Dienstag, 4. August 2009
Künftige Stützen der Gesellschaft
Eigentlich ist jetzt für sie alles klar. Der Abschlussball der Tanzschule ist so etwas wie eine zentrale Weichenstellung. Im Alter von 16, 17, vielleicht 18 Jahren wird klargefahren, wer wen in ein paar Jahren heiraten wird und welche Karrieren damit verbunden sein werden. Also, der Marcus Moser kann ja dann in die Firma von Claudia Steins Vater eintreten und den nicht vorhandenen männlichen Juniorchef ersetzen, während Claudia Medizin studiert. Macht sich doch immer gut, ein Bauunternehmer und eine Ärztin. Und die Babsi, die kann doch gleich nach dem Abi bei Joschis Vater in der Anwaltskanzlei Rechtsanwaltsgehilfin lernen, vielleicht noch Rechtspflegerin draufsatteln, dann schmeißen die die Kanzlei zu zweit, wenn Papa in Ruhestand geht. Und wenn Carlo partout kein Dachdecker werden will trotz 4 Generationen Familientradition, so kann er ja auch ins Werk gehen und dort in der Logistik was werden, die Mutter von Corinna sitzt da in der Personalverwaltung. Sinnfragen, Zukunftsängste, Lust- gegen Realitätsprinzip, sich neu erfinden, Arbeitslosigkeit, HartzIV, das sind alles fremde Welten, unbekannte Dinge. Das Leben ist klar vorgezeichnet, alle werden auf ihre Geleise gestellt und angeschoben. Nicht DDR, nicht Adenauer-Republik, nicht irgendeine exotisch-korrupte Diktatur, sondern Bayern 2009.


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sind da andere Netzwerke (bspw. studentische Verbindungen, freiwillige Feuerwehren, Schützenvereine) nicht wichtiger?

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Anderswo und in anderen sozialen Schichten, ja. Aber nicht hier.

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