Dienstag, 19. Dezember 2006
Solidarität mit Sandra Steup
Wenn ich das hier lese (danke, Monoma, für den Link!), dann ballt sich bei mir die Wut über unsere Sozialbürokraten, die hoheitlichen Zurichter des Elends, und ich wundere mich ernsthaft, wieso es in ARGE-Büros und Sozialämtern so wenig Amokläufe gibt. Ich wünsche der Verfasserin des Textes alles Gute und ganz viel Kraft.


http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=10405

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Lecker!
Gleich gibt´s Stockfisch in Rotweinessig-Tabasco-Marinade mit gebratenem Speck, Erbsen und Chilli-Kartoffeln, also Aquavit-Begründungsessen.

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Dienstag, 19. Dezember 2006
Jetzt werd ich mal ausnahmsweise ganz rassistisch
Nachdem mir gerade eine höchst sympathische, intelligente und gutaussehende Frau, die in den Kreisen der deutschen Bloggosphäre als Netbitch bekannt ist, in einem Telefongespräch mitgeteilt hatte, wie heftig in Kasachstan auf den beidseitig genossenen Film "Borat" reagiert wird, fällt mir nur noch ein: Ein Staatschef, der mit Vornamen "Nursultan" heißt, kann ja auch nichts Anderes sein als ein absolutistischer Machtmensch. 10 Euro in die Rassistenkasse, ist aber so.

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Never forget, what they have done
Allen jenen, die immer noch meinen, der Irak-Einsatz der Bushkrieger sei eine Parteiname für die vom Baath-Regime Unterdrückten im Irak, schleudere ich diesen Link ins Gesicht: http://de.wikipedia.org/wiki/Anfal-Operation



Ich habe lange genug an der Seite der Überlebenden und Angehörigen der Opfer gestanden. Die Imperialisten und die Modernisierungsdiktatur des Baath-Regimes, aus der Perspektive von unten, sei es der kurdischen Perspektive oder der Klassenperspektive betrachtet, ist das die gleiche Seite.

Für soziale Revolution weltweit!

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Sonntag, 17. Dezember 2006
Spanischer Bürgerkrieg revisited
In der aktuellen ausgabe von Mare ist ein Artikel zum Spanischen Bürgerkrieg, der sich sehr um eine möglichst neutrale Sichweise bemüht und am Ende die Anarchosyndikalisten als die sympathischsten Protagonisten dastehen lässt.

Keine Überraschung!

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Freitag, 15. Dezember 2006
Die Sache mit der Weihnachtsstimmung
Dass der Ökonomieexperte meine noch nicht vorhandene Weihnachtsstimmung mit Sauertöpfigkeit verwechselt http://www.s-and-w.de/?p=1734, verwundert nicht so richtig. Allerdings feiere ich sehr gerne Weihnachten, insbesondere mit meiner geliebten Nichte, nur hält der Leistungsdruck meines Jobs, man könnte auch Terror der Ökonomie dazu sagen, mich bislang davon ab, mich auf festtägliche Stimmungen einzustellen. So ist das bei Leuten, deren Arbeitswoche auch mal 60 Stunden beträgt, von denen immer nur 40 bezahlt werden. Alltag im Kapitalismus halt.

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Donnerstag, 14. Dezember 2006
Die soziale Kompetenz unserer politischen Elite
mal wieder schlagend unter Beweis gestellt:


http://www.focus.de/politik/deutschland/arbeitslosigkeit_nid_40976.html?DDI=3303


Und ich kenne glattrasierte AlG2-Empfänger mit Doktortitel.

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Der Weihnachtsstress
Da kriege ich zu hören: "Hast Du schon alle Weihnachtsgeschenke gekauft? Ich bin durch!"


Nein, ich habe noch nicht angefangen, mir überhaupt Gedanken zu machen, wem ich was schenke, und werde wohl am 23.12. losgehen und wahllos irgendetwas kaufen, Hauptsache billig.

Weihnachtsstimmung wird bei mir frühestens am Weihnachtsabend aufkommen, im Augenblick ist Hardcoreworking angesagt.

Hingegen weihnachtet es am Saturn:


http://www.focus.de/wissen/wissenschaft/astronomie/saturnmond_nid_40989.html?DDI=4661

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Mittwoch, 13. Dezember 2006
Ich muss mal was loswerden
Mein Blog hat auch us-amerikanische Leser, darunter auch solche, die politisch konservative Positionen vertreten. Keiner von denen hat sich, wenn hier oder in der Nachbarschaft wieder einmal ein "pro-amerikanischer" deutscher Heißsporn meinte, sich besonders hervortun zu müssen, jemals dazu Stellung genommen. Aus gutem Grunde, denn die genannten Leser sind nachdenkliche und differenzierende Menschen. Nur so am Rande.

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Das anjatanjatische Restaurant
Ich komme zurück nach etlichen Jahren. Kaum zu glauben, dass das chromblitzende Businesscenter einmal meine Welt war. Das verwuselte Restaurant gegenüber ist wie immer - voll, verraucht, die im Zigarettenqualm gegessene Mischung aus chinesischer, indischer, italienischer und gutbürgerlicher deutscher Küche zu Mensapreisen, das Publikum ist auch das gleiche: blonde oder blondierte Marketinganjatanjas, zuckersüß anzuschauen, aber als Gesprächspartnerinnen eher dröge, wenn man nicht auf Buzzwordbingo und Wirtschaftsnaivlingtum steht, smarte Manager im Armanianzug, Künstlertypen in eher verwegenem Outfit und die wirklichen Topperformer mit ergrauten Schläfen in einem separaten Raum etwas weiter hinten. Hier pflegte ich damals Mittag zu essen, hier zog ich mich mitten aus der Arbeit zu Gesprächen mit Headhuntern zurück, die mich kaufen wollten, hier war die Insel der Ruhe im reißenden Strom des Hypes. Und hier scheint die Zeit stehengeblieben zu sein. Nichts deutet darauf hin, dass es keinen Boom der New Economy mehr gibt, zumindest ist das, was von ihren Vertretern übrig geblieben ist, unverändert und scheinbar gewiss, dass sie nicht untergehen können.

Hmm. Sollte ich zurück? Mir ganz persönlich ist damals ja nichts Böses geschehen, ich sah nur, was um mich herum für Katastrophen passierten. Die Tür wird noch offen sein, wie zu vermuten steht.

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Montag, 11. Dezember 2006
Ein merkwürdiger Fragenkatalog
Ich greife mal ein Stöckchen auf, wobei der Begriff neo-links nicht der Meine ist und es sich bei dem so titulierten eigentlich um einen linksliberalen ganz außerhalb der üblichen Lager handelt, für den ich natürlich nicht sprechen kann :

Darf ein Neo-Linker das kubanische Regime verteidigen?

- Kommt drauf an, unter welchen Aspekten. Grundsätzlich schon.

Welche Ideen und Ziele haben Vorrang? Die eines Fidel Castros oder die eines George Washington?


- Die Frage ist falsch gestellt, weil sehr viele Ideen und Ziele eines George Washington, etwa Unabhängigkeit der nordamerikanischen Kolonien von Großbritannien, Abschaffung der Teesteuer usw. nicht mehr up-to-date sind.

Kann jemand ein Neo-Linker sein, der sich als “Bruder” und “Kampfgefährte” eines Judenhassers, Holocaustleugners und Faschisten bezeichnet?

- Nein.

Was hat für einen Neo-Linken einen wichtigeren Stellenwert? Soziale Sicherheit oder reale Freiheit?


- Beide Werte sind gleich wichtig, wenn es um Leben oder Tod geht gilt allerdings: Food First.

Ist Israel ein sog. Apartheidsstaat?

- Nicht zwingend seinem Wesen nach, aber wie es sich zur Zeit darstellt: Ja.

Darf sich ein Neo-Linker der Hilfe totalitärer Regime bedienen, um damit die “imperialistischen Staaten” zu besiegen?
- Eher nicht.


Sind die USA und Israel imperialistische Staaten?

- Ja.

Gibt es eine weltweite Verschwörung des internationalen Finanzkapitals und der imperialistischen Staaten gegen “den Rest der Welt”?


- Der Begriff Verschwörung gehört in den Bereich der eher reduktionistischen und populistischen Ideologien und trifft es daher nicht. Was es gibt, sind aus objektiven ökonomischen und historischen Verhältnissen sich ergebende Abhängigkeits- und Ausbeutungsstrukturen.

Trifft die Bezeichnung “Raubtierkapitalismus” zu?

- Ja.

Ist ein Neo-Linker ein Antisemit, wenn er sagt: “Die Juden haben Christus umgebracht und horten die Reichtümer der Welt.”

- Das ist eine antisemitische Aussage, sie ist aber nicht links.

Dulden Neo-Linke Antisemiten?

- Nein.
Ist es richtig Diktaturen, wie das Saddam-Regime, mit Waffengewalt zu stürzen?

- Grundsätzlich ja, und zwar hauptsächlich dann, wenn es durch die revolutionären Volksmassen geschieht, deren Erhebung im Irak 1991 mit Billigung der Siegermächte USA, GB und F von den Republikanischen Garden niedergeschlagen wurde.

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Zum Tod von Pinochet
schließe ich mich den Freudenfeiern von Santiago an.
Isabel Allende hat es auf den Punkt gebracht:

„Er wird in der Geschichte einen Platz neben Caligula und Idi Amin erhalten und sein Name wird für Brutalität und Ignoranz stehen.“

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Sonntag, 10. Dezember 2006
Soundwaves from New York
Danke, Booldog, für Deine wiederholten versehentlichen Anrufe, wegen denen ich nun genau den Sound der UBahnstationen und öffentlichen Toiletten von Big Apple kene!

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Gestiefelte Ladies
Alles, was in Berlin angesagt ist, wird zeitverschoben auch in der Provinz trendy. Vor zwei Jahren trugen in Berlin die Dorfschönen mehr oder weniger allesamt langschäftige und meist auch hochhackige Stiefel. Mittlerweile ist diese Mode auch in der Provinz angekommen und massenweise verbreitet. Ich finde ein schlankes Frauenbein in enganliegenden hohen Stiefeln ja einen sehr schönen Anblick; was mir weniger gefällt, ist allerdings die Stromlinienförmigkeit und Absolutheit, wie hier eine bestimmte Mode flächendeckend befolgt wird. Etwas Anderes amüsiert mich an der Sache. Vor etwa 10 Jahren waren hohe Damenstiefel, zumindest in Kombination mit kurzen Röcken, Hotpants und/oder Leggings bzw. Strumpfhosen, ein In-Outfit der Girlieszene, bzw. einer Subkultur, der vielleicht als linker Flügel der Girlieszene bezeichnet werden könnte und für die etwa die Hamburger Deutschrockband Die Braut haut ins Auge oder auch meine liebe Bloggerkollegin Netbitch repräsentativ sind. Nochmal 10 Jahre davor wurden solche Stiefel von professionellen Huren, der SM- der Biker- und der Metalszene getragen, und wir nannten sowas Schnellfickstiefel.


Und heute laufen all die braven Muttis und harmlosen Bürgertöchter in Schnellfickstiefeln umher.

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Noch´n Weihnachtslied
*Träller* Wenn ein Rentier nicht mehr rennt wie ein Tier, dann sind wir jenseits von Schweden.

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Der Norden haut drauf!
Tor, Tor, Tor, Tor!


Herzlichen Glückwunsch an Werder Bremen!

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Das antislamische Weihnachtslied
Kürzlich hörte ich auf NDR Info, neben Deutschlandradio Berlin und Radio 21 mein Leib- und Magensender, besonders auch in musikalischer Hinsicht (Wo sonst hört man eine Mischung aus Klaus Hoffmann, Ulla Meinecke, Jazz, Klezmer, Rai und Klassik) einen genialen Mindfuck. Das Lied "Heitschi bumbeitschi" sei im traditionell islamkritischen Bayern (vgl. "Kruzitürken") eine uralte Warnung vor dem islamischen Fundamentalismus. Eigentlich sei das eine bayerische Verballhornung des Bombenlegers, arabisch "Hadschi bombatschi", und "Heitschi bumbeitschi bumm bumm" heißt nichts weiter als"Kind, schlaf ein, sonst kommt der Selbstmordbomber und jagt Dich in die Luft."

Bierernst vorgetragen, selten so gelacht.

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Jubiläumsausgabe von Schrott
So sehr ich Don und den zentralen Kreis der DauerkommentatorInnen bei Rebellmarkt schätze, die dortige Begeisterung für "Tempo", von dem jetzt eine post-mortem-Jubiläumsedition erschienen ist, begreife ich nicht. Eine Zeitschrift, die weder innovativ war (Wiener, der Berliner Tip und die Göttinger Magazine Charakter und Hiero Itzo brachten den typischen Stil und die Hochglanzaufmachung schon Jahre vorher) noch eigentlich inhaltlich etwas zu bieten hatte. OK, eine paar spannende Einzelbeiträge (das Kühnen-Interview, der Beitrag "Systeme der Kraft" - Yoga, Tai Chi, Karate, TM im Leistungsvergleich, "Sex als Therapie"), aber im Großen und Ganzen war das doch ein Mode- und Musikmagazin für Popper bzw. Yuppies. Also überflüssig bis bekämpfenswert.

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Brennende Kliniken und Wohnheime in Russland
Bei einem Land, dessen Geheimdienst, vorsichtig gesagt, zumindest nicht ganz unverdächtig ist, Dissidenten mit Polonium zu vergiften, stellt sich mir die Frage: Ist das die Vernichtung der überflüssigen Esser? "Euthanasie" auf russisch? Zutrauen tät ich´s ihnen.

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Montag, 4. Dezember 2006
Zum Wahlsieg von Hugo Chavez
Nein, sympathisch ist er mir nicht. Bestimmte Elemente seiner Politik mißfallen mir sehr, seine Umarmung von Achmachdendschihad war widerlich. Dennoch denke ich, dass er für die Venezolaner der beste Präsident ist, den sie im Augenblick haben können, und ich halte seine antiimperialistische Politik gegenüber den USA für richtig. Insofern:


Congratulaions y mejores deseos!

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Sonntag, 3. Dezember 2006
Das Bambi muss längst erwachsen sein!
Bei der Bambi-Verleihung wurden wiedereinmal goldene Kitze verteilt. Diese Veranstaltung läuft doch schon zig Jahre - da müsste das Vieh doch eigentlich längst ein prachtvolles Geweih tragen :-)

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Meine Utopien
Meine erste politische Utopie hatte ich in der Pubertät, als wir uns in der Clique eine heile Ökowelt ausmalten, in der Städter massenweise zu kollektiv wirtschaftenden Subsistenzbauern werden, in den Städten selbst eine Mischung aus solarer Revolution und Pedalisierung stattfindet. Wir träumten, die Statusobjekte unserer Kumpels, die Roller und Enduros, würden durch Pedalräder ersetzt, die aber keine gewöhnlichen Fahrräder waren. Wir erfanden Velos (Liegefahrräder mit Chopperlenker und Bananensattel), Pedalos (Tandemvelos), Trikes (Dreiradvelos), Troikas (Dreiradpedalos) und Tridems. In dieser Welt, die aussah wie eine Mischung aus Republik Freies Wendland und Kristiania, gab es latürnich jede Menge gutes Zeug zu rauchen. Wir erfanden Ökotopia, ohne dieses Buch zu kennen, und nannten uns United Flower Power Bauers.

Meine zweite Utopie hatte ich zu Anfang meines Studiums, einen Anarchosozialismus, der am Katalonien des Spanischen Bürgerkriegs orientiert war und an der ukrainischen Machnotschina, besser gesagt, nicht an dem, was diese tatsächlich bedeutet hatten, sondern an Büchern: Enzensbergers "Der kurze Sommer der Anarchie", Orwells "Mein Katalonien", Arschinows und Wolins Büchern über die ukrainische Revolution. Gleichzeitig lehrte mich die Autonomie Neue Folge 1, dass nicht die Ayatollahs im Iran die Revolution gemacht hatten, sondern dass es sich um eine klassische proletarische Revolution gehandelt hatte, in der der Klerus dem Volk die Macht wiueder abgenommen und eine neue Diktatur errichtet hatte, wie dies in Russland seinerzeit die Schicht der kleinbürgerlichen Bürokraten getan hatte. Es schien das Schicksal von Revolutionen zu sein, verraten zu werden und despotische Ordnungen zu schaffen. In Nicaragua sahen wir allerdings einen in seinen Grundzügen durchaus demokratischen Sozialismus (der sich später als so demokratisch erwies, auch seine demokratische Abwahl hinzunehmen), den wir nach Kräften unterstützten. Eine Genossin ging als Brigadista nach Nicaragua, und wir lasen eine Weile Barricada International, wo auch über unsere Aktionen in Deutschland berichtet wurde. Diese Art Solidarität sollte sich fortsetzen, zu Kurdistan-Irak, zu Nigeria, zu Chiapas, zu Nordirland, zu bosnischen Flüchtlingen in Deutschland, und sie war nie theoretisch und abstrakt, sondern sehr handfest. Wir haben von Abschiebung bedrohte Asylbewerber versteckt, wir haben Abgeschobene zurückgeholt, zur Rettung einer Gefolterten beigetragen, Zerbombtes wiederaufgebaut, an Menschenrechtsdelegationen teilgenommen. Bei alldem blieb nicht viel Zeit, an utopischen Entwürfen zu basteln, und die Jammer-Anarchisten, die marxistischen Linken vorhielten, sie würden im Falle einer Revolution ein zweites Kronstadt anrichten (als ob es in den 1980ern und 90ern nicht Dringlicheres gäbe) oder die Rechtfertigungs-Marxisten, die immer noch unmenschliche Regime verteidigten fand ich gleichermaßen ziemlich lächerlich, um nicht zu sagen, ich verachtete sie. Einige Genossen allerdings vertraten eine sehr viel konkretere Utopie, die nicht die Meinige war, die ich aber interessant fand. Noch zu Zeiten der Antiatomraketen-Friedensbewegung meinten sie, man müsste dieser nach der Stationierung der Waffen einen neuen Drive geben, Richtung gesamtdeutscher Neutralismus. Die DDR würde früher oder später, eher früher als später, zusammenbrechen, daher müsste man den Bürgerlichen und den Rechten das Thema Deutsche Wiedervereinigung weg nehmen und von links mit Inhalt füllen: Blockfreies sozialistisches demokratisches Deutschland und Deutscher Friedensvertrag, Synthese beider Systeme, vielleicht ein Zwischending aus Schweden und Jugoslawien, radikal neutral (was in Antiimp-Sprech dann hieß "Der imperialistischen Kriegsmaschine die Standbeine Ramstein und RheinMainAirBase weghauen"). Wie gesagt, es war nicht meine Forderung und nicht meine Kampagne, ich fand es aber zumindest sehr nachdenkenswert. Der größte Teil der Szene reagierte darauf mit aufgeregter Aggression und bezeichnete diese realistischen Utopisten als rechte Uboote. Schließlich war das Thema verloren und wurde zur Domäne tatsächlicher Rechter wie Mechtersheimer.
Schade, den Aufkleber

"Keine fremden Truppen in Deutschland!
Keine deutschen Truppen im Ausland!"

hätte ich heute gerne auf meinem Auto.

Je mehr ich mich wissenschaftlich mit Politik auseinandersetzte, so weniger utopisch war mein eigenes politisches Denken, nicht bedingt durch die Wissenschaft, sondern durch die immer dystopischere politische Wirklichkeit. Geblieben ist bis heute aber Eines: die feste Überzeugung, dass man fast alles, was politisch so läuft, völlig anders und sehr viel besser machen könnte und müsste.

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Freitag, 1. Dezember 2006
Der Papst in der Moschee
Ich hatte den Benedikt vielleicht doch unterschätzt. Papst und Großmufti Seite an Seite das Gesicht gen Mekka betend, dieser Geste der Versöhnung ist von historischer Größe. Gut habe ich noch Brandts Kniefall vor der Gedenkstätte des Warschauer Ghettos in Erinnerung, der ja auch eine historische Wende einleitete. Ich halte es für möglich, dass wir da wieder angelangt sind.

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Donnerstag, 30. November 2006
Der einzig sinnvolle Freiheitsbegriff
In einem interessanten Thread formulierte Statler die Position, der Begriff der negativen Freiheit (Abwesenheit von Zwang) nach Isaiah Berlin sei der einzig sinnvolle Freiheitsbegriff:

https://che2001.blogger.de/stories/620170/#621401


Demgegenüber würde ich sagen, wenn ich mich schon auf einen "einzig sinnvollen" Freiheitsbegriff festlegen wollte (an sich mag ich keine einzigen Wahrheitenund keine absoluten Begriffe, weil ich lieber so frei bin, unterschiedliche Wahrheiten gelten zu lassen und in Facetten und Annäherungen zu denken), wäre das für mich der Begriff der Autonomie. Das ist ja das Thema, mit dem Jaspers, De Beauvoir, Benjamin, Horkdorno sich abgeplagt haben.

Autonomie bedeutet die reale Fähigkeit eines jeden Menschen (auch und gerade der Schwächsten in einer Gesellschaft), das eigene Leben so weit als möglich nach dem eigenen freien Willen zu gestalten. Voraussetzung dafür ist auch, dass der freie Wille sich überhaupt zu bilden vermag. In totalitären Systemen mit ihren Propagandaapparaten ist dies völlig unmöglich, aber der Spätkapitalismus mit seiner Beherrschung der Öffentlichkeit durch eine werbende Wirtschaft und die Simulation von Realität durch eine interessengeleitete Kulturindustrie ist da nicht viel besser, wenn wir Adorno, Sonntag und Postman folgen. Nach Adorno sind alle unfrei unter dem Anschein frei zu sein, kollektive Freiheitsberaubung wird als organisiertes Vergnügen geliefert, "Alles, was heute Komunikation heißt, ist nur der Lärm, der die Stummheit der Gebannten übertönt".

Zur Freiheit gehört auch die Freiheit von den Einflüsterungen der Bewusstseinsindustrie, in diesem Sinne ist der Mensch in der postmodernen Gesellscháft alles Andere als autonom.


Wie der große Meister Horkheimer sprach:

"Die soziologische Meinung, daß der Verlust des Halts in der objektiven Religion, die Auflösung der letzten vorkapitalistischen Residuen, die technische und soziale Differenzierung und das Spezialistentum in kulturelles Chaos übergegangen sei, wird alltäglich Lügen gestraft. Kultur heute schlägt alles mit Ähnlichkeit. Film, Radio, Magazine machen ein System aus. Jede Sparte ist einstimmig in sich und alle zusammen. Die ästhetischen Manifestationen noch der politischen Gegensätze verkünden gleichermaßen das Lob des stählernen Rhythmus. Die dekorativen Verwaltungs- und Ausstellungsstätten der Industrie sind in den autoritären und den anderen Ländern kaum verschieden. Die allenthalben emporschießenden hellen Monumentalbauten repräsentieren die sinnreiche Planmäßigkeit der staatenumspannenden Konzerne, auf die bereits das losgelassene Unternehmertum zuschoß, dessen Denkmale die umliegenden düsteren Wohn- und Geschäftshäuser der trostlosen Städte sind. Schon erscheinen die älteren Häuser rings um die Betonzentren als Slums, und die neuen Bungalows am Stadtrand verkünden schon wie die unsoliden Konstruktionen auf internationalen Messen das Lob des technischen Fortschritts und fordern dazu heraus, sie nach kurzfristigem Gebrauch wegzuwerfen wie Konservenbüchsen. Die städtebaulichen Projekte aber, die in hygienischen Kleinwohnungen das Individuum als gleichsam selbständiges perpetuieren sollen, unterwerfen es seinem Widerpart, der totalen Kapitalmacht, nur um so gründlicher. Wie die Bewohner zwecks Arbeit und Vergnügen, als Produzenten und Konsumenten, in die Zentren entboten werden, so kristallisieren sich die Wohnzellen bruchlos zu wohlorganisierten Komplexen. Die augenfällige Einheit von Makrokosmos und Mikrokosmos demonstriert den Menschen das Modell ihrer Kultur: die falsche Identität von Allgemeinem und Besonderem. Alle Massenkultur unterm Monopol ist identisch, und ihr Skelett, das von jenem fabrizierte begriffliche Gerippe, beginnt sich abzuzeichnen. An seiner Verdeckung sind die Lenker gar nicht mehr so sehr interessiert, seine Gewalt verstärkt sich, je brutaler sie sich einbekennt. Lichtspiele und Rundfunk brauchen sich nicht mehr als Kunst auszugeben. Die Wahrheit, daß sie nichts sind als Geschäft, verwenden sie als Ideologie, die den Schund legitimieren soll, den sie vorsätzlich herstellen. Sie nennen sich selbst Industrien, und die publizierten Einkommensziffern ihrer Generaldirektoren schlagen den Zweifel an der gesellschaftlichen Notwendigkeit der Fertigprodukte nieder.



Aber dafür sind Sprache und Gestik der Hörer und Zuschauer bis in Nuancen, an welche bislang keine Versuchsmethoden heranreichen, vom Schema der Kulturindustrie noch stärker durchsetzt als je zuvor. Heute hat sie die zivilisatorische Erbschaft der Frontier- und Untemehmerdemokratie angetreten, deren Sinn für geistige Abweichungen auch nicht allzu zart entwickelt war. Alle sind frei, zu tanzen und sich zu vergnügen, wie sie, seit der geschichtlichen Neutralisierung der Religion, frei sind, in eine der zahllosen Sekten einzutreten. Aber die Freiheit in der Wahl der Ideologie, die stets den wirtschaftlichen Zwang zurückstrahlt, erweist sich in allen Sparten als die Freiheit zum Immergleichen. Die Art, in der ein junges Mädchen das obligatorische date annimmt und absolviert, der Tonfall am Telephon und in der vertrautesten Situation, die Wahl der Worte im Gespräch, ja das ganze nach den Ordnungsbegriffen der heruntergekommenen Tiefenpsychologie aufgeteilte Innenleben bezeugt den Versuch, sich selbst zum erfolgsadäquaten Apparat zu machen, der bis in die Triebregungen hinein dem von der Kulturindustrie präsentierten Modell entspricht. Die intimsten Reaktionen der Menschen sind ihnen selbst gegenüber so vollkommen verdinglicht, daß die Idee des ihnen Eigentümlichen nur in äußerster Abstraktheit noch fortbesteht: personality bedeutet ihnen kaum mehr etwas anderes als blendend weiße Zähne und Freiheit von Achselschweiß und Emotionen. Das ist der Triumph der Reklame in der Kulturindustrie, die zwangshafte Mimesis der Konsumenten an die zugleich durchschauten Kulturwaren."


Der Mensch als Person gerät hierbei also unter völllige Heteronomie.

Ach ja, am Rande: Der Freiheitsbegriff bei Jiddo Krishnamurti ist ebenfalls eine diskutierenswerte Angelegenheit.

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Mittwoch, 29. November 2006
Habe ich was verpasst?
Zur CDU heißt es bei S & W: "Das ganze nach Freiheit gierende Wahlprogramm haben sie gleich zu Beginn der Koalitionsverhandlungen einfach vergessen."

- Nach Freiheit gierend? Hat die CDU die Einführung direkter Demokratie in ihrem Wahlprogramm gehabt, die Aufhebung der Residenzpflicht für Asylsuchende, die Einführung der paritätischen Mitbestimmung in allen Zweigen der Wirtschaft oder die Einbeziehung von Elternvertretungen und Schülerräten in die Gestaltung der Lehrpläne an den Schulen?

Was ich sehe, sind beabsichtigte Kürzungen sozialer Leistungen (welche die persönliche Freiheit der Leistungsbezieher durchaus einschränken), allgemeine Deregulierung und einige Vereinfachungen bürokratischer Abläufe, die in der großen Koalition nun so nicht umgesetzt werden. Abgesehen davon, dass Wahlprogramme immer Humtata just for the gallery sind, haben diese Dinge für mich mit Freiheit im Sinne menschlicher Emanzipation nichts zu tun.

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Dienstag, 28. November 2006
Gananath Obeyesekere
Diesem Großmeister ethnologischer Forschung (gerade wieder gelesen) sei gedankt für seine wunderschöne Formulierung " Der sogenannte Kannibalismus der Maori beschränkte sich doch in Wirklichkeit nur auf den Konsum von Europäern."

Akahiti pongi Briti, hiti hiti tonga tonga!

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Friedensperspektive für Nahost?
Geradezu selig muten die Zeiten des Osloer Abkommens an. Zum jüngsten Waffenstillstand lässt sich zynisch sagen: Ein bißchen Frieden für 120 Minuten, gemütlich laden, schon geht es weiter...

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Gerburg Treusch-Dieter ist gestorben
Eine große Dozentin, Vertreterin eines materialistischen Feminismus in Foucault´scher Tradition, ist gestorben. Ich kannte sie als kluge und informierte Diskutantin. Bei Lysis gibt´s einen Nachruf:

http://lysis.blogsport.de/2006/11/26/der-zerrissene-faden-der-ariadne/#more-301

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