Donnerstag, 3. März 2022
Gefahr für unnatürlichen Tod: Autisten und ADHS-Patienten haben erhöhtes Sterberisiko ?Daten von fast 650.000 Patienten
che2001, 17:44h
Anke Brodmerkel, Medscape
Menschen mit einer Autismus-Spektrum-Störung (ASS) oder einer Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS) haben im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung ein höheres Sterberisiko. Das zeigt eine Analyse von 27 Studien mit insgesamt fast 650.000 Probanden, die in der Fachzeitschrift JAMA Pediatrics veröffentlicht ist.
Wie die Autoren um den spanischen Wissenschaftler Dr. Ferrán Catalá-López vom Institute of Health Carlos III am Department of Health Planning and Economics der National School of Public Health in Madrid berichten, gehen ASS und ADHS beide mit einer höheren Mortalität aufgrund unnatürlicher Ursachen, zum Beispiel Verletzungen oder Vergiftungen, einher. Ein erhöhtes Sterberisiko durch natürliche Ursachen, etwa neurologische Leiden, Atemwegserkrankungen oder Krebs, fand sich hingegen nur bei Menschen mit ASS.
Die Ergebnisse der Metaanalyse kommen nicht ganz überraschend
?Das ist eine wichtige und qualitativ hochwertige Studie?, kommentiert Dr. Sarah Hohmann, leitende Oberärztin und Leiterin der Arbeitsgruppe ?ADHS des Kindes- und Jugendalters? an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit (ZI) in Mannheim, im Gespräch mit Medscape.
?Dennoch kommen die Ergebnisse dieser Metaanalyse nicht ganz überraschend?, sagt Hohmann. So habe es schon mehrfach Hinweise darauf gegeben, dass Menschen mit ADHS beispielsweise häufiger als andere Personen in Verkehrsunfälle verwickelt seien, sagt Hohmann.
Frühere Studien hatten ebenfalls bereits darauf hingedeutet, dass ASS und ADHS ? die sich beide in der Regel bereits in der Kindheit bemerkbar machen, aber bis ins Erwachsenenalter andauern können ? mit einer höheren Mortalität assoziiert sind. Teilweise waren die Ergebnisse dieser Arbeiten jedoch sehr unterschiedlich oder widersprachen sich sogar.
Die mittlere Beobachtungszeit der Studien betrug 16 Jahre
Catalá-López und sein Team nahmen daher 27 Kohorten- und Fall-Kontroll-Studien jetzt noch einmal genauer unter die Lupe. In diesen Studien waren die Sterblichkeitsraten bei Menschen mit ASS oder ADHS und/oder ihren Verwandten ersten Grades im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung oder zu Personengruppen ohne diese Erkrankungen untersucht worden.
In ihre Analyse flossen Publikationen mit ein, die zwischen 1988 und April 2021 veröffentlicht worden waren. Die Studien enthielten Daten von 642.260 Probanden. Die mittlere Beobachtungszeit betrug 16 Jahre. 12 Studien folgten den Teilnehmern bis zum jungen Erwachsenenalter.
Als primären Endpunkt ihrer Arbeit legten die Forscher um Catalá-López die Gesamtmortalität fest. Sekundärer Endpunkt war die ursachenspezifische Sterberate.
Es zeigte sich, dass die Gesamtmortalität der 154.238 Probanden mit ASS in 12 Studien durchschnittlich um den Faktor 2,37 gegenüber der allgemeinen Bevölkerung erhöht war.
Bei den 396.488 Teilnehmern mit ADHS lag dieser Faktor in 8 Studien im Schnitt bei 2,13.
Das Sterberisiko der an ASS oder ADHS erkrankten Probanden war somit jeweils mehr als doppelt so hoch wie das der Vergleichsgruppen. Für die nahen Verwandten der Erkrankten konnten keine entsprechenden Zahlen ermittelt werden, da hierfür zu wenige Daten vorlagen.
Menschen mit ADHS erleiden besonders oft einen unnatürlichen Tod
Bei Menschen mit ASS waren die Todesfälle aufgrund natürlicher Ursachen um den Faktor 3,8 erhöht. Allerdings lieferten zu dieser Fragestellung nur 4 Studien entsprechende Informationen. Durch unnatürliche Ursachen starben den Daten von 6 Studien zufolge 2,5-mal so viele ASS-Patienten wie Menschen ohne die Erkrankung.
Bei den Probanden mit ADHS waren die Todesfälle durch natürliche Ursachen in 4 Studien nicht signifikant erhöht. Durch unnatürliche Ursachen hingegen seien 10 Studien zufolge 2,8-mal so viele ADHS-Patienten gestorben wie Menschen ohne die Erkrankung ? und damit mehr als erwartet, berichten Catalá-López und sein Team.
?Die natürlichen und unnatürlichen Ursachen weiter aufzuschlüsseln, war leider nicht möglich?, erläutert die Mannheimer Medizinerin Hohmann. ?Dazu waren die für die Analyse herangezogenen Studien zu unterschiedlich.?
Auch die Autoren selbst würden betonen, dass es wichtig sei, möglichst einheitliche Kriterien einzuhalten, wenn man künftig weitere Register- oder Krankenkassendaten auswerten wolle. ?Denn natürlich ist es zum besseren Schutz der Patienten entscheidend zu wissen, woran sie eigentlich genau sterben?, betont Hohmann.
Die genauen Gründe für das erhöhte Sterberisiko sind noch unklar
Kausale Assoziationen aufzudecken, sei allerdings schwierig, da die Zusammenhänge zwischen Mortalität und Entwicklungsstörungen im Kindesalter komplex seien, schreiben die Forscher um Catalá-López.
Viele Patienten mit ASS oder ADHS haben zum Beispiel psychiatrische Komorbiditäten. Auch ihr sozialer Status ist oft niedriger. Dr. Sarah Hohmann
Kinder und Jugendliche mit ASS oder ADHS hätten oft emotionale und soziale Schwierigkeiten. Einige von ihnen seien zudem sehr impulsiv. Verhaltensweisen wie Impulsivität und/oder Unaufmerksamkeit könnten zu Verletzungen und unbeabsichtigte Vorfällen bei Kindern mit ASS oder ADHS beitragen.
Hohmann kann das bestätigen. ?Viele Patienten mit ASS oder ADHS haben zum Beispiel psychiatrische Komorbiditäten?, sagt die Medizinerin. ?Auch ihr sozialer Status ist oft niedriger.? Beides beeinflusse natürlich die Lebenserwartung dieser Menschen. Die jetzt veröffentlichte Arbeit biete aber einen guten Anlass, die kausalen Zusammenhänge künftig noch genauer zu ermitteln.
Die Studie liefert gute Argumente für frühzeitige Interventionen
Mit der Studie wolle man dazu beitragen, gezielt Strategien zu entwickeln, um vermeidbare Todesfälle in Hochrisikogruppen von Kindern und Jugendlichen zu verhindern, schreiben die Wissenschaftler um Catalá-López. Zum Beispiel könnten Ärzte und Angehörige der Gesundheitsberufe ermutigt werden, routinemäßig Informationen über Verhaltens-, Krankheits- und Gesundheitsergebnisse im Zusammenhang mit ASS und ADHS zu sammeln.
Zunächst kann die Studie jetzt das Bewusstsein dafür erhöhen, dass ? Menschen mit ASS oder ADHS ? mehr als andere gefährdet sind, vorzeitig zu sterben. Dr. Sarah Hohmann
?Zunächst kann die Studie jetzt das Bewusstsein dafür erhöhen, dass es sich bei Menschen mit ASS oder ADHS um vulnerable Personen handelt, die mehr als andere gefährdet sind, vorzeitig zu sterben?, sagt Hohmann. ?Gezielte Präventionsmaßnahmen lassen sich daraus aber noch nicht ableiten.? Womöglich rege die Publikation jedoch andere Wissenschaftler dazu an, solche Maßnahmen weiter zu erforschen.
Für die behandelnden Ärzte sei es wichtig, nach spezifischen Risikofaktoren ihrer Patienten Ausschau zu halten, zum Beispiel nach psychiatrischen Komorbiditäten wie Depressionen und Suchterkrankungen oder nach schwierigen Umständen im direkten Umfeld der Betroffenen, sagt Hohmann.
Die Botschaft zum Mitnehmen ist nicht subtil oder nuanciert, sondern klar, direkt und ernüchternd. Prof. Dr. Russell Barkley und Dr. Geraldine Dawson
Zudem könnten die Ärzte ihren Patienten und deren Angehörigen mit Blick auf das erhöhte Sterberisiko künftig vielleicht besser erklären, warum frühe therapeutische Interventionen und flankierende Maßnahmen sinnvoll seien.
Systematische Screening- und Präventivansätze sind erforderlich
Zustimmung erhält Hohmann auch von US-Kollegen: ?Die Botschaft zum Mitnehmen ist nicht subtil oder nuanciert, sondern klar, direkt und ernüchternd?, schreibt der Psychologe und Kinder- und Jugendpsychiater Prof. Dr. Russell Barkley von der Virginia Commonwealth University School of Medicine in Richmond zusammen mit seiner Kollegin Dr. Geraldine Dawson in einem Kommentar, der ebenfalls in JAMA Pediatrics veröffentlicht ist [2].
Personen mit ASS oder ADHS sterben häufig an vermeidbaren natürlichen Ursachen ? und unnatürlichen Ursachen. Prof. Dr. Russell Barkley
?Personen mit ASS oder ADHS sterben häufig an vermeidbaren natürlichen Ursachen wie kardialen Ereignissen und unnatürlichen Ursachen, zum Beispiel durch unbeabsichtigte Verletzungen oder Suizid?, so Barkley, der auch mehrere Bücher zum Thema ADHS geschrieben hat. Dieses Wissen erfordere nun eine breite Anerkennung und die Umsetzung systematischer Screening- und Präventivansätze.
https://deutsch.medscape.com/artikelansicht/4910919?uac=389796AZ&faf=1&sso=true&impID=4060871&src=WNL_mdplsfeat_220303_mscpedit_de#vp_3
Menschen mit einer Autismus-Spektrum-Störung (ASS) oder einer Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS) haben im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung ein höheres Sterberisiko. Das zeigt eine Analyse von 27 Studien mit insgesamt fast 650.000 Probanden, die in der Fachzeitschrift JAMA Pediatrics veröffentlicht ist.
Wie die Autoren um den spanischen Wissenschaftler Dr. Ferrán Catalá-López vom Institute of Health Carlos III am Department of Health Planning and Economics der National School of Public Health in Madrid berichten, gehen ASS und ADHS beide mit einer höheren Mortalität aufgrund unnatürlicher Ursachen, zum Beispiel Verletzungen oder Vergiftungen, einher. Ein erhöhtes Sterberisiko durch natürliche Ursachen, etwa neurologische Leiden, Atemwegserkrankungen oder Krebs, fand sich hingegen nur bei Menschen mit ASS.
Die Ergebnisse der Metaanalyse kommen nicht ganz überraschend
?Das ist eine wichtige und qualitativ hochwertige Studie?, kommentiert Dr. Sarah Hohmann, leitende Oberärztin und Leiterin der Arbeitsgruppe ?ADHS des Kindes- und Jugendalters? an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit (ZI) in Mannheim, im Gespräch mit Medscape.
?Dennoch kommen die Ergebnisse dieser Metaanalyse nicht ganz überraschend?, sagt Hohmann. So habe es schon mehrfach Hinweise darauf gegeben, dass Menschen mit ADHS beispielsweise häufiger als andere Personen in Verkehrsunfälle verwickelt seien, sagt Hohmann.
Frühere Studien hatten ebenfalls bereits darauf hingedeutet, dass ASS und ADHS ? die sich beide in der Regel bereits in der Kindheit bemerkbar machen, aber bis ins Erwachsenenalter andauern können ? mit einer höheren Mortalität assoziiert sind. Teilweise waren die Ergebnisse dieser Arbeiten jedoch sehr unterschiedlich oder widersprachen sich sogar.
Die mittlere Beobachtungszeit der Studien betrug 16 Jahre
Catalá-López und sein Team nahmen daher 27 Kohorten- und Fall-Kontroll-Studien jetzt noch einmal genauer unter die Lupe. In diesen Studien waren die Sterblichkeitsraten bei Menschen mit ASS oder ADHS und/oder ihren Verwandten ersten Grades im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung oder zu Personengruppen ohne diese Erkrankungen untersucht worden.
In ihre Analyse flossen Publikationen mit ein, die zwischen 1988 und April 2021 veröffentlicht worden waren. Die Studien enthielten Daten von 642.260 Probanden. Die mittlere Beobachtungszeit betrug 16 Jahre. 12 Studien folgten den Teilnehmern bis zum jungen Erwachsenenalter.
Als primären Endpunkt ihrer Arbeit legten die Forscher um Catalá-López die Gesamtmortalität fest. Sekundärer Endpunkt war die ursachenspezifische Sterberate.
Es zeigte sich, dass die Gesamtmortalität der 154.238 Probanden mit ASS in 12 Studien durchschnittlich um den Faktor 2,37 gegenüber der allgemeinen Bevölkerung erhöht war.
Bei den 396.488 Teilnehmern mit ADHS lag dieser Faktor in 8 Studien im Schnitt bei 2,13.
Das Sterberisiko der an ASS oder ADHS erkrankten Probanden war somit jeweils mehr als doppelt so hoch wie das der Vergleichsgruppen. Für die nahen Verwandten der Erkrankten konnten keine entsprechenden Zahlen ermittelt werden, da hierfür zu wenige Daten vorlagen.
Menschen mit ADHS erleiden besonders oft einen unnatürlichen Tod
Bei Menschen mit ASS waren die Todesfälle aufgrund natürlicher Ursachen um den Faktor 3,8 erhöht. Allerdings lieferten zu dieser Fragestellung nur 4 Studien entsprechende Informationen. Durch unnatürliche Ursachen starben den Daten von 6 Studien zufolge 2,5-mal so viele ASS-Patienten wie Menschen ohne die Erkrankung.
Bei den Probanden mit ADHS waren die Todesfälle durch natürliche Ursachen in 4 Studien nicht signifikant erhöht. Durch unnatürliche Ursachen hingegen seien 10 Studien zufolge 2,8-mal so viele ADHS-Patienten gestorben wie Menschen ohne die Erkrankung ? und damit mehr als erwartet, berichten Catalá-López und sein Team.
?Die natürlichen und unnatürlichen Ursachen weiter aufzuschlüsseln, war leider nicht möglich?, erläutert die Mannheimer Medizinerin Hohmann. ?Dazu waren die für die Analyse herangezogenen Studien zu unterschiedlich.?
Auch die Autoren selbst würden betonen, dass es wichtig sei, möglichst einheitliche Kriterien einzuhalten, wenn man künftig weitere Register- oder Krankenkassendaten auswerten wolle. ?Denn natürlich ist es zum besseren Schutz der Patienten entscheidend zu wissen, woran sie eigentlich genau sterben?, betont Hohmann.
Die genauen Gründe für das erhöhte Sterberisiko sind noch unklar
Kausale Assoziationen aufzudecken, sei allerdings schwierig, da die Zusammenhänge zwischen Mortalität und Entwicklungsstörungen im Kindesalter komplex seien, schreiben die Forscher um Catalá-López.
Viele Patienten mit ASS oder ADHS haben zum Beispiel psychiatrische Komorbiditäten. Auch ihr sozialer Status ist oft niedriger. Dr. Sarah Hohmann
Kinder und Jugendliche mit ASS oder ADHS hätten oft emotionale und soziale Schwierigkeiten. Einige von ihnen seien zudem sehr impulsiv. Verhaltensweisen wie Impulsivität und/oder Unaufmerksamkeit könnten zu Verletzungen und unbeabsichtigte Vorfällen bei Kindern mit ASS oder ADHS beitragen.
Hohmann kann das bestätigen. ?Viele Patienten mit ASS oder ADHS haben zum Beispiel psychiatrische Komorbiditäten?, sagt die Medizinerin. ?Auch ihr sozialer Status ist oft niedriger.? Beides beeinflusse natürlich die Lebenserwartung dieser Menschen. Die jetzt veröffentlichte Arbeit biete aber einen guten Anlass, die kausalen Zusammenhänge künftig noch genauer zu ermitteln.
Die Studie liefert gute Argumente für frühzeitige Interventionen
Mit der Studie wolle man dazu beitragen, gezielt Strategien zu entwickeln, um vermeidbare Todesfälle in Hochrisikogruppen von Kindern und Jugendlichen zu verhindern, schreiben die Wissenschaftler um Catalá-López. Zum Beispiel könnten Ärzte und Angehörige der Gesundheitsberufe ermutigt werden, routinemäßig Informationen über Verhaltens-, Krankheits- und Gesundheitsergebnisse im Zusammenhang mit ASS und ADHS zu sammeln.
Zunächst kann die Studie jetzt das Bewusstsein dafür erhöhen, dass ? Menschen mit ASS oder ADHS ? mehr als andere gefährdet sind, vorzeitig zu sterben. Dr. Sarah Hohmann
?Zunächst kann die Studie jetzt das Bewusstsein dafür erhöhen, dass es sich bei Menschen mit ASS oder ADHS um vulnerable Personen handelt, die mehr als andere gefährdet sind, vorzeitig zu sterben?, sagt Hohmann. ?Gezielte Präventionsmaßnahmen lassen sich daraus aber noch nicht ableiten.? Womöglich rege die Publikation jedoch andere Wissenschaftler dazu an, solche Maßnahmen weiter zu erforschen.
Für die behandelnden Ärzte sei es wichtig, nach spezifischen Risikofaktoren ihrer Patienten Ausschau zu halten, zum Beispiel nach psychiatrischen Komorbiditäten wie Depressionen und Suchterkrankungen oder nach schwierigen Umständen im direkten Umfeld der Betroffenen, sagt Hohmann.
Die Botschaft zum Mitnehmen ist nicht subtil oder nuanciert, sondern klar, direkt und ernüchternd. Prof. Dr. Russell Barkley und Dr. Geraldine Dawson
Zudem könnten die Ärzte ihren Patienten und deren Angehörigen mit Blick auf das erhöhte Sterberisiko künftig vielleicht besser erklären, warum frühe therapeutische Interventionen und flankierende Maßnahmen sinnvoll seien.
Systematische Screening- und Präventivansätze sind erforderlich
Zustimmung erhält Hohmann auch von US-Kollegen: ?Die Botschaft zum Mitnehmen ist nicht subtil oder nuanciert, sondern klar, direkt und ernüchternd?, schreibt der Psychologe und Kinder- und Jugendpsychiater Prof. Dr. Russell Barkley von der Virginia Commonwealth University School of Medicine in Richmond zusammen mit seiner Kollegin Dr. Geraldine Dawson in einem Kommentar, der ebenfalls in JAMA Pediatrics veröffentlicht ist [2].
Personen mit ASS oder ADHS sterben häufig an vermeidbaren natürlichen Ursachen ? und unnatürlichen Ursachen. Prof. Dr. Russell Barkley
?Personen mit ASS oder ADHS sterben häufig an vermeidbaren natürlichen Ursachen wie kardialen Ereignissen und unnatürlichen Ursachen, zum Beispiel durch unbeabsichtigte Verletzungen oder Suizid?, so Barkley, der auch mehrere Bücher zum Thema ADHS geschrieben hat. Dieses Wissen erfordere nun eine breite Anerkennung und die Umsetzung systematischer Screening- und Präventivansätze.
https://deutsch.medscape.com/artikelansicht/4910919?uac=389796AZ&faf=1&sso=true&impID=4060871&src=WNL_mdplsfeat_220303_mscpedit_de#vp_3
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Mittwoch, 2. März 2022
Omikron: Trotz hoher Inzidenz scheint die Pandemie auf dem Rückmarsch
che2001, 19:43h
RKI streicht alle Hochrisikogebiete von der offiziellen Liste
?Mit verbreitetem Auftreten der Omikron-Variante zeigt sich, dass die Fähigkeit dieser Variante eine bedrohliche Erkrankung hervorzurufen, weniger schwerwiegend ist im Vergleich zu den vorherigen vorherrschenden Varianten?, schreibt das RKI. Die Konsequenz: Ab Donnerstag gelten mit Inkrafttreten der ?Dritten Änderungsverordnung der Coronavirus-Einreiseverordnung? keine Staaten oder Regionen mehr als Hochrisikogebiete. Quarantäne-Bestimmungen für Personen ohne Impfschutz entfallend damit.
Deutschland: Immer noch viele Ungeimpfte
In Deutschland sind mindestens 62,7 Millionen Menschen (75,4 % der Bevölkerung) grundimmunisiert und mindestens 47,4 Millionen (57,0 %) haben zusätzlich eine Auffrischungsimpfung erhalten, Stand 28. Februar.
Dennoch bleibt als Problem: Aktuell sind 19,7 Millionen Einwohner (23,7 % der Bevölkerung) nicht geimpft. Für 4,0 Millionen Babys und Kleinkinder im Alter von 0 bis 4 Jahren (4,8 %) gibt es noch kein zugelassenes Vakzin.
Zwei Impfungen mit der SARS-CoV-2-mRNA-Vakzine BNT162b schützen Jugendliche im Alter von 12-18 Jahren sehr effektiv vor intensivpflichtigen und lebensbedrohlichen COVID-19-Erkrankungen. Die bisherigen Studien hatten zwar für diese Altersgruppe einen hohen Schutz vor symptomatischen Infektionen allgemein belegt, nicht aber vor krankenhauspflichtigen und lebensbedrohlichen COVID-19-Verläufen, denn solch schwere Erkrankungen sind bei Jugendlichen generell selten.
Hintergrund
In den placebokontrollierten Studien mit BNT162b von BioNTech/Pfizer, die Grundlage für die Zulassung des Impfstoffs bei Jugendlichen ab 12 Jahren waren, wurde nachgewiesen, dass 2 Impfungen sehr effektiv vor symptomatischen COVID-19-Infektionen schützen (1). Schwere COVID-19-Erkrankungen wurden allerdings gar nicht beobachetet, weder in der Vakzine- noch in der Placebogruppe. Das hatte die Forscher insofern nicht überrascht, als SARS-CoV-2-Infektionen bei Jugendlichen selten eine Intensivtherapie oder lebenserhaltende Maßnahmen erfordern. Mit der starken Ausbreitung der Deltavariante in den USA auch unter Jugendlichen ist eine Fallkontrollstudie zum Schutz der Vakzine vor schweren Verläufen möglich geworden.
Quellen: Medscape, Univadis
https://www.univadis.de/viewarticle/mrna-vakzine-lebensbedrohliche-covid-19-verlaeufe-bei-jugendlichen-sehr-effektiv-verhindert
?Mit verbreitetem Auftreten der Omikron-Variante zeigt sich, dass die Fähigkeit dieser Variante eine bedrohliche Erkrankung hervorzurufen, weniger schwerwiegend ist im Vergleich zu den vorherigen vorherrschenden Varianten?, schreibt das RKI. Die Konsequenz: Ab Donnerstag gelten mit Inkrafttreten der ?Dritten Änderungsverordnung der Coronavirus-Einreiseverordnung? keine Staaten oder Regionen mehr als Hochrisikogebiete. Quarantäne-Bestimmungen für Personen ohne Impfschutz entfallend damit.
Deutschland: Immer noch viele Ungeimpfte
In Deutschland sind mindestens 62,7 Millionen Menschen (75,4 % der Bevölkerung) grundimmunisiert und mindestens 47,4 Millionen (57,0 %) haben zusätzlich eine Auffrischungsimpfung erhalten, Stand 28. Februar.
Dennoch bleibt als Problem: Aktuell sind 19,7 Millionen Einwohner (23,7 % der Bevölkerung) nicht geimpft. Für 4,0 Millionen Babys und Kleinkinder im Alter von 0 bis 4 Jahren (4,8 %) gibt es noch kein zugelassenes Vakzin.
Zwei Impfungen mit der SARS-CoV-2-mRNA-Vakzine BNT162b schützen Jugendliche im Alter von 12-18 Jahren sehr effektiv vor intensivpflichtigen und lebensbedrohlichen COVID-19-Erkrankungen. Die bisherigen Studien hatten zwar für diese Altersgruppe einen hohen Schutz vor symptomatischen Infektionen allgemein belegt, nicht aber vor krankenhauspflichtigen und lebensbedrohlichen COVID-19-Verläufen, denn solch schwere Erkrankungen sind bei Jugendlichen generell selten.
Hintergrund
In den placebokontrollierten Studien mit BNT162b von BioNTech/Pfizer, die Grundlage für die Zulassung des Impfstoffs bei Jugendlichen ab 12 Jahren waren, wurde nachgewiesen, dass 2 Impfungen sehr effektiv vor symptomatischen COVID-19-Infektionen schützen (1). Schwere COVID-19-Erkrankungen wurden allerdings gar nicht beobachetet, weder in der Vakzine- noch in der Placebogruppe. Das hatte die Forscher insofern nicht überrascht, als SARS-CoV-2-Infektionen bei Jugendlichen selten eine Intensivtherapie oder lebenserhaltende Maßnahmen erfordern. Mit der starken Ausbreitung der Deltavariante in den USA auch unter Jugendlichen ist eine Fallkontrollstudie zum Schutz der Vakzine vor schweren Verläufen möglich geworden.
Quellen: Medscape, Univadis
https://www.univadis.de/viewarticle/mrna-vakzine-lebensbedrohliche-covid-19-verlaeufe-bei-jugendlichen-sehr-effektiv-verhindert
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Donnerstag, 24. Februar 2022
Medscape über den neuesten Stand zu Covid 19
che2001, 19:02h
Von Michael van den Heuvel
Im Epidemiologischen Bulletin hat die Ständige Impfkommission (STIKO) weitere Empfehlungen zur Applikation von Vakzinen veröffentlicht. ?Die Impfung ist strikt intramuskulär (i.m.) und keinesfalls intradermal, subkutan oder intravaskulär (i. v.) zu verabreichen?, schreibt sie. ?Wenngleich akzidentielle intravasale Injektionen bei einer i.m.-Impfstoffapplikation nur selten auftreten, ist bei COVID-19-Impfungen eine Aspiration bei i.m.-Applikation zur weiteren Erhöhung der Impfstoffsicherheit sinnvoll.?
Die Aspiration wird durch kurzeitiges Zurückziehen des Spritzenstempels ausgeführt. Ärzte können feststellen, ob sie versehentlich ein Blutgefäß getroffen haben.
Ihre neuen Empfehlungen begründet die STIKO mit erhöhten Perimyokarditis-Risiken bei der intravenösen Injektion eines mRNA-Impfstoffs. Hinweise darauf kommen aus Tiermodellen.
Neue Prognosen: Was kommt nach Omikron?
In Deutschland sinkt die Zahl an Neuinfektionen stetig. Dennoch machen sich Virologen und Epidemiologen Gedanken, wie die nächsten Monate aussehen könnten. Gegenüber der DPA haben sich jetzt mehrere Experten zu Wort gemeldet.
?Ein Szenario ist, dass wir gut durch diese Welle durchkommen, dass wir trotz der Lockerungen, wenn sie sequenziell und vorsichtig passieren, in ein niedriges Inzidenz-Niveau im Sommer kommen?, sagt Prof. Dr. Dirk Brockmann von der Humboldt Universität zu Berlin. Omikron könne bald ?durch die Gesellschaft hindurchgerauscht? sein. Als Gefahr bleibe, dass ?noch eine sehr lange Zeit immer wieder neue Varianten aufkreuzen werden und dann immer wieder neue Situationen entstehen?.
Die britische Scientific Advisory Group for Emergencies (SAGE) hält mehrere Szenarien für denkbar. Die beiden Extreme: Beim ?Best-Case-Szenario? entstehen neue Varianten, deren Kontagiosität Omikron nicht übersteigen und die zu deutlich milderem COVID-19 führen als die Delta-Variante. Sie zeigen auch weniger Immunflucht als Omikron.
Dem steht ein ?Worst-Case-Szenario? gegenüber: Variants of Concern mit neuen biologischen Eigenschaften entwickeln sich, die zu einer weiteren, starken Erkrankungswelle ab dem Herbst 2022 führen.
?Uns muss bewusst sein, dass Corona ein Problem ist, das uns noch viele Jahre beschäftigen wird?, sagt Brockmann. ?Vielleicht nicht in der Intensität wie jetzt, aber mit neuen Überraschungen, neuen Varianten, die kommen können.?
Impfstoff-assoziierte Myokarditis laut kardialen MRTs mild und harmlos
Die Impfstoff-assoziierte Myokarditis zeigt im Vergleich zur Myokarditis aufgrund anderer Ursachen ähnliche Anomalien beim kardialen MRT. Aber die Veränderungen sind weniger schwerwiegend, wie Forscher in Radiology berichten.
Für ihre retrospektive Studie analysierten Forscher Daten von 92 erwachsenen Patienten mit Myokarditis und Anomalien im kardialen MRT, die zwischen 2019 und 2021 in einem Krankenhaus durchgeführt worden waren.
Von den 92 Patienten hatten 21 (22%) eine Myokarditis nach einer COVID-19-Impfung (Durchschnittsalter 31 Jahre). 10 Patienten (11%) hatten eine Myokarditis nach einer COVID-19-Erkrankung (Durchschnittsalter 51 Jahre), und 61 (66%) hatten eine Myokarditis aufgrund sonstiger Ursachen (Durchschnittsalter 44 Jahre). Patienten mit Myokarditis nach einer Impfung waren im Vergleich zu den anderen Gruppen jünger und häufiger männlich.
Bei allen 21 Patienten mit impfassoziierter Myokarditis traten Schmerzen in der Brust auf. Die Beschwerden begannen 1 bis 7 Tage nach der Impfung und hielten 1 bis 6 Tage an. 14 dieser Patienten (67%) wurden in ein Krankenhaus eingeliefert, wo sie im Durchschnitt 3 Tage blieben. Kein Patient wurde auf der Intensivstation aufgenommen. Die Troponinwerte waren bei allen stationären Patienten erhöht und gingen bei allen bis zur Entlassung deutlich zurück.
u den MRT-Befunden bei impfstoffassoziierter Myokarditis gehörten eine Gadolinium-Anreicherung bei 17 Patienten (81%) und eine linksventrikuläre Dysfunktion bei 6 Patienten (29%). Das kardiale MRT zeigte, dass Patienten mit impfstoffassoziierter Myokarditis im Vergleich zu Patienten mit einer Myokarditis aus anderen Ursachen weniger funktionelle Beeinträchtigungen und weniger ausgedehnte myokardiale Anomalien aufwiesen.
Bei Patienten mit einer COVID-19-Erkrankung oder einer Myokarditis aus sonstigen Ursachen traten häufiger Anomalien auf, die das interventrikuläre Septum betrafen, und es kam zu einer stärkeren Schädigung des Myokards, gemessen anhand des T1-Mappings.
Bei der kurzfristigen Nachbeobachtung (Median 22 Tage) waren alle Patienten mit impfstoffassoziierter Myokarditis asymptomatisch und es war nicht zu Komplikationen gekommen. ?Diese Ergebnisse zeigen, dass eine Myokarditis nach einer COVID-19-Impfung in der Regel relativ mild verläuft und schnell abklingt?, fassen die Autoren zusammen.
Daten aus Südafrika: Keine Hinweise auf klinisch relevante Unterschiede zwischen BA.1 und BA.2
Eine weitere, momentan als Preprint veröffentlichte Studie, geht der Frage nach, welche Relevanz die Omikron-Subtypen BA.1 und BA.2 wirklich haben. Dazu haben die Forscher nationale COVID-19-Falldaten, SARS-CoV-2-Labortestdaten und COVID-19-Hospitalisierungsdaten aus Südafrika analysiert.
Die Wahrscheinlichkeit, in ein Krankenhaus eingeliefert zu werden, unterschied sich nicht zwischen Personen mit einer S-Gen-positiven Omikron-Infektion (als Proxy für BA.2) und einer SGTF-positiven Omikron-Infektion (als Proxy für BA.1). Die bereinigte Odds Ratio lag bei 0,96, und als 95%-Konfidenzintervall geben die Autoren 0,85-1,09 an. Bei den hospitalisierten Personen unterschied sich die Wahrscheinlichkeit einer schweren Erkrankung aufgrund der beiden Linien ebenfalls nicht (OR 0,91, 95%-KI 0,68-1,22).
?Diese Daten deuten darauf hin, dass BA.2 in bestimmten Situationen zwar einen Wettbewerbsvorteil gegenüber BA.1 haben kann, das klinische Profil der Erkrankung jedoch ähnlich verläuft?, so das Fazit der Wissenschaftler.
Die Studie widerspricht einer kürzlich veröffentlichten Arbeit aus Japan, lässt sich methodisch aber nicht vergleichen. Südafrikanische Forscher arbeiten auf epidemiologischer Basis, während sich japanische Forscher auf Tierexperimente und auf In-vitro-Daten berufen.
https://deutsch.medscape.com/artikelansicht/4910888?uac=389796AZ&faf=1&sso=true&impID=4043810&src=WNL_mdplsfeat_220224_mscpedit_de#vp_3
Im Epidemiologischen Bulletin hat die Ständige Impfkommission (STIKO) weitere Empfehlungen zur Applikation von Vakzinen veröffentlicht. ?Die Impfung ist strikt intramuskulär (i.m.) und keinesfalls intradermal, subkutan oder intravaskulär (i. v.) zu verabreichen?, schreibt sie. ?Wenngleich akzidentielle intravasale Injektionen bei einer i.m.-Impfstoffapplikation nur selten auftreten, ist bei COVID-19-Impfungen eine Aspiration bei i.m.-Applikation zur weiteren Erhöhung der Impfstoffsicherheit sinnvoll.?
Die Aspiration wird durch kurzeitiges Zurückziehen des Spritzenstempels ausgeführt. Ärzte können feststellen, ob sie versehentlich ein Blutgefäß getroffen haben.
Ihre neuen Empfehlungen begründet die STIKO mit erhöhten Perimyokarditis-Risiken bei der intravenösen Injektion eines mRNA-Impfstoffs. Hinweise darauf kommen aus Tiermodellen.
Neue Prognosen: Was kommt nach Omikron?
In Deutschland sinkt die Zahl an Neuinfektionen stetig. Dennoch machen sich Virologen und Epidemiologen Gedanken, wie die nächsten Monate aussehen könnten. Gegenüber der DPA haben sich jetzt mehrere Experten zu Wort gemeldet.
?Ein Szenario ist, dass wir gut durch diese Welle durchkommen, dass wir trotz der Lockerungen, wenn sie sequenziell und vorsichtig passieren, in ein niedriges Inzidenz-Niveau im Sommer kommen?, sagt Prof. Dr. Dirk Brockmann von der Humboldt Universität zu Berlin. Omikron könne bald ?durch die Gesellschaft hindurchgerauscht? sein. Als Gefahr bleibe, dass ?noch eine sehr lange Zeit immer wieder neue Varianten aufkreuzen werden und dann immer wieder neue Situationen entstehen?.
Die britische Scientific Advisory Group for Emergencies (SAGE) hält mehrere Szenarien für denkbar. Die beiden Extreme: Beim ?Best-Case-Szenario? entstehen neue Varianten, deren Kontagiosität Omikron nicht übersteigen und die zu deutlich milderem COVID-19 führen als die Delta-Variante. Sie zeigen auch weniger Immunflucht als Omikron.
Dem steht ein ?Worst-Case-Szenario? gegenüber: Variants of Concern mit neuen biologischen Eigenschaften entwickeln sich, die zu einer weiteren, starken Erkrankungswelle ab dem Herbst 2022 führen.
?Uns muss bewusst sein, dass Corona ein Problem ist, das uns noch viele Jahre beschäftigen wird?, sagt Brockmann. ?Vielleicht nicht in der Intensität wie jetzt, aber mit neuen Überraschungen, neuen Varianten, die kommen können.?
Impfstoff-assoziierte Myokarditis laut kardialen MRTs mild und harmlos
Die Impfstoff-assoziierte Myokarditis zeigt im Vergleich zur Myokarditis aufgrund anderer Ursachen ähnliche Anomalien beim kardialen MRT. Aber die Veränderungen sind weniger schwerwiegend, wie Forscher in Radiology berichten.
Für ihre retrospektive Studie analysierten Forscher Daten von 92 erwachsenen Patienten mit Myokarditis und Anomalien im kardialen MRT, die zwischen 2019 und 2021 in einem Krankenhaus durchgeführt worden waren.
Von den 92 Patienten hatten 21 (22%) eine Myokarditis nach einer COVID-19-Impfung (Durchschnittsalter 31 Jahre). 10 Patienten (11%) hatten eine Myokarditis nach einer COVID-19-Erkrankung (Durchschnittsalter 51 Jahre), und 61 (66%) hatten eine Myokarditis aufgrund sonstiger Ursachen (Durchschnittsalter 44 Jahre). Patienten mit Myokarditis nach einer Impfung waren im Vergleich zu den anderen Gruppen jünger und häufiger männlich.
Bei allen 21 Patienten mit impfassoziierter Myokarditis traten Schmerzen in der Brust auf. Die Beschwerden begannen 1 bis 7 Tage nach der Impfung und hielten 1 bis 6 Tage an. 14 dieser Patienten (67%) wurden in ein Krankenhaus eingeliefert, wo sie im Durchschnitt 3 Tage blieben. Kein Patient wurde auf der Intensivstation aufgenommen. Die Troponinwerte waren bei allen stationären Patienten erhöht und gingen bei allen bis zur Entlassung deutlich zurück.
u den MRT-Befunden bei impfstoffassoziierter Myokarditis gehörten eine Gadolinium-Anreicherung bei 17 Patienten (81%) und eine linksventrikuläre Dysfunktion bei 6 Patienten (29%). Das kardiale MRT zeigte, dass Patienten mit impfstoffassoziierter Myokarditis im Vergleich zu Patienten mit einer Myokarditis aus anderen Ursachen weniger funktionelle Beeinträchtigungen und weniger ausgedehnte myokardiale Anomalien aufwiesen.
Bei Patienten mit einer COVID-19-Erkrankung oder einer Myokarditis aus sonstigen Ursachen traten häufiger Anomalien auf, die das interventrikuläre Septum betrafen, und es kam zu einer stärkeren Schädigung des Myokards, gemessen anhand des T1-Mappings.
Bei der kurzfristigen Nachbeobachtung (Median 22 Tage) waren alle Patienten mit impfstoffassoziierter Myokarditis asymptomatisch und es war nicht zu Komplikationen gekommen. ?Diese Ergebnisse zeigen, dass eine Myokarditis nach einer COVID-19-Impfung in der Regel relativ mild verläuft und schnell abklingt?, fassen die Autoren zusammen.
Daten aus Südafrika: Keine Hinweise auf klinisch relevante Unterschiede zwischen BA.1 und BA.2
Eine weitere, momentan als Preprint veröffentlichte Studie, geht der Frage nach, welche Relevanz die Omikron-Subtypen BA.1 und BA.2 wirklich haben. Dazu haben die Forscher nationale COVID-19-Falldaten, SARS-CoV-2-Labortestdaten und COVID-19-Hospitalisierungsdaten aus Südafrika analysiert.
Die Wahrscheinlichkeit, in ein Krankenhaus eingeliefert zu werden, unterschied sich nicht zwischen Personen mit einer S-Gen-positiven Omikron-Infektion (als Proxy für BA.2) und einer SGTF-positiven Omikron-Infektion (als Proxy für BA.1). Die bereinigte Odds Ratio lag bei 0,96, und als 95%-Konfidenzintervall geben die Autoren 0,85-1,09 an. Bei den hospitalisierten Personen unterschied sich die Wahrscheinlichkeit einer schweren Erkrankung aufgrund der beiden Linien ebenfalls nicht (OR 0,91, 95%-KI 0,68-1,22).
?Diese Daten deuten darauf hin, dass BA.2 in bestimmten Situationen zwar einen Wettbewerbsvorteil gegenüber BA.1 haben kann, das klinische Profil der Erkrankung jedoch ähnlich verläuft?, so das Fazit der Wissenschaftler.
Die Studie widerspricht einer kürzlich veröffentlichten Arbeit aus Japan, lässt sich methodisch aber nicht vergleichen. Südafrikanische Forscher arbeiten auf epidemiologischer Basis, während sich japanische Forscher auf Tierexperimente und auf In-vitro-Daten berufen.
https://deutsch.medscape.com/artikelansicht/4910888?uac=389796AZ&faf=1&sso=true&impID=4043810&src=WNL_mdplsfeat_220224_mscpedit_de#vp_3
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Mittwoch, 23. Februar 2022
Novavax-Impfstart, Plädoyer gegen die aktuelle Teststrategie
che2001, 18:03h
Seit letzter Woche steht erstmals der COVID-19-Impfstoff Nuvaxovid® (Novavax) zur Verfügung.
"Bundesgesundheitsminister Prof. Dr. Karl Lauterbach (SPD) rechnet zu Beginn mit 1,4 Millionen Dosen. Im gesamten Jahr sollen es rund 34 Millionen Dosen werden. Die wichtigsten Fragen im Überblick.
Wie ist der Impfstoff zusammengesetzt? Novavax enthält gentechnologisch hergestelltes SARS-CoV-2-Spikeprotein und das Adjuvans Matrix-M. Die Technologie kommt bei zahlreichen Vakzinen unabhängig von COVID-19 zum Einsatz.
Wie effektiv ist Novavax? Laut EMA lag die Effektivität in den Zulassungsstudien bei 90%, bezogen auf symptomatisches COVID-19. Zum Zeitpunkt der Untersuchungen zirkulierte Omikron allerdings noch nicht in nennenswertem Maße.
Welche Nebenwirkungen treten auf? Schmerzen, Rötung oder Schwellung an der Einstichstelle, Müdigkeit, Kopf-, Muskel- und Gelenkschmerzen wurden in den Studien beobachtet.
Wie hoch ist das Allergierisiko gegen die Inhaltsstoffe? Allergische Reaktionen gegen das Protein oder das Adjuvans sind möglich. Allerdings liegen noch zu wenige Daten vor, um seltene Ereignisse zu beurteilen. Real-World-Daten werden ? wie bei anderen Vakzinen auch ? von der EMA regelmäßig analysiert.
Wo wird Novavax verimpft? Laut PZ wird das Vakzin an die Bundesländer verteilt. Dort kommt es in Impfzentren zum Einsatz. Niedergelassene Ärzte oder Apotheker, die impfen, werden dieses Vakzin zu Beginn noch nicht erhalten.
Wer kann mit Novavax geimpft werden? Die STIKO empfiehlt das Vakzin für Personen ab 18 Jahren.
Welche Einschränkungen gibt es? Novavax sollte momentan nicht in der Schwangerschaft und der Stillzeit eingesetzt werden.
Welcher Abstand ist einzuhalten? Der Mindestabstand zwischen den 2 Impfungen liegt bei 3 Wochen.
Sind Auffrischungsimpfungen mit Novavax möglich? Derzeit nicht; das Vakzin ist dafür noch nicht zugelassen.
Welche Vorteile erwarten Experten speziell von Novavax? Experten hoffen, dass der proteinbasierte Impfstoff Personen überzeugen könnte, die mRNA-Vakzine ablehnen. Ob sich dies bewahrheiten wird, ist eine andere Frage.
Die Akkreditierten Labore in der Medizin (ALM) berichten in Woche 7 von einer deutlich rückläufigen Tendenz bei PCR-Tests. Die Zahl sank um 13% von 2.366.691 in der Vorwoche auf nunmehr 2.048.365 dieser Untersuchungen. Dies lege laut einer Pressemeldung nahe, dass ?möglicherweise nicht mehr alle an SARS-CoV-2 erkrankten Menschen mit einem positiven PCR-Testbefund diagnostiziert werden?.
Die Zahl der positiv befundeten PCR-Tests sank im gleichen Zeitraum um 10%. Als Auslastung der Labore nennt der Verband bundesweit 73%. ?In Bezug auf die sinkende Auslastung in den Laboren ist die befristete Fokussierung in der Nationalen Teststrategie in dieser Form aus unserer Sicht nicht mehr notwendig?, kommentiert der ALM-Vorsitzende Dr. Michael Müller. ?Vielmehr sollte das bekannte anlassbezogene und niedrigschwellige Testregime weiterverfolgt werden, so wie es in der Nationalen Teststrategie vorgesehen ist und wie es sich über einen nun langen Zeitraum bewährt hat.?
Genesenen-Zertifikat nach qualifizierten Schnelltests
Die Europäische Kommission plant, ab sofort Genesenen-Zertifikate auf Grundlage von Antigen-Tests auszustellen. Bislang waren dafür PCR-Tests erforderlich. Selbsttests sind nicht zulässig. Vielmehr müssen Antigen-basierte Schnelltests von qualifiziertem Personal durchgeführt werden. ?Durch die Verwendung von Antigen-Schnelltests für die Ausstellung von Genesenen-Nachweisen können die Mitgliedstaaten den erheblichen Druck auf die nationalen Testkapazitäten etwas abmildern, der durch das Aufkommen von Omikron entstanden ist?, sagte EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides als Begründung.
Neue Studie: Negativer Antigen-Schnelltest kein ?Freifahrtschein?
Seit Herbst 2020 setzen etliche Länder auf Antigen-Schnelltests als wichtige Säule von Strategien zur Pandemiekontrolle. Jetzt haben Forscher aus München die Leistungsfähigkeit von 9 dieser Tests im Labor untersucht. Zum Einsatz kamen 115 SARS-CoV-2-PCR-negative und 166 positive Atemwegstupferproben (101 mit Omicron, 65 mit Delta), die zwischen Oktober 2021 und Januar 2022 gesammelt wurden. Klinische Isolate wurden ebenfalls eingesetzt.
Um bei diesen Point-of-Care-Tests ein positives Ergebnis zu erzielen, waren für Omikron-haltige im Vergleich zu Delta-haltigen Proben bis zu 10-fach (LOD50) bzw. 101-fach (LOD95) höhere Viruslasten erforderlich. LOD ist die Nachweisgrenze (limit of detection); LOD50 entspricht der niedrigsten Viruslast, bei der mit 50-prozentiger Wahrscheinlichkeit der Test positiv ausfällt.
Die Raten positiver Testergebnisse für Omikron-Proben in der höchsten Viruslastkategorie (bei Ct-Werten im PCR < 25) lagen zwischen 31,4% und 77,8%, während sie bei Proben mit mittleren Ct-Werten (25-30) auf 0-8,3% sanken. Delta-Infektionen erkannten die Schnelltests bei sehr hoher Viruslast zu mehr als 70%. Bei mittlerer Viruslast lag die Trefferquote auf 0 bis 28%."
?Insgesamt besteht eine enorme Heterogenität der Antigen-Schnelltests zum Nachweis von Omikron?, sagt Prof. Dr. Oliver Keppler von der LMU München. ?Einerseits muss dies klar kommuniziert werden und anderseits rasch eine Liste mit brauchbaren Tests veröffentlicht werden.? Und weiter: ?Man darf niemals ein negatives Ergebnis als Freifahrtschein nehmen.?
https://deutsch.medscape.com/artikelansicht/4910881?uac=389796AZ&faf=1&sso=true&impID=4040927&src=WNL_mdplsfeat_220223_mscpedit_de#vp_2
"Bundesgesundheitsminister Prof. Dr. Karl Lauterbach (SPD) rechnet zu Beginn mit 1,4 Millionen Dosen. Im gesamten Jahr sollen es rund 34 Millionen Dosen werden. Die wichtigsten Fragen im Überblick.
Wie ist der Impfstoff zusammengesetzt? Novavax enthält gentechnologisch hergestelltes SARS-CoV-2-Spikeprotein und das Adjuvans Matrix-M. Die Technologie kommt bei zahlreichen Vakzinen unabhängig von COVID-19 zum Einsatz.
Wie effektiv ist Novavax? Laut EMA lag die Effektivität in den Zulassungsstudien bei 90%, bezogen auf symptomatisches COVID-19. Zum Zeitpunkt der Untersuchungen zirkulierte Omikron allerdings noch nicht in nennenswertem Maße.
Welche Nebenwirkungen treten auf? Schmerzen, Rötung oder Schwellung an der Einstichstelle, Müdigkeit, Kopf-, Muskel- und Gelenkschmerzen wurden in den Studien beobachtet.
Wie hoch ist das Allergierisiko gegen die Inhaltsstoffe? Allergische Reaktionen gegen das Protein oder das Adjuvans sind möglich. Allerdings liegen noch zu wenige Daten vor, um seltene Ereignisse zu beurteilen. Real-World-Daten werden ? wie bei anderen Vakzinen auch ? von der EMA regelmäßig analysiert.
Wo wird Novavax verimpft? Laut PZ wird das Vakzin an die Bundesländer verteilt. Dort kommt es in Impfzentren zum Einsatz. Niedergelassene Ärzte oder Apotheker, die impfen, werden dieses Vakzin zu Beginn noch nicht erhalten.
Wer kann mit Novavax geimpft werden? Die STIKO empfiehlt das Vakzin für Personen ab 18 Jahren.
Welche Einschränkungen gibt es? Novavax sollte momentan nicht in der Schwangerschaft und der Stillzeit eingesetzt werden.
Welcher Abstand ist einzuhalten? Der Mindestabstand zwischen den 2 Impfungen liegt bei 3 Wochen.
Sind Auffrischungsimpfungen mit Novavax möglich? Derzeit nicht; das Vakzin ist dafür noch nicht zugelassen.
Welche Vorteile erwarten Experten speziell von Novavax? Experten hoffen, dass der proteinbasierte Impfstoff Personen überzeugen könnte, die mRNA-Vakzine ablehnen. Ob sich dies bewahrheiten wird, ist eine andere Frage.
Die Akkreditierten Labore in der Medizin (ALM) berichten in Woche 7 von einer deutlich rückläufigen Tendenz bei PCR-Tests. Die Zahl sank um 13% von 2.366.691 in der Vorwoche auf nunmehr 2.048.365 dieser Untersuchungen. Dies lege laut einer Pressemeldung nahe, dass ?möglicherweise nicht mehr alle an SARS-CoV-2 erkrankten Menschen mit einem positiven PCR-Testbefund diagnostiziert werden?.
Die Zahl der positiv befundeten PCR-Tests sank im gleichen Zeitraum um 10%. Als Auslastung der Labore nennt der Verband bundesweit 73%. ?In Bezug auf die sinkende Auslastung in den Laboren ist die befristete Fokussierung in der Nationalen Teststrategie in dieser Form aus unserer Sicht nicht mehr notwendig?, kommentiert der ALM-Vorsitzende Dr. Michael Müller. ?Vielmehr sollte das bekannte anlassbezogene und niedrigschwellige Testregime weiterverfolgt werden, so wie es in der Nationalen Teststrategie vorgesehen ist und wie es sich über einen nun langen Zeitraum bewährt hat.?
Genesenen-Zertifikat nach qualifizierten Schnelltests
Die Europäische Kommission plant, ab sofort Genesenen-Zertifikate auf Grundlage von Antigen-Tests auszustellen. Bislang waren dafür PCR-Tests erforderlich. Selbsttests sind nicht zulässig. Vielmehr müssen Antigen-basierte Schnelltests von qualifiziertem Personal durchgeführt werden. ?Durch die Verwendung von Antigen-Schnelltests für die Ausstellung von Genesenen-Nachweisen können die Mitgliedstaaten den erheblichen Druck auf die nationalen Testkapazitäten etwas abmildern, der durch das Aufkommen von Omikron entstanden ist?, sagte EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides als Begründung.
Neue Studie: Negativer Antigen-Schnelltest kein ?Freifahrtschein?
Seit Herbst 2020 setzen etliche Länder auf Antigen-Schnelltests als wichtige Säule von Strategien zur Pandemiekontrolle. Jetzt haben Forscher aus München die Leistungsfähigkeit von 9 dieser Tests im Labor untersucht. Zum Einsatz kamen 115 SARS-CoV-2-PCR-negative und 166 positive Atemwegstupferproben (101 mit Omicron, 65 mit Delta), die zwischen Oktober 2021 und Januar 2022 gesammelt wurden. Klinische Isolate wurden ebenfalls eingesetzt.
Um bei diesen Point-of-Care-Tests ein positives Ergebnis zu erzielen, waren für Omikron-haltige im Vergleich zu Delta-haltigen Proben bis zu 10-fach (LOD50) bzw. 101-fach (LOD95) höhere Viruslasten erforderlich. LOD ist die Nachweisgrenze (limit of detection); LOD50 entspricht der niedrigsten Viruslast, bei der mit 50-prozentiger Wahrscheinlichkeit der Test positiv ausfällt.
Die Raten positiver Testergebnisse für Omikron-Proben in der höchsten Viruslastkategorie (bei Ct-Werten im PCR < 25) lagen zwischen 31,4% und 77,8%, während sie bei Proben mit mittleren Ct-Werten (25-30) auf 0-8,3% sanken. Delta-Infektionen erkannten die Schnelltests bei sehr hoher Viruslast zu mehr als 70%. Bei mittlerer Viruslast lag die Trefferquote auf 0 bis 28%."
?Insgesamt besteht eine enorme Heterogenität der Antigen-Schnelltests zum Nachweis von Omikron?, sagt Prof. Dr. Oliver Keppler von der LMU München. ?Einerseits muss dies klar kommuniziert werden und anderseits rasch eine Liste mit brauchbaren Tests veröffentlicht werden.? Und weiter: ?Man darf niemals ein negatives Ergebnis als Freifahrtschein nehmen.?
https://deutsch.medscape.com/artikelansicht/4910881?uac=389796AZ&faf=1&sso=true&impID=4040927&src=WNL_mdplsfeat_220223_mscpedit_de#vp_2
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Montag, 21. Februar 2022
Corona 2.0 schon in den Startlöchern?
che2001, 18:38h
Unter 130.000 neu identifizierten RNA-Viren sind auch 9 SARS-CoV-2-Verwandte
Maria Weiß
Die Corona-Pandemie hat gelehrt, dass man gut daran tut, Viren im Auge zu behalten, um Gefahren rechtzeitig zu erkennen. Durch eine spezielle digitale Infrastruktur (Serratus) ist es Forschern jetzt gelungen, weltweit in Biobanken über 130.000 neue RNA-Viren zu identifizieren ? darunter auch 9 noch nicht bekannte Corona-Viren mit Ähnlichkeiten zu SARS-CoV-2.
Unmengen an Sequenzdaten Datenbanken
Die Vielfalt der Viren auf unserem Planeten ist unfassbar groß und nur ein Bruchteil des weltweiten ?Viroms? ist bisher bekannt. Neue Viruserkrankungen sind somit im Prinzip jederzeit möglich. Daher erscheint es sinnvoll die Diversität der global vorkommenden Viren in Datenbanken zu katalogisieren, die Wissenschaftlern frei zugänglich sind. Problematisch war aber bisher die schiere Menge von Datensätzen in weltweit verteilten öffentlich zugänglichen Sequenzdatenbanken.
Überall auf der Welt werden von biologischen Forschungsgruppen Seqenzdaten von Lebewesen in diese Datenbanken eingespeist ? ob aus Bodenproben im Regenwald oder Wasserproben der Tiefsee. Dabei gibt es viel ?Beifang? ? d.h. zufällig gefundene Sequenzen von Organismen, die nicht im Zentrum des jeweiligen Forschungsprojektes standen. Sequenzdaten liegen daher in den Datenbanken in der Größenordnung von Petabytes (d.h. Millionen von Gigabytes) vor, was selbst bisherige ?Supercomputer? überfordert.
Neue Infrastruktur ermöglicht Sequenzabgleich im Petabyte-Bereich
Einem internationalen Forschungsteam unter Beteiligung der Heidelberger Instituts für Theoretische Studien und des Max-Planck-Instituts für Biologie ist es jetzt gelungen, eine Cloud-basierte Infrastruktur (Serratus) zu entwickeln, die den Sequenzabgleich im Petabyte-Maßstab ermöglicht. Damit konnten 20 Millionen Gigabytes öffentlich zugänglicher Gensequenzen in 5,7 Millionen biologischen Proben auf das Vorhandensein von RNA-Viren untersucht werden.
132.000 neue RNA-Viren konnten so identifiziert werden ? das sind 10-mal mehr als die bisher bekannten Virusspezies. Darunter befanden sich auch 9 enge Verwandte von SARS-CoV-2, Viren mit hoher Ähnlichkeit zum Hepatitis-D-Virus und ganz neuartige Bakteriophagen.
Blick in die Zukunft: Blut in Minuten auf alle Viren scannen möglich?
Für diese Identifizierung hätte ein herkömmlicher ?Supercomputer? über ein Jahr benötigt und Kosten von hunderttausenden Dollar wären angefallen. Dank Serratus war dies in nur 11 Tagen und unter Einsatz von 24.000 Dollar möglich. Wenn ein Patient eine Infektion mit einem unbekannten Virus aufweist, würde es mit dem neuen digitalen Werkzeug nur 2 Minuten dauern, seine Blutprobe mit allen bisher nachgewiesenen Viren abzugleichen und eine mögliche Verbindung herzustellen.
Dieser Artikel ist im Original erschienen auf Coliquio.de .
Maria Weiß
Die Corona-Pandemie hat gelehrt, dass man gut daran tut, Viren im Auge zu behalten, um Gefahren rechtzeitig zu erkennen. Durch eine spezielle digitale Infrastruktur (Serratus) ist es Forschern jetzt gelungen, weltweit in Biobanken über 130.000 neue RNA-Viren zu identifizieren ? darunter auch 9 noch nicht bekannte Corona-Viren mit Ähnlichkeiten zu SARS-CoV-2.
Unmengen an Sequenzdaten Datenbanken
Die Vielfalt der Viren auf unserem Planeten ist unfassbar groß und nur ein Bruchteil des weltweiten ?Viroms? ist bisher bekannt. Neue Viruserkrankungen sind somit im Prinzip jederzeit möglich. Daher erscheint es sinnvoll die Diversität der global vorkommenden Viren in Datenbanken zu katalogisieren, die Wissenschaftlern frei zugänglich sind. Problematisch war aber bisher die schiere Menge von Datensätzen in weltweit verteilten öffentlich zugänglichen Sequenzdatenbanken.
Überall auf der Welt werden von biologischen Forschungsgruppen Seqenzdaten von Lebewesen in diese Datenbanken eingespeist ? ob aus Bodenproben im Regenwald oder Wasserproben der Tiefsee. Dabei gibt es viel ?Beifang? ? d.h. zufällig gefundene Sequenzen von Organismen, die nicht im Zentrum des jeweiligen Forschungsprojektes standen. Sequenzdaten liegen daher in den Datenbanken in der Größenordnung von Petabytes (d.h. Millionen von Gigabytes) vor, was selbst bisherige ?Supercomputer? überfordert.
Neue Infrastruktur ermöglicht Sequenzabgleich im Petabyte-Bereich
Einem internationalen Forschungsteam unter Beteiligung der Heidelberger Instituts für Theoretische Studien und des Max-Planck-Instituts für Biologie ist es jetzt gelungen, eine Cloud-basierte Infrastruktur (Serratus) zu entwickeln, die den Sequenzabgleich im Petabyte-Maßstab ermöglicht. Damit konnten 20 Millionen Gigabytes öffentlich zugänglicher Gensequenzen in 5,7 Millionen biologischen Proben auf das Vorhandensein von RNA-Viren untersucht werden.
132.000 neue RNA-Viren konnten so identifiziert werden ? das sind 10-mal mehr als die bisher bekannten Virusspezies. Darunter befanden sich auch 9 enge Verwandte von SARS-CoV-2, Viren mit hoher Ähnlichkeit zum Hepatitis-D-Virus und ganz neuartige Bakteriophagen.
Blick in die Zukunft: Blut in Minuten auf alle Viren scannen möglich?
Für diese Identifizierung hätte ein herkömmlicher ?Supercomputer? über ein Jahr benötigt und Kosten von hunderttausenden Dollar wären angefallen. Dank Serratus war dies in nur 11 Tagen und unter Einsatz von 24.000 Dollar möglich. Wenn ein Patient eine Infektion mit einem unbekannten Virus aufweist, würde es mit dem neuen digitalen Werkzeug nur 2 Minuten dauern, seine Blutprobe mit allen bisher nachgewiesenen Viren abzugleichen und eine mögliche Verbindung herzustellen.
Dieser Artikel ist im Original erschienen auf Coliquio.de .
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Sex im Alter - Mythos und Wirklichkeit
che2001, 18:36h
Hmmm. Dass Leute, die noch einmal im Jahr Sex haben als sexuell aktiv bezeichnet werden mutet mir seltwürdig an. Aber da bin ich bakuninlob trotz meines sich allmählich der Zielgruppe nähernden biographischen Alters noch Jungspund.
https://deutsch.medscape.com/artikelansicht/4910872?uac=389796AZ&faf=1&sso=true&impID=4036123&src=WNL_mdplsfeat_220221_mscpedit_de#vp_
https://deutsch.medscape.com/artikelansicht/4910872?uac=389796AZ&faf=1&sso=true&impID=4036123&src=WNL_mdplsfeat_220221_mscpedit_de#vp_
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Strategien gegen Covid 19 auf dem Prüfstand
che2001, 18:19h
Michael van den Heuvel, Medscape
"In einigen Ländern seien hohe Impfquoten mit einer geringeren Gefährlichkeit der Omikron-Variante verbunden, so die Einschätzung von Tedros Adhanom Ghebreyesus. Dem WHO-Generaldirektor zufolge stürben Woche für Woche nach wie vor 70.000 Menschen an dieser vermeidbaren Krankheit. Und 83% der Einwohner Afrikas hätten noch nicht einmal die 1. Impfdosis gegen COVID-19 erhalten. Um ärmeren Ländern zu helfen, seien 16 Milliarden Dollar erforderlich ? für Tests, Masken und Vakzine.
Zuvor hatte Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) Forderungen nach der Freigabe von Impfstoff-Patenten eine klare Absage erteilt. ?Es geht ja darum, dass wir den großen Fortschritt, der zum Beispiel mit der Entwicklung der mRNA-Technologie verbunden ist, jetzt nicht verspielen?, sagte er nach einem afrikanisch-europäischen Gipfeltreffen in Brüssel. Dieser Fortschritt habe auch damit zu tun, dass Eigentumsrechte gewahrt blieben. Der Bundeskanzler kann sich jedoch vorstellen, dass Impfstoffe vor Ort produziert werden.
Im Schatten von Corona: Einbrüche bei der Krebs-Früherkennung
Analysen des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) zeigen teils starke Auswirkungen der Pandemie auf Früherkennungen. In 2020 ging die Früherkennung von Hautkrebs um 19,8% gegenüber 2019 zurück. Beim Mammografie-Screening sowie bei der Prostatakrebs-Früherkennung waren es jeweils minus 8,1% und bei der Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs minus 5,5%. Lediglich bei Koloskopien zur Früherkennung von Darmkrebs verzeichnete das WIdO einen Anstieg um 2,1%. Das könnte an persönlichen Anschreiben gesetzlicher Krankenkassen, aber auch an mehr Berechtigten liegen: Seit Anfang 2019 haben Männer ab 50 statt ab 55 Anspruch auf die Leistung.
Ohne Früherkennung und ohne Diagnostik sind schwerwiegende Folgen zu befürchten. Die Auswertung von AOK-Abrechnungsdaten aus den Kliniken zeigt zwischen März 2020 und Juli 2021 einen Rückgang der Darmkrebs-OPs von 13% gegenüber 2019. Bei Brustkrebs-OPs sind es minus 4% ?Mittelfristig könnte sich dies in einem größeren Anteil höherer Schweregrade bei den Erkrankungen zeigen und auf die Sterblichkeit auswirken?, sagt WIdO-Geschäftsführer Jürgen Klauber.
Gerichtsurteil: 1 Dosis Johnson & Johnson gilt als vollständiger Schutz
Zu Beginn der Corona-Pandemie wurde in Deutschland das Vektorvirus-Vakzin von Johnson & Johnson häufiger verimpft; aktuell spielt es eine untergeordnete Rolle. Das Paul-Ehrlich-Institut bewertet den Schutz nach 1 Dosis als unvollständig. Betroffene ohne 2. Impfung ? idealerweise mit einem mRNA-Vakzin ? werden aus vielen Bereichen des Alltagslebens ausgeschlossen. Dagegen hat eine Frau aus Berlin geklagt ? mit Erfolg (Az. VG 14 L 15/22).
Das Verwaltungsgericht Berlin hat ihrem Eilantrag stattgegeben. Die Klägerin gilt mit 1 Dosis Johnson & Johnson jetzt als geimpft, wenn auch nicht als geboostert. In ihrer Begründung wiesen die Richter auf Formfehler hin. Über den Immunisierungsstatus entscheide die Bundesregierung, hieß es. ?Die Übertragung dieser Entscheidung auf das Paul-Ehrlich-Institut überschreitet die Grenzen der gesetzlichen Ermächtigung.? Eine Berufung gegen das Urteil ist möglich.
Viertimpfung: Geringer Nutzen für 50- bis 60-Jährige
Etliche Länder stellen sich die Frage, welchen Nutzen eine Viertimpfung tatsächlich zeigt. Die STIKO empfiehlt momentan eine 2. Auffrischungsimpfung frühestens 3 Monate nach der 1. Auffrischung, und zwar mit mRNA-Vakzinen. Als Zielgruppe werden u.a. Menschen ab 70, Bewohner von Alten- und Pflegeheimen und Patienten mit Immundefizienz genannt. Doch wie sieht es bei Jüngeren aus?
Eine neue Studie aus Israel zeigt, dass der Nutzen für 50- bis 60-Jährige geringer ausfallen könnte als erhofft. Von 1.050 medizinischen Angestellten wurden 154 in die BioNTech/Pfizer- und weitere 120 in die Moderna-Gruppe aufgenommen. 426 gleichaltrigen Personen kamen als Kontrollen mit hinzu. Sie hatten 3 Dosen des jeweiligen Vakzins erhalten, aber keine 4. Dosis.
Empfänger beider Impfstofftypen hatten innerhalb von 2 Wochen nach der Impfung einen 9- bis 10-fachen Anstieg der IgG- und der Neutralisierungstiter und einen 8-fachen Anstieg der Titer gegen biologisch aktive Omikron-SARS-CoV-2-Viren. Neutralisierende Antikörpertiter sanken jedoch rasch auf das Niveau von kurz nach 3. Impfung.
Durchbruchinfektionen waren häufig, meist sehr mild, jedoch mit hoher Viruslast. Die Wirksamkeit des Impfstoffs gegen Infektionen betrug in beiden Gruppen 30% bzw. 11%, verglichen mit Kontrollen.
?Diese Daten aus Israel sprechen eher gegen 4. Impfung für alle?, fasst Bundesgesundheitsminister Prof. Dr. Karl Lauterbach auf Twitter zusammen. Und der Immunologe Prof. Dr. Carsten Watzl aus Dortmund ergänzt: ?Neutralisierende Antikörper erreichen gerade wieder das Niveau von kurz nach 3. Impfung. Wenig Einfluss auf T-Zellen; Schutz vor symptomatischen Infektion nur 30-40%. Wenig Nutzen zur aktuellen Zeit mit aktuellem Impfstoff!?
Kommt das Omikron-Vakzin?
Aber selbst Omikron-Vakzine in Entwicklung werfen Fragen auf. Nach optimistischen Einschätzungen der Impfstoffhersteller macht sich jetzt Ernüchterung bemerkbar. BioNTech-Chef Uğur Şahin rechnet erst mit April oder Mai als Auslieferungstermin ? und nicht mehr Ende März. Zur Begründung sagte er, die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) müsse länger als geplant auf zulassungsrelevante Daten warten. Und Moderna nennt den August als Zeitpunkt für Omikron-spezifische Booster.
Als Frage bleibt, ob das neue Vakzin nicht zu spät kommt. Deutschland hatte bereits während der Delta-Welle umfassende Schutzvorkehrungen getroffen; Omikron erreichte uns spät, verglichen mit anderen Nationen. Und die Zahl der Neuinfektionen entwickelt sich tendenziell rückläufig. Hinzu kommt, dass tierexperimentelle Studien bislang eher enttäuschend ausfallen. Demnach sind Omikron-spezifische Booster nicht signifikant effektiver als Auffrischungsimpfungen mit bereits zugelassenen Vakzinen.
Bereits zugelassene Vakzine erweisen sich gegen schweres COVID-19 als effektiv. Laut RKI-Wochenberichten liegt die Hospitalisierungsinzidenz für Geimpfte, Geboosterte bei < 5 Fällen pro 100.000 Personen, verglichen mit rund 20 bei Ungeimpften.
Neue RCT: Endgültiges Aus für Ivermectin
Gerade in Social Media hält sich das Gerücht, Ivermectin könne bei schwerem COVID-19 Symptome lindern, hartnäckig. US-weit schnellte die Zahl an Verordnungen zu Lasten privater Krankenversicherungen nach oben, wie Medscape im Blog berichtet hat.
Ergebnisse einer randomisiert-placebokontrollierten Studie lassen keinen Zweifel daran, dass Ivermectin als Therapeutikum wirkungslos ist. COVID-19-Hochrisikopatienten wurden im Verhältnis 1:1 randomisiert. Sie erhielten entweder oral Ivermectin, 0,4 mg/kg Körpergewicht täglich für 5 Tage plus Standardbehandlung (n = 241) oder die Standardbehandlung allein (n = 249). Als Standard definierten die Forscher eine symptomatische Therapie und Überwachung auf Anzeichen einer frühen Verschlechterung. Erfasst wurden klinische Befunde, Labortests und Thorax-Aufnahmen.
Von 490 in die Primäranalyse eingeschlossenen Patienten (mittleres Alter 62,5 Jahre; 54,5% Frauen) entwickelten 52 von 241 Patienten (21,6%) in der Ivermectin-Gruppe und 43 von 249 Patienten (17,3%) in der Kontrollgruppe schweres COVID-19. Als relatives Risiko (RR) geben die Autoren 1,25 an (95%-KI, 0,87-1,80; P=0,25).
ür alle vordefinierten sekundären Endpunkte gab es keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen. Mechanische Beatmung war bei 4 (1,7%) versus 10 (4,0%) erforderlich; RR 0,41; 95%-KI 0,13-1,30; p=0,17). Eine Aufnahme auf der Intensivstation erfolgte bei 6 (2,4%) versus 8 (3,2%) Patienten; RR 0,78; 95%-KI 0,27-2,20; p=0,79). Innerhalb von 28 Tagen starben 3 (1,2%) versus 10 (4,0%) Patienten im Krankenhaus; RR 0,31; 95-KI 0,09-1,11; S=0,09).
?In dieser randomisierten klinischen Studie mit Hochrisikopatienten mit leichter bis mittelschwerer COVID-19-Erkrankung verhinderte die Behandlung mit Ivermectin im Frühstadium der Erkrankung das Fortschreiten zu einer schweren Erkrankung nicht?, lautet das Fazit der Autoren.
Obduktionsstudie: Ältere Patienten sterben an COVID-19 ? aber selten mit der Erkrankung
Autopsien liefern wichtige Erkenntnisse zur Pathogenese von COVID-19. Deshalb wurde bereits im April 2020 das Deutsche COVID-19-Autopsieregister (DeRegCOVID) ins Leben gerufen. In The Lancet Regional Health Europe wurden jetzt neue Ergebnisse vorgestellt.
Zum Oktober 2021 umfasste das Register 1.129 Autopsiefälle mit 69.271 Einzeldaten, einschließlich Informationen zu 18.674 Bioproben. Informationen kommen von 29 deutschen Standorten.
In 1.095 analysierten Aufzeichnungen betrug das Verhältnis von Männern zu Frauen 1,8:1. Unter den Toten waren besonders oft Männer zwischen 65-69 bzw. 80-84 Jahren und Frauen über 85 Jahren. Die Analyse der Kette von Ereignissen, die direkt zum Tod führten, ergab in 86% der Autopsiefälle COVID-19, während in 14% COVID-19 nur eine Begleiterkrankung war. Die häufigste unmittelbare Todesursache war eine diffuse Alveolarschädigung, gefolgt von Multiorganversagen. An 3. Stelle folgten Superinfektionen der Lunge durch Bakterien oder Pilze."
https://deutsch.medscape.com/artikelansicht/4910873?uac=389796AZ&faf=1&sso=true&impID=4036123&src=WNL_mdplsfeat_220221_mscpedit_de#vp_4
"In einigen Ländern seien hohe Impfquoten mit einer geringeren Gefährlichkeit der Omikron-Variante verbunden, so die Einschätzung von Tedros Adhanom Ghebreyesus. Dem WHO-Generaldirektor zufolge stürben Woche für Woche nach wie vor 70.000 Menschen an dieser vermeidbaren Krankheit. Und 83% der Einwohner Afrikas hätten noch nicht einmal die 1. Impfdosis gegen COVID-19 erhalten. Um ärmeren Ländern zu helfen, seien 16 Milliarden Dollar erforderlich ? für Tests, Masken und Vakzine.
Zuvor hatte Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) Forderungen nach der Freigabe von Impfstoff-Patenten eine klare Absage erteilt. ?Es geht ja darum, dass wir den großen Fortschritt, der zum Beispiel mit der Entwicklung der mRNA-Technologie verbunden ist, jetzt nicht verspielen?, sagte er nach einem afrikanisch-europäischen Gipfeltreffen in Brüssel. Dieser Fortschritt habe auch damit zu tun, dass Eigentumsrechte gewahrt blieben. Der Bundeskanzler kann sich jedoch vorstellen, dass Impfstoffe vor Ort produziert werden.
Im Schatten von Corona: Einbrüche bei der Krebs-Früherkennung
Analysen des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) zeigen teils starke Auswirkungen der Pandemie auf Früherkennungen. In 2020 ging die Früherkennung von Hautkrebs um 19,8% gegenüber 2019 zurück. Beim Mammografie-Screening sowie bei der Prostatakrebs-Früherkennung waren es jeweils minus 8,1% und bei der Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs minus 5,5%. Lediglich bei Koloskopien zur Früherkennung von Darmkrebs verzeichnete das WIdO einen Anstieg um 2,1%. Das könnte an persönlichen Anschreiben gesetzlicher Krankenkassen, aber auch an mehr Berechtigten liegen: Seit Anfang 2019 haben Männer ab 50 statt ab 55 Anspruch auf die Leistung.
Ohne Früherkennung und ohne Diagnostik sind schwerwiegende Folgen zu befürchten. Die Auswertung von AOK-Abrechnungsdaten aus den Kliniken zeigt zwischen März 2020 und Juli 2021 einen Rückgang der Darmkrebs-OPs von 13% gegenüber 2019. Bei Brustkrebs-OPs sind es minus 4% ?Mittelfristig könnte sich dies in einem größeren Anteil höherer Schweregrade bei den Erkrankungen zeigen und auf die Sterblichkeit auswirken?, sagt WIdO-Geschäftsführer Jürgen Klauber.
Gerichtsurteil: 1 Dosis Johnson & Johnson gilt als vollständiger Schutz
Zu Beginn der Corona-Pandemie wurde in Deutschland das Vektorvirus-Vakzin von Johnson & Johnson häufiger verimpft; aktuell spielt es eine untergeordnete Rolle. Das Paul-Ehrlich-Institut bewertet den Schutz nach 1 Dosis als unvollständig. Betroffene ohne 2. Impfung ? idealerweise mit einem mRNA-Vakzin ? werden aus vielen Bereichen des Alltagslebens ausgeschlossen. Dagegen hat eine Frau aus Berlin geklagt ? mit Erfolg (Az. VG 14 L 15/22).
Das Verwaltungsgericht Berlin hat ihrem Eilantrag stattgegeben. Die Klägerin gilt mit 1 Dosis Johnson & Johnson jetzt als geimpft, wenn auch nicht als geboostert. In ihrer Begründung wiesen die Richter auf Formfehler hin. Über den Immunisierungsstatus entscheide die Bundesregierung, hieß es. ?Die Übertragung dieser Entscheidung auf das Paul-Ehrlich-Institut überschreitet die Grenzen der gesetzlichen Ermächtigung.? Eine Berufung gegen das Urteil ist möglich.
Viertimpfung: Geringer Nutzen für 50- bis 60-Jährige
Etliche Länder stellen sich die Frage, welchen Nutzen eine Viertimpfung tatsächlich zeigt. Die STIKO empfiehlt momentan eine 2. Auffrischungsimpfung frühestens 3 Monate nach der 1. Auffrischung, und zwar mit mRNA-Vakzinen. Als Zielgruppe werden u.a. Menschen ab 70, Bewohner von Alten- und Pflegeheimen und Patienten mit Immundefizienz genannt. Doch wie sieht es bei Jüngeren aus?
Eine neue Studie aus Israel zeigt, dass der Nutzen für 50- bis 60-Jährige geringer ausfallen könnte als erhofft. Von 1.050 medizinischen Angestellten wurden 154 in die BioNTech/Pfizer- und weitere 120 in die Moderna-Gruppe aufgenommen. 426 gleichaltrigen Personen kamen als Kontrollen mit hinzu. Sie hatten 3 Dosen des jeweiligen Vakzins erhalten, aber keine 4. Dosis.
Empfänger beider Impfstofftypen hatten innerhalb von 2 Wochen nach der Impfung einen 9- bis 10-fachen Anstieg der IgG- und der Neutralisierungstiter und einen 8-fachen Anstieg der Titer gegen biologisch aktive Omikron-SARS-CoV-2-Viren. Neutralisierende Antikörpertiter sanken jedoch rasch auf das Niveau von kurz nach 3. Impfung.
Durchbruchinfektionen waren häufig, meist sehr mild, jedoch mit hoher Viruslast. Die Wirksamkeit des Impfstoffs gegen Infektionen betrug in beiden Gruppen 30% bzw. 11%, verglichen mit Kontrollen.
?Diese Daten aus Israel sprechen eher gegen 4. Impfung für alle?, fasst Bundesgesundheitsminister Prof. Dr. Karl Lauterbach auf Twitter zusammen. Und der Immunologe Prof. Dr. Carsten Watzl aus Dortmund ergänzt: ?Neutralisierende Antikörper erreichen gerade wieder das Niveau von kurz nach 3. Impfung. Wenig Einfluss auf T-Zellen; Schutz vor symptomatischen Infektion nur 30-40%. Wenig Nutzen zur aktuellen Zeit mit aktuellem Impfstoff!?
Kommt das Omikron-Vakzin?
Aber selbst Omikron-Vakzine in Entwicklung werfen Fragen auf. Nach optimistischen Einschätzungen der Impfstoffhersteller macht sich jetzt Ernüchterung bemerkbar. BioNTech-Chef Uğur Şahin rechnet erst mit April oder Mai als Auslieferungstermin ? und nicht mehr Ende März. Zur Begründung sagte er, die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) müsse länger als geplant auf zulassungsrelevante Daten warten. Und Moderna nennt den August als Zeitpunkt für Omikron-spezifische Booster.
Als Frage bleibt, ob das neue Vakzin nicht zu spät kommt. Deutschland hatte bereits während der Delta-Welle umfassende Schutzvorkehrungen getroffen; Omikron erreichte uns spät, verglichen mit anderen Nationen. Und die Zahl der Neuinfektionen entwickelt sich tendenziell rückläufig. Hinzu kommt, dass tierexperimentelle Studien bislang eher enttäuschend ausfallen. Demnach sind Omikron-spezifische Booster nicht signifikant effektiver als Auffrischungsimpfungen mit bereits zugelassenen Vakzinen.
Bereits zugelassene Vakzine erweisen sich gegen schweres COVID-19 als effektiv. Laut RKI-Wochenberichten liegt die Hospitalisierungsinzidenz für Geimpfte, Geboosterte bei < 5 Fällen pro 100.000 Personen, verglichen mit rund 20 bei Ungeimpften.
Neue RCT: Endgültiges Aus für Ivermectin
Gerade in Social Media hält sich das Gerücht, Ivermectin könne bei schwerem COVID-19 Symptome lindern, hartnäckig. US-weit schnellte die Zahl an Verordnungen zu Lasten privater Krankenversicherungen nach oben, wie Medscape im Blog berichtet hat.
Ergebnisse einer randomisiert-placebokontrollierten Studie lassen keinen Zweifel daran, dass Ivermectin als Therapeutikum wirkungslos ist. COVID-19-Hochrisikopatienten wurden im Verhältnis 1:1 randomisiert. Sie erhielten entweder oral Ivermectin, 0,4 mg/kg Körpergewicht täglich für 5 Tage plus Standardbehandlung (n = 241) oder die Standardbehandlung allein (n = 249). Als Standard definierten die Forscher eine symptomatische Therapie und Überwachung auf Anzeichen einer frühen Verschlechterung. Erfasst wurden klinische Befunde, Labortests und Thorax-Aufnahmen.
Von 490 in die Primäranalyse eingeschlossenen Patienten (mittleres Alter 62,5 Jahre; 54,5% Frauen) entwickelten 52 von 241 Patienten (21,6%) in der Ivermectin-Gruppe und 43 von 249 Patienten (17,3%) in der Kontrollgruppe schweres COVID-19. Als relatives Risiko (RR) geben die Autoren 1,25 an (95%-KI, 0,87-1,80; P=0,25).
ür alle vordefinierten sekundären Endpunkte gab es keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen. Mechanische Beatmung war bei 4 (1,7%) versus 10 (4,0%) erforderlich; RR 0,41; 95%-KI 0,13-1,30; p=0,17). Eine Aufnahme auf der Intensivstation erfolgte bei 6 (2,4%) versus 8 (3,2%) Patienten; RR 0,78; 95%-KI 0,27-2,20; p=0,79). Innerhalb von 28 Tagen starben 3 (1,2%) versus 10 (4,0%) Patienten im Krankenhaus; RR 0,31; 95-KI 0,09-1,11; S=0,09).
?In dieser randomisierten klinischen Studie mit Hochrisikopatienten mit leichter bis mittelschwerer COVID-19-Erkrankung verhinderte die Behandlung mit Ivermectin im Frühstadium der Erkrankung das Fortschreiten zu einer schweren Erkrankung nicht?, lautet das Fazit der Autoren.
Obduktionsstudie: Ältere Patienten sterben an COVID-19 ? aber selten mit der Erkrankung
Autopsien liefern wichtige Erkenntnisse zur Pathogenese von COVID-19. Deshalb wurde bereits im April 2020 das Deutsche COVID-19-Autopsieregister (DeRegCOVID) ins Leben gerufen. In The Lancet Regional Health Europe wurden jetzt neue Ergebnisse vorgestellt.
Zum Oktober 2021 umfasste das Register 1.129 Autopsiefälle mit 69.271 Einzeldaten, einschließlich Informationen zu 18.674 Bioproben. Informationen kommen von 29 deutschen Standorten.
In 1.095 analysierten Aufzeichnungen betrug das Verhältnis von Männern zu Frauen 1,8:1. Unter den Toten waren besonders oft Männer zwischen 65-69 bzw. 80-84 Jahren und Frauen über 85 Jahren. Die Analyse der Kette von Ereignissen, die direkt zum Tod führten, ergab in 86% der Autopsiefälle COVID-19, während in 14% COVID-19 nur eine Begleiterkrankung war. Die häufigste unmittelbare Todesursache war eine diffuse Alveolarschädigung, gefolgt von Multiorganversagen. An 3. Stelle folgten Superinfektionen der Lunge durch Bakterien oder Pilze."
https://deutsch.medscape.com/artikelansicht/4910873?uac=389796AZ&faf=1&sso=true&impID=4036123&src=WNL_mdplsfeat_220221_mscpedit_de#vp_4
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Donnerstag, 17. Februar 2022
Abnehmen im Schlaf, geht das?
che2001, 19:12h
Ich setze ja immer noch auf forcierten Kalorienverbrauch, wenn ich auch die Alexander-Huber-Methode für fragwürdig halte. Die beinhaltet: Gar nichts essen, den ganzen Tag Berglauf (oder Klettern) und abends die eine oder andere Maß. Demgegenüber ziehe ich gutes und ausgewogenes Essen und intensiven Kardiosport vor. Die beste Abnehmethode überhaupt allerdings ist: Man reise auf den Sinai und trinke Wasser aus einem Brunnen. Ich war in 48 Stunden von 70 auf 56 Kilo.
Verantwortlich ist ein kleiner Racker namens Vibrio Cholerae El Tur.
Schurz beiseite, Medscape hat einen interessanten Bericht über die Verbindung Schlaf-essen-Gewicht:
https://deutsch.medscape.com/artikelansicht/4910866?uac=389796AZ&faf=1&sso=true&impID=4026404&src=WNL_mdplsfeat_220217_mscpedit_de#vp_2
Verantwortlich ist ein kleiner Racker namens Vibrio Cholerae El Tur.
Schurz beiseite, Medscape hat einen interessanten Bericht über die Verbindung Schlaf-essen-Gewicht:
https://deutsch.medscape.com/artikelansicht/4910866?uac=389796AZ&faf=1&sso=true&impID=4026404&src=WNL_mdplsfeat_220217_mscpedit_de#vp_2
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Impfpflicht: Politisch von Regierung und Gesundheitsbehörden gewünscht, wissenschaftlich umstritten
che2001, 18:36h
Michael van den Heuvel
Seit Monaten wird in Deutschland eine allgemeine Impfpflicht gegen COVID-19 diskutiert. Nun liegen mehrere Gruppenanträge zur Umsetzung vor. Darüber hat Medscape im Blog berichtet.
Die Impfpflicht ist wissenschaftlich vor allem wegen der unklaren weiteren Lage umstritten: Wird die Pandemie mit Omikron mittelfristig abgeschwächt ? oder kommt bald eine noch kontagiösere Mutation? Wie effektiv bleiben schon zugelassene bzw. neue Vakzine? Und wird es bald neue, effektive Therapien geben?
"Aufgrund von sinkenden Infektionszahlen und weniger schweren Fällen durch die Omikron-Variante erscheint die Notwendigkeit einer Impfpflicht vielen jetzt fraglich", gibt Prof. Dr. Stefan Kluge, Direktor der Klinik für Intensivmedizin, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, zu bedenken. Er sprach mit dem Science Media Center Germany. "Sollte es jedoch im Herbst zum Auftreten einer kränker machenden Variante kommen, dann werden wir dies wieder von vorne diskutieren." Sein Rat: "Grundsätzlich wäre eine Impfpflicht, insbesondere für Risikogruppen, zum Beispiel ab 50 Jahre, für das Gesundheitssystem schon hilfreich."
"Eine Impfpflicht ist eine politische Entscheidung, die verschiedene Aspekte berücksichtigen muss", sagt Dr. Björn Meyer. Er ist Leiter der Arbeitsgruppe Virusevolution, Institut für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. Meyer betont, es bleibe bei IImpfflicht der in erster Linie eine soziale Entscheidung, nicht eine wissenschaftliche oder medizinische.
"Die Überlegung, dass eine Impfpflicht nur dann möglich ist, wenn diese eine Überlastung des Gesundheitssystems verhindert, kann ich nicht ganz nachvollziehen, denn Deutschland hat bereits eine Präzedenz mit dem Masernschutzgesetz", sagt er. "Ähnliche Ansätze und Überlegungen kann es auch für andere Impfungen geben."
Prof. Dr. Gérard Krause, Leiter der Abteilung Epidemiologie, Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI), Braunschweig, bleibt skeptisch. "Es kann aus meiner Sicht nicht vorausgesagt werden, ob eine Impfpflicht das wesentliche noch verbleibende Mittel ist, um im Herbst eine Überlastung des Gesundheitswesens oder eine dramatische Übersterblichkeit aufgrund von COVID-19 zu verhindern", so der Experte.
Es sei auch "anders als bei Masern, Polio, oder Pocken" klar, dass SARS-CoV-2 nach gegenwärtigem Kenntnisstand nicht eliminiert werden könne. "Um eine allgemeine Impfpflicht aus Public-Health-Sicht zu rechtfertigen, sollte hinreichende Evidenz über die Dauer und Höhe der Wirksamkeit einer Impfung in Bezug auf Senkung der Morbidität und Senkung der Infektiosität vorliegen", erklärt der Epidemiologe.
Seine Einschätzung: "Wenn man hinreichend gut davon ausgehen kann, dass zum Beispiel eine dreifache Impfung auch nach 1 Jahr noch eine entsprechend hohe Wirksamkeit hat, wäre eine generelle Impfpflicht eher zu befürworten, als wenn dies nur für ein halbes Jahr gelten würde."
STIKO: Empfehlungen zu Nuvaxovid® (Novavax)
Seit 20. Dezember 2021 ist Nuvaxovid®, ein adjuvantierter Protein-Impfstoff der Firma Novavax, in der EU zugelassen. Das Vakzin soll ab Ende Februar verfügbar sein. Jetzt hat die Ständige Impfkommission am RKI ihre Empfehlungen zum Schutz vor COVID-19 aktualisiert. Die wichtigsten Aspekte:
Nuvaxovid® kommt bei Impfwilligen ab 18 Jahren zum Einsatz.
Für die Grundimmunisierung sind 2 Dosen im Mindestabstand von 3 Wochen erforderlich.
Das Vakzin ist bisher nicht für Auffrischungsimpfungen zugelassen, kann aber im Falle von Kontraindikationen gegen mRNA-Impfstoffe als Booster Shot eingesetzt werden.
Die Anwendung von Nuvaxovid® während der Schwangerschaft und Stillzeit wird aufgrund fehlender Daten zur Wirksamkeit und Sicherheit des Impfstoffs und des enthaltenen Adjuvans momentan nicht empfohlen
Beim COVID-19-Impfstoff Janssen ist laut Zulassung für die Grundimmunisierung eine Impfstoffdosis ausreichend. Allerdings empfiehlt die STIKO eine Optimierung des Impfschutzes durch eine zusätzliche mRNA- oder Nuvaxovid®-Impfstoffdosis.
Omikron-Subtyp BA.2 gefährlicher als angenommen?
Mutationen von SARS-CoV-2 bleiben ein Thema in der Wissenschaft. "Die BA.2-Variante wurde im Hinblick auf ihre Pathogenität oder die Umgehung des Immunsystems als nicht signifikant verschieden von BA.1 angesehen", schreibt der US-Kardiologe und Medscape-Chef Eric Topol auf Twitter. "Ein neuer Bericht von @SystemsVirology, im Labor und im experimentellen Modell, legt nahe, dass dies nicht der Fall sein könnte."
Die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Preprint:
Die statistische Analyse zeigt, dass die effektive Reproduktionszahl von BA.2 um das 1,4-fache höher ist als die von BA.1.
Neutralisierungsexperimente belegen, dass die durch den Impfstoff ausgelöste humorale Immunität gegen BA.2 nicht wie gegen BA.1 funktioniert; insbesondere die Antigenität von BA.2 unterscheidet sich von BA.1.
Aus Zellkulturexperimenten geht hervor, dass sich BA.2 in menschlichen Nasenepithelzellen stärker vermehrt und stärker fusogen ist als BA.1.
Außerdem liefern Infektionsversuche mit Hamstern Hinweise, dass BA.2 pathogener ist als BA.1.
?Unsere multi-skaligen Untersuchungen legen nahe, dass das Risiko von BA.2 für die globale Gesundheit potenziell höher ist als das von BA.1?, fassen die Autoren zusammen.
Moderna: Omikron-Vakzin noch im August 2022 ? und COVID-19-Influenza-Vakzin bis August 2023
Ein Omikron-spezifisches Vakzin könnte bis August fertig sein, sagte Stephane Bancel, CEO von Moderna, gegenüber Reuters . Das Unternehmen sammele noch klinische Daten, um festzustellen, ob dieser Impfstoff einen besseren Schutz biete als eine weitere Dosis des zugelassenen Vakzins.
Letzten Monat begann Moderna mit klinischen Studien für eine Auffrischungsdosis, die speziell für Omikron entwickelt wurde, aber erste Ergebnisse von Studien an Affen zeigen, dass das spezifische Vakzin möglicherweise keinen stärkeren Schutz bietet als ein Booster Shot mit dem zugelassenen Impfstoff.
?Wir glauben, dass eine Auffrischungsimpfung benötigt wird?, so Bancel. "Ich weiß noch nicht, ob es der bestehende Impfstoff sein wird, nur Omikron, oder bivalent, also Omikron und bestehender Impfstoff, 2 mRNAs in 1 Dosis." Das Unternehmen strebe jedenfalls an, bis August 2022 einen Booster fertig zu haben, also vor dem nächsten Herbst.
Bancel bestätigte auch, dass Moderna im besten Fall bis August 2023 einen sogenannten Pan-Impfstoff bereithalten werde, der gleichzeitig vor COVID-19, Influenza und anderen Atemwegserkrankungen schütze.
https://deutsch.medscape.com/artikelansicht/4910863?uac=389796AZ&faf=1&sso=true&impID=4026404&src=WNL_mdplsfeat_220217_mscpedit_de#vp_4
Seit Monaten wird in Deutschland eine allgemeine Impfpflicht gegen COVID-19 diskutiert. Nun liegen mehrere Gruppenanträge zur Umsetzung vor. Darüber hat Medscape im Blog berichtet.
Die Impfpflicht ist wissenschaftlich vor allem wegen der unklaren weiteren Lage umstritten: Wird die Pandemie mit Omikron mittelfristig abgeschwächt ? oder kommt bald eine noch kontagiösere Mutation? Wie effektiv bleiben schon zugelassene bzw. neue Vakzine? Und wird es bald neue, effektive Therapien geben?
"Aufgrund von sinkenden Infektionszahlen und weniger schweren Fällen durch die Omikron-Variante erscheint die Notwendigkeit einer Impfpflicht vielen jetzt fraglich", gibt Prof. Dr. Stefan Kluge, Direktor der Klinik für Intensivmedizin, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, zu bedenken. Er sprach mit dem Science Media Center Germany. "Sollte es jedoch im Herbst zum Auftreten einer kränker machenden Variante kommen, dann werden wir dies wieder von vorne diskutieren." Sein Rat: "Grundsätzlich wäre eine Impfpflicht, insbesondere für Risikogruppen, zum Beispiel ab 50 Jahre, für das Gesundheitssystem schon hilfreich."
"Eine Impfpflicht ist eine politische Entscheidung, die verschiedene Aspekte berücksichtigen muss", sagt Dr. Björn Meyer. Er ist Leiter der Arbeitsgruppe Virusevolution, Institut für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. Meyer betont, es bleibe bei IImpfflicht der in erster Linie eine soziale Entscheidung, nicht eine wissenschaftliche oder medizinische.
"Die Überlegung, dass eine Impfpflicht nur dann möglich ist, wenn diese eine Überlastung des Gesundheitssystems verhindert, kann ich nicht ganz nachvollziehen, denn Deutschland hat bereits eine Präzedenz mit dem Masernschutzgesetz", sagt er. "Ähnliche Ansätze und Überlegungen kann es auch für andere Impfungen geben."
Prof. Dr. Gérard Krause, Leiter der Abteilung Epidemiologie, Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI), Braunschweig, bleibt skeptisch. "Es kann aus meiner Sicht nicht vorausgesagt werden, ob eine Impfpflicht das wesentliche noch verbleibende Mittel ist, um im Herbst eine Überlastung des Gesundheitswesens oder eine dramatische Übersterblichkeit aufgrund von COVID-19 zu verhindern", so der Experte.
Es sei auch "anders als bei Masern, Polio, oder Pocken" klar, dass SARS-CoV-2 nach gegenwärtigem Kenntnisstand nicht eliminiert werden könne. "Um eine allgemeine Impfpflicht aus Public-Health-Sicht zu rechtfertigen, sollte hinreichende Evidenz über die Dauer und Höhe der Wirksamkeit einer Impfung in Bezug auf Senkung der Morbidität und Senkung der Infektiosität vorliegen", erklärt der Epidemiologe.
Seine Einschätzung: "Wenn man hinreichend gut davon ausgehen kann, dass zum Beispiel eine dreifache Impfung auch nach 1 Jahr noch eine entsprechend hohe Wirksamkeit hat, wäre eine generelle Impfpflicht eher zu befürworten, als wenn dies nur für ein halbes Jahr gelten würde."
STIKO: Empfehlungen zu Nuvaxovid® (Novavax)
Seit 20. Dezember 2021 ist Nuvaxovid®, ein adjuvantierter Protein-Impfstoff der Firma Novavax, in der EU zugelassen. Das Vakzin soll ab Ende Februar verfügbar sein. Jetzt hat die Ständige Impfkommission am RKI ihre Empfehlungen zum Schutz vor COVID-19 aktualisiert. Die wichtigsten Aspekte:
Nuvaxovid® kommt bei Impfwilligen ab 18 Jahren zum Einsatz.
Für die Grundimmunisierung sind 2 Dosen im Mindestabstand von 3 Wochen erforderlich.
Das Vakzin ist bisher nicht für Auffrischungsimpfungen zugelassen, kann aber im Falle von Kontraindikationen gegen mRNA-Impfstoffe als Booster Shot eingesetzt werden.
Die Anwendung von Nuvaxovid® während der Schwangerschaft und Stillzeit wird aufgrund fehlender Daten zur Wirksamkeit und Sicherheit des Impfstoffs und des enthaltenen Adjuvans momentan nicht empfohlen
Beim COVID-19-Impfstoff Janssen ist laut Zulassung für die Grundimmunisierung eine Impfstoffdosis ausreichend. Allerdings empfiehlt die STIKO eine Optimierung des Impfschutzes durch eine zusätzliche mRNA- oder Nuvaxovid®-Impfstoffdosis.
Omikron-Subtyp BA.2 gefährlicher als angenommen?
Mutationen von SARS-CoV-2 bleiben ein Thema in der Wissenschaft. "Die BA.2-Variante wurde im Hinblick auf ihre Pathogenität oder die Umgehung des Immunsystems als nicht signifikant verschieden von BA.1 angesehen", schreibt der US-Kardiologe und Medscape-Chef Eric Topol auf Twitter. "Ein neuer Bericht von @SystemsVirology, im Labor und im experimentellen Modell, legt nahe, dass dies nicht der Fall sein könnte."
Die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Preprint:
Die statistische Analyse zeigt, dass die effektive Reproduktionszahl von BA.2 um das 1,4-fache höher ist als die von BA.1.
Neutralisierungsexperimente belegen, dass die durch den Impfstoff ausgelöste humorale Immunität gegen BA.2 nicht wie gegen BA.1 funktioniert; insbesondere die Antigenität von BA.2 unterscheidet sich von BA.1.
Aus Zellkulturexperimenten geht hervor, dass sich BA.2 in menschlichen Nasenepithelzellen stärker vermehrt und stärker fusogen ist als BA.1.
Außerdem liefern Infektionsversuche mit Hamstern Hinweise, dass BA.2 pathogener ist als BA.1.
?Unsere multi-skaligen Untersuchungen legen nahe, dass das Risiko von BA.2 für die globale Gesundheit potenziell höher ist als das von BA.1?, fassen die Autoren zusammen.
Moderna: Omikron-Vakzin noch im August 2022 ? und COVID-19-Influenza-Vakzin bis August 2023
Ein Omikron-spezifisches Vakzin könnte bis August fertig sein, sagte Stephane Bancel, CEO von Moderna, gegenüber Reuters . Das Unternehmen sammele noch klinische Daten, um festzustellen, ob dieser Impfstoff einen besseren Schutz biete als eine weitere Dosis des zugelassenen Vakzins.
Letzten Monat begann Moderna mit klinischen Studien für eine Auffrischungsdosis, die speziell für Omikron entwickelt wurde, aber erste Ergebnisse von Studien an Affen zeigen, dass das spezifische Vakzin möglicherweise keinen stärkeren Schutz bietet als ein Booster Shot mit dem zugelassenen Impfstoff.
?Wir glauben, dass eine Auffrischungsimpfung benötigt wird?, so Bancel. "Ich weiß noch nicht, ob es der bestehende Impfstoff sein wird, nur Omikron, oder bivalent, also Omikron und bestehender Impfstoff, 2 mRNAs in 1 Dosis." Das Unternehmen strebe jedenfalls an, bis August 2022 einen Booster fertig zu haben, also vor dem nächsten Herbst.
Bancel bestätigte auch, dass Moderna im besten Fall bis August 2023 einen sogenannten Pan-Impfstoff bereithalten werde, der gleichzeitig vor COVID-19, Influenza und anderen Atemwegserkrankungen schütze.
https://deutsch.medscape.com/artikelansicht/4910863?uac=389796AZ&faf=1&sso=true&impID=4026404&src=WNL_mdplsfeat_220217_mscpedit_de#vp_4
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Erstmals seit der Spanischen Grippe 2018: Hohe Übersterblichkeit in Europa durch die COVID-19-Pandemie
che2001, 17:59h
Dr. Nicola Siegmund-Schultze
Im Jahr 2020 hat die COVID-19-Pandemie in der Schweiz, in Schweden und in Spanien zur zweitgrößten infektionsbedingten Sterbewelle seit Beginn der Spanischen Grippe 1918 geführt. Die einzelnen monatlichen Peaks der Übersterblichkeit waren ebenfalls höher als die durch Hitzeperioden oder schwere Grippewellen seit Beginn des 20. Jahrhunderts, wie Forscher in den Annals of Internal Medicine berichten.
Umfangreiches Datenmaterial ausgewertet
Zum Hintergrund: Influenzawellen sind seit Beginn wissenschaftlich seriöser Aufzeichnungen zu Sterbefällen und Todesursachen die bestdokumentierten Pandemien in Europa. In den vergangenen 140 Jahren gab es 6 große Influenzapandemien: 1890, 1918, 1957, 1968, 1977 und 2009.
Um Übersterblichkeiten durch COVID-19 in einen historischen Kontext zu anderen Pandemien in Europa zu stellen, hat ein Forscherteam die Schweiz, Schweden und Spanien gewählt, weil es europäische Wohlstandsnationen sind, die nicht in beide Weltkriege involviert waren
Design und Ergebnisse der Studie
Untersucht wurden offizielle Statistiken zu Todesfällen und Todesursachen anhand genau definierter Kriterien: in der Schweiz von 1877 bis 2020, in Schweden von 1851 bis 2020 und in Spanien von 1908 bis 2020.
Die Übersterblichkeit im Jahr 2020 betrug in Spanien 155/100.000 Einwohner (95%-Konfidenzintervall [95-%-KI]): 110-195). In der Schweiz lag die Übersterblichkeit bei 100/100.000 Einwohner (95%-KI: 60-135). Und für Schweden nennen die Autoren 75/100.000 (95-%-KI: 40-105). Nur während der Spanischen Grippe 1918 war die Übersterblichkeit in diesen Ländern höher, nämlich um den Faktor 6 bis 7.
Wie auch bei den schweren Influenzawellen seit 1957 stieg die Sterblichkeit 2020 vor allem in den Altersgruppen ab 60 Jahren an. Bei der Grippe 1918 waren ebenfalls jüngere Altersgruppen betroffen.
Folgen der Pandemie quantifizieren
Die COVID-19-Pandemie hat 2020 in Spanien, der Schweiz und in Schweden zur zweitgrößten infektionsbedingten Übersterblichkeit seit Anfang des 20. Jahrhunderts geführt. Die direkten und indirekten Folgen lassen sich mit der Übersterblichkeit besser einordnen als durch Todesursachenstatistiken allein. Forscher gegen unter anderem von einer hohen Dunkelziffer durch fehlende SARS-CoV2-Tests bei Totenscheinen aus.
In den meisten europäischen Ländern, auch in Deutschland, sind im Jahr 2020 mehr Menschen gestorben, als statistisch zu erwarten gewesen wäre. Dies ist offensichtlich eine Auswirkung von SARS-CoV-2, denn die Zahl der zusätzlichen Todesfälle verlief weitgehend parallel zu offiziellen COVID-19-Mortalitätsstatistiken.
Nach einer Studie der britischen Universität Oxford und des Max-Planck-Instituts für Demographische Forschung in Rostock ist die durchschnittliche Lebenserwartung in vielen Ländern 2020 wieder gesunken: In den USA um 1,9 Jahre, in Spanien um 1,3 Jahre, in der Schweiz und Schweden um 0,7 bis 0,8 Jahre und in Deutschland um 0,3 Jahre.
Dieser Beitrag ist im Original auf Univadis.de erschienen.
Im Jahr 2020 hat die COVID-19-Pandemie in der Schweiz, in Schweden und in Spanien zur zweitgrößten infektionsbedingten Sterbewelle seit Beginn der Spanischen Grippe 1918 geführt. Die einzelnen monatlichen Peaks der Übersterblichkeit waren ebenfalls höher als die durch Hitzeperioden oder schwere Grippewellen seit Beginn des 20. Jahrhunderts, wie Forscher in den Annals of Internal Medicine berichten.
Umfangreiches Datenmaterial ausgewertet
Zum Hintergrund: Influenzawellen sind seit Beginn wissenschaftlich seriöser Aufzeichnungen zu Sterbefällen und Todesursachen die bestdokumentierten Pandemien in Europa. In den vergangenen 140 Jahren gab es 6 große Influenzapandemien: 1890, 1918, 1957, 1968, 1977 und 2009.
Um Übersterblichkeiten durch COVID-19 in einen historischen Kontext zu anderen Pandemien in Europa zu stellen, hat ein Forscherteam die Schweiz, Schweden und Spanien gewählt, weil es europäische Wohlstandsnationen sind, die nicht in beide Weltkriege involviert waren
Design und Ergebnisse der Studie
Untersucht wurden offizielle Statistiken zu Todesfällen und Todesursachen anhand genau definierter Kriterien: in der Schweiz von 1877 bis 2020, in Schweden von 1851 bis 2020 und in Spanien von 1908 bis 2020.
Die Übersterblichkeit im Jahr 2020 betrug in Spanien 155/100.000 Einwohner (95%-Konfidenzintervall [95-%-KI]): 110-195). In der Schweiz lag die Übersterblichkeit bei 100/100.000 Einwohner (95%-KI: 60-135). Und für Schweden nennen die Autoren 75/100.000 (95-%-KI: 40-105). Nur während der Spanischen Grippe 1918 war die Übersterblichkeit in diesen Ländern höher, nämlich um den Faktor 6 bis 7.
Wie auch bei den schweren Influenzawellen seit 1957 stieg die Sterblichkeit 2020 vor allem in den Altersgruppen ab 60 Jahren an. Bei der Grippe 1918 waren ebenfalls jüngere Altersgruppen betroffen.
Folgen der Pandemie quantifizieren
Die COVID-19-Pandemie hat 2020 in Spanien, der Schweiz und in Schweden zur zweitgrößten infektionsbedingten Übersterblichkeit seit Anfang des 20. Jahrhunderts geführt. Die direkten und indirekten Folgen lassen sich mit der Übersterblichkeit besser einordnen als durch Todesursachenstatistiken allein. Forscher gegen unter anderem von einer hohen Dunkelziffer durch fehlende SARS-CoV2-Tests bei Totenscheinen aus.
In den meisten europäischen Ländern, auch in Deutschland, sind im Jahr 2020 mehr Menschen gestorben, als statistisch zu erwarten gewesen wäre. Dies ist offensichtlich eine Auswirkung von SARS-CoV-2, denn die Zahl der zusätzlichen Todesfälle verlief weitgehend parallel zu offiziellen COVID-19-Mortalitätsstatistiken.
Nach einer Studie der britischen Universität Oxford und des Max-Planck-Instituts für Demographische Forschung in Rostock ist die durchschnittliche Lebenserwartung in vielen Ländern 2020 wieder gesunken: In den USA um 1,9 Jahre, in Spanien um 1,3 Jahre, in der Schweiz und Schweden um 0,7 bis 0,8 Jahre und in Deutschland um 0,3 Jahre.
Dieser Beitrag ist im Original auf Univadis.de erschienen.
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