Mittwoch, 7. Januar 2026
Zornige Randbemerkungen zu Venezuela, Grönland und dem ganzen Rest
Die deutsche mediale Öffentlichkeit regt sich gerade darüber auf, dass die Bundesregierung zu Trumps Überfall auf Venezuela eine verhaltene Antwort hat.

Es muss unmissverständlich gesagt werden: Ein militärischer Angriff auf einen souveränen Staat ist ein Völkerrechtsbruch. Da beißt die Maus keinen Faden ab.

Es gibt da nichts zu relativieren, nichts zu difizilieren, nichts zu verharmlosen, keine Lage für "komplex" zu erklären.

Doch ist die Empörung selektiv. Und der Moralismus schwebt frei im Raum.

Das Ganze hat ja historische Voraussetzungen die nicht mitgedacht, jedenfalls nicht benannt werden.
Seit Jahrzehnten ist der Westen von der militärischen Infrastruktur der USA abhängig. Satellitenaufklärung, Waffensysteme, Logistik, Luftbetankung, Atomwaffen - alles in den Händen von Uncle Sam. Ich vermute, dass die F35 der Luftwaffe nicht voll einsatzfähig sein werden, wenn der Ami die Softwareupdates sperrt.

Die weitgehend autarke Einsatzfähigkeit der Waffensysteme, wie sie Frankreich, Schweden und die Schweiz besitzen hat die BRD nicht, auch nicht die übrigen europäischen NATO-Staaten.

Im High-Tech-Bereich sind wir extrem auf US-Konzerne angewiesen: Clouds, Daten, KI, digitale Infrastruktur.

Damit unterliegt dieser Sektor auch US-Recht und US-Zugriffsmöglichkeiten.

Und dann die Basis von Allem: Money makes the world go round. Und die Weltleitwährung ist nun mal immer noch der Dollar.


Wer das Finanzsystem dominiert, beherrscht Sanktionen, Zahlungswege, internationale Geschäfte – Hier gilt seit jeher "America first".


Europa müsste es erstmal schaffen, sich aus diesen Abhängigkeitsverhätnissen zu lösen.

Das erratische, autoritäre Verhalten von Trump, dessen Herrschaftsstil an den eines Cäsaren erinnert ist die Quittung für die selbstverschuldete Unmündigkeit Europas. Ein Europa, das bisher nicht bereit ist, die Kosten für seine Sicherheit selber aufzubringen und autarke Strukturen zu erschaffen.

Wer Kritik an einem Diktator übt muss das Echo vertragen können.

Und da hapert es gewaltig an der Glaubwürdigkeit der an sich ja berechtigten europäischen Kritik an der Trump-Administration. Ich sage mal: Maximalmoral ohne Kostendeckung. Die westeuropäischen Regierungen verhalten sich da wie Studierende, die lautstark gegen das Schweinesystem demonstrieren, aber von Papis Geld leben.

Es wäre nicht zu fragen
„Warum ist die Kritik der Bundesregierung an der Venezuela-Intervention der USA so verhalten?“

Sondern:
„Ist Deutschland, ist Europa entschlossen und handlungsfähig, den Preis echter europäischer Souveränität zu zahlen? Wenn nicht, wie schaffen wir es, dort hinzukommen?“

Für das, was geschehen würde wenn uns die USA die Cyberverbindungen kappen gibt uns der Anschlag der Vulkan-Gruppe auf die Energieversorgung eines Teils von Berlin eine ungefähre Vorstellung. Es wird Zeit, dass Europa aufwacht und sich die eigene Lage klarmacht.

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