Montag, 15. Mai 2017
Strange Days 2: Das Training
Ich mache gerade eine berufliche Fortbildung. Ein Teil der KollegInnen ist in einem Alter, dass sie meine Kinder sein könnten. Und im Unterschied zu jungen Leuten die ich sonst so kenne sind sie um Welten weg von meiner Lebensrealität.

Durchwegs sind die alle nett und sympathisch, aber eben anders. Als ein paar der Junx einen bunten Abend machten sah das so aus: Während getrunken und gekifft wurde klickte jeder auf sein Smartphone und surfte Seiten an, wo entweder Slapsticks bzw. Sitcoms liefen oder Hardcore-Porno, und dann zeigte man sich das gegenseitig. Eigentliche Gespräche fanden nicht statt. Als ich an einer Fortsetzung kein Interesse hatte wurde ich besorgt gefragt ob ich ein ernstes Problem hätte.

Dann unterhielt ich mich mit den Ladies, das war nicht besser. Die meinten, sie hätten ein Problem damit dass sie wochenlang nicht zu Hause wären und ihre Freunde nun den Haushalt zu führen hätten und die Damen der Nachbarschaft schon sich die Mäuler darüber zerrissen, was für Rabenfrauen sie wären. Fast wäre es mir über die Zunge gerutscht zu fragen in welchem Jahrhundert die denn lebten, stattdessen erwiderte ich, in meiner Welt sei es selbstverständlich, nach dem Abi in eine andere Stadt zu ziehen, dort in einer WG mit gemeinsamer Haushaltskasse zu leben die die Funktion der Kleinfamilie übernimmt und sich in neuen Lebenssituationen und neuen Beziehungen auszuprobieren, nach den Semesteranfangsparties werden die Liebschaften eh neu sortiert. Die Reaktion: Pures Entsetzen.


Meine Erzählungen aus dem Nahen Osten oder von Bergtouren stoßen auch auf große Zweifel und Glaubwürdigkeitsprobleme, Ballermann 6 ist das größte, was die reisetechnisch mal erlebt haben, die Interrail-Tramper-Travellerwelt aus meiner Jugendzeit ist denen unvorstellbar.

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Willkommen in den 2010ern! Ich wette, die denken auch, Promiskuität wäre bei Männern normal und selbige praktizierende Frauen Schlampen und ganz sicher sind die entsprechenden Frauen rasiert oder gewaxt und können sich nichts Anderes vorstellen. Moderne Jugend halt.

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Woher weißt Du das? Das klingt ja als seiest Du dabeigewesen. Um solche Themen drehte sich ein Teil der Unterhaltungen mit denen in der Tat.

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Bei den jungen Frauen
mache ich andere Beobachtungen. Auslandsjahr nach dem Abi ist fast schon Standard, und je exotischer, desto besser.

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Na ja, die kommen aus Handwerkerfamilien vom Dorf, wo der Feuerwehrball das Top Event ist. Klar, für meine Nichte ist Trecking durch Myanmar und Sumatra Standard.

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Hoffentlich gilt Trekking nicht als Ausdruck von Kosmopolitismus.

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Kosmopolit oder Internationalist, das ist immer die Frage;-)

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Was ist ein Internationalist?

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Ein Internationalist ist ein Linker, der sich auf die internationale Solidarität bezieht, ein Kosmopolit ist ein Weltbürger, der auch Liberaler oder Weltreligiöser sein kann. In den Kontexten in denen ich zuhause bin ist Kosmopolit fast ein Schimpfwort, es meint den arrivierten Angehörigen einer Weltelite.

Horkdorno: "Die Dialektik der Aufklärung schlägt objektiv in den Wahnsinn um.

Der Wahnsinn ist zugleich einer der politischen Realität. Als dichtes Gewebe neuzeitlicher Kommunikation ist die Welt so einheitlich geworden, daß die Unterschiede der Diplomatenfrühstücke in Dumbarton Oaks und Persien als nationales Timbre erst ausgesonnen werden müssen und die nationale Eigenart vornehmlich an den nach Reis hungernden Millionen erfahren wird, die durch die engen Maschen gefallen sind. Während die Fülle der Güter, die überall und zur gleichen Zeit produziert werden könnten, den Kampf um Rohmaterialien und Absatzgebiete stets anachronistischer erscheinen läßt, ist doch die Menschheit in ganz wenige bewaffnete Machtblöcke aufgeteilt. Sie konkurrieren erbarmungsloser als je die Firmen anarchischer Warenproduktion und streben der wechselseitigen Liquidierung zu. Je aberwitziger der Antagonismus, desto starrer die Blöcke. Nur indem die totale Identifikation mit diesen Machtungeheuern den in ihren Großräumen Anbetroffenen als zweite Natur aufgeprägt wird und alle Poren des Bewußtseins verstopft, werden die Massen zu der Art absoluter Apathie verhalten, die sie zu den Wunderleistungen befähigt. Sofern den Einzelnen Entscheidung noch überlassen scheint, ist diese doch wesentlich vorentschieden. Die von den Politikern der Lager ausposaunte Unversöhnlichkeit der Ideologien ist selber nur noch eine Ideologie der blinden Machtkonstellation. Das Ticketdenken, Produkt der Industrialisierung und ihrer Reklame, mißt den internationalen Beziehungen sich an. "

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