Donnerstag, 19. Mai 2022
Urteil zur Impfpflicht und neuer Anlauf für 60+; Kommt Delta zurück? COVID-Spürhunde; Pläne für Long-COVID-Management
Michael van den Heuvel, Medscape


Im Medscape-Corona-Newsblog finden Sie regelmäßig die aktuellen Trends zu Neuinfektionen und Belegung von Intensivstationen sowie eine Auswahl von klinisch relevanten Kurzmeldungen zur Pandemie.

Corona-Newsblog, Update vom 19. Mai 2022
Das Infektionsgeschehen entwickelt sich weiter rückläufig. Wie das Robert Koch-Institut (RKI) berichtet, liegt die 7-Tage-Inzidenz derzeit bei 383,2 Fällen pro 100.000 Einwohner (18. Mai: 407,4).

Bundesverfassungsgericht über Impfpflicht für Gesundheitsberufe und neuer Anlauf für Herbst und Winter

Valneva-Impfstoff: Die EU redet Klartext

Tierexperimentelle Daten: Bessere Immunreaktion durch attenuiertes Lebendvirus

Long-COVID: Unternimmt Deutschland zu wenig?

Hinweise aus dem Abwasser: Kommt Delta zurück?

COVID-19-Spürhunde am Flughafen

FDA: Keine Zulassung von Fluvoxamin ? Kritik an Studien

Schweres COVID-19: Wache Patienten ohne Intubation profitieren nicht von der Bauchlage

Bundesverfassungsgericht über Impfpflicht für Gesundheitsberufe und neuer Anlauf für Herbst und Winter
Sinkende Inzidenzen gelten lediglich als Momentaufnahme des Geschehens ? darin sind sich Gesundheitspolitiker einig. Deshalb haben Vertreter Baden-Württembergs und Hessens bei einer Videoschaltkonferenz der Gesundheitsminister beantragt, erneut über die allgemeine Impfpflicht ab 60 Jahren zu beraten. Bayern wird sich dem Antrag anschließen. Weitere Bausteine des Konzepts sind die Möglichkeit zur Anordnung einer generellen Maskenpflicht in Innenräumen und die Verpflichtung zur Vorlage eines Impf-, Genesenen- oder Testnachweises für Bereiche mit Zugangsbeschränkung.

In der Beschlussvorlage heißt es: ?Angesichts einer sehr wahrscheinlichen Infektionswelle im Herbst hält es die Gesundheitsministerkonferenz weiterhin für erforderlich, eine Überlastung des Gesundheitssystems sowie damit einhergehende mögliche Einschränkungen für die Gesamtbevölkerung durch die Einführung einer unmittelbar geltenden Impfpflicht ab 60 Jahren zu verhindern. Die GMK appelliert daher an alle an der Bundesgesetzgebung Beteiligten, ein Gesetz für eine allgemeine Impfpflicht gegen COVID-19 ab 60 Jahren zu beschließen.? Beim nächsten Treffen am 22. und 23. Juni in Magdeburg soll das Thema erörtert werden.

Bundesgesundheitsminister Prof. Dr. Karl Lauterbach begrüßt den Entschluss der Gesundheitsministerkonferenz, Vorbereitungen für den Herbst zu treffen: ?Die Länder brauchen mehr Instrumente, um auf das mögliche Wiederaufflammen der Corona-Pandemie reagieren zu können?, schreibt er auf Twitter . ?Das jetzige Infektionsschutzgesetz ist zu dünn, um uns durch die kalte Jahreszeit zu bringen. Da es am 23.9 ausläuft müssen jetzt die Vorbereitungen beginnen (?).?

Die Regierung plant, ab Herbst allen Bürgern eine Viertimpfung anzubieten ? mit dem Omikron-Vakzin von BioNTech/Pfizer oder mit dem bivalenten Vakzin von Moderna. Dafür will die Koalition weitere 830 Millionen Euro bereitstellen. Beide Impfstoffe sind noch in der Entwicklung.

Grünes Licht gab es auch für die einrichtungsbezogene Impfpflicht. Das Bundesverfassungsgericht hat Klagen von Mitarbeitern abgewiesen; heute wurde das Urteil veröffentlicht. Zwar schreibt der Erste Senat, die Impfpflicht stelle einen Eingriff in die körperliche Unversehrtheit dar. Dies sei mit Blick auf die Verfassung jedoch zu rechtfertigen, um vulnerable Menschen zu schützen. ?Trotz der hohen Eingriffsintensität müssen die grundrechtlich geschützten Interessen der im Gesundheits- und Pflegebereich tätigen Beschwerdeführenden letztlich zurücktreten?, so die höchstrichterliche Entscheidung.

Valneva-Impfstoff: Die EU redet Klartext
VLA2001 von Valneva ist momentan der einzige inaktivierte, adjuvantierte Ganzvirus-Impfstoffkandidat gegen COVID-19 in Europa. Laut Pressemeldung des französisch-österreichischem Biotech-Unternehmens plant die Europäische Kommission, ihren Vorabkaufvertrag für das Vakzin zu kündigen.

Im Vertrag wird der Kommission ein Kündigungsrecht gewährt, falls VLA2001 bis zum 30. April 2022 keine Marktzulassung von der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) erhalten hat. Gemäß Detailvereinbarungen hat Valneva ab dem 13. Mai 2022 genau 30 Tage Zeit, um eine Marktzulassung zu erhalten oder um Maßnahmen zur Nachbesserung vorzuschlagen.

Fragen des EMA-Ausschusses für Humanarzneimittel hat der Hersteller schon beantwortet. Läuft alles nach Plan, erwartet das Unternehmen spätestens im Juni 2022 eine Stellungnahme des EMA-Ausschusses für Humanarzneimittel.

Tierexperimentelle Daten: Bessere Immunreaktion durch attenuiertes Lebendvirus
Für die weitere Kontrolle der Pandemie wünschen sich Ärzte Impfstoffe, die eine möglichst lang andauerte Immunität auslösen. Deshalb geht die Entwicklung neuer Vakzin-Kandidaten weiter; neue Ergebnisse sind als Preprint veröffentlicht worden.

Forscher der Charité ? Universitätsmedizin Berlin und Kollegen verglichen die Immunantworten und die präklinische Wirksamkeit des mRNA-Impfstoffs BNT162b2, eines Adenovirus-Vektor-Spike-Impfstoffs und des Impfstoffkandidaten sCPD9.

Um das abgeschwächte Virus sCPD9 herzustellen, hatten die Wissenschaftler einen kurzen Abschnitt des SARS-CoV-2-Genoms durch eine synthetisierte Sequenz ersetzt mit dem Ziel, die Virusreplikation zu begrenzen.

Bei den aktuellen Experimenten kamen Goldhamster als bekanntes Tiermodell für SARS-CoV-2-Infektionen zum Einsatz. Die durch sCPD9 hervorgerufene robuste Immunität zeigte sich anhand eines breiten Spektrums von Immunparametern nach einer Provokation mit SARS-CoV-2. Zu den Vorteilen ? verglichen mit anderen Vakzinen ? gehörten eine schnelle Virusbeseitigung, geringe Gewebeschäden, eine schnelle Differenzierung von Prä-Plasmablasten, eine starke systemische bzw. mukosale humoralen Reaktionen und eine schnelle Mobilisation von Gedächtnis-T-Zellen.

?Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Verwendung von abgeschwächten Lebendimpfstoffen Vorteile gegenüber den verfügbaren COVID-19-Impfstoffen bieten kann, insbesondere, wenn sie als Auffrischungsimpfung eingesetzt werden, und dass sie eine Lösung für die Eindämmung der COVID-19-Pandemie darstellen könnten?, resümieren die Autoren.

Long-COVID: Unternimmt Deutschland zu wenig?
Zwar sinken die Inzidenzen, doch Long-COVID bereitet Wissenschaftlern und Politikern viel Kopfzerbrechen. ?In UK werden die Long-COVID-Fälle systematischer erfasst als bei uns?, schreibt Lauterbach. ?Es zeigt sich, dass auch viele Geimpfte in der Omikron-Welle betroffen sind. Trotzdem wäre die Zahl ohne Impfung viel höher, die Impfung schützt. Long-COVID allein wäre Grund genug, sich impfen zu lassen.?

Auch der Corona-Expertenrat der Bundesregierung hat sich mit der Thematik befasst und umfangreiche Empfehlungen erarbeitet. Die Maßnahmen im Überblick:

Etablierung flächendeckender, intersektoraler und interdisziplinärer Versorgungsstrukturen für Patienten

Enge Verzahnung ambulanter und klinischer Versorgungsstrukturen mit konsentierten Qualitätskriterien

Ausweitung der Förderung der klinischen und translationalen Forschung, der Grundlagenforschung und Versorgungsforschung

Etablierung von Zentren für klinische Studien u.a. zur Prüfung bereits zugelassener und neuer Medikamente bzw. Behandlungsverfahren

Aufklärung aller Akteure im Gesundheitswesen

Informationen für die Bevölkerung

Einbindung von Patientengruppen

Erstellen wissenschaftlicher Analysen zu Long-COVID/Post-COVID

Hinweise aus dem Abwasser: Kommt Delta zurück?
Seit Monaten beherrscht Omikron die wissenschaftliche und die mediale Berichterstattung. Doch ist Delta wirklich verschwunden? Dieser Frage gingen Forscher aus Israel anhand der abwasserbasierten Epidemiologie auf den Grund.

Um Varianten in möglichen Umwelt-Reservoirs schnell zu bewerten, haben die Wissenschaftler spezielle PCR-Gensonden entwickelt. Damit wurden verschiedene Proben aus Abwässern untersucht. Bei Patienten nimmt, wie bekannt, die Zahl an Omikron-Infektionen stetig zu. Dennoch fanden die Wissenschaftler in Abwässern eine ? wie sie schreiben ? ?kryptische Zirkulation? der Delta-Variante, selbst beim Anstieg der Omikron-Fälle.

Auf Grundlage ihrer Daten entwickelten die Forschenden auch ein Modell zur Prognose des weiteren Geschehens. Sie vermuten, dass die Häufigkeit von Omikron-Subvarianten in der Umwelt bis zu deren vollständiger Eliminierung stetig abnehmen wird, während die Delta-Variante ihre kryptische Zirkulation beibehält. Dies könnte zum Wiederauftreten einer Delta-Infektionswelle oder zur möglichen Entstehung einer neuen Variant of Concern aus Delta führen.

COVID-19-Spürhunde am Flughafen
Um viele Menschen in kurzer Zeit auf SARS-CoV-2-infektionen zu screenen, beispielsweise auf Flughäfen, laufen seit Beginn der Pandemie Studien mit speziell trainierten Hunden. Jetzt liegen Ergebnisse einer randomisierten, verblindeten Validierungsstudie sowie einer Praxisstudie am internationalen Flughafen Helsinki-Vantaa, Finnland, vor.

4 Hunde wurden darauf trainiert, COVID-19 anhand menschlicher Hautabstrichen zu erkennen, wobei Probanden gleichzeitig via RT-PCR auf SARS-CoV-2 getestet wurden. Die Validierungsstudie umfasste 4 identische Sätze von 420 parallelen Proben (von 114 mittels RT-PCR positiv und 306 negativ getesteten Personen), die jedem Hund in 7 Versuchssitzungen zufällig vorgelegt wurden. In einer realen Umgebung bekamen die Hunde Hautabstriche von 303 ankommenden Passagieren, die alle gleichzeitig mittels RT-PCR von Nasenabstrichen auf SARS-CoV-2 untersucht wurden.

Die Validierungsexperimente ergaben im Vergleich zur RT-PCR eine Gesamtgenauigkeit von 92% (95%-KI 90% bis 93%), eine Sensitivität von 92% (95%-KI 89% bis 94%) und eine Spezifität von 91% (95%-KI 89% bis 93%). Bei Hunden, welche mit dem Wildtyp-Virus trainiert wurden, war die Leistung bei der Alpha-Variante weniger genau (89% für den Wildtyp gegenüber 36% für die Alpha-Variante; OR 14,0, 95 %-KI 4,5 bis 43,4)

https://deutsch.medscape.com/artikelansicht/4911187?uac=389796AZ&faf=1&sso=true&impID=4258683&src=WNL_mdplsfeat_220519_mscpedit_de#vp_3

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Mittwoch, 18. Mai 2022
Check-up gefällig?
Mehr als nur Laborwerte ? wie Vorsorgeuntersuchungen für Erwachsene optimiert werden können
Ute Eppinger, Medscape


Routine-Check-ups sind sinnvoll ? wenn sie denn genutzt werden. Dr. Jill Jin, Associate Editor des JAMA bricht auf der Patientenseite des Journals eine Lanze für Vorsorgeuntersuchungen. Sie verweist auf eine 2021 veröffentlichte Studie, die Hinweise darauf liefert, dass das Wahrnehmen von Check-ups mit besserer Krebsvorsorge (z.B. für Dickdarm- und Gebärmutterhalskrebs) und mit der Aufdeckung von chronischen Krankheiten wie Bluthochdruck und Depressionen verbunden ist.

Untersuchungen zur Gesundheitsvorsorge ? wie auch der Check-up ab 35 ? sind grundsätzlich sinnvoll. Prof. Dr. Georg Ertl
?Untersuchungen zur Gesundheitsvorsorge ? wie auch der Check-up ab 35 ? sind grundsätzlich sinnvoll; es geht darum, gesunde Menschen für ihre Gesundheit und für eine gesunde Lebensführung zu sensibilisieren?, sagt Prof. Dr. Georg Ertl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM). Check-ups bieten auch die Möglichkeit, ?vielleicht eine Veränderung des Lebensstils herbei zu führen, ohne dass unbedingt gleich ein Medikament verordnet werden muss?, so Ertl.

Zu einem Routine Check-up in den USA gehören laut Jin:

das Messen von Größe, Gewicht und Blutdruck,

die Bestimmung von Cholesterin, Nüchtern-Glukose und Hepatitis-C-Antikörpern,

Screenings auf Depressionen, Lungen-, Gebärmutterhals-, Darm- und Brustkrebs,

auf sexuell übertragbare Erkrankungen (STD) und

das Prüfen des Impfschutzes gegen Influenza, Tetanus, Pneumonie und Masern.

Als zusätzliche Untersuchungen für ältere Menschen kommen infrage:

Sturzrisiko,

Hörvermögen,

Gedächtnisfunktion,

Beratungsgespräche zu Patientenverfügungen.

?Vorsorgeuntersuchungen können auch zu einer gesünderen Ernährung und regelmäßigeren Bewegung sowie zu einer besseren Selbsteinschätzung der Patienten führen?, schreibt Jin. Ein jährlicher Check-up ist aus ihrer Sicht nicht notwendig

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Montag, 16. Mai 2022
Sind offene und gewissenhafte Menschen eher vor Demenz geschützt?
Persönlichkeitsmerkmale und Risiko geistigen Abbaus
Batya Swift Yasgur

Extravertierte Personen und Menschen mit hoher Selbstdisziplin haben möglicherweise ein geringeres Risiko für einen kognitiven Abbau im späteren Leben, während das Risiko bei Menschen mit Neurotizismus erhöht sei, wie neue Forschungsergebnisse zeigen.

Die Forschenden analysierten die Daten von fast 2.000 Personen, die am Rush Memory and Aging Project (MAP) teilnahmen. Dabei handelt es sich um eine Längsschnittstudie mit älteren Erwachsenen aus dem Großraum Chicago. Die Rekrutierung begann 1997 und dauert bis heute an. Die Teilnehmer unterzogen sich einer Persönlichkeitsbeurteilung und ihre kognitiven Fähigkeiten wurden im Jahresturnus beurteilt. Die Studie wurde im April online im Journal of Personality and Social Psychology veröffentlicht.

Gewissenhaftigkeit und Extraversion als ?Schutzfaktoren?
Bei Personen, die bei der Bestimmung der Gewissenhaftigkeit hohe Werte erzielten, war die Wahrscheinlichkeit, dass sie während der Studie von einer normalen kognitiven Leistungsfähigkeit zu einer leichten kognitiven Beeinträchtigung (LKB; oder mild cognitive impairment, MCI) übergingen, deutlich geringer.

Ein zusätzlicher Wert von 1 in der Standardabweichung auf der Skala für Gewissenhaftigkeit war mit einem 22% niedrigeren Risiko des Übergangs von keiner kognitiven Beeinträchtigung (NCI) zur MCI verbunden. Andererseits war ein zusätzlicher Wert von 1 in der Standardabweichung auf der Neurotizismus-Skala mit einem um 12% höheren Risiko für den Übergang zur MCI verbunden.

Personen mit einem hohen Wert für Extraversion sowie für Gewissenhaftigkeit oder einem niedrigen Wert für Neurotizismus hatten eher länger normale kognitive Funktionen als andere Teilnehmende.

?Persönlichkeitsmerkmale spiegeln relativ dauerhafte Denk-, Fühl- und Verhaltensmuster wider, die sich über die gesamte Lebenszeit kumulativ in gesunden und ungesunden Verhaltensweisen und Denkmustern äußern können?, sagte die Hauptautorin Dr. Tomiko Yoneda, Medizinsoziologin an der Northwestern University in Chicago gegenüber Medscape.

?Die Akkumulation der lebenslangen Erfahrungen kann dann zur Anfälligkeit für bestimmte Krankheiten oder Störungen wie MCI oder zu der individuellen Prädisposition gegenüber altersbedingten neurologischen Veränderungen beitragen?, fügte sie hinzu.

Konkurrierende Risikofaktoren
?So zeichnet sich etwa Gewissenhaftigkeit durch Kompetenz, Pflichtbewusstsein und Selbstdisziplin aus, während Neurotizismus für Ängstlichkeit, depressive Symptome und emotionale Instabilität steht. Ebenso sind Personen mit einem hohen Grad an Extraversion eher begeisterungsfähig, gesellig, gesprächig und durchsetzungsfähig?, fügte sie hinzu.

?Frühere Untersuchungen legen nahe, dass eine geringe Gewissenhaftigkeit und ein hoher Neurotizismus mit einem erhöhten Risiko für kognitive Beeinträchtigungen verbunden sind?, so die Wissenschaftlerin weiter. Allerdings ?scheint die Wahrscheinlichkeit, ein höheres Alter zu erreichen, auch größer zu sein. Es handelt sich also mit anderen Worten nach diesen Ergebnissen um ?konkurrierende Risikofaktoren?.

Rund 2.000 Ältere untersucht
Laut Yoneda wollte ihr Team ?die Auswirkungen von Persönlichkeitsmerkmalen auf das gleichzeitige Risiko für den Übergang zu einer MCI, Demenz und Tod untersuchen.

Für die Studie analysierten die Forschenden die Daten von 1.954 Studienteilnehmern (Durchschnittsalter bei Studienbeginn 80 Jahre; 73,7% weiblich, 86,8% weiß), deren Persönlichkeit standardisiert untersucht und deren kognitive Fähigkeiten dann jährlich beurteilt wurden.

Zur Bewertung der Persönlichkeitseigenschaften ? insbesondere Gewissenhaftigkeit, Neurotizismus und Extraversion ? verwendeten sie das NEO Five Factor Inventory (NEO-FFI). Darüber hinaus untersuchten sie mithilfe von Multistate-Modellen für das Überleben den potenziellen Zusammenhang zwischen diesen Merkmalen und dem Übergang von einer Kategorie des Kognitionszustandes zu einer anderen (NCI, MCI und Demenz) und zum Tod.

Kognitiv gesunde Jahre
Bei Studienende war über die Hälfte der Stichprobe (54%) verstorben.

Die meisten Teilnehmer zeigten ihres ?relative Stabilität des kognitiven Status über die Messzeitpunkte hinweg?:

Es gab 725 ?Rückübergänge? von MCI zu NCI, ?die eine Verbesserung oder eine innerpersonelle Variabilität der kognitiven Funktion oder auch Lerneffekte widerspiegeln können?, so die Autorinnen und Autoren.

Es gab nur 114 ?Rückübergänge? von Demenz zu MCI und nur 12 von Demenz zu NCI, ?was darauf hindeutet, dass eine Verbesserung des kognitiven Status relativ selten ist, insbesondere wenn eine Person einmal das Demenzstadium erreicht hat?.

Nach Adjustierung der Daten an Demografie, depressive Symptome und das Apolipoprotein ε4-Allel (APOE) fanden die Forschenden heraus, dass die Persönlichkeitsmerkmale die wichtigsten Faktoren beim Übergang von NCI zu MCI waren.

Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine hohe Gewissenhaftigkeit und ein niedriger Neurotizismus Personen vor leichten kognitiven Beeinträchtigungen schützen können. Dr. Tomiko Yoneda
Eine höhere Gewissenhaftigkeit in der Persönlichkeitsstruktur war mit einem geringeren Risiko für einen Übergang von NKI zu MCI verbunden (Hazard Ratio: 0,78; 95%-Konfidenzintervall: 0,72?0,85). Umgekehrt war ein höherer Neurotizismus mit einem erhöhten Risiko des Übergangs von NKI zu MCI und einer signifikant geringeren Wahrscheinlichkeit des Übergangs zurück von MCI zu NKI verbunden (HR: 1,12; 95%-KI: 1,04?1,21 bzw. HR: 0,90; 95%-KI: 0,81?1,00).

Eine Punktzahl von ~6 auf einer Gewissenhaftigkeitsskala von 0?48 (d.h. 1 SD auf der Skala) war signifikant mit einem ~22% niedrigeren Risiko des Übergangs von NCI zu MCI verbunden, während eine Punktzahl von ~7 auf einer Neurotizismus-Skala (1 SD) signifikant mit einem ~12% höheren Risiko für einen Übergang von NCI zu MCI verbunden war.

Eine höhere Extraversion bedeutete eine erhöhte Wahrscheinlichkeit eines Übergangs von MCI zurück zu NCI (HR: 1,12; 95% KI: 1,03?1,22) Und obwohl Extraversion nicht mit einer längeren Gesamtlebensdauer verbunden war, behielten Teilnehmende, die eine hohe Extraversion aufwiesen, sowie diejenigen, die eine höhere Gewissenhaftigkeit oder einen niedrigen Neurotizismus aufwiesen, ihre normale kognitive Funktion länger bei als andere Teilnehmer.

?Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine hohe Gewissenhaftigkeit und ein niedriger Neurotizismus Personen vor leichten kognitiven Beeinträchtigungen schützen können?, so Yoneda.

?Wichtig ist, dass Personen, die entweder eine höhere Gewissenhaftigkeit, eine höhere Extraversion oder einen niedrigeren Neurotizismus aufwiesen, mehr kognitiv gesunde Jahre aufwiesen, d.h. mehr Jahre ohne kognitive Beeinträchtigung?, fügte sie hinzu.

Darüber hinaus ?erholten sich Personen mit niedrigerem Neurotizismus und höherer Extraversion eher von der Diagnose MCI, was darauf hindeutet, dass diese Eigenschaften auch dann noch protektiv wirken können, wenn die Demenz bereits fortgeschritten ist?, sagte sie.

Die Forschenden weisen darauf hin, dass sich die Studie nur auf 3 der Big-Five-Persönlichkeitsmerkmale konzentrierte, während die anderen beiden ? Offenheit für Erfahrungen und Verträglichkeit ? ebenfalls mit kognitiven Alterungsprozessen und Mortalität in Verbindung gebracht werden können.

In Anbetracht der aktuellen Ergebnisse und der umfangreichen Forschung im Bereich der Persönlichkeit ist das Ziel, die Gewissenhaftigkeit durch dauerhafte Verhaltensänderungen zu erhöhen, eine mögliche Strategie zur Förderung eines gesunden kognitiven Alterns, so Yoneda.

?Ungeahnte Einblicke?
Der Psychologe Dr. Brent Roberts von der University of Illinois Urbana-Champaign erklärte gegenüber Medscape, die Studie eröffne ?ungeahnte Einblicke bei der Frage, wie die Persönlichkeit den Prozess des kognitiven Abbaus beeinflusst und ihn entweder beschleunigt, wie beim Neurotizismus, oder verlangsamt, wie bei der Gewissenhaftigkeit?.

Für mich war das faszinierendste Ergebnis, dass die Extraversion mit dem Übergang von MCI zurück zum NCI zusammenhing. Dr. Brent Roberts
?Für mich war das faszinierendste Ergebnis, dass die Extraversion mit dem Übergang von MCI zurück zum NCI zusammenhing. Derartige Übergänge waren bislang einfach kein Forschungsgegenstand. Damit bieten sich ganz einzigartige Einblicke und Möglichkeiten für Interventionen, die Menschen tatsächlich dabei helfen können, sich von einem Abbau wieder zu erholen?, sagte Roberts, der nicht an der Studie beteiligt war.

Dr. Claire Sexton, Programmleiterin Wissenschaft und Öffentlichkeitsarbeit bei der Alzheimer's Association, betonte in einem Kommentar für Medscape die Neuartigkeit der Untersuchung, weil sie die Übergänge zwischen NCI und MCI sowie zwischen MCI und Demenz untersucht habe.

Sexton, die Teil des Forschungsteams war, gab zu bedenken, dass es sich um eine Beobachtungsstudie handelt. Eine solche könne zwar ?Assoziationen oder Korrelationen aufzeigen, aber keine Ursachen. Daher können wir nicht mit Sicherheit sagen, welche Mechanismen hinter diesen potenziellen Verbindungen zwischen Persönlichkeit und Kognition stehen, und es sind weitere Untersuchungen erforderlich.?

https://deutsch.medscape.com/artikelansicht/4911168?uac=389796AZ&faf=1&sso=true&impID=4250036&src=WNL_mdplsfeat_220516_mscpedit_de#vp_3

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"Pandemie nicht vorbei"; Schutzwirkung einer Infektion; Leitlinie für Prophylaxe; Risiko für psychische Ekrankungen
Michael van den Heuvel, Medscape

Das Infektionsgeschehen entwickelt sich weiter rückläufig. Derzeit ist die 7-Tage-Inzidenz auf 439,2 Fälle pro 100.000 Einwohner gesunken (13. Mai: 485,7).

Experten warnen vor falscher Sicherheit. ?Die Pandemie ist nicht vorbei?, twittert Maria Klein-Schmeink von den Grünen. ?Saisonal entspannt sich die Lage. Kein Grund, nicht weiterhin achtsam zu bleiben.? Insbesondere der Schutz durch Masken in Bus und Bahn sei weiter zu beherzigen. ?Jetzt müssen die Vorbereitungen für den Herbst anlaufen?, fordert Klein-Schmeink. Bereits im April ? nach dem Scheitern der gesetzlichen Grundlagen zur allgemeinen Impfpflicht ? sprach sie sich für möglichst hohe Impfquoten aus.

WHO-Generaldirektor beim globalen COVID-Gipfel: in 70 Ländern Zunahme ? 4 Forderungen an die Staatengemeinschaft

Länder-Vergleich: Deutschland nur Mittelmaß bei der Pandemiekontrolle

SARS-CoV-2: Neue Subtypen mit klinisch unklarer Relevanz

Neuropsychiatrische Erkrankungen nach COVID-19

Infektion schützt Ungeimpfte gegen erneutes COVID-19

COVID-19: S1-Leitlinie zur Präexpositionsprophylaxe publiziert

WHO-Generaldirektor spricht beim globalen COVID-Gipfel: 4 Forderungen an die Staatengemeinschaft
Zu einer ähnlichen Bewertung kommt die Weltgesundheitsorganisation (WHO). ?Obwohl die Zahl der gemeldeten Fälle und Todesfälle nun weltweit abnimmt, ist es falsch zu glauben, dass diese Pandemie vorbei ist?, sagte WHO-Generaldirektor Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus beim 2. globalen COVID-Gipfel. ?Tatsächlich nehmen die Fälle in mehr als 70 Ländern zu.? Und fast eine Milliarde Menschen in Ländern mit niedrigem Einkommen blieben ungeimpft.

Aus Sicht der WHO ergeben sich hieraus 4 Handlungsfelder:

Die Weltgesundheitsorganisation wünscht sich politische Verpflichtungen zur Förderung von Impfungen, Tests und Therapien in ärmeren Ländern.

Investitionen in die lokale Produktion sollten verstärkt werden.

Die WHO macht sich für finanzielle Zusagen zur vollständigen Finanzierung ihrer Programme zur Bekämpfung von COVID-19 stark.

Sie fordert auch mehr politisches Engagement zur Unterstützung des Financial Intermediary Fund und den Aufbau einer neuen Struktur für die globale Gesundheit.

Länder-Vergleich: Deutschland nur Mittelmaß bei der Pandemiekontrolle
Doch was ergibt der Vergleich wohlhabender Industrienationen? Hat sich das deutsche Gesundheitssystem bewährt? Ein Blick auf Zahlen.

Todesfälle pro 1 Million Einwohner: Hier stehen südamerikanische und osteuropäische Länder an der Spitze der Liste (4.000-6.000); Deutschland ist im Mittelfeld (1.636). Besser haben die Niederlande (1.296), Dänemark (1.078) oder Israel (1.153) abgeschnitten.

Erkrankungen pro 1 Million Einwohner: Hier sieht es schlecht für Island (540.134), Dänemark (510.483), die Niederlande (468.869), Österreich (462.804) und für viele andere Nationen aus. Deutschland bewegt sich erneut im mittleren Bereich (305.810); niedrigere Zahlen haben Norwegen (259.940), die USA (251.659) oder Schweden (245.180) vorzuweisen.

Impfquoten: Besser sieht die Sachlage beim Vergleich der Impfquoten europäischen Länder aus. Deutschland liegt nach Malta (249,06), Portugal (234,28), Italien (227,47), Dänemark (227,4), Schweden (218,81), Irland (218,49) und Belgien (217,75) im vorderen Feld (213,83). Angegeben sind jeweils Vakzin-Dosen pro 100 Einwohner.

SARS-CoV-2: Neue Subtypen mit klinisch unklarer Relevanz
COVID-19 ist noch lange nicht vorbei. Wie dynamisch das Infektionsgeschehen immer noch entwickelt, zeigen Analysen des Robert Koch-Instituts (RKI).

Laut Wochenbericht lag der Anteil von BA.2 zuletzt bei rund 97%. Der zuvor für die meisten Ansteckungen verantwortliche Subtyp BA.1 wiederum ist unter 2% gesunken. Der Anteil von BA.5 ist auf 0,6% angestiegen. BA.4 liegt unverändert bei 0,1%. Ob es relevante klinische Unterschiede zwischen den Subformen gibt, ist noch ungeklärt.

Neuropsychiatrische Erkrankungen nach COVID-19
Personen, die schweres COVID-19 überleben, haben ein erhöhtes Risiko für neuropsychiatrische Folgeerkrankungen. Zu dem Ergebnis sind Wissenschaftler schon bald nach Beginn der Pandemie gekommen. Doch die Details blieben unklar.

Ziel einer neuen Kohortenstudie war, das Risiko bei stationären COVID-19-Patienten und bei stationären Patienten mit anderen infektiösen Atemwegserkrankungen zu vergleichen. Dazu haben Forscher Angaben aus verschiedenen britischen Registern und Patientenakten vom 24. Januar 2020 bis zum 7. Juli 2021 zusammengetragen.

In dieser Kohorte mit Daten von 8,38 Millionen britischen Erwachsenen (4,18 Millionen Frauen, 4,20 Millionen Männer; mittleres Alter 49,18 Jahre) wurden 16.679 (0,02%) nach einer Krankenhausaufnahme wegen infektiöser Atemwegserkrankungen als geheilt entlassen. Das galt auch für 32.525 (0,03%) stationäre COVID-19-Patienten.

Im Vergleich zur übrigen Bevölkerung hatten Überlebende beider Gruppen ein höheres Risiko für nachfolgende neuropsychiatrische Diagnosen. So lag die HR für Angstzustände in der Gruppe ehemaliger Patienten mit sonstigen infektiösen Atemwegserkrankungen bei 1,86 (95%-KI 1,56-2,21) und bei ehemaligen COVID-19-Patienten bei 2,36 (95%-KI 2,03-2,74); als HR für eine Demenz nennen die Autoren 2,55 (95%-KI 2,17-3,00) bzw. 2,63 (95%-KI 2,21-3,14).

Ähnliche Ergebnisse wurden für Pharmakotherapien beobachtet. Beispielsweise lag die HR für die Erstverschreibung von Antidepressiva bei 2,55 (95%-KI 2,24-2,90) bzw. bei 3,24 (95%-KI 2,91-3,61). Beim direkten Vergleich der COVID-19-Gruppe mit der Gruppe anderer Atemwegsinfektionen wurden keine signifikanten Unterschiede festgestellt, abgesehen von einem geringeren Risiko der Verschreibung von Antipsychotika in der COVID-19-Gruppe (HR 0,80; 95%-KI 0,69-0,92).

Wichtig sei für Ärzte, erhöhte Risiken für neuropsychiatrische Erkrankungen im Blick zu behalten, resümieren die Autoren.


Infektion schützt Ungeimpfte gegen erneutes COVID-19
Menschen, die ohne eine vorherige Impfung an COVID-19 erkrankten und dies überlebten, waren nach 90 Tagen anhaltend vor einer erneuten Infektion mit und ohne Hospitalisierung geschützt. Darüber hat Univadis.de berichtet.

Analysiert wurden Daten von etwa 120.000 Personen, die in 6 westlichen US-Bundestaaten im Zeitraum von Oktober 2020 bis November 2021 mittels PCR getestet worden waren. Darunter waren 24.043 Ungeimpfte, die zum Zeitpunkt des positiven Tests Symptome einer SARS-CoV-2-Infektion hatten. Weitere 97.572 Personen waren im Test negativ und zeigten keine Symptome (Kontrolle).

Ab 90 Tagen nach den Tests wurden beide Gruppen bezüglich neuer SARS-CoV-2-Infektionen mittels PCR überwacht, und das COVID-19-freie Überleben (adjustiert für Alter, Geschlecht und ethnische Zugehörigkeit) bestimmt.

Unter den zu Beginn Erkrankten kam es 98 Neuinfektionen (0,4%). In der Kontrollgruppe steckten sich 2.762 Personen (2,8 %) an. Die HR für bereits Erkrankte betrugen für eine COVID-19-Erkrankung 0,15 (95%-KI 0,13-0,18), für eine Hospitalisierung wegen COVID-19 0,12 (95%-KI 0,08-0,18) und für COVID-19 ohne Hospitalisierung 0,17 (95%-KI 0,13-0,21).

Die Schutzraten nach einer COVID-19-Erkrankung lagen für eine erneute Erkrankung bei 85%, für eine Hospitalisierung wegen COVID-19 bei 88% und für COVID-19 ohne Hospitalisierung bei 83 %. Die Schutzwirkung blieb über den Studienzeitraum stabil und zeigt auch nach 9 Monaten keine Anzeichen für eine Abschwächung.

Bleibt als Fazit: Eine natürliche Infektion mit SARS-CoV-2 und anschließender COVID-19-Sympomatik hat bei ungeimpften Personen einen Schutzeffekt, der in etwa der Größenordnung von mRNA-Vakzinen entspricht. Da die Untersuchung im Zeitraum von Oktober 2020 bis November 2021 durchgeführt wurde, beziehen diese Ergebnisse sich lediglich auf die damals kursierenden Virusvarianten.

COVID-19: S1-Leitlinie zur Präexpositionsprophylaxe publiziert
Patienten mit stark geschwächtem Immunsystem bilden nach einer Impfung oft keinen ausreichenden Immunschutz gegen COVID-19. Für sie kann die vorbeugende Gabe monoklonaler Antikörper als Präexpositionsprophylaxe (PrEP) sinnvoll sein, um das Risiko einer Infektion zu reduzieren ? und um schweres COVID-19 zu vermeiden. Details wurden in einer neuen Leitlinie zusammengestellt.

Von der PrEP profitieren Patienten mit schwerwiegender Immundefizienz, mit hohem Risiko für einen schweren Verlauf sowie mit nachweislich nicht ausreichendem Ansprechen auf die Impfung.

Während der Pandemie standen Ärzten verschiedene neutralisierende monoklonale Antikörper (nMAK) zur Verfügung. Sie binden an verschiedenen Regionen des Spike-Proteins von SARS-CoV-2. Mutationen schwächen jedoch die Wirksamkeit ab, was zuletzt bei Omikron beobachtet worden ist.

Seit März 2022 ist das Kombinationspräparat Tixagevimab/Cilgavimab (AZD7442) erhältlich. Es zeigt zumindest in vitro eine gute Wirksamkeit gegenüber Omikron, einschließlich der momentan zirkulierenden Subvariante BA.2.

?Die SARS-CoV-2-PrEP ist allerdings keinesfalls als Ersatz für eine vollständig durchgeführte Schutzimpfung entsprechend der STIKO-Empfehlungen zu verstehen. Auch Patienten mit geschwächtem Immunsystem profitieren in den meisten Fällen von einer intensivierten Impfserie?, so die Einschätzung von Dr. Jakob J. Malin, Uniklinik Köln. Er hat gemeinsam mit PD Dr. Christoph Spinner, Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität in München, die Leitlinie koordiniert.

https://deutsch.medscape.com/artikelansicht/4911170?uac=389796AZ&faf=1&sso=true&impID=4250036&src=WNL_mdplsfeat_220516_mscpedit_de#vp_3

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Donnerstag, 12. Mai 2022
Strategien für künftige Booster; Urlaub ohne Maske; Virus bleibt im Darm; Tumorarten und Sterberisiko; Darmkrebs später erkannt
Michael van den Heuvel, Medscape


Das Infektionsgeschehen entwickelt sich weiter rückläufig. Mittlerweile ist die 7-Tage-Inzidenz auf 502,4 Fälle pro 100.000 Einwohner gesunken (Vortag 507,1).

Triage-Gesetzesentwurf: Lauterbach rudert zurück

Bundesregierung löst Corona-Krisenstab auf

In den Urlaub ohne Maske

Krebserkrankungen und Chemotherapien ? 2 Risikofaktoren für schweres COVID-19

Darmkrebs-Versorgung: Was sich während COVID-19 verändert hat

4. Dosis eines mRNA-Impfstoffs: Nachweislich ein ?erheblichen? Immunitätsschub

Parallelen zu Influenza-Vakzinen: Mehr Impfungen ? weniger Schutz?

Nicht nur an die Lunge denken: Das SARS-CoV-2-Virus bleibt lange im Darm

Suizide in COVID-19-Zeiten: Generell kein erhöhtes Risiko

Triage-Gesetzesentwurf: Lauterbach rudert zurück
Wie Medscape im Corona-Blog berichtet hat, sorgt ein neuer Referentenentwurf zur Triage bei COVID-19 für reichlich Ärger. Der Text sah eine sogenannte Ex-Post-Triage vor: Sollte sich ein Patient mit schlechterer Prognose in Behandlung befinden, so wäre die Therapie abzubrechen, falls ein Patient mit besseren Chancen die Ressourcen bräuchte.

Bundesgesundheitsminister Prof. Dr. Karl Lauterbach (SPD) hat sich mit seinem Vorpreschen wenig Freunde gemacht; SPD und Grüne waren gegen diese Formulierung. Und Caritas-Präsidentin Eva Maria Welskop-Deffaa schrieb: ?Schleichend verändert sich ? die Diskussion um die Triage ? von einem Instrument der medizinischen Abwägung in akuten Notfallsituationen zu einer Legitimation von Rationierung medizinischer Leistungen nach Nützlichkeit und Lebenswert.? Weitere Zweifel kamen von Juristen und von Intensivmedizinern.

Schließlich machte Lauterbach eine Rolle rückwärts und konstatierte auf Twitter : ?Es wird keinen Behandlungsabbruch (Ex-Post Triage) in Deutschland geben. Damit ÄrztInnen erst gar nicht in eine solche Entscheidungsnotlage geraten, brauchen wir genug Personal auf den Intensivstationen. Daran wird gearbeitet.?

Bundesregierung löst Corona-Krisenstab auf
Zirka 5 Monate nach dessen Einrichtung hat sich die Bundesregierung entschlossen, ihren Corona-Krisenstab unter Leitung von Bundeswehr-General Carsten Breuer wieder aufzulösen. Grund dafür sei eine ?andere Situation bei den Infektionen und Impfungen?, erklärte eine Sprecherin. Die bisherigen Aufgaben würden von der Regierung übernommen. In Spitzenzeiten gehörten dem Krisenstab bis zu 30 Experten aus unterschiedlichen Bereichen an. Ihre Aufgabe war vor allem, die Impfkampagne zu koordinieren.

Der Corona-Expertenrat bleibt jedoch bestehen. Er berät die Bundesregierung, trifft jedoch ? anders als zuvor der Krisenstab ? keine eigenen Entscheidungen.

In den Urlaub ohne Maske
Eine weitere Änderung betrifft den europäischen Flugverkehr. Die European Union Aviation Safety Agency (EASA) und das European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) haben neue Regelung zum Gesundheitsschutz bei Flugreisen veröffentlicht.

Am 16. Mai wird die Empfehlung zum verpflichtenden Tragen medizinischer Masken in Flughäfen und an Bord von Flugzeugen gestrichen. Dennoch raten beide Behörden, dies auf freiwilliger Basis weiterhin zu tun. Die Lufthansa wartet mit der Anpassung noch, bis die Regelung in deutsches Recht umgesetzt worden ist.

Krebserkrankungen und Chemotherapien ? 2 Risikofaktoren für schweres COVID-19
SARS-CoV-2-Infektionen wurden bei Krebspatienten seit Beginn der Pandemie mit schwerem COVID-19 und mit mehr Todesfällen in Verbindung gebracht; Details waren jedoch unklar. Diese Lücke schließt eine neue Review und Metaanalyse.

Ausgewertet wurden verschiedene frei zugängliche Literaturdatenbanken, und zwar bis 14. Juni 2021. Die Autoren haben alle Fall-Kontroll- oder Kohortenstudien eingeschlossen, an denen 10 oder mehr Patienten mit maligner Erkrankung und mit SARS-CoV-2-Infektion mit oder ohne Kontrollgruppe (definiert als Patienten ohne Krebs, aber mit SARS-CoV-2-Infektion) teilgenommen haben.

Es wurden insgesamt 81 Studien mit 61.532 Krebspatienten ausgewertet. Von 58.849 Patienten gab es detaillierte Daten; 30.557 männlich (52%) und das Durchschnittsalter lag zwischen 35 und 74 Jahren.

Die Analyse hat ergeben:

Das relative Risiko (RR) aufgrund von COVID-19 zu sterben, betrug bei Patienten mit Krebs im Vergleich zu Patienten ohne Krebs 1,69 (95%-KI 1,46-1,95).

Im Vergleich zu anderen Krebsarten waren Lungenkrebs (RR 1,68; 95%-KI 1,45-1,94) und maligne hämatologische Erkrankungen (RR 1,42; 95%-KI 1,31-1,54) mit einem signifikant höheren Sterberisiko verbunden.

Brustkrebs (RR 0,51; 95%-KI 0,36-0,71) und maligne gynäkologische Erkrankungen (RR 0,76; 95%-KI 0,62-0,93) waren mit einem geringeren Sterberisiko verbunden.

Die Chemotherapie war mit der höchsten gepoolten Gesamtmortalitätsrate von 30% (95% KI 25 %-36 %) assoziiert.

Speziell für endokrine Therapien geben die Autoren 11% (95 % KI 6%-16%) an.

?Die Ergebnisse dieser Studie deuten darauf hin, dass Patienten mit Krebs und mit SARS-CoV-2-Infektion ein höheres Sterberisiko hatten als Patienten ohne Krebs?, heißt es als Fazit. ?Ein jüngeres Alter, Lungenkrebs und hämatologische maligne Erkrankungen waren ebenfalls Risikofaktoren, die mit einem schlechten Ausgang der COVID-19-Infektion verbunden waren.?

Darmkrebs-Versorgung während COVID-19: Weniger Diagnosen, mehr fortgeschrittene Tumore
Hat sich die Behandlung von Darmkrebs während der COVID-19-Pandemie verändert? Diese Frage stellen sich seit Beginn der Pandemie. Neue Erkenntnisse kommen aus Schweden.

Grundlage der registerbasierten Kohortenstudie waren Daten aus einem Darmkrebsregister aus den Jahren 2020 und 2019. Alle Patienten mit Darmkrebs- Diagnose vom 1. März bis 31. August 2019 und vom 1. März bis 31. August 2020 kamen in Frage. Eingeschlossen wurden 1.140 Patienten (583 Männer [51%]; medianes Alter 74 Jahre in 2019 und 73 Jahre in 2020).

In den Monaten März bis August 2020 erhielten weniger Patienten eine Darmkrebsdiagnose als in den gleichen Monaten des Jahres 2019 (550 vs. 590 Patienten). Insgesamt waren die Patientencharakteristika ähnlich, aber das prätherapeutische Tumorstadium war 2020 im Vergleich zu 2019 weiter fortgeschritten, mit einem höheren Anteil an T4-Tumoren (30% [172 Patienten] gegenüber 22% [132 Patienten]).

Der Anteil der Patienten mit laparoskopischer Operation, die Zeit bis zur Operation und die Rate an 30-Tage-Komplikationen waren ähnlich. Aber der Anteil der Patienten, die mit einem Stoma behandelt wurden, verdoppelte sich fast zwischen 2019 und 2020 von 17% (53 Patienten) auf 30% (96 Patienten; absolutes Risiko 13,0%; 95%-KI 6,8% bis 20,0%).

4. Dosis eines mRNA-Impfstoffs: Nachweislich ein erheblicher Immunitätsschub
Die 4. Dosis des mRNA-Booster-Impfstoffs COVID-19 wird gut vertragen und stärkt die zelluläre und humorale Immunität, so das Ergebnis einer neuen Studie der COV-BOOST-Studie. Darüber hat Medscape UK berichtet.

Insgesamt 166 Teilnehmer von COV-BOOST, die zuvor den Impfstoff von BioNTech/Pfizer als 3. Dosis bekommen hatten, erhielten nach dem Zufallsprinzip entweder eine 4. Dosis des gleichen Vakzins (30 µg; eine volle Dosis) oder mRNA-1273 (Moderna; 50 µg; die halbe Dosis).

Das Durchschnittsalter lag bei 70 Jahren und 86 der 166 Teilnehmer waren Frauen. Der durchschnittliche Abstand zwischen der 3. und 4. Dosis betrug 208,5 Tage.

In der Gruppe, die eine 4. Dosis des Vakzins von BioNTech/Pfizer erhalten hat, lag die mittlere Immunogenität 28 Tage nach der 3. Dosis bei 23.325 ELISA-Laboreinheiten (ELU)/ml (95%-KI 20.030-27.162). Dieser Wert stieg 2 Wochen nach der 4. Dosis auf 37.460 ELU/ml (95%-KI 31.996-43.857).

Auch in der Gruppe, die eine 4. Dosis Moderna erhalten hat, lag die mittlere Immunogenität 28 Tage nach der 3. Dosis (Pfizer) bei 25.317 ELU/ml (95%-KI 20.996-30.528) und stieg 2 Wochen nach der 4. Dosis auf 54.936 ELU/ml (95%-KI 46.826-64.452).

Die Forscher errechnen von dem Zeitpunkt unmittelbar vor der 4. Dosis (Tag 0) bis 14 Tage danach einen Anstieg der Immunität um das 12,19-Fache (95%-KI 10,37 bis 14,32) bei BioNTech/Pfizer. Für Moderna stieg der Wert um das 15,90-Fache (95%-KI 12,92 bis 19,58) an.

Auch die T-Zell-Antworten wurden von vor bis nach der vierten Dosis gesteigert: auf das 7,32-Fache (95%-KI 3,24 bis 16,54) in der BioNTech/Pfizer-Gruppe und auf das 6,22-Fache (95%-KI 3,90 bis 9,92) in der Moderna-Gruppe.

?Die 4. Dosis des COVID-19-Impfstoffs stärkt sowohl die Antikörper als auch die zelluläre Immunität erheblich, wenn sie mindestens sechs Monate nach der dritten Auffrischungsdosis verabreicht wird?, so das Resümee der Autoren.

Parallelen zu Influenza-Vakzinen: Mehr Impfungen ? weniger Schutz?
Doch hilft viel auch wirklich viel? Ein Kommentar in The Lancet Respiratory Medicine geht der Frage nach, welche möglicherweise negativen Folgen die Strategie, Patienten nach der COVID-19-Grundimmunisierung mehrfach zu boostern, haben könnte.

Daten zu Grippeimpfstoffen deuten darauf hin, dass wiederholte Impfungen bei einer Person zu einer abgeschwächten Immunantwort, einer Abnahme der Wirksamkeit des Impfstoffs und einer möglicherweise verkürzten Schutzdauer führen können. In Studien waren sowohl die Immunogenität nach der Influenza-Impfung als auch die Wirksamkeit des Impfstoffs gegen Influenza-assoziierte Arztkontakte bei Personen, die in der vorherigen und der aktuellen Saison geimpft wurden, häufig niedriger als bei Personen, die nur in der aktuellen Saison geimpft wurden.

In den wenigen Studien mit Daten für 4-6 vorangegangene Jahre waren die Immunogenität und die Wirksamkeit des Impfstoffs bei denjenigen am höchsten, die keine oder nur wenige vorherige Impfungen hatten, und am niedrigsten bei denjenigen, die häufig geimpft wurden. Die Mechanismen sind unklar; in der Literatur werden einige Hypothesen diskutiert.

Welche Konsequenzen haben diese Daten für Impfungen generell und speziell für COVID-19-Vakzine?

Studien zur Wirksamkeit von Impfstoffen sollten nach Personen mit und ohne vorherige Infektion und nach Unterschieden im vorherigen Impfstatus stratifiziert werden, um Änderungen der Impfstoffwirksamkeit von Änderungen der Anfälligkeit der Bevölkerung im Laufe der Zeit zu unterscheiden. Bei Influenza war dies bislang nicht möglich.

Der optimale zeitliche Abstand zwischen der COVID-19-Grundimmunisierung und Auffrischungsimpfungen verdient viel mehr Aufmerksamkeit als bisher. Wenn COVID-19 zu einem endemischen Virus mit saisonaler Zirkulation wird, könnte eine Verteilung der COVID-19-Impfstoffdosen in 9-Monats- oder 12-Monats-Intervallen ebenso viel Schutz bieten wie eine häufigere Impfung, z. B. alle 6 Monate.

Ein Wechsel des SARS-CoV-2-Impfstoffantigens kann notwendig sein, um Menschen, die wiederholt geimpft werden, vor neuen Varianten zu schützen.

Die Einführung alternativer Impfstofftypen könnte die Immunogenität und die Wirksamkeit im Vergleich zur wiederholten Verwendung derselben Impfstofftechnologie verbessern.

Nicht nur an die Lunge denken: Das SARS-CoV-2-Virus bleibt lange im Darm
Forscher hatten in den letzten Monaten bei Infizierten SARS-CoV-2 in etlichen Geweben nachgewiesen, auch im Darm. Studien lieferten bislang kein klares Bild, wie lange das Virus fäkal ausgeschieden wird; jetzt liegen neue Daten vor.

Die Forscher analysierten die Dynamik der fäkalen RNA-Ausscheidung bis zu 10 Monate nach der COVID-19-Diagnose bei 113 Personen mit leichter bis mittelschwerer Erkrankung. Außerdem haben sie Assoziationen der Ausscheidung viraler RNA mit Krankheitssymptomen bewertet.

Die Ergebnisse: Fäkale SARS-CoV-2-RNA wurde bei 49,2% (95%-KI 38,2%-60,3%) der Teilnehmer innerhalb der ersten Woche nach der Diagnose nachgewiesen. Während bei den Teilnehmer 4 Monate nach der Diagnose keine oropharyngeale SARS-CoV-2-RNA-mehr nachzuweisen war, schieden 12,7% (95%-KI 8,5%-18,4 %) 4 Monate nach der Diagnose weiterhin SARS-CoV-2-RNA im Stuhl aus und 3,8% (95%-KI 2,0 %-7,3%) sogar nach 7 Monaten.

Dies alles deute darauf hin, dass SARS-CoV-2 den Magen-Darm-Trakt infiziere und dass diese Infektion bei manchen Patienten länger bestehen bliebe, heißt es als Fazit.

Suizide in COVID-19-Zeiten: Generell kein erhöhtes Risiko
Die Pandemie mit ihren Lockdowns und mit Ängsten vor Krankheit oder vor Jobverlust hat zu starken psychischen Belastungen geführt; Krisen sind bekannte Risikofaktoren für Suizide. Wissenschaftler der Universitätsmedizin Leipzig haben deshalb Suizidstatistiken anhand verschiedener soziodemografischer Merkmale ausgewertet. Daten kamen aus Sachsen, Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein.

Die Analyse zeigt: Bei Männern sank die Anzahl der Suizide von 2020 bis 2021 im Vergleich zu den Jahren 2017 bis 2019 leicht ab, bei Frauen war ein leichter Anstieg der Suizide zu verzeichnen. In beiden Fällen war die Änderung nicht signifikant.

Eine signifikante Verringerung ergab sich bei Männern zwischen 81 und 90 Jahren; ein signifikanter Anstieg wurde bei über 90-jährigen Männern beobachtet. Da die Merkmale männliches Geschlecht und hohes Lebensalter stark mit Suizid assoziiert seien, liegt bei dieser Gruppe ohnehin ein hohes Suizidrisiko vor, so die Autoren.


https://deutsch.medscape.com/artikelansicht/4911157?uac=389796AZ&faf=1&sso=true&impID=4240649&src=WNL_mdplsfeat_220512_mscpedit_de#vp_4

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Montag, 9. Mai 2022
Nach schwerem COVID-19 sinkt IQ und Gehirn altert um 20 Jahre; mRNA-Vakzin für Babys in Sicht; Zahnärzte sollen impfen
Michael van den Heuvel, Medscape


Corona-Newsblog, Update vom 9. Mai 2022
Das Infektionsgeschehen entwickelt sich weiter rückläufig. Mittlerweile ist die 7-Tage-Inzidenz auf 499,2 Fälle pro 100.000 Einwohner gesunken (6. Mai: 553,2). Das Robert Koch-Institut schätzt die Gefährdung durch COVID-19 für die Gesundheit der Bevölkerung nur noch als ?hoch? ein, aber nicht mehr als ?sehr hoch?.

Bald 1. COVID-19-Vakzin für Kleinkinder ab 6 Monaten?

Verlängerung der Coronavirus-Impfverordnung: Zahnärzte sollen impfen

Gesetzesentwurf zur Triage bei COVID-19: Laufende Behandlungen abbrechen?

EMA: Modifizierte COVID-19-Vakzine spätestens bis September

US-Arzneimittelbehörde schränkt Verwendung des COVID-19-Impfstoffs von Janssen ein

Durch COVID-19 altert das Gehirn um 20 Jahre

Peginterferon Lambda als Therapie: Zulassungsantrag noch im 2. Quartal 2022?

Bald 1. COVID-19-Vakzin für Kleinkinder ab 6 Monaten?
Moderna hat bei der EMA eine Änderung der bedingten Marktzulassung für 2 Dosen seines Vakzins mRNA-1273 (Spikevax®) beantragt. Die Zulassung soll auf Kinder im Alter von 6 Monaten bis unter 6 Jahren ausgeweitet werden. Läuft alles nach Plan, wäre Spikevax® das 1. Vakzin für diesen Altersbereich.

Positive Zwischenergebnisse aus der Phase-2/3-KidCOVE-Studie zeigten laut Pressemeldung eine robuste neutralisierende Antikörperreaktion in der Altersgruppe nach einer Primärserie mit 2 Dosen. Antikörpertiter bei Probanden im Alter von 6 Monaten bis zu 23 Monaten und von 2 Jahren bis unter 6 Jahren seien mit Titern Erwachsener aus der COVE-Studie vergleichbar gewesen, so Moderna.

Als Wirksamkeit des Impfstoffs geben die Forscher 51% (95%-KI: 21%-69%) für Kinder im Alter von 6 Monaten bis < 2 Jahre an. In der Altersgruppe 2 Jahre bis < 6 Jahre nennt der Hersteller 37% (95%-KI: 13%-54%) ? jeweils bezogen auf die Vermeidung von Infektionen mit positivem PCR-Test.

Eine vergleichbare Effektivität habe man bei Erwachsenen gegen Omikron gesehen, heißt es weiter. Auch das Verträglichkeitsprofil sei ähnlich gewesen.

Verlängerung der Coronavirus-Impfverordnung: Zahnärzte sollen impfen
Derzeit kursiert ein Entwurf zur Änderung der Coronavirus-Impfverordnung (CoronaImpfVo). Die wichtigsten Punkte im Überblick:

Künftig dürfen auch Zahnärzte gegen COVID-19 impfen und diese Leistungen abrechnen.

Impfzentren und mobile Impfteams erhalten weiterhin finanzielle Unterstützung vom Bund.

Geflüchtete aus der Ukraine erhalten in Impfzentren bzw. durch mobile Teams Schutzimpfungen gegen COVID-19, Masern, Röteln, Mumps, Diphterie und Keuchhusten.

Mit der Änderung will das Bundesgesundheitsministeriums die am 31. Mai 2022 auslaufende Verordnung bis zum 25. November 2022 zu verlängern. Spätestens 1 Jahr nach Beendigung der epidemischen Lage von nationaler Tragweite tritt die CoronaImpfVo außer Kraft.

Gesetzesentwurf zur Triage bei COVID-19: Laufende Behandlungen abbrechen?
Aus Berlin kommen noch weitere Neuerungen, um sich auf neue Ausbrüche vorzubereiten. Auf Intensivstationen steigt die Zahl leerer Betten. Dennoch treibt das Bundesministerium für Gesundheit ein Gesetz zur Triage bei COVID-19 voran; mehreren Medien liegt der neue Entwurf vor. Der Druck, aktiv zu werden, ist auf einen Beschluss des Bundesverfassungsgerichts von Ende Dezember 2021 zurückzuführen.

In dem neuen Vorschlag heißt es unter anderem: ?Bei bereits zugeteilten pandemiebedingt nicht ausreichend vorhandenen überlebenswichtigen intensivmedizinischen Behandlungskapazitäten ist eine Zuteilungsentscheidung (?) von drei mehrjährigen intensivmedizinisch erfahrenen praktizierenden (?) Fachärzten mit der Zusatzausbildung Intensivmedizin einvernehmlich zu treffen, die den Patienten (?) unabhängig voneinander begutachtet haben.?

Das bedeutet: Bei knappen intensivmedizinischen Ressourcen soll es künftig möglich sein, eine bereits begonnene Behandlung zugunsten eines Patienten mit höherer Überlebenschance abzubrechen. Fachliche Stellungnahmen zur Formulierung werden in Kürze erwartet.

EMA: Modifizierte COVID-19-Vakzine spätestens bis September
Neues gibt es auch von der Impfstoffentwicklung zu berichten. ?Wir sollten uns auf das Auftreten von neuen SARS-CoV-2-Varianten und einem möglichen Anstieg der Fallzahlen im kommenden Winter vorbereiten?, sagt Dr. Marco Cavaleri, EMA-Direktor für Impfstrategien. Dazu gehöre auch die Entwicklung von Varianten-Impfstoffen. Die besten Chancen räumt er mRNA-Vakzinen von Biontech/Pfizer und Moderna ein. Es gehe aber darum, alle 5 in der EU zugelassenen Impfstoffe zu modifizieren, so Cavaleri. ?Unsere Priorität ist es, dass adaptierte Vakzine möglicherweise bis spätestens September zugelassen sind.?

US-Arzneimittelbehörde schränkt Verwendung des COVID-19-Impfstoffs von Janssen ein
Der COVID-19-Impfstoff von Janssen erhielt am 27. Februar 2021 eine Notfallzulassung der US Food and Drug Administration (FDA). Bald darauf meldeten Ärzte die ersten 6 Fälle mit Vakzin-induzierter immunthrombotischer Thrombozytopenie (VITT), auch Thrombose-mit-Thrombozytopenie-Syndrom (TTS) genannt. Das höhere Risiko bis zum Zeitraum von etwa 2 Wochen nach der Impfung rechtfertige die Einschränkung der Zulassung, schreibt die FDA. Sie nennt als Melderate 3,23 TTS-Fälle und 0,48 TTS-Todesfälle pro 1 Million verabreichter Impfstoffdosen.

Deshalb beschränkt die FDA den Einsatz auf Personen ab 18 Jahren, für die andere zugelassene COVID-19-Impfstoffe nicht verfügbar oder klinisch nicht geeignet sind sowie auf Personen ab 18 Jahren, die sich für den Janssen-COVID-19-Impfstoff entscheiden, weil sie andernfalls nicht geimpft würden.

Durch COVID-19 altert das Gehirn um 20 Jahre
Beeinträchtigungen als Folge von schwerem COVID-19 führen zu kognitiven Leistungen, wie sie für Menschen zwischen 50 und 70 Jahren typisch sind. Dabei kam es zu einem Verlust von durchschnittlich 10 IQ-Punkten, so die Ergebnisse einer neuen Studie.

Forscher analysierten Daten von 46 COVID-19-Patienten, die im Addenbrooke's Hospital, Cambridge, England, auf einer Normal- oder Intensivstation behandelt worden waren. Alle Teilnehmer wurden zwischen März und Juli 2020 aufgenommen; 16 wurden während ihres Krankenhausaufenthaltes mechanisch beatmet.

Rund 6 Monate nach der akuten Erkrankung folgten detaillierte computergestützten kognitiven Tests, um Gedächtnis, Aufmerksamkeit und logisches Denken zu messen. Es wurden auch Scores eingesetzt, die Angst, Depression und posttraumatische Belastungsstörung quantifizieren. Alle Daten wurden mit Kontrollen verglichen.

COVID-19-Überlebende waren bei den Tests weniger genau und hatten langsamere Reaktionszeiten als die entsprechende Kontrollpopulation ? und diese Defizite waren immer noch nachweisbar, als Patienten 6 Monate später nachuntersucht wurden. Die Auswirkungen waren am stärksten für Personen, die eine mechanische Beatmung benötigt hatten. Aufgrund eines Vergleichs mit 66.008 Kontrollpersonen aus der Bevölkerung schätzen die Forscher, dass das Ausmaß des kognitiven Verlusts im Durchschnitt 20 Lebensjahren entspricht, bei einem Verlust von 10 IQ-Punkten.

Überlebende erzielten besonders schlechte Ergebnisse bei Aufgaben wie dem verbalen Analogieschluss. Sie zeigten auch langsamere Verarbeitungsgeschwindigkeiten, was mit früheren Beobachtungen nach COVID-19 über einen verringerten Glukoseverbrauch im frontoparietalen Netzwerks des Gehirns übereinstimmt: einer Region, die unter anderem für Aufmerksamkeit, komplexe Problemlösung und Arbeitsgedächtnis verantwortlich ist.

Um ihre Beobachtungen zu erklären, führen die Autoren mehrere Hypothesen an: Eine direkte Virusinfektion sei zwar denkbar, schreiben sie, aber wahrscheinlich keine Hauptursache. Stattdessen halten sie es für wahrscheinlicher, dass eine Kombination von Faktoren dazu beitrage, einschließlich unzureichender Sauerstoff- oder Blutversorgung des Gehirns, Blockierung großer oder kleiner Blutgefäße aufgrund von Blutgerinnseln sowie mikroskopischer Blutungen. Systemische Entzündungsreaktion kämen ebenfalls infrage.

Peginterferon Lambda als Therapie: Zulassungsantrag noch im 2. Quartal 2022?
Eiger BioPharmaceuticals berichtet in einer Pressemeldung über Peginterferon Lambda zur Therapie von COVID-19. Aufgrund von Ergebnissen der Phase-3-Studie TOGETHER mit mehr als 1.900 Personen soll eine Notfallzulassung bei der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) beantragt werden.

Eine Einzeldosis Peginterferon Lambda verringerte laut Meldung das Risiko von Krankenhausaufenthalten oder Behandlungen in der Notaufnahme um 50% in einer überwiegend geimpften Population.

Das Präparat stimuliert Immunantworten, welche für die angeborene Abwehr entscheidend sind, mit einem Wirkmechanismus, der wahrscheinlich durch Varianten wie Omikron nicht ausgehebelt wird.

https://deutsch.medscape.com/artikelansicht/4911140?uac=389796AZ&faf=1&sso=true&impID=4232447&src=WNL_mdplsfeat_220509_mscpedit_de#vp_3

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Freitag, 6. Mai 2022
Vorsicht bei vegetarischer Ernährung für Kinder: Langzeitstudie liefert Hinweise zu höherem Risiko für Untergewicht
Antje Sieb, Medscape


Eine leichte Tendenz zum Untergewicht ? das ist der Hauptunterschied zwischen vegetarisch und nicht-vegetarisch ernährten Kindern, den kanadische Forscher in einer Längsschnittstudie gefunden haben. Dazu haben die Wissenschaftler fast 9.000 Kinder bis zum Alter von 8 Jahren über mehrere Jahre beobachtet. Das Autorenteam um Laura J. Elliott von der Universität Toronto publizierte die Studienergebnisse in Pediatrics.

Ernährungswissenschaftlerin Dr. Ute Alexy von der Universität Bonn hat zum gleichen Thema Querschnittsvergleiche in Deutschland durchgeführt. ?Die Studie bestätigt eigentlich die Ergebnisse unserer VeChi Diet-Studie, in der wir Kinder zwischen 1 und 3 Jahren untersucht haben. Es gab einen etwas höheren Anteil von zu kleinen und zu leichten Kindern bei den vegetarisch und bei uns auch bei den vegan ernährten Kindern?, erklärt die Bonner Forscherin im Gespräch mit Medscape.

Allerdings könnte die festgestellte Tendenz auch andere Gründe haben, erklärt Ernährungsmediziner Dr. Peter von Philippsborn von der Ludwig-Maximilians-Universität München: ?Da die Anzahl der Kinder mit Untergewicht in der Studie insgesamt sehr niedrig war, ist der scheinbare Unterschied zwischen den 2 Gruppen möglicherweise auf einen Zufallseffekt zurückzuführen.? Auch der höhere Anteil an asiatisch-stämmigen Kindern in der vegetarisch ernährten Gruppe könnte möglicherweise die Ergebnisse beeinflussen.

Bei vegetarischer Ernährung Wachstum beobachten
Gewicht und Größe vegetarisch ernährter Kinder sollte man trotzdem im Auge behalten, um im Fall des Falles eingreifen zu können, empfiehlt Ernährungswissenschaftlerin Alexy. ?Man muss dann überprüfen, ob sie genügend Energie und genügend Eiweiß bekommen und eventuell intervenieren. Das heißt nicht, dass sie unbedingt Fleisch essen müssen, man kann das auch im Rahmen der vegetarischen Ernährung optimieren.?

Bei den Ergebnissen zu Blutfettwerten sieht Alexy ebenfalls Parallelen zu eigenen Studien in Deutschland. Denn bei vegetarisch ernährten Kindern, die zusätzlich wenig oder keine Kuhmilch tranken, waren die Blutfettwerte in der kanadischen Studie tendenziell niedriger als bei omnivor ernährten Kindern.


?Die Arteriosklerose beginnt schon im Kindesalter, und auch in der VeChi Youth-Studie, bei den 6- bis 18-Jährigen, hatten wir Unterschiede in den Blutlipiden gefunden. Die Werte waren tendenziell etwas besser bei den pflanzenbasiert ernährten Kindern und Jugendlichen als bei den omnivor ernährten?, berichtete Alexy.

Generell kann eine vegetarische Ernährung bei Kindern nach den Ergebnissen der nun vorliegenden Studie offenbar funktionieren. ?Diese Ergebnisse stehen im Einklang mit früheren Untersuchungen aus anderen Ländern, die ebenfalls zeigten, dass eine ausgewogene, abwechslungsreiche vegetarische Ernährung Kinder und Erwachsene gleichermaßen mit allen notwendigen Nährstoffen versorgt und eine normale kindliche Entwicklung ermöglicht?, erklärt Philippsborn.

Aussagen zu veganer Ernährung nicht möglich
Allerdings betonen die Autoren selbst, dass längere Studien mit detaillierteren Daten zur Ernährung notwendig sind, um noch offene Fragen zu beantworten.

Beispielsweise ist es anhand der aktuellen Studie aus Kanada nicht möglich, unterschiedliche Formen einer vegetarischen Ernährung zu vergleichen. Denn von den beinahe 9.000 erfassten Kindern lebten zwar 248 durchgehend vegetarisch. Vegan ernährten sich aber nur 25 davon ? zu wenig für eine eigene Auswertung.

In der Studie wurden auch keine Blutwerte von Vitamin B12 überprüft, ein für Veganer kritisches Vitamin, dass supplementiert werden muss. Allerdings kann B12 auch bei vegetarischer Ernährung ein Problem sein, sagt Alexy auf Anfrage von Medscape: ?Vegetarisch ernährte Kinder sollten gelegentlich Vitamin B12 einnehmen, weil sie häufig vergleichsweise wenig Milch trinken. Sie trinken zum Teil auch pflanzenbasierte Drinks, und darin ist natürlich kein Vitamin B12 enthalten.?

Nach Schätzungen ernähren sich rund 10% aller Deutschen inzwischen vegetarisch und mindestens 1% der Bevölkerung sogar strikt vegan. Prof. Dr. Hans Hauner
Insgesamt ist die Wissenschaftlerin froh über Langzeitdaten zur vegetarischen Ernährung von Kindern. Denn die seien bisher Mangelware. In der kanadischen Studie wurden die Kinder nun im Schnitt über knapp 3 Jahre beobachtet. ?Besser wären noch längere Zeiträume, aber immerhin ist das die erste Langzeitstudie, die mir bekannt ist, und insofern ist das auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung?, so Alexy.

Denn vegetarische und vegane Ernährungsformen setzen sich gerade bei jungen Menschen zunehmend durch, ergänzt Prof. Dr. Hans Hauner, Direktor des Else-Kröner-Fresenius Zentrums für Ernährungsmedizin an der TU München: ?Nach Schätzungen ernähren sich rund 10% aller Deutschen inzwischen vegetarisch und mindestens 1% der Bevölkerung sogar strikt vegan. Dabei handelt es sich nicht selten um junge Familien mit Kleinkindern.?

Eine vegetarische Ernährung von Kindern hält die Deutsche Gesellschaft für Ernährung grundsätzlich für möglich. Von einer veganen Ernährung rät sie allerdings weiterhin ab ? die Experten halten das Risiko für zu groß, dass die Kinder nicht ausreichend mit allen wichtigen Nährstoffen versorgt werden.


https://deutsch.medscape.com/artikelansicht/4911135?uac=389796AZ&faf=1&sso=true&impID=4223291&src=WNL_mdplsfeat_220505_mscpedit_de#vp_2

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Hinweis auf mehr Impf-Nebenwirkungen; Risikofaktoren für schweres COVID-19 altersabhängig; neue Daten zu Paxlovid®
Michael van den Heuvel, Medscape



Das Infektionsgeschehen entwickelt sich weiter rückläufig. Mittlerweile ist die 7-Tage-Inzidenz auf 566,8 Fälle pro 100.000 Einwohner gesunken (Vortag 591,8).

Ähnliche Trends zeigen sich beim Testgeschehen, wie eine Datenanalyse der Akkreditierten Labore in der Medizin (ALM) ergeben hat. In Woche 17 wurden insgesamt 1.013.650 PCR-Untersuchungen in ALM-Laboren durchgeführt (KW 16: 986.930, KW 15: 1.073.894, KW 14: 1.462.201). 435.685 PCR-Tests waren positiv befundet (KW 16: 515.818, KW 15: 599.490, KW 14: 735.663). Sowohl die Gesamtzahl der Tests als auch die Zahl der positiv befundeten Tests entwickelt sich stark rückläufig.

Real-World-Daten: Deutlich mehr Impf-Nebenwirkungen als bekannt

COVID-19-Risikofaktoren unterscheiden sich je nach Alter der Patienten

Forscherin ausgezeichnet: Biomarker für schweres COVID-19

Paxlovid® keine Option zur Postexpositionsprophylaxe

Real-World-Daten: Deutlich mehr Impf-Nebenwirkungen als bekannt


Prof. Dr. Harald Matthes von der Charité-Universitätsmedizin, Berlin, untersucht zusammen mit Kollegen Nebenwirkungen von SARS-CoV-2-Vakzinen. Bei ImpfSurv, einer Beobachtungsstudie, erfassen Teilnehmer online Beschwerden nach Impfungen oder durch COVID-19. Außerdem werden Fragen zur mentalen Gesundheit (PHQ-9, GAD-7 und PHQ-Stressmodul) beantwortet. An der Studie nehmen bundesweit 40.000 Personen teil.

Gegenüber Medien hat Matthes jetzt Zwischenergebnisse nach 1-jähriger Laufzeit der Studie vorgestellt. Schwere Nebenwirkungen haben demnach 8 von 1.000 Geimpften gemeldet ? das 40-mal häufiger als vom Paul-Ehrlich-Institut (PEI) genannt. ?Die Zahl ist nicht überraschend?, so Matthes. ?Sie entspricht dem, was man aus anderen Ländern, wie Schweden, Israel oder Kanada kennt.? Bei Impfstoffen gegen Polio oder Masern sei die Zahl schwerer Nebenwirkungen deutlich geringer.

COVID-19-Risikofaktoren unterscheiden sich je nach Alter der Patienten
Impfungen schützen vor schwerem COVID-19, doch welche Faktoren beeinflussen den Schweregrad dieser Krankheit noch? Erste Risikomodelle für Krankenhauspatienten wurden schon zu Beginn der Pandemie entwickelt, müssen jedoch aktualisiert werden.

Im Rahmen einer retrospektiven Studie wurden Daten von 6.906 hospitalisierten Erwachsenen mit COVID-19 aus einem Gesundheitssystem in 5 US-Staaten analysiert. Die Forscher haben Risikomodelle zur Vorhersage von mechanischer Beatmung oder Tod über einen bis 56 Tage des Krankenhausaufenthalts entwickelt, wobei klinische Daten verwendet wurden, die innerhalb der 1. Stunde nach der Aufnahme mit COVID-19 oder einem ersten positiven SARS-CoV-2-Test verfügbar waren.

Einige der wichtigsten Erkenntnisse:

Der Body-Mass-Index ist bei jüngeren Patienten ein wichtigerer Prädiktor für den Schweregrad von COVID-19 als bei älteren Patienten.

Viele Komorbiditäten wie Krebs, Kardiomyopathie und COPD weisen bei jüngeren Patienten höhere Odds Ratios für schwere Verläufe auf als bei älteren Patienten.

Sowohl für ältere als auch für jüngere Patienten sind Vitalfunktionen, frühe Krankenhauslabortests und der Bedarf an zusätzlichem Sauerstoff nützlicher für die Vorhersage schwerwiegender Folgen als Komorbiditäten und demografische Daten.

?Diese Studie stellt unser Dogma in Frage, dass Komorbiditäten die Hauptursachen für schwerwiegende Folgen wie mechanische Beatmung oder Tod bei Krankenhauspatienten mit COVID-19 sind?, kommentiert Dr. Jason Goldman, Spezialist für Infektionskrankheiten bei Swedish Providence und Mitglied des Studienteams. ?Stattdessen stellen wir fest, dass andere physiologische Merkmale, die innerhalb einer Stunde nach dem Krankenhausaufenthalt gemessen werden können, stärker vorhersagen, wer schwerwiegende Folgen haben wird.?

Paxlovid® keine Option zur Postexpositionsprophylaxe
Nirmatrelvir/Ritonavir (Paxlovid®) von Pfizer konnte laut Zwischenergebnissen einer Phase-II/III-Studie das Risiko, dass sich Haushaltsangehörige von Infizierten selbst anstecken, nicht signifikant verringern.

Für ihre Analyse werteten die Forscher Daten von 2.957 Erwachsenen aus. Teilnehmer der Studie hatten einen negativen SARS-CoV-2-Antigen-Schnelltest und waren asymptomatisch, hatten jedoch innerhalb von 96 Stunden Kontakt mit einer infizierten Person. Sie wurden randomisiert (1:1:1) und erhielten 2-mal täglich

Paxlovid® für 5 Tage, gefolgt von Placebo für 5 Tage

Paxlovid®für 10 Tage

Placebo für 10 Tage

In dieser Studie beobachtete Pfizer im Vergleich zu Placebo zwar eine Risikominderung von 32% bzw. 37% bei Erwachsenen, die Paxlovid® 5 bzw. 10 Tage lang erhielten. Diese Ergebnisse unterschieden jedoch statistisch nicht signifikant voneinander.

Paxlovid® ist seit dem 28. Januar in der Europäischen Union zugelassen. Es soll Das Medikament soll zur Behandlung von symptomatischen, nicht hospitalisierten Patienten mit COVID-19 ohne zusätzlichen Sauerstoffbedarf und erhöhtem Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf eingesetzt werden.

https://deutsch.medscape.com/artikelansicht/4911134?uac=389796AZ&faf=1&sso=true&impID=4223291&src=WNL_mdplsfeat_220505_mscpedit_de#vp_2

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Montag, 2. Mai 2022
Neue Omikron Varianten; nach 3 Monaten sinkt Impfschutz deutlich; 5 Tage Quarantäne; weniger tödliche Verläufe unter Migranten
Michael van den Heuvel, Medscape


EU-weit haben sich nach Schätzungen der Europäischen Kommission schätzungsweise 60 bis 80% der EU-Bevölkerung mit COVID-19 infiziert. Die bundesweite 7-Tage-Inzidenz sinkt weiter auf 639,5 Infektionen pro 100.000 Menschen (29.4.: 758,5).

Auf die mittelfristige Entwicklung reagieren Gesundheitspolitiker von Bund und Ländern. Sie wollen die Isolation positiv Getesteter von 10 Tagen auf 5 Tage bundesweit verringern ? mit einer entsprechenden Empfehlung des Robert Koch-Instituts ist in Kürze zu rechnen. Mehrere Länder hatten Änderungen bereits implementiert.

?Ich persönlich glaube, dass am Ende von fünf Tagen ? zumindest eine Selbsttestung dringend empfohlen sein müsste?, erklärt Bundesgesundheitsminister Prof. Dr. Karl Lauterbach (SPD). Denn man wisse, dass viele Infizierte nach dem 5. Tag noch positiv seien.

BA.4 und BA.5: Neue Varianten ante portas

Regierung verlängert Corona-Einreiseregeln

Anhörung: Einrichtungsbezogene Impfpflicht erneut in der Kritik

Deutsche Projekte für neue Impfstoffe

US-Zahlen: Hohe Impfraten ? niedrige Mortalität

Weitere Belege: Menschen über 80 profitieren von Auffrischungsimpfung

Dänemark: Geringe COVID-19-Mortalität bei Migranten, verglichen mit der Bevölkerung

Real-World-Daten zum BioNTech-Pfizer-Vakzin: Nach 3 Monaten sinkt der Schutz deutlich

BA.4 und BA.5: Neue Varianten ante portas
Die Weltgesundheitsorganisation nennt in ihrer Liste besorgniserregender Varianten (VOC) mittlerweile auch die Omikron-Unterformen BA.4 und BA.5. Beide wurden zuerst in Südafrika nachgewiesen. ?Dies sind Omikron-Varianten mit eigenem Ursprung, d.h. nicht von BA.1, -.2 oder -.3 abstammend, sondern vom gemeinsamen Omikron-Vorläufer?, schreibt Prof. Dr. Christian Drosten von der Charité-Universitätsmedizin, Berlin.

?Man sieht eine schleichende Zunahme von BA.4 und BA.5 seit Januar in Südafrika?, seit Mitte April aber nun plötzlich eine exponentielle Zunahme (?)?, berichtet Drosten. Medien aus Südafrika sprechen bereits von einer 5. Welle. Wie kann das sein? ?Wahrscheinlich hat die Variante einen Immunescape-Vorteil in einer Bevölkerung, in der es (wie in Südafrika) keine BA.2-Welle gab?, so Drostens Erklärung.


Prof. Dr. Tulio de Oliveira, Virologe an der Universität Stellenbosch in Südafrika, er hatte Omikron zuerst beschrieben, gibt Entwarnung. Es sei ?an der Zeit, sorgfältig und gewissenhaft, aber ruhig zu arbeiten?, sagt er. Obwohl die Untervarianten in Südafrika im vergangenen Monat schnell an Boden gewonnen hätten, seien die Raten von COVID-19-Fällen und an Krankenhausaufenthalten im Land stabil. ?Bisher sieht man glücklicherweise keine Auswirkungen auf die Krankenhaus-Einweisungen in Südafrika, aber das könnte sich in den kommenden 2 Wochen einstellen?, kommentiert Drosten.

BA.4 und BA.5 tragen beide eine spezifische Aminosäuremutation namens F486V. Sie befindet sich auf dem Spike-Protein in der Nähe der Stelle, an der das Protein an den ACE2-Rezeptor auf Zellen bindet. Wichtige Antikörper, die als Reaktion auf COVID-19-Impfstoffe und frühere Infektionen mit SARS-CoV-2 erzeugt werden, neutralisieren das Virus, indem sie sich an diese Stelle heften. Ob es bei BA.4 und BA.5 zu Problemen bei Impfungen oder bei therapeutischen Antikörpern kommen könnte, ist derzeit unklar.

Noch ein Blick auf Deutschland. Das RKI hat BA.5 bundesweit in 25 Proben nachgewiesen, Stand 18.04.2022. BA.4 wurde bislang nicht detektiert.

Regierung verlängert Corona-Einreiseregeln
Am 28. April wären die Regeln zur Einreise nach Deutschland ausgelaufen; die Regierung hat sie kurzerhand bis 31. Mai verlängert. Konkret bedeutet dies:

Kinder ab 12 Jahren und Erwachsene müssen wie gehabt 3G-Nachweise vorlegen (geimpft, genesen, getestet).

Für Personen, die aus Hochrisikogebieten einreisen, gelten Quarantäneregeln. Nur listet das Robert Koch-Institut in dem Zusammenhang kein einziges Land mehr; die Maßnahme hat eher vorbeugenden Charakter, sollten neue Varianten von SARS-CoV-2 auftreten.

Mobilfunk-Anbieter müssen Kunden bei der Einreise keine SMS mit Informationen zu Pandemie-Regelungen in Deutschland mehr schicken. Der Sinn dieser Maßnahme war recht umstritten.

Anhörung: Einrichtungsbezogene Impfpflicht erneut in der Kritik
Der Gesundheitsausschuss des Bundestages wollte von Experten wissen, wie sie die institutionenbezogene Impfpflicht bewerten. Auslöser waren Änderungsanträge der Unionsfraktion und der AfD. CDU und CSU fordern, diese Form der Impfpflicht konsequent umzusetzen und Schwächen zu beseitigen. Die AfD will das bestehende Regelwerk ganz kippen.

Stefan Hahn vom Deutschen Städtetag betonte, die einrichtungsbezogene Impfpflicht sei richtig, der rechtliche Rahmen für die Umsetzung jedoch schlecht. Außerdem hätten sich manche Regeln als unklar bzw. als inkonsistent erwiesen. Hahn rechne nicht vor den Sommermonaten mit ersten Betretungsverboten.

Eine Stellungnahme der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) lag dem Ausschuss ebenfalls vor. Die DGK schrieb, in Kliniken liege die Impfquote derzeit bei 95%. Es sei Angestellten aber nicht zu vermitteln, warum sie zur Impfung verpflichtet würden, aber nicht ihre Patienten. Daher sollte die sektorale Impfpflicht sofort ausgesetzt werden.

Auch der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste war der Meinung, ohne allgemeinen Impfpflicht gehöre die einrichtungsbezogene Impfpflicht auf den Prüfstand.

Deutsche Projekte für neue Impfstoffe
Apropos Impfquoten: In Deutschland haben laut Bundesregierung mittlerweile 63,8 Millionen Menschen (76,7% der Bevölkerung) mindestens 1 Impfdosis und 49,3 Millionen (59,3%) zusätzlich eine Auffrischungsimpfung erhalten. Unter den Ungeimpften befinden sich auch Patienten mit Immundefekten, Babys und Kleinkinder. Die Forschung versucht, Impflücken bei bestimmten Personengruppen zu schließen.

Ein Blick auf ausgewählte Projekte aus Deutschland, die zeigen, welche Perspektiven es noch geben könnte:

BioNTech und Pfizer arbeiten an einem Impfstoffkandidaten mit gezielter Wirksamkeit gegen Omikron; klinische Überprüfungen haben begonnen, und Ergebnisse sollen bald veröffentlicht werden.

Auch Moderna untersucht ein Omikron-Vakzin. Dabei werden sowohl monovalente als auch bivalente Kandidaten (gegen den Wildtyp und gegen Omikron) in Betracht gezogen.

Die Universität Tübingen entwickelt den Peptid-Impfstoff CoVac-1 speziell für Patienten in Krebsbehandlung oder mit anderweitig verursachter Immunschwäche. Eine Phase-II-Studie läuft.

Die Universität Würzburg und Aeterna Zentaris untersuchen, ob eine Schluckimpfung auf Basis eines oralen Typhus-Lebendimpfstoffs möglich wäre. Die Arbeiten befinden sich noch im Laborstadium.

Das Universitätsklinikum Erlangen arbeitet an einem Vektorimpfstoff für Booster-Impfungen, der als Nasen- oder Mundspray verabreicht werden soll. Das Projekt ist noch in der vorklinischen Entwicklung.

Die Freie Universität Berlin und die Universität Bern (Schweiz) wollen einen COVID-19-Impfstoff mit attenuierten SARS-CoV-2-Viren zur intranasalen Anwendung entwickeln. Auch sie befinden sich in der vorklinischen Entwicklung.

US-Zahlen: Hohe Impfraten ? niedrige Mortalität
Impfungen gehören zu den wichtigsten Strategien der Pandemie-Kontrolle, wie eine neue Beobachtungsstudie aus den USA bestätigt: In Gemeinden mit hoher Durchimpfungsrate treten rund 80% weniger Todesfälle auf als in Gegenden mit wenig Impfungen.

Die Ergebnisse basieren auf mehr als 30 Millionen COVID-19-Fällen und mehr als 400.000 Todesfällen in 2.558 US-Bezirken, die im 2. Jahr der Pandemie, zwischen Dezember 2020 und Dezember 2021, gemeldet wurden.

Bei der Analyse wurden die COVID-19-Inzidenz- und -Mortalitätsraten in Bezirken mit sehr niedrigem (0-9%), niedrigem (10-39%), mittlerem (40-69%) und hohem (70% oder mehr) Durchimpfungsgrad verglichen, definiert als der Prozentsatz der Erwachsenen (ab 18 Jahren), die mindestens eine Dosis erhalten hatten.

Nach Berücksichtigung potenzieller Einflussfaktoren stellten die Forscher fest, dass eine höhere Durchimpfungsrate in Bezirken mit einer geringeren Zahl an COVID-19-bedingten Todesfällen oder Erkrankungen einherging.

In der 1. Hälfte des Jahres 2021 beispielsweise, als die Alpha-Variante vorherrschte, war die Sterblichkeitsrate in Bezirken mit niedriger, mittlerer und hoher Durchimpfungsrate um 60%, 75% bzw. 81% niedriger als in Bezirken mit sehr niedriger Durchimpfungsrate. Die Zahl an COVID-19-Fällen verringerte sich um 57%, 70% und 80%.

Ein ähnlicher Rückgang der Sterblichkeit wurde auch in der 2. Hälfte des Jahres 2021 beobachtet, als die Delta-Variante in den USA vorherrschend war, allerdings mit geringeren Auswirkungen auf die Fallzahlen.

Weitere Belege: Menschen über 80 profitieren von Auffrischungsimpfung
Um die Impfreaktion von Hochbetagten zu ermitteln, analysierten Forscher Blutproben von Personen über 80, die 2 oder 3 Dosen des BioNTech/Pfizer-Vakzins erhalten hatten. Im Vergleich wurde bestimmt, wie viele Antikörper und T-Zellen das Immunsystem bereitstellt. Nach der 3. Impfung waren entsprechende Titer ? wenig überraschend ? erhöht. Später nahm die Zahl der Antikörper wieder ab, jedoch langsamer als nach der 2. Dosis.

?Wir kommen zu dem Schluss, dass eine 3. Impfdosis bei der Mehrzahl der älteren Geimpften einen insgesamt verbesserten Immunschutz für mindestens 3 Monate bewirkt?, so Prof. Dr. Michael Lohoff, einer der Hauptautoren der Veröffentlichung. Er forscht an der Philipps-Universität Marburg. Damit sei, so Lohoff, eine Grundimmunität durch 3 Impfdosen gewährleistet. ?Gerade bei Älteren oder Personen mit geschwächtem Immunsystem kann aber eine 4. Impfung notwendig werden, vor allem wegen der besseren Abdeckung der Omikron-Variante durch T-Zellen, die durch die Impfung induziert werden.?

Dänemark: Geringe COVID-19-Mortalität bei Migranten, verglichen mit der Bevölkerung
Bei Einwanderern in Dänemark und ihren Nachkommen, die mit COVID-19 ins Krankenhaus eingeliefert werden, ist die Wahrscheinlichkeit, an COVID-19 zu sterben, um 46% geringer als bei Menschen, die in Dänemark geboren worden sind. Dies geht aus einer 12-monatigen, landesweiten Studie hervor.

Wissenschaftler haben die COVID-bedingten Todesfälle und mechanischer Beatmung bei allen Erwachsenen untersucht, die zwischen Februar 2020 und März 2021 mit COVID-19 ins Krankenhaus eingeliefert worden sind. Ihre Ergebnisse haben sie auf dem European Congress of Clinical Microbiology & Infectious Diseases (ECCMID) in Lissabon vorgestellt.

Von 6.229 COVID-19-Patienten, die ins Krankenhaus eingeliefert wurden, starben 977 Patienten innerhalb von 30 Tagen an COVID-19, und 295 wurden mechanisch beatmet.


https://deutsch.medscape.com/artikelansicht/4911116?uac=389796AZ&faf=1&sso=true&impID=4215134&src=WNL_mdplsfeat_220502_mscpedit_de#vp_3

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Keine gesundheitliche Absolution: Welche Fallstricke bei vegetarischer und veganer Ernährung lauern
Dr. Thomas Kron

Vegetarische oder sogar vegane Ernährung soll unter Mädchen und jungen Frauen besonders beliebt sein. Doch anders als manche Menschen glauben, ist vor allem vegane Kost nicht automatisch gesund. Sie kann als Folge der eingeschränkten Lebensmittelauswahl zu Nährstoffdefiziten führen, die klinisch relevante Symptome verursachen können, wenn sie nicht ausgeglichen werden sollten.

Zu achten ist unter anderem auf die ausreichende Versorgung mit Vitamin B12 und B6 sowie Vitamin D, erläutert die Diplom-Oecotrophologin Dr. Bettina Dörr aus München.

Vom Ovolactovegetarier über Puddingvegetarier bis zu Orthorektikern
Bei den vegetarischen Ernährungsformen werden nach Angaben von Dörr folgende Hauptgruppen unterschieden:

Ovolactovegetarier: Verzicht auf Fleisch und Fisch

Ovovegetarier: Verzicht auf Fleisch, Fisch und Milch

Lactovegetarier: Verzicht Fleisch, Fisch und Eier

Veganer: Verzicht auf Fleisch, Fisch, Eier, Milch, (Honig)

Vegane Rohköstler: Verzicht auf Fleisch, Fisch, Eier, Milch, (Honig) sowie erhitzte Nahrung

Außerdem gebe es mehrere kleinere Gruppierungen:

Frutarier: Sie wollen sich ausschließlich mit pflanzlichen Produkten ernähren, die nicht die Beschädigung der Pflanze selbst zur Folge haben (Äpfel und Nüsse etwa, aber nicht Karotten oder Kartoffeln).

Pescetarier: Sie verzichten auf Fleisch, essen jedoch Fisch oder Meeresfrüchte.

Puddingvegetarier: Sie meiden zwar Fleisch und Fisch, achten laut Dörr jedoch nicht besonders auf ihre Ernährung und essen zum Beispiel übermäßig viel Fertigprodukte und Süßigkeiten.

Flexitarier: Sie legen Wert auf eine ausgewogene Ernährung, essen Fleisch oder Fisch allerdings nur in Maßen und auch nicht besonders oft.

Orthorektiker: Sie zwingen sich zu einer gesunden Ernährung und haben Angst, durch ungesunde Ernährung krank zu werden. Wie die Ernährungswissenschaftlerin weiter erklärt, definieren Orthorektiker selbst, was für sie als gesund gilt: Während einige auf einzelne Lebensmittel (z. B. kein Haushaltszucker) verzichten, streichen andere ganze Lebensmittelgruppen und essen nur noch Rohkost. Ebenso könnten bestimmte Zubereitungsarten oder fixe Zeitpläne für dieMahlzeiten das zwanghafte Verhalten prägen. Unter den Orthorektikern befänden sich überwiegend jüngere Frauen. Eine Studie an der Universität Göttingen belege, dass vor allem sportlich aktive Frauen ? insbesondere Intensivsportlerinnen ? ein orthorektisches Verhalten zeigten. Mittlerweile gebe es auch Kinder, die von Orthorexie betroffen seien, wenn sich ihre Eltern entsprechend ernährten.

Kritische Nährstoffe bei veganer Ernährung
Wer sich vegan ernährt, kann laut Dörr durchaus genügend kritische Nährstoffe auch mit pflanzlichen Lebensmitteln aufnehmen. Voraussetzung sei ein gutes Wissen zu Lebensmitteln und Nährstoffen. Allerdings komme es immer häufiger vor, dass Lebensmittel ?einfach weggelassen? würden, ohne sich mit den Folgen auseinanderzusetzen, ein Aspekt, der bei der ärztlichen Beratung berücksichtigt werden sollte.


Zu den wichtigen Nährstoffen in diesem Zusammenhang zählen Proteine, Vitamine B6 und B12 sowie Vitamin D.

Proteine

Mädchen brauchen pro Kg Körpergewicht täglich 0,9 g Proteine, bei einem Körpergewicht von 60 kg sind dies demnach 54 g. Beispiele dafür, wie der tägliche Proteinbedarf bei einem Körpergewicht von 60 kg durch vegane Lebensmittel gedeckt werden könnte: 54 g Protein sind laut Dörr enthalten in

300 g Tofu

350 g gekochten Sojabohnen

350 g Haselnüssen

750 g Vollkornbrot (15 Scheiben à 50 g)

750 g gekochte Linsen und

1 kg weiße Bohnen

Vitamin B6

Vitamin B6 (Pyridoxin) hat, wie Dörr erläutert, mehrere Funktionen im Stoffwechsel, vor allem sei es bei der Verstoffwechselung von Aminosäuren und in neurologischer Hinsicht von Bedeutung. Bei Mädchen sei zudem die Bedeutung im Hormonstoffwechsel zu beachten. Es gebe Daten, nach denen etwa 14% der Mädchen im Alter von 14?18 Jahren weniger Vitamin B6 aufnehmen als empfohlen.

Bei Veganern komme es zu einem hoher Prozentsatz zu einer unzureichenden Versorgung, da das Vitamin B6 in einer schlecht verfügbaren Form in pflanzlichen Lebensmitteln vorkomme.

Hinzu komme bei Mädchen der Faktor ?Einnahme oraler Kontrazeptiva?. So gebe es Anhaltspunkte, dass Verwenderinnen östrogenhaltiger oraler Kontrazeptiva niedrige Werte an PLP (Pyridoxal-5-Phosphat, Marker für Vitamin B6) hätten. Da PLP- abhängige Enzyme auch für die Synthese von Hormonen wie Serotonin essenziell seien, könnten Symptome wie depressive Verstimmungen, erhöhte Reizbarkeit, Nervosität und Libidoverlust auch auf eine Unterversorgung mit Vitamin B6 hindeuten.

Der tägliche Bedarf von Mädchen liege bei 1,4 mg und könne beispielsweise folgendermaßen gedeckt werden:

200 g Haselnüsse

200 g Walnüsse

400 g Bananen (2?3 Stück, je nach Gewicht)

700 g gekochte grüne Bohnen

1 kg gekochte Kartoffeln und

1,4 kg Haferflocken.

Vitamin B12

Da in pflanzlichen Lebensmitteln kein Vitamin B12 enthalten ist, kommt es bei lang andauernder veganer Ernährung ohne Supplementierung zu Mangelerscheinungen. Bei den verschiedenen Produkten, die zur Nahrungsergänzung angeboten werden, sollte berücksichtigt werden, dass die Verwertung von Vitamin B12 aus pflanzlichen Quellen wie Algen oder Pilzen nicht unbedingt gegeben ist. Eine sorgfältige Auswahl und eine regelmäßige Überwachung des B12-Status sind empfehlenswert.

Vitamin D

In den letzten Jahren hat laut Dörr die Evidenz dafür zugenommen, dass Vitamin D nicht nur für den Knochen, sondern auch für zahlreiche andere Stoffwechselvorgänge von entscheidender Bedeutung ist. Fakt sei, dass Lebensmittel kaum in der Lage seien, bei der Einhaltung verzehrsüblicher Mengen, den Vitamin-D-Bedarf zu decken.

Vegane Lebensmittel könnten keinen Beitrag zur Vitamin-D-Zufuhr leisten, da nennenswerte Mengen lediglich in tierischen Lebensmitteln enthalten seien. Die Entscheidung zur Supplementierung bzw. zur notwendigen Höhe sollte in Abhängigkeit vom Status fallen.

Mineralstoffe

Zu den Mineralstoffen, die bei rein pflanzlicher Ernährung schnell in nicht ausreichender Menge zur Verfügung stehen, zählen Kalzium, Jod, Eisen, Selen und Zink. Dies hänge damit zusammen, dass pflanzliche Lebensmittel in der Regel geringere Mengen enthielten als tierische Lebensmittel und zudem die Mineralstoffe aus pflanzlichen Quellen schlechter bioverfügbar seien.

Derzeit mehren sich laut Dörr die Hinweise, dass eine vegane Ernährung negative Auswirkungen auf die Knochengesundheit haben kann. Dies zeige unter anderen eine aktuelle Querschnittsstudie, in der Ultraschallmessungen am Fersenbein vorgenommen sowie Biomarker in Blut und Urin bestimmt wurden. Hauptergebnis: Menschen, die sich vegan ernährten, hatten im Vergleich zu Mischköstlern durchschnittlich niedrigere Ultraschallwerte.

Darüber hinaus habe die Auswertung der DPIC (European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition-)Studie aus Großbritannien mit knapp 55.000 Personen ergeben, dass Veganer im Vergleich zu Fleischessern ein um 43% höheres Risiko für Frakturen hatten.

Ein wichtiger Nährstoff, insbesondere für die Zellentwicklung, ist auch Cholin, der, wie Dörr erklärt, hauptsächlich über Eier, Fisch, Fleisch und Milch aufgenommen werden kann. Es gebe zunehmend Hinweise darauf, dass eine vegane Ernährung keine ausreichenden Mengen an Cholin liefern könne, insbesondere wenn der Bedarf steige, beispielsweise in Schwangerschaft und Stillzeit.

Es verstärkten sich Hinweise, dass Frauen mit Kinderwunsch zur Vorbeugung von Neuralrohrdefekten und zur günstigen Entwicklung des Feten nicht nur von einer ausreichenden Folatzufuhr profitierten, sondern auch von ausreichende Mengen an Cholin (Empfehlung für Schwangere: 480 mg pro Tag).

Dieser Artikel ist im Original erschienen auf Univadis.de .

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