Dienstag, 7. April 2026
Der Bombenkrieg als normative Kraft des Faktischen
Hinsichtlich der Bombenangriffe auf Gaza ist wird ja öfter mal der Vergleich mit dem Zweiten Weltkrieg bemüht und gesagt, dass ohne jahrelange Flächenbombardements auf deutsche Städte die Nazis nicht hätten besiegt werden können.

Was dann zur Rechtfertigung der Tatsache gebraucht wird, dass ganz Gaza in Schutt und Asche gelegt wurde.

Abgesehen davon, dass hier historische Situationen ineins gesetzt werden die völlig unvergleichbar sind und die Antisemitismuskeule zur Komplexitätsreduktion eingesetzt wird stimmt das auch auf einer ganz anderen Ebene faktisch nicht.

Wie ich sowohl als ehemaliger Historiker mit dem Schwerpunkt Faschismus/NS/Zweiter Weltkrieg als auch als Kind von Zeitzeugen weiß bestand die massenpsychologische Breitenwirkung des Bombenkriegs in erster Linie darin, die Deutschen als Kollektiv zusammenzuschweißen. Und das auch bezogen auf Leute, die mit dem NS nicht einverstanden und überzeugt waren, dass Deutschland den Krieg verlieren würde. Man traute den Westallierten nicht zu, dass sie, wie sich dann später zeigen sollte, menschliche Besatzer sein würden. Ein häufig im Schwange befindlicher Spruch in den Jahren 1943-45 lautete: "Genieß den Krieg, der Frieden wir schrecklich!"

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