Donnerstag, 16. April 2026
Nutzen der Grippeimpfung bei Kindern; Antidepressivum gegen Fatigue bei Long-COVID; neue Impfstoffe gegen Tuberkulose
che2001, 16:39h
Michael van den Heuvel, medscape
Infektiologie-Newsblog, Update vom 16. April 2026
COVID-19, Influenza, RSV – die Trends in Deutschland
Long-COVID: Nach wie vor immense gesundheitsökonomische Folgen
Long-COVID: Antidepressivum Fluvoxamin lindert Fatigue
Influenza: So effektiv ist die Grippeimpfung bei Kindern
H. pylori: Probiotikum kann die Eradikation verbessern
TBC: Impfstoffe zeigen in Phase-3-Studien einen gewissen Schutz
COVID-19, Influenza, RSV – die Trends in Deutschland
Auf der Website „Infektionsradar“ stellt das Bundesministerium für Gesundheit Trends bei akuten Atemwegserkrankungen (ARE) zusammen. Die neuesten 7-Tage-Inzidenzen (laborbestätigte Fälle je 100.000 Einwohner):
Aktuelle Woche Vorwoche
COVID-19 0,3 0,2
Influenza 0,74 1,16
Respiratorisches Synzytialvirus (RSV) 4,29 4,10
Die Erkältungssaison in Deutschland verliert laut RKI weiter an Dynamik. In der 15. Kalenderwoche 2026 ist die Aktivität akuter respiratorischer Erkrankungen (ARE) in der Bevölkerung erneut zurückgegangen: Sie liegt inzwischen auf einem insgesamt niedrigen Niveau. Damit bestätigt sich der Trend der vergangenen Wochen: Die typische Winterwelle ist weitgehend abgeklungen.
Ein Blick auf virologischen Daten zeigt, welche Erreger aktuell zirkulieren: In den untersuchten Proben dominierten vor allem Rhinoviren, gefolgt von Adenoviren, Respiratorischen Synzytialviren (RSV) und humanen Metapneumoviren (hMPV). Auffällig ist, dass weder Influenza-Viren noch SARS-CoV-2 in den Sentinelproben nachgewiesen wurden – ein klares Zeichen für das Ende der klassischen Grippe- und COVID-Welle in dieser Saison.
Long-COVID: Nach wie vor immense gesundheitsökonomische Folgen
Long-COVID wirft Jahre nach der Pandemie weiterhin einen langen Schatten auf Gesundheitssysteme und Volkswirtschaften. Auf dem Höhepunkt des Infektionsgeschehens im Jahr 2021 waren weltweit rund 75 Millionen Menschen betroffen; die direkten Gesundheitskosten beliefen sich auf etwa 53 Milliarden US-Dollar. Inzwischen ist die Prävalenz stark gesunken. Doch selbst unter konservativen Annahmen werden die Behandlungskosten in OECD- und EU-Ländern weiterhin bei rund 11 Milliarden US-Dollar pro Jahr liegen. Darauf weist ein neuer Bericht der OECD hin.
Noch schwerer wiegen die indirekten Folgen, etwa weniger Leistungsfähigkeit bzw. häufigere Fehlzeiten im Job und ein vorzeitiger Ausstieg aus dem Erwerbsleben. Insgesamt könnten dadurch bis zu 0,2% der weltweiten Wirtschaftsleistung pro Jahr verloren gehen. Das sind etwa 210 Milliarden US-Dollar pro Jahr.
Gleichzeitig kritisiert die OECD im Report, dass viele Länder keine klaren Strategien für Diagnose, Versorgung und berufliche Wiedereingliederung etabliert haben. Einheitliche Leitlinien, strukturierte Versorgungspfade und eine bessere Koordination zwischen der Gesundheits-, Sozial- und Arbeitsmarktpolitik gelten als entscheidend, um Betroffene zu unterstützen.
Long-COVID: Antidepressivum Fluvoxamin lindert Fatigue
Eine randomisierte, placebokontrollierte Studie aus Brasilien liefert Hinweise auf eine mögliche Therapieoption bei Long-COVID: Das Antidepressivum Fluvoxamin könnte Fatigue messbar verringern, wie Forscher in den Annals of Internal Medicine berichten.
An ihrer Studie nahmen 399 Erwachsene teil, die mindestens 90 Tage nach bestätigter SARS-CoV-2-Infektion weiterhin unter ausgeprägter Fatigue litten. Sie erhielten über 60 Tage hinweg entweder Fluvoxamin (100 mg 2-mal täglich), Metformin (750 mg 2-mal täglich) oder Placebo. Als primären Endpunkt haben Forscher die Veränderung der Fatigue Severity Scale (FSS) herangezogen.
Die Ergebnisse zeigen einen signifikanten Vorteil für Fluvoxamin: Nach 60 Tagen veränderte der Fatigue-Score im Vergleich zu Placebo um durchschnittlich -0,43 Punkte. Dieser Effekt blieb auch nach 90 Tagen bestehen und verstärkte sich sogar auf -0,58 Punkte weniger. Zusätzlich verbesserten sich unter Fluvoxamin die Lebensqualität. Metformin zeigte keinen signifikanten Nutzen gegenüber Placebo.
Auch beim Sicherheitsprofil schnitt Fluvoxamin günstig ab. Nebenwirkungen traten bei 20,0% der Patienten auf, verglichen mit 28,8% unter Metformin und 29,7% unter Placebo.
Die Autoren weisen jedoch auf Limitationen ihrer Arbeit hin: Die Nachbeobachtungszeit betrug lediglich 90 Tage, sodass unklar bleibt, ob der Effekt langfristig anhält. Zudem konzentrierte sich die Studie auf Fatigue, während andere typische Long-COVID-Symptome wie kognitive Störungen oder Dyspnoe nicht untersucht worden sind.
Influenza: So effektiv ist die Grippeimpfung bei Kindern
Eine Grippeimpfung kann Kinder wirksam vor schweren Krankheitsverläufen schützen. Zu dem Ergebnis kommt eine umfangreiche, in Pediatrics veröffentlichte Analyse.
Für ihre Arbeit haben Forscher Daten aus 7 pädiatrischen Zentren in den USA ausgewertet, und zwar für die Saisons 2021 bis 2024. Eingeschlossen wurden 19.917 Kinder im Alter von 6 Monaten bis 17 Jahren, die wegen akuter Atemwegsinfektionen ambulant behandelt oder hospitalisiert werden mussten.
Bei 2.831 Kindern (14%) haben Ärzte Influenza nachgewiesen; 17.086 (86%) waren negativ. 8.523 Kinder (43%) waren geimpft, 11.394 (57%) ungeimpft. Die Impfquote blieb über alle Saisons hinweg niedrig: Unter den Kindern ohne Influenza waren je nach Saison nur 44% bis 51% geimpft.
Die Wirksamkeit der Impfung variierte je nach Saison, lag insgesamt jedoch zwischen 34% und 60% beim Schutz vor Influenza-assoziierten Krankenhausaufenthalten und ambulanten Behandlungen. Je nach Virustyp zeigte sich ein unterschiedlicher Schutz: Gegen Influenza B betrug die Wirksamkeit 69%, gegen Influenza A/H1N1 53% und gegen Influenza A/H3N2 43%.
Damit bestätigt die Analyse, dass die Grippeimpfung das Risiko für schwere Verläufe und Arztbesuche auch bei Kindern deutlich senken kann. Eine generelle Empfehlung der Ständigen Impfkommission gibt es bislang nicht, trotz der Forderung von Experten.
H. pylori: Probiotikum kann die Eradikation verbessern
Die Ergänzung einer Standardtherapie gegen Helicobacter pylori mit dem Probiotikum Saccharomyces boulardii könnte die Behandlung wirksamer und besser verträglich machen. Darauf weist eine große Analyse aus dem europäischen Register zur Behandlung von H. pylori hin, in der mehr als 41.000 Therapien ausgewertet wurden. Details sind im Journal Helicobacter nachzulesen.
Die Auswertung umfasste 41.298 Therapien zwischen den Jahren 2013 und 2023. In 2.890 Fällen erhielten Patienten zusätzlich Saccharomyces boulardii. Als Kontrolle zogen die Autoren 38.408 mit Standardtherapie ohne S. boulardii heran. Analysiert wurden die Eradikationsrate und das Auftreten von Nebenwirkungen.
Besonders deutlich zeigte sich der Effekt bei einer Begleittherapie mit Clarithromycin, Amoxicillin und Metronidazol beziehungsweise Tinidazol. Mit zusätzlichem Probiotikum lag die Eradikationsrate bei 93%, ohne Probiotikum bei 90%. Gleichzeitig sank das Risiko für Nebenwirkungen um etwa 20%.
Durchfall trat mit Probiotikum bei 5,0% der Patienten auf, ohne Zusatz bei 7,5%. Geschmacksstörungen wurden in 5,0% statt 7,0% beobachtet, Übelkeit in 4,0% statt 7,0%. Das Risiko von Bauchschmerzen halbierte sich (4,0 % vs. 2,0 %). Ähnliche Effekte zeigten sich bei Dyspepsie (2,5% vs. 3,0 %), Schwäche (2,0 % vs. 4,0 %), Sodbrennen (1,0% vs. 2,0%) und Appetitverlust (0,3% vs. 3,0%).
TBC: Impfstoffe zeigen in Phase-3-Studien einen gewissen Schutz
2 neue TB-Impfstoffe sind sicher, verhindern jedoch keine pulmonale Tuberkulose. Gegen extrapulmonale Verläufe zeigen sich allerdings gute Effekte. Das schreiben Forscher im BMJ.
Im Rahmen der Phase-3-Studie PreVenTB haben sie untersucht, ob die experimentellen Impfstoffe VPM1002 und Immuvac vor Tuberkulose schützen. An der randomisierten Studie nahmen 12.717 gesunde Haushaltskontakte von Patienten mit offener Tuberkulose aus Indien teil. Die Probanden erhielten entweder VPM1002, Immuvac oder Placebo. Sie wurden über 38 Monate hinweg nachbeobachtet.
Dabei erkrankten 1,68% aller Probanden im VPM1002-Arm, 2,09% im Immuvac-Arm und 2,13% in der Placebogruppe. Die Autoren fanden keinen überzeugenden Schutz vor allen TB-Formen oder vor pulmonaler Tuberkulose.
Auffällig war jedoch ein deutlicher Effekt bei extrapulmonaler Tuberkulose: Hier lag die Wirksamkeit von VPM1002 bei rund 50%, für Immuvac bei etwa 33%. Bei Teilnehmern mit positivem Tuberkulin-Hauttest erreichten beide Impfstoffe sogar Schutzraten von rund 65%. Besonders ausgeprägt war der Effekt bei Kindern und Jugendlichen zwischen 6 und 14 Jahren, bei denen VPM1002 die Gesamt-TB-Rate um etwa 65% verringern konnte.
Beide Impfstoffe wurden gut vertragen. Etwa 1 Drittel der Teilnehmer hatte milde lokale Reaktionen. Immunologisch führten beide Vakzine zu Mycobacterium-tuberculosis-spezifischen polyfunktionalen CD4-T-Zellen.
Insgesamt zeigen die Ergebnisse: VPM1002 und Immuvac sind sicher, bieten jedoch keinen klaren Schutz vor pulmonaler Tuberkulose. Für extrapulmonale, oft schwerere TB-Verläufe deutet sich ein Nutzen an.
https://deutsch.medscape.com/viewarticle/nutzen-grippeimpfung-kindern-fluvoxamin-long-covid-neue-2026a1000b26?ecd=WNL_mdplsfeat_260416_mscpedit_de_etid8270065&uac=389796AZ&impID=8270065
Infektiologie-Newsblog, Update vom 16. April 2026
COVID-19, Influenza, RSV – die Trends in Deutschland
Long-COVID: Nach wie vor immense gesundheitsökonomische Folgen
Long-COVID: Antidepressivum Fluvoxamin lindert Fatigue
Influenza: So effektiv ist die Grippeimpfung bei Kindern
H. pylori: Probiotikum kann die Eradikation verbessern
TBC: Impfstoffe zeigen in Phase-3-Studien einen gewissen Schutz
COVID-19, Influenza, RSV – die Trends in Deutschland
Auf der Website „Infektionsradar“ stellt das Bundesministerium für Gesundheit Trends bei akuten Atemwegserkrankungen (ARE) zusammen. Die neuesten 7-Tage-Inzidenzen (laborbestätigte Fälle je 100.000 Einwohner):
Aktuelle Woche Vorwoche
COVID-19 0,3 0,2
Influenza 0,74 1,16
Respiratorisches Synzytialvirus (RSV) 4,29 4,10
Die Erkältungssaison in Deutschland verliert laut RKI weiter an Dynamik. In der 15. Kalenderwoche 2026 ist die Aktivität akuter respiratorischer Erkrankungen (ARE) in der Bevölkerung erneut zurückgegangen: Sie liegt inzwischen auf einem insgesamt niedrigen Niveau. Damit bestätigt sich der Trend der vergangenen Wochen: Die typische Winterwelle ist weitgehend abgeklungen.
Ein Blick auf virologischen Daten zeigt, welche Erreger aktuell zirkulieren: In den untersuchten Proben dominierten vor allem Rhinoviren, gefolgt von Adenoviren, Respiratorischen Synzytialviren (RSV) und humanen Metapneumoviren (hMPV). Auffällig ist, dass weder Influenza-Viren noch SARS-CoV-2 in den Sentinelproben nachgewiesen wurden – ein klares Zeichen für das Ende der klassischen Grippe- und COVID-Welle in dieser Saison.
Long-COVID: Nach wie vor immense gesundheitsökonomische Folgen
Long-COVID wirft Jahre nach der Pandemie weiterhin einen langen Schatten auf Gesundheitssysteme und Volkswirtschaften. Auf dem Höhepunkt des Infektionsgeschehens im Jahr 2021 waren weltweit rund 75 Millionen Menschen betroffen; die direkten Gesundheitskosten beliefen sich auf etwa 53 Milliarden US-Dollar. Inzwischen ist die Prävalenz stark gesunken. Doch selbst unter konservativen Annahmen werden die Behandlungskosten in OECD- und EU-Ländern weiterhin bei rund 11 Milliarden US-Dollar pro Jahr liegen. Darauf weist ein neuer Bericht der OECD hin.
Noch schwerer wiegen die indirekten Folgen, etwa weniger Leistungsfähigkeit bzw. häufigere Fehlzeiten im Job und ein vorzeitiger Ausstieg aus dem Erwerbsleben. Insgesamt könnten dadurch bis zu 0,2% der weltweiten Wirtschaftsleistung pro Jahr verloren gehen. Das sind etwa 210 Milliarden US-Dollar pro Jahr.
Gleichzeitig kritisiert die OECD im Report, dass viele Länder keine klaren Strategien für Diagnose, Versorgung und berufliche Wiedereingliederung etabliert haben. Einheitliche Leitlinien, strukturierte Versorgungspfade und eine bessere Koordination zwischen der Gesundheits-, Sozial- und Arbeitsmarktpolitik gelten als entscheidend, um Betroffene zu unterstützen.
Long-COVID: Antidepressivum Fluvoxamin lindert Fatigue
Eine randomisierte, placebokontrollierte Studie aus Brasilien liefert Hinweise auf eine mögliche Therapieoption bei Long-COVID: Das Antidepressivum Fluvoxamin könnte Fatigue messbar verringern, wie Forscher in den Annals of Internal Medicine berichten.
An ihrer Studie nahmen 399 Erwachsene teil, die mindestens 90 Tage nach bestätigter SARS-CoV-2-Infektion weiterhin unter ausgeprägter Fatigue litten. Sie erhielten über 60 Tage hinweg entweder Fluvoxamin (100 mg 2-mal täglich), Metformin (750 mg 2-mal täglich) oder Placebo. Als primären Endpunkt haben Forscher die Veränderung der Fatigue Severity Scale (FSS) herangezogen.
Die Ergebnisse zeigen einen signifikanten Vorteil für Fluvoxamin: Nach 60 Tagen veränderte der Fatigue-Score im Vergleich zu Placebo um durchschnittlich -0,43 Punkte. Dieser Effekt blieb auch nach 90 Tagen bestehen und verstärkte sich sogar auf -0,58 Punkte weniger. Zusätzlich verbesserten sich unter Fluvoxamin die Lebensqualität. Metformin zeigte keinen signifikanten Nutzen gegenüber Placebo.
Auch beim Sicherheitsprofil schnitt Fluvoxamin günstig ab. Nebenwirkungen traten bei 20,0% der Patienten auf, verglichen mit 28,8% unter Metformin und 29,7% unter Placebo.
Die Autoren weisen jedoch auf Limitationen ihrer Arbeit hin: Die Nachbeobachtungszeit betrug lediglich 90 Tage, sodass unklar bleibt, ob der Effekt langfristig anhält. Zudem konzentrierte sich die Studie auf Fatigue, während andere typische Long-COVID-Symptome wie kognitive Störungen oder Dyspnoe nicht untersucht worden sind.
Influenza: So effektiv ist die Grippeimpfung bei Kindern
Eine Grippeimpfung kann Kinder wirksam vor schweren Krankheitsverläufen schützen. Zu dem Ergebnis kommt eine umfangreiche, in Pediatrics veröffentlichte Analyse.
Für ihre Arbeit haben Forscher Daten aus 7 pädiatrischen Zentren in den USA ausgewertet, und zwar für die Saisons 2021 bis 2024. Eingeschlossen wurden 19.917 Kinder im Alter von 6 Monaten bis 17 Jahren, die wegen akuter Atemwegsinfektionen ambulant behandelt oder hospitalisiert werden mussten.
Bei 2.831 Kindern (14%) haben Ärzte Influenza nachgewiesen; 17.086 (86%) waren negativ. 8.523 Kinder (43%) waren geimpft, 11.394 (57%) ungeimpft. Die Impfquote blieb über alle Saisons hinweg niedrig: Unter den Kindern ohne Influenza waren je nach Saison nur 44% bis 51% geimpft.
Die Wirksamkeit der Impfung variierte je nach Saison, lag insgesamt jedoch zwischen 34% und 60% beim Schutz vor Influenza-assoziierten Krankenhausaufenthalten und ambulanten Behandlungen. Je nach Virustyp zeigte sich ein unterschiedlicher Schutz: Gegen Influenza B betrug die Wirksamkeit 69%, gegen Influenza A/H1N1 53% und gegen Influenza A/H3N2 43%.
Damit bestätigt die Analyse, dass die Grippeimpfung das Risiko für schwere Verläufe und Arztbesuche auch bei Kindern deutlich senken kann. Eine generelle Empfehlung der Ständigen Impfkommission gibt es bislang nicht, trotz der Forderung von Experten.
H. pylori: Probiotikum kann die Eradikation verbessern
Die Ergänzung einer Standardtherapie gegen Helicobacter pylori mit dem Probiotikum Saccharomyces boulardii könnte die Behandlung wirksamer und besser verträglich machen. Darauf weist eine große Analyse aus dem europäischen Register zur Behandlung von H. pylori hin, in der mehr als 41.000 Therapien ausgewertet wurden. Details sind im Journal Helicobacter nachzulesen.
Die Auswertung umfasste 41.298 Therapien zwischen den Jahren 2013 und 2023. In 2.890 Fällen erhielten Patienten zusätzlich Saccharomyces boulardii. Als Kontrolle zogen die Autoren 38.408 mit Standardtherapie ohne S. boulardii heran. Analysiert wurden die Eradikationsrate und das Auftreten von Nebenwirkungen.
Besonders deutlich zeigte sich der Effekt bei einer Begleittherapie mit Clarithromycin, Amoxicillin und Metronidazol beziehungsweise Tinidazol. Mit zusätzlichem Probiotikum lag die Eradikationsrate bei 93%, ohne Probiotikum bei 90%. Gleichzeitig sank das Risiko für Nebenwirkungen um etwa 20%.
Durchfall trat mit Probiotikum bei 5,0% der Patienten auf, ohne Zusatz bei 7,5%. Geschmacksstörungen wurden in 5,0% statt 7,0% beobachtet, Übelkeit in 4,0% statt 7,0%. Das Risiko von Bauchschmerzen halbierte sich (4,0 % vs. 2,0 %). Ähnliche Effekte zeigten sich bei Dyspepsie (2,5% vs. 3,0 %), Schwäche (2,0 % vs. 4,0 %), Sodbrennen (1,0% vs. 2,0%) und Appetitverlust (0,3% vs. 3,0%).
TBC: Impfstoffe zeigen in Phase-3-Studien einen gewissen Schutz
2 neue TB-Impfstoffe sind sicher, verhindern jedoch keine pulmonale Tuberkulose. Gegen extrapulmonale Verläufe zeigen sich allerdings gute Effekte. Das schreiben Forscher im BMJ.
Im Rahmen der Phase-3-Studie PreVenTB haben sie untersucht, ob die experimentellen Impfstoffe VPM1002 und Immuvac vor Tuberkulose schützen. An der randomisierten Studie nahmen 12.717 gesunde Haushaltskontakte von Patienten mit offener Tuberkulose aus Indien teil. Die Probanden erhielten entweder VPM1002, Immuvac oder Placebo. Sie wurden über 38 Monate hinweg nachbeobachtet.
Dabei erkrankten 1,68% aller Probanden im VPM1002-Arm, 2,09% im Immuvac-Arm und 2,13% in der Placebogruppe. Die Autoren fanden keinen überzeugenden Schutz vor allen TB-Formen oder vor pulmonaler Tuberkulose.
Auffällig war jedoch ein deutlicher Effekt bei extrapulmonaler Tuberkulose: Hier lag die Wirksamkeit von VPM1002 bei rund 50%, für Immuvac bei etwa 33%. Bei Teilnehmern mit positivem Tuberkulin-Hauttest erreichten beide Impfstoffe sogar Schutzraten von rund 65%. Besonders ausgeprägt war der Effekt bei Kindern und Jugendlichen zwischen 6 und 14 Jahren, bei denen VPM1002 die Gesamt-TB-Rate um etwa 65% verringern konnte.
Beide Impfstoffe wurden gut vertragen. Etwa 1 Drittel der Teilnehmer hatte milde lokale Reaktionen. Immunologisch führten beide Vakzine zu Mycobacterium-tuberculosis-spezifischen polyfunktionalen CD4-T-Zellen.
Insgesamt zeigen die Ergebnisse: VPM1002 und Immuvac sind sicher, bieten jedoch keinen klaren Schutz vor pulmonaler Tuberkulose. Für extrapulmonale, oft schwerere TB-Verläufe deutet sich ein Nutzen an.
https://deutsch.medscape.com/viewarticle/nutzen-grippeimpfung-kindern-fluvoxamin-long-covid-neue-2026a1000b26?ecd=WNL_mdplsfeat_260416_mscpedit_de_etid8270065&uac=389796AZ&impID=8270065
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