http://www.bb-goettingen.de/?npage=834
Angenehm ist, dass hier Fälschungen, Entstellungen und einseitige Sichtweisen völlig unverschwörungstheoretisch als kumulativ aus Erwartungshaltungen, vorgefassten Meinungen und impliziten Zielvorgaben resultierend aufgefasst werden.
Ein paar echt schöne Sätze: "So wie Gläubige bei einer weinenden Madonna die Wachsfigur nicht auf mögliche Einwirkung von Hitze untersuchen, ist für den Journalisten die Evidenz des Augenblicks entscheidend. Es ist die Rhetorik des „Seht her – so ist es doch“ mit der er seiner Darstellung Autorität verschafft. Natürlich berichtet niemand über die Workshops in den autonomen Camps, die das Bild von den Krawall-Hooligans, denen Politik eigentlich Scheißegal ist, stören könnten."
... link (0 Kommentare) ... comment
... link (0 Kommentare) ... comment
http://magazine.web.de/de/themen/nachrichten/panorama/gewalt/4143962-Rechtsextreme-ueberfallen-Theaterensemble-in-Halberstadt,cc=0000055079000414396210gsSA.html
... link (0 Kommentare) ... comment



... link (11 Kommentare) ... comment
... link (2 Kommentare) ... comment
Hey, ich habe mit Lebemann und Dean besser als bei HDW gegessen!
... link (0 Kommentare) ... comment
... link (0 Kommentare) ... comment
Tschetschenien: "Rückkehrsituation problematisch. Dennoch kein Anlass
Asylentscheidungspraxis zu ändern; kein Abschiebestopp."
Deportation ist halt deutsche Tradition.
... link (1 Kommentar) ... comment
Nö, hat er (loellie) nicht. RAR sagt mir nichts. Aber es ist eine ewige Crux, dass wir Sozrevs (oder neue Antiimperialisten) regelmäßig mit Kasernenhofkommunisten in Verbindung gebracht werden, während wir real so etwas sind wie antieurozentristische, antipositivistische, dekonstruktivistische Anhänger eines Marx, Kritische Theorie und französischen Spät- und Poststrukturalismus benutzende Anarchosyndikalisten, oder auch: Luxemburg meets Fanon meets Wallerstein meets Adorno meets Lacan meets Butler meets Marcuse meets Bourdieu meets Zapatistas.Die dann in der Praxis das Recht der Kleinbauern verteidigen, sich und ihr Eigentum gegen die Industrialisierung der Landwirtschaft zu zu verteidigen. Entsprechend sind wir Radikaldemokraten mit Verbindung zu autochthonen Basisbewegungen in den Ländern des globalen Südens, trotzdem wird uns von Liberalen bis Antideutschen mit schöner Regelmäßigkeit vorgehalten, wir seien Stalinisten.
... link (13 Kommentare) ... comment
http://www.welt.de/politik/article930215/Polizei_will_bei_Abschluss-Demo_hart_zugreifen.html
... link (7 Kommentare) ... comment
http://autismuskritik.twoday.net/stories/3806714
... link (0 Kommentare) ... comment
... link (0 Kommentare) ... comment
http://www.trueten.de/archives/2336-RAV-wird-Bild-Zeitung-verklagen.html
... link (2 Kommentare) ... comment
Edited: Offensichtlich doch nicht illegal, sondern durch GG gedeckt, wenn auch grenzwertig:
http://www.jpberlin.de/badespasz/presse/wp/?p=2172
Danke in diesem Zusammenhang an Sentinel Wusel!
... link (0 Kommentare) ... comment
"Am Sicherheitszaun um Heiligendamm ist die Situation kurzzeitig eskaliert. Am Blockadepunkt Galopprennbahn wurde eine Person von mehr als einem Dutzend vermummter Demonstranten angegriffen. Möglicherweise handelte es sich um einen Polizisten, der in der Autonomen-Kleidung unter den Blockierern war. Er wurde von anderen Demonstranten befreit. Im Laufe des Tages hatten bereits Tausende G8-Gegner die Sicherheitslinien überwunden und sich am Zaun versammelt. Die Polizei setzte Tränengas und Wasserwerfer ein."
Erneut stellt sich also die Frage nach agent provocateurs - was allerdings andererseits mit Sicherheit kein geschlossenes Bild gibt.
... link (0 Kommentare) ... comment


... link (2 Kommentare) ... comment
http://www.zdf.de/ZDFblog/g8/G8/DasLebeneinerFalschmeldung/
... link (4 Kommentare) ... comment
In einem umfangreichen Report warnt Amnesty International (AI) vor Abschiebungen von Angehörigen ethnischer Minderheiten in den Kosovo. Die Menschenrechtsorganisation zeigt sich „extrem besorgt“ darüber, dass einige europäische Staaten derzeit Vorbereitungen für Abschiebungen in den Kosovo treffen, obwohl die politischen Auseinandersetzungen um die Statusfrage nach Einschätzung von AI in neue Gewalt münden können. „Bis heute haben weder die UNMIK (UN-Übergangsverwaltung) noch die derzeitigen PISG (Provisorischen Selbstverwaltungsorgane) eine sichere Umgebung für die Rückkehr der Minderheitengruppen in Sicherheit und Würde geschaffen“, erklärt AI. Nach Schätzungen von AI sind nach Juli 1999 über 235.000 Serben, Roma und Mitglieder anderer ethnischer Minderheiten aus Kosovo geflohen. Nur etwa sechs Prozent sind seither zurückgekehrt.
... link (0 Kommentare) ... comment
http://etiennerheindahlen.wordpress.com/2007/06/04/massives-unbehagen/
... link (0 Kommentare) ... comment
... link (4 Kommentare) ... comment
... link (2 Kommentare) ... comment
Aus Anlass des dritten Jahrestages der Rettung von 37 Schiffbrüchigen
vor der Insel Lampedusa (Mittelmeer) durch das Kommitee Cap Anamur
möchten wir auf eine Veranstaltung zum Thema europäischer Grenzschutz am
20.06.07 (um 20:00 im Raschplatzpavillon Hannover) hinweisen. Elias
Bierdel (ehemaliger Vorsitzender des Kommitees und Journalist) und Conni
Gunßer (Fachreferentin für flüchtlingspolitische Grenzschutzfragen vom
Flüchtlingsrat Hamburg) werden berichten.
Die Aufrüstung der Grenzschutzagentur "Frontex" seit 2006, die damit
verbundene "Abschottung der Festung Europas", die dazu beiträgt, dass
Tausende auf dem Weg von Afrika nach Europa sterben und die zunehmende
Kriminalisierung von Hilfeleistenden werden Themen sein. Auch die Frage
der möglichen Unterstützung der Grenzüberwindung und damit Aufnahme in
Europa für Flüchtlinge wird eine Rolle spielen.
Wir würden uns über ein reges Interesse an dem spannenden und
hochaktuellen Thema freuen.
... link (0 Kommentare) ... comment
... link (1 Kommentar) ... comment
http://lysis.blogsport.de/2007/05/31/rumpelstielzchen-justus/
... link (9 Kommentare) ... comment
... link (1 Kommentar) ... comment
... link (0 Kommentare) ... comment
... link (11 Kommentare) ... comment
politischer Flüchtling in Deutschland. Sie ist Verfasserin von wichtigen
Berichten und Artikeln über die Kämpfe von Flüchtlingen und MigrantInnen der
Schwarzafrikanischen Gemeinschaft.
Die ugandische Menschenrechtsaktivistin ist außerdem Mitglied der
internationalen Delegation zur Beobachtung des Gerichtsverfahrens für Oury
Jalloh in Dessau. Das Video-Interview mit ihr, das hier zu sehen ist, wurde
am 14. April 2007 von der Gruppe "Plataforma der Flüchtlinge und
MigrantInnen" in Dortmund aufgezeichnet. An diesem Tag fand eine Versammlung
in Gedenken an Dominique Kouamadio statt, der ein Jahr zuvor dort von weißen
deutschen Polizisten erschossen worden ist. (weiter: siehe
unten)
Video ansehen. (14'16 Min., 13,6 Mb für Windows Media Player)
Regina Kiwanuka sagt: "Mein Vater Benedicto Kiwanuka war der erste
Premiermister von Uganda und der erste Justizminister Ugandas. Er wurde am
21 September 1972 aus seinen Räumen des obersten Gerichts gezerrt und von
Idi Amins Killern brutal ermordet. Er erlitt einen schmerzvollen Tod, da er
lebend in Stücke gespalten wurde. Benedicto Kiwanuka starb, weil er für
Menschen kämpfte, die wie Oury Jalloh ihrer Stimme beraubt wurden. Ich setze
durch dieselbe Rolle und Macht der Aggressoren seinen langsamen qualvollen
Tod in Bezug zu dem von Oury Jalloh. Zeige mir einen anderen Planeten ohne
die Aggressoren und ich werde mich verabschieden."
Jetzt hat Regina Kiwanuka vom deutschen Staat die Aufforderung bekommen, am
7. Juni 2007 das Land zu verlassen. Nachdem sie Uganda verlassen musste,
weil sie dort ihre Stimme erhoben hat, geschieht ihr dasselbe wieder in
Deutschland. Ihr Asylverfahren war von Beginn an gegen sie gerichtet, weil
sie auch sich hier für ihre Schwestern und Brüder eingesetzt hat. In
Deutschland wird kein Schutz vor Verfolgung durch die vom Westen
subventionierten Diktatoren gegeben, und noch weniger, wenn Menschen ihre
Stimme erheben, die ihnen hier wie dort erstickt und genommen wird.
Videointerview mit Regina Kiwanuka
(englisch 14'16 Min.,13,6 Mb) download hier:
http://www.umbruch-bildarchiv.de/video/deportation/010607kiwanuka.html
... link (0 Kommentare) ... comment
... link (0 Kommentare) ... comment
... link (7 Kommentare) ... comment
Nun hat ein Riot, der am seitens der Polizei erwarteten Ort zum erwarteteten Zeitpunkt von den erwarteten Leuten her stattfindet nichts subversives mehr an sich, sondern verkommt zum Ritual. Die Handelnden haben nicht das Spielbrett in der Hand, sondern sind Schachfiguren und damit nicht auto- sondern heteronom. Ein Schwarzer Block liefert genau die Bilder, die der Staatsapparat braucht, um seine monströsen Sicherheitsmaßnahmen zu rechtfertigen. Somit erfüllen auch Autonome (die, wie wir gesehen haben, hier gar nicht autonom handelten) eine Planstelle in der spektakulären Ökonomie und sind Bestandteil des kulturindustriellen Orchesters.
Wie dieses indes spielt, wurde für mich an der Berichterstattung des MDR Jump deutlich. Eines der ersten Ereignisse im Rahmen der Eskalation der Demo war, neben dem Angriff eines Messerstechers auf einen Polizeibeamten, ein Bombardement von Farbbeuteln und Steinen auf eine Glasfassade. In unmittelbarer Nähe befand sich ein vierjähriges Kind, das wohl durch den Vorbeimarsch des Schwarzen Blocks von seinen Eltern getrennt wurde und nun von einigen Polizeibeamten eingesammelt wurde. Vom Lautsprecherwagen wurde dies damit kommentiert, dass die Polizei wohl nicht einmal mehr davor zurückschrecke, Kleinkinder zu verhaften. Das ließe sich nun wahlweise als ein sehr trockener Humor oder auch als das Schüren von Hass interpretieren (ich würde eher auf die ironische Variante tippen), der Jump-Reporter machte daraus aber einen Zusammenhang: Die "Autonomen" (auch so ein Totschlagbegriff, nicht jeder Militante auf einer linken Demo ist ein Autonomer, und nicht jeder Autonome ist gewalttätig) hätten die Polizeibeamten beim Retten des Kindes mit Steinen und Farbbeuteln beschmissen, damit auch das Kind gefährdet und das dann seitens des Lautsprecherwagens mit dem nämlichen Spruch quittiert, der einen beispiellosen Zynismus offenbare. Aus Steine- und Farbbeutelschmeißern, die in der räumlichen Nähe von Kind und Polizisten eine Fassade beschmeißen, werden Angreifer auf Erstere, aus dem Sprecher im Lautsprecherwagen, der das Geschehen kommentiert, ein Mittäter. So sieht Propaganda aus. Es wäre völlig in Ordnung gewesen, wenn der Sprecher gesagt hätte, um der Sicherheit des Kindes willen hätte von Seiten des Lautsprecherwagens an dieser Stelle deeskaliert werden müssen, es sei absolut verantwortungslos, dass dies nicht geschehen sei. Aber es geht hier nicht um sachliche Berichterstattung, sondern um die Konstruktion eines entmenschten Kollektivs von Tätern. Ebenso monierte der Jump-Mann, dass die Autonomen gut vorbereitet gewesen seien und an vielen Demopunkten Streckenposten hatten, die über Handy Lagemeldungen durchgaben.
Big Deal, Man! Da treffen sich die mächtigsten Staatschefs der Welt unter monströsen Sicherheitsmaßnahmen, und man wirft den Gegendemonstranten vor, dass sie professionell und gut vorbereitet sind. Wären angesichts dieses Ereignisses vielleicht ein paar planlose Schulhofanarchisten angemessener gewesen?
Hinsichtlich der Opfer dieses Riots wäre dann auch zu fragen, ob schwerverletzte Polizeibeamte gleich schwer verletzt sind wie Demonstranten. Qua definitionem sind schwere Verletzungen ja alle Verletzungen, die einen stationären Krankenhausaufenthalt, möglichst mit OP, nach sich ziehen, ich kenne Chirurgen, die unter schweren Verletzungen primär Trümmer-Mehrfach- und Gelenkbrüche, Gefäßrupturen und innere Verletzungen verstehen, also Verletzungen, die lebensgefährlich sind oder das Potenzial haben, einen Menschen zum Behinderten zu machen. In der Berichterstattung über Verletzungen bei gewalttätigen Demos sind aber im allgemeinen Polizeibeamte schon mit Platzwunden oder Prellungen schwer verletzt, Demonstranten hingegen erst ab dem Armbruch. Ähnlich verhält es sich mit "schweren Verbrechen".
Schon vor einigen Wochen hatte im NDR ein interviewter Verfassungsschutzmann darauf hingewiesen, dass im Zusammenhang mit den G8-Protesten schwere Verbrechen geplant seien, und meinte damit konkret das Anzünden von Autos. Nun ist die Definition von schweren Verbrechen keine beliebige, sondern umfasst Straftatbestände wie Tötungsdelikte, Vergewaltigung, Geiselname, bewaffneten Raub, organisierte Kriminalität, Staatsschutzdelikte wie Hoch- und Landesverrat sowie besonders schweren Landfriedensbruch (was hinsichtlich der gestrigen Demo in einigen Fällen Gegenstand der Ermittlungen werden dürfte), also Straftaten, die mit 5 Jahren Haft und darüber geahndet werden. Aber das Zerstören von Autos ist Sachbeschädigung und somit ein Vergehen, in Tateinheit mit Landfriedensbruch u.U. ein Verbrechen, aber kein schweres.
Fazit: Die gewalttätige Eskalation der Demo war aus meiner Sicht sinnloser Hooliganism; was Staat und Presse daraus machen, ist andererseits eines der sattsam bekannten Beispiele, wie Meinungsmache und Realitätsklitterung funktionieren.
edit: Bei dem, was dann kam, müsste man fast schon QED sagen.
... link (22 Kommentare) ... comment
http://www.stefan-niggemeier.de/blog/turi-stolpert-beim-tanz-durchs-minenfeld/
http://blogbar.de/archiv/2007/05/29/vom-verschwinden-eines-medienblogs-oder-warum-das-sautreiben-besser-ist
Die zentrale, in verschiedenen, sich regelmäßig wiederholenden Varianten vertretene Behauptung ist, der Mensch hinter der Figur Don Alphonso sei ein schlechter Journalist, der aus Neid und Mißgunst andere Leute herunterputzt, wie an Formulierungen wie PR-Oleten, Johurnaille und ähnlichem zu erkennen sei. Seine Medien- und NE-Schelte sei nichts weiter, als eine besonders wortgewaltige Art, für sich selber Aufmerksamkeit zu generieren, dies aus reiner Eitelkeit. Eine solche Argumentation ist entweder blitzdumm oder verlogen; in jedem Fall wird die medien- und gesellschaftspolitische Zielrichtung der alphonsinischen Kritik dadurch weggeredet bzw. für nichtexistent erklärt, dass rein persönliche Motive und Charaktereigenschaften des Kritikers in den Vordergrund gestellt und dieser als Person schlecht gemacht wird. Selbst, wenn die gegen den Menschen erhobenen Vorwürfe richtig wären (und ich kenne den Betreffenden gut genug, um zu sagen, dass sie es nicht sind) ändert sich damit noch nichts an der von ihm erhobenen Kritik - also wird versucht, diese durch ein wenig Schrebergartenpsychologie (der ist ja nur neidisch auf den Erfolg Anderer), Denunziation (der ist gar kein echter Journalist und verdient seinen Lebensunterhalt nicht selbst) und Mokieren über seinen tatsächlich höchst polemischen Sprachstil gar nicht erst wahrnehmbar zu machen. Ich würde das Bildzeitungsstil nennen: Man macht einen Menschen als Menschen zur Sau, um über seine Standpunkte nicht reden zu müssen.
- Mit dem Bloggen ist erstmals in der Medienlandschaft Kommunikation das geworden, was sie dem Wortsinn nach bedeutet: Wechselseitiger Austausch von Informationen. Damit ist die Bloggosphäre dabei, die alte Forderung aus Brechts Radiotheorie, den Konsumenten zum Produzenten zu machen endlich einzulösen. Bürgerfunk, O-Ton-Hörspiel, Mitmach-Sendungen etc. konnten dies technisch bedingt immer nur in kleinen Annäherungen.
JEGLICHE KOMMUNIKATION IN DEN OFFIZIELLEN MEDIEN IST IN WAHRHEIT DISTRIBUTION.
Nun stellen Blogs nicht nur eine Möglichkeit für annähernd jeden dar, selber die eigenen Gedanken in die Öffentlichkeit zu tragen und öffentlich mit anderen auszutauschen, von Anfang waren Blogs vielmehr auch ein Medium von Gegenöffentlichkeit - nicht in dem Sinne wie explizit linke Medien, sondern eher als eine Art Underground und als Möglichkeit, Zensur und Meinungsmache zu umgehen. Ein frühes Beispiel wären etwa die Warlogs des NATO-Jugoslawienkriegs oder auch des letzten Golfkriegs, die eine andere Wirklichkeit abbildeten als die "embedded" publishers.
Ganz unpolitisch entsteht auf manchen Blogs Literatur, die man lesen kann, ohne zu bezahlen oder an der man sogar selber mitstricken kann, und in der Bloggosphäre virtuelle Milieus, die sich teilweise als reale soziale Milieus im real life fortsetzen.
In diesem Sinne sind kommerzielle Blogs, PR-Blogs, Zeitungsblogs, der Einkauf reichweitenstarker Blogger durch Medienkonzerne usw. der Versuch einer Kolonisierung der frei flottierenden Bloggosphäre und die heftigen Watschen, die solche Leute, wenn sie sich allzu dreist benehmen, dafür bei Don et al abholen der legitime Versuch, eigene Freiräume zu verteidigen. Dieser Zusammenhang, der in der bisherigen Debatte wenig Beachtung findet, sollte eigentlich arschklar sein, denn ohne ihn wird das ganze Geschehen unverständlich.Das Kritisieren journalistischer Schlampereien ist bei Boocompany/DCT ja eigentlich das zentralste Anliegen, und die Reaktion vermeintlich oder tatsächlich Betroffener, die darin besteht, allerlei Nebelkerzen abzubrennen, um das Anliegen selbst nicht mehr sichtbar werden zu lassen ein alter Hut
(vgl. hier, es lohnt sich, auch alle Kommentare zu lesen: http://www.boocompany.com/index.cfm/content/story/id/11407/
, doch alte Hüte sind keine Entschuldigung dafür, dass das eigene Treiben nur ein Ziel hat: Kritischer Aufklärung die Spitze zu nehmen, indem man ihre Existenz negiert.
... link (25 Kommentare) ... comment
http://portal.gmx.net/de/themen/wissen/mensch/geschichte/4090584-Schoepfungsmuseum-in-USA-unter-Protest-eroeffnet,cc=000007091900040905841ldZTq.html
... link (9 Kommentare) ... comment
vom 29.05.2007
Ressort: Berlin
Josephat und Priscilla mussten 2004 in den Kongo ausreisen. Jetzt dürfen
die Halbwaisen bei ihrer Tante leben
Mit bunten Luftballons, Plüschtieren und vielen offenen Armen wurden
Josephat und Priscilla Nguya gestern am Flughafen Tempelhof empfangen.
Wie sie da mit ihrer Tante, einem Koffer und zwei Kisten standen,
brachten der zwölfjährige Junge und seine fünfjährige Schwester aber
erstmal kein Wort über die Lippen, schauten nur schüchtern vor sich auf
den Boden. Dann gelang ihnen aber doch ein zaghaftes Lächeln. „Josephat
und seine kleine Schwester Priscilla haben so viel durchgemacht, die
müssen erstmal zu sich kommen“, sagt Titi Baneck. Sie ist die Tante der
beiden kongolesischen Kinder, lebt seit 30 Jahren in Berlin und arbeitet
hier als Krankenschwester.
Jetzt hat sie ihren Neffen und ihre Nichte in Kinshasa abgeholt, und bei
den Behörden im Kongo das Sorgerecht eingeholt. „Ich bin so glücklich,
dass die Kleinen nun bei mir sind, hier haben sie ein Zuhause“, sagte
sie gestern am Flughafen und drückte die beiden immer wieder an sich.
Josephats und Priscillas Mutter ist vor zweieinhalb Jahren in Kinshasa
gestorben. Sie war 34 Jahre alt. Die deutschen Behörden hatten sie vier
Monate zuvor mit den Kindern abgeschoben, obwohl sie schwanger war und
es ihr gesundheitlich nicht gut ging. Noch auf dem Flughafen in Kinshasa
seien die drei verhaftet worden, sagt Emmi Gleim-Msemo, die Anwältin der
Familie. Danach steckte man sie monatelang in ein Militärcamp. Dass die
Frau an Blutvergiftung litt, wurde nicht erkannt. Ihr Kind hat sie verloren.
Der Vater tauchte aus Angst vor der drohenden Abschiebung unter, ebenso
sein damals 15-jähriger Sohn. Die Familie hatte zehn Jahre lang als
Bürgerkriegsflüchtlinge in Niedersachsen gelebt. Josephat ging dort zur
Schule und spielte begeistert Fußball im Verein. Den Asylanträgen war
zunächst stattgegeben worden, später wurden sie abgelehnt. Auch die
Bemühungen von Josephats Lehrern und des Fußballvereins konnten die
Abschiebung nicht verhindern. Wo sich der Vater und der älteste Sohn
jetzt aufhalten, weiß niemand. Im Kongo hat die Familie keine
Angehörigen mehr.
Nach dem Tod der Mutter kümmerte sich ein Pastor in Kinshasa um Josephat
und Priscilla. Er lebt sehr einfach und hat noch viele weitere Zöglinge.
„Auf Dauer hätte er nicht für die beiden sorgen können“, sagt Titi
Baneck. Deshalb versuchten sie und die Anwältin alles, um die Kinder
nach Berlin zu holen. „Wir danken der Berliner Ausländerbehörde sehr,
dass sie so kooperativ war“, sagen Anwältin und Tante. Unter der
Bedingung, dass Baneck das Sorgerecht erhält und klar ist, wer für den
Unterhalt aufkommt, war die Behörde mit der Einreise einverstanden.
Das Schicksal der Familie rührte viele an. Nachdem die ARD im Dezember
darüber berichtet und den weinenden Josephat in Kinshasa gezeigt hatte,
fragten Menschen aus ganz Deutschland, wie sie helfen könnten, erzählt
Anwältin Gleim-Msemo. Auch der Berliner Unternehmer Dirk Gädeke und
seine Frau beschlossen, sich zu engagieren. Ihnen gehört die Hotelkette
„Artotel“. „Diese Kinder sind völlig entwurzelt, der Vater weg, die
Mutter tot, an so einem Schicksal kann man doch nicht einfach
vorbeigehen“, sagt Dirk Gädeke. Zumal er selbst vier Kinder habe.
Die Gädekes haben eine offizielle Erklärung abgegeben, dass sie für den
Unterhalt von Josephat und Priscilla mindestens bis zu deren 18.
Lebensjahr aufkommen werden. „Ich werde die beiden auch gerne mal in den
Arm nehmen“, sagt Sylvia Gädeke. Sie hat ihnen Eisbär, Känguru und
Glücksschwein aus Plüsch mitgebracht. Und wenn sie wollen, gehen wir
morgen zusammen einkaufen.Als Geschenk für Josephat, den Fußballfan,
hat Dirk Gädeke ein Fußballtrikot mitgebracht, auf dem die
Schalke-Spieler unterschrieben haben. Ja, Fußball, darauf freue ich
mich, sagt Josephat nach einer Weile in gutem Deutsch. Priscilla beißt
ein Stück Schokolade ab und spielt mit den Luftballons. "Meine eigenen
Kinder sind schon erwachsen", sagt ihre Tante. "Wie schön, dass ich
jetzt noch mal zwei kleine habe."
... link (0 Kommentare) ... comment
Asylverfahren, bevor er 1996 heiratete. Seine Tochter Sophie kam im April
1996 zur Welt. Mit der Heirat erhielt Yabré Oumarou einen dreijährigen
Aufenthaltstitel. Er fing an zu arbeiten, um sich um seine Frau zu kümmern,
die arbeitslos war.
Wenige Monate später flog Oumarou nach Burkina Faso, um seine Eltern zu
besuchen. Er nahm Altkleider mit sich, die er dort verschenken wollte.
Konflikte mit seiner Frau diesbezüglich führten nach seiner Rückkehr zur
Scheidung. 1999 verweigerte die Ausländerbehörde in Lingen (EMS) die
Verlängerung seines Aufenthaltstitels; als Grund wurde angegeben, dass er
geschieden sei. Nach einem Widerspruch vor Gericht erhielt er eine Duldung,
die immer wieder verlängert wurde. In Oktober 2005 entschied die
Ausländerbehörde Lingen, Oumarou Yabré in seine Heimat Burkina Faso
abzuschieben.
Am 14. Juli 2006 wurde er festgenommen und saß seitdem in Abschiebehaft in
Nürnberg. Mitte April wurde er nun nach Hannover-Langenhagen verlegt Diese
Situation ist besonders dramatisch im Hinblick auf seine Tochter, zu der er
eine sehr gute Beziehung hat. Im Fall einer Abschiebung wird nicht nur Yabré
Oumarou die Möglichkeit genommen, seine Tochter regelmäßig zu sehen, sondern
es wird auch der 11-jährigen Tochter das Recht verweigert, Kontakt mit ihrem
Vater zu haben. Dabei haben Kinder ein Recht darauf, mit beiden Eltern
Umgang zu haben und sie brauchen den regelmäßigen Kontakt mit beiden Eltern
als Bezugspersonen. Dies gilt unabhängig davon, in welchem Verhältnis die
Eltern zueinander stehen. Als Afrikanische -Deutschkind braucht Sophie ihren
Vater besonders um ihre schwarze und afrikanische Identität aufbauen zu
können, was die Mutter ihr nicht geben kann.
Eine Abschiebung wäre daher nicht nur ein dramatischer Eingriff in das Leben
von Yabré Oumarou, der nun seit 13 Jahren in Deutschland lebt und hier
integriert ist, es wäre auch eine massive Beeinträchtigung der Rechte der
Tochter.
Gem. §60a Abs.2 des Gesetzes über den Aufenthalt, die Erwerbstätigkeit und
die Integration von Ausländern im Bundesgebiet
(Aufenthaltsgesetz-AufenthG) vom 30.07.2004 (BGB1S 1950) in der z.Zt.
gültigen Fassung wird die Abschiebung nur ausgesetzt, solange sie aus
rechtlichen oder tatsächlichen Gründen unmöglich ist. Das bedeutet, dass
auch Integration und Erwerbstätigkeit keine Rolle spielen, sofern die
Ausländerbehorde in Lingen eine Abschiebung um jeden Preis durchsetzen will.
Zwei Abschiebeversuche (am 26.02.2007 und am 04.04.2007) haben schon
stattgefunden, die zum Glück an der massiven Gegenwehr von UnterstützerInnen
scheiterten. Am 05.04.2007 wurde die Abschiebehaft zum vierten Mal um drei
Monate verlängert. Die Anhörung fand ohne Anwalt statt.
Oumarou Yabré ist nun schon seit zehn Monaten in Abschiebehaft – dabei hat
er sich keines Verbrechens schuldig gemacht. Dies muss als Verletzung
grundlegender Menschenrechte betrachtet werden. Die unmittelbare und
anhaltende Bedrohung durch Abschiebung ist für den Gefangenen psychische
Folter.
... link (0 Kommentare) ... comment
Migration
im Rahmen der Anti-G8-Mobilisierung in Rostock und Heiligendamm
Samstag, 2. Juni:
Beteiligung an der internationalen Grossdemonstration in Rostock –
antirassistischer Block zu Flucht und Migration mit eigenem
Lautsprecherwagen an der Spitze des Westzuges.
11 Uhr Treffpunkt in der Hamburger Strasse, Ecke Graf-Schwerin-
Straße, 12 Uhr Auftaktkundgebung, u.a. mit einem Redebeitrag von
NoLager Mecklenburg!
Um 13 Uhr Beginn der Demonstration...
Sonntag, 3. Juni:
Auftaktveranstaltung von 10- 13 Uhr in der Nikolaikirche in Rostock
Über Europa (hinaus) / Beyond Europe
Europa als ein politisches Projekt sozialer Bewegungen?
Kai Burmeister (IG Metall)
Lucile Daumas (attac Marokko/Netzwerk Migration)
Gyekye Tanoh, (Thirld World Network Afrika / Stop EPAs Kampagne)
N.N. (Friedensaktivistin aus Osteuropa)
Angela Klein (Euromärsche/Netzwerk Prekarisierung
Zunehmend findet Politik auf europäischer Ebene statt. Doch soziale
Bewegungen und Gewerkschaften denken und handeln bislang zu wenig im
europäischen Maßstab. Einerseits steht die EU für das zunehmende
Zusammenwachsen einer Region. Andererseits besteht die politische
Ausrichtung der EU-Institutionen überwiegend aus dem neoliberalen
Kanon aus Deregulierung, Abbau sozialer Standards sowie Abschottung
nach außen, aus militärischer Aufrüstung und dem Betreiben einer
ungerechten Weltwirtschaftsordnung. Welches Verhältnis hat die Linke
zu Europa? Ist Europa ein Rahmen und Bezugspunkt, den Gewerkschaften
und soziale Bewegungen wählen können und
sollten, wenn sie den neoliberalen Kapitalismus kritisieren und für
eine gerechtere Welt eintreten? Wie sieht ein Europa aus, auf das wir
uns positiv beziehen könnten? Wie wäre ein solidarisches und
soziales Europa zu denken?
Im Anschluss an diese Veranstaltung finden jeweilige Netzwerktreffen
zu Frieden und Abrüstung, zu Prekarisierung, zu Migration, zu
Klimawandel und internationaler Solidarität statt.
Transnationales Netzwerktreffen zu Flucht & Migration
Ort und Zeit: 14 – 21 Uhr Ehm-Welk-Schule, Knud-Rasmussen-Str. 8;
Rostock
Das Netzwerktreffen soll vor allem Raum bieten für "horizontale
Debatten" (mit nur kurzen Inputs) in einer möglichst transnationalen
Zusammensetzung. Ziel dabei ist, über einen Informationsaustausch
hinaus transnationale Kampagnen und konkrete Interventionen zu
entwickeln, z.B. gegen bestimmte Rückführungsprogramme oder auch
für die Rechte von WanderarbeiterInnen. Das Treffen steht für uns in
der Kontinuität von migrationsbezogenen Versammlungen der letzten
zwei Jahre, die im Rahmen der Europäischen und Weltsozialforen
stattgefunden haben. Und insbesondere mit Bezug auf die Konferenz in
Rabat im Juli 2006 sowie den transnationalen Aktionstag vom 7.
Oktober 2006, wo jeweils globale Bewegungsfreiheit im Mittelpunkt der
Forderungen standen.
... link (0 Kommentare) ... comment
... link (0 Kommentare) ... comment
Jaja, die Meinungsfreiheit, nie war sie so wertvoll wie heute!
Schade eigentlich, dass einige ewige Querulanten immer noch nicht meinungsfrei sein, sondern ihre Meinung partout auflagenfrei vertreten wollen. Das ist doch einfach undankbar.
https://hamburg.dissentnetzwerk.org/
EU/InternationaleDemo
... link (3 Kommentare) ... comment
Selbstmord verschoben. Das Opfer eines Neonazi-Überfalls in Deutschland
sagte, er habe noch einige Dinge zu regeln. Dann werde er in der Schweiz mit
Hilfe eines Vereins aus dem Leben scheiden. Den Selbstmord begründete er
damit, dass er seine Würde verloren habe. Martin war 1996 im
brandenburgischen Mahlow in seinem Auto von zwei Rechtsradikalen verfolgt
worden. Als die Täter einen Stein auf den Wagen des dunkelhäutigen Briten
warfen, prallte er gegen einen Baum und wurde schwer verletzt. Die Täter
waren zu Haftstrafen verurteilt worden, sind mittlerweile aber wieder frei.
http://www.mdr.de/nachrichten/meldungen/4523124.html
It is bad to engage in a struggle and come back to the same point of
starting all over again, but what is worse is when you dont learn anything
>from the previous journey of resistance and against racist oppressions
... link (0 Kommentare) ... comment
Richter übt scharfe Kritik an Polizei
Appell an Angeklagten - Beamter bestreitet Absprache
von Annette Gens, 24.05.07, MZ
Dessau/MZ. Im Januar 2005 starb der Asylbewerber Oury Jalloh beim Brand in
seiner Gewahrsamszelle des Polizeireviers Dessau. Der Fall wird derzeit vor
Gericht verhandelt, doch die Rekonstruktion der Abläufe gestaltet sich
schwierig.
Haben im Dessauer Prozess um den Feuertod des Afrikaners Oury Jalloh
Polizeibeamte ihre Zeugenaussagen abgesprochen und bewusst vor Gericht
gelogen? Der Vorsitzende Richter der Schwurgerichtskammer am Landgericht,
Manfred Steinhoff, äußerte am Donnerstag diesen Verdacht und kritisierte mit
klaren Worten die Dessauer Polizei.
"Die Aussagen strotzen vor Widersprüchen", sagte er laut Radio SAW. "Die
Polizisten, die falsch ausgesagt haben, die kriege ich. Schließlich leben
wir in keiner Bananenrepublik, sondern in einem Rechtsstaat."
Beamte, die vor Gericht lügen würden, hätten im Staatsdienst nichts zu
suchen, so der Richter. Fast eine halbe Stunde wandte sich Steinhoff an den
Hauptangeklagten Andreas S., mahnte ihn, er möge seine Aussage überdenken.
"Die ganze Wahrheit liegt noch im Dunkeln. Das stört mich.
Sie kennen die ganze Wahrheit, rücken Sie damit raus."
Den Appell des Richters hatte der 46-jährige angeklagte Dienstgruppenleiter
erwidert: "Ich habe mich weder mit jemandem abgesprochen, noch habe ich ein
Interesse daran, jemanden zu decken." Er räumte jedoch ein, vorgestern das
Gespräch mit einem ehemaligen Kollegen gesucht zu haben. Dieser hatte vor
zwei Wochen als Zeuge ausgesagt.
Seine Schilderungen weichen erheblich von den Aussage anderer Zeugen ab.
Wie dem Gericht erst gestern bekannt wurde, soll der Betreffende
Beruhigungsmittel eingenommen haben.
Das Verfahren um den im Dessauer Polizeirevier verbrannten Asylbewerber aus
Sierra Leone nimmt inzwischen immer größere Dimensionen an. Seit März stehen
zwei Polizisten vor Gericht. Sie hatten am 7. Januar 2005 Dienst, als der an
Händen und Füßen gefesselte Afrikaner gegen 12 Uhr in der gefliesten Zelle
im Keller des Polizeireviers bei einem Brand starb.
Dem damaligen Dienstgruppenleiter wirft die Staatsanwaltschaft
Körperverletzung mit Todesfolge durch Unterlassen vor. Er soll dem Afrikaner
nicht rechtzeitig geholfen haben. Der zweite angeklagte Polizist soll bei
der Durchsuchung des Oury Jalloh ein Feuerzeug übersehen haben. Er ist wegen
fahrlässiger Tötung durch Unterlassen angeklagt.
Ein Urteil in diesem Verfahren ist nicht in Sicht, weil sich die Aussagen
einiger Polizisten, darunter die von Führungskräften, nicht nur
widersprechen, sondern sich geradezu ausschließen. Immer mehr Zeugen werden
benannt, die das Gericht hören will. Auch Beamte, die bereits aussagten,
sind erneut geladen. "Nur eine Variante kann stimmen", so Steinhoff.
Dessau/MZ. Im Januar 2005 starb der Asylbewerber Oury Jalloh beim Brand in
seiner Gewahrsamszelle des Polizeireviers Dessau. Der Fall wird derzeit vor
Gericht verhandelt, doch die Rekonstruktion der Abläufe gestaltet sich
schwierig.
Haben im Dessauer Prozess um den Feuertod des Afrikaners Oury Jalloh
Polizeibeamte ihre Zeugenaussagen abgesprochen und bewusst vor Gericht
gelogen? Der Vorsitzende Richter der Schwurgerichtskammer am Landgericht,
Manfred Steinhoff, äußerte am Donnerstag diesen Verdacht und kritisierte mit
klaren Worten die Dessauer Polizei.
"Die Aussagen strotzen vor Widersprüchen", sagte er laut Radio SAW. "Die
Polizisten, die falsch ausgesagt haben, die kriege ich. Schließlich leben
wir in keiner Bananenrepublik, sondern in einem Rechtsstaat."
Beamte, die vor Gericht lügen würden, hätten im Staatsdienst nichts zu
suchen, so der Richter. Fast eine halbe Stunde wandte sich Steinhoff an den
Hauptangeklagten Andreas S., mahnte ihn, er möge seine Aussage überdenken.
"Die ganze Wahrheit liegt noch im Dunkeln. Das stört mich.
Sie kennen die ganze Wahrheit, rücken Sie damit raus."
Den Appell des Richters hatte der 46-jährige angeklagte Dienstgruppenleiter
erwidert: "Ich habe mich weder mit jemandem abgesprochen, noch habe ich ein
Interesse daran, jemanden zu decken." Er räumte jedoch ein, vorgestern das
Gespräch mit einem ehemaligen Kollegen gesucht zu haben. Dieser hatte vor
zwei Wochen als Zeuge ausgesagt.
Seine Schilderungen weichen erheblich von den Aussage anderer Zeugen ab.
Wie dem Gericht erst gestern bekannt wurde, soll der Betreffende
Beruhigungsmittel eingenommen haben.
Das Verfahren um den im Dessauer Polizeirevier verbrannten Asylbewerber aus
Sierra Leone nimmt inzwischen immer größere Dimensionen an. Seit März stehen
zwei Polizisten vor Gericht. Sie hatten am 7. Januar 2005 Dienst, als der an
Händen und Füßen gefesselte Afrikaner gegen 12 Uhr in der gefliesten Zelle
im Keller des Polizeireviers bei einem Brand starb.
Dem damaligen Dienstgruppenleiter wirft die Staatsanwaltschaft
Körperverletzung mit Todesfolge durch Unterlassen vor. Er soll dem Afrikaner
nicht rechtzeitig geholfen haben. Der zweite angeklagte Polizist soll bei
der Durchsuchung des Oury Jalloh ein Feuerzeug übersehen haben. Er ist wegen
fahrlässiger Tötung durch Unterlassen angeklagt.
Ein Urteil in diesem Verfahren ist nicht in Sicht, weil sich die Aussagen
einiger Polizisten, darunter die von Führungskräften, nicht nur
widersprechen, sondern sich geradezu ausschließen. Immer mehr Zeugen werden
benannt, die das Gericht hören will. Auch Beamte, die bereits aussagten,
sind erneut geladen. "Nur eine Variante kann stimmen", so Steinhoff.
... link (0 Kommentare) ... comment