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Montag, 11. Mai 2026
Stress verursacht keinen Krebs – warum sich der Mythos trotzdem so hartnäckig hält
che2001, 16:26h
F. Perry Wilson, MD, MSCE
"Viele Patienten glauben: Stress verursacht Krebs. Doch Studiendaten widersprechen der Vermutung. Laut Prof. Dr. F. Perry Wilson lässt sich der mitunter beobachtete Zusammenhang durch Risikoverhalten erklären. Wilson ist außerordentlicher Professor für Medizin und Public Health, Direktor des Clinical and Translational Research Accelerator in Yale und regelmäßiger Kommentator auf Medscape.com. Das Transkript wurde aus Gründen der besseren Lesbarkeit redigiert. Das Video finden Sie hier.
Willkommen bei Impact Factor, Ihrer wöchentlichen Einordnung einer neuen medizinischen Studie. Ich bin Dr. F. Perry Wilson von der Yale School of Medicine.
Heute soll es um folgendes Thema gehen: Stress verursacht keinen Krebs.
Wenn man sich die medizinische Literatur ansieht, ist diese Aussage alles andere als kontrovers. Befragt man jedoch Patienten, glauben etwa 50%, dass chronischer Stress ein Risikofaktor für Krebs ist. Und auch viele Ärzte haben diesen Gedanken – zumindest im Stillen.
Wir alle kennen solche Geschichten: Ein Mann durchlebt eine schwierige Scheidung und erhält wenige Jahre später die Diagnose Magenkrebs. Oder eine Frau, dauerhaft stark belastet durch ihren Job, erkrankt in jungen Jahren an Eierstockkrebs. Solche Anekdoten bleiben im Gedächtnis, weil wir Menschen Trost darin finden, tragische Ereignisse erklären zu können.
Die Vorstellung, dass unser Schicksal zufällig ist, beeinflusst von den Launen eines gleichgültigen Universums, etwa durch einen einzelnen Gammastrahl, der genau im falschen Moment die DNA trifft, ist deutlich beunruhigender als die Idee, wir hätten zumindest ein gewisses Maß an Kontrolle. Wenn wir nur ruhig bleiben und weitermachen, so der Gedanke.
Eine gefährliche Annahme
Doch die Überzeugung, Stress würde Krebs verursachen, ist gefährlich. Sie führt dazu, dass sich manche Menschen selbst die Schuld geben, wenn sie eine Krebsdiagnose erhalten. Hätten sie doch nur gelassener, entspannter, „Zen“-hafter gelebt – dann wäre das vielleicht nicht passiert.
Gerade deshalb ist es wichtig, dass wir zeigen: Stress ist zwar gesundheitlich problematisch, aber nicht, weil er Krebs verursacht. Eine aktuelle Studie, die kürzlich veröffentlicht worden ist, liefert spannende Erkenntnisse zum Thema.
Ich habe mich intensiv mit dieser Arbeit beschäftigt, die in der Fachzeitschrift Cancer erschienen ist. Es handelt sich um eine sogenannte Individual-Participant-Data-Metaanalyse zu psychosozialen Faktoren und der Krebsinzidenz, basierend auf Daten aus 22 Kohorten weltweit.
Metaanalysen bündeln Daten aus mehreren Studien. Klassischerweise werden die Ergebnisse einzelner Studien dabei gewichtet – je nachdem, wie präzise sie sind – und anschließend gemittelt. Im Kern bedeutet das: Eine Metaanalyse ist eine Zusammenfassung von Zusammenfassungen. Hier besteht allerdings die Gefahr, quasi den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr zu sehen.
Eine Metaanalyse auf Basis individueller Teilnehmerdaten ist deutlich aussagekräftiger. In diesem Fall lieferten die 22 eingeschlossenen Kohorten nicht nur ihre zusammengefassten Ergebnisse, sondern die individuellen Daten jedes einzelnen Teilnehmers.
Gerade bei einem Thema wie Stress ist das entscheidend, weil es den Forschern ermöglicht, die Bestimmung psychosozialer Faktoren über alle Kohorten hinweg zu vereinheitlichen – unabhängig davon, welche Definitionen in den ursprünglichen Studien verwendet wurden.
Insgesamt umfasst die Analyse Daten von 421.799 Teilnehmern, von denen im Beobachtungszeitraum 35.319 an Krebs erkrankten. Das ist eine ausgesprochen umfangreiche Datengrundlage.
Die Forscher haben psychosoziale Stressfaktoren in 5 verschiedenen Bereichen erfasst, wobei nicht alle in jeder Kohorten verfügbar waren: Beziehungsstatus, wahrgenommene soziale Unterstützung, kürzlich erlebte Verluste (definiert als der Tod eines nahen Familienmitglieds innerhalb der vergangenen 12 Monate), allgemeine psychische Belastung sowie Neurotizismus.
Doch man kann nicht einfach die Korrelation zwischen diesen Faktoren und Krebs betrachten – dafür gibt es zu viele Störfaktoren.
Das Alter ist der bedeutendste einzelne Risikofaktor für Krebs. Gleichzeitig nimmt mit den Lebensjahren die Zahl psychosozialer Belastungen zu. Ältere Menschen haben mit höherer Wahrscheinlichkeit den Verlust nahestehender Personen erlebt, häufiger Trennungen oder Scheidungen durchgemacht und sind insgesamt mehr belastenden Lebensereignissen ausgesetzt.
Tatsächlich dürfte genau das einer der Gründe sein, warum sich die Vorstellung, Stress verursache Krebs, so hartnäckig hält. Denn die Lebensphase, in der Krebs typischerweise auftritt, ist oft dieselbe, in der auch viele dieser Stressoren zum Tragen kommen.
Umso wichtiger ist es, die Daten für das Alter zu adjustieren – was die Autoren auch getan haben. In ihrem Basismodell berücksichtigten sie zudem Geschlecht, Herkunftsland und Bildungsniveau. Auf dieser Grundlage lassen sich die Ergebnisse sinnvoll interpretieren.
Neurotizismus und allgemeine psychische Belastung sind jene Faktoren, die wir typischerweise mit einem bestimmten Persönlichkeitstyp verbinden – dem chronisch gestressten Menschen. Wenn es tatsächlich einen Zusammenhang zwischen Stress und Krebs gäbe, müsste er sich am ehesten hier zeigen.
Die zugrunde liegende Hypothese lautet, dass chronischer Stress etwa zu erhöhten körpereigenen Cortisolspiegeln führt, was das Immunsystem unterdrückt. Dadurch könnte die sogenannte Immunüberwachung beeinträchtigt werden, sodass Krebszellen, die sonst eliminiert worden wären, weiter wachsen können.
Doch genau das zeigte sich nicht: Weder für Neurotizismus noch für allgemeine psychische Belastung fand sich ein Zusammenhang – weder mit Krebserkrankungen insgesamt noch mit einzelnen Krebsarten.
Wie steht es um die anderen psychosozialen Faktoren? Eine als gering empfundene soziale Unterstützung, ein kürzlich erlittener Verlust sowie das Leben ohne Partnerschaft waren jeweils mit einem erhöhten Risiko für Lungenkrebs verbunden. Auch bei Singles gab es einen einen Zusammenhang mit weiteren, durch das Rauchen bedingten Krebsarten.
Rauchen als entscheidender Vermittler
Und genau hier liegt der zentrale Hinweis darauf, was tatsächlich passiert. Irgendetwas vermittelt den Zusammenhang zwischen geringer sozialer Unterstützung, einem kürzlich erlebten Verlust oder dem Fehlen einer Partnerschaft – und einem erhöhten Risiko für Lungenkrebs sowie andere rauchassoziierte Tumoren.
Und dieses „Etwas“? Es ist das Rauchen. Menschen, die solchen Formen von Stress ausgesetzt waren, rauchten häufiger. Nachdem die Autoren ihre Daten für das Rauchverhalten adjustiert hatten, schwächte sich der Zusammenhang deutlich ab. Sie erstellten schließlich ein vollständig adjustiertes Modell, das auch Lebensstilfaktoren wie Rauchen, Body-Mass-Index, Alkoholkonsum und eine familiäre Krebsbelastung berücksichtigte.
Unter Einbeziehung all dieser Parameter zeigte sich praktisch kein Zusammenhang mehr zwischen psychosozialem Stress und irgendeiner Krebsart. Es gab jedoch 2 Ausnahmen: Der kürzliche Verlust eines Familienmitglieds blieb auch nach Anpassung für das Rauchen mit einem erhöhten Lungenkrebs-Risiko verbunden. Diese Daten stammen allerdings nur aus einer einzigen Kohorte und sind daher schwer zu interpretieren. Zudem blieb ein Zusammenhang zwischen dem Leben ohne Partnerschaft und rauchbedingten Krebserkrankungen bestehen – wenn auch deutlich abgeschwächt.
Ist das real? Ich bin skeptisch. Mir erscheint es weiterhin plausibel, dass das Rauchen selbst die Ursache für diese Krebserkrankungen ist – und dass die statistische Anpassung für das Rauchverhalten naturgemäß nicht perfekt ist: Menschen unterschätzen ihren Konsum, geben ihn ungenau an oder verschweigen ihn ganz. Statistische Korrekturen sind kein Allheilmittel, und dass die Effekte nach Anpassung kleiner werden, ist ein wichtiges Signal.
Natürlich ließe sich hypothetisch argumentieren, dass gerade der Stress durch Trauer einen spezifischen krebsauslösenden Effekt auf die Lunge hat – aber biologisch überzeugt mich das nicht.
Was bedeutet die Studie?
Die rationalste Interpretation dieser Daten ist daher: Nein, Stress an sich verursacht keinen Krebs. Aber Stress kann dazu führen, dass Menschen Verhaltensweisen entwickeln – wie Rauchen oder erhöhten Alkoholkonsum –, die tatsächlich das Krebsrisiko steigern.
Das hat Konsequenzen für den Umgang mit einer neuen Krebsdiagnose. Natürlich gibt es Faktoren, die wir selbst beeinflussen und die unser Risiko erhöhen. Wir rauchen, obwohl wir es besser wissen, oder trinken mehr Alkohol als gesund ist. Diese Lebensstil-Risiken sind real.
Doch gleichzeitig spielt auch Zufall eine Rolle. Manche Krebserkrankungen sind schlicht Pech. Sich selbst die Schuld zu geben, weil man etwa mit dem Verlust eines Angehörigen nicht „richtig“ umgegangen ist, eine gescheiterte Beziehung erlebt hat oder in einem übermäßig belastenden Job geblieben ist – hilft nicht. Und vor allem: Es entspricht nicht den Fakten.
Stress ist zweifellos schädlich. Aber er ist nicht dasselbe wie Rauchen – auch wenn sich die Frage stellt, was von beidem schwerer vermeidbar ist."
Der Beitrag ist im Original erschienen auf Medscape.com.
"Viele Patienten glauben: Stress verursacht Krebs. Doch Studiendaten widersprechen der Vermutung. Laut Prof. Dr. F. Perry Wilson lässt sich der mitunter beobachtete Zusammenhang durch Risikoverhalten erklären. Wilson ist außerordentlicher Professor für Medizin und Public Health, Direktor des Clinical and Translational Research Accelerator in Yale und regelmäßiger Kommentator auf Medscape.com. Das Transkript wurde aus Gründen der besseren Lesbarkeit redigiert. Das Video finden Sie hier.
Willkommen bei Impact Factor, Ihrer wöchentlichen Einordnung einer neuen medizinischen Studie. Ich bin Dr. F. Perry Wilson von der Yale School of Medicine.
Heute soll es um folgendes Thema gehen: Stress verursacht keinen Krebs.
Wenn man sich die medizinische Literatur ansieht, ist diese Aussage alles andere als kontrovers. Befragt man jedoch Patienten, glauben etwa 50%, dass chronischer Stress ein Risikofaktor für Krebs ist. Und auch viele Ärzte haben diesen Gedanken – zumindest im Stillen.
Wir alle kennen solche Geschichten: Ein Mann durchlebt eine schwierige Scheidung und erhält wenige Jahre später die Diagnose Magenkrebs. Oder eine Frau, dauerhaft stark belastet durch ihren Job, erkrankt in jungen Jahren an Eierstockkrebs. Solche Anekdoten bleiben im Gedächtnis, weil wir Menschen Trost darin finden, tragische Ereignisse erklären zu können.
Die Vorstellung, dass unser Schicksal zufällig ist, beeinflusst von den Launen eines gleichgültigen Universums, etwa durch einen einzelnen Gammastrahl, der genau im falschen Moment die DNA trifft, ist deutlich beunruhigender als die Idee, wir hätten zumindest ein gewisses Maß an Kontrolle. Wenn wir nur ruhig bleiben und weitermachen, so der Gedanke.
Eine gefährliche Annahme
Doch die Überzeugung, Stress würde Krebs verursachen, ist gefährlich. Sie führt dazu, dass sich manche Menschen selbst die Schuld geben, wenn sie eine Krebsdiagnose erhalten. Hätten sie doch nur gelassener, entspannter, „Zen“-hafter gelebt – dann wäre das vielleicht nicht passiert.
Gerade deshalb ist es wichtig, dass wir zeigen: Stress ist zwar gesundheitlich problematisch, aber nicht, weil er Krebs verursacht. Eine aktuelle Studie, die kürzlich veröffentlicht worden ist, liefert spannende Erkenntnisse zum Thema.
Ich habe mich intensiv mit dieser Arbeit beschäftigt, die in der Fachzeitschrift Cancer erschienen ist. Es handelt sich um eine sogenannte Individual-Participant-Data-Metaanalyse zu psychosozialen Faktoren und der Krebsinzidenz, basierend auf Daten aus 22 Kohorten weltweit.
Metaanalysen bündeln Daten aus mehreren Studien. Klassischerweise werden die Ergebnisse einzelner Studien dabei gewichtet – je nachdem, wie präzise sie sind – und anschließend gemittelt. Im Kern bedeutet das: Eine Metaanalyse ist eine Zusammenfassung von Zusammenfassungen. Hier besteht allerdings die Gefahr, quasi den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr zu sehen.
Eine Metaanalyse auf Basis individueller Teilnehmerdaten ist deutlich aussagekräftiger. In diesem Fall lieferten die 22 eingeschlossenen Kohorten nicht nur ihre zusammengefassten Ergebnisse, sondern die individuellen Daten jedes einzelnen Teilnehmers.
Gerade bei einem Thema wie Stress ist das entscheidend, weil es den Forschern ermöglicht, die Bestimmung psychosozialer Faktoren über alle Kohorten hinweg zu vereinheitlichen – unabhängig davon, welche Definitionen in den ursprünglichen Studien verwendet wurden.
Insgesamt umfasst die Analyse Daten von 421.799 Teilnehmern, von denen im Beobachtungszeitraum 35.319 an Krebs erkrankten. Das ist eine ausgesprochen umfangreiche Datengrundlage.
Die Forscher haben psychosoziale Stressfaktoren in 5 verschiedenen Bereichen erfasst, wobei nicht alle in jeder Kohorten verfügbar waren: Beziehungsstatus, wahrgenommene soziale Unterstützung, kürzlich erlebte Verluste (definiert als der Tod eines nahen Familienmitglieds innerhalb der vergangenen 12 Monate), allgemeine psychische Belastung sowie Neurotizismus.
Doch man kann nicht einfach die Korrelation zwischen diesen Faktoren und Krebs betrachten – dafür gibt es zu viele Störfaktoren.
Das Alter ist der bedeutendste einzelne Risikofaktor für Krebs. Gleichzeitig nimmt mit den Lebensjahren die Zahl psychosozialer Belastungen zu. Ältere Menschen haben mit höherer Wahrscheinlichkeit den Verlust nahestehender Personen erlebt, häufiger Trennungen oder Scheidungen durchgemacht und sind insgesamt mehr belastenden Lebensereignissen ausgesetzt.
Tatsächlich dürfte genau das einer der Gründe sein, warum sich die Vorstellung, Stress verursache Krebs, so hartnäckig hält. Denn die Lebensphase, in der Krebs typischerweise auftritt, ist oft dieselbe, in der auch viele dieser Stressoren zum Tragen kommen.
Umso wichtiger ist es, die Daten für das Alter zu adjustieren – was die Autoren auch getan haben. In ihrem Basismodell berücksichtigten sie zudem Geschlecht, Herkunftsland und Bildungsniveau. Auf dieser Grundlage lassen sich die Ergebnisse sinnvoll interpretieren.
Neurotizismus und allgemeine psychische Belastung sind jene Faktoren, die wir typischerweise mit einem bestimmten Persönlichkeitstyp verbinden – dem chronisch gestressten Menschen. Wenn es tatsächlich einen Zusammenhang zwischen Stress und Krebs gäbe, müsste er sich am ehesten hier zeigen.
Die zugrunde liegende Hypothese lautet, dass chronischer Stress etwa zu erhöhten körpereigenen Cortisolspiegeln führt, was das Immunsystem unterdrückt. Dadurch könnte die sogenannte Immunüberwachung beeinträchtigt werden, sodass Krebszellen, die sonst eliminiert worden wären, weiter wachsen können.
Doch genau das zeigte sich nicht: Weder für Neurotizismus noch für allgemeine psychische Belastung fand sich ein Zusammenhang – weder mit Krebserkrankungen insgesamt noch mit einzelnen Krebsarten.
Wie steht es um die anderen psychosozialen Faktoren? Eine als gering empfundene soziale Unterstützung, ein kürzlich erlittener Verlust sowie das Leben ohne Partnerschaft waren jeweils mit einem erhöhten Risiko für Lungenkrebs verbunden. Auch bei Singles gab es einen einen Zusammenhang mit weiteren, durch das Rauchen bedingten Krebsarten.
Rauchen als entscheidender Vermittler
Und genau hier liegt der zentrale Hinweis darauf, was tatsächlich passiert. Irgendetwas vermittelt den Zusammenhang zwischen geringer sozialer Unterstützung, einem kürzlich erlebten Verlust oder dem Fehlen einer Partnerschaft – und einem erhöhten Risiko für Lungenkrebs sowie andere rauchassoziierte Tumoren.
Und dieses „Etwas“? Es ist das Rauchen. Menschen, die solchen Formen von Stress ausgesetzt waren, rauchten häufiger. Nachdem die Autoren ihre Daten für das Rauchverhalten adjustiert hatten, schwächte sich der Zusammenhang deutlich ab. Sie erstellten schließlich ein vollständig adjustiertes Modell, das auch Lebensstilfaktoren wie Rauchen, Body-Mass-Index, Alkoholkonsum und eine familiäre Krebsbelastung berücksichtigte.
Unter Einbeziehung all dieser Parameter zeigte sich praktisch kein Zusammenhang mehr zwischen psychosozialem Stress und irgendeiner Krebsart. Es gab jedoch 2 Ausnahmen: Der kürzliche Verlust eines Familienmitglieds blieb auch nach Anpassung für das Rauchen mit einem erhöhten Lungenkrebs-Risiko verbunden. Diese Daten stammen allerdings nur aus einer einzigen Kohorte und sind daher schwer zu interpretieren. Zudem blieb ein Zusammenhang zwischen dem Leben ohne Partnerschaft und rauchbedingten Krebserkrankungen bestehen – wenn auch deutlich abgeschwächt.
Ist das real? Ich bin skeptisch. Mir erscheint es weiterhin plausibel, dass das Rauchen selbst die Ursache für diese Krebserkrankungen ist – und dass die statistische Anpassung für das Rauchverhalten naturgemäß nicht perfekt ist: Menschen unterschätzen ihren Konsum, geben ihn ungenau an oder verschweigen ihn ganz. Statistische Korrekturen sind kein Allheilmittel, und dass die Effekte nach Anpassung kleiner werden, ist ein wichtiges Signal.
Natürlich ließe sich hypothetisch argumentieren, dass gerade der Stress durch Trauer einen spezifischen krebsauslösenden Effekt auf die Lunge hat – aber biologisch überzeugt mich das nicht.
Was bedeutet die Studie?
Die rationalste Interpretation dieser Daten ist daher: Nein, Stress an sich verursacht keinen Krebs. Aber Stress kann dazu führen, dass Menschen Verhaltensweisen entwickeln – wie Rauchen oder erhöhten Alkoholkonsum –, die tatsächlich das Krebsrisiko steigern.
Das hat Konsequenzen für den Umgang mit einer neuen Krebsdiagnose. Natürlich gibt es Faktoren, die wir selbst beeinflussen und die unser Risiko erhöhen. Wir rauchen, obwohl wir es besser wissen, oder trinken mehr Alkohol als gesund ist. Diese Lebensstil-Risiken sind real.
Doch gleichzeitig spielt auch Zufall eine Rolle. Manche Krebserkrankungen sind schlicht Pech. Sich selbst die Schuld zu geben, weil man etwa mit dem Verlust eines Angehörigen nicht „richtig“ umgegangen ist, eine gescheiterte Beziehung erlebt hat oder in einem übermäßig belastenden Job geblieben ist – hilft nicht. Und vor allem: Es entspricht nicht den Fakten.
Stress ist zweifellos schädlich. Aber er ist nicht dasselbe wie Rauchen – auch wenn sich die Frage stellt, was von beidem schwerer vermeidbar ist."
Der Beitrag ist im Original erschienen auf Medscape.com.
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Mal nachgefragt
che2001, 13:11h
Bist Du der Meinung, dass der Migrant, der Deine Mutter im Pflegeheim versorgt Dir Geld wegnimmt?
Oder der Geflüchtete, der in Deutschland nicht arbeiten darf und von Leistungen aus dem Asylbewerberleistungsgesetz lebt, stets weniger als der Sozialhilfesatz, teils Sachleistungen, ein Mensch der weniger Geld zur Verfügung hat als jeder Obdachlose, nimmt der Dir Geld weg?
Und nicht der Superreiche mit seinen 2 Flugzeugen, 3 Yachten, 5 Häusern und 20 Autos?
Gratuliere, Bei Dir hat die Gehirnwäsche im Auftrag eben dieser Superreichen voll geklappt!
Oder der Geflüchtete, der in Deutschland nicht arbeiten darf und von Leistungen aus dem Asylbewerberleistungsgesetz lebt, stets weniger als der Sozialhilfesatz, teils Sachleistungen, ein Mensch der weniger Geld zur Verfügung hat als jeder Obdachlose, nimmt der Dir Geld weg?
Und nicht der Superreiche mit seinen 2 Flugzeugen, 3 Yachten, 5 Häusern und 20 Autos?
Gratuliere, Bei Dir hat die Gehirnwäsche im Auftrag eben dieser Superreichen voll geklappt!
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Zum Thema 81 Jahre Zweiter Weltkrieg und "Nie wieder Faschismus!"
che2001, 12:58h
Lucie Aubrac (1912–2007) war eine mutige französische Résistance-Kämpferin und Geschichtslehrerin, die während des Zweiten Weltkriegs gegen die deutsche Besatzung aktiv war. Bekannt wurde sie vor allem durch die waghalsige Befreiung ihres jüdischen Ehemannes Raymond Samuel aus der Gestapo-Haft in Lyon. Sie gründete die Widerstandsgruppe Libération-Sud und kämpfte aktiv gegen den Nationalsozialismus.Wichtige Stationen ihrer Lebensgeschichte:Frühes Leben & Ausbildung: Geboren als Lucie Bernard am 29. Juni 1912 in Paris, stammte sie aus einer Winzerfamilie. Aufgrund der traumatischen Erfahrungen ihres Vaters im Ersten Weltkrieg entschied sie sich, Geschichtslehrerin zu werden.Engagement im Widerstand: Nach der Besatzung Frankreichs schloss sie sich der Résistance an. Gemeinsam mit ihrem Mann Raymond Samuel (später Aubrac) gründete sie in Lyon die Widerstandsgruppe Libération-Sud und war als Verbindungsagentin tätig.Befreiung von Raymond Aubrac: Ihr Mann wurde im Juni 1943 vom Gestapo-Chef Klaus Barbie verhaftet. Lucie Aubrac, zu diesem Zeitpunkt schwanger, organisierte eine gewagte Kommandoaktion, um ihn und andere Résistance-Kämpfer am 21. Oktober 1943 aus dem Gefängnistransport zu befreien.Flucht nach London: Nach der gelungenen Befreiung tauchte das Paar unter und floh im Februar 1944 mit einem britischen Flugzeug nach London.Nachkriegszeit: Nach dem Krieg setzte sie sich für die Erinnerung an die Résistance ein. Ihre Erfahrungen beschrieb sie in ihrer Autobiografie „Die Gestapo überlisten“ (Ils partiront dans l'ivresse), die auch verfilmt wurde.Tod: Lucie Aubrac starb am 14. März 2007 in Issy-les-Moulineaux.Lucie Aubrac gilt als eine der bedeutendsten Frauen des französischen Widerstands, die zeitlebens für Freiheit, Brüderlichkeit und gegen Unterdrückung eintrat.
https://www.deutschlandfunk.de/ein-husarenstueck-aus-liebe-100.html
https://www.deutschlandfunk.de/ein-husarenstueck-aus-liebe-100.html
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