Donnerstag, 10. November 2022
RKI warnt ? Influenzawelle rollt schon; schützt Paxlovid® vor Long-COVID und wie lang dauert´s? Kinder-Impfungen vernachlässigt
Michael van den Heuvel, Medscape

Heute Morgen gibt das Robert Koch-Institut (RKI), Berlin, auf seinem Dashboard 262 Infektionen pro 100.000 Einwohner als 7-Tage-Inzidenz an. Am 9. November lag der Wert bei 294.



RKI: Die Grippewelle hat begonnen ? viel früher als sonst

DAK: Deutlicher Rückgang bei STIKO-Kinderimpfungen während Pandemie

Neue Daten: Wer in den Familien in der Corona-Krise am meisten litt

1 Million COVID-Tote, weil Länder Vakzine gehortet haben

Long-COVID: Wie lange die Beschwerden dauern

Verringert Paxlovid® das Risiko von Long-COVID?

Lupus-Risikogene scheinen vor schwerem COVID-19 zu schützen

RKI: Die Grippewelle hat begonnen
Während der COVID-19-Pandemie ist die Grippewelle 2-mal nahezu ausgefallen. Jetzt schreibt das RKI im Bericht zu akuten Atemwegserkrankungen (ARE): ?Während der letzten Monate wurden deutlich mehr Influenzameldungen ? übermittelt als in den vorpandemischen Saisons um diese Zeit.? Anhand der Zahlen datieren Epidemilogen den Beginn der Grippewelle rückwirkend auf die letzte Oktoberwoche 2022. Vor Corona ging es meistens im Januar los ? und für 3-4 Monate zirkulierten Influenzaviren.

Für die vergangene Woche seien mehr als 2.100 Grippe-Fälle übermittelt worden, schreibt das Institut. Der Verlauf lasse sich jedoch nicht prognostizieren. Risikopatienten rät das Institut, sich bald gegen Influenza impfen zu lassen.

DAK: Deutlicher Rückgang bei STIKO-Kinderimpfungen während Pandemie
Der Kinder- und Jugendreport 2022 der DAK-Gesundheit befasst sich u.a. mit Gesundheitsaspekten vor und während der Pandemie. Grundlage sind Abrechnungsdaten von rund 800.000 Kindern und Jugendlichen im Alter bis 17 Jahren. Was bei den Analysen aufgefallen ist: Im vergangenen Jahr wurden 11% weniger Kinder gegen Nicht-COVID-Infektionen geimpft als vor der Pandemie. Vergleichszahlen kommen aus 2019.

?Wir beobachten schon länger einen Rückgang der Impfquoten bei Kindern und Jugendlichen. In der Corona-Pandemie hat sich dieser negative Trend verstärkt?, so Andreas Storm, Vorstandschef der DAK-Gesundheit.

Neue Daten: Wer in den Familien in der Corona-Krise am meisten
Die Corona-Pandemie hat mit ihren Lockdowns, Kontaktbeschränkungen, KiTa- und Schulschließungen Familien besonders stark getroffen. Neue Erkenntnisse kommen aus der Studie FReDA (?Family Research and Demographic Analysis?). In dem Panel sind rund 30.000 Menschen im Alter zwischen 18 und 49 Jahren vertreten; FReDA ist ein Kooperationsprojekt des Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB), des GESIS ? Leibniz-Instituts für Sozialwissenschaften sowie der Universität zu Köln. Die wichtigsten Erkenntnisse:

Generell belastete die Pandemie Frauen stärker als Männer. So hatten 43% der Frauen, aber nur 34% der Männer Ängste in Zusammenhang mit der Pandemie.

Männer hatten eher wirtschaftliche Sorgen als Frauen (33% versus 28%).

Bei Eltern, die einige Tage, aber nicht täglich zu Hause gearbeitet haben, war die Lebenszufriedenheit größer.

Eltern aus Haushalten mit niedriger Bildung und niedrigem Einkommen haben eine deutlich geringere Lebenszufriedenheit.

1 Million COVID-Tote, weil Länder Vakzine gehortet haben
Mehr als 1 Million Menschenleben hätten gerettet werden können, wenn die COVID-19-Impfstoffe im Jahr 2021 gerechter unter den einkommensschwächeren Ländern aufgeteilt worden wären. Dies geht aus mathematischen Modellen hervor, die Daten aus 152 Ländern berücksichtigen haben.

Bis Ende letzten Jahres hatte fast die Hälfte der Weltbevölkerung 2 Dosen eines COVID-19-Impfstoffs erhalten. Doch diese Impfstoffe wurden nicht gleichmäßig verteilt: In Ländern mit hohem Einkommen lag die Impfrate bei 75%, in einigen Ländern mit niedrigem Einkommen dagegen bei weniger als 2%. Die wohlhabenden Länder beendeten das Jahr mit gut gefüllten Lagern; sie begannen, Impfungen für gesunde Kleinkinder zu planen. Nur ist deren Risiko für schweres COVID-19 recht gering.

Jetzt haben Wissenschaftler der University of Warwick in Coventry (Vereinigtes Königreich) Daten zur Übersterblichkeit und zur Verfügbarkeit von Impfstoffen herangezogen, um zu modellieren, was passiert wäre, wenn die Impfstoffe nach Bedarf und nicht nach Wohlstand verteilt worden wären.

Das Team kam zu dem Ergebnis, dass eine gerechtere Verteilung der Impfstoffe weltweit 1,3 Millionen Todesfälle hätte verhindern können, wenn keine anderen Maßnahmen wie Social Distancing ergriffen worden wären. Mehr als doppelt so viele Todesfälle hätten vermieden werden können, wenn Länder mehr nicht-pharmazeutische Maßnahmen zur Verringerung der Übertragung ergriffen ? und anderen Ländern größere Impfstoffmengen zur Verfügung gestellt hätten.

Long-COVID: Wie lange die Beschwerden dauern
Symptome nach einer SARS-CoV-2-Infektion stellen Ärzte und Gesundheitssysteme weltweit vor Herausforderungen. Evidenzbasierte Therapien gibt es derzeit keine. Umso wichtiger ist die Frage, wie lange die Beschwerden wirklich anhalten.

Details liefert jetzt eine Querschnittsstudie mit 53.047 Teilnehmern aus 3 bevölkerungsbasierten Kohorten französischer Erwachsener. Alle Teilnehmer wurden gebeten, zwischen dem 1. April und dem 30. Juni 2020 Fragebögen auszufüllen. Zu den Variablen gehörten soziodemografische Merkmale, Begleiterkrankungen, COVID-19-Diagnosen und akute Symptome.

Zwischen dem 1. Mai und dem 30. November 2020 wurden Blutproben für serologische Analysen von Patienten mit einer SARS-CoV-2-Infektion entnommen, die durch einen Enzyme-Linked-Immunosorbent-Assay (ELISA) zum Nachweis von Immunglobulin G gegen Spike bestätigt wurde. Und zwischen 1. Juni und dem 30. September 2021 wurde ein Internet-Follow-up-Fragebogen ausgefüllt, der Angaben zu anhaltenden Symptomen, ihrer Dauer und der Diagnose einer SARS-CoV-2-Infektion durch Polymerase-Kettenreaktion enthielt.

3.972 Teilnehmer, darunter 2.531 Frauen (mittleres Alter 50,9 Jahre) hatten sich mit SARS-CoV-2 infiziert. 2.647 (66,6%; 95%-KI 65,1%-68,1%) über mindestens 1 Symptom während der akuten Phase.

Von diesen 2.647 Teilnehmern berichteten 861 (32,5%; 95%-KI 30,8%-34,3%) über mindestens 1 anhaltendes Symptom, das 2 oder mehr Monate nach der akuten Phase noch vorhanden war. Nach 1 Jahr Nachbeobachtung lag der geschätzte Anteil der Personen mit vollständiger Symptomfreiheit bei 89,9% (95%-KI, 88,7-90,9%).

Folgende Begleitfaktoren negativ auf die Dauer aus, weil sich bei diesen Personengruppen die Symptome nur langsam besserten:

ein höheres Alter (>60 Jahre; HR 0,78; 95%-KI 0,68-0,90)

weibliches Geschlecht (HR 0,64; 95%-KI 0,58-0,70)

Krebs in der Vorgeschichte (HR, 0,61; 95% CI, 0,47-0,79)

Tabakkonsum in der Vorgeschichte (HR 0,80; 95%-KI 0,73-0. 88)

ein hoher Body-Mass-Index (≥30: HR 0,75; 95%-KI 0,63-0,89)

eine hohe Anzahl von Symptomen während der akuten Phase (>4; HR 0,43; 95% CI, 0,39-0,48).

Verringert Paxlovid® das Risiko von Long-COVID?
Hinweise auf eine mögliche Prävention von Long-COVID kommen aus den USA. Bislang wurden die Studienergebnisse nur als Preprint veröffentlicht.

Die Forscher arbeiteten mit einer Datenbank des US Department of Veterans Affairs, um Patienten mit positivem Test auf SARS-CoV-2 zu identifizieren: zwischen dem 01. März 2022 und dem 30. Juni 2022. Sie alle haten mindestens 1 bekannten Risikofaktor für schweres COVID-19.

Innerhalb von 5 Tagen nach dem positiven Test behandelten Ärzte 9.217 Patienten mit Nirmatrelvir; Paxlovid® enthält Nirmatrelvir und Ritonavir. Hinzu kamen 47.123 Patienten ohne diese Pharmakotherapie als Kontrollgruppe.

Im Vergleich zur Kontrollgruppe war die Behandlung mit Nirmatrelvir mit einem verringerten Risiko für postakute Beschwerden verbunden (HR 0,74 95%-KI 0,69-0,81), einschließlich eines verringerten Risikos für 10 von 12 postakuten Folgeerkrankungen im Herz-Kreislauf-System (Herzrhythmusstörungen und ischämische Herzkrankheit), Gerinnungs- und hämatologische Störungen (tiefe Venenthrombose und Lungenembolie), Müdigkeit, Lebererkrankungen, akute Nierenerkrankungen, Muskelschmerzen, neurokognitive Beeinträchtigungen und Kurzatmigkeit.

Nirmatrelvir war auch mit einem verringerten Risiko eines postakuten Todes (HR 0,52; 95%-KI 0,35-0,77) und eines postakuten Krankenhausaufenthalts (HR 0,70; 95%-KI 0,61, 0,80) verbunden.

?Bei Personen mit einer SARS-CoV-2-Infektion, die mindestens einen Risikofaktor für das Fortschreiten einer schweren COVID-19-Erkrankung aufwiesen, war die Behandlung mit Nirmatrelvir innerhalb von 5 Tagen nach einem positiven SARS-CoV-2-Test mit einem verringerten Risiko von Langzeitbeschwerden verbunden, unabhängig vom Impfstatus und der Vorgeschichte der Infektion?, so die Autoren. Viel deute darauf hin, dass Nirmatrelvir das Risiko für postakute Komplikationen verringere.

Lupus-Risikogene scheinen vor schwerem COVID-19 zu schützen
Bestimmte genetische Varianten können das Risiko von Autoimmunkrankheiten erhöhen und gleichzeitig vor den Folgen einer Virusinfektion schützen. Eine Studie liefert Hinweise, dass eine genetische Veranlagung für systemischen Lupus erythematodes (SLE) vor einer schweren COVID-19-Infektion schützen kann.

Forscher verglichen die Genetik von schwerem COVID-19 mit der von SLE unter Verwendung mehrerer Analysen, einschließlich eines Ansatzes, der sich auf bestimmte Bereiche des Genoms konzentrieren kann. Sie fanden heraus, dass TYK2, ein Gen, das sowohl mit SLE als auch mit schwerer COVID-19 assoziiert ist, Schutz vor Virusinfektionen bietet, aber das Risiko für Autoimmunerkrankungen erhöht.

?Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass es gemeinsame genetische Effekte zwischen der Autoimmunerkrankung SLE und den klinischen Folgen von COVID-19 gibt?, so die Autoren. Der Genlocus mit den meisten Hinweisen auf eine gemeinsame Assoziation (TYK2) ist an der Interferonproduktion beteiligt, einem Prozess, der als Reaktion auf eine Virusinfektion wichtig ist und von dem bekannt ist, dass er bei SLE-Patienten dysreguliert ist. Bei der Suche nach den Mechanismen, die diesen Zusammenhängen zugrunde liegen, wurde deutlich, dass die funktionellen Auswirkungen der Risiko- und Schutzgenotypen komplex sind.?

https://deutsch.medscape.com/artikelansicht/4911807?src=WNL_mdplsfeat_221110_mscpedit_de&uac=389796AZ&impID=4851684&faf=1

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Kundgebung für Freiheitsrechte im Iran
Mit der Ermordung der 22-jährigen Mahsa Amini durch die ?Sitten- und Religionspolizei? der Islamischen Republik Iran wurde der Slogan ?Frau, Leben, Freiheit? zur universellen Parole einer neuen Bewegung. Am 16. September starb Mahsa in Polizeigewahrsam. Seit dem 17. September 2022 nehmen immer mehr Menschen aus allen Alters- und Gesellschaftsschichten teil. Vor allem Frauen sind auf den Straßen, sie singen, tanzen, verbrennen ihre Kopftücher und fordern lautstark: ?Frau ? Leben ? Freiheit - Nieder mit dem islamischen Regime?.
Sie alle haben ein gemeinsames Ziel, das Regime der Islamischen Republik Iran zu stürzen.
Der Ruf der Demonstrant*innen ?Frau ? Leben ? Freiheit? - hat sich mittlerweile weltweit verbreitet. Jeden Tag und jede Woche demonstrieren Menschen und veranstalten in verschiedenen Städten im Iran und überall auf der Welt Kundgebungen, verlangen internationalen Druck und Sanktionen gegen das iranische Regime. In den letzten Wochen demonstrierten Zehntausende Iraner*innen ausserhalb des Irans gegen das Regime. Am Samstag, den 22. Oktober 2022 kamen mehr als 80.000 Menschen in Berlin zusammen. Auch in Istanbul, New York, London, Paris und vielen weiteren Städten gab und gibt es Proteste.
Längst geht es bei den Protesten nicht mehr nur um die Kopftuch-Pflicht, mit der die Führer der islamischen Republik Frauen aus der öffentlichen Wahrnehmung verbannen und eine Geschlechter-Apartheid aufrechterhalten wollen. Auf den Straßen und Plätzen macht sich Wut Luft ? Wut auf vier Jahrzehnte Folter und Unterdrückung, Korruption und wachsende Verarmung der Bevölkerung.
Gegen die Proteste schlägt das Regime brutal zurück. Mit Tränengas, Schüssen, Verhaftungen. Wie viele Tote es inzwischen gegeben hat, ist unklar.
Bereits in den letzten sechs Wochen wurden nach groben Schätzungen, ca. 244 Demonstrant*innen, darunter 32 Kinder, bei den Razzien der Sicherheitskräfte getötet.
Mehr als 12.500 weitere Personen, darunter viele Jugendliche und Kinder, wurden inhaftiert.
Wie mit den Verhafteten umgegangen wird, lässt sich nur erahnen: Erniedrigung, Folter, Vergewaltigung, Hinrichtung und verschwinden lassen.
Wir fordern alle freiheitsliebenden Menschen in Hannover auf, sich grenzenlos ohne Wenn und Aber gegen die menschenverachtenden und barbarischen Taten der Islamischen Republik Iran auszusprechen, nicht mehr zu schweigen und die kämpfenden freiheitsliebenden Menschen im Iran zu unterstützen.
Wir treten ein:
Gegen die Todesurteile im Iran sowie die Todesstrafe im Allgemeinen!
Gegen die brutalen Menschenrechtsverletzungen und Repressalien gegenüber Andersdenkenden im Iran!
Wir solidarisieren uns mit der Familie und den Freunden von Mahsa Amini und allen Menschen, die sich zurzeit für Demokratie, Menschenrechte und Freiheit im Iran einsetzen.


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