Montag, 8. Juni 2026
Diskussionsmuseum
che2001, 18:26h
Hach, was wurden hier mal für gehaltvolle Debatten geführt:
https://che2001.blogger.de/stories/1507216
https://che2001.blogger.de/stories/1747097
https://che2001.blogger.de/STORIES/2289540
https://che2001.blogger.de/stories/564769
https://che2001.blogger.de/stories/1507216
https://che2001.blogger.de/stories/1747097
https://che2001.blogger.de/STORIES/2289540
https://che2001.blogger.de/stories/564769
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wuerg,
Montag, 8. Juni 2026, 19:38
Ja, damals gab es noch keine Brandmauer. Und keiner lief Gefahr, wegen eines abweichenden Argumentes kontaktschuldig zu werden.
Das aber ist nur die halbe Miete. Viele wurden auch einfach müde, manche abgeschreckt bis abgestoßen, gar verstoßen.
Das aber ist nur die halbe Miete. Viele wurden auch einfach müde, manche abgeschreckt bis abgestoßen, gar verstoßen.
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che2001,
Dienstag, 9. Juni 2026, 10:47
Mit der Brandmauer und Kontaktschuld hat das alles überhaupt nichts zu tun. So etwas wie Kontaktschuld, wir sprachen damals eher von Berührungsängsten, gab es seit ich politisch diskutiere, also seit 1982. Wobei diese Diskussionen früher im real life in körperlicher Anwesenheit in Räumen von Jugendzentren, Begegnungstätten, Kneipen, Gewerkschaften, Parteien oder besetzten Häusern und auch Privatwohnungen stattfanden und die Abgrenzungen etwa zur moskautreu-kommunistischen DKP und ihren Unter-Neben- und Vorfeldorganisationen und zum Anderen Burschenschaften und sonstigen Verbindungen stattfanden, später auch zu konkurrierenden Gruppen in der radikalen Linken, etwa zur Autonomen Antifa (M).
Und es gab den Lackmustest auf die Verwendung bestimmter Keywords, die man innerhalb der eigenen Wortmeldung möglichst verwenden sollte. Das war 1984-88 das Wort "Kapitalismus", später eher "Sexismus" oder "Antisemitismus" und Begriffe die damit zusammenhingen. Trotz solch dogmatischer Setzungen fand Diskussion und Kommunikation aber immer statt. Ein Problem war eher die Anwesenheit von Spitzeln und V-Leuten und der Verdacht, der oder die könnte so jemand sein.
Das Problem auf diesem Blog hier ist ein ganz und gar anderes. Blogs sind für alle frei zugänglich die Internetzugang haben, entsprechend offen waren früher auch die Diskussionen. Inzwischen finden die politischen Debatten aber in Member-Communities statt wie Facebook, Instagram, Xing oder Linked In, der normale Internetuser bekommt davon gar nichts mit. Dort treten verstärkt Filterblaseneffekte auf die eine wirklich freie und offene Kommunikation zunehmend erschweren, man könnte von Hospitalisierung sprechen.
Und dieses mein Blog war früher in einer Art und Weise vernetzt die ich heute vermisse. Da war Don Alphonsos rebellmarkt, der damals eine völlig andere Bedeutung hatte als heute, in den Nullerjahren eines der reichweitenstärksten deutschen Blogs überhaupt, verschiedene Journalistenblogs, z.B. FAZ-Blogs, Shifting Reality, Metalust und Subdiskurse, Alter Bolschewik, etwa ein Dutzend Blogs die aus Dotcomtod hervorgegangen waren, diverse liberale und feministische Blogs, Privatblogs von Madame Modeste bis Bersarin, von Genosse Tabu bis Stefanolix,von netbitch bis balou, und die kommunizierten alle miteinander, mal freundlich, mal streitbar, ich kommentierte dort auch und die kommentierten bei mir. Die Aufmerksamkeit war so hoch dass auch Mainstreammedienjournalisten mitlasen. Die "Konkurrenz" durch Social Media außerhalb der offenen Bloggosphäre spielte noch keine Rolle.
Ich hatte in dieser Zeit Tausende von Lesern.
Das ist heute alles weg.
Und es gab den Lackmustest auf die Verwendung bestimmter Keywords, die man innerhalb der eigenen Wortmeldung möglichst verwenden sollte. Das war 1984-88 das Wort "Kapitalismus", später eher "Sexismus" oder "Antisemitismus" und Begriffe die damit zusammenhingen. Trotz solch dogmatischer Setzungen fand Diskussion und Kommunikation aber immer statt. Ein Problem war eher die Anwesenheit von Spitzeln und V-Leuten und der Verdacht, der oder die könnte so jemand sein.
Das Problem auf diesem Blog hier ist ein ganz und gar anderes. Blogs sind für alle frei zugänglich die Internetzugang haben, entsprechend offen waren früher auch die Diskussionen. Inzwischen finden die politischen Debatten aber in Member-Communities statt wie Facebook, Instagram, Xing oder Linked In, der normale Internetuser bekommt davon gar nichts mit. Dort treten verstärkt Filterblaseneffekte auf die eine wirklich freie und offene Kommunikation zunehmend erschweren, man könnte von Hospitalisierung sprechen.
Und dieses mein Blog war früher in einer Art und Weise vernetzt die ich heute vermisse. Da war Don Alphonsos rebellmarkt, der damals eine völlig andere Bedeutung hatte als heute, in den Nullerjahren eines der reichweitenstärksten deutschen Blogs überhaupt, verschiedene Journalistenblogs, z.B. FAZ-Blogs, Shifting Reality, Metalust und Subdiskurse, Alter Bolschewik, etwa ein Dutzend Blogs die aus Dotcomtod hervorgegangen waren, diverse liberale und feministische Blogs, Privatblogs von Madame Modeste bis Bersarin, von Genosse Tabu bis Stefanolix,von netbitch bis balou, und die kommunizierten alle miteinander, mal freundlich, mal streitbar, ich kommentierte dort auch und die kommentierten bei mir. Die Aufmerksamkeit war so hoch dass auch Mainstreammedienjournalisten mitlasen. Die "Konkurrenz" durch Social Media außerhalb der offenen Bloggosphäre spielte noch keine Rolle.
Ich hatte in dieser Zeit Tausende von Lesern.
Das ist heute alles weg.
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wuerg,
Dienstag, 9. Juni 2026, 13:34
Der Haupteffekt ist natürlich die Abnutzung des ‚Formates‘, meinetwegen auch die Erschöpfung der ‚Blase‘. Nach den Blogs sehe ich das auch an den rückläufigen Abonnentenzahlen alternativer Youtuber. Es wird einfach langweilig: Fünf Minuten Vorrede bis zu einem ‚Skandal‘, danach Wiederholungen der alten Leier.
Daß die Wortbildung in den Achtzigern noch nicht soweit fortgeschritten war und man nur Berührungsängste hatte, aber keine Brandmauer errichten wollte, erklärt natürlich wegen des enormen zeitlichen Abstandes nicht den Niedergang der Bloggerei. Da nun aber die sentimentale Erinnerung auch in mir alten Mann an noch frühere Zeiten geweckt wurde:
Was Jugendzentren betrifft, erinnere ich mich an Karsten D. Voigt, der dort zusammen mit Vertretern der NPD diskutierte. Statt Schuld blieb damals nur ein Makel mit Zwang zur ständigen Rechtfertigung. Berührungsangst ist etwas anderes, mehr eine vorsichtige Reaktion, ein Euphemismus, der Anfeindung als Schwäche des Gegners verniedlicht.
Zur anderen Seite gab es bereits den Unvereinbarkeitsbeschluß der SPD. Knapp zuvor konnten wir Jusos noch dank Vermittlung der DKP und Einladung der FDJ die DDR bereisen. Solche Brandmauern waren nicht neu. Im ‚Stadtbild‘ sind viele zu sehen, die eine Seite steht noch, die andere ist abgerissen. Man sollte sich überlegen, ob es die eigene sein wird?
Aber zurück zum Thema, dem Niedergang von Blogger: Anfängliche Diskussionsfreude erlahmte. Vornehmlich von selbst, doch auch durch Mimosen, die mit Widerspruch und Trollen überfordert waren und sich auch mit Methoden wehrten, wie wir sie heute überall von Haltungsmenschen kennen. Doch wie der Schmarotzer die Gesellschaft am Leben erhält, so der Troll die Blogger.
Daß die Wortbildung in den Achtzigern noch nicht soweit fortgeschritten war und man nur Berührungsängste hatte, aber keine Brandmauer errichten wollte, erklärt natürlich wegen des enormen zeitlichen Abstandes nicht den Niedergang der Bloggerei. Da nun aber die sentimentale Erinnerung auch in mir alten Mann an noch frühere Zeiten geweckt wurde:
Was Jugendzentren betrifft, erinnere ich mich an Karsten D. Voigt, der dort zusammen mit Vertretern der NPD diskutierte. Statt Schuld blieb damals nur ein Makel mit Zwang zur ständigen Rechtfertigung. Berührungsangst ist etwas anderes, mehr eine vorsichtige Reaktion, ein Euphemismus, der Anfeindung als Schwäche des Gegners verniedlicht.
Zur anderen Seite gab es bereits den Unvereinbarkeitsbeschluß der SPD. Knapp zuvor konnten wir Jusos noch dank Vermittlung der DKP und Einladung der FDJ die DDR bereisen. Solche Brandmauern waren nicht neu. Im ‚Stadtbild‘ sind viele zu sehen, die eine Seite steht noch, die andere ist abgerissen. Man sollte sich überlegen, ob es die eigene sein wird?
Aber zurück zum Thema, dem Niedergang von Blogger: Anfängliche Diskussionsfreude erlahmte. Vornehmlich von selbst, doch auch durch Mimosen, die mit Widerspruch und Trollen überfordert waren und sich auch mit Methoden wehrten, wie wir sie heute überall von Haltungsmenschen kennen. Doch wie der Schmarotzer die Gesellschaft am Leben erhält, so der Troll die Blogger.
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che2001,
Dienstag, 9. Juni 2026, 15:51
Der Begriff "Brandmauer" ist übrigens nicht identisch mit dem englischen "firewall". Während Brandmauer in der feststofflichen Welt eine Feuerschutzmauer, meist aus Schamott bezeichnet bedeutet der englische Begriff nicht nur diese Art Mauer sondern auch - in der Gamerszene und Fantasywelt - einen Schutzwall aus lodernden Flammen.
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wuerg,
Dienstag, 9. Juni 2026, 16:54
Wer hätte das gedacht? Trotzdem: Sowohl eine Brandmauer als auch eine Firewall bestehen nur selten aus Feuer. Normalerweise schützen sie vor Übergriffen, sei es Hitze, rechtes Gedankengut oder Einbruch aus dem Internet.
„Mit der Brandmauer und Kontaktschuld hat das alles überhaupt nichts zu tun.“ Das stimmt großenteils. Ich wollte mit der Ablenkung von der Langeweile zur Brandmauer nur etwas aktueller und politischer sein. Nun aber stelle ich fest, daß daran wohl doch etwas ist, denn Kontaktschuld verhindert nicht nur das Gespräch über die Mauer hinweg, sie verängstigt auch innerhalb der eigenen Blase, da man für jede unbedachte oder offene Äußerung in Ersparung einer inhaltlichen Erwiderung einfach in die Nähe von Untermenschen gerückt werden kann.
„Mit der Brandmauer und Kontaktschuld hat das alles überhaupt nichts zu tun.“ Das stimmt großenteils. Ich wollte mit der Ablenkung von der Langeweile zur Brandmauer nur etwas aktueller und politischer sein. Nun aber stelle ich fest, daß daran wohl doch etwas ist, denn Kontaktschuld verhindert nicht nur das Gespräch über die Mauer hinweg, sie verängstigt auch innerhalb der eigenen Blase, da man für jede unbedachte oder offene Äußerung in Ersparung einer inhaltlichen Erwiderung einfach in die Nähe von Untermenschen gerückt werden kann.
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che2001,
Dienstag, 9. Juni 2026, 18:20
Ja, so in etwa sehe ich das auch. Die frühere Berührungsangst isolierte nur nach außen, übte aber keinen Druck nach innen aus, das ist der Unterschied.
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