Sonntag, 16. August 2009
Der Nichtraucher oder Mutterwitz 2009 2.0
Es war herrlich, mal wieder den Erzählungen meiner Eltern aus deren Jugendzeit zuzuhören. Da ging es um Kohlenklau, die bemerkenswerte Tatsache, dass auch eine sehr betagte Tante noch Güterwagen entern konnte, um Arbeiter, die von Studenten Aktentaschen eintauschten, um darin unbehelligt Briketts schmuggeln zu können ("reichte aber nur zum Kaffeekochen, so Vater), und Mutter erzählte, dass sie Vater (mit dem sie noch nicht verlobt war) auf dem Fahrrad einen Nichtraucher vorbeibrachte, damit dessen Familie was zu essen hatte. "Wie bitte?" fragte ich, "Nichtraucher?"

Der Vater meiner Mutter war Viehändler, und Nichtraucher nannte man Ferkel, die wenig Appetit hatten und daher als Mastferkel ungeeignet waren, weswegen man sie nicht verkaufte, sondern für Eigenschlachtbedarf zurückhielt. Mit väterlicher Genehmigung brachte sie der armen Familie ihres Freundes auf dem Gepäckträger einen Nichtraucher vorbei. So hatten meine Eltern auch viel Verständnis für Rio Reisers "Es ist wahr, dass die Kühe das Gras nicht rauchen, sonder fressen."

--- Als ich ihr Fotos von einer sehr extremen Bergtour zeigte, über die Andere Sprüche wie "völlig verrückt, "lebensgefährlich", "Wahnsinn" äußerten war ihr ganzer Kommentar angesichts der aktuellen Affenhitze: "Zumindest ist es da oben kühl, da könnten die Bergsteiger ja mal was von abgeben."

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Oh Madonna! Madre mia!
Was da der entfesselte Pietcong wieder tobt geht ja auf keine Kuhhaut oder Soutane. Klar, mit "verletzten religiösen Gefühlen" kann man auch unerwünschte Musik verbieten wollen.

http://kurier.at/kultur/1929338.php


Die Antwort darauf gibt es ja aber auch schon - den Antipope aus Molwanien;-)

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Dringender Appell: Stoppt die Abschiebung von Felix Otto nach Kamerun!
Freilassung jetzt! Schluss mit der Kriminalisierung durch Residenzpflicht!

Pressemitteilung: Kundgebung und Aktionstag für die Freilassung von Felix
Otto in Jena, Wuppertal und Hamburg >>> http://thevoiceforum.org/node/1354

Montag, 17. August:
Telefon- und Fax-Aktion gegen die Abschiebung
und für die Freilassung von Felix Otto

(de + en)
Deportation: Fax Kampagne - Sofortige Freilassung und Abschiebeschutz für
Felix Otto - Musterfax mit Vorlage zum Download
http://thevoiceforum.org/node/1339
http://thecaravan.org/node/2071

Seit über vier ein halb Monaten sitzt Felix Otto, Aktivist der
Flüchtlingsorganisation „The Voice Refugee Forum“, in der JVA
Suhl-Goldlauter eine Gefängnisstrafe wegen Verletzung der sogenannten
Residenzpflicht ab. Sein Vergehen: sich außerhalb des Landkreises, dem er
durch die deutschen Behörden zugeteilt worden ist, aufgehalten zu haben.
Jetzt forciert die zuständige Ausländerbehörde in Schleiz/Saale-Orla-Kreis
Thüringen seine Abschiebung nach Kamerun: Die Strafhaft für Felix Otto
wegen Residenzpflicht-Verstoß wurde umgewandelt in Abschiebehaft. Die
Ausländerbehörde hat bei der Botschaft von Kamerun ein
„Heimreise“-Passersatzdokument besorgt, das bis zum 3. September gültig
ist. Wir müssen damit rechnen, dass die Behörden alles versuchen werden,
innerhalb dieser Zeit die Abschiebung zu vollstrecken. Das heißt: Felix
Otto ist gerade jetzt, bis zum 3. September, akut von Abschiebung bedroht.
Das wollen wir nicht zulassen – Schluss mit dem Unrecht gegen Felix Otto!

Wir rufen deshalb für Montag, 17. August, auf zu einem geballten,
koordinierten Telefon- und Fax-Protest an das Innenministerium von
Thüringen und an die Ausländebehörde Schleiz. Beschickt die
verantwortlichen Stellen ununterbrochen mit Faxen und ruft dort ständig
an, auf dass die Leitungen zusammenbrechen! Fordert den sofortigen Stopp
der Abschiebung und die sofortige Freilassung für Felix Otto!

Hintergrundinfos, Aufruf zu Solidaritätsaktionen am 15. August, einen
Spendenaufruf und eine Sammlung von Texten sind im Anschluss.

Musterfax mit Vorlage zum Download >> http://thecaravan.org/node/2071

Telefon- und Faxnummern der zuständigen Stellen:

Ausländerbehörde Schleiz / Landratsamt Saale-Orla-Kreis:
Telefon: 03663 - 488520
Fax: 03663 - 488450

Innenminister von Thüringen, Herr Manfred Scherer:
Telefon: 0361 – 37900
Fax: 0361 – 3793111

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Freitag, 14. August 2009
Ein Filmtipp der besonderen Art
Filmtipp: "Ein Augenblick Freiheit"( Näheres siehe
http://www.programmkino.de/cms/links.php?id=1039)

Ein Ehepaar, zwei junge Männern mit zwei Kindern und ein ungleiches,
befreundetes Männerpaar flüchten aus dem Iran und dem Irak und landen in
der türkischen Hauptstadt, wo sie, die Freiheit vor Augen, in einem
wenig vertrauenswürdigen Hotel tagtäglich auf den positiven Bescheid
ihrer Asylanträge warten. Hoffnung und zugleich Ungewissheit
charakterisieren diese erzwungene Pause auf dem Weg in ihre Unabhängigkeit.

EIN AUGENBLICK FREIHEIT erzählt mit vielen Facetten von den ersten
freien Atemzügen nach einer langen Phase der Repression. Er erzählt vom
Mut, sich auf die Suche nach einem besseren Leben zu machen. Und er
wirft einen exemplarischen Blick auf das, was vor den Grenzen der EU
geschieht.

Der junge österreichisch-iranische Filmemacher Arash T. Riahi setzt die
Flucht und das eigentümliche Zwischenstadium der Asylwerbenden mit
tragischer Komik und enormer Spannung in Szene. Fares Fares ("Kops",
"Jalla! Jalla!") in der Rolle des daueroptimistischen kurdischen
Lebenskünstlers Manu macht EIN AUGENBLICK FREIHEIT zu einer
unvergleichlichen Gradwanderung zwischen Drama und Komödie.


Hier die Orte und Zeiten, wo der Film heute bzw. bis Mittwoch zu sehen ist:

Berlin Central - Kino OmU - 17:15, 21:00
Filmkunst 66 OmU - 18:15, 20:30
Moviemento OmU - 15:15, 20:00
Bremen Cinema Ostertor OmU - 20:45
Düsseldorf Bambi OmU - 19:15
Frankfurt am Main Mal seh'n Kino OmU - 20:00
Freiburg im Breisgau Kandelhof 17:00, 21:10
Hamburg 3001 Kino OmU - 19:00
Köln Odeon OmU - 19:00
Münster Cinema & Kurbelkiste/ Die Rosa Linse OmU - 15:10, 19:30
Nürnberg Filmhauskino im Künstlerhaus OmU - 19:15
Stuttgart Delphi 1+2 16:10, 20:30

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Ohne Kommentar
http://www.proasyl.de/de/news/newsletter-ausgaben/nl-2005/newsletter-nr-150/#c10811

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Die Freuden des Kleinen
Auch wenn ich wahrscheinlich die großen Berge erst in einem Jahr wiedersehe, so bietet doch auch Norddeutschland Felswände, die es in sich haben - Klippen halt. Letztes Wochenende hatten wir Gelegenheit zu einer Kostprobe, die mehr verspricht. Und ich den Genuss, keinerlei Muskelkater hinterher zu verspüren, weil die Alpen mir noch im Körper stecken.


P.S.: Vom Top Rope distanziere ich mich, wir sind frei geklettert.
















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Stell Dir vor, es ist Krieg, und keiner schaut hin
Man könnte von einem Kriegsverbrechen sprechen, das die Bundeswehr da versehentlich angerichtet hat. Solche versehentlichen Kriegsverbrechen waren Hollywood noch Filme wie Collateral Damage wert, und in Apocalypse Now nahm dieses Thema keine unwichtige Rolle ein. Hier und heute aber geht es wohl nur um Schadensbegrenzung. Hauptsache, niemand quatscht zu laut. Man hat ja auch schon gezahlt. Das macht doch nichts, das merkt doch keiner. Die Bundeswehr ist ja auch in keinem Kriegseinsatz.

http://portal.gmx.net/de/themen/nachrichten/ausland/8716790-Schwere-Vorwuerfe-gegen-Bundeswehr.html

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Freitag, 14. August 2009
Schwimmwesten, um das Elend zu dokumentieren
Zur Veranschaulichung des Schicksals von Bootsflüchtlingen und als konkrete Protestform gegen die Abschottung der Festung Europa haben GenossInnen eine Schwimmwesteninstallation entwickelt, die bei eigentlich allen Protestaktionen gegen Abschiebungen verwendet werden kann.

Die "Schwimmwesteninstallation" wird die Tage fertig und wird nun
zunächst in Büren und dann in Hannover unterwegs sein. Für September/
Oktober/November kann es zum Aufstellen für Veranstaltungen oder
Aktionen bei uns bestellt werden. Bezugspunkte sind aktuell die Aktionstage gegen Abschiebungen, dann aber auch der nächste (letzte) Prozesstag zur Cap Anamur Anfang Oktober, oder allgemein die Thematik
der Boatpeople oder auch die Save-me-Kampagne...

Technik:
Als Ständer dient ein aufklappbares Plastikgerüst (ca. 2,25 x 2,25
Meter), das allerdings an den Füßen mit Steinen beschwert bzw. mit Kabelbindern an verankerten Pfählen oder Stangen befestigt werden
muss. (Ansonsten würde es schon bei wenig Wind umfallen, eine detailliertere "Aufbauanleitung" liegt bei.)
Am Boden des Ständers würden die übrigen Schwimmwesten, Bootsreste,
Paddel, Hose und Schuh ausgebreitet.
All diese Gegenstände befinden sich zusmamen in einem größeren
Karton, der im Kofferraum eines PKW transportierbar ist oder mit
Paketdienst verschickt werden kann. Wem das als "Eyecatcher" nicht
reicht, kann z.B. auch noch ein aufgeblasenes (eigenes!) Schlauchboot
dazustellen, das sollte jeweils den Gruppen vor Ort überlassen
bleiben und hängt ja auch vom jeweiligen Veranstaltungsrahmen ab.

Inhalt:
Die Schwimmwesten sowie die anderen Gegenstände kommen von einem der
Strände auf Lesbos, an dem zur Zeit wieder täglich Flüchtlinge und
MigrantInnen anstranden. Die Situation auf den ägäischen Inseln und
in Griechenland insgesamt ist und bleibt völlig zugespitzt: ein
momentan mit über 900 Flüchtlingen völlig überfülltes
Internierungslager Pagani, ständige "illegale" Rückschiebungen (in
die Türkei) und Misshandlungen bis zu regelrechten Mordversuchen der
griechischen Borderguards, Dauereinsatz von Frontex ...
Auf der ersten Schrifttafel würde unter der Überschrift: „Vom Strand
der zurückgebliebenen Schwimmwesten“ diese Situation in Griechenland
kurz geschildert. Auf der zweiten Tafel würde das Sterben an den
Außengrenzen, die Rolle von Frontex und die Verantwortung
Deutschlands für diese Situation thematisiert. Auf der dritten Tafel
geht es um den Cap Anamur-Prozess, wobei auch das Verfahren gegen die
tunesischen Fischer Erwähnung findet.




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Nachrichten an: JoG@lists.idash.org
JoG: Mailingliste von Jugendliche ohne Grenzen
http://www.hier.geblieben.net/ und http://www.jogspace.net

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Schöne Grüße und Bergheil
an Lisi und Ines, die gerade versuchen, in der kanadischen Arktis die Unclimbables zu bezwingen!

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Rückblick nach 2004
So analysierte ein kluger Mensch damals die Wirtschaftsstrategien der Herrschenden. Was sagt uns das heute?


"Applaus auf dem Zauberberg
Die Manager kündigen den Gesellschaftsvertrag
In Deutschland ist in diesem Jahr mehr passiert, als wir selbst im Lande wahrgenommen haben!" So beschrieb der Schweizer Thomas Straubhaar, Chef des von Steuergeld abhängigen Hamburger Weltwirtschafts Archivs, die derzeitige Lage und frohlockte, nun sei auch das Tarifkartell der Gewerkschaften de facto gesprengt worden. Tatsächlich sind die Tarifverträge nur noch für 7,9 Millionen Beschäftigte gültig, über 30 Millionen Arbeitnehmer fallen durch sogenannte Öffnungsklauseln aus den Verträgen heraus und arbeiten unter Tarif oder im Niedriglohnsektor. Hartz IV und die Arbeitsmarktreformen haben auch den Geschmack der französischen, italienischen und britischen Manager getroffen, die Deutschland in einer Umfrage gute Noten gaben. Deutschland ist wieder Vorbild im Europa der Manager, und im Index der globalen Wettbewerbsfähigkeit des World Economic Forum eroberte Deutschland den sechsten Rang dank der hohen Leistungsfähigkeit der deutschen Unternehmen. Aber worin bestand diese Leistung? Die deutschen Konzerne haben im vergangenen Jahr soviel verdient wie noch nie, die Firmen des Frankfurter Börsenindex DAX haben gegenüber dem vorhergehenden Jahr 60 Prozent mehr verdient, und die Dividendenzahlungen wurden um 40 Prozent erhöht und lagen damit fast gleichauf mit zehnjährigen Bundesanleihen: "Das hat es noch nie gegeben", schrieb das Handelsblatt. Dass die Manager der deutschen Unternehmen trotz anhaltender Konsumschwäche ein solches Ergebnis erreichten, hat ihnen die Bewunderung der Kollegen eingetragen und zu ihrer Anerkennung durch das Weltwirtschaftsforum in Davos geführt. Wie haben sie das geschafft?
Es waren nicht die klassischen Rezepte der Kunst des Managements, die auf dem Einsatz für die Entwicklung und Förderung der Stärken der ihnen anvertrauten Unternehmen beruhte, sondern es waren Mittel aus den Ausbildungsprogrammen der Business Schulen, die sich seit einiger Zeit in deutschen Konzernen ausbreiten.
Ein beliebtes Mittel aus dem Instrumentenkasten dieser Programme ist das Steuersparen durch Transferpricing, bei dem die Tochterfirmen in Niedrigsteuerländern überhöhte Rechnungen an ihre Muttergesellschaften in Deutschland ausstellen, wodurch die Gewinne bei den Töchtern, die Kosten bei den Muttergesellschaften entstehen. Der Wiesbadener Wirtschaftswissenschaftler Lorenz Jarass errechnete, dass die Deutsche Bank, BASF, DaimlerChrysler, Infineon, Post und Deutsche Telekom durch solche Gewinnverschiebungen ihre Steuern auf unter zwölf Prozent senken konnten. Den politischen Organen entzogen die deutschen Konzerne dadurch nach Schätzungen der Entwicklungsorganisation Weed im Jahre 2003 etwa 14 Milliarden Euro an Steuern.
Ein Mittel zur Gewinnerzielung bot auch die Verlagerung der Produktion in Niedriglohnländer. In den kommenden drei Jahren planen etwa zwanzig Prozent der deutschen Manager Standortverlagerungen, zumeist in die EU-Länder Ostmitteleuropas. Die verlagerten Arbeitsplätze bedrohen vor allem die Geringqualifizierten, machen bei der Mehrzahl der befragten Firmen (36 Prozent) allerdings nur zwischen ein und fünf Prozent aus, und bei einem kleinen Teil der Unternehmen (13 Prozent) zwischen zehn und zwanzig Prozent.Statt der umständlichen und kostspieligen Produktionsverlagerung eröffnet nun die EU-Dienstleistungsrichtlinie auch die Möglichkeit der Beschäftigung von Subunternehmern aus Niedriglohnländern, durch welche hier Arbeitskosten eingespart werden. 26 000 Fleischer haben nach Angaben des Spiegel inzwischen dadurch ihre Arbeit verloren, aber bisher ist noch weitgehend unklar, in welchem Umfang diese Möglichkeit genutzt wird, und niemand kann vorhersagen, welche politische Bedeutung dieser Tarifkrieg auf dem Arb eitsmarkt annehmen wird.
Das Hauptinstrument der neuen Manager ist jedoch die Reorganisation der Betriebe. 82 Prozent der befragten Manager deutscher Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern haben in den letzten zwei Jahren Reorganisationen durchgesetzt, in keinem anderen europäischen Land wurde dieses Mittel häufiger eingesetzt, und im kommenden Jahr planen die deutschen Manager weitere Reorganisationen. Zwei Drittel dieser Maßnahmen dienen der Kostensenkung und Verschlankung. Es geht dabei hauptsächlich um die Aussonderung von zu wenig profitablen Betriebsteilen (Outsourcing) und um Fusionen, also um die Reduzierung der Konkurrenz durch Übernahmen und die dadurch möglichen "Synergieeffekte", nämlich Entlassungen und Preissteigerungen. "Wenn die Rahmenbedingungen nicht in Ordnung sind, weil etwa die Konsumneigung nachlasse, suchen die Firmen ihr Heil in der Kostensenkung", erklärte Juan Rigall von der Unternehmensberatung Droege & Comp.
Im letzten Jahr haben Konzerne wie Siemens, Volkswagen, DaimlerChrysler oder Opel bei ihren Belegschaften Kostensenkungen über zusätzliche Arbeit ohne Lohn oder über Massenentlassungen nach verschiedenen Modellen durchgeführt, bei Opel fiel jede dritte Stelle weg. Und da sie angesichts der Lohnsenkungen und der verbreiteten Unsicherheit nicht mit einer steigenden Nachfrage rechnen, planen große deutsche Unternehmen auch in den kommenden Jahren weitere tiefe Einschnitte. "Bis Mitte 2005 wollen wir 450 Millionen Euro einsparen", sagte etwa der Leiter von BASF, Albert Heuser. Die von Droege & Company befragten heimischen Unternehmen mit über 500 Mitarbeitern wollen sich im kommenden Jahr mit Investitionen und Neueinstellungen noch stärker zurückhalten.
In Deutschland wird also die Arbeitslosigkeit weiter steigen: die von den neuen Managern besetzten Konzerne werden weiterhin outgesourct und abgebaut, sie werden weiter Steuersenkungsprogramme von der Regierung fordern, und weitere Einsparungen an den Löhnen vornehmen, doch sie werden keine Arbeitsplätze schaffen. Die Gewinne werden also nicht in die Unternehmen reinvestiert, sondern verstärkt in kostspielige Fusionen gehen - 71 Prozent der Manager erwarteten auch in den nächsten drei Jahren Fusionen - oder werden an die Aktionäre als Dividenden ausgeschüttet. "Viele Firmen investieren weniger in Anlagen und Produkte und schütten ihre Gewinne an ihre Anteilseigner aus", sagte Andreas Hürkamp von der Landesbank Rheinland Pfalz. Es sind seiner Ansicht nach die Investmentfonds, welche die Unternehmen zu höheren Ausschüttungen drängen.
Was den Aktionären an Dividenden abgeliefert wurde, haben die deutschen Manager also nicht "am Markt" verdient, denn dort war das Geschäft trotz Exportbooms eher flau, sondern hauptsächlich aus dem Lohntopf abgeschöpft durch Reorganisationen und Lohneinsparungen.
Man kann also feststellen, dass die Massenentlassungen zu Gunsten der Aktionäre und der Investmentfonds stattfanden - und die deutschen Manager haben endlich das Niveau erreicht, das ihnen den Applaus der Managerkollegen, der Berater und Investmentbanker von Davos zuteil werden lässt, deren Schelte sie fürchteten und deren Bewunderung sie so lange ersehnt hatten.
Was ist das für eine neue Wirtschaftselite, die nach der Anerkennung der Versammlung der eitlen Männer auf dem Zauberberg von Davos giert? Was wissen wir über die Lenker der Kernorganisationen unserer Gesellschaft? Merkwürdigerweise widmet man diesen Fragen mitten in der demokratischen Öffentlichkeit wenig Aufmerksamkeit, und kaum jemand weiß, wie sie auf ihre Positionen gelangen oder welche Ausbildung sie genießen. Einen Einblick in die Ausbildung und Denkweise unserer Wirtschaftseliten gewährt uns jetzt eine Studie des kanadischen Managementlehrers Henry Mintzberg, der die nordamerikanische Managerausbildung zum MBA (Master of Business Administration) untersucht hat ("Manager statt MBAs", Campus). Der MBA stellt eine Art Eintrittsbillett in die amerikanische Wirtschaftselite der Manager, Berater und Investmentbanker dar.
Der MBA ist das, was man im Fachjargon als "dominant Design" bezeichnet, eine Art Markenartikel, der auch weit über die USA hinaus marktbeherrschend ist und zu einer starken Vereinheitlichung "zwischen Boston und Bukarest" beigetragen hat. Die zweijährigen MBA-Lehrgänge beruhen auf einem standardisierten Lehrplan, auf einer etablierten Weltanschauung und werden durch den Verband der Business-Schulen reguliert. MBA-Lehrpläne stellen Budget, Finanzberichterstattung und Instrumente zur Kostenkontrolle in den Mittelpunkt. Die Lehre beruht auf einer Mischung aus Fallstudien und scholastisch mathematisierten Marktmodellen, losgelöst vom beruflichen Kontext. Die angehenden Manager lernen in der kurzen Zeit ihrer Ausbildung vor allem, analytisch zu denken und anhand von Papieren und Zahlen rasche Entscheidungen zu treffen. Soziale Situationen kommen nicht vor, da sie sich nicht in Zahlen darstellen lassen, und der gesellschaftliche Rahmen, in dem sie arbeiten, entgleitet daher ihrem Blick völlig, sie erwerben weder volkswirtschaftliche, noch politische oder soziologische Kompetenzen.
Einer Umfrage der American Economic Association zufolge besitzen die MBA-Absolventen zwar hervorragende Fähigkeiten zum Problemlösen, können diese Fähigkeiten jedoch in der Regel nur für formale Techniken der Modellierung nutzen, nicht aber zum Lösen realer Probleme. Die Studenten waren sogar der Meinung, dass eine vertiefte Kenntnisnahme der "wahren" Probleme sie bei der Anwendung ihrer üblichen Techniken eher hemmen würde, da deren vereinfachende Annahmen über die Wirklichkeit auf einmal viel schwerer von ihnen zu akzeptieren waren. Wenn die Probleme, die die Modelle verstecken, plötzlich ans Tageslicht kommen, neigen die Studenten also dazu, den Kopf einzuziehen. Dementsprechend hielten auch 68 Prozent der Befragten eine Kenntnis der Wirtschaft in der Ökonomie für "überflüssig" - mit der Realität wollten sie nichts zu tun haben, sie bleiben lieber in ihrem ideologischen Modellbaukästchen, und der amerikanische Ökonom Robert Kuttner sah daher schon "eine Generation von graduierten Idioten heranwachsen, die über eine Reihe von Techniken verfügen, aber nichts von Ökonomie verstehen".
Gerade weil also hier analytische Brillanz mit sozialer Inkompetenz kombiniert wird, führt die MBA-Ausbildung zu zwei scheinbar gegensätzlichen Ergebnissen: Zur Zunahme von Kontrolle und Bürokratie und zur Zunahme von raschen und für die Belegschaften unberechenbaren Veränderungen. Die Manager, die darauf getrimmt sind, einsame Entscheidungen zu treffen, verzichten darauf, aus der Kenntnis der Stärken und Schwächen der Mitarbeiter, Zulieferer und Kunden zu schöpfen. Da sie auf rasche Wechsel eingestellt sind, sitzen sie in den Büros und basteln an Kontrollen, um Daten für ihre Reorganisationstrategien zu bekommen. So entstehen bürokratisch-hierarchische Strukturen, Systemwelten, in denen Entscheidungen aus formalisierten und zahlenmäßig erfassbaren Sachverhalten getroffen werden. Trotz aller Reden vom Netzwerk als neuer Form der Unternehmensorganisation sind deshalb heute viele Großunternehmen hierarchischer und bürokratischer als noch in den Sechziger-, Siebziger- und Achtzigerjahren.
Der Teamgeist, bei dem die Manager die Arbeit der Mitarbeiter unterstützen und fördern, und die langfristige strategische Denkweise sind nicht mehr Teil des Instrumentenkastens, den die Business Schulen vermitteln. Wie kam es dazu, dass die meisten MBAs von der Praxis nichts mehr wissen wollen? Wie kam es dazu, dass all das verloren ging, was bislang noch in deutschen Mittelstandsbetrieben und in Japan zur Heranbildung von Führungskadern gehört - die Jahre der Ausbildung, in denen der ganze Betrieb durchlaufen wird, um am Ende aus lauter Netzwerken von persönlichen Beziehungen zu bestehen, die bei der Umsetzung von Maßnahmen helfen? Wie kam es bei den Managern zur Verwandlung des Bildes von der Unternehmung?
Hier spielte der wohl einflussreichste Managementlehrer dieser neuen Generation eine Rolle, Michael Jensen, der das Prinzipal-Agenten-Problem erfand. Seine Fragestellung war: Wie kann man jemanden dazu bringen, genau das zu tun, wofür man ihn bezahlt? Wie kann man verhindern, dass der Handwerker während der Zeit, in der man ihn bezahlt, gleichzeitig noch etwas für jemand anderen macht? Wie kann man verhindern, dass der Manager (der Agent), der von den Aktionären (Prinzipalen) eingesetzt ist, für etwas anderes, als den shareholder value, den Aktienkurs, arbeitet? Und weil man allen misstrauen muss, benötigt man überall eine Kontrolle - am besten einen Markt. So entstand die Legitimation des Marktes für Unternehmen aus einem negativen Menschenbild, aus einer Lehre der Angst reicher Leute vor Übervorteilung. Jensen hatte zusammen mit Meckling die shareholder-value-Theorie geboren: Aktionäre als Eigentümer der Unternehmen müssen den ungeteilten Gewinn erhalten, denn jeder Dollar, den die Manager in Arbeit, Umwelt und öffentliche Belange stecken, nimmt den Aktionären das Recht, über ihr Eigentum zu entscheiden und "ihre" Gewinne etwa in andere Unternehmen anzulegen, die ihnen rentabler erscheinen.
Manager, die sich zu sehr für die Belegschaft, die Gemeinden oder den Umweltschutz einsetzen, vergehen sich am Eigentum der Aktionäre! Diese Theorie legitimierte den von den Investmentbanken in den Neunzigerjahren geschaffenen Markt für Unternehmen, der die Gewinnmargen der Manager derselben Branche miteinander verglich. Manager wurden daran gemessen, ob sie mit den ihnen anvertrauten Firmen mindestens ebenso viele Gewinne erzielen, wie die Konkurrenz ("benchmarking"-Prinzip). Das benchmarking wurde zum Kontrollinstrument für die Investmentbanken und Berater über die Manager, und feindliche Übernahmen wurden an den Business Schools zur Reaktion des Marktes auf Manager erklärt, die nicht im Sinne des Aktionärswohls gehandelt hatten. Damit war eine rundum abgesicherte Theorie entstanden, die die radikale Kräfteverschiebung im Verhältnis zwischen Produktionssektor und Finanzsektor erklärte. Sie hatte nur zwei kleine Schönheitsfehler: Sie handelte nicht von Menschen und von lebendigen Unternehmen, sondern von reduzierten Abstraktionen und Modellen. Und weil sie nichts von wirklichen Menschen und Organisationen verstand, funktionierte sie nicht: Da die Manager zunehmend mit Aktien bezahlt wurden, partizipierten sie selbst an dieser neuen Art der Firmenbeherrschung (corporate governance), die die Firmen zu Objekten des Marktes für Unternehmen macht. Es handelte sich also nicht mehr um einen Markt, die Interessen fielen zusammen, die Manager trieben die Objekte der Begierde, die Betriebe, in dieselbe Richtung wie die Berater und Investmentbanker - sie wurden zu Söldnern, die umso mehr selbst an ihrem Geschäft verdienen konnten, je mehr Gewinn sie dem beherrschten Betrieb abnahmen. Sie haben die Lehren von Peter Drucker, dem Urvater der Managementtheorie, vergessen, für den die Erzielung von Gewinn nicht nur eine falsche, sondern auch eine irrelevante Aufgabe des Managers war: "Companies make shoes not money", Unternehmen stellen Schuhe her, nicht Geld.
Die heutigen Praktiken der Vorstandsvergütung, die Bilanzfälschungen (immer mehr Firmen müssen nach der Bekanntgabe der Quartalsergebnisse ihre Zahlen korrigieren), beiläufige Entlassungen von "Humankapital" bei fallenden Aktienkursen - das alles zeugt von dieser gewandelten Einstellung, die nicht für langfristige Planung und Entwicklung von Unternehmen, sondern für kurzfristige Kurssteigerungen der Aktien belohnt wird.
Die Manager-Söldner haben den Gesellschaftsvertrag aufgekündigt, und sie haben auch nicht ihr Versprechen eingehalten, dass die Globalisierung Gewinne für alle mit sich bringen werde. Während die Zahl der Dollar-Milliardäre in den USA von 66 im Jahre 1989 auf 268 gestiegen ist, hat sich die Armut nicht verringert, sondern verstärkt und ist im gleichen Zeitraum von 31,5 Millionen auf 34,5 Millionen gestiegen. In den USA tragen heute Lohn- und Sozialsteuern dreimal so viel zum Gesamtsteueraufkommen bei wie noch vor 30 Jahren. In Deutschland hat sich im Zeitraum zwischen 1970 und 2000 der Lohnsteueranteil beim Gesamtsteueraufkommen verdoppelt, die Körperschafts- und Gewerbesteuer halbiert. Auch Deutschland ist auf dem Weg zurück zum Klassenstaat, der Armutsbericht der Bundesregierung gibt darüber Auskunft. Schnell steigenden Spitzeneinkommen von Topmanagern stehen auch hier zu Lande stagnierende oder sinkende Effektivlöhne gegenüber. Armut ist kein vorübergehender Zustand mehr, sondern hat sich verfestigt, bei Langzeitarbeitslosen aus den früheren Bergrevieren, aus der Türkei und aus Russland und bei allein erziehenden Müttern. Der Anteil der armen Familien ist von 12,1 (1998) auf 13,9 (2004) gestiegen. Die Arbeitslosigkeit ist von 2,9 Millionen im Jahre 1998 auf 5,2 Millionen (2005) gestiegen und auch die Zahl der überschuldeten Haushalte ist rapide angestiegen - von 2,77 Millionen 1999 auf 3,13 Millionen Ende 2004.
Die neue Manager-Söldnerkaste, die sich für global hält, weil sie sich mit den lokal gebundenen Betrieben nicht mehr identifiziert, scheint stets auf der Gewinnerseite, denn durch die Aktien, mit denen sie vergütet wird, gewinnt sie bei steigenden Kursen, und durch die "goldenen Fallschirme" der Millionenabfindungen, mit denen ihre von versierten Anwälten verfassten Verträge ausgestattet sind, ist sie gegen Scheitern und fallende Aktienkurse abgesichert. Die Aufkündigung des Gesellschaftsvertrags durch diese neue Manager-Söldnerkaste wird von Seiten der übrigen Vertragspartner ("stakeholder"), die aus Mitarbeitern, Umwelt und öffentlichen Organen bestehen, zunehmend als Verrat empfunden. In den Betrieben machen sich Verdruss und innere Abwendung bemerkbar: In einer Umfrage der Rutgers Universität zeigten sich 58 Prozent der Arbeiter davon überzeugt, dass Manager auf ihren eigenen Vorteil bedacht sind - und wenn es zum Schaden des Unternehmens wäre. Zerstörte Betriebskulturen, brutale Konkurrenzkämpfe zwischen den Armeen der abhängig Beschäftigten der europäischen Länder statt gegenseitiger Unterstützung, Wählerapathie und neue nationalistische Reaktionen, das sind die schon heute sichtbaren Erfolge ihrer Politik.
Die neuen Manager fühlen sich nicht mehr verpflichtet, zum allgemeinen wirtschaftlichen Wohlstand beizutragen. Sie wollen nicht mehr investieren, weil die erwarteten Gewinne niedriger sind, als die Gewinnmargen, die die Banken und Analysten erwarten. Der BDI-Präsident Jürgen Thumann hat daher sinnigerweise den Vorschlag gemacht, Unternehmen Steuern zu erlassen, die ihre Gewinne in die eigenen Betriebe reinvestieren. Das ist die Antwort der Manager auf den Vorwurf des mangelnden Patriotismus des Bundeskanzlers: Der Staat, den zu unterstützen sie nahezu aufgegeben haben, soll die Lücke zwischen dem Produktionsrisiko und dem Anlagerisiko schließen.
Dass ein Bedürfnis nach einer Neuausrichtung vorhanden ist, ist überall zu spüren, doch die Frage ist, wie und ob es sich durchsetzen kann. In der Führung einiger großer amerikanischer Pensionsfonds hat sich nach den Skandalen der Telekombranche und den hohen Verlusten für die Mitglieder der Fonds inzwischen die Erkenntnis herumgesprochen, dass es wenig Sinn macht, die Anlagegelder von Arbeitern und Lehrern in Firmen anzulegen, die durch volkswirtschaftlich sinnlose Fusionen und Reorganisationen die Pensionsansprüche der Beitragszahler reduzieren. Die neuen Manager der Fonds schwenken immer mehr auf langfristige Anlagestrategien um und ziehen ethische Investitionen vor - heftig bekämpft von der republikanischen Presse und der Wall Street. Main Street, das zeigen die bisherigen Schritte dieser Fonds, könnte sich auf diesem Wege wieder Gehör verschaffen, wenn sie ihr Kapital aus denjenigen Unternehmen zurückziehen, die Arbeitsplätze abbauen, oder Privatisierungen fördern. Die Beitragszahler, sagte Phil Angelides, der Vorstand des kalifornischen Pensionsfonds CalPers, "sollten ihre Rechte als Eigentümer wahrnehmen: Das Zeitalter der Kurzsichtigkeit ist zu Ende. Wir müssen uns wieder auf Dinge von nachhaltigem Wert konzentrieren."
CalPers ist einer der einflussreichsten Fonds und verfügt mit etwa 180 Milliarden Dollar über ein Potenzial von der Größenordnung des gesamten Weltcomputermarktes. Auch der Treuhänder des Pensionsfonds der Angestellten New Yorks (NYCERS), William Thompson, kündigte an, er werde "die Politik des Fonds nach Umweltgesichtspunkten und Menschenrechtsgesichtspunkten ausrichten", und dabei versteht er auch Arbeit als ein Menschenrecht."

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Hähähä
http://www.duckhome.de/tb/archives/7000-Es-gab-tatsaechlich-einmal-eine-eine-grosse-deutsche-sozialistische-Volkspartei.html

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Donnerstag, 13. August 2009
Sehr zu empfehlen: Tofana di Rozes
Der Klettersteig Sentiero Giovanni Lipella (Hach, wie das klingt!) bei Cortina d Ámpezzo ist einer der schönsten und lohnendsten, aber auch anstrengendsten Klettersteige der Alpen - oder zumindest der Ostalpen, in Frankreich gibt es wohl noch ganz andere Kaliber. Auf jeden Fall ist für ausdauernde und erfahrene Alpinisten diese Tour bei gutem Wetter absolut empfehlenswert (Leuten, die sich ihrer Kondition nicht sicher sind ist er allerdings abzuraten, und absolute Schwindelfreiheit, Trittsicherheit und Umgang mit dem Klettersteigset sind selbstverständliche Voraussetzungen).


Der Berg selber zeigt sich von allem Anfang an so, dass man weiß, was Einen erwartet.



Yessas, jetzt geht´s ins Loch!
Der Einstieg ist etwas knifflig: In die Wand führt ein diagonaler Tunnel (Eingang ist die dunkle Höhle unten im Bild), der 600 Meter lang im 45-Grad-Winkel aufwärts führt, man benötigt hier eine Lampe auf dem Helm. Der Hintergrund ist schaurig: Im Ersten Weltkrieg hatten die Österreicher ein Fort in schwindelnder Höhe, das zu kapitulieren sich weigerte, und die Italiener bohrten bis zu den Fundamenten unbemerkt einen Tunnel durch den Berg und sprengten die Festung weg.




Suchbild: Wieviele Bergsteiger sind hier in der Wand?




Die Steilheit schließt schnell das Feld bzw. führt es zusammen. Lange rasten kann man hier nicht, es gibt höchstens die "steyrische Rast", d.h., man wartet, bis die Nachsteigenden aufgeholt haben.




Ich wurde als "unsportlich" bezeichnet, weil die Schweizer uns überholt hatten, und erwiderte grimmig: "Ja! Die sind aus der Schweiz! Die gehen zum Frühstück aufs Matterhorn und feiern Weihnachten in der Eiger-Nordwand."





Ein Blick von mir zur altgeliebten Marmolada, die sich in Wolken verhüllt, vielleicht, weil unsere Zuneigung heute einem anderen Gipfel gilt.



Attacke, Endspurt, und oben wird man mit einem wunderbaren Panorama belohnt und verwöhnt: Sella, Langkofel, Schlern, Rotwand und Rosengarten mit den Vajolettetürmen in einer Linie (Wenn Ihr Euch umdreht, seht Ihr die Drei Zinnen).

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Montag, 10. August 2009
Neues aus dem Startbahnland
findet sich hier:


http://kelsterbach.wordpress.com/

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Samstag, 8. August 2009
2cm Kristall
Da hing ich nun in dieser glatten Granitwand und hatte ein Problem: Einziger Griff oder Tritt, um weiterzukommen, war ein 2cm hoher Bergkristall, der aus der Wand ragte. Problem: Er befand sich in Brusthöhe. Als Griff für die Hand konnte ich ihn nicht nutzen, dazu ist er zu klein, und er hätte meine Hand geschlitzt. Wie bekomme ich den rechten Fuß auf Brusthöhe? Ich kann natürlich mit dem linken Fuß weiter steigen, da sind noch Tritte, aber es ist nichts, wo ich mit den Händen hochfassen könnte. Schließlich, nach langem Rumprobieren, habe ich den Fuß auf dem Kristall und kann mich kraftvoll weiterschieben. Für 3 Höhenmeter brauche ich wohl 10 Minuten, während ich die überhängende Stelle weiter oben problemlos gehe. Aber so ist das eben oft, auch in der Gigantenwelt des Kletterns: An den kleinen Dingen liegt es.

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Samstag, 8. August 2009
Und weiter geht´s!
Jetzt erstmal an Klippen, die aber alle Schwierigkeitsgrade zu bieten haben. Die größeren Herausforderungen warten oder sind in die Erinnerung eingebrannt. Nun muss die gewonnene Kraft bewahrt und ausgebaut werden. Es wird gehen; nie wieder ein Jahr trainingslose Pause!



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Ein gutes Essen muss man sich erst verdienen
Und wenn man 2600 Höhenmeter gegangen ist, 12 Stunden auf den Beinen war, den Gegenwert eines fünfgängigen Menüs verbrannt hat, 2 Liter getrunken hat und den ganzen Tag nichts pisst, weil man das sowieso alles sofort wieder ausschwitzt, dann hat man sich eine Belohnung wohl verdient. Und es ist unter diesen Umständen so unsagbar anders, Essen zu genießen, als einfach in ein Restaurant zu gehen oder auch selber zu kochen.









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Freitag, 7. August 2009
Ja, dann ist ja alles klar
Eine engagierte Feministin erzählte mir, dass die Frauendiskriminierung in dieser Gesellschaft noch immer massivstens ausgeprägt sei, während der Klassenwiderspruch ja eingeebnet wäre. Im Auge hatte sie damit nicht etwa Leichtlohngruppen in der Produktion (das Wort kannte sie nicht) oder Frauenhandel und Prostitution, sondern zum Einen die Unterrepräsentanz von Frauen in Führungspositionen und zum Anderen alltägliche Anmache. Ich erwiderte, dass von einer "Einebnung" des Klassenwiderspruchs gar keine Rede sein könne, und neben Sexismus und Klassenwiderspruch struktureller Rassismus unsere Gesellschaft stark prägen würde. Dass die hohe Rate von Straftaten durch "AusländerInnen" in der Kriminalstatistik zum großen Teil darauf zurückgeht, dass Verstöße gegen Ausländergesetze oder Residenzpflicht von "Deutschen" gar nicht begangen werden können, Asylsuchende im Hinblick auf Sozialleistungen in jeder Hinsicht benachteiligt werden und die Tatsache, dass nur Deutsche Ausländerbeauftragte werden können, allesamt Belege für einen institutionalisierten Rassismus seien. Zum letzten Punkt fragte ich sie, was sie davon halten würde, wenn nur Männer Frauenbeauftragte werden könnten, denn so funktioniere, analog gedacht, das Ausländerbeauftragtenwesen. Da meinte sie, das könne nicht verglichen werden, schließlich sei das eine Frage des Staatsbürgerrechts und meine Argumentation also sexistisch. Tolle Wurst.

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Unter dem Wiesengrund
Heute vor 40 Jahren starb Adorno.

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Dienstag, 4. August 2009
Hat eine neue Abschiebungswelle begonnen?
LK Ammerland inhaftiert junge schwangere Kurdin aus Wiefelstede
LK Emsland nimmt Kurden trotz schwerster Traumatisierungen und in Haft

Das deutsch-syrische Rückübernahmeabkommen produziert erste Opfer: Die Landkreise Ammerland und Emsland wollen – offenbar mit der Rückendeckung des niedersächsischen Innenministeriums – kurdische Flüchtlinge nach Syrien abschieben, die schon seit vielen Jahren bei uns leben. Die Brachialgewalt, mit der die Behörden dabei vorgehen und weder vor rechtswidrigen Inhaftierungen noch vor Familientrennungen zurückschrecken, lässt den Atem stocken:

Ø Im Landkreis Ammerland wurde am 6. Juli 2009 der syrische Familienvater R. in Abschiebungshaft genommen, obwohl keinerlei Hinweise dafür vorlagen, dass der Mann untertauchen würde. Die Ausländerbehörde beabsichtigte, Herrn R. zusammen mit seiner Frau am 16. Juli nach Syrien abzuschieben, während die – mittlerweile volljährigen – Kinder in Deutschland verbleiben sollten. Erst nach acht Tagen Haft räumte die Ausländerbehörde einen „Formfehler“ ein und ließ Herrn R. frei.

Ø Nur einen Tag später, am 7.Juli 2009, veranlasste die selbe Ausländerbehörde die Inhaftierung der im vierten Monat schwangeren Abta Houran, um ihre Abschiebung nach Syrien durchzusetzen. Abta Houran ist mit ihrem Mann, von dem sie das Kind erwartet, bislang nur religiös verheiratet – eine standesamtliche Heirat scheiterte bislang an den erforderlichen Papieren. Ein rechtmäßiger Aufenthalt wäre jedoch spätestens mit der Geburt des Kindes im nächsten Jahr möglich. Ihr Mann arbeitet und ist im Besitz einer Aufenthaltserlaubnis. Das Innenministerium erklärte bei einer Vorsprache der Unterstützer/innen gestern, das spiele keine Rolle: Frau Houran könne nach einer Befristung der Wiedereinreisesperre und Erstattung der Abschiebungskosten in etwa drei Jahren im Rahmen des Familiennachzugs regulär zu ihrem Mann nach Deutschland einreisen.

Ø Auch die Ausländerbehörde im Landkreis Emsland geht mit beispielloser Härte gegen einen Flüchtling aus Syrien vor: Der Kurde A. wurde trotz schwerer Traumatisierungen infolge der am eigenen Leib erfahrenen Folterungen in Abschiebungshaft genommen. Drei Fachärzte, darunter auch der Amtsarzt Dr. Wittfood, Psychiater der Abschiebungshaftanstalt Hannover-Langenhagen, haben seine Traumatisierung bescheinigt. Der Landkreis Emsland hat daraufhin ein Gegengutachten bei dem berüchtigten Privatgelehrten Dr. Vogel erstellen lassen, der in allen uns bekannten acht Fällen mit fragwürdigen und fachlich dürftigen Gefälligkeitsbescheinigungen im Auftrag der Ausländerbehörden Abschiebungen zu ermöglichen versuchte. Im Fall des – durch einen Hungerstreik zusätzlich geschwächten – Kurden A. kommt Dr. Vogel nicht umhin festzustellen, dass A. aufgrund seines derzeitigen schlechten Allgemeinzustands gegenwärtig nicht uneingeschränkt reisefähig sei, und rät: „Um das Dilemma zu beheben wird empfohlen, Herrn A. in einem Justizvollzugskrankenhaus fachgerecht behandeln und wieder aufpäppeln zu lassen, was in 4, allenfalls spätestens 6 Wochen durchführbar ist. Danach ist er mit Sicherheit wieder reise- und flugfähig.“

Kommentar:

Das brutale Vorgehen in den beiden Landkreisen ist nicht zuletzt das Ergebnis des Drucks aus dem Innenministerium: Innenminister Schünemann hat wiederholt die Ausländerbehörden aufgefordert, bei Abschiebungen keine Rücksichten auf vorliegende Erkrankungen und Traumata zu nehmen und Flüchtlinge nötigenfalls in Begleitung von Ärzten abzuschieben. Das enthebt die Ausländerbehörden dieser beiden Landkreise, die bereits in der Vergangenheit durch einen besonders rigiden Umgang mit Flüchtlingen negativ aufgefallen sind, nicht ihrer Verantwortung. Andere Landkreise machen vor, dass man auch anders – menschlicher – mit Flüchtlingen umgehen kann.

Auch einen Verzicht auf das Auseinanderreißen von Familien sehen die Vorschriften des niedersächsischen Innenministeriums nicht vor. Die diesbezüglichen Äußerungen des Referatsleiter im Innenministerium zur denkbaren Wiedervereinigung der Familie in drei Jahren verdeutlichen, welchen Stellenwert die Landesregierung dem Schutz der Familie einräumt, wenn es um Flüchtlinge geht.

Erschütternd ist auch, wie leichtfertig Ausländerbehörden und Amtsgerichte mit Abschiebungshaft umgehen. Sie darf nur als äußerstes Mittel verhängt werden, wenn es hinreichend Anhaltspunkte dafür gibt, dass sich jemand der Abschiebung entziehen will. Nach wie vor werden in Niedersachsen systematisch und massenhaft Flüchtlinge rechtswidrig inhaftiert, wie die Vielzahl der erfolgreichen Haftbeschwerden beweist. Dass dann sogar noch Schwangere und psychisch schwer erkrankte Personen inhaftiert werden, stellt den Gipfel der Inhumanität dar.

Schließlich belegen die Fälle, dass die wiederholten Versuche deutscher Politiker, die syrische Diktatur zu einer besseren Kooperation bei der Ausstellung von Abschiebungspapieren zu bewegen, offenbar von Erfolg gekrönt sein könnten: Schäuble hat zuletzt am 22.06.2009 während seines Besuchs in Syrien die schleppende Bearbeitung von Abschiebungswünschen auf der Grundlage des am 3.1.2009 in Kraft getretenen deutsch-syrischen Rückübernahmeabkommens durch die syrischen Behörden beklagt, die ihrerseits auf eine Intensivierung der polizeilichen Zusammenarbeit drängten (Näheres siehe hier). Vollkommen unbeeindruckt von der Kritik vieler internationale Menschenrechtsorganisationen kollaboriert die Bundesregierung mit den Machthabern des syrischen Willkürregimes, nur um Flüchtlinge abschieben zu können, die bereits seit vielen Jahren bei uns leben. Welche Angst die Betroffenen vor einer Rückkehr nach Syrien haben, verdeutlicht nicht zuletzt der Hungerstreik des in Syrien nachweislich gefolterten Flüchtlings A.

Der Flüchtlingsrat fordert die sofortige Freilassung der schwangeren Frau sowie des traumatisierten Mannes sowie einen Verzicht auf Abschiebungen nach Syrien. Jegliche Kollaboration mit Diktaturen ist zu unterlassen. Es muss für die Flüchtlinge aus Syrien eine humanitäre Lösung mit einer Aufenthaltsperspektive in Deutschland gefunden werden.

Siehe auch Bericht aus der heutigen HAZ unter:

http://www.nds-fluerat.org/aktuelles/yeziden-sind-nicht-mehr-sicher/


weitere Informationen:
Karim Al Wasiti, Flüchtlingsrat Niedersachsen, Tel. 05121 - 102685 oder 15605

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Künftige Stützen der Gesellschaft
Eigentlich ist jetzt für sie alles klar. Der Abschlussball der Tanzschule ist so etwas wie eine zentrale Weichenstellung. Im Alter von 16, 17, vielleicht 18 Jahren wird klargefahren, wer wen in ein paar Jahren heiraten wird und welche Karrieren damit verbunden sein werden. Also, der Marcus Moser kann ja dann in die Firma von Claudia Steins Vater eintreten und den nicht vorhandenen männlichen Juniorchef ersetzen, während Claudia Medizin studiert. Macht sich doch immer gut, ein Bauunternehmer und eine Ärztin. Und die Babsi, die kann doch gleich nach dem Abi bei Joschis Vater in der Anwaltskanzlei Rechtsanwaltsgehilfin lernen, vielleicht noch Rechtspflegerin draufsatteln, dann schmeißen die die Kanzlei zu zweit, wenn Papa in Ruhestand geht. Und wenn Carlo partout kein Dachdecker werden will trotz 4 Generationen Familientradition, so kann er ja auch ins Werk gehen und dort in der Logistik was werden, die Mutter von Corinna sitzt da in der Personalverwaltung. Sinnfragen, Zukunftsängste, Lust- gegen Realitätsprinzip, sich neu erfinden, Arbeitslosigkeit, HartzIV, das sind alles fremde Welten, unbekannte Dinge. Das Leben ist klar vorgezeichnet, alle werden auf ihre Geleise gestellt und angeschoben. Nicht DDR, nicht Adenauer-Republik, nicht irgendeine exotisch-korrupte Diktatur, sondern Bayern 2009.


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Montag, 3. August 2009
Ein Ziel für nächsten Sommer?
Vielleicht!


http://www.myvideo.de/watch/4451279/Lange_Leiter_im_Brenta_Klettersteig_Scala_degli_Amici

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Montag, 3. August 2009
Sozial und Arbeit
Die Neufassung: "Sozial ist, was Arbeit schafft." (INSM)

Das Original: " Sozial ist, wer Arbeit schafft." (Alfred Hugenberg)

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Trauer und Wut über Anschlag in Tel Aviv
Da diskutiert man online und offline über Heteronormativität, Homophobie und den richtigen Umgang miteinander, und dann schlagen die rechten heterosexuellen Spinner der ganz üblen Sorte auf eine Art und Weise zu, die mir die Sprache verschlägt.


Irre.


http://www.zeit.de/online/2009/32/israel-schwulenzentrum-angriff

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Sind wir nicht alle Hoppenstedts?
Die Sesselfurzer, Ferngucker Dämokratie, die soziale Spaltungen als Unterschichts-Fernsehen (besser: Unterschichtsverarschendes und beleidigendes Fenrnsehen) wahrnimmt, ist nicht nur antisolidarisch und Ungerechtigkeiten zementierend, sie folgt auch einem Prinzip, das gleichermaßen antiliberal wie neoliberal ist: "Liberalismus ist unvereinbar mit unbeschränkter Demokratie". K.A. Hayek, Liberalismus, Tübingen 1979, S.35.

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Samstag, 1. August 2009
Ein letzter Blick zurück
Im Abstieg noch einmal ein Blick auf die Kletterroute geworfen, voll großer Gefühle.





Eines der möglichen Ziele fürs nächste Jahr schon ins Auge gefasst.





Und ein letzter Gruß von ihm (oder ihr).
Großartig, und unvergleichlich, eigentlich unsagbar!


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Mittwoch, 29. Juli 2009
Und noch mal mit Wonne, wo wir schon dabei sind
http://www.youtube.com/watch?v=2pDRIJC31tU

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Worker´s fist
Und wo gerade das Thema Thatcher und Bergarbeiterstreik kurz gestreift wurde, von Momorulez bei den bissigen Liberalen und von mir im eigenen Kommentarbereich, dann doch noch mal den Soundtrack dazu (man achte auf Feinheiten wie "Go on boys, we are going to jail"):


http://www.youtube.com/watch?v=E6zcTRAeNp0&feature=related


http://www.youtube.com/watch?v=LK2ldle1kAk&feature=related


http://www.youtube.com/watch?v=P8fCQ-Dctm8


http://www.youtube.com/watch?v=LVIV3WuCoKA&feature=related

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Zum Gedenken an Rachel Corrie
Die 2003 im Alter von 23 Jahren in Rafah getötet wurde, als sie gewaltfrei gegen Bulldozer protestierte, die palästinensische Häuser zerstörten. Rachel hatte den Versuch unternommen, zwischen den Fronten von israelischem Militär und palästinensischen Selbstmordattentätern für gewaltfreie Konflktlösungen sich einzusetzen.


http://www.youtube.com/watch?v=WME495PWWJE&feature=related

http://www.youtube.com/watch?v=bpBmVww9ZcI&feature=related

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Euckens enger Blickwinkel
Es steht ja noch aus, hier einige Positionen des Nationalökonomen Walter Eucken zu kommentieren. Nicht, weil die Standpunkte dieses Theoretikers und Vordenkers der Sozialen Marktwirtschaft heute noch sehr aktuell wären (tatsächlich müssten sie eher vor dem Vergessen bewahrt werden), sondern, weil sich an ihnen viele Denkfehler des deutschen Linksliberalismus festmachen lassen (ich sage bewusst, des deutschen, denn einen Rorty oder Russell müsste man an einem ganz anderen Leisten messen). Es ist diese Selbstbeschränktheit, diese mangelnde Bereitschaft zu tiefergehender Analyse, die dem deutschen Linksliberalismus geradezu wesenseigen zu sein scheint und ihn daher bezüglich politischer Handlungsmöglichkeiten und soziökonomischer Entwicklungsperspektiven dem Illusionären verhaftet bleiben lässt.


Also, medias in res:

"1. Was heißt Markt? Markt ist eine universale, menschliche Lebensform. Auf ihm werden Leistungen und Produkte zwischen Menschen getauscht. Märkte sind nicht etwa eine Erscheinung des so genannten "Kapitalismus", es hat sie, wie die Geschichte lehrt, zu allen Zeiten gegeben, und sogar in den Ländern zentralverwaltungswirtschaftlicher Lenkung setzen sie sich bis zu einem gewissen Grade immer wieder durch, und sei es in der Form des Schwarzmarktes. (...) Gleichwohl bestehen zwischen Sachgütern und Arbeitsmärkten Unterschiede, die zu beachten sind. Arbeit ist keine Ware. (...) Die Frage ist nicht: Arbeitsmärkte oder keine Arbeitsmärkte, sondern: Welches ist ihre richtige Form? Worum es geht, das ist, den Arbeitsmarkt menschenwürdig zu gestalten." ----- Im Kapitalismus, in dem das Gesetz der Kapitalverwertung das Grundprinzip jeder wirtschaftlichen Bewegung und Entwicklung darstellt, sind Märkte zwangsläufig anders organisiert und unterliegen anderen Gesetzmäßigkeiten als Märkte in anderen historischen Epochen. Zur "universalen, menschlichenLebensform", die Märkte darstellen könnten ansonsten auch antike Sklavenmärkte gerechnet werden. Abzustreiten, dass Arbeit eine Ware ist klingt mir wie ein Schönreden nicht so schöner Verhältnisse, als sei das verbale Betonen der Tatsache, dass die lohnabhängig Beschäftigten eine Menschenwürde und Interessen haben schon ihre Befreiung, genauer: als seien sie schon frei, weil sie gar nicht dem Diktat, ihre Arbeitskraft als Ware verkaufen zu müssen unterliegen würden.

"2. Die Frage nach dem Wesen der Wirtschaft oder des "Kapitalismus" oder der "Krise des Kapitalismus" darf nicht am Anfang [ökonomischer Analyse der Verhältnisse] stehen. Damit gerät die Wissenschaft in Tiefsinn und Spekulation hinein und verliert (...) die wirkliche Wirtschaft aus dem Auge.

Die Flucht in den personifizierten Allgemeinbegriff "Kapitalismus" ersetzt die echte Untersuchung der Wirklichkeit. Beispiel: Jemand stellt die Frage, warum die Vernichtung von Weizen, Kaffee und anderen Lebensmitteln, die in Kanada, Brasilien und anderen Ländern vorgenommen wurde, geschah. Er erklärt, so handle eben der "Kapitalismus" und meint, damit sei die Frage beantwortet. Das ist sehr bequem; aber in Wahrheit ist überhaupt nichts geklärt.



3. Man glaubt mit solchen Schilderungen von den Taten des "Kapitalismus" modern zu sein und ist in Wahrheit in magisches Denken zurückgefallen. Es ist der alte Fehler des extremen Begriffsrealismus, der uns hier wiederum begegnet. - Nach zwei Seiten hin hat der Gebrauch des Begriffs "Kapitalismus" außerdem Schaden angerichtet:

Er erschwert geschichtliches Verstehen oder macht es unmöglich. (...) Der Kapitalismus führt in den den Augen dieser Betrachter nach seiner Geburt seine eigenen Existenz. Dass stets und in jedem Augenblick das wirtschaftliche Leben - und damit auch die Industrialisierung - ein Teil des geschichtlichen Gesamthergangs ist, mit dem es in fortwährender Wechselwirkung steht, und dass und wie es mit allen übrigen Lebensäußerungen der [Gesellschaften] dauernd Berührung hat, wird nicht gesehen. Die Figur des Kapitalismus mit ihrer Entwicklung vom Früh- zum Spätkapitalismus wird zum deus ex machina (...). Offen zutage liegende, wesentliche, geschichtliche Zusammenhänge werden [so] übersehen: (...) die französische Revolution, die außenpolitischen Umwälzungen und die innere Umformung der Staaten, die ihr folgten, auch die Wirtschafsstruktur Europas veränderten, dass der Krieg 1914-18, die folgenden Friedensschlüsse und Revolutionen und der Krieg 1939-45 das wirtschaftliche Leben auch der nächsten Zeit entscheidend bestimmten. War aber im Kapitalismus (...) das wirtschaftliche Geschehen auf das Verhalten dieses Wesens zurückführt, ist solchen gesamtgeschichtlichen Zusammenhängen gegenüber blind (...)

4. Auch weil der Begriff des Kapitalismus über das Ordnungsgefüge der Wirtschaft nichts Bestimmtes aussagt, eignet er sich nicht zur Bezeichnung wirtschaftlicher Wirklichkeit. Jeder legt in ihn Ordnungsvorstellungen herein, die ihm persönlich passen: Anarchie aller Produktion oder Wettbewerbswirtschaft oder Laissez faire oder Beherrschung des wirtschaftlichen Lebens durch einen von anonymen Kräften beherrschten Wirtschaftsstaat.

5. Wirtschaftliche Machtballungen sind keine Besonderheiten der Neuzeit oder des "Kapitalismus". Sie gab es vielmehr im Mittelalter und auch sonst in aller Geschichte. Verstehen wirtschaftlicher Wirklichkeit in aller Vergangenheit und in der Gegenwart und wahrscheinlich in aller Zukunft erfordert daher Verstehen wirtschaftlicher Macht und zugleich Durchschauen der auffallend gleichförmigen Kampfmethoden wirtschaftlicher Machtgruppen."


------ Jeder Versuch, die Gesetzmäßigkeiten des Kapitalismus mit wissenschaftlicher Methodik zu durchdringen und verstehen zu wollen wird hiermit eher desavouiert als befördert. Die geschilderten historischen Prozesse werden von der Geschichtswissenschaft ja tatsächlich als Faktoren verfolt und mit der Entwicklung des Kapitalismus in Zusammenhang gebracht, zu Lebzeiten Euckens allerdings nun gerade nicht von der deutschen Historiographie. Darauf zu verweisen, dass wirtschaftliche Macht auch in anderen historischen Epochen und Eigentumsordnungen als dem Kapitalismus stattgefunden hat ist eine Binsenweisheit, die zu nichts führt. Die Frage der Macht könnte sich natürlich auch völlig anders, z.B. mit Foucault stellen lassen,das wäre allerdings eine heutige, damals noch nicht denkbare Sichweise. Eucken aber meinte damit seinerzeit ein voluntaristisches, an unmittelbar handelnden Fraktionen orientiertes Verständnis, das ohne historisch-ökonomische Gesetzmäßigkeiten auskommt. Dies ist nicht nur ein Rückfall sowohl hinter Marx als auch Max Weber, sondern selbst hinter Ricardo.

"6. Die Prognosen von Marx haben sich gerade in wesentlichen Zügen nicht als richtig erweisen. Die Verelendung der Massen, die er kommen sah, ist nicht eingetreten. Vielmehr hat sich in der Zeit der Industrialisierung das Realeinkommen der breiten Schichten stärker gehoben als je zuvor. Und auch der Konzentrationsprozess ist anders vor sich gegangen, als Marx dachte." ------

Diese Passage ist ebenso ärgerlich wie dumm. Erstens sprach Marx weniger von einer Verelendung der Massen an sich, sondern vielmehr von einer Polarisation des Klassenwiderspruchs. Diese kann sich entlang der Achse Reiche werden reicher - Arme werden ärmer abspielen, muss es aber nicht zwangsläufig. Entscheidend für die Entwicklung des Kapitalismus seit Marx war die immer weiterreichende Durchkapitalisierung sozialer Reproduktionsbereiche, die zur Zeit der Industrialisierung noch nicht kapitalistisch und somit wertschöpferisch organisiert waren, zumindest nicht konsequent. Kulturindustrie, Gesundheitswesen, Altenpflege, die allgemeine enorme Ausweitung des Dienstleistungssektors bis hin zur Pornoindustrie wären hier zu erwähnen: Bereiche, die bis dato eine relative Autonomie von den Verwertungsmechanismen kapitalistischer Märkte hatten und teilweise noch über Subsistenz- und Familienstrukturen geregelt wurden, wurden erst in Wert gesetzt und dann kräftig effizienzgesteigert. Damit wurden umfangreiche Sektoren des menschlichen Lebens, die zu Marxens Zeiten noch nicht der Kapitalsphäre angehörten von dieser kolonisiert - ein schlagendes Beispiel für die Polarisation des Klasssenwiderspruchs. Die Macht der herrschenden Klasse wurde hiermit nicht nur multipliziert, sondern potenziert, zugleich schuf sie die Voraussetzungen für eine Individuation, die Klassenlage zunehmend nicht mehr fühlbar werden lässt.

Dann: Die Armut ist ja nicht weniger geworden, sie wurde ausgelagert. Mit der Vernutzung der trikontinentalen Armut, die mit jeder ausgelagerten Billigproduktion, jedem Bezug billiger Rohstoffe aus Ländern, die außer Rohstoffen nichts anzubieten haben einhergeht, vor allem aber auch der Entwicklungspolitik in den armen Ländern, die dort enorme Vermögenswerte schuf, zugleich aber hunderte Millionen Menschen entwurzelte und ins existenzielle Elend stürzte wurde der Wohlstand der Arbeiterklasse in den Metropolen subventioniert. Wir profitieren von dieser Welt(un)ordnung jedes Mal, wenn wir Baumwollkleidung tragen, Kaffee trinken oder Gummi benutzen. Jeder bettelnde Obdachlose vor dem Lidl-Markt ist noch Profiteur des durch kapitalistische Entwicklung geschaffenen Welthungers.

btw. übrigens hatte Marx auch nicht exklusiv verkündet, dass die finale Krise des Kapitalismus bzw. die Intransigenz des Klassenwiderspruchs nun exklusiv bis zu Euckens Lebzeiten eintreten müsste.



Insgesamt betrachtet, erscheinen mir die Ausführungen Euckens wie ein Schönreden historisch gegebener Verhältnisse, um ohne Selbstzweifel innerhalb des Systems weiterwursteln zu können. Wobei ein angstfreies Weiterwursteln hinsichtlich menschlich korrekter Verhaltensweisen und sozialer Halbwegs-Gerechtigkeit bei aller historischen Inkonsistenz und Selbstwidersprüchlichkeit vielleicht nicht einmal das Schlechteste ist. [Einschub: Das etwa würde auch den Sozialstaat der 70er und 80er Jahre gegenüber Kapitalismuskritik einerseits und den zunehmend marktenthemmten Verhältnissen heute andererseits kennzeichnen. Dazu passt ja, dass Eucken einer der Vordenker dieses Sozialstaats war]

Aber es kann den Blick über den Tellerrand und die Systemkritik nicht ersetzen, und eine Fixierung auf die Perspektive des Weiterwurstelns blockiert den Blick fürs Wesentliche sogar ganz.

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Dienstag, 28. Juli 2009
Ein wenig Ökumene
Die buddhistischen Gebetsfahnen am Gipfelkreuz.

Und das war´s dann auch schon wieder. Ich komme wieder, keine Frage. Mit größeren Zielen.


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