Freitag, 24. Dezember 2021
Frohe Weihnachten!

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Donnerstag, 23. Dezember 2021
Gesünder kiffen
Cannabis-Legalisierung ohne Nebenwirkungen ? Suchtforscher erklärt, was wir von Kanada lernen können
Christian Beneker, Medscape


Der Cannabis-Verkauf an Erwachsene soll in Deutschland legalisiert werden ? so will es die Ampel-Koalition. Wie man dabei negative gesundheitliche Effekte minimieren kann, erklärt der Frankfurter Suchtforscher Prof. Dr. Heino Stöver im Gespräch mit Medcape. Wichtig seien zum Beispiel Aufklärungskampagnen, wie das Beispiel Kanada zeigt. Außerdem wird bislang Cannabis vor allem im Tabak-Joint geraucht ? er hält Vaporizer für die bessere Alternative.

Medscape : Herr Professor Stöver, Sie sehen die Abgabe von Cannabis an Erwachsene im Großen und Ganzen positiv. Aber sie kritisieren trotzdem den klassischen Joint. Warum?

Stöver: Wenn Cannabis nach der Freigabe für Über-18-Jährige vor allem als Verbrennungs-Joint ? das heißt gemischt aus Tabak und Cannabis ? konsumiert würde, wäre das natürlich ein Rückschritt, ein Wieder-Salonfähig-Machen des Rauchens. Denn das Verbrennen des Tabaks ist das Problem, weil erst dabei die kanzerogenen Stoffe freigesetzt werden. Dabei sollte das Rauchen, also die Verbrennung von Tabak, eigentlich aufhören!


Prof. Dr. Heino Stöver

Zudem sind wir bei den jungen Altersgruppen auch auf einem guten Weg. In der Altersgruppe der 12- bis 17-Jährigen zum Beispiel haben weniger als 7% in einer Befragung angegeben, in der letzten Woche vor der Befragung Tabak geraucht zu haben. Das ist nur ein Drittel dessen, was wir vor 20 Jahren hatten. Gleichzeitig ist der Anteil Jugendlicher, die noch nie zur Zigarette gegriffen haben, mit 82,7% auf ein Rekordhoch gestiegen.

Das ist phänomenal, die Jugendlichen haben die Botschaft der Suchtprävention verstanden! Auch bei jungen Erwachsenen im Alter von 18 bis 25 Jahren lässt sich ein ähnlicher Trend beobachten ? jedenfalls, was Tabak und ähnlich Alkohol betrifft. Diese Erfolge dürfen nicht gefährdet werden.

Medscape : Wie sollte Cannabis Ihrer Ansicht nach dann konsumiert werden?

Stöver: Die bekanntesten Alternativen zum Tabakkonsum sind das Verdampfen von Nikotin durch E-Zigaretten und das Erhitzen von Tabak in Tabakerhitzern. Um möglichst wenig Schadstoffen ausgesetzt zu sein, sollte daher auch beim Konsum von Cannabis eine Konsumform gewählt werden, die ohne die Verbrennung von Tabak auskommt.

Medscape : Und die wäre?

Stöver: Wenn wir schon legalisieren, dann sollten wir die Konsumenten aufklären darüber, was weniger schädliche Konsumformen sind. Und das sind ganz klar Cannabis-Vaporizer, also Geräte, die keine Verbrennung erlauben. Und: Es entstehen keine Schadstoffe bei der Inhalation. Das macht das Vaporisieren von Gras zur ersten Wahl gesundheitsbewusster Konsumenten und Cannabis-Patienten.

Wir müssen jetzt alles tun, um neben der neuen Gesetzgebung, die Cannabis für Erwachsene legalisiert, eine öffentliche Aufklärungskampagne zu fahren ? und zwar Kampagnen über die möglichen Risiken des Cannabis selbst, aber vor allem auch über die Gefahren des Tabakverbrennens in Joints!

In Kanada zum Beispiel wurden der Verkauf und der Genuss von Cannabis 2018 legalisiert. Parallel hat man dort so genannte Public-Awareness-Kampagnen gefahren. Dabei war immer klar: Nicht jeder brave Kiffer ist gut informiert darüber, was er da tut ? sondern die meisten von ihnen sind schlecht informierte Konsumenten. Sie und auch die breitere Öffentlichkeit in Kanada wurden über Risiken und Gefahren von Cannabis und über Alternativen zum Joint aufgeklärt.

Medscape : Was hat die Aufklärungskampagne gebracht?

Stöver: So, wie es aussieht, haben die Kanadier es ganz gut hinbekommen: Bei den Konsumenten ab 50 gab es zwar einen leichten Anstieg des Cannabis-Gebrauchs. Die Prävalenz des Cannabis-Konsums ist nur unwesentlich gestiegen ? einschließlich bei 16- bis 19-Jährigen. Hochrisikoverhalten wie Alter bei Erstkonsum und täglicher Konsum haben sich seit dem Cannabis Act nicht verändert. Ähnliche Entwicklungen erwarte ich auch für Deutschland.

Von den hohen Zahlen der Cannabis-Verbreitung ? auch vor der Legalisierung in Kanada ? sind wir bei uns glücklicherweise zwar noch meilenweit entfernt! Cannabis-Gebrauch ist aber auch bei uns längst in die Alltags-Kultur integriert. Dazu müssen wir uns positionieren. Und zwar so, dass durch die Legalisierung so wenige Schäden entstehen wie möglich.

Medscape : Wäre das Ganze nicht ein Massenexperiment mit unkalkulierbarem Ausgang?

Stöver: Ich persönlich glaube nicht, dass die Zahl der Cannabis-Konsumierenden nach der Legalisierung wesentlich ansteigen wird. Schon deshalb nicht, weil es vermutlich gewisse Hürden bei der Gesetzgebung geben wird: ein Altersnachweis zum Beispiel oder eine Registrierung als Konsument.

Auch die CDU-Mehrheit im Bundesrat wird das Gesetz zur Legalisierung nicht einfach so durchwinken. Wir werden wohl erst zum Ende der Legislaturperiode der Ampel-Koalition die ersten Konsumenten sehen, die im Cannabis-Fachhandel einkaufen werden. Zudem ist schon jetzt das Unrechtsbewusstsein bei Cannabis-Konsumierenden gering: Also jeder, der will, kann rauchen. Cannabis ist überall erhältlich.

Medscape : Ein Wort zu den E-Zigaretten, also zum Verdampfen verschiedener Liquids: Kritiker der E-Zigaretten sagen, dass es noch viel zu wenige Langzeitdaten gibt, um die Gefahren die Liquid-Verdampfung einzuschätzen ?

Stöver: Das ist natürlich richtig, und wir müssen hier viel mehr investieren, um gute Daten zu erhalten. Klar ist aber aus meiner Sicht auch: Der Vaporizing-Mechanismus ist sehr viel weniger gesundheitsabträglich als der Verbrennungsprozess von Tabak. Besonders für schwer Tabakabhängige ist die E-Zigarette eine gute Alternative.

Zudem wandelt sich hier die Debatte gerade: In Statements zum Beispiel der Deutschen Gesellschaft für Gefäßmedizin und Gefäßchirurgie (DGG e.V.) wird die Bedeutung der E-Zigaretten verstanden. Besonders bei schweren Rauchern, die vielfach und vergeblich versucht haben, das Rauchen aufzugeben. Ich spreche oft mit Pneumologen und Onkologen ? sie sehen täglich Patienten in den mittleren Lebensjahrzehnten, die wegen ihres Tabakkonsums kein größeres Lungenvolumen mehr haben und x-fach erfolglos versucht haben aufzuhören. Um die Lage dieser Patientinnen und Patienten nicht noch weiter zu verschlimmern, ist die E-Zigarette das Mittel der Wahl!

Etwas anderes ist es natürlich, wenn die E-Zigaretten zum Lifestyle gehören. Dann wurde das Zigarettenrauchen zwar aufgegeben, aber nur durch das E-Zigaretten-Dampfen ersetzt.

Medscape : Wie hoch ist denn der Suchteffekt durch E-Zigaretten?

Stöver: Wenn in den E-Zigaretten Nikotinliquid verdampft wird, was ja nicht immer der Fall ist, dann besitzt Nikotin natürlich ein hohes Abhängigkeitspotential. Nikotin ist allerdings nicht die Ursache für Frühsterblichkeit, sondern der Verbrennungsprozess des Tabaks.

Aber ähnlich den Verbrennungszigaretten können Menschen auch abhängig sein von Ritualen! Jede Abhängigkeit ist natürlich immer eine hohe Einschränkung und Bindung für Menschen.


Medscape : Die Weltgesundheitsorganisation WHO hält E-Zigaretten für noch schädlicher als Tabak-Zigaretten. Unter anderem, weil die Chemie-Cocktails der Liquids in den E-Zigaretten Diacetyl enthalten, einen Stoff, der die Lunge angreift. Wie kann man da E-Zigaretten empfehlen?

Stöver: Gegen diese WHO-Position gibt es massiven Widerstand! Es gibt zum Beispiel ein Papier, das 100 Wissenschaftler unterschrieben haben, in dem sie die WHO auffordern, die Entwicklungen der letzten Jahre einzubeziehen in ihre Empfehlungen.

Und dann muss man inzwischen sagen, dass die E-Zigarette zur Rauchentwöhnung so viel beigetragen hat wie bisher kein anderes Mittel. Dazu gibt es mittlerweile eine Reihe von Studien. Andere Mittel fallen dagegen sehr ab, Nikotinkaugummis etwa oder Pflaster und Sprays. Nikotinpflaster gelten als unsexy, für sie gehen nur wenige Raucher zum Arzt, um sie sich verschreiben zu lassen ? wie es ab dem kommenden Jahr bei uns möglich sein wird.

Medscape : Dürfte die Verbreitung der E-Zigarette die Verwendung von Cannabis-Verdampfern erleichtern?

Stöver: Ich denke schon, dass sich Vaporizer als weniger gesundheitsabträgliche Konsumform bei beiden Substanzen stärker durchsetzen werden.

Medscape : Wird Cannabis je sein Schmuddel-Image loswerden?

Stöver: Auf jeden Fall ist Cannabis in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Es ist schon längst dabei, sein Schmuddel-Image abzulegen. Ich erwarte, dass dieser Effekt durch die Legalisierung noch verstärkt wird.

Die Leute werden sich mehr trauen, bei Problemen auch Beratungsstellen, Ärzte und Psychiater aufzusuchen. Wenn die Ausgrenzung der Konsumenten erst vorbei ist, kann man offen über den Drogenkonsum sprechen und damit leichter aussteigen.

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24% weniger Hospitalisierungen mit Omikron; Ethikrat für Impfpflicht; 4. Impfung in Israel ? und vielleicht auch bei uns
Michael van den Heuvel, Medscape


Im Medscape-Corona-Newsblog finden Sie regelmäßig die aktuellen Trends zu Neuinfektionen und Belegung von Intensivstationen sowie eine Auswahl von klinisch relevanten Kurzmeldungen zur Pandemie.

Corona-Newsblog, Update vom 23. Dezember 2021
Heute meldet das Robert Koch-Institut 44.927 Neuinfektionen innerhalb der letzten 24 Stunden. Vor 1 Woche wurden 56.677 Positiv-Tests gemeldet. Die 7-Tage-Inzidenz sinkt auf 280,3 von 289,0 am Vortag. 425 weitere Menschen starben in Zusammenhang mit COVID-19 (Vorwoche: 522).

Dr. Ute Teichert, Vorsitzende des Bundesverbandes der Ärztinnen und Ärzte des öffentlichen Gesundheitsdienstes, rechnet ebenso wie RKI-Chef Prof. Dr. Lothar Wieler (wir berichteten) während der Feiertage mit einer Untererfassung von SARS-CoV-2-Infektionen. ?Verlässlich dürften die Zahlen erst wieder Anfang Januar sein?, sagt auch Teichert.

Als 7-Tage-Hospitalisierungsinzidenz nennt das RKI 4,57 Fälle pro 100.000 Einwohner, Stand 22. Dezember. Am Tag zuvor lag der Wert bei 4,73.

Laut DIVI-Intensivregister waren am 22. Dezember 4.474 Patienten in intensivmedizinischer Behandlung, sprich 89 weniger als am Vortag. Aktuell sind bundesweit 852 Betten im Low-Care- und 1.910 im High-Care-Bereich frei. Hinzu kommen 280 freie ECMO-Behandlungsplätze.

RKI: Aktualisierung der Risikobewertung von COVID-19

STIKO: Booster Shot schon nach 3 Monaten

Ethikrat: Impfpflicht ja, aber mit Einschränkungen?

Erste UK-Daten bestätigen 24% weniger Hospitalisierungen mit Omikron

Israel: Bald 4. Impfung für Bürger ? auch Deutschland denkt darüber nach

ZI: Analyse zu häufigen Vorerkrankungen bei Post-COVID

Daten aus Frankreich: Impfen schützt vor PIMS

AstraZeneca-Vakzin: Schutz nimmt unabhängig von Varianten rasch ab

RKI: Aktualisierung der Risikobewertung von COVID-19
Auf Twitter informiert das RKI über Neuerungen zur Einschätzung der Lage durch Omikron: Die Gefährdung werde ?als sehr hoch eingeschätzt. Es kann zu einer schlagartigen Fallzahl-Erhöhung & rascher Versorgungs-Überlastung kommen.? Im Detail sei das Risiko ?sehr hoch? für Ungeimpfte, ?hoch? für Genesene & Geimpfte mit Grundimmunisierung (2x geimpft) und ?moderat? für Geimpfte mit Auffrischimpfung (3x geimpft).

STIKO: Booster Shot schon nach 3 Monaten
Auch die STIKO hat ihre Empfehlungen aktualisiert. Auffrischungsimpfungen sollen vollständig Geimpften bereits nach 3 und nicht wie zuvor nach 6 Monaten angeboten werden. Dabei seien Personen mit höherem Risiko, schwer an COVID-19 zu erkranken, bevorzugt zu berücksichtigen, schreibt die STIKO. Beide mRNA-Vakzine seien hinsichtlich ihrer Wirkung als gleichrangig zu betrachten.

Israel: Bald 4. Impfung für Bürger ? auch Deutschland denkt darüber nach
Auch in Israel breitet sich Omikron rasant aus. Laut Medienberichten hat die Regierung deshalb beschlossen, Bürger über 60 Jahren und medizinische Fachkräfte ein 4. Mal zu impfen. ?Die israelischen Bürger haben als erste auf der Welt die 3. Impfdosis erhalten und wir führen weiter mit der vierten Impfung?, erklärt der Regierungschef Naftali Bennett. Er wies Krankenkassen an, entsprechende Vorbereitungen zu treffen.

?Wir werden eine 4. Impfung brauchen?, sagte Bundesgesundheitsminister Prof. Dr. Karl Lauterbach (SPD) zur Lage in Deutschland. Wahrscheinlich werde eine spezifische Varianten-Impfung gegen Omikron. Dafür seinen bereits 80 Millionen Impfdosen bei BioNTech bestellt worden, so Lauterbach. Er wisse allerdings nicht, wann sich die STIKIO mit dem Thema befasse.

ZI: Analyse zu häufigen Vorerkrankungen bei Post-COVID
Je länger die COVID-19-Pandemie dauert, desto mehr Patienten mit Long-COVID werden behandelt. Im 1. Quartal 2021 sind laut Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) rund 110.000 Patienten mit dem Post-COVID-Syndrom (ICD-Code U09.9!) behandelt worden. Das entspricht etwa 6% aller bis Ende 2020 an COVID-19 Erkrankten.

Patienten mit Long-COVID waren meist zwischen 40 und 65 Jahren alt. Sie hatten häufig Vorerkrankungen wie Rückenschmerzen (42%), arterielle Hypertonie (39%), Asthma bronchiale (16%), Fettstoffwechselstörungen (26%), Adipositas (19%) oder Diabetes (14%). Auch Depression (19%), somatoforme Störungen (19%) sowie Belastungs- und Anpassungsstörungen (13%) wurden genannt.

Daten aus Frankreich: Impfen schützt vor MIS-C
Zu den seltenen, aber gefährlichen Erkrankungen nach Kontakt mit SARS-CoV-2 gehört das Multisystemische Entzündungssyndrom bei Kindern (MIS-C, Multisystem Inflammatory Syndrome in Children). Es ist auf eine Überaktivierung des Immunsystems nach der Infektion mit dem Coronavirus zurückzuführen. Die meisten betroffenen Kinder haben keine Vorerkrankungen. Französische Wissenschaftler gingen der Frage nach, ob Impfungen gegen das Krankheitsbild schützen.

Ihre Auswertung verschiedener Datenquellen zeigt: Zwischen 15. Juni und 31. Oktober 2021 haben in Frankreich 76,7% aller Jugendlichen ab 12 mindestens 1 Dosis eines COVID-19-Vakzins erhalten, und 72,8% waren vollständig geimpft. Als Impfstoffe wurden BNT162b2 (Pfizer-BioNTech; >95%), mRNA-1273 (Moderna; <5%) und andere COVID-19-Vakzine (<1%) verwendet.

Vom 1. September 2021 bis 31. Oktober 2021 wurden in Frankreich insgesamt 107 Kinder mit MIS-C ins Krankenhaus eingeliefert, darunter 33 (31%) als impffähige Jugendliche. Jugendliche mit MIS-C waren im Median 13,7 (12,5-14,9) Jahre alt, 27 (81%) waren männlich und 29 (88%) wurden auf eine Intensivstation aufgenommen.

Von ihnen waren 0 vollständig geimpft, 7 hatten 1 Dosis mit einer medianen Zeit zwischen Impfstoffinjektion und MIS-C von 25 (17-37) Tagen erhalten und 26 waren nicht geimpft worden. Die Hazard Ratio für MIS-C betrug 0,09 (95%-KI 0,04-0,21; p<0,001) nach der 1. Impfdosis im Vergleich zu ungeimpften Jugendlichen. ?Diese Ergebnisse legen nahe, dass die COVID-19-mRNA-Impfung mit einer geringeren Inzidenz von MIS-C bei Jugendlichen verbunden war?, schreiben die Autoren.

AstraZeneca-Vakzin: Schutz nimmt unabhängig von Varianten rasch ab
Nach einzelnen Berichten über die abnehmende Effektivität des AstraZeneca-Vakzins (ChAdOx1 nCoV-19) stellte sich die Frage, welche Rolle Varianten dabei spielen. Forscher haben deshalb 2 große Kohorten retrospektiv ausgewertet. Sie verglichen Daten aus Schottland, wo zum Studienzeitpunkt Delta vorherrschend war, mit Daten aus Brasilien. Dort spielte Delta damals noch keine Rolle. Die Aufnahme in die schottische Kohorte begann am 19. Mai 2021, die Aufnahme in die brasilianische Kohorte am 18. Januar 2021. Die Nachbeobachtung dauerte in beiden Kohorten bis zum 25. Oktober 2021.

1.972.454 Erwachsene erhielten in Schottland und 42.558.839 in Brasilien 2 Dosen ChAdOx1 nCoV-19. Die Ratenverhältnisse (RR) für schweres COVID-19 stiegen nach 10-11 Wochen auf 2,01 (95%-KI 1,54-2,62), nach 14-15 Wochen auf 3,01 (2,26-3,99) und 5,43 (4,00-7,38) 18-19 Wochen nach der zweiten Dosis.

Das Ergebnis war in Brasilien ähnlich, mit RRs von 2,29 (2,01-2,61) nach 10-11 Wochen, 3,10 (2,63-3,64) nach 14-15 Wochen und 4,71 (3,83-5,78) 18-19 Wochen nach der zweiten 2.

In Schottland sank die Wirksamkeit des Impfstoffs von 83,7% (95% KI 79,7-87,0%) nach 2-3 Wochen auf 75,9% (72,9-78,6%) nach 14-15 Wochen und 63,7% (59,6-67,4) 18-19 Wochen nach der 2. Dosis. In Brasilien verringerte sich die Effektivität von 86,4% (85,4-87,3%) nach 2-3 Wochen auf 59,7% (54,6-64,2%) nach 14-15 Wochen und 42,2% (32,4-50,6%) nach 18-19 Wochen.

Damit sinke der Schutz unabhängig von der zum Zeitpunkt der Studie vorherrschenden Variante rasch, resümieren die Autoren. ?Es muss in Betracht gezogen werden, Personen, die ChAdOx1 nCoV-19 erhalten haben, eine Auffrischungsimpfung zukommen zu lassen.?

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Mittwoch, 22. Dezember 2021
1500 Leute auf einen Schlag im Niedersachsenstadion geimpft
So ist der Norden, immer konsequent;-)

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Elemente der Gegenaufklärung, heute: Scharlatane, Krisengurus und Covidiotenpriester
Mit prominenten Außenseitern der Biowissenschaften und Medizin versuchen die Querdenker Furore zu machen. Am prominentesten sind hierzulande Bhakdi und Wodarg, beides Exmediziner die schon lange außerhalb der wissenschaftlichen Diskurse stehen. Lieblingsautoren von Onlinemedien im Dunstkreis der FPÖ, Pegida, AfD und Vlaamse Belang sind außerdem Geert van den Bossche, Mike Yeadon und Astrid Stuckelberger. Grund genug, mich zunächst mit einem dieser Leute zu beschäftigen: Dem Herrn van den Bossche.

"Behauptung
Die aktuell eingesetzten Corona-Impfstoffe würden eine ?Immunflucht? und somit gefährlichere Mutationen des Coronavirus begünstigen. Diese seien daher unwirksam bei der Pandemiebekämpfung; Impfungen mit sogenannten ?NK-Zellen? seien dafür besser geeignet.
Aufgestellt von: Geert Vanden Bossche


Die Covid-19-Pandemie hat eine Schar von lautstarken Kritikern angezogen wie kaum etwas anderes in der jüngsten Vergangenheit. Sie sind alle nicht ohne wissenschaftlichen Hintergrund oder auch Verdienste, positionieren sich aktuell aber als mutige Aussenseiter, die aus der Mainstream-Herde ausbrechen, um die katastrophalen Folgen der öffentlichen Gesundheitsmassnahmen anzuprangern. Das jüngste Beispiel bietet der Belgier Geert Vanden Bossche, der kürzlich ein alarmierendes Manifest veröffentlichte. Darin stellt er eine Reihe falscher oder übertriebener Behauptungen über den Einsatz von Massenimpfungen auf und fordert die internationalen Gesundheitsbehörden auf, die Covid-19-Impfungen zu stoppen. Ansonsten drohe «eine globale Katastrophe ohnegleichen». Das ist beängstigend ? aber alles ziemlich falsch.

Antibiotikaresistenz ist nicht gleich Immunflucht
Vanden Bossche sagt über Impfstoffe, was bei Antibiotika durchaus zutrifft: Wenn sie übermässig eingesetzt werden, können Bakterien auf gefährliche Weise mutieren. Das ist Fakt. Beim Einsatz von Antibiotika überleben immer einige Bakterien, die zufälligerweise eine Mutation entwickelt oder ein Gen erworben haben, das sie gegen das Antibiotikum schützt. So entwickeln sie eine Resistenz gegen dieses Antibiotikum und können dann zum vorherrschenden Stamm werden. Solche resistente Bakterien-Stämme sind heute ein grosses Problem, sie machen Antibiotika wirkungslos. Vanden Bossche behauptet nun, dass das Gleiche mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 geschehen wird, weil die Impfstoffe unvollkommen seien. Dadurch werde das Virus trotz Impfung weiter von Mensch zu Mensch übertragen und habe so die Gelegenheit, zu mutieren bis eine gefährliche Variante entstehe.
«Völliger Unsinn ist das nicht», sagt Paul Offit, ein auf Impfstoffe und Immunologie spezialisierter Kinderarzt und Miterfinder des Rotavirus-Impfstoffs, in einem Faktencheck der McGill University. Bei der sogenannten Immunflucht verändern sich Oberflächenstrukturen des Erregers so, dass Antikörper, die bei Geimpften gegen das Ursprungsvirus noch wirksam waren, eine neue Variante schlechter bekämpfen können. Das Phänomen ist in der Corona-Variante, die zunächst in Südafrika aufgetreten war, sowie in der brasilianischen Variante, bereits aufgetreten.
Welche Coronavirus-Varianten sind derzeit die gefährlichsten?

Allerdings zeigen aktuelle Studien, dass die heute gebräuchlichen Sars-CoV-2-Impfstoffe auch gegen die britische Variante B.1.1.7 genügend wirksam sind.
Aber so oder so geht Vanden Bossches Argumentation von einer falschen Annahme aus: Antibiotikaresistenz und impfstoffbedingte Immunflucht sind nicht vergleichbar. Ein Impfstoff zeigt dem Körper einen kleinen Teil des Virus, so dass das Immunsystem neutralisierende Antikörper gegen das Virus bilden kann. Wenn allenfalls ein Mensch auf die Impfung nicht optimal reagiert, also zum Beispiel zu geringe Mengen Antikörper bildet, würde das Virus im Körper überleben und könnte sich dort verändern. Dabei könnte zufälligerweise eine bedenkliche Variante entstehen. Soweit liegt Vanden Bossche richtig. Aber bei einem Impfstoff, der zu einer hohen Zahl neutralisierender Antikörper führt, hat das Virus keine Möglichkeit, Varianten zu bilden.
Stellt sich also die Frage, ob uns die Covid-19-Impfstoffe niedrige oder hohe Werte an neutralisierenden Antikörpern geben. Obwohl noch nicht genau bekannt ist, welche Mengen an Antikörpern zur Abwehr von Covid-19 nötig sind, regen die zugelassenen Impfstoffe die Produktion von neutralisierenden Antikörpern in genügender Weise an, um für einen Impfschutz je nach Produkt im Bereich von achtzig bis 95 Prozent zu sorgen. Das heisst, von hundert geimpften Personen sind achtzig bis 95 vor der Krankheit geschützt. Bei anderen verhindert die Impfung zwar nicht die Infektion, aber doch einen schweren Verlauf oder gar den Tod. Eine Studie in der Fachzeitschrift The Lancet zeigte, dass Personen, die noch nie an Covid-19 erkrankt waren, nach einer einmaligen Gabe des Impfstoffs von Pfizer-Biontech ähnliche Mengen an Antikörpern bildeten wie Personen, die an Covid-19 erkrankt waren, aber noch nicht geimpft wurden. Eine Studie mit dem Moderna-Impfstoff zeigte eine hohe Zahl von neutralisierenden Antikörpern, die im Laufe der Zeit zwar leicht abnahmen, aber die bei allen Teilnehmern drei Monate nach der Auffrischungsimpfung erhöht blieben.
Aktuell sieht man denn auch in Ländern, die einen grossen Prozentsatz ihrer Bevölkerung geimpft haben, einen deutlichen Rückgang der Fälle und der Sterblichkeit. Auch in der Schweiz, wo besonders in der höchsten Altersklasse die Zahl der Infizierten ebenfalls deutlich zurück geht. Die Vorstellung Vanden Bossches, dass das Coronavirus einfach weiter von Mensch zu Mensch wandert und dass Impfstoffe nur schwere Erkrankungen verhindern, wird also durch die aktuell vorliegenden Daten widerlegt.

Auch «undichte» Impfstoffe bremsen eine Krankheit stark

Selbst wenn nach einer Covid-19-Impfung einige geimpfte Personen das Virus auf andere übertragen könnten, gibt es Hinweise darauf, dass die Impfstoffe die Ausbreitung der Krankheit wirksam eindämmen könnten. Dies zeigt Edward Nirenberg, ein Wissenschaftsblogger, der sich sehr ausführlich mit den Behauptungen von Vanden Bossche auseinandergesetzt hat. Er verweist auf die Marek-Krankheit, die durch ein Herpesvirus verursacht wird und in Hühnern eine Reihe von Gesundheitsproblemen, einschliesslich Krebs, auslöst. Es gibt zwar einen Impfstoff dagegen, aber im Laufe der Zeit sind neuere und virulentere Stämme des Virus entstanden. Wissenschaftler reden von einem «undichten» Impfstoff, der bei einem Huhn keine ausreichend gute Immunantwort auslöst. Trotzdem führte die Verwendung dieses «undichten» Impfstoffs bei Hühnern zu einem Rückgang der Häufigkeit der Marek-Krankheit um 99 Prozent.


Fortwährende Anpassung der Impfstoffe

Ein weiteres Argument Vanden Bossches Behauptung ist, dass die Impfstoffhersteller ihre Vakzine fortlaufend an neue Varianten anpassen können. Das tut man zum Beispiel beim Grippeimpfstoff, weil sich das Influenzavirus dauernd verändert. Er muss jedes Jahr neu formuliert werden, damit er zu den Viren passt, die in der nächsten Grippesaison voraussichtlich auftreten werden. Ähnlich verhält es sich, wenn eine neue Sars-CoV-2-Variante auftaucht, gegen die die aktuellen Impfstoffe allenfalls nicht mehr ausreichen. Die Impfstoffe werden angepasst, was natürlich keine sehr schnelle Lösung ist, aber es ist eine Lösung.
Gefahr von Mutation beim Nicht-Impfen viel grösser
Der Besorgnis Vanden Bossches über unvollkommene Impfstoffe, die es dem Virus erlauben zu mutieren, steht die viel grössere Gefahr gegenüber, dass das Virus in ungeimpften Menschen mutieren kann. Ohne Impfstoffe springen mehr Viren von Mensch zu Mensch und stellen leicht abweichende Kopien von sich selbst her. Dass unter diesen vielen Varianten auch gefährliche sind, ist nur schon aufgrund der Anzahl Möglichkeiten wahrscheinlicher, als wenn nur wenige Viren infolge eines «undichten» Impfstoffs mutieren.
Angeborenes und erworbenes Immunsystem sind nicht dasselbe.

Vanden Bossche hält die Impfungen auch aus einem anderen Grund für eher schädlich. Unser Immunsystem basiert auf zwei Strategien: Die eine ist die angeborene Immunantwort, die andere die erworbene. Das angeborene Immunsystem hat kein Erinnerungsvermögen. Es wird auch nicht stärker, wenn es mehrfach mit demselben Erreger konfrontiert wird. Im Vergleich dazu hat das erworbene Immunsystem ein eingebautes Gedächtnis. Es erinnert sich an Eindringlinge und bekämpft sie jedes Mal mit grösserer Kraft. Diesen Mechanismus machen sich Impfstoffe zunutze.
Vanden Bossche scheint ein grosser Fan des angeborenen Immunsystems zu sein und befürchtet, dass die Covid-19-Impfstoffe und sogar die Hygienemassnahmen unserem angeborenen Immunsystem bei der Bekämpfung des Coronavirus in die Quere kommen. Er behauptet, dass es dem angeborenen Immunsystem schade, wenn die Menschen während der Pandemie eingesperrt sind, denn es brauche den Kontakt mit Viren und Bakterien, um in Topform zu bleiben. Dies ist ein schlechtes Argument. Denn selbst wer zuhause bleibt, ist fortwährend Erregern ausgesetzt: Das Essen ist nicht steril. Auch nicht der Staub, den man einatmet, das Wasser, das man trinkt. Wir sind permanent Mikroorganismen ausgesetzt. Das angeborene Immunsystem hat also immer etwas zu tun. Und wie gesagt, an einen wiederkehrenden Erreger erinnert es sich ohnehin nicht.

Das Argument mit der angeborenen Immunität ist beliebt in Wellness-Kreisen, die auf «Natürlichkeit» schwören. Doch bloss mit gesunder Ernährung, Sonnenbaden und Waldspaziergängen kann man das Immunsystem nicht für die Abwehr von Sars-CoV-2 fit machen.

Allerdings sieht Vanden Bossche die Lösung nicht in langen Spaziergängen, sondern in einem angeblich neuartigen Impfstoff, der auf das Training des angeborenen Immunsystems abzielt.
Einer der Zelltypen dieses angeborenen Immunsystems sind die Killerzellen. Diese will Vanden Bossche mit einem eigenen, neu entwickelten Impfstoff gegen Sars-CoV-2 fit machen. Das ist vorerst eine These. Ob eine Killerzellen-Impfung funktioniert, belegt Vanden Bossche nicht.

Wie sollen Gesundheitsbehörden entscheiden?
Wenn in dieser Diskussion nun Entscheidungsträger des öffentlichen Gesundheitswesens vor die Wahl gestellt werden: Sollen sie den apokalyptische Warnungen Vanden Bossches glauben und alle Covid-19-Impfungen stoppen, oder den Warner ignorieren und den bisherigen Beweisen der Impfstoffforschung vertrauen?

In ersten Fall würden sie Vorsichtsmassnahmen und Impfungen abschaffen und dem Virus erlauben, sich ungehindert in der Bevölkerung auszubreiten, immer mehr Menschen zu töten und viele Opfer mit langfristigen gesundheitlichen Folgen zu hinterlassen. Während sich das Virus ausbreitet, mutiert es und es tauchen neue, gefährliche Varianten auf. Und vielleicht validiert Vanden Bossche dann irgendwann eine neue Art von Impfstoff, der auf eine völlig andere Art und Weise funktioniert. Vielleicht.

Im zweiten Fall werden so viele Menschen wie möglich geimpft, Infektionen und Todesfälle gehen zurück. So wie es aktuell zu beobachten ist. Und wenn in diesem Fall neue bedenkliche Varianten auftauchen, die dem durch die Impfstoffe gewährten Schutz entgehen, passen die Impfstoffhersteller die Vakzine den neuen Varianten an.

Diese Strategie basiert auf Impfstoffen, die auf den adaptiven Teil unseres Immunsystems abzielen ? das gleiche Prinzip, mit dem die Pocken ausgerottet wurden, sowie Polio und Masern im Schach gehalten werden. Bei der Abwägung dieser beiden Möglichkeiten besteht wohl kein Zweifel, wie sich die Gesundheitsbehörden entscheiden.

Seit 25 Jahren nicht mehr wissenschaftlich publiziert

Auch wenn viele wissenschaftliche Argumente gegen die Apokalypse des Geert Vanden Bossche und seine unbelegte Lösung sprechen, lohnt es sich trotzdem noch, einen Blick auf ihn als Person zu werfen.
Vanden Bossche ist ein Veterinärmediziner, der auch einen Doktortitel in Virologie hat. Auf seiner Website listet er mehrere Jobs in höheren Managementpositionen auf, darunter eine dreijährige Tätigkeit als Senior Program Officer für die Impfstoffentwicklung bei der Bill and Melinda Gates Foundation. Er ist also kein Unbekannter in Sachen Impfstoffe. Jedoch enden seine akademischen Veröffentlichungen 1995, mit Ausnahme eines Artikels aus dem Jahr 2017 über seine Idee eines natürlichen Killerzellen-Impfstoffs. Dieser erschien in einer Zeitschrift, die zu einer Verlagsgruppe, der OMICS Group Inc, gehört, die als «räuberisch» bezeichnet wird ? das heisst, der Autor bezahlt dafür, dass sein Text publiziert wird. Ausserdem hat die Federal Trade Commission den Verlag betrügerischer Praktiken verklagt.

Apokalyptische Sprache, unwissenschaftliche Kanäle

Skeptisch stimmt auch die apokalyptische Sprache Vanden Bossches. Der selbsternannte Kämpfer für die Wahrheit schreibt und sagt Dinge wie: «Hören Sie auf meinen Schrei der Verzweiflung.»
Oder: «Ich fordere die WHO dringend auf, mich an ein öffentliches, wissenschaftliches Hearing einzuladen.»
Da muss man sich fragen, warum veröffentlicht er einen Aufruf an die WHO auf einer privaten Website und als Youtube-Video? Warum nicht auf einem wissenschaftlichen Kanal?
Die Antwort jener, die ihm Glauben schenken, geht schnell in die Richtung, dass der arme Mann eben von der Wissenschaftscommunity und der Weltgesundheitsorganisation gemobbt wird. Und schnell ist auch Galileo Galilei zur Stelle. Der am Schluss ja auch recht bekommen hatte.
Doch eben: Galileis These, dass die Erde um die Sonne kreist und nicht umgekehrt, konnte von anderen Wissenschaftlern überprüft werden und hat sich als richtig erweisen.
Wer hört ihm warum zu?
Nein, Angst machen braucht uns die Weltuntergangsprophezeiung des Geert Vanden Bossche nicht. Vielmehr müssen wir uns fragen, warum die Impfkritiker die ganze Fachliteratur ignorieren oder als Lüge abtun, gleichzeitig aber der selbstgefälligen Inszenierung eines Aussenseiters so viel Glauben schenken.


Ralf Bartenschlager ist Leiter der Abteilung für Molekulare Virologie an der Uniklinik Heidelberg und Präsident der Gesellschaft für Virologie. Er gibt ein ganz grundsätzliches Problem bei den Thesen von Geert Vanden Bossche zu bedenken: ?Es wird immer wieder der Eindruck erweckt, das Virus könne denken.?
Das sei aber gerade dann, wenn es um Mutationsvorgänge gehe, eine irreführende Sicht. Denn bei Mutationen handele es sich um Fehler bei der Vermehrung des Virus. Diese Fehler seien ?rein zufällige Ereignisse?. Einige davon könnten dem Virus besser dabei helfen, sich zu vermehren, andere könnten ihm aber auch schaden. ?Das Virus denkt sich nicht aus, wie es sich besser ausbreiten könnte, das ist ein reines Zufallsereignis als Ergebnis von zufälliger Mutation und entsprechender Selektion?, so Bartenschlager.
Mutationen seien immer dann zu erwarten, ?wenn sich das Virus ungehindert verbreiten kann? es also ?eine geringe gesellschaftliche Immunität? gebe, erklärt Carsten Watzl. Er ist Leiter des Fachbereichs Immunologie am Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der Universität Dortmund und Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie. Diese Immunität sei aber durch Impfungen zu erreichen, insofern verhinderten die Impfungen sogar die Entstehung von neuen Mutationen. Vanden Bossches These, dass das Impfen zu gefährlicheren Mutationen führe, sei somit falsch.
Diese Sicht vertritt auch Virologe Björn Meyer vom Institut Pasteur in Paris, das zu Infektionskrankheiten forscht. Die Impfungen sorgten dafür, dass Menschen eine starke Immunität entwickelten, so sei dann auch ?die Hürde für Viren zu hoch, diese durch Mutationen zu überkommen.? Mutationen seien dann zu erwarten, wenn die Immunität ?eher schwach? sei und nicht ausreiche, um ?das Virus zu neutralisieren?.
Darüber, dass eine zu schwache Immunantwort oder zu schwache Impfstoffe eine Immunflucht begünstigen könnten, berichtete im Januar auch die Deutsche Welle.
Wie wahrscheinlich ist eine Mutation, die zur ?Immunflucht? führt?
Aktuell führt das RKI drei ?besorgniserregende SARS-CoV-2-Virusvarianten? auf, die besonders übertragbar oder ansteckend sind, oder der natürlichen Immunantwort besonders gut entgehen können: die britische Variante (B.1.1.7), die südafrikanische Variante (B.1.351) und die brasilianische Variante (P.1). Diese Varianten sind im September, Oktober und November 2020 erstmals nachgewiesen worden, also vor Beginn der ersten Covid-19-Impfungen.
Von diesen drei Virusvarianten konnte sich die britische bisher am stärksten in Deutschland durchsetzen. Laut eines Berichts des RKI war sie für 88 Prozent der Neuinfektionen in der Woche vom 22. bis 28. März 2021 verantwortlich. Diese Variante ist laut RKI vor allem ansteckender und vermehrungsfähiger, es gebe aber keine Hinweise darauf, dass die Wirksamkeit der bisher zugelassenen Impfstoffe gegen die Variante ?substantiell verringert? sei.
Molekularvirologe Bartenschlager erklärt die starke Verbreitung der britischen Variante mit der Tatsache, dass dass sie wesentlich effizienter übertragen werde. Eine Variante mit Immun-Escape (Immunflucht) habe in Deutschland bisher kaum einen Reproduktionsvorteil, weil in Deutschland bisher nur ein Teil der Menschen geimpft sei bzw. die Infektion durchgemacht habe. Die meisten Menschen in Deutschland hätten also keine Immunität, weshalb sich Varianten, die keine Immunflucht machen, genauso gut ausbreiten wie Varianten, die der Immunantwort entkommen.
Das sieht auch Marco Binder, Leiter der Forschungsgruppe ?Dynamik der Virusreplikation und der angeborenen antiviralen Immunantwort? am Deutschen Krebsforschungszentrum so: ?Aktuell dürfte das SARS-CoV-2 keinem extrem starken Selektionsdruck unterliegen, da es sich ja bereits hervorragend verbreitet.?
Wie wahrscheinlich sind noch gefährlichere Mutationen?
Das Auftreten von neuen Varianten von SARS-CoV-2, die der Immunantwort komplett entkommen, hält Virologe Bartenschlager aus mehreren Gründen für eher unwahrscheinlich. Einerseits sei zu beobachten, dass die Antwort des Immunsystems, die durch eine Impfung ausgelöst werde, in aller Regel besser sei, als nach einer natürlichen Infektion. Somit würden ?auch die Virusvarianten durch eine Immunisierung nach einer Impfung besser erfasst als nach einer vorher durchgemachten Infektion?.


Andererseits sei die Mutationsfähigkeit des Coronavirus begrenzt. Das könne man zum Beispiel daran erkennen, dass funktionsfähige Mutanten mit bestimmten Schlüsselmutationen, wie sie etwa in der britischen oder südafrikanischen Variante zu finden seien, an verschiedenen Orten auf der Erde unabhängig voneinander entstanden seien. ?Bisher sehen wir über die bekannten Varianten hinaus eigentlich keine, die einen noch stärkeren Immun-Escape machen?, sagt Bartenschlager. Seine optimistische Einschätzung sei, dass man bereits viele mögliche Virusmutationen gesehen habe, auch wenn nicht vorhersehbar sei, ob über einen längeren Zeitraum hinweg doch noch stärkere Immun-Escape Varianten entstehen könnten.


Auch Marco Binder erklärt, dass vor allem das Spike-Protein, mit dem das Virus an die Zellen im menschlichen Körper andockt, bereits sehr gut angepasst sei. Eine Studie (hier oder hier) spreche dafür, dass ?die aktuellen Varianten schon fast das Optimum? der Anpassung erreicht hätten. Er glaube nicht, dass sich dieser Bestandteil des Virus ?noch deutlich verbessern ließe?. Das Immunsystem greift das Virus außerdem an so unterschiedlichen Stellen an, ?dass ein gleichzeitiger Escape all dieser Angriffspunkte unwahrscheinlich? sei.


Coronavirus kann nur begrenzt mutieren
Die Mutationsfähigkeit von SARS-CoV-2 sei auch deswegen geringer als bei anderen RNA-Viren, erklärt Ralf Bartenschlager, weil das Coronavirus ein großes Genom habe. Das heißt, dass die Erbinformation des Virus in einer großen Sequenz vorliegt. Das habe aber einen Nachteil: ?Je größer das Genom ist, desto genauer muss dessen Reproduktion sein.?
Würden bei der Genomvervielfältigung zu viele Fehler gemacht, also zu viele Mutationen entstehen, bestünde die Gefahr, dass dieses Genom nicht mehr funktionsfähig sei. Teilweise seien mehrere Mutationen notwendig, um eine Virusvariante mit neuen Eigenschaften hervorzubringen. Damit sinke aber auch die Wahrscheinlichkeit, dass eine solche Mutante auftrete.

Aktuell sei es vor allem wichtig, mit den Impfungen voranzukommen. Diese seien auch gegen die aktuellen Virusvarianten effektiv und verhinderten entweder die Infektion oder zumindest schwere Krankheitsverläufe. Insbesondere die mRNA-Impfstoffe seien ?schnell anpassbar, so dass man auch gegen neue Virusvarianten? immunisieren könne, betont Ralf Bartenschlager.
Insgesamt ergibt sich aus den Antworten der von uns befragten Experten: Ja, das Coronavirus steht durch die Impfungen unter einem gewissen Selektionsdruck, was die Ausbreitung von Virusvarianten mit Immunflucht begünstigen könnte. Aber das bedeutet nicht, dass die aktuellen Impfstoffe gefährliche Mutationen begünstigen oder unwirksam seien. Einig sind sich die Experten darin, dass die aktuelle Impfkampagne alternativlos sei ? selbst wenn Impfstoffe gegen einige Mutationen weniger wirksam sein könnten, verhinderten sie dennoch nach aktuellem Wissensstand schwere Verläufe der Erkrankung.


Wer ist Geert Vanden Bossche?
In den Medienberichten, die die Behauptungen Vanden Bossches aufgreifen, wird immer wieder darauf hingewiesen, dass er bei namhaften Unternehmen und Stiftungen gearbeitet habe und daher ein Experte im Bereich der Impfstoffentwicklung sei.
Auf der Seite Connectiv Events heißt es beispielsweise, Vanden Bossche sei ?Entwickler von Impfstoffen?, außerdem ?ehemaliger Mitarbeiter bei der globalen Impfvereinigung Gavi? und beim Unternehmen Novartis. Er habe außerdem für die Bill and Melinda Gates Foundation gearbeitet und sei ein ?ausgewiesener Experte?. Alle Angaben finden sich auch im Lebenslauf des Belgiers, den er auf seiner Homepage veröffentlicht hat.

Alle genannten Stiftungen und Unternehmen bestätigten CORRECTIV.Faktencheck, dass Vanden Bossche tatsächlich für sie gearbeitet habe. Einzig das Unternehmen Novartis wies darauf hin, dass man aus datenschutzrechtlichen Gründen keine Auskunft erteilen könne.

Die internationale Impfallianz Gavi schrieb uns, Vanden Bossche habe zwar von März 2015 bis März 2016 für die Allianz gearbeitet, er sei jedoch Koordinator eines Ebola-Impfprogramms gewesen. Mit der Entwicklung von Impfstoffen habe er nichts zu tun gehabt."

zitierte Quellen: https://www.higgs.ch/der-weltuntergang-gemaess-geert-vanden-bossche/41988/

https://correctiv.org/faktencheck/2021/04/21/beguenstigen-impfungen-corona-mutationen-wissenschaftler-widersprechen-den-behauptungen-von-geert-vanden-bossche/

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Meister Hideyoshi Tanaka
Shorin Meister Tanaka saß in einem Resraurant und speiste zu Abend. Außer ihm waren nur noch drei Gäste anwesend, an ihrer gleichförmigen Tätowierung als Yakuza-Mitglieder erkennbar. Einer von ihnen baute sich vor dem Meister auf und fragte: "Alter Mann, was glaubst du, wie lange du noch lebst?" "Wissen kann das niemand, aber ich rechne mit einer langen Zeit." "Dann solltest Du dich von deinem Geld erleichtern."
Meister Shorin Tanaka sagte gar nichts, sondern aß weiter. Eine Fliege summte an ihm vorbei. seine Eßstäbchen zuckten nach oben, und ohne hinzusehen, zerquetschte er die Fliege zwischen ihren Spitzen. Dann nahm er das Santokumesser, welches neben seinem Teller lag, und warf es mit einer beiläufigen Bewegung an einen der hölzerne Türpfosten. Die Klinge bohrte sich tief in das massive Teakholz. Meister Tanaka wischte die Eßstäbchen sauber und setzte seine Mahlzeit schweigend fort. Er brauchte nicht aufzublicken, um zu wissen, dass die drei Räuber gegangen waren.
Der beste Kampf ist der, der nicht stattfindet.

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Selbstverständlich?
Ein Mann sitzt mit seinem 17-jährigen Sohn im Zug.
Mit großen Augen schaut der junge Mann aus dem Fenster und fragt: ?Papa, ist das eine Kuh?? Der Vater lächelt und antwortet: ?Ja, mein Sohn.? Aufgeregt spricht der Junge weiter: ?Papa, diese Blume ist eine Sonnenblume, oder??
Die Antwort lautet wieder: ?Ja, mein Sohn.« Viele weitere Fragen folgen:
?Papa, ist das ein Lastwagen? ? eine Tanne? ? ein Hubschrauber? ? ein hoher Berg ???
Stets folgt dieselbe Antwort: ?Ja, mein Sohn.? Zwischendurch zeigt der Vater in eine Richtung und sagt: ?Schau, mein Sohn, der Vogel ist ein Bussard, dieser Baum ist eine Eiche und dort ist ein Rapsfeld ??

Ein Fahrgast, der den beiden gegenübersitzt, spricht den Vater nach einer Weile an:
?Bei allem Respekt, das Verhalten Ihres Sohnes ist doch sehr merkwürdig.? Gereizt weist er ihn darauf hin, dass es heutzutage doch sehr gute Kliniken für Fälle ?wie diesen? gäbe und die Medizin in alle Richtungen große Fortschritte mache. Der Vater unterbricht ihn: ?Wie recht Sie doch haben!?, ruft er und fährt freundlich fort: ?Von solch einer Fachklinik kommen wir gerade. Mein Sohn hat vor zwölf Jahren sein Augenlicht verloren und kann seit wenigen Tagen wieder sehen.?

Sichtlich beschämt senkt der Mann den Blick. Nach einer Weile wendet er sich dem Jungen zu: ?Junger Mann, ich muss mich bei Ihnen entschuldigen.? Und nach einer Pause sagt er noch: ?Und ich möchte mich bei Ihnen bedanken. Sie haben mir eben aufgezeigt, dass ich vieles Wertvolle im Leben gar nicht mehr wahrnehme, weil ich es für selbstverständlich gehalten habe.

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Montag, 20. Dezember 2021
Corona am 20.12.2021
Michael van den Heuvel, Medscape


Heute meldet das Robert Koch-Institut 16.086 Neuinfektionen innerhalb der letzten 24 Stunden. Vor 1 Woche waren es noch 21.743 Positiv-Tests. Die 7-Tage-Inzidenz steigt wieder leicht auf 316 von 315,4 Fällen pro 100.000 Einwohner am Vortag. Weitere 119 Menschen sind in Zusammenhang mit COVID-19 gestorben (Vorwoche: 116).

Als 7-Tage-Hospitalisierungsinzidenz nennt das RKI 5,10 Fälle pro 100.000 Einwohner, Stand 17. Dezember. Am Tag zuvor lag der Wert bei 5,17.

Laut DIVI-Intensivregister waren am 19. Dezember 4.621 Patienten in intensivmedizinischer Behandlung, sprich 28 weniger als am Vortag. Aktuell sind bundesweit 933 Betten im Low-Care- und 1.826 im High-Care-Bereich frei. Hinzu kommen 279 freie ECMO-Behandlungsplätze.

Krankenhäuser rechnen mit dem Schlimmsten

Expertenrat der Bundesregierung: Impfungen und Booster allein reichen nicht

Bund und Länder unter Zugzwang

EMA empfiehlt Nuvaxovid zur Zulassung

London ruft erneut den Katastrophenfall aus

USA: Biden rät zu Auffrisch-Impfungen

Omikron verbreitete sich früher als erwartet ? neue Daten aus Dänemark

Omikron: Resistenz gegen Antikörper ? aber weitgehend erhaltene T-Zell-Antwort

Virustatika auch gegen Omikron effektiv

Krankenhäuser rechnen mit dem Schlimmsten
Die Infektionszahlen haben sich derzeit ? auf hohem Niveau ? stabilisiert. Kein Grund zur Entwarnung: Da Omikron sehr viel ansteckender ist als Delta und wenn sich bestätige, dass die Verläufe ähnlich schwer seien, werde man es im schlimmsten Fall mit einer großen Zahl gleichzeitig schwer erkrankter Patienten zu tun haben, warnte Dr. Gerald Gaß gegenüber dpa.

Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft weiter: ?Für die Krankenhäuser wäre dies eine weiter verschärfte Lage, die über all das hinausgeht, was wir bisher erlebt haben.? Von der Bundespolitik fordert Gaß Erkenntnisse zu Omikron aus anderen Ländern ?sehr sorgfältig? zu analysieren und ? falls erforderlich ? ?sehr frühzeitig? mit Kontaktbeschränkungen gegenzusteuern.

Grund zur Sorge geben laut Prof. Dr. Christian Drosten von der Charité Universitätsmedizin auch die vielen Ungeimpfter oder nicht Genesenen über 60. Zuvor hatte Christian Endt, Daten-Journalist bei ZEIT online, aufgrund einer Datenauswertung aus Deutschland, unter anderem mit Daten des RKI, vor einem raschen Anstieg der Fallzahlen schon ab Weihnachten gewarnt: ?Da kommt keine Welle, da kommt eine Wand?. ?Ich stimme mit diesem Thread und Artikel vollkommen überein?, so Drosten.




Expertenrat der Bundesregierung: Impfungen und Booster Shots allein reichen nicht aus
Was bedeutet dies für uns alle? Am 19. Dezember haben alle Mitglieder des neuen Corona-Expertenrats der Bundesregierung einstimmig ihre Empfehlungen zu Omikron verabschiedet. Alles in allem sehen die Berater auf das Gesundheitssystem und auf weitere kritische Infrastrukturen eine hohe Belastung zukommen, der derzeitige Eindruck einer nachlassenden Infektionsgefahr sei falsch.

?Die aktuell sinkenden Inzidenzen werden von weiten Teilen der Gesellschaft und Politik als Zeichen der Entspannung wahrgenommen?, heißt es im Papier. Über die Feiertage könne es zudem zu einer Meldeverzögerung kommen. Doch zeigten erste Studienergebnisse, dass der Impfschutz rasch nachlasse ? auch wenn Booster-Impfungen die Immunantwort wieder verbessern könnten. ?In Deutschland ist jedoch aufgrund der vergleichsweise großen Impflücke, die insbesondere bei Erwachsenen besteht, mit einer sehr hohen Krankheitslast durch Omikron zu rechnen?, warnen die Experten. Aktuell liege die Verdoppelungszeit von Omikron in Deutschland zwischen 2 und 4 Tagen; Auffrischungsimpfungen und Quarantänemaßnahmen ? aber auch Kontaktbeschränkungen ? könnten zwar die Ausbreitung verlangsamen.

Aber: ?Es müssen in den kommenden Tagen Vorkehrungen für die ersten Monate des Jahres 2022 getroffen werden, und zwar auf politischer und organisatorischer Ebene?, schreiben sie. ?Eine schnelle politische Handlungsfähigkeit muss zu jedem Zeitpunkt auch während der Feiertage gewährleistet sein.? Vor allem gelte es die kritische Infrastruktur zu schützen ? und dafür bereits jetzt zu planen. ?Aus dem geschilderten Szenario ergibt sich Handlungsbedarf in den nächsten Tagen.?

Bund und Länder unter Zugzwang
Am morgigen Dienstag werden nun Bund und Länder über weitere Maßnahmen beraten. Weitere Kontaktbeschränkungen gelten als wahrscheinlich, wahrscheinlich aber erst nach den Feiertagen.

Laut dpa geht es dabei auch um Maßnahmen bei Einreise aus Virusvariantengebieten. ?Die Einreise sicherer zu machen, hilft, damit sich die Omikron-Variante nicht so schnell ausbreitet?, erklärt Prof. Dr. Karl Lauterbach (SPD). Dennoch macht der neue Bundesgesundheitsminister klar: ?Wir müssen davon ausgehen, dass die Omikron-Welle, vor der wir stehen, die wir aus meiner Sicht nicht verhindern können, eine massive Herausforderung wird für unsere Krankenhäuser, für unsere Intensivstationen, aber auch für die Gesellschaft in der Gänze.?

Und Klaus Holetschek (CSU), Bayerns Gesundheitsminister, bestätigt: ?Wir müssen die Ausbreitung von Omikron so lange wie möglich verhindern und maximal verlangsamen, damit sich noch mehr Menschen impfen lassen können.? Die Planungen sehen vor, dass Personen, die sich in den 10 Tagen vor der Einreise nach Deutschland in einem Virusvariantengebiet aufgehalten haben, einen negativen PCR-Test benötigen. Antigen-Schnelltest sollen dafür nicht mehr ausreichen.

In vielen Bundesländern werden 2G-oder 2G-Plus-Regeln und die Pflicht, FFP2-Masken zu tragen, immer stärker ausgeweitet. Niedersachsen hat als bislang erstes und einziges Bundesland zwischen Heiligabend und 2. Januar die höchste Warnstufe 3 ausgerufen und zahlreiche Regeln erlassen. Der Verkauf von Feuerwerk soll zum 2. Mal in Folge deutschlandweit verboten werden. Nach Zustimmung des Bundestages hat der Bundesrat hier das letzte Wort.

EMA empfiehlt Nuvaxovid zur Zulassung
Die EMA hat die Erteilung einer bedingten Zulassung für den COVID-19-Impfstoff Nuvaxovid® (auch bekannt als NVX-CoV2373) von Novavax zur Vorbeugung von COVID-19 bei Menschen ab 18 Jahren empfohlen.

Es handelt sich um einen proteinbasierten Impfstoff, der zusammen mit den bereits zugelassenen Impfstoffen die Impfkampagnen in den EU-Mitgliedstaaten in einer entscheidenden Phase der Pandemie unterstützen soll. Damit wären 5 Vakzine im Zuständigkeitsbereich der EMA empfohlen.

Nach einer gründlichen Bewertung kam der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der EMA im Konsens zu dem Schluss, dass die Daten über den Impfstoff solide sind und die EU-Kriterien für Wirksamkeit, Sicherheit und Qualität erfüllen.

Die Ergebnisse der beiden wichtigsten klinischen Studien zeigten, dass Nuvaxovid® bei Menschen ab 18 Jahren wirksam gegen COVID-19 vorbeugt. An den Studien nahmen insgesamt über 45.000 Personen teil. In der ersten Studie erhielten etwa 2 Drittel der Probanden den Impfstoff und die anderen ein Placebo (Scheinimpfung); in der anderen Studie wurden die Teilnehmer zu gleichen Teilen mit Nuvaxovid und Placebo geimpft.

Die 1. Studie, die in Mexiko und den Vereinigten Staaten durchgeführt wurde, ergab, dass die Zahl der symptomatischen COVID-19-Fälle 7 Tage nach der 2. Dosis bei den Nuvaxovid-Teilnehmern um 90,4% zurückging (14 Fälle von 17 312 Personen), verglichen mit den Teilnehmern, die ein Placebo erhielten (63 von 8.140 Personen). Das bedeutet, dass der Impfstoff in dieser Studie eine Wirksamkeit von 90,4% hatte.

Die 2. Studie, die im Vereinigten Königreich durchgeführt wurde, zeigte eine ähnliche Verringerung der Zahl der symptomatischen COVID-19-Fälle bei Personen, die Nuvaxovid erhielten (10 Fälle von 7.020 Personen), im Vergleich zu Personen, die ein Placebo erhielten (96 von 7.019 Personen); in dieser Studie betrug die Wirksamkeit des Impfstoffs 89,7%.


Zusammengenommen errechnet sich daraus eine Wirksamkeit von etwa 90 %.

Der ursprüngliche SARS-CoV-2-Stamm und einige besorgniserregende Varianten wie Alpha und Beta waren die am häufigsten zirkulierenden Virusstämme, als die Studien liefen. Derzeit gibt es nur begrenzte Daten über die Wirksamkeit von Nuvaxovid® gegen andere bedenkliche Varianten, einschließlich Omikron.

Die in Studien beobachteten Nebenwirkungen waren in der Regel leicht oder mäßig und klangen innerhalb weniger Tage nach der Impfung ab. Die häufigsten waren Empfindlichkeit oder Schmerzen an der Injektionsstelle, Müdigkeit, Muskelschmerzen, Kopfschmerzen, allgemeines Unwohlsein, Gelenkschmerzen sowie Übelkeit oder Erbrechen.

London ruft erneut den Katastrophenfall aus
Welche Folgen Omikron für Deutschland haben könnte, zeigt ein Blick auf die Lage anderer Nationen. Bereits im Januar 2021 hatte Londons Verwaltung den Katastrophenfall ausgerufen. Damals stand das Gesundheitssystem kurz vor dem Zusammenbruch. Jetzt entschloss sich Sadiq Khan, Bürgermeister der britischen Metropole, erneut zu diesem Schritt. Gegenüber Medien stellte er klar, dass die Zahl an Patienten in Londoner Krankenhäusern massiv ansteige ? und dass sich Bürger unbedingt impfen lassen sollten. In Großbritannien haben die Gesundheitsbehörden letzten Samstag 10.059 neue Omikron-Fälle gemeldet: 3-mal so viele wie am Tag zuvor. Damit erhöht sich die Gesamtzahl auf rund 25.000 bestätigte Omikron-Fälle.

Diese Variante beginne, Delta zu verdrängen, erklärt der britische Gesundheitsminister Sajid Javid. Bei 60% aller positiven Nachweise finde man mittlerweile Omikron. Bislang setzt die Regierung vor allem auf Impfungen und Booster Shots. Javid kann sich aufgrund der Entwicklung weitere Maßnahmen wie Kontaktbeschränkungen vorstellen.

Nahezu zeitgleich warnte der britische National Health Service, ohne schärfere Maßnahmen im Königreich könnten bis Weihnachten 32.000 bis 130.000 NHS-Beschäftigte erkrankt sein, vor allem aufgrund von Durchbruchsinfektionen. Im schlimmsten Fall würde jeder 10. Angestellte fehlen. ?So geht es los. Omikron wird zu massiven krankheitsbedingten Arbeitsausfällen führen. Auch in essentiellen Berufsgruppen?, schreibt Drosten auf Twitter .

Omikron verbreitete sich früher als erwartet ? neue Daten aus Dänemark
Dänemark verfügt über eine der höchsten RT-PCR-Testkapazitäten weltweit und screent alle positiven Tests mittlerweile gezielt auf Omikron. In Eurosurveillance betrachten Forscher die Entwicklung der letzten Wochen.

?Bemerkenswert ist, dass die frühesten Omikron-Fälle in Dänemark auftraten, bevor Südafrika das Aufkommen dieser Variante ankündigte?, schreiben sie nach Auswertung aller Daten. Patienten seien aus Katar und aus den Niederlanden eingereist, was darauf hindeute, dass sich die Variante zuvor vom afrikanischen Kontinent aus verbreitet habe. Später seien auch Personen mit vorigem Aufenthalt in anderen EU-Nationen betroffen gewesen. Auch dies liefere Hinweise auf eine stärkere Verbreitung von Omikron als bislang vermutet.

Zum 9. Dezember 2021 lagen Forschern bei 644 Patienten Angaben zum Infektionsort vor. Das entspricht 82% aller Fälle. Bei 56 Personen gab es eine Reise-Anamnese. Mindestens 83 Omikron-Fälle wurden mit 5 Großveranstaltungen in Dänemark (jeweils mit mehr als 100 Teilnehmern) in Verbindung gebracht.

USA: Biden rät zu Auffrischungsimpfungen
Auch in den USA spitzt sich die Lage zu. Der Virologe und Regierungsberater Anthony Fauci rechnet auch dort mit einer starken Ausbreitung von Omikron. Die Variante hätte ?das Potenzial, eine 5. Corona-Welle auszulösen?, so Fauci. Ob es letztendlich so weit komme, hänge vor allem davon ab, ?was wir in den nächsten paar Wochen und Monaten machen?.

Deutliche Worte findet der US-Präsident Joe Biden. ?Ungeimpften steht ein Winter schwerer Krankheitsverläufe und Todesfälle bevor. Ungeimpfte bringen sich selbst und ihre Familien in Gefahr und Krankenhäuser an Kapazitätsgrenzen.? Allen Amerikanern rät er zum Schutz: ?Wenn Sie geimpft sind und Ihre Booster-Impfung bekommen haben, sind Sie gegen schwere Krankheitsverläufe und Tod geschützt.? Kurz davor hatte Fauci betont, zugelassene Vakzine seien auch bei Omikron wirksam, um Hospitalisierungen und Todesfälle zu vermeiden.

In der Zwischenzeit hat Prof. Dr. Lauren Ancel Meyers von der University of Texas, Austin, 16 verschiedene Szenarien für die USA modelliert. ?Die pessimistischsten Szenarien sind beängstigend. Und wir müssen uns gewissermaßen rüsten, um Änderungen vorzunehmen ? Richtlinien zu ändern, vorsichtigeres Verhalten zu fördern ?wenn wir in diesem Land feststellen, dass Krankenhauseinweisungen zunehmen?, sagt Meyers.

Dem pessimistischsten Szenario zufolge würden sich bis Ende Januar US-weit rund 500.000 Menschen täglich infizieren und täglich bis zu 3.900 COVID-19-Patienten sterben. Das optimistischste Szenario geht von 190.000 Neuinfektionen und 1.400 Todesfällen pro Tag aus. Die Realität könnte irgendwo dazwischen liegen, erklärt Meyers.

Omikron: Resistenz gegen Antikörper ? aber weitgehend erhaltene T-Zell-Antwort
Wissenschaftler um Dr. Markus Hoffmann vom deutschen Primatenzentrum in Göttingen berichten in einem Preprint über In-vitro-Daten zu Omikron. Die Variante erwies sich bei Tests gegen die meisten therapeutischen Antikörper als resistent, mit Ausnahme von Sotrovimab. Der EMA-Ausschuss für Humanarzneimittel hat vor wenigen Tagen eine Empfehlung zur Zulassung dieses Antikörpers veröffentlicht.

Spike-Proteine von Omikron entgingen auch der Neutralisierung durch Antikörper von rekonvaleszenten oder mit dem BioNTech/Pfizer-Vakzin geimpften Personen mit 10- bis 44-fach höherer Effizienz, verglichen mit der Delta-Variante. Die Neutralisierung durch Antikörper, die durch eine heterologe Impfung mit AstraZeneca plus BioNTech/Pfizer oder durch 3 Dosen BioNTech/Pfizer induziert wurden, war effizienter. Aber Omikron-Spike entging der Neutralisierung immer noch leichter als Delta-Spike.

?Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass die meisten therapeutischen Antikörper gegen die Omikron-Variante unwirksam sind und dass eine Doppelimpfung mit BNT162b2 möglicherweise nicht ausreichend vor einer schweren Erkrankung schützt, die durch diese Variante ausgelöst wird?, schreiben Hoffmann und Kollegen als Resümee.

Ein weiteres Preprint bestätigt dies auch für Moderna: In vitro war Omikron 49- bis 84-mal weniger empfindlich gegenüber einer Neutralisation als D614G (eine frühe Mutation von SARS-CoV-2) und 5,3- bis 6,2-mal weniger empfindlich als Beta. Proben kamen von Personen, die 2 Impfdosen erhalten hatten. ?Eine Auffrischung von 50 µg erhöhte die Neutralisationstiter gegen Omikron und kann das Risiko symptomatischer Impfstoffdurchbruchsinfektionen erheblich reduzieren?, heißt es im Artikel.

Die gute Nachricht: Prof. Dr. Leif Erik Sander von der Charité-Universitätsmedizin Berlin berichtet auf Twitter von Labordaten zur T-Zell-Antwort einer südafrikanischen Arbeitsgruppe. Man sehe eine ?weitgehend erhaltene T Zell-Reaktivität?, kommentiert Sander. ?Während die Antikörperneutralisation bei Omikron deutlich schwächer ausfällt, erkennen T-Zellen auch das mutierte Spike von Omikron.?

Omikron: Schnelle Replikation in der Bronchie ? aber langsamere Vermehrung in anderen Zelltypen
Doch wie gefährlich ist Omikron wirklich? Auf der Website der University of Hongkong, Fakultät für Medizin, berichtet Prof. Dr. Michael Chan Chi-wai von Patientendaten zu Omikron. Eine Publikation sei gerade in Begutachtung, so der Forscher.

Grundlage ihrer Arbeit sind Ex-vivo-Kulturen mit Patientenproben der Atemwege. Bei diesem Verfahren wird Lungengewebe zur Untersuchung von Viruserkrankungen der Atemwege verwendet. Dabei haben die Forscher verschiedene Zellarten untersucht. 24 Stunden nach Infektion der Zellen replizierten Omikron-Viren in den Bronchienzellen 70-mal schneller als Delta-Viren, in Zellen des Lungengewebes dagegen um den Faktor 10 langsamer. Letzteres könne auf eine geringere Krankheitslast hinweisen, heißt es in der Mitteilung. Weitere Details wurden noch nicht veröffentlicht.


?Es ist wichtig, zu beachten, dass die Schwere der Erkrankung beim Menschen nicht nur durch die Virusreplikation bestimmt wird, sondern auch durch die Immunantwort des Wirts auf die Infektion, die zu einer Fehlregulation des angeborenen Immunsystems, d.h. einem ?Zytokinsturm?, führen kann?, sagt Chan.

Virustatika auch gegen Omikron effektiv
Prof. Dr. Johan Neyts, Virologe an der University of Leuven, hat die Aktivität von Remdesivir, Paxlovid® (Nirmatrelvir) und Molnupiravir gegen verschiedene Varianten von SARS-CoV-s in vitro verglichen. Bei seinem Assay arbeitete er mit Vero-Zellen, einer Zelllinie, die aus Nieren von Grünen Meerkatzen gewonnen wird. Laut den Experimenten lagen die EC50-Werte bei Omikron in einer vergleichbaren Größenordnung wie bei Gamma oder Delta. Der Wert gibt an, wann ein halbmaximaler Effekt beobachtet wird. Für genauere Vergleiche der Zahlen ist es noch zu früh, weil Neyts und Kollegen Experimente mit Omikron bislang nur 1-mal ausgeführt haben.




?Erste Daten zur Wirksamkeit von Paxlovid und Molnupiravir ? die antivirale Wirkung bleibt auch bei der Omikron Variante erhalten?, kommentiert Prof. Dr. Sandra Ciesek, Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt, auf Twitter

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Zum Zustand unserer Gesellschaft
https://www.lyrics.com/lyric-lf/5618582/Markus+Gather/Das+neue+Narrenschiff

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Sonntag, 19. Dezember 2021
Das Gegenteil von Qualitätsjournalismus
Beim regionalen Tageszeitungsjournalismus am Ausgeprägtesten, aber auch sonst erlebe ich zu Wirtschaftsthemen ja eine spezifische Ambivalenz, die zwischen Korruption, Klientelismus und Populismus fluktuiert. Die Automobilbranche etwa wird, wenn es nicht gerade um den Abgasskandal geht, weitaus positiver behandelt als andere Branchen, wie etwa Bau oder Finanzen. Die Braunschweiger Zeitung zum Beispiel brachte wochenlang seitenfüllende Beiträge, die nichts Anderes waren als kostenlose PR für VW. Das Thema ?Mobbing in der Autostadt?, wo es um den Vorwurf ging, dass die Beschäftigungsgesellschaft der Volkswagengruppe gezielt eingestellte bisherige Langzeitarbeitslose wieder hinausmobbt, um neue Leute einzustellen und für diese von der Bundesagentur Vermittlungsprovisionen zu kassieren konnte überhaupt nicht thematisiert werden, auch nicht, als ein Vertrauensmann sich deswegen erschossen hat.

Korruptionsaffären und Wirtschaftsskandale werden vom SPIEGEL oder dem Netzwerk Recherche ans Licht gebracht, aber nicht von der Regionalpresse.

Die Beschwerde von Häuslebauern über Pfusch am Bau eines Baukonzerns wurde von der B.Z. groß herausgebracht, dabei hatte das Unternehmen nicht gepfuscht. Die Bauherren hatten ?mit Eigenleistungen? gebaut, d.h. das Unternehmen hatte nur den Rohbau ausgeführt, den Rest hatten Schwarzarbeiter gemacht, und diese hatten Scheiße gebaut. Nun wollten die Bauherren über Anprangerung der Firma in der Presse diese zu Schadenersatz oder Preisnachlass wegen Minderleistungen nötigen. Stellungnahmen der Firma wurden nicht veröffentlicht. Als ich den verantwortlichen Redakteur darauf ansprach sagte dieser, die Zeitung stünde immer auf der Seite der kleinen Bauherren, niemals auf der des Baukonzerns, und nebenbei fragte er mich, ob ich denn Schwarzarbeiter kennen würde, die für ihn etwas machen könnten. Hier konnte also nicht mehr von Bürgernähe gesprochen werden sondern eher von Bürgerkumpanei bis zur Deckung von Straftaten und der Bereitschaft, die selber zu begehen.

Der Baukonzern reagierte dann dergestalt darauf, dass man eine Podiumsdiskussion mit großer Pressepräsenz veranstaltete mit der Bundesagentur für Arbeit, dem Finanzamt, der Steuerfahndung, dem Zoll, der Architektenkammer und der Staatsanwaltschaft zum Thema Schwarzarbeit am Bau und Bauherrenbetrug..

Noch inkompetenter ist die Berichterstattung zu Themen, die etwas mit Versicherungen und Anlagegesellschaften zu tun haben, die generell als undurchsichtig und verbraucherfeindlich, ja tendenziell kriminell dargestellt werden (ich will nicht bestreiten, dass es in diesem Bereich sehr viel kriminelles Handeln gibt, von Cum-Ex-Geschäften bis zu betrügerischem Handeln einzelner Anlageberater, deswegen stimmt der generalisierende Blick auf eine ganze Branche aber nicht).

Zwei Beispiele hierzu: In ZDF Wiso gab es mal ein Feature ?Die Tricks der Versicherungen?, in dem mit sehr viel dramatisch-moralischem Tremolo behauptet wurde, dass man Investigativrecherchen betrieben und sich mit Brancheninsidern getroffen habe, um die Tricks der Versicherungen offenzulegen, und dann ging es nur darum, dass Versicherungen nicht für Schäden leisten, die nicht im Kleingedruckten aufgelistet sind und dass bei Betriebsunterbrechungsversicherungen im Seuchenfall nur geleistet wird, wenn ein Betrieb wegen enes im Unternehmen festgestellten Ausbruchs geschlossen werden muss, nicht bei einem vom Staat verfügten flächendeckenden Lockdown. Der Beitrag hätte besser ?Die geistige Trägheit der Versicherten? betitelt werden müssen.

Vor geraumer Zeit erschien in der Welt am Sonntag ein mit ?Kann das weg?? betitelter Beitrag über benötigte und unnötige Versicherungen und Geldanlagen, der vor Unwissenheit nur so strotzte. Da war dann davon die Rede, dass Unfallversicherungen sich nur für Extremsportler lohnten, da das Risiko sonst durch eine Berufsunfähigkeitsversicherung schon abgedeckt sei.

Kein Wort davon, dass die Berufsgenossenschaften sich so erfolgreich vor dem Leisten drücken, dass ganze Handwerksinnungen schon Verträge mit privaten Unfallversicherungen abschließen, um ihre Klientel absichern zu können.

Kein Wort davon, dass es spezielle Unfallversicherungen für Senioren gibt, die für altersspezifische Verletzungen wie Oberschenkelhalsbruch leiten und Pflegerisiken für Menschen absichern, die keine private Pflegeversicherung bezahlen können oder dass ausschließlich solche Versicherungen den behindertengerechten Umbau von Fahrzeug und Wohnung oder das Rückholen aus dem Ausland in der fliegenden Intensivstation bezahlen.

Vom Unterschied zwischen ETFs und abgesicherten Fondsanlagen war der Autorin auch nichts bekannt ? und sie wollte darauf angesprochen davon auch nichts wissen. Wenn eine Reportage einmal veröffentlicht ist interessiert das Thema die verantwortliche Person nicht mehr, Job is done. Die Reportage als abgeliefertes Werkstück, nicht als Teil eines fortlaufenden Diskurses.

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Samstag, 18. Dezember 2021
Ooops, I did it again!
Bin seit gestern geboostert.

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Freitag, 17. Dezember 2021
Vorher und Nachher
https://www.youtube.com/watch?v=BhuItp4Ui5o

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Donnerstag, 16. Dezember 2021
Multifaktoriell
Ich hatte mich gestern mit einem Mathematiker über exponentielles Wachstum unterhalten, und er meinte, in der Praxis gäbe es das nur im Labor. Eigentlich müsste die Pandemieentwicklung multivektoriell nach dem Prinzip der Faktorenanalyse berechnet werden, runtergebrochen auf solche Einzelfaktoren wie regionale Mentalitätsunterschiede, regionale hygienische Verhältnisse, Streuung von Immuninätsgraden in Populationen, genetic drift usw. Der Aufwand wird nicht betrieben. Es wäre möglich, die Pandemie realistisch zu modellieren, aber die für eine seriöse Analyse notwendige konzeptionelle Mühe mache sich niemand.

Interessantes Statement.

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Entschlossene Solidarität für offene Grenzen!
19.12.2021 - 14 Uhr - Menschenkette am Maschsee (Treffpunkt am
Fackelläufer, Nordufer)



Die tödliche Abschottung an der polnisch-belarussichen Grenze hält
weiter an. An der Grenze sitzen derzeit tausende Schutzsuchende ohne
Zugang zu Versorgung und unter Ausschluss der Öffentlichkeit in einem
militärischen Sperrgebiet fest. Mehreren Menschen hat die europäische
Abschottung in den polnisch-belarussischen Wäldern schon das Leben
genommen. Hier zeigt sich beispielhaft die Brutalität des
EU-Grenzregimes: Seit Jahren sitzen an den EU-Außengrenzen Menschen fest
und durch gewaltvolle Pushbacks werden Menschenrechte systematisch
gebrochen. Menschen verlieren ihr Leben, weil die EU es sich zum Ziel
gesetzt hat, Grenzen statt Menschen zu schützen.

Auch auf dem Atlantik zeigt sich die tödliche Abschottung. Erst vor
einigen Tagen hat die spanische Seenotrettung Salvamento Maritime in
mehreren Einsätzen über 300 Menschen gerettet, die vor Fuerteventura in
Seenot geraten waren. Ein zwei Monate altes Baby starb bei der
Überfahrt. Die 100 kilometerlange Route zu den Inseln ist besonders
gefährlich, weil die meist kleineren Außenbordmotoren den Strömungen aus
dem atlantischen Ozean nicht standhalten können. Allein in diesem Jahr
sind bereits mehr als 900 Menschen auf dieser Route gestorben.

Ob an der polnisch-belarussichen Grenze oder auf dem Atlantik - das
Sterbenlassen an den europäischen Außengrenzen muss aufhören!

Lasst uns diesen Zuständen am Sonntag auf der Straße etwas
entgegenstellen - für sichere Fluchtwege nach Europa, für die sofortige
Evakuierung der Lager an den Außengrenzen und in Deutschland, für
Bewegungsfreiheit für alle Menschen! Lasst uns eine entschlossene
Solidarität für offene Grenzen zeigen!

--
SEEBRÜCKE Hannover

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Mittwoch, 15. Dezember 2021
Weißt Du, wieviel Sternlein stehn?
70 Trilliarden.

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"Die Bevölkerung versteht die Corona-Zahlen nicht"
Politik-Kommunikation in der Pandemie, wie sie besser gelingen könnte
Christian Beneker, Medscape



Dr. Sebastian Jäckle

Einfach ist es nicht, die immer neuen Zahlen zur Corona-Pandemie richtig einzuordnen. Das liegt zum einen an der Politik, die es oft nicht schafft, ihre Botschaften korrekt rüberzubringen. Zum anderen liegt es aber auch an der Bevölkerung, die die Bedeutung etwa des ?exponentiellen Wachstums? nicht versteht. Medscape sprach mit dem Freiburger Statistiker und Politologen Dr. Sebastian Jäckle. Er hat den Zusammenhang mit einer Studie untersucht.

Medscape : Herr Dr. Jäckle, sie sind Politikwissenschaftler, und Sie sind unzufrieden damit, wie in der Pandemie von Politikern und Medien die Zahlen kommuniziert werden. Besonders, wenn es um das exponentielle Wachstum geht, verstehe die Bevölkerung nur ?Bahnhof?. Das haben Sie jetzt sogar in einem Experiment nachgewiesen.

Jäckle: Eigentlich sind US-amerikanische Kollegen darauf gekommen, zu Beginn der Pandemie genauer zu untersuchen, wie weit die Bevölkerung exponentielles Wachstum überhaupt versteht. Wir haben deren Experiment repliziert [1]. Ein angemessenes Verständnis von exponentiellem Wachstum wäre ja wünschenswert, weil im Zusammenhang mit der Pandemie-Entwicklung in der politischen Kommunikation stets davon die Rede ist, man müsse ?die Welle brechen?, weil sie ?exponentiell? anschwelle.

?Nicht ein einziger war in der Lage, das Wachstum richtig zu verstehen!?
Medscape : Und was haben Sie herausgefunden?

Jäckle: Selbst Erstsemester, die gerade aus dem Abitur kommen und ihren Mathematikunterricht noch nicht so lange hinter sich hatten, versagten bei der Berechnung eines exponentiellen Wachstums. Nicht ein einziger war in der Lage, das Wachstum richtig zu verstehen. Damit lagen sie auf dem gleichen Niveau wie die US-amerikanischen Probanden.

Das hatten wir nicht vermutet. Denn die Amerikaner hatten ihren Probanden Geld für die Teilnahme gezahlt. Damit griffen sie auf Leute zurück, die vielleicht nicht zu den Gebildetsten gehörten. Zudem lief unsere Studie erst im November 2020, also zu einem Zeitpunkt, zu dem die Begrifflichkeit ?exponentielles Wachstum? im Zusammenhang mit der Pandemie als Allgemeinwissen vorausgesetzt werden konnte. Dieses theoretische Wissen führte aber offensichtlich nicht zu einem besseren Verständnis der Infektionsdynamik.

Medscape : Wie war Ihr Experiment aufgebaut?

Jäckle: Wir haben eine vermeintlich einfache Schätzaufgabe gestellt, etwa wie diese: Wenn gestern genau 1.000 Menschen mit Corona infiziert waren und es heute genau 2.000 sind ? wie viele, schätzen Sie, sind es dann von heute ab in 10 Tagen? Die richtige Antwort bei dem unterliegenden exponentiellen Wachstumsprozess hätte gelautet: 1.024.000.

Aber niemand ist darauf gekommen, die Summen Tag für Tag schlicht zu verdoppeln. Stattdessen haben die Probanden intuitiv zumeist ein lineares Wachstum angenommen, das heißt, sie haben damit gerechnet, dass an jedem Tag 1.000 Infizierte hinzukommen. Mit dieser Rechnung sind sie auf 12.000 Infizierte nach 10 Tagen gekommen ? ein falsches Ergebnis.

Medscape : Seltsam, die Berechnung des exponentiellen Wachstums ist doch kein Hexenwerk.

Jäckle: Ja, aber das Problem scheint zu sein, sich die gewaltigen Zahlen überhaupt vorzustellen, auf die man kommt, wenn man das exponentielle Wachstum berechnet. Und daran scheitert offenbar das menschliche Gehirn oft. Vor allem, wenn die Infizierten-Zahlen im Laufe kurzer Zeit durch die Decke schießen.

Es geht um politische Kommunikation
Medscape : Die korrekte Berechnung des exponentiellen Wachstums interessiert Sie auch als Politikwissenschaftler?

Jäckle: Mir geht es um politische und mediale Kommunikation. Wir haben nämlich in unserem Experiment mit 2 Gruppen gearbeitet: Gruppe 1 hat einfach die Schätzaufgabe bekommen, und Gruppe 2 hat zusätzlich eine kleine Hilfestellung erhalten: eine Hilfe bei den Rechenschritten.

Tatsächlich hat sich die unterstützte Gruppe leichter getan und die korrekten Ergebnisse geliefert. Das bedeutet für die politische Kommunikation, dass zum Beispiel nicht nur die neuesten Höchststände der Infizierten-Zahlen genannt werden, sondern auch eine Einschätzung des exponentiell wachsenden Infektionsgeschehens, etwa so: ?Wenn sich die Zahlen so weiterentwickeln, dann haben wir in einer Woche ??. Das dürfte Folgen haben.

Denn in unserem Experiment hat sich gezeigt: Die Gruppe, die eine Hilfestellung erhalten hatte, konnte nicht nur das Infektionsgeschehen besser abschätzen, sondern war am Ende zum Beispiel Kontaktbeschränkungen gegenüber aufgeschlossener, weil sie von der Infektionsgefahr ein realistischeres Bild hatten.

Medscape : Glauben Sie, dass die Bevölkerung es durch solche einfachen Tricks wirklich leichter hat, so unglaublich schnell sich entwickelnde Zahlen einzuordnen?

Jäckle: Der Umgang mit exponentiellen Steigerungsraten ist kein Orchideenfach und nicht so unwichtig, wie es vielleicht scheint. Die Rechnung gilt auch, wenn es um die Verbreitung viraler Inhalte in sozialen Netzwerken geht oder um die Beschreibung nuklearer Kettenreaktionen. Das Thema umgibt uns! Schon die altindische Erzählung von den Reiskörnern auf dem Schachbrett zeigt, welche enormen Massen in diesem Fall bei exponentiellem Wachstum entstehen können.

Medscape : Die Kommunikation der Pandemiezahlen wird ja nicht nur durch das Unverständnis exponentieller Steigerung verwischt.

Jäckle: Das stimmt. Oft wird ?der Wissenschaft? vorgeworfen, sie wisse auch nicht genau Bescheid. Und das ist natürlich auch wahr, denn Modelle können niemals eine perfekte Vorhersage liefern, da es sich bei ihnen eben um Abstraktionen der Wirklichkeit handelt. Alle wissenschaftliche Simulationen und Hochrechnungen enthalten immer eine gewisse Unsicherheit. Das ist aber gar nichts Schlechtes! Denn die Wissenschaft kann gut berechnen, wie hoch diese Unsicherheit ist. Und eine solche mit einem Sicherheitsbereich angegebene Schätzung ist eben etwas fundamental anderes, als einfach ins Blaue hinein zu raten.

Verstehen die Politiker, was sie erklären?
Medscape : Verstehen am Ende die Politiker selbst nicht genau, wie die Wissenschaft arbeitet und was exponentielles Wachstum ist und bedeutet?

Jäckle: Ich habe es nur einmal erlebt, dass von Seiten der Politik das exponentielle Anwachsen der Infizierten-Zahlen ähnlich anschaulich vermittelt wurde, wie wir es in unserem Experiment mit der kleinen Hilfestellung getan haben. Und zwar durch Bundeskanzlerin Angela Merkel. Sie hat Ende September 2020 vor laufender Kamera das exponentielle Anwachsen der Infizierten-Zahlen in einzelnen Schritten für jeden Monat hochgerechnet und kam so auf eine Schätzung von ca. 19.000 Neuinfektionen täglich für Weihnachten. Wegen dieser vermeintlich viel zu hoch gegriffenen Zahlen, die der Bevölkerung nur unnötig Angst machen würden, gab es damals ein riesiges Medienecho. Zu Weihnachten hat sich dann herausgestellt, dass Merkel noch zu konservativ gerechnet hatte.

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Corona-Experten ?außerordentlich besorgt?: 30 bis 40 Millionen Omikron-Infizierte in den nächsten Monaten?
Sonja Böhm, Medscape


Verschläft die deutsche Politik erneut rechtzeitige Maßnahmen in der Corona-Politik und setzt die falschen Signale? Corona-Experten sind auf jeden Fall höchst alarmiert und ?außerordentlich besorgt? was die auch in Deutschland drohende Omikron-Welle angeht. Auf einer Pressekonferenz des Science Media Center warnten Prof. Dr. Sandra Ciesek, Prof. Dr. Christoph Neumann-Haefelin und Prof. Dr. Dirk Brockmann unisono vor einem dramatischen Szenario, das durch die neue hoch-ansteckende Immunescape-Variante schon in wenigen Wochen droht.

Omikron breite sich mit einer Geschwindigkeit aus, wie sie bislang noch nicht gesehen worden sei, sagte Brockmann. ?Das ist um den Faktor 3 bis 4 schneller als bisher bekannt ? so was hatte bislang keiner auf dem Radar. Das sind Zeitskalen, die wir bisher nicht kannten.? Wie unter anderem britische Daten zeigten, könne die Variante damit ?schnell übernehmen?.

Übernimmt Omikron schon Mitte Januar?
Neumann-Haefelin, Leiter der Arbeitsgruppe Translationale Virusimmunologie an der Klinik für Innere Medizin II am Universitätsklinikum Freiburg, rechnet damit, dass Omikron sich bereits bis Mitte Januar hier durchsetzt. ?Die Infektionen werden hochschnellen?, sagt er voraus.

Bislang ist für Deutschland die Datenlage zur Ausbreitung von Omikron leider sehr dünn. Brockmann verwies daher auf Daten aus Großbritannien und Dänemark, wo deutlich mehr Sequenzierungen stattfinden ? und diese Daten seien ?ziemlich besorgniserregend?, sagte der Wissenschaftler, der unter anderem die Projektgruppe Epidemiologische Modellierung von Infektionskrankheiten am Robert Koch-Institut (RKI), Berlin, leitet.

Die Infektionen werden hochschnellen. Prof. Dr. Christoph Neumann-Haefelin
30 bis 40 Millionen Infizierte auch in Deutschland möglich
Denn durch die hohe Übertragbarkeit bei gleichzeitiger Immunflucht, seien die 1. und die 2. Impfung ?praktisch nicht wirksam?, was die Eindämmung der Ausbreitung angehe. Eine aktuelle britische Modellierung gehe von 400.000 bis 700.000 Neu-Infektionen pro Tag aus ? ?trotz Maßnahmen?. Dies würde bedeuten, dass sich rund die Hälfte der britischen Bevölkerung in der Zeit zwischen Dezember und April nächsten Jahres infizieren würde, das wären 30 bis 40 Millionen Menschen. ?Das lässt sich grob auf Deutschland übertragen?, so die düstere Prognose von Brockmann.

?Es müssen dazu Notfallpläne aus der Politik kommen ? und zwar schnell?, forderte der Wissenschaftler. ?Was passiert, wenn drei- bis viertausend Menschen täglich hospitalisiert werden müssen?? Die Politik müsse nun ?antizipatorisch handeln und nicht reaktiv?. Auch sei zu berücksichtigen, dass bei hohen Infektionszahlen natürlich auch Klinikpersonal von den Infektionen betroffen sei ? was die Situation weiter verschärfe. Dies könne ?zu einer Kaskade? führen, ?die wir derzeit noch gar nicht auf dem Radar haben?.

Aussetzung der Testpflicht für Geboosterte ?unkluge? Entscheidung
Auch Ciesek, Direktorin des Instituts für medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt, pflichtete ihm bei: ?Alle Zeichen stehen auf Rot?, sagte sie. Doch sie habe nicht den Eindruck, dass dies in der Politik in Deutschland bereits angekommen sei. Sie bezog sich dabei vor allem auf die aktuelle Entscheidung, Geboosterte bei 2G+ von der Testpflicht auszunehmen. ?Darauf zu verzichten, halte ich nicht für klug?, sagte sie.

Denn auch wenn Geimpfte und Geboosterte wahrscheinlich vor einem schweren Krankheitsverlauf besser geschützt seien, können sie sich dennoch mit Omikron infizieren und vor allem so das Virus in sensible Einrichtungen wie Pflegeheime und Krankenhäuser tragen. Und wie ihre eigenen Untersuchungen zeigten, sei der Schutz der Risikopopulationen in solchen Einrichtungen schon dann nicht mehr so hoch, wenn etwa der Booster 3 Monate oder länger zurück liege, sagte Ciesek. Sie plädierte daher weiterhin für eine Testpflicht für ALLE zumindest für solche Einrichtungen.

Geboosterte bei 2G+ von der Testpflicht auszunehmen (...) halte ich nicht für klug. Prof. Dr. Sandra Ciesek
Den Effekt des Boosterns nicht überschätzen!
Ciesek kritisierte außerdem die ?falschen Signale?, die derzeit gesetzt würden. ?Da wird vermittelt: ?Lassen sie sich boostern und die Welt ist gut? ? so ist es eben nicht!? Die Menschen dürften sich nicht in einer falschen Sicherheit wiegen. Jeder einzelne müsse seinen Beitrag leisten. Neumann-Haefelin ist der gleichen Ansicht, er appellierte an ?jeden Einzelnen, seine Kontakte zu reduzieren?. Und weiter: ?Ich hoffe, dass die Politik agiert.?

Müssen wir mit einem erneuten Lockdown rechnen? Alle 3 Wissenschaftler sind sich einig, dass man derzeit kein Werkzeug, das man habe, ausschließen dürfe. Allerdings zeigt sich Brockmann eher pessimistisch, was den Nutzen solcher Werkzeuge angeht. Er erinnerte an die 1. Welle. Damals sei es gelungen, durch harte Maßnahmen, etwa die Reduktion der Mobilität um 60%, der Fern-Mobilität sogar um 90%, die Welle zu kontrollieren. Doch hier habe es sich um den Wildtyp des Virus gehandelt, der bei weitem nicht so übertragbar war. ?Bei Omikron müsste ungleich mehr passieren, um es zu kontrollieren.?

Omikron-Welle ist nicht mehr zu stoppen
Die Wissenschaftler waren sich einig, dass es ?ausgeschlossen ist?, die Omikron-Welle zu stoppen. Ein ?Abbremsen? sei das Maximale, was gelingen könne. Ciesek betonte, dass es vor allem die Pflege-Einrichtungen und Krankenhäuser zu schützen gilt. ?Wir müssen vorbereitet sein und schnell handeln?, so Brockmann. Er fürchte ?die Kaskade von Ereignissen, wenn sich die Variante ausbreitet ? wie jetzt für Großbritannien prognostiziert ? und sie dann auch ?die Klinik-Maschinerie? betrifft?.

Bislang ungeschützte Menschen noch rasch zu impfen, dafür reiche die Zeit nicht mehr, so die 3 Wissenschaftler. Bis diese ihren Immunschutz aufgebaut haben, dauere es zu lange. Diese Menschen gingen nun ungeschützt in die Omikron-Welle.

Auch die Booster lassen sich nur beschränkt steigern. Dies vor allem vor dem Hintergrund der nun offenbar gewordenen Impfstoff-Knappheit im 1. Quartal des kommenden Jahres. Ciesek plädierte dafür, hier Risikopopulationen vorzuziehen.

Zur Frage, wann ein Booster sinnvoll sei, sprach sich Neumann-Haefeli für einen ?Zeitraum um die drei Monate nach der Zweitimpfung? aus. Aufgrund ?theoretischer Daten? sei eine Boosterung wahrscheinlich früher als 6 Monate nach der Zweitimpfung sinnvoll.

Ciesek hatte, wie berichtet, vor wenigen Tagen Daten präsentiert, nach denen im Blut von Menschen, bei denen die 2. Impfung 6 Monate oder länger zurückliegt, quasi keine aktiven Antikörper mehr vorhanden sind, die eine Infektion mit Omikron verhindern können. Dies bedeutet: Diese Menschen haben keinen Infektionsschutz mehr gegen eine Ansteckung mit Omikron. Durch den Booster wird dieser direkt danach zwar wieder auf 58 bis 78% angehoben, nimmt aber über die folgenden 3 Monate wieder allmählich ab.

Neumann-Haefelin macht an einem eindrücklichen Beispiel deutlich, was dies für die Praxis bedeutet: ?Vergleichen Sie es mit einer mittelalterlichen Stadt?, sagte er. ?Die Antikörper sind die hohe Stadtmauer, die das Eindringen der Feinde verhindert. Ist diese nicht mehr stabil, gelingt es manchen Eindringlingen sie zu überwinden, aber dann gibt es immer noch Soldaten in der Stadt, die die Eindringlinge bekämpfen.? Und diese ?Soldaten? seien die T-Zellen, welche länger überdauern und wahrscheinlich dafür sorgen, dass Geimpfte in der Regel zumindest weniger schwer erkranken.

Noch keine ausreichenden Daten zur Krankheitsschwere
Apropos Krankheitsschwere: Alle 3 Wissenschaftler warnten, auf erste Berichte zu vertrauen, nach denen die Krankheitsschwere nach Infektion mit Omikron eventuell geringer sei. Ciesek: ?Um dies zu beurteilen, ist es noch zu früh.? Nach ersten Daten aus Dänemark scheint zumindest kein Unterschied in den Hospitalisierungsraten zu bestehen. Sie liegen bei der Delta-Variante bei 0,7% und bei Omikron bei 0,8%. Definitive Schlüsse ließen sich aufgrund der niedrigen Zahlen insgesamt aber noch nicht seriös ziehen, sagte Ciesek. Auch zur vielleicht höheren Gefährdung von Kindern durch Omikron gebe es noch zu wenige Daten.

Corona-Medikamente seien, auch wenn es hier hoffnungsvolle Ansätze gebe, für die allgemeine Bevölkerung auch keine Alternative um die Omikron-Welle zu stoppen. Und auf eine Rettung durch den Einfluss der Jahreszeiten könne man bei Omikron auch nicht setzen, sagte Brockmann. Die derzeitige Welle in Südafrika findet z.B. während des dortigen Sommers statt.


So blieb am Ende der Pressekonferenz als Fazit aller 3 Forscher nur, ihre eigene ?außerordentliche Besorgnis? auszudrücken, der Appell an die Politik, so rasch und so vorausschauend wie möglich zu agieren ? und ein ziemlich flaues Gefühl bei den Zuhörern.

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Dienstag, 14. Dezember 2021
Der Herr Mertens von der Stiko
Der Mann redet dermaßen langsam, mit so einschläfender Stimme und so großen Pausen, dass man, wenn er fertig ist, längst vergessen hat was er am Anfang gesagt hat und worum es eigentlich geht.

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Montag, 13. Dezember 2021
Corona-Krieger - Verschwörungsmythen und die Neuen Rechten
Unter diesem Titel ist ein kleines, lesenswertes Büchlein von Anne Naumann und Matthias Kamann im Verlag Das Neue Berlin erschienen. Es beschäftigt sich mit den Verbindungen zwischen der Querdenker-Bewegung und der AfD und anderen rechten Bewegungen wie den Reichsbürgern. Mit unseren Spezialisten aus der Mikrobiologieandersdenkecke haben die behandelten Gruppierungen nichts zu tun, auch wenn es gewissen Überschneidungen und Parallelen gibt.

Entscheidend ist der strukturelle Antisemitismus, der, wie schon im Vorwort von Micha Brumlik angesprochen, die Querdenkerbewegung durchzieht. Strukturell bedeutet in diesem Kontext, dass der Jude, wie schon von Adorno in den Elementen des Antisemitismus in der Dialektik der Aufklärung festgestellt wurde, austauschbar ist - entscheidend ist die Struktur des Vorurteils und der Schuldzuschreibung. Die Figur der undurchsichtigen Strippenzieher, die im Geheimen das Weltgeschehen bestimmen ist entscheidend, und diese ist ein durchgehendes Leitmotiv bei dieser Art Verschwörungserzählungen. In vier Großabschnitten, die in Einzelkapitel untergliedert sind wird das Thema aus verschiedenen Perspektiven behandelt:

Mythen in Zeiten der Pandemie,

wo die Rolle der Medien, die Selbstabschottung der Querdenken-Bewegung gegenüber der medialen Öffentlichkeit und extreme Sekten wie QAnon behandelt werden

Bewegungen,

wo das Zusammenkommen von Rechtsradikalen und Veteranen der grün-alternativen Alternativmedizinbewegung operationalisiert wird,


Die AfD in der Pandemie

und schließlich Bedrohungen,

wo es um das Gefährdungspotenzial der Bewegung geht.


Interessant ist, dass die Biografien von Querdenken-AktivistInnen und auch AfD-Leuten zum Teil zurückführen zu obskuren Bloggernetzwerken wie z.B. der hier vor 15 Jahren schon mal behandelten rechtslibertären Plattform "Eigentümlich frei" - eine Neue Rechte, die sich eigenständig hauptsächlich im Internet entwickelt hat und radikal marktliberale mit einerseits anarchistischen und andererseits identitären und manisch antikommunistischen Inhalten verbindet.

Anhand der Profile - oder sollte man sagen Psychogramme? ausgewählter AktivistInnen wird der Charakter der Bewegung erläutert: "An Tamara K. lässt sich erkennen, welche Übergänge es zwischen Alternativmedizin, Esoterik, Verschwörungsglauben und offener Ablehnung des demokratischen Rechtsstaats geben kann. Immer wieder geht es darum, geheimes Wissen zu erkennen, über das andere nicht verfügen. Sie habe, so Tamara K., schon in den neunziger Jahren gespürt, dass etwas nicht stimmt und es böse Mächte gäbe. Eigentlich sei sie seit 25 Jahren im Widerstand. Es hat etwas Ideologisches, zu behaupten, man wisse es schon lange." Oder auch etwas Paranoides und Narzisstisches, die psychische Störung ist hier mit dem politischen Denken sehr kompatibel bzw. gekoppelt.

Als bedeutsam wird herausgearbeitet, dass fast das gesamte behandelte Spektrum Tageszeitungen und gedruckte Illustrierte nicht mehr liest, die ebenso wie Radio und TV als "Mainstreammedien" pauschal abgelehnt werden. Stattdessen holt man sich Informationen und Meinungen aus "alternativen" Medien wie Compact, Rubikon, PI News usw. (ich würde hier nahtlos multipolar, Swiss Policy Research und Nachdenkseiten anfügen, Anm. d. Rezensenten).
Sehr unkritisch wird mit russischen Medien umgegangen, bei denen man sich gerne bedient.

Eine besondere Stellung nimmt das Denken von AnhängerInnen der Alternativmedizin ein, die, in den 1970ern mal von einer nur allzu berechtigten Kritik am objektivistisch-mechanistischen Ansatz der damaligen Schulmedizin ausgehend, heute in einem Umfeld zwischen Naturheilkunde, Homöopathie und Ayurveda mit notfallmedizinischen Maßnahmen, harter Apparatemedizin und Gentechnik grundsätzlich nichts anfangen können. Früher einmal gebunden an die grün-alternative Szene, sind sie anfällig geworden für Einflüsterungen aus einem esoterisch-irrationalen Lager, das von der Antroposophie bis ins rechtsradikale Spektrum reicht.


Während die AfD sich anfänglich für eine möglichst restriktive Seuchenpolitik mit strenger Quarantäne und Abschottung vor allem gegenüber dem Ausland stark machte ist sie auf Seiten der Covid-Maßnahmen-Gegner, seit die Bundesregierung eine rigide Gesundheitspoltik verfolgt. Damit wird das rein instrumentale Verhältnis der AfD zur Thematik sichtbar.

"Die zu der Zeit vorhandenen Impfstoffe unterzog Kotré einer geradezu steinzeitlichen Gentechnik-Verdächtigung: <<Dieses Verfahren ist ist eben auch ein Verfahren, das in die Gene eingreift. Wir haben es also eher mit einem Experiment zu tun als einer Impfung.>> .... Sofort im Anschluss führte er an, wie man wissenschaftsfeindlich die Beweislast umkehrt. Statt dass er als Bundestagsredner sich über gentechnische Zusammenhänge bei den Impfstoffen kundig gemacht hätte, inszenierte er sich als ein so besorgter wie kritischer Fragensteller, der von den anderen die Aufklärungsanstrengungen verlangt: <<Bitte überzeugen Sie mich vom Gegenteil>>.

Diese Verdachtsrhetorik wird als durchgehend für den Umgang der AfD mit der Impfthematik, den Masken, den Lockdowns dargestellt.

Angesichts der Auseinandersetzungen zwischen dem eher konservativen Lager der AfD und dem Flügel fungierte die Covid-Thematik als Ausweichfeld: Der politisch kaltgestellte Flügel sammelte außerparlamentarisch in der Querdenkerbewegung neue Kräfte und Anhänger und instrumentalisiert Teile der Querdenkerszene zunehmend für sich. Dies inklusive zunehmend engerer Kontakte zur Reichsbürgerszene, Identitären, Hooligans und Preppern. Ausgehend wirft das Buch einen Blick auf das terroristische Potenzial, das von einer solchen Verbindung ausgehen kann. Damit wären wir dann schon beim nächsten Buch der Reihe:

"Prepper und Corona: Die Stunde der Urbanophobie!"

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Schlimmer als schwere Depressionen?
Behandlungsprävalenz bei Borderline-Störung hat sich verdoppelt - welche Therapien helfen
Ute Eppinger, Medscape


Die Behandlungsprävelanz der Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) hat sich in den vergangenen 10 Jahren verdoppelt: ?Sie stellt 20% aller Behandlungsfälle in der stationären Psychiatrie?, berichtete Prof. Dr. Martin Bohus vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) Mannheim. Bohus stellte auf dem Online-Kongress der Deutschen Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) den ersten großen Datensatz zu Borderline-Störungen vor.


0% der Borderline-Patienten entwickeln im Verlauf ihrer Erkrankung eine ernstzunehmende, schwerwiegende soziale Isolierung. Zu den Risikofaktoren zählen eine geringe Extraversion, geringe soziale Kompetenz in der Kindheit und hohe Aggressivität. Soziale Isolierung ist assoziiert mit schlechter Gesundheit, Suiziden und früher Mortalität.

Gefahr der ?silent disparation? im Auge behalten
Menschen, die an BPS leiden, verlieren im Durchschnitt 8 Lebensjahre. Damit liegt die BPS zwar hinter den psychotischen Erkrankungen (-11 Lebensjahre), aber deutlich vor den unipolaren und bipolaren Depressionen.

Ab 50 Jahren ist die Mortalitätsrate von Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung deutlich erhöht und liegt bei 2,98. Als Grund nannte Bohus die steigende Morbidität: Die Odds Ratio (OR) für Alkoholfolgeerkrankungen liegt für BPS-Patienten bei 12,8, für Hepatitis bei 4,8, für Diabetes mellitus Typ 2 bei 1,8 und für Übergewicht bei 2,1.

Die Suizidrate bei BPS liegt unter 4%: Von allen schweren psychiatrischen Störungen ist die BPS diejenige mit der geringsten Suizidrate.

Eine Gefahr sieht Bohus in der ?silent disparation? gerade älterer BPS-Patienten. ?Mit dem Älterwerden ändern sich bei vielen dieser Patienten die Symptome. Das geht in die Richtung, dass diese extrovertierten, sehr auffälligen oft selbstschädigen Verhaltensweisen und interaktiven Prozesse nachlassen und dass dann alles ? bei vielen Borderlinern ? in einen sozialen Rückzug, in stille Depressivität und Isolierung mündet, und dann mit Alkohol und den Konsequenzen Übergewicht und somatischen Erkrankungen einhergeht?, berichtete Bohus. Gerade bei älteren BPS-Patienten, die plötzlich nicht mehr in Therapie kämen, sollte auch daran gedacht werden.

Mit dem Älterwerden ändern sich bei vielen dieser Patienten die Symptome. Prof. Dr. Martin Bohus
Glücklicherweise, so Bohus, räume ICD-11 mit der überkommenen Idee auf, dass man BPS nicht schon im Jugendalter diagnostizieren könnte und sollte. ?In den neuen S3-Leitlinien haben sich alle Fachgesellschaften klar dafür ausgesprochen, dass BPS schon in der Adoleszens diagnostiziert werden muss, das ist kein ?Kann? mehr?, erläuterte Bohus.

?Wird eine Borderline-Störung nicht diagnostiziert, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass der Betroffene keine adäquate Behandlung bekommt, keine Aufklärung erfolgt und auch keine vernünftige Arbeit mit den Eltern stattfinden kann?, sagte Bohus. Dabei gebe es inzwischen wirkungsvolle störungsspezifische Behandlungen für BPS.

In den neuen S3-Leitlinien haben sich alle Fachgesellschaften klar dafür ausgesprochen, dass BPS schon in der Adoleszens diagnostiziert werden muss, das ist kein ?Kann? mehr. Prof. Dr. Martin Bohus
Medikamentöse Therapie steht bei Borderline nicht im Vordergrund
Entsprechend weist die neue S3-Leitlinie ?Borderline-Persönlichkeitsstörung? (kurz vor der Fertigstellung) auf die Wichtigkeit einer frühzeitigen Diagnostik und Behandlung hin, so Prof. Dr. Klaus Lieb, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Mainz. Bei Jugendlichen ab 12 Jahren soll die Abklärung einer BPS-Diagnose erwogen werden, wenn mindestens eines der folgenden Charakteristika vorliegt:

wiederholtes suizidales oder selbstverletzendes/selbstschädigendes Verhalten,

erhebliche emotionale Instabilität,

gleichzeitiges Vorliegen mehrerer psychischer Störungsbilder,

kein befriedigender Behandlungserfolg hinsichtlich vorliegender psychischer Symptome durch bisher durchgeführte Therapien,

stark beeinträchtigtes psychosoziales Funktionsniveau.

Lieb betonte, dass medikamentöse Interventionen nicht die primäre Therapie bei BPS darstellen sollten und auch nicht anstelle anderer, besser geeigneter Interventionen eingesetzt werden sollten. In erster Linie soll die BPS psychotherapeutisch behandelt werden:

strukturierte, störungsspezifische Ansätze;

bei schwerwiegendem Selbstverletzungsverhalten (einschließlich Suizidalität): DBT (Dialectical Behavior Therapy) oder MBT (Mentalisierungsbasierte Psychotherapie);

falls noch kein Therapieplatz vorhanden, BPS-spezifisches Gruppenangebot, insbesondere DBT Skills Training nutzen;

Psychoedukation Bestandteil der Therapie, Angehörige einbeziehen;

Psychotherapie vor Pharmakotherapie;

Komorbiditäten sollen im Zuge eines integrierten Behandlungsplans berücksichtigt werden (Achtung: nur bei schwerer Sucht und Essstörung, nicht Depression, Behandlung der Komorbiditäten vorziehen);

stationäre Aufenthalte nur im Krisenfall oder zur elektiven Behandlung auf spezialisierter Station (geplant, klare Zielsetzung, absehbarer Zeithorizont);

auch Jugendlichen mit ausgeprägter BPS-Symptomatik sollen störungsspezifische Angebote gemacht werden.

Ergänzend zu einer Psychotherapie kann ein zeitlich begrenzter Einsatz von Medikamenten erwogen werden. Die Auswirkung der Verschreibung von Medikamenten auf die Selbstwirksamkeit von Patienten, die therapeutische Beziehung und den Gesamtbehandlungsplan muss dabei berücksichtigt werden.

Grundsätzlich gilt: so wenige Präparate wie möglich. Aufgrund des erhöhten Risikos für suizidales Verhalten sollen Psychopharmaka, die im Falle einer Überdosierung tödlich sein können, nur sehr zurückhaltend verschrieben werden. Nicht empfehlenswert sind trizyklische Antidepressiva (TZA), konventionelle Antipsychotika, Benzodiazepine und Olanzapin.
Die Borderline-Persönlichkeitsstörung stellt 20% aller Behandlungsfälle in der stationären Psychiatrie. Prof. Dr. Martin Bohus
Bohus betonte, dass BPS so früh wie möglich ? in der Adoleszens ? diagnostiziert werden sollte. Denn sie geht mit einem hohen Risiko für soziale Isolierung, einer gesteigerten Mortalität ab dem 40. Lebensjahr und einem hohen Risiko für Alkohol-Folgestörungen einher.

Im ICD-11 taucht als zusätzliche Kategorie im Konzept der Persönlichkeitsmuster die Borderline-Persönlichkeit auf. Basierend auf einer Vielzahl empirischer Befunde wird sie als Persönlichkeitspathologie zusammengefasst, die Störungen des Selbstkonzepts, problematisches interpersonelles Beziehungsverhalten und dysfunktionale Emotionsregulation einschließt.

Die Gefühlswelt wird als affektlabil bezeichnet, dysfunktionale Mechanismen wie selbstschädigendes Verhalten, Suizidversuche und reaktive Aggressivität werden zur Bewältigung innerer Anspannung genutzt.

Daten von 4,5 Millionen Versicherten ausgewertet
Bohus und seine Kollegen werteten Daten von 4,5 Millionen Versicherten der AOK Baden-Württemberg zwischen 2009 und 2019 aus. 8.820 Borderline-Patienten wurden verglichen mit 72.500 Patienten mit Major Depression. Die Daten zeigen, dass sich die Behandlungsprävalenz zwischen 2009 und 2019 nahezu verdoppelt hat: von 107,9 auf 198,9. Wobei Frauen überrepräsentiert sind: 2019 lag die Behandlungsprävalenz bei Frauen bei 308,3 und bei Männern bei 83,6.

Bei der Altersprävalenz liegt der Höchstwert zwischen dem 20. und 24. Lebensjahr (Männer und Frauen: 434,6). Allerdings beginnt die Erkrankung schon in der Pubertät ? bei 15-Jährigen liegt eine Behandlungsprävalenz von 245,9 vor (beide Geschlechter zusammengenommen). Ab dem 50. Lebensjahr nimmt die Behandlungsprävalenz dann deutlich ab (223,8).

Schaut man auf die Zahl der Krankenhausfälle pro 1.000 Versichertenjahre von Versicherten, zeigt sich, dass ?Borderline-Patienten deutlich stärker in die Kliniken drängen als Menschen mit einer Major Depression?, so Bohus. Bei Major Depression sind es 775,7 Krankenhausfälle, bei Borderline 1.149,8; bei allen Versicherten hingegen 250,6. Die Krankenhausverweildauer ist 2 Tage länger als bei der Major Depression. Daraus resultieren pro BPS-Fall auch deutlich höhere Behandlungskosten.

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Impfdurchbrüche durch Omikron nach Booster; 2G-Plus: Erleichterung für Geimpfte; Internisten für Impfpflicht; neuer Expertenrat
Michael van den Heuvel, Medscape




Heute meldet das Robert Koch-Institut 21.743 Neuinfektionen innerhalb der letzten 24 Stunden. Vor 1 Woche waren es 27.836 weitere Fälle. Die 7-Tage-Inzidenz sinkt auf 389,2 Infektionen pro 100.000 Einwohner; am Vortag lag der Wert noch bei 390,9. Weitere 116 Menschen sind in Zusammenhang mit COVID-19 gestorben (Vorwoche: 81). Auf dem Dashboard schreibt das RKI, aufgrund technischer Probleme seien gestern und vorgestern aus Niedersachsen keine Daten übermittelt worden.

Als 7-Tage-Hospitalisierungsinzidenz nennt das RKI 5,71 Fälle pro 100.000 Einwohner, Stand 10. Dezember. Am Tag zuvor lag der Wert bei 5,75.

Laut DIVI-Intensivregister waren am 7. Dezember 4.905 Patienten in intensivmedizinischer Behandlung, sprich 3 mehr als am Vortag. Aktuell sind 895 Betten im Low-Care- und 1.568 im High-Care-Bereich in Deutschland frei. Hinzu kommen 267 freie ECMO-Behandlungsplätze.

Auf Twitter berichtet Prof. Dr. Christian Karagiannidis, wissenschaftlicher Leiter des DIVI-Intensivregisters: ?Unter welchem Druck stehen die Intensivstationen? Aus der Notfallreserve sind, wenn man die Daten betrachtet, alleine schon mind. 693 High-Care Betten rekrutiert worden. Und das, bevor Omikron auf uns zurollt!? Er gibt zu bedenken, die Aktivierung der Notfallreserve bedeute Einschränkungen in anderen Bereichen.

?Erhebliche Impflücken?: Internistische Fachgesellschaften fordern allgemeine Impfpflicht

2G-Plus-Regel: Erleichterungen für Geimpfte mit Booster-Shot?

Neuer Expertenrat der Bundesregierung

Omikron: Impfdurchbrüche bei deutschen Urlaubern

COVID-19: WHO rät von Rekonvaleszenten-Plasma ab

FDA-Zulassung von Antikörpern als Präexpositionsprophylaxe

EMA: Impfstoffe allein reichen nicht aus

COVID-19 und Adipositas: Studie zeigt möglichen Pathomechanismus

?Erhebliche Impflücken?: Internistische Fachgesellschaften fordern allgemeine Impfpflicht
Schon letzte Woche hat der Bundestag weitere Vorschriften in Zusammenhang mit der Pandemie beschlossen. Wie geplant haben Mitarbeiter im Pflege- und Gesundheitswesen ab 16. März 2022 eine vollständige Impfung gegen SARS-CoV-2 nachzuweisen. Experten bezweifeln jedoch, dass das Maßnahmenpaket ausreichen wird.


?Alle verfügbaren Daten deuten momentan darauf hin, dass die Omikron-Variante sich rasch ausbreiten und zu einem weiteren Anstieg der SARS-CoV-2-Infektionen führen wird?, erklärt Prof. Dr. Bernd Salzberger, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie. ?Diese weitere Welle droht das System endgültig zu überlasten.? Er verweist auf ?erhebliche Impflücken in der Bevölkerung?. Offiziellen Zahlen zufolge sind in Deutschland 69,5% der Gesamtbevölkerung vollständig geimpft.

Deshalb fordern 10 internistische Fachgesellschaften eine allgemeine Impfpflicht in Deutschland ? und stellen sich hinter Pläne von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD). ?Die Impflicht nur für im Gesundheitssystem Tätige reicht da nicht aus ?, sagt Prof. Dr. Georg Ertl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin. ?Neben Kontaktbeschränkungen, die helfen, die Inzidenzen kurzfristig zu senken, ist die konsequente Impfung zumindest der erwachsenen Bevölkerung der einzige anhaltend wirksame Weg, das Infektionsgeschehen wieder unter Kontrolle zu bekommen.

2G-Plus-Regel: Erleichterungen für Geimpfte mit Booster Shot?
Am morgigen Dienstag wollen Gesundheitsminister der Länder darüber beraten, ob bei Personen, die neben einer Grundimmunisierung auch eine Auffrischungsimpfung erhalten haben, Erleichterungen möglich sind. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hat dazu einen Vorschlag vorbereitet. Seine Idee ist, dass diese Gruppe bei der 2G-Plus-Regel künftig keine Tests mehr benötigt. In einigen Bundesländern ist dies bereits jetzt der Fall; einheitliche Regelungen gibt es nicht.

Neuer Expertenrat der Bundesregierung
Außerdem planen Scholz, Lauterbach und weitere Regierungsvertreter, sich bei Fragen rund um COVID-19 künftig von einem Expertengremium beraten zu lassen. ?Wir wollen als Bundesregierung die Pandemiebekämpfung stärker auf wissenschaftliche Expertise stützen?, so Lauterbach. ?Für mich wird die enge Zusammenarbeit mit diesen Wissenschaftlern Grundlage meiner Politik sein.?

In das Gremium wurden u.a. Prof. Dr. Christian Drosten (Direktor des Instituts für Virologie an der Charité-Universitätsmedizin, Berlin), Prof. Dr. Hendrik Streeck (Direktor des Instituts für Virologie an der Uniklinik Bonn), Prof. Dr. Thomas Mertens (Chef der Ständigen Impfkommission am RKI), Prof. Dr. Lothar H. Wieler (Präsident des RKI), Prof. Dr. Melanie Brinkmann (Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung), Dr. Viola Priesemann (Max-Planck-Institut) und Prof. Dr. Christian Karagiannidis (wissenschaftlicher Leiter des DIVI-Intensivregisters) berufen. Bereits für kommenden Dienstag ist das 1. Treffen geplant.

Kontroversen sind jedenfalls vorprogrammiert. Zuletzt hatte Karagiannidis etwa gefordert, sich wieder stärker auf die 7-Tage-Inzidenz zu fokussieren. ?Die Inzidenz war und ist der maßgebliche Frühindikator?, erklärte der Forscher. ?Eine ohne Meldeverzögerung erhobene Hospitalisierungsrate und Intensivbelegung mit COVID-19 sind wichtige zusätzliche Faktoren. Aber die Grenzwerte können oder werden für Omikron andere werden.?

Omikron: Impfdurchbrüche bei deutschen Urlaubern
Die neue Variante bringt auch Fragen zur Effektivität von Impfstoffen mit sich. Wissenschaftler aus München und aus Kapstadt, Südafrika, berichten in einem Preprint von 7 Südafrika-Touristen aus Deutschland. Sie alle hatten 3 Dosen eines COVID-19-Vakzins erhalten:

Patient 1 bis 5: BioNTech, BioNTech, BioNTech

Patient 6: BioNTech, BioNTech, Moderna

Patient 7: AstraZeneca, BioNTech, BioNTech

Bei ihnen traten nach einem Aufenthalt in der südafrikanischen Provinz Westkap leichte Atemwegsbeschwerden und weitere Symptome auf, die für eine Infektion mit SARS-CoV-2 sprachen. Daraufhin führten Ärzte PCR-Tests durch, versuchten aber auch, Viren zu isolieren und zu sequenzieren. In 5 von 7 Fällen konnten sie Omikron nachweisen; bei Proben der anderen 2 Patienten gab es technische Probleme im Labor.

?Diese Serie beweist, dass selbst 3 Dosen von mRNA-Impfstoffen möglicherweise nicht ausreichen, um eine Infektion und symptomatische Erkrankung mit der Omikron-Variante zu verhindern?, schreiben die Autoren als Kommentar.

?Das darf man natürlich nicht falsch verstehen, dass die Impfung nicht hilft. Im Gegenteil: Das zeigt nur, dass auch die bestmögliche Impfung offensichtlich nicht ausreicht, um eine Infektion zu verhindern ? was wir ja schon geahnt haben?, sagte Prof. Dr. Wolfgang Preiser aus Südafrika. Er ist einer der Koautoren der Publikation und hat Omikron zusammen mit Kollegen entdeckt.

?Die jüngsten Daten aus Südafrika deuten auf ein erhöhtes Risiko einer Wiederansteckung? von Genesenen sowie einer Ansteckung von Geimpften hin, bestätigte der WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus. Es gebe jedoch auch Hinweise auf weniger schwere Krankheitsverläufe als bei der Delta-Variante.

COVID-19: WHO rät von Rekonvaleszenten-Plasma ab
Von der Prävention zur Therapie. Experten der WHO-Leitlinien-Entwicklungsgruppe raten Ärzten davon ab, bei Patienten mit COVID-19 Rekonvaleszenten-Plasma einzusetzen, wie aus einer Veröffentlichung im BMJ hervorgeht.

Trotz anfänglich vielversprechender Aussichten zeigten aktuelle Daten, dass diese Behandlung weder das Überleben verbessere noch den Bedarf an mechanischer Beatmung verringere, so die Autoren. Außerdem sei die Therapie kostspielig und zeitaufwändig.

Die aktualisierten Empfehlungen beruhen auf den Erkenntnissen aus 16 Studien, an denen 16.236 Patienten mit leichtem, schwerem und kritischem COVID-19 teilnahmen. Auf Basis dieser Daten raten WHO-Experten von Rekonvaleszenten-Plasma ab.

FDA-Zulassung von Antikörpern als Präexpositionsprophylaxe
Die US Food and Drug Administration (FDA) hat AZD7442, einer Kombination von Tixagevimab und Cilgavimab, eine Notfallzulassung erteilt. Das berichtet AstraZeneca auf der Unternehmenswebsite. Evusheld®, so der Handelsname des Präparats, soll als COVID-19-Präexpositionsprophylaxe bei Erwachsenen und bei Jugendlichen ab 12 Jahren, die mindestens 40 kg wiegen, eingesetzt werden, die aufgrund einer moderaten bis schweren Immunschwäche besonders gefährdet sind. Das betrifft Patienten mit Immunsuppression oder mit Erkrankungen des Immunsystems. Hinzu kommen Patienten, denen von Impfungen abgeraten wird.

Grundlage der FDA-Entscheidung waren unter anderem Daten aus der laufenden Phase-3-Präexpositionspräventionsstudie PROVENT. Sie zeigten laut Hersteller unter Verum im Vergleich zu Placebo eine statistisch signifikante Verringerung des Risikos, an symptomatischem COVID-19 zu erkranken (77% in der Primäranalyse, 83% in der 6-Monats-Analyse), wobei der Schutz mindestens 6 Monate lang anhielt.

Derzeit laufen Studien, um herauszufinden, ob AZD7442 auch gegen Omikron effektiv ist. Laut präklinischen Assays gebe es keine Hinweise auf eine verringerte Wirksamkeit, schreibt AstraZeneca.

EMA: Impfstoffe allein reichen nicht aus
Trotz diverser Vakzine sieht die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) weiterhin Bedarf an Medikamenten zur COVID-19-Therapie. Sie hat sich deshalb einer Erklärung der International Coalition of Medicines Regulatory Authorities (ICMRA) angeschlossen, in der alle Beteiligten, darunter universitäre Forschungseinrichtungen und die pharmazeutische Industrie, aufgefordert werden, weiterhin in den Bereichen Therapie und Prävention zu forschen.

?Impfstoffe sind zwar nach wie vor die wichtigste Waffe im Kampf gegen die Pandemie, aber wir brauchen auch sichere, wirksame und qualitativ hochwertige Arzneimittel zur Behandlung und Vorbeugung von COVID-19 in all seinen Erscheinungsformen und in allen Bevölkerungsgruppen, einschließlich Kindern und Schwangeren?, sagt Emer Cooke, Vorsitzende der ICMRA und Exekutivdirektorin der EMA. ?Die ICMRA-Mitglieder setzen sich dafür ein, die regulatorischen Anforderungen für COVID-19-Arzneimittel weiter zu straffen, um die Zugänglichkeit und Verfügbarkeit von COVID-19-Therapeutika zu verbessern, welche Impfungen ergänzen, insbesondere in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen.?

COVID-19 und Adipositas: Studie zeigt möglichen Pathomechanismus
Je besser Wissenschaftler verstehen, warum es zu schwerem COVID-19 kommt, desto eher finden sie Zielstrukturen für neue Arzneistoffe. Aktuellstes Beispiel ist die Adipositas.

SARS-CoV-2 infiziert Fettzellen, aber auch bestimmte Immunzellen im Körperfett, und löst eine Immunreaktion aus, die zu schweren Schäden führen kann, so eine aktuelle Preprint-Studie, über die auch Medscape berichtet hat.

Forscher der Stanford University School of Medicine untersuchten Fettgewebe von Patienten mit bariatrischen Operationen, um herauszufinden, ob sie sich mit dem Coronavirus infizieren können. Sie arbeiteten mit verschiedenen Zelltypen, mit Adipozyten und Prä-Adipozyten, die sich zu Fettzellen entwickeln, und mit Fettgewebsmakrophagen.

Dabei zeigte sich, dass SARS-CoV-2 Adipozyten infizieren kann, ohne dass übermäßig starke Entzündungen auftreten. An inflammatorischen Vorgängen sind jedoch Fettgewebsmakrophagen und Prä-Adipozyten beteiligt.

Die Forscher untersuchten auch Fettgewebe aus COVID-19-Toten. Sie fanden SARS-CoV-2 im Fettgewebe um verschiedene Organe herum, darunter das Herz und der Darm. Sie vermuten, dies könne Organschäden bei COVID-19 erklären.

Das Virus scheine sich der körpereigenen Immunabwehr zu entziehen und sich im Fettgewebe zu verstecken, wo es sich vermehre und eine schwere Immunreaktion auslösen könne, so Dr. David Kass, Professor für Kardiologie bei Johns Hopkins Medicine. Hier entstehe ?eine Art Reservoir? für SARS-CoV-2 ? vielleicht auch eine Erklärung für Long-COVID, wie die Studienautoren vermuten.

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Von der Freundlichkeit der Welt
Die Aufmerksamkeit der Linken wird zurzeit von zwei Themenkomplexen absorbiert: Zum Einen der Coronakrise und ihren Begleitumständen, wie den CoronamaßnahmengegnerInnen, und zum Anderen von der Klimakatastrophe.

Diese Wahrnehmungseinengung lässt leider andere, durchaus klassisch linke Themen aus dem Focus geraten.

Zum Beispiel den gesamten Bereich Flucht und Asyl und was sich an den Außengrenzen der EU abspielt - mit Ausnahme der Grenze Polen - Belarus, und auch darauf reagiert die Linke hilflos. Die Geflüchteten dort, wie auch anderswo, werden von den politischen Spitzen der EU und der BRD bewusst entmenschlicht, sie erscheinen nicht als Menschen in Not, sondern als "politische Waffe" Lukaschenkos und Erdogans, als "hybride Bedrohung" usw., nicht als Geflüchtete gleich mehrerer Kriege, die ohne Mitwirken der EU- und NATO-Staaten und Russlands nicht denkbar wären.


Vom Sterben im Mittelmeer ganz abgesehen. Wenn die Menschen dort in den Medien als etwas anderes erscheinen als Number Cases, dann als bemitleidendwerte Opfer, niemals als Menschen mit eigener Geschichte und Subjektivität.

So richtige Vollwertmenschen sind halt nur weiße Metropolenbürger.

Das zeigt sich auch im Umgang mit der sogenannten Covax-Initiative: Ländern wie Indien, Indonesien oder Südafrika wollen Biontech/Pfizer, Moderna, Astra Zeneca und Johnson&Johnsen und wollen die Regierungen der USA und der EU-Staaten die Patente der Medikamente nicht überlassen, obwohl deren Produktionskapazitäten ausreichen würden, im Nu die Welt zu verimpfen. Amnesty international, Oxfam und Brot für die Welt haben einen lesenswerten Bericht mit dem Titel: "Eine Dosis Realität. Wie reiche Länder und Pharmakonzerne ihre Impfversprechen brechen" herausgebracht. Danach sind bisher nur 7 Prozent aller Impfdosen an arme Länder gegangen, was die Behauptung, man könne die Patente aufgrund der technisch anspruchsvollen Produktionsbedingungen nicht Entwicklungs- und Schwellenländern überlassen, wolle denen aber helfen als billige Lüge erscheinen lässt.


Eine völlig andere Entwicklung nimmt gerade in den USA ihren Anfang. Seit Bidens "Wohltaten" - in den USA wurde tatsächlich ein moderat keynesianischer Kurs eingeschlagen, seit den Siebziger Jahren hat es nicht mehr dermaßen viele Projekte zur Unterstützung sozial schwacher und abgehängter Menschen gegeben, wenn auch nur in Form befristeter Nothilfeprojekte - fängt die Arbeiterklasse in den USA an sich zu wehren. Massenweise werden Billigjobs in Sweatshops von den Arbeitenden gekündigt, eine Streikwelle für höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen überzieht das Land. Es zeigt sich wiedereinmal, dass Trotzkis Verelendungstheorie - "schlimmer ist besser" - falsch ist. Erst bessere Konditionen gewähren den Rückhalt für soziale Kämpfe.

Die überall, auf allen Ebenen und weltweit angesagt sind, angesichts einer Weltwirtschaftsordnung die auf Leichenbergen fusst. in diesem Sinne ist Klassenkampf alles Andere als altmodisch.

Und um das bestehende Gesellschaftssystem und seine MachthaberInnen für im höchsten Maße kritisierenswert und angreifbar zu halten muss sich wirklich niemand "Impfdrückerkolonnen" und einen "Großen Betrug" von weltweit verschworenen Pharmakonzernen, Oligarchen und Regierungen herbeifantasieren. Die Verhältnisse sind ohnehin beschissen genug, die Proteste der "Querdenker" erscheinen als Ersatzhandlungen, die von den wirklichen Widersprüchen ablenken.

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Samstag, 11. Dezember 2021
Corona-Heilung bald möglich? Forschungsergebnisse des Helmholtz-Zentrums geben Grund zur Hoffnung
Ich wusste ja immer, dass die Braunschweiger auf Draht sind;-)

Diese Linie verfolge ich schon seit April 2020, allmählich konsolidiert sich da was:

ttps://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/braunschweig_harz_goettingen/Braunschweiger-Helmholtz-Forscher-entdecken-Corona-Hemmer,aktuellbraunschweig7846.html


Um Missverständnisse zu vermeiden:

Das Zinc Finger Antiviral Protein ist eine Verbindung, die im menschlichen Körper existiert, an Coronaviren bindet und deren Vermehrung hemmt und z.B. in Verbindung mit einer Interferontherapie gegen Viren zum Einsatz kommen soll, das hat nichts mit der Gabe von Zink als Mineralstoff im Rahmen von Nahrungsergänzungsmitteln zu tun.

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Freitag, 10. Dezember 2021
Frau Weidel, die Zahl der geimpften Intensivpatienten und die Wahrheit
Ich sag´s mal so: Die politische Ecke, aus der die Behauptungen von der Überzahl der geimpften Covid-Infizierten gegenüber den Ungeimpften mehrheitlich kommen ist eindeutig.

Hierzu im Verlauf des Wochenendes mehr.

https://www.tagesschau.de/faktenfinder/weidel-intensivstationen-ungeimpfte-101.html?utm_source=pocket-newtab-global-de-DE

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Donnerstag, 9. Dezember 2021
Play it again, Sam!
Aka vernichtungdeshorns

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Die Entdeckung der Omikron-Variante: Forscher vermuteten zunächst Fehler in der PCR ? ?es war beängstigend?
Tim Cocks



Am 19. November 2021, einem Freitag, sequenzierte Dr. Raquel Viana, wissenschaftliche Leiterin eines der größten privaten Testlabors Südafrikas, die Gene von 8 Coronavirus-Proben ? und erlitt den Schock ihres Lebens. Die im Lancet-Labor untersuchten Proben wiesen alle eine große Anzahl von Mutationen auf, insbesondere bei Genen für das Spike-Protein, das SARS-CoV-2 verwendet, um in menschliche Zellen einzudringen.

Ich war ziemlich schockiert über das, was ich da sah. Ich fragte mich, ob bei dem Prozess etwas schiefgelaufen war. Dr. Raquel Viana
?Ich war ziemlich schockiert über das, was ich da sah. Ich fragte mich, ob bei dem Prozess etwas schiefgelaufen war?, erklärte die Forscherin gegenüber Reuters. Ihr Gedanke wich bald dem Gefühl, dass die Proben ?große Auswirkungen? haben würden.

Mehrere Labors bestätigen Hinweis auf eine neue Mutation
Schnell rief Viana ihren Kollegen Daniel Amoako vom National Institute for Communicable Diseases (NICD) in Johannesburg an, einen Experten für die Sequenzierung von Genen. ?Ich wusste nicht recht, wie ich es ihm beibringen sollte?, erinnert sie sich. Sie sagte zu Amoako: ?Für mich sieht das wie eine neue Variante aus.?

Die Entdeckung der Omicron-Variante im südlichen Afrika hat weltweit Besorgnis ausgelöst. Viele Länder schränken Reisen aus der Region ein und verhängen andere Beschränkungen, weil sie befürchten, dass sich die Krankheit selbst in geimpften Bevölkerungsgruppen schnell ausbreiten könnte.

Amoako und das Team am NICD verbrachten das Wochenende vom 20. und 21. November 2021 damit, die 8 von Viana eingeschickten Proben zu testen. Alle SARS-CoV-2-Viren darin hätten die gleichen Mutationen aufgewiesen, wie der Forscher am Dienstag gegenüber Reuters erklärte.

Für mich sieht das wie eine neue Variante aus. Dr. Raquel Viana
Es war so bizarr, dass Amoako, seine Kollegin Josie Everatt und andere Kollegen ebenfalls dachten, es müsse sich um einen Fehler handeln. Dann erinnerten sie sich daran, dass sie im Laufe der Woche einen starken Anstieg der COVID-19-Fälle festgestellt hatten, was auf eine neue Mutation hindeuten könnte.

Außerdem war Viana Anfang des Monats von einem Kollegen auf eine Merkwürdigkeit in der Probe bei PCR-Tests aufmerksam gemacht worden ? ein sogenannter S-Gen-Dropout, also eine Deletion im S-Gen, was auf eine Deletionsmutation hindeutet. Wie man jetzt weiß, unterscheiden sich darin Omikron und Delta.

Die einzige verbreitete Variante mit dieser Deletion war Alpha, ?und Alpha hatten wir (in Südafrika) seit August nicht mehr gesehen?, erinnert sich Everat.

Am Dienstag, den 23. November, nachdem sie weitere 32 Proben aus der Umgebung von Johannesburg und Pretoria getestet hatten, ?war es eindeutig?, sagte Amoako. ?Es war beängstigend.?

Forscher benachrichtigen die WHO
Noch am selben Dienstag informierte das NICD-Team das Gesundheitsministerium und andere Labors in ganz Südafrika, die Sequenzierungen durchführten und später ähnliche Ergebnisse lieferten.

Kurz darauf gab das NICD Sequenzdaten in die globale Wissenschaftsdatenbank GISAID ein und stellte fest, dass auch Botswana und Hongkong Fälle mit der gleichen Gensequenz gemeldet hatten.

Am 24. November 2021 benachrichtigten Mitarbeiter des NICD und des Gesundheitsministeriums die Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Zu diesem Zeitpunkt, so Viana, hätten mehr als 2 Drittel der positiven Tests in Gauteng, der südafrikanischen Provinz, zu der auch Pretoria und Johannesburg gehören, den Ausfall des S-Gens aufgewiesen: ein Zeichen dafür, dass Omicron bereits zur vorherrschenden Variante geworden sei.

Neue Fakten zu Omikron schon in 3 bis 4 Wochen?
Aufgrund von Omicron werde sich die tägliche COVID-19-Infektionsrate in Südafrika bis Ende dieser Woche voraussichtlich auf mehr als 10.000 vervierfachen, sagte Prof. Dr. Salim Abdool Karim, einer der führenden Spezialisten für Infektionskrankheiten des Landes, am vergangenen Montag.

Die wichtigen Fragen, nämlich wie gut die neue Variante in der Lage sei, sich der Immunität durch Impfstoffe oder frühere Erkrankungen zu entziehen, wie schwerwiegend die Symptome im Vergleich zu früheren Versionen seien und welche Unterscheide es bei diversen Altersgruppen gebe, müssten noch beantwortet werden.

Die 3 befragte Wissenschaftler, die sich mit diesen Fragen befassen, erwarten Antworten in etwa 3 bis 4 Wochen.

Forscher erhalten Hassmails
Bis dahin erwägt der südafrikanische Präsident Cyril Ramaphosa, in manchen Bereichen eine Impfpflicht einzuführen, da das Land schon jetzt stark betroffen ist ? bislang mit insgesamt 3 Millionen COVID-19-Infektionen und über 89.000 Todesfällen.

In Südafrika herrscht große Verärgerung über Einreiseverbote für Ausländer. Die Aggression richtet sich teilweise auch gegen Wissenschaftler. Amoako bekam mehrere wütende Nachrichten, in denen es heißt, Forscher sollten einfach aufhören, nach neuen Varianten zu suchen.

Dies könnte andere Länder dazu ermutigen, Dinge zu verbergen oder besser gesagt, einfach nicht hinzusehen. Prof. Dr. Wolfgang Preiser
Prof. Dr. Wolfgang Preiser, ein Virologe an der Universität Stellenbosch, der an COVID-19 arbeitet und ebenfalls Hassbriefe erhalten hat, befürchtet, dass andere Länder daraus lernen könnten, nicht so transparent zu sein.

?Dies könnte andere Länder dazu ermutigen, Dinge zu verbergen oder besser gesagt, einfach nicht hinzusehen?, sagte er. ?Das ist die Befürchtung. Nachschauen ist eine ziemliche Investition, also werden sie vielleicht zu dem Schluss kommen, dass sie sich nicht die Mühe machen sollten.?

Der Beitrag wurde von Michael van den Heuvel aus www.medscape.com übersetzt und adaptiert.

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Mehr als 90% reduzierte Mortalität ? Real-World-Daten aus Israel belegen die hohe Wirksamkeit von Booster-Shots
Michael van den Heuvel, Medscape



Erneut kommen Real-World-Daten zu SARS-CoV-2-Impfungen aus Israel. Im NEJM berichten 2 Arbeitsgruppen über den Nutzen der Drittimpfung (Booster) für Personen ab 16 Jahren. Dabei kam BNT162b2 von BioNTech/Pfizer zum Einsatz.

Das Ergebnis: Über alle untersuchten Altersgruppen waren die Raten an Infektionen mit SARS-CoV-2 und an schwerem COVID-19 deutlich niedriger als bei Kontrollen ohne Booster Shot. Speziell bei Personen ab 50 Jahren, die mindestens 5 Monate nach der 2. Dosis eine Auffrischungsimpfung bekommen hatten, war die COVID-19-Mortalität um 90% niedriger als bei Kontrollen ohne 3. Dosis.

?Die jetzt veröffentlichten Studien von Arbel et al. und Bar- On et al. liefern dringend benötigte Belege für die Wirksamkeit der Auffrischungsdosis?, schreibt Dr. Minal K. Patel von den Centers of Disease Control and Prevention, Atlanta, in einem begleitenden Editorial [3]. ?Obwohl in keiner der beiden Studien eine formale Berechnung der Wirksamkeit der Auffrischungsimpfung vorgenommen wurde, weisen die Daten aus beiden Studien auf eine relative Wirksamkeit gegen schwere Erkrankungen oder Tod von 90 bis 95% hin. Das heißt, wenn die absolute Wirksamkeit von 2 Impfstoffdosen 90% beträgt, liegt die absolute Wirksamkeit von 2 Dosen plus Auffrischungsimpfung bei 99 bis 100%.?

Israel: Booster-Impfungen schon seit 30. Juli 2021
Bereits am 9. Dezember 2020 haben Ärzte in Israel mit Impfungen gegen COVID-19 begonnen und vergleichsweise schnell große Bevölkerungsgruppen erreicht. Zum Einsatz kam vor allem BNT162b2 (Pfizer/BioNTech). Anlass war, dass aufgrund von B.1.617.2 (Delta) bei frühzeitig Geimpften vermehrt Durchbruchsinfektionen auftraten.

Deshalb hat das israelische Gesundheitsministerium am 30. Juli 2021 grünes Licht für Booster-Impfungen gegeben. Nach vielversprechenden Ergebnissen bei Personen ab 60 Jahren wurde die Kampagne schrittweise auf jüngere Menschen ausgedehnt, die mindestens 5 Monate zuvor ihre 2. Dosis erhalten hatten.

Nutzen bei Personen ab 50 Jahren
Dr. Ronen Arbel von Clalit Health Services, Tel Aviv, und Kollegen wollten herausfinden, ob Auffrischungsimpfungen die COVID-19-Mortalität verringern konnten. Grundlage ihrer Studie sind Daten von Clalit Health Services, einem großen Gesundheitsdienstleister aus Israel. Eingeschlossen wurden Patienten, die zu Beginn der Studie mindestens 50 Jahre alt waren und die mindestens 5 Monate zuvor 2 Dosen BNT162b2 erhalten hatten. Auf dieser Basis verglich Arbels Team die Mortalität von Personen mit oder ohne 3. Dosis, wobei soziodemographische Faktoren und Begleiterkrankungen berücksichtigt wurden.

Insgesamt erfüllten 843.208 Teilnehmer die Einschlusskriterien, von denen 758.118 (90%) während des 54-tägigen Studienzeitraums einen Booster Shot erhielten. Todesfälle aufgrund von COVID-19 traten bei insgesamt 65 Teilnehmern in der Booster-Gruppe (0,16 pro 100.000 Personen und pro Tag) auf. Bei Teilnehmern der Kontrollgruppe waren es insgesamt 137 Todesfälle (2,98 pro 100.000 Personen pro Tag). Die bereinigte Hazard Ratio für Todesfälle aufgrund von COVID-19 betrug 0,10 (95-%-Konfidenzintervall: 0,07 bis 0,14; p < 0,001).


Auffrischungsimpfungen für (fast) alle
Yinon M. Bar ‑ On vom Weizmann Institute of Science, Rehovot, und Kollegen gingen der Frage nach, ob sich ein Nutzen auf Bevölkerungsebene nachweisen lässt. Sie arbeiteten mit Daten des israelischen Gesundheitsministeriums für Personen ab 16 Jahren zwischen 30. Juli und 10. Oktober 2021. In die Analyse flossen Aufzeichnungen von 4.696.865 Personen ein, die mindestens 5 Monate zuvor 2 Dosen BNT162b2 erhalten hatten.

Verglichen wurden Raten bestätigter SARS-CoV-2-Infektionen, speziell COVID-19 mit schwerem Verlauf, und Todesfälle durch COVID-19 bei Personen mit und ohne Auffrischungsimpfung. In der primären Analyse ging es um Personen, die mindestens 12 Tage zuvor eine Auffrischungsdosis erhalten hatten (Booster-Gruppe). In die sekundäre Analyse flossen auch Daten von Personen mit Booster Shot 3 bis 7 Tage zuvor ein (frühe Postbooster-Gruppe).

Die Ergebnisse:

Infektionen generell: Die Rate bestätigter Infektionen war in der Booster-Gruppe um den Faktor 10 niedriger als in der Nicht-Booster-Gruppe (Spanne über 5 Altersgruppen 9,0 bis 17,2). In der Booster-Gruppe lag die Rate um den Faktor 4,9 bis 10,8 niedriger als in der frühen Postbooster-Gruppe. Der bereinigte Ratenunterschied betrug 57,0 bis 89,5 Infektionen pro 100.000 Personentage in der primären Analyse und 34,4 bis 38,3 in der sekundären Analyse.


Schweres COVID-19: Die Raten an schweren Erkrankungen waren bei Über-60-Jährigen in der primären bzw. sekundären Analyse um den Faktor 17,9 (95%-KI 15,1 bis 21,2) bzw. 6,5 (95%-KI 5,1 bis 8,2) niedriger. Für 40- bis 59-Jährige geben die Autoren bei der primären bzw. sekundären Analyse den Faktor 21,7 (95%-KI 10,6 bis 44,2) bzw. 3,7 (95 % CI, 1,3 bis 10,2) an. Der bereinigte Ratenunterschied in der primären bzw. sekundären Analyse betrug 5,4 bzw. 1,9 Fälle pro 100.000 Personentage bei den Über-60-Jährigen und 0,6 bzw. 0,1 bei den 40- bis 59-Jährigen.


Mortalität: Bei Personen ab 60 war die Sterblichkeit in der primären Analyse um den Faktor 14,7 (95%-KI 10,0 bis 21,4) und in der sekundären Analyse um den Faktor 4,9 (95% CI, 3,1 bis 7,9) niedriger. Der bereinigte Ratenunterschied in der primären und sekundären Analyse betrug 2,1 bzw. 0,8 Todesfälle pro 100.000 Personentage.

Bedeutung für die Praxis
?Die Daten dieser beiden Studien werden zusammen mit anderen Daten über die Wirksamkeit und Sicherheit von Auffrischungsimpfungen wertvolle Hinweise für die Entscheidungsfindung in anderen Ländern liefern, wenn das Risiko-Nutzen-Verhältnis der Einführung einer Auffrischungsimpfung bewertet wird?, schreibt Patel im Editorial.

Sie gibt jedoch zu bedenken: ?Bei der Entscheidung, eine Auffrischungsimpfung anzubieten, müssen viele Faktoren berücksichtigt werden.? Ein Land könnte sich dafür entscheiden, Booster Shots nur bestimmten Bevölkerungsgruppen anzubieten, je nach epidemiologischer Situation, Durchimpfungsrate, Immunität durch Infektionen oder dem Schutz bestimmter Berufsgruppen.

Patel: ?Viele Länder müssen sich auch in naher Zukunft entscheiden, wie sie ihre begrenzten Impfstoffvorräte am besten einsetzen. In den meisten Fällen lässt sich mehr erreichen, wenn man sich auf die Impfung der Ungeimpften konzentriert.?

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Erste Daten: Antikörper-Antwort auf Omikron stark reduziert, doch Boostern hilft; EMA-Okay für Tocilizumab; Übersterblichkeit durch Corona
Michael van den Heuvel, Medscape


Heute meldet das Robert-Koch-Institut 70.611 Neuinfektionen innerhalb der letzten 24 Stunden. Vor 1 Woche waren es 73.209 weitere Fälle. Die 7-Tage-Inzidenz sinkt auf 422,3 Infektionen pro 100.000 Einwohner; am Vortag lag der Wert bei 427,0. Weitere 465 Menschen sind in Zusammenhang mit COVID-19 gestorben (Vorwoche: 388).

Als 7-Tage-Hospitalisierungsinzidenz nennt das RKI 5,79 Fälle pro 100.000 Einwohner, Stand 8. Dezember. Am Tag zuvor lag der Wert bei 5,47.

Laut DIVI-Intensivregister waren am 9. Dezember, 12:15 Uhr, 4.943 Patienten in intensivmedizinischer Behandlung, sprich 46 mehr als am Vortag. Aktuell sind 770 Betten im Low-Care- und 1.411 im High-Care-Bereich frei. Hinzu kommen 267 freie ECMO-Behandlungsplätze.

Heute beraten Bund und Länder über weitere Maßnahmen. Erstmals nimmt der neue Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) an dem Treffen teil; den Vorsitz hat Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU). Angesichts der pandemischen Lage halten es Beobachter für denkbar, dass strengere Maßnahmen beschlossen werden.

40 Mal mehr Antikörper nötig, um Omikron zu neutralisieren. Boostern bleibt wichtig!

EMA: Zulassung von RoActemra® bei Erwachsenen mit schwerem COVID-19

Statistisches Bundesamt: Corona-Pandemie hat zu Übersterblichkeit geführt

AstraZeneca-Impfstoff: Ist das verwendete Adenovirus Ursache der Thrombozytopenien?

Weltweit gegen COVID-19 impfen ? dies sind die Herausforderungen

40 Mal mehr Antikörper nötig, um Omikron zu neutralisieren. Boostern bleibt wichtig!
Seit gestern sind erste Daten von mehreren Arbeitsgruppen (noch nicht peer-reviewed) zur Wirkung der Antikörper, die nach Impfung oder vorheriger Infektion gebildet wurden, gegen die neue Omikron-Variante verfügbar. Nun lasse sich ?etwas fundierter spekulieren?, schreibt Prof. Dr. Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, auf Twitter dazu.


Aufgrund der Daten lasse sich nun sagen: ?Es braucht deutlich mehr Antikörper, um Omikron zu neutralisieren. Etwa 40-fach mehr! Das ist der größte Abfall, den wir je bei einer Variante gesehen haben.? Das bedeute: ?Wir werden deutlich mehr Durchbruchsinfektionen sehen. Gerade bei Genesenen und 'nur' 2x Geimpften.

Doch zeigten die Ergebnisse auch ganz klar, dass auch neutralisierende Antikörper von Geimpften in der Lage seien, Omikron zu binden und zu neutralisieren. Daraus schließt er: ?Nach Booster oder Impfung plus Infektion hat man deutlich mehr Antikörper und ist besser gegen Omikron geschützt.? Sein Fazit: ?Die Impfungen sind weniger effektiv, aber nicht nutzlos!?


Trotz einem geringeren Schutz vor einer Infektion mit der Omikron-Variante, schütze die Impfung doch vor einer schweren Erkrankung, schreibt der Immunologe. Bis ein angepasster Impfstoff verfügbar sei, dauere es noch Monate: Daher empfiehlt Watzl nicht auf diesen zu warten, sondern die Booster-Impfungen voranzutreiben.

Die Daten, auf die er sich bezieht, hat z.B. Alex Sigal vom Africa Health Research Institute in Durban auf Twitter berichtet; ein Preprint liegt vor. Laut Sigal verwendet Omicron immer noch ACE2 als Eintrittspforte in Zellen. Er berichtet, dass sich aber die neutralisierende Wirkung von Antikörpern im Vergleich zu Delta bis zu 37-fach verringert habe. Seine Daten geben zudem Hinweise darauf, dass Geboosterte oder Menschen mit früherer Infektion plus 2-facher Impfung eine stärkere Immunantwort gegen die Variante entwickeln als solche die ?nur? zweifach geimpft sind.

Über ähnliche Resultate berichtet Prof. Dr. Sandra Ciesek, Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt, ebenfalls auf Twitter. Sie schreibt: ?Unsere 1. Daten zur Neutralisation von Omikron versus Delta sind fertig: 2x BioNTech, 2x Moderna, 1xAZ/1x BioNTech nach 6 Monaten 0% Neutralisation bei Omikron, auch 3x BioNTech 3 Monate nach Booster nur 25% NT versus 95% bei Delta. Bis zu 37-fache Reduktion Delta vs. Omicron.?

Doch sie schränkt ein, die Immunantwort nach einer Infektion bzw. Impfung werde ja bekanntlich nicht nur über Antikörper vermittelt. ?Diese Daten können nichts dazu aussagen, ob man weiterhin vor einem schweren Verlauf geschützt ist (Stichwort T-Zellen).?

Pfizer und BioNTech veröffentlichten Ergebnisse erster Untersuchungen ?als Laborstudie mit einem Pseudovirus. Sie berichten, dass 3 Dosen Comirnaty® den Titer neutralisierender Antikörper gegen Omikron im Vergleich zu 2 Dosen um das 25-Fache erhöhen. ?Titer nach der Auffrischimpfung sind vergleichbar mit den Titern, die nach 2 Dosen gegen das Wildtyp-Virus beobachtet wurden und mit einem hohen Schutzniveau verbunden sind?, schreiben die Firmen.


Sie vermuten: ?Da 80% der Epitope im Spike-Protein, die von CD8+ T-Zellen erkannt werden, von Mutationen in der Omicron-Variante nicht betroffen sind, können 2 Dosen dennoch einen Schutz vor schweren Erkrankungen bewirken.?

EMA: Zulassung von RoActemra® bei Erwachsenen mit schwerem COVID-19
Auch bei der Behandlung von COVID-19 gibt es Neues. Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der EMA hat empfohlen, die Indikation von RoActemra® (Tocilizumab) auf die Behandlung von Erwachsenen mit COVID-19 zu erweitern, die eine systemische Behandlung mit Kortikosteroiden erhalten und zusätzlichen Sauerstoff oder mechanische Beatmung benötigen.

Das Medikament ist in der EU bereits zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis, der systemischen juvenilen idiopathischen Arthritis, der juvenilen idiopathischen Polyarthritis, der Riesenzellarteriitis und des Zytokin-Freisetzungssyndrom (CRS) zugelassen.

Grundlage der Empfehlung sind Daten einer Studie, an der 4.116 hospitalisierte Erwachsene mit schwerer COVID-19-Erkrankung teilgenommen hatten, die zusätzlichen Sauerstoff oder eine mechanische Beatmung benötigten und hohe Werte an C-reaktivem Protein im Blut aufwiesen.

Die Studie zeigte, dass RoActemra® als Add-on das Sterberisiko im Vergleich zur Standardbehandlung leicht verringert. Insgesamt starben 31% aller Patienten im Studienarm mit RoActemra® plus Standardbehandlung (621 von 2.022) innerhalb von 28 Tagen nach der Behandlung, verglichen mit 35%, die nur eine Standardtherapie erhalten hatten (729 von 2.094). Darüber hinaus konnten 57% der Patienten (1.150 von 2.022) im Studienarm mit RoActemra® das Krankenhaus innerhalb von 28 Tagen verlassen, verglichen mit 50% (1.044 von 2.094) in der Kontrollgruppe.

Die Studie zeigte allerdings auch, dass ein Anstieg der Sterblichkeit nicht ausgeschlossen werden kann, wenn RoActemra® bei Patienten eingesetzt wird, die keine systemischen Kortikosteroide erhalten. Allerdings war das Sicherheitsprofil des Arzneimittels günstig bei denjenigen Patienten, die bereits mit Kortikosteroiden behandelt wurden, und der CHMP kam zu dem Schluss, dass der Nutzen des Arzneimittels für diese Patienten größer ist als die Risiken.


Tocilizumab, ein monoklonaler Antikörper, zielt auf Interleukin-6 (IL-6), ein Zytokin, das bei inflammatorischen Vorgängen ausgeschüttet wird. Indem RoActemra® die Bindung von IL-6 an seine Rezeptoren verhindert, reduziert es die Entzündung und verbessert die Symptome der schweren COVID-19-Erkrankung.

Statistisches Bundesamt: Corona-Pandemie hat zu Übersterblichkeit geführt
Bei einer Online-Pressekonferenz stellte das Statistische Bundesamt (Destatis) Ergebnisse einer Analyse der Sterbefallzahlen vor. ?Von März 2020 bis Mitte November 2021 sind in Deutschland mehr Menschen gestorben, als unter Berücksichtigung der demografischen Entwicklung zu erwarten gewesen wäre?, so Destatis-Vizepräsident Christoph Unger. ?Der Anstieg der Sterbefallzahlen ist nicht allein durch die Alterung der Bevölkerung erklärbar, sondern wurde maßgeblich durch die Pandemie beeinflusst.?

Wie Dr. Felix zur Nieden, Referent für Demografische Analysen und Modellrechnungen, erläuterte, sind im Jahr 2020 insgesamt 985.600 Menschen gestorben. Es habe damit 5% oder 46.000 Tote mehr als im Jahr 2019 gegeben. Alleine aufgrund der Alterung der Bevölkerung wäre nur ein Anstieg um rund 2% oder 20.000 Fälle zu erwarten gewesen, so der Experte.

Das Statistische Bundesamt gab auch Einblicke in die Todesursachen-Statistik: Insgesamt starben 39.758 Menschen an der Corona-Infektion (als Grunderkrankung), weitere 8.102 Menschen hatten COVID-19 als Begleiterkrankung neben weiteren Leiden, als sie starben. Am häufigsten wurden auf Totenscheinen Hypertonie (21% der Fälle), Vorhofflimmern bzw. Vorhofflattern (10%), Demenz (20%), Niereninsuffizienz (16%) und Diabetes mellitus (16%) als weitere Erkrankung genannt. 70% der COVID-19-Toten waren 80 Jahre oder älter.

In Zusammenhang mit COVID-19 haben Ärzte letztes Jahr rund 176.000 Patienten stationär behandelt. Von allen Erkrankten waren 36.900 (20,9%) auf einer Intensivstation. 21.400 der intensivmedizinischen Patienten (58,1%) wurden künstlich beatmet, im Schnitt für 254 Stunden. Insgesamt sind 31.600 stationäre COVID-19-Patienten gestorben (17,9%). Sie waren im Schnitt 80,3 Jahre alt.

Laut Krankenhaus-Statistik hatte die Pandemie auch Folgen für planbare Eingriffe oder Behandlungen. Im Jahr 2020 gab es bundesweit fast 2,5 Millionen oder 13,1% weniger stationäre Aufenthalte als im Vorjahr. Die Zahl chirurgischer Eingriffe ging um 690.000 oder 9,7% zurück.

AstraZeneca-Impfstoff: Ist das verwendete Adenovirus Ursache der Thrombozytopenien?
Warum Blutgerinnsel in Zusammenhang mit Adenovirus-COVID-19-Impfstoffen wie dem von AstraZeneca auftreten können, dazu hat ein internationales Team von Wissenschaftlern neue Hinweise.

Die Forscher verwendeten eine Technologie namens CryoEM, um Präparate von ChAdOx1, dem im AstraZeneca-Impfstoff verwendeten Adenovirus, im Schnellverfahren einzufrieren und mit Elektronen zu beschießen, um mikroskopische Bilder der Impfstoffkomponenten zu erzeugen. So konnten sie die Struktur des viralen Kapsids und anderer wichtiger Proteine, die dem Virus den Eintritt in die Zelle ermöglichen, aufklären.

Insbesondere untersuchten Forscher die Struktur und den Rezeptor von ChAdOx1, und wie es mit dem Thrombozytenfaktor 4 (PF4) interagiert. Anhand von Computersimulationen konnten sie zeigen, dass die beiden Moleküle unter anderem über elektrostatische Wechselwirkungen eng miteinander verbunden sind.

Die Ergebnisse ihrer Modellierungen deuten darauf hin, dass der virale Vektor ? wenn auch nur selten ? in den Blutkreislauf gelangt. Dort bindet er an PF4, und das Immunsystem erkennt den Komplex als fremd. Es kommt zur Freisetzung von Antikörpern gegen PF4, die sich an Blutplättchen binden und diese aktivieren, so dass sie sich zusammenballen und bei einer sehr kleinen Anzahl von Menschen nach der Verabreichung des Impfstoffs Blutgerinnsel auslösen.

Weltweit gegen COVID-19 impfen ? dies sind die Herausforderungen
Prof. Dr. Annelies Wilder-Smith von der London School of Hygiene and Tropical Medicine, hatte bei einem Pressebriefing des Science Media Center eine ?gute Nachricht?: Bis Ende November 2021 seien rund 8 Milliarden Dosen an COVID-19-Vakzinen verimpft worden. Doch: ?Die schlechte Nachricht ist, dass in einkommensschwachen Ländern nur 6% mindestens 1 Dosis erhalten haben.?

Während viele Länder schon Auffrischungsimpfungen durchführten, hätten zahlreiche Menschen in ärmeren Ländern noch nicht einmal die 1. Dosis bekommen. Hier gebe es dringenden Nachholbedarf. ?Wir müssen sicherstellen, dass mehr Menschen ihre 1. und 2. Dosis erhalten, aber gleichzeitig Auffrischungsimpfungen ? speziell für vulnerable Personen ? durchgeführt werden?, sagt die Expertin.

Wilder-Smith wies darauf hin, dass der enge ?Flaschenhals? nicht nur die ausreichende Produktion der Impfstoffe sei, sondern auch deren Lieferung. Der Transport gestalte sich aufgrund der Lagerbedingungen schwierig und benötige spezielle Logistik. ?Außerdem haben wir mit den älteren Menschen, die vorrangig geimpft werden sollen, eine ganz andere Personengruppe als bei vielen anderen Impfstoffen?, so die Expertin.

Prof. Dr. Florian Krammer von der Icahn School of Medicine at Mount Sinai, New York, USA, gab zudem zu bedenken, dass sich die bislang verabreichten Impfstoffe womöglich in der Effektivität gegen Omikron unterscheiden. Wenn, wie zu erwarten, sich Omikron weltweit durchsetzt, ein nicht ganz unerheblicher Aspekt. Mehrere Studien dazu liefen allerdings noch; man warte auf Daten. Schwierigkeiten sieht er hier vor allem bei Vakzinen, die als Einzeldosis verabreicht werden oder inaktivierte Viren bzw. Proteine enthalten.


Als wichtigen Nutzen aller Impfstoffe strich Dr. Jakob Cramer von der Coalition for Epidemic Preparedness Innovations (CEPI) hervor, dass sie die Hospitalisierungen reduzieren. Dies sei ? auch in Hinblick auf Omikron und auf künftige Varianten ? das wichtige Ziel der künftigen Impfstoffforschung und -entwickelung.

Ob es derzeit nötig sei, Impfstoffe, allen voran das Oxford-Vakzin (AstraZeneca), zu modifizieren, wisse man noch nicht, meinte Prof. Dr. Teresa Lambe von der Oxford University. Man habe aber bereits Technologien dazu entwickelt, und eine Anpassung sei schnell möglich. Krammer wies darauf hin, es gehe nicht nur um die Forschung und die Entwicklung, sondern um die Frage, wie Arzneimittelbehörden modifizierte Vakzine bewerten würden. Sprich: Welche Daten müsse die Firma vorweisen?

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"Nerven liegen blank": Intensivpfleger gibt traurigen Einblick in Corona-Alltag
Von Marie Illner


Als das Coronavirus im chinesischen Wuhan ausbricht, arbeitet Florian Kaiser bereits seit Jahren auf einer Intensivstation in Deutschland.
Die ersten Corona-Fälle stellen den Intensivpfleger vor Herausforderungen.
Inzwischen liegen bei Kaiser die Nerven blank - Dutzende Corona-Patienten sind auf seiner Station gestorben.


Dass Florian Kaiser (Name geändert) Menschen sterben sieht, ist nichts Ungewöhnliches. Der 37-Jährige arbeitet seit zehn Jahren als Pflegekraft, vier Jahre davon auf einer Intensivstation. Den Tod kennt er bestens. Aber die Corona-Toten ? sie sind doch etwas anderes.

"Am Anfang war es ziemlich ungewohnt, dass normale Menschen ohne adipöse Erscheinung oder andere nennenswerte Erkrankungen dermaßen hohe Dosen an Hypnotika, Analgetika oder Relaxantien benötigen, wie man sie sonst von Drogenabhängigen kennt", erinnert sich Kaiser an die ersten Begegnungen im Arbeitsalltag mit COVID-19-Kranken.
Risiko durch Corona zu Beginn unklar

Es ist Ende 2019, als sich im chinesischen Wuhan plötzlich Lungenerkrankungen häufen. Der Ausbruch, das wird man später erfahren, soll seinen Ursprung auf einem Tiermarkt haben, wo das damals neuartige Coronavirus vom Tier auf den Menschen übergesprungen sein könnte.

Im Januar 2020 identifizieren die chinesischen Behörden dieses Coronavirus erstmals, die Weltgesundheitsorganisation (WHO) selbst spricht noch von "begrenzten Informationen, um das Gesamtrisiko einzuschätzen".
Coronakrise
Wegen Omikron: Drosten dämpft Hoffnungen auf Ende der Pandemie im Frühjahr
Am Anfang stand Respekt

Auch in Deutschland tritt noch im Januar der erste COVID-Fall auf, die ersten Toten werden im März verzeichnet. Damals, vor mittlerweile fast zwei Jahren, hat Kaiser vor allem eins: Respekt. "Respekt vor dem Virus und dem Unbekannten", erklärt er im Gespräch mit unserer Redaktion.

Unklar ist noch: Wie sind die Verläufe, wie kann man am besten helfen? Erfahrungswerte, auf die man zurückgreifen kann ? es gibt sie wie sonst üblich nicht.

"Die Beatmung unterscheidet sich sehr von der bisher gekannten Art der Beatmung, man wusste zunächst nicht, wie man die Patienten 'richtig beatmen' muss", erinnert sich Kaiser. Die Klinik in Nordrhein-Westfalen, in der Kaiser arbeitet, tauscht sich dazu regelmäßig mit der Universitätsklinik Essen aus.
Keine Erfahrungswerte vorhanden

"Alle Patienten, die an COVID erkrankt sind, deren Situation sich plötzlich verschlechtert hat, wurden nach Essen verlegt, aber irgendwann hatte auch Essen keine Kapazitäten mehr", berichtet der 37-Jährige. Teilweise seien Behandlungsempfehlungen in einem kurzen Zeitraum wieder geändert worden.

"Bei COVID ist es so, dass die Patienten keine Reservekapazität der Lunge haben. Sie entsättigen unwahrscheinlich schnell, teilweise unter einer Minute", sagt Kaiser. Deshalb müsse alles blitzschnell gehen. "Du musst auf einem hohen Level hoch konzentriert sein, sonst sterben dir die Patienten unter den Händen weg", gibt Kaiser zu.

Bilder aus dem italienischen Bergamo gehen im März 2020 um die Welt: Ein Militärkonvoi bringt 60 Tote in die Krematorien von Nachbarstädten.
Live-Ticker Coronakrise
Inzidenz erneut leicht gesunken: RKI registriert 70.611 Corona-Neuinfektionen
vor 34 Minuten
Dutzende Corona-Tote

Kaiser und sein Team lagern ihre Patienten derweil für bis zu 16 Stunden auf dem Bauch, um andere Kräfte auf die Lunge wirken zu lassen. "Das beansprucht aber natürlich auch eine gewisse Anzahl an Personen, die dort agieren", sagt Kaiser.

In den letzten beiden Jahren seien etwa 120 Corona-Patienten auf seiner Station gewesen. "Die Hälfte davon musste beatmet werden, wiederum die Hälfte davon ist verstorben", sagt Kaiser.

Einer von ihnen ist dem Pfleger besonders in Erinnerung geblieben: Ein Patient, der zunächst eine Woche lang auf einer Station liegt, die zwischen Normalstation und Intensivstation angesiedelt ist, und dort über eine Atemmaske mit Sauerstoff versorgt wird.
Lungenreserve schnell aufgebraucht

"Der damalige Oberarzt hat mit Engelszungen auf ihn eingeredet, dass er intubiert werden muss, um seine Lunge und Energie zu schonen", sagt Kaiser. Die Werte des Patienten sind schlecht, minimale Unterbrechungen der Atemmaske etwa bei der Nahrungsaufnahme führen zu einem sofortigen Abfall der Sättigung.

"Bei an COVID erkrankten Patienten ist die Reserve der Lunge schon minimal bis gar nicht mehr vorhanden", erinnert der Pfleger.

Nach einer Woche gibt der Patient dann schließlich sein Einverständnis. "Die entsprechende Kapazität wurde geschaffen, es wurde alles bis ins kleinste Detail vorbereitet, wir versuchten, alle Eventualitäten zu berücksichtigen", erinnert sich Kaiser.

Man ist perfekt vorbereitet, ein erfahrener anästhesiologischer Oberarzt führt die Intubation durch. "Kurz davor hat der Patient meine Hand gehalten und gesagt, dass er nicht glaubt, dass er es schaffen wird", berichtet Kaiser.

Er sieht die Panik in den Augen des Patienten. Für ein letztes Telefonat mit den Angehörigen ist er bereits zu schwach. "Der Patient hat die Intubation geschafft, aber der Zeitpunkt war zu spät. Vier Tage später ist er verstorben, trotz 60-minütiger Reanimation und aller erdenklicher Versuche", sagt der Pfleger.
Extrem intensive Betreuung nötig

In Deutschland wird Ende März der erste Lockdown verhängt, abendliche Talkshows drehen sich beinahe nur noch um das Virus. Nun ist das Unbekannte nicht mehr ganz so unbekannt. "Man wusste mittlerweile, was passiert und wie man agieren muss", sagt Intensivpfleger Kaiser.

Aber trotz des Wissens ändert sich eins nicht: Ein instabiler Patient, der an COVID erkrankt ist, braucht eine extrem intensive Betreuung.
Psychologische Betreuung "grausam"

"Es kostet viel Zeit, sich hygienisch mit Schutzausrüstung zu bekleiden, das Desinfizieren, der Kleidungswechsel. Die Patienten bleiben vollkommen auf der Strecke", räumt Kaiser ein. Frühmobilisation, also Maßnahmen zur aktiven oder passiven Bewegungsübung, könnten nicht wie empfohlen stattfinden.

"Auch die psychologische Betreuung der Angehörigen war aufgrund der verständlichen hygienischen Richtlinien grausam", sagt Kaiser. Sie dürfen den Patienten meist über einen Zeitraum von drei Wochen nicht sehen, erhalten nur regelmäßig Feedback vom medizinischen Personal.

"Nur, um dann schließlich die Nachricht zu bekommen, dass der Angehörige verstorben ist", sagt der 37-Jährige betroffen. Selbst dann habe man nicht die Möglichkeit, Abschied zu nehmen. "Das geht in der Tat nicht spurlos an mir vorbei", sagt er.

Trotzdem versuche das Personal, viel möglich zu machen, beispielsweise Treffen mit Angehörigen über Facetime, bei denen die Pfleger das Sprechen übernehmen.
Pflegekräfte sind müde und ausgelaugt

Im Dezember 2020 meldet das Robert-Koch-Institut (RKI) 730 Corona-Tote an einem Tag.

Müde und ausgelaugt ? das seien die meisten seiner Kolleginnen und Kollegen inzwischen. "Manch einer hat bereits den Bereich gewechselt oder aufgehört, in der Pflege zu arbeiten", weiß Kaiser aus eigener Erfahrung. "Mittlerweile liegen bei allen die Nerven blank", erzählt der Pfleger.


Von der Kinderintensivstation seiner Klinik wird Personal abgezogen, um Reserven zu schaffen, zusätzliche Arbeitsstunden muss fast jeder leisten. "Die wurden zwar pro Schicht sehr gut vergütet, aber es ist Zeit, die privat fehlt", sagt der Familienvater.


Kein Verständnis für Impfgegner

Geimpft oder ungeimpft ? professionell wird auf Kaisers Station jeder Patient gleich behandelt. "Aber innerlich merkt man, auch im Team, dass es nicht verständlich ist, wenn selbst nach überstandener Erkrankung die Impfbereitschaft nicht vorhanden ist", findet Kaiser.

Ärzte und Pfleger müssten oft einen Spagat zwischen persönlicher Meinung und professionellem Handeln vollziehen. Im Februar 2021 lehnt der Großteil der Politik eine Impfpflicht noch ab, inzwischen will die Regierung sie einführen.


Beitrag übernommen von gmx

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Vermeidbarer Kollateralschaden: Suboptimal kontrolliertes Asthma bei Kindern erhöht Risiko durch COVID-19
Dr. Nicola Siegmund-Schultze



Für Kinder mit Asthma ist eine gute Kontrolle der Atemwegserkrankung entscheidend, um das Risiko für einen schweren Verlauf von COVID-19 zu senken. Das ist das Fazit einer bevölkerungsrepräsentativen Kohortenstudie aus Schottland.

Danach ist Asthma für pädiatrische Patienten zwar generell mit einem erhöhtem Risiko für schwere COVID-19-Erkrankungen assoziiert im Vergleich zu Kindern ohne Asthma. Am ausgeprägtesten aber ist die Risikoerhöhung in Subgruppen, die wegen Asthma stationär behandelt werden (Faktor 6) oder die eine systemische Kortikoidtherapie erhalten (Faktor 3-4). Diese Patientengruppen könnten von einer frühen SARS-CoV-2-profitieren.

Welche Kinder und Jugendliche sind curch COVID-19 besonders gefährdet?
International wird derzeit untersucht, bei welchen Subgruppen von Kindern und Jugendlichen der Vorteil einer Impfung gegen SARS-CoV-2 die potenziellen Risiken überwiegen könnte. Das britische Joint Committee on Vaccination and Immunisation (JCVI) hat daher ein schottisches Forscherteam gebeten, bevölkerungsrepräsentative Daten zu dieser Fragestellung zu erheben.

Datenbasis der populationsbasierten Kohortenstudie war die Plattform ?Early Pandemic Evaluation and Enhanced Surveillance of COVID-19 (EAVE II)?, über die auf die Daten von 5,4 Millionen Menschen in Schottland zugegriffen werden kann. Das entspricht 99% der schottischen Bevölkerung. D

Die Gesamtkohorte bestand aus 752.867 Kindern im Alter von 5 bis 7 Jahren, davon 63 463 Kinder mit Asthma (8,4% der Kohorte). Getestet auf SARS-CoV-2 wurden 258.604 Kinder ohne Asthma und 28.460 mit Asthma. Bei 5,8% bzw. 6,8% (ohne Asthma, mit Asthma) war ein SARS-CoV-2-PCR-Test positiv.

Analysiert wurde das Risiko für schwere Verläufe von COVID-19, bewertet als Erkrankung, die eine stationäre Behandlung im Zeitfenster von 14 Tagen nach einem positiven SARS-CoV-2-PCR-Test erforderlich macht oder die zum Tod binnen 28 Tagen nach positivem Testergebnis führt.

Schlechte Krankheitskontrolle und Glukokortikoidtherapie als Risiko
0,9% der Kinder ohne Asthma, die eine labordiagnostisch gesicherte SARS-CoV-2-Infektion hatten, mussten wegen der Infektion stationär behandelt werden, in der Gruppe mit Asthma waren es 1,5%.

Bei Kindern mit stationär therapiertem Asthma ? Ausdruck einer ungenügend kontrollierten Erkrankung ? war die Rate der COVID-19-bedingten Klinikaufenthalte um den Faktor 6,4 höher als bei Kindern ohne Asthma.

In der Gruppe mit gut kontrollierter chronischer Atemwegserkrankung betrug der Faktor 1,36 im Vergleich zu Kindern ohne Asthma.

Wurde die orale Glukokortikoidtherapie als Marker für die Schwere des Asthma verwendet, war das Risiko für eine stationäre COVID-19-Behandlung bei mindestens 3 Steroidbehandlungszyklen um den Faktor 3,38 im Vergleich zu Kindern ohne Asthma erhöht, um den Faktor 3,53 bei Kindern mit mindestens 2 Kortikoidbehandlungszyklen und um den Faktor 1,52 bei mindestens einem Behandlungszyklus.

Kinder ohne erforderliche orale Glukokortikoidtherapie hatten noch ein um den Faktor 1,34 erhöhtes Risiko für schwere COVID-19-Verläufe verglichen mit Altersgenossen ohne Asthma.

Im Alter von 5 bis 11 Jahren war bei Kindern mit Asthma das Risiko für einen schweren Verlauf höher als ab dem 12. Lebensjahr.

Klinische Bedeutung

Gute Asthmakontrolle entscheident
Die Rate der SARS-CoV-2-infizierten Kinder mit Asthma, die im Krankhaus wegen COVID-19 behandelt werden mussten, sei mit 1,5% gering gewesen, heißt es in einem Kommentar zur Studie [2]. Und lediglich 0,2% der Kinder mit Asthma und SARS-Infektion hätten intensivmedizinisch versorgt werden müssen.

Dennoch habe die Gruppe mit Asthma, vor allem bei anhaltenden Exazerbationen, ein deutlich höheres Risiko gehabt als Gleichaltrige ohne Asthma. Es sei auch von anderen respiratorischen Viren bekannt, dass sie Schwere und Häufigkeit von Asthma-Exazerbationen förderten.

Ziel müsse daher eine gute Asthmakontrolle sein. Eine Impfung pädatrischer Bevölkerungsgruppen komme dann vor allem für Kinder infrage, bei denen Asthma-Symptome fortbestehen. Deren potenzielle Nebenwirkungen wiederum seien gegen das insgesamt geringe Risiko, wegen COVID-19 stationär behandelt werden zu müssen, abzwägen, so die Kommentatoren der Studie. Auch gegen saisonale Influenza sollte geimpft werden.

Dieser Artikel ist im Original erschienen auf Univadis.de .

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EMA: Real-World-Daten zeigen, wie hoch das Myokarditis- und Perikarditis-Risiko bei COVID-19-mRNA-Vakzinen ist
Michael van den Heuvel, Medscape



Neues vom Ausschuss für Risikobewertung im Bereich der Pharmakovigilanz (PRAC) und vom Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) : Arzneimittelexperten haben Real-World-Daten zu Myokarditis- und Perikarditis-Risiken von mRNA-Vakzinen ausgewertet. Außerdem startet eine fortlaufende Überprüfung des 1. COVID-19-"Totimpfstoffs".

Fortlaufende Überprüfung des VLA2001-Vakzins
Der Ausschuss für Humanarzneimittel hat mit der fortlaufenden Überprüfung von VLA2001, einem von Valneva entwickelten COVID-19-Impfstoff, begonnen.

Die Entscheidung stützt sich auf vorläufige Ergebnisse aus Laborstudien und frühen klinischen Studien an Erwachsenen. Ergebnisse deuten darauf hin, dass der Impfstoff die Produktion von Antikörpern auslöst, die sich gegen SARS-CoV-2 richten. Darüber hat Medscape berichtet.

Der Impfstoff enthält inaktiviertes SARS-CoV-2 zusammen mit 2 Adjuvantien, um die Immunreaktion zu verstärken.

Myokarditis und Perikarditis bei mRNA-Vakzinen
Im Rahmen seiner Sitzung hat der Sicherheitsausschuss der EMA aktuelle Daten zu Comirnaty® (BioNTech/Pfizer) und Spikevax® (Moderna) bewertet. Erneut ging es um mögliche Risiken einer Myokarditis und Perikarditis in Zusammenhang mit den Impfstoffen.

In die aktuelle Überprüfung wurden 2 große epidemiologische Studien aus Europa einbezogen. Eine Studie wurde unter Verwendung von Daten des französischen nationalen Gesundheitssystems (Epi-phare) durchgeführt, die andere basierte auf Daten eines skandinavischen Registers.

?Insgesamt bestätigt das Ergebnis der Überprüfung das Risiko einer Myokarditis und Perikarditis, das bereits in den Produktinformationen für diese beiden Impfstoffe angegeben ist, und liefert weitere Einzelheiten zu diesen beiden Erkrankungen?, heißt es in der Pressemeldung. Laut PRAC seien beide Erkrankungen insgesamt ?sehr selten?. Bis zu 1 von 10.000 geimpften Personen könnten betroffen sein kann. Außerdem zeigten die Daten, dass das erhöhte Risiko einer Myokarditis nach der Impfung bei jüngeren Männern am höchsten sei, heißt es weiter.

Eine Myokarditis oder eine Perikarditis kann sich innerhalb weniger Tage nach der Impfung entwickeln, meist innerhalb von 14 Tagen. Beide Erkrankungen wurden häufiger nach der 2. Impfung beobachtet.

Für Comirnaty® zeigt die französische Studie, dass in einem Zeitraum von 7 Tagen nach der 2. Dosis etwa 0,26 zusätzliche Fälle von Myokarditis bei 12- bis 29-jährigen Männern pro 10.000 Personen im Vergleich zu nicht exponierten Personen auftraten. In der skandinavischen Studie waren es in einem Zeitraum von 28 Tagen nach der 2. Dosis 0,57 zusätzliche Fälle einer Myokarditis bei 16- bis 24-jährigen Männern pro 10.000 Personen im Vergleich zu nicht exponierten Personen.

Bei Spikevax® zeigte die französische Studie, dass innerhalb von 7 Tagen nach der 2. Dosis bei 12- bis 29-jährigen Männern pro 10.000 Personen im Vergleich zu nicht exponierten Personen etwa 1,3 zusätzliche Fälle von Myokarditis auftraten. Der skandinavischen Studie zufolge waren es innerhalb von 28 Tagen nach der 2. Dosis bei 16- bis 24-jährigen Männern etwa 1,9 zusätzliche Fälle pro 10.000 Personen im Vergleich zu nicht exponierten Personen.

Myokarditiden und Perikarditiden sind entzündliche Erkrankungen des Herzens, die sich durch eine Reihe von Symptomen bemerkbar machen, häufig Atemnot, ein kräftiger Herzschlag, der unregelmäßig sein kann, und Schmerzen in der Brust. ?Die verfügbaren Daten deuten darauf hin, dass sich der Verlauf einer Myokarditis oder Perikarditis nach einer Impfung nicht von den Krankheiten ohne Zusammenhang zu mRNA-Vakzinen unterscheidet?, so die EMA.

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Wenn Helfer Hilfe benötigen: Bis zu 50% aller Klinik-Mitarbeiter sind durch COVID-19 psychisch belastet
Ute Eppinger, Medscape



Pandemie und kein Ende: Wie kommen Pflegepersonal und Ärzte mit der pandemiebedingten Dauerbelastung klar? Bis zu 50% der Klinikmitarbeiter sind durch die COVID-19-Pandemie psychisch belastet. Das zeigen aktuelle Studienergebnisse aus den Netzwerken NUM egePan und CEOsys (COVID-19-Evidenz-Oekosystem), die Experten auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) vorgestellt haben.

Im NUM egePan-Netzwerk sind medizinische Universitäten zusammen geschlossen, um ein evidenzgeleitetes Pandemiemanagement zu entwickeln, zu testen und zu implementieren, koodiniert durch das Netzwerk der Universitätsmedizin (NUM). Das CEOsys besteht aus 21 Universitäten und 4 außeruniversitären Partnern ? darunter auch Cochrane Deutschland und Cochrane Frankreich.

30 bis 50% der Pflegekräfte, Ärzte und Rettungsfachkräfte zeigen eine bedeutsame, COVID-19-Stressoren assoziierte psychische Belastung. Dr. Oliver Tüscher
?30 bis 50% der Pflegekräfte, Ärzte und Rettungsfachkräfte zeigen eine bedeutsame, COVID-19-Stressoren assoziierte psychische Belastung?, berichtete Dr. Oliver Tüscher, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Mainz, von den Ergebnissen der COVID-Intensiv-Studie.

Allerdings wurde die Querschnittsbefragung zur COVID-Intensivstudie im Zeitraum 6. April 2020 bis 7. Mai 2020 durchgeführt, die Studienergebnisse beziehen sich also auf die erste Welle der Pandemie. ?In der ersten Welle war die psychische Belastung von Mitarbeitern im Gesundheitswesen nicht höher als in der Allgemeinbevölkerung?, so Tüscher. Wie die psychische Belastung jetzt ? in der inzwischen vierten Welle ? aussieht, lässt sich daraus nicht ableiten.

Belastung erfragt
Für COVID-Intensiv waren 650 Mitarbeiter des Gesundheitswesens per Online-Fragebögen befragt worden. 75,8% der Befragten war jünger als 50 Jahre, 56,9% waren weiblich, 43,5% waren Pflegekräfte, 34,3% Ärzte und 19,5% Rettungsfachkräfte. 47,4% der Teilnehmer arbeiteten an der Universitätsklinik, 24,5% in der präklinischen Notfallmedizin und 10,3% in speziellen COVID-19-Kliniken.

Erhoben wurden Alter, Wohnort, Beruf, Angaben zum Arbeitsplatz, COVID-19-bezogene Sorgen und Stressoren, psychische Belastung, Resilienz, Resilienzfaktoren, Absentismusneigung und der Wunsch, den Beruf zu wechseln.

Endpunkte der Befragung waren die psychische Belastung, die Resilienz (BRS), die Absentismusneigung und der Wunsch, den Beruf zu wechseln. Die Daten wurden dann mit der Allgemeinbevölkerung in Deutschland vor und während der COVID-19-Pandemie verglichen.

Selbstwirksamkeit und Optimismus als Schutzfaktoren
Nach Auswertung der Fragebögen fand sich im Vergleich zur deutschen Allgemeinbevölkerung vor der Pandemie eine höhere psychische Belastung (47,1% der Befragten) und eine erhöhte Neigung zu depressiver und ängstlicher Symptomatik. Im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung während der ersten Welle der Pandemie zeigte sich hingegen eine geringere psychische Belastung.

Die Resilienz wurde etwas höher als in der Allgemeinbevölkerung vor und während der Pandemie eingeschätzt. COVID-19-bezogene Stressoren und Sorgen waren die wichtigsten Risikofaktoren, Selbstwirksamkeit und Optimismus die wichtigsten Schutzfaktoren.

Die psychische Belastung korrelierte moderat mit dem Wunsch nach Berufswechsel und der Absentismusneigung. 14% der Befragten hatten über eine Krankmeldung nachgedacht, 10,9% einen Berufswechsel erwogen. Während der ersten Welle kam es zu 21% mehr Krankeitsausfällen (verglichen mit 2019).

Psychische Belastung von Gesundheitspersonal während der COVID-19-Pandemie geht zwar mit einer verstärkten Neigung einher, sich krank zu melden. Wertschätzung durch Führungspersonal bewirke aber eine geringere Absentismusneigung, betonte Tüscher. ?Wir schließen aus den Ergebnissen, dass medizinisches Personal immer im Druck ist, dann aber in dieser besonderen Situation nicht mit einer so hohen Zunahme an Belastung reagiert hat, wie die Allgemeinbevölkerung.?

Hinsichtlich depressiver Verstimmungen zeigte sich das weibliche Personal belasteter. Auch Befragte, die zu einer Risikogruppe gehören, zeigten sich belasteter.

Mangelnde Wertschätzung war für diejenigen, die ohnehin belastet waren, ein deutlicher Faktor für Abstinenzneigung und den Wunsch, den Beruf zu wechseln, die mangelnde Unterstützung durch Vorgesetzte ebenso.

Auch PanMAG und VOICE belegen ein hohes Maß an Belastung
Neben COVID-Intensiv zeigen auch die Ergebnisse des PanMAG-Surveys (n= 2049, Zeitraum Januar bis Juni 2021) und des VOICE-Survey (n= 3678) ?insgesamt ein hohes Maß an psychischer und somatischer Belastung?, berichtete Hauke Wiegand, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Mainz.

In VOICE betrug die Prävalenz klinisch signifikanter Depressions- und Angstsymptome 17,4% bzw. 17,8% bei Ärzten, 21,6% bzw. 19,0% bei Krankenschwestern und 23,0% bzw. 20,1 % bei MTAs. Alle 3 Berufsgruppen wiesen im Vergleich zur deutschen Allgemeinbevölkerung vor der Pandemie signifikant erhöhte Werte beim Screening-Test für eine Major Depression (PHQ-2) und beim Screening-Test für generalisierte Angststörungen (GAD-2) auf, jedoch niedrigere Werte im Vergleich zu den Werten während der Pandemie.

Höhere Werte für depressive Symptome waren mit unzureichender Erholung in der Freizeit, erhöhtem Alkoholkonsum und geringerem Vertrauen in Kollegen in schwierigen Arbeitssituationen verbunden. Erhöhte Angstwerte standen darüber hinaus im Zusammenhang mit der Angst, sich mit COVID-19 zu infizieren.

In PanMAG hatten sich Depressivität und emotionale Erschöpfung als Risikofaktoren für Präsentismus erwiesen, d.h. die Studienteilnehmer waren trotz gesundheitlicher Einschränkungen am Arbeitsplatz erschienen. Soziale Unterstützung durch Kollegen war in PanMAG mit geringerer psychischer Belastung, besserer Arbeitsfähigkeit und geringerem Präsentismus assoziiert.

Wie lässt sich die Situation verbessern?
Aus den Ergebnissen der COVID-Intensiv-Studie, des PanMaG-Survey, des VOICE-Survey und der Evidenz aus CEOsys wurden Empfehlungen zur Förderung der psychischen Gesundheit der Klinikmitarbeiter abgeleitet.

Dazu gehört ein Good-Practice-Verzeichnis für Interventionen, um im Pandemiefall die Arbeitsfähigkeit der Mitarbeiter zu erhalten und eine adäquate Mitarbeiterzahl in der Versorgung zu gewährleisten. Erreicht werden soll das durch stationäre und ambulante Schutz- und Hygienekonzepte, durch bessere Mitarbeiterkommunikation; durch Prävention, Identifikation von Risikofaktoren, Tools zum Monitoring von psychischer Belastung und Interventionen bei psychischer Belastung und durch Konzepte zur Rekrutierung und Schulung von Personal. Direkte Unterstützungsangebote von Kliniken führt die E.A.P. Webseite auf.

Gesundheitsindikatoren und Arbeitsfähigkeit seien mit psychischen und somatischen Erkrankungen und mit der Führungs- und Teamkultur assoziiert sind, betonte Wiegand. Die Studienautoren empfehlen den Kliniken, ein vom Regelbetrieb abgekoppeltes betriebliches Gesundheitsmanagement einzurichten, z.B. in Form eines Employee Assistance Programms (EAP) mit 3 Ebenen: 1. Resilienzfördernd-präventiv, 2. Persönlich/online interventiv, 3. Team-und organisationsbezogen. Die Autoren empfehlen auch, Schulungen für Führungskräfte und Teamcoachings durchzuführen. Zudem sollten Entscheidungen ? gerade zu COVID-19-Maßnahmen ? partizipativ in den Teams getroffen werden.

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