Dienstag, 20. Dezember 2016
Keine Sicherheit in Afghanistan
che2001, 13:07h
Via Flüchtlingsrat Niedersachsen:
Thomas Ruttig ist Co-Direktor des Afghanistan Analysts Networks, einem unabhängigen Thinktank. Erstmals war er 1983 in Afghanistan, seit 1988 hat er sich immer wieder für lange Zeit dort aufgehalten, um als Diplomat, UN- und EU-Mitarbeiter, dann als unabhängiger Analyst den Konflikt zu beobachten. Er spricht Paschtu und Dari und kennt auch den Süden, die Hochburg der Taliban.
Auf der Veranstaltung des Flüchtlingsrats am 2.12.2016 referierte Thomas Ruttig zur aktuellen Lage in Afghanistan. Im FAKT-Beitrag des mdr „Kritik an geplanten Rückführungen“ trat er als Fachmann auf. Auf seiner Homepage führt er aus:
„Begriffe wie “sichere Gebiete” oder “interne Fluchtalternativen” sind nur Hilfskonstruktionen. So wie auch der Begriff “ausreichend sicher” (den u.a. de Maizière verwendet) oder, wie in AA-Einschätzungen, Begriffe wie „kontrollierbare, überwiegend kontrollierbare ausreichend kontrollierbare, überwiegend nicht kontrollierbare, nicht kontrollierbare Sicherheitslage“ – was dann, bei konkreten Bewertungen, wie z.B. nach dem Taleban-Angriff aus Kundus, zu schwer verständlichen Einschätzungen führt wie „ausreichend kontrollierbar, zeitweise jedoch überwiegend nicht kontrollierbar“ – und damit auf die Fluidität der Situation hinweist. “Sichere Gebiete” aber sollten ja über längere Dauer stabil und wohl auch wirtschaftlich lebensfähig sein.“
Wir dokumentieren hier seinen Vortrag in Stichpunkten sowie nachfolgend sein Interview mit der Süddeutschen Zeitung vom 16.12.2016:
________________________________________
Abschiebung nach Afghanistan:
“Afghanistan ist zweifelsfrei kein sicheres Herkunftsland”
Die Bundesregierung schickt 34 Afghanen zurück in ihre Heimat. Teile des Landes seien “sicher genug”. Analyst Thomas Ruttig sieht die Lage ganz anders.
Interview von Moritz Matzner
SZ.de: Herr Ruttig, teilen Sie die Einschätzung der Bundesregierung, dass es in Afghanistan Regionen gibt, die sicher genug sind?
Thomas Ruttig: Begriffe wie “sicher genug” sind wohl deswegen so vage formuliert, damit man sie nicht überprüfen kann. Was sind denn die Kriterien? Die Regierung sagt, sie informiert das Parlament, die Öffentlichkeit. Doch die Berichte sind unter Verschluss.
Afghanistan ist zweifelsfrei kein “sicheres Herkunftsland”. Die Situation dort gehört [mindestens] in die Top 5 der intensivsten Konflikte weltweit [sagen renommierte Friedensforschungsinstitute wie das Stockholmer SIPRI, das – glaube ich – Afghanistan sogar auf Platz 2 hat].
Aber bezieht sich das auf das ganze Land?
Es gibt nur mehr oder weniger unsichere Gebiete – aber das ist alles. Bamiyan etwa wird immer als Positivbeispiel genannt, wo es zwischen September 2015 und Mai 2016 nach offiziellen Angaben einer EU-Agentur 33 sogenannte sicherheitsrelevante Zwischenfälle gab. Das ist nur im Vergleich wenig.
Außerdem: Man kann die Provinzen nicht getrennt voneinander betrachten. Ich war selbst Ende Mai in Bamiyan. Man kommt nur per Flugzeug hin, alle Straßen, die aus der Provinz herausführen, sind zu; die Taliban kontrollieren also den Zugang. Da überlegen Sie sich mal, wie sicher Sie sich fühlen, wenn Sie ringsherum belagert werden.
Wie erklären Sie sich dann die Entscheidung der Bundesregierung, die Menschen jetzt zurückzuschicken?
Es ist eine rein innenpolitische Entscheidung. Nicht die Sicherheitslage in Afghanistan, sondern die politische Stimmung in Deutschland ist für diesen Beschluss ausschlaggebend gewesen.
Wieso trifft es ausgerechnet die Afghanen?
Die Afghanen sind die zweitgrößte Flüchtlingsgruppe in Deutschland. Wenn man also jetzt Asylsuchende loswerden will, dann ist es klar, dass man da ansetzt. Dass in Afghanistan weiterhin Krieg herrscht, ist in Deutschland nicht mehr so im Bewusstsein. Kabul ist nicht Aleppo. Aber es war mal wie Aleppo.
Nach dem Fall von Kundus an die Taliban im Herbst 2015 und deren Vorrücken in anderen Provinzen ist die Zahl der Binnenflüchtlinge stärker gestiegen als in den letzten 15 Jahren. Bei vielen ist noch die Erinnerung an die Herrschaft der Taliban präsent. Sie haben deren Vormarsch in den 90er Jahren miterlebt und wissen, wie schnell es kippen kann.
Die 34 Flüchtlinge, die jetzt abgeschoben wurden, sind erst der Anfang. Etwa 12 500 Afghanen sind “ausreisepflichtig”. Welche Zukunft erwartet sie in ihrer Heimat?
Afghanistan bleibt eines der ärmsten Länder der Welt. Konfessionelle Spannungen zwischen Schiiten und Sunniten sind zwar viel weniger präsent als etwa in Syrien oder dem Irak. Dafür gibt es ethnische Spannungen. Vor allem: Das Land befindet sich seit 40 Jahren in einem Krieg, der durch den sowjetischen Einmarsch zu Weihnachten 1979 internationalisiert wurde. In all diesen Jahren sind Kriegsverbrechen passiert, die nie aufgearbeitet wurden. Keiner der Haupttäter wurde zur Verantwortung gezogen. Um Konflikte auszutragen, gibt es keine wirklich funktionierenden politischen Kanäle und Institutionen. Die Regierung ist korrupt. Der Aufstand der Taliban ist eher ein Symptom, denn die Ursache. Viele Menschen haben sich ihnen anfangs zugewandt, weil sie keine politische Alternative sahen. Diese Front hat sich dann verhärtet.
Etliche Länder engagieren sich noch immer in Afghanistan in der Hoffnung, dass es dort besser wird. Auch Deutschland.
Die meisten Beobachter sind sich einig, dass sich die Situation in den nächsten Jahren weder stark zum Besseren noch zum Schlechteren wenden wird. Afghanistan hängt an einem Tropf, wird lediglich am Leben erhalten. Aussicht auf Besserung besteht bei einem bloßen Weiter-so nicht. Und die Situation kann sich durchaus verschlechtern. Falls zum Beispiel Donald Trump als US-Präsident ab nächstem Jahr die amerikanischen Truppen abzieht, oder die finanzielle Hilfe stark verringert, kann sich die Situation rapide verschlechtern.
weitere Infos:
Afghanistan Zhaghdablai ~ Thomas Ruttig über Afghanistan
--
Flüchtlingsrat Niedersachsen e.V.
Röpkestr. 12
30173 Hannover
Thomas Ruttig ist Co-Direktor des Afghanistan Analysts Networks, einem unabhängigen Thinktank. Erstmals war er 1983 in Afghanistan, seit 1988 hat er sich immer wieder für lange Zeit dort aufgehalten, um als Diplomat, UN- und EU-Mitarbeiter, dann als unabhängiger Analyst den Konflikt zu beobachten. Er spricht Paschtu und Dari und kennt auch den Süden, die Hochburg der Taliban.
Auf der Veranstaltung des Flüchtlingsrats am 2.12.2016 referierte Thomas Ruttig zur aktuellen Lage in Afghanistan. Im FAKT-Beitrag des mdr „Kritik an geplanten Rückführungen“ trat er als Fachmann auf. Auf seiner Homepage führt er aus:
„Begriffe wie “sichere Gebiete” oder “interne Fluchtalternativen” sind nur Hilfskonstruktionen. So wie auch der Begriff “ausreichend sicher” (den u.a. de Maizière verwendet) oder, wie in AA-Einschätzungen, Begriffe wie „kontrollierbare, überwiegend kontrollierbare ausreichend kontrollierbare, überwiegend nicht kontrollierbare, nicht kontrollierbare Sicherheitslage“ – was dann, bei konkreten Bewertungen, wie z.B. nach dem Taleban-Angriff aus Kundus, zu schwer verständlichen Einschätzungen führt wie „ausreichend kontrollierbar, zeitweise jedoch überwiegend nicht kontrollierbar“ – und damit auf die Fluidität der Situation hinweist. “Sichere Gebiete” aber sollten ja über längere Dauer stabil und wohl auch wirtschaftlich lebensfähig sein.“
Wir dokumentieren hier seinen Vortrag in Stichpunkten sowie nachfolgend sein Interview mit der Süddeutschen Zeitung vom 16.12.2016:
________________________________________
Abschiebung nach Afghanistan:
“Afghanistan ist zweifelsfrei kein sicheres Herkunftsland”
Die Bundesregierung schickt 34 Afghanen zurück in ihre Heimat. Teile des Landes seien “sicher genug”. Analyst Thomas Ruttig sieht die Lage ganz anders.
Interview von Moritz Matzner
SZ.de: Herr Ruttig, teilen Sie die Einschätzung der Bundesregierung, dass es in Afghanistan Regionen gibt, die sicher genug sind?
Thomas Ruttig: Begriffe wie “sicher genug” sind wohl deswegen so vage formuliert, damit man sie nicht überprüfen kann. Was sind denn die Kriterien? Die Regierung sagt, sie informiert das Parlament, die Öffentlichkeit. Doch die Berichte sind unter Verschluss.
Afghanistan ist zweifelsfrei kein “sicheres Herkunftsland”. Die Situation dort gehört [mindestens] in die Top 5 der intensivsten Konflikte weltweit [sagen renommierte Friedensforschungsinstitute wie das Stockholmer SIPRI, das – glaube ich – Afghanistan sogar auf Platz 2 hat].
Aber bezieht sich das auf das ganze Land?
Es gibt nur mehr oder weniger unsichere Gebiete – aber das ist alles. Bamiyan etwa wird immer als Positivbeispiel genannt, wo es zwischen September 2015 und Mai 2016 nach offiziellen Angaben einer EU-Agentur 33 sogenannte sicherheitsrelevante Zwischenfälle gab. Das ist nur im Vergleich wenig.
Außerdem: Man kann die Provinzen nicht getrennt voneinander betrachten. Ich war selbst Ende Mai in Bamiyan. Man kommt nur per Flugzeug hin, alle Straßen, die aus der Provinz herausführen, sind zu; die Taliban kontrollieren also den Zugang. Da überlegen Sie sich mal, wie sicher Sie sich fühlen, wenn Sie ringsherum belagert werden.
Wie erklären Sie sich dann die Entscheidung der Bundesregierung, die Menschen jetzt zurückzuschicken?
Es ist eine rein innenpolitische Entscheidung. Nicht die Sicherheitslage in Afghanistan, sondern die politische Stimmung in Deutschland ist für diesen Beschluss ausschlaggebend gewesen.
Wieso trifft es ausgerechnet die Afghanen?
Die Afghanen sind die zweitgrößte Flüchtlingsgruppe in Deutschland. Wenn man also jetzt Asylsuchende loswerden will, dann ist es klar, dass man da ansetzt. Dass in Afghanistan weiterhin Krieg herrscht, ist in Deutschland nicht mehr so im Bewusstsein. Kabul ist nicht Aleppo. Aber es war mal wie Aleppo.
Nach dem Fall von Kundus an die Taliban im Herbst 2015 und deren Vorrücken in anderen Provinzen ist die Zahl der Binnenflüchtlinge stärker gestiegen als in den letzten 15 Jahren. Bei vielen ist noch die Erinnerung an die Herrschaft der Taliban präsent. Sie haben deren Vormarsch in den 90er Jahren miterlebt und wissen, wie schnell es kippen kann.
Die 34 Flüchtlinge, die jetzt abgeschoben wurden, sind erst der Anfang. Etwa 12 500 Afghanen sind “ausreisepflichtig”. Welche Zukunft erwartet sie in ihrer Heimat?
Afghanistan bleibt eines der ärmsten Länder der Welt. Konfessionelle Spannungen zwischen Schiiten und Sunniten sind zwar viel weniger präsent als etwa in Syrien oder dem Irak. Dafür gibt es ethnische Spannungen. Vor allem: Das Land befindet sich seit 40 Jahren in einem Krieg, der durch den sowjetischen Einmarsch zu Weihnachten 1979 internationalisiert wurde. In all diesen Jahren sind Kriegsverbrechen passiert, die nie aufgearbeitet wurden. Keiner der Haupttäter wurde zur Verantwortung gezogen. Um Konflikte auszutragen, gibt es keine wirklich funktionierenden politischen Kanäle und Institutionen. Die Regierung ist korrupt. Der Aufstand der Taliban ist eher ein Symptom, denn die Ursache. Viele Menschen haben sich ihnen anfangs zugewandt, weil sie keine politische Alternative sahen. Diese Front hat sich dann verhärtet.
Etliche Länder engagieren sich noch immer in Afghanistan in der Hoffnung, dass es dort besser wird. Auch Deutschland.
Die meisten Beobachter sind sich einig, dass sich die Situation in den nächsten Jahren weder stark zum Besseren noch zum Schlechteren wenden wird. Afghanistan hängt an einem Tropf, wird lediglich am Leben erhalten. Aussicht auf Besserung besteht bei einem bloßen Weiter-so nicht. Und die Situation kann sich durchaus verschlechtern. Falls zum Beispiel Donald Trump als US-Präsident ab nächstem Jahr die amerikanischen Truppen abzieht, oder die finanzielle Hilfe stark verringert, kann sich die Situation rapide verschlechtern.
weitere Infos:
Afghanistan Zhaghdablai ~ Thomas Ruttig über Afghanistan
--
Flüchtlingsrat Niedersachsen e.V.
Röpkestr. 12
30173 Hannover
... link (0 Kommentare) ... comment
Sonntag, 18. Dezember 2016
Gegen Isolation, gegen den rassistischen Normalzustand
che2001, 12:57h
Wollershausen: Geflüchtete und Unterstützer*innen protestieren gegen
Isolation und Einschüchterung
Am Freitag, 16.12., demonstrierten insgesamt 60 Geflüchtete und
Unterstützer*innen in dem Dorf Wollershausen im Landkreis Göttingen für
menschenwürdige Lebensbedingungen. Sie kritisierten die isolierende
Unterbringung in einer Massenunterkunft, den unzureichenden Zugang zu
Deutschkursen sowie die Abgeschiedenheit und das Fehlen bezahlbarer
Transportmittel. Deutlich wurde, dass sie sich durch Ignoranz und
Einschüchterung nicht mundtot machen lassen.
Im Rahmen der Kundgebung ergriffen die Geflüchteten die Gelegenheit am
Mikrofon zu Wort zu kommen und ihre Situation zu schildern. Kernpunkte
ihrer Forderungen sind der Wunsch nach Teilhabe und einem “ganz normalen
Leben”, sowie eine Zukunft für sich und ihre Kinder in Deutschland. Sie
wandten sich gegen den Terror von Abschiebungen, Sozialkürzungen und
Diskriminierung bei Behördengängen.
Bereits am 4.11.2016 hatte es Proteste von Geflüchteten in Wollershausen
gegeben. Um ihre Anliegen erneut in den Fokus zu rücken und ihnen zu
signalisieren, dass sie in ihrem Kampf nicht alleine stehen, war dieses
Mal ein Bus von Unterstützer*innen aus Göttingen angereist. “Wer
versucht, einzelne einzuschüchtern, legt sich mit uns allen an! Wir
setzen uns gemeinsam für die Verwirklichung der erhobenen Forderungen
ein.” so eine Sprecherin der Basisdemokratischen Linken.
Die Forderungen der Geflüchteten in Wollershausen:
Wir wollen richtige Integration statt Isolierung.
Wir wollen gut strukturierte Deutschkurse für die unterschiedlichen
Niveaus. Das würde uns mehr Motivation und Hoffnung auf eine Zukunft in
Deutschland geben.
Wir wünschen uns Förderung für Fahrten nach Göttingen für diejenigen,
die dort Deutschkurse besuchen oder dies in Zukunft machen wollen.
Wir fordern Internetzugang, um an Informationen zu kommen und
Kommunikationsmöglichkeiten zu haben, sowie Fernsehen mit
unterschiedlichen Kanälen zum Zeitvertreib.
Wir wünschen uns mehr Kontakt zur deutschen Bevölkerung, statt einer
Isolierung der Asylbewerber.
Wir wollen, dass man uns zuhört anstatt uns einzuschüchtern!
Isolation und Einschüchterung
Am Freitag, 16.12., demonstrierten insgesamt 60 Geflüchtete und
Unterstützer*innen in dem Dorf Wollershausen im Landkreis Göttingen für
menschenwürdige Lebensbedingungen. Sie kritisierten die isolierende
Unterbringung in einer Massenunterkunft, den unzureichenden Zugang zu
Deutschkursen sowie die Abgeschiedenheit und das Fehlen bezahlbarer
Transportmittel. Deutlich wurde, dass sie sich durch Ignoranz und
Einschüchterung nicht mundtot machen lassen.
Im Rahmen der Kundgebung ergriffen die Geflüchteten die Gelegenheit am
Mikrofon zu Wort zu kommen und ihre Situation zu schildern. Kernpunkte
ihrer Forderungen sind der Wunsch nach Teilhabe und einem “ganz normalen
Leben”, sowie eine Zukunft für sich und ihre Kinder in Deutschland. Sie
wandten sich gegen den Terror von Abschiebungen, Sozialkürzungen und
Diskriminierung bei Behördengängen.
Bereits am 4.11.2016 hatte es Proteste von Geflüchteten in Wollershausen
gegeben. Um ihre Anliegen erneut in den Fokus zu rücken und ihnen zu
signalisieren, dass sie in ihrem Kampf nicht alleine stehen, war dieses
Mal ein Bus von Unterstützer*innen aus Göttingen angereist. “Wer
versucht, einzelne einzuschüchtern, legt sich mit uns allen an! Wir
setzen uns gemeinsam für die Verwirklichung der erhobenen Forderungen
ein.” so eine Sprecherin der Basisdemokratischen Linken.
Die Forderungen der Geflüchteten in Wollershausen:
Wir wollen richtige Integration statt Isolierung.
Wir wollen gut strukturierte Deutschkurse für die unterschiedlichen
Niveaus. Das würde uns mehr Motivation und Hoffnung auf eine Zukunft in
Deutschland geben.
Wir wünschen uns Förderung für Fahrten nach Göttingen für diejenigen,
die dort Deutschkurse besuchen oder dies in Zukunft machen wollen.
Wir fordern Internetzugang, um an Informationen zu kommen und
Kommunikationsmöglichkeiten zu haben, sowie Fernsehen mit
unterschiedlichen Kanälen zum Zeitvertreib.
Wir wünschen uns mehr Kontakt zur deutschen Bevölkerung, statt einer
Isolierung der Asylbewerber.
Wir wollen, dass man uns zuhört anstatt uns einzuschüchtern!
... link (0 Kommentare) ... comment
Dienstag, 13. Dezember 2016
Die Abschiebung von Samir Narang stoppen!
che2001, 16:17h
Der Fall von Samir wird kommenden Montag vor der Hamburger
Härtefallkommission behandelt, unterstützt deshalb bitte die Petition, um
seine Abschiebung zu stoppen! Rückfragen können gerne an Rebecca von Ghyczy
(rebecca.ghyczy@outlook.com) gerichtet werden.
Zur Petition:
https://www.change.org/p/bundesamst-f%C3%BCr-mitgration-keine-abschiebung-afghanischer-hindu-herr-samir-narang
Samir Narang wurde am Donnerstag den 08.12.2016 in der Zentralen
Ausländerbehörde in der Amsinckstraße Hamburg festgenommen als er den
Antrag auf Verlängerung seiner Duldung stellen wollte. Anschließend wurde
er dem Haftrichter in Abwesenheit seines eigenen Anwaltes vorgeführt. Er
befindet sich nun in Abschiebehaft in Büren und soll nach der Familie
bekannten Angaben am 14.12.2016 nach Afghanistan abgeschoben werden.
Samir Narang ist vor vier Jahren als afghanischer Flüchtling und
Angehöriger der verfolgten religiösen Minderheit der Hindus nach
Deutschland gekommen. Politisches Asyl wurde ihm von den deutschen Behörden
verwehrt. Eine Abschiebung stellt für Samir als Hindu und somit Angehöriger
einer in Afghanistan verfolgten religiösen Minderheit und der vor Ort
vorherrschenden Sicherheitslage jedoch eine Gefahr für Leib und Leben dar.
Er erhielt deshalb eine Duldung. Innerhalb der vier Jahre, die Samir Narang
in Deutschland als Geduldeter lebte, hat er sich hier gut integriert: Er
spricht fließend Deutsch und er hat viele deutsche Freunde. Aktuell sieht
er seine einzige Zukunft mit einer Perspektive in Deutschland und ist
gerade auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz gewesen, nachdem er in der
Vergangenheit bereits mehrere Praktika absolviert und sich ehrenamtlich
engagiert hat.
Samir Narang ist, wie viele Hindus in Afghanistan in einer Schattenwelt im
Hindutempel aufgewachsen, versteckt vor täglichen Übergriffen auf Hindus
und Sikhs durch die afghanische Mehrheitsgesellschaft. Dadurch spricht er
lediglich den Dialekt der afghanischen Hindus „Multani“ und keine der
afghanischen Amtssprachen.
Der Umgang mit religiösen Minderheiten in Afghanistan ist mit dem
international geltenden Völkerrecht nicht vereinbar. Hindus haben in
Afghanistan noch immer mit Diskriminierung in allen öffentlichen Bereichen
des Lebens zu kämpfen. Hindus werden verfolgt, geächtet und misshandelt und
auf offener Straße angegriffen. Sie sind Bürger zweiter Klasse,
werden ausgegrenzt, schikaniert, angespuckt, daran gehindert, ihre Religion
auszuleben und illegal enteignet. Schutz vom Staat erhalten sie nicht. Ihre
Gesundheit und Unversehrtheit ist durch die afghanischen Behörden und
Sicherheitskräfte keineswegs sichergestellt.
Man sieht Samir Narang auf den ersten Blick an, dass er Hindu ist, er hat
das hinduistische Zeichen „Om“ auf seinem Handrücken tätowiert. Darüber
hinaus hat er in Afghanistan keinerlei Bezugspersonen, da der Großteil der
hinduistischen Gemeinde das Land seit der massiven Zunahme der Verfolgung
in den 1980er Jahren und wiederholten Angriffen seit dem Ausbruch des
Bürgerkrieges 2001 verlassen hat. Von einst 100.000 Hindus und Sikhs in
Afghanistan sind nur noch um die 2.500 übrig. Seine gesamte Familie ist in
der Zwischenzeit ebenfalls nach Deutschland geflohen. Ohne familiären
Rückhalt drohen Samir Narang bei einer Rückführung nach Afghanistan
Obdachlosigkeit, Perspektivlosigkeit, Diskriminierung und Unterdrückung.
Sein Leben ist aufgrund der aktuellen Lage in Afghanistan akut bedroht.
Härtefallkommission behandelt, unterstützt deshalb bitte die Petition, um
seine Abschiebung zu stoppen! Rückfragen können gerne an Rebecca von Ghyczy
(rebecca.ghyczy@outlook.com) gerichtet werden.
Zur Petition:
https://www.change.org/p/bundesamst-f%C3%BCr-mitgration-keine-abschiebung-afghanischer-hindu-herr-samir-narang
Samir Narang wurde am Donnerstag den 08.12.2016 in der Zentralen
Ausländerbehörde in der Amsinckstraße Hamburg festgenommen als er den
Antrag auf Verlängerung seiner Duldung stellen wollte. Anschließend wurde
er dem Haftrichter in Abwesenheit seines eigenen Anwaltes vorgeführt. Er
befindet sich nun in Abschiebehaft in Büren und soll nach der Familie
bekannten Angaben am 14.12.2016 nach Afghanistan abgeschoben werden.
Samir Narang ist vor vier Jahren als afghanischer Flüchtling und
Angehöriger der verfolgten religiösen Minderheit der Hindus nach
Deutschland gekommen. Politisches Asyl wurde ihm von den deutschen Behörden
verwehrt. Eine Abschiebung stellt für Samir als Hindu und somit Angehöriger
einer in Afghanistan verfolgten religiösen Minderheit und der vor Ort
vorherrschenden Sicherheitslage jedoch eine Gefahr für Leib und Leben dar.
Er erhielt deshalb eine Duldung. Innerhalb der vier Jahre, die Samir Narang
in Deutschland als Geduldeter lebte, hat er sich hier gut integriert: Er
spricht fließend Deutsch und er hat viele deutsche Freunde. Aktuell sieht
er seine einzige Zukunft mit einer Perspektive in Deutschland und ist
gerade auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz gewesen, nachdem er in der
Vergangenheit bereits mehrere Praktika absolviert und sich ehrenamtlich
engagiert hat.
Samir Narang ist, wie viele Hindus in Afghanistan in einer Schattenwelt im
Hindutempel aufgewachsen, versteckt vor täglichen Übergriffen auf Hindus
und Sikhs durch die afghanische Mehrheitsgesellschaft. Dadurch spricht er
lediglich den Dialekt der afghanischen Hindus „Multani“ und keine der
afghanischen Amtssprachen.
Der Umgang mit religiösen Minderheiten in Afghanistan ist mit dem
international geltenden Völkerrecht nicht vereinbar. Hindus haben in
Afghanistan noch immer mit Diskriminierung in allen öffentlichen Bereichen
des Lebens zu kämpfen. Hindus werden verfolgt, geächtet und misshandelt und
auf offener Straße angegriffen. Sie sind Bürger zweiter Klasse,
werden ausgegrenzt, schikaniert, angespuckt, daran gehindert, ihre Religion
auszuleben und illegal enteignet. Schutz vom Staat erhalten sie nicht. Ihre
Gesundheit und Unversehrtheit ist durch die afghanischen Behörden und
Sicherheitskräfte keineswegs sichergestellt.
Man sieht Samir Narang auf den ersten Blick an, dass er Hindu ist, er hat
das hinduistische Zeichen „Om“ auf seinem Handrücken tätowiert. Darüber
hinaus hat er in Afghanistan keinerlei Bezugspersonen, da der Großteil der
hinduistischen Gemeinde das Land seit der massiven Zunahme der Verfolgung
in den 1980er Jahren und wiederholten Angriffen seit dem Ausbruch des
Bürgerkrieges 2001 verlassen hat. Von einst 100.000 Hindus und Sikhs in
Afghanistan sind nur noch um die 2.500 übrig. Seine gesamte Familie ist in
der Zwischenzeit ebenfalls nach Deutschland geflohen. Ohne familiären
Rückhalt drohen Samir Narang bei einer Rückführung nach Afghanistan
Obdachlosigkeit, Perspektivlosigkeit, Diskriminierung und Unterdrückung.
Sein Leben ist aufgrund der aktuellen Lage in Afghanistan akut bedroht.
... link (0 Kommentare) ... comment
Montag, 5. Dezember 2016
Noch einmal zum Matthias-Lange-Preis für Fluchthilfe
che2001, 09:36h
Rede der Preisträgerin Franziska Hagelstein
Meine Damen und Herren,
ich danke ihnen ganz herzlich für diese Auszeichnung.
Vor allem aber, möchte ich meinem Mann Thomas, danken, der in 32 Tagen und Nächten, trotz Angst und Aufregung, in der Lage war, dafür zu sorgen, dass wir aus dem Gefängnis entlassen wurden. Danken möchte ich auch unseren Freunden, Christoph, Sylvia, Hauke, Uschel, Dagmar und vielen anderen, die ihm mit Trost und Rat zur Seite standen. Und meinen Kindern: Fine, Lea, Wanda, sowie Omid, dass ihr in der schweren Zeit, den Mut nicht verloren habt.
Ja, dass ihr alle da seid, war so manches Mal für mich ein Licht in der Finsternis. Das Wissen, dass es Menschen gibt, denen ich wichtig bin, hat mir die Kraft gegeben, die ich damals so dringend gebraucht habe.
Und natürlich danke ich Ludwig, der mich begleitet hat, auf dieser Reise – der zusammen mit Ramesh und mir im Gefängnis saß, und der, der Halt für Ramesh in der Gefängniszelle war.
Vor zweieinhalb Jahren haben wir uns auf den Weg nach Griechenland gemacht, um einen Jungen abzuholen, von dem ich damals nur wusste, er ist der kleine Bruder, des Liebsten, meiner Tochter. Es war mir schon klar, dass er Flüchtling ist, dass er nicht einfach kommen darf, dass es illegal ist, was ich vorhabe.
Aber mein Herz und meine innere Stimme haben mir gesagt, dass es das ist, was für mich ansteht, gerade in diesem Moment.
Wäre ich damals nicht aufgebrochen, hätte ich vielleicht miterleben müssen, dass dieser kleine Bruder tragisch verunglückt, wie so viele Menschen auf der Flucht vor Krieg und Ausweglosigkeit. Das wollte ich nicht. Und so habe ich mich zum Handeln entschlossen. Heute ist mir Ramesh ans Herz gewachsen. Einen langen Weg sind wir gemeinsam gegangen und ich bereue keinen Schritt davon.
Im vergangenen Sommer hat Deutschland eine Willkommenskultur kreiert, die aus vielen Herzen sprach. Die Politik ging es damals mit, Frau Merkels Ansichten fanden Zustimmung in sehr CDU-fernen Kreisen. Inzwischen haben wir unsere Speicher mit jungen Menschen aufgefüllt – ausgesucht, wer passt, die Wirtschaft voran bringt, den Markt der Zukunft bedienen kann. Nun wendet sich die Politik, der Randgruppe zu, die aus der Enge des Herzens agiert. Und so werden in Deutschland, die Teile der Welt für sicher erklärt, die keinen Benefit versprechen, für die
Zukunft unseres Landes.
Aufgewachsen bin ich im Osten Deutschlands, so hatte ich das Glück, keiner Religion angehören zu müssen. Da die Politik in der DDR, für denkende Menschen jenseits der Pubertät, leicht zu durchschauen war, bin ich auch fast ohne Ideologie aufgewachsen. Heute bin ich frei, von diesen beiden Fesseln der Zivilisation, was nicht heißt, dass ich ohne Glauben und Ideale bin. Aber ich bin in der glücklichen Lage, sie mir frei wählen zu können. Dafür bin ich sehr dankbar.
So ist es mir vielleicht leichter möglich, aus meinem Herzen zu handeln, im Vertrauen darauf, dass ich meine Wahrheit kenne.
Vor gut zwei Jahren wollte ich Ramesh, der damals 14 Jahre alt war, nach Deutschland holen, um ihn in Sicherheit zu bringen. Dieser Impuls war nicht politisch, er war menschlich. Das Wort Flüchtlingskrise war noch nicht erfunden, obwohl auch damals viele Menschen unterwegs waren, auf der Suche nach einem menschenwürdigen Leben in Frieden und Freiheit. Geboren aus der Sicherheit meines eigenen Lebens, dachte ich sehr schlicht, dass ich es einfach nicht ertragen könne zu wissen – ein Kind irrt allein durch Europa. Von Rameshs großem Bruder Omid, wusste ich, wie lang und gefährlich sein Weg, von Afghanistan nach Deutschland war. Ich konnte einfach nicht zu sehen, dass sich das wiederholt. Wenn das Leid der Welt einen Namen, ein Gesicht bekommt, wenn es persönlich wird, muss man manchmal handeln. Und ja, natürlich wäre es besser, politische Lösungen zu finden, aber die dauern lange. Und wie oft, ist die politische Misere zum verzweifeln!
Und, weil es uns NICHT gelungen ist, weil wir an der bulgarisch-rumänischen Grenze SCHEITERTEN, ins Gefängnis kamen, verurteilt wurden und Ramesh in Bulgarien zurücklassen mussten, darf ich heute hier stehen und zu Ihnen sprechen.
Hätten wir es damals geschafft, wäre kein Wort darüber in der Öffentlichkeit möglich gewesen, denn dann müsste ich heute damit rechnen, von einem deutschen Gericht verurteilt zu werden.
Glauben wir wirklich, dass es Menschenleben gibt, die mehr Wert sind als andere? Hätte ich ein deutsches Kind, zum Beispiel vor dem Ertrinken gerettet, wären mir viele Ehren gewiss gewesen. Wir alle aber lassen Kinder, Männer und Frauen im Mittelmeer ertrinken, aus Angst, sie würden uns etwas wegnehmen, aus Hilfosigkeit, aus Dummheit. Weil dann vielleicht alle kommen würden? Würden Sie? Und haben wir, habe ich damit zu tun, dass sie nicht bleiben können, in den Ländern, in denen sie geboren wurden? Und warum errichten wir Zäune? Damit das Fremde draußen bleibt? Und fühle ich mich sicher, wenn es draußen ist? Oder macht es mir vielleicht gerade deshalb Angst, WEIL ich es nicht kenne, nicht kennen lernen kann, weil ich es aussperre?
Ich wünsche mir statt einer Kultur der Verunsicherung eine Kultur des Vertrauens, des Vertrauens in sich selbst, in das Gegenüber, in die Welt.
Warum schicken deutsche Behörden die Menschen nach Afghanistan zurück? Aus Angst, wir könnten zu viele werden? Aus Angst, die eigene Bevölkerung würde Druck machen, wenn sie hier blieben? Oder aus dem Vertrauen, dass Afghanistan ein guter Platz zum Leben ist? Wenn dem so wäre, dann müsste niemand in Afghanistan mit einer kugelsicheren Weste aus dem Hubschrauber steigen.
Manchmal braucht es Mut, dem eigenen Gewissen und seiner Intuition zu folgen, auch in Situationen, in denen andere mit Argumenten aufwarten, die wir vielleicht gerade nicht entkräften können, weil auch wir die Lösung noch nicht kennen. Aber um eine Lösung zu finden, müssen wir das Problem erst einmal lösen wollen.
Als meine Kinder klein waren, habe ich mir von Ihnen gewünscht, sie mögen die Wäsche zusammenlegen. Einträchtig waren sie der Meinung, das geht nicht, weil es Kleidungsstücke gibt, die einfach zu groß sind, es ist unmöglich, das kann ich nicht schaffen. Sehr oft, mal mit mehr, mal mit weniger Geduld, habe ich sie darauf hingewiesen, dass sie es erst einmal für möglich halten müssen. Lange Zeit, sahen sie nur, dass ein Pullover zu groß ist, dass sie es nicht schaffen können.
Erst wenn wir es für MÖGLICH halten, Lösungen zu finden, werden sie sich offenbaren. Heute sind meine Kinder ganz oder fast erwachsen, alle können Wäsche zusammenlegen, und meistens tun sie das auch gerne, weil sie wissen, dass sie es können. Es ist nicht wichtig, immer gleich den richtigen Weg zu kennen, viel wichtiger ist die Bereitschaft, ihn finden zu wollen und sich nicht entmutigen zu lassen, wenn wir uns einmal verirrt haben. Allein die Beschäftigung mit einem Thema, die aufrichtige Suche nach Veränderung, trägt die Lösung in sich.
Wir können nicht die Augen verschließen, die Zäune höher bauen und uns heraus reden, wenn Menschen vor unserer Haustür sterben. Das ist eine Katastrophe, eine menschliche, eine politische Katastrophe. Warum kann die Bundesregierung beschließen, dass es in Afghanistan sichere Regionen gibt? Wir müssten sagen, ich schicke dich nach Afghanistan zurück, obwohl ich weiß, dass du dort nicht sicher bist, dass es lebensgefährlich ist in Afghanistan. Aber ich schicke dich dorthin zurück, weil ich hier keinen Platz und kein Essen für dich habe, weil mir deine Gesinnung, deine Religion, dein Bildungsstand nicht passen.
Wenn wir das sagen würden, MüSSTEN wir uns fragen, ob es einen wirklichen Grund gibt, Menschen in ein Land zu schicken, in dem Krieg geführt wird, auch mit Waffen aus Deutschland. Waffen, die unseren Wohlstand sichern. Den Wohlstand, den wir nicht teilen wollen. Voll, ist das Boot Deutschland, noch lange nicht.
Im Gefängnis bin ich Ranja begegnet, einer Frau, die vor dem syrischen Krieg geflohen ist. Drei Tage haben wir die Zelle geteilt. Wir hatten keine gemeinsame Sprache, trotzdem habe ich viel über sie erfahren. Sie hat drei Kinder und einen verwundeten Mann und war auf dem Weg nach Deutschland, um hier eine Möglichkeit zu finden, ihrer Familie das Überleben zu sichern. Das sie dafür ins Gefängnis kam, hat sie, zu all der Pein, die sie schon erlitten hatte, als zusätzliche Schande empfunden. Und wenn ich meine Situation mit ihrer verglichen habe, dann war ziemlich klar, dass ich trotz meiner gefühlten Ausweglosigkeit irgendwann mein Leben in Sicherheit, Wohlstand und gesunden Familienstrukturen weiterleben würde. Gemessen an Ranjas Not hatte ich nichts zu befürchten.
Und trotzdem hat es für mich lange Zeit gedauert, bis ich mich erholt hatte. Und noch heute sagen meine Kinder, dass die Angst, die sie um mich hatten, Spuren gegraben hat, in ihre Leben.
Wie viele Menschen müssen täglich mit viel schlimmeren Erfahrungen, Erlebnissen, Bildern weiterleben, Hoffnung schöpfen aus Hoffnungslosigkeit, ihre Zukunft gestalten in ausweglosen Situationen und immer wieder neu anfangen!
Ich glaube, dass es unsere, meine Aufgabe ist, den Menschen, die sich an uns wenden, zu helfen. Sie mit den Mitteln zu unterstützen, die mir zur Verfügung stehen. Und ich glaube daran, dass jedem von uns etwas zur Verfügung steht, und sei es, die eigene Gesinnung zu überdenken und sich zu fragen, wie stelle ich mich dazu, dass die Bundesregierung behauptet, in Afghanistan könne man sicher leben, anstatt zu sagen, Menschen aus Afghanistan wollen wir hier nicht, wir nehmen lieber Syrer, die haben noch nicht so lange Krieg und sind besser ausgebildet. Aber auch von ihnen bitte nur so viele, wie Deutschland brauchen kann, um die Wirtschaft anzukurbeln und das gängige Modell am Laufen zu halten.
Grundgesetz und Asylrecht zum Trotz werden die Entscheidungen aus Angst vor der Flüchtlingsdebatte hierzulande getroffen. Das ist eine katastrophale Politik, die ihre eigenen Werte verleugnet.
Stellen sie sich vor, Ramesh würde nach Afghanistan geschickt werden, ein Land, dass er nach acht Jahren Flucht nicht einmal kennt. Was würde ihn erwarten? Er würde zum Kriegsdienst rekrutiert werden – von den Taliban oder von der Regierung. Auch er würde einer der zornigen jungen Männer werden, die die Welt zerstören. Alternativ könnte er sich das Leben nehmen. Aus genau diesem Grund ist sein älterer Bruder mit 14 Jahren von seiner Mutter weggeschickt worden, aus Afghanistan. Das kann niemand wollen, der auch nur einen Funken Anstand besitzt.
Halten wir es für möglich, dass ein Zusammenleben unterschiedlich Denkender gelingen wird. Und ich weiß, dass es viele Menschen gibt, die wollen, dass es gelingt, und die bereit sind, ihren Teil beizutragen. Einige von ihnen kenne ich, unser Land ist voll von ihnen, im vorigen Sommer habe ich es gesehen, gehört, gelesen. Zusammen gestalten wir die Zukunft, gestalten wir Europa. In Hitzacker haben wir damit begonnen. Wir bauen Neuropa – ein Dorf für 300 Menschen aller Generationen und vieler Kulturen. Möge es gelingen!
www.hitzacker-dorf.de
Hier noch ein lesenswerter Beitrag zu diesem Thema in der HAZ:
Wie Ramesh eine zweite Mutter bekam
http://www.nds-fluerat.org/21948/pressemitteilungen/fluchthilfepreis-geht-an-franziska-hagelstein/attachment/20161203130720/
Meine Damen und Herren,
ich danke ihnen ganz herzlich für diese Auszeichnung.
Vor allem aber, möchte ich meinem Mann Thomas, danken, der in 32 Tagen und Nächten, trotz Angst und Aufregung, in der Lage war, dafür zu sorgen, dass wir aus dem Gefängnis entlassen wurden. Danken möchte ich auch unseren Freunden, Christoph, Sylvia, Hauke, Uschel, Dagmar und vielen anderen, die ihm mit Trost und Rat zur Seite standen. Und meinen Kindern: Fine, Lea, Wanda, sowie Omid, dass ihr in der schweren Zeit, den Mut nicht verloren habt.
Ja, dass ihr alle da seid, war so manches Mal für mich ein Licht in der Finsternis. Das Wissen, dass es Menschen gibt, denen ich wichtig bin, hat mir die Kraft gegeben, die ich damals so dringend gebraucht habe.
Und natürlich danke ich Ludwig, der mich begleitet hat, auf dieser Reise – der zusammen mit Ramesh und mir im Gefängnis saß, und der, der Halt für Ramesh in der Gefängniszelle war.
Vor zweieinhalb Jahren haben wir uns auf den Weg nach Griechenland gemacht, um einen Jungen abzuholen, von dem ich damals nur wusste, er ist der kleine Bruder, des Liebsten, meiner Tochter. Es war mir schon klar, dass er Flüchtling ist, dass er nicht einfach kommen darf, dass es illegal ist, was ich vorhabe.
Aber mein Herz und meine innere Stimme haben mir gesagt, dass es das ist, was für mich ansteht, gerade in diesem Moment.
Wäre ich damals nicht aufgebrochen, hätte ich vielleicht miterleben müssen, dass dieser kleine Bruder tragisch verunglückt, wie so viele Menschen auf der Flucht vor Krieg und Ausweglosigkeit. Das wollte ich nicht. Und so habe ich mich zum Handeln entschlossen. Heute ist mir Ramesh ans Herz gewachsen. Einen langen Weg sind wir gemeinsam gegangen und ich bereue keinen Schritt davon.
Im vergangenen Sommer hat Deutschland eine Willkommenskultur kreiert, die aus vielen Herzen sprach. Die Politik ging es damals mit, Frau Merkels Ansichten fanden Zustimmung in sehr CDU-fernen Kreisen. Inzwischen haben wir unsere Speicher mit jungen Menschen aufgefüllt – ausgesucht, wer passt, die Wirtschaft voran bringt, den Markt der Zukunft bedienen kann. Nun wendet sich die Politik, der Randgruppe zu, die aus der Enge des Herzens agiert. Und so werden in Deutschland, die Teile der Welt für sicher erklärt, die keinen Benefit versprechen, für die
Zukunft unseres Landes.
Aufgewachsen bin ich im Osten Deutschlands, so hatte ich das Glück, keiner Religion angehören zu müssen. Da die Politik in der DDR, für denkende Menschen jenseits der Pubertät, leicht zu durchschauen war, bin ich auch fast ohne Ideologie aufgewachsen. Heute bin ich frei, von diesen beiden Fesseln der Zivilisation, was nicht heißt, dass ich ohne Glauben und Ideale bin. Aber ich bin in der glücklichen Lage, sie mir frei wählen zu können. Dafür bin ich sehr dankbar.
So ist es mir vielleicht leichter möglich, aus meinem Herzen zu handeln, im Vertrauen darauf, dass ich meine Wahrheit kenne.
Vor gut zwei Jahren wollte ich Ramesh, der damals 14 Jahre alt war, nach Deutschland holen, um ihn in Sicherheit zu bringen. Dieser Impuls war nicht politisch, er war menschlich. Das Wort Flüchtlingskrise war noch nicht erfunden, obwohl auch damals viele Menschen unterwegs waren, auf der Suche nach einem menschenwürdigen Leben in Frieden und Freiheit. Geboren aus der Sicherheit meines eigenen Lebens, dachte ich sehr schlicht, dass ich es einfach nicht ertragen könne zu wissen – ein Kind irrt allein durch Europa. Von Rameshs großem Bruder Omid, wusste ich, wie lang und gefährlich sein Weg, von Afghanistan nach Deutschland war. Ich konnte einfach nicht zu sehen, dass sich das wiederholt. Wenn das Leid der Welt einen Namen, ein Gesicht bekommt, wenn es persönlich wird, muss man manchmal handeln. Und ja, natürlich wäre es besser, politische Lösungen zu finden, aber die dauern lange. Und wie oft, ist die politische Misere zum verzweifeln!
Und, weil es uns NICHT gelungen ist, weil wir an der bulgarisch-rumänischen Grenze SCHEITERTEN, ins Gefängnis kamen, verurteilt wurden und Ramesh in Bulgarien zurücklassen mussten, darf ich heute hier stehen und zu Ihnen sprechen.
Hätten wir es damals geschafft, wäre kein Wort darüber in der Öffentlichkeit möglich gewesen, denn dann müsste ich heute damit rechnen, von einem deutschen Gericht verurteilt zu werden.
Glauben wir wirklich, dass es Menschenleben gibt, die mehr Wert sind als andere? Hätte ich ein deutsches Kind, zum Beispiel vor dem Ertrinken gerettet, wären mir viele Ehren gewiss gewesen. Wir alle aber lassen Kinder, Männer und Frauen im Mittelmeer ertrinken, aus Angst, sie würden uns etwas wegnehmen, aus Hilfosigkeit, aus Dummheit. Weil dann vielleicht alle kommen würden? Würden Sie? Und haben wir, habe ich damit zu tun, dass sie nicht bleiben können, in den Ländern, in denen sie geboren wurden? Und warum errichten wir Zäune? Damit das Fremde draußen bleibt? Und fühle ich mich sicher, wenn es draußen ist? Oder macht es mir vielleicht gerade deshalb Angst, WEIL ich es nicht kenne, nicht kennen lernen kann, weil ich es aussperre?
Ich wünsche mir statt einer Kultur der Verunsicherung eine Kultur des Vertrauens, des Vertrauens in sich selbst, in das Gegenüber, in die Welt.
Warum schicken deutsche Behörden die Menschen nach Afghanistan zurück? Aus Angst, wir könnten zu viele werden? Aus Angst, die eigene Bevölkerung würde Druck machen, wenn sie hier blieben? Oder aus dem Vertrauen, dass Afghanistan ein guter Platz zum Leben ist? Wenn dem so wäre, dann müsste niemand in Afghanistan mit einer kugelsicheren Weste aus dem Hubschrauber steigen.
Manchmal braucht es Mut, dem eigenen Gewissen und seiner Intuition zu folgen, auch in Situationen, in denen andere mit Argumenten aufwarten, die wir vielleicht gerade nicht entkräften können, weil auch wir die Lösung noch nicht kennen. Aber um eine Lösung zu finden, müssen wir das Problem erst einmal lösen wollen.
Als meine Kinder klein waren, habe ich mir von Ihnen gewünscht, sie mögen die Wäsche zusammenlegen. Einträchtig waren sie der Meinung, das geht nicht, weil es Kleidungsstücke gibt, die einfach zu groß sind, es ist unmöglich, das kann ich nicht schaffen. Sehr oft, mal mit mehr, mal mit weniger Geduld, habe ich sie darauf hingewiesen, dass sie es erst einmal für möglich halten müssen. Lange Zeit, sahen sie nur, dass ein Pullover zu groß ist, dass sie es nicht schaffen können.
Erst wenn wir es für MÖGLICH halten, Lösungen zu finden, werden sie sich offenbaren. Heute sind meine Kinder ganz oder fast erwachsen, alle können Wäsche zusammenlegen, und meistens tun sie das auch gerne, weil sie wissen, dass sie es können. Es ist nicht wichtig, immer gleich den richtigen Weg zu kennen, viel wichtiger ist die Bereitschaft, ihn finden zu wollen und sich nicht entmutigen zu lassen, wenn wir uns einmal verirrt haben. Allein die Beschäftigung mit einem Thema, die aufrichtige Suche nach Veränderung, trägt die Lösung in sich.
Wir können nicht die Augen verschließen, die Zäune höher bauen und uns heraus reden, wenn Menschen vor unserer Haustür sterben. Das ist eine Katastrophe, eine menschliche, eine politische Katastrophe. Warum kann die Bundesregierung beschließen, dass es in Afghanistan sichere Regionen gibt? Wir müssten sagen, ich schicke dich nach Afghanistan zurück, obwohl ich weiß, dass du dort nicht sicher bist, dass es lebensgefährlich ist in Afghanistan. Aber ich schicke dich dorthin zurück, weil ich hier keinen Platz und kein Essen für dich habe, weil mir deine Gesinnung, deine Religion, dein Bildungsstand nicht passen.
Wenn wir das sagen würden, MüSSTEN wir uns fragen, ob es einen wirklichen Grund gibt, Menschen in ein Land zu schicken, in dem Krieg geführt wird, auch mit Waffen aus Deutschland. Waffen, die unseren Wohlstand sichern. Den Wohlstand, den wir nicht teilen wollen. Voll, ist das Boot Deutschland, noch lange nicht.
Im Gefängnis bin ich Ranja begegnet, einer Frau, die vor dem syrischen Krieg geflohen ist. Drei Tage haben wir die Zelle geteilt. Wir hatten keine gemeinsame Sprache, trotzdem habe ich viel über sie erfahren. Sie hat drei Kinder und einen verwundeten Mann und war auf dem Weg nach Deutschland, um hier eine Möglichkeit zu finden, ihrer Familie das Überleben zu sichern. Das sie dafür ins Gefängnis kam, hat sie, zu all der Pein, die sie schon erlitten hatte, als zusätzliche Schande empfunden. Und wenn ich meine Situation mit ihrer verglichen habe, dann war ziemlich klar, dass ich trotz meiner gefühlten Ausweglosigkeit irgendwann mein Leben in Sicherheit, Wohlstand und gesunden Familienstrukturen weiterleben würde. Gemessen an Ranjas Not hatte ich nichts zu befürchten.
Und trotzdem hat es für mich lange Zeit gedauert, bis ich mich erholt hatte. Und noch heute sagen meine Kinder, dass die Angst, die sie um mich hatten, Spuren gegraben hat, in ihre Leben.
Wie viele Menschen müssen täglich mit viel schlimmeren Erfahrungen, Erlebnissen, Bildern weiterleben, Hoffnung schöpfen aus Hoffnungslosigkeit, ihre Zukunft gestalten in ausweglosen Situationen und immer wieder neu anfangen!
Ich glaube, dass es unsere, meine Aufgabe ist, den Menschen, die sich an uns wenden, zu helfen. Sie mit den Mitteln zu unterstützen, die mir zur Verfügung stehen. Und ich glaube daran, dass jedem von uns etwas zur Verfügung steht, und sei es, die eigene Gesinnung zu überdenken und sich zu fragen, wie stelle ich mich dazu, dass die Bundesregierung behauptet, in Afghanistan könne man sicher leben, anstatt zu sagen, Menschen aus Afghanistan wollen wir hier nicht, wir nehmen lieber Syrer, die haben noch nicht so lange Krieg und sind besser ausgebildet. Aber auch von ihnen bitte nur so viele, wie Deutschland brauchen kann, um die Wirtschaft anzukurbeln und das gängige Modell am Laufen zu halten.
Grundgesetz und Asylrecht zum Trotz werden die Entscheidungen aus Angst vor der Flüchtlingsdebatte hierzulande getroffen. Das ist eine katastrophale Politik, die ihre eigenen Werte verleugnet.
Stellen sie sich vor, Ramesh würde nach Afghanistan geschickt werden, ein Land, dass er nach acht Jahren Flucht nicht einmal kennt. Was würde ihn erwarten? Er würde zum Kriegsdienst rekrutiert werden – von den Taliban oder von der Regierung. Auch er würde einer der zornigen jungen Männer werden, die die Welt zerstören. Alternativ könnte er sich das Leben nehmen. Aus genau diesem Grund ist sein älterer Bruder mit 14 Jahren von seiner Mutter weggeschickt worden, aus Afghanistan. Das kann niemand wollen, der auch nur einen Funken Anstand besitzt.
Halten wir es für möglich, dass ein Zusammenleben unterschiedlich Denkender gelingen wird. Und ich weiß, dass es viele Menschen gibt, die wollen, dass es gelingt, und die bereit sind, ihren Teil beizutragen. Einige von ihnen kenne ich, unser Land ist voll von ihnen, im vorigen Sommer habe ich es gesehen, gehört, gelesen. Zusammen gestalten wir die Zukunft, gestalten wir Europa. In Hitzacker haben wir damit begonnen. Wir bauen Neuropa – ein Dorf für 300 Menschen aller Generationen und vieler Kulturen. Möge es gelingen!
www.hitzacker-dorf.de
Hier noch ein lesenswerter Beitrag zu diesem Thema in der HAZ:
Wie Ramesh eine zweite Mutter bekam
http://www.nds-fluerat.org/21948/pressemitteilungen/fluchthilfepreis-geht-an-franziska-hagelstein/attachment/20161203130720/
... link (0 Kommentare) ... comment
Samstag, 3. Dezember 2016
Solidarität ist immer noch eine Waffe und Menschlichkeit weder quantifizierbar noch teilbar
che2001, 23:47h
Und weil das so ist wurde mit Franziska Hagelstein erstmals jemand mit dem Matthias-Lange-Fluchthilfepreis ausgezeichnet. Der Namenspatron war mein langjähriger Genosse, Freund und erster Vorsitzender des Flüchtlingsrats Niedersachsen. Leider starb er viel zu früh. Mit seiner theoretischen Verortung der Flüchtlingsarbeit, bei der es darum gehe, rechtlosen Personen zunächst überhaupt zum Recht, Rechte zu haben zu verhelfen bewegte er sich in der Theorie zwischen klassischer Bürgerrechtsbewegung und Operaismus, in der Praxis zwischen Dienstleistung für die eigene Klientel und offener Revolte.
Franziska Hagelstein hat einen afghanischen Jungen, Ramesh Kuhestani, über Bulgarien (inklusive Knastaufenthalt dort) nach Deutschland gebracht und als Ziehsohn adoptiert. Bei der Veranstaltung referierte zunächst Thomas Ruttig, Co-Direktor und Mitbegründer des "Afghanistan Analyst Networks zur Situation im Lande und machte deutlich, dass von inländischen Schutz- und Sicherheitszonen nicht die Rede sein könne - in einem Land, das der deutsche Innenminister nur im gepanzerten Helikopter, mit Helm und schusssicherer Weste betritt, es aber für Andere als sicheres Land betrachtet. Im anschluss berichteten afghanische Jugendliche, darunter Ramesh Kuhestani selbst, über ihre abenteuerliche Flucht, über ihre gute Integration und Zukunftspläne in Deutschland, ihre zerrissene Familiensituation und darüber, dass es in Afghanistan keine Bleibeperspektive gibt.




Für junge Männer die keinem der einflußreichen Klans angehören gibt es in den von den Taliban kontrollierten Gebieten oft nur zwei Möglichkeiten: "Tanzjunge", d.h. männlicher Prostituierter, regelmäßige Vergewaltigung inklusive, oder Kämpfer.


Dieses Bild zeigt den Rücken eines achtjährigen Jungen, der öffentlich ausgepeitscht wurde. Die Scharia kennt kein Strafmündigkeitsalter.

Es war extrem beeindruckend, mit welcher toughness und Selbstsicherheit diese 16 Jährigen die Diskussion bestritten. Das sind so die Art gesellschaftlicher Ereignisse die ich bevorzuge.
Ach ja: Im Kommentarbereich des NDR ist dazu leider z.T. ziemlich reaktionärer Scheißdreck zu lesen.
https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/lueneburg_heide_unterelbe/Wendlaenderin-erhaelt-ersten-Fluchthilfepreis-,fluchthilfepreis100.html
Franziska Hagelstein hat einen afghanischen Jungen, Ramesh Kuhestani, über Bulgarien (inklusive Knastaufenthalt dort) nach Deutschland gebracht und als Ziehsohn adoptiert. Bei der Veranstaltung referierte zunächst Thomas Ruttig, Co-Direktor und Mitbegründer des "Afghanistan Analyst Networks zur Situation im Lande und machte deutlich, dass von inländischen Schutz- und Sicherheitszonen nicht die Rede sein könne - in einem Land, das der deutsche Innenminister nur im gepanzerten Helikopter, mit Helm und schusssicherer Weste betritt, es aber für Andere als sicheres Land betrachtet. Im anschluss berichteten afghanische Jugendliche, darunter Ramesh Kuhestani selbst, über ihre abenteuerliche Flucht, über ihre gute Integration und Zukunftspläne in Deutschland, ihre zerrissene Familiensituation und darüber, dass es in Afghanistan keine Bleibeperspektive gibt.




Für junge Männer die keinem der einflußreichen Klans angehören gibt es in den von den Taliban kontrollierten Gebieten oft nur zwei Möglichkeiten: "Tanzjunge", d.h. männlicher Prostituierter, regelmäßige Vergewaltigung inklusive, oder Kämpfer.


Dieses Bild zeigt den Rücken eines achtjährigen Jungen, der öffentlich ausgepeitscht wurde. Die Scharia kennt kein Strafmündigkeitsalter.

Es war extrem beeindruckend, mit welcher toughness und Selbstsicherheit diese 16 Jährigen die Diskussion bestritten. Das sind so die Art gesellschaftlicher Ereignisse die ich bevorzuge.
Ach ja: Im Kommentarbereich des NDR ist dazu leider z.T. ziemlich reaktionärer Scheißdreck zu lesen.
https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/lueneburg_heide_unterelbe/Wendlaenderin-erhaelt-ersten-Fluchthilfepreis-,fluchthilfepreis100.html
... link (0 Kommentare) ... comment
Dienstag, 29. November 2016
Abschiebung verhindern - Solidarität mit den Brüdern!
che2001, 09:21h
1. Dezember 2016
11 Uhr
Landtag 1, Düsseldorf
http://www.alle-bleiben.info/1-dezember-2016-11-uhr-landtag-1-dusseldorf/
Der Petitionsausschuss des Landtages entscheidet über die Perspektive der Brüder Selamet und Hikmet P., der eine hier geboren, der andere im Alter von vier Jahren als Kinder von Kriegsflüchtlingen aus dem Kosovo hergekommen.
Kommt alle ab zehn Uhr, um die Brüder zu unterstützen. Zahlreiches Erscheinen von vielen Einzelnen soll hier noch mal unterstützen, was Tatsache ist: dass beide mit ihren zahlreichen Aktivitäten nicht aus dem kulturellen und politischen Leben hier wegzudenken sind! Dass wir sie brauchen.
Es gibt schon mehrere Filme über das zerissene Leben der Brüder – die sich selbst als faktische Inländer bezeichnen. Trotz jahrelangem Durchhalten im Status der Duldung, einer Abschiebung und einer Rückkehr nach Deutschland. Ein Filmemacher aus dem Kosovo hat sie fünf Jahre lang immer wieder begleitet. Kennengelernt hatte er sie am Flughafen in Priština. 2010 wurden die zwei jüngeren Brüder abgeschoben, nach 22 Jahren in Deutschland. Fünf Jahre waren sie getrennt vom älteren Bruder, von ihren Eltern. Fünf lange Jahre, in denen ihnen aufgrund ihrer Abschiebung die Einreise nach Deutschland verboten war. Auch danach war der Weg nicht legal möglich: zu Fuß überquerten sie die Grenze, gingen durch den Wald. Einen Kompass hatten sie sich heruntergeladen, als App auf ihrem Smartphone.
2011 entschied ein deutsches Verwaltungsgericht, dass die Abschiebung ein Jahr zuvor rechtswidrig war. Doch die juristische Entscheidung blieb ohne Konsequenzen: Anstatt dass die Brüder zurückgeholt worden wären, zahlte die Familie die Kosten für die unrechtmäßige Abschiebung beim deutschen Staat ab. Beschweren darüber tun sich die drei Brüder nicht. Es ist für sie abgehakt, es gibt Wichtigeres zu tun: Sich mit anderen zusammentun, eine Initiative gründen. Daran arbeiten sie seit ihrer Rückkehr nach Deutschland. Schon ein paar Monate nach ihrer erneuten Flucht planen sie ein Fest für die BewohnerInnen einer Flüchtlingsunterkunft. Seit Sommer 2015 unterstützen sie Roma im Kampf um ihr Bleiberecht. In München spielen sie auf einer Kundgebung gegen die neugeplanten Abschiebelager. Ihr Verein, Roma Art Action, ist Initiative und Freundeskreis zugleich. Von Kundgebungen bis zu Tanz-Workshops beziehen sie mit vielem in der Gesellschaft Position und helfen anderen Betroffenen. Der Schwerpunkt der Aktivitäten liegt nicht allein auf der Unterstützung der Roma. »Wir wollen Inklusion«, sagen sie, »und wir leben Inklusion.«
Ihre Filmpremiere in Essen hatte große Resonanz. Der Oberbürgermeister war anwesend, Vertreter von Wirtschafts- und Kulturverbänden. Es schien fast so, als würden sich diese schmücken wollen mit den drei jungen Männern. Deren Aufenthaltsstatus sollte auch am Ende des Abends nicht gesichert sein. Sowohl die Protagonisten wie auch die meisten Gäste sind gegen die Sortierung von Menschen in »mit« und »ohne« Bleibeperspektive. Mark Terkessidis zum Beispiel, ein aus Berlin angereister Migrationsforscher, formuliert das stellvertretend für sehr viele im Saal: »Wenn jemand in Deutschland geboren ist, 22 Jahre hier verbracht hat, dann wirds natürlich schwierig, überhaupt noch eine ausländerrechtliche Frage daraus zu machen«. Auch im Film und jetzt im Saal anwesend sind Fahire und Xhelal, die Eltern der drei. Fahire ist durch die Erinnerung an ihre auf Zelluloid festgehaltenen Reisen in den Kosovo, wo sie versuchte ihren Söhnen zu helfen, in ernster Stimmung. Dass die Söhne in Sicherheit und in der Nähe sind, ist für sie das Wichtigste. »Erst wenn die Jungs einen sicheren Aufenthalt haben, kann ich mich beruhigen«, sagt sie.
Doch wie soll sie zur Ruhe kommen? Drei Monate, nachdem ihre beiden jüngsten Söhne nach Deutschland zurückkehren, bekam auch Hikmet, ihr Ältester, eine Abschiebungsanordnung, für den 9. April 2015. Nun wollte die Ausländerbehörde auch ihn im Kosovo sehen. Zu dem Zeitpunkt lebte Hikmet 27 Jahre lang im Ruhrgebiet, war dort zur Schule gegangen und aufgewachsen. Sein Lebenslauf erzählt von diversen kleinen kurzen Jobs, mit vielen unfreiwilligen Unterbrechungen. Zuletzt wollte er eine Ausbildung zum Tontechniker machen, was nicht ging, weil er eine Duldung hatte, die immer nur um einen Monat verlängert wurde. Auch eine feste, längere Anstellung konnte er so nicht finden.
Dabei waren die drei vorangegangen Jahre für Hikmet als so etwas wie eine Bewährungsfrist festgelegt worden: Bis 2015 werde seine Duldung verlängert, hieß es, vorausgesetzt er käme für seinen Lebensunterhalt selbst auf und ließe sich nichts zu schulden kommen. Ein faires Angebot, dachten die Richter. Und doch ein unmoralisches Angebot, für ein Vertriebenenkind »mit Duldungshintergrund« unter dem Eindruck der Abschiebung seiner Brüder. Mit dem Status Duldung zu leben ist ein Zustand der belastet und den der in Deutschland übliche Begriff »Migrationshintergrund« nicht ausreichend beschreibt. Duldung ist eine Lähmung, eine Blockade, ein Druck, der sich häufig über viele Jahre hinzieht. Die Betroffenen können sich nicht bewegen, keine Pläne machen, nicht reisen, unterliegen speziellen Regeln. Das hat Folgen. »Du fühlst dich nicht willkommen«, sagt Hikmet. »Sie wollen meine Identität löschen, sie wollen nur, dass ich verschwinde«. Seit fast 30 Jahren ist er im Ruhrgebiet und trägt an Stelle der Behörden und ihrer Sachbearbeiter die Verantwortung für die Folgen dieser Gesetze.
Schon als Kinder begannen die Brüder zu tanzen, Beats zu produzieren und Lieder zu schreiben. »Es brennt!« heißt einer von Hikmets Songs, geschrieben nach der Abschiebung seiner Brüder. Vorher sah es so aus, als hätten alle drei glänzende Karrieren als Rapper vor sich, die Auftritte häuften sich, sie bekamen die ersten Gagen und schlugen Anfragen von Labels aus, weil sich die Konditionen immer weiter verbesserten. Bis zur Abschiebung, die alle drei Brüder betraf. »Unsere Pläne froren genauso ein wie die Musik und blieben stehen«, erzählt Hikmet. Er habe es nicht geschafft, die Sorgen zu verdrängen und die eigene Karriere in Deutschland weiterzuverfolgen, ohne seine Brüder. Stattdessen jobbte er mal hier, mal da, um den Brüdern Geld zu schicken. Für ihn war die Verantwortung eine große Zumutung. Als Flüchtlingskinder wurden alle drei faktisch für Entscheidungen der Eltern verantwortlich gemacht: Auch in zweiter Generation blieben sie noch Kriegsflüchtlinge. Geflohen vor einem Krieg, an dem später die Bundesrepublik beteiligt war und in dem die Bundeswehr ihren ersten Auslandseinsatz nach 1945 hatte – in einem Land, in dem bis heute die Bundeswehr eingesetzt ist, um mit für Ordnung zu sorgen. Als Roma, das berichten Kefaet und Selami, waren sie im Kosovo starken rassistischen und nationalistischen Ausgrenzungsmechanismen ausgesetzt – nicht nur von der Mehrheitsbevölkerung: Sie berichten auch von Polizeiübergriffen und willkürlichen Festnahmen, von in letzter Minute vereitelten Angriffen und davon, dass sie manchmal nicht mit dem Bus fahren durften – wegen ihrer Hautfarbe. Die politisch engagierte Haltung der Brüder im Kosovo ist nicht gerne gesehen. Unter einer Dokumentation von Romadnes, in der beide von ihrer Situation berichten und die im Internet zu sehen ist, finden sich fast ausschließlich bedrohliche und beleidigende Kommentare, die die rassistische Stimmung gegen Roma deutlich zeigen. Roma fehlt es im Kosovo an allem, das haben Kefaet und Selamet erlebt. In den fünf Jahren nach ihrer Abschiebung haben sie versucht, sich dort irgendwas aufzubauen. Aber über kurzfristige Projekte hinaus gab es keine Perspektive.
Nach fünf Jahren im Kosovo kam Selamet mit seinem Bruder Kefaet wieder zurück. Die abgeschobenen Jahre wirken, noch, weiter, auf sie und auch auf ihre Eltern. Ein Ausnahmezustand der anhält, mindestens solange ihr Aufenthaltsstatus nicht gesichert ist. Alle drei Monate müssen sie ihre Duldung verlängern. Der Asylantrag wurde abgelehnt, nun ist die Kommune für die Fortsetzung ihres Aufenthalts zuständig. Die Hände in den Schoß legen und auf Behördenentscheidungen warten tun die Brüder nicht. Sie bleiben dabei, planen Projekte, machen weiter. »Der Weg, den ich gehen musste um in Deutschland bleiben zu können wirkte im Spiegel der ›Normalbiografie‹ meiner Freunde geradezu absurd und war mir früher peinlich. Und das, obwohl wir hier faktisch Inländer sind und uns so fühlen. Im Kosovo sind wir so was wie Aliens gewesen – als Roma ständig in Gefahr«, sagt Selamet.
11 Uhr
Landtag 1, Düsseldorf
http://www.alle-bleiben.info/1-dezember-2016-11-uhr-landtag-1-dusseldorf/
Der Petitionsausschuss des Landtages entscheidet über die Perspektive der Brüder Selamet und Hikmet P., der eine hier geboren, der andere im Alter von vier Jahren als Kinder von Kriegsflüchtlingen aus dem Kosovo hergekommen.
Kommt alle ab zehn Uhr, um die Brüder zu unterstützen. Zahlreiches Erscheinen von vielen Einzelnen soll hier noch mal unterstützen, was Tatsache ist: dass beide mit ihren zahlreichen Aktivitäten nicht aus dem kulturellen und politischen Leben hier wegzudenken sind! Dass wir sie brauchen.
Es gibt schon mehrere Filme über das zerissene Leben der Brüder – die sich selbst als faktische Inländer bezeichnen. Trotz jahrelangem Durchhalten im Status der Duldung, einer Abschiebung und einer Rückkehr nach Deutschland. Ein Filmemacher aus dem Kosovo hat sie fünf Jahre lang immer wieder begleitet. Kennengelernt hatte er sie am Flughafen in Priština. 2010 wurden die zwei jüngeren Brüder abgeschoben, nach 22 Jahren in Deutschland. Fünf Jahre waren sie getrennt vom älteren Bruder, von ihren Eltern. Fünf lange Jahre, in denen ihnen aufgrund ihrer Abschiebung die Einreise nach Deutschland verboten war. Auch danach war der Weg nicht legal möglich: zu Fuß überquerten sie die Grenze, gingen durch den Wald. Einen Kompass hatten sie sich heruntergeladen, als App auf ihrem Smartphone.
2011 entschied ein deutsches Verwaltungsgericht, dass die Abschiebung ein Jahr zuvor rechtswidrig war. Doch die juristische Entscheidung blieb ohne Konsequenzen: Anstatt dass die Brüder zurückgeholt worden wären, zahlte die Familie die Kosten für die unrechtmäßige Abschiebung beim deutschen Staat ab. Beschweren darüber tun sich die drei Brüder nicht. Es ist für sie abgehakt, es gibt Wichtigeres zu tun: Sich mit anderen zusammentun, eine Initiative gründen. Daran arbeiten sie seit ihrer Rückkehr nach Deutschland. Schon ein paar Monate nach ihrer erneuten Flucht planen sie ein Fest für die BewohnerInnen einer Flüchtlingsunterkunft. Seit Sommer 2015 unterstützen sie Roma im Kampf um ihr Bleiberecht. In München spielen sie auf einer Kundgebung gegen die neugeplanten Abschiebelager. Ihr Verein, Roma Art Action, ist Initiative und Freundeskreis zugleich. Von Kundgebungen bis zu Tanz-Workshops beziehen sie mit vielem in der Gesellschaft Position und helfen anderen Betroffenen. Der Schwerpunkt der Aktivitäten liegt nicht allein auf der Unterstützung der Roma. »Wir wollen Inklusion«, sagen sie, »und wir leben Inklusion.«
Ihre Filmpremiere in Essen hatte große Resonanz. Der Oberbürgermeister war anwesend, Vertreter von Wirtschafts- und Kulturverbänden. Es schien fast so, als würden sich diese schmücken wollen mit den drei jungen Männern. Deren Aufenthaltsstatus sollte auch am Ende des Abends nicht gesichert sein. Sowohl die Protagonisten wie auch die meisten Gäste sind gegen die Sortierung von Menschen in »mit« und »ohne« Bleibeperspektive. Mark Terkessidis zum Beispiel, ein aus Berlin angereister Migrationsforscher, formuliert das stellvertretend für sehr viele im Saal: »Wenn jemand in Deutschland geboren ist, 22 Jahre hier verbracht hat, dann wirds natürlich schwierig, überhaupt noch eine ausländerrechtliche Frage daraus zu machen«. Auch im Film und jetzt im Saal anwesend sind Fahire und Xhelal, die Eltern der drei. Fahire ist durch die Erinnerung an ihre auf Zelluloid festgehaltenen Reisen in den Kosovo, wo sie versuchte ihren Söhnen zu helfen, in ernster Stimmung. Dass die Söhne in Sicherheit und in der Nähe sind, ist für sie das Wichtigste. »Erst wenn die Jungs einen sicheren Aufenthalt haben, kann ich mich beruhigen«, sagt sie.
Doch wie soll sie zur Ruhe kommen? Drei Monate, nachdem ihre beiden jüngsten Söhne nach Deutschland zurückkehren, bekam auch Hikmet, ihr Ältester, eine Abschiebungsanordnung, für den 9. April 2015. Nun wollte die Ausländerbehörde auch ihn im Kosovo sehen. Zu dem Zeitpunkt lebte Hikmet 27 Jahre lang im Ruhrgebiet, war dort zur Schule gegangen und aufgewachsen. Sein Lebenslauf erzählt von diversen kleinen kurzen Jobs, mit vielen unfreiwilligen Unterbrechungen. Zuletzt wollte er eine Ausbildung zum Tontechniker machen, was nicht ging, weil er eine Duldung hatte, die immer nur um einen Monat verlängert wurde. Auch eine feste, längere Anstellung konnte er so nicht finden.
Dabei waren die drei vorangegangen Jahre für Hikmet als so etwas wie eine Bewährungsfrist festgelegt worden: Bis 2015 werde seine Duldung verlängert, hieß es, vorausgesetzt er käme für seinen Lebensunterhalt selbst auf und ließe sich nichts zu schulden kommen. Ein faires Angebot, dachten die Richter. Und doch ein unmoralisches Angebot, für ein Vertriebenenkind »mit Duldungshintergrund« unter dem Eindruck der Abschiebung seiner Brüder. Mit dem Status Duldung zu leben ist ein Zustand der belastet und den der in Deutschland übliche Begriff »Migrationshintergrund« nicht ausreichend beschreibt. Duldung ist eine Lähmung, eine Blockade, ein Druck, der sich häufig über viele Jahre hinzieht. Die Betroffenen können sich nicht bewegen, keine Pläne machen, nicht reisen, unterliegen speziellen Regeln. Das hat Folgen. »Du fühlst dich nicht willkommen«, sagt Hikmet. »Sie wollen meine Identität löschen, sie wollen nur, dass ich verschwinde«. Seit fast 30 Jahren ist er im Ruhrgebiet und trägt an Stelle der Behörden und ihrer Sachbearbeiter die Verantwortung für die Folgen dieser Gesetze.
Schon als Kinder begannen die Brüder zu tanzen, Beats zu produzieren und Lieder zu schreiben. »Es brennt!« heißt einer von Hikmets Songs, geschrieben nach der Abschiebung seiner Brüder. Vorher sah es so aus, als hätten alle drei glänzende Karrieren als Rapper vor sich, die Auftritte häuften sich, sie bekamen die ersten Gagen und schlugen Anfragen von Labels aus, weil sich die Konditionen immer weiter verbesserten. Bis zur Abschiebung, die alle drei Brüder betraf. »Unsere Pläne froren genauso ein wie die Musik und blieben stehen«, erzählt Hikmet. Er habe es nicht geschafft, die Sorgen zu verdrängen und die eigene Karriere in Deutschland weiterzuverfolgen, ohne seine Brüder. Stattdessen jobbte er mal hier, mal da, um den Brüdern Geld zu schicken. Für ihn war die Verantwortung eine große Zumutung. Als Flüchtlingskinder wurden alle drei faktisch für Entscheidungen der Eltern verantwortlich gemacht: Auch in zweiter Generation blieben sie noch Kriegsflüchtlinge. Geflohen vor einem Krieg, an dem später die Bundesrepublik beteiligt war und in dem die Bundeswehr ihren ersten Auslandseinsatz nach 1945 hatte – in einem Land, in dem bis heute die Bundeswehr eingesetzt ist, um mit für Ordnung zu sorgen. Als Roma, das berichten Kefaet und Selami, waren sie im Kosovo starken rassistischen und nationalistischen Ausgrenzungsmechanismen ausgesetzt – nicht nur von der Mehrheitsbevölkerung: Sie berichten auch von Polizeiübergriffen und willkürlichen Festnahmen, von in letzter Minute vereitelten Angriffen und davon, dass sie manchmal nicht mit dem Bus fahren durften – wegen ihrer Hautfarbe. Die politisch engagierte Haltung der Brüder im Kosovo ist nicht gerne gesehen. Unter einer Dokumentation von Romadnes, in der beide von ihrer Situation berichten und die im Internet zu sehen ist, finden sich fast ausschließlich bedrohliche und beleidigende Kommentare, die die rassistische Stimmung gegen Roma deutlich zeigen. Roma fehlt es im Kosovo an allem, das haben Kefaet und Selamet erlebt. In den fünf Jahren nach ihrer Abschiebung haben sie versucht, sich dort irgendwas aufzubauen. Aber über kurzfristige Projekte hinaus gab es keine Perspektive.
Nach fünf Jahren im Kosovo kam Selamet mit seinem Bruder Kefaet wieder zurück. Die abgeschobenen Jahre wirken, noch, weiter, auf sie und auch auf ihre Eltern. Ein Ausnahmezustand der anhält, mindestens solange ihr Aufenthaltsstatus nicht gesichert ist. Alle drei Monate müssen sie ihre Duldung verlängern. Der Asylantrag wurde abgelehnt, nun ist die Kommune für die Fortsetzung ihres Aufenthalts zuständig. Die Hände in den Schoß legen und auf Behördenentscheidungen warten tun die Brüder nicht. Sie bleiben dabei, planen Projekte, machen weiter. »Der Weg, den ich gehen musste um in Deutschland bleiben zu können wirkte im Spiegel der ›Normalbiografie‹ meiner Freunde geradezu absurd und war mir früher peinlich. Und das, obwohl wir hier faktisch Inländer sind und uns so fühlen. Im Kosovo sind wir so was wie Aliens gewesen – als Roma ständig in Gefahr«, sagt Selamet.
... link (0 Kommentare) ... comment
Mittwoch, 16. November 2016
Das beste Hotel Europas auf Tour!
che2001, 12:07h
Nach sechs Monaten City Plaza in Athen berichten UnterstützerInnen und ehemalige BewohnerInnen auf Veranstaltungen in Deutschland und der Schweiz von ihren Erfahrungen
Das City Plaza liegt mitten in der Innenstadt von Athen, im April 2016 wurde das leerstehende Hotel von einer AktivistInnengruppe besetzt. Seitdem wird der alltägliche Betrieb von solidarischern UnterstützerInnen gemeinsam mit den dort wohnenden Geflüchteten organisiert. Die 400 neuen Gäste, darunter 180 Kinder, kommen aus aller Welt: aus Syrien, Rojava, Irak, Pakistan, Iran und Afghanistan. Im City Plaza finden sie einen Platz, der ihnen Privatsphäre, ein Wohnen in Sicherheit und Würde ermöglicht. "Wir leben zusammen, wir kämpfen zusammen, Solidarität wird gewinnen" lautet ihr Motto. Das Hotel demonstriert jeden Tag aufs Neue, dass es selbst in Zeiten von Krise und Armut möglich ist, Menschen willkommen zu heißen und würdige Lebensbedingungen für Alle zu schaffen. City Plaza ist ein politisches Beispiel: es ist ein Ort der Gleichheit und Solidarität, das gelebte Gegenteil zur Festung Europa und ihren schändlichen Grenzen. Das City Plaza Hotel ist ein Symbol der Hoffnung.
Auf den Veranstaltungen wollen wir zuhören und diskutieren:
— Was können wir lernen aus den alltäglichen Herausforderungen eines Rasthauses, das 400 Frauen, Männern und Kindern Zuflucht bietet, einer Notgemeinschaft in einem besetzten Gebäude?
— Wie entwickeln sich Selbstorganisierungsprozesse im Transit und darüber hinaus, und wie können diese aus den transnationalen Netzwerken der Solidarität unterstützt werden?
— Wie können Räume wie das City Plaza genutzt werden, um Verbindungen zu anderen sozialen Kämpfen für gleiche Rechte herzustellen? Und Zugang zu Wohnung, Bildung, Gesundheit fordern?
— Haben wir bereits begonnen, eine "Underground Railroad“ für Bewegungsfreiheit aufzubauen? Brauchen wir mehr Zufluchtsräume und perspektivisch Zufluchtsstädte („Sanctuary Cities“) entlang der Migrationsrouten als praktische Gegenpole zum rassistisch repressiven Mainstream?
Die Gäste:
Zwei bis drei FreundInnen aus Athen werden zur Tour kommen. Sie gehören zum Komitee des City Plaza, das seit sechs Monaten dort den Alltag organisiert.
Es werden sich FreundInnen an den verschiedenen Veranstaltungen beteiligen, die zunächst Zuflucht im City Plaza und mittlerweile ihren Weg nach Deutschland oder in die Schweiz gefunden haben.
FreundInnen der Netzwerke Welcome to Europe und/oder Welcome2Stay, die das City Plaza bei Besuchen und von ausserhalb unterstützt haben, werden sie bei der Tour begleiten.
http://solidarity2refugees.gr/
http://europas-bestes-hotel.eu
Das Beste Hotel Europas auf Tour im November 2016
Dienstag, 22.11.: Frankfurt/Main, um 19.00 im Cafe Exzeß, Leipziger Strasse 91, Theaterhalle;
Mittwoch, 23.11.: Freiburg, um 20.00 im Theater, Bertholdstrasse 46, Winterer Foyer;
Donnerstag, 24.11.: Bern, um 19.30 im Casa dÌtalia, Bühlstrasse 57;
Freitag, 25.11.: Zürich, um 19.30 in der Autonomen Schule, Sihlquai 125;
Samstag, 26.11.: Augsburg, um 18.00 im Grandhotel Cosmopolis, Springergässchen 5;
Sonntag 27.11.: München, um18.00 im Bellevue di Monaco, Müllerstraße 2.
Die Geflüchteten im Besten Hotel Europas benötigen weitere Spenden.
Spendenkonto bei medico international, Stichwort: City Plaza!
IBAN: DE21 5005 0201 0000 0018 00, BIC: HELADEF1822, Frankfurter Sparkasse
Das City Plaza liegt mitten in der Innenstadt von Athen, im April 2016 wurde das leerstehende Hotel von einer AktivistInnengruppe besetzt. Seitdem wird der alltägliche Betrieb von solidarischern UnterstützerInnen gemeinsam mit den dort wohnenden Geflüchteten organisiert. Die 400 neuen Gäste, darunter 180 Kinder, kommen aus aller Welt: aus Syrien, Rojava, Irak, Pakistan, Iran und Afghanistan. Im City Plaza finden sie einen Platz, der ihnen Privatsphäre, ein Wohnen in Sicherheit und Würde ermöglicht. "Wir leben zusammen, wir kämpfen zusammen, Solidarität wird gewinnen" lautet ihr Motto. Das Hotel demonstriert jeden Tag aufs Neue, dass es selbst in Zeiten von Krise und Armut möglich ist, Menschen willkommen zu heißen und würdige Lebensbedingungen für Alle zu schaffen. City Plaza ist ein politisches Beispiel: es ist ein Ort der Gleichheit und Solidarität, das gelebte Gegenteil zur Festung Europa und ihren schändlichen Grenzen. Das City Plaza Hotel ist ein Symbol der Hoffnung.
Auf den Veranstaltungen wollen wir zuhören und diskutieren:
— Was können wir lernen aus den alltäglichen Herausforderungen eines Rasthauses, das 400 Frauen, Männern und Kindern Zuflucht bietet, einer Notgemeinschaft in einem besetzten Gebäude?
— Wie entwickeln sich Selbstorganisierungsprozesse im Transit und darüber hinaus, und wie können diese aus den transnationalen Netzwerken der Solidarität unterstützt werden?
— Wie können Räume wie das City Plaza genutzt werden, um Verbindungen zu anderen sozialen Kämpfen für gleiche Rechte herzustellen? Und Zugang zu Wohnung, Bildung, Gesundheit fordern?
— Haben wir bereits begonnen, eine "Underground Railroad“ für Bewegungsfreiheit aufzubauen? Brauchen wir mehr Zufluchtsräume und perspektivisch Zufluchtsstädte („Sanctuary Cities“) entlang der Migrationsrouten als praktische Gegenpole zum rassistisch repressiven Mainstream?
Die Gäste:
Zwei bis drei FreundInnen aus Athen werden zur Tour kommen. Sie gehören zum Komitee des City Plaza, das seit sechs Monaten dort den Alltag organisiert.
Es werden sich FreundInnen an den verschiedenen Veranstaltungen beteiligen, die zunächst Zuflucht im City Plaza und mittlerweile ihren Weg nach Deutschland oder in die Schweiz gefunden haben.
FreundInnen der Netzwerke Welcome to Europe und/oder Welcome2Stay, die das City Plaza bei Besuchen und von ausserhalb unterstützt haben, werden sie bei der Tour begleiten.
http://solidarity2refugees.gr/
http://europas-bestes-hotel.eu
Das Beste Hotel Europas auf Tour im November 2016
Dienstag, 22.11.: Frankfurt/Main, um 19.00 im Cafe Exzeß, Leipziger Strasse 91, Theaterhalle;
Mittwoch, 23.11.: Freiburg, um 20.00 im Theater, Bertholdstrasse 46, Winterer Foyer;
Donnerstag, 24.11.: Bern, um 19.30 im Casa dÌtalia, Bühlstrasse 57;
Freitag, 25.11.: Zürich, um 19.30 in der Autonomen Schule, Sihlquai 125;
Samstag, 26.11.: Augsburg, um 18.00 im Grandhotel Cosmopolis, Springergässchen 5;
Sonntag 27.11.: München, um18.00 im Bellevue di Monaco, Müllerstraße 2.
Die Geflüchteten im Besten Hotel Europas benötigen weitere Spenden.
Spendenkonto bei medico international, Stichwort: City Plaza!
IBAN: DE21 5005 0201 0000 0018 00, BIC: HELADEF1822, Frankfurter Sparkasse
... link (0 Kommentare) ... comment
Dienstag, 15. November 2016
Demonstration gegen die Nazitreffen in Eschede am 17.12.2016
che2001, 16:59h
Liebe Freundinnen und Freunde,
liebe Unterstützerinnen und Unterstützer,
anliegend findet Ihr eine Pressemitteilung des Celler Forums gegen Gewalt und Rechtsextremismus zur Demonstration / Kundgebung am 17.12.2016 in Eschede.
Wir würden uns freuen, wenn Ihr auf Euren Internetseiten etc. auf diese Veranstaltung hinweist - danke!
Und wir würden uns freuen, wenn Ihr uns an dem Tag vor Ort in Eschede unterstützt, daher laden wir Euch herzlich ein.
Am 17.12.2016 findet eine Demonstration in Eschede statt, die sich gegen die ständig wiederkehrenden als Brauchtumsfeiern getarnten Nazitreffen wendet.
Treffpunkt: Kreuzung Am Dornbusch / Zum Finkenberg
Beginn: 14.00 Uhr, Ende ca. 16.00 Uhr
Bereits im Jahr 2000, also vor inzwischen 16 Jahren, hatte sich die Politik und Verwaltung aus Eschede anlässlich zweier Sonnwendfeiern auf dem Hof Nahtz an Joachim Nahtz gewendet mit den Worten: "... Spätesten seit der Sonnenwendfeier vom 24. Juni und den Ereignissen am letzten Sonnabend sind die Veranstaltungen auf Ihrem Hof nicht mehr Ihre Privatangelegenheit
liebe Unterstützerinnen und Unterstützer,
anliegend findet Ihr eine Pressemitteilung des Celler Forums gegen Gewalt und Rechtsextremismus zur Demonstration / Kundgebung am 17.12.2016 in Eschede.
Wir würden uns freuen, wenn Ihr auf Euren Internetseiten etc. auf diese Veranstaltung hinweist - danke!
Und wir würden uns freuen, wenn Ihr uns an dem Tag vor Ort in Eschede unterstützt, daher laden wir Euch herzlich ein.
Am 17.12.2016 findet eine Demonstration in Eschede statt, die sich gegen die ständig wiederkehrenden als Brauchtumsfeiern getarnten Nazitreffen wendet.
Treffpunkt: Kreuzung Am Dornbusch / Zum Finkenberg
Beginn: 14.00 Uhr, Ende ca. 16.00 Uhr
Bereits im Jahr 2000, also vor inzwischen 16 Jahren, hatte sich die Politik und Verwaltung aus Eschede anlässlich zweier Sonnwendfeiern auf dem Hof Nahtz an Joachim Nahtz gewendet mit den Worten: "... Spätesten seit der Sonnenwendfeier vom 24. Juni und den Ereignissen am letzten Sonnabend sind die Veranstaltungen auf Ihrem Hof nicht mehr Ihre Privatangelegenheit
... link (0 Kommentare) ... comment
Sonntag, 13. November 2016
Der Mythos vom Naturvolk
che2001, 19:40h
Über wenige Menschen ist, von den Vulgärmythen bis in die Ethnologie hinein, mehr romantischer Unsinn verbreitet als über die Prärieindianer. Sie seien ökologisch besonders bewusste Menschen, die im Einklang mit der Natur gelebt hätten, heißt es. Ihre im Wesentlichen auf der organisierten Bisonjagd plus Fallenstellen plus Erntesammeln basierende Subsistenzwirtschaft sei besonders nachhaltig gewesen, heißt es. Ihre schamanistischen Kulte wurden von Psychologen, Parapsychologen und Ethnologen erforscht und der Schamanismus unserer eiszeitlichen Vorfahren teilweise anhand der aus den Indianerstudien gewonnenen Erkenntnisse rekonstruiert. Europäische Sinnsuchende entdeckten die angeblich tiefe Weisheit der Medizinmänner für sich. Was für die europäische Wahrnehmung der PräriebewohnerInnen gilt ist im linken Spektrum und im grün-alternativ-ökopazifistischen Lager noch stärker ausgeprägt. Indianermystik ist dort seit Jahrzehnten schwer angesagt, geht bis hin zur Begeisterung für den Schamanismus im queeren Lager.
Eine der nach Ton-Steine-Scherben beliebtesten linken Bands nannte sich nach einem Apachenhäuptling Cochise, und ich kann mich noch daran erinnern dass es unter fundamentalistischeren Grün-Alternativen kurze Zeit sogar Mode wurde, eine Sprache wie Lakota zu lernen. Prärieindianer, die besseren Menschen.
Nur ist das alles Unsinn. Neuere Studien haben ergeben, dass die Prärieindianer die Bisons langfristig auch ausgerottet hätten, es hätte nur Jahrhunderte länger gedauert. Sie waren auch keine ursprünglichen Jäger und Sammler, sondern mit Gewehren bewaffnete Reiternomaden, die sich für diese Lebensweise aus einem bestimmten Grund entschieden hatten: Der wachsende Bevölkerungsdruck der Weißen, nachdem Seuchen und Raubbau sowie eine Klimaverschlechterung schon vorher ihre bisherige Wirtschaftsweise deutlich geschwächt hatten . Ursprünglich hatten die später als Sioux, Blackfeet, Crow, Arapaho usw. bezeichneten Stämme als Bauern gelebt, die Kartoffeln, Kürbisse, Melonen, Karotten, Bohnen und teilweise Mais anbauten, in Städten siedelten und Pyramiden erbauten. Den Schamanismus entwickelten sie erst, als sie schon als Wildbeuter lebten. Hier zeigt sich schlagend, wie das Sein das
Bewusstsein prägt, oder auch form follows function: Von einer kupferzeitlichen Bauernkultur fielen sie in das Stadium einer nicht weit über das Jäger- und Sammlertum hinausentwickelten Jägernomadenkultur zurück, wenn auch mit Pferden und Gewehren besser ausgerüstet als eine autochthone Kultur dieser Stufe, und prompt nahmen sie die Religion dieser Kulturstufe an: Den Schamanismus. Vorher, als Bauern hatten sie an Fruchtbarkeitsgötter geglaubt,
denen zum Teil Menschen geopfert wurden.
Denn, auch das folgt dem gleichen Prinzip, zu der Kulturstufe hochorganisierter Bauern der Kupfer- oder späten Jungsteinzeit gehören scheinbar auch zwingend Fruchtbarkeitskult, Menschenopfer, Priesterkönige und Pyramiden bzw. Megalithanlagen. Alles ganz unromantisch und ohne Zauber. Friedrich Engels "Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staats" sagt mehr und Kompetenteres darüber als all die empathievollen poststrukturalistischen ethnologischen Studien.
Eine der nach Ton-Steine-Scherben beliebtesten linken Bands nannte sich nach einem Apachenhäuptling Cochise, und ich kann mich noch daran erinnern dass es unter fundamentalistischeren Grün-Alternativen kurze Zeit sogar Mode wurde, eine Sprache wie Lakota zu lernen. Prärieindianer, die besseren Menschen.
Nur ist das alles Unsinn. Neuere Studien haben ergeben, dass die Prärieindianer die Bisons langfristig auch ausgerottet hätten, es hätte nur Jahrhunderte länger gedauert. Sie waren auch keine ursprünglichen Jäger und Sammler, sondern mit Gewehren bewaffnete Reiternomaden, die sich für diese Lebensweise aus einem bestimmten Grund entschieden hatten: Der wachsende Bevölkerungsdruck der Weißen, nachdem Seuchen und Raubbau sowie eine Klimaverschlechterung schon vorher ihre bisherige Wirtschaftsweise deutlich geschwächt hatten . Ursprünglich hatten die später als Sioux, Blackfeet, Crow, Arapaho usw. bezeichneten Stämme als Bauern gelebt, die Kartoffeln, Kürbisse, Melonen, Karotten, Bohnen und teilweise Mais anbauten, in Städten siedelten und Pyramiden erbauten. Den Schamanismus entwickelten sie erst, als sie schon als Wildbeuter lebten. Hier zeigt sich schlagend, wie das Sein das
Bewusstsein prägt, oder auch form follows function: Von einer kupferzeitlichen Bauernkultur fielen sie in das Stadium einer nicht weit über das Jäger- und Sammlertum hinausentwickelten Jägernomadenkultur zurück, wenn auch mit Pferden und Gewehren besser ausgerüstet als eine autochthone Kultur dieser Stufe, und prompt nahmen sie die Religion dieser Kulturstufe an: Den Schamanismus. Vorher, als Bauern hatten sie an Fruchtbarkeitsgötter geglaubt,
denen zum Teil Menschen geopfert wurden.
Denn, auch das folgt dem gleichen Prinzip, zu der Kulturstufe hochorganisierter Bauern der Kupfer- oder späten Jungsteinzeit gehören scheinbar auch zwingend Fruchtbarkeitskult, Menschenopfer, Priesterkönige und Pyramiden bzw. Megalithanlagen. Alles ganz unromantisch und ohne Zauber. Friedrich Engels "Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staats" sagt mehr und Kompetenteres darüber als all die empathievollen poststrukturalistischen ethnologischen Studien.
... link (55 Kommentare) ... comment
Die Welcome-App
che2001, 17:34h
Weitergeleitete Nachricht:
"Sehr geehrte Damen und Herren,
wir möchten Ihnen kurz die kostenlose Welcome App Germany vorstellen, die es bereits seit einiger Zeit mit zahlreiche Adressen und Ansprechpartnern u.a. für die Landkreise Peine, Göttingen und die Stadt Göttingen gibt (weitere Kommunen sind in Vorbereitung): Sie erleichtert Flüchtlingen und Migranten die Orientierung, hilft bei der Integration und wendet sich auch an ehrenamtliche Helfer und Behörden, sowie Städte, Kommunen und Veranstalter von Sprach- und Integrationskursen.
Wir erweitern die App stetig:
Frisch ergänzt ist das Feld „Migration & Einwanderung“, da unsere Lösung nicht nur Asylsuchende fokussiert
Geplante Erweiterungen zu den Themen Arbeitsmarkt, Einbindung lokaler Unternehmen, Deutschphrasen zum schnellen Spracherwerb sowie Barrierefreiheit
Vielleicht möchten Sie sich die kostenlose App auf Ihr Smartphone herunterladen, so dass Sie einen ersten Eindruck bekommen? Bislang wurden insgesamt mehr als 25 Städte und Landkreise mit lokalen Informationen und Ansprechpartnern integriert und wir würden uns über Ihre Unterstüzung hinsichtlich der Bekanntmachung und Verbreitung der App in Niedersachsen sehr freuen – ebenso über Hinweise, für welche Stadt oder welchen Landkreis die App interessant wäre.
Ich freue mich auf Ihre Rückmeldung.
Herzliche Grüße aus dem kalten Dresden,
Simone Weißkopf-Krebs vom Welcome App Team
Vertrieb und Beratung"
cid:image001.jpg@01D1C186.9E9C8010
Das Orientierungs- und Integrationshilfe-System für Asylsuchende und Migranten in Deutschland
HeiReS ist Mitinitiator und Betreiber der „Welcome App Germany“ – www.welcome-app-concept.de
Logo_RGB_hell_bunt_V3_klein_Email
Heinrich & Reuter Solutions GmbH
Design | Development | Training
"Sehr geehrte Damen und Herren,
wir möchten Ihnen kurz die kostenlose Welcome App Germany vorstellen, die es bereits seit einiger Zeit mit zahlreiche Adressen und Ansprechpartnern u.a. für die Landkreise Peine, Göttingen und die Stadt Göttingen gibt (weitere Kommunen sind in Vorbereitung): Sie erleichtert Flüchtlingen und Migranten die Orientierung, hilft bei der Integration und wendet sich auch an ehrenamtliche Helfer und Behörden, sowie Städte, Kommunen und Veranstalter von Sprach- und Integrationskursen.
Wir erweitern die App stetig:
Frisch ergänzt ist das Feld „Migration & Einwanderung“, da unsere Lösung nicht nur Asylsuchende fokussiert
Geplante Erweiterungen zu den Themen Arbeitsmarkt, Einbindung lokaler Unternehmen, Deutschphrasen zum schnellen Spracherwerb sowie Barrierefreiheit
Vielleicht möchten Sie sich die kostenlose App auf Ihr Smartphone herunterladen, so dass Sie einen ersten Eindruck bekommen? Bislang wurden insgesamt mehr als 25 Städte und Landkreise mit lokalen Informationen und Ansprechpartnern integriert und wir würden uns über Ihre Unterstüzung hinsichtlich der Bekanntmachung und Verbreitung der App in Niedersachsen sehr freuen – ebenso über Hinweise, für welche Stadt oder welchen Landkreis die App interessant wäre.
Ich freue mich auf Ihre Rückmeldung.
Herzliche Grüße aus dem kalten Dresden,
Simone Weißkopf-Krebs vom Welcome App Team
Vertrieb und Beratung"
cid:image001.jpg@01D1C186.9E9C8010
Das Orientierungs- und Integrationshilfe-System für Asylsuchende und Migranten in Deutschland
HeiReS ist Mitinitiator und Betreiber der „Welcome App Germany“ – www.welcome-app-concept.de
Logo_RGB_hell_bunt_V3_klein_Email
Heinrich & Reuter Solutions GmbH
Design | Development | Training
... link (0 Kommentare) ... comment
... nächste Seite
