Mittwoch, 9. Juni 2021
COVID-19 als eigene Krankheitsentität: Warum der Körper auf SARS-CoV-2 anders reagiert als auf frühere Coronaviren
che2001, 18:56h
Forscher haben in den letzten Monaten viel zur Epidemiologie von SARS-CoV-2 herausgefunden, doch das komplexe klinische Bild von COVID-19 wirft etliche Fragen auf. Deshalb hat Dr. Marcin F. Osuchowski vom Ludwig-Boltzmann-Institut für Experimentelle und Klinische Traumatologie zusammen mit Kollegen die wissenschaftliche Literatur gesichtet. Die Übersichtsarbeit in The Lancet legt nahe, dass das Virus ein besonderes Infektionsprofil hat ? und das COVID-19 eine eigenständige medizinische Entität ist [1].
Besondere Eigenschaften von SARS-CoV-2
Mittlerweile gibt es zunehmend Evidenz, dass SARS-CoV-2 sowohl die oberen als auch die unteren Atemwege infiziert. Das überrascht, denn humane Coronaviren als bekannte Auslöser von Erkältungskrankheiten besiedeln typischerweise die oberen Atemwege. Hochpathogene Coronaviren wie SARS und MERS befallen vor allem die unteren Atemwege.
Die Replikation im Hals-Rachen-Raum, auch während der präsymptomatischen Phase, spielt eine wichtige Rolle zur Erklärung der vergleichsweise hohen Übertragbarkeit von SARS-CoV-2. Untersuchungen zeigen, dass bei Patienten mit COVID-19 die Viruslast in respiratorischen Proben höher als bei SARS und MERS ist. Sie erreicht 3-5 Tage vor Symptombeginn ein Maximum: deutlich früher als bei SARS oder MERS. Bei allen 3 Viren kommt es zu einer ähnlichen kurzzeitigen humoralen Immunantwort.
Wie lange die Immunität gegen SARS-CoV-2 anhält, ist derzeit unklar. Es gibt Hinweise, dass das immunologische Gedächtnis über 6 Monate hinweg persistiert. Möglicherweise ist die T-Zell-Immunität wesentlich länger. Bei SARS konnte eine T-Zell-Reaktivität bis zu 17 Jahre nach der Infektion nachgewiesen werden.
COVID-19: Das Immunsystem außer Takt
Neue Krankheitsbilder nach SARS-CoV-2-Infektionen
Im Vergleich zu anderen Coronaviren überraschen sowohl die Multiorgan-Symptomatik als auch die Thrombenbildung und eine ungewöhnliche immunvermittelte inflammatorische Reaktion. SARS-CoV-2 hat evolutionär besondere Eigenschaften entwickelt.
Während in Tier- und Zellmodellen eine aggressive immunvermittelte Entzündungsreaktion für die Symptome verantwortlich ist, scheint dies im Menschen weniger der Fall zu sein. Auch wenn Entzündungsprozesse als wichtiger Faktor gelten, liegt vor allem eine bislang unbekannte Dysregulation der Immunantwort vor. Die systemische, inflammatorische Antwort auf SARS-CoV-2 scheint im Vergleich zu anderen viralen oder bakteriellen Infektionen eher mild auszufallen.
Effekte auf die Balance des Immunsystems könnten auch eine Erklärung dafür sein, warum manche Patienten an Long-COVID leiden und warum nach der Infektion mitunter schwere Lungenschäden auftreten. Als weiterer wichtiger Faktor bei respiratorischen und nicht-respiratorischen Manifestationen der Krankheit gilt die die SARS-CoV-2-induzierte Endotheliitis.
Meist ist die Lunge beteiligt
COVID-19 wurde zuallererst als Lungenkrankheit beschrieben. Charakteristisch für die Pneumonie selbst ist eine Hypoxie. Dies kann zum akuten Lungenversagen (Acute Respiratory Distress Syndrome, ARDS) führen. Typisch ist ein Horovitz-Quotient unter 300 mmHg; er beschreibt das Ausmaß der Lungenschädigung. Bei Lungengesunden liegt der Wert je nach Alter zwischen 350 mmHg und 450 mmHg. COVID-19 manifestiert sich bei Erwachsenen oft durch Fieber und Husten, aber auch durch eine Atemfrequenz von über 30/Minute.
Die sogenannte stille Hypoxämie gilt als weiteres ungewöhnliches Phänomen. Sie ist charakterisiert durch einen kritisch-niedrigen Sauerstoffpartialdruck, aber nur leichte Beschwerden beim Atmen. Eine Studie zeigte, dass nur 19% der Patienten mit kritischem PaO2 unter Atemnot litten. Dabei kann es zu Atemversagen kommen.
Krankheit mit neuem Profil
Prof. Dr. Ignacio Martin-Loeches vom Trinity College Dublin, einer der Autoren des Reviews, betont, COVID-19 stelle eine neuartige Krankheit mit einem unbekannten Infektionsprofil dar. Das Virus habe seine ganz eigene Charakteristik und eine besondere Pathophysiologie. Dies sollte man sich bei der Behandlung bewusst machen.
Allerdings bedeute dies laut Martin-Loeches nicht, bekannte Therapien, die auf dem Wissen über andere Coronaviren beruhten, zu verwerfen. Zum Lösen des COVID-19-Puzzles wünscht er sich, dass Forscher die Thematik unvoreingenommen und vor allem schrittweise bearbeiten. Auf das Alter, das Geschlecht, auf Ethnien und Vorerkrankungen sei besonders zu achten.
Dieser Artikel ist im Original erschienen auf Coliquio.de.
Besondere Eigenschaften von SARS-CoV-2
Mittlerweile gibt es zunehmend Evidenz, dass SARS-CoV-2 sowohl die oberen als auch die unteren Atemwege infiziert. Das überrascht, denn humane Coronaviren als bekannte Auslöser von Erkältungskrankheiten besiedeln typischerweise die oberen Atemwege. Hochpathogene Coronaviren wie SARS und MERS befallen vor allem die unteren Atemwege.
Die Replikation im Hals-Rachen-Raum, auch während der präsymptomatischen Phase, spielt eine wichtige Rolle zur Erklärung der vergleichsweise hohen Übertragbarkeit von SARS-CoV-2. Untersuchungen zeigen, dass bei Patienten mit COVID-19 die Viruslast in respiratorischen Proben höher als bei SARS und MERS ist. Sie erreicht 3-5 Tage vor Symptombeginn ein Maximum: deutlich früher als bei SARS oder MERS. Bei allen 3 Viren kommt es zu einer ähnlichen kurzzeitigen humoralen Immunantwort.
Wie lange die Immunität gegen SARS-CoV-2 anhält, ist derzeit unklar. Es gibt Hinweise, dass das immunologische Gedächtnis über 6 Monate hinweg persistiert. Möglicherweise ist die T-Zell-Immunität wesentlich länger. Bei SARS konnte eine T-Zell-Reaktivität bis zu 17 Jahre nach der Infektion nachgewiesen werden.
COVID-19: Das Immunsystem außer Takt
Neue Krankheitsbilder nach SARS-CoV-2-Infektionen
Im Vergleich zu anderen Coronaviren überraschen sowohl die Multiorgan-Symptomatik als auch die Thrombenbildung und eine ungewöhnliche immunvermittelte inflammatorische Reaktion. SARS-CoV-2 hat evolutionär besondere Eigenschaften entwickelt.
Während in Tier- und Zellmodellen eine aggressive immunvermittelte Entzündungsreaktion für die Symptome verantwortlich ist, scheint dies im Menschen weniger der Fall zu sein. Auch wenn Entzündungsprozesse als wichtiger Faktor gelten, liegt vor allem eine bislang unbekannte Dysregulation der Immunantwort vor. Die systemische, inflammatorische Antwort auf SARS-CoV-2 scheint im Vergleich zu anderen viralen oder bakteriellen Infektionen eher mild auszufallen.
Effekte auf die Balance des Immunsystems könnten auch eine Erklärung dafür sein, warum manche Patienten an Long-COVID leiden und warum nach der Infektion mitunter schwere Lungenschäden auftreten. Als weiterer wichtiger Faktor bei respiratorischen und nicht-respiratorischen Manifestationen der Krankheit gilt die die SARS-CoV-2-induzierte Endotheliitis.
Meist ist die Lunge beteiligt
COVID-19 wurde zuallererst als Lungenkrankheit beschrieben. Charakteristisch für die Pneumonie selbst ist eine Hypoxie. Dies kann zum akuten Lungenversagen (Acute Respiratory Distress Syndrome, ARDS) führen. Typisch ist ein Horovitz-Quotient unter 300 mmHg; er beschreibt das Ausmaß der Lungenschädigung. Bei Lungengesunden liegt der Wert je nach Alter zwischen 350 mmHg und 450 mmHg. COVID-19 manifestiert sich bei Erwachsenen oft durch Fieber und Husten, aber auch durch eine Atemfrequenz von über 30/Minute.
Die sogenannte stille Hypoxämie gilt als weiteres ungewöhnliches Phänomen. Sie ist charakterisiert durch einen kritisch-niedrigen Sauerstoffpartialdruck, aber nur leichte Beschwerden beim Atmen. Eine Studie zeigte, dass nur 19% der Patienten mit kritischem PaO2 unter Atemnot litten. Dabei kann es zu Atemversagen kommen.
Krankheit mit neuem Profil
Prof. Dr. Ignacio Martin-Loeches vom Trinity College Dublin, einer der Autoren des Reviews, betont, COVID-19 stelle eine neuartige Krankheit mit einem unbekannten Infektionsprofil dar. Das Virus habe seine ganz eigene Charakteristik und eine besondere Pathophysiologie. Dies sollte man sich bei der Behandlung bewusst machen.
Allerdings bedeute dies laut Martin-Loeches nicht, bekannte Therapien, die auf dem Wissen über andere Coronaviren beruhten, zu verwerfen. Zum Lösen des COVID-19-Puzzles wünscht er sich, dass Forscher die Thematik unvoreingenommen und vor allem schrittweise bearbeiten. Auf das Alter, das Geschlecht, auf Ethnien und Vorerkrankungen sei besonders zu achten.
Dieser Artikel ist im Original erschienen auf Coliquio.de.
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Labor, Fledermaushöhle, Pelzindustrie? Was Forscher zum Ursprung von COVID-19 vermuten R
che2001, 18:29h
Dieser Beitrag enthält auch wieder die Geschichte mit dem Kontakt Mensch-Fledermaus in chinesischen Bergwerken, die mir vor gut einem Jahr zu Ohren kam.
Ralph Ellis/Ute Eppinger
In Deutschland sorgt eine These des Virologen Prof. Dr. Christian Drosten im aktuellen NDR Info Podcast ?Coronavirus-Update? zum Ursprung von Sars-CoV-für Diskussionen. Er hält wenig von der Hypothese, dass das neuartige Coronavirus in einem Labor entstanden sei. Dagegen sieht er eher eine mögliche Rolle der wenig kontrollierten chinesischen Pelzindustrie und der dort gezüchteten Marderhunde.
Über wilde Marderhunde, die z.B. tote Fledermäuse fressen, könnte das neuartige Coronavirus in Zuchtfarmen eingeschleppt worden sein. In China werden nach seinen Angaben rund 14 Millionen Marderhunde für die Fellproduktion gehalten. Bei ihnen könnten sich erste Menschen angesteckt haben, etwa bei der Tötung der Tiere, denen ? oft noch lebend ? das Fell abgezogen werde und die dabei laut schreiend viele Aerosole ausstoßen. Nach wie vor sei die chinesische Pelzindustrie in weiten Teilen kaum reguliert ? ganz im Gegenteil hat sie von steigenden Preisen profitiert als im letzten Jahr in Dänemark wegen einiger Corona-Infektionen bis zu 17 Millionen Nerze getötet worden waren.
Auch in USA sorgen die Spekulationen um den Ursprung des Pandemie-Virus für Schlagzeilen. Dr. Anthony Fauci, leitender medizinischer Berater des Weißen Hauses, hat China jetzt aufgefordert, Informationen über 9 Menschen freizugeben, die an COVID-19-ähnlichen Symptomen erkrankten, bevor sich das Coronavirus weltweit ausbreiten konnte ? 6 Bergleute, die 2012 in einer Fledermaushöhle gearbeitet hatten, und 3 Laborarbeiter in Wuhan Ende 2019.
In einem Interview mit der Financial Times sagte Fauci, dass die Informationen helfen könnten, den Ursprung von SARS-CoV-2 zu bestimmen und Behauptungen zu entkräften, dass das Coronavirus aus einem Labor in Wuhan entwichen sei, bevor es sich in der ganzen Welt verbreitet habe.
?Ich würde gerne die Patientenakten der 3 Personen sehen, von denen berichtet wird, dass sie 2019 krank geworden sind?, sagte er in dem Interview. ?Sind sie wirklich krank geworden, und wenn ja, woran sind sie erkrankt??
Ich würde gerne die Patientenakten der 3 Personen sehen, von denen berichtet wird, dass sie 2019 krank geworden sind. Dr. Anthony Fauci
?Dasselbe mit den Bergarbeitern, die vor Jahren erkrankt sind ... Was sagen die medizinischen Aufzeichnungen über diese Leute aus??, so Fauci. ?Es ist durchaus denkbar, dass der Ursprung von SARS-CoV-2 in dieser Höhle lag und sich entweder auf natürliche Weise ausbreiten konnte oder über das Labor.?
Fauci sagte, dass er immer noch glaube, dass das Coronavirus von Tieren auf Menschen übertragen wurde, er aber sich nicht zu 100% sicher sei.
Erst vor kurzem hatte Präsident Joe Biden die US-Geheimdienste angewiesen, den Ursprung des neuartigen Coronavirus zu untersuchen.
Fauci sagte, dass noch immer 2 Möglichkeiten auf dem Tisch sind: die bekannte Theorie, dass das Virus von einem Tier auf den Menschen außerhalb eines Labors übertragen wurde, oder dass es versehentlich aus einem Labor entwichen sei. Er sagte, dass die CIA und andere Geheimdienste noch keinen Konsens darüber erreicht hätten, wie sich SARS-CoV-2 in China ausbreiten konnte.
Ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums, Wang Wenbin, wollte sich nicht dazu äußern, ob China die Krankenakten freigeben würde, wies aber die ?Labor-Theorie? zurück. ?Wir hoffen, dass Menschen, die keinen Verschwörungstheorien anhängen und die Fakten und Wahrheit respektieren, aus dieser Erklärung sachliche Antworten entnehmen können?, sagte er laut Financial Times.
Kontakt mit Fledermaus-Guano in einer Kupfermine in China
Das Wall Street Journal berichtete, dass Bergleute im April 2012 eine Kupfermine im Südwesten Chinas betreten hatten, um Fledermaus-Guano zu entfernen. 6 von ihnen entwickelten daraufhin eine COVID-19-ähnliche Erkrankung, und 3 von ihnen starben.
Auch Wissenschaftler des Wuhan Institute of Virology gingen in die Höhle, um Proben des Fledermaus-Guanos zu sammeln, berichtete die Zeitung. Im November 2019 erkrankten 3 Forscher aus diesem Labor an Grippe-ähnlichen Symptomen und suchten ein Krankenhaus auf, wie aus einem Bericht des US-Geheimdienstes hervorgehe, der der Zeitung vorliege.
Die ersten bekannten Coronavirus-Fälle sind bekanntlich Ende Dezember 2019 in der Provinz Wuhan gemeldet worden, auch der erste Todesfall wurde dort im Januar 2020 gemeldet. Seitdem wurden weltweit 172 Millionen Fälle gemeldet, mit 3,7 Millionen Todesfällen durch COVID-19.
Ralph Ellis/Ute Eppinger
In Deutschland sorgt eine These des Virologen Prof. Dr. Christian Drosten im aktuellen NDR Info Podcast ?Coronavirus-Update? zum Ursprung von Sars-CoV-für Diskussionen. Er hält wenig von der Hypothese, dass das neuartige Coronavirus in einem Labor entstanden sei. Dagegen sieht er eher eine mögliche Rolle der wenig kontrollierten chinesischen Pelzindustrie und der dort gezüchteten Marderhunde.
Über wilde Marderhunde, die z.B. tote Fledermäuse fressen, könnte das neuartige Coronavirus in Zuchtfarmen eingeschleppt worden sein. In China werden nach seinen Angaben rund 14 Millionen Marderhunde für die Fellproduktion gehalten. Bei ihnen könnten sich erste Menschen angesteckt haben, etwa bei der Tötung der Tiere, denen ? oft noch lebend ? das Fell abgezogen werde und die dabei laut schreiend viele Aerosole ausstoßen. Nach wie vor sei die chinesische Pelzindustrie in weiten Teilen kaum reguliert ? ganz im Gegenteil hat sie von steigenden Preisen profitiert als im letzten Jahr in Dänemark wegen einiger Corona-Infektionen bis zu 17 Millionen Nerze getötet worden waren.
Auch in USA sorgen die Spekulationen um den Ursprung des Pandemie-Virus für Schlagzeilen. Dr. Anthony Fauci, leitender medizinischer Berater des Weißen Hauses, hat China jetzt aufgefordert, Informationen über 9 Menschen freizugeben, die an COVID-19-ähnlichen Symptomen erkrankten, bevor sich das Coronavirus weltweit ausbreiten konnte ? 6 Bergleute, die 2012 in einer Fledermaushöhle gearbeitet hatten, und 3 Laborarbeiter in Wuhan Ende 2019.
In einem Interview mit der Financial Times sagte Fauci, dass die Informationen helfen könnten, den Ursprung von SARS-CoV-2 zu bestimmen und Behauptungen zu entkräften, dass das Coronavirus aus einem Labor in Wuhan entwichen sei, bevor es sich in der ganzen Welt verbreitet habe.
?Ich würde gerne die Patientenakten der 3 Personen sehen, von denen berichtet wird, dass sie 2019 krank geworden sind?, sagte er in dem Interview. ?Sind sie wirklich krank geworden, und wenn ja, woran sind sie erkrankt??
Ich würde gerne die Patientenakten der 3 Personen sehen, von denen berichtet wird, dass sie 2019 krank geworden sind. Dr. Anthony Fauci
?Dasselbe mit den Bergarbeitern, die vor Jahren erkrankt sind ... Was sagen die medizinischen Aufzeichnungen über diese Leute aus??, so Fauci. ?Es ist durchaus denkbar, dass der Ursprung von SARS-CoV-2 in dieser Höhle lag und sich entweder auf natürliche Weise ausbreiten konnte oder über das Labor.?
Fauci sagte, dass er immer noch glaube, dass das Coronavirus von Tieren auf Menschen übertragen wurde, er aber sich nicht zu 100% sicher sei.
Erst vor kurzem hatte Präsident Joe Biden die US-Geheimdienste angewiesen, den Ursprung des neuartigen Coronavirus zu untersuchen.
Fauci sagte, dass noch immer 2 Möglichkeiten auf dem Tisch sind: die bekannte Theorie, dass das Virus von einem Tier auf den Menschen außerhalb eines Labors übertragen wurde, oder dass es versehentlich aus einem Labor entwichen sei. Er sagte, dass die CIA und andere Geheimdienste noch keinen Konsens darüber erreicht hätten, wie sich SARS-CoV-2 in China ausbreiten konnte.
Ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums, Wang Wenbin, wollte sich nicht dazu äußern, ob China die Krankenakten freigeben würde, wies aber die ?Labor-Theorie? zurück. ?Wir hoffen, dass Menschen, die keinen Verschwörungstheorien anhängen und die Fakten und Wahrheit respektieren, aus dieser Erklärung sachliche Antworten entnehmen können?, sagte er laut Financial Times.
Kontakt mit Fledermaus-Guano in einer Kupfermine in China
Das Wall Street Journal berichtete, dass Bergleute im April 2012 eine Kupfermine im Südwesten Chinas betreten hatten, um Fledermaus-Guano zu entfernen. 6 von ihnen entwickelten daraufhin eine COVID-19-ähnliche Erkrankung, und 3 von ihnen starben.
Auch Wissenschaftler des Wuhan Institute of Virology gingen in die Höhle, um Proben des Fledermaus-Guanos zu sammeln, berichtete die Zeitung. Im November 2019 erkrankten 3 Forscher aus diesem Labor an Grippe-ähnlichen Symptomen und suchten ein Krankenhaus auf, wie aus einem Bericht des US-Geheimdienstes hervorgehe, der der Zeitung vorliege.
Die ersten bekannten Coronavirus-Fälle sind bekanntlich Ende Dezember 2019 in der Provinz Wuhan gemeldet worden, auch der erste Todesfall wurde dort im Januar 2020 gemeldet. Seitdem wurden weltweit 172 Millionen Fälle gemeldet, mit 3,7 Millionen Todesfällen durch COVID-19.
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Dienstag, 8. Juni 2021
Und täglich grüßt das Murmeltier
che2001, 11:53h
Neues von der Maskenfront:
https://www.gmx.net/magazine/news/coronavirus/corona-news-ticker-krankenhaushygieniker-abkehr-ffp2-maskenpflicht-35810440
https://www.gmx.net/magazine/news/coronavirus/corona-news-ticker-krankenhaushygieniker-abkehr-ffp2-maskenpflicht-35810440
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Montag, 7. Juni 2021
Geruchsverlust durch COVID-19: Jeder 2. ist betroffen ? was man bisher dazu weiß und was sich dagegen tun lässt
che2001, 19:24h
Dr. Klaus Fleck, Medscape
INTERESSENKONFLIKTE 4. Juni 2021
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Bei freier Nase plötzlich auftretende Riechstörungen gelten als frühes Warnzeichen einer Infektion mit dem SARS-CoV-2-Virus. Falls die Riechfunktion auch nach Monaten gestört sei, könne eine Erholung durch ein Riechtraining gefördert werden, erklärte Prof. Dr. Thomas Hummel, Leiter des Interdisziplinären Zentrums für Riechen und Schmecken an der Klinik für Hals-, Nasen und Ohrenheilkunde des Universitätsklinikums Dresden auf einer virtuellen Pressekonferenz [1]. Anlässlich der 92. & 91.
Jahresversammlung der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie (DGHNO-KHC), informierte er über Details.
50 bis 60% aller COVID-19-Patienten betroffen
Riechstörungen sind unabhängig von SARS-CoV-2 keine Seltenheit. ?Etwa jeder 20. kann gar nicht riechen, und etwa ein Fünftel der Bevölkerung hat keinen besonders guten Geruchssinn?, sagt Hummel. Bei 50 bis 60% aller COVID-19-Erkrankten sei jedoch zu beobachten, dass es oft schon in den ersten Tagen nach der Infektion zu einer plötzlichen Riechstörung komme. Die Beschwerden stünden meist in keinem Zusammenhang mit Schwellungen der Nasenschleimhaut bzw. mit typischen Symptomen eines Schnupfens.
Bei 5 bis 20% der Betroffenen besteht die Riechstörung ? länger fort und kann sich über weitere Monate bis vielleicht sogar Jahre hinziehen. Prof. Dr. Thomas Hummel
Zwar erhole sich die Riechfunktion bei den meisten Corona-Patienten innerhalb von etwa zwei Monaten wieder, berichtet Hummel. ?Bei 5 bis 20% der Betroffenen besteht die Riechstörung jedoch länger fort und kann sich über weitere Monate bis vielleicht sogar Jahre hinziehen.? Von anderen postviralen Riechstörungen wisse man, dass das Riechvermögen bei rund einem Drittel dieser Patienten sogar dauerhaft beeinträchtigt bleibe.
SARS-CoV-2 greift Stütz- und Riechzellen an
Wissenschaftler erklären den Riechverlust so: Das Virus heftet sich nach seinem Eintritt in die Nase an die Riechzellen im Dach der oberen Nasenhöhle und an Stützzellen. Bei diesem Schritt wird der Riechnerv gestört.
Ist die Infektion nur schwach ausgeprägt, verschwinden die Symptome bald ? meist innerhalb von Tagen oder Wochen. Bei schwerem COVID-19 sterben Stützzellen ab, was ebenfalls Riechzellen und Basalzellen beeinträchtigt. Stützzellen werden aus basalen Stammzellen nachgebildet, was Zeit kostet. Patienten leiden längerfristig an diesen Missempfindungen.
?Damit sich eine Riechstörung wieder bessert, müssen sich Riechzellen neu bilden, und ihre Fortsätze zum Gehirn müssen nachwachsen, was Zeit in Anspruch nimmt?, erläuterte Hummel. ER ist auch einer der Autoren der aktuellen S1-Leitlinie ?Neurologische Manifestationen bei COVID-19?.
Mit Riechtraining die Genesung beschleunigen
HNO-Ärzte können die Erholung der Riechfunktion durch ein Riechtraining zu Hause untertstützen. ?Damit lässt sich die Besserung des Riechvermögens um das Doppelte bis Dreifache beschleunigen?, so der Experte. Patienten riechen morgens und abends an 4 verschiedenen Düften jeweils eine halbe Minute lang. Sie üben, bis sich ihr Geruchssinn normalisiert hat. Das kann Wochen oder Monate dauern.
(Mit einem Riechtraining) lässt sich die Besserung des Riechvermögens um das Doppelte bis Dreifache beschleunigen. Prof. Dr. Thomas Hummel
Geeignete Düfte, empfahl Hummel, sollten intensiv sein und am besten so wirken, dass der Nervus trigeminus stimuliert werde. Solche Öle rufen ein leichtes Kribbeln und Stechen in der Nase hervor.
Beispielhaft nennt der Experte Rose, Zitrone, Eukalyptus und Gewürznelke. Entsprechende Sets gibt es im Handel. Nach einiger Zeit können diese Öle eventuell durch dezentere Düfte ergänzt bzw. ersetzt werden, wobei man bei einer Gesamtzahl von 4 Düften bleiben sollte.
Subjektive und objektive Tests
Um Riechstörungen möglichst genau auf den Grund zu gehen, empfiehlt Hummel eine HNO-fachärztliche Untersuchung. Ärzten stehen verschiedene subjektive und objektive Riechtestverfahren zur Verfügung. ?Oft besteht eine Diskrepanz zwischen dem subjektiven Empfinden des Patienten und dem, was dann tatsächlich festgestellt werden kann?, berichtet Hummel. ?Zudem ist es sinnvoll, den Verlauf der Störung fachärztlich beobachten zu lassen.?
Es ist sinnvoll, den Verlauf der Störung fachärztlich beobachten zu lassen. Prof. Dr. Thomas Hummel
Bei der differentialdiagnostischen Beurteilung ist daran zu denken, dass Riechstörungen auch durch andere Viren, etwa Influenzaviren, oder durch Schädel-Hirn-Verletzungen ausgelöst werden können. Ebenso besteht die Möglichkeit, dass es sich um ein frühes Symptom neurodegenerativer Erkrankungen wie Morbus Parkinson oder Morbus Alzheimer handelt.
Während virale Erkrankungen eher die Riechschleimhaut bzw. den Nervus olfactorius schädigen, sind bei den neurodegenerativen Prozessen insbesondere die Riechzentren im Gehirn betroffen. Deshalb setzt der Riechverlust meist nur schleichend ein.
Auch der Geschmack wird beeinträchtigt
COVID-19-Erkrankte beobachten meist nicht nur eine Störung des Riechens, sondern auch Einbußen beim Schmecken. ?Allerdings wird Riechen und Schmecken häufig verwechselt?, erklärte Hummel. Viele Menschen können durch verursachte Veränderungen des Feingeschmacks nicht gut von Störungen der gustatorischen Sensitivität unterscheiden.
Der eigentliche Geschmackssinn wird unabhängig vom Riechen über Geschmacksknospen der Zunge vermittelt. Bekanntlich unterscheidet man so die großen Geschmacksrichtungen süß, sauer, salzig, bitter und umami (japanisch für schmackhaft oder würzig). Um das volle Aroma von Speisen oder Getränken wahrzunehmen, braucht man aber auch den olfaktorisch beeinflussten Feingeschmack. Ist er durch eine Corona-Infektion beeinträchtigt, wird das Essen schnell als fade empfunden. Dass Riechtraining trägt auch dazu bei, den Feingeschmack wieder wahrzunehmen.
INTERESSENKONFLIKTE 4. Juni 2021
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Bei freier Nase plötzlich auftretende Riechstörungen gelten als frühes Warnzeichen einer Infektion mit dem SARS-CoV-2-Virus. Falls die Riechfunktion auch nach Monaten gestört sei, könne eine Erholung durch ein Riechtraining gefördert werden, erklärte Prof. Dr. Thomas Hummel, Leiter des Interdisziplinären Zentrums für Riechen und Schmecken an der Klinik für Hals-, Nasen und Ohrenheilkunde des Universitätsklinikums Dresden auf einer virtuellen Pressekonferenz [1]. Anlässlich der 92. & 91.
Jahresversammlung der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie (DGHNO-KHC), informierte er über Details.
50 bis 60% aller COVID-19-Patienten betroffen
Riechstörungen sind unabhängig von SARS-CoV-2 keine Seltenheit. ?Etwa jeder 20. kann gar nicht riechen, und etwa ein Fünftel der Bevölkerung hat keinen besonders guten Geruchssinn?, sagt Hummel. Bei 50 bis 60% aller COVID-19-Erkrankten sei jedoch zu beobachten, dass es oft schon in den ersten Tagen nach der Infektion zu einer plötzlichen Riechstörung komme. Die Beschwerden stünden meist in keinem Zusammenhang mit Schwellungen der Nasenschleimhaut bzw. mit typischen Symptomen eines Schnupfens.
Bei 5 bis 20% der Betroffenen besteht die Riechstörung ? länger fort und kann sich über weitere Monate bis vielleicht sogar Jahre hinziehen. Prof. Dr. Thomas Hummel
Zwar erhole sich die Riechfunktion bei den meisten Corona-Patienten innerhalb von etwa zwei Monaten wieder, berichtet Hummel. ?Bei 5 bis 20% der Betroffenen besteht die Riechstörung jedoch länger fort und kann sich über weitere Monate bis vielleicht sogar Jahre hinziehen.? Von anderen postviralen Riechstörungen wisse man, dass das Riechvermögen bei rund einem Drittel dieser Patienten sogar dauerhaft beeinträchtigt bleibe.
SARS-CoV-2 greift Stütz- und Riechzellen an
Wissenschaftler erklären den Riechverlust so: Das Virus heftet sich nach seinem Eintritt in die Nase an die Riechzellen im Dach der oberen Nasenhöhle und an Stützzellen. Bei diesem Schritt wird der Riechnerv gestört.
Ist die Infektion nur schwach ausgeprägt, verschwinden die Symptome bald ? meist innerhalb von Tagen oder Wochen. Bei schwerem COVID-19 sterben Stützzellen ab, was ebenfalls Riechzellen und Basalzellen beeinträchtigt. Stützzellen werden aus basalen Stammzellen nachgebildet, was Zeit kostet. Patienten leiden längerfristig an diesen Missempfindungen.
?Damit sich eine Riechstörung wieder bessert, müssen sich Riechzellen neu bilden, und ihre Fortsätze zum Gehirn müssen nachwachsen, was Zeit in Anspruch nimmt?, erläuterte Hummel. ER ist auch einer der Autoren der aktuellen S1-Leitlinie ?Neurologische Manifestationen bei COVID-19?.
Mit Riechtraining die Genesung beschleunigen
HNO-Ärzte können die Erholung der Riechfunktion durch ein Riechtraining zu Hause untertstützen. ?Damit lässt sich die Besserung des Riechvermögens um das Doppelte bis Dreifache beschleunigen?, so der Experte. Patienten riechen morgens und abends an 4 verschiedenen Düften jeweils eine halbe Minute lang. Sie üben, bis sich ihr Geruchssinn normalisiert hat. Das kann Wochen oder Monate dauern.
(Mit einem Riechtraining) lässt sich die Besserung des Riechvermögens um das Doppelte bis Dreifache beschleunigen. Prof. Dr. Thomas Hummel
Geeignete Düfte, empfahl Hummel, sollten intensiv sein und am besten so wirken, dass der Nervus trigeminus stimuliert werde. Solche Öle rufen ein leichtes Kribbeln und Stechen in der Nase hervor.
Beispielhaft nennt der Experte Rose, Zitrone, Eukalyptus und Gewürznelke. Entsprechende Sets gibt es im Handel. Nach einiger Zeit können diese Öle eventuell durch dezentere Düfte ergänzt bzw. ersetzt werden, wobei man bei einer Gesamtzahl von 4 Düften bleiben sollte.
Subjektive und objektive Tests
Um Riechstörungen möglichst genau auf den Grund zu gehen, empfiehlt Hummel eine HNO-fachärztliche Untersuchung. Ärzten stehen verschiedene subjektive und objektive Riechtestverfahren zur Verfügung. ?Oft besteht eine Diskrepanz zwischen dem subjektiven Empfinden des Patienten und dem, was dann tatsächlich festgestellt werden kann?, berichtet Hummel. ?Zudem ist es sinnvoll, den Verlauf der Störung fachärztlich beobachten zu lassen.?
Es ist sinnvoll, den Verlauf der Störung fachärztlich beobachten zu lassen. Prof. Dr. Thomas Hummel
Bei der differentialdiagnostischen Beurteilung ist daran zu denken, dass Riechstörungen auch durch andere Viren, etwa Influenzaviren, oder durch Schädel-Hirn-Verletzungen ausgelöst werden können. Ebenso besteht die Möglichkeit, dass es sich um ein frühes Symptom neurodegenerativer Erkrankungen wie Morbus Parkinson oder Morbus Alzheimer handelt.
Während virale Erkrankungen eher die Riechschleimhaut bzw. den Nervus olfactorius schädigen, sind bei den neurodegenerativen Prozessen insbesondere die Riechzentren im Gehirn betroffen. Deshalb setzt der Riechverlust meist nur schleichend ein.
Auch der Geschmack wird beeinträchtigt
COVID-19-Erkrankte beobachten meist nicht nur eine Störung des Riechens, sondern auch Einbußen beim Schmecken. ?Allerdings wird Riechen und Schmecken häufig verwechselt?, erklärte Hummel. Viele Menschen können durch verursachte Veränderungen des Feingeschmacks nicht gut von Störungen der gustatorischen Sensitivität unterscheiden.
Der eigentliche Geschmackssinn wird unabhängig vom Riechen über Geschmacksknospen der Zunge vermittelt. Bekanntlich unterscheidet man so die großen Geschmacksrichtungen süß, sauer, salzig, bitter und umami (japanisch für schmackhaft oder würzig). Um das volle Aroma von Speisen oder Getränken wahrzunehmen, braucht man aber auch den olfaktorisch beeinflussten Feingeschmack. Ist er durch eine Corona-Infektion beeinträchtigt, wird das Essen schnell als fade empfunden. Dass Riechtraining trägt auch dazu bei, den Feingeschmack wieder wahrzunehmen.
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Das Ende der Impfpriorisierung ? aber der Impfstoff fehlt
che2001, 19:22h
Mit dem heutigen Tag endet bundesweit die Impfpriorisierung. Das heißt: Im Prinzip kann sich jeder Impfwillige ? ab dem 12. Lebensjahr ? um einen Impftermin ?bemühen?, wie es offiziell heißt. Doch Ärzte und Politiker dämpfen die Erwartungen der Bevölkerung. Denn nach wie vor herrsche Impfstoffmangel.
Ab heute sollen außerdem mehr als 6.000 Betriebsärztinnen und -ärzte mit den Impfungen starten. Sie erhalten dafür in der ersten Woche 702.000 von insgesamt gut 6,6 Millionen für die Woche angekündigten Impfstoffdosen ? sehr viel dieses Impfstoffes wird allerdings für Zweitimpfungen verwendet werden. 45% der Bevölkerung haben inzwischen mindestens eine Impfung, aber nur etwa jeder 5. ist zweimal geimpft.
Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebunds, Gerd Landsberg, hat in der "Rheinischen Post", vor zu großen Hoffnungen an die Aufhebung der Impfpriorisierung gewarnt: ?Enttäuschung und Frust sind dabei vorprogrammiert, da nicht sofort ausreichend Impfstoff zur Verfügung steht", sagte er. Bis Mitte, eventuell sogar bis Ende Juni stünden z.B. in Nordrhein-Westfalen gar keine Termine für Erstimpfungen in den Impfzentren zur Verfügung ? alles werde für Zweitimpfungen benötigt.
Auch die Hausärzte dämpfen die Erwartungen. Befürchtet wird ein Ansturm auf die Praxen ab dem heutigen Tag. Ulrich Weigeldt, Vorsitzender des Deutschen Hausärzteverbandes, sagte: ?Letztlich ist der Impfstoff noch immer zu knapp für die hohe Nachfrage und wird auch weiterhin zu unzuverlässig geliefert." Sein Statement: ?Das Setting wird das Gleiche bleiben: Wir impfen, so viel wir eben können."
Ab heute sollen außerdem mehr als 6.000 Betriebsärztinnen und -ärzte mit den Impfungen starten. Sie erhalten dafür in der ersten Woche 702.000 von insgesamt gut 6,6 Millionen für die Woche angekündigten Impfstoffdosen ? sehr viel dieses Impfstoffes wird allerdings für Zweitimpfungen verwendet werden. 45% der Bevölkerung haben inzwischen mindestens eine Impfung, aber nur etwa jeder 5. ist zweimal geimpft.
Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebunds, Gerd Landsberg, hat in der "Rheinischen Post", vor zu großen Hoffnungen an die Aufhebung der Impfpriorisierung gewarnt: ?Enttäuschung und Frust sind dabei vorprogrammiert, da nicht sofort ausreichend Impfstoff zur Verfügung steht", sagte er. Bis Mitte, eventuell sogar bis Ende Juni stünden z.B. in Nordrhein-Westfalen gar keine Termine für Erstimpfungen in den Impfzentren zur Verfügung ? alles werde für Zweitimpfungen benötigt.
Auch die Hausärzte dämpfen die Erwartungen. Befürchtet wird ein Ansturm auf die Praxen ab dem heutigen Tag. Ulrich Weigeldt, Vorsitzender des Deutschen Hausärzteverbandes, sagte: ?Letztlich ist der Impfstoff noch immer zu knapp für die hohe Nachfrage und wird auch weiterhin zu unzuverlässig geliefert." Sein Statement: ?Das Setting wird das Gleiche bleiben: Wir impfen, so viel wir eben können."
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Donnerstag, 3. Juni 2021
Noch einmal eine klare medizinische Aussage zur "Kritik" am Drosten-Test
che2001, 14:40h
Aus dem Kommentarforum des Deutschen Ärzteblatts.
Als Link in meiner Rezenson des Illa-Buchs war das zwar schon hinterlegt, könnte aber untergegangen sein:
"Oh Herr, lass Hirn regnen
Dieser Ausspruch von Dr. Schätzler ist sicher nicht die feine englische Art und definitiv nicht geeignet, die Wogen zu glätten. In der Sache muss ich ihm aber Recht geben. Wenn all die Wutbürger hier im Forum die Fähigkeit zum verstehenden Lesen hätten, dann wäre ihnen z.B. aufgefallen, dass die Überschrift des Artikels sich zwar auf die Sensitivität bezieht, aber die letzten Absätze im Artikel sich auf die Schritte der technischen und ärztlichen Validierung beziehen, und diese haben mindestens genauso viel mit der Spezifität zu tun.
Spannend finde ich den aktuellen Versuch einer Rufmordkampagne gegen Prof. Drosten:
https://cormandrostenreview.com
Was wirft man ihm dort vor? Er hat in Rekordzeit ein funktionsfähiges Protokoll zur Diagnostik von Sars-CoV-2 geliefert. Die wichtigste Pointe haben die Autoren dieser Rufmordkampagne allerdings übersehen. Das Protokoll von Drosten war nie als Dauerlösung gedacht, sondern als Brückentechnologie, um schnell mit hinreichender Genauigkeit das Virus nachweisen zu können. Das Protokoll musste spezifisch genug sein, bekannte Coronaviren beim Menschen und nah verwandte tierische Verwandte auszuschließen und gleichzeitig in der Lage sein bei noch unbekannten Sequenzvarianten dieses Erregers positive Ergebnisse zu liefern. Und dies unter extremem Zeitdruck, bei einer derartigen Epidemie zählt jeder Tag. In einer derartigen Situation sind die Anforderungen an das Primerdesign andere als für diagnostische Standard-PCR?s.
Form folgt Funktion, das sieht man beim Primerdesign für eine Brückentechnologie. Das sieht man aber auch in der Struktur dieser Rufmordkampagne. Wenn es um die Sache gehen würde, könnte man dies in vertraulichen Gesprächen klären. Hier ist die maximale Öffentlichkeit das Ziel, nicht die Klärung eines Sachverhalts. Ich schäme mich dafür, dass ehemalige Wissenschaftler sich für diese Rufmordkampagne hergeben. Wie bereits mein Vorredner sagte, Frau Prof. Kämmerer hat schon lange nichts mehr mit Virologie zu tun. Sie ist zwar lt. Google-Recherche an der Uni Würzburg gelistet, aber als apl. Prof. an der Frauenklinik und hat sich dort mit ketogener Ernährung und mit Krebs beschäftigt. Wenn man pubmed glauben darf, stammte die neueste virologische Publikation mit ihrem Namen von 1998. Das macht sie natürlich zur absoluten Expertin für Coronaviren:
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/9457433/
Auch wenn ich die Umgangsformen von Dr. Schätzler nicht gutheiße, ich habe vollstes Verständnis für seine Frustration. Was hier als geballter Dunning-Kruger Effekt von Coronaleugnern dargeboten wird, sprengt bei weiten die Möglichkeiten der ärztlichen Kollegen in diesem Forum sich sachlich damit auseinanderzusetzen."
https://www.aerzteblatt.de/studieren/forum/139059
Als Link in meiner Rezenson des Illa-Buchs war das zwar schon hinterlegt, könnte aber untergegangen sein:
"Oh Herr, lass Hirn regnen
Dieser Ausspruch von Dr. Schätzler ist sicher nicht die feine englische Art und definitiv nicht geeignet, die Wogen zu glätten. In der Sache muss ich ihm aber Recht geben. Wenn all die Wutbürger hier im Forum die Fähigkeit zum verstehenden Lesen hätten, dann wäre ihnen z.B. aufgefallen, dass die Überschrift des Artikels sich zwar auf die Sensitivität bezieht, aber die letzten Absätze im Artikel sich auf die Schritte der technischen und ärztlichen Validierung beziehen, und diese haben mindestens genauso viel mit der Spezifität zu tun.
Spannend finde ich den aktuellen Versuch einer Rufmordkampagne gegen Prof. Drosten:
https://cormandrostenreview.com
Was wirft man ihm dort vor? Er hat in Rekordzeit ein funktionsfähiges Protokoll zur Diagnostik von Sars-CoV-2 geliefert. Die wichtigste Pointe haben die Autoren dieser Rufmordkampagne allerdings übersehen. Das Protokoll von Drosten war nie als Dauerlösung gedacht, sondern als Brückentechnologie, um schnell mit hinreichender Genauigkeit das Virus nachweisen zu können. Das Protokoll musste spezifisch genug sein, bekannte Coronaviren beim Menschen und nah verwandte tierische Verwandte auszuschließen und gleichzeitig in der Lage sein bei noch unbekannten Sequenzvarianten dieses Erregers positive Ergebnisse zu liefern. Und dies unter extremem Zeitdruck, bei einer derartigen Epidemie zählt jeder Tag. In einer derartigen Situation sind die Anforderungen an das Primerdesign andere als für diagnostische Standard-PCR?s.
Form folgt Funktion, das sieht man beim Primerdesign für eine Brückentechnologie. Das sieht man aber auch in der Struktur dieser Rufmordkampagne. Wenn es um die Sache gehen würde, könnte man dies in vertraulichen Gesprächen klären. Hier ist die maximale Öffentlichkeit das Ziel, nicht die Klärung eines Sachverhalts. Ich schäme mich dafür, dass ehemalige Wissenschaftler sich für diese Rufmordkampagne hergeben. Wie bereits mein Vorredner sagte, Frau Prof. Kämmerer hat schon lange nichts mehr mit Virologie zu tun. Sie ist zwar lt. Google-Recherche an der Uni Würzburg gelistet, aber als apl. Prof. an der Frauenklinik und hat sich dort mit ketogener Ernährung und mit Krebs beschäftigt. Wenn man pubmed glauben darf, stammte die neueste virologische Publikation mit ihrem Namen von 1998. Das macht sie natürlich zur absoluten Expertin für Coronaviren:
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/9457433/
Auch wenn ich die Umgangsformen von Dr. Schätzler nicht gutheiße, ich habe vollstes Verständnis für seine Frustration. Was hier als geballter Dunning-Kruger Effekt von Coronaleugnern dargeboten wird, sprengt bei weiten die Möglichkeiten der ärztlichen Kollegen in diesem Forum sich sachlich damit auseinanderzusetzen."
https://www.aerzteblatt.de/studieren/forum/139059
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Mittwoch, 2. Juni 2021
"Kein Grund zur eiligen Impfung von Kindern und Jugendlichen": Experten-Papier argumentiert gegen voreiligen ?Aktionismus?
che2001, 20:33h
Michael van den Heuvel, Medscape
Nach der Aufhebung von Impfprioritäten und nach der 1. Zulassungserweiterung eines COVID-19-Vakzins auf mRNA-Basis durch die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) wird die Forderung, Kinder und Jugendliche zu impfen, lauter. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat bekanntlich beim letzten Impfgipfel angekündigt, Jugendlichen ab 12 Jahren ab dem 7. Juni entsprechende Angebote zu unterbreiten. Auch die Ständige Impfkommission (STIKO) könnte sich diese Woche dazu äußern.
Nicht alle Experten teilen die Euphorie. In einem Preprint haben Prof. Dr. David Martin von der Universität Witten/Herdecke und Kollegen kritisch mit der Thematik auseinandergesetzt [1].
?Weil Corona für die allermeisten, auch die meisten kranken Kinder und Jugendlichen keine ernsthafte Bedrohung darstellt und weil sich die Erwachsenen jetzt gut schützen können, haben wir keinen Grund zur eiligen Impfung von Kindern und Jugendlichen?, sagt Martin der FAZ (Paywall). ?Beides, COVID-19 und die Impfungen, haben Risiken, und die müssen gut miteinander abgewogen werden.?
Die Daten zur Effektivität sind vorläufig und die zur Sicherheit der Impfung in dieser Altersgruppe noch unvollständig. Prof. Dr. David Martin
Seine Einschätzung zum BioNTech/Pfizer-Vakzin: ?Die Daten zur Effektivität sind vorläufig und die zur Sicherheit der Impfung in dieser Altersgruppe noch unvollständig.? Bis es weitere Daten gibt, fordert der Experte, Kinder, Jugendliche und deren Eltern ?vom gesellschaftlichen Druck, sich zu impfen, zu befreien?. Im Preprint erklärt er zusammen mit seinen Koautoren die Argumentation im Detail. Grundlage ist eine systematische Literaturrecherche.
Profitieren Kinder und Jugendliche selbst von COVID-19-Impfungen?
Kinder erkranken laut Übersichtsartikel selten so schwer an COVID-19, dass sie stationär behandelt werden müssen. Dazu ein Blick auf Deutschland. Von allen Hospitalisierungen in 2021 (n = 97.985) fielen 925 (0,9%) auf 0- bis 4-Jährige und 725 (0,8%) auf 5- bis 14- Jährige. Seit Beginn der Pandemie sind von rund 14 Millionen Kindern und Jugendlichen etwa 1.200 im Krankenhaus (< 0,01%) behandelt worden, und es gab 4 Todesfälle (< 0,00002%). Zum Vergleich: Im Jahr 2019 sind allein 55 Kinder bei Verkehrsunfällen gestorben.
Auch das systemische Inflammationssyndrom (PIMS) bei Kindern, über das so viel berichtet wurde, ist in dieser Altersgruppe eigentlich selten. Im PIMS-Register der Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie wurden bis zur Kalenderwoche 16/2021 genau 281 Kinder und Jugendliche erfasst. Es gab keinen Todesfall. 43,6% der Patienten hatten bei der Entlassung aus ihrer stationären Behandlung noch Beschwerden und bei 6,5% gab es Folgeschäden.
Nach der Aufhebung von Impfprioritäten und nach der 1. Zulassungserweiterung eines COVID-19-Vakzins auf mRNA-Basis durch die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) wird die Forderung, Kinder und Jugendliche zu impfen, lauter. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat bekanntlich beim letzten Impfgipfel angekündigt, Jugendlichen ab 12 Jahren ab dem 7. Juni entsprechende Angebote zu unterbreiten. Auch die Ständige Impfkommission (STIKO) könnte sich diese Woche dazu äußern.
Nicht alle Experten teilen die Euphorie. In einem Preprint haben Prof. Dr. David Martin von der Universität Witten/Herdecke und Kollegen kritisch mit der Thematik auseinandergesetzt [1].
?Weil Corona für die allermeisten, auch die meisten kranken Kinder und Jugendlichen keine ernsthafte Bedrohung darstellt und weil sich die Erwachsenen jetzt gut schützen können, haben wir keinen Grund zur eiligen Impfung von Kindern und Jugendlichen?, sagt Martin der FAZ (Paywall). ?Beides, COVID-19 und die Impfungen, haben Risiken, und die müssen gut miteinander abgewogen werden.?
Die Daten zur Effektivität sind vorläufig und die zur Sicherheit der Impfung in dieser Altersgruppe noch unvollständig. Prof. Dr. David Martin
Seine Einschätzung zum BioNTech/Pfizer-Vakzin: ?Die Daten zur Effektivität sind vorläufig und die zur Sicherheit der Impfung in dieser Altersgruppe noch unvollständig.? Bis es weitere Daten gibt, fordert der Experte, Kinder, Jugendliche und deren Eltern ?vom gesellschaftlichen Druck, sich zu impfen, zu befreien?. Im Preprint erklärt er zusammen mit seinen Koautoren die Argumentation im Detail. Grundlage ist eine systematische Literaturrecherche.
Profitieren Kinder und Jugendliche selbst von COVID-19-Impfungen?
Kinder erkranken laut Übersichtsartikel selten so schwer an COVID-19, dass sie stationär behandelt werden müssen. Dazu ein Blick auf Deutschland. Von allen Hospitalisierungen in 2021 (n = 97.985) fielen 925 (0,9%) auf 0- bis 4-Jährige und 725 (0,8%) auf 5- bis 14- Jährige. Seit Beginn der Pandemie sind von rund 14 Millionen Kindern und Jugendlichen etwa 1.200 im Krankenhaus (< 0,01%) behandelt worden, und es gab 4 Todesfälle (< 0,00002%). Zum Vergleich: Im Jahr 2019 sind allein 55 Kinder bei Verkehrsunfällen gestorben.
Auch das systemische Inflammationssyndrom (PIMS) bei Kindern, über das so viel berichtet wurde, ist in dieser Altersgruppe eigentlich selten. Im PIMS-Register der Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie wurden bis zur Kalenderwoche 16/2021 genau 281 Kinder und Jugendliche erfasst. Es gab keinen Todesfall. 43,6% der Patienten hatten bei der Entlassung aus ihrer stationären Behandlung noch Beschwerden und bei 6,5% gab es Folgeschäden.
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Montag, 31. Mai 2021
Warum die antiinflammatorische Behandlung von Autoimmun-Erkrankungen gerade in COVID-19-Zeiten so wichtig ist
che2001, 19:50h
Dr. Nicola Siegmund-Schultze
Eine effektive medikamentöse Suppression der Aktivität chronisch-entzündlicher Erkrankungen schützt offensichtlich am besten vor SARS-CoV-2-Infektionen und vor schwerem COVID-19. Das berichten Prof. Dr. David Saadoun von der Sorbonne Université, Paris, und Kollegen jetzt in The Lancet Rheumatology [1].
Grundlage ihrer Veröffentlichung ist eine große, europaweite Studie, in der Patienten mit rheumatoider Arthritis, Spondylarthritis, systemischem Lupus erythematodes und Sjörgen-Syndrom auf SARS-CoV-2-Antikörper und COVID-19-Verläufe hin untersucht worden sind. Bei guter Krankheitskontrolle entsprachen ihre Risiken denen der Allgemeinbevölkerung.
Unklare Fragen zum Risiko von Patienten mit Autoiummunerkrankungen
Zum Hintergrund: Bundesweit sind immunvermittelte entzündliche Erkrankungen mit einer Häufigkeit von 5-8% recht häufig. Während der COVID-19-Pandemie stellte sich die Frage, ob es Wechselwirkungen zwischen diesen Erkrankungen, Pharmakotherapien, SARS-CoV-2 und COVID-19 gibt.
Die Seroprävalenz von SARS-CoV-2 und Faktoren, die zu symptomatischen COVID-19-Erkrankungen führen können, waren in dieser Population bislang unklar. Deshalb haben Saadoun und Kollegen europaweit eine multizentrische, sektorenübergreifende Studie initiiert.
Eingeschlossen wurden Patienten mit rheumatoider Arthritis, mit axialer Spondyloarthritis, mit systemischem Lupus erythematosus, mit dem Sjögren-Syndrom oder mit Riesenzellarteriitis. Demografische Merkmale, Komorbiditäten, Behandlung, Schübe der Autoimmunerkrankung und COVID-19-Symptome und SARS-CoV-2-Antikörper wurden regelmäßig erfasst. Danach wertete Saadouns Team alle Daten aus.
Entwarnung: Autoimmunerkrankungen wohl kein Risikofaktor
Zwischen dem 7. Juni und dem 8. Dezember 2020 wurden 3.136 Patienten mit Autoimmunerkrankungen rekrutiert. Von 3.028 Patienten lagen komplette Datensätze vor. Sie waren durchschnittlich 58 Jahre alt (73,9% Frauen).
SARS-CoV-2-Antikörper fanden die Wissenschaftler bei 5,5% (95%-Konfidenzintervall: 4,7-6,4%). Eine symptomatische COVID-19 hatten 4,0% der Teilnehmer (95%-KI 3,4%-,8%).
Von den COVID-19-Kranken mussten 19,7 %, also fast jeder fünfte, stationär behandelt werden und 3,3 % der COVID-19-Kranken starben. Schübe der Autoimmunerkrankung waren mit einem erhöhten Risiko für COVID-19 assoziiert (Odds Ratio 1,27, p=0,030). Das galt auch für erhöhte Konzentration des C-reaktiven Proteins (OR 1,18, p=0,0063).
In der Gruppe der mit Biologika-Therapie war das Risiko für eine COVID-19-Erkrankung geringer als in der Gesamtgruppe (OR 0,51, p=0,0057). 21,6 % aller 3.028 Teilnehmer hatten im Beobachtungszeitraum mindestens einen Schub ihrer Autoimmunerkrankung.
Effektive Therapien fortsetzen
Insgesamt entsprächen die Prävalenzen von SARS-CoV-2-Antikörpern und von stationären Therapien wegen COVID-19, aber auch die COVID-19-Sterblichkeit, Daten aus der Allgemeinbevölkerung, heißt es in einem begleitenden Kommentar [2]. Deshalb seien leitliniengerechte antiinflammatorische Therapien offenbar der beste Schutz gegen COVID-19. Biologika zu vermeiden, wie dies bei einem Teil der Patienten pandemiebedingt geschehe, oder Immunsuppressiva coronabedingt zu reduzieren, sei eher kontraproduktiv.
Die European League Against Rheumatism und auch die amerikanische Fachgesellschaft rieten davon ab. Die aktuellen Daten stützten die Empfehlungen der Fachgesellschaften, heißt es im Editorial.
Dieser Artikel ist im Original erschienen auf Univadis.de.
Eine effektive medikamentöse Suppression der Aktivität chronisch-entzündlicher Erkrankungen schützt offensichtlich am besten vor SARS-CoV-2-Infektionen und vor schwerem COVID-19. Das berichten Prof. Dr. David Saadoun von der Sorbonne Université, Paris, und Kollegen jetzt in The Lancet Rheumatology [1].
Grundlage ihrer Veröffentlichung ist eine große, europaweite Studie, in der Patienten mit rheumatoider Arthritis, Spondylarthritis, systemischem Lupus erythematodes und Sjörgen-Syndrom auf SARS-CoV-2-Antikörper und COVID-19-Verläufe hin untersucht worden sind. Bei guter Krankheitskontrolle entsprachen ihre Risiken denen der Allgemeinbevölkerung.
Unklare Fragen zum Risiko von Patienten mit Autoiummunerkrankungen
Zum Hintergrund: Bundesweit sind immunvermittelte entzündliche Erkrankungen mit einer Häufigkeit von 5-8% recht häufig. Während der COVID-19-Pandemie stellte sich die Frage, ob es Wechselwirkungen zwischen diesen Erkrankungen, Pharmakotherapien, SARS-CoV-2 und COVID-19 gibt.
Die Seroprävalenz von SARS-CoV-2 und Faktoren, die zu symptomatischen COVID-19-Erkrankungen führen können, waren in dieser Population bislang unklar. Deshalb haben Saadoun und Kollegen europaweit eine multizentrische, sektorenübergreifende Studie initiiert.
Eingeschlossen wurden Patienten mit rheumatoider Arthritis, mit axialer Spondyloarthritis, mit systemischem Lupus erythematosus, mit dem Sjögren-Syndrom oder mit Riesenzellarteriitis. Demografische Merkmale, Komorbiditäten, Behandlung, Schübe der Autoimmunerkrankung und COVID-19-Symptome und SARS-CoV-2-Antikörper wurden regelmäßig erfasst. Danach wertete Saadouns Team alle Daten aus.
Entwarnung: Autoimmunerkrankungen wohl kein Risikofaktor
Zwischen dem 7. Juni und dem 8. Dezember 2020 wurden 3.136 Patienten mit Autoimmunerkrankungen rekrutiert. Von 3.028 Patienten lagen komplette Datensätze vor. Sie waren durchschnittlich 58 Jahre alt (73,9% Frauen).
SARS-CoV-2-Antikörper fanden die Wissenschaftler bei 5,5% (95%-Konfidenzintervall: 4,7-6,4%). Eine symptomatische COVID-19 hatten 4,0% der Teilnehmer (95%-KI 3,4%-,8%).
Von den COVID-19-Kranken mussten 19,7 %, also fast jeder fünfte, stationär behandelt werden und 3,3 % der COVID-19-Kranken starben. Schübe der Autoimmunerkrankung waren mit einem erhöhten Risiko für COVID-19 assoziiert (Odds Ratio 1,27, p=0,030). Das galt auch für erhöhte Konzentration des C-reaktiven Proteins (OR 1,18, p=0,0063).
In der Gruppe der mit Biologika-Therapie war das Risiko für eine COVID-19-Erkrankung geringer als in der Gesamtgruppe (OR 0,51, p=0,0057). 21,6 % aller 3.028 Teilnehmer hatten im Beobachtungszeitraum mindestens einen Schub ihrer Autoimmunerkrankung.
Effektive Therapien fortsetzen
Insgesamt entsprächen die Prävalenzen von SARS-CoV-2-Antikörpern und von stationären Therapien wegen COVID-19, aber auch die COVID-19-Sterblichkeit, Daten aus der Allgemeinbevölkerung, heißt es in einem begleitenden Kommentar [2]. Deshalb seien leitliniengerechte antiinflammatorische Therapien offenbar der beste Schutz gegen COVID-19. Biologika zu vermeiden, wie dies bei einem Teil der Patienten pandemiebedingt geschehe, oder Immunsuppressiva coronabedingt zu reduzieren, sei eher kontraproduktiv.
Die European League Against Rheumatism und auch die amerikanische Fachgesellschaft rieten davon ab. Die aktuellen Daten stützten die Empfehlungen der Fachgesellschaften, heißt es im Editorial.
Dieser Artikel ist im Original erschienen auf Univadis.de.
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S3-Linie zur stationären COVID-19-Therapie: Welche Patienten profitieren von Antikörpern ? und in welchem Stadium?
che2001, 19:44h
Dr. Nicola Siegmund-Schultze
Erstmals gibt es eine deutsche S3-Leitlinie zur Therapie stationärer COVID-19-Patienten. Aufgenommen wurde eine Empfehlung zur Anwendung des Anti-IL6R-Antikörpers Tocilizumab mit dem Ziel, die Sterblichkeit von schwerkranken Patienten zu reduzieren. Neu ist außerdem die Option, bei Patienten in frühen Stadien von COVID-19 monoklonale, virusneutralisierende Antikörper einzusetzen [1].
Jedes weitere Medikament, das wir zur Behandlung schwerer COVID-19-Verläufe einsetzen können, ist hilfreich. Prof. Dr. Stefan Kluge
?Noch immer ist die Sterblichkeit von auf der Intensivstation beatmeten Patienten hoch?, sagt Prof. Dr. Stefan Kluge von der Klinik für Intensivmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Korrespondenzautor der Leitlinie. ?Jedes weitere Medikament, das wir zur Behandlung schwerer COVID-19-Verläufe einsetzen können, ist hilfreich.?
Was können Ärzte bei schwerem COVID-19 unternehmen?
Zum Hintergrund: Das Durchschnittsalter stationär behandelter COVID-19-Patienten in Deutschland liegt aktuell bei 64 Jahren. Speziell unter Beatmung liegt die Mortalität bei etwa 50%. Und 87% aller Patienten, die auf einer Intensivstation sterben, sind mindestens 70 Jahre alt (Stand Mai 2021). Männer erkranken häufiger als Frauen schwer an COVID-19; bei ihnen ist die Mortalität insgesamt höher. Die Zahlen zeigen: Es besteht nach wie vor hoher Bedarf, bedrohliche Verläufe zu verhindern.
Deshalb haben die Deutsche Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin (DGIIN) und 14 weitere Fachgesellschaften eine Leitlinie mit der Entwicklungsstufe S3 erstellt. Ihre Grundlage war die S2k-Leitlinie vom November 2020. Das neue Dokument hat 2 wesentliche Ergänzungen.
Tocilizumab bei sauerstoffpflichtigen Patienten ohne invasive Beatmung
Für die Behandlung von schwer an COVID-19 erkrankten Personen empfehlen Experten, ab sofort auch den Einsatz von Tocilizumab in Erwägung zu ziehen. In randomisierten kontrollierten Studien sei außer für Dexamethason auch für Tocilizumab (Anti-IL6R) eine Verringerung der Mortalität mit moderater Sicherheit nachgewiesen worden, so die Leitlinienautoren. Ein Nutzen lasse sich vor allem für sauerstoffpflichtige Patienten ableiten, nicht jedoch für Patienten mit bereits eingeleiteter invasiver Beatmung.
Zur Indikation für die Tocilizumab-Gabe sollten Hinweise für eine systemische Inflammation, zum Beispiel ein deutlich erhöhter CRP-Wert, aber auch ein erhöhter Sauerstoffbedarf vorliegen. Tocilizumab werde immer in Kombination mit Kortikosteroiden als intravenöse Einmalgabe appliziert, schreiben die Autoren.
Neutralisierende Antikörper bei Risikopatienten
In frühen Stadien der Infektion, wenn noch keine COVID-19-typischen schweren Symptome aufgetreten sind kann bei Patienten mit mindestens einem Risikofaktor wie Immunsuppression oder chronische Niereninsuffizienz die Gabe von spezifischen, monoklonalen SARS-CoV-2 neutralisierenden Antikörper erwogen werden. Als Zeitfenster nennen die Autoren (< 72 h nach der 1. Positiven PCR und/oder < 7 Tage seit Symptombeginn, Atemnot sollte nicht vorhanden sein.
Besonders in den Risikopopulationen erwarten wir durch die Antikörper eine Senkung der Sterblichkeit, auch wenn die Publikation der endgültigen Daten noch aussteht. Leitlinie
Interimanalysen von laufenden Phase-2-Studien zeigten, dass die frühzeitige Gabe von Kombinationstherapien mit Bamlanivimab und Etesevimab oder Casirivimab und Imdevimab bei ambulanten Patienten mit milder bis moderater COVID-19-Erkrankung (WHO-Skala 1-3) und mit mindestens 1 Risikofaktor für schwere Verläufe zur signifikanten Reduktion der Viruslast und zur numerischen Reduktion der Hospitalisierungsrate oder weiterer Arztkontakte führt.
Zu den Gründen für die Empfehlungen zu SARS-CoV-2-spezifischen neutralisierenden Antikörpern heißt es: ?Besonders in den Risikopopulationen erwarten wir durch die Antikörper eine Senkung der Sterblichkeit, auch wenn die Publikation der endgültigen Daten noch aussteht.?
Dieser Artikel ist im Original erschienen auf Univadis.de.
Erstmals gibt es eine deutsche S3-Leitlinie zur Therapie stationärer COVID-19-Patienten. Aufgenommen wurde eine Empfehlung zur Anwendung des Anti-IL6R-Antikörpers Tocilizumab mit dem Ziel, die Sterblichkeit von schwerkranken Patienten zu reduzieren. Neu ist außerdem die Option, bei Patienten in frühen Stadien von COVID-19 monoklonale, virusneutralisierende Antikörper einzusetzen [1].
Jedes weitere Medikament, das wir zur Behandlung schwerer COVID-19-Verläufe einsetzen können, ist hilfreich. Prof. Dr. Stefan Kluge
?Noch immer ist die Sterblichkeit von auf der Intensivstation beatmeten Patienten hoch?, sagt Prof. Dr. Stefan Kluge von der Klinik für Intensivmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Korrespondenzautor der Leitlinie. ?Jedes weitere Medikament, das wir zur Behandlung schwerer COVID-19-Verläufe einsetzen können, ist hilfreich.?
Was können Ärzte bei schwerem COVID-19 unternehmen?
Zum Hintergrund: Das Durchschnittsalter stationär behandelter COVID-19-Patienten in Deutschland liegt aktuell bei 64 Jahren. Speziell unter Beatmung liegt die Mortalität bei etwa 50%. Und 87% aller Patienten, die auf einer Intensivstation sterben, sind mindestens 70 Jahre alt (Stand Mai 2021). Männer erkranken häufiger als Frauen schwer an COVID-19; bei ihnen ist die Mortalität insgesamt höher. Die Zahlen zeigen: Es besteht nach wie vor hoher Bedarf, bedrohliche Verläufe zu verhindern.
Deshalb haben die Deutsche Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin (DGIIN) und 14 weitere Fachgesellschaften eine Leitlinie mit der Entwicklungsstufe S3 erstellt. Ihre Grundlage war die S2k-Leitlinie vom November 2020. Das neue Dokument hat 2 wesentliche Ergänzungen.
Tocilizumab bei sauerstoffpflichtigen Patienten ohne invasive Beatmung
Für die Behandlung von schwer an COVID-19 erkrankten Personen empfehlen Experten, ab sofort auch den Einsatz von Tocilizumab in Erwägung zu ziehen. In randomisierten kontrollierten Studien sei außer für Dexamethason auch für Tocilizumab (Anti-IL6R) eine Verringerung der Mortalität mit moderater Sicherheit nachgewiesen worden, so die Leitlinienautoren. Ein Nutzen lasse sich vor allem für sauerstoffpflichtige Patienten ableiten, nicht jedoch für Patienten mit bereits eingeleiteter invasiver Beatmung.
Zur Indikation für die Tocilizumab-Gabe sollten Hinweise für eine systemische Inflammation, zum Beispiel ein deutlich erhöhter CRP-Wert, aber auch ein erhöhter Sauerstoffbedarf vorliegen. Tocilizumab werde immer in Kombination mit Kortikosteroiden als intravenöse Einmalgabe appliziert, schreiben die Autoren.
Neutralisierende Antikörper bei Risikopatienten
In frühen Stadien der Infektion, wenn noch keine COVID-19-typischen schweren Symptome aufgetreten sind kann bei Patienten mit mindestens einem Risikofaktor wie Immunsuppression oder chronische Niereninsuffizienz die Gabe von spezifischen, monoklonalen SARS-CoV-2 neutralisierenden Antikörper erwogen werden. Als Zeitfenster nennen die Autoren (< 72 h nach der 1. Positiven PCR und/oder < 7 Tage seit Symptombeginn, Atemnot sollte nicht vorhanden sein.
Besonders in den Risikopopulationen erwarten wir durch die Antikörper eine Senkung der Sterblichkeit, auch wenn die Publikation der endgültigen Daten noch aussteht. Leitlinie
Interimanalysen von laufenden Phase-2-Studien zeigten, dass die frühzeitige Gabe von Kombinationstherapien mit Bamlanivimab und Etesevimab oder Casirivimab und Imdevimab bei ambulanten Patienten mit milder bis moderater COVID-19-Erkrankung (WHO-Skala 1-3) und mit mindestens 1 Risikofaktor für schwere Verläufe zur signifikanten Reduktion der Viruslast und zur numerischen Reduktion der Hospitalisierungsrate oder weiterer Arztkontakte führt.
Zu den Gründen für die Empfehlungen zu SARS-CoV-2-spezifischen neutralisierenden Antikörpern heißt es: ?Besonders in den Risikopopulationen erwarten wir durch die Antikörper eine Senkung der Sterblichkeit, auch wenn die Publikation der endgültigen Daten noch aussteht.?
Dieser Artikel ist im Original erschienen auf Univadis.de.
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Speiseplan gegen Demenz: Wie Ernährung das Alzheimer-Risiko beeinflussen kann ? mit und auch ohne Mittelmeerdiät
che2001, 19:42h
Antje Sieb, Medscape
Wer sich stärker an Prinzipien der mediterranen Ernährung orientiert, kann möglicherweise sein individuelles Risiko für eine Alzheimer-Demenz senken. Das berichten Wissenschaftler um Prof. Dr. Michael Wagner vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) in Neurology [1].
Sie haben 521 Probanden im Alter von durchschnittlich 70 Jahren nach ihrer Ernährung befragt und Gehirnvolumina, kognitive Fähigkeiten und Alzheimer-Biomarker im Liquor gemessen. Dabei zeigte sich, dass mediterrane Kost mit mehr grauer Substanz in Hirnbereichen wie dem Hippocampus assoziiert war. Auch die Erinnerung funktionierte besser als bei Probanden, die weniger Mittelmeerkost verzehrten. Und Biomarker im Nervenwasser, die auf pathologische Amyloid-Plaques und sich anreichernde Tau-Proteine hinweisen können, waren bei Personen mit mediterraner Ernährung ebenfalls weniger stark ausgeprägt.
Mehrere Umbrella-Reviews zeigen bereits eine hohe Wahrscheinlichkeit dafür, dass die Mittelmeerdiät das Risiko für Alzheimer senken kann. Prof. Dr. Gunter P. Eckert
?Mehrere Umbrella-Reviews zeigen bereits eine hohe Wahrscheinlichkeit dafür, dass die Mittelmeerdiät das Risiko für Alzheimer senken kann?, erklärt Prof. Dr. Gunter P. Eckert von der Justus-Liebig-Universität Gießen im Gespräch mit Medscape. Das könne man nun auch in einer deutschen Population sehen.
Probanden mit unterschiedlich hohem Alzheimer-Risiko rekrutiert
In ihre Studie nahmen Wagner und Kollegen 169 kognitiv Gesunde sowie Personen mit erhöhtem Alzheimer-Risiko auf. Darunter waren enge Verwandte von bereits Erkrankten, Menschen mit subjektiven kognitiven Einschränkungen, die in Tests aber noch unauffällige Werte erreichten, sowie Menschen mit milden kognitiven Einschränkungen. Ein Teil der Probanden rekrutierte sich aus der laufenden DELCODE-Studie des DZNE mit zirka 1.000 Patienten im Frühstadium der Alzheimer-Erkrankung.
Bei allen Teilnehmern wurde per MRT-Gehirnscan das Hirnvolumen berechnet, und alle Personen unterzogen sich neuropsychologischen Tests. 226 Probanden stimmten auch einer Entnahme von Liquor zu, so dass bei ihnen die Biomarker Aß 42/40 und pTau 181 bestimmt werden konnten. Die Moleküle sollen pathologische Veränderungen frühzeitig anzeigen.
Bekanntlich finden sich im Gehirn von Alzheimer-Erkrankten typische Ablagerungen von ß-Amyloid, sogenannte Plaques, und Tau-Proteine verkleben das Innere von Nervenzellen. Auch das Hirnvolumen nimmt ab.
Punkte für gesunde Lebensmittelgruppen
Um einen Score für die Mittelmeerdiät zu errechnen, vergaben die Wissenschaftler Punkte für 9 Lebensmittelgruppen. Fisch, Gemüse, Früchte und Nüsse, Hülsenfrüchte und Getreide sowie ein gutes Verhältnis von einfach ungesättigten zu gesättigten Fettsäuren wurde jeweils mit 1 Punkt bewertet, falls der Verzehr über dem Mittelwert der Gruppe lag. Der Fleisch- und Milchprodukte-Konsum musste hingegen unter bestimmten Grenzen liegen, um den Score zu erhöhen. Auch mäßiger Alkoholkonsum zählte im Sinne der Mittelmeerkost als Score-Punkt.
Wer sich stärker an Prinzipien der mediterranen Ernährung orientiert, kann möglicherweise sein individuelles Risiko für eine Alzheimer-Demenz senken. Das berichten Wissenschaftler um Prof. Dr. Michael Wagner vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) in Neurology [1].
Sie haben 521 Probanden im Alter von durchschnittlich 70 Jahren nach ihrer Ernährung befragt und Gehirnvolumina, kognitive Fähigkeiten und Alzheimer-Biomarker im Liquor gemessen. Dabei zeigte sich, dass mediterrane Kost mit mehr grauer Substanz in Hirnbereichen wie dem Hippocampus assoziiert war. Auch die Erinnerung funktionierte besser als bei Probanden, die weniger Mittelmeerkost verzehrten. Und Biomarker im Nervenwasser, die auf pathologische Amyloid-Plaques und sich anreichernde Tau-Proteine hinweisen können, waren bei Personen mit mediterraner Ernährung ebenfalls weniger stark ausgeprägt.
Mehrere Umbrella-Reviews zeigen bereits eine hohe Wahrscheinlichkeit dafür, dass die Mittelmeerdiät das Risiko für Alzheimer senken kann. Prof. Dr. Gunter P. Eckert
?Mehrere Umbrella-Reviews zeigen bereits eine hohe Wahrscheinlichkeit dafür, dass die Mittelmeerdiät das Risiko für Alzheimer senken kann?, erklärt Prof. Dr. Gunter P. Eckert von der Justus-Liebig-Universität Gießen im Gespräch mit Medscape. Das könne man nun auch in einer deutschen Population sehen.
Probanden mit unterschiedlich hohem Alzheimer-Risiko rekrutiert
In ihre Studie nahmen Wagner und Kollegen 169 kognitiv Gesunde sowie Personen mit erhöhtem Alzheimer-Risiko auf. Darunter waren enge Verwandte von bereits Erkrankten, Menschen mit subjektiven kognitiven Einschränkungen, die in Tests aber noch unauffällige Werte erreichten, sowie Menschen mit milden kognitiven Einschränkungen. Ein Teil der Probanden rekrutierte sich aus der laufenden DELCODE-Studie des DZNE mit zirka 1.000 Patienten im Frühstadium der Alzheimer-Erkrankung.
Bei allen Teilnehmern wurde per MRT-Gehirnscan das Hirnvolumen berechnet, und alle Personen unterzogen sich neuropsychologischen Tests. 226 Probanden stimmten auch einer Entnahme von Liquor zu, so dass bei ihnen die Biomarker Aß 42/40 und pTau 181 bestimmt werden konnten. Die Moleküle sollen pathologische Veränderungen frühzeitig anzeigen.
Bekanntlich finden sich im Gehirn von Alzheimer-Erkrankten typische Ablagerungen von ß-Amyloid, sogenannte Plaques, und Tau-Proteine verkleben das Innere von Nervenzellen. Auch das Hirnvolumen nimmt ab.
Punkte für gesunde Lebensmittelgruppen
Um einen Score für die Mittelmeerdiät zu errechnen, vergaben die Wissenschaftler Punkte für 9 Lebensmittelgruppen. Fisch, Gemüse, Früchte und Nüsse, Hülsenfrüchte und Getreide sowie ein gutes Verhältnis von einfach ungesättigten zu gesättigten Fettsäuren wurde jeweils mit 1 Punkt bewertet, falls der Verzehr über dem Mittelwert der Gruppe lag. Der Fleisch- und Milchprodukte-Konsum musste hingegen unter bestimmten Grenzen liegen, um den Score zu erhöhen. Auch mäßiger Alkoholkonsum zählte im Sinne der Mittelmeerkost als Score-Punkt.
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