Donnerstag, 9. Dezember 2021
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Die Entdeckung der Omikron-Variante: Forscher vermuteten zunächst Fehler in der PCR ? ?es war beängstigend?
Tim Cocks



Am 19. November 2021, einem Freitag, sequenzierte Dr. Raquel Viana, wissenschaftliche Leiterin eines der größten privaten Testlabors Südafrikas, die Gene von 8 Coronavirus-Proben ? und erlitt den Schock ihres Lebens. Die im Lancet-Labor untersuchten Proben wiesen alle eine große Anzahl von Mutationen auf, insbesondere bei Genen für das Spike-Protein, das SARS-CoV-2 verwendet, um in menschliche Zellen einzudringen.

Ich war ziemlich schockiert über das, was ich da sah. Ich fragte mich, ob bei dem Prozess etwas schiefgelaufen war. Dr. Raquel Viana
?Ich war ziemlich schockiert über das, was ich da sah. Ich fragte mich, ob bei dem Prozess etwas schiefgelaufen war?, erklärte die Forscherin gegenüber Reuters. Ihr Gedanke wich bald dem Gefühl, dass die Proben ?große Auswirkungen? haben würden.

Mehrere Labors bestätigen Hinweis auf eine neue Mutation
Schnell rief Viana ihren Kollegen Daniel Amoako vom National Institute for Communicable Diseases (NICD) in Johannesburg an, einen Experten für die Sequenzierung von Genen. ?Ich wusste nicht recht, wie ich es ihm beibringen sollte?, erinnert sie sich. Sie sagte zu Amoako: ?Für mich sieht das wie eine neue Variante aus.?

Die Entdeckung der Omicron-Variante im südlichen Afrika hat weltweit Besorgnis ausgelöst. Viele Länder schränken Reisen aus der Region ein und verhängen andere Beschränkungen, weil sie befürchten, dass sich die Krankheit selbst in geimpften Bevölkerungsgruppen schnell ausbreiten könnte.

Amoako und das Team am NICD verbrachten das Wochenende vom 20. und 21. November 2021 damit, die 8 von Viana eingeschickten Proben zu testen. Alle SARS-CoV-2-Viren darin hätten die gleichen Mutationen aufgewiesen, wie der Forscher am Dienstag gegenüber Reuters erklärte.

Für mich sieht das wie eine neue Variante aus. Dr. Raquel Viana
Es war so bizarr, dass Amoako, seine Kollegin Josie Everatt und andere Kollegen ebenfalls dachten, es müsse sich um einen Fehler handeln. Dann erinnerten sie sich daran, dass sie im Laufe der Woche einen starken Anstieg der COVID-19-Fälle festgestellt hatten, was auf eine neue Mutation hindeuten könnte.

Außerdem war Viana Anfang des Monats von einem Kollegen auf eine Merkwürdigkeit in der Probe bei PCR-Tests aufmerksam gemacht worden ? ein sogenannter S-Gen-Dropout, also eine Deletion im S-Gen, was auf eine Deletionsmutation hindeutet. Wie man jetzt weiß, unterscheiden sich darin Omikron und Delta.

Die einzige verbreitete Variante mit dieser Deletion war Alpha, ?und Alpha hatten wir (in Südafrika) seit August nicht mehr gesehen?, erinnert sich Everat.

Am Dienstag, den 23. November, nachdem sie weitere 32 Proben aus der Umgebung von Johannesburg und Pretoria getestet hatten, ?war es eindeutig?, sagte Amoako. ?Es war beängstigend.?

Forscher benachrichtigen die WHO
Noch am selben Dienstag informierte das NICD-Team das Gesundheitsministerium und andere Labors in ganz Südafrika, die Sequenzierungen durchführten und später ähnliche Ergebnisse lieferten.

Kurz darauf gab das NICD Sequenzdaten in die globale Wissenschaftsdatenbank GISAID ein und stellte fest, dass auch Botswana und Hongkong Fälle mit der gleichen Gensequenz gemeldet hatten.

Am 24. November 2021 benachrichtigten Mitarbeiter des NICD und des Gesundheitsministeriums die Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Zu diesem Zeitpunkt, so Viana, hätten mehr als 2 Drittel der positiven Tests in Gauteng, der südafrikanischen Provinz, zu der auch Pretoria und Johannesburg gehören, den Ausfall des S-Gens aufgewiesen: ein Zeichen dafür, dass Omicron bereits zur vorherrschenden Variante geworden sei.

Neue Fakten zu Omikron schon in 3 bis 4 Wochen?
Aufgrund von Omicron werde sich die tägliche COVID-19-Infektionsrate in Südafrika bis Ende dieser Woche voraussichtlich auf mehr als 10.000 vervierfachen, sagte Prof. Dr. Salim Abdool Karim, einer der führenden Spezialisten für Infektionskrankheiten des Landes, am vergangenen Montag.

Die wichtigen Fragen, nämlich wie gut die neue Variante in der Lage sei, sich der Immunität durch Impfstoffe oder frühere Erkrankungen zu entziehen, wie schwerwiegend die Symptome im Vergleich zu früheren Versionen seien und welche Unterscheide es bei diversen Altersgruppen gebe, müssten noch beantwortet werden.

Die 3 befragte Wissenschaftler, die sich mit diesen Fragen befassen, erwarten Antworten in etwa 3 bis 4 Wochen.

Forscher erhalten Hassmails
Bis dahin erwägt der südafrikanische Präsident Cyril Ramaphosa, in manchen Bereichen eine Impfpflicht einzuführen, da das Land schon jetzt stark betroffen ist ? bislang mit insgesamt 3 Millionen COVID-19-Infektionen und über 89.000 Todesfällen.

In Südafrika herrscht große Verärgerung über Einreiseverbote für Ausländer. Die Aggression richtet sich teilweise auch gegen Wissenschaftler. Amoako bekam mehrere wütende Nachrichten, in denen es heißt, Forscher sollten einfach aufhören, nach neuen Varianten zu suchen.

Dies könnte andere Länder dazu ermutigen, Dinge zu verbergen oder besser gesagt, einfach nicht hinzusehen. Prof. Dr. Wolfgang Preiser
Prof. Dr. Wolfgang Preiser, ein Virologe an der Universität Stellenbosch, der an COVID-19 arbeitet und ebenfalls Hassbriefe erhalten hat, befürchtet, dass andere Länder daraus lernen könnten, nicht so transparent zu sein.

?Dies könnte andere Länder dazu ermutigen, Dinge zu verbergen oder besser gesagt, einfach nicht hinzusehen?, sagte er. ?Das ist die Befürchtung. Nachschauen ist eine ziemliche Investition, also werden sie vielleicht zu dem Schluss kommen, dass sie sich nicht die Mühe machen sollten.?

Der Beitrag wurde von Michael van den Heuvel aus www.medscape.com übersetzt und adaptiert.

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Mehr als 90% reduzierte Mortalität ? Real-World-Daten aus Israel belegen die hohe Wirksamkeit von Booster-Shots
Michael van den Heuvel, Medscape



Erneut kommen Real-World-Daten zu SARS-CoV-2-Impfungen aus Israel. Im NEJM berichten 2 Arbeitsgruppen über den Nutzen der Drittimpfung (Booster) für Personen ab 16 Jahren. Dabei kam BNT162b2 von BioNTech/Pfizer zum Einsatz.

Das Ergebnis: Über alle untersuchten Altersgruppen waren die Raten an Infektionen mit SARS-CoV-2 und an schwerem COVID-19 deutlich niedriger als bei Kontrollen ohne Booster Shot. Speziell bei Personen ab 50 Jahren, die mindestens 5 Monate nach der 2. Dosis eine Auffrischungsimpfung bekommen hatten, war die COVID-19-Mortalität um 90% niedriger als bei Kontrollen ohne 3. Dosis.

?Die jetzt veröffentlichten Studien von Arbel et al. und Bar- On et al. liefern dringend benötigte Belege für die Wirksamkeit der Auffrischungsdosis?, schreibt Dr. Minal K. Patel von den Centers of Disease Control and Prevention, Atlanta, in einem begleitenden Editorial [3]. ?Obwohl in keiner der beiden Studien eine formale Berechnung der Wirksamkeit der Auffrischungsimpfung vorgenommen wurde, weisen die Daten aus beiden Studien auf eine relative Wirksamkeit gegen schwere Erkrankungen oder Tod von 90 bis 95% hin. Das heißt, wenn die absolute Wirksamkeit von 2 Impfstoffdosen 90% beträgt, liegt die absolute Wirksamkeit von 2 Dosen plus Auffrischungsimpfung bei 99 bis 100%.?

Israel: Booster-Impfungen schon seit 30. Juli 2021
Bereits am 9. Dezember 2020 haben Ärzte in Israel mit Impfungen gegen COVID-19 begonnen und vergleichsweise schnell große Bevölkerungsgruppen erreicht. Zum Einsatz kam vor allem BNT162b2 (Pfizer/BioNTech). Anlass war, dass aufgrund von B.1.617.2 (Delta) bei frühzeitig Geimpften vermehrt Durchbruchsinfektionen auftraten.

Deshalb hat das israelische Gesundheitsministerium am 30. Juli 2021 grünes Licht für Booster-Impfungen gegeben. Nach vielversprechenden Ergebnissen bei Personen ab 60 Jahren wurde die Kampagne schrittweise auf jüngere Menschen ausgedehnt, die mindestens 5 Monate zuvor ihre 2. Dosis erhalten hatten.

Nutzen bei Personen ab 50 Jahren
Dr. Ronen Arbel von Clalit Health Services, Tel Aviv, und Kollegen wollten herausfinden, ob Auffrischungsimpfungen die COVID-19-Mortalität verringern konnten. Grundlage ihrer Studie sind Daten von Clalit Health Services, einem großen Gesundheitsdienstleister aus Israel. Eingeschlossen wurden Patienten, die zu Beginn der Studie mindestens 50 Jahre alt waren und die mindestens 5 Monate zuvor 2 Dosen BNT162b2 erhalten hatten. Auf dieser Basis verglich Arbels Team die Mortalität von Personen mit oder ohne 3. Dosis, wobei soziodemographische Faktoren und Begleiterkrankungen berücksichtigt wurden.

Insgesamt erfüllten 843.208 Teilnehmer die Einschlusskriterien, von denen 758.118 (90%) während des 54-tägigen Studienzeitraums einen Booster Shot erhielten. Todesfälle aufgrund von COVID-19 traten bei insgesamt 65 Teilnehmern in der Booster-Gruppe (0,16 pro 100.000 Personen und pro Tag) auf. Bei Teilnehmern der Kontrollgruppe waren es insgesamt 137 Todesfälle (2,98 pro 100.000 Personen pro Tag). Die bereinigte Hazard Ratio für Todesfälle aufgrund von COVID-19 betrug 0,10 (95-%-Konfidenzintervall: 0,07 bis 0,14; p < 0,001).


Auffrischungsimpfungen für (fast) alle
Yinon M. Bar ‑ On vom Weizmann Institute of Science, Rehovot, und Kollegen gingen der Frage nach, ob sich ein Nutzen auf Bevölkerungsebene nachweisen lässt. Sie arbeiteten mit Daten des israelischen Gesundheitsministeriums für Personen ab 16 Jahren zwischen 30. Juli und 10. Oktober 2021. In die Analyse flossen Aufzeichnungen von 4.696.865 Personen ein, die mindestens 5 Monate zuvor 2 Dosen BNT162b2 erhalten hatten.

Verglichen wurden Raten bestätigter SARS-CoV-2-Infektionen, speziell COVID-19 mit schwerem Verlauf, und Todesfälle durch COVID-19 bei Personen mit und ohne Auffrischungsimpfung. In der primären Analyse ging es um Personen, die mindestens 12 Tage zuvor eine Auffrischungsdosis erhalten hatten (Booster-Gruppe). In die sekundäre Analyse flossen auch Daten von Personen mit Booster Shot 3 bis 7 Tage zuvor ein (frühe Postbooster-Gruppe).

Die Ergebnisse:

Infektionen generell: Die Rate bestätigter Infektionen war in der Booster-Gruppe um den Faktor 10 niedriger als in der Nicht-Booster-Gruppe (Spanne über 5 Altersgruppen 9,0 bis 17,2). In der Booster-Gruppe lag die Rate um den Faktor 4,9 bis 10,8 niedriger als in der frühen Postbooster-Gruppe. Der bereinigte Ratenunterschied betrug 57,0 bis 89,5 Infektionen pro 100.000 Personentage in der primären Analyse und 34,4 bis 38,3 in der sekundären Analyse.


Schweres COVID-19: Die Raten an schweren Erkrankungen waren bei Über-60-Jährigen in der primären bzw. sekundären Analyse um den Faktor 17,9 (95%-KI 15,1 bis 21,2) bzw. 6,5 (95%-KI 5,1 bis 8,2) niedriger. Für 40- bis 59-Jährige geben die Autoren bei der primären bzw. sekundären Analyse den Faktor 21,7 (95%-KI 10,6 bis 44,2) bzw. 3,7 (95 % CI, 1,3 bis 10,2) an. Der bereinigte Ratenunterschied in der primären bzw. sekundären Analyse betrug 5,4 bzw. 1,9 Fälle pro 100.000 Personentage bei den Über-60-Jährigen und 0,6 bzw. 0,1 bei den 40- bis 59-Jährigen.


Mortalität: Bei Personen ab 60 war die Sterblichkeit in der primären Analyse um den Faktor 14,7 (95%-KI 10,0 bis 21,4) und in der sekundären Analyse um den Faktor 4,9 (95% CI, 3,1 bis 7,9) niedriger. Der bereinigte Ratenunterschied in der primären und sekundären Analyse betrug 2,1 bzw. 0,8 Todesfälle pro 100.000 Personentage.

Bedeutung für die Praxis
?Die Daten dieser beiden Studien werden zusammen mit anderen Daten über die Wirksamkeit und Sicherheit von Auffrischungsimpfungen wertvolle Hinweise für die Entscheidungsfindung in anderen Ländern liefern, wenn das Risiko-Nutzen-Verhältnis der Einführung einer Auffrischungsimpfung bewertet wird?, schreibt Patel im Editorial.

Sie gibt jedoch zu bedenken: ?Bei der Entscheidung, eine Auffrischungsimpfung anzubieten, müssen viele Faktoren berücksichtigt werden.? Ein Land könnte sich dafür entscheiden, Booster Shots nur bestimmten Bevölkerungsgruppen anzubieten, je nach epidemiologischer Situation, Durchimpfungsrate, Immunität durch Infektionen oder dem Schutz bestimmter Berufsgruppen.

Patel: ?Viele Länder müssen sich auch in naher Zukunft entscheiden, wie sie ihre begrenzten Impfstoffvorräte am besten einsetzen. In den meisten Fällen lässt sich mehr erreichen, wenn man sich auf die Impfung der Ungeimpften konzentriert.?

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Erste Daten: Antikörper-Antwort auf Omikron stark reduziert, doch Boostern hilft; EMA-Okay für Tocilizumab; Übersterblichkeit durch Corona
Michael van den Heuvel, Medscape


Heute meldet das Robert-Koch-Institut 70.611 Neuinfektionen innerhalb der letzten 24 Stunden. Vor 1 Woche waren es 73.209 weitere Fälle. Die 7-Tage-Inzidenz sinkt auf 422,3 Infektionen pro 100.000 Einwohner; am Vortag lag der Wert bei 427,0. Weitere 465 Menschen sind in Zusammenhang mit COVID-19 gestorben (Vorwoche: 388).

Als 7-Tage-Hospitalisierungsinzidenz nennt das RKI 5,79 Fälle pro 100.000 Einwohner, Stand 8. Dezember. Am Tag zuvor lag der Wert bei 5,47.

Laut DIVI-Intensivregister waren am 9. Dezember, 12:15 Uhr, 4.943 Patienten in intensivmedizinischer Behandlung, sprich 46 mehr als am Vortag. Aktuell sind 770 Betten im Low-Care- und 1.411 im High-Care-Bereich frei. Hinzu kommen 267 freie ECMO-Behandlungsplätze.

Heute beraten Bund und Länder über weitere Maßnahmen. Erstmals nimmt der neue Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) an dem Treffen teil; den Vorsitz hat Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU). Angesichts der pandemischen Lage halten es Beobachter für denkbar, dass strengere Maßnahmen beschlossen werden.

40 Mal mehr Antikörper nötig, um Omikron zu neutralisieren. Boostern bleibt wichtig!

EMA: Zulassung von RoActemra® bei Erwachsenen mit schwerem COVID-19

Statistisches Bundesamt: Corona-Pandemie hat zu Übersterblichkeit geführt

AstraZeneca-Impfstoff: Ist das verwendete Adenovirus Ursache der Thrombozytopenien?

Weltweit gegen COVID-19 impfen ? dies sind die Herausforderungen

40 Mal mehr Antikörper nötig, um Omikron zu neutralisieren. Boostern bleibt wichtig!
Seit gestern sind erste Daten von mehreren Arbeitsgruppen (noch nicht peer-reviewed) zur Wirkung der Antikörper, die nach Impfung oder vorheriger Infektion gebildet wurden, gegen die neue Omikron-Variante verfügbar. Nun lasse sich ?etwas fundierter spekulieren?, schreibt Prof. Dr. Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, auf Twitter dazu.


Aufgrund der Daten lasse sich nun sagen: ?Es braucht deutlich mehr Antikörper, um Omikron zu neutralisieren. Etwa 40-fach mehr! Das ist der größte Abfall, den wir je bei einer Variante gesehen haben.? Das bedeute: ?Wir werden deutlich mehr Durchbruchsinfektionen sehen. Gerade bei Genesenen und 'nur' 2x Geimpften.

Doch zeigten die Ergebnisse auch ganz klar, dass auch neutralisierende Antikörper von Geimpften in der Lage seien, Omikron zu binden und zu neutralisieren. Daraus schließt er: ?Nach Booster oder Impfung plus Infektion hat man deutlich mehr Antikörper und ist besser gegen Omikron geschützt.? Sein Fazit: ?Die Impfungen sind weniger effektiv, aber nicht nutzlos!?


Trotz einem geringeren Schutz vor einer Infektion mit der Omikron-Variante, schütze die Impfung doch vor einer schweren Erkrankung, schreibt der Immunologe. Bis ein angepasster Impfstoff verfügbar sei, dauere es noch Monate: Daher empfiehlt Watzl nicht auf diesen zu warten, sondern die Booster-Impfungen voranzutreiben.

Die Daten, auf die er sich bezieht, hat z.B. Alex Sigal vom Africa Health Research Institute in Durban auf Twitter berichtet; ein Preprint liegt vor. Laut Sigal verwendet Omicron immer noch ACE2 als Eintrittspforte in Zellen. Er berichtet, dass sich aber die neutralisierende Wirkung von Antikörpern im Vergleich zu Delta bis zu 37-fach verringert habe. Seine Daten geben zudem Hinweise darauf, dass Geboosterte oder Menschen mit früherer Infektion plus 2-facher Impfung eine stärkere Immunantwort gegen die Variante entwickeln als solche die ?nur? zweifach geimpft sind.

Über ähnliche Resultate berichtet Prof. Dr. Sandra Ciesek, Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt, ebenfalls auf Twitter. Sie schreibt: ?Unsere 1. Daten zur Neutralisation von Omikron versus Delta sind fertig: 2x BioNTech, 2x Moderna, 1xAZ/1x BioNTech nach 6 Monaten 0% Neutralisation bei Omikron, auch 3x BioNTech 3 Monate nach Booster nur 25% NT versus 95% bei Delta. Bis zu 37-fache Reduktion Delta vs. Omicron.?

Doch sie schränkt ein, die Immunantwort nach einer Infektion bzw. Impfung werde ja bekanntlich nicht nur über Antikörper vermittelt. ?Diese Daten können nichts dazu aussagen, ob man weiterhin vor einem schweren Verlauf geschützt ist (Stichwort T-Zellen).?

Pfizer und BioNTech veröffentlichten Ergebnisse erster Untersuchungen ?als Laborstudie mit einem Pseudovirus. Sie berichten, dass 3 Dosen Comirnaty® den Titer neutralisierender Antikörper gegen Omikron im Vergleich zu 2 Dosen um das 25-Fache erhöhen. ?Titer nach der Auffrischimpfung sind vergleichbar mit den Titern, die nach 2 Dosen gegen das Wildtyp-Virus beobachtet wurden und mit einem hohen Schutzniveau verbunden sind?, schreiben die Firmen.


Sie vermuten: ?Da 80% der Epitope im Spike-Protein, die von CD8+ T-Zellen erkannt werden, von Mutationen in der Omicron-Variante nicht betroffen sind, können 2 Dosen dennoch einen Schutz vor schweren Erkrankungen bewirken.?

EMA: Zulassung von RoActemra® bei Erwachsenen mit schwerem COVID-19
Auch bei der Behandlung von COVID-19 gibt es Neues. Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der EMA hat empfohlen, die Indikation von RoActemra® (Tocilizumab) auf die Behandlung von Erwachsenen mit COVID-19 zu erweitern, die eine systemische Behandlung mit Kortikosteroiden erhalten und zusätzlichen Sauerstoff oder mechanische Beatmung benötigen.

Das Medikament ist in der EU bereits zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis, der systemischen juvenilen idiopathischen Arthritis, der juvenilen idiopathischen Polyarthritis, der Riesenzellarteriitis und des Zytokin-Freisetzungssyndrom (CRS) zugelassen.

Grundlage der Empfehlung sind Daten einer Studie, an der 4.116 hospitalisierte Erwachsene mit schwerer COVID-19-Erkrankung teilgenommen hatten, die zusätzlichen Sauerstoff oder eine mechanische Beatmung benötigten und hohe Werte an C-reaktivem Protein im Blut aufwiesen.

Die Studie zeigte, dass RoActemra® als Add-on das Sterberisiko im Vergleich zur Standardbehandlung leicht verringert. Insgesamt starben 31% aller Patienten im Studienarm mit RoActemra® plus Standardbehandlung (621 von 2.022) innerhalb von 28 Tagen nach der Behandlung, verglichen mit 35%, die nur eine Standardtherapie erhalten hatten (729 von 2.094). Darüber hinaus konnten 57% der Patienten (1.150 von 2.022) im Studienarm mit RoActemra® das Krankenhaus innerhalb von 28 Tagen verlassen, verglichen mit 50% (1.044 von 2.094) in der Kontrollgruppe.

Die Studie zeigte allerdings auch, dass ein Anstieg der Sterblichkeit nicht ausgeschlossen werden kann, wenn RoActemra® bei Patienten eingesetzt wird, die keine systemischen Kortikosteroide erhalten. Allerdings war das Sicherheitsprofil des Arzneimittels günstig bei denjenigen Patienten, die bereits mit Kortikosteroiden behandelt wurden, und der CHMP kam zu dem Schluss, dass der Nutzen des Arzneimittels für diese Patienten größer ist als die Risiken.


Tocilizumab, ein monoklonaler Antikörper, zielt auf Interleukin-6 (IL-6), ein Zytokin, das bei inflammatorischen Vorgängen ausgeschüttet wird. Indem RoActemra® die Bindung von IL-6 an seine Rezeptoren verhindert, reduziert es die Entzündung und verbessert die Symptome der schweren COVID-19-Erkrankung.

Statistisches Bundesamt: Corona-Pandemie hat zu Übersterblichkeit geführt
Bei einer Online-Pressekonferenz stellte das Statistische Bundesamt (Destatis) Ergebnisse einer Analyse der Sterbefallzahlen vor. ?Von März 2020 bis Mitte November 2021 sind in Deutschland mehr Menschen gestorben, als unter Berücksichtigung der demografischen Entwicklung zu erwarten gewesen wäre?, so Destatis-Vizepräsident Christoph Unger. ?Der Anstieg der Sterbefallzahlen ist nicht allein durch die Alterung der Bevölkerung erklärbar, sondern wurde maßgeblich durch die Pandemie beeinflusst.?

Wie Dr. Felix zur Nieden, Referent für Demografische Analysen und Modellrechnungen, erläuterte, sind im Jahr 2020 insgesamt 985.600 Menschen gestorben. Es habe damit 5% oder 46.000 Tote mehr als im Jahr 2019 gegeben. Alleine aufgrund der Alterung der Bevölkerung wäre nur ein Anstieg um rund 2% oder 20.000 Fälle zu erwarten gewesen, so der Experte.

Das Statistische Bundesamt gab auch Einblicke in die Todesursachen-Statistik: Insgesamt starben 39.758 Menschen an der Corona-Infektion (als Grunderkrankung), weitere 8.102 Menschen hatten COVID-19 als Begleiterkrankung neben weiteren Leiden, als sie starben. Am häufigsten wurden auf Totenscheinen Hypertonie (21% der Fälle), Vorhofflimmern bzw. Vorhofflattern (10%), Demenz (20%), Niereninsuffizienz (16%) und Diabetes mellitus (16%) als weitere Erkrankung genannt. 70% der COVID-19-Toten waren 80 Jahre oder älter.

In Zusammenhang mit COVID-19 haben Ärzte letztes Jahr rund 176.000 Patienten stationär behandelt. Von allen Erkrankten waren 36.900 (20,9%) auf einer Intensivstation. 21.400 der intensivmedizinischen Patienten (58,1%) wurden künstlich beatmet, im Schnitt für 254 Stunden. Insgesamt sind 31.600 stationäre COVID-19-Patienten gestorben (17,9%). Sie waren im Schnitt 80,3 Jahre alt.

Laut Krankenhaus-Statistik hatte die Pandemie auch Folgen für planbare Eingriffe oder Behandlungen. Im Jahr 2020 gab es bundesweit fast 2,5 Millionen oder 13,1% weniger stationäre Aufenthalte als im Vorjahr. Die Zahl chirurgischer Eingriffe ging um 690.000 oder 9,7% zurück.

AstraZeneca-Impfstoff: Ist das verwendete Adenovirus Ursache der Thrombozytopenien?
Warum Blutgerinnsel in Zusammenhang mit Adenovirus-COVID-19-Impfstoffen wie dem von AstraZeneca auftreten können, dazu hat ein internationales Team von Wissenschaftlern neue Hinweise.

Die Forscher verwendeten eine Technologie namens CryoEM, um Präparate von ChAdOx1, dem im AstraZeneca-Impfstoff verwendeten Adenovirus, im Schnellverfahren einzufrieren und mit Elektronen zu beschießen, um mikroskopische Bilder der Impfstoffkomponenten zu erzeugen. So konnten sie die Struktur des viralen Kapsids und anderer wichtiger Proteine, die dem Virus den Eintritt in die Zelle ermöglichen, aufklären.

Insbesondere untersuchten Forscher die Struktur und den Rezeptor von ChAdOx1, und wie es mit dem Thrombozytenfaktor 4 (PF4) interagiert. Anhand von Computersimulationen konnten sie zeigen, dass die beiden Moleküle unter anderem über elektrostatische Wechselwirkungen eng miteinander verbunden sind.

Die Ergebnisse ihrer Modellierungen deuten darauf hin, dass der virale Vektor ? wenn auch nur selten ? in den Blutkreislauf gelangt. Dort bindet er an PF4, und das Immunsystem erkennt den Komplex als fremd. Es kommt zur Freisetzung von Antikörpern gegen PF4, die sich an Blutplättchen binden und diese aktivieren, so dass sie sich zusammenballen und bei einer sehr kleinen Anzahl von Menschen nach der Verabreichung des Impfstoffs Blutgerinnsel auslösen.

Weltweit gegen COVID-19 impfen ? dies sind die Herausforderungen
Prof. Dr. Annelies Wilder-Smith von der London School of Hygiene and Tropical Medicine, hatte bei einem Pressebriefing des Science Media Center eine ?gute Nachricht?: Bis Ende November 2021 seien rund 8 Milliarden Dosen an COVID-19-Vakzinen verimpft worden. Doch: ?Die schlechte Nachricht ist, dass in einkommensschwachen Ländern nur 6% mindestens 1 Dosis erhalten haben.?

Während viele Länder schon Auffrischungsimpfungen durchführten, hätten zahlreiche Menschen in ärmeren Ländern noch nicht einmal die 1. Dosis bekommen. Hier gebe es dringenden Nachholbedarf. ?Wir müssen sicherstellen, dass mehr Menschen ihre 1. und 2. Dosis erhalten, aber gleichzeitig Auffrischungsimpfungen ? speziell für vulnerable Personen ? durchgeführt werden?, sagt die Expertin.

Wilder-Smith wies darauf hin, dass der enge ?Flaschenhals? nicht nur die ausreichende Produktion der Impfstoffe sei, sondern auch deren Lieferung. Der Transport gestalte sich aufgrund der Lagerbedingungen schwierig und benötige spezielle Logistik. ?Außerdem haben wir mit den älteren Menschen, die vorrangig geimpft werden sollen, eine ganz andere Personengruppe als bei vielen anderen Impfstoffen?, so die Expertin.

Prof. Dr. Florian Krammer von der Icahn School of Medicine at Mount Sinai, New York, USA, gab zudem zu bedenken, dass sich die bislang verabreichten Impfstoffe womöglich in der Effektivität gegen Omikron unterscheiden. Wenn, wie zu erwarten, sich Omikron weltweit durchsetzt, ein nicht ganz unerheblicher Aspekt. Mehrere Studien dazu liefen allerdings noch; man warte auf Daten. Schwierigkeiten sieht er hier vor allem bei Vakzinen, die als Einzeldosis verabreicht werden oder inaktivierte Viren bzw. Proteine enthalten.


Als wichtigen Nutzen aller Impfstoffe strich Dr. Jakob Cramer von der Coalition for Epidemic Preparedness Innovations (CEPI) hervor, dass sie die Hospitalisierungen reduzieren. Dies sei ? auch in Hinblick auf Omikron und auf künftige Varianten ? das wichtige Ziel der künftigen Impfstoffforschung und -entwickelung.

Ob es derzeit nötig sei, Impfstoffe, allen voran das Oxford-Vakzin (AstraZeneca), zu modifizieren, wisse man noch nicht, meinte Prof. Dr. Teresa Lambe von der Oxford University. Man habe aber bereits Technologien dazu entwickelt, und eine Anpassung sei schnell möglich. Krammer wies darauf hin, es gehe nicht nur um die Forschung und die Entwicklung, sondern um die Frage, wie Arzneimittelbehörden modifizierte Vakzine bewerten würden. Sprich: Welche Daten müsse die Firma vorweisen?

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"Nerven liegen blank": Intensivpfleger gibt traurigen Einblick in Corona-Alltag
Von Marie Illner


Als das Coronavirus im chinesischen Wuhan ausbricht, arbeitet Florian Kaiser bereits seit Jahren auf einer Intensivstation in Deutschland.
Die ersten Corona-Fälle stellen den Intensivpfleger vor Herausforderungen.
Inzwischen liegen bei Kaiser die Nerven blank - Dutzende Corona-Patienten sind auf seiner Station gestorben.


Dass Florian Kaiser (Name geändert) Menschen sterben sieht, ist nichts Ungewöhnliches. Der 37-Jährige arbeitet seit zehn Jahren als Pflegekraft, vier Jahre davon auf einer Intensivstation. Den Tod kennt er bestens. Aber die Corona-Toten ? sie sind doch etwas anderes.

"Am Anfang war es ziemlich ungewohnt, dass normale Menschen ohne adipöse Erscheinung oder andere nennenswerte Erkrankungen dermaßen hohe Dosen an Hypnotika, Analgetika oder Relaxantien benötigen, wie man sie sonst von Drogenabhängigen kennt", erinnert sich Kaiser an die ersten Begegnungen im Arbeitsalltag mit COVID-19-Kranken.
Risiko durch Corona zu Beginn unklar

Es ist Ende 2019, als sich im chinesischen Wuhan plötzlich Lungenerkrankungen häufen. Der Ausbruch, das wird man später erfahren, soll seinen Ursprung auf einem Tiermarkt haben, wo das damals neuartige Coronavirus vom Tier auf den Menschen übergesprungen sein könnte.

Im Januar 2020 identifizieren die chinesischen Behörden dieses Coronavirus erstmals, die Weltgesundheitsorganisation (WHO) selbst spricht noch von "begrenzten Informationen, um das Gesamtrisiko einzuschätzen".
Coronakrise
Wegen Omikron: Drosten dämpft Hoffnungen auf Ende der Pandemie im Frühjahr
Am Anfang stand Respekt

Auch in Deutschland tritt noch im Januar der erste COVID-Fall auf, die ersten Toten werden im März verzeichnet. Damals, vor mittlerweile fast zwei Jahren, hat Kaiser vor allem eins: Respekt. "Respekt vor dem Virus und dem Unbekannten", erklärt er im Gespräch mit unserer Redaktion.

Unklar ist noch: Wie sind die Verläufe, wie kann man am besten helfen? Erfahrungswerte, auf die man zurückgreifen kann ? es gibt sie wie sonst üblich nicht.

"Die Beatmung unterscheidet sich sehr von der bisher gekannten Art der Beatmung, man wusste zunächst nicht, wie man die Patienten 'richtig beatmen' muss", erinnert sich Kaiser. Die Klinik in Nordrhein-Westfalen, in der Kaiser arbeitet, tauscht sich dazu regelmäßig mit der Universitätsklinik Essen aus.
Keine Erfahrungswerte vorhanden

"Alle Patienten, die an COVID erkrankt sind, deren Situation sich plötzlich verschlechtert hat, wurden nach Essen verlegt, aber irgendwann hatte auch Essen keine Kapazitäten mehr", berichtet der 37-Jährige. Teilweise seien Behandlungsempfehlungen in einem kurzen Zeitraum wieder geändert worden.

"Bei COVID ist es so, dass die Patienten keine Reservekapazität der Lunge haben. Sie entsättigen unwahrscheinlich schnell, teilweise unter einer Minute", sagt Kaiser. Deshalb müsse alles blitzschnell gehen. "Du musst auf einem hohen Level hoch konzentriert sein, sonst sterben dir die Patienten unter den Händen weg", gibt Kaiser zu.

Bilder aus dem italienischen Bergamo gehen im März 2020 um die Welt: Ein Militärkonvoi bringt 60 Tote in die Krematorien von Nachbarstädten.
Live-Ticker Coronakrise
Inzidenz erneut leicht gesunken: RKI registriert 70.611 Corona-Neuinfektionen
vor 34 Minuten
Dutzende Corona-Tote

Kaiser und sein Team lagern ihre Patienten derweil für bis zu 16 Stunden auf dem Bauch, um andere Kräfte auf die Lunge wirken zu lassen. "Das beansprucht aber natürlich auch eine gewisse Anzahl an Personen, die dort agieren", sagt Kaiser.

In den letzten beiden Jahren seien etwa 120 Corona-Patienten auf seiner Station gewesen. "Die Hälfte davon musste beatmet werden, wiederum die Hälfte davon ist verstorben", sagt Kaiser.

Einer von ihnen ist dem Pfleger besonders in Erinnerung geblieben: Ein Patient, der zunächst eine Woche lang auf einer Station liegt, die zwischen Normalstation und Intensivstation angesiedelt ist, und dort über eine Atemmaske mit Sauerstoff versorgt wird.
Lungenreserve schnell aufgebraucht

"Der damalige Oberarzt hat mit Engelszungen auf ihn eingeredet, dass er intubiert werden muss, um seine Lunge und Energie zu schonen", sagt Kaiser. Die Werte des Patienten sind schlecht, minimale Unterbrechungen der Atemmaske etwa bei der Nahrungsaufnahme führen zu einem sofortigen Abfall der Sättigung.

"Bei an COVID erkrankten Patienten ist die Reserve der Lunge schon minimal bis gar nicht mehr vorhanden", erinnert der Pfleger.

Nach einer Woche gibt der Patient dann schließlich sein Einverständnis. "Die entsprechende Kapazität wurde geschaffen, es wurde alles bis ins kleinste Detail vorbereitet, wir versuchten, alle Eventualitäten zu berücksichtigen", erinnert sich Kaiser.

Man ist perfekt vorbereitet, ein erfahrener anästhesiologischer Oberarzt führt die Intubation durch. "Kurz davor hat der Patient meine Hand gehalten und gesagt, dass er nicht glaubt, dass er es schaffen wird", berichtet Kaiser.

Er sieht die Panik in den Augen des Patienten. Für ein letztes Telefonat mit den Angehörigen ist er bereits zu schwach. "Der Patient hat die Intubation geschafft, aber der Zeitpunkt war zu spät. Vier Tage später ist er verstorben, trotz 60-minütiger Reanimation und aller erdenklicher Versuche", sagt der Pfleger.
Extrem intensive Betreuung nötig

In Deutschland wird Ende März der erste Lockdown verhängt, abendliche Talkshows drehen sich beinahe nur noch um das Virus. Nun ist das Unbekannte nicht mehr ganz so unbekannt. "Man wusste mittlerweile, was passiert und wie man agieren muss", sagt Intensivpfleger Kaiser.

Aber trotz des Wissens ändert sich eins nicht: Ein instabiler Patient, der an COVID erkrankt ist, braucht eine extrem intensive Betreuung.
Psychologische Betreuung "grausam"

"Es kostet viel Zeit, sich hygienisch mit Schutzausrüstung zu bekleiden, das Desinfizieren, der Kleidungswechsel. Die Patienten bleiben vollkommen auf der Strecke", räumt Kaiser ein. Frühmobilisation, also Maßnahmen zur aktiven oder passiven Bewegungsübung, könnten nicht wie empfohlen stattfinden.

"Auch die psychologische Betreuung der Angehörigen war aufgrund der verständlichen hygienischen Richtlinien grausam", sagt Kaiser. Sie dürfen den Patienten meist über einen Zeitraum von drei Wochen nicht sehen, erhalten nur regelmäßig Feedback vom medizinischen Personal.

"Nur, um dann schließlich die Nachricht zu bekommen, dass der Angehörige verstorben ist", sagt der 37-Jährige betroffen. Selbst dann habe man nicht die Möglichkeit, Abschied zu nehmen. "Das geht in der Tat nicht spurlos an mir vorbei", sagt er.

Trotzdem versuche das Personal, viel möglich zu machen, beispielsweise Treffen mit Angehörigen über Facetime, bei denen die Pfleger das Sprechen übernehmen.
Pflegekräfte sind müde und ausgelaugt

Im Dezember 2020 meldet das Robert-Koch-Institut (RKI) 730 Corona-Tote an einem Tag.

Müde und ausgelaugt ? das seien die meisten seiner Kolleginnen und Kollegen inzwischen. "Manch einer hat bereits den Bereich gewechselt oder aufgehört, in der Pflege zu arbeiten", weiß Kaiser aus eigener Erfahrung. "Mittlerweile liegen bei allen die Nerven blank", erzählt der Pfleger.


Von der Kinderintensivstation seiner Klinik wird Personal abgezogen, um Reserven zu schaffen, zusätzliche Arbeitsstunden muss fast jeder leisten. "Die wurden zwar pro Schicht sehr gut vergütet, aber es ist Zeit, die privat fehlt", sagt der Familienvater.


Kein Verständnis für Impfgegner

Geimpft oder ungeimpft ? professionell wird auf Kaisers Station jeder Patient gleich behandelt. "Aber innerlich merkt man, auch im Team, dass es nicht verständlich ist, wenn selbst nach überstandener Erkrankung die Impfbereitschaft nicht vorhanden ist", findet Kaiser.

Ärzte und Pfleger müssten oft einen Spagat zwischen persönlicher Meinung und professionellem Handeln vollziehen. Im Februar 2021 lehnt der Großteil der Politik eine Impfpflicht noch ab, inzwischen will die Regierung sie einführen.


Beitrag übernommen von gmx

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Vermeidbarer Kollateralschaden: Suboptimal kontrolliertes Asthma bei Kindern erhöht Risiko durch COVID-19
Dr. Nicola Siegmund-Schultze



Für Kinder mit Asthma ist eine gute Kontrolle der Atemwegserkrankung entscheidend, um das Risiko für einen schweren Verlauf von COVID-19 zu senken. Das ist das Fazit einer bevölkerungsrepräsentativen Kohortenstudie aus Schottland.

Danach ist Asthma für pädiatrische Patienten zwar generell mit einem erhöhtem Risiko für schwere COVID-19-Erkrankungen assoziiert im Vergleich zu Kindern ohne Asthma. Am ausgeprägtesten aber ist die Risikoerhöhung in Subgruppen, die wegen Asthma stationär behandelt werden (Faktor 6) oder die eine systemische Kortikoidtherapie erhalten (Faktor 3-4). Diese Patientengruppen könnten von einer frühen SARS-CoV-2-profitieren.

Welche Kinder und Jugendliche sind curch COVID-19 besonders gefährdet?
International wird derzeit untersucht, bei welchen Subgruppen von Kindern und Jugendlichen der Vorteil einer Impfung gegen SARS-CoV-2 die potenziellen Risiken überwiegen könnte. Das britische Joint Committee on Vaccination and Immunisation (JCVI) hat daher ein schottisches Forscherteam gebeten, bevölkerungsrepräsentative Daten zu dieser Fragestellung zu erheben.

Datenbasis der populationsbasierten Kohortenstudie war die Plattform ?Early Pandemic Evaluation and Enhanced Surveillance of COVID-19 (EAVE II)?, über die auf die Daten von 5,4 Millionen Menschen in Schottland zugegriffen werden kann. Das entspricht 99% der schottischen Bevölkerung. D

Die Gesamtkohorte bestand aus 752.867 Kindern im Alter von 5 bis 7 Jahren, davon 63 463 Kinder mit Asthma (8,4% der Kohorte). Getestet auf SARS-CoV-2 wurden 258.604 Kinder ohne Asthma und 28.460 mit Asthma. Bei 5,8% bzw. 6,8% (ohne Asthma, mit Asthma) war ein SARS-CoV-2-PCR-Test positiv.

Analysiert wurde das Risiko für schwere Verläufe von COVID-19, bewertet als Erkrankung, die eine stationäre Behandlung im Zeitfenster von 14 Tagen nach einem positiven SARS-CoV-2-PCR-Test erforderlich macht oder die zum Tod binnen 28 Tagen nach positivem Testergebnis führt.

Schlechte Krankheitskontrolle und Glukokortikoidtherapie als Risiko
0,9% der Kinder ohne Asthma, die eine labordiagnostisch gesicherte SARS-CoV-2-Infektion hatten, mussten wegen der Infektion stationär behandelt werden, in der Gruppe mit Asthma waren es 1,5%.

Bei Kindern mit stationär therapiertem Asthma ? Ausdruck einer ungenügend kontrollierten Erkrankung ? war die Rate der COVID-19-bedingten Klinikaufenthalte um den Faktor 6,4 höher als bei Kindern ohne Asthma.

In der Gruppe mit gut kontrollierter chronischer Atemwegserkrankung betrug der Faktor 1,36 im Vergleich zu Kindern ohne Asthma.

Wurde die orale Glukokortikoidtherapie als Marker für die Schwere des Asthma verwendet, war das Risiko für eine stationäre COVID-19-Behandlung bei mindestens 3 Steroidbehandlungszyklen um den Faktor 3,38 im Vergleich zu Kindern ohne Asthma erhöht, um den Faktor 3,53 bei Kindern mit mindestens 2 Kortikoidbehandlungszyklen und um den Faktor 1,52 bei mindestens einem Behandlungszyklus.

Kinder ohne erforderliche orale Glukokortikoidtherapie hatten noch ein um den Faktor 1,34 erhöhtes Risiko für schwere COVID-19-Verläufe verglichen mit Altersgenossen ohne Asthma.

Im Alter von 5 bis 11 Jahren war bei Kindern mit Asthma das Risiko für einen schweren Verlauf höher als ab dem 12. Lebensjahr.

Klinische Bedeutung

Gute Asthmakontrolle entscheident
Die Rate der SARS-CoV-2-infizierten Kinder mit Asthma, die im Krankhaus wegen COVID-19 behandelt werden mussten, sei mit 1,5% gering gewesen, heißt es in einem Kommentar zur Studie [2]. Und lediglich 0,2% der Kinder mit Asthma und SARS-Infektion hätten intensivmedizinisch versorgt werden müssen.

Dennoch habe die Gruppe mit Asthma, vor allem bei anhaltenden Exazerbationen, ein deutlich höheres Risiko gehabt als Gleichaltrige ohne Asthma. Es sei auch von anderen respiratorischen Viren bekannt, dass sie Schwere und Häufigkeit von Asthma-Exazerbationen förderten.

Ziel müsse daher eine gute Asthmakontrolle sein. Eine Impfung pädatrischer Bevölkerungsgruppen komme dann vor allem für Kinder infrage, bei denen Asthma-Symptome fortbestehen. Deren potenzielle Nebenwirkungen wiederum seien gegen das insgesamt geringe Risiko, wegen COVID-19 stationär behandelt werden zu müssen, abzwägen, so die Kommentatoren der Studie. Auch gegen saisonale Influenza sollte geimpft werden.

Dieser Artikel ist im Original erschienen auf Univadis.de .

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EMA: Real-World-Daten zeigen, wie hoch das Myokarditis- und Perikarditis-Risiko bei COVID-19-mRNA-Vakzinen ist
Michael van den Heuvel, Medscape



Neues vom Ausschuss für Risikobewertung im Bereich der Pharmakovigilanz (PRAC) und vom Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) : Arzneimittelexperten haben Real-World-Daten zu Myokarditis- und Perikarditis-Risiken von mRNA-Vakzinen ausgewertet. Außerdem startet eine fortlaufende Überprüfung des 1. COVID-19-"Totimpfstoffs".

Fortlaufende Überprüfung des VLA2001-Vakzins
Der Ausschuss für Humanarzneimittel hat mit der fortlaufenden Überprüfung von VLA2001, einem von Valneva entwickelten COVID-19-Impfstoff, begonnen.

Die Entscheidung stützt sich auf vorläufige Ergebnisse aus Laborstudien und frühen klinischen Studien an Erwachsenen. Ergebnisse deuten darauf hin, dass der Impfstoff die Produktion von Antikörpern auslöst, die sich gegen SARS-CoV-2 richten. Darüber hat Medscape berichtet.

Der Impfstoff enthält inaktiviertes SARS-CoV-2 zusammen mit 2 Adjuvantien, um die Immunreaktion zu verstärken.

Myokarditis und Perikarditis bei mRNA-Vakzinen
Im Rahmen seiner Sitzung hat der Sicherheitsausschuss der EMA aktuelle Daten zu Comirnaty® (BioNTech/Pfizer) und Spikevax® (Moderna) bewertet. Erneut ging es um mögliche Risiken einer Myokarditis und Perikarditis in Zusammenhang mit den Impfstoffen.

In die aktuelle Überprüfung wurden 2 große epidemiologische Studien aus Europa einbezogen. Eine Studie wurde unter Verwendung von Daten des französischen nationalen Gesundheitssystems (Epi-phare) durchgeführt, die andere basierte auf Daten eines skandinavischen Registers.

?Insgesamt bestätigt das Ergebnis der Überprüfung das Risiko einer Myokarditis und Perikarditis, das bereits in den Produktinformationen für diese beiden Impfstoffe angegeben ist, und liefert weitere Einzelheiten zu diesen beiden Erkrankungen?, heißt es in der Pressemeldung. Laut PRAC seien beide Erkrankungen insgesamt ?sehr selten?. Bis zu 1 von 10.000 geimpften Personen könnten betroffen sein kann. Außerdem zeigten die Daten, dass das erhöhte Risiko einer Myokarditis nach der Impfung bei jüngeren Männern am höchsten sei, heißt es weiter.

Eine Myokarditis oder eine Perikarditis kann sich innerhalb weniger Tage nach der Impfung entwickeln, meist innerhalb von 14 Tagen. Beide Erkrankungen wurden häufiger nach der 2. Impfung beobachtet.

Für Comirnaty® zeigt die französische Studie, dass in einem Zeitraum von 7 Tagen nach der 2. Dosis etwa 0,26 zusätzliche Fälle von Myokarditis bei 12- bis 29-jährigen Männern pro 10.000 Personen im Vergleich zu nicht exponierten Personen auftraten. In der skandinavischen Studie waren es in einem Zeitraum von 28 Tagen nach der 2. Dosis 0,57 zusätzliche Fälle einer Myokarditis bei 16- bis 24-jährigen Männern pro 10.000 Personen im Vergleich zu nicht exponierten Personen.

Bei Spikevax® zeigte die französische Studie, dass innerhalb von 7 Tagen nach der 2. Dosis bei 12- bis 29-jährigen Männern pro 10.000 Personen im Vergleich zu nicht exponierten Personen etwa 1,3 zusätzliche Fälle von Myokarditis auftraten. Der skandinavischen Studie zufolge waren es innerhalb von 28 Tagen nach der 2. Dosis bei 16- bis 24-jährigen Männern etwa 1,9 zusätzliche Fälle pro 10.000 Personen im Vergleich zu nicht exponierten Personen.

Myokarditiden und Perikarditiden sind entzündliche Erkrankungen des Herzens, die sich durch eine Reihe von Symptomen bemerkbar machen, häufig Atemnot, ein kräftiger Herzschlag, der unregelmäßig sein kann, und Schmerzen in der Brust. ?Die verfügbaren Daten deuten darauf hin, dass sich der Verlauf einer Myokarditis oder Perikarditis nach einer Impfung nicht von den Krankheiten ohne Zusammenhang zu mRNA-Vakzinen unterscheidet?, so die EMA.

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Wenn Helfer Hilfe benötigen: Bis zu 50% aller Klinik-Mitarbeiter sind durch COVID-19 psychisch belastet
Ute Eppinger, Medscape



Pandemie und kein Ende: Wie kommen Pflegepersonal und Ärzte mit der pandemiebedingten Dauerbelastung klar? Bis zu 50% der Klinikmitarbeiter sind durch die COVID-19-Pandemie psychisch belastet. Das zeigen aktuelle Studienergebnisse aus den Netzwerken NUM egePan und CEOsys (COVID-19-Evidenz-Oekosystem), die Experten auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) vorgestellt haben.

Im NUM egePan-Netzwerk sind medizinische Universitäten zusammen geschlossen, um ein evidenzgeleitetes Pandemiemanagement zu entwickeln, zu testen und zu implementieren, koodiniert durch das Netzwerk der Universitätsmedizin (NUM). Das CEOsys besteht aus 21 Universitäten und 4 außeruniversitären Partnern ? darunter auch Cochrane Deutschland und Cochrane Frankreich.

30 bis 50% der Pflegekräfte, Ärzte und Rettungsfachkräfte zeigen eine bedeutsame, COVID-19-Stressoren assoziierte psychische Belastung. Dr. Oliver Tüscher
?30 bis 50% der Pflegekräfte, Ärzte und Rettungsfachkräfte zeigen eine bedeutsame, COVID-19-Stressoren assoziierte psychische Belastung?, berichtete Dr. Oliver Tüscher, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Mainz, von den Ergebnissen der COVID-Intensiv-Studie.

Allerdings wurde die Querschnittsbefragung zur COVID-Intensivstudie im Zeitraum 6. April 2020 bis 7. Mai 2020 durchgeführt, die Studienergebnisse beziehen sich also auf die erste Welle der Pandemie. ?In der ersten Welle war die psychische Belastung von Mitarbeitern im Gesundheitswesen nicht höher als in der Allgemeinbevölkerung?, so Tüscher. Wie die psychische Belastung jetzt ? in der inzwischen vierten Welle ? aussieht, lässt sich daraus nicht ableiten.

Belastung erfragt
Für COVID-Intensiv waren 650 Mitarbeiter des Gesundheitswesens per Online-Fragebögen befragt worden. 75,8% der Befragten war jünger als 50 Jahre, 56,9% waren weiblich, 43,5% waren Pflegekräfte, 34,3% Ärzte und 19,5% Rettungsfachkräfte. 47,4% der Teilnehmer arbeiteten an der Universitätsklinik, 24,5% in der präklinischen Notfallmedizin und 10,3% in speziellen COVID-19-Kliniken.

Erhoben wurden Alter, Wohnort, Beruf, Angaben zum Arbeitsplatz, COVID-19-bezogene Sorgen und Stressoren, psychische Belastung, Resilienz, Resilienzfaktoren, Absentismusneigung und der Wunsch, den Beruf zu wechseln.

Endpunkte der Befragung waren die psychische Belastung, die Resilienz (BRS), die Absentismusneigung und der Wunsch, den Beruf zu wechseln. Die Daten wurden dann mit der Allgemeinbevölkerung in Deutschland vor und während der COVID-19-Pandemie verglichen.

Selbstwirksamkeit und Optimismus als Schutzfaktoren
Nach Auswertung der Fragebögen fand sich im Vergleich zur deutschen Allgemeinbevölkerung vor der Pandemie eine höhere psychische Belastung (47,1% der Befragten) und eine erhöhte Neigung zu depressiver und ängstlicher Symptomatik. Im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung während der ersten Welle der Pandemie zeigte sich hingegen eine geringere psychische Belastung.

Die Resilienz wurde etwas höher als in der Allgemeinbevölkerung vor und während der Pandemie eingeschätzt. COVID-19-bezogene Stressoren und Sorgen waren die wichtigsten Risikofaktoren, Selbstwirksamkeit und Optimismus die wichtigsten Schutzfaktoren.

Die psychische Belastung korrelierte moderat mit dem Wunsch nach Berufswechsel und der Absentismusneigung. 14% der Befragten hatten über eine Krankmeldung nachgedacht, 10,9% einen Berufswechsel erwogen. Während der ersten Welle kam es zu 21% mehr Krankeitsausfällen (verglichen mit 2019).

Psychische Belastung von Gesundheitspersonal während der COVID-19-Pandemie geht zwar mit einer verstärkten Neigung einher, sich krank zu melden. Wertschätzung durch Führungspersonal bewirke aber eine geringere Absentismusneigung, betonte Tüscher. ?Wir schließen aus den Ergebnissen, dass medizinisches Personal immer im Druck ist, dann aber in dieser besonderen Situation nicht mit einer so hohen Zunahme an Belastung reagiert hat, wie die Allgemeinbevölkerung.?

Hinsichtlich depressiver Verstimmungen zeigte sich das weibliche Personal belasteter. Auch Befragte, die zu einer Risikogruppe gehören, zeigten sich belasteter.

Mangelnde Wertschätzung war für diejenigen, die ohnehin belastet waren, ein deutlicher Faktor für Abstinenzneigung und den Wunsch, den Beruf zu wechseln, die mangelnde Unterstützung durch Vorgesetzte ebenso.

Auch PanMAG und VOICE belegen ein hohes Maß an Belastung
Neben COVID-Intensiv zeigen auch die Ergebnisse des PanMAG-Surveys (n= 2049, Zeitraum Januar bis Juni 2021) und des VOICE-Survey (n= 3678) ?insgesamt ein hohes Maß an psychischer und somatischer Belastung?, berichtete Hauke Wiegand, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Mainz.

In VOICE betrug die Prävalenz klinisch signifikanter Depressions- und Angstsymptome 17,4% bzw. 17,8% bei Ärzten, 21,6% bzw. 19,0% bei Krankenschwestern und 23,0% bzw. 20,1 % bei MTAs. Alle 3 Berufsgruppen wiesen im Vergleich zur deutschen Allgemeinbevölkerung vor der Pandemie signifikant erhöhte Werte beim Screening-Test für eine Major Depression (PHQ-2) und beim Screening-Test für generalisierte Angststörungen (GAD-2) auf, jedoch niedrigere Werte im Vergleich zu den Werten während der Pandemie.

Höhere Werte für depressive Symptome waren mit unzureichender Erholung in der Freizeit, erhöhtem Alkoholkonsum und geringerem Vertrauen in Kollegen in schwierigen Arbeitssituationen verbunden. Erhöhte Angstwerte standen darüber hinaus im Zusammenhang mit der Angst, sich mit COVID-19 zu infizieren.

In PanMAG hatten sich Depressivität und emotionale Erschöpfung als Risikofaktoren für Präsentismus erwiesen, d.h. die Studienteilnehmer waren trotz gesundheitlicher Einschränkungen am Arbeitsplatz erschienen. Soziale Unterstützung durch Kollegen war in PanMAG mit geringerer psychischer Belastung, besserer Arbeitsfähigkeit und geringerem Präsentismus assoziiert.

Wie lässt sich die Situation verbessern?
Aus den Ergebnissen der COVID-Intensiv-Studie, des PanMaG-Survey, des VOICE-Survey und der Evidenz aus CEOsys wurden Empfehlungen zur Förderung der psychischen Gesundheit der Klinikmitarbeiter abgeleitet.

Dazu gehört ein Good-Practice-Verzeichnis für Interventionen, um im Pandemiefall die Arbeitsfähigkeit der Mitarbeiter zu erhalten und eine adäquate Mitarbeiterzahl in der Versorgung zu gewährleisten. Erreicht werden soll das durch stationäre und ambulante Schutz- und Hygienekonzepte, durch bessere Mitarbeiterkommunikation; durch Prävention, Identifikation von Risikofaktoren, Tools zum Monitoring von psychischer Belastung und Interventionen bei psychischer Belastung und durch Konzepte zur Rekrutierung und Schulung von Personal. Direkte Unterstützungsangebote von Kliniken führt die E.A.P. Webseite auf.

Gesundheitsindikatoren und Arbeitsfähigkeit seien mit psychischen und somatischen Erkrankungen und mit der Führungs- und Teamkultur assoziiert sind, betonte Wiegand. Die Studienautoren empfehlen den Kliniken, ein vom Regelbetrieb abgekoppeltes betriebliches Gesundheitsmanagement einzurichten, z.B. in Form eines Employee Assistance Programms (EAP) mit 3 Ebenen: 1. Resilienzfördernd-präventiv, 2. Persönlich/online interventiv, 3. Team-und organisationsbezogen. Die Autoren empfehlen auch, Schulungen für Führungskräfte und Teamcoachings durchzuführen. Zudem sollten Entscheidungen ? gerade zu COVID-19-Maßnahmen ? partizipativ in den Teams getroffen werden.

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