Montag, 4. Mai 2026
Mittelmeerdiät schlägt fettarme Kost: neue Studiendaten zeigen klaren Vorteil fürs Herz
che2001, 17:37h
Univadis Nachrichten
Carlos Sierra, PhD
04. Mai 2026
Ausgewogene Ernährung ist keine Garantie für Gesundheit – doch sie ist ein entscheidender Faktor. Aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen deutlich: Eine Kost, die arm an Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten, Nüssen und Fisch ist, gleichzeitig aber reich an verarbeiteten Fleischprodukten, zugesetztem Zucker und Salz, zählt zu den wichtigsten Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Demgegenüber verdichten sich die Belege, dass die Mittelmeerdiät weit mehr als nur ein gesunder Lebensstil ist. Sie trägt maßgeblich dazu bei, Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorzubeugen, vorzeitiges Altern zu verlangsamen und den kognitiven Abbau zu bremsen. Ein eindrucksvolles Beispiel liefert die CORDIOPREV-Studie, eine klinische Untersuchung am Universitätsklinikum Reina Sofía im spanischen Córdoba, deren aktuelle Ergebnisse im European Journal of Internal Medicine veröffentlicht worden sind [1].
7 Jahre Forschung: CORDIOPREV liefert harte Zahlen
Die ursprünglich in The Lancet publizierte CORDIOPREV-Studie [2]ist eine randomisierte klinische Untersuchung mit 1.002 Teilnehmern, darunter 827 Männer (82,5%). Alle Teilnehmer litten an einer stabilen koronaren Herzkrankheit. Sie waren zwischen 20 und 75 Jahre alt, das Durchschnittsalter lag bei 59,5 Jahren. Über einen Zeitraum von 7 Jahren wurden sie engmaschig begleitet.
Forscher haben die Probanden in 2 Gruppen eingeteilt: 502 Personen ernährten sich mediterran mit viel nativem Olivenöl, während 500 Teilnehmer eine fettarme, ebenfalls gesunde Kost zu sich nahmen. „Auch die Vergleichsdiät musste aus ethischen Gründen gesund sein – es wäre nicht vertretbar gewesen, den Teilnehmern eine ungesunde Ernährung vorzugeben“, erklärt Dr. Pablo Pérez Martínez. Er ist wissenschaftlicher Direktor des Instituto Maimónides für biomedizinische Forschung (IMIBIC), Professor für Medizin an der Universität Córdoba sowie Facharzt für Innere Medizin am Universitätsklinikum Reina Sofía, Córdoba.
Ziel war es, das Auftreten schwerwiegender kardiovaskulärer Ereignisse zu vergleichen, darunter Herzinfarkt, Revaskularisation, ischämischer Schlaganfall, periphere arterielle Verschlusskrankheit oder kardiovaskulär bedingter Tod.
Im Verlauf der Studie trat ein solches Ereignis bei insgesamt 198 Personen auf: 87 in der Gruppe mit mediterraner Ernährung und 111 in der Kontrollgruppe. Besonders deutlich war der Unterschied bei Männern. Hier kam es bei 16,2% in der Mittelmeerdiät-Gruppe zu einem Ereignis, verglichen mit 22,8% in der Gruppe mit fettarmer Ernährung. Bei den Frauen zeigte sich kein signifikanter Unterschied.
Diese Ergebnisse machen deutlich: „Die Mittelmeerdiät verringert signifikant das Wiederauftreten schwerer kardiovaskulärer Ereignisse und ist damit eine besonders wirksame Strategie in der Sekundärprävention“, so Pérez Martínez.
Warum die Mittelmeerdiät mehr leisten kann
Die Studie belegt nicht nur einen statistischen Vorteil, sondern liefert auch Hinweise auf die zugrunde liegenden Mechanismen. Die mediterrane Ernährung scheint das Fortschreiten einer Atherosklerose zu verlangsamen, die Funktion des Endothels zu verbessern und entzündliche Prozesse zu modulieren, die an der Entstehung und am Aufbrechen von Plaques beteiligt sind. Dazu zählt unter anderem die Aktivität von Neutrophilen, die eine zentrale Rolle im Entzündungsgeschehen spielen.
Diese Erkenntnisse haben inzwischen Eingang in europäische Leitlinien gefunden. Dort wird die Mittelmeerdiät ausdrücklich als empfohlene Ernährungsweise für Patienten mit hohem kardiovaskulärem Risiko genannt.
Ein Studiendesign mit besonderer Aussagekraft
Was CORDIOPREV besonders macht, ist der Fokus auf Risikopatienten mit koronarer Herzkrankheit. Dadurch konnten Forscher erstmals belastbar untersuchen, welche Rolle die Ernährung in der Sekundärprävention spielt.
Hinzu kommt die lange Nachbeobachtungszeit von 7 Jahren sowie der direkte Vergleich mit einer ebenfalls gesunden, fettarmen Ernährung. „Die Studie wurde gezielt so konzipiert, dass wir prüfen können, ob eine mediterrane Ernährung mit viel Olivenöl den klinischen Verlauf stärker verbessert als eine fettarme Diät“, erläutert Pérez Martínez.
Besonders bemerkenswert sei, dass sich die Überlegenheit der Mittelmeerdiät gerade unter diesen anspruchsvollen Bedingungen gezeigt habe, so Pérez Martínez. „Sie wurde nicht mit einer eindeutig ungesunden Ernährung verglichen, sondern mit einer ebenfalls empfohlenen Diät. Das verleiht den Ergebnissen eine besonders hohe klinische Relevanz.“
Vom Wissen zum Verhalten: Die größte Herausforderung
Dich trotz jahrzehntelanger Forschung bleibt ein Problem bestehen: Erkenntnisse aus der Wissenschaft erreichen die Bevölkerung oft nicht in Form konkreter Verhaltensänderungen. Viele Menschen treffen ihre Entscheidungen, was auf dem Speiseplan steht, weiterhin nach Bequemlichkeit, Geschmack oder Gewohnheit. Gesundheitliche Effekte spielen oft nur eine untergeordnete Rolle.
Um diese Lücke zu schließen, haben Ärzte aus Córdoba das Programm E-DUCASS ins Leben gerufen. Es handelt sich um eine 24-monatige Bildungsintervention für sozial benachteiligte Familien mit erhöhtem Risiko, sich ungesund zu ernähren. Teilnehmer erhielten zunächst eine Präsenzschulung und wurden anschließend zufällig 2 Interventionsformen zugeteilt: einer klassischen persönlichen Betreuung oder einer digitalen Begleitung.
Damit wollten Ärzte herausfinden, ob digitale Strategien effektiver sein könnten als traditionelle Ansätze. Unterstützt wurde das Programm durch kostengünstige Workshops, passgenaue Informationsmaterialien sowie leicht zugängliche Kanäle wie YouTube, WhatsApp und SMS. Hinzu kamen gesunde, preiswerte Speisepläne mit regionalen und saisonalen Lebensmitteln.
4 Jahre nach Start des Projekts zeigen vorläufige Ergebnisse eine klare Tendenz: „Die digitale Intervention verbessert die kardiovaskuläre Gesundheit effektiver als herkömmliche Methoden – insbesondere in vulnerablen Bevölkerungsgruppen“, sagt Pérez Martínez.
Skalierung auf internationaler Ebene geplant
Jetzt sollen die Ansätze weiterentwickelt und international erprobt werden. Mit den Projekten E2-DUCASS und E-DUCASS Advance stehen die nächsten Schritte fest.
E2-DUCASS untersucht die Übertragbarkeit des Modells auf andere Länder, darunter Portugal und Taiwan. E-DUCASS Advance wiederum analysiert, inwiefern der sozioökonomische Status den Erfolg der Intervention beeinflusst, indem Forscher Bevölkerungsgruppen mit unterschiedlichem Einkommen in die Studie aufnehmen und begleiten.
Ziel beider Projekte ist, die Anwendbarkeit, Skalierbarkeit und Wirksamkeit der Maßnahmen in unterschiedlichen sozialen und geografischen Kontexten zu überprüfen. Während E2-DUCASS bereits in der Interventionsphase ist, läuft für E-DUCASS Advance derzeit die Rekrutierung der Teilnehmer.
Mediterrane Diät als moderne Präventionsstrategie
Damit wird deutlich: Die Mittelmeerdiät ist längst mehr als ein kulturelles Ernährungsmuster – sie entwickelt sich zunehmend zu einem zentralen Baustein moderner Präventionsstrategien im Kampf gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Jetzt geht es darum, sie in den Alltag der Menschen zu bringen.
Der Beitrag ist im Original erschienen auf Univadis.es.
Carlos Sierra, PhD
04. Mai 2026
Ausgewogene Ernährung ist keine Garantie für Gesundheit – doch sie ist ein entscheidender Faktor. Aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen deutlich: Eine Kost, die arm an Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten, Nüssen und Fisch ist, gleichzeitig aber reich an verarbeiteten Fleischprodukten, zugesetztem Zucker und Salz, zählt zu den wichtigsten Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Demgegenüber verdichten sich die Belege, dass die Mittelmeerdiät weit mehr als nur ein gesunder Lebensstil ist. Sie trägt maßgeblich dazu bei, Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorzubeugen, vorzeitiges Altern zu verlangsamen und den kognitiven Abbau zu bremsen. Ein eindrucksvolles Beispiel liefert die CORDIOPREV-Studie, eine klinische Untersuchung am Universitätsklinikum Reina Sofía im spanischen Córdoba, deren aktuelle Ergebnisse im European Journal of Internal Medicine veröffentlicht worden sind [1].
7 Jahre Forschung: CORDIOPREV liefert harte Zahlen
Die ursprünglich in The Lancet publizierte CORDIOPREV-Studie [2]ist eine randomisierte klinische Untersuchung mit 1.002 Teilnehmern, darunter 827 Männer (82,5%). Alle Teilnehmer litten an einer stabilen koronaren Herzkrankheit. Sie waren zwischen 20 und 75 Jahre alt, das Durchschnittsalter lag bei 59,5 Jahren. Über einen Zeitraum von 7 Jahren wurden sie engmaschig begleitet.
Forscher haben die Probanden in 2 Gruppen eingeteilt: 502 Personen ernährten sich mediterran mit viel nativem Olivenöl, während 500 Teilnehmer eine fettarme, ebenfalls gesunde Kost zu sich nahmen. „Auch die Vergleichsdiät musste aus ethischen Gründen gesund sein – es wäre nicht vertretbar gewesen, den Teilnehmern eine ungesunde Ernährung vorzugeben“, erklärt Dr. Pablo Pérez Martínez. Er ist wissenschaftlicher Direktor des Instituto Maimónides für biomedizinische Forschung (IMIBIC), Professor für Medizin an der Universität Córdoba sowie Facharzt für Innere Medizin am Universitätsklinikum Reina Sofía, Córdoba.
Ziel war es, das Auftreten schwerwiegender kardiovaskulärer Ereignisse zu vergleichen, darunter Herzinfarkt, Revaskularisation, ischämischer Schlaganfall, periphere arterielle Verschlusskrankheit oder kardiovaskulär bedingter Tod.
Im Verlauf der Studie trat ein solches Ereignis bei insgesamt 198 Personen auf: 87 in der Gruppe mit mediterraner Ernährung und 111 in der Kontrollgruppe. Besonders deutlich war der Unterschied bei Männern. Hier kam es bei 16,2% in der Mittelmeerdiät-Gruppe zu einem Ereignis, verglichen mit 22,8% in der Gruppe mit fettarmer Ernährung. Bei den Frauen zeigte sich kein signifikanter Unterschied.
Diese Ergebnisse machen deutlich: „Die Mittelmeerdiät verringert signifikant das Wiederauftreten schwerer kardiovaskulärer Ereignisse und ist damit eine besonders wirksame Strategie in der Sekundärprävention“, so Pérez Martínez.
Warum die Mittelmeerdiät mehr leisten kann
Die Studie belegt nicht nur einen statistischen Vorteil, sondern liefert auch Hinweise auf die zugrunde liegenden Mechanismen. Die mediterrane Ernährung scheint das Fortschreiten einer Atherosklerose zu verlangsamen, die Funktion des Endothels zu verbessern und entzündliche Prozesse zu modulieren, die an der Entstehung und am Aufbrechen von Plaques beteiligt sind. Dazu zählt unter anderem die Aktivität von Neutrophilen, die eine zentrale Rolle im Entzündungsgeschehen spielen.
Diese Erkenntnisse haben inzwischen Eingang in europäische Leitlinien gefunden. Dort wird die Mittelmeerdiät ausdrücklich als empfohlene Ernährungsweise für Patienten mit hohem kardiovaskulärem Risiko genannt.
Ein Studiendesign mit besonderer Aussagekraft
Was CORDIOPREV besonders macht, ist der Fokus auf Risikopatienten mit koronarer Herzkrankheit. Dadurch konnten Forscher erstmals belastbar untersuchen, welche Rolle die Ernährung in der Sekundärprävention spielt.
Hinzu kommt die lange Nachbeobachtungszeit von 7 Jahren sowie der direkte Vergleich mit einer ebenfalls gesunden, fettarmen Ernährung. „Die Studie wurde gezielt so konzipiert, dass wir prüfen können, ob eine mediterrane Ernährung mit viel Olivenöl den klinischen Verlauf stärker verbessert als eine fettarme Diät“, erläutert Pérez Martínez.
Besonders bemerkenswert sei, dass sich die Überlegenheit der Mittelmeerdiät gerade unter diesen anspruchsvollen Bedingungen gezeigt habe, so Pérez Martínez. „Sie wurde nicht mit einer eindeutig ungesunden Ernährung verglichen, sondern mit einer ebenfalls empfohlenen Diät. Das verleiht den Ergebnissen eine besonders hohe klinische Relevanz.“
Vom Wissen zum Verhalten: Die größte Herausforderung
Dich trotz jahrzehntelanger Forschung bleibt ein Problem bestehen: Erkenntnisse aus der Wissenschaft erreichen die Bevölkerung oft nicht in Form konkreter Verhaltensänderungen. Viele Menschen treffen ihre Entscheidungen, was auf dem Speiseplan steht, weiterhin nach Bequemlichkeit, Geschmack oder Gewohnheit. Gesundheitliche Effekte spielen oft nur eine untergeordnete Rolle.
Um diese Lücke zu schließen, haben Ärzte aus Córdoba das Programm E-DUCASS ins Leben gerufen. Es handelt sich um eine 24-monatige Bildungsintervention für sozial benachteiligte Familien mit erhöhtem Risiko, sich ungesund zu ernähren. Teilnehmer erhielten zunächst eine Präsenzschulung und wurden anschließend zufällig 2 Interventionsformen zugeteilt: einer klassischen persönlichen Betreuung oder einer digitalen Begleitung.
Damit wollten Ärzte herausfinden, ob digitale Strategien effektiver sein könnten als traditionelle Ansätze. Unterstützt wurde das Programm durch kostengünstige Workshops, passgenaue Informationsmaterialien sowie leicht zugängliche Kanäle wie YouTube, WhatsApp und SMS. Hinzu kamen gesunde, preiswerte Speisepläne mit regionalen und saisonalen Lebensmitteln.
4 Jahre nach Start des Projekts zeigen vorläufige Ergebnisse eine klare Tendenz: „Die digitale Intervention verbessert die kardiovaskuläre Gesundheit effektiver als herkömmliche Methoden – insbesondere in vulnerablen Bevölkerungsgruppen“, sagt Pérez Martínez.
Skalierung auf internationaler Ebene geplant
Jetzt sollen die Ansätze weiterentwickelt und international erprobt werden. Mit den Projekten E2-DUCASS und E-DUCASS Advance stehen die nächsten Schritte fest.
E2-DUCASS untersucht die Übertragbarkeit des Modells auf andere Länder, darunter Portugal und Taiwan. E-DUCASS Advance wiederum analysiert, inwiefern der sozioökonomische Status den Erfolg der Intervention beeinflusst, indem Forscher Bevölkerungsgruppen mit unterschiedlichem Einkommen in die Studie aufnehmen und begleiten.
Ziel beider Projekte ist, die Anwendbarkeit, Skalierbarkeit und Wirksamkeit der Maßnahmen in unterschiedlichen sozialen und geografischen Kontexten zu überprüfen. Während E2-DUCASS bereits in der Interventionsphase ist, läuft für E-DUCASS Advance derzeit die Rekrutierung der Teilnehmer.
Mediterrane Diät als moderne Präventionsstrategie
Damit wird deutlich: Die Mittelmeerdiät ist längst mehr als ein kulturelles Ernährungsmuster – sie entwickelt sich zunehmend zu einem zentralen Baustein moderner Präventionsstrategien im Kampf gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Jetzt geht es darum, sie in den Alltag der Menschen zu bringen.
Der Beitrag ist im Original erschienen auf Univadis.es.
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