Sonntag, 19. März 2017
Hach Sehnsucht, Liebesqual, oder auch: Da geht die Hormonpumpe nach oben
Ich bin ja seit geraumer Zeit in eine wunderschöne Frau aus meinem Dojo/Sportcenter verliebt und weiß nicht wie ich an die rankomme. Außer sehr smallem Smalltalk und Blickwechseln gab es bisher keinen Kontakt. Heute nach dem Training nun Sauna, volle Kabine, genau ein Platz frei, neben ihr! Diesen Hammerkörper in berührbarem Abstand neben mir, Blickflirt aus 20cm Entfernung. Boah!

Ich weiß immer noch nicht wie ich sie beim nächsten Mal ansprechen soll, aber da muss etwas geschehen. Bald ist ja auch wieder Paarungszeit.

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Lass mich raten! Lange, schwarze Haare, dicke Titten, der Alexandra-Kamp-Typus, ähnliche Mischung aus dominant-devot wie ich es bin. Für Dich kommen nur Topact-Frauen in Frage. Neues Spiel, neues Glück. Ich wünsche Dir das Beste, alter Fickfrosch!

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Ja, die Beschreibung passt ziemlich gut.

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Cringe
UK slang. An extremely awkward, uncomfortable situation caused by a person, group of people or environment, causing extreme embarrassment. The resultant effect on the surrounding non-cringe people is usually shame, chagrin or vexation or a combination of these.

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Also, dass die diese Situation als unangenehm erlebt hätte, das hätte ich allerdings gemerkt. Ich war eher bemüht, sie nicht zu embarressen und tadele mich eher selbst für meine Schüchternheit: Hätte endlich wirklich sagen sollen, was ich von ihr will. Und ihre Ausstrahlung geht nun wirklich nicht in die Richtung sich belästigt fühlende Frau, sondern eher in die Richtung Domina. Und die Sauna dieses Sportclubs ist eh ein offenes Flirtforum -ohne Belästigungen, die selbstverständlich zum Rauswurf führen würden.

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Ne cringe ist euer Gerede.

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Ich verstehe das nicht so ganz, bitte erkläre es mir näher, abgekürzt: Häh?

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Es gibt von der überschätzen Band Tocotronic ein Lied mit Titel "Über Sex kann man nur auf Englisch singen". Kapierst de?

Eure andeutungsreiche aber dabei vollkommen eindeutige und eigenartige Sprache löst bei mir Fremdscham aus und verführt zu Gehässigkeiten. Und Alexandra Kamp ist sicher kein "Top-Act".

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Abgesehen davon, dass mich dieser singende Antifa-M-Abklatsch anödet verstehe ich gar nichts. Und bin dermaßen was von scharf auf diese tolle Frau.

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Den Satz "Bald ist ja auch wieder Paarungszeit" finde ich eigentlich eher als ein gelungenes Beispiel von feiner Ironie.

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Es geht nicht um Feinheit sondern um Stil.

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@"Eure andeutungsreiche aber dabei vollkommen eindeutige und eigenartige Sprache ...." was denn nun, andeutungsreich oder eindeutig oder eigenartig? Meine Sprache ist auch nicht die von netbitch.

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haha, penis!
jetzt mal ein bisschen locker werden, muss ja nicht gleich im schritt sein. oder halt woanders lesen.
die nerven möchte ich ja echt mal haben, den leuten in ihrem eigenen blog zu erzählen, was sie besser nicht zu schreiben haben...

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@vert: Ich gaffe gerne bei Unfällen, wie du.

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Locker sind wohl eher nicht die, die sofort nach Lockerheit schreien, wenn jemand bei Geschmacksfragen keine vollkommene Toleranz also Gleichgültigkeit zeigt.

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Dean sagt dazu:
Ich würde sagen, so ist das im Grunde wahr:
Ein raues Wort kann nicht ein jeder leiden.
Der März! Der Fickfrosch! Der Frühling ist da!
Vielleicht sollte es besser unter Freunden bleiben.

Andererseits, so ist das mit den Geschmäckern,
wer sich bei so etwas so stark berührt zeigt,
und ziemlich erzürnt seinen Standpunkt verteidigt,
und tief Luft holt bei seinem empörten Gemecker,

Ach, was sag ich, was solls! Denn wichtig:
sind doch andere Fragen. Und richtig:
wäre es doch, dem Che zu sagen
ein gutes Gespräch beginnt oft mit Fragen!

So frage er einfach die Dame, die ihn so erregt,
was denn diese Dame im Herzen bewegt.

;-)

P.S.
Habe mich nach viel zu langer Vollzeitarbeit jetzt im Teilzeitjob neu erfunden. So ergibt das Leben wieder einen Sinn, und ich bekomme vielleicht auch wieder ein Privatleben hin.

P.P.S.
Grüße an alle!

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Hey Doc - Du lebst noch!
Schön, wieder mal von Dir etwas zu lesen.

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@vert die nerven möchte ich ja echt mal haben, den leuten in ihrem eigenen blog zu erzählen, was sie besser nicht zu schreiben haben...

Diese Art von Übergriffigkeit ist für moralisch rigide Menschen aber leider sehr typisch.

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mit dich paaren sich eher mehlwürmer du subjekt putins
und wenn es denn so wär müssen wir übba deine substanz der steifichkeit reden wo du ja nich hast
du traurige substanz eines linksradikalen islamischen wackelpuddings

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Die Fickfrösche sprießen im Frühling Inschallah.

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Wähh wähh wehe es sagt jemand was in meinem Safespace
@netbitch: Ich bin also moralisch rigide, wenn ich deinen peinlichen Beitrag für peinlich halte und das auch ausspreche? LMAO

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Was peinlich und was nicht peinlich ist liegt ja immer im Auge des Betrachters.

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Na ja lacommune für mich kommt das so rüber dass das offene Bekenntnis zur eigenen Brünstigkeit für Dich bereits einen Tabubruch oder Übergriff darstellt. Und daraus wird dann ein cringe gemacht, obwohl ich der Frau überhaupt nichts getan habe und sie sich auch nicht belästigt fühlte. Kenne ich als Reaktionsweise politisch korrekter, hochmoralischer linker Leute, die, selbst wenn in LGBT-Kreisen unterwegs, sich in ihrer Säuernis in nichts von Evangelikalen unterscheiden. Und genau so kommt Deine Reaktion bei mir an.

BTW was die Tonalität von Netbitchs Einlassung angeht so ist diese nicht die Meinige.

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@che2001: Es ist zu sehr ein Tabu. Gleichzeitig finde es amüsant, wie ihr damit umgeht. Gleichzeitig löst diese Mischung aus Plattheit und ungesagten Gesagten (ist das überhaupt Ironie und nicht eher Verkrampftheit) Widerwille in mir aus. Deswegen habe ich auch das Wort "Cringe" gewählt. Damit war mein Spott nicht allzu bösartig.

Das Zeug mit Übergriffigkeit deutest du da rein. Wobei männliche Sexualität (von der auch nicht-Männer Anhänger sind) problematische Seiten hat. Aber das war jetzt hier nicht das Thema. Du kannst ruhig schreiben, dass du sie ficken (musst ja nicht mal ausschreiben) willst, aber du machst ja nicht mal das, sondern es wird so komisch ausgewichen, von euch beiden, auch bei der Selbstinszenierung. Ihr Text ist nicht deiner, aber ihr seid schon ähnlich unterwegs.

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Was ist wo ein Tabu? Sehe keins. Gleichzeitig beinhaltet der Begriff "Cringe" in der von Dir angeführten, mit einem komplexen englischen Zitat erklärten Weise Übergriffigkeit: Jemand Anderen in eine extrem peinliche, mit großem Ekel verbundene Situation bringen. Und Du verharrst weiter in der Hybris, die schon vert konstatiert hatte: "Du kannst ruhig schreiben, dass du sie ficken willst" setzt voraus, dass Du Dir anmasst, eine Institution zu sein, die darüber befindet, was ich kann und was nicht.

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Weibliche Sexualität hat keine problematischen Seiten?

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@che: Das Bekenntnis zum eigenen sexuellen Verlangen ist bis zu einem gewissen Grad ein Tabu, wie du ganz richtig sagst und das finde ich meist nicht gut. Wenn es einen Tabubruch gibt, gibt es wohl ein Tabu. Cringe wird im Kontext von Peinlichkeit verwendet oder "Lachen im Hals stecken bleiben" und nicht im Kontext von extremer Übergriffigkeit. Da mag mein englischer Text missverständlich sein, aber würdest du mal Google benutzen, käme es vermutlich zu weniger Missverständnisse. Einmal Bildersuche reicht.

Das war rein ein rhetorisches Mittel, um dir zu verdeutlichen, dass ich eine "krassere" Ausdrucksweise voll okay fände. Ich schrieb schon vorhin: "Es geht nicht um Feinheit sondern um Stil." Du kannst schreiben was du willst, aber ich muss es nicht gut finden.

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@willy56: Weiß ich nicht. Was ist weibliche Sexualität?
Männliche Sexualität ist fixiert auf Penetration und symbolische Erniedrigung des Gegenübers bis hin zur klaren Gewalt. Davon ist die gängige Pornografie und unsere Sprache ein Zeugnis, es hat für die meisten Männer (mich eingeschlossen) einen Gebrauchswert.

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Nein, so ist das nicht. Wider die simple Rollenzuweisung von Sexualität
Ich kenne mich da zumindest so weit aus indem ich ein Mann bin. Meine Sexualität ist zumindest nicht polar fixiert. Penetration ja, aber nicht nur und nicht nur durch mich. Eine Frau zu penetrieren ist toll, von einer Frau via Dildo (und bisher ein einziges Mal in meinem Leben via Echtschwanz von einem Mann) rektal penetriert zu werden aber auch. Muschi lecken, Kitzler massieren ist ebenfalls schön, ich bediene auch gerne. Ohren kauen, Füße lecken, Stellung 69, alles schön.


Klare Gewalt in Form von BDSM (hauptsächlich peitschen) in beiden Rollen, dominant UND devot, also als Switch, genieße ich auch. Selbst wenn ich gepeitscht werde bestimme ich das Szenario, weil es von meiner Zustimmung abhängt, wenn ich meine Freundin peitsche bestimmt sie es. Die Peitschenhiebe bei BDSM haben nichts zu tun mit den Auspeitschungen durch die neunschwänzige Katze, bei der ein muskulöser Seemann zuschlug, der dafür ausgebildet war, mit dem Entermesser Arme abzuhacken. Und schließlich ganz einfach kuscheln. Also die meisten gebräuchlichen Formen von Sexualität. Mit Windelfetischismus, Sauerstoffentzug, Natursekt usw. kann ich nichts anfangen. Erniedrigung? Frauen, mit denen ich Sex habe verehre ich zumeist. Sie sind für mich eher Göttinnen als Opfer.

Und zu der Parole "Jeder Mann ist ein potenzieller Vergewaltiger" füge ich hinzu "Jeder Abiturient ist ein potenzieller Chirurg."

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Nö ich spreche nicht von "immer" und "nur", also ist auch keine simple Rollenzuweisung vorhanden. Die von mir beschriebene Tendenz sehe ich aber und Leute die diese Tendenz leugnen oder nicht sehen, halte ich für naiv.

Naja jeder ist ein potenzieller Vergewaltiger.

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Meiner Erfahrung nach sind auch die meisten Frauen auf Penetration fixiert, wenn auch nicht ausschließlich. Bin ich auch nicht.

Im übrigen finde ich das "Hypergamie" genannte Phänomen durchaus problematisch. Sprich: die Neigung von Frauen, einen möglichst sozial höhergestellten Partner zu suchen. Siehe hier:

http://www.spiegel.de/lebenundlernen/job/karrierefrau-mitte-30-single-wenn-ich-maenner-treffe-haben-die-alle-schon-eine-frau-a-1139129.html

Für diese Akademikerin kommen Nichtakademiker nicht in Frage. "Ich habe doch auch Wünsche und Träume und bin nicht weniger wichtig als mein Mann, der Professor ist oder eben Ingenieur."

Diese Tendenz gibt es so bei Männern nicht. Ich kenne einige Fälle, wo ein Arzt eine (hübsche) Krankenschwester geheiratet hat, aber keine Ärztin, die mit einem Pfleger oder Krankenwagenfahrer zusammen ist.

Aber Männer wollen ja auch immer nur das eine.

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Also lacommune, diese Zuspitzung von männlicher Heterosexualität auf ein sehr patriarchales Grundmuster die Du da vornimmst trifft einfach nicht die ganze Realität. Ein ziemlich großer Teil heterosexueller Menschen beiderlei Geschlechts die ich so kenne kennt und praktiziert Sex ausschließlich auf eine kuschlig-zärtlich-schmusige Art, und Sex getrennt von Liebe ist für Viele nicht vorstellbar. Mit den oben vorgestellten sexuellen Vorlieben, die ja ein ambivalentes Spektrum umfassen wäre ich für die meisten von denen schon eine perverse Sau.

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@willy, was Du da beschreibst ist allerdings eine klare Wiedergabe klassisch patriarchaler Strukturen. Wobei ich gewissermaßen Leute kenne, die zu den Leuten gehören, die Du nicht kennst: Eine Lehrerin, die mit einem Schulbusfahrer verheiratet ist, eine weitere Lehrerin, die lange Jahre mit einem Straßenmusiker zusammen war, und Genossin Netbitch ist als gut bezahlte Marketingfachkraft mit einem Autoschrauber zusammen.

Und in meinem Bekanntenkreis gab es mal jede Menge deutsche akademische Mittelschichtsfrauen, die mit männlichen Flüchtlingen, meist Kurden, die als Krankenpfleger oder Pizzaboten arbeiteten liiert bzw. verheiratet waren. Auch wenn das z.T. Bleiberechtsehen waren handelte es sich doch um echte Liebschaften.

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@che: Vielleicht hat es auch was mit Generationen zu tun und zwischen praktiziertem Sex und Wünschen ist oft ein großer Unterschied. Ist auch fraglich, dass du deren Sexualleben kennst, aber das kann man mir ebenso reinreiben. Mit Liebe hat die Sache nicht so viel zu tun. Du kannst jemanden lieben und so mit dem anderen verkehren.

@willy: Ich schrieb: "Wobei männliche Sexualität (VON DER AUCH NICHT-MÄNNER ANHÄNGER SIND) problematische Seiten hat." Trotzdem, Frauen scheinen mir weniger fixiert auf Penetration.

Dafür sind Männer gnadenlos (besser gesagt "beschränkt"), was das Aussehen der Frauen betrifft. Und ja gibt auch das Phänomen der Feministinnen, die dann aber als Partner doch einen "echten Kerl" wollen, was neben einem bestimmten Auftreten vor allem Karriere heisst. Das ist aber weniger die Böswilligkeit der Individuen, als eingeübte soziale Strukturen.

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Dort hat jemand einen mutigen Beitrag geschrieben, der das Thema streift. http://schorsch.blogsport.de/2012/11/26/herrschaft-sagt-dein-leib-bleibe-dir-vom-leib/

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Ich finde das eher einen ärgerlichen Beitrag. Ärgerlich, weil er in der reinen Behauptungstechnik verbleibt und nichts erklärt, herleitet, expliziert oder begründet. Theoretisch scheint das angelegt zu sein in einer Verbindung aus poststruktruralistischer Körperkritik (Butler meets Foucault) und dem Nekrophilie-Paradigma der humanistischen Psychologie. Den Grundannahmen kann ich zunächst mal folgen: Ein Körperideal, das in seiner Ästhetik auf griechisch-römische Wurzeln zurückgeht wird verbunden mit den an Schönheits-und Vitalismusvorstellungen, die in erster Linie mit militärischer Tauglichkeit und Eignung für den kapitalistischen Arbeitsmarkt zu tun haben festgemachten Schönheits- und Fitnessvorstellungen, wie sie in der Pornographie und in vielerlei Varianten von Men´s Health bis Playboy propagiert werden. Ausgeblendet werden Homosexualität, Alter, Dickheit und Krankheit. Die wirklich einmal subversive Komponente der sexuellen Befreiung, wie sie in den 1960ern durchschimmerte wurde so erfolgreich kolonialisiert durch eine kommerzielle Kultur der Körperinszenierung, Pornographisierung statt sexuelle Befreiung. So weit stimme ich dem Schorsch zu. Allerdings nicht in der Schlussfogerung, dass Heterosexualität immer auf männliche Herrschaft und diese auf zumindest symbolische Tötung abziele, all das, was Zärtlichkeit, Lust auf- und aneinander ausmacht wird hier völlig ausgeblendet. Und insofern finde ich die Schlussfolgerung des Beitrags obwohl ich den Grundannahmen zustimme auch unwahr.

Wieso die inszenierten, präsentierten, hochgejazzten Körper bleich sein sollen verstehe ich nicht, wenn das nicht nur eine dialektische Polemik sein soll. Erst recht nicht, wenn hier von zerrissenen Körpern die Rede ist. Und auch wenn hier geschildert wird wie Heterosexismus funktioniert - Die Inszenierung schwuler Erotik zumindest in Magazinen funktioniert genauso, eher mit noch mehr style und glamour und noch eher an klassisch griechischen Körperidealen orientiert.

Was die die gesamte Gesellschaft durchdringende Körperinszenierung mit uns macht spüre ich an mir selbst, ich bin ein Teil davon. Die Frauentypen, auf die ich abfahre, entsprechen so etwa dem Playboy-Schönheitsideal plus Fighterfrauen vom Typus Private Vasquez. Andere Frauen haben bei mir keine Chance. Ich hatte eine Affäre mit einer Frau, die nach meinen Maßstäben überhaupt nicht schön war, mit der konnte ich mich toll unterhalten, aber Sex war erst nach einem Liter Wein möglich - ich musste sie mir schön saufen. Es war eine gute Freundin schwer in mich verliebt, die hatte nur den Nachteil, dick zu sein. Dick geht bei mir gar nicht. Da wurde eine dicke Freundschaft draus, aber keine Liebesbeziehung. Scheint übrigens in der Familie zu liegen, meine große Schwester meinte mal, wenn ihr Mann einen Bauch bekäme würde sie sich scheiden lassen. Allerdings sind wir alle dünn. Und da ich so eindeutig auf bestimmte Phänotypen festgelegt bin erfahre ich auch bei eigenen Annäherungsversuchen viele Zurückweisungen. Wenn das deshalb erfolgt weil ich selber den hohen Ansprüchen nicht genüge habe ich sogar viel Verständnis dafür, ich kann gut mit Zurückweisung umgehen. Ich lebe, was Sexualität angeht, in einer relativ verdinglichten Welt, ich kann nicht anders.


Was ich eher bescheiden finde sind allerdings die Antworten, die die linke/feministische/antipatriarchale Szene auf diese Art Körperkritik gefunden hat. Wenn ich sehe, wie sich diese Szene selber inszeniert - Hoodies, Schlabberhosen, Unfreundlichkeit - und wie sie mit Outsidern umgeht erscheint mir die Antwort schlimmer als der bürgerliche Normalzustand. Da werden Menschen, die in Anzug, Kostüm oder Kleid herumlaufen, weil sie im Außendienst tätig sind und in ihrem Job so gekleidet sein müssen als Yuppies und Tussen beschimpft von Studis oder Langzeitarbeitslosen bei denen es keine Rolle spielt sich Bekleidungsnormen anzupassen. Da werden Frauen die High Heels oder langschäftige Stiefel und Netzstrümpfe tragen von Feministinnen wegen ihres Äußeren als Feinde betrachtet. Ich erlebte mal ein linkes Plenum, bei dem eine modelhaft normschöne, schick gekleidete Genossin anwesend war und über sie gesagt wurde: "So wie die aussieht kriegt die nichts auf die Reihe". Ich musste mich schon dafür moralisch rechtfertigen dass ich in einem Fitnesscenter trainiere.Eine Frau erlebte ich, die in ihrer Frauengruppe dahingehend eingenordet wurde, dass sie den Schwanz eines Mannes nur bis zum Eichelrand reinlassen dürfte, da ein klitoraler Orgasmus progressiv, ein vaginaler hingegen realtionär sei, und einen Mann, der sich dafür schämte, Vater zu werden, weil das ja manifestiere, dass er penetrierenden Sex gehabt hatte.

Der große Lauzier hatte schon in den 1980ern in einem seiner unsterblichen Comics die postmoderne Linke in Paris auf die Schippe genommen mit einem Antipaar, das andere Antipaare als Gesinnungsfreunde sucht - größtmögliche Hässlichkeit als Auswahlkriterium. Das ist Satire, stehen bleibt aber meine Erfahrung, dass die manifesteste Inszenierung der Körperkritik in linken/feministischen/antipatriarchalen Kreisen eine Art Kult des Hässlichen und ein Sack- und - Asche - Outfit sind, und öfters eine kultivierte Unsportlichkeit.

Da lebe ich lieber in einer Les-Mills-Billy-Blanks-Welt. Und betrachte das Posting von Schorsch nicht als erhellenden Beitrag linker Analyse, sondern als Ausdruck neoevangelikaler Skurrilverklemmtheit, auch wenn die unter queerfeministischer Flagge segelt.

Howgh, ich habe gesprochen.

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Die dialektisch, psychoanalytisch gefärbte Sprache und unausgesprochene Kritik an Verdinglichung und Entfremdung geht in deiner Einordnung als "queerfeministisch" nicht auf. Was das "Nekrophilie-Paradigma der humanistischen Psychologie" ist, weiß ich nicht. Ich musste beim Text assoziativ an den Todestrieb denken. Er betont die Leiblichkeit von Körpern, die aber verdrängt und beherrscht wird. Der Körper an sich, den, der jeder hat "[...]mit seinen Säften und Ausdünstungen, seinem Schleim, den Haaren und Pickeln, seinem Schaum und seinem Staub, mit Rissen, Falten und Farben [...]". Das ist etwas anderes, als nur Ideale zu kritisieren.

Warum muss man von Lust reden und Liebe? Ist nicht das Moralismus? Natürlich haben die Beteiligten bei der verdinglichten Sexualität (nennen wir es mal so) auch Lust. Menschen sind noch keine Maschinen. Bleich? Steht da bleich oder ist das eine Anspielung an die Nekrophilie? Bleichheit ist heute auch ein Schönheitsideal. Das mag in den 80ern nicht so gewesen sein, in dem anscheinend dein Frauengeschmack hängen geblieben ist. Es hat sich auch in der Pornografie eine Ästhetik etabliert, die per Farbkorrektur die Aufnahmen absichtlich unnatürlich bleich erscheinen lässt. Zerrissene und aufgerissene Körper, kann man als Metapher für dehnen und penetrieren von Körperöffnungen sehen. Ich finde das nicht schwer zu verstehen. Man kann auch nicht leugnen, dass es eine Lust an wortwörtlich zerrissenen Körpern gibt. Ein ganzes Genre der Horrorfilme ist damit kommerziell erfolgreich - https://de.wikipedia.org/wiki/Torture_Porn.
Es gibt für die sexuelle Praktik des Bukkake einen Slang, der den passiven Part mit dem Sperma im Gesicht mit "melting faces" umschreibt. Wie vielsagend.

Die männliche homosexuelle Erotik orientiert sich eben auch (nicht nur) an der heterosexuellen Norm. Viele wollen beim Verkehr nur der passive Part sein (also doch wieder quasi Mann und Frau) und die "Tom of Finland-Figuren" sind geradezu übersteigert heterosexuell und der Transvestitismus hat oft als Ideal eine ostentativ heterosexuelle Frau.

Ein Schlabberlook kann genauso kostspielig und stilvoll sein wie ein Barbielook. Du kannst natürlich den Rant gegen eine bestimmte Linke nicht lassen und so oft wie du deine Schwester erwähnst, solltest du vielleicht mit ihr eine Beziehung anfangen.

"Neoevangelikaler Skurrilverklemmtheit" sehe ich da nicht. Die treffenden Beschreibungen lassen an Lustfeindschaft zweifeln.

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Spannender Thread.
Was den ursprünglichen Post des Anstoßes angeht, kann ich lacommunes Anmerkungen nachvollziehen. Das was er als Stil bezeichnet ist m.A. ein Generationending.
Das, wo che und netbitch sich ähnlich sind, ist genau das: eine Sprache, die durch eine bestimmte Zeit und ein bestimmtes Millieu geprägt ist.
Fehlender Stil ist einfach das hochgradig im ständigen Wandel befindliche Befinden, was "cool" ist. Gerade das was das Reden über Sex angeht, hat da jede Generation ihre eigenen Codes, die oftmals widerspiegeln, gegen welchen herrschenden Mainstream der Code gebildet wurde.
Der in den 50ern/ 60ern vermutlich rigidere elterliche Code wurde durch Explizitheit konterkariert. Wer in den 80ern oder gar in den 90ern aufwuchs, wurde mit ganz anderen Mainstreamcodes konfrontiert.
Explizitheit gilt eher als platt und plump. Hier ist sicher das Tocotronic-Zitat einzuordnen. (Hat Dirk übrigens auf der letzten Platte zumindest andeutungsweise missachtet).

Zum Thema Typ: Ich bin ganz anders als Che, ich stehe auf dicke Frauen. Innerhalb dieses Typs gibt es aber natürlich auch noch ein bestimmte Bandbreite und außerdem kann ich auch dünnen Frauen was abgewinnen (dann z.T. wieder ganz dünnen).

Neulich hatte ich ein Diskussion, wie sich ein solcher Typ eigentlich ausbildet. Oder wie Paraphilien oder Fetische entstehen, seien es extremere Formen, wie die oben erwähnte Nekrophilie oder halt Zoophilie, Pädophilie, sowas. ist das angeboren? Und bei Fetischismen gibts ja auch ne ganze Bandbreite (dick, alt, etc.)

Meine eigene These bei letzterem ist da so ein Versatzstück aus psychoanalytischen und behaviouristischen Elementen.
Ich glaube, dass vielen Fetischen etwas irgendwie verruchtes anhaftet. Das man sich vom Mainstream, von den Normen absetzt wird als zusätzlicher Lustgewinn empfunden. Die Scham, die hier mitreinspielt, wird im Unbewußten einfach als mehr Affekt wahrgenommen.
Das erklärt aber immer noch nicht, welcher Fetisch gewählt wird.
Meine eigene Erfahrung war, dass meine damalige Freundin immer mehr zugenommen hat und ich runde, üppige Formen mit Lust assozierte. Und bei Pornographie hab ich dann irgendwann solche Angebote aufgesucht, was das dann wieder verstärkt.

Zumindest bei mir habe ich also das Gefühl, dass da ein Antrainieren möglich ist.

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@futuretwin: Zu Tocotronic fällt mir was ein - http://www.redaktion-bahamas.org/auswahl/web55-2.html. ;)

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Nekrophilie in der Humanistischen Psychologie
https://de.wikipedia.org/wiki/Nekrophilie

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@futuretwin: Exakt so wie Du es sagst. Ich bin damit aufgewachsen, dass Sex and Drugs and Rock´n Roll, Linkssein und Frapper les Bourgeois ein und dasselbe sind. Und die Generation der Altvorderen kam uns noch mit "Verrecken, Vergasen". Unsere Umgangsformen waren nicht umsonst dswegen rüpelhaft wie die einer Rockerbande. Und der deutsche Punk als eigenständige soziokulturelle Bewegung wurde ja um 1980 in besetzten Häusern in Kreuzberg, Hamburg, Bremen und Frankfurt, in der Göttinger Jüdenstraße und der Düsseldorfer Kiefernstraße geboren.

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Nach nochmaliger und abermaliger Lektüre von dem Schorsch-Text und der Diskussion darüber mit Anderen fällt mir dazu ehrlicherweise nichts anderes ein als: unverständlicher und unsinniger Schwurbel. Und damit ist das Thema durch.

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So witzig die Tocotronic-Anspielung ist, die Bahamas sehen auch da zwingend Antisemitismus wo eigens dafür gezüchtete Suchhunde ihn nicht aufspüren würden;-)

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Der Artikel beinhaltet fast alles welches die Bahamas zu so seinem Trash macht. Immerhin hält man sich ihn ihm mit dem Neorassismus zurück. Den dort beschriebenen antiautoritären Typus habe ich aber teils auch mitbekommen. Bin kein Kind der 80er. Der neoliberalen Umwälzung hatte und hat der nichts entgegenzusetzen. Er wurde zur Stütze dieser und auch autoritär. Ich kenne Momo nicht. Nur andere Bücher von Michael Ende. Ich halte es zumindest für gut möglich, dass in Momo gefährlicher Kulturalismus und schlechte deutsche Utopien zu finden sind.

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@" Ich kenne Momo nicht. Nur andere Bücher von Michael Ende. Ich halte es zumindest für gut möglich, dass in Momo gefährlicher Kulturalismus und schlechte deutsche Utopien zu finden sind." ------- Da stimme ich mit Dir überein. Außerdem ist Ende Anthroposoph und vertritt also ein mystisch-okkultistisches Weltbild.

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Mir ist aufgefallen, dass die Leiblichkeit im Gegensatz zu Körper metaphysisch aufgefasst wird. Wusste ich nicht, als ich Leiblichkeit verwendet habe.

@futuretwin: Schätze du meinst nicht nur die freudsche Psychoanalyse? Ich stimme dir zu, Geschmack ist lernbar.

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Wenn ich von Psychoanalyse spreche meine ich auch nicht nur die Freudsche, sondern ebenso Jung, Reich, Fromm und Adler. Wobei ich sowohl eine Psychoanalyse als auch eine Verhaltenstherapie als auch eine klientenzentrierte Gesprächstherapie gemacht habe und in der Praxis da gar keine Unterschiede sehe: Eine verständnisvolle Person hört sich meine Problembeschreibungen an und gibt gut fundierte Ratschläge, that ´s all. War allerdings schon witzig, in einer psychoanalytischen Praxis einen Großteil der eigenen Genossinnen zu treffen, wir gaben uns die Klinke in die Hand und dann von der Analytikerin zu hören, es sei sehr anstrengend, andauernd die gleiche Story aus bis zu 6 Perspektiven geschildert zu bekommen. Für uns war damals Therapie nicht Behandlung einer Störung, sondern eine Mischung aus Selbsterfahrungstrip und Modesujet. Böses Erwachen erlebte eine alte Freundin, als sie erfuhr, dass eine frühere Psychoanalyse sie von bestimmten Versicherungen ausschließt.

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Nie für die "Psychoanalyse" von Lacan, Deleuze, Guattari interessiert?

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Lacan und Deleuze kenne ich als Autoren, die psychoanalytische Ansätze zur Gesellschaftsanalyse einsetzten, ich meinte gelesen zu haben Lacan spielte in Frankreich etwa die Rolle wie Adorno in Deutschland. Es ist aber lange her dass ich mich damit auseinandergesetzt habe und ich weiß vieles nicht mehr. Guattari kenne ich nicht.

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Hat dir denn die Analyse was gebracht?

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Ja.

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Ich selber habe keine Analyse-Erfahrung oder Therapie mitgemacht, aber nach dem, was ich im Bekanntenkreis so mitbekommen habe, gab es zwischen den Verhaltenstherapien und der klassischen Analyse zum Teil sehr große Unterschiede, gerade auch im Hinblick darauf, was die Umsetzbarkeit der Erkenntnisse in Alltagssituationen angeht. Ich kenne mehrere Leute, die Analysen irgendwann wegen Fruchtlosigkeit abgebrochen haben und sich in einer Verhaltenstherapie besser aufgehoben fühlten.

Freilich sagen auch manche, es wäre beides so ziemlich das selbe, nur hätte man das Label der Verhaltenstherapie gewählt, weil die Krankenkasse darin eher einen einen praktischen Nutzen sehen würde und daher weniger Zicken mache bei der Kostenerstattung.

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"Eine verständnisvolle Person hört sich meine Problembeschreibungen an und gibt gut fundierte Ratschläge, that ´s all."

Könnte man auch als eine Beschreibung der katholischen Beichte nehmen. Die soll ja auch positive Effekte auf die Psyche haben.

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Na, da möchte ich mal die Beichte kennen, die empathische Ratschläge für sexuelle Probleme gibt, zu lustvollen Praktiken rät oder Empfehlungen zum Ausbau des eigenen Sexappeals hat, gar zur Triebentfesselung rät. Vielleicht im Tantra-Buddhismus, beim Christentum sicher nicht. In allen Psychotherapien die ich so kennengelernt habe schon.

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Ich wollte eigentlich andeuten, dass die Existenz des Unbewussten im Sinne der Psychoanalyse genauso zweifelhaft ist wie die Existenz Gottes.

Aber besser fühlt man sich nach der Beichte sicher auch.

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Nein, willy, die Existenz des Unbewußten ist eben nicht unbewiesen. Es tritt in Träumen zutage, in Fehlleistungen, es äußerst sich in Neurosen und Ängsten, überall dort, wo das Ich nicht mehr Herr im eigenen Haus ist. Allerdings läßt sich das Unbewußte nicht beweisen wie der Satz des Pythagoras, und es läßt sich nicht vergegenständlichen. Es zeigt sich jedoch in Anzeichen und als Symptom. Einen recht einsichtigen und einfachen Hinweis – wie Freud überhaupt einer der luzidesten Autoren von Wissenschaftstexten ist – findet sich in seinem Vortrag von 1912 zum Unbewußten:

„Eine Vorstellung – oder jedes andere psychische Element – kann jetzt in meinem Bewußtsein gegenwärtig sein und im nächsten Augenblick daraus verschwinden; sie kann nach einer Zwischenzeit ganz unverändert wiederum auftauchen, und zwar, wie wir es ausdrücken, aus der Erinnerung, nicht als Folge einer neuen Sinneswahrnehmung. Um dieser Tatsache Rechnung zu tragen, sind wir zu der Annahme genötigt, daß die Vorstellung auch während der Zwischenzeit in unserem Geiste gegenwärtig gewesen sei, wenn sie auch im Bewußtsein latent blieb. In welcher Gestalt sie aber existiert haben kann, während sie im Seelenleben gegenwärtig und im Bewußtsein latent war, darüber können wir keine Vermutungen aufstellen.“

Davon einmal abgesehen, daß Freud an diesem komplexen Begriff sein Leben lang arbeitete und ab dem 20er Jahren grundsätzliche Umpolungen fürs psychische System unternahm.

Für Psychotherapien gibt es übrigens keinen Königsweg. Wer Angst vorm Fliegen hat, braucht eher eine Verhaltenstherapie mit Umkonditionierung, bei schwerwiegenden Störungen muß man zunächst mal hinsehen, was da vorliegt. Die Psychoanalyse taugt gut für komplexe Fälle. Auch dort, wo Medikamente eingesetzt werden, etwa bei Depressionen. Aber wie gesagt: Es hängt sehr vom Einzelfall ab, und wer sowieso mit Vorbehalten an eine Therapie herangeht, wird wenig Erfolg finden.

[Schreib ich mal so, ohne Triggerwarnung. Hoffentlich war das für niemanden irgendwie sexuell übergriffig. So für die Fraktion der Linken aus Heulsusenhausen.]

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Dem stimme ich vollkommen zu. Dass es ein Unbewusstes gibt erfährt schon jeder Mensch wenn er/sie träumt.

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