Dienstag, 30. Juli 2019
Zur Überschreitung des Ressourcenverbrauchs der Menschheit: Unsinn der siegt
Zu dem heute erreichten Peak hörte ich eine Radiosendung in der irgendson Experte erklärte, wir müssten insgesamt bescheidener leben, zum Beispiel was das Wohnen angehe. Wir lebten auf viel zu viel Platz und würden viel zu große Räume beheizen. Die Normgröße an der wir uns künftig zu orientieren hätten sollten die Wohnverhältnisse der 50er und 60er Jahre sein.

Wahrscheinlich meinte der, selber gehätscheltes Wohlstandskind, die Einfamilien- bzw. Siedlungshäuser dieser Zeit, von den großstädtischen, innerstädtischen Wohnverhältnissen hat er nachgewiesener Weise keine Ahnung. Bis zu der Zeit lebten in Westdeutschland in einer 80 Quadratmeter großen Etagenwohnung in einem Mietshaus im Durchschnitt drei Parteien, d.h. pro Partei ein Ehepaar mit 1-4 Kindern. In einem 20 Quadratmeter großen Zimmer wohnten also 3-6 Leute, Küche und Bad (falls vorhanden) wurden unter den 3 Parteien geteilt. Häufig gab es aber gar kein Bad, Körperwäsche erfolgte durch eine in der Küche mit (kaltem) Wasser befüllte Emailleschüssel mit Schwamm oder Lappen, Klos waren oft noch auf dem Treppenhaus. Das betraf auch die Hausbesitzer selber (damals Hauswirte genannt), es erfolgte eine Zwangseinweisung von Obdachlosen, Ausgebombten und Flüchtlingen durch das Wohnungsamt.

Die Zwangsbewirtschaftung des Wohnungsmarkts zeigte diese extremen Formen bis etwa 1967, wurde aber erst 1977 abgeschafft -und unmittelbar darauf begann dann auf der anderen Seite die ungehemmte Immobilienspekulation, auf die die Hausbesetzungswelle von 1979-83 eine direkte Reaktion war.

Solche Wohnverhältnisse aus Gründen der Ressourceneinsparung wieder durchzusetzen dürfte wohl nur mit militärischen Mitteln möglich sein. Wie soll das praktisch gehen? Jedes Badezimmer in ein Einliegerschlafzimmer umwandeln, jede Duschkabine wegreißen und durch eine Wärmepumpe ersetzen?


Abgesehen von der historischen Unwissenheit solcher Empfehlungen zeigt sich hier der Kardinalfehler der energiepolitischen Volkserziehungskonzepte aller Umweltverbände und der Grünen: Es wird an die individuelle Haltung der Bürger apelliert, die ihr Verhalten ändern sollen. Das ist moralisch in einem idealistischen, vormaterialistischen, vormarxschem Sinne: Nicht gesellschaftliche Makrostrukturen sollen verändert werden, sondern das Alltagsbewusstsein und Alltagshandeln der kleinen Leute. Die Moral um die es dabei geht ist sehr calvinistisch: Wer sich nicht ökologisch korrekt verhält soll sich schuldig fühlen, wer das eigene Leben nach ökologischen Prinzipen ausrichtet darf stolz auf sich sein. Die Elektromobilität ist die geronnene Form dieses kleinbürgerlichen falschen Bewusstseins: Der Fahrer und die Fahrerin des Emobils hat ein gutes Gewissen, obwohl der Strom zum nicht unerheblichen Teil aus Kohle- oder Atomenergie kommt. Aber das Auto emittiert das CO2 ja nicht direkt selbst. Die "Flugscham" schlägt in dieser Beziehung dem Fass die Krone ins Gesicht: 83-86 Prozent des von Menschen in die Athmosphäre frei gesetzten CO2 stammen aus Wärmekraftwerken, 2 Prozent von Flugzeugen. Angenommen, ich würde jedes Jahr zum Weihnachtsfest nach Hawaii fliegen würde ich damit ein geringeres CO2-Problem erzeugen als die Gesamtheit meiner Mehrheitsnachbarn, die ihren Strom aus einem Kohlekraftwerk beziehen.

BtW und wie sich antirassistisch-multikulturell fühlende deutsche Ökolinke dabei vorkommen ihren chinesischen Nachbarn den regelmäßigen Verwandtenbesuch verbieten zu wollen möchte ich so genau gar nicht wissen...

Wirklich grundlegende Veränderungen sind nur möglich, wenn primär die Emissionsausschüttung der Industrien und der Stromerzeuger angegangen wird, und das geht nicht ohne die Stellung der Macht- bzw. der Klassenfrage.

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Physik und Biologie kümmern sich aber nicht um die Macht- bzw. Klassenfrage. Der Planet ist endlich und kann eine stetig weiter wachsende Bevölkerung nicht dauerhaft ernähren. Ohne vermindertes Bevölkerungswachstum in Afrika und der islamischen Welt und ohne Stop der Zerstörung der Wälder (und massive Aufforstung) wird es nichts werden.

Da nutzt weder eine grüne Ökodiktatur noch die soziale Revolution.

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Zur Illustration:

"Jedes Kind vergrößert die Weltgemeinschaft der Muslime", sagt Mullah Nasir ul-Haq, der in einer Moschee am Stadtrand von Islamabad predigt. "Schaut euch den Westen an. Eure Bevölkerung schrumpft", sagt er.“ … „Angesprochen auf Probleme wie Lebensmittelknappheit und Wohnraummangel, schüttelt ul-Haq den Kopf. "Gott schenkt uns Kinder. Also sorgt er auch dafür, dass alles Notwendige da ist."

https://www.spiegel.de/politik/ausland/pakistan-die-bevoelkerung-waechst-rasant-a-1253753.html

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Willy, machen wir mal ein Gedankenexperiment und tun so als erkenne ich die Prämissen Deines Denkens an. Bezogen auf den Energieverbrauch, die Ausschüttung von Treibhausgasen usw. spielen Pakistani wie Schwarzafrikaner keine große Geige. Gäbe es die US-Amerikaner, die Westeuropäer, die Chinesen und die Japaner und die von ihnen verursachten Emissionen nicht gäbe es auch kein Weltklimaproblem in dem Umfang der uns Probleme bereitet. Was natürlich bezogen auf das immense Bevölkerungswachstum in Pakistan bald anders aussieht, da bin ich dann tatsächlich bei Dir.


Bezüglich Schwarzafrika ist schon grotesk was da immer wieder für neue bevölkerungspolitische Szenarien aufgestellt werden, und wahrscheinlich würde dies nicht geschehen, gäbe es nicht die unselige kolonialrassistische Tradition und weiter zurück bis zum Sklavenhandel, die diese Menschen immer wieder zu Objekten westlich-weißer Forschung und radikaler Reissbrettlösungen macht. In den 1970ern und 80ern war von der Bevölkerungsexplosion die Rede und entwicklungspolitische Diskurse befürworteten Maßnahmen wie Zwangssterilisierung (die ökofaschistische ÖDP forderte damals Atomwaffeneinsatz zur Bekämpfung der überflüssigen Esser), die Titanic spottete: "Die Nachkommen der Kannibalen von dunnemals hungern weil sie zu viele sind. Was fällt uns denn dazu ein?".

In den 1990ern wurden die eklatanten Entwicklungsrückstände des subsaharischen Afrika damit erklärt, dass die Aids-Pandemie dort die städtische Bevölkerung im Alter zwischen 20 und 40 nahezu ausgerottet hätte, insbesondere die ausgebildeten Mittelschichten.

Jetzt, wenn diese demographische Lücke wieder gefüllt wird soll das plötzlich ein treibender Faktor für die globale Erwärmung sein. Der Neger macht es einem offensichtlich niemals Recht;-)

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Polemikmodus off: Vermindertes Bevölkerungswachstum in Ländern wie Indien, Pakistan, Indonesien wird ebenso notwendig sein wie Aufforstung, da sind wir uns völlig einig. Mein Thema war aber gerade ein anderes, nämlich die Verlifestylisierung und Individualmoralisierung mit der in Deutschland die Klimaproblematik angegangen wird.

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Sorry, ihr habt keinen Plan.

Ist natürlich richtig dass die hohe Vermehrungsrate auch darauf zurückzuführen ist, dass es keine Rente und keine soziale Absicherung gibt, aber wie kommt man dahin vom aktuellen Zustand aus?

In Deutschland wurde Sozialversicherung bekanntlich eingeführt, um den Druck der Arbeiterbewegung auf die Regierung zu schwächen. Entsprechenden Druck gibt es in den Ländern der III. Welt nicht (warum wohl?).

Daneben spielen natürlich auch noch andere Faktoren eine Rolle, erstens der Islam (s. Zitat), und 2. bestimmte kulturelle Vorstellungen von Männlichkeit bzw. Weiblichkeit, nach denen ein richtiger Mann bzw. eine richtige Frau viele Kinder hat. Eine Freundin meiner Frau ist Lehrerin in Medellín und berichtet davon, dass inzwischen schon 13jährige Mädchen schwanger werden, weil sie glauben, der Vater würde bei ihnen bleiben, wenn ein Kind da ist. Tut er natürlich nicht, es gibt da massenhaft alleinstehende Frauen, die sich mit einem bis drei oder vier Kinder irgendwie durchschlagen.

Kurzum, ohne dass die Menschen dort ihr Verhalten ändern wird sich nichts tun. Revolutionen ändern nur die Machtverhältnisse, nicht die Menschen. Nicaragua ist bestes Beispiel.

https://www.deutschlandfunkkultur.de/revolution-der-sandinisten-in-nicaragua-damals-begeisterung.976.de.html?dram:article_id=453493

Und Bersarin: Der Rechtsstaat funktioniert in der III. Welt nicht wegen der Korruption. Für die Reichen und Mächtigen ist es kein Problem, sich über die Gesetze hinweg zu setzen. Korruption ist das Hauptproblem, sie verhindert jede Verbesserung. Nicht umsonst ist das einzige, was die großen Drogenhändler fürchten, die Auslieferung an die USA. Pablo Escobar hat seinerzeit der kolumbianischen Regierung angeboten, die gesamte Auslandsschuld zu bezahlen, wenn man ihm garantiert, ihn nicht auszuliefern. Geld genug dazu hatte er, wurde dann aber nichts weil der Präsident sich die Blöße nicht geben wollte.

Die beste Analyse der Korruption stammt von der mexikanischen Soziologin María Amparo Casar:

https://imco.org.mx/politica_buen_gobierno/anatomia-de-la-corrupcion-2a-edicion-corregida-y-aumentada/

Leider nur auf Spanisch verfügbar, aber die Ergebnisse sind: 1) Alle wissen bescheid, dass die Korruption ihnen allen schadet. Trotzdem geben die meisten der anonym Befragten an, selber auch korrupt zu sein. Wie kommt das? Nun, wenn alle korrupt sind, hat der Nicht-Korrupte nur Nachteile. Niemand will der einzige Dumme sein, der ehrlich ist. 2) ist der Staat, dessen Aufgabe es wäre, die Korruption zu bekämpfen, selber korrupt. In Kolumbien wurde vor einigen Jahren der Antikorruptionsbeauftragte verhaftet, weil er Geld angenommen hatte, um Ermittlungen zu behindern.
Man kann also niemandem trauen, auch den Behörden nicht.

Was könnte man tun, um die Korruption zu bekämpfen? Kurzfristige Lösungen gibt es da nicht. Es müsste ein Politiker kommen, der nicht korrupt ist und wirklich durchgreift. Und der die Korrupten wirklich bestraft (bzw. an die USA ausliefert).Wie der aus der korrupten politischen Klasse hervorgehen könnte, ist unklar.

Die Wahl von Jair Bolsonaro zum Präsidenten von Brasilien ist ein Zeichen in diese Richtung. Ich habe ja gelacht, als die deutschen Medien sich empörten, wie man denn einen Mann zum Präsidenten wählen konnte, der sagt, dass es im lieber wäre, sein Sohn sei tot als wenn er homosexuell wäre? Nach der Wahl von Bolsonaro habe ich einen Bolivianer gefragt, was er denn von der Wahl im Nachbarland halte? Er war sehr angetan: das einzige was hilft ist eine harte Hand, die einzige Sprache, die die Gangster verstehen, ist die der Kugeln.

Also vergesst Philosophenregierungen und soziale Revolutionen. Notwendig sind Lernprozesse in den Gesellschaften der III.Welt, und die befördern wir nicht dadurch, dass wir ihnen sagen, wie großartig ihre Kulturen sind, und wie viel Respekt sie verdienen (und indem wir ihnen ermöglichen, Druck aus dem Kessel zu nehmen durch die Möglichkeit der Massenmigration in unsere Länder).

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Sicherlich gibt es keine kurzfristigen Lösungen und es gibt dazu keine Patentrezepte und Handbücher. Eines aber könnte dazu beitragen, und zwar unabhängig von jener „Entwicklungshilfe“, die oft nur ein Ablaßhandel ist: nämlich die Handelsbedingungen zu verbessern und dort die lokalen Märkte zu stärken, statt daß die Länder Afrikas mit von der EU subventionierten Lebensmitteln geflutet werden.

Wichtig ist zudem, daß eine funktionierende Mittelschicht entsteht und ein funktionierender Staat, der seine Mitglieder nicht als Melkkühe auffaßt. Solche Korruptionssysteme gedeihen eben auch deshalb gut, weil es kaum staatliche Versorgung und Daseinsvorsorge gibt und damit auch kein Vertrauen in den Staat existiert, wir haben hier also einen Kreislauf. Wenn einem dieser Staat in Form von korrupten Polizisten entgegentritt, dann gibt es erhebliche Probleme. (Teils ähnlich wie in Italien bis heute verläßt man sich lieber auf die Familie als auf den Staat.)

Insofern ist der Kampf gegen Korruption wesentlich. Das sehen auch viele der Einwohner jener Länder ähnlich. Aber auch das ist nur ein Schritt. Kultur sowie Bewußtsein ändern sich nur langsam - sei das der verwurzelte Habitus, tribalistisches Denken und auch religöser Fanatismus bei christlich-evangelikalen wie auch islamischen Gruppen, und ein weiteres Problem ist der Aberglaube. Aber auch solche kulturellen Prägungen (egal woher sie nun stammen, ob das teils koloniales Erbe ist oder auch selbstverschuldet) ändern sich im Gang der Zeit. Ruanda z.B. scheint auf einem vielversprechenden Weg.

Und wie sich eine Gesellschaft verändert, kann man gut an China sehen. Da hätte vor 40 Jahren keiner je gedacht, daß sich eine solide Mittelschicht ausbildet und Städte wie Shanghai den Westen weit überflügelt haben. (Davon einmal abgesehen, ob ein Modell wie China samt seinem Social scoring wirklich erstrebenswert ist.) Und auch das Projekt eines Rechtsstaates ist langfristig. Weil es die Sache X nicht gibt, heißt das nicht, daß sie unmöglich ist. Nur eben diskutiert sich all das nicht am Stammtisch und in Blogs. Hier sind Praktiker gefragt und solche, die vor Ort sind. Die Transformation von Gesellschaften dauert, und es ist ein dorniger Weg.

Soziale Revolutionen sind genau da nötig, wo Diktatoren im Verbund mit multinationalen Trusts ein Land als private Beute betrachten. In Ländern, wo bereits Ansätze von Demokratie vorhanden sind, mögen andere Modelle zielführend sein.

All diese Überlegungen haben nichts mit Philosophenregierungen zu tun, sondern es handelt sich um langfristige, langwierige und teils pragmatische Prozesse. Dazu ist Nachdenken, dazu ist Theorie erforderlich und ebenso die Fragen an die Praktiker vor Ort, die wissen, wie man das umsetzt. Solange es jedoch für Unternehmen bequem ist, aus einem Land das herauszuholen, was geht, ohne größere Sanktionen fürchten zu müssen, solange wird es auch eine Rebellion gegen solche Strukturen geben. Und solange die Länder Afrikas als Rohstoffkammern genommen werden, wird wenig passieren. Schade, daß jene Friday for Future-Demonstranten so wenig die soziale Frage im Blick haben und dort das nötige Umdenken in Gang bringen. Im Grunde bräuchten wir in ganz Europa solche Proteste, die die soziale Frage zum Thema machen. Denn nur auf einen breiten öffentlichen Protest reagieren Regierungen und Mulitverbände wie die EU. Sobald Bilder im Fernsehen sind. (Das mag eine traurige Logik sein, aber man muß sich eben z.T. auf solche medialen Spiele einstellen und sie beherrschen.)

Nachzudenken wäre auch an einen generellen Schuldenerlaß, wie ihn wohl Alfred Herrhausen damals andachte. Verbunden eben mit Auflagen, bestimmte Antikorruptionsstandards herzustellen. Afrikas Zukunft wird sicherlich eine andere sein als die der europäischen Moderne. Voraussetzung für ein intaktes Staatswesen bleibt jedoch immer noch der intakte Rechtsstaat. Er muß nicht unbedingt nach europäischen, deutschem Vorbild gedacht sein.

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Guter Text von che und die (übliche) unterkomplexe Polemik von Willy. Du reißt immer das mit dem Arsch wieder ein, Willy, was Du, im Ansatz nicht ganz unrichtig, umschreibst: Nämlich das Problem der Überbevölkerung und dazu die Frage, was passiert, wenn jene Leute ebenfalls auf diesem Standard wie wir leben. Nur eben: Der Neger hatte ein Problem: Es „entdeckten“ ihn die Weißen. Das war in Teilen gut, in vielen anderen Aspekten leider sehr schlecht. Weil nämlich kein kultureller Austausch, sondern eine massive Überformung samt Sklaverei standfand. Und ja: bereits vorher trieben die Mohammedaner in Afrika Sklavenhandel. Sklaverei ist so alt wie die Menschheit. Nur brachte der Dreieckshandel in seinem Ausmaß und in seiner gesteigerten Quantität samt den dazugehörigen Möglichkeiten einer neuen Technik eine Entwicklung mit sich, daß man nun von einem qualitativen Sprung sprechen kann. Und damit hängt auch unsere Industrialisierung zusammen. Daß heißt nicht, daß die Schwarzen in Afrika allesamt Unschuldslämmer sind. Die Geschichte ist nun einmal komplex. Aber es heißt, das der Westen eine besondere Verantwortung hat.

Wie in bezug auf die Umwelt solche nötigen Veränderungen vonstatten gehen, weiß ich nicht und ich glaube niemand kann darauf eine Antwort als Patentrezept geben. Wesentlich ist nur, daß etwas geschehen sollte. Ich selbst, als hegelianischer Systemtheoretiker halte evolutionäre Veränderungen, auch qua der Technik und der langsam sich wandelnden Politik für eine Möglichkeit. Die Entwicklung in China ist dafür ein gutes Beispiel und auch die Umweltpolitik in Europa. Inzwischen haben fast alle Parteien Aspekte in ihrem Programm, die sich in den frühen 1980er Jahren allenfalls bei den Grünen fanden.

Was die Stellung der Macht- und der Klassenfrage und damit sicherlich korrespondierend auch die der sozialen Revolution betrifft, sehe ich die Sache nicht ganz so wie che. Meines Erachtens kann sie nur als platonischer Lenismus durchgeführt werden, von einer Avantgarde. Indem sozialistische Philosophenkönige, die im Sinne von Platons „Politeia“ das Gerechte umsetzen, zu Herrschern werden. (Also eben nicht solches wie bei Lenin und Stalin, sondern im Sinne einer Theorie der Gerechtigkeit, wie Platon sie in Gesprächen des Sokrates zu eruieren versucht, aber ohne demokratische Attitüden. Das aber scheint mir in solchen komplexen Verhältnissen, die nicht mehr auf Polisstrukturen beruhen, schwer möglich. Zumindest auf der gegenwärtigen Stufe der Gesellschaft.) Oder aber man muß sich auf ein langes Prozedere von rechtsstaatlichen Institutionen verlassen, gleichsam eine eher sozialdemokratische Variante mit Einschlag zu meinen Freunden Lafontaine und Wagenknecht, einen Weg, den ich gegenwärtig für halbwegs gangbar noch halte, auch wenn das eine Form von Reformismus bleibt. (Aber all das sind eben auch nur Gedankenspiele, die angesichts der realen Verhältnisse und der Übermacht des Wirklichen allenfalls Korrektive abgeben können. Am Ende wird vieles durch den Stand der Technik entschieden. Das Wesen der Technik also gilt es in diesen Fragen ebenso zu bedenken.)

Die Beschreibungen der Individualisierung gesellschaftlicher Probleme teile ich. Ein fataler Hang.

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Was Klassenkämpfe angeht wären in Ländern wie Pakistan oder subsaharisch-Afrika tatsächlich revoilutionäre Umstürze vonnöten um nicht nur in materieller Hinsicht sondern besonders bezüglich der Frauenfrage ALLES umzukrempeln. Und nur so herum wird auch ein Schuh daraus: Für soziale Gerechtigkeit, und das heisst in armen Ländern mit eher bescheidener Verteilungsökonomie Sozialismus, für Gleichstellung von Frauen und Minderheiten zu kämpfen ist der Anfang der Lösung der demografischen Probleme. Die Menschen dort setzen nicht zahlreiche Nachkommen in die Welt weil sie Muslime sind sondern weil in einer Welt ohne Kranken- Sozial-und Rentenkassen Kinder die Altersvorsorge sind. Führt man soziale Garantien ein entfällt die Notwendigkeit dafür, und um diese einzuführen muss frau den Reichen dieser Länder erstmal ziemlich viel wegnehmen.

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So ist es. Das sehe ich bei jenen Ländern ebenso. Und die Despoten dort, meist mithilfe der westlichen Demokratien mit ihren "westlichen Werten" fest im Sattel oder eben mit chinesischen oder russischen Despoten oder Oligarchen, werden nicht gehen, weil man sie nett auffordert und darum bittet, freie und geheime Wahlen abzuhalten.

Und die Geburtenraten hängen eben auch am Familienkonzept. Die Rente dort und die Sozialfürsorge sind die Kinder.

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Und wer soll diese "revolutionären Umstürze" durchführen ?
Die Palästinensische Befreiungsfront oder die Befreiungsfront Palästinas ?

Pakistan hat 200 Mio. Einwohner. Es gibt keine Reichen (in Pakistan), deren Einkommen ausreichen würde, um durch Umverteilung "soziale Sicherung" zu finanzieren ... zumal "Demographie und generatives Verhalten" ein Supertanker ist, der bestenfalls auf der Strecke einer Generation (20-25 Jahre) zum Stehen zu bringen ist.

Da hätte man Anfang der 90er was machen können aber da war jede Form der Geburtenkontrolle/Aufklärung "eurozentristisch".
Same procedure as every year ... das Kleinbürgertum läßt sich für seinen Edelmut feiern und die armen Schweine zahlen.

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Da waren die Bhuttos ein Stückerl auf dem richtigen Wege gewesen. Dafür wurden sie ermordet.

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Sehr guter Beitrag!
Das ist ja nicht der einzige Schauplatz, auf dem uns die Grünen mit ihrer Verzichts- und Verbotsideologie in nordkoreansche Verhälltnisse katapultieren wollen - dem Klima zuliebe.

Wie es sich in solch beengten Wohnverhältnissen lebt, das können wir sehr anschaulich in sogenannten "Problemhäusern" in Duisburg und sonstwo studieren, wo hunderte Bulgaren und Rumänen in einem Wohnblock hausen. Interessant, dass das die Zukunft ist, welche uns die Grünen zugedacht haben. Bei den alten Leuten, die angeblich viel zu viel Wohnraum beanspruchen, werden sie anfangen mit den Zwangsumsiedlungen.

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Das Tiny House-Konzept gehört auch in diesen Reigen (neoliberaler) Ideen. Bescheide Dich! Um des Klimas willen.

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Was bin ich froh, zu den 4-stöckiges-Mietshaus-mit-Park-in-der-Innenstadt-Erben zu gehören.

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Die Roma in Duisburg hausen nur aus einem einzigen Grund in solchen Problemhäusern: Weil ihnen die rot-grüne Stadtverwaltung die Anerkennung als HartzIV-Empfänger verweigert.

... das bedeutet auch, daß sie und ihre Angehörigen keine geregelte medizinische Versorgung haben. Wir reden in Duisburg von 13-15.000.

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Meine WG-Zimmer als Student waren schon nicht kleiner als die Tiny Houses.

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@derherold:
Die WAZ macht eine andere Kausalitätskette auf, die mir ehrlich gesagt plausibler erscheint:

Die Masche: Bitterarme Menschen aus Südosteuropa werden von den Vermietern gezielt nach Duisburg gelockt und in überbelegten Bruchbuden untergebracht. Weit über 10 000 Rumänen und Bulgaren sollen derzeit in der Stadt leben. Viele wurden Opfer skrupelloser Immobilienbesitzer: Mit Schein-Arbeitsverträgen versorgt, sollen sie aufstockende Leistungen beim Jobcenter beantragen.

„Das Geld fließt aber zu den Vermietern, die es jeden Monat von den Konten ziehen“, erklärte die erste Taskforce-Chefin und damalige Ordnungsdezernentin Daniela Lesmeister. (...)

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Das Verdienen an der Not von Migranten und Flüchtlingen ist eh seit langem eine Quelle für Extraprofite der deutschen Bourgeoisie. Ich erinnere mich da an meine eigene SPIEGEL-Recherche zu solchen Firmen in den Neunzigern, wo es darum ging, dass für Flüchtlingsunterbringung zuständige Regierungsbeamte in die Privatwirtschaft wechselten, um mit Staatsmitteln eigene Wohnheimgesellschaften zu gründen (man könnte das freundlich Anschubfinanzierung und unfreundlich Unterschlagung nennen) die dann von ihnen vor dem Wechsel noch eingestellten Mitarbeitern im Ministerium, einer ist inzwischen Staatssekretär großzügig mit Flüchtlingen versorgt wurden. Vor dem Umstieg in die Privatwirtschaft hatten sie das pauschale Belegungsmodell durchgesetzt: Für jedes Wohnheim gibt es soviel Erstattung wie Plätze vorhanden sind unabhängig von der tatsächlichen Belegung. D.H., für ein Flüchtlingswohnheim mit 120 Betten wurde für 120 Flüchtlinge bezahlt auch wenn da nur 3 untergebracht waren. Parallel dazu prüfte ein LKA-Beamter, intern Herr "Gläser" genannt die Zustände in den Wohnheimen, stellte Misstände in denen fest, die nicht den Spezialfreunden gehörten, diese bekamen dann keine Staatsknete mehr, und die Ex-Landesbeamten konnten sie kostenlos feindlich übernehmen. Diese wollten eigentlich den Großteil der Immobilien für die EXPO 2000 in Hannover betreiben, aber sorry, dass haben meine Enthüllungen dann verhindert.

Interessant war in diesem Zusammenhang, dass die ermittelnden Beamten des LKA mir im persönlichen Gespräch erklärtenm gegen wen sie von Vornherein nicht ermitteln würden: Schröder, Trittin, Glogowski und Guzmer.

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Ach ja, ein privater, sozial sehr engagierter Wohnheimbetreiber der sich darüber aufregte und sich an eine SPD-Landtagsabgeordnete wandte um diesen Machenschaften entgegenzutreten bekam einen Anruf in dem ihm eine Kugel zwischen die Augen angedroht wurde.

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@mark, ich sitze hier "an der Front" im Ruhrgebiet und kannte DU-Marxloh wie meine Westentasche.

Die "Immobilien" haben lange leer gestanden. Ich gehe davon aus, daß mind. 2/3 vorher in den Versteigerungsterminen des AG Duisburg gestanden haben (zu Preisen von 10-40.000 Euro) ... und mehrfach wurde kein Zuschlag erteilt. Keine deutsche "Bourgeoisie" dürfte daran verdienen. Die Immobilienbesitzer kommen meiner Kenntnis nach nahezu komplett aus dem bulgarisch-rumänischen bzw. südosteurop. Raum.

Wenn sie "Aufstocker" wären, könnten sie ja auch problemlos "Wohngeld" erhalten und könnten sich vernünftige Wohnungen leisten.
Überdies hat die rot-grüne Stadtverwaltung in DU alles getan, um die "Rumänen und Bulgaren" aus dem HartzIV-System fernzuhalten.
Im Gegensatz zu Asylbewerbern und "Geduldeten", wo der Bund die Kosten nahezu komplett übernimmt, sind HartzIV-Empfänger aus der EU denen aus D. gleichgestellt, d.h. die Kommune trägt nahezu alles.
... und schon erkaltet die Barmhezigkeit.

Die kommen idR auch nicht mit Arbeitsverträgen, sondern erhalten vorgefertigte Anträge zur Selbständigkeit, um zumindest Kindergeld zu erhalten. Abgesehen von den Wenigen, die als Lagerarbeiter oder Putzfrauen arbeiten, gehen die meisten auf den "Arbeiterstrich", um dann als Tagelöhner irgendwo unterzukommmen. Warum die Politik dabei zusieht, kann man sich denken.

Das beste Buch hierzu: https://www.amazon.de/Inside-Duisburg-Marxloh-Stadtteil-zwischen-Alltag/dp/3280056349

Ein Essener Journalist. Zwar "asylfreudig" und zu unkritisch gegenüber der staatl. Propaganda .... ABER er führt Gespräche und läßt die Leute (Roma, alte Deutsche, Prostituierte, rumänische Ärzte) reden (bei dem einen oder anderen wohl gegen Bezahlung).

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Woran allerdings die (Groß-)Bourgeoisie verdient:
Ich hatte im Immbilienbereich mehrfach das Vergnügen, Kontakte zum "Milieu" zu bekommen.
Bordellbetreiber sind idR keine Zuhälter. Und Bordellbetreiber sind idR auch nicht die Eigentümer der Vergnügungsstätten.

Dafür sucht man sich die Honorationen der Stadt: Bundestagsabgeordnete, die angesehendsten Notare, den Vorsitzenden des Tennisklubs.

D.h., da kommt ein Zuhälter zu mir und sagt "die Immobilie" erschiene im "geeignet". Ob ich einen Verkauf organisieren könne. Einen Betreiber, der die notwendigen Genehmigungen einhole, könne er jederzeit präsentieren. Einen Käufer habe er auch schon. :-))

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Die Immobilienbesitzer kommen meiner Kenntnis nach nahezu komplett aus dem bulgarisch-rumänischen bzw. südosteurop. Raum.

Das hörte ich auch verschiedentlich. Und ja, das mit den winkenden Arbeitsverträgen schien mir auch nicht so ganz plausibel, da dürfte es tatsächlich eher um Minijobs und selbständige Tätigkeiten gehen.

Im Übrigen konzentriert sich das Thema nicht nur auf Marxloh, einen weiteren Schwerpunkt gibt es wohl in Wanheimerort.

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Und DU-Hochfeld.

Lustig wurde es Mitte 2013. Da haben vor Beginn des Schujahres deutsch- und türkischstämmige Eltern aus dem Norden von Duisburg die Stadtverwaltung gebeten, ein paar der in den Regelunterricht zu überführenden Roma-Kinder in andere Stadtteile und auf andere Schulen zu verteilen ("busing").

Da brach in der rot-grünen Weltoffenheit die nackte Panik aus: "Dadadas geht nicht. Wir haben dafür gaaaar kein Geld. Wir haben auch bei der Bezirksregierung um Hllfe angefragt aber die hat NEIN gesagt"

Falls man tatsächlich die Bezirksregierung gefragt hat, was ich ernsthaft zu bezweifeln wage, dann nur aus einem Grund: damit die NEIN sagen. ;-)

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Derlei Verhältnisse finden sich auch anderswo, zum Beispiel sind in Braunschweig Serben sehr daran interessiert größere Wohnhäuser zu erwerben. In Hannover gibt es Auseinandersetzungen um die gastronomischen Claims zwischen rumänischer Mafia (Ex-Securitate-Leute, ultrabrutal), Ndrangheta und den Hells Angels. Letztere sind die "nettesten" unter diesen Gruppen.

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Wie gesagt, ich kann das o.g. Buch nur empfehlen (vielleicht Fernleihe bei der Stadtbücherei ?).

Der Autor spricht u.a. mit einem rumänischen Arzt, der ihm ebenfalls erklärt, daß SELBSTVERSTÄNDLICH unter den Rumänen in Duisburg auch ehem. Securitate-Mitglieder seien.

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Ja, ist als Urlaubslektüre bei mir schon eingebucht.

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