Mittwoch, 25. Januar 2012
Unsägliches zum Thema Männerrolle
In diesem Beitrag hier einmal wieder wird in Tante ZEIT etwas verbraten, was so, wie gesagt eher backlashmäßig überkommene Rollenvorstellungen zelebriert als wirkliche Probleme thematisiert:


http://www.zeit.de/2012/02/Maenner/seite-1

In einer Zeit, in der Maskulinisten breite Front machen gegen Gleichberechtigung und Rollenwandel, in der publizistisch gegen Feminismus angeschrieben wird, in der Frau Schröder negiert, dass es ein Patriarchat überhaupt gäbe und lesbische Feministinnen als "unnatürlich" gebrandmarkt werden soll ausgerechnet das verständnisvolle, sensible Selbstverständnis junger Männer der Beziehungskiller sein. Ich erkenne mich, obwohl nicht mehr so jung, in den beschriebenen "Problemverstehermännern" durchaus wieder. Ja, und deren Schwierigkleiten teile ich. X-mal erlebt, dass gerade mein Verständnis für die Sorgen und Nöte, die Erlebnisweisen von Frauen, mein mich Einfühlen zur männlichen "besten Freundin" machte, aber nicht zum Liebhaber. Aber: Das macht nicht generell und immer unsexy, und das dem Beitrag zugrundeliegende Rollenverständnis ist reaktionär: Der Mann als Verführer und Eroberer, die Frau als passives Objekt seiner Begierde, das nur Erfüllung findet, wenn es sich von ihm aufreißen lässt.


Ich bin nicht gerade ein Eroberertyp und auch kein sexuell vielbegehrter Mann. Aber ich habe erlebt, dass ich gerade als Kümmerer und Versteher geliebt wurde, und in meiner sexuell aktivsten Zeit - die lange her ist - wurde ich als eher passiver Mann von sexuell aggressiven Frauen abgeschleppt. Eines meiner frühesten und schönsten sexuellen Abenteuer wurde dadurch eingeleitet, dass eine Frau, die sich mir vorher wiederholt angeboten hatte, worauf ich aus innerer Unsicherheit aber nicht eingegangen war ("Kann es sein, dass so eine tolle Frau ausgerechnet mich will?") mir irgendwann auf einem Plenum an die Eier fasste. Das soll nicht heißen, dass ich sexuellen Übergriffen das Wort reden würde, aber in unseren damaligen Politzusammenhängen war das Vertrauen zueinander so groß, dass das eben kein Übergriff war. Auf Parties musste mensch aufpassen, nicht auf die übereinander liegenden Pärchen zu treten. Und One-Night-Stands waren für manche Leute der Grund, auf Parties zu gehen.

Was mich heute stört ist die Tatsache, dass es solche Frauen in meinem Wirkungskreis nicht mehr gibt (außer irgendwelchen Endfünfzigerinnen, die auf Ü-30-Parties um 2 Uhr zum Restevögeln auftauchen, aber die sind nunmal nicht mein Fall und auch keine "Partnerinnen"). Da war die linke Subkultur der Achtziger mal entschieden weiter: Ein breiteres Spektrum sexueller Möglichkeiten und Variationsbreiten, als das heute üblich ist. Und von daher würde ich "zurück in die Zukunft" eher fordern als die Rückkehr zu alten Männlichkeits-Weiblichkeitsklischees, die in dem ZEIT-Beitrag implizit eingefordert wird.


Ich kann mit unselbstbewussten "rollentreuen" Frauen im Allgemeinen wenig anfangen, sondern brauche toughe Powerfrauen. Wo es mir relativ leicht fällt anzubandeln ist mit Berggefährtinnen. Das ist insofern auch logisch, weil Klettern damit zu tun hat, auf Leben und Tod aufeinander angewiesen zu sein, unmittelbarer Körperkontakt und, nun ja, Frauen, die klettern dürften im Durchschnitt meinem Muster "tough and powerfull" ohnehin entsprechen. Jenseits dieser speziellen Konstellation denke ich mal, Verhaltensweisen jenseits klassischer Rollenaufteilungen schaffen mehr sexuelle Möglichkeiten und lustvolle Wege. Und nicht diese Eindampfung von Sexualverhalten auf altbackene Rollenmuster. Sexuality is as wide as the sea and morality is no law.


Das ganze Thema habe ich gefunden bei der Mädchenmannschaft, der hiermit schwerst gedankt sei:


http://maedchenmannschaft.net/starke-schmerzen/

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Ah, da ist er ja doch,
der von Fräulein Tessa geforderte Männerdiskurs. ;-)

Neige auch eher dazu, die Vielzahl an verfügbaren Verhaltensoptionen jenseits tradierter Muster als Chance zu begreifen und nicht als Problem. Aber ich sage auch ganz offen: Ohne eine entsprechend disponierte Partnerin kann man viel über neues Rollenverhalten diskutieren, bleibt aber dem Theoretiker-Baumarkt verhaftet.

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Seit Anfang der 70er kehrt das Thema zyklisch wieder und kommt nicht einen Schritt voran. Seit Jahrzehnten dreht sich das Karusell, und die immergleichen Themen & Texte kreiseln vorbei. Durch die Äonen lese ich ständig vom "Neuen Mann" (jetzt total neu, noch nie dagewesen), von der "Neuen Sensibilität" (Macho schwer out, Frauen wollen nix Macho, sie lachen Männlichkeitsmänner aus), von der "Neuen Männlichkeit" (Sensibelmann schwer out, Frauen wollen nix weich, sie lachen Weichmänner aus). Auch lese ich seit anno dunnemals von der "Neuen Weiblichkeit" und der "Neuen Lust am Frausein" – Huiii, Zumm, so saust das Karusell –, wobei mal die Taffi-Fee und mal das Devotweibchen als Nouveauté gemarktschreiert wird.

Es blieb der "Mädchenmannschaft" – die auch sonst das Pulver eher verschossen als erfunden hat – vorbehalten, in einer von keiner Blässe des sozioökonomischen Gedankens angekränkelten Debatte den nochmals flachsten Beitrag zu liefern. „Ja, da können Frauen sich fragen, warum es ihnen plötzlich doch etwas ausmacht, den ersten Schritt zu machen, das Haupteinkommen zu verdienen, die Kinder loszulassen“, die sie hoffentlich nicht gerade aus dem Fenster halten.

So klingt das, wenn die MittelschichtlerInnen in schwerer Zeit sich fragen, ob sie denn bald noch etwas anderes besitzen werden, als ihre physischen Körper. Woran die "Femininjas" von der Sprachspaß-Kreativgruppe sich klammern wie ein verängstigtes Kind an sein Holzschwert, ist der patriarchalisch piefige Dreisprung aus "erstem Schritt", "Haupteinkommen" und "Kinder".

Ich frage mich, welche Ideologie die später mal entwickeln, wenn sie solchen Kram bereits in ihrer jungen wilden Lebensphase vertreten.

Nein, ich will das garnicht nicht wirklich wissen.

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Es folgten auch auf die Neue Sachlichkeit die Neue Linke, die Neue Innerlichkeit und mit dem Lebensgefühl der Anti-AKW-Ökopeace-Müslibart-Bewegung die Neue Weinerlichkeit;-)

Ist aber 30 Jahre her.

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Nicht zu vergessen auch – mit der Teilnahme Deutschlands am Afghanistan-Krieg – die "Neue Sterblichkeit".

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@noergler:
Es hätte sicher nichts geschadet, wenn Teresa Bücker diesen Gedankengang, den sie zunächst als Kommentar bei einer gewissen ktinka und dann auch auf dem eigenen Blog nochmal veröffentlichte, etwas stringenter ausgearbeitet hätte, bevor er bei der Mädchenmannschaft nochmal 1:1 verwurstet wurde. Aber ihren Punkt, dass der Feminismus per definitionem nicht dafür da ist, den verunsicherten Jungmännchen Aufbaufutter für den ego zu liefern, kann ich schon nachvollziehen.

Ob mehr Männerdiskurs die Y-Chromosomenträger in der Sache entscheidend nach vorne zu bringen vermag? Gerade auch im Lichte von Ches Erfahrungen mit der Männergruppe bin ich da nicht hundertprozentig sicher. ;-)

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"Heute tragen die jungen Männer Bärte und spielen Gitarre. Sie sind lieb, melancholisch und sehr mit sich selbst beschäftigt."

Wann war das? ca 1970?

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Liest sich zumindest so!

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Wenn es überhaupt einen Fortschritt gibt, dann doch den, dass Rollenmuster nichts mehr taugen.

Eine Konstante gibt es aber doch: Frauen (ob Power oder nicht) schätzen Männer, die wissen was sie wollen.

Der Rest ist Vermittlung.Ich bin mit dem offenen, aber respektvollen Wort nie schlecht gefahren.

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