Montag, 16. August 2021
Delta-Variante führt zu etlichen Durchbruchsinfektionen bei Geimpften ? wie Experten die Sachlage beurteilen
Michael van den Heuvel, Medscape

?Zurzeit sehen wir eine weltweite Übertragung der Delta-Variante von SARS-CoV-2?, sagt Prof. Dr. Carlos del Rio von der Emory University School of Medicine, Atlanta, USA. Erstmals im Oktober 2020 in Indien entdeckt, breitet sich Delta global immer stärker aus. Laut GISAID und Statista sind in Europa je nach Land zwischen 80,7% bis 99,9% aller PCR-Nachweise mittlerweile positiv für diese Variante. Auch in den USA liegt der Anteil bei weit über 80%.

Höhere Kontagiosität der Delta-Variante
?Was die Variante so besonders macht, ist ihre hohe Übertragbarkeit?, betont del Rio. Die US Centers of Disease Control and Prevention (CDC) in Atlanta, schreiben, Delta sei ähnlich kontagiös wie die Pocken. Und Dr. Rochelle Walensky, Direktorin der CDC, sagt, neue Forschungsergebnisse zeigten, dass geimpfte Menschen, die mit der Delta-Variante infiziert gewesen waren, große Mengen des Virus in Nase und Rachen getragen hatten.

Was die Variante so besonders macht, ist ihre hohe Übertragbarkeit. Dr. Rochelle Walensky
Das bestätigt auch del Rio: Infizierte würden 1000-mal mehr Viren ausscheiden als beim Wildtyp. Als Basis-Reproduktionszahl R0 nennt er für den Wildtyp 3 und für Delta 6 bis 8. ?Das macht die Variante sehr besorgniserregend?, so sein Fazit.

Patienten mit Delta-Durchbruch haben eine hohe Viruslast
Ein Blick speziell auf Durchbruchsinfektionen mit Delta: In Großbritannien ist die Variante für rund 99% aller Infektionen mit SARS-CoV-2 verantwortlich. Zahlen von Public Health England zeigen jetzt, dass doppelt Geimpfte bei einer Durchbruchsinfektion hohe Virustiter haben. Ihre Cycle-threshold-Werte (Ct-Werte) bei der Untersuchung von Abstrichen waren vergleichsweise niedrig. Der Ct-Wert gibt bekanntlich an, wie viele Zyklen bis zum Nachweis erforderlich sind. Kleine Ct-Werte entsprechen also einer hohen Viruslast. Zum Vergleich: Doppelt Geimpfte mit einer Durchbruchsinfektion der Alpha-Variante hatten hohe Ct-Werte, entsprechend einer niedrigen Viruslast.

Daten aus Vietnam bestätigen die Angaben aus UK: Durchbruch-Infektionen der Delta-Variante sind mit hohen Viruslasten, verlängerter PCR-Positivität und niedrigen Spiegeln von durch den Impfstoff induzierten neutralisierenden Antikörpern verbunden, was die Übertragung zwischen den geimpften Personen erklärt. Physische Distanzierungsmaßnahmen bleiben damit von entscheidender Bedeutung, um die Übertragung der SARS-CoV-2-Delta-Variante zu reduzieren.


mpfungen in Delta-Zeiten: Wo stehen wir?
Dass nun 34,9% aller wegen COVID-19 stationär behandelten Patienten in UK 2 Impfungen hatten, beutete jedoch nicht, dass zugelassene Vakzine wirkungslos seien, erklärt Dr. Peter Openshaw vom Imperial College London gegenüber dem britischen Science Media Center. Ansonsten müsste ihr Anteil rund 75% betragen ? so viele Menschen seien in Großbritannien nämlich derzeit geimpft.

Der US-Kardiologe und Editor-in-Chief von Medscape Dr. Eric Topol fast auf Twitter wichtige Daten dazu zusammen. Er nennt insgesamt 5 Studien mit Hinweis auf eine geringere Impf-Effektivität gegenüber der Delta-Variante ? wenn auch in unterschiedlichem Maße:


Quelle: Topol

Die Daten erscheinen, als ob der Moderna-Impfstoff deutlich effektiver gegen diese Variante sei als der Pfizer/BioNTech-Impfstoff. Doch die Unterschiede zwischen BioNTech/Pfizer und Moderna seien in der Praxis ?wahrscheinlich erheblich geringer? und ?aufgrund des Zeitfaktors verzerrt?, so Topol weiter.

Im Interview weist del Rio jedenfalls darauf hin, dass Impfungen ? zusammen mit Abstandsregeln und Masken ? immer noch die richtige Wahl seien, um sich vor Infektionen zu schützen. Booster-Impfungen hält er für sinnvoll, aber ?im Idealfall mit modifizierten Vakzinen, die eine höhere Effektivität gegen Varianten haben?. Und das kann dauern.

Die Delta-Variante macht eine Herdenimmunität unmöglich
Damit rückt das erklärte Ziel vieler Immunologen, Herdenimmunität zu erzielen, in weite Ferne. Laut Robert Koch-Institut (RKI) müssten etwa 85% aller 12- bis 59-Jährige und 90% aller Einwohner ab 60 Jahren dafür einen Schutz gegen Infektionen haben.

In einer Rede vor dem britischen Parlament sagte Sir Andrew Pollard, Professor für pädiatrische Infektionen und Immunität an der Universität Oxford, dass das Erreichen einer Herdenimmunität ?keine Möglichkeit? mehr darstelle, jetzt, da sich die Delta-Variante im Umlauf befinde. Pollard war an der Entwicklung des Oxford/AstraZeneca-Impfstoffs maßgeblich beteiligt. Wie er zusammenfasst, kommt es mit Delta selbst in geimpften Populationen aufgrund der Durchbrüche zu weiteren Infektionen und ? damit verbunden ? zu weiteren Übertragungen.

Pollard erklärte, nach aktuellem Kenntnisstand sei es damit ?unwahrscheinlich, dass jemals eine Herdenimmunität erreicht wird?. Die nächste Variante des neuartigen Coronavirus werde ?vielleicht noch besser hinsichtlich einer Übertragung in geimpften Populationen? sein.

Israel sei ein gutes Beispiel für die Problematik, so Pollard. Die COVID-19-Fälle waren im Land zurückgegangen, nachdem etwa 80% der Erwachsenen geimpft worden waren. Das habe Grund zur Hoffnung gegeben, dass Herdenimmunität erreicht worden sei. Aber, so Pollard weiter, die Delta-Variante habe seitdem zu einem neuerlichen Anstieg der Fallzahlen geführt.

Hinweis auf neue Symptome
Was die Sache noch schwieriger macht: Forschende der britischen Zoe Covid Symptom Studie fanden heraus, dass die Delta-Variante anfangs nicht die Beschwerden verursacht, die Ärzte vom Wildtyp oder von früheren Varianten kennen. Das gilt unabhängig davon, ob es sich um Infektionen bei Ungeimpften oder um Durchbruchsinfektionen handelt. Bei der Studie können Patienten mit SARS-CoV-2-Infektion per App ihre Beschwerden melden.

Gegenüber der BBC haben Wissenschaftler die zentralen Unterschiede zusammengestellt: Die klassischen Symptome, auf die Menschen bislang achten sollten, waren laut NHS vor allem Husten, Fieber und der Verlust des Geruchs- oder Geschmackssinns. Studienleiter Prof. Dr. Tim Spector sagt: ?Seit Anfang Mai schauen wir uns die Top-Symptome bei den App-Nutzern an ? und sie sind nicht mehr dieselben wie früher.? Genau ab diesem Zeitpunkt habe sich die Delta-Variante in Großbritannien ausgebreitet.

?Wir hören jetzt bei jungen Menschen oft von einer laufenden Nase und von Kopfschmerzen?, so Spector. Menschen, die möglicherweise dächten, sie hätten eine banale Erkältung, würden weiter Freunde besuchen oder auf Partys gehen. Das könnte zu einer noch schnelleren Ausbreitung beitragen, befürchtet der Experte.

Höhere Morbidität und Mortalität durch Delta?
Und auch die Durchbruchsinfektionen verlaufen nicht immer harmlos. Das zeigen Berichte aus Israel. Das Land gilt als Musterbeispiel für ein gelungene Impfkampagne. Knapp 60% aller 9,4 Millionen wurden bislang geimpft. Trotzdem schnellte die Zahl an Neuinfektionen kürzlich rapide nach oben. Am 11. August wurden rund 6.500 weitere Fälle gemeldet, bei einer Inzidenz von über 300. Israelische Medien berichten, dass immer mehr Patienten aufgrund von COVID-19 hospitalisiert würden ? aber dass die Erkrankung milder verlaufe als während der 1. Welle.

Verlässliche Daten gibt es bislang nicht, aber zumindest Hinweise. Die dpa etwa schreibt über eine kanadische Studie zur Delta-Variante. Bei Patienten waren diverse Risiken ? verglichen mit dem Wildtyp ? stark erhöht:

Stationäre Behandlung: 120%

Intensivpflege: 287%

Mortalität: 287%

Diese Daten seien allerdings noch nicht abschließend geprüft und veröffentlicht, relativiert die dpa. Wie hoch der Prozentsatz Geimpfter in dieser Kohorte war, ist ebenfalls unbekannt.

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Donnerstag, 12. August 2021
Corona, diesmal anders
https://www.gmx.net/magazine/gesundheit/corona-symptome-geimpft-unterschied-ungeimpft-36064530

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Mittwoch, 11. August 2021
Nach dem Bund-Länder-Gipfel: Sanfter Druck auf Ungeimpfte ? Tests bald kostenpflichtig
Dr. Thomas Kron



Wer nicht gegen das neue Corona-Virus geimpft ist, muss sich auf mehr Testpflichten einstellen und Schnelltests ab 11. Oktober in der Regel auch selbst bezahlen. Das haben Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidentinnen und -präsidenten in einer Videokonferenz beschlossen. Ausnahmen gelten für Personen, die nicht geimpft werden können oder für die es keine allgemeine Impfempfehlung gibt. Das sind insbesondere Schwangere und Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren.

Intensivmediziner sind besorgt
Es bestehe auch in den kommenden Monaten eine enge und lineare Beziehung zwischen der SARS-CoV-2-Inzidenz und der Intensivbettenbelegung. Bereits ab Inzidenzen von 200/100.000 sei erneut eine erhebliche Belastung der Intensivstationen mit mehr als 3.000 COVID-19-Patienten zu erwarten, sofern die Impfquote nicht noch deutlich gesteigert werde, warnen Prof. Dr. Christian Karagiannidis, ARDS- und ECMO-Zentrum Köln-Merheim, Universität Witten/Herdecke, und seine Kollegen in einem Beitrag in Medizinische Klinik ? Intensivmedizin und Notfallmedizin .

Wenige Prozentpunkte in der Impfquote hätten eine erhebliche Auswirkung auf die potenzielle Intensivbelegung im Herbst, so die Wissenschaftler. Bemühungen um die Steigerung der Impfakzeptanz sollten daher in den kommenden Wochen im Vordergrund stehen. Für die Intensivmedizin sei die Impfquote der über 35-Jährigen von entscheidender Bedeutung. Die Autoren weisen zudem darauf hin, ?dass die Impfquoten in Deutschland auch bei den Älteren derzeit immer noch mit 80% unzureichend sind und deutlich unterhalb der erreichten Impfquoten in anderen europäischen Ländern liegen?.

Die Wissenschaftler haben, wie sie erklären, ?verschiedene Szenarien mithilfe mathematischer Modelle simuliert, die unter der Annahme bestimmter Voraussetzungen eine Einschätzung hinsichtlich der Auslastung der Intensivbettenkapazitäten im Herbst in bestimmten Grenzen ermöglichen?.

Schwerer COVID-19-Verlauf: Häufige Rehospitalisierungen
Mehr als ein Viertel der stationär behandelten Patienten mit COVID-19 mussten nach ihrem Klinikaufenthalt erneut stationär behandelt werden. Das zeigte die erste bundesweite Langzeitstudie, die das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) auf Basis der Abrechnungsdaten von AOK-Patienten durchgeführt hat. Außer der hohen Rehospitalisierungsrate zeigte sich bei den Erkrankten auch eine hohe Sterblichkeitsquote. Insgesamt 30% der Patienten starben während des ersten Krankenhausaufenthalts oder in den ersten 6 Monaten danach.

Die Kohortenstudie des WIdO liefert laut einer Mitteilung des Instituts erstmals aussagekräftige Daten zu den längerfristigen Folgen der COVID-19-Erkrankung von hospitalisierten Patienten; sie macht deutlich, dass die Nachsorge für die Patienten nach der Entlassung aus dem Krankenhaus wichtig ist.

Die Politik handelt manchmal auch ohne wissenschaftliche Grundlage. Prof. Dr. Thomas Mertens
In die Auswertung sind die Daten von insgesamt 8.679 bei der AOK versicherten COVID-19-Erkrankten einbezogen worden, die vom 1. Februar bis zum 30. April 2020 nach einer bestätigten SARS-CoV-2-Infektion stationär behandelt wurden. Von diesen Patienten mit einem Durchschnittsalter von knapp 69 Jahren starben 25% im Krankenhaus.

Von den 6.235 Überlebenden mussten 1.668 (27%) innerhalb eines halben Jahres nach der ersten Krankenhausbehandlung wieder in einem Krankenhaus aufgenommen werden. 6% der entlassenen Patienten starben in den ersten 6 Monaten nach dem Krankenhausaufenthalt ? die Hälfte von ihnen nach einer erneuten Krankenhauseinweisung.

"Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass bei schweren Verläufen der Erkrankung eine engmaschige Nachsorge durch Haus- und Fachärzte erforderlich ist", sagt Christian Günster, Leiter des Forschungsbereich Qualitäts- und Versorgungsforschung beim WIdO.

Dieser Artikel ist im Original erschienen auf Univadis.de.

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Ungeimpfte zur Kasse bitten: US-Versicherer beenden Schonfrist bei teuren COVID-Therapien. Bald höhere Beiträge?
Elisabeth Rosenthal, Glenn Kramon
Medscape


Im Jahr 2020, also vor Einführung der COVID-19-Impfstoffe, haben die meisten großen US-Privatversicherer auf eine Kostenübernahme durch die an COVID-19 erkrankten Patienten verzichtet. Sie mussten auch keine Selbstbehalte bezahlen.

Aber viele, wenn nicht sogar die meisten Versicherungen, lassen solche Regelungen auslaufen. Aetna zum Beispiel hat den Passus am 28. Februar widerrufen; UnitedHealthcare begann Ende letzten Jahres mit der Rücknahme seiner Befreiungen und beendete sie Ende März dann komplett.

Die aktuelle Situation zeigt: Mehr als 97 % der im letzten Monat US-weit stationär behandelten COVID-19-Patienten waren nicht geimpft. Vakzine verhindern zwar nicht unbedingt, dass Sie sich mit SARS-CoV-2 anstecken, aber sie sind hochwirksam, um sicherzustellen, dass Sie allenfalls mild erkranken und nicht ins Krankenhaus müssen.

Deshalb ist es logisch, dass Versicherungen den freiwilligen Verzicht jetzt revidieren. Warum sollten Patienten finanziell verschont werden, wenn es einen wirksamen Impfstoff gibt, den die Regierung kostenlos zur Verfügung stellt?

Vakzine sind auch in vielen Apotheken erhältlich. Impfmöglichkeiten gibt es selbst an Autobahnraststätten oder an Bushaltestellen, und Vakzine dürfen in einigen Teilen des Landes sogar zu Hause verabreicht werden.

Die COVID-19-Impfquote liegt in den USA bei etwa 60% für Einwohner ab 12 Jahren. Für Herdenimmunität reicht das nicht aus. In Bundesstaaten wie Missouri ? wo einige Bezirke auf Impfraten unter 25% kommen ? werden Krankenhäuser von Patienten mit der stärker übertragbaren Delta-Variante überrannt

Impfgegner führen alle möglichen Gründe an, um kostenlose Impfungen abzulehnen. Die Gruppe ignoriert alle Anstrengungen, sie zum Umdenken zu bewegen. Kampagnen, in denen Amerikaner aufgefordert werden, sich für ihre Gesundheit, für ihre Großeltern, für ihre Nachbarn, für kostenlose Donuts oder einen kostenlosen Joint impfen zu lassen, haben nichts gebracht. Manche Staaten haben sogar Lotterien veranstaltet, bei denen man Millionen US-Dollar oder ein College-Stipendium gewinnen konnte.




Regierungen auf Bundes-, Landes- und Kommunalebene sowie private Unternehmen vermeiden nach wie vor weitgehend eine Impfpflicht für ihre Mitarbeiter, weil sie befürchten, dass diese zu starken Protesten führen könnte.

Wie wäre es also mit einem wirtschaftlichen Argument? Lassen Sie sich impfen, um nicht nur sich und Ihre Mitmenschen, sondern auch Ihren Geldbeutel zu schützen.

Hohe Kosten durch COVID-19
Wenn man in den Vereinigten Staaten mit COVID-19 hospitalisiert wird, führt das zu hohen Kosten. Ein Beispiel: Im Rahmen des NPR-Kaiser Health News-Projekts ?Rechnung des Monats? konnten Patienten Quittungen für stationäre Therapien einreichen. Dazu gehörten?

eine Rechnung über 17.000 US-Dollar für einen kurzen Krankenhausaufenthalt in Marietta, Georgia (reduziert auf etwa 4.000 Dollar für einen nicht versicherten Patienten im Rahmen einer ?Charity Care?-Maßnahme),

eine Rechnung über 104.000 US-Dollar für einen 14-tägigen Krankenhausaufenthalt in Miami für einen nicht versicherten Mann,

eine Rechnung über möglicherweise hunderttausende US-Dollar für einen 14-tägigen Krankenhausaufenthalt ? zum Teil an einem Beatmungsgerät ? für einen ausländischen Touristen auf Hawaii, dessen Reisekrankenversicherung eine Klausel zum ?Pandemie-Ausschluss? hatte.

Auch wenn US-amerikanische Versicherungsgesellschaften niedrigere Preise mit Kliniken aushandeln und einen Großteil der Behandlungskosten übernehmen, sollten Rechnungen von über 1.000 Dollar als Selbstbehalt ? plus Kosten für Zuzahlungen und möglicherweise weitere Behandlungen ? für Patienten ein deutliches Zeichen sein.

Ist das die Zukunft ? finanzielle Nachteile für Risikoverhalten bei Corona?
Eine strengere Gesellschaft könnte harte Strafen gegen Menschen verhängen, die sich nicht impfen lassen und sich mit dem Virus infizieren. Kürzlich hat die US-amerikanische National Football League ein Spiel für ungültig erklärt, weil es bei den beteiligten Mannschaften zu einem COVID-19-Ausbruch gekommen war. Alle Spieler sind daraufhin nicht bezahlt worden.

Versicherer könnten versuchen, ähnlich zu handeln. Und es gibt Präzedenzfälle. Schon jetzt decken manche Policen in den USA keine Behandlungen ab, die durch ein von den Versicherern als riskant eingestuftes Verhalten erforderlich sind, wie z. B. Tauchen oder Klettern.

Der Affordable Care Act erlaubt es den Versicherungen, von Rauchern bis zu 50% mehr zu verlangen als von Nichtrauchern. In 4 von 5 Staaten ist dies möglich; bei den meisten Versicherungsprogrammen für Arbeitgeber wird dies aber nicht umgesetzt.

In 49 Staaten müssen Autofahrer, die ohne Versicherung erwischt werden, mit Geldstrafen, mit der Beschlagnahmung ihres Autos, mit dem Verlust ihres Führerscheins und sogar mit Gefängnisstrafen rechnen. Und rücksichtslose Fahrer zahlen mehr für ihre Versicherung.

Hohe Kosten für die Gemeinschaft auf Einzelne umlegen
Die Logik hinter solchen Maßnahmen besteht darin, dass das Verhalten von Straftätern im Straßenverkehr anderen schaden kann und die Gesellschaft viel Geld kostet: ein Gedanke, der auch für SARS-CoV-2 gilt. Wenn eine Person sich nicht impfen lässt und schwer an COVID-19 erkrankt, setzt sie nicht nur andere an ihrem Arbeitsplatz oder in ihrer Nachbarschaft einer Gefahr aus. Die Allgemeinheit trägt die Kosten.

Zehntausende bis hunderttausende US-Dollar für eine Behandlung könnten im nächsten Jahr auch für andere höhere Prämien in ihren Versicherungsplänen bedeuten. Hinzu kommt, dass Ausbrüche in Regionen mit geringer Durchimpfung dazu beitragen könnten, weitere impfstoffresistente Varianten zu selektieren, was ebenfalls alle Menschen betrifft.

Ja, die Gesellschaft übernimmt oft Kosten für Menschen, deren Gewohnheiten zu ihrer Krankheit beigetragen haben, etwa bei der Drogen- und Alkoholentwöhnung sowie bei der Krebsbehandlung von Rauchern.

Viel Zuckerbrot ? kommt jetzt die Peitsche?
Das ist vielleicht ein Grund dafür, dass Versicherer bisher auf Zuckerbrot und nicht auf die Peitsche gesetzt haben, um Menschen zur Impfung zu bewegen. Einige private Versicherer bieten Menschen, die sich impfen lassen, Prämien oder Geschenkgutscheine an, beispielsweise America's Health Insurance Plans, eine Handelsvereinigung von Krankenversicherungsunternehmen.

Restriktive Maßnahmen könnten einfacher sein, wenn die US Food and Drug Administration (FDA) Impfstoffe regulär zulassen würde, statt sie nur für den Notfall zu genehmigen. Dennoch müssen vom Steuerzahler finanzierte Programme wie Medicaid und Medicare alle gleich behandeln, sagt Larry Levitt, Executive Vice President der Kaiser Family Foundatoin (KFF), einer gemeinnützigen Organisation, die sich auf Gesundheitsfragen konzentriert. Er rechne mit einem langwierigen Prozess, um bundesweite Ausnahmegenehmigungen für das Experimentieren mit Anreizen zu erhalten. Bislang können Anbieter solcher Programme nicht für verschiedene Patienten in einem Staat unterschiedliche Tarife einfordern.

Umfragen von KFF, das nicht zum Versicherer Kaiser Permanente gehört, zeigen, dass solche Anreize ohnehin nur von begrenztem Wert sind. Viele Impfgegner sagen, sie würden sich nur dazu entscheiden, falls sie ihr Arbeitgeber sie dazu auffordere.

Was aber, wenn die finanziellen Kosten einer Nichtimpfung einfach zu hoch wären? Wenn die Patienten über den Preis nachdächten, den sie für ihre eigene Versorgung zahlen müssten, würden sie es sich vielleicht noch einmal überlegen, ob sie auf den Schutz verzichten.

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Montag, 9. August 2021
Umweltmediziner warnen: "Menschheit begeht Selbstmord!"
Klimawandel, Pandemien und Toxine größte Bedrohungen ? Leitlinie kommt
Roland Fath, Medscape


Die europäische allergologische und immunologische Fachgesellschaft EAACI hat auf ihrer Jahrestagung den Kampf gegen Umweltverschmutzung und gegen deren gesundheitlichen Folgen zu einer ihrer Kernaufgaben erklärt. Mit der Leitlinie zu Environmental Health (Umwelthygiene und Umweltmedizin), die nun erarbeitet wird, soll dieses Vorhaben unterstützt werden.

Klare Worte aus der Wissenschaft
Auf dem Symposium sind auch emotionale Worte gefallen, um die Dringlichkeit des raschen Handelns zu unterstreichen. ?Die Menschheit begeht Selbstmord, wir müssen dies stoppen?, appellierte Prof. Dr. Claudia Traidl-Hofmann von der Universität Augsburg.

Die Menschheit begeht Selbstmord, wir müssen dies stoppen! Prof. Dr. Claudia Traidl-Hofmann
Globale Erwärmung und Klimawandel, Viruspandemien wie COVID-19 sowie Umweltverschmutzung und die Belastung des Organismus mit multiplen toxischen Agenzien seien die drei größten Bedrohungen der Menschheit, sagte Prof. Dr. Cezmi Akdis aus Davos, einer der federführenden Autoren der neuen EAACI-Leitlinie. Fokussiert werden soll in den Handlungsempfehlungen nicht nur auf die Zusammenhänge der genannten Bedrohungen, sondern auch auf die ähnlichen Wirkmechanismen von Pollen, Toxinen, Viren und Nanopartikeln bei der Genese vieler Erkrankungen. Vermutet wird eine Schädigung der Endothelbarriere als Ausgangspunkt.

?Menschen sind jeden Tag einer Vielfalt von Toxinen und Chemikalien ausgesetzt?, betonte Akdis. Seit den 2000er-Jahren hätten Detergenzien, Emulgatoren in Lebensmitteln und Mikroplastikpartikel ubiquitär zugenommen mit drastischen gesundheitlichen Folgen.

Der Hypothese zufolge hätten gegenwärtig 2 Milliarden Patienten mit ganz unterschiedlichen chronischen Erkrankungen aufgrund der Exposition zu solchen Schadstoffen eine geschädigte Endothelbarriere im Respirations- oder Gastrointestinaltrakt. Die Folgen seien Entzündungen des Epithels, Kolonisationen mit opportunistischen Pathogenen, mikrobielle Dysbiosen, bakterielle Translokationen sowie Typ-2- und Typ-1-Immunantwort. Die verstärkte Zufuhr von Nahrungsmittelemulgatoren wurden u.a. mit der Entstehung von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen assoziiert, auch mit einer Verstärkung der Suszeptibilität für Typ-1-Diabetes und Zöliakie.

Einteilung epithelialer Defekte
Laut Akdis können die Erkrankungen, die mit einem epithelialen Barrieredefekt und einer mikrobiellen Dysbiose in Verbindung gebracht werden, in 3 Gruppen unterteilt werden:

Allergische und entzündliche Erkrankungen wie atopische Dermatitis, Asthma, allergische Rhinosinusitis und eosinophile Ösophagitis, entzündliche Darmerkrankungen und Zöliakie,

autoimmune und metabolische Erkrankungen wie Diabetes, Autoimmunhepatitis, Leberzirrhose, rheumatoide Arthritis, Lupus und ankylosierende Spondylitis, Multiple Sklerose.

Das Ziel müsse es sein, für den menschlichen Organismus weniger toxische Substanzen zu entwickeln sagte Akdis. Eine Stärkung der mukosalen Barriere sei etwa über die Ernährung und die gezielte Beeinflussung des Mikrobioms möglich. Es seien aber viele weitere neuartige Ansätze zur Prävention und Therapie erforderlich.

Gesundheitsrisiken durch Mikroplastik
Dringend notwendig ist auch eine Reduktion der Umweltbelastung mit Plastik. Allein im Jahr 2019 wurden weltweit 368 Millionen Tonnen Kunststoffe produziert, davon rund 58 Millionen in Europa.

Menschen sind jeden Tag einer Vielfalt von Toxinen und Chemikalien ausgesetzt. Prof. Dr. Cezmi Akdis
?Mikroplastik-Partikel haben in unserem Organismus physikalische und chemische Effekte?, erklärte Dr. Isabella Annesi-Maesano von der Universität Montpellier. Individuell nehme jeder Mensch jährlich über die Nahrung und das Wasser zwischen 39.000 und 52.000 Mikroplastik-Partikel auf, erklärte die Epidemiologin. Die Belastung durch Inhalation wird sogar auf 74.000 bis 121.000 Plastikpartikel jährlich geschätzt. Synthetische Fasern wie Nylon könnten bei beruflich exponierten Personen allergische Reaktionen in den Atemwegen und im weiteren Verlauf Asthma auslösen, berichtete Annesi-Maesano. Vermutlich gebe es auch einen Link zwischen der inhalativen Aufnahme von Mikroplastik-Partikeln und der Entwicklung von interstitiellen Lungenerkrankungen.

7 Millionen Tote pro Jahr durch verschmutzte Luft
Die Umweltverschmutzung treibe den Klimawandel an und werde zu einer immer größeren Gesundheitsbedrohung, sagte Traidl-Hofmann. Sie nannte zahlreiche Beispiele für die gesundheitlichen Folgen der Luftverschmutzung und des Klimawandels:

Die Allergenität von Pollen ist aufgrund der Luftverschmutzung angestiegen.

Die Prävalenz von atopischer Dermatitis, einem Risikofaktor für weitere allergische Erkrankungen, nimmt bei Kindern, die in verkehrsbelasteten Stadtwohnungen groß werden, stetig zu.

Die Biodiversität des Darm-Mikrobioms nimmt ab; ein wichtiger Schutz vor allergischen Sensibilisierungen geht verloren.

Aufgrund des Klimawandels blühen Pflanzen früher, sogar in Innenstädten, und die Pollensaison dauert länger.

Die zunehmende Pollenbelastung beeinträchtigt das Immunsystem und macht Menschen empfänglicher für Virusinfektionen inklusive COVID-19.

Ähnliches gilt für die zunehmende Feinstaubbelastung: Die Exposition mit Feinstaubpartikeln (PM2,5) korreliert mit der COVID-19-Inzidenz.

Schätzungen zufolge gingen auf das Konto der Luftverschmutzung jährlich rund 7 Millionen Todesfälle, berichtete Prof. Dr. Kian Fan Chung vom National Heart & Lung Institute in London. Zusätzlich starben seit Beginn der Corona-Pandemie mehr als 4 Millionen Menschen in Verbindung mit COVID-19, zumindest ein Teil davon auch als Folge der Umweltverschmutzung, die die Virusinfektion erleichtert haben könnte.

Lockdowns waren auch unter Environmental Health-Aspekten ein Gewinn
Bei der Bilanz sollten aber auch die zweifellos positiven Effekte des Corona-Lockdowns für die Umwelt mitberücksichtigt werden. Arbeiten im Homeoffice, weniger Reisen und viele weitere soziale Folgen der Pandemie haben die anthropogen ausgelöste Umweltverschmutzung zuletzt deutlich verringert.

Mikroplastik-Partikel haben in unserem Organismus physikalische und chemische Effekte. Dr. Isabella Annesi-Maesano
?Gasemissionen und der Treibhauseffekt haben abgenommen, die Strände sind sauberer geworden, Natur und Tierwelt haben sich erholt?, sagte Chung. Durch den Corona-Lockdown seien in Europa nach seiner Einschätzung etwa 11.000 Todesfälle infolge Umweltverschmutzung verhindert worden. Auch wenn diese Rechnung angesichts des Schreckens der Pandemie etwas unpassend wirken mag ? sie zeigt jedenfalls, was möglich wäre, wenn die Menschheit sich auf mehr freiwilligen Verzicht einließe.

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Viele Impf-Dosen landen im Müll; Jeder 4. Erkrankte muss erneut in die Klinik; Impfschutz sinkt auf 84% nach 4 Monaten
Michael van den Heuvel, Medscape



Wie das RKI berichtet, steigt die bundesweite 7-Tages-Inzidenz weiter an ? auf 23,1 Fälle pro 100.000 Einwohner. Vor 1 Woche lag der Wert noch bei 17,8. Innerhalb der letzen 24 Stunden haben Gesundheitsämter 1.183 neue Infektionen mit SARS-CoV-2 gemeldet (Vorwoche 847), und 2 Patienten sind in Zusammenhang mit COVID-19 gestorben (Vorwoche 1). Am Dienstag plant Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), mit Regierungschefs der Bundesländer die aktuelle Lage zu erörtern.

Die Effektivität gegen COVID-19 bei Personen mit oder ohne frühere SARS-CoV-2-Infektion lag gemittelt bei 91% (95%-KI 89,0% bis 93,2%).

Die Effektivität gegen schwere Erkrankungen betrug 97% (95%-KI 80,3% bis 99,9%).

In Südafrika, wo die besorgniserregende SARS-CoV-2-Variante B.1.351 (Beta) vorherrschend war, lag die Effektivität bei von 100 % (95 % -KI 53,5% bis 100,0%) beobachtet.

Nach einem Follow-Up von bis zu 6 Monaten wies BNT162b2 trotz einer allmählich abnehmenden Tendenz der Impfstoffwirksamkeit ein günstiges Sicherheitsprofil auf und war bei der Prävention von COVID-19 hochwirksam?, so das Fazit der Autoren.

Zum Vergleich: Bis zu 2 Monate nach der 2. Dosis lag die Wirksamkeit noch bei 96,2% (95%-KI 93,3% bis 98,1%). Im Zeitraum von 2 Monaten bis 4 Monaten fiel sie dann auf 90,1% (95%-KI 86,6 bis 92,9). Nach dem 4. Monat waren es 83,7% (95%-KI 74,7 % bis 89,9 %).

GKV-Daten: Jeder 4. Patient mit COVID-19 wird erneut hospitalisiert
Zwar ist die Gesamtmortalität durch COVID-19 mit rund 2% in Deutschland gering. Über Details in Bezug auf Sterblichkeit oder erneute stationäre Behandlungen ist jedoch weniger bekannt.

Diese Lücke schließt eine Beobachtungsstudie mit Leistungsdaten deutscher Krankenkassen. Eingeschlossen wurden erwachsene Patienten, die zwischen dem 1. Februar und dem 30. April 2020 mit PCR-bestätigtem COVID-19 und einer verwandten Hauptdiagnose hospitalisiert wurden und von denen alle erforderlichen Daten verfügbar waren.

Von 8.679 Patienten (Durchschnittsalter 72 Jahre) starben 2.161 (24,9%) während des Krankenhausaufenthalts. Die 30-Tage-Gesamtmortalitätsrate lag bei 23,9% (2.073/8.679), die 90-Tage-Mortalität bei 27,9 % (2.425/8.679) und die 180-Tage-Mortalität bei 29,6% (2.566/8.679).

In der Subgruppe aller Patienten ab 80 Jahren wurde eine 180-Tage-Mortalität von 52,3% (1.472/2.817) erfasst, falls Patienten nicht invasiv beatmet wurden. Unter mechanischer Beatmung stieg der Wert auf 53,0%.

Zu den Risikofaktoren für die 180-Tage-Gesamtmortalität gehörten Koagulopathien, ein BMI ab 40 und das Alter, während das weibliche Geschlecht neben einer geringeren Prävalenz von Komorbiditäten ein Schutzfaktor war.

Von 6.235 Patienten, die lebend entlassen wurden, mussten 1668 innerhalb von 180 Tagen erneut ein Krankenhaus aufsuchen, teilweise mehrmals (2.551 erneute Einweisungen), was einer Rate von 26,8% entspricht.

?Die 180-Tage-Nachbeobachtungsdaten von hospitalisierten COVID-19-Patienten in einer bundesweiten Kohorte, die fast ein Drittel der deutschen Bevölkerung repräsentiert, zeigen signifikante langfristige Gesamtmortalitäts- und Wiederaufnahmeraten, insbesondere bei Patienten mit Koagulopathie, während Frauen im Vergleich zu Männern ein deutlich besseres und langfristiges klinisches Ergebnis aufweisen?, fassen die Autoren zusammen.

Neuer Vakzin-Typ: Inaktivierte COVID-19-Impfstoffe ? gute Wirksamkeit in Phase-3-Studie
Obwohl wirksame mRNA- oder Vektorvirus-Vakzine gegen COVID-19 gibt, werden noch weitere Impfstoffe benötigt. Der weltweite Bedarf ist groß; viele Länder Afrikas oder Südamerikas benötigen große Mengen. Forscher haben jetzt die Wirksamkeit und unerwünschte Wirkungen von 2 Vakzinen mit inaktivierten SARS-CoV-2-Viren untersucht.

Teilnehmern für eine Phase-3-Studie wurden ab dem 16. Juli 2020 rekrutiert. Die für die Zwischenanalyse der Wirksamkeit und der unerwünschten Ereignisse verwendeten Datensätze wurden am 20. Dezember 2020 bzw. am 31. Dezember 2020 generiert.

Alle Probanden erhielten randomisiert Vakzine mit den inaktivierten Stämmen WIV04 (5 µg/Dosis; n=13.459) bzw. HB02 (4 µg/Dosis; n=13 465) oder Aluminiumsalze in Lösung als Placebo (n=13.458): jeweils 2 intramuskuläre Injektionen im Abstand von 21 Tagen.

Die Auswertung umfasste Daten von 38.206 Probanden (94,6%), die 2 Dosen bekommen hatten und bei denen bis zum Daten-Cut-off mindestens 14 Tage vergangen waren.

Weniger Impfungen, mehr Verfall
Impfungen werden dabei mit großer Wahrscheinlichkeit auf der Agenda stehen. Bundesweit wurden mittlerweile 54,5% der Gesamtbevölkerung vollständig geimpft; 62,3 % haben mindestens 1 Impfdosis erhalten. Pro Tag werden bundesweit immer weniger Dosen appliziert, trotz freier Arzttermine und trotz der Verfügbarkeit von Vakzinen. Die Impfkampagne gerät bundesweit ins Stocken.

Recherchen von NDR und WDR zeigen das wahre Ausmaß des Schadens. Bundesweit sollen seit Beginn der Pandemie um die hunderttausend Dosen entsorgt worden sein, etwa 53.000 in Bayern, 5.500 in Rheinland-Pfalz, 6.000 im Saarland, 9.700 in Sachsen, 3.100 in Schleswig-Holstein und 2.700 in Bremen. Die Zahlen kommen aus Impfzentren. Welche Mengen Arztpraxen wegwerfen mussten, ist unklar. Hinzu kommt: Pro Land sind zehntausende Dosen an den Bund zurückgegangen. Sie sollen anderen Nationen zugutekommen.

Einige Bundesländer, etwa Hamburg, versuchen jetzt, mit niedrigschwelligen Angeboten weitere Bürger zu erreichen. Sie setzen beispielsweise auf eine ?lange Nacht des Impfens? oder bauen Impfstationen an verkaufsoffenen Sonntagen in Einkaufszentren auf.

Politisch bleibt als Frage offen, ob es zu Nachteilen für nicht Geimpfte kommen wird. Das Thema ist politisch umstritten.

Comirnaty®: Guter Schutz auch nach 6 Monaten
Auf dem Preprint-Server MedRxiv haben Forscher kürzlich weitere Daten zur Wirksamkeit von Comirnaty® (BioNTech/Pfizer) veröffentlicht.


In einer laufenden Placebo-kontrollierten, verblindeten, multinationalen Wirksamkeitsstudie wurden 44.165 Teilnehmer ab 16 Jahren und 2.264 Personen zwischen 12 und 15 Jahren randomisiert. Sie erhielten im Abstand von 21 Tagen 2 Dosen BNT162b2 oder Placebo. Das Vakzin erwies sich auch 6 Monate nach der Impfung als sicher und gut verträglic

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Donnerstag, 5. August 2021
Wie groß ist die Gefahr, sich trotz Impfung zu infizieren?
Israelische Studie mit Klinikangestellten gibt Entwarnung
Ute Eppinger, Medscape



Der mRNA-Impfstoff von BioNTech/Pfizer schützt mit 95% zwar sehr wirksam, aber eben nicht vollständig vor COVID-19. So kommt es immer wieder zu Durchbruchinfektionen. Eine Studie mit israelischen Krankenhausmitarbeitern zeigt jetzt, dass Durchbruchsinfektionen mit 0,4% selten sind und in der Regel asymptomatisch oder leicht verlaufen [1].

Prof. Dr. Gili Regev-Yochay, Direktorin der Abteilung Infektiologie am Sheba Medical Center in Ramat Gan, Israel, und ihre Kollegen bezogen 1.497 vollständig geimpfte Beschäftigte am Sheba Medical Center in ihre Studie ein und werteten RT-PCRs, Antigen-Schnelltests, serologische Untersuchungen und Genomsequenzierungen aus. Die Autoren erhoben die Daten in einem Zeitraum von 14 Wochen im Frühjahr dieses Jahres. Einschlusskriterium war der Nachweis einer Durchbruchinfektion. Berücksichtigt wurden sowohl die Symptomatik als auch bereits bekannte Kontakte zu Infizierten.

Die Wissenschaftler charakterisierten alle COVID-19-Durchbruchinfektionen bei 39 vollständig geimpften Beschäftigten im Zeitraum von 4 Monaten nach der 2. Impfstoffdosis und verglichen die humorale Reaktion periinfektiöser Beschäftigter mit der Reaktion vergleichbarer Kontrollpersonen.

Sie fanden eine niedrige Rate an Durchbruchinfektionen (0,4%). Die meisten Infizierten wiesen einen milden (67%) bis asymptomatischen Verlauf (33%) auf. Zu den häufigsten Symptomen gehörten eine verstopfte Nase (36%), Myalgie sowie Geruchs- und Geschmacksverlust mit je 28%, und 21% der Patienten berichteten über Fieber und Schüttelfrost. Bei fast jedem 5. Infizierten (19%) hielten die Symptome länger als 6 Wochen an und ähnelten in der Ausprägung Long-COVID (anhaltender Geruchsverlust, Husten, Müdigkeit, Dyspnoe und Myalgie).

Weniger neutralisierende Antikörper bei den Infizierten
Bei 22 der 39 Probanden lagen auch Daten zu neutralisierenden Antikörpern vor. Diese wurden dann jeweils mit 4 bis 5 Kontrollprobanden aus einer nicht-infizierten, ebenfalls doppelt geimpften Kohorte gematcht. Dabei zeigte sich, dass die Infizierten mit Durchbruchinfektion verglichen mit den Nicht-Infizierten der Kohorte niedrigere neutralisierende Antikörpertiter aufwiesen (Fall-Kontroll-Verhältnis 0,361; 95% KI: 0,165 bis 0,787). Höhere periinfektiöse neutralisierende Antikörpertiter waren mit einer geringeren Infektiosität verbunden (gemessen als höhere Ct-Werte).

Die Alpha-Variante (B.1.1.7) wurde in 85% der getesteten Proben gefunden. Eine hohe Viruslast (Ct-Wert <30) konnte bei 74% der Fallpatienten nachgewiesen werden.

Die Autoren machen selbst auf einige Limitationen aufmerksam. So war die Zahl der untersuchten Fälle relativ gering, auch handelte es sich bei der Kohorte überwiegend um junge und gesunde Personen, und alle Durchbruchsinfektionen waren mild und erforderten keinen Krankenhausaufenthalt. ?Wir konnten deshalb das Korrelat des Schutzes vor schweren Infektionen oder Infektionen in gefährdeten Bevölkerungsgruppen älterer, multimorbider Personen nicht bestimmen?, schreiben sie.

Eine weitere Einschränkung sei, dass man trotz intensiver Bemühungen, alle exponierten Beschäftigten im Gesundheitswesen zu testen, möglicherweise asymptomatische Fälle übersehen habe, weil keine Überwachungstests durchgeführt wurden.

Regev-Yochay und ihre Kollegen kommen zu dem Schluss: ?Der BNT162b2-Impfstoff ist zwar äußerst wirksam, doch seltene Durchbruchsinfektionen bergen ein infektiöses Potenzial und sind eine besondere Herausforderung, denn sie verlaufen häufig asymptomatisch und können damit eine Gefahr für gefährdete Bevölkerungsgruppen darstellen.

Impfdurchbrüche in Deutschland

In seinem Lagebericht vom 29. Juli 2021 meldet das Robert Koch-Institut 7.229 Impfdurchbrüche seit dem 1. Februar:

Davon traten 5.766 nach einer abgeschlossenen Impfserie mit Comirnaty (BioNTech/Pfizer) auf,

214 mit Spikevax (Moderna),

331 mit Vaxzevria (AstraZeneca) und

601 mit COVID-19-Vaccine Janssen.

Bei weiteren 317 Impfdurchbrüchen konnte keine Zuordnung erfolgen. Unter den Impfdurchbrüchen wurden 0 Fälle im Alter von < 18 Jahren, 94 Fälle (2%) im Alter von 18 bis 59 Jahren und 663 Fälle (27%) im Alter ≥ 60 Jahren hospitalisiert.

Dabei verteilen sich die Virusvarianten bei den Durchbruchsinfektionen in den Altersgruppen unterschiedlich:

Alpha ist für 36% der Fälle bei den unter 18-Jährigen verantwortlich, für 54% der Fälle in der Altersgruppe der 18- bis 59-Jährigen und für 81% bei den über 60-Jährigen.

Delta ist bei den unter 18-Jährigen für 64% der Durchbruchinfektionen verantwortlich, in der Gruppe der 18- bis 59-Jährigen für 39% und bei den über 60-Jährigen für 10% der Fälle.

Vollständig geimpft sind 1,5% der unter 18-Jährigen, 40,7% der 18- bis 59-Jährigen und 70,3% der über 60-Jährigen. Der Anteil der Impfdurchbrüche unter COVID-19-Fällen lag in der Altersgruppe < 8 Jahre bei 0,02%, in der Altersgruppe der 18- bis 59-Jährigen bei 0,6% und in der Altersgruppe der über 60-Jährigen bei 1,6%.

Grundsätzlich treten Impfdurchbrüche immer auf, wenn die Impfung keine sterile Immunität auslöst, also keinen 100%igen Schutz vor Ansteckung bietet. Sie finden bis jetzt vor allem bei Menschen statt, die für einen schweren COVID-19-Verlauf prädisponiert sind. Impfdurchbrüche sind kein einschlägiger Hinweis auf eine schlechte Wirkung von Impfungen, sollten allerdings beobachtet werden.

Impfdurchbrüche können zunehmen, wenn neue Virusvarianten (wie Delta) in der Lage sind, der Immunantwort aufgrund von Mutationen partiell zu entkommen oder durch veränderte Eigenschaften schneller eine Infektion manifestieren zu können, bevor das Immunsystem die Infektion erfolgreich bekämpfen kann. Häufiger werden können Impfdurchbrüche auch dann, wenn die Wirkung der Impfung nach einigen Monaten nachlässt. Eine 3. Impfung (Booster-Impfung) könnte daher ratsam sein; Studien dazu laufen derzeit.

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Wie gefährlich ist die Lambda-Variante? Forscher warnen vor Immune Escape
Medscape:

Wer braucht wirklich eine Booster-Impfung?

Industrie: Vakzine werden teurer

Schweres COVID-19: bald genetische Biomarker?

Therapie: Tofacitinib bei Patienten mit COVID-19 und Pneumonie

SARS-CoV-2-Infektion: Kinder erholen sich nach 6 Tagen

Mortalität in Deutschland geringer als in den meisten Vergleichsländern

Die Autoren des Preprints warnen, dass Lambda von der Weltgesundheitsorganisation als ?Variante von Interesse? (variant of interest), aber nicht als ?besorgniserregende Variante? (variant of concern) eingestuft wird und Menschen möglicherweise nicht erkennen, dass es eine ernsthafte, anhaltende Gefahr darstellt. Wie gefährlich die Lambda-Variante im Vergleich zur Delta-Variante ist, ist derzeit unklar.

Maria van Kerkhove, Epidemiologin bei der WHO, sagt, die Lambda-Variante gehe ?nicht wirklich hoch, selbst in Peru nicht, wo die Variante zuerst entdeckt wurde?. Sie sei bislang in 40 Ländern nachgewiesen worden.

Die Daten aus Japan würden derzeit überinterpretiert, erklärt Prof. Dr. Carsten Watzl von der Deutschen Gesellschaft für Immunologie. Man sehe nur, dass Lambda in Labor-Versuchen etwas ansteckender sei als das ursprüngliche Virus, aber nicht ansteckender als die Delta-Variante, die in Deutschland derzeit vorherrschend sei. Dennoch reißen Diskussionen um Auffrischungsimpfungen nicht ab.

Wer braucht wirklich eine Booster-Impfung?
Über die Frage, wer von Auffrischungsimpfungen profitieren könnte, diskutierten Experten bei einem Press Briefing des Science Media Center Germany. Hintergrund sind Berichte über Durchbruchsinfektionen, etwa aus Israel.

Dr. Christine Dahlke vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf verweist auf Erfahrungen mit dem MERS-Coronavirus. ?Hier gibt es mehr Daten, und es wurden bereits klinische Studien durchgeführt?, berichtet sie. Bei Probanden seien Antikörper-Titer nach der Impfung wieder abgefallen, nach einer Auffrischung aber angestiegen und auf höherem Niveau geblieben ? für längere Zeit. ?Das Prinzip des Boosterns ist auch von anderen Impfungen her bekannt?, so die Expertin. Die Bildung von Plasmazellen würde eben erst ab einer Zeit induziert; das sei ein normaler Vorgang, so ihre Erklärung.

Mit der Bildung von T-Zellen nach der Gabe von mRNA-Vakzinen hat sich Dr. Maike Hofmann vom Universitätsklinikum Freiburg befasst. ?Wir sehen, dass die T-Zellen sehr früh nach der 1- Impfung induziert werden und im Blut nachweisbar sind?, berichtet sie. Diese T-Zellen seien bereits voll funktional. Hofmann: ?Wir sehen nach der 2. Impfung einen Anstieg des Titers, bald darauf aber eine leichte Abnahme.? Hofmann untersuchte Proben bis zu 4 Monate nach der 2. Impfung. Prognosen zur Langlebigkeit seien noch nicht möglich. ?Was wir aber schon sagen können, ist, dass sich dann Zellen ausbilden, die klassische Charakteristika von Gedächtniszellen haben?, sagt die Expertin.

?Wir haben recht früh bemerkt, dass es Gruppen gibt, die auf konventionelle Impfungen recht schwach reagieren?, so Prof. Dr. Leif Erik Sander von der Charité ? Universitätsmedizin Berlin. Das seien Patienten mit Organtransplantationen bzw. hochgradig immunsupprimierte Patienten. ?Wir haben das aber auch bei einer Kohorte mit Seniorinnen gesehen?, erklärt Sander. Sie seien im Schnitt 81 Jahre alt gewesen, jedoch ohne schwerwiegende Vorerkrankungen. Auch 4 Wochen nach der Zeitimpfung hätten sie kaum messbare Antikörper-Titer gehabt. Die Frage sei jetzt, welchen Schutz Vakzine 6 oder mehr Monate nach der Impfung böten und welche Rolle Varianten mit teilweisem Immune Escape spielte.

Angebote zur Drittimpfung für alle Menschen befürworten die 3 Experten derzeit nicht. Sie erklären, dass solche Strategien auf globaler Ebene die Impfstoffknappheit verschärfen könnte. Allenfalls mache dies bei vulnerablen Personen Sinn.

Industrie: Kasse machen mit Vakzinen
Weitere Impfungen, speziell eine Vielzahl an Booster-Impfungen, sind auch wirtschaftlich attraktiv. Dies könnte erklären, warum Pfizer laut einem Bericht der Financial Times den Preis seines COVID-19-Impfstoffs um mehr als 25% erhöht. Auch Moderna veranschlagt 10% mehr. Aufgrund neuer Verträge mit der EU konnten Firmen hier nachbessern.

Analysten vermuten, dass der COVID-19-Impfstoff von Pfizer den höchsten Umsatz aller Medikamente in einem einzigen Jahr erzielen wird. Allein für 2021 rechnen sie mit etwa 33,5 Milliarden US-Dollar (28,2 Milliarden Euro). Aber das Unternehmen sagt, dass es ärmeren Ländern den Impfstoff zu einem stark reduzierten Preis zur Verfügung stellen wird.

Pfizer verlangte von der Europäischen Union zuvor 15,50 Euro pro Dosis für seinen Impfstoff. Laut Financial Times berechnet das Unternehmen nun 19,50 Euro pro Dosis für 2,1 Milliarden Dosen, die bis 2023 geliefert werden.

Moderna rechnete mit der EU zuvor 22,60 USD (19,05 Euro) pro Dosis ab, erhält jetzt jedoch 25,50 USD (20,65 Euro). Dieser neue Preis ist laut Financial Times tatsächlich niedriger als zunächst erwartet, da die EU ihre ursprüngliche Bestellung angepasst hat, um mehr Dosen zu erhalten.


Schweres COVID-19: bald genetische Biomarker?
Ohne Impfung steigt die Gefahr, schwer an COVID-19 zu erkranken. Neben dem Alter, einem hohen Body-Mass-Index und Vorerkrankungen gab es schon bald nach Beginn der Pandemie Hinweise auf genetische Risikofaktoren. Wie Medscape berichtet hat, standen damals Genloci im Mittelpunkt, die für Blutgruppen codieren.

In Nature hat die COVID-19 Host Genetics Initiative jetzt neue Erkenntnisse veröffentlicht. Grundlage waren 46 Studien mit mehr als 49.000 Personen mit COVID-19 und 2 Millionen Kontrollpersonen.

Die Autoren teilten alle Erkrankten in 3 Kategorien ein:

Patienten mit Infektion (selbst gemeldet, ärztlich oder labordiagnostisch bestätigt)

Patienten mit Krankenhausaufenthalt (labordiagnostisch bestätigtes mittelschwerem bis schweres COVID-19)

Patienten mit kritischem Verlauf (labordiagnostisch bestätigte Infektion und Atemunterstützung; ggf. Tod während der stationären Behandlung)

Im Zuge ihrer Analyse identifizierten die Forscher 13 Loci, die mit einer SARS-CoV-2-Infektion und dem Schweregrad der Erkrankung assoziiert sind, darunter 6 Loci, die aus früheren Studien noch nicht bekannt waren.

4 Genorte beeinflussen die allgemeine Anfälligkeit für SARS-CoV-2-Infektionen, während 9 mit der Schwere der Erkrankung assoziiert waren. 2 Loci fanden Wissenschaftler erst, als sie Individuen mit ostasiatischen Vorfahren in ihre Analyse einbezogen hatten.

Als Schwachpunkt bleibt: Etwa 80% der Teilnehmer waren europäischer Abstammung, was die Aussagekraft der Ergebnisse schmälert. Dennoch zeigen die Forscher, dass es ? vielleicht in naher Zukunft ? möglich sein könnte, das Risiko für schweres COVID-19 anhand mehrerer Biomarker zu prognostizieren. Vorerkrankungen oder das Alter sind jedoch bedeutsamer.

Therapie: Tofacitinib bei Patienten mit COVID-19 und Pneumonie
Auch die Suche nach neuen COVID-19-Therapien geht weiter. Zur Wirksamkeit und Sicherheit von Tofacitinib, einem Janus-Kinase-Inhibitor, bei stationären Patienten mit COVID-19 und einer Pneumonie gab es bislang kaum Informationen. Jetzt haben Forscher neue Daten veröffentlicht.

Insgesamt wurden 289 Patienten an 15 Standorten in Brasilien randomisiert. 89,3% erhielten während des Krankenhausaufenthalts Glukokortikoide. Die kumulative Inzidenz von Tod oder Atemversagen bis zum 28. Tag betrug 18,1% in der Tofacitinib-Gruppe und 29,0% in der Placebo-Gruppe (Risikoverhältnis: 0,63; 95%-Konfidenzintervall: 0,41 bis 0,97; p = 0,04).

Der Tod aus jeglicher Ursache trat bis zum 28. Tag bei 2,8% der Patienten in der Tofacitinib-Gruppe und bei 5,5% der Patienten in der Placebo-Gruppe ein (Hazard Ratio: 0,49; 95%-KI: 0,15 bis 1,63). Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse traten bei 20 Patienten (14,1%) in der Tofacitinib-Gruppe und bei 17 (12,0%) in der Placebo-Gruppe auf.

?Bei Patienten, die mit einer Covid-19-Pneumonie ins Krankenhaus eingeliefert wurden, führte Tofacitinib bis zum Tag 28 zu einem geringeren Risiko für Tod oder Atemversagen als Placebo?, so das Fazit der Autoren.

SARS-CoV-2-Infektion: Kinder erholen sich nach 6 Tagen
Infizieren sich Kinder mit SARS-CoV-2, erholen sie sich meist sehr rasch, fanden britische Wissenschaftler heraus. Ihre Kohorte umfasste 58.790 Kinder im Alter von 5-17 Jahren, bei denen Erziehungsberechtigte zwischen dem 24. März 2020 und dem 22. Februar 2021 einen Verdacht auf SARS-CoV-2-Infektion gemeldet hatten. 75.529 Testergebnisse lagen den Wissenschaftlern vor, davon waren 1.734 positiv.

Als häufigste Symptome einer SARS-CoV-2-Infektion bei Kindern und Jugendlichen traten Kopfschmerzen (n = 1079; 62,2%) und Müdigkeit (n = 954; 55,0%) auf. Die mittlere Krankheitsdauer betrug 6 Tage gegenüber 3 Tagen bei negativ getesteten Kindern und war positiv mit dem Alter assoziiert. 77 Kinder (4,4 %) hatten eine Krankheitsdauer von mindestens 28 Tagen, wobei ältere Kinder eher als jüngere betroffen waren.

?Obwohl COVID-19 bei Kindern in der Regel von kurzer Dauer mit geringer Symptombelastung ist, kommt es bei einigen Kindern zu einer verlängerten Krankheitsdauer?, schreiben die Autoren. ?Erfreulicherweise nahm die Symptombelastung bei diesen Kindern mit der Zeit nicht zu und die meisten erholten sich bis zum 56. Tag.?

Ländervergleich: Geringere Mortalität in Deutschland
Durch Lockdowns und durch die ?AHA+L?-Regel haben Politiker in Deutschland versucht, das Infektionsgeschehen zu bremsen und Todesfälle zu vermeiden ? offensichtlich sehr erfolgreich.

Mit zirka 50 zusätzlichen Todesfällen pro 100.000 Einwohner hatte Deutschland während der Pandemie deutlich niedrigere Werte als die Niederlande (110), Belgien (140), Frankreich (110), die Schweiz (100), Österreich (110), Tschechien (320), oder Polen (310). Zu dem Ergebnis kommen Wissenschaftler der Universität Tübingen und der Hebräischen Universität Jerusalem. Sie haben Daten aus 100 Ländern verglichen.

In Australien und Neuseeland sind sogar weniger Menschen als in vergleichbaren Zeiträumen vor der Pandemie gestorben. Die Autoren gehen davon aus, dass dies durch die Abstands- und Hygieneregeln zustande kam, was Todesfälle durch andere Infektionen als COVID-19 reduziert hat, etwa durch Influenza.

?Wir hoffen, dass wir so ein besseres Verständnis der Pandemie erlangen und sich der Erfolg verschiedener Eindämmungsmaßnahmen besser erfassen lässt?, sagt Dr. Dmitry Kobak von der Universität Tübingen.

Deutschland holt beim Impfen auf ? aber USA mit 70% vorne
Laut Bundesministerium für Gesundheit haben 62,0 % der Bevölkerung mindestens 1 Imfpdosis erhalten und 53,0 % sind vollständig geschützt. Zum Vergleich: Die USA hat Joe Bidens Ziel, 70% aller Bürger 1 Impfdosis zu verabreichen, mittlerweile erreicht ? fast 1 Monat später als geplant. 60,6% der Erwachsenen und 49,7% der Gesamtbevölkerung haben den vollständigen Schutz. Das Impftempo hat sich angesichts der Besorgnis über die Delta-Variante wieder etwas erhöht.



USA erreicht Meilenstein bei Impfungen

Gesundheitsämter haben dem RKI innerhalb der letzten 24 Stunden 3.539 Neuinfektionen gemeldet. Vor 1 Woche waren es 3.142 Fälle. Innerhalb des letzten Tages sind 26 COVID-19-Patienten gestorben (Vorwoche: 21 Todesfälle). Die 7-Tages-Inzidenz liegt aktuell bei 19,4 (Vorwoche: 16,0).

Wie gefährlich ist die Lambda-Variante? Forscher warnen vor Immune Escape
Die Lambda-Variante, die zuerst in Peru entdeckt wurde und sich nun in Südamerika ausbreitet, ist hochinfektiös und resistenter gegen Impfstoffe als die ursprüngliche Version des Virus, wie japanische Forscher festgestellt haben. Ergebnisse ihrer Studie wurden bislang nur als Preprint veröffentlicht.

Anhand von Laborexperimenten fanden sie heraus, dass 3 Mutationen im Lambda-Spike-Protein, nämlich RSYLTPGD246-253N, 260 L452Q und F490S, dazu beitragen könnten, dass das Virus nicht durch impfstoffinduzierte Antikörper neutralisiert wird. 2 weitere Mutationen, T76I und L452Q, machen Lambda hochgradig infektiös.

Forscher wissen mittlerweile, dass 3 Faktoren die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass sich ein impfstoffresistenter Stamm durchsetzt:

langsame Durchimpfungsraten

viele Infektionen

schnellere Mutationsrate

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Mittwoch, 4. August 2021
Kennen Sie "Corona-Musik"?
Sie hilft, Pandemie-Stress besser zu ertragen und vertreibt Angst und Einsamkeit ? sagt Nature
Dr. Thomas Kron



Der Umgang mit Musik kann dabei helfen, die Belastungen durch die Pandemie zu bewältigen. Eine besondere Bedeutung habe dabei ?Corona-Musik?, berichtet Prof. Dr.Melanie Wald-Fuhrmann, Direktorin am Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik, die zusammen mit ihrer Mitarbeiterin Dr.Lauren K. Fink und anderen und Wissenschaftlern untersucht hat, ob und wie Musik als Hilfe bei der emotionalen Regulierung in Krisenzeiten hilft. Ihre Ergebnisse haben sie in Nature veröffentlicht.

Menschen mit einer vorwiegend positiven Grundstimmung nutzen Musik vor allem als Ersatz für soziale Interaktionen. Ihnen vermittelt Musik beim Zuhören und auch beim Musizieren ein Gefühl der Zugehörigkeit und Gemeinschaft. Beim Musizieren kann die Musik darüber hinaus als Mittel zur Selbstreflexion dienen.

Millionen von Klicks für ?Corona-Musik?
Eine besondere Bedeutung kommt der Studie zufolge dem neuartigen Genre der ?Corona-Musik? zu. Dabei handelt es sich um musikalische Reaktionen auf die Corona-Krise ? neu komponierte Stücke, thematische Wiedergabelisten sowie bereits existierende Songs, deren Texte hinsichtlich der Pandemie überarbeitet wurden. Die Bedeutung der ?Corona-Musik? wird unter anderem auch durch die Millionen von Klicks bestätigt, die viele solcher Titel oder Videos weltweit erhalten haben.

Die Attraktivität und das Bewältigungspotenzial der ?Corona-Musik? dürften nach Angaben der Autoren vor allem in ihrer Eigenschaft als Medium liegen, das sich explizit mit der Pandemie und ihren Folgen für das Leben und die Gefühle der Menschen auseinandersetzt.

Insbesondere der Musik mit Texten könne ein besonders großes Bewältigungspotenzial zugeschrieben werden, da sie Aktualität und soziale Stellvertreterfunktion mit der Fähigkeit der Musik verbinden könne, die Emotionen der Menschen zu beeinflussen und Trost zu spenden.

Auch Informationen zum Virus werden vermittelt
Darüber hinaus zielt ein Großteil der angebotenen ?Corona-Musik? darauf ab, auf attraktive und überzeugende Weise Informationen über das Virus und die notwendigen Hygienemaßnahmen zu vermitteln und die Menschen zum Verständnis und zur Einhaltung der Vorschriften aufzufordern. Es habe sich gezeigt, dass Einfühlungsvermögen und zuverlässige Informationen die Befolgung von Schutz- und Gegenmaßnahmen erhöhten.

Die ?Corona-Musik? vermittelt ihrem Publikum also nicht nur Empathie, sondern dürfte diese auch hervorrufen und letztlich als Mittel zur Beeinflussung des menschlichen Verhaltens, der Problemlösung und der adaptiven Bewältigung dienen.

Corona-Musik biete die Gelegenheit, kollektiv auf die aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen zu reagieren und stärkt damit die Widerstandsfähigkeit des Einzelnen und der Gemeinschaft. Dies ist ein wesentlicher Aspekt, auch hinsichtlich der gesellschaftlichen Debatte über die ?Systemrelevanz? von Musik und Kultur.

Dieser Artikel ist im Original erschienen auf Univadis.de.

Viele Menschen erleben die Einschränkungen aufgrund der Pandemie und die Unvorhersagbarkeit der Auswirkungen der Corona-Pandemie als belastend. Nicht alle können damit gleich gut umgehen. Wichtig ist dabei die so genannte Resilienz ? die Widerstandsfähigkeit bei psychologischen Belastungen. Ein Großteil der Menschen ist in Zeiten von Stress und potenziell traumatischen Ereignissen resilient, einige Menschen entwickeln hingegen stressabhängige Erkrankungen.

Während der Pandemie und der Lockdown-Phasen nutzen viele Menschen vor allem Musik, um die emotionalen Belastungen besser zu ertragen. Musikhören war eine der Aktivitäten, deren Bedeutung während der Lockdown-Phasen am stärksten zunahm ? verglichen mit anderen Freizeitaktivitäten, die ebenfalls die Emotionsregulierung unterstützen könnten, z.B. Sport, Gartenarbeit, Meditation und Basteln.

Internationale Studie mit über 5.000 Personen
Wissenschaftler eines internationales Forschungsprojektes unter Beteiligung des Frankfurter Max-Planck-Instituts für empirische Ästhetik haben nun untersucht, ob der Umgang mit Musik eine wirksame Strategie für die sozio-emotionale Bewältigung eines Lockdowns ist.

In 6 Ländern aus 3 Kontinenten wurden während des ersten Lockdowns von April bis Mai 2020 demografisch repräsentative Stichproben erhoben: Über 5.000 Personen aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Indien, Italien und den USA beantworteten in einer Online-Studie Fragen zu ihrem Umgang mit Musik während der Krise. Mehr als die Hälfte der Befragten gab an, Musik zur Bewältigung emotionaler und sozialer Stressfaktoren zu verwenden.

?Bemerkenswert ist, dass nicht die Musik selbst als Bewältigungshilfe dient, sondern das musikbezogene Verhalten, also die Art und Weise, wie die Menschen ihren Umgang mit Musik in der Krise verändert haben. Musikhören und Musikmachen bieten dabei unterschiedliche Bewältigungspotentiale?, erklärt Wald-Fuhrmann in einer Mitteilung des Instituts [2].

Menschen mit pandemiebedingt stärkeren negativen Emotionen setzen Musik in erster Linie zur Regulierung von Depressionen, Angst und Stress ein. Diese Strategie kommt besonders beim Musikhören zum Einsatz.

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Gold, 500 Euro, eine Kuh oder ein Elektroauto?
Was Länder als Impfanreize anbieten und Ethiker oder Forscher davon halten
Sebastian Schmidt


Gerade steigt die Zahl der Infektionen weltweit. Die Reaktion vieler Länder: Unentschiedene jetzt schnell vom Impfen überzeugen. Welche Maßnahmen diskutiert werden und welche Probleme es dabei geben könnte.

Einige Länder setzen auf neue Ideen, um möglichst viele Menschen mit ihrem Impfangebot gegen das SARS-CoV-2-Virus zu erreichen. Manche dieser Methoden sind umstritten.

Ethische Fragen, die gegen Impfanreize sprechen
Zugleich gibt es Stimmen, die insbesondere Bargeld, aber auch andere Impfanreize für den falschen Weg halten, um eine höhere Durchimpfung in der Bevölkerung zu erreichen.

Gegenüber dem British Medical Journal äußerte die Rechtswissenschaftlerin Ana Santos Rutschman ernsthafte Bedenken, weil die Bezahlung von Menschen ?vor dem Hintergrund einer Pandemie, die durch die miteinander verwobenen Phänomene der gesundheitlichen Fehlinformation und des Misstrauens in die Gesundheitsbehörden gekennzeichnet ist, unerwünscht ist. Auch über den Kontext von COVID-19 hinaus ist das Bezahlen für Impfungen eine fragwürdige Gesundheitspolitik, die das Vertrauen der Öffentlichkeit in Impfstoffe nicht wiederherstellen kann.?

Auch über den Kontext von COVID-19 hinaus ist das Bezahlen für Impfungen eine fragwürdige Gesundheitspolitik, die das Vertrauen der Öffentlichkeit in Impfstoffe nicht wiederherstellen kann. Ana Santos Rutschman
Allyson Pollock leitet das Centre for Excellence in Regulatory Science der Universität Newcastle. Sie nimmt klar Stellung: ?Diese Programme sind die Antithese einer guten öffentlichen Gesundheitspraxis und basieren auf kommerziellen Interessen, nicht auf der öffentlichen Gesundheit. Vielmehr sollte die Impfpolitik auf Information, Vertrauen und Zustimmung aufgebaut sein und nicht auf Zwang und Bestechung.?

Hohe Prämien könnten für mehr Misstrauen sorgen
In der New York Times schrieben der Verhaltensökonom George Loewenstein und ein Kollege bereits im Jahr 2020: ?Menschen reagieren auf Anreize nicht wie Ratten, die für Futter einen Hebel drücken; sie versuchen zu interpretieren, was das Angebot einer Zahlung bedeutet. In diesem Fall besteht die Gefahr, dass das Angebot impliziert, dass der Impfstoff nicht von Wert ist.?

Höhere Prämien für einen vollständigen Impfschutz könnten also durchaus auch zum gegenteiligen Effekt führen, weil die Menschen dadurch der Impfung misstrauen und negative Impfnebenwirkungen befürchten könnten.

Keine Belohnung, sondern drohende Strafen
Doch nicht überall setzen die Verantwortlichen auf Belohnung, oftmals werden auch Strafdrohungen ausgesprochen. Auch in Deutschland hatte es Anfang Juli Diskussionen um Strafen gegeben. Allerdings ging es dabei um Strafen für Impfschwänzer, die Bundesregierung hatte sich letztlich dagegen entschieden.

Konsequenzen müssen Menschen indes andernorts fürchten. So sind Angestellte im öffentlichen Sektor in Moskau, San Francisco und Saudi-Arabien zur Impfung verpflichtet. Auch in Frankreich war zuletzt eine Impfpflicht für im Gesundheitswesen Tätige beschlossen worden. Gewohnt drastisch motivierte der Präsident der Philippinen Rodrigo Duterte die Bevölkerung des Landes: ?Lassen Sie sich impfen oder ich bringe Sie ins Gefängnis.?

Dieser Artikel ist im Original erschienen auf Coliquio.de .

Kreative Anreize für eine höhere Impfquote
So bekommen Impflinge in den USA beispielsweise Bargeld, Donuts, Angel- und Jagdlizenzen, Eintritt in Museen, Zoos, Konzerte oder ein Sportspiel geschenkt. Der Bundesstaat New Jersey lockt seine Bürger mit einer Kampagne ?Shot and a beer?, nachdem der abstinente Präsident Joe Biden mit dem Ausspruch ?Get a shot and have a beer? die Bevölkerung ermutigt hatte, sich impfen zu lassen. Andere Bundesstaaten fahren härtere Geschütze auf und werben mit Joints und Waffen als Lotteriegewinn.

In vielen Ländern weltweit locken die offiziellen Stellen mit Lotteriegewinnen, so beispielsweise in Polen, Tschechien, der Slowakei und in manchen US-Bundesstaaten. In Thailand ist es möglich eine Kuh zu gewinnen, während in Hongkong Goldbarren und ein Elektroauto der Marke Tesla im Lotterietopf sind. In Rumänien setzt man auf Atmosphäre und piekst im Dracula-Schloss in Transsylvanien, das zu einem Impfzentrum erklärt wurde.

Diskussion um Impfprämie in Deutschland
Währenddessen wird auch in Deutschland über Anreize diskutiert, nicht zuletzt über eine Art Impfprämie. Vorschläge von 50, 100 und sogar 500 Euro stehen im Raum, um die vom Robert Koch-Institut als Ziel gesetzte Marke von 85% bei Kindern ab 12 und Erwachsenen zu erreichen.

So sprach sich die Ökonomin Nora Szech dafür aus, 500 Euro als Prämie auszuzahlen. Studien hätten gezeigt, dass nur so die erforderliche Impfquote erreicht werden könne. Schon bei 100 Euro gehe die Impfbereitschaft Richtung 80%, sagte Szech gegenüber dem Deutschlandfunk .

Ethische Fragen, die gegen Impfanreize sprechen
Zugleich gibt es Stimmen, die insbesondere Bargeld, aber auch andere Impfanreize für den falschen Weg halten, um eine höhere Durchimpfung in der Bevölkerung zu erreichen.

Gegenüber dem British Medical Journal äußerte die Rechtswissenschaftlerin Ana Santos Rutschman ernsthafte Bedenken, weil die Bezahlung von Menschen ?vor dem Hintergrund einer Pandemie, die durch die miteinander verwobenen Phänomene der gesundheitlichen Fehlinformation und des Misstrauens in die Gesundheitsbehörden gekennzeichnet ist, unerwünscht ist. Auch über den Kontext von COVID-19 hinaus ist das Bezahlen für Impfungen eine fragwürdige Gesundheitspolitik, die das Vertrauen der Öffentlichkeit in Impfstoffe nicht wiederherstellen kann.?

Auch über den Kontext von COVID-19 hinaus ist das Bezahlen für Impfungen eine fragwürdige Gesundheitspolitik, die das Vertrauen der Öffentlichkeit in Impfstoffe nicht wiederherstellen kann. Ana Santos Rutschman
Allyson Pollock leitet das Centre for Excellence in Regulatory Science der Universität Newcastle. Sie nimmt klar Stellung: ?Diese Programme sind die Antithese einer guten öffentlichen Gesundheitspraxis und basieren auf kommerziellen Interessen, nicht auf der öffentlichen Gesundheit. Vielmehr sollte die Impfpolitik auf Information, Vertrauen und Zustimmung aufgebaut sein und nicht auf Zwang und Bestechung.?

Hohe Prämien könnten für mehr Misstrauen sorgen
In der New York Times schrieben der Verhaltensökonom George Loewenstein und ein Kollege bereits im Jahr 2020: ?Menschen reagieren auf Anreize nicht wie Ratten, die für Futter einen Hebel drücken; sie versuchen zu interpretieren, was das Angebot einer Zahlung bedeutet. In diesem Fall besteht die Gefahr, dass das Angebot impliziert, dass der Impfstoff nicht von Wert ist.?

Höhere Prämien für einen vollständigen Impfschutz könnten also durchaus auch zum gegenteiligen Effekt führen, weil die Menschen dadurch der Impfung misstrauen und negative Impfnebenwirkungen befürchten könnten.

Keine Belohnung, sondern drohende Strafen
Doch nicht überall setzen die Verantwortlichen auf Belohnung, oftmals werden auch Strafdrohungen ausgesprochen. Auch in Deutschland hatte es Anfang Juli Diskussionen um Strafen gegeben. Allerdings ging es dabei um Strafen für Impfschwänzer, die Bundesregierung hatte sich letztlich dagegen entschieden.

Konsequenzen müssen Menschen indes andernorts fürchten. So sind Angestellte im öffentlichen Sektor in Moskau, San Francisco und Saudi-Arabien zur Impfung verpflichtet. Auch in Frankreich war zuletzt eine Impfpflicht für im Gesundheitswesen Tätige beschlossen worden. Gewohnt drastisch motivierte der Präsident der Philippinen Rodrigo Duterte die Bevölkerung des Landes: ?Lassen Sie sich impfen oder ich bringe Sie ins Gefängnis.?

Dieser Artikel ist im Original erschienen auf Coliquio.de .

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