Montag, 20. Juli 2026
Mehr als zwei Geschlechter
Nicht nur im AfD-Lager, aber besonders bei denen, aber auch sonst von konservativer Seite wird ein ziemliches Aufheben von dem Umstand gemacht, dass sowohl die Sozialwissenschaft als auch das LGBTQ-Lager davon ausgehen, dass es außer weiblich und männlich noch weitere Geschlechter gibt.

Immer wieder bemerkenswert was für ein Problem die mit dem Thema sexuelle Diversität haben, deutet darauf hin, dass sie ihrer Geschlechtsidentität alles andere als sicher sind.

Es ist doch faszinierend, wie der sexuelle Dekonstruktivismus, der sich seit Butlers Gender Troubles und dem linguistic turn entwickelt hat so interpretiert wird.

Biologie und Medizin: Das biologische Geschlecht (Sex) wird durch Chromosomen, Hormone und Anatomie bestimmt. Die Biologie erkennt an, dass diese Merkmale nicht immer eindeutig männlich oder weiblich sind. Bei intergeschlechtlichen Menschen (auch Variationen der Geschlechtsentwicklung genannt) stimmen diese Faktoren nicht mit der klassischen Zweiteilung überein. Abweichende Chromosomensätze (wie XXY, YY oder X0) oder hormonelle Besonderheiten belegen ein biologisches Spektrum. Dabei steht nicht die Tatsache in Frage, dass zum Kinder zeugen und kriegen männliche und weibliche Partner Voraussetzung sind, sondern vielmehr sind neben dieser Grundeinteilung noch eigenständige Varianten vorhanden, so, wie es unterschiedliche Blutgruppen gibt.

Soziales Geschlechte im Sinne der Sozial-, Kultur- und Geisteswissenschaften (Gender): Hierunter fällt die Geschlechtsidentität und die soziale Rolle. Psychologie, Soziologie und Gender Studies erforschen, wie sich Menschen definieren und wie Geschlechterrollen gesellschaftlich konstruiert sind. Da Identität und soziale Dynamiken höchst individuell sind, geht die Wissenschaft hier weit über zwei Kategorien hinaus.

Anthropologie und Geschichte: Historische und völkerkundliche Studien zeigen, dass das Konzept von "mehr als zwei Geschlechtern" in vielen Kulturen seit Jahrhunderten existiert.

Ethnologen stellten bei exotischen Ethnien in Papua-Neuguinea oder Sibirien fest, dass es dort bis zu 7 Geschlechter gibt, weil Transen, Schwule, Lesben und sehr alte Menschen als eigenständige Geschlechter angesehen werden, für die es auch eigene grammatikalische Genera und eigene Fürwörter gibt.

Die queere Szene hat diesen Aspekt mit Begeisterung aufgegriffen, da solche ethnologischen Erkenntnisse die eigenen Diversitätsvorstellungen wissenschaftlich zu bestätigen schienen. Hierbei wurde aber völlig außer Acht gelassen, dass das bei den indigenen Völkern nichts mit Freiheit im Sinne von "die eigene Rolle neu erfinden" zu tun hat, denn auch bei mehr als zwei Geschlechtern werden die Rollen oft so rigide definiert wie in der heterosexistischen Bipolarität im Patriarchat, nur halt ausgefächerter. Transen zum Beispiel werden in den meisten dieser archaischen Gesellschaftsordnungen immer Schamanen, Schwulen und Lesben werden besondere Aufgaben zugewiesen die damit zusammenhängen dass sie mit der Nachkommensreproduktion nicht beschäftigt sind.

Das ganze Thema der Mehrgeschlechtlichkeit geriet durch die postkonstruktivistische Philosophie aus dem Spezialdiskurs der Ethnologie und der Alltagsgeschichte in die Öffentlichkeit der queerfeministischen Szene und wurde dort mit einer Bedeutung aufgeladen, die ihm eigentlich nicht zukommt, mit hineinprojiziertem Sehnsuchtspotenzial.

Die radikale Rechte kolportiert das Thema dann auf ihre Weise, macht aus mehr als 2 möglichen Geschlechtern, etwa im Sinne von genetischen Sondergruppen einerseits und andererseits Nichtbinär, Transsexuell, Transgender, Travestie-Schwulen und Butch-Lesben, was ganz verschiedene Kategorien durch- und nebeneinander sind behauptete 37 oder gar 300 Geschlechter und verfolgt diese rein projizierte, in der LGBTQ-Welt oder der Linken sooo gar nicht vorhandene Geschlechterkonstruktion mit geiferndem Hass.

Dieser wiederum ist für mich nur erklärbar mit einer tiefsitzenden Angst, die eigene, rigide-spießig-heterosexistische Rollendefinition sei gar nicht so stabil, tief im Inneren stecke vielleicht eine Tunte, man muss auch an Freuds Kastrationskomplex denken.

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Gerne kann ein soziales Geschlecht ‚kon­stru­iert‘ werden. Wenn neben Eunuch und Kind auch Rent­ner dabei ist, ordne ich mich gerne darun­ter ein. Dann wähle ich „wo“ als mein bezüg­li­ches Für­wort. Man mag lin­gui­stic tur­nen wie man will, die Be­griffe Frau und Mann werden strin­gent den­kende Men­schen sich nicht stehlen lassen.

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Es geht nicht darum dass diese Begriffe "gestohlen"werden, das Gekrampfe um männlich und weiblich "gelesene" Menschen, das von bestimmten queerfeministischen Kreisen betrieben wird geht mir am Arsch vorbei. Tatsache ist aber, dass es diese Diskurse nun einmal gibt, sie sind unabhängig davon was sekundär in politischen Diskursen da hineininterpretiert oder herausgeschlussfolgert wird zunächst einmal Bestandteil von Debatten, die sich um Realitätsbeschreibung durch sprachliche Konventionen zum Einen und soziale Rollen von Menschen in der Gesellschaft und deren Verbindung oder Nichtverbindung mit Geschlechtlichkeit zum Anderen drehen.

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Diskurse kann es gerne geben, auch mit dem Geschlecht in Verbin­dung ste­hende Reali­täts­be­schrei­bun­gen. Nur ändert das nichts an der Realität selbst, die sich nicht durch Sprach­spiele verän­dert. Rollen sind keine Ge­schlech­ter. Männer dürfen eine Frauen­rolle spielen. Eigent­lich sind sie dann Trans­männer.

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@wuerg: Das sind keine Sprachspiele, und es gibt keine Realität, die sich außersprachlich vermitteln lässt. Klar, die Sonne existiert unabhängig ihrer Beschreibung durch Sprache, aber die sie selbst seiende Sonne ist durch nichts anderes als Sprache, dazu zählen auch mathematische Formeln, beschreibbar und Menschen mitteilbar. So sehr ich manches, was Butler geschrieben hat für verquast-unempirisch halte, ihre Aussage, dass Realität durch Sprechakte erschaffen wird ist absolut richtig.

Nicht im Sinne von Wortmagie oder Zauberei, wie hier auch schon mal jemand geäußert hatte dass sie so etwas gesagt hat. Sondern in diesem Sinn: Wenn bei der Geburt eines Kindes ein Arzt oder eine Hebamme sagt: "Es ist ein Junge!" bedeutet dies nicht nur die Feststellung eines biologischen Geschlechts, sondern in einer patriarchalen Gesellschaft mit geschlechtsspezifischen Erwartungshaltungen und Rollenzuweisungen einen ganzen Kosmos an Verhaltensnormierungen, die daran gebunden sind.

In einer egalitären Gesellschaft mit weitgehend emanzipierten Geschlechtsrollen bedeutet das hingegen im biologischen Sinne immer noch das Gleiche, im sozialen aber etwas völlig Anderes.

Und diese Unterscheidung gilt in den Sozialwissenschaften als allgemein anerkannte Tatsache.

Versuch mal, eine Konstruktionsanleitung für einen Mikrochip, die Populationsgenetik der Blutgruppensysteme des Menschen oder einen Text über Quantenphysik in biblischen Gleichnissen oder Homerschen Hexametern zu erzählen. Es wird Dir nicht gelingen. Voraussetzung für die technischen Zivilisation in der wir leben und die moderne Wissenschaft die diese erschaffen hat ist eine spezifische wissenschaftlich-logische Sprache inklusive der mathematisch-physikalisch-chemisch-biologischen Formelsprache, und die geht auf eine Sprachentwicklung zurück, die mit dem Universalienstreit im Hochmittelalter (der ist auch noch in anderer Hinsicht für die hier verhandelten Fragen relevant) einsetzte. Für Menschen, die in Kulturen mit magischen, mythischen, mystischen oder mystisch-rationalen Welterklärungen lebten ist unsere heute Welt gar nicht vorstellbar und unsere Physik, Chemie und Biologie auch nicht vorhanden, an deren Stelle stehen dann Götter und ähnliche Kräfte. Die rationale Vorstellungswelt und ihre Sprache hat die Voraussetzungen für die technische Welt in der wir leben überhaupt erst geschaffen.

In einer Welt, die keine Biologie kannte, sind über die Pole Mann und Frau hinaus Geschlechter Rollen, weil biologische Geschlechter nicht bekannt waren.

Für die Biologie sind Geschlechter über die Anatomie hinaus Genotypen.

Der Genotyp XX ist im biologischen Sinn eine Frau, XY ein Mann. XXY und XYY sowie YY stellen Abweichungen dar, die genetisch betrachtet durchaus eigene Geschlechter sind. Die biologische Geschlechtsbestimmung hat aber mit den sozialen Geschlechtsrollen unmittelbar nichts zu tun.


Dies alles ist kein "queerlinksversyphter Schwurbel", wie manche wohl denken werden, sondern Diskussionsstand der Anthropologie.

Und ich, der ich seit Jahrzehnten mit diesen Begrifflichkeiten als Standardmodellen lebe, verstehe schlicht nicht, was für Aggressionen dies bei so manchen Zeitgenossen auslöst.

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Ich sehe keinen Wider­spruch darin, daß es auch ohne Sprache Rea­lität gibt und Sprech­akte ein Teil der­sel­ben sind. Selbst wenn in der Ge­burts­ur­kunde männ­lich steht, muß es kein Junge sein. Und selbst­ver­ständ­lich gibt es Über­schnei­dun­gen und Reste wie Super­weib­chen und eier­legen­de Vögel mit ZW. Sprache ist nütz­lich, gebiert aber auch Schwach­sinn. Mann und Frau gab es auch ohne Sprache, weit vor der Bio­logie.

Es geht mir nicht darum, ob man ein sozi­ales Ge­schlecht kon­struie­ren, gar aus­ma­chen kann. Nur sollte dazu nicht das Wort Ge­schlecht gestoh­len wer­den, um sich sodann über das bio­logi­sche zu erhe­ben, wie es „im fal­schen Körper geboren “ sich anmaßt, gleich­wohl zumeist keine körper­liche, sondern eine gei­stige Devia­tion vor­liegt.

Da Streit wider den laut­starken margi­nalen Zeit­geist keinen Sinn hat, will ich ganz aggres­sions­frei nur noch sagen, daß ich bei Be­grif­fen wie Iden­tität, Gleich­heit, Äqui­va­lenz und Gleich­wertig­keit etwas pinge­lig bin und spon­tan er­kenne, wenn sie zur Über­hö­hung miß­braucht werden. Die Zukunft wird das ent­larven. Die Wahr­heit setzt sich durch.

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Na ja, der Begriff soziales Geschlecht macht dann Sinn, wenn an ein biologisches Geschlecht bestimmte Erwartungen von sozialem Verhalten geknüpft werden und diese nicht unbedingt an biologische Funktionen gebunden sind, bzw. es Unterschiede zwischen tradierten und gesellschaftlich neuen Formen von Sozialverhalten gibt.

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Natürlich ist es erlaubt von einem sozia­len Ge­schlecht zu spre­chen, wenn man sich an das bio­losche Ge­schlecht (frü­her das Ge­schlecht) anlehnt. Nur muß mit mehr als war­men Worten und Wunsch­denken begrün­det sein, wenn nun­mehr das sozi­ale Ge­schlecht über dem bio­logi­schen stehen soll, also fortan das Ge­schlecht sei, wo neben der Lieb­lings­farbe und Pro­nomen in die fluide Ge­burts­ur­kunde einge­tragen werden kann. Das mag in hundert Jahren die Regel sein, wenn Fleisch­beschau und Gen­test durch Psycho­scan­ning, Sprech­akt oder You­tube-​Algo­rith­mus abge­löst sind. Dann weiß aber auch jeder, daß diese Ein­träge für den Arsch sind.

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Wieso sollte denn das soziale Geschlecht über dem biologischen stehen? Sagt ja niemand. Das sind einfach unterschiedliche nomenklatorisch-narrative Kategorien.

Im Übrigen scheinst Du das, was ich hier alles an Hintergründen und Entwicklungsgeschichten aufgeführt habe gar nicht zur Kenntnis zu nehmen.

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Natürlich habe ich alles zur Kennt­nis genom­men, nur nicht ver­inner­licht. Ja, es sind unter­schied­liche Kate­gorien. Ich sehe die biolo­gische als die pri­märe, mit der die soziale i.a. har­mo­niert. Keiner zele­briert sein bio­logi­sches Geschlecht als Abwei­chung vom sozi­alen. Umge­kehrt wird gerne damit koket­tiert, vor allem durch bio­logi­sche Männer in nach­läs­siger Frauen­klei­dung.

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Manche nehmen an, daß der Schnee von Frau Holle gemacht wird. Dies ist jedoch eine Legende. Auch wenn es als Narrativ eine Weltdeutung liefert. Wie auch die zahlreichen Mythen der verschiedenen Völker und Stämme über unsere Welt.

Geschlecht als sex ist eine unhintergehbare Unterscheidung, die die meisten Kulturen strukturiert, was auch die Anthropologie und die Ethnologie nicht anders feststellen. Auch dort, wo keine Naturwissenschaften vorliegen und das Geahnte und in Mythen verschlüsselte also noch kein Gewußtes ist. Naturwissenschaft dechiffriert den Mythos, wie schon Adorno und Horkheimer in der DA feststellten - auch mit den fatalen Folgen, daß Aufklärung in Mythologie umschlägt. (Fast könnte das auch ein Bild für bestimmte Positionen der Gender"forschung" sein.)

Gender ist, sofern man diesen Begriff überhaupt gebrauchen möchte, ich ziehe den der Rollen vor, je nach Gesellschaft, eine Kultur der Vereinbarungen im Rahmen konkreter gesellschaftlich oder gemeinschaftlich ausgeprägter Sittlichkeit - also der Sitten, Gebräuche und Normen und damit auch Geschlechterrollen. Hier wäre eh der Rollenbegriff in den Sozialwissenschaften wieder stark zu machen.

Biologisch gibt es bei Menschen genau zwei Geschlechter: XX (Frau) und XY (Mann). Genetische Fehlbildungen sind, wie es der Name sagt, eine Fehlbildung, sie erlauben es keineswegs, biologisch von einem Geschlechterspektrum zu sprechen. So wie der Mensch auch kein Spektrum in Bezug auf die Ausbildung seiner Arme besitzt, weil es auch Menschen gibt, die mit verkürzten oder gar keinen Armen geboren wurden. Dies ist eine genetische Anomalie. Wie auch Intersexualität.

Judith Butlers Satz im Blick auf die Hebamme ist ein Schwachsinn und intellektueller wie auch philosophischer Tiefflug noch dazu - ein Armutszeugnis zudem auch für die Sozialwissenschaften. Daß eine Autorin, die derartigen Quark von sich gibt, in der Akademia tätig ist, zeigt leider, wie heruntergeockt die Sozialwissenschaften sind. Warum? Deshalb: Der Ausruf der Hebamme, die in der Regel keine germanische Norne ist, besagt keineswegs die Vorhersage eines Lebensweges oder die Normierung des Babys, sondern sie teilt den Eltern das biologische Geschlecht mit. Nicht mehr, nicht weniger. Und wenn sie also ausruft: "Es ist ein Junge!", dann ist das kein bloßer Sprechakt, der willkürlich etwas zuweist, das in einem Spektrum auch ganz anders sein könnte, sondern es zeigt sich die Wahrheit dieses Sprechaktes durch einen einfachen naturwissenschaftlichen Nachweis. Das ist Philosophie erstes Semester - nein, Mittelstufe. Ob sich der irgendwann zum Manne gewordene Bursche hinterher zur Armee verpflichtet und sehr männlich agiert, ob er einen weiblichen Touch hat, ob er sich einen Eichhörnchenpuschel in den Anus schiebt und sich mit den neuesten Transhuman-Gender-Theorien gewappnet als Eichhorn imaginiert oder sich als Loretta labelt, liegt keineswegs im Ermessen der Hebamme. Monty Python hat solchen Irrsinn bereits in den 1970er Jahren gut persifliert: https://www.youtube.com/watch?v=T9hpAaQgbJI

Daß an den Jungen möglicherweise Erwartungshaltungen gebunden sind, die ihn in ein Rollemodell fügen, sagt etwas über die jeweilige Gesellschaft aus, aber es ändert nichts am biologischen Geschlecht, das unhintergehbar bleibt. Insbesondere im Medizinischen hat die Natur ihr Recht und ihre Geltung vor allem, wo wir vehement protestieren würden, wenn der Arzt plötzlich wie ein Medizinmann "pschüüh, pschühh" macht, uns mit Wasser besprenkelt und qua Sprechakt Gesundung behauptet.

Natürlich können in entsprechenden offenen Gesellschaften Männer und Frauen unterschiedlichste Rollen einnehmen und solche Rollenbilder, die einstmals nur Männern vorbehalten waren, können nun auch von Frauen ausgeübt werden. All das wollte aber die Hebamme mit ihren Ausruf keineswegs zum Ausdruck bringen, selbst dann nicht, wenn sie eine ausgebilderte Sozialwissenschaftlerin ist, die umschulen mußte.

Sofern ein Mann sich im falschen biologischen Geschlecht fühlt und sich mit Hilfe der Medizin - und damit sehr naturalistisch und wenig kulturalistisch - in eine Frau sich umoperieren läßt, bleibt er biologisch doch ein Mann. Das biologische Geschlecht bringen keine Hormone und bringt kein OP-Besteck heraus. Das ist und bleibt die materialistische Basis.

Insofern: Transfrauen sind biologisch keine Frauen, so wie Männer, die sich einen Eichhörnchenschwanz in den Anus operieren lassen, keine Eichhörnchen sind, um es polemisch zuzuspitzen und ins Absurde zu steigern.

Die Gefahren, die mit solch ideologischem Umlabeln einhergehen, haben etwa Kathleen Stock in "Material Girls. Warum die Wirklichkeit für den Feminismus unerlässlich ist" und Sara Rukaj in "Die Antiquiertheit der Frau. Vom Verschwinden des feministischen Subjekts" beschrieben.

Das biologische Geschlecht, das als Grundlage des Personenstandes dient, ist nicht frei wählbar und es ist auch kein reiner Sprechakt, sondern hat eine materiale Basis. So wie die Kugelgestalt der Erde ebenfalls keine Interpretation ist und also genauso auch als Scheibe oder als Hohlkörperwelt existieren kann, wenn man nur genau genug hinsieht.

Es geht, nach Adorno und Horkheimer um das "Eingedenken der Natur im Subjekt, in dessen Vollzug die verkannte Wahrheit aller Kultur beschlossen liegt, …"

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Ich halte mich da an Thomas Jefferson
Der über Religion sagte: "The legitimate powers of government extend to such acts only as are injurious to others. But it does me no injury for my neighbour to say there are twenty gods, or no god. It neither picks my pocket nor breaks my leg."

Ich sehe keinen Grund, Transmenschen vorzuschreiben, wie sie zu leben haben, ihnen die Identität abzusprechen.

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Dem stmme ich natürlich zu, und ich komme auf ein paar Schlüsselsätze meines Ausgangspostings zurück, die mir gerade unfreiwillig bestätigt wurden.

Immer wieder bemerkenswert was für ein Problem die mit dem Thema sexuelle Diversität haben, deutet darauf hin, dass sie ihrer Geschlechtsidentität alles andere als sicher sind.


Dies wiederum ist für mich nur erklärbar mit einer tiefsitzenden Angst, die eigene, rigide-spießig-heterosexistische Rollendefinition sei gar nicht so stabil, tief im Inneren stecke vielleicht eine Tunte, man muss auch an Freuds Kastrationskomplex denken.

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Die Rede von der Angst vor der Tunte und vom Kastrationskomplex resultiert, wenn man sie ideologiekritisch in den Blick nimmt, auch unter den Kapitalverhältnissen der patriarchalen Gesellschaft, aus einer maskulinistischen Überwältigungsagenda gegen die Frau. Daher auch die Installation der Tunte, um die Frau erneut um die Früchte ihrer Emanzipation zu bringen. Aber Scherz und Phrasendreschmaschine mal beiseite.

Es geht nicht darum, Transmenschen vorzuschreiben, wie sie leben sollen. Jeder kann sich fühlen als das, was er möchte und er kann das in seinem privaten Bereich auch so gestalten, wenn es ihn glücklich macht. Wer Frauenkleider trägt, soll das machen. Mit Glück ist es anderen egal oder sie finden es gut, mit Pech lachen sie. Wohlwollen läßt sich nicht vorschreiben. Man kann es nur wünschen und sich erhoffen und versuchen, gesellschaftliche Akzeptanz zu schaffen. Der Film "Ein Käfig voller Narren" hat das auf wunderbare und spielerische Weise geleistet.

Allerdings:Aus Gefühlen lassen sich aber nicht immer Rechtsansprüche ableiten. Es gibt in einer Gesellschaft gute Gründe, bestimmte Aspekte, die durch Gesetze geregelt werden, an den Personenstand und damit an das Geschlecht zu binden. Frauenquoten etwa wären überflüssig und sinnlos, wenn das Geschlecht lediglich aus einem Sprechakt bestünde, indem ich mich mit XY als XX labele oder umgekehrt. (Unabhängig mal, ob Frauenquoten sinnvoll sind oder nicht.) Und nicht jeder Raum, der für Frauen bestimmt ist, sollte von Nicht-Frauen betreten werden - so sehen das zumindest viele Frauen, die Dir den Kastrationskomplex mal eben locker um die Ohren hauen würden: Frauen-Sauna, Toiletten zuweilen auch, Krankenhäuser, Gefängnisse, Frauenhäuser sind solche Orte. Es gibt gute Gründe, warum Frauen das nicht wollen, und hier muß die überwiegend herrschende Meinung und die gesellschaftliche Stimmung zur gesellschaftlichen wie auch gesetzlichen Grundlage gemacht werden. (Wobei in Sauna und Fitness eh der Betreiber entscheidet, wie er das regelt. Und an diese Regel wird sich dann eben gehalten.)

Die Probleme und die Aggressionen entstehen dann, wenn Transfrauen sich in reine Frauenräume hineinklagen wollen, erst recht, wenn sie noch keine Transition hinter sich haben.

In einer absurden Parodie führt der Rechtsextremist Liebich vor, zu welchen Irrsinn solche Auswüchse im Blick etwa auf das Selbstbestimmungsgesetz gesellschaftlich führen: „Marla-Svenja Liebich, vormals Sven Liebich. Jahrzehntelang war Sven Liebich Protagonist in der rechtsextremen Szene in Sachsen. Heute nennt er sich Marla-Svenja Liebich und soll seine Freiheitsstrafe in einem Gefängnis für Frauen absitzen – dank Selbstbestimmungsgesetz.“ Inzwischen wurde dieser Unsinn rückgängig gemacht.

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Es geht ja dabei nicht nur um Lebensstil und persönliche Vorlieben, sondern im Rahmen dieser Ideologie unterzieht man Minderjährige pubertätsverhindernden Therapien oder gar Operationen, die nicht rückgängig zu machen sind.

Darüber hinaus erlässt man Gesetze, nach denen man sich dem subjektiven Empfinden anderer anzupassen hat und das Offensichtliche nicht aussprechen darf, unter Androhung hoher Strafen.

Und im akademischen Bereich versucht man die eigene Ideologie alternativlos durchzusetzen und jede Diskussion über sie zu verhundern.

"Ein wissenschaftlicher Vortrag sorgt einmal mehr für eine Kontroverse an einer deutschen Universität. Die Professorin an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU), die sich kritisch mit „Trans-Identitäten“ auseinandersetzen will, ist ins Visier linker Studentenverbände geraten. Die Aktivisten fordern nicht weniger als den Rauswurf der Professorin und ein Campusverbot."

https://www.welt.de/politik/deutschland/article6a5d716fc72232627649d969/uni-duesseldorf-professorin-haelt-vortrag-ueber-trans-identitaeten-studenten-fordern-rauswurf.html?icid=search.product.onsitesearch

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Übrigens ist niemand im falschen Körper. Wer seiner eigenen Körper nicht akzeptieren kann, hat ein psychisches Problem und braucht eine Therapie, keine Operation.

Jeder hat nur einen Körper, und kein Mann weiß, wie es ist, eine Frau zu sein oder umgekehrt. Die Vorstellung, dass es einem besser ginge, wenn man einen anderen Körper hätte, ist Teil der psychischen Störung.

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Willy, hierin sind wir uns völlig einig. Ich habe hier eine Grundproblematik und eine bestimmte Entwicklung geschidert, nicht die absurden Konsequenzen, die eine im Netz - und ich glaube, nur da - überrepräsentativ sichtbare Gemeinschaft von, nun ja, Sonderlingen daraus ableitet. Meine Ebene ist hierbei im Wesentlichen der diesbezügliche Diskurs in den Geisteswissenschaften, nicht das, was Sonstwie-Aktivisten daraus gemacht haben.

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Und ich bin auch der Meinung, es ist sehr von hinten gedacht, dieses ganze Überthema Sex vs. Gender, Soziales Geschlecht und Inter-Transsexualität aus der Perspektive der vielfältigen Popkultur- Subkultur-Selbsthilfegruppen- und Popdiskurse sowie sumpfigen Niederungen anzugehen, die sich damit befassen, statt zunächst einmal die ethnologischen, humanbiologischen und anthropologischen Diskurse im Auge zu haben, in denen das seinen Ausgang genommen hat.

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Selbst in der Popkultur der 1970er und 1980er Jahre waren wir ja schonmal weiter, wenn man an David Bowie und Boy George denkt.

Natürlich ist es wichtig, die ethnologischen und anthropoligschen und biologischen Diskurse als wesentliche zu nehmen. Aber das schließt eben auch mit ein, hier die Absurditäten zu benenen, die sich aus solchen Formen ergeben, wo Wissenschaft mit Aktivismus verwechselt wird.

Die therapeutische Situation ist nochmal eine andere. Und darin geht es eben auch um Menschenleben. Und da muß gerade bei Jugendlichen sehr genau geprüft werden, was an Problemen vorliegt. Wenn immer mehr Frauen gerne ins Männliche wollen, so kann das durchaus auch etwas mit der Frauenrolle in der gegenwärtigen Gesellschaft zu tun habe, was mit dem Erfolgsdruck anfängt, der gerade auf Frauenkörpern im Sinne bestimmte Schönheitsideale lastet. All das sind Aspekte, die nur bei der Betrachtung des konkreten Falls genauer geschaut werden können. Und da hilft es keineswegs, wenn Trans-Aktivisten im Internet Anleitungen für Psychofragebögen bereitstellen, damit über die richtig gewählten Antworten dann auch das erwünschte Ergebnis Transition zustande kommt.

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Dem stimme ich völlig zu. Wobei meine Ausgangssituation zunächst die des Historikers und Historischen Anthropologen ist, der sich mit Rassismus, Sozialbiologismus und Körpergeschichte beschäftigt hat und den Fluss sozusagen ab der Quelle gefahren ist, die sumpfigen Niederungen aber kaum mitbekommen hat. Und der dann in einer ganz anderen Umgebung, nämlich dem Internet, mit der Absurdistan-Variante konfrontiert wurde, und dann drittens nochmal mit dem Zerrbild, das sich die Rechte von der Thematik macht.

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