ganz unabhängig von unseren inhaltlichen Differenzen.

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Ich kenne niemanden (außer den Islamisten selbst), der Islamismus gut findet, verteidigt und zumindest Verständnis dafür äußert. Religiöser Fanatismus -auch der gewaltlose - ist immer bescheuert, egal welche Religion.

Jeder soll nach seiner Fasson selig werden, solange er mir das Gleiche zugesteht und mir nicht auf die Nerven geht.

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Habt ihr mal gelesen was ich bei Bersarin über die Wahlen in Chile geschrieben habe? Hier noch mal:

"Übrigens waren kürzlich Präsidentenwahlen in Chile. Gewonnen hat der rechte Kandidat José Antonio Kast, Sohn eines deutschen Wehrmachtssoldaten, der nach dem Krieg nach Chile ging, mit 58%.

Und das in einem tendenziell eher linken Land. Die Hauptursache wird gesehen in einer Verschlechterung der inneren Sicherheit durch Zuwanderung von Hundettausenden von Venezolanern, von denen viele kriminell geworden sind (der berüchtigte „Tren de Aragua“ spielte dabei eine wichtige Rolle).

Kast, der in bestem Einvernehmen mit Javier Milei und Donald Trump steht, hat erklärt, illegale Migranten hätten 90 Tage Zeit, das Land zu verlassen, danahc sollen massive Abschiebungen beginnen. An der Nordgrenze zu Peru stauen sich bereits die Venezolaner, die Chile verlassen wollen. Die Peruaner wollen sie nämlich auch nicht so gerne haben.

Also wieder eine linke Regierung abgewählt, weil sie sich weigerte, effektiv gegen die Migration vorzugehen. Früher oder später wird es hier auch so kommen.

https://www.tagesschau.de/ausland/amerika/chile-rechtsruck-praesident-100.html"

Was sagt ihr dazu?

Und bevor der Einwurf kommt, dass die Venezolaner keine Muslime seien: Das Problem ist, dass inwischen ein Großteil der Migranten einfach Kriminelle sind (bzw. leute, die bereit sind kriminell zu werden, wenn die Dinge nicht so laufen, wie sie es sich vorstellen), egal ob Muslime oder nicht.

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Ein "Großteil"... soso. Unter Großteil versteht man den größten, überwiegenden Teil, die Mehrheit (von Personen oder Sachen).

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avantgarde, wusstest Du denn nicht, dass die venezolanischen Diebesbanden in Chile Armeekorpsstärke haben? Sie haben eine ganze Provinz in ihrer Gewalt, die Ladronia genannt wird. Die Hauptstadt heißt Manos Arriba.

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Nein ein Großteil bedeutet einen großen Teil, weiter nichts.

Wir sprechen dann noch mal nach den AfD-Wahlsiegen nächstes Jahr.

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Duden hilft

Und klar, wir sollten alles machen, was die AfD will, damit die Leute nicht AfD wählen. Tolle Logik.

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che, zum Thema Hass findet sich übrigens auch ein Beitrag in dieser Zukunft-Ausgabe.
https://diezukunft.at/woher-kommt-der-hass-von-abdel-hakim-ourghi/
Und wie sich die Linken bei Corona - hier diesmal schön vereint mit der katholischen Kirche - nicht mit Ruhm bekleckert haben, schaut es auch im Hinblick auf die "Religion des Friedens" finster aus.
https://diezukunft.at/die-linke-und-der-islam-von-rusen-timur-aksak/
"Wer Burschenschaften in aller Deutlichkeit kritisieren kann, aber etwa Islamverbände, die überspitzt formuliert auch nur reaktionäre Männerbünde sind, aufgrund eines falsch verstandenen Anti-Rassismus-Gedankens nicht angehen kann, hat sich selbst aus der gesellschaftlichen Debatte entfernt."

Noch zu Herrn Aksak.
https://www.wina-magazin.at/du-wirst-sozial-isoliert/
"Und da muss ich sagen: Wenn wir etwas aus Saudiarabien brauchen, dann ist es das Öl."😜

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Frohes Neues!
Che, worin unterscheidet sich denn Grigats Adorno-Interpretation von der Krahls/Reiches (wer sind die?) und Deiner? Darfst hier gerne dozieren!

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Auch frohes Neues!
Die Antwort wird dann in der Tat etwas komplexer.

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Also, zunächst mal Krahl und Reiche: Krahl war Vorsitzender des SDS (Sozialistischer Deutscher Studentenbund) während der 67er-69er Unruhen, Reimut Reiche ein Soziologe, Psychologe und Psychoanalytiker, der die Lehre Wilhelm Reichs (dissidente Form der Psychoanalyse, welche die sexuelle Befreiung und die subversive Energie des Orgasmus in den Focus stellte) mit der Kritischen Theorie verband. Krahl und Reiche waren der Auffassung, dass man, wenn man die Dialektik der Aufklärung, die Studien zum autoritären Charakter und die Negative Dialektik gelesen hätte eigentlich zum Staatsfeind werden müsste. Sie leiteten als Konsequenz der Kritischen Theorie daraus eine Art freudomarxistisch begründeten Anarchismus ab.

Adorno und Horkheimer wehrten sich gegen diese Vereinnahmungen und gegen die Besetzung des Frankfurter Instituts für Sozialforschung mit gerichtlichen Schritten. Darauf reagierten Krahl und Reiche (und andere 68er) mit dem Vorwurf, sie fielen hinter die eigenen Positionen zurück und beweisen die Dialektik der Aufklärung, nämlich das Zurückschlagen der Aufklärung in Reaktion an den eigenen Personen, indem sie als an ihrer privilegierten Stellung hängende bürgerliche Professoren diese Stellungen verteidigten statt sich denen anzuschließen, die Konsequenzen aus der Theorie ziehen und diese in die Praxis umsetzen würden. Adorno entzog sich dieser Debatte mit dem Hinweis, er habe ein Theoriegebäude entwickelt, wie habe er ahnen können, dass dieses eines Tages mit Molotow-Cocktails in die Tat umgesetzt werden sollte.

Ich finde diese Kritik an Horkdorno zumindest herrlich dialektisch und in Grundzügen berechtigt, aber andererseits auch eine unheimliche Hybris, anzunehmen, dass die 68er-Revolte die "Ihrer selbst mächtige, zur Gewalt werdende Aufklärung" darstellen sollte, die laut Dialektik der Aufklärung die einzige Macht sei, die die fortwährende Pervertierung der Aufklärung ins Regressive aufheben könne.

Ein anderer Vertreter der Kritischen Theorie, Herbert Marcuse in den USA ging hingegen direkt ein Bündnis mit der dortigen Studenten- Hippie- Bürgerrechts- und Antivietnamkriegsbewegung ein und postulierte "Die große Weigerung", die von Kriegsdienstverweigerung bis hin zum völligen Aussteigertum reichen konnte als sowohl einzig mögliche als auch historisch notwendige Form der Rebellion.

Völlig anders ausgerichtet ist die Adorno-Rezeption Stephan Grigats. Grigat ist einerseits ein sehr guter Adornokenner und vielleicht der größte Adornit überhaupt. Seine Adornobegeisterung geht so weit, dass er von Adorno komponierte Musikstücke auf dem Klavier spielt. Seine Interpretation der Kritischen Theorie kann man vielleicht als deren Judaica-Variante bezeichnen: Er betont sehr stark die jüdische Herkunft Adornos und rechnet seine Theorien zum jüdischen Beitrag der westlichen Kultur, obwohl Adorno kein religiöser Jude war und sich erst unter dem Eindruck der Shoah überhaupt fürs Judentum zu interessieren begann. Der Adornosche Kategorische Imperativ, dass Auschwitz nie wieder sein dürfe und dass dem alles legitime politische Handeln zu folgen habe wird von ihm als direkte Legitimation der Politik Israels, auch direkt von israelischen Militärschlägen gebraucht.

Grigat setzt einen Gegensatz von Kritischer Theorie und Linker: Erstens sei die Linke in ihrer Vorstellung eines fortschrittlichen Verlaufs oder Ausgangs der Geschichte, eines Erreichens des Kommunismus chiliastisch und positivistisch ausgerichtet, die Kritische Theorie hingegen grundsätzlich positivismuskritisch.

Zweitens sei die Linke seit den Sechzigern mit ihrer Unterstützung der PLO und anderer palästinensischer Widerstandsgruppen in der Grundtendenz antisemitisch, die Kritische Theorie hingegen DIE profunde Antisemitismus-Kritik überhaupt.

In einer Publikation des Ca ira-Verlags, die sich auf die Schrift "Mit den überkommenen Vorstellungen radikal brechen" der Freiburger autonomen Studis-Bolschewiki bezog, in der eine Revision grundsätzlicher linker Inhalte gefordert wurde nahm Grigat für sich in Anspruch, diese Kritik mitentwickelt zu haben, obwohl die Veteranen der autonomen Studis sich dagegen verwehrten, dass ihre Publikationen von Antideutschen ausgeweidet wurden.
In diesem Zusammenhang polemisierte Grigat gegen die Materialien für einen neuen Antiimperialismus scheinbar ohne diese je gelesen zu haben - er bezeichnete eine Redaktionsgruppe als tendenziell antisemitisch, deren Geschichte auf eine Auseinandersetzung mit den antisemitischen Annäherungen des klassischen Anttiimperialismus zurückgeht und die mit "Revolte gegen die Vernichtung. Der Aufstand im Warschauer Ghetto" die erste deutschsprachige Berichterstattung eines jüdischen Teilnehmers dieses Auftstands publiziert hatte.

Der Begriff der Linken bei Grigat ist äußerst problematisch: Es kann nicht die Rede davon sein, dass DIE Linke insgesamt israelfeindlich ausgerichtet sei. Dass gilt für das moskautreue Lager der Kommunisten vor der Perestroika und für Altantiimperialisten, deren extremste Form die RAF war, zu denen aber auch weltweit linke Organisationen wie die meisten kommunistischen Parteien und beispielsweise der ANC gehören. Diese Feindstellung macht sich an einer Wahrnehmung Israels als kolonialistischer Siedlerstaat fest und an besonderen Frontstellungen der Siebziger und frühen Achtziger Jahre, als Israel eine inoffiizielle
Allianz mit rechten Regimen wie Pinochet-Chile, Videla-Argentinien, Apartheid-Südafrika und Schah-Iran gebildet hatte.

Bezogen auf die Bundesrepublik Deutschland war diese Linke bis auf Splittergruppen schon historisch, als Grigat noch studierte. Die nicht parteiförmige linke Szene in Deutschland ist mehrheitlich nicht am Marxismus-Leninismus orientiert, es gibt dort viel mehr Anarchisten als Marxisten, ansonsten Feministinnen, Radikalökologen und mindestens zur Hälfte der Gesamtlinken Menschen ohne geschlossenes Weltbild. Die Mehrheit zumindest der westdeutschen Linken handelt primär aus emotionaler Betroffenheit von irgendeinem Unrecht, die Betroffenheit wird sogar als eigene Kategorie thematisiert: "Die großen Betroffenen leben nicht in deutschen Kiezen oder Unistädten, sondern im globalen Süden oder Städten wie Amsterdam, wir können uns nur solidarisch auf sie beziehen", O-Ton eines Plenums.

Und das ist nun schon seit etwa 40 Jahren so. Die Linke, an der Grigat sich abarbeitet existiert zumindest in Deutschland schon lange nicht mehr.
Ich selbst hatte mich während meines Studiums und zuletzt im Promotionsverfahren, innerhalb des Rigorosums mit dem Zusammenhang zwischen den Elementen des Antisemitismus und den Studien zum autoritären Charakter auseinandergesetzt.

Diesen analysierte ich als ambivalent und kohärent zugleich. Einerseits sind die Untersuchungen in den USA, die anhand der F-Skalen-Sätze nachwiesen, dass die Anfälligkeit für faschistische Ideologeme "in judenreinen Gegenden" so verbreitet war "sie selbst in Hollywood" ein Nachweis dafür, dass die US-Bevölkerung in ihren inneren Charakterstrukturen in keinerlei Hinsicht liberaler, demokratischer, ungefährdeter durch die totalitäre Versuchung war wie die deutsche. Andererseits gab es doch sehr spezifische Unterschiede, und nicht nur, weil der Faschismus in den USA nicht an die Macht gelangt war. So etwas wie den tough guy gab es in Deutschland nicht, ebenso wie in den USA völkisch-romantische Vorstellungen keine große Rolle spielten und US-Rechte, die maximale persönliche Freiheit für sich forderten mit einem Führerstaat nichts anfangen konnten. In Deutschland waren Juden das Hauptziel falscher Projektion und Opfer des Rassismus, in den USA erst in weit zugrückgeschobener zweiter Linie, im Vordergrund standen die Schwarzen, wobei es allerdings auch antisemitische Angriffe von Schwarzen in Harlem gegen mit Wall Street assoziierte Juden gegeben hatte . Horkheimer betonte, dass der eigentliche Angriff den Arbeitern gelte, die Projektion erfolgte, um für die Massen einen Sündenbock zu schaffen. In "Elemente des Antisemitismus" in der "Dialektik der Aufklärung" wurde spezifisch die Genese des Antisemitismus in Deutschland geschildert. Dennoch gibt es eine gemeinsame Matrix, eine gemeinsame Vorurteilsstruktur die wie eine kollektive paranoide Psychose funktioniere, außerhalb der die ihr folgenden aber nicht geisteskrank wären, also eine Psychose auf der gesellschaftlichen und gerade nicht der individualpsychischen Ebene.

"Die Wut entlädt sich auf alle ohne Schutz. Und wie die Opfer untereinander auswechselbar sind, je nach der Konstellation: Vagabunden, Juden, Protestanten, Katholiken, kann jedes von ihnen anstelle der Mörder treten, in derselben blinden Lust des Totschlags, sobald es als die Norm sich mächtig fühlt". Dialektik der Aufklärung, Fischer Ausgabe 1984, S. 154.

Damit liefern die Studien zum autoritären Charakter und die Elemente des Antisemitismus in ihrer Kombination eine archetypische Grundstruktur, eine Art Blaupause zur Analyse von gruppenbezogenem exterminatorischen Menschenhass an sich. Die Genozide an den Aremeniern, Kurden Tutsi, die ethnischen Säuberungen im jugoslawischen Bürgerkrieg werden analysierbar als Anwendungen eines strukturellen Antisemitismus.

Diese Analyse, die ich während des Jugoslawienkriegs schrieb, traf auf sehr positive Aufnahme am Historischen Seminar und der Fakultät für Politikwissenschaft an der Georg-August-Universität Göttingen wie auch bei Antirassismusgruppen und geradezu Schaum vorm Mund bei Antideutschen, für die Antisemitismus und sonstiger Rassismus als völlig getrennt und unvergleichbar gelten.

Ich erlebte Reaktionen, die Haltungen offenbarten, die auf eine Art "Höherwertigkeit" der Opfer des Antisemitismus gegenüber sonstig Rassifizierten hinausliefen. Worauf ich mutmaßte, dass es dann darum ginge, hinsichtlich Antisemitismus die hohe Moral zu predigen, sich selbst aber zuzugestehen, auf Migranten rassistisch herabzusehen.

Ich hatte das schon mal, dass ich das Horkheimer-Zitat "Wer vom Faschismus spricht, darf vom Kapitalismus nicht schweigen" postete und dann einer von denen damit kam, von einem seriösen Linken sei nicht klassenkämpferische oder antirassistische Agitation zu erwarten, sondern, vom eigenen Land ausgehend, die Demaskierung der "Appeaser", und Horkheimer hätte sein Zitat in dem Sinne gemeint, dass der Faschismus die negativste Form sei, in der der Kapitalismus zu sich selber komme, und das sei schon etwas anderes, als das "plakative Gebrüll", als das ich dieses Zitat gebrauchen würde. Die waren zeitweise systematisch dabei, jeden konkrete gesellschaftliche Machtverhältnisse kritisierenden Aspekt der Kritischen Theorie in eine abstrakt-quasitheologische Metaphorik umzuformulieren, und dann wabern da Identisches und Nichtidentisches wie der Hegel´sche Weltgeist, der in Völkern und Nationen zu sich selber kommt. Es ist eine Schande, was die aus der Kritischen Theorie gemacht haben.

Dann gibt es noch Adorno-Rezeptionen, die darauf hinauslaufen Adorno politisch zu entschärfen.

Etwa Herbert Schnädelbach, der das Adornosche Gesamtwerk als kulturpessimistisch bewertete. Der Schlusssatz der Elemente des Antisemitismus "Die ihrer selbst mächtige, zur Gewalt werdende Aufklärung selbst vermöchte die Grenzen der Aufklärung zu durchbrechen" scheint für ihn nicht zu existieren, für Schnädelbach ist das Geschichtsbild der Dialektik der Aufklärung ein hoffnungsloses. Die Person Adorno schildert er als einen l´art pour l´art Ästheten, der in der kontemplativen Betrachtung des Kunstwerks seine Erfüllung findet und deshalb gegen jede Form von angewandter Kunst ist. Diese Sichtweise nenne ich Hirnschrumpfung.

Ich bin mit Martin Jay, dessen Buch "Dialektische Fantasie ich als Einführungslektüre zur Thematik dringend anempfehle der Auffassung, dass die Kritische Theorie eine der Hauptströmungen der Neuen Linken darstellt.

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