Sonntag, 6. September 2015
Das muss ich mal los werden
Die Freundlichkeit und geradezu WM-Feeling mit Wiedervereinigung verbindende Welcome-Haltung, mit der gerade auf allen größeren westdeutschen Hauptbahnhöfen eintreffende Flüchtlinge begrüßt werden erfreut mich ebenso wie sie mich überrascht. 1992 wäre so etwas undenkbar gewesen. Es scheint fast so, als sei in der Flüchtlingsfrage das gesellschaftliche Klima nach links gekippt. Oder ist das alles nur Inszenierung? Wenn, dann eine gute und durchaus begrüßenswerte.

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Zumindest ist das ein Stress-Test, was in diesem Land eigentlich passiert, wenn wir dieses Jahr 1 Mio Menschen Asyl geben.
Ich werte das als mutig.

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Die Türkei und Ägypten haben ebensoviele Menschen aufgenommen bei viel schlechteren eigenen ökonomischen Voraussetzungen, Libanon und Jordanien gemessen an ihren eigenen Bevölkerungszahlen ein Vielfaches. Sprechen allerdings auch dieselbe Sprache. Äußerst positiv finde ich in Deutschland das Verhalten des Bundes der Vertriebenen, der richtigerweise die eigene Geschichte positiv mit dem Kontext der aktuellen Geflüchteten verknüpft hat, während die in der Vergangenheit deutschtümelnd-heimatnational bis rechtspopulistisch waren. Ich sehe da einen echten Paradigmenwechsel.

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che, das sind doch 2 verschiedene Dinge.
In der Region gibt es z.T. von der UN finanzierte Notaufnahmelager, ohne diese Menschen nach einer großen Investition von 6 Mrd. Euro für unsere Gesellschaft (Wirtschaft, Sozialkassen, Sonstiges) in Wert zu setzen.
Natürlich ist das alles nicht völlig Halāl. Möglicherweise bilden zur Zeit die Schleuser eine Art Zugangsbeschränkung, so dass Menschen mit gewissen Geldreserven vermutlich überrepräsentiert sind. Jamend sollte mal den Ausbildungsstand der geflüchteten Syrer im Nahen Osten mit denen in Europa vergleichen.
Im Cono Sur gibt es auch Programme. Zur Endphase des Osmanischen Reiches und kurz danach exilierten mehrheitlich Christen aber auch Moslems aus der Peripherie dieses Staates in die verschiedenen Cono Sur Länder. Der argentinische Präsident Menem hat wie übrigens auch Steve Jobs syrische Wurzeln.
In Chile wird das z.Zt. diskutiert.
Argentinien gibt Familienangehörige 4. Grades von Argentinischen Staatsbürgern Asyl. Allerdings sind unter diesen Programm bis zum Juni erst 90 Personen eingewandert. Auch Uruguay gab Asyl, allerdings demonstrieren gerade 40 Personen für einen Rücktransport nach Syrien. Sie führen insbesondere das Verhältnis von Lebenshaltungskosten zu Löhnen an. Der neue Präsident Tabaré Vázquez hat das Programm gestoppt. Länder mit einem BIP pro Einwohner von 20.000 Dollar sind auch vermutlich gar nicht in der Lage Menschen aus einem anderen Kulturkreis wirklich zielführend zu integrieren.

Für Brasilien werden für das offizielle Programm immerhin 1500 bis 2500 Personen genannt. Darüber hinaus werden 4500 Menschen erwähnt, die "anderweitig" eingewandert sind. Ich vermute hier intra-familiäre Solidarität. Das würde Sinn machen, weil die dann von dem Netzwerk des Familienangehörigen für den Start profitieren könnten. Und damit kann dann natürlich auch der neue Start in Brasilien gelingen.

Lange Rede kurzer Sinn: Deutschland versucht hier etwas völlig anderes, basierend auf unserer brummenden Wirtschaft, unserem demographischen Problem in Hinblick auf die Sozialsysteme und unserer Erfahrung mit moslemischer Immigration.

Persönlich hab ich immer gute Erfahrungen mit Kollegen und Vorgesetzten aus dem Raum gemacht. Als ich mich dieses Jahr mal zeitweilig unberechtigterweise auf der Arbeit erstmals seit 10 Jahren in der Karl Arsch Rolle widerfand und der pakistanische Chef-Entwickler von dem Elternurlaub zurückkehrte, redete der zwar auch erstmal 2 Wochen mit mir wie die vermutlich in seiner Heimat nur mit Eseln reden, aber ich wusste, dass sich unsere Beziehung bessern und über ihn die ganze Situation zum Guten wenden wird. Genau so kam es dann auch.

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Es demonstrieren 40 Personen? Ah ja, und in Skagen fiel ein Sack rostige Nägel ins Skagerrak. Es gibt auch nicht nur von der UN finanzierte Notaufnahmelager, sondern komplette Stadtteile, die von Flüchtlingen bewohnt werden, mit selbstgebauten Häusern aus geklauten Backsteinen (In Ägypten werden die gebacken, indem man sie einfach für ein paar Wochen im Sommer in die Wüste stellt) und illegal abgezapftem Strom. Habe selbst mal in einem solchen Haus einen Abend verbracht. Das sind zwar keine staatlichen Leistungen, da der Staat das gar nicht bezahlen könnte, aber die Leute werden dort geduldet und nicht abgewehrt. In Kairo ist es normal, dass ein Bus einen Menschen ohne Beine - der da keinen Rolli hat, sondern auf einer Gabelstaplerpalette mit Bürostuhlrädern sitzt - kostenlos abweichend von der offiziellen Busroute bis zu seiner Haustür fährt, und alle Mitreisenden helfen beim Rein- und Raustragen. Jedes andere Verhalten würde dort als völlig asozial eingestuft.

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... 40 Personen bilden den Großteil der Syrer, die nach einer sehr hochtönenden Politikerrede ins Land geholt wurden.

Nichts gegen die inner-muslimische Solidarität für Flüchtlinge seit Jahrzehnten, aber unsere Regierung kann sich solche Laissez Faire Lager nun einmal nicht leisten. Obwohl die Zustände in unseren Notaufnahmelagern bestimmt auch nicht Halal sind.

Kein Land nimmt so viel Geld in die Hand, um die Probleme der Flüchtlinge anzugehen. Das sind dann eben halt auch Steuergelder, die von den Deutschen erst einmal erarbeitet werden müssen.
Politiker gewisser anderer Länder würzen Sonntagsreden über Solidarität mit EU Kritik und hoffen dann offenbar, dass die unsichtbare Hand die Grudnbedürfnisse der Flüchtlinge löst. Letzteres nenne ich Instrumentalisierung von Elend für politische Inszenierung.

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ich bin ja viel bürgerlicher, viel weniger radikal als du - deswegen hier vielleicht auch viel skeptischer. Vielleicht böser, okay.

Die Deutschen - nie habe ich deutliche DIE gesagt! - gefallen sich derzeit als Antifaschos. Endich kann man die eigene Geschichte wieder gut machen. Und BILD ist dabei und sprach als erster mit den Geretteten.

Was ist, wenn der gute, alte Max-Frisch-Satz sich wieder einmal bewahrheitet? Man habe Arbeitskäfte(aka Flüchtlinge) gerufen und es kämen Menschen? Wie wird - ich tippe es, vor Kühnheit zitternd! (ja, das ist jetzt böse...) - wie wird, ich setze neu an, wie wird die deutsche Gesellschaft auf den ersten syrischen Kaugummidieb reagieren? Oder (schagt zu! Aber ich habe recht und ihr wisst das!) auf den ersten syrischen Vergewaltiger?

ich würde von Herzen wünschen, dass ich Unrecht habe. Ich befürchte aber, dass ich richtig liege: Die derzeitige deutsche Willkommenskultur ist häufig verknüpft mit Freisprechungssehnsucht.

Ich weiß, dass es auch anders geht. Ein Arbeitskollege hat während seines Balkonien-Urlaubs zwei Tage lang Regale für die refugees aufgestellt. Und nicht wg gut-sich-fühlen, er war und ist ehrlich entsetzt gewesen über Heidenau; übrigens qua Geburt ein Ossi.

Wenn man mich fragt, wie die sog Ausländer"problematik" zu "lösen" sei, habe ich seit eh eine einfache Antwort: Deutsche Staatsbürgerschaft für alle, punkt. Für jede, jeden, die und der hier lebt und das wünscht.

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Da erzählt uns die Obrigkeit seit Jahren, wir bräuchten Zuwanderung in großem Maßstab, um dem demographischen Wandel unserer Gesellschaft entgegenzuwirken und nun bekommt sie ihn in einem Rutsch. Once upon a time in the west: Es waren nicht die schlechtesten Deutschen, Polen, Iren, welche die Heimat hinter sich ließen und nach Amerika auswanderten. Sie hatten oft eine gute Ausbildung und auch das Geld, um sich die Passage leisten zu können. Aber was wurde aus Old Europe, nachdem die Besten, die Freiheitsliebendsten fort waren? Ein Kontinent der Duckmäuser, der Hurrapatrioten, offen für Krieg und Rassenwahn? Welche Folgen wird solch ein Aderlaß für Länder wie Afghanistan, Syrien, Irak und Libyen einmal haben, wenn dort mehrheitlich nur noch Anhänger von Diktaturen und religiösen Fanatikern leben? Das sind natürlich nur sehr sarkastische Gedanken, solange man nicht harte Fakten über die "Qualität" der aktuellen Flüchtlingsströme vorlegen kann, aber wenn es sich in Kürze bewahrheiten sollte, daß wir eine riesige Zahl gut ausgebildeter Fachleute bei uns aufgenommen haben UND ihnen also anbieten, dauerhaft zu bleiben, dann sollten wir gelegentlich auch einmal an die USA denken und was die ein Europa letztlich gekostet hat, das seiner besten menschlichen Ressourcen verlustig ging.

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Die geistige Elite Afghanistans ist in den 1980er Jahren komplett in den Westen abgewandert, die IranerInnen die nach Deutschland gegangen sind sind sseit den 1960ern überwiegend Menschen mit akademischem Hintergrund. Es gibt einen eigenen Begriff für solche Prozesse hinsichtlich der Auswirkungen auf die Herkunftsländer: Brain-Drain.

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lichterkettenpatriotismus
oder anders: "ausländerfreundliche ausschreitungen" (friedrich küppersbusch)

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Paul Collier hat wie immer erhellendes zum Thema beizutragen:

„The boat people are the result of a shameful policy in which the duty of rescue has become detached from an equally compelling moral rule: ‘thou shall not tempt’. Currently, the EU offers Syrians the prospect of heaven (life in Germany), but only if they first pay a crook and risk their lives. Only 2 percent succumb to this temptation, but inevitably in the process thousands drown. This policy is so irresponsible that it is morally closer to the recklessness of manslaughter than to the virtue of rescue. It showers fortune on the few, kills thousands, and ignores millions. Of course those in sinking boats must be fished out of the sea, but they should then be placed in safe refugee camps offering jobs now and the prospect of return to Syria upon the return of peace.“

http://www.socialeurope.eu/2015/07/beyond-the-boat-people-europes-moral-duties-to-refugees/

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Das ist die Perspektive des Throns
In dieser Aussage Colliers steckt durchaus Wahrheit, aber sie stammt von einem derjenigen, die Entwicklungspolitik aus der Interessenlage der Metropolen planen bzw. denen die das tun die Ideen liefern. Institutionen wie Weltbank und IWF sind, was das Flüchtlingselend angeht ganz klar auf der Täterseite zu verorten.

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Meine Tante hat keine Meinung zu den Flüchtlingen, aber Zigeuner erkennt sie an der Stimme. Der Vater eines Freundes hält über die Hälfte für Pack, den Rest für arme Schweine, aber "wir" können ja nicht alle aufnehmen. Währendessen sind im syrischen Krieg über 200000 (!) gestorben. Die überflüssigen Menschen verschwinden einfach. Wer mit dieser Welt nicht brechen will, aber denen in Not helfen ist Zyniker oder naiv.

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Interessant ist in dieser Hinsicht der Standpunkt meines alten Vaters, der höchst solidarisch und empathisch und die jetzige Situation mit dem Zweiten Weltkrieg vergleicht den er selbst erlebt hat.

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Meine unter Vorbehalt pro Hilfe eingestellte Mutter nervt es, wenn ich - den in 60 Jahren trotz guter Integration nie abgelegten schlesischen Dialekt meiner Oma imitierend - von Flichtlingen rede.
Sie wären ja damals schliesslich keine Araber gewesen.
Ich: Aber mit der Haarfarbe, diesen Backenknochen und den Nachnamen zwischen 1400 und 1700 irgendwann erfolgreich angelernt Deutsch, davor 60% polnisch und 40% baltisch.
Mutter: Ach Du.

Meine Oma lebt leider nicht mehr. Die hätte vermutlich von ihrer deutlich unter 1000 Euro Rente gespendet.

Es gibt viele Parallelen: permanente Luftangriffe, die Ohnmacht der Eltern während der Flucht mit Kindern, die Vergewaltigungen, eine über Jahrzehnte formal relativ gut ausgebildete Bevölkerung.

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@lacommune: "Wer mit dieser Welt nicht brechen will, aber denen in Not helfen ist Zyniker oder naiv." ---- so einfach ist das nicht. Dass die bestehende kapitalistische Ordnung auf Leichenbergen fusst weißt Du, weiß ich, aber Anna und Otto Normal würden eher sagen, dass die Fluchtgründe in Syrien und anderswo hausgemacht sind. Aktuell entsteht eher eine affirmative Positiv-Wahrnehmung der Bährd, im Sinne von "Cooles Land, das Flüchtlinge aufnimmt" bis hin zu einer geradezu weltweiten Wahrnehmung von Merkel als heldenhafte Staatschefin, die Flüchtlinge willkommen heißt. Daraus könnte sogar eine Art neuer Patriotismus erwachsen, nach dem Motto: "Die tollen Deutschen heißen die willkommen, während sie sonst niemand haben will".

Das ist keine Basis für Systemopposition. Wohl aber Mobilisierungsbasis für ohnehin schon oppositionelle Kräfte.

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An der eigenen Gesellschaft wäre die potentielle Barbarei ahnbar. Brauchst kein Diplom für. Danach kann man nicht mehr so einfach, auf gängige Ersatzerklärungsangebote anspringen. Oder die Person wird Zyniker.

Dass die deutsche Nation sich auch über die Flüchtlinge zu renuvieren sucht, klar. Lemmy Caution macht da ja auch mit.

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Die Tatsache, dass es seit Jahrzehnten nicht zur Revolte kommt zeigt wie schwierig das mit dem Bewusstsein der Massen ist. Insofern ist der Satz " Wer mit dieser Welt nicht brechen will, aber denen in Not helfen ist Zyniker oder naiv." analytisch einfach falsch. Viele die denen in Not helfen wollen kämen gar nicht auf die Idee den Kapitalismus zu kritisieren oder dem Leiden der Flüchtlinge, Deutschen Waffen - Deutschem Geld, den terms of trade und dem tendenziellen Fall der Profitrate eine Verbindung herzustellen. Dass die wenigsten das tun ist ja gerade die Crux. Selbst die Steine auf den Zug mit den Neonazis heute waren letztlich ein Angriff auf ein Ersatzziel.

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"..eine Verbindung herzustellen." weil sie (polemisch gesagt) naiv sind. Ja, ich kann das nicht von jedem erwarten, auch ich weiß längst nicht alles und wo die reine Wahrheit liegt ist immer so eine Sache. Aber ich kann von den Leuten erwarten, dass sie sich selbst in der Gesellschaft (dadurch die Gesellschaft mit) reflektieren und daraus hoffentlich klarer im Kopf werden oder zweifelnder. Das ist eine Grundvorrausetzung für den Kommunismus. Mit platten Materialismus kommt man nicht weiter. Wenn sie das nicht machen, dann werde ich sie naiv nennen.

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Na ja, Du hast den merkwürdigen h.z. ja erlebt, der uns beide für systemstabilisierend hält, aber mit dem System nicht brechen, sondern ein paar juristische Stellschrauben verändern will, wenn ich seine kryptischen Sätze richtig verstanden habe. DAS ist naiv. Ansonsten lügen die allermeisten Menschen sich über ihre kognitiven Dissonanzen hinweg. Eigentlich sind die Verhältnisse ja zum Durchdrehen. Zwischen zynisch und naiv gibt es noch alles Erdenkliche andere, dass die Leute zum Mitmachen und Weiterfunktionieren bringt.

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Sytemstabilisierend, lieber che, sind Sie und andere, weil Sie den Dingen auf den Grund zu gehen sich verweigern - doch das stellte ich, wie Sie zutreffend bemerken, bereits fest.

Zu den "juristischen Stellschrauben" sei Ihnen die Lektüre dieses Dokuments anempfohlen, in welchem Sie erfahren können, wie beispielsweise an die HartzIV-Problematik analytisch sauber und strategisch klug heranzugehen ist.

Im übrigen vermeiden Sie konsequent jede Einlassung dazu, wie Sie sich - jegliche rechtsphilosophische Grundlage ablehnend - ein durchsetzungsfähiges Rechtsanspruchssystem konkret vorstellen wollen. Was sich zu diesem Themenkomplex - einschließlich der Handhabung der Lasten geopolitisch/wirtschaftlich verursachter massenhafter Fluchtbewegungen - hier aus Ihrer Feder laufend ansammelt, ist unter die Rubrik "akademisches Geschwätz" zu subsumieren, bar jeglicher gesellschaftspolitischer Relevanz.

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Den Dingen auf den Grund zu gehen würde bedeuten, dringend mal Marx zu lesen, was Du ja offensichtlich nicht getan hast, sonst wäre Deine Antwort auf meine Bezugnahme auf den tendenziellen Fall der Profitrate nicht so katastrophal daneben ausgefallen.

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Worauf ich in meiner Antwort bezugnehme, müssen Sie wohl mir überlassen, lieber che, ansonsten Sie sich einer lächerlichen Ausprägung von Größenwahn hingeben würden. Ihr Verweis auf Marx' Profitrate ist nämlich genau das.

Mit dem Link auf den gerichtlichen Vorlagebeschluss bezog ich mich beispielhaft auf Ihre Verleugnung der Tatsache, dass sich Ausbeutung qua gesetzten Rechts vollzieht und eben nicht von der Höhe der Sozialleistung abhängig ist. Gleichzeitig zeigt dieses Dokument, dass neoliberaler Dialektik (derer Sie sich - systemstabilisierend - ebenso bedienen; darauf wies ich an anderer Stelle ebenfalls hin) wirksam entgegengetreten werden kann.

Jetzt sollt's nun doch ausbuchstabiert sein, meine ich.

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Dass Ausbeutung sich qua gesetzten Rechts vollzieht habe ich überhaupt nicht verleugnet. Sondern ich hatte geschrieben, dass die Hartz-Gesetze in Zusammenwirkung mit der Einführung eines Niedriglohnsektors zur Stärkung der deutschen Wirtschaft und zur Disziplinierung und Zurichtung der menschlichen Arbeitskraft für Ausbeutungsverhältnisse geführt haben und hierbei die Diskrepanz zwischen alter Arbeitslosenhilfe und der Höhe des ALG-Satzes als treibenden Faktor benannt. Die materielle Armut und der Stress, dem die Hartzer ausgesetzt sind zwingt sie halt zu solchen Jobs. Deine Aussage, dass die Höhe des Leistungsssatzes unerheblich sei erscheint mir in diesem Kontext als reiner Unsinn. Genau darum geht es ja: gezielte Verarmung, um die Leute in prekäre Jobs zu zwingen. Damit wurde zugleich die deutsche Arbeitslosigkeit exportiert- die Billiglohnproduktion als Zulieferung für die deutsche Wirtschaft in ost- und südeuropäischen Staaten als verlängerter Werkbank der deutschen Industrie wurde ins eigene Land geholt, was zur Verringerung der Arbeitslosigkeit in Deutschland und ihrem entsprechenden Anstieg in den anderen Ländern führte. Im Bezug zu Deinen Ausführungen zum positiven Recht erwiderte ich, dass eine Umwälzung der Verhältnisse nur möglich ist, wenn die Produktionsverhältnisse, vor allem das kapitalistische Eigentumsverhältnis angegriffen werden.


Ich habe ja gar nichts dagegen, gegen die Hartz-Gesetze vor dem Bundesverfassungsgericht zu klagen. Systemüberwindend aber ist das nicht.

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"Na ja, Du hast den merkwürdigen h.z. ja erlebt, der uns beide für systemstabilisierend hält, aber mit dem System nicht brechen, sondern ein paar juristische Stellschrauben verändern will, wenn ich seine kryptischen Sätze richtig verstanden habe. DAS ist naiv. Ansonsten lügen die allermeisten Menschen sich über ihre kognitiven Dissonanzen hinweg. Eigentlich sind die Verhältnisse ja zum Durchdrehen. Zwischen zynisch und naiv gibt es noch alles Erdenkliche andere, dass die Leute zum Mitmachen und Weiterfunktionieren bringt."

Eben solchen wie H.Z. oder Lemmy kannst du Marx und Konsorten runterbeten und du wirst sie nicht gewinnen. Individuen die die bestehende Ordnung bis in die Haarspitzen aufgenommen haben. Nur eine Mischung aus ganz handfester Erfahrung und die angesprochene Reflexion wird die für die richtige Sache gewinnen. Zumindest manchmal.

Viele sind Zyniker. Die Verhältnisse begünstigen das. Aber auch Zyniker können ja partiell Gutes bewirken. H.Z. verteidigt mit seinem (makerhaft betonten) Körper jemanden und setzt sich vielleicht für Harz IV-Empfänger ein, Lemmy ist nett zu seinen Arbeitskollegen und ein US-Pilot verwandelt Daesh-Kämpfer in Matsch, Asche, was schlimm ist, aber andere Leben rettet. Die Aufgabe von Kommunisten wäre halt nicht zwischen schlimm und weniger schlimm zu entscheiden. Aber das ist ein Kommentar in Richtung deutsche Linke, die meinem Eindruck nach zu Nato und Kurden-Soli begeistert ist.

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@lacommune: Sie verwechseln da was. Gerade wegen meines massiven Körperbaus scheue ich aus moralischen Gründen vor Gewaltanwendung zurück. Die würde nämlich sehr weh tun.

Im übrigen mögen Sie zwar Marx herunterbeten können. Meinen Hinweis damals auf die Geldillusion haben Sie intellektuell allerdings noch nicht so recht durchdrungen, will mir scheinen. Ich wiederhol's gerne: "Geld ist die Summe aller Verbindlichkeiten von Banken gegenüber Nichtbanken." Daraus lassen sich einige elementare Schlüsse ziehen, wenn man ein wenig darüber nachdenkt.

Individuen, welche die bestehende Ordnung bis in die Haarspitzen aufgenommen und verstanden haben, setzen beim Geldsystem an und denken über eine Wirtschaftsordnung nach, in der Geld als handelbare Ware keinen Bestand mehr hat. Damit verbunden sind unausweichlich Eingriffe in das Rechtssystem (aka "juristische Stellschrauben"). Annahmezwang und so...

Erstaunlich ist unter anderem auch die Tatsache, dass eingefleischte Dogmatiker wie Sie und che nicht eingehen können auf die mittlerweile prächtig funktionierende Planwirtschaft innerhalb des uns bekannten Kapitalismus. Da bräuchte es nicht mehr viel, um sie zu verselbständigen. Ich bin mir sogar ziemlich sicher, dass Sie Planwirtschaft ablehnen.

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Achso Gewalt die nur ein bisschen weh tut geht voll okay. Du haust natürlich unausweichlich (!) so richtig rein, in der Theorie.

In deinen Aussagen spielt sich eine Emphase des starken, wehrhaften, männlichen Körper ab, durch den du dich teils definierst. Egal ob du nun Gewalt anwenden willst oder nicht. Durch die Verweigerung der Gewaltanwendung, die du mehrmals versicherst, besonders effektiv ausüben zu können, zielst du auf moralische Überlegenheit. Das ist albern und korrespondiert mit deinem sonstigen Auftreten (vermeintlich sachlich, autoritär-egozentrisch).

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Was soll das Alles heißen?
@Erstaunlich ist unter anderem auch die Tatsache, dass eingefleischte Dogmatiker wie Sie und che nicht eingehen können auf die mittlerweile prächtig funktionierende Planwirtschaft innerhalb des uns bekannten Kapitalismus. Da bräuchte es nicht mehr viel, um sie zu verselbständigen. Ich bin mir sogar ziemlich sicher, dass Sie Planwirtschaft ablehnen.


Ähem, gehts auch konkreter? Welche Planwirtschaft, was ist damit konkret gemeint? Mir geht es ähnlich wie che und lacommune, mir erscheinen Ihre Aussagen als kryptisches Geschwurbel, aus dem ich nicht ableiten kann, was Sie eigentlich meinen. Also bitteschön konkret.

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@netbitch: Offensichtlich bin ich zu blöd dafür, um zu erfassen, was daran so schwierig sein könnte. In allen Bereichen, in denen sich eine "Zulieferindustrie" etabliert hat, wird just-in-time produziert - bedarfssynchron. Den Takt schlägt jenes Kapital, welches sich am nächsten zur Konsumentenfront befindet. Dieses dirigierende Kapital hingegen produziert nicht für einen Bedarf, sondern versucht schlicht, produzierte Güter mit einer Vielzahl an Methoden - eine davon ist Werbung - abzusetzen.

So. Nun sind Sie eingeladen, mir zu erklären, was Sie nicht kapieren. Dann kann ich vielleicht weiterhelfen.

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Du sprichst von Postfordismus-Toyotismus
So jedenfalls wird die von Dir skizzierte Produktionsweise im Sinne eines Systembegriffs genannt. Dieses Thema ist seit dem Winterpapier des Bremer Antirassismusbüros von 1992 Gegenstand sehr vieler Debatten und Analysen seitens der autonomen Linken gewesen und spielt zum Beispiel eine sehr zentrale Rolle in dem Cluster-Band der Materialien für einen Neuen Antiimperialismus, der auf diesem Blog Gegenstand sehr grundsätzlicher Auseinandersetzungen war und einen schweren Bruch mit einem Mitdiskutanten einleitete. Mal abgesehen davon, dass ich selber mal im Umfeld der Supply-Chain-Proliferation gearbeitet habe. Dass mir unterstellt wird, ich ginge nicht auf etwas ein womit ich mich 20 Jahre auseinandergesetzt habe hat schon Komik.

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Meine persönlichen Erfahrungen als IT-Dienstleister bei Internationalen Großkonzernen, Banken und Versicherungen geht eindeutig in die Richtung, dass es hier zu 80% so zugeht wie bei den Rosenheim Cops.
Mein Problem sind die übrigen 20%.

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@h.z., was haben denn eine geplante Verfassungsklage und eine Kritik an der just-in-time-Produktion mit der von solchen wie che, lacommune, workingsclasshero, meiner Wenigkeit oder dem noergler geäußerten Gesellschaftskritik zu tun, bzw. was macht Leute wie uns despektierlich, wenn wir uns dazu hier gerade mal nicht äußern? Was Sie eigentlich wollen bleibt mir weiterhin unklar.

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Für mich liest sich das wie die Alternativökonomen von Henderson bis Gesell, im Augenblick ziemlich populär im Umfeld der Piraten in Kombination mit dem Glauben an die Verwendbarkeit von Softwareprodukten für die Demokratisierung der Gesellschaft, Stichwort "liqid Feedback". (Also jetzt nicht Alternativökonomen im Sinne von alternativem wirtschaften, sondern als Denkrichtung). Fine ideas, aber von der Durchsetzbarkeit oder real stattfindenden sozialen Kämpfen weit entfernt.


Höchst merkwürdig allerdings, dass h z scheinbar voraussetzt, alle Anderen hätten im Kopf was er selber denkt und geradezu gekränkt oder wütend reagiert wenn er feststellt dass dem nicht so ist.

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"Höchst merkwürdig allerdings, dass h z scheinbar voraussetzt, alle Anderen hätten im Kopf was er selber denkt und geradezu gekränkt oder wütend reagiert wenn er feststellt dass dem nicht so ist."

Blasen-Effekt.

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Was viel Schöneres, Ihr Deorediker
Mau-Mau is back !
Demnächst im Kino in Ihrem Stadtteil !

http://www.bz-berlin.de/berlin/senat-plant-turbohaeuser-in-60-berliner-kiezen

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Schön, dass Du Dich wiedermal meldest. "Schneller wohnen" war mal eine Parole der Hausbesetzungsbewegung. Und ich mal Hausbesetzer, dann so etwas Ähnliches wie ein Makler, zwischendurch Soziempfänger, Lehrer, multipler Selbstständiger ohne Festlegbarkeit auf eine bestimmte Berufsgruppe - tempora mutandur.

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@netbitch: Zunächst halte ich fest, dass ich zur Konkretisierung aufgefordert wurde. Von Ihnen. Dann ist festzustellen, dass von einer Verfassungsklage keine Rede sein kann und erst recht nicht von einer geplanten. Zur Erklärung: Eine Normenprüfung gemäß Art. 100 Bundesverfassungsgesetz (um eine solche handelt es sich bei dem verlinkten Vorlagebeschluss des Sozialgerichts Gotha) ist etwas anderes, als das Rechtsschutzinstitut der Verfassungsklage z.B. nach §32 Bundesverfassungsgerichtsgesetz. Stellen wir's untereinander:

Bundesverfassungsgesetz
Bundesverfassungsgerichtsgesetz

Allein daraus sollte schon die Unterschiedlichkeit der Rechtsmaterien hervorgehen. Mag sein, dass Sie und che (der gegen Verfassungsklagen nicht einzuwenden habe, wie er sagt) die Bedeutung der Unterschiedlichkeit als irrelevant ansehen (ich unterstelle indes blanke Ahnungslosigkeit). Damit sind Sie und che als ernstzunehmende konstruktive Gesellschaftskritiker disqualifiziert, da Ihnen an grundlegendem Verständnis für Zugänge zur Veränderung mangelt. Mit dem Umsturz auf der Straße ist nichts gewonnen. Der Umsturz muss rechtlich gestaltet werden, ansonsten dem Faustrecht die Bahn geebnet wird.

Ebenso verhält es sich mit der "Kritik an der just-in-time-Produktion". Die habe ich mitnichten geäußert. Ich sprach eine augenfällige Weiterentwicklungsmöglichkeit an.

Ich kritisiere hingegen die ignorante Denkfaulheit Ihresgleichen, die sich in derselben rhetorischen Beliebigkeit niederschlägt, derer sich die Rechte bedient. Sie haben mit der politischen Rechten mehr gemein, als Sie sich vorstellen wollen. Auch darauf hatte ich an anderer Stelle bereits hingewiesen.

@che: Sie begnügen sich wieder einmal mit dem Etikettieren von Ausdrücken. Das ist mit einiger Sicherheit Ihrem akademischen Hintergrund geschuldet. Zum Begriff "Toyotismus" fand ich hier lediglich den Hinweis auf eine Arbeit Hartmanns, aber keine eigenständige Gedanken. Ich will Ihnen nicht Unrecht tun, vielleicht geben Sie mir einen Hinweis auf entsprechende Beiträge, die mir bei der Recherche entgangen sind.

Mit keinem Atemzug wurde auf diesem Blog das Potenzial der "just-in-time"-Produktion zur Systemüberwindung angesprochen. Beispielsweise durch Ergänzung mit jenen Elementen, welche die unmittelbare Verknüpfung der Produktion mit den Verbraucherbedürfnissen sicherstellen. Beispielsweise durch demokratische Entwicklung und Festlegung von Modulnormen, die weltweite Bindungswirkung entfalten (wie vergleichsweise z.B. die Abmessungen und Ausgestaltung von Containern im Schiffstransport).

Ebenso mit keinem Atemzug wurde hier die untrennbar mit dem Kapitalismus verbundene Geldbeschaffenheit erwähnt, zumindest habe ich nichts gefunden. Ohne Geldumlauf ist Kapitalismus undenkbar; insofern geht workinclassheros Assoziation mit Gesell fehl. Umsturz kann sich unter anderem - m.E. am effektivsten - auf der Ebene der Geldschöpfung vollziehen, wenn diese den Banken entzogen, auf das Individuum übertragen (Geldschöpfung mittels anerkannter Arbeitsleistung) und als Mediator (mit der Funktion der Geldvernichtung) ein institutionalisiertes Gemeinwohl eingesetzt ist. Letzteres erwächst aus einer Erweiterung der primitiven Doppik um Werte aus den Bereichen Soziales, Ökologie, Gesundheit und Sonstigem, was einer demokratisch verfassten Gesellschaft wichtig sein kann.

Und netbitch sei, weil sie danach fragt, am Ende noch aufgeklärt, was ich eigentlich will: Mich interessiert, wie einzelne "linke" Kreise ticken, um daraus meine Schlussfolgerungen zu ziehen.

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"Mich interessiert, wie einzelne "linke" Kreise ticken, um daraus meine Schlussfolgerungen zu ziehen."

Und das meinst du in Erfahrung zu bringen, wenn du etwa "blanke Ahnungslosigkeit unterstellst" und "ignorante Denkfaulheit" vorwirfst? Gar Nähe zur Rechten?

Ist das das Klientel, was die Piraten jetzt am Start haben? Körperlich beeindruckende ungeschlachte Kerle, gleichwohl trotzdem Nerds, die im eigenen Sud kochen, anderen die Praxistauglichkeit absprechen wenn die juristischen Grundlagen fehlen, Commons abfeiernd und das in adornoid schwurbligem Gestus vortragend, wobei mir zusammen mit der Rechtsriecherei die Antideutschen einfallen, von denen ja einige versucht haben, mit den Piraten eine Partei zu entern?

Vielleicht nicht so viel Jura wälzen und so alte Schinken, wo du deinen Sprachgebrauch ausgegraben hast, dann klappts vielleicht auch mit dem Nachbarn, will sagen mit einer zielführenden Kommunikation.

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"Mit keinem Atemzug wurde auf diesem Blog das Potenzial der "just-in-time"-Produktion zur Systemüberwindung angesprochen."

Und auf diesem Blog wurde an keiner Stelle darauf eingegangen, welche Veränderungen im menschlichen Zusammenleben durch Brain-Computer-Interfaces, E-Bikes, 3D-Drucker oder Reformen der Ladenschlussgesetze (Achtung, juristische Stellschraube!!!) möglich sind. Und zu 310756 anderen Themen wurde auch nichts gesagt. Von dir auch nicht. Mangelt es dir etwa an grundlegendem Verständnis für die Veränderungsmöglichkeiten, die sich aus diesen Dingen ergeben? Echt, h.z., was für ein absurdes Argument.

Ansonsten beschreibt futurewins Kommentar dein Kommunikationsverhalten ziemlich gut.

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@futuretwin: Was erwarten Sie von einem - nach che's Einschätzung - "Blödmannsgehilfen"? Literarische Ergüsse? Machen Sie sich doch nicht lächerlich. Im übrigen hilft ein wenig über dem allgemeinen Durchschnitt angesiedelte Allgemeinbildung - dazu zähle ich auch ein Grundverständnis für die Funktionsweise von Recht und Rechtsdurchsetzung - sehr dabei, dahergefaselten Schrott zu erkennen und ihn aus dem Weg zu räumen.

@karpfen: Hier wurde die "just-in-time"-Produktionsweise bloß als Perfektionierung der Zurichtung menschlicher Arbeitskraft gebrandmarkt. Stempel "abgelehnt" aufdrücken, damit hat sich's. Braucht man sich nicht weiter befassen damit. Mit solcher Grundhaltung lässt sich keine Veränderung bewirken. Mit Gefühlsduseleien ganz sicher auch nicht.

Zur Information: Mein "Kommunikationsverhalten" ist als Spiegelbild aufzufassen.

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@che: Systemüberwindend wird ein Erfolg der eingeleiteten Normenprüfung bezüglich die HartzIV-Sanktionen nicht sein können, das ist ja klar, wohl aber wegbereitend. Weil damit die Blase des "Fördern und Fordern" endgültig aufgestochen wird. Eine überlebensfähige und garantierte Verweigerungsmöglichkeit wird langfristig zu Veränderungen führen. Ähnliches konnte im Prinzip mit der Beseitigung der Gewissensprüfung (Grundwehrdienst) erreicht werden. Mit den Zivildienstleistenden hat sich die Struktur der sozialen Grundversorgung in der Gesellschaft stark gewandelt.

Systemüberwindend kann langfristig zum Beispiel sein, die allgemeinen Denkverhältnisse auf den Kopf zu stellen. Indem nämlich sanktionslose HartzIV-Sicherung als Bestrafung jener Gesellschaft kommuniziert wird, welche die solcherart gesicherten Individuen von der allgemeinen Teilhabe ausgeschlossen hat. Ähnliches wurde mit dem Begriffspaar Arbeitgeber/Arbeitnehmer versucht. Das Maulen der Gesellschaft über die vermeintlichen Müßiggänger kann und muss als idiotischer Zirkelschluss decouvriert werden.

Nebenbei bemerkt wird damit ein kleiner Schritt in Richtung bGE (gegen welches konkrete volkswirtschaftlich begründete Vorbehalte existieren; ein Sicherungsregime, das seiner Bezeichnung gerecht wird, reichte meines Erachtens vollkommen aus) unternommen.

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Mal zurück zum Thema
Schon gelesen:

Werner Michael Bahlsen gegen Mindestlohn für Flüchtlinge

"Die bürokratischen Hürden müssen dringend abgebaut werden. Auch sollte die Bundesregierung überlegen, ob es nicht für Flüchtlinge zeitlich befristete Ausnahmen vom Mindestlohn geben sollte, um ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern."

http://www.welt.de/politik/deutschland/article146476202/Fluechtlinge-befristet-vom-Mindestlohn-ausnehmen.html

Wird allmählich klar, was hier abläuft.

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Nur mal fürs Protokoll
Ich habe nicht HZ als "Blödmannsgehilfen" bezeichnet, sondern auf die Unterstellung, ich würde ihn für blöd halten sarkastisch geantwortet, dass ich das nicht beurteilen könne, da er mir keinen gültigen Blödmannsgehilfenbrief vorgelegt hätte.

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Danke, Willy!
In der Tat, da wird klar, wohin der Hase läuft. Schon das Asylbewerberleistungsgesetz war ja ein Versuchsballon, wie man Menschen Grundrechte entzieht. Nun die demographische Auffrischungsspritze und Konjunkturlösung für Branchen mit Bewerbermangel by Menschen zweiter Klasse. Rassismus light, verkauft als freundliche Weltoffenheit.

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Ergänzend zum Link von willy56:

Hannelore Kraft schlägt vor, Langzeitarbeitslose als Flüchtlingshelfer einzusetzen.

http://www1.wdr.de/themen/infokompakt/nachrichten/nrwkompakt/langzeitarbeitslose-als-fluechtlingshelfer-100.html

Ist doch eine top Kombination. Billigst zu ködernde Job-Aspiranten, betreut durch eine "Resteverwertung". Das nenne ich deutsche Gründlichkeit. An der Stelle lohnt sich, kurz innezuhalten und in die Tiefe nachzudenken.

Deutschland bemüht sich beharrlich darum, seine Arbeitskosten der Produktion zu senken. Als Resultat wird in der Konsequenz entsprechende Inlandsnachfrage unterbunden. Das Zeug soll im Ausland abgesetzt werden, wie es sich für ordentlichen Merkantilismus gehört. Der Exportüberschuss, auf den Deutschland so mächtig stolz ist, fußt auf einem Nachfragedefizit. Mit deutscher Überlegenheit hat das wenig bis gar nichts zu tun. Arbeitslosigkeit wird auf diese Weise mit exportiert, das wurde hier schon zutreffend festgehalten.

Im nächsten Schritt ist zu bedenken, wie sich Staatswesen finanzieren. Die Abgabenquote liegt in Deutschland, wenn ich nicht irre, bei einer Größenordnung von 35%. Von dieser Abgabenquote sind die Exportüberschüsse natürlich erfasst, d.h. aus dem erst noch zu exportierenden Zeugs wurde der Anteil der Staatsfinanzierung bereits erhoben. Dann geht das Zeug über die Grenze und wird von den importierenden Staaten bezahlt. Aus den dadurch ausgelösten Geldflüssen erheben die importierenden Staaten genau gar nichts zur Staatsfinanzierung im Sinne der Abgabenquote.

Nächster Schritt: Deutschland hat, bezogen auf den Exportüberschuss, rd. 90 Mia. in den Staatshaushalt vereinnahmt, bezahlt von den Importländern. Dort aber belastet die Kaufpreise - in einer Freihandelszone - keinerlei Abgabenquote. Rechenbeispiel: 10 Mia werden für Importe bezahlt bei einer Staatsquote von 40%, dann fehlen dem Staatshaushalt 4 Mia, die er sich anders beschaffen muss. Daraus ergibt sich, das Defizt im Staatshaushalt mittels zusätzlich ausgegebener Staatsanleihen bedecken zu müssen. Wenn diese Möglichkeit erschöpft ist, folgt der Zwang zur von Deutschland so gepriesenen Austerität. Damit verbunden sinkt im Importland sehr rasch die aggregierte Nachfrage, weshalb Deutschland im gleichen Tempo einen Abnehmer verliert.

Schlussfolgerung: Worauf Deutschland so stolz ist, muss als perfider Anschlag auf die innere Stabilität der Defizitländer erkannt werden. Das allerdings wird durch gezielten "brain-wash" zu verhindern getrachtet. Sobald dieser Anschlag von der Mehrzahl der Defizitländer als solcher wahrgenommen wird, darf mit beherzten Gegenmaßnahmen gerechnet werden: Schutzzölle innerhalb der EU im Rahmen der WTO-Regularien oder Austritt aus der EWU (bzw. dem EWS). Außerhalb der EWU ist die Währungsabwertung das Mittel der Wahl, um sich zu verteidigen.

Letztlich kann zusammengefasst werden, dass den Deutschen nichts zu blöd ist - sogar die Instrumentalisierung von Flüchtlingen nicht -, um sich den Lebensstandard auf Kosten anderer Staatshaushalte (siehe Staatsfinanzierung) zu erhalten und dieses Konzept der verschleierten Ausbeutung noch weiter auszubauen. Das wird mathematisch zwingend in einer Kettenreaktion zusammenbrechen wie ein Kartenhaus. Die Arbeitslosigkeit wird wegen der pathologischen Wirtschaftsstruktur in Deutschland explosionsartig ansteigen. Der dann entstehende Aufruhr kann als marginale Umsturzchance gedeutet werden. Allerdings: Ohne plausible Visionen endet eine solche Entwicklung im Chaos.

Hübscher Gegensatz, das. Freude über die Willkommenskultur vor dem Hintergrund der sich daraus eröffnenden wirtschaftlichen Vergewaltigungsmöglichkeiten.

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Dem mir zugeschriebenen Kommunikationsverhalten entsprechend erwarte ich sachliche Gegeneinlassungen - ansonsten: Maul halten.

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Was haltet ihr hiervon?

http://www.nachdenkseiten.de/?p=27568

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Unten steht:
Das war ein fiktives Papier

Ansonsten hat der Typ endgültig nicht mehr alle Tassen im Schrank.
Was wäre denn bitte los, wenn etwa der Spiegel einen ähnlichen Artikel über Müller schreiben würde.

Unten drunter

Gezeichnet

Vladimir Putin

Ha Ha. War alles nur Spaß und fiktiv.

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Willy, der Beitrag auf den Nachdenkseiten ist hochinteressant. Ich bin zwar nicht wirklich Freund von Verschwörungstheorien, doch scheint das alles sehr plausibel. Ich halte durchaus für möglich, dass so agiert wird, das heißt allerdings nicht: genauso. Insbesondere dürften Merkel und Co. das linksliberale Publikum gar nicht ernst genug nehmen um in dieser Weise zu handeln. Also, interessante Spekulation/Politfiktion, aber doch etwas zu hochgejazzt.

@HZ, ich stimme dem von Dir entwickelten Szenario insoweit zu, dass das eines von mehreren möglichen Szenarien ist und dass es sich mit meinen Beobachtungen stark überschneidet.


Bis auf: " Das wird mathematisch zwingend in einer Kettenreaktion zusammenbrechen wie ein Kartenhaus. Die Arbeitslosigkeit wird wegen der pathologischen Wirtschaftsstruktur in Deutschland explosionsartig ansteigen." Mathematisch zwingend ist außer dem Wertgesetz da erst mal gar nichts. Ich bezweifle auch, dass eine solche Entwicklung sich explosionsartig vollziehen wird. Ansonsten aber eine gute und kluge Darstellung.

Btw Da Du allerdings in Deinen Kommunkationsweisen das Gegenteil sozialer Kompetenz an den Tag legst werde ich bestimmt nicht darauf verzichten, solche Verhaltensweisen durch den Kakao zu ziehen. Und warum sachlich, wenn man auch persönlich werden kann?

Maul halten lasse ich mir als Betreiber und Gastgeber dieses Blogs jedenfalls nicht sagen und bin immer noch Herr der Löschtaste.

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Kleiner manueller Trackback
http://netbitch1.twoday.net/stories/1022474321/

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Albrecht Müller zeigt in dem fiktiven Planungspapier recht anschaulich, wie neoliberale Denkmechanik funktioniert. Schließlich war er selbst lange genug aktiv auf dem Parkett, um die Grundanlage von politstrategischem Denken exemplarisch skizzieren zu können - dass die Geschichte fiktiv ist, spielt dabei keine Rolle.

Die zersplitterte Linke scheitert bereits im Ansatz daran, dieser Denkmechanik angemessen entgegenzutreten. Sie lässt sich viel zu sehr von medialem "Empörungsmanagement" lenken und perlt gerade deshalb an der gegnerischen Oberfläche ab wie Regentropfen an einem Pflanzenblatt.

Meines Erachtens muss in der Gegenargumentation beharrlich an der schwächsten Stelle geschabt werden, bis die Wachsschicht entfernt ist. Dort eingedrungen, bläst man die Struktur auf, bis sie platzt. Dafür verweise ich auf zwei konkrete Anlässe zur Illustration:

Daimler-Chef Zetsche: "Genau solche Menschen suchen wir bei Mercedes und überall in unserem Land." Studien zufolge drohten fast 40 000 Lehrstellen unbesetzt zu bleiben, so Zetsche.
Hier geht es nicht darum, Flüchtlinge in Arbeit zu bekommen. Sondern darum, Millionen Deutsche auf HartzIV-Niveau nicht mal mit der sprichwörtlichen Kneifzange berühren zu müssen. Das ist Menschenverachtung der Sonderklasse. Zumal das Interesse gestillt ist, sobald die Besetzung jener 40.000 Lehrstellen als gesichert erscheint. An mehr ist Zetsche nicht interessiert.

Porsche-Chef Müller: „Auch viele Unternehmen beginnen sich hier zu engagieren und leisten damit einen Beitrag dazu, dass Flüchtlinge bei uns in der Gesellschaft ankommen und manche recht schnell, andere eher mittelfristig einen Beitrag zur Fachkräftesicherung leisten.‎“
Ihn treibt ausschließlich die Sorge um, dass Fachkräfte knapp werden könnten. Und das vor dem Hintergrund, dass seit Jahren die wenigsten heimischen Teilzeitbeschäftigten mit dem Wunsch nach Vollzeitbeschäftigung eine entsprechende Möglichkeit bekommen.

Solche Grobheiten müssen herausgehoben und zur Schau gestellt werden. Zur Schau, wohlgemerkt, nicht verächtlich gemacht! Der deutsche Michel muss Gelegenheit zu zweifeln bekommen, nicht zur Empörung. Die Empörung vernebelt bloß das Denken und wirkt - ecce! - systemstabilisierend (diesen Seitenhieb erläutere ich nicht weiter). Man muss m.E. im argumentativ scharfen Schuss auf die offensichtlichen Widersprüche halten. Ganz ohne Empörung, dafür umso härter in der Formulierung. Gerne auch mit Übersteigerung.

Im übrigen folgt Albrecht Müller mit seinen dargelegten Konsequenzen der zwingenden Logik des in den Brunnen gefallenen Kindes. Vom ethischen Standpunkt aus betrachtet gibt es keine Wahl mehr. In seiner Kritik etwas weiter greifend hat sich Heiner Flassbeck geäußert. Es lohnt sich, dessen Beitrag komplementär zu Müllers Einlassung zu lesen.

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Nachgereicht @mathematisch zwingend: chronisches Budgetdefizit bedingt stetiges Anwachsen der Staatsverschuldung. Sobald der Anleihenzins hochgeht und als Konsequenz Austerität gefahren wird, geht die Wirtschaftsleistung und damit die Abgabenbasis zurück. Das führt zu einer weiteren Schwächung der Position auf den Kapitalmärkten, welche darin gipfelt, dass Anleihen nicht mehr revolviert werden können, i.e. Staatsinsolvenz (siehe Griechenland).

Daraus folgt, dass ein Austritt aus der EWU bzw. dem EWS nötig wird, gemeinsam mit der Wiedereinführung einer nationalen Währung. Da keine ausreichenden Devisenbestände vorhanden sind, muss aus der Position des chronischen Leistungsbilanzdefizits heraus mit eigener Währung bezahlt werden. Das führt zu einem Fall ins Bodenlose eben dieser Währung. Bis sich der neue Wechselkurs stabilisiert hat, vergehen Monate, wenn nicht Jahre, währenddessen andere Defizitstaaten wildesten Spekulationen auf ihre Anleihen ausgesetzt sind und dort die Revolvierung fälliger Anleihen ebenfalls zusammenbricht. Ergo: Austritt aus der EWU samt Einführung nationaler Währung, usw.usf. Die heißesten Kandidaten sind Italien, Spanien und Frankreich, weil mit die größten Volkswirtschaften innerhalb der EWU.

"Explosionsartig" bedeutet in diesem Kontext: binnen weniger Monate. Deutschland (vielleicht noch Niederlande und Österreich) wird mit dem Euro - oder mit der neuen DM - übrig bleiben, der im Wechselkurs einen raketenhaften Höhenflug erleben wird. Und zwar nicht bloß 20% wie zu Jahresbeginn beim Franken. Sondern um die 40-50%. Die Exportindustrie wird deutsche Standorte sehr rasch schließen und abwandern. Von den ca. 50% BIP, die bislang ins Ausland gingen, bricht gut die Hälfte weg.

Ich hatte vorgerechnet, dass im deutschen öffentlichen Haushalt rd. 90 Mia nur aus dem Exportüberschuss stammen. Die sind dann perdu und ein großes Stück mehr. Haushaltstechnisch gesehen praktisch über Nacht mit allen empfindlichen Konsequenzen. Was dann auf deutschen Straßen los sein wird, könnte an die 30-Jahre des vorigen Jahrhunderts heranreichen.

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Grundsätzlich gegen Empörung zu reden ist dumm. Da bist du mit der Rechten in einem Boot, die sich gegen Gutmenschentum ausspricht. Empörung ist die Voraussetzung jeder Veränderung. Sie muss reflektiert und weiterentwickelt werden und in gesellschaftsverändernde Praxis münden, aber Kritik muss nicht konstruktiv sein oder sich vor Verächtlichmachung scheuen. Damit würde sie sich ihrer Kraft berauben, über die bestehende Gesellschaft hinauszuweisen.

Der deutsche Michel soll m.E. bitte verrecken. Das Individuum dahinter sei davon ausgenommen.

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lacommune: bringen Sie neben Quatsch auch Substanzielles zustande?

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Nun wenn Sie schon auf Ideologiekritik machen, dann sollten Sie das auch richtig machen.

Kapitalismus geht nur noch, wenn die Arbeiter auf Lohnzuwächse verzichten. Durch den Fall der Profitrate (https://de.wikipedia.org/wiki/Gesetz_des_tendenziellen_Falls_der_Profitrate) können Arbeiter nicht mehr an der Produktivkraftentwicklung (https://de.wikipedia.org/wiki/Produktivkraft) beteiligt werden. Da das konstante Kapital (https://de.wikipedia.org/wiki/Konstantes_Kapital) durch vermehrten maschinellen Aufwand mit der Zeit wächst, sinkt die Profitrate, außer sie kann durch die Vergrößerung der Mehrwertrate (Grad der Ausbeutung) kompensiert werden. Das heisst, die Ausbeutung muss zunehmen, um den Fall der Profitrate zu kompensieren. Ergo immer größere Verelendung. Ich sehe nicht, wie sie dem wirksam begegnen wollen und ihnen fehlt absolut ein Verständnis des Kapitalismus als Totalität, die alle Bereiche unseres Leben beeinflusst.

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h.z.: "Albrecht Müller zeigt in dem fiktiven Planungspapier recht anschaulich, wie neoliberale Denkmechanik funktioniert."

Und für ihn ist eine neoliberale Denkmechanik eben Das Übel und nicht die Produktionsverhältnisse. Daraus erfolgt fast schon zwangsläufig ein Hang zu Verschwörungsideologien, wie der olle Gremliza schon vor Jahren erkannt hat (http://www.konkret-verlage.de/kvv/txt.php?text=ihrweltbildm%F6chteichhaben&jahr=2006&mon=11). Und darum tritt Albrecht Müller auch bei Ken Jebsen auf und die NachDenkSeiten machen immer mehr in modernisierten Nationalbolschewismus à la Attac.

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Da stimme ich lacommune vollinhaltlich zu.
Ansonsten sehe ich die Dynamiken, die HZ beschreibt bei weitem nicht so dramatisch. Deutschland hat dreimal in seiner Geschichte vergleichbar große Flüchtlingszahlen aufgenommen, wenn auch nicht in einem dermaßen kurzen Zeitraum. Bezeichnenderweise vergleicht die serbische Zeitung Politika die aktuelle Migrationsbewegung nach Deutschland auch mit der zur Zeit des "Rat", des jugoslawischen Bürgerkriegs. Mal abgesehen von den 16 Millionen Wirtschaftsflüchtlingen, die 1990 an einem Tag aufgenommen wurden. Ich erinnere mich noch sehr lebhaft an die späten 1970er Jahre mit Nullwachstum und Stagflation, der damaligen Endzeitstimmung ("german angst"), die für das Entstehen der grün-alternativen Bewegung wie der autonomen Linken wie auch des deutschen Punk sehr prägend war und an die finsteren Zukunftsprognosen jener Zeit, die alle nicht eingetroffen sind. Vorstellungen wie die, dass in den 80er Jahren keine Sportwagen mehr gebaut würden und dass Energiegewinnung künftig nur noch durch Atomkraftwerke erfolgen würde, um die herum sich ein Orwell-liker Überwachungsstaat entwickle waren damals massenkompatibel. Aus der Rücksicht erscheint diese Zeit geradezu idyllisch.

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Interessant.
Welche Dynamiken meinen Sie denn?

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Das hier: "Das wird mathematisch zwingend in einer Kettenreaktion zusammenbrechen wie ein Kartenhaus. Die Arbeitslosigkeit wird wegen der pathologischen Wirtschaftsstruktur in Deutschland explosionsartig ansteigen."

Völlig überzogene Darstellung, die zudem nicht im Blick hat, dass es mehrere völlig unterschiedliche Handlungsoptionen gibt. The future is unwritten.

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Das hatte ich - aufgrund Ihrer geäußerten Zweifel - sehr ausführlich erklärt. Sie müssen es nur lesen und nachvollziehen.

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Kerry hat nun zugesagt, dass die USA nun um die 100 tsd Flüchtlinge pro Jahr aufnehmen wird. Hauptsächlich Syrer. http://tinyurl.com/of63w9g
Besser als Luftschläge.
@h.c.: Lass einfach den Scheiss mit dieser chilliastischen internetgestützten Alternativ-"Informiertheit". Ich glaub inzwischen fast, dass es zu Merkels konspirativen Politik-Stil keine Alternative gibt. Warum in einer Gesellschaft noch Politik diskutieren, wenn ein lautstarker und nicht kleiner Prozentsatz mit selbstgezimmerten "Das Ende ist nahe" Brettern vor dem Kopf rumläuft?
Related: Extrem beeindruckendes >2 Stunden Interview mit der einzigartigen Golineh Attai (https://denktagebuch.de/2015/04/im-gespraech-mit-golineh-atai/)

@h.z.: Ist wirklich Zeitverschwendung, aber die makroökonomische Situation in Spanien entspannt sich wirklich. Ich verfolge deren Wirtschaftsnachrichten in Landessprache. Im Juli konnten die einen kleinen Haushaltsüberschuss erwirtschaften und für das Gesamtjahr wird die Neuverschuldung zumindest mal unter 4% liegen. Im nächsten Jahr dann wieder im Rahmen von Maastricht.
Meine Kandidaten für negative Überraschungen in den Wirtschaftsnachrichten der nächsten 3 Jahre: China, Venezuela, Brasilien, Ecuador, Kolumbien. Alles Länder für die sich in den letzten 5 Jahren Prognosen voller fliegender Einhörner und kübelweise Liebe finden lassen.

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HZ, lass einfach mal Deine selbstverliebte Arroganz, würde Dir gut zu Gesicht stehen. Dein Gesamtauftritt ist ziemlich lächerlich. Oder, um es in Fachsprache auszudrücken: Die Performance einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung in Reinform.

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Lemmy, danke für das Atai-Interview!

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Mehr als gerne geschehen.
Falls das jemand überlesen hat, hier noch mal:
https://denktagebuch.de/2015/04/im-gespraech-mit-golineh-atai/

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che, ich spendiere Ihnen eine Freikarte für eine Rutschpartie.

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Lemmy, 100.000 zusätzliche Migranten wird man in den USA wohl kaum bemerken, angesichts von 48.785.090, die bereits dort sind. http://www.washingtonexaminer.com/sessions-u.s.-has-6x-as-many-immigrants-as-latin-america-48m-vs-7m/article/2572421

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Es geht übrigens munter weiter: http://www.rolandtichy.de/kolumnen/schaefflers-freisinn/asylkrise-mehr-marktwirtschaft-wagen/

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Golineh Attai zeigt Momente des linksliberalen Spektrums in Deutschland. Wir sind Deutschland, Europa, der Westen hat eigentlich die besseren Werte als der Osten (Zivilgesellschaft, füreinander sorgen, kein Staatskapitalismus), wären da nicht die KriegfolterpolizeigewaltUSA und der Osten entscheidet sich leider für Wohlstand und gegen Freiheit.

Immer so eindeutig ist es nicht, einige kluge Beobachtungen, Renationalisierung, verbreitete Postmoderne im schlechten Sinne, Propaganda - "das Fabrizieren von Stimmungen", der Wahn rechter Eliten ..

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Akzelerationismus
hz, wenn Deine Vorstellungen sich in der Denktradition von Avanassian und Nick Land bewegen wird für mich zumindest ein Schuh draus, nur halte ich das dann eben für falsch und bin da eher zwischen taditionellem Klassenkampf und situationistischen Interventionen geerdet.

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che, ich gehe insofern darüber hinaus, als ich über das "danach" nachdenke.

"Danach" bedeutet, dass zunächst die Wertschöpfungsketten gerissen sein werden. Die dadurch entstehenden Versorgungslücken sind dann mit der Subsistenzwirtschaft ähnlichen Methoden zu füllen. Da "freies Wissen" eine unersetzbare Grundlage dafür bildet, folgt für mich daraus z.B. auch die radkale Forderung einer Aufhebung des Patentschutzes generell.

Erst in einer postkapitalistischen Wirtschaftsform werden sich - bloß als Beispiel zur Veranschaulichung genannt - Waschmaschinen durchsetzen, die nicht nur energieeffizient sind, sondern auch wieder mindestens 20 Jahre lang halten und deren Reparatur im Störungsfall ökonomisch sinnvoll ist. Soll heißen, dass praktizierte Ressourcenschonung (mit der entsprechend günstigen Auswirkung auf das Klima) dann möglich sein kann. Im Kapitalismus ist es das eben nicht.

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Ja, grundsätzlich stimmt das. Was ich nur problematisch finde ist die Vorstellung wie gesagt von Leuten wie Land&Co, die meinen, durch Beschleunigung kapitalistischer Wertschöpfungs-(und Krisen-)Prozesse und Rumschrauben an Normen der Systemüberwindung näher zu kommen. Das wird nicht funktionieren. Gesellschaftlicher Umsturz wird nicht ohne irgendeine Art von Kampf zu haben sein, und der demokratisch verfasste Kapitalismus wird sehr viel Gewalt aufwenden, um sich an der Macht zu halten, unmittelbar terroristische Gewalt. Eine Ahnung davon vermag der Blick auf Gladio-Stay-Behind-Tiefer Staat zu vermitteln. Ich zitiere da Helmut Schmidt: "Ich habe den Verdacht, dass sich alle Terrorismen, egal, ob die deutsche RAF, die Franzosen, Iren, Spanier und Araber, in ihrer Menschenverachtung wenig nehmen. Sie werden übertroffen von bestimmten Formen von Staatsterrorismus." Die ZEIT: "Ist das Ihr Ernst? Wen meinen Sie?"

Schmidt: "Belassen wir es dabei. Aber ich meine wirklich, was ich sage."


Und es gibt keinen Grund anzunehmen, dass die BRD einem Systemumsturz anders begegnen wird als Noske.

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Der Systemumsturz wird kommen, wenn nächstes Jahr wieder eine Million Flüchtlinge aufgenommen werden, wenn man die Steuern erhöht, um sie zu finanzieren, wenn man Wohnungen beschlagnahmt, um Flüchtlinge unterzubringen.

Und der wird nicht so assehen,wie du ihn dir Vorstellst.

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Das thematisierte auch schon 1992 Wildcat in der Sonderausgabe "riots von rechts". Das ist alles überhaupt nicht neu, lediglich die Formen unterscheiden sich. Dass der Staat die Flüchtlinge benutzt um Sozialabbau durchzusetzen und die Betroffenen rassistisch reagieren, diese simple Logik zu durchbrechen wäre das primäre Ziel von Aufklärung in diesen Zeiten.

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Ich sehe den inneren SA-Mann des Kleinbürgers willy schon vor mir, wie er ganz feucht wird bei dem Gedanken mal so richtig aufzuräumen.
Du bist Deutschland!

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Welche Logik? Es gibt hier einfach gegensätzliche Interessen, und diejenigen, die ihre Interessen durch die aktuelle Politik von Frau Merkel gefährdet sehen, sind unendlich viel mehr als die, die sie unterstützen oder gar noch links überholen wollen.

Man kann den Euro nur einmal ausgeben.

Wer soll denn den Umsturz machen, die paar Hanseln von der Antifa? Lachhaft.

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Beschreiben wir die Interessen einmal auf einer Makroebene: Der Wohlstand Deutschland stützt sich in den vergangenen 10 Jahren zunehmend auf den "Export" von Arbeitslosigkeit. Gleichzeitig vereinnahmen die öffentlichen Haushalte Deutschlands round about 100 Mia. aus dem Leistungsbilanzüberschuss. Jährlich. Das bedeutet, dass diese Abgaben vom Ausland bezahlt werden und eben dort fehlen. Über die Jahre kommt da eine hübsche Summe zusammen. Eine Billion, ganz grob gesprochen, die in den öffentlichen Haushalten - aus deutscher Perspektive betrachtet - im Rest der Welt fehlen. Und über Ausgabe von Anleihen ersetzt werden müssen, was allerdings nur eine begrenzte Zeit lang gut gehen kann. Soweit nachvollziehbar?

Die Konsequenzen im Rest der Welt führen nicht zuletzt dazu, dass es zu Migrationsbewegungen kommen muss. Da ruft der deutsche Michel aber: Nein! Das will ich nicht! Das ist gegen meine Interessen! Ich will die Kohle der Anderen behalten und die sollen es sich nicht wieder holen dürfen, indem sie neben mir arbeiten wollen!
Einfach lächerlich, das.

In Italien gibt es mittlerweile quer über alle politischen Parteigrenzen hinweg ernsthafte Bemühungen um Verständigung in Richtung Austritt aus der Eurozone. Bezeichnend, dass darüber in den deutschen Medien nichts zu lesen ist. Sobald die Italiener sich intern auf eine gemeinsame Marschrichtung geeinigt haben werden, wird es im vergleichsweise harmlosen Fall ganz deutlich formulierte harte wirtschaftspolitische Forderungen an die deutsche Regierung geben. Im weniger harmlosen Fall werden die Italiener ihren währungspolitischen Fahrplan schlicht umsetzen. In beiden Fällen werden die Italiener vollinhaltliche Unterstützung durch die Franzosen erfahren (müssen).

Deutschland wird sich mit dem Auseinanderbrechen der Währungsunion konfrontiert sehen mit Folgen, die aus einem nahezu vollständigen Zusammenbruch der deutschen Exportwirtschaft entspringen. Sobald sich eine weitere Währungsunion der - sagen wir - "Südländer" etabliert, wertet Deutschland relativ gesehen auf, und zwar gleich um bis zu 50%, ohne dem irgendetwas entgegensetzen zu können. Das passiert praktisch über Nacht.

Nun kann überlegt werden, wie viele Arbeitsplätze in der deutschen Exportwirtschaft angesiedelt sind. Überschlagsmäßig nehme ich die Anzahl der Erwerbstätigen (rd. 42 Mio.) durch zwei, da knapp 50% des deutschen BIP in den Export gehen. Vom Ergebnis nehme ich wieder die Hälfte, also rd. 10 Mio., die unmittelbar in die Arbeitslosigkeit abstürzen werden. Das ist das reale Bedrohungsszenario, welches dem deutschen Michel beharrlich verschwiegen wird.

10 Mio. Arbeitslose mehr in Deutschland in einem Zeitraum von wenigen Monaten: das kann als Grundlage für einen gewaltigen Umsturz bezeichnet werden. Bleibt die Frage, wie der deutsche Michel dann reagiert, wenn zu den 3 Mio. offiziell, und den 2 Mio. inoffiziell Arbeitslosen nochmals 10 Mio dazukommen. Meines Erachtens hängt das von der Aufklärungsarbeit ab, die geleistet wird, und von wem sie geleistet wird.

Che ist vorbehaltlos zuzustimmen, wenn er vom primären Ziel der Aufklärung in diesen Zeiten spricht. Nur wird es nicht mehr bloß um Flüchtlinge gehen, wenn es zu donnern beginnt, sondern auch um die Italiener und Franzosen.

Der Umsturz, @willy56, kommt, wie es zur Zeit aussieht, in Folge eines exogenen Schocks, den Deutschland mWn noch nicht erlebt hat.

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@"Nur wird es nicht mehr bloß um Flüchtlinge gehen, wenn es zu donnern beginnt, sondern auch um die Italiener und Franzosen." ---- Ja richtig, und da beißen sich unterschiedliche Systeme. In Südeuropa gilt als individuell verhandelbar, was jemand nun wirklich an Steuern real zu zahlen hat. Da gibt es auch Streiks mit politischen und nicht tariflichen Zielen, und Streiks von SchwarzarbeiterInnen um Schwarzarbeitslöhne. Verhaltensweisen, die in Deutschland als kriminell verstanden werden gelten als "moralische Ökonomie", um sich vom System zurückzuholen was einem eigentlich zusteht. Da liegen Welten zwischen Ländern der EU.

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"Da liegen Welten zwischen Ländern der EU."
Sehe ich auch so. Entlang dieser Bruchlinie sollte sich mE die Linke europaweit geeint versammelt finden können. Dann würde sich wirklich was bewegen, meine ich.

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In der Tat, exakt.

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