Montag, 9. September 2019
Meditation und Scharlatanerie
Im Radio hörte ich eine Sendung über yogische, buddhistische, transzendentale und sonstige Meditation, und der Vortragende, seiner eigenen Aussage nach ein Meister dieser Meditationsformen, allerdings in säkularer Weise (Psychologe) erklärte es sei eine falsche Auffassung wenn man sage es ginge in der Meditation darum an nichts zu denken. Vielmehr könne man gar nicht nicht denken, sondern es ginge darum seinen Gedankenfluss aufs Wesentliche zu reduzieren und seine Gedanken sehr stark zu konzentrieren.

Was für ein Unsinn. Das ist EIN Aspekt, aber die zentrale existenzielle Erfahrung in der Meditation ist das Herstellen völliger innerer Leere, zumindest für kurze Zeit tatsächlich nicht zu denken (wohl aber wahrzunehmen). Ich habe solche Erlebnisse vor allem in den Bergen. Wer so etwas nie erlebt hat kann sich nicht als Meister der Meditation bezeichnen, ich würde so weit gehen zu sagen der hat nie meditiert.

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Ist wahrscheinlich einfach eine Definitionsfrage: Es kommt drauf an, was man unter Denken versteht. Vermutlich ist für diesen Vortragenden das, was Sie als Leere kennen, immer noch Denken, da er die Wahrnehmung dem Bereich des Denkens zuschlägt.

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Da wäre ich nicht so sicher. Ich glaube eher, dass das Herstellen der inneren Lehre, der Begriff des Nirwana hängt daran, etwas ist das nur sehr Wenigen überhaupt erfahrbar ist und dass der größte Teil der AnhängerInnen von esoterischen und meditativen Lehren nicht erkannt hat worum es dabei eigentlich geht.

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Apropos, Nirwana

https://www.youtube.com/watch?v=hTWKbfoikeg

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Ja, unsterbliche Musik;-)

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"und dass der größte Teil der AnhängerInnen von esoterischen und meditativen Lehren nicht erkannt hat worum es dabei eigentlich geht"

Huiuiuiuiui, da hat aber jemand das mit der "rechten Rede" gut verinnerlicht ;)

Ein Großteil esoterischer Lehren strebt eben auch nicht Shunyata an, was du ums Versehen zum einzig richtigen Meditationsziel gemacht hast - beinahe wie dieser Psychologe das Gegenteil. Karma, ick hör dir trapsen.

Nirwana ist das Verlöschen des Leids, durch langjährige karmische Arbeit. Zennies würden das, was du in den Bergen hattest, kensho nennen - wenn es dauerhaft stabil ist, und das ist es nur durch langjährige Arbeit, satori.

Es gibt wortwörtlich hunderte unterschiedliche Meditationsformen allein im hinduistischen Spektrum, manche davon Objektmeditationen, anderer eher intellektueller Natur. Viele können nicht in dem respektiven kulturellen Framework aufgewachsene Menschen gar nicht auf Anhieb verstehen - und bei heiligen Schriften und deren politischer Evolution, vor allem in Substitutionstraditionen wie dem Christentum und dem Buddhismus, geht auf Dauer und durch Übersetzung noch dazu verdammt viel verloren.

Wenn du heute im buddhistisch geprägten Meditationsbuch "Denken" liest, auf Deutsch, dann hieß das ursprünglich mal "manas". Das ist ein wesentlich psychischeres Konzept als Wortfetzen und Protoideen, was viele Kopfmenschen heute gerne als "Denken" verstehen. Viele buddhistische Traditionen, vor allem die ruppigeren aus dem Zen-Spektrum, bestehen darauf - und können es auch, außer Betteln und Sitzen gibt es ja nichts zu tun den Tag über -, dir den Affengeist auszutreiben, indem du ihn sich totlaufen lässt. Da würde niemand dazu raten, irgendein Denken zu konzentrieren, schon gar nicht mit Absicht - da die Absichtslosigkeit oberster Modus Operandi ist. Zu einem "Herstellen" innerer Leere aber eben auch nicht, völlig anderes Paradigma. Wieder andere Traditionen und Schulen dagegen haben damit kein Problem - warum auch? Vielleicht streben sie Shunyata nicht an, oder eben mit anderen Techniken.

Um was geht es also in der Meditation, um was darf es deiner Meinung nach gehen? Und warum sind andere auf dem Holzweg? Sind sie das auch, wenn sie ihre spirituellen Praktiken gar nicht Meditation nennen?

Hier noch mal in humorvoller Kurzform: https://youtu.be/EKNykrzfgQs?t=1173

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Zugegeben, meine Darstellung war etwas holzschnittartig und eigentlich zugespitzt nur auf die Aussage bezogen dass es diesen Zustand innerer Stille gar nicht geben könne und der daher auch nicht Ziel von Meditation sei. Insofern danke für Deine ausführlichen Ausführungen. Übrigens war ich mal Teil eines Dojo das Kensho heisst.

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