Sonntag, 13. Januar 2008
Das globale Dorf
Heute stand ich in der Feinkostabteilung von Karstadt (die sich übrigens hinsichtlich Fische und Meeresfrüchte inzwischen mit dem Frischeparadies vergleichen lässt) hinter zwei Frauen, die dem Erscheinungsbild wohl chinesischer oder japanischer Herkunft waren, schwarze Lederkluft mit Palituch trugen (also ein mit meinem vergleichbares Outfit, ich bin im Job Pierre-Cardin-Träger und in der Freizeit Ledermann) und bekam deren Gespräch mit. In akzentfreiem Deutsch unterhielten sie sich über das Angebot der Läden in New York. Und ich hatte heute auch noch ein Gespräch mit meinem Vater, der mich für meine Begeisterung für Hundertwassers Architektur angiftete, weil die "uneuropäisch" sei. Ochjeh, was ist denn deutsch, europäisch oder sonstwas? Es lebe die deutsche Banane und der deutsche Kaffee!

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Dein Vater hat allerdings leider sehr unrecht. Finde ich. Ich kann mich auch nicht so sehr für Hs. Architektur erwärmen, aber uneuropäisch ist sie eben gerade nicht. Sondern Bestandteil und Resultat des genuin europäischen Diskurses der diversen Avantgarden, die seit der zweiten Hälfte des 19. Jhdts. aussereuropäische Formtraditionen sahen und einarbeiteten. Und zwar durchs "subjektive Auge" gesehen, wobei die Künstler wie die Ethnologen u. andere Wissenschaftler bei den uneuropäischen Traditionen in summa, mit Ausnahmen, keineswegs um Erlaubnis zum Sehen nachfragten. Das ging so nur in Europa. Woanders wars anders, dialogischer. (Reza Abbassi-Rembrandt, auch viceversa.)
Wobei: Hundertwasser bleibt doch, wenn ich mich erinnere, durchaus formal in einem europäischen Zusammenhang, er bezieht sich halt mehr auf Osteuropa-diese ganzen Zwiebeltürme undso.
Also, ich finde, der H. ist ein supereuropäischer Künstler.
Mein Bruder baut übrigens in seinem deutschen Garten Bananen an. Ich hab mal gehört, das dürfe man nicht, artfremde Pflanzen in deutscher Flora pflanzen. Sowas hab ich ernsthaftest als (fachfremder) TU-Lehrer bei den Landschaftsarchitekten von deutschen grünen und konservativen Kommunalpolitikern und Förstern und Dozenten gehört.

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Hundertwasser ist im Grunde die Profanierung russisch-orthodoxer Kloster- und Kirchenarchitektur für den Wohnungsbau verbunden mit den nieren- und leberförmigen Grundrissen der schweizerischen Anthroposophen im Stilmix mit Gaudí.Dieser wiederum hat eigentlich den Jugendstil ins Assymetrische umgebogen (im wahrsten Sinne des Wortes) und die Neogotik bis zur Selbstkarrikatur übertrieben. Selbst Rizzi ist nichts als die Klassische Moderne mit knallbuntem Anstrich, Mies van der Rohe meets Jackson Pollock.

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europäische architektur, damit würde ich zunächst einmal gotische dome verbinden. mit der reformation war dann schluss mit dem einen glauben in ganz europa, jeder machte dann seins, die katholiken den barock und die anderen scherten sich nicht drum.

als modern sehe ich alles an, was die form der funktion unterordnet. das ist nicht unbedingt neu, wer einmal zu fuss die spanische treppe begangen hat, oder sich gar darauf hingesetzt hat, weiss, was ich meine.

der jugendstil, den ich btw schätze, hat das ornament betont, aber nicht auf kosten der funktion, zumindest, was die architektur angeht. was die innendekoration angeht, halte ich die einrichtung des biedermeier für das bisher angenehmste und auch angenehm zeitloseste. helles holz in angenehm schlichter aber feiner und hochwertiger verarbeitung, noch ikea knüpft daran an, zumindest was das helle möbel in schlichter, zweckmäßigerformgebung angeht.

hundertwassers bauten, so kann man bauen, wenn man die form jeder funktion entkleidet. nun, es sieht von aussen noch nicht einmal schlecht aus, umso schlimmer die details.
das hundertwasserhaus in wien hat nicht nur mit spiegelscherben dekorierte aborte, für den ders mag, ist das sicher nicht einmal schlecht. aber keine einzige treppe ist mit rücksicht auf den gestaltet, der sie begehen will, alles krumm und schief, eben ausschliesslch form ohne funktionellen nutzen. die steingewordene verachtung der bewohner, sozusagen.
aber gut aussehen tut es schon, das gebe ich zu.

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Bei ostfriesischem Tee und Schweizer Schokolade muss ich auch immer lachen.

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eine gute bekannte regte sich seinerzeit auf, als ich ihr vom feinen schweizer kaffee (der tatsächlich im grenzgebiet zur schweiz noch immer einen guten ruf hat) erzählte: die schweizer haben keinen kaffee, wie soll bei denen überhaupt kaffee wachsen? ich als brasilianerin weiss das, bei uns in brasilien wächst schliesslich der meiste kaffee.

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Hundertwasser war kein Architekt,
er war Maler und Oberflächenbehübscher. (Die architektonische Planung des "Hundertwasserhauses" in Wien hat zB Joseph Krawina erledigt.)

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