Donnerstag, 26. August 2021
Einsprengsel zu Afghanistan
https://www.nzz.ch/feuilleton/afghanistan-war-in-den-70er-jahren-ein-weltoffenes-land-ld.1641476?utm_source=pocket-newtab-global-de-DE

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da kann man klipp und klar drauf antworten:
der einsatz war notwenig
weil der IS vertrieben werden musste
der ja vor paar stunden seine wirkkraft kundtuen musste

der IS und die taliban sind keine freunde des herzens

nach der vertreibung des IS
das sollte allerdings evaluiert werden
wollte man das land befreien in etwas was man den westlichen lebensstil nennt
und da fing die scheisse an

weltoffen war das land nie
es ist das rückständigste land der erde
das muss man konstatieren
und da ist der westen total gescheitert
mit vorher hatte doch keiner strom und wir haben die infrastruktur geschaffen kannst du keine meriten ernten
wenn dadurch die stammesstruktur bedroht ist

ohne strom ist besser
ohne medikamente ist besser
sonst zerfällt die alte ordnung

dieses denken konnten sich die westlichen eroberer nicht zu eigen machen
wenn ich beim chronisten schreibe dann weiss ich doch wie der denkt
oder bei wuerg
oder mannhartsberg

ja aber ich kann doch nur das denken dieser leute und wenn es noch so abstrus und pervers ist
kennenlernen wenn ich mich mit ihnen befasse
das wurde sträflichst versäumt

und was das schlimmste ist:
ob der mossad der cia oder der jämmerliche bnd
es war ein totalversagen auf der ganzen linie
eine blamage die ihresgleichen nicht hat
zitterwölfisch sieht anders aus

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Aber es gab mal eine Zeit da war zumindest Kabul weltoffen, und das war die Zeit in der die Ägypterinnen an heißen Tagen im Bikini flanierten. In den Siebzigern orientierte sich die gesamte islamische Welt anders als heute, und fast alles was seither geschah ist ein Rückschritt.

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che mir fehlt dafür der glaube
es mag vielleicht in kabul so gewesen sein
woran sich heute keiner mehr erinnern kann
aber die machtstrukturen sind anders verteilt
die liegen auf dem lande
und waren es vorher auch

biden begreift gar nicht was er damit angerichtet hat
jeder tag wo er nicht von der vizepräsidentin abgelöst wird ist ein schlechter tag für die usa

aber auch der noergler mit seinen dummen bemerkungen über drohnen
die ksk konnte nur in die safe-houses weil sie von drohnen der amerikaner abgesichert wurde

die abhängigkeit ist dermassen eklatant das es eine europäische verteidigungspolitik geben muss
emanzipiert artikuliert
in kooperation mit den usa
nich das putin 10 pullen krimsekt säuft

was aber nichts anderes als aufrüstung heisst
die unmengen kohle kostet
aber anders gehts wohl nicht

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Lies mal "In schwarzen Zelten durch Afghanistan" von Alim Hekmat, wo es um das Leben von Nomaden geht. Klar waren die traditionalistisch - aber es gab nicht diesen Vernichtungs-Antimodernismus, sondern eher eine scheu-vorsichtige Neugier für Fremdes.

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mein gott che
ein ziwo hätte mit den talibanen gesprochen
und dann wäre er zügigst abgereist
nachdem die IS mission beendet war

aber offensichtlich hat es keiner in 20 jahren für nötig befunden
soviel unfähigkeit geht doch auf keine kuhhaut
dabei waren doch die strukturen offenkundig

heute bei phoenix wurde einer befragt der schulen für frauen verantwortete
er sagte: zuerst muss der dorfälteste zustimmen
dann musst du dich an die taliban wenden
wenn die zustimmen läuft das projekt

die taliban waren nie eine geisterorganisation
sie waren immer in afhganistan präsent und das in grösster wirkmächtigkeit

man muss total geisteskrank gewesen sein dieses system nicht verstanden zu haben

taliban sind auch nicht taliban da kommt es auf die stämme an
das ist eine sehr heterogene veranstaltung
deswegen gibt es ja auch keinen führer aller talibane auch wenn einer so tut
es gibt da keinen dwight d. eisenhower

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ziwaliban, das wäre doch ein job für Dich.

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ach weisste horn manhartsberg
nur wenn ich genug hörner zusammenhätte
die vor mir herlaufen um die sprengfallen zu entlaven

man kann ja nicht vorsichtig genug sein wenn gefahren lauern

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An Hörnern herrscht kein Mangel, Du musst halt an Deiner Lassotechnik feilen. Und dann für jeden Stamm eine spezielle Riesenkräuterspirale, die jeweiligen Mitglieder kriegen ein Büschel davon als Bartzierde, Du natürlich alles bunt gemischt und die Grünen schreiben euch eine Hymne..
Hier fliegt einer durch die Schluchten. https://wasliestdu.de/gerd-schilddorfer/heiss

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Dann schau Dir mal die ganzen alten Fotos an aus den 70/80igern, oder aus den 50igern - zu Deiner Feststellung " weltoffen war das Land nie"

https://www.reddit.com/r/OldSchoolCool/comments/95d4cd/afghan_college_girls_1970s/

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Afghanistan war, ähnlich wie Marokko, für deutsche, dänische, niederländische und österreichische Hippies, Freaks und Abenteuerurlauber 1967 - 1976 das Traumurlaubsland schlechthin, jedenfalls für die, die es nicht bis nach Goa schafften. Die Rucksackbiligfliegerei mit Ostblockairlines nach Kuba, Venezuela, Ägypten, Tansania, Indien und Thailand ging ja erst später los. Der Liedermacher Klaus Hoffmann weiß davon mehr als ein Lied zu singen ("Und Du hast Pferde gekauft hoch oben im Norden Bamians, die Mädchen aus Frankfurt gesehen, die ihre Wünsche in die staubige Straße spuckten, die wollten weiter zu den Gurus nach Goa", "Afghana "). Für die Mitteleuropärer war Afghanistan das gleiche wie El Salvador und Nicaragua für die Amis. Weswegen übrigens der Westen für die dortigen Menschenrechtsverletzungen und sozialrevolutionären Kämpfe viel eher wach wurde als für die von Guatemala, wo es keinen westlichen Freak-Tourismus gab.

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Mu, mu, Mudschahidin
Na ja, diese Photos zeigen eine Minderheit. Auf dem Land sah es etwas anders aus. Auch ganz gut zu sehen auf der Arte-Doku über Afghanistan. Den Tourismus nahmen viele Einheimische mit sehr gemischten Gefühlen wahr.

Ansonsten ein Bericht aus der NZZ:

"Schon vor über zehn Jahren wussten die ausländischen Helfer, dass ihr Einsatz in Afghanistan gescheitert war ? die Kooperation mit der lokalen Bevölkerung hat sich als Illusion erwiesen
Viele gewöhnliche Afghanen haben keine grundlegend andere Weltsicht als die Taliban. Es ist Zeit, schmerzhafte Realitäten zur Kenntnis zu nehmen und über Religion zu reden."
Ebrahim Afsah
21.08.2021, 05.30 Uhr
https://www.nzz.ch/feuilleton/afghanistan-der-zusammenbruch-kam-nicht-ueberraschend-ld.1641239?

Vielleicht ist dem so. Dazu müßte man die Leute in den Hilfsorganisationen befragen und muß auf ehrliche Antworten hoffen und auch darauf, daß man das eigene Tun nicht beschönigt, weil es ja sinnhaft sein muß und also nicht nach Scheitern riechen darf.

Huntingtons "Kampf der Kulturen" ist insofern interessant, weil dieses Buch geopolitische Realien beschreibt und weil er sich Begriffen wie globaler Konkurrenz und Macht stellt, die zugleich an bestimmte politische Ordnungen und damit korrespondierende Ökonomien geknüpft sind. Und was Afghanistan betrifft: Selbst wenn man, neben der geopolitischen Intervention des Westens, im Gepäck auch noch einen Marshall-Plan gehabt hätte, würde ein solcher Wandel einer Gesellschaften, die in völlig anderen Kulturräumen und Traditionen leben, sehr lange dauern und er wird auch nicht von außen an die Menschen herangetragen werden können. Da wird man nur auf den Gang der Geschichte hoffen müssen. Freiheit, die man Menschen aufzwingen muß, ist keine Freiheit, und es lassen sich die eigenen Standards nicht gegen die Sittlichkeit und den Geist eines Volkes (oder der verschiedenen Volksgruppen) einpflanzen. Eine Möglichkeit solcher politischen Umbrüche könnte die Loja Dschirga sein. Wandel kommt meist auf Taubenfüssen und dazu gehören viele kleine Schritte.

Für die Hintergründe zu den Taliban auch interessant und unbedingt lesenswert ist das Interview mit der Islamwissenschaftlerin Susanne Schröter, die zu lesen sowieso zu empfehlen ist,

"Taliban: "Sie kämpfen für eine gottgewollte Ordnung"
Die Taliban sind keine wilden Krieger, sagt die Islamexpertin Susanne Schröter. Ein Gespräch über die selbst ernannten Verteidiger des Glaubens"

https://www.zeit.de/2021/34/taliban-glauben-ordnung-gottgewollt-krieger-islam-susanne-schroeter/komplettansicht

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حشيش schwarzer Afghane - nicht zu vergessen...

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Ich denke da an den meine Weltsicht prägenden Band 1 der Schriftenreihe "Autonomie - Materialien gegen die Fabrikgesellschaft" zum Thema Iran aus dem Jahr 1980, wo Kaptelüberschriften wie "Der Schiiten-Sozialismus der Khomeinisten" die Illusionen verraten, die westliche Linke über dieses Land und diese Revolution hatten. Und ich erinnere mich an ein Gespräch, das ich mit einem Afghanen über Demokratie hatte und in dem er erklärte, unter Demokratie würde er verstehen, dass es nicht nur eine Loja Djirga gäbe, sondern dass auch der Bazarhändler, der Ziegenhirte, der Arbeiter, die Bäuerin an den Kabinettssitzungen teilnehmen dürften und von den Ministern nach ihrer Meinung gefragt würden. Klang für mich ein bißchen wie 1001 Nacht. Als ich erwiderte, dass Demokratie mit Repräsetanz und Mehrheiten zu tun hätte meinte er sehr verächtlich "Man zählt Köpfe, statt sie zu wiegen,"

Übrigens hatte mal jemand, der sich mit den Verhältnissen besser auskennen dürfte als Europäer oder Amerikaner eine Art Marshall-Plan für Afghanistan: Der Aga Khan.

Sein Ansatz basierte darauf, dass die afghanischen Bauern niemals auf den Mohnanbau zugunsten von Getreide verzichten würden, da sie die Einkommenseinbußen vernichten würden. Stattdessen empfahl er Maulbeerbäume und Seidenproduktion einschließlich möglichst effizienter und von den Arbeitsbedingungen her korrekter Teppichfabriken. Dies wäre die einzige mit der Tradition vermittelbare Art Afghanistan zu modernisieren und aus dem Korruptions- und Drogensumpf herauszuführen.

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""Der billigste Trip nach Kathmandu" war in den mittsiebziger Jahren der Titel eines Buches, das in der deutschsprachigen Traveller-Bewegung dieser Zeit zum Bestseller wurde. Auch uns war es ein meist zuverlässiger Reisebegleiter. Ob es uns damals aber wirklich vor allem darum ging, andere Länder und Kulturen kennen zu lernen, ist aus heutiger Sicht stark anzuzweifeln. In erster Linie ging es wohl ums "anders sein als die anderen", um das Austesten eigener Grenzen. Für einige, auch von denen ist hier die Rede, wurde dies zu einer Reise ohne Wiederkehr. Aber die meisten haben ihre "Jugendabenteuer" unbeschadet überstanden und stehen heute mehr oder weniger aktiv mit beiden Beinen im "realen Leben". Die Länder, durch die wir damals zogen, hatten weniger Glück. Wir dürften mit zu den letzten gehört haben, die im Spätsommer 1977 auf dieser Route ihren großen Trip unternahmen: Afghanistan versank kurz darauf in einem blutigen Bürgerkrieg, im Iran übernahmen die Ajatollahs die Macht. Ich will nicht ausschließen, dass auch die Konfrontation mit den als dekadent und amoralisch erscheinenden Westeuropäern und Amerikanern für viele Menschen in diesen streng islamischen Ländern ein Grund mehr war, im religiösen Fundamentalismus eine vermeintliche Alternative zu suchen. In jedem Fall hat mich meine Reise nach Afghanistan - wenn auch mit einiger Zeitverzögerung - eines gelehrt: Der Reisende, egal was er tut oder läßt, wird immer auch zum Bestandteil des Kulturraumes, den er bereist - und sollte sein Verhalten darauf einstellen."
http://www.reisen.realedition.de/Asien/Afghanistan_Iran_Tuerkei/seite3.html

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Ein paar Basics zur Modernisierungsgeschichte der islamischen Welt
Im Afghanistan der 70er Jahre wurde versucht, etwas nachzuholen was schon vorher der Panarabismus erreicht hatte in Ländern wie Ägypten, Algerien, Tunesien, Syrien, Irak: Eine Modernisierung nach westlichem Vorbild unter Rücksichtnahme auf islamische Traditionen im Lande (Im Gegensatz zum radikalen Laizismus der Türkei) mit einer Verbindung aus Staatssozialismus bezogen auf Außenhandel und Großbetriebe und Privatwirtschaft im Bereich Kleinbauern, Gewerbe und Handwerk. Außenpolitisch orientiert an der Bewegung der Blockfreien und damit gegen westliche Entwicklungspolitik und prowestliche Satellitenstaaten wie Shah- Iran und Libanon oder das als Implantat westlicher Interessen wahrgenommene Israel ausgerichtet. Der letzte Shah Afghanistans ging sogar so weit, westliche, sowjetische und chinesische Berater parallel ins Land einzuladen, um auszutesten, wer die besten Lösungen zur Entwicklung Afghanistans anzubieten hätte.

Parallel dazu destabilisierte Pakistan das Land fortlaufend, das nach dem Verlust Bangla Deshs im Krieg gegen Indien beabsichtigte, Afghanistan zu erobern und zu diesem Zweck islamistisch indoktrinierte Söldnermilizen aufbauten, die in ablegenen Regionen einen Partisanenkrieg gegen die Zentralregierung begannen. Eingebunden war dies in einen Aufbruch des radikalen wahabitischen Islamismus, der damals schon mit den Mordanschlägen auf Pilger in Mekka, eigentlich ein Putschversuch gegen die saudische Monarchie Amok gegen westorientierte Modernisierungsmodelle lief, zu denen auch die prosowjetischen und der Arabische Nationalismus gehören. Der pakistanische Präsident Bhutto glaubte diese Karte in Afghanistan spielen zu können und fiel diesen Kräften dann selbst zum Opfer.

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Und dann noch was zu den Ursprüngen der Taliban
Talib bedeutet so etwas wie Koranschüler. Die Taliban der ersten Stunde waren Kriegswaisen, Kinder und Jugendliche, die, völlig traumatisiert, in von wahabitischen Fundamentalisten betriebenen klosterähnlichen Koranschulen in Pakistan mit einer prmitiven Brachialvariante des sunnitischen Fundamentalismus indoktriniert, gleichzeitig aber durch die Aufnahme dort vor dem Schicksal Kindersoldaten zu werden bewahrt wurden. Sie kehrten zurück nach Afghanistan als euphorisch-idealistische Jugendbewegung, die das Ziel hatte den Bürgerkrieg der Warlords zu beenden und dem Land Frieden zu geben - unter der Radikalanwendung der Scharia. Später kehrten die einzelnen Taliban zu ihren jeweiligen Stämmen zurück und begannen, diese im Sinne ihrer Ideologie zu missionieren, gleichzeitig aber auch die dispersen Stammesinteressen als eine Elite von Priester-Kriegern zu vertreten.



Parallelen mit den Khmer Rouge in Campuchea und ihrem Steinzeitkommunismus sind nicht zufällig.

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Auch die innerafghanischen Konflikte zwischen Moderne und Mullah sind interessant. So etwa Mohammed Zahir Schah, der als König wesentliche Reformen durchführte und wo vermehrt die Diskrepanz zwischen Stadt und Land zu spüren war. Spätestens mit dem Sturz des Königs und dann seit die Kommunisten die Regierung übernahmen und Muslime verstärkt in die Gefängnisse wanderten, begann militärischer Widerstand und damit begann auch ein Krieg der Machtblöcke. Die USA, die nach dem Einmarsch der Sowjets dann jene Geister ausrüsteten, die sie nun nicht mehr loswird.

Einen guten Überblick liefert die Arte-Dokumentation.

https://www.arte.tv/de/videos/081554-001-A/afghanistan-das-verwundete-land-1-4/

Und ansonsten sei auf die sowieso meist gute Beck'sche Reihe verweisen, nämlich Conrad Schetter: Kleine Geschichte Afghanistans

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Was fast überall außer Acht gelassen wird ist aber die Rolle, die der pakistanische Geheimdienst dabei spielte. Die Mudjaheddin-Verbände, die nach dem sowjetischen Einmarsch von den USA bewaffnet und ausgerüstet wurden existierten zum größten Teil zu dieser Zeit schon, sie hatten vor dem Einmarsch gegen Amin gekämpft, nach dem Militärputsch Zia Ul Haqs - das ist der, der in den Sechzigern die jordanische Armee zur Aufstandsbekämpfung ausbildete, das Resultat ist als "Schwarzer September" bekannt - fehlte ihnen aber die weitere Versorgung und Finanzierung aus Pakistan, da ihre sämtlichen pakistanischen Geheimdienstkontakre liquidiert worden waren.

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"Traveling in a fried-out Kombi
On a hippie trail, head full of zombie"

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was ist der heiko doch für ein arschloch
https://www.kabulluftbruecke.de/update

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Danke für die Verlinkung dieser Webseite!

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Mit Interview der Fotografin
https://www.dw.com/de/gesichter-afghanistans-erfahrung-einer-alten-welt/a-15849998
ziwo, immer schön grüßen, loben und danken.
https://www.kunsthalle-kuehlungsborn.de/gesichter-afghanistans-13-10-02-12-2018/

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Danke dafür, das sind Schätze!

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