Heidi Moawad, MD
Kreatin gilt als Nahrungsergänzungsmittel für den Muskelaufbau. Doch inzwischen rückt eine weitere Indikation in den Fokus: das Gehirn. Wissenschaftler untersuchen, ob Kreatin die mentale Gesundheit fördern und möglicherweise sogar vor Demenz schützen kann. Angesichts fehlender Behandlungsmöglichkeiten wäre das ein vielversprechender Ansatz – vorausgesetzt, die Präparate erweisen sich als sicher und wirksam.
Welche Rolle spielt Kreatin in den Muskeln?
Unser Körper produziert Kreatin in der Leber und in den Nieren. Aminosäure-Vorstufen nimmt er über die Nahrung auf – unter anderem aus Fleisch und Gemüse. Rund 95% des Kreatins werden als Phosphokreatin in Muskelzellen gespeichert. Dort sorgt es dafür, dass der Energieträger Adenosintriphosphat (ATP) bei körperlicher Belastung rasch wieder zur Verfügung steht. Deshalb gehören Kreatinpräparate seit Jahren zu den beliebtesten Nahrungsergänzungsmitteln im Kraftsport und im Fitnessbereich.
Wie Kreatin unser Gehirn beeinflussen könnte
Kreatin wird nicht nur in der Leber und den Nieren, sondern auch im Gehirn und in der Netzhaut gebildet. An diesem Prozess ist das Enzym Guanidinoacetat-Methyltransferase beteiligt, das besonders stark in Gliazellen vorkommt. Neben Erkenntnissen über die Biosynthese und den Stoffwechsel von Kreatin verdichten sich die Hinweise darauf, dass das Molekül im Gehirn wichtige Funktionen erfüllt.
Die Vermutung, Kreatin könne womöglich das Gehirn schützen, geht auf die Beobachtung zurück, dass ein Kreatinmangel oder eine gestörte Kreatinfunktion die kognitive Leistungsfähigkeit beeinträchtigen kann. Defekte im Gen des Kreatintransporters (CRT, SLC6A8) führen zu einem Mangel an Kreatin im Gehirn und verursachen schwere neurologische Symptome. Das Krankheitsbild wird als Kreatin-Transporter-Mangel bezeichnet. Wie es im Detail zu den neurologischen Störungen kommt, haben Forscher bislang nicht vollständig geklärt. Eine wirksame Behandlung gibt es derzeit nicht.
Kreatin ist in verschiedenen Darreichungsformen erhältlich. In wissenschaftlichen Studien kommt am häufigsten Kreatinpulver zum Einsatz, das in Wasser gelöst wird und dessen Bioverfügbarkeit am besten untersucht ist. Darüber hinaus sind Kreatinpräparate auch als Tabletten, Kapseln oder Fruchtgummis erhältlich.
Die entscheidende Frage ist, ob Supplemente den Kreatingehalt im Gehirn tatsächlich erhöhen. Einige kleinere Studien am Menschen sprechen dafür. Der Anstieg fällt jedoch deutlich geringer aus als in der Skelettmuskulatur. Die Autoren einer Übersichtsarbeit schreiben, dass Kreatinpräparate bei gesunden Erwachsenen die Stimmung, die kognitive Leistungsfähigkeit und den Schlaf verbessern könnten. Die beobachteten Effekte waren bei Frauen insgesamt stärker als bei Männern. Als mögliche Erklärung vermuten Wissenschaftler, dass Frauen von Natur aus über geringere körpereigene Kreatinspeicher verfügen als Männer.
Vergrößern
photo of Kann Kreatin das Gehirn vor Demenz schützen?
Eine Studie aus dem Jahr 2026 mit 29 gesunden Erwachsenen mit Schlafentzug wiederum hat ergeben, dass die Einnahme von 0,2 g Kreatin-Monohydrat pro kg Körpergewicht die durch Schlafmangel verursachte Verschlechterung der kognitiven Leistungsfähigkeit um bis zu 12% abmildert. Für einen Erwachsenen mit einem Körpergewicht von rund 68 kg entspricht das einer täglichen Dosis von etwa 14 g Kreatin.
Kreatin zur Behandlung neurologischer Erkrankungen
Dass Kreatinpräparate bei gesunden Menschen positive Effekte zeigen könnten, bedeutet nicht automatisch, dass sie auch bei Erkrankungen des Gehirns wirksam sind. Doch es gibt immer mehr Hinweise, dass Kreatin bei einigen neurologischen Erkrankungen als ergänzende Therapie Potenzial haben könnte.
Einer in Nutrients veröffentlichten Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2022 zufolge könnte eine Kreatinsupplementierung dazu beitragen, bestimmte Beschwerden nach einer traumatischen Hirnverletzung oder einer Gehirnerschütterung zu lindern.
Auch als möglicher Therapieansatz bei der Alzheimer-Krankheit wird Kreatin untersucht – sowohl zur Linderung von Symptomen als auch mit Blick auf einen möglichen Einfluss auf den Krankheitsverlauf. Im Rahmen einer einarmigen Pilotstudie mit 20 Patienten mit Alzheimer erhielten die Teilnehmer 8 Wochen lang täglich 20 g Kreatin-Monohydrat. Die Behandlung ging mit einem Anstieg des gesamten Kreatingehalts im Gehirn sowie mit moderaten Verbesserungen in kognitiven Tests einher.
Ist Kreatin auch für gesunde Erwachsene sinnvoll?
Ob Kreatinpräparate gesunden Menschen einen Nutzen bringen, wurde bislang nicht eindeutig belegt. Zwar gilt Kreatin als gut verträglich. Es wird seit Jahren zur Unterstützung von Training und Muskelaufbau eingesetzt. Dennoch lassen sich mögliche Sicherheitsbedenken derzeit nicht vollständig ausschließen. Hinzu kommt, dass es bislang weder einheitliche Dosierungsempfehlungen noch verbindliche Richtwerte für die Einnahme gibt.
Trotz dieser Limitationen könnte ein Versuch mit Kreatin für gesunde Erwachsene oder Menschen mit leichten kognitiven Beschwerden sinnvoll sein. Die bisherigen Studien deuten darauf hin, dass Kreatin kurzfristig die geistige Leistungsfähigkeit verbessern könnte – auch wenn die Ergebnisse nicht konsistent sind. Hinweise auf einen nachhaltigen Schutz vor kognitivem Abbau gibt es dagegen bislang nicht.
Der Beitrag ist im Original erschienen auf Medscape.com.
... link (0 Kommentare) ... comment










... link (5 Kommentare) ... comment
https://www.youtube.com/watch?v=pXXyEkwQdVw&list=RDpXXyEkwQdVw&start_radio=1
... link (0 Kommentare) ... comment
08. Juli 2026
Der Küchenschwamm zählt zu den am häufigsten verwendeten Reinigungsutensilien im Haushalt – und gleichzeitig zu den am stärksten unterschätzten Infektionsquellen. Eine aktuelle Untersuchung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) zeigt, dass sich pathogene Bakterien wie Escherichia coli, Salmonella Enteritidis und Staphylococcus aureus selbst aus geringsten Ausgangskeimzahlen innerhalb weniger Tage massiv vermehren. Weder unangenehmer Geruch noch Verfärbungen oder eine schleimige Oberfläche liefern dabei verlässliche Hinweise auf die tatsächliche mikrobielle Belastung. Details sind im Journal of Food Protection nachzulesen [1][2].
Küchenschwämme bleiben als Infektionsquelle häufig unbeachtet
Lebensmittelbedingte Infektionen verursachen weltweit erhebliche gesundheitliche und volkswirtschaftliche Schäden. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erkranken jährlich rund 600 Millionen Menschen durch kontaminierte Lebensmittel. In der öffentlichen Wahrnehmung geht es meist um Ausbrüche in Großküchen, Restaurants oder lebensmittelverarbeitenden Betrieben. Tatsächlich entsteht jedoch ein erheblicher Teil dieser Infektionen im privaten Haushalt – dort, wo Hygienefehler oft unbemerkt bleiben.
Genau deshalb warnt das BfR vor klassischen Küchenschwämmen. Ihre poröse Struktur, die dauerhaft hohe Feuchtigkeit und anhaftende Speisereste schaffen ideale Bedingungen für das Wachstum zahlreicher Mikroorganismen. Frühere Untersuchungen hatten bereits hohe Keimzahlen in Küchenschwämmen nachgewiesen. Die nun veröffentlichte Studie geht jedoch deutlich weiter: Erstmals analysierten Wissenschaftler systematisch, wie sich relevante lebensmittelassoziierte Krankheitserreger in einem bereits von typischen Haushaltsbakterien besiedelten Schwamm verhalten und wie hoch das tatsächliche Risiko einer Weiterverbreitung ist.
Bakterien vermehren sich massiv
Die Forscher kontaminierten sterile Küchenschwämme zunächst mit einem für Haushalte typischen Mikrobiom. Anschließend brachten sie definierte Mengen von Escherichia coli, Salmonella Enteritidis und Staphylococcus aureus auf die Schwämme auf. Mithilfe mikrobiologischer Kulturverfahren, metagenomischer Analysen sowie konfokaler Lasermikroskopie verfolgten sie die Entwicklung der Erreger über einen Zeitraum von 14 Tagen. Das Studiendesign ermöglichte damit eine detaillierte Analyse des mikrobiellen Zusammenlebens innerhalb eines Schwammmodells.
Bereits sehr geringe Ausgangskeimzahlen genügten, damit sich die Bakterien dauerhaft etablieren konnten. E. coli und Salmonella Enteritidis erreichten innerhalb weniger Tage Populationen von bis zu 10⁹ koloniebildenden Einheiten pro Schwammabschnitt. Die vorhandene Haushaltsmikrobiota verhinderte diese Entwicklung nicht. Vielmehr bot der Schwamm ein stabiles mikrobielles Ökosystem, das den Krankheitserregern langfristig günstige Lebensbedingungen verschaffte.
Ein anderes Verhalten zeigte Staphylococcus aureus. Dieses Bakterium vermehrte sich deutlich langsamer und erreichte niedrigere Keimzahlen. Dennoch überlebte auch S. aureus den gesamten Untersuchungszeitraum und blieb nachweisbar. Gerade dieser Befund besitzt klinische Relevanz, da S. aureus hitzestabile Enterotoxine bilden kann, die selbst nach dem Absterben der Bakterien Lebensmittelvergiftungen auslösen. Schon vergleichsweise geringe Bakterienzahlen können unter geeigneten Bedingungen eine relevante Toxinproduktion ermöglichen.
Austrocknung verringerte das Risiko keineswegs
Viele Verbraucher gehen davon aus, dass ein trockener Schwamm hygienisch unbedenklich sei. Die Untersuchung widerlegt diese Annahme jedoch eindrucksvoll: Während einer 3-tägigen Austrocknungsphase verloren die Krankheitserreger ihre Lebensfähigkeit praktisch nicht. Der Schwamm fungierte selbst ohne sichtbare Feuchtigkeit weiterhin als stabiles Reservoir für pathogene Mikroorganismen.
Diese Beobachtungen erklären, warum selbst vermeintlich trockene Küchenschwämme ein relevantes Übertragungsrisiko darstellen. Offenbar verbleiben im komplexen Porensystem ausreichend feuchte Mikrohabitate, die den Erregern Schutz vor Austrocknung bieten. Gleichzeitig erschwert die tief liegende Besiedlung eine vollständige Reinigung oder Desinfektion des Materials.
Krankheitserreger gelangen mühelos auf Küchenoberflächen
Besonders praxisrelevant ist auch der Nachweis der Kreuzkontamination. Bereits leichter Druck auf kontaminierte Schwämme genügte, um erhebliche Mengen lebender Krankheitserreger auf typische Küchenoberflächen zu übertragen. Dabei registrierten die Forscher bis zu 100.000 koloniebildende Einheiten pro Kontaktfläche. Diese Belastung blieb über den gesamten Untersuchungszeitraum nahezu konstant bestehen.
Gelangen die Erreger zunächst auf Arbeitsflächen, Schneidebretter oder Spülbecken, können sie anschließend leicht auf Lebensmittel, Hände oder Küchenutensilien übertragen werden. Besonders kritisch ist diese Situation bei verzehrfertigen Lebensmitteln, die nicht mehr erhitzt werden. Schon geringe Keimmengen können unter günstigen Bedingungen eine Infektion auslösen oder das Erkrankungsrisiko deutlich erhöhen.
Fehlender Geruch bedeutet keineswegs fehlende Keimbelastung
Die Studie räumt zudem mit einer weiteren weit verbreiteten Fehlannahme auf. Während des gesamten 14-tägigen Beobachtungszeitraums entwickelten die untersuchten Schwämme weder einen auffälligen Geruch noch sichtbare Verfärbungen oder eine schleimige Oberfläche. Gleichzeitig enthielten sie hohe Konzentrationen lebensmittelassoziierter Krankheitserreger. Die Forscher konnten keinen Zusammenhang zwischen der Keimbelastung und dem äußeren Erscheinungsbild feststellen.
Diese Beobachtung widerspricht dem Verhalten vieler Verbraucher. Häufig wird ein Küchenschwamm erst nach Wochen ausgetauscht, wenn er unangenehm riecht oder sichtbar verschmutzt erscheint. Aus mikrobiologischer Sicht stellt diese Strategie jedoch ein erhebliches Risiko dar. Ein optisch sauberer Schwamm kann bereits Milliarden von Bakterien enthalten und diese bei jeder Benutzung weiterverbreiten. Weder Geruch noch Aussehen eignen sich daher als zuverlässige Entscheidungshilfe für einen notwendigen Wechsel.
Moderne Untersuchungsmethoden liefern ein detailliertes Bild der Keimbesiedlung
Die Arbeit ging noch einen Schritt weiter. Das Forschungsteam kombinierte klassische mikrobiologische Anzuchtmethoden mit metagenomischen Analysen sowie Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung und konfokaler Lasermikroskopie. Dadurch ließ sich erstmals dreidimensional darstellen, wie sich verschiedene Bakterienarten innerhalb der Schwammstruktur organisieren.
Die mikroskopischen Aufnahmen zeigten, dass sich Mikroorganismen keineswegs gleichmäßig verteilen. Stattdessen bilden sie dichte bakterielle Cluster und Biofilm-ähnliche Strukturen, die tief in den Poren des Schwamms liegen. Diese Mikrohabitate schützen die Erreger vor Austrocknung und erschweren ihre Entfernung erheblich.
Gleichzeitig identifizierten Wissenschaftler eine stabile Kernmikrobiota, die über den gesamten Untersuchungszeitraum erhalten blieb. Krankheitserreger integrierten sich in dieses bestehende mikrobielle Netzwerk, anstatt verdrängt zu werden. Dieses Ergebnis könnte erklären, warum selbst wiederholtes Ausspülen oder kurzfristiges Trocknen die hygienische Situation kaum verbessert.
Besonders gefährdet sind ältere Menschen, Kleinkinder und Immunsupprimierte
Damit stellen kontaminierte Küchenschwämme für viele Menschen eine potenzielle Infektionsquelle dar. Zwar verlaufen lebensmittelbedingte Infektionen bei den meisten gesunden Erwachsenen selbstlimitierend. Dennoch verursachen bakterielle Gastroenteritiden jedes Jahr zahlreiche Krankenhausaufenthalte. Vor allem ältere Menschen, Säuglinge, Kleinkinder, Schwangere sowie Patientinnen und Patienten mit eingeschränkter Immunfunktion tragen ein deutlich erhöhtes Risiko für schwere Krankheitsverläufe.
Dazu zählen beispielsweise Menschen mit chronischen Leber- oder Nierenerkrankungen, Tumorerkrankungen, nach Organtransplantationen oder unter immunsuppressiver Therapie. Für diese Personengruppen besitzt die Vermeidung häuslicher Infektionsquellen einen besonders hohen Stellenwert. Bereits vergleichsweise geringe Keimmengen können hier schwerwiegende Erkrankungen verursachen.
Fazit: Mit einfachen Maßnahmen Infektionsrisiken verringern
Die aktuelle Untersuchung des BfR zeigt, dass Küchenschwämme weit mehr sind als harmlose Alltagsgegenstände. Innerhalb kürzester Zeit entwickeln sie sich zu stark besiedelten mikrobiellen Reservoiren, in denen sich lebensmittelassoziierte Krankheitserreger dauerhaft etablieren können.
Gerade bei älteren Menschen oder chronisch Erkrankten kann bereits die Beachtung einfacher Hygienemaßnahmen einen wichtigen Beitrag zur Infektionsprävention leisten. Das BfR empfiehlt, Küchenschwämme regelmäßig auszutauschen – spätestens jedoch nach dem Kontakt mit rohem Geflügel oder anderen potenziell stark kontaminierten Lebensmitteln. Lässt sich ein sofortiger Austausch nicht umsetzen, kann eine thermische Behandlung mit Wasser über 70 °C für mindestens 2 Minuten die Keimzahl deutlich verringern.
Generell sind Reinigungsutensilien zu bevorzugen, die schneller trocknen und sich regelmäßig bei mindestens 60 °C in der Wasch- oder Spülmaschine reinigen lassen. Bürsten oder Mikrofaser-Tücher schnitten in früheren Untersuchungen hinsichtlich der Keimbelastung besser ab.
... link (1 Kommentar) ... comment
https://www.youtube.com/watch?v=oY_a-HjdiOE&list=RDoY_a-HjdiOE&start_radio=1
https://www.bing.com/videos/riverview/relatedvideo?q=+this+land+is+your+land+so+take+your+bullshit&&mid=3514FD50C64DF31418953514FD50C64DF3141895&churl=https%3a%2f%2fwww.youtube.com%2fchannel%2fUCb4PXbobGVpThYu2gb4_X6g&FORM=VRDGAR
... link (0 Kommentare) ... comment





... link (0 Kommentare) ... comment
https://www.afd-gutachten.de
... link (0 Kommentare) ... comment














... link (0 Kommentare) ... comment
"Berichte wie kürzlich die von Dunja Hayali sowie Thomas Reichart und immer wieder in der ARD die Kommentare von Sophie von der Tann befeuern einen sowieso schon in Deutschland sich immer stärker ausbreitenden Antisemitismus, der inzwischen nicht mehr nur von rechts, sondern ebenfalls aus dem muslimisch-migrantischen und aus dem linken Milieu kommt. Solche Formate, solche „Journalisten“ sind des Antisemitismus freiwillige Helfer und in Abwandlung eines Marx-Satzes geht das so: Sie wissen es und sie tun es auch! (Bei von der Tann habe ich zuweilen den Eindruck, daß sie bei der ARD als Pressesprecherin von Hamas und Hisbollah in einem angestellt ist.)
Da dasselbe Phänomen nicht nur beim ZDF, sondern auch in anderen Medien existiert und keine Absprachen zwischen diesen Akteuren vorliegt, ist die Grundlage dieser Form des Antisemitismus eine Ideologie, namentlich Wokeness.
Sämtliche woken Ideologien, namentlich die postkoloniale Ideologie, Critica Race Theory Ideologie, Queer Theory Ideologie, Gender Ideologie und Intersektionalismus beinhalten einen antisemitischen Kern und haben einen positiven Bezug zu radikalen Islamofaschisten." -----
Da werden aber selbst eigens gezüchtete Suchhunde zum Aufspüren von Antisemitismus ihn dort nicht finden. Es ist ja durchaus richtig und äußerst kritisierenswert, dass ein Großteil der Linken und dessen, was einmal grün-alternative Szene hieß auf dem Islamismus-Auge blind ist und sich gegenüber islamistischem und antizionistischem Terror abwiegelnd, appeasend, beschwichtigend oder schlicht hilflos darstellt aus einem falsch verstandenen Antirassismus und falsch verstandenem Antiimperialismus heraus. Gleichfalls ist es ebenso bedauerlich wie beschämend, dass über den Nahost-Konflikt per Häppchennahrung berichtet wird, ohne Hintergrundanalyse.
Dahinter aber ein bewusst antisemitisches Ticket zu wittern halte ich allerdings für völlig in die Irre führend. Und somit ist der Autor dieser Sottisen etwa da angekommen, wo vor so 15 Jahren ein Momorulez mal stand, der hinter allem, was seinen ästhetischen, popkulturellen und politischen Intentionen sich entgegensetzte Homophobie witterte.
Wer einen Hammer hat betrachtet die ganze Welt als Nagel.
... link (2 Kommentare) ... comment
AfD änderte noch mal das Wahlprogramm beim Bürgergeld und Arbeitslosengeld
Das Bürgergeld ist Wahlkampfthema – auf Kosten von Bürgergeld-Beziehern. Die AfD hat nunmehr noch einmal ihre Forderungen zur Grundsicherung bzw. dem Bürgergeld im Wahlprogramm geändert.
Grundsicherung erst nach zehn Jahren Beiträgen
Die AfD will nicht nur das Bürgergeld abschaffen und durch eine „aktivierende Grundsicherung“ ersetzen, sondern auch den Zwang zur Arbeit trotz Sozialleistungen deutlich verschärfen.
Bei der Grundsicherung plant die AfD: Wer kein deutscher Staatsbürger ist, hat erst Anspruch darauf, wenn er zehn Jahre sozialversicherungspflichtig beschäftigt war.” Im Klartext: Wer keinen deutschen Pass hat, muss zwar, laut AfD Steuern und Sozialabgaben zahlen, hat aber über viele Jahre bei Hilfebedürftigkeit nicht einmal Anspruch auf das Existenzminimum.
So erklärte die AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel gegenüber NTV: „Um es klar zu sagen: Für ausländische Bürger in unserem Land wird es keine Sozialleistungen mehr geben. Das werden wir streichen.“
Zwangsarbeit bei Bürgergeld
Wer Grundsicherung bezieht, muss zudem laut AfD nach sechs Monaten „gemeinnützige Arbeit“ leisten. Zusätzlich zu diesem Arbeitszwang will die AfD den nach dem Existenzminimum berechneten Regelsatz für alle Empfänger der Grundsicherung kürzen, und damit generell unter das Existenzminimum drücken, denn der Regelsatz ist nach einem festen Schlüssel am Existenzminimum ausgerichtet.
Die AfD geht hier über die CDU / CSU hinaus, die ebenfalls noch stärkeren Druck auf Leistungsberechtigte ausüben will, als es bereits der Fall ist und plant, das Bürgergeld durch eine „Neue Grundsicherung“ ersetzen. Im Unterschied zur AfD fordert die Union allerdings keine generelle Zwangsarbeit für Bezieher dieser Sozialleistung nach sechs Monaten.
Verschärfung beim Arbeitslosengeld
Arbeitslosengeld ist keine staatliche Sozialleistung, sondern eine Sozialversicherungsleistung. Erwerbstätige zahlen also in die Arbeitslosenversicherung ebenso ein wie in die gesetzliche Rentenversicherung und in die Krankenversicherung, um so im Fall der Erwerbslosigkeit, bei Krankheit oder in der Rente die jeweilige Gegenleistung zu erhalten.
Laut AfD soll ein Anspruch auf Arbeitslosengeld erst nach drei Jahren Beiträgen gelten und nicht nach einem Jahr. Wer erwerbstätig ist ist und seinen Job verliert, rutscht, nach dem Plan der AfD, viel schneller ins Bürgergeld, das jetzt bereits niedriger ist als Arbeitslosengeld.
Da die AfD das Bürgergeld unter das Existenzminimum drücken will, gerieten Menschen, die ihre Arbeit verlieren, viel schneller direkt unter das Existenzminimum, wenn sich die Rechtsextremen durchsetzen würden.
https://www.youtube.com/@GegenHartzTV
... link (6 Kommentare) ... comment
... link (0 Kommentare) ... comment
Und andererseits wiederholte sie nur, was sie im Juni 2007 anderen PalästinenserInnen angetan hatte: Die Machtübernahme der Hamas im Gaza-Streifen erfolgte mit Überfällen, Entführungen und Massenmorden, die sich gegen die Fatah richteten. Die Fatah-Elite in Gaza wurde physisch ausgelöscht, und zwar inklusive ihrer Familien, mit all jenen Akten der Vergewaltigung, Folter, Entführung und deren zynischer Zurschaustellung, die an Yom Kippur 2023 zum Einsatz kamen. Nur kümmerte sich damals keine Weltöffentlichkeit darum.
Ein Überlebender hat nun ein wichtiges Buch geschrieben. Ich zitiere die Webseite von Thalia
»Manchmal fühle ich mich wie der einsamste Palästinenser auf der Welt.«
Hamza Abu Howidy erzählt uns vom Aufwachsen im Gaza der 2000er Jahre, von seiner Familie, besonders seinem Vater, der ihm beim Muschelsammeln die großen Lektionen des Lebens beigebracht hat, aber auch von den blutigen Kämpfen zwischen Fatah und Hamas, direkt vor seiner Haustür, und wie sehr das Leben in Gaza von Terror geprägt war. Jahre später protestiert er gegen die Hamas und wird festgenommen, gefoltert und muss fliehen. Heute zählt er zu den wichtigsten politischen Stimmen aus der palästinensischen Exilgemeinde, dabei lässt er sich weder von pro-israelischer noch pro-palästinensischer Seite vereinnahmen. Ein sehr persönliches Buch, das Hoffnung und Plädoyer zugleich für eine demokratische und friedliche Lösung des Nahostkonflikts ist.
»Ein Blick auf eine Welt, die uns oft verschlossen bleibt. Die Wucht seiner Sprache trifft mitten ins Herz.« Güner Balci
»Eine atemberaubende, mitreißend geschriebene Lebensgeschichte.« Meron Mendel
»Ein Buch, das schmerzt, aufklärt und trotz allem Hoffnung eröffnet.« Hamed Abdel-Samad
»Eine der wichtigsten politischen Stimmen aus der palästinensischen Exilgemeinde.« Ulrich Gutmair, taz
https://www.thalia.de/shop/home/artikeldetails/A1076815249?ProvID=10907022&gad_source=1&gad_campaignid=16653699811&gbraid=0AAAAADwkCX46AuXGIT5_84r1dZsRa5p8H&gclid=CjwKCAjwuuPRBhAnEiwA2Ji8evmi9CeT5lMiAPzK3ZzUfc8Cbqf9tuIJASx4SoZQ6vs6lXYc6EtTihoCA_8QAvD_BwE
... link (0 Kommentare) ... comment
22. Juni 2026
New Orleans – Der experimentelle Triple-Agonist Retatrutid hat in der Phase-3-Studie TRANSCEND-T2D-1 bei Menschen mit Typ-2-Diabetes (T2D) zu einer signifikanten Senkung des HbA1c-Werts und zu einer ausgeprägten Gewichtsreduktion geführt.
Auch bei Menschen mit Adipositas ohne Typ-2-Diabetes erwies sich das Medikament als wirksam. In der TRIUMPH-1-Studie führte Retatrutid nicht nur zu einem erheblichen Gewichtsverlust, sondern verbesserte auch Kniegelenkschmerzen bei Arthrose sowie Symptome einer obstruktiven Schlafapnoe. Darüber hinaus wurden in beiden Studien günstige Veränderungen kardiovaskulärer Risikofaktoren beobachtet.
Beide Studien wurden auf den wissenschaftlichen Tagungen der American Diabetes Association (ADA) 2026 vorgestellt [1]. Die Ergebnisse von TRANSCEND-T2D-1 sind gleichzeitig in The Lancet veröffentlicht erschienen [2]. Die Daten von TRIUMPH-1 wurden kurz vor der ADA-Tagung erhoben und noch nicht publiziert.
Wie wirkt Retatrutid?
Retatrutid ist ein sogenannter Dreifach-Agonist. Er aktiviert gleichzeitig die Rezeptoren für die Hormone GLP-1, GIP und Glukagon. Dadurch werden Appetit und Nahrungsaufnahme verringert, die Insulinausschüttung verbessert und der Energieverbrauch erhöht. Diese Kombination führt zu einer deutlichen Gewichtsabnahme und einer verbesserten Blutzuckerkontrolle. Retatrutid wird einmal wöchentlich als Injektion verabreicht.
Übergewicht sei die Ursache von mehr als 200 Erkrankungen, betonte Ania Jastreboff, leitende Prüfärztin der TRIUMPH-1-Studie, Professorin für Medizin und Pädiatrie an der Yale School of Medicine sowie Direktorin des Yale Obesity Research Center in New Haven. Bislang würden diese Folgeerkrankungen jedoch meist isoliert behandelt. Die nun vorgestellten Ergebnisse zeigten, welches Potenzial in einer gezielten Behandlung der Adipositas liege. Eine wirksame Gewichtsreduktion könne die Gesundheit in vielen Bereichen gleichzeitig verbessern und Menschen mit Adipositas sowie ihren Begleiterkrankungen neue Perspektiven eröffnen, erklärte Jastreboff.
TRANSCEND-T2D-1: „Verblüffender“ Gewichtsverlust
An der 40-wöchigen, randomisierten, doppelblinden Phase-3-Studie TRANSCEND-T2D-1 nahmen 537 Patienten mit unzureichend kontrolliertem Typ-2-Diabetes teil. Sie hatten einen HbA1c-Wert zwischen 7,0% und 9,5% und wiesen einen BMI von mindestens 23 kg/m² auf. Alle Teilnehmer erhielten nur Lebensstil-Interventionen, sprich Empfehlungen zur Ernährung und zur Bewegung. Sie wurden im Verhältnis 1:1:1:1 auf Retatrutid in Dosierungen von 4 mg, 9 mg oder 12 mg beziehungsweise auf Placebo randomisiert.
Die wichtigsten Ergebnisse hatte Hersteller Eli Lilly bereits im März 2026 bekannt gegeben.
Die mittlere Veränderung des HbA1c-Werts gegenüber dem Ausgangswert betrug unter Retatrutid 4 mg -1,69% (n = 134), unter 9 mg -1,86% (n = 133) und unter 12 mg -1,94% (n = 136). In der Placebogruppe (n = 134) lag die entsprechende Reduktion bei -0,81%. Zudem erreichten unter Retatrutid deutlich mehr Patienten HbA1c-Zielwerte von < 7,0%, ≤ 6,5% und < 5,7% als unter Placebo.
Auch beim Körpergewicht zeigte sich ein deutlicher Effekt. Ausgehend von einem mittleren Ausgangsgewicht von 96,9 kg sank das Gewicht unter Retatrutid um 11,5% bei 4 mg, um 13,9% bei 9 mg und um 15,3% bei 12 mg. In der Placebogruppe betrug die Gewichtsabnahme lediglich 2,6%. Unter der höchsten Dosierung entsprach dies einem durchschnittlichen Gewichtsverlust von 16,6 kg, der bis zum Ende des Behandlungszeitraums anhielt.
„Das ist geradezu verblüffend“, sagte Harpreet Singh Bajaj, leitender Prüfarzt der Studie und Leiter der Abteilung für endokrine und metabolische Forschung bei Centricity in Brampton, Kanada. „Ein derart ausgeprägter Gewichtsverlust bei Patienten mit Typ-2-Diabetes wurde in einer Phase-3-Studie bislang mit keinem anderen Medikament beobachtet. Wir wissen, dass Menschen mit Diabetes im Durchschnitt weniger Gewicht verlieren als Menschen ohne Diabetes.“
Auch Naveed Sattar, Professor für kardiometabolische Medizin an der Universität Glasgow, zeigte sich beeindruckt: „Uns wird zunehmend klar, dass wir Adipositas bei Typ-2-Diabetes wesentlich konsequenter behandeln müssen. Retatrutid könnte hier neben Semaglutid und Tirzepatid ein weiteres wichtiges Instrument darstellen.“
TRIUMPH-1: Gewichtsverlust von bis zu 30%
In die Phase-3-Studie TRIUMPH-1 wurden 2.339 Erwachsene eingeschlossen, die ebenfalls im Verhältnis 1:1:1:1 auf Retatrutid (4 mg, 9 mg oder 12 mg) oder Placebo randomisiert wurden.
Zusätzlich umfasste die Studie 2 Basket-Studien: eine mit 574 Teilnehmern mit Kniearthrose sowie eine weitere mit 243 Personen mit mittelschwerer bis schwerer obstruktiver Schlafapnoe. Eine Basket-Studie untersucht die Wirkung eines Medikaments gleichzeitig in mehreren Patientengruppen mit unterschiedlichen Begleiterkrankungen oder klinischen Merkmalen innerhalb eines gemeinsamen Studienprotokolls.
Bereits veröffentlichte Ergebnisse nach 80 Wochen zeigten, dass Teilnehmer der 12-mg-Gruppe durchschnittlich 28,3% ihres Körpergewichts beziehungsweise rund 32 kg verloren. In der Placebogruppe lag die Gewichtsabnahme bei lediglich 2,2 %. Insgesamt erreichten 45,3 % der Teilnehmer einen Gewichtsverlust von mindestens 30 %.
2 Drittel der Patienten (65,3%) unter der höchsten Dosierung erreichten einen BMI von unter 30 kg/m² und lagen damit nicht mehr im Adipositas-Bereich. Darunter befand sich auch mehr als ein Drittel der Teilnehmer mit schwerer Adipositas zu Studienbeginn (BMI ≥ 40 kg/m²). Unter der 9-mg-Dosis verloren die Teilnehmer durchschnittlich knapp 26% ihres Körpergewichts, absolut etwa 29 kg.
In der 104-wöchigen Verlängerungsphase reichte der Gewichtsverlust von 19,2% unter 4 mg bis zu 30,3% unter 12 mg Retatrutid, was etwa rund 38,6 kg entspricht. Fast alle Teilnehmer verloren mindestens 5% ihres Körpergewichts, mehr als 85% verloren mindestens 15%, und mehr als ein Viertel erreichte sogar eine Gewichtsabnahme von mindestens 35%, berichtete Jastreboff.
Die Analysen zu Arthrose und Schlafapnoe ergaben ebenfalls deutliche Verbesserungen. So reduzierte Retatrutid die Schmerzwerte auf der WOMAC-Schmerzskala bei Patienten mit Kniearthrose um bis zu 4,3 Punkte beziehungsweise 73,1% gegenüber einem Ausgangswert von 6,0 Punkten. Gleichzeitig sank der Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI) bei Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Schlafapnoe um bis zu 36,1 Ereignisse pro Stunde (-60,6%) gegenüber einem Ausgangswert von 58,6 Ereignissen pro Stunde.
Verbesserungen kardiovaskulärer Risikofaktoren
Auch bei den kardiovaskulären Risikofaktoren zeigte Retatrutid in beiden Studien günstige Effekte. In der TRIUMPH-1-Studie sanken nach 80 Wochen die Triglyceridwerte um bis zu 41,0%, das Nicht-HDL-Cholesterin um 24,2%, der systolische Blutdruck um 12,3 mmHg und der Taillenumfang um 24,1 cm.
Ähnliche Verbesserungen wurden in der TRANSCEND-T2D-1-Studie bereits nach 40 Wochen beobachtet: Hier gingen die Triglyceride um bis zu 39,6%, das Nicht-HDL-Cholesterin um 19,8%, der systolische Blutdruck um 6,4 mmHg und der Taillenumfang um 12,4 cm zurück.
Neues Sicherheitssignal: Harnwegsinfektionen
Das Nebenwirkungsprofil entsprach insgesamt dem anderer Inkretin-basierter Therapien. Zu den häufigsten unerwünschten Ereignissen gehörte Übelkeit, die in der TRIUMPH-1-Studie bei bis zu 42,4% der Patienten unter 12 mg und in der TRANSCEND-T2D-1-Studie bei bis zu 26,5% der Patienten unter derselben Dosierung auftrat.
Weitere häufige Nebenwirkungen waren Durchfall, Verstopfung und Harnwegsinfektionen. Die meisten Ereignisse waren leicht bis mittelschwer ausgeprägt und gingen im Verlauf der Behandlung zurück.
Besondere Aufmerksamkeit verdient das Auftreten von Harnwegsinfektionen. Diese wurden in der TRIUMPH-1-Studie bei 7,5-8,8% der mit Retatrutid behandelten Frauen beobachtet, verglichen mit 5,3% unter Placebo. In TRANSCEND-T2D-1 lagen die entsprechenden Raten bei 0,7-2,9% gegenüber 0,0% unter Placebo.
„Wir wissen noch nicht, woran das liegt, aber möglicherweise spielt der Hydratationsstatus eine Rolle“, sagte Jastreboff „Frauen sind grundsätzlich anfälliger für Harnwegsinfektionen. Denkbar wäre auch ein Zusammenhang mit häufigerem Geschlechtsverkehr infolge des Gewichtsverlusts. Da es sich um einen neuen Befund handelt, werden wir dies genauer untersuchen, sobald weitere Daten vorliegen.“
Die Abbruchraten aufgrund von Nebenwirkungen lagen in TRIUMPH-1 bei 4,1%, 6,9% beziehungsweise 11,3% unter Retatrutid 4 mg, 9 mg und 12 mg gegenüber 4,9% unter Placebo. In TRANSCEND-T2D-1 betrugen die entsprechenden Raten 2,2%, 4,5% und 5,1% gegenüber 0,0% unter Placebo.
Ist mehr Gewichtsverlust immer besser?
Sattar mahnte trotz der beeindruckenden Ergebnisse zur Vorsicht. „Wir müssen lernen, behutsam vorzugehen. Die Frage ist, ob wir bei einzelnen Menschen Schaden anrichten, wenn die Gewichtsreduktion zu rasch erfolgt.“ Möglicherweise, so Sattar, könnte auch das neue Signal hinsichtlich der Harnwegsinfektionen mit einer ausgeprägten Diurese zusammenhängen. „Wir benötigen weitere Daten, um die Sicherheit vollständig beurteilen zu können.“
Auch die unabhängige Kommentatorin Alice Y.Y. Cheng von Trillium Health Partners und der Universität Toronto zeigte sich beeindruckt vom Ausmaß der Gewichtsreduktion: „Ein Gewichtsverlust von 30% ist eine außerordentlich beeindruckende Zahl, wie wir sie mit einer medikamentösen Therapie bislang noch nie gesehen haben.“
Gleichzeitig warnte sie vor einer einseitigen Fokussierung auf die Höhe der Gewichtsreduktion: „Ist mehr immer besser? Ist mehr immer notwendig? Ist mehr immer richtig? Die Antwort lautet 3-mal nein. Nicht jeder Mensch benötigt oder wünscht eine Gewichtsabnahme in diesem Ausmaß. Die entscheidende Frage sollte vielmehr sein: Geht es um Gewichtsverlust oder um gesundheitliche Vorteile?“
Zugleich verwies Cheng auf die praktische Umsetzung: „Wir können hervorragende Therapien entwickeln. Entscheidend ist jedoch, dass sie die Menschen erreichen, die sie benötigen.“ Und weiter: „Patienten müssen Zugang zu dem Medikament haben, es anwenden können, es vertragen und langfristig bei der Therapie bleiben. Dafür tragen wir alle Verantwortung.“
Der Beitrag ist im Original erschienen auf Medscape.com.
... link (0 Kommentare) ... comment
16. Juni 2026
Extreme Hitze belastet Herz, Lunge, Nieren und Gehirn, erhöht das Risiko für Frühgeburten und führt zu mehr Krankenhausaufnahmen. Neue Daten zeigen zudem einen deutlichen Anstieg von Krankmeldungen während Hitzewellen. Experten fordern deshalb konsequente Schutzmaßnahmen für besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen.
Hitzewellen werden zur neuen Normalität
Ende Mai erlebte Europa die 1. Hitzewelle dieses Jahres. Nun stehen die nächsten heißen Tage bevor. Experten erwarten für das Jahr 2026 erneut einen überdurchschnittlich warmen Sommer. Auch die Vereinten Nationen prognostizieren einen weiteren klimawandelbedingten Temperaturanstieg. Sie rechnen in den kommenden 5 Jahren mit neuen Rekordwerten.
Mit steigenden Temperaturen nehmen nach Einschätzung von Klimaforschenden auch Häufigkeit und Dauer von Hitzewellen zu. Diese stellen ein erhebliches Gesundheitsrisiko dar und fordern die Gesundheitssysteme zunehmend heraus. Die gesundheitlichen Folgen von Hitze zeigen sich sowohl in einer erhöhten Hitzemortalität als auch in einer steigenden Hitzemorbidität.
Die tatsächlichen Auswirkungen sind jedoch schwer zu erfassen, da Hitze nur selten als unmittelbare Ursache von Erkrankungen oder Todesfällen erkannt wird. Deshalb stützt sich die Forschung auf statistische Modellierungen. Das Robert Koch-Institut (RKI) kalkulierte beispielsweise, dass im vergangenen Jahr in Deutschland rund 2.500 Menschen infolge von Hitze gestorben sind.
Erstmals liegen inzwischen auch Zahlen zur hitzebedingten Morbidität vor: Bereits nach einem einzelnen Tag mit Temperaturen über 30 °C steigt die Zahl der Krankmeldungen um 3,5%. Nach 5 aufeinanderfolgenden Hitzetagen sind es 5%, nach 7 Tagen sogar 10,8%.
Hitzemortalität und Hitzemorbidität
Mittlerweile liegen belastbare epidemiologische Schätzungen zur hitzebedingten Morbidität und Mortalität in Deutschland vor, bestätigt Dr. Alexandra Schneider, stellvertretende Direktorin des Instituts für Epidemiologie am Helmholtz Zentrum München, gegenüber dem Science Media Center (SMC). „Insgesamt gehört Hitze heute neben den Luftschadstoffen bereits zu den wichtigsten umweltbedingten Gesundheitsrisiken in Deutschland und weltweit“, betont Schneider.
Temperaturbedingte Todesfälle werden deutlich zunehmen, wenn keine wirksamen Anpassungsmaßnahmen ergriffen werden, warnt Prof. Dr. Martin Röösli, Leiter des Bereichs Umweltexposition und Gesundheit am Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Institut in Basel. Er verweist dabei auf die Ergebnisse einer großen Studie, die im Januar 2025 veröffentlicht wurde.
Die hitzebedingte Morbidität ist in Deutschland bislang deutlich weniger erforscht als die hitzebedingte Mortalität. Nach Einschätzung von Dr. Veronika Huber vom Department of Conservation Biology and Global Change in Sevilla gibt es bisher keine veröffentlichten statistischen Schätzungen zur Gesamtzahl hitzebedingter Krankenhauseinweisungen in Deutschland.
Dennoch stehen zahlreiche Indikatoren zur Verfügung, um die gesundheitlichen Folgen von Hitze abzubilden. Dazu zählen Krankenhauseinweisungen, Besuche in Notaufnahmen, Rettungsdienst-Einsätze, ambulante Arztkontakte, Daten zur Arbeitsunfähigkeit sowie Register zu Herzinfarkten und Schlaganfällen, betont Huber.
Hitze belastet Herz, Lunge und Nieren stark
„Extreme Hitze belastet das Herz-Kreislauf-System stark, da durch Gefäßerweiterung der Blutdruck sinkt und das Herz schneller und kräftiger pumpen muss“, erklärt Schneider. Bei Menschen mit Vorerkrankungen steigt dadurch das Risiko für Angina pectoris, Herzinfarkt, Herzinsuffizienz und Herzrhythmusstörungen.
Gleichzeitig führen verstärktes Schwitzen und Flüssigkeitsverluste zu Dehydratation und Elektrolytstörungen, wodurch Kreislaufkollapse und Thrombosen begünstigt werden. Bestimmte Medikamente wie Diuretika oder Betablocker können diese Risiken zusätzlich verstärken. Besonders gefährdet sind zudem Menschen mit Nieren- oder Lungenerkrankungen, Diabetes oder neurologischen Erkrankungen.
Hinzu kommt, dass hohe Temperaturen häufig mit erhöhten Ozon- und Feinstaubbelastungen einhergehen. Diese reizen die Atemwege und können Exazerbationen von COPD oder Asthma auslösen.
Hohes Risiko für ältere, vorerkrankte und pflegebedürftige Menschen
„Ältere, gebrechliche Menschen stellen mit weitem Abstand die relevanteste Risikogruppe bei Hitzebelastungen und Hitzewellen dar. Die beobachtete Übersterblichkeit in der Bevölkerung während Hitzewellen ist fast ausschließlich auf diese Personengruppe zurückzuführen“, betont Prof. Dr. Kilian Rapp, ärztlicher Leiter der Akutgeriatrie und Leiter der Forschungsabteilung Geriatrie am Robert Bosch Krankenhaus in Stuttgart.
Zu den wichtigsten Risikofaktoren für eine erhöhte Hitzesterblichkeit zählen laut Rapp ein hohes Alter, ein niedriger Sozialstatus, Suchterkrankungen, Mobilitätseinschränkungen, pulmonale, kardiovaskuläre oder gerontopsychiatrische Erkrankungen sowie die Einnahme von Beruhigungsmitteln. Auch das Wohnen in höheren Stockwerken oder ein Leben allein erhöhen das Risiko. „Als schützende Faktoren zeigten sich die Verfügbarkeit einer Klimaanlage, der Zugang zu Transportmitteln und eine erhaltene Selbstpflegefähigkeit“, erklärt Rapp.
Gehirn und Nervensystem leiden
Hitze belastet auch Gehirn und Nervensystem auf vielfältige Weise. Studien zeigen, dass hohe Temperaturen die Funktion von Nervenzellen verändern, oxidativen Stress und Entzündungsprozesse im Gehirn fördern sowie die Blut-Hirn-Schranke beeinträchtigen können, berichtet Dr. Ameli Breuer, Assistenzärztin und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Klinik für Neurologie mit Experimenteller Neurologie der Charité Berlin sowie Sprecherin der Arbeitsgruppe Neurologie bei KLUG – Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit e.V.
Hohe Temperaturen erhöhen das Schlaganfallrisiko. Bei Parkinson und Multipler Sklerose kann es zu einer Verschlechterung der Symptome kommen. Auch bei Epilepsie und Migräne gibt es Hinweise darauf, dass Hitze Anfälle beziehungsweise Beschwerden verstärken kann.
Bei Menschen mit Demenz ist extreme Hitze mit einer höheren Zahl von Krankenhausaufnahmen und einer erhöhten Sterblichkeit verbunden. „Aus neurologischer Sicht ist Hitze daher längst kein Zukunftsproblem mehr. Die Auswirkungen sind bereits heute im klinischen Alltag sichtbar und werden mit fortschreitendem Klimawandel voraussichtlich weiter zunehmen“, sagt Breuer.
„Bei Hitze können wir uns schlechter konzentrieren, schlafen schlechter oder werden reizbarer, teilweise sogar aggressiv“, erklärt Dr. Sebastian Karl, Assistenzarzt in der Arbeitsgruppe Hirnstimulationsverfahren an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des ZI Mannheim. Aus psychologischer Sicht wirkt Hitze als Stressfaktor. Dadurch stehen für zusätzliche Belastungen weniger Bewältigungskapazitäten zur Verfügung, sodass Menschen schneller gereizt reagieren. Darüber hinaus gibt es auch biologische Effekte. So kann Hitze kleinste Entzündungsprozesse im Gehirn fördern, und wichtige Botenstoffe können aus dem Gleichgewicht geraten.
Die Auswirkungen auf Kinder werden unterschätzt
Kinder reagieren besonders empfindlich auf Umweltbelastungen wie Hitze, Luftverschmutzung oder Extremwetterereignisse. Ihr Körper befindet sich noch in der Entwicklung, sie verbringen mehr Zeit im Freien und sind im Verhältnis zu Erwachsenen körperlich aktiver. Zudem weisen sie eine höhere Atemfrequenz auf, betont Dr. Marie Standl, Leiterin der Forschungsgruppe Epidemiologie am Helmholtz Zentrum München. „Die langfristigen gesundheitlichen Folgen des Klimawandels für Kinder werden bislang unterschätzt“, sagt sie.
Kinder und Jugendliche gelten bei Hitze als besonders vulnerable Gruppe, da ihr Thermoregulationssystem im Vergleich zu gesunden Erwachsenen noch nicht vollständig ausgereift ist und sie sich daher schlechter an hohe Temperaturen anpassen können. Sie produzieren pro Kilogramm Körpergewicht mehr metabolische Wärme.
Vor allem im Säuglings- und Kindesalter verfügen sie über eine größere Körperoberfläche im Verhältnis zum Körpergewicht, wodurch sie mehr Wärme aus der Umgebung aufnehmen. Gleichzeitig besitzen sie ein geringeres Blutvolumen und eine niedrigere kardiale Auswurfleistung. Wie Privatdozent Dr. Dirk Holzinger, leitender Arzt der Rheumatologie an der Klinik für Kinderheilkunde III des Universitätsklinikums Essen und Mitglied des erweiterten Vorstandes von KLUG, bestätigt, gibt es „Hinweise auf eine erhöhte Hospitalisierungsrate von Kindern und Jugendlichen an sehr heißen Tagen“.
Erhöhtes Risiko für Frühgeburten
Dass extreme Hitze während der Schwangerschaft den Körper erheblich belastet und mit gravierenden Risiken verbunden ist, betont Prof. Dr. Petra Arck von der Experimentellen Feto-Maternalen Medizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). Hohe Temperaturen führen zu Dehydrierung und Herz-Kreislauf-Problemen und beeinflussen die Durchblutung der Gebärmutter. Dadurch kann der Verlauf der Schwangerschaft unmittelbar beeinträchtigt und das Risiko für Komplikationen erhöht werden.
Prof. Dr. Anke Diemert von der Klinik und Poliklinik für Geburtshilfe und Pränatalmedizin am UKE verweist darauf, dass zahlreiche Studien einen signifikanten Zusammenhang zwischen Hitzestress und Frühgeburten zeigen. Untersuchungen des UKE belegen, dass extreme Hitze mit Temperaturen von über 30 bis hin zu 35 °C über mehrere aufeinanderfolgende Tage das relative Risiko für Frühgeburten erhöhen kann.
Hitzewarnsysteme und Hitzeaktionspläne
Bislang verfügen etwa 20% aller Kommunen über Hitzeaktionspläne. Die meisten Bundesländer haben ihren Kommunen inzwischen vorgegeben, solche Konzepte in den kommenden Jahren – meist bis 2030 – vorzulegen, erklärt Prof. Dr. Clemens Becker, Abteilungsleiter der Geriatrie am Universitätsklinikum Heidelberg. Becker erinnert zudem daran, dass Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen gesetzlich verpflichtet sind, Hitzewarnsysteme und Hitzeaktionspläne vorzuhalten und kontinuierlich weiterzuentwickeln. „Das Problem sind vor allem ältere Menschen, die allein leben. Diese müssen durch Familie, Nachbarschaft und Ehrenamt geschützt werden.“
Dr. Kerstin Kammerer, Vorstandsmitglied und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Gerontologische Forschung e.V. in Berlin, verweist auf bestehende Musterhitzeschutzpläne, etwa den des Aktionsbündnisses Hitzeschutz Berlin für Gesundheitseinrichtungen wie Krankenhäuser und stationäre Pflegeeinrichtungen. Umfassende Informationen zum Umgang mit Hitze bietet außerdem der Hitzemaßnahmenplan für stationäre Einrichtungen der Altenpflege des LMU-Klinikums.
Schneider A, Röösli M, Huber V, Standl M, Kammerer K geben an, keine Interessenkonflikte zu haben.
Karl S gibt an, mehrere wissenschaftliche Publikationen zu den Zusammenhängen von menschengemachten Umweltveränderungen und psychischer Gesundheit verfasst zu haben. Er ist Mitherausgeber des Buchs „Psychiatrie in Zeiten globaler Umweltkrisen“ und Autor des Buchs „1-Minuten-Strategie Hitze“. Neben seiner klinisch-wissenschaftlichen Tätigkeit ist er Stadtrat in Stuttgart für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen.
Holzinger D gibt an, Mitglied des erweiterten Vorstandes von KLUG – Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit e.V. zu sein.
Rapp K, Breuer A, Arck P, Diemert A, Becker C: Es liegen keine Angaben zu Interessenkonflikten vor.
... link (1 Kommentar) ... comment
"Die Tagesschau verheimliche die Wahrheit – das jedenfalls behauptet Nius-Chef Julian Reichelt über Deutschlands Top-Nachrichtensendung in der ARD. Normalerweise streut sein Portal nur im Netz Verschwörungstheorien. Plötzlich aber lässt er die Berliner U-Bahnen und Busse mit seiner kruden Botschaft beschriften: „Morgens um 6 schon wissen, was einem abends um 8 verschwiegen wird“. Sogar ein besonders auffällig bedruckter Doppeldecker-Bus fährt Reichelts Irrsinn durch die Hauptstadt.
Dass ausgerechnet die als modern und fortschrittlich bekannten Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) ihre Werbeflächen für Reichelts hetzerische Schwurbelbotschaften hergeben, schockt uns und Tausende Berliner*innen. Also handeln wir. Und zwar schnell und eindeutig.
Unser Slogan heißt „Morgens um 6 schon Lügen & Hetze verbreiten“ – denn dafür steht Nius wirklich.[3] Wir fahren mit dem Spruch auf einem LKW tagelang dem BVG-Bus hinterher, der Satz leuchtet auf einem riesigen LED-Bildschirm. Auffälliger geht’s nicht. Natürlich kommt unser LED-Truck in die Medien – und in den sozialen Medien dreht er ebenfalls große Runden. Schließlich wird der BVG unsere Aktion so unangenehm, dass sie die Nius-Hetze stoppt. Erfolg!
Fakt ist: Wir konnten Reichelts Fake News im öffentlichen Raum nur stoppen, weil wir nicht gezögert haben. In kürzester Zeit standen Plan und Logistik, in wenigen Stunden hatten wir LKW und Riesenbildschirm organisiert. Campact kann das, weil wir Unterstützer*innen ... haben. Menschen, die uns schnell agieren sehen wollen."
... link (0 Kommentare) ... comment
Ein Mädchen namens Atefeh Sahaaleh wurde auf den Marktplatz geführt. Sie war sechzehn Jahre alt. Ein Kran wartete. Der Richter, der sie verurteilt hatte – derselbe Mann, der auch Staatsanwalt, Mullah und Leiter der Stadtverwaltung war –, legte ihr die Schlinge selbst um den Hals.
Atefeh hatte ihre Kindheit damit verbracht, von jedem System im Stich gelassen zu werden, das sie hätte schützen sollen. Ihre Mutter starb, als sie fünf Jahre alt war. Ihr Bruder ertrank kurz darauf. Ihr Vater wurde drogenabhängig. Ab dem neunten Lebensjahr wurde sie wiederholt von älteren Männern in ihrer Gemeinde missbraucht. Als die iranische Sittenpolizei schließlich auf sie aufmerksam wurde, geschah dies nicht, um sie zu schützen. Sie sollte verhaftet werden – wegen „Verbrechen gegen die Sittlichkeit“.
Sie wurde viermal verurteilt. In ihrem letzten Prozess schrie sie den Richter an, dass sie das Opfer und nicht die Täterin sei. Protestierend riss sie sich das Kopftuch vom Kopf. Der Richter sagte später, sie habe sich „in der Öffentlichkeit entkleidet“.
Er reiste persönlich nach Teheran, um die Genehmigung für ihre Hinrichtung einzuholen. Innerhalb einer Woche kehrte er zurück. Er legte ihr selbst die Schlinge um den Hals.
Die Behörden gaben ihr Alter mit 22 Jahren an. Ihre Geburtsurkunde wies 16 Jahre aus.
Keine große Zeitung berichtete darüber. Keine internationale Organisation griff rechtzeitig ein. Der Marktplatz verstummte. Die Welt drehte sich weiter.
Eine Journalistin namens Asieh Amini hörte ein Gerücht über den Vorfall und ließ es nicht mehr los.
Asieh war in der Provinz Mazandaran im Norden Irans aufgewachsen – derselben Region wie Neka – in einer Familie von Lehrern und Lesern, in einem Haushalt, in dem Bücher und Gedichte zum Alltag gehörten. Sie hatte sich ihre journalistische Karriere Jahr für Jahr mühsam aufgebaut und sich in einem Berufsfeld behauptet, das Frauen kaum Raum bot, bis sie Redakteurin und eine Stimme geworden war, der die Menschen zuhörten. Sie lernte. Sie gab nicht auf. Sie stieg auf.
Und dann, im Jahr 2004, erhielt sie einen Hinweis auf ein Mädchen, das gehängt worden war. Asieh ging der Sache nach. Was sie aufdeckte, war nicht einfach nur die Geschichte einer Hinrichtung – es war die Geschichte eines Kindes, das jahrelang missbraucht, als Opfer verfolgt und schließlich von eben jenem Gericht hingerichtet worden war, das es hätte schützen sollen. Sie versuchte, die Geschichte zu veröffentlichen. Sie stieß auf Widerstand. Doch sie gab nicht auf, bis die Geschichte endlich gedruckt erschien.
Das war erst der Anfang.
Kurz darauf erfuhr sie von Leyla – einer jungen Frau mit der geistigen Entwicklung eines achtjährigen Kindes, die ihr Leben lang von den Menschen um sie herum ausgebeutet und missbraucht worden war und nun im Todestrakt saß, verurteilt zur Steinigung. Asieh reiste ins Gefängnis. Sie sammelte Dokumente und Zeugenaussagen. Ihre Recherchen gingen über die Grenzen Irans hinaus und erreichten Regierungen und Organisationen weltweit. Der norwegische Ministerpräsident schrieb direkt an den iranischen Präsidenten. Der internationale Druck wuchs.
Leyla erhielt ein neues Verfahren. Sie wurde aus der Todeszelle geholt und in die Obhut einer Organisation gegeben, die sie endlich schützen sollte. Sie erhielt Privatunterricht, lernte Lesen und Schreiben und war zum ersten Mal in ihrem Leben von Menschen umgeben, die ihr helfen und nicht schaden wollten. Atefeh bekam diese Chance nie. Leyla schon.
2006 erfuhr Asieh, dass Steinigungen weiterhin im Geheimen durchgeführt wurden – offiziell verboten, aber trotz des Gesetzes fortgesetzt, da manche Richter glaubten, einer höheren Instanz als dem Parlament unterstellt zu sein. Sie war Mitbegründerin der Kampagne „Stoppt die Steinigung für immer“, die sich der Dokumentation von Fällen, der Sammlung von Beweisen und der Aufdeckung dieser verborgenen Praxis widmete. Die staatlichen Medien griffen sie an. Die Behörden leugneten alles. Der Druck wuchs mit jedem Monat.
2007 wurde sie bei einer Demonstration gegen die Inhaftierung einer Mitstreiterin verhaftet. Sie verbrachte fünf Tage im Evin-Gefängnis – einer der berüchtigtsten Haftanstalten Irans –, bevor sie freigelassen wurde. Sie kehrte nach Hause zurück und schrieb weiter.
Nach den umstrittenen Präsidentschaftswahlen 2009, als die Repression gegen Aktivisten zunahm und ihre Telefone überwacht und ihre Bewegungen verfolgt wurden, traf Asieh die Entscheidung, die viele iranische Journalisten und Schriftsteller treffen mussten: Sie ging.
Sie nahm ihre Tochter Ava und zog nach Norwegen. Sie begann ein neues Leben in einer Sprache, die sie nicht sprach, in einem Land, das sie nicht kannte, fernab von all den Geschichten, über die sie ihr Leben lang berichtet hatte. Sie schloss ihr Masterstudium ab. Sie veröffentlichte Bücher und Gedichte. Sie setzte ihre Menschenrechtsarbeit aus dem Exil fort, denn die Arbeit hört nicht auf, nur weil sich der Ort ändert.
Atefeh Sahaaleh war sechzehn Jahre alt. Ihr Name wäre beinahe in Vergessenheit geraten – begraben unter einem gefälschten Alter in einem Gerichtsdokument, vergessen auf einem Marktplatz im Norden Irans.
Asieh Amini entschied, dass das nicht hinnehmbar war.
Sie hätte die sicherere Geschichte wählen können – die, die weder Überwachung noch Verhaftung noch Exil nach sich zog. Stattdessen wählte sie diese. Und dann die nächste. Und die darauffolgende. Jahrelang wählte sie die Geschichten aus, die alle anderen lieber ignorierten.
So sieht es aus, wenn jemand beschließt, dass Schweigen keine Option mehr ist.
Irgendwo, eine Frau namens Leyla lernte dadurch lesen.
Und ein Mädchen namens Atefeh, dem keine zweite Chance gegeben wurde, ist nicht vergessen.
Gefunden auf und zitiert nach Red Dot
... link (0 Kommentare) ... comment
https://che2001.blogger.de/stories/1507216
https://che2001.blogger.de/stories/1747097
https://che2001.blogger.de/STORIES/2289540
https://che2001.blogger.de/stories/564769
... link (6 Kommentare) ... comment
Dennoch, zu aktuellen Debatten hier mal ein paar ganz nüchterne Fakten:
1990: Im Zuge der 2+4 Verhandlungen zur deutschen Wiedervereinigung sichern die USA zu, keine NATO-Truppen dauerhaft in Osteuropa zu stationieren. Dabei wird nicht über den Status von Mitgliedsstaaten des Warschauer Vertrages gesprochen.
1991: Nach einem misslungenen Militärputsch in Moskau bricht die UDSSR in 15 Einzelstaaten auseinander.
1991: In der Folge wird der Warschauer Pakt aufgelöst, dessen früheren Mitglieder sind damit bündnisfrei.
1991: Polen beantragt die Mitgliedschaft in der NATO.
1994: Im Budapester Memorandum garantiert Russland die Grenzen der Ukraine, die dafür ihre Atomwaffen abgibt.
1997: Russland stimmt in der NATO-Russland-Grundakte der NATO-Osterweiterung zu.
1999: Polen, Tschechien und Ungarn treten der NATO bei.
2004: Litauen, Lettland und Estland werden Mitglieder der NATO. Putin gratuliert den baltischen Staaten zum Beitritt und erklärt, die Russische Föderation habe hinsichtlich der NATO-Osterweiterung keine Sicherheitsbedenken.
2022: Putin nennt die NATO-Osterweiterung als Grund seiner "Militärischen Spezialoperation" gegen die Ukraine.
... link (0 Kommentare) ... comment
05. Juni 2026
Vitamin D, Kalzium oder die Kombination beider Mittel schützen ältere Menschen offenbar kaum vor Knochenbrüchen und Stürzen. Zu diesem Ergebnis kommt eine im BMJ veröffentlichte Auswertung der neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse von Dr. Olivier Massé, Abteilung für Pharmazie, CIUSSS du Nord-de-l'Île-de-Montréal, Québec, Kanada, und seinen Kollegen.
Fast ein Drittel der Menschen ab 65 Jahren stürzt jedes Jahr. Das führt häufig zu Knochenbrüchen, Schmerzen, verringerter Lebensqualität und manchmal auch dazu, dass sich die Betroffenen in stationäre Pflege begeben müssen. Die Prävention von Stürzen und Knochenbrüchen hat daher weltweit Priorität.
Mehrere frühere Evidenzüberprüfungen hatten ergeben, dass weder Kalzium- noch Vitamin-D-Präparate zu einer Verringerung von Knochenbrüchen führen, die Ergebnisse zur kombinierten Einnahme sind uneinheitlich. Dennoch empfehlen viele Ärzte und Leitlinien Vitamin-D-Präparate (mit oder ohne Kalzium) zur Knochengesundheit, und die Verschreibungen haben in den letzten Jahren erheblich zugenommen.
Evidenz aus 69 Studien mit über 150.000 Erwachsenen
Massé und seine Kollegen werteten die Ergebnisse von 69 randomisierten kontrollierten Studien mit insgesamt 153.902 Erwachsenen aus, in denen die Wirkung von Kalzium- oder Vitamin-D-Präparaten – oder einer Kombination aus beidem – auf die Verringerung der Anzahl von Knochenbrüchen und Stürzen im Vergleich zu Placebo oder keiner Behandlung untersucht wurde.
Nachdem man sich auf klinisch relevante Schwellenwerte geeinigt hatte, stellten die Forschenden fest, dass die Einnahme von Kalziumpräparaten (Evidenz von mittlerer Sicherheit aus 11 Studien; 9.067 Teilnehmer), Vitamin-D-Präparaten (Evidenz von hoher Sicherheit aus 36 Studien; 92.045 Teilnehmer) oder einer kombinierten Supplementierung (Evidenz von hoher Sicherheit aus 15 Studien; 51.126 Teilnehmer) kaum oder gar keinen Einfluss auf das Auftreten von Knochenbrüchen hatte.
Auch die Einnahme von Kalzium, Vitamin D oder einer Kombination aus beiden schien kaum oder gar keinen Einfluss auf bestimmte Frakturen, wie beispielsweise Hüftfrakturen, oder auf Stürze zu haben.
Ergebnisse stützen eine routinemäßige Supplementierung nicht
Massé und seine Kollegen weisen darauf hin, dass einige Analysen nur eine geringe Anzahl von Studien und Teilnehmern umfassten; daher sollten diese Ergebnisse mit Vorsicht interpretiert werden. Sie gelten möglicherweise nicht für Personen mit bestimmten Knochenerkrankungen oder für diejenigen, die medikamentös gegen Osteoporose behandelt werden. Allerdings blieben die Ergebnisse auch nach weiteren Analysen mit entsprechenden Adjustierungen konsistent.
Die Forschenden schließen daraus, dass die Ergebnisse „eine routinemäßige Supplementierung mit Kalzium oder Vitamin D sowie eine kombinierte Supplementierung zur Vorbeugung von Knochenbrüchen und Stürzen nicht stützen“. Sie empfehlen Ärzten, Leitliniengremien und Aufsichtsbehörden, „ihre allgemeinen Empfehlungen zur Kalzium- und Vitamin-D-Supplementierung vor dem Hintergrund der aktuellen Erkenntnisse neu zu bewerten“.
In einem begleitenden Editorial betonen Dr. Jennifer Pillay vom Alberta Research Centre for Health Evidence der Universität Alberta, Kanada, Dr. Donna Reynolds von der Universität Toronto und Guylene Thériault von der Universität Montreal, dass Erkenntnisse aus strengen und statistisch aussagekräftigen Studien benötigt würden, um Empfehlungen für die Nahrungsergänzung in Risikogruppen zu untermauern.
In der Zwischenzeit schlagen sie vor, den Fokus und die Finanzierung auf Maßnahmen zu verlagern, die nachweislich einen sinnvollen Beitrag zur Prävention von Stürzen und sturzbedingten Verletzungen leisten, wie beispielsweise Gleichgewichts- und Krafttraining, sowie auf Maßnahmen, die Elemente wie Bewegung, Gefahrenbewertung oder Aufklärung kombinieren und auf das individuelle Risiko zugeschnitten sind.
Kommentar des Verfassers: Eine gute Unfallversicherung, die eine Unfallpflegerente beinhaltet ist essentiell.
... link (0 Kommentare) ... comment
03. Juni 2026
Der Arztberuf gilt als immer noch Berufung – doch viele Mediziner kehren der direkten Patientenversorgung den Rücken. 3 Ärzte berichten von Demütigungen, Burnout, Bürokratie und moralischen Konflikten. Sie erklären, warum sie die Medizin verlassen haben und was sich ändern müsste, um dem Trend entgegenzuwirken.
Demütigungen und Schikanen im OP
Zunächst waren es die ständigen persönlichen Beleidigungen. Dann folgte eine Phase, in der nahezu der gesamte Jahrgang ihres 2. Weiterbildungsjahres entweder entlassen oder zurückgestuft wurde.
Frances Mei Hardin
Die Folge: Statt wie üblich jede 5. Nacht Bereitschaftsdienst zu haben, musste Frances Mei Hardin nun jede 3. Nacht arbeiten – ohne Aussicht auf Entlastung. Hinzu kam ein Chefarzt, der einen jungen Assistenzarzt in einem überfüllten Aufzug anschrie, er sei „verdammt hässlich“ und solle sich zur Wand drehen. Der Assistenzarzt gehorchte.
Im 4. Jahr ihrer Facharztausbildung war für sie der Punkt erreicht, an dem sie jede Begeisterung für die Chirurgie verloren hatte. „Mir wurde jede Liebe zur Arbeit als Chirurgin ausgetrieben“, erinnert sie sich.
Besonders prägend war ein Vorfall während einer Neck-Dissection (Halslymphknotenausräumung). Ein Oberarzt begann, sie wegen ihrer vermeintlich mangelnden Erfahrung vor dem versammelten Team zu kritisieren. Er warf ihr vor, nicht ausreichend gelernt zu haben, und machte sich über ihre Antworten lustig. Nach rund 20 Minuten der Schikane, die Hardin als das in Operationssälen weit verbreitete Zusammenspiel aus Ausfragen, Demütigen und Schikanieren beschreibt, verließ sie die 8-stündige Operation. „An diesem Tag ist etwas in mir zerbrochen“, sagt sie rückblickend.
Weinend zog sich Hardin auf die Toilette zurück und rief eine gute Freundin an, die ebenfalls in der Facharztausbildung war. Deren Reaktion überraschte sie nicht: Solche Situationen hatte sie selbst schon mehrfach erlebt. Ihr Rat lautete, sich zu sammeln und wieder in den OP zurückzukehren. Doch Hardin tat das nicht.
PTBS in der Facharztausbildung
Hardin entwickelte eine komplexe posttraumatische Belastungsstörung und litt unter Suizidgedanken. „In der Kultur der chirurgischen Weiterbildung ist es praktisch unmöglich, über solche Erfahrungen offen zu sprechen“, sagt sie. „Wenn so etwas einem von uns passiert, fühlt es sich katastrophal an. Es fühlt sich an, als hätte man versagt. Aber nichts davon trifft zu.“
Im vergangenen Jahr gab Hardin ihren Beruf als Chirurgin auf. Zuvor hatte sie ihre Facharztausbildung abgeschlossen und mehrere Jahre in einer privaten Praxis im ländlichen Süden der USA gearbeitet. Damit gehört sie zu den geschätzten 86.000 Ärztinnen und Ärzten, die bis zum Jahr 2036 der Medizin US-weit den Rücken kehren werden.
Zahlen aus Deutschland
Statistiken zur Situation in Deutschland gibt es zwar nicht, eine Abschätzung ist aber möglich.
Ende des Jahres 2024 waren bei der Bundesärztekammer rund 581.000 Ärzte registriert. Von ihnen gingen etwa 437.000 einer ärztlichen Tätigkeit nach, während rund 140.000 ihren Beruf nicht aktiv ausgeübt haben. Der überwiegende Teil war sich im Ruhestand. So entfielen etwa 104.000 Personen beziehungsweise 72% dieser Gruppe auf Ruheständler. Weitere rund 2.700 Ärzte galten krankheitsbedingt als berufsunfähig.
Zieht man diese beiden Gruppen ab, verbleiben schätzungsweise 33.000 bis 37.000 approbierte Ärzte, die weder ärztlich tätig noch im Ruhestand oder berufsunfähig sind. Viele von ihnen arbeiten weiterhin im Gesundheitswesen, allerdings außerhalb der direkten Patientenversorgung.
Wissenschaftliche Arbeiten bestätigen den Trend
Die Diskussion über Ärzte, die ihren Beruf verlassen, ist nicht neu. Verschiedene Daten deuten jedoch darauf hin, dass sich dieser Trend keineswegs abschwächt. Eine im Jahr 2025 in den Annals of Internal Medicineveröffentlichte Studie, die mehr als 700.000 Ärzte erfasste, zeigte, dass der Anteil aller Mediziner, die nicht mehr in der direkten Patientenversorgung tätig sind, zwischen den Jahren 2013 und 2019 von 3,5% auf 4,9% angestiegen ist. Und das noch vor Beginn der COVID-19-Pandemie.
Zu dieser Entwicklung dürften auch die hohen Burnout-Raten unter Ärzten beitragen. Eine im März 2026 in JAMA Internal Medicine veröffentlichte Untersuchung hat ergeben, dass Ärzte mit Burnout nahezu eineinhalbmal häufiger die klinische Tätigkeit verlassen als ihre Kollegen ohne entsprechende Belastung.
Jeder betroffene Arzt hat seine eigene Geschichte – und der Begriff „Burnout“ dient oft als Sammelbezeichnung für sehr unterschiedliche Erfahrungen. Spricht man jedoch mit einigen der Betroffenen, treten immer wieder ähnliche Muster zutage.
Akademische Karriere oder Privatpraxis: Alternativen sind rar
Anthony Chin-Quee
Anthony Chin-Quee, Facharzt für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, hat die Medizin im Jahr 2019 verlassen. Im Gespräch mit Medscape erzählt er, dass ihn das gesamte System bereits während seiner Ausbildung eingeengt hat. In seinen Augen schien es nur 2 akzeptierte Karrierewege zu geben: eine akademische Laufbahn oder die Tätigkeit in einer Privatpraxis.
Für Chin-Quee waren die Einschränkungen jedoch nicht nur beruflicher Natur, sondern auch zutiefst persönlich. „Ich bin schwarz, und das spielt eine große Rolle – besonders in der Medizin. Wenn man dann noch in die Chirurgie und anschließend in eine chirurgische Subspezialisierung geht, gibt es dort nur sehr wenige Menschen wie mich. Da ist man schnell isoliert“, sagt er.
Außerdem hatte Chin-Quee das Gefühl, dass für ihn andere Maßstäbe galten als für viele seiner Kollegen. Fehler, die bei anderen toleriert wurden, schienen bei ihm deutlich kritischer bewertet zu werden.
Auch die eigene Persönlichkeit passte aus seiner Sicht nicht in das Bild des typischen, stets kontrollierten und formellen Chirurgen. „Ich habe gerne Spaß, ich mache Witze, ich singe gerne und ich gehe locker und herzlich mit meinen Patienten um“, sagt er. Genau diese Eigenschaften haben ihn jedoch häufig zum Außenseiter gemacht.
Kollegen verbreiten Gerüchte
Doch damit nicht genug: Als ein Oberarzt erfuhr, dass Chin-Quee in seiner Freizeit den Roman The Hunger Games las, verbreitete sich hinter vorgehaltener Hand das Gerücht, er nehme die Chirurgie nicht ernst genug. Nach seiner Wahrnehmung änderte sich daraufhin auch die Haltung seiner Vorgesetzten ihm gegenüber – eine Entwicklung, die er direkt mit diesen Gerüchten in Verbindung bringt.
Mit der Zeit gewann Chin-Quee den Eindruck, dass er sein offenes Wesen verstecken müsse, um in der Medizin zu bestehen. In seiner schwierigsten Phase litt er an Depressionen und begann, berufliche Probleme zunehmend zu verinnerlichen. „Und wenn die Leistung nicht stimmt, hat man irgendwann das Gefühl, selbst nichts wert zu sein“, erinnert er sich.
Im Jahr 2019 zog Chin-Quee schließlich die Konsequenzen. Er gab seine Tätigkeit als Chirurg in Los Angeles auf – zunächst ohne eine neue berufliche Perspektive.
Die moralischen Zweifel wachsen
Mel Thacker
Medscape hat auch mit Mel Thacker gesprochen. Sie war lange davon überzeugt, bis zu ihrem Ruhestand in der von ihr mitgeführten Gemeinschaftspraxis in Massachusetts zu arbeiten. In der ausschließlich von Frauen geführte Praxis waren 3 Partnerinnen. Thacker gehörte zu den treibenden Kräften des Teams. „Ich wollte seit meinem 13. Lebensjahr Ärztin werden, und ich habe mir diesen Traum erfüllt. Aber es ist eben nicht wie im Märchen“, sagt sie.
Obwohl Thacker über ein Maß an beruflicher Selbstbestimmung verfügte, von dem viele Ärzte nur träumen können, nagten moralische Zweifel immer stärker an ihr. Das lag an finanziellen Anreize im US-Gesundheitssystem, die sie nicht länger ignorieren wollte.
Als HNO-Fachärztin mit Schwerpunkt Nasennebenhöhlenchirurgie wusste sie, dass ein bestimmter Eingriff in ihrer eigenen Praxis mit rund 15.000 US-Dollar vergütet wurde. Wurde derselbe Eingriff in einem ambulanten Operationszentrum durchgeführt, lag die Erstattung lediglich bei etwa 3.000 US-Dollar. „Dadurch entsteht unweigerlich die Gefahr, Patienten unbewusst eher zu dem Eingriff in der Praxis zu bewegen“, sagt sie. „Allein der Gedanke daran hat bei mir ein zutiefst unangenehmes Gefühl ausgelöst.“
Thacker beobachtete, wie einige Kollegen diese Unterschiede gezielt ausgenutzt haben. Sie sah Ärzte, die „Millionen verdient haben, berühmte Sänger zu ihren Geburtstagsfeiern einfliegen ließen und Lamborghinis fuhren – finanziert durch Geld, das sie mit medizinisch fragwürdigen Eingriffen an Patienten verdient haben.“
Gleichzeitig erlebte sie, wie das System Ärzten geschadet hat. Ein Kollege musste nach jahrelanger Betreuung eines totkranken Krebspatienten 40.000 Dollar an dessen Versicherung zurückzahlen. Thacker selbst sah sich regelmäßig gezwungen, bürokratische Hürden zu überwinden, um Patienten günstige bzw. rasch verfügbare Medikamente zu verschreiben.
Die Scham und Selbstverachtung, die sie dabei empfand, machten sich auch körperlich bemerkbar. Im OP erlitt sie Panikattacken. Anfang des Jahres 2021 nahm sie sich eine Auszeit, suchte einen Psychiater auf und entdeckte Coaching als neue berufliche Perspektive. Im Jahr 2024 verließ sie ihre Praxis.
Wie viele andere Ärzte beschreibt Thacker den Ausstieg aus der Medizin nicht als ein einzelnes einschneidendes Ereignis, sondern mit „der stete Tropfen höhlt den Stein“. Gemeint sind die vielen kleinen Belastungen und Hindernisse, die sich über Jahre ansammeln. Besonders die administrativen Anforderungen hätten das Gesundheitswesen ihrer Ansicht nach zunehmend im Griff.
Bürokratie statt Patientenkontakt
In einem Beitrag für KevinMD.com beschrieb die Endokrinologin Corina Fratila den ärztlichen Alltag als den eines „überbezahlten Affen zur Datenerfassung in einem kafkaesken Versicherungslabyrinth“. Dieser Affe sei rechtlich dazu verpflichtet, mehr Zeit mit dem Anklicken von Feldern in Dokumentationssystemen zu verbringen als mit direktem Blickkontakt zu anderen Menschen.
Fratila, die sich kürzlich aus der klassischen medizinischen Versorgung zurückgezogen hat, kritisierte in einem Essay insbesondere das System der Vorabgenehmigungen durch Krankenversicherungen. „Kein Wunder, dass Patienten unser Gesundheitssystem verabscheuen und Ärzte die Medizin in Scharen verlassen“, lautet ihr Fazit.
Was müsste sich ändern, damit Ärzte bleiben?
So unterschiedlich die Gründe für den Ausstieg aus der Patientenversorgung sind, so verschieden fallen auch die Vorstellungen eines besseren Systems aus. Dennoch gibt es einen kleinsten gemeinsamen Nenner: Ärzte wünschen sich ein Gesundheitswesen, das inklusiver und weniger bürokratisch ist, das vielmehr die Beziehung zwischen Arzt und Patient in den Mittelpunkt stellt.
Viele Mediziner sind davon überzeugt, dass Veränderungen schon in der Ausbildung beginnen müssen. Chin-Quee fordert, die vielen informellen und unausgesprochenen Regeln der medizinischen Kultur im Medizinstudium offen anzusprechen.
Hardin erinnert sich, dass sie zeitweise gegen den Impuls ankämpfen musste, junge Ärzte genauso zu behandeln, wie sie selbst behandelt worden war. Aus ihrer Sicht ist ein Kulturwandel die Voraussetzung für Fortschritte in allen anderen Bereichen – und dieser Wandel müsse eben früh in der Ausbildung beginnen.
Als Beispiel nennt Hardin die vom Accreditation Council for Graduate Medical Education festgelegte Obergrenze von 80 Arbeitsstunden pro Woche. In manchen Ausbildungsprogrammen würden Assistenzärzte schlicht angewiesen, keine höheren Stundenzahlen zu dokumentieren – selbst wenn sie tatsächlich deutlich länger gearbeitet haben. „Wir können den ganzen Tag neue Regeln beschließen“, sagt sie. „Aber sie funktionieren nicht, wenn sie nicht auf jeder institutionellen und organisatorischen Ebene tatsächlich umgesetzt werden.“
Ist Medizin doch nur ein Beruf, aber keine Berufung?
Chin-Quee stellt auch die weitverbreitete Vorstellung infrage, Medizin sei eine „Berufung“. Dieses Bild vermittle, dass Ärzte moralisch besonders hochstehende Menschen seien.
„Die Medizin sollte sich nicht fragen: ,Wie kann ich diesen Menschen zu dem Arzt machen, den ich sehen möchte?‘“, sagt er. „Die entscheidende Frage lautet vielmehr: ,Wie kann dieser Mensch zu dem Arzt werden, der er selbst sein möchte? Wie können wir unterschiedliche Herkunft, Kulturen und Perspektiven wertschätzen und erkennen, dass genau diese Vielfalt Ärzte besser macht?‘“
Freunde, die mit dem Gedanken spielten, die Medizin zu verlassen, riefen ihn häufig an, erzählt Chin-Quee. Dabei gehe es weniger um Karrierefragen als um Grundsätzliches. „Sie fragen, ob es in Ordnung ist, zu gehen.“ Seine Antwort laute meist: ja.
Quee hat mittlerweile eine berufliche Tätigkeit, die zu ihm passt. Freunde und Kollegen ermutigt er, den Ort zu finden, an dem sie morgens aufwachen und sich auf den kommenden Tag freuen.
Das Arzt-Patienten-Verhältnis wieder ins Zentrum rücken
Für Thacker liegt die Lösung vor allem in strukturellen Reformen. „Die Beziehung zwischen Arzt und Patient muss wieder das schlagende Herz unseres Gesundheitswesens werden“, sagt sie. „Ich kann einen OP betreten, und niemand weiß genau, was dort passiert. Mir wird das Leben eines Menschen anvertraut. Doch sobald ich den Saal verlasse, muss ich jede einzelne Entscheidung exakt mit den Formulierungen rechtfertigen, die Versicherungen verlangen.“
Auch wenn diese nicht immer praktikabel sind, sieht sie sogenannte Direct-Care-Modelle – also Versorgungsmodelle mit direkter finanzieller Beziehung zwischen Arzt und Patient – als einen möglichen Weg in die Zukunft.
Fratila formulierte ihre Kritik noch schärfer: „Dieses System funktioniert exakt so, wie es entworfen wurde. Für Profit. Nicht für Menschen.“ Genau das müsse sich ändern.
Wie es nach dem Ausstieg weitergeht
Ärzte, die ihren Kittel an den Nagel hängen, schlagen ganz unterschiedliche Wege ein. Kurz nachdem Chin-Quee seine Tätigkeit als Chirurg aufgegeben hatte, erhielt er eine Stelle im Autorenteam der Fernsehserie Grey’s Anatomy und später bei The Resident. Heute berät er ein Start-up, das einen KI-gestützten Coach für Ärzte und Medizinstudierende entwickelt. Außerdem veröffentlichte er im Jahr 2023 seine Memoiren unter dem Titel I Can’t Save You: A Memoir.
Thacker arbeitet inzwischen hauptberuflich als Coach für Chirurgen und moderiert den Podcast Surgeons with Purpose. Zusätzlich übernimmt sie eine Woche pro Monat Vertretungen als Ärztin. Diese Tätigkeit beschreibt sie als „direkt, unkompliziert und auf eine Weise erfüllend, wie es meine eigene Praxis nie war“.
Hardin veröffentlichte in diesem Jahr ihre eigenen Memoiren mit dem Titel Surgeon on the Edge und gründete gemeinsam mit Thacker das von Ärzten geführte Medienunternehmen The Hippocratic Collective. Sie hofft, dass die nächste Generation von Ärzten eine bessere Balance zwischen Beruf und persönlichem Leben finden wird.
Nach ihrer Einschätzung beschleunigt sich die Abwanderung aus der Medizin auch deshalb, weil jüngere Ärzte höhere Ansprüche haben, wie sie behandelt werden wollen. Diese veränderte Haltung könnte den notwendigen Druck erzeugen, um das System zu verändern.
Für Ärzte steht einiges auf dem Spiel. „Wenn eine Belegschaft nicht unter Bedingungen arbeitet, unter denen sie ihr Bestes geben kann, leidet zwangsläufig die Arbeit“, sagt Chin-Quee. „Und in diesem Fall geht es um die Gesundheit von uns allen.“
Der Beitrag ist im Original erschienen auf Medscape.com.
... link (0 Kommentare) ... comment
... link (0 Kommentare) ... comment
