Freitag, 28. April 2017
Niemals vergessen - Antonio Gramsci
Der vor 80 Jahren verstorbene Antonio Gramsci war ein Ausnahmekommunist. Die von ihm begründete Theorie des Kampfs um die Hegemonie der kulturellen Inhalte erklärte sowohl das Scheitern der kommunistischen Revolution im Westen als auch den Siegeszug des Faschismus, stellte einen Spannungsbogen und eine rote Linie her zwischen den Bonapartismustheorien und den heutigen Theoriegebäuden zum Thema soziologischer Rechtsextremismus und der Genese lateinamerikanischer Militärdiktaturen. Antonio Gramsci zufolge begründete das Entstehen des Faschismus sich aus einem Hegemonievakuum zwischen Arbeiterbewegung und Bourgeoisie: Weder war es dem Proletariat und seiner eigenen Arbeiterkultur gelungen, eine Hegemonie zu errichten, noch hatte die Bourgeoisie ihre eigene Hegemonie behaupten können. Dieses historische Patt führte Gramsci zufolge zu einer Situation, in der politische Abenteurer, sozial in beiden Klassen verwurzelt und gestützt auf Entwurzelte, vor allem verarmte und existenziell verunsicherte Mittelschichten auf populistischem Wege, aber durchaus mit offen terroristischen Methoden die Macht erringen und eine Art cäsarische Diktatur errichten konnten - wie vorher Napoleon III, wie später die griechischen Obristen, Pinochet oder Videla und General Evren. Diesen späteren Teil hat großartig Nicos Poulantzas analysiert. Verneigen wir uns heute vor einem der wichtigsten linken Theoretiker, der sein Leben nach langer Haft in einer Tuberkuloseklinik beendete.

https://www.marxists.org/deutsch/archiv/gramsci/

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