Donnerstag, 25. Juni 2026
Gutachten spricht für AfD-Verbot
Ein in 13 Monaten erarbeitetes Gutachten, gespeist aus über drei Millionen Datensätzen und mehr als 2.500 Belegen kommt zu dem Ergebnis, dass die AfD alle Kriterien für ein Verbotsverfahren erfüllt.

https://www.afd-gutachten.de

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Mittwoch, 24. Juni 2026
Der Sommer ist da - Impressionen aus dem Garten


























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Da hat sich aber einer verrannt
Bersarin jetzt:

"Berichte wie kürzlich die von Dunja Hayali sowie Thomas Reichart und immer wieder in der ARD die Kommentare von Sophie von der Tann befeuern einen sowieso schon in Deutschland sich immer stärker ausbreitenden Antisemitismus, der inzwischen nicht mehr nur von rechts, sondern ebenfalls aus dem muslimisch-migrantischen und aus dem linken Milieu kommt. Solche Formate, solche „Journalisten“ sind des Antisemitismus freiwillige Helfer und in Abwandlung eines Marx-Satzes geht das so: Sie wissen es und sie tun es auch! (Bei von der Tann habe ich zuweilen den Eindruck, daß sie bei der ARD als Pressesprecherin von Hamas und Hisbollah in einem angestellt ist.)

Da dasselbe Phänomen nicht nur beim ZDF, sondern auch in anderen Medien existiert und keine Absprachen zwischen diesen Akteuren vorliegt, ist die Grundlage dieser Form des Antisemitismus eine Ideologie, namentlich Wokeness.

Sämtliche woken Ideologien, namentlich die postkoloniale Ideologie, Critica Race Theory Ideologie, Queer Theory Ideologie, Gender Ideologie und Intersektionalismus beinhalten einen antisemitischen Kern und haben einen positiven Bezug zu radikalen Islamofaschisten." -----


Da werden aber selbst eigens gezüchtete Suchhunde zum Aufspüren von Antisemitismus ihn dort nicht finden. Es ist ja durchaus richtig und äußerst kritisierenswert, dass ein Großteil der Linken und dessen, was einmal grün-alternative Szene hieß auf dem Islamismus-Auge blind ist und sich gegenüber islamistischem und antizionistischem Terror abwiegelnd, appeasend, beschwichtigend oder schlicht hilflos darstellt aus einem falsch verstandenen Antirassismus und falsch verstandenem Antiimperialismus heraus. Gleichfalls ist es ebenso bedauerlich wie beschämend, dass über den Nahost-Konflikt per Häppchennahrung berichtet wird, ohne Hintergrundanalyse.

Dahinter aber ein bewusst antisemitisches Ticket zu wittern halte ich allerdings für völlig in die Irre führend. Und somit ist der Autor dieser Sottisen etwa da angekommen, wo vor so 15 Jahren ein Momorulez mal stand, der hinter allem, was seinen ästhetischen, popkulturellen und politischen Intentionen sich entgegensetzte Homophobie witterte.


Wer einen Hammer hat betrachtet die ganze Welt als Nagel.

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Dienstag, 23. Juni 2026
Das AfD-Wahlprogramm und die Arbeitslosen
Es entbehrt keiner unfreiwilligen Ironie, dass eine Partei, die zu 38% von Arbeitslosen gewählt wird es gar nicht gut mit diesem Teil ihrer Wählerbasis meint.

AfD änderte noch mal das Wahlprogramm beim Bürgergeld und Arbeitslosengeld
Das Bürgergeld ist Wahlkampfthema – auf Kosten von Bürgergeld-Beziehern. Die AfD hat nunmehr noch einmal ihre Forderungen zur Grundsicherung bzw. dem Bürgergeld im Wahlprogramm geändert.
Grundsicherung erst nach zehn Jahren Beiträgen
Die AfD will nicht nur das Bürgergeld abschaffen und durch eine „aktivierende Grundsicherung“ ersetzen, sondern auch den Zwang zur Arbeit trotz Sozialleistungen deutlich verschärfen.
Bei der Grundsicherung plant die AfD: Wer kein deutscher Staatsbürger ist, hat erst Anspruch darauf, wenn er zehn Jahre sozialversicherungspflichtig beschäftigt war.” Im Klartext: Wer keinen deutschen Pass hat, muss zwar, laut AfD Steuern und Sozialabgaben zahlen, hat aber über viele Jahre bei Hilfebedürftigkeit nicht einmal Anspruch auf das Existenzminimum.
So erklärte die AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel gegenüber NTV: „Um es klar zu sagen: Für ausländische Bürger in unserem Land wird es keine Sozialleistungen mehr geben. Das werden wir streichen.“
Zwangsarbeit bei Bürgergeld
Wer Grundsicherung bezieht, muss zudem laut AfD nach sechs Monaten „gemeinnützige Arbeit“ leisten. Zusätzlich zu diesem Arbeitszwang will die AfD den nach dem Existenzminimum berechneten Regelsatz für alle Empfänger der Grundsicherung kürzen, und damit generell unter das Existenzminimum drücken, denn der Regelsatz ist nach einem festen Schlüssel am Existenzminimum ausgerichtet.
Die AfD geht hier über die CDU / CSU hinaus, die ebenfalls noch stärkeren Druck auf Leistungsberechtigte ausüben will, als es bereits der Fall ist und plant, das Bürgergeld durch eine „Neue Grundsicherung“ ersetzen. Im Unterschied zur AfD fordert die Union allerdings keine generelle Zwangsarbeit für Bezieher dieser Sozialleistung nach sechs Monaten.
Verschärfung beim Arbeitslosengeld
Arbeitslosengeld ist keine staatliche Sozialleistung, sondern eine Sozialversicherungsleistung. Erwerbstätige zahlen also in die Arbeitslosenversicherung ebenso ein wie in die gesetzliche Rentenversicherung und in die Krankenversicherung, um so im Fall der Erwerbslosigkeit, bei Krankheit oder in der Rente die jeweilige Gegenleistung zu erhalten.
Laut AfD soll ein Anspruch auf Arbeitslosengeld erst nach drei Jahren Beiträgen gelten und nicht nach einem Jahr. Wer erwerbstätig ist ist und seinen Job verliert, rutscht, nach dem Plan der AfD, viel schneller ins Bürgergeld, das jetzt bereits niedriger ist als Arbeitslosengeld.
Da die AfD das Bürgergeld unter das Existenzminimum drücken will, gerieten Menschen, die ihre Arbeit verlieren, viel schneller direkt unter das Existenzminimum, wenn sich die Rechtsextremen durchsetzen würden.

https://www.youtube.com/@GegenHartzTV

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Israels Politik der verbrannten Erde
Im Südlibanon reißen Bulldozer der israelischen Armee Photovoltaikkraftwerke nieder, die den Strom für die Bewässerung der Felder einer ganzen Region liefern. Die Welt schweigt.

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Montag, 22. Juni 2026
Das Massaker am 07. Oktober 2023 war keine Premiere, sondern eine Wiederholung
Der brutale Überfall der Hamas und ihnen nahestehender Kräfte am 06./07. Oktober 2023 auf Südisrael war einerseits das größte antisemitische Pogrom nach dem Zweiten Weltkrieg.

Und andererseits wiederholte sie nur, was sie im Juni 2007 anderen PalästinenserInnen angetan hatte: Die Machtübernahme der Hamas im Gaza-Streifen erfolgte mit Überfällen, Entführungen und Massenmorden, die sich gegen die Fatah richteten. Die Fatah-Elite in Gaza wurde physisch ausgelöscht, und zwar inklusive ihrer Familien, mit all jenen Akten der Vergewaltigung, Folter, Entführung und deren zynischer Zurschaustellung, die an Yom Kippur 2023 zum Einsatz kamen. Nur kümmerte sich damals keine Weltöffentlichkeit darum.

Ein Überlebender hat nun ein wichtiges Buch geschrieben. Ich zitiere die Webseite von Thalia

»Manchmal fühle ich mich wie der einsamste Palästinenser auf der Welt.«
Hamza Abu Howidy erzählt uns vom Aufwachsen im Gaza der 2000er Jahre, von seiner Familie, besonders seinem Vater, der ihm beim Muschelsammeln die großen Lektionen des Lebens beigebracht hat, aber auch von den blutigen Kämpfen zwischen Fatah und Hamas, direkt vor seiner Haustür, und wie sehr das Leben in Gaza von Terror geprägt war. Jahre später protestiert er gegen die Hamas und wird festgenommen, gefoltert und muss fliehen. Heute zählt er zu den wichtigsten politischen Stimmen aus der palästinensischen Exilgemeinde, dabei lässt er sich weder von pro-israelischer noch pro-palästinensischer Seite vereinnahmen. Ein sehr persönliches Buch, das Hoffnung und Plädoyer zugleich für eine demokratische und friedliche Lösung des Nahostkonflikts ist.
»Ein Blick auf eine Welt, die uns oft verschlossen bleibt. Die Wucht seiner Sprache trifft mitten ins Herz.« Güner Balci
»Eine atemberaubende, mitreißend geschriebene Lebensgeschichte.« Meron Mendel
»Ein Buch, das schmerzt, aufklärt und trotz allem Hoffnung eröffnet.« Hamed Abdel-Samad
»Eine der wichtigsten politischen Stimmen aus der palästinensischen Exilgemeinde.« Ulrich Gutmair, taz


https://www.thalia.de/shop/home/artikeldetails/A1076815249?ProvID=10907022&gad_source=1&gad_campaignid=16653699811&gbraid=0AAAAADwkCX46AuXGIT5_84r1dZsRa5p8H&gclid=CjwKCAjwuuPRBhAnEiwA2Ji8evmi9CeT5lMiAPzK3ZzUfc8Cbqf9tuIJASx4SoZQ6vs6lXYc6EtTihoCA_8QAvD_BwE

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Dramatischer Gewichtsverlust bis zu 30 Prozent: Retatrutid setzt in Phase-3-Studien neue Maßstäbe
Miriam E. Tucker

22. Juni 2026

New Orleans – Der experimentelle Triple-Agonist Retatrutid hat in der Phase-3-Studie TRANSCEND-T2D-1 bei Menschen mit Typ-2-Diabetes (T2D) zu einer signifikanten Senkung des HbA1c-Werts und zu einer ausgeprägten Gewichtsreduktion geführt.

Auch bei Menschen mit Adipositas ohne Typ-2-Diabetes erwies sich das Medikament als wirksam. In der TRIUMPH-1-Studie führte Retatrutid nicht nur zu einem erheblichen Gewichtsverlust, sondern verbesserte auch Kniegelenkschmerzen bei Arthrose sowie Symptome einer obstruktiven Schlafapnoe. Darüber hinaus wurden in beiden Studien günstige Veränderungen kardiovaskulärer Risikofaktoren beobachtet.

Beide Studien wurden auf den wissenschaftlichen Tagungen der American Diabetes Association (ADA) 2026 vorgestellt [1]. Die Ergebnisse von TRANSCEND-T2D-1 sind gleichzeitig in The Lancet veröffentlicht erschienen [2]. Die Daten von TRIUMPH-1 wurden kurz vor der ADA-Tagung erhoben und noch nicht publiziert.


Wie wirkt Retatrutid?
Retatrutid ist ein sogenannter Dreifach-Agonist. Er aktiviert gleichzeitig die Rezeptoren für die Hormone GLP-1, GIP und Glukagon. Dadurch werden Appetit und Nahrungsaufnahme verringert, die Insulinausschüttung verbessert und der Energieverbrauch erhöht. Diese Kombination führt zu einer deutlichen Gewichtsabnahme und einer verbesserten Blutzuckerkontrolle. Retatrutid wird einmal wöchentlich als Injektion verabreicht.

Übergewicht sei die Ursache von mehr als 200 Erkrankungen, betonte Ania Jastreboff, leitende Prüfärztin der TRIUMPH-1-Studie, Professorin für Medizin und Pädiatrie an der Yale School of Medicine sowie Direktorin des Yale Obesity Research Center in New Haven. Bislang würden diese Folgeerkrankungen jedoch meist isoliert behandelt. Die nun vorgestellten Ergebnisse zeigten, welches Potenzial in einer gezielten Behandlung der Adipositas liege. Eine wirksame Gewichtsreduktion könne die Gesundheit in vielen Bereichen gleichzeitig verbessern und Menschen mit Adipositas sowie ihren Begleiterkrankungen neue Perspektiven eröffnen, erklärte Jastreboff.

TRANSCEND-T2D-1: „Verblüffender“ Gewichtsverlust
An der 40-wöchigen, randomisierten, doppelblinden Phase-3-Studie TRANSCEND-T2D-1 nahmen 537 Patienten mit unzureichend kontrolliertem Typ-2-Diabetes teil. Sie hatten einen HbA1c-Wert zwischen 7,0% und 9,5% und wiesen einen BMI von mindestens 23 kg/m² auf. Alle Teilnehmer erhielten nur Lebensstil-Interventionen, sprich Empfehlungen zur Ernährung und zur Bewegung. Sie wurden im Verhältnis 1:1:1:1 auf Retatrutid in Dosierungen von 4 mg, 9 mg oder 12 mg beziehungsweise auf Placebo randomisiert.

Die wichtigsten Ergebnisse hatte Hersteller Eli Lilly bereits im März 2026 bekannt gegeben.


Die mittlere Veränderung des HbA1c-Werts gegenüber dem Ausgangswert betrug unter Retatrutid 4 mg -1,69% (n = 134), unter 9 mg -1,86% (n = 133) und unter 12 mg -1,94% (n = 136). In der Placebogruppe (n = 134) lag die entsprechende Reduktion bei -0,81%. Zudem erreichten unter Retatrutid deutlich mehr Patienten HbA1c-Zielwerte von < 7,0%, ≤ 6,5% und < 5,7% als unter Placebo.

Auch beim Körpergewicht zeigte sich ein deutlicher Effekt. Ausgehend von einem mittleren Ausgangsgewicht von 96,9 kg sank das Gewicht unter Retatrutid um 11,5% bei 4 mg, um 13,9% bei 9 mg und um 15,3% bei 12 mg. In der Placebogruppe betrug die Gewichtsabnahme lediglich 2,6%. Unter der höchsten Dosierung entsprach dies einem durchschnittlichen Gewichtsverlust von 16,6 kg, der bis zum Ende des Behandlungszeitraums anhielt.

„Das ist geradezu verblüffend“, sagte Harpreet Singh Bajaj, leitender Prüfarzt der Studie und Leiter der Abteilung für endokrine und metabolische Forschung bei Centricity in Brampton, Kanada. „Ein derart ausgeprägter Gewichtsverlust bei Patienten mit Typ-2-Diabetes wurde in einer Phase-3-Studie bislang mit keinem anderen Medikament beobachtet. Wir wissen, dass Menschen mit Diabetes im Durchschnitt weniger Gewicht verlieren als Menschen ohne Diabetes.“



Auch Naveed Sattar, Professor für kardiometabolische Medizin an der Universität Glasgow, zeigte sich beeindruckt: „Uns wird zunehmend klar, dass wir Adipositas bei Typ-2-Diabetes wesentlich konsequenter behandeln müssen. Retatrutid könnte hier neben Semaglutid und Tirzepatid ein weiteres wichtiges Instrument darstellen.“

TRIUMPH-1: Gewichtsverlust von bis zu 30%
In die Phase-3-Studie TRIUMPH-1 wurden 2.339 Erwachsene eingeschlossen, die ebenfalls im Verhältnis 1:1:1:1 auf Retatrutid (4 mg, 9 mg oder 12 mg) oder Placebo randomisiert wurden.

Zusätzlich umfasste die Studie 2 Basket-Studien: eine mit 574 Teilnehmern mit Kniearthrose sowie eine weitere mit 243 Personen mit mittelschwerer bis schwerer obstruktiver Schlafapnoe. Eine Basket-Studie untersucht die Wirkung eines Medikaments gleichzeitig in mehreren Patientengruppen mit unterschiedlichen Begleiterkrankungen oder klinischen Merkmalen innerhalb eines gemeinsamen Studienprotokolls.


Bereits veröffentlichte Ergebnisse nach 80 Wochen zeigten, dass Teilnehmer der 12-mg-Gruppe durchschnittlich 28,3% ihres Körpergewichts beziehungsweise rund 32 kg verloren. In der Placebogruppe lag die Gewichtsabnahme bei lediglich 2,2 %. Insgesamt erreichten 45,3 % der Teilnehmer einen Gewichtsverlust von mindestens 30 %.

2 Drittel der Patienten (65,3%) unter der höchsten Dosierung erreichten einen BMI von unter 30 kg/m² und lagen damit nicht mehr im Adipositas-Bereich. Darunter befand sich auch mehr als ein Drittel der Teilnehmer mit schwerer Adipositas zu Studienbeginn (BMI ≥ 40 kg/m²). Unter der 9-mg-Dosis verloren die Teilnehmer durchschnittlich knapp 26% ihres Körpergewichts, absolut etwa 29 kg.

In der 104-wöchigen Verlängerungsphase reichte der Gewichtsverlust von 19,2% unter 4 mg bis zu 30,3% unter 12 mg Retatrutid, was etwa rund 38,6 kg entspricht. Fast alle Teilnehmer verloren mindestens 5% ihres Körpergewichts, mehr als 85% verloren mindestens 15%, und mehr als ein Viertel erreichte sogar eine Gewichtsabnahme von mindestens 35%, berichtete Jastreboff.

Die Analysen zu Arthrose und Schlafapnoe ergaben ebenfalls deutliche Verbesserungen. So reduzierte Retatrutid die Schmerzwerte auf der WOMAC-Schmerzskala bei Patienten mit Kniearthrose um bis zu 4,3 Punkte beziehungsweise 73,1% gegenüber einem Ausgangswert von 6,0 Punkten. Gleichzeitig sank der Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI) bei Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Schlafapnoe um bis zu 36,1 Ereignisse pro Stunde (-60,6%) gegenüber einem Ausgangswert von 58,6 Ereignissen pro Stunde.


Verbesserungen kardiovaskulärer Risikofaktoren
Auch bei den kardiovaskulären Risikofaktoren zeigte Retatrutid in beiden Studien günstige Effekte. In der TRIUMPH-1-Studie sanken nach 80 Wochen die Triglyceridwerte um bis zu 41,0%, das Nicht-HDL-Cholesterin um 24,2%, der systolische Blutdruck um 12,3 mmHg und der Taillenumfang um 24,1 cm.

Ähnliche Verbesserungen wurden in der TRANSCEND-T2D-1-Studie bereits nach 40 Wochen beobachtet: Hier gingen die Triglyceride um bis zu 39,6%, das Nicht-HDL-Cholesterin um 19,8%, der systolische Blutdruck um 6,4 mmHg und der Taillenumfang um 12,4 cm zurück.

Neues Sicherheitssignal: Harnwegsinfektionen
Das Nebenwirkungsprofil entsprach insgesamt dem anderer Inkretin-basierter Therapien. Zu den häufigsten unerwünschten Ereignissen gehörte Übelkeit, die in der TRIUMPH-1-Studie bei bis zu 42,4% der Patienten unter 12 mg und in der TRANSCEND-T2D-1-Studie bei bis zu 26,5% der Patienten unter derselben Dosierung auftrat.


Weitere häufige Nebenwirkungen waren Durchfall, Verstopfung und Harnwegsinfektionen. Die meisten Ereignisse waren leicht bis mittelschwer ausgeprägt und gingen im Verlauf der Behandlung zurück.

Besondere Aufmerksamkeit verdient das Auftreten von Harnwegsinfektionen. Diese wurden in der TRIUMPH-1-Studie bei 7,5-8,8% der mit Retatrutid behandelten Frauen beobachtet, verglichen mit 5,3% unter Placebo. In TRANSCEND-T2D-1 lagen die entsprechenden Raten bei 0,7-2,9% gegenüber 0,0% unter Placebo.

„Wir wissen noch nicht, woran das liegt, aber möglicherweise spielt der Hydratationsstatus eine Rolle“, sagte Jastreboff „Frauen sind grundsätzlich anfälliger für Harnwegsinfektionen. Denkbar wäre auch ein Zusammenhang mit häufigerem Geschlechtsverkehr infolge des Gewichtsverlusts. Da es sich um einen neuen Befund handelt, werden wir dies genauer untersuchen, sobald weitere Daten vorliegen.“


Die Abbruchraten aufgrund von Nebenwirkungen lagen in TRIUMPH-1 bei 4,1%, 6,9% beziehungsweise 11,3% unter Retatrutid 4 mg, 9 mg und 12 mg gegenüber 4,9% unter Placebo. In TRANSCEND-T2D-1 betrugen die entsprechenden Raten 2,2%, 4,5% und 5,1% gegenüber 0,0% unter Placebo.

Ist mehr Gewichtsverlust immer besser?
Sattar mahnte trotz der beeindruckenden Ergebnisse zur Vorsicht. „Wir müssen lernen, behutsam vorzugehen. Die Frage ist, ob wir bei einzelnen Menschen Schaden anrichten, wenn die Gewichtsreduktion zu rasch erfolgt.“ Möglicherweise, so Sattar, könnte auch das neue Signal hinsichtlich der Harnwegsinfektionen mit einer ausgeprägten Diurese zusammenhängen. „Wir benötigen weitere Daten, um die Sicherheit vollständig beurteilen zu können.“

Auch die unabhängige Kommentatorin Alice Y.Y. Cheng von Trillium Health Partners und der Universität Toronto zeigte sich beeindruckt vom Ausmaß der Gewichtsreduktion: „Ein Gewichtsverlust von 30% ist eine außerordentlich beeindruckende Zahl, wie wir sie mit einer medikamentösen Therapie bislang noch nie gesehen haben.“

Gleichzeitig warnte sie vor einer einseitigen Fokussierung auf die Höhe der Gewichtsreduktion: „Ist mehr immer besser? Ist mehr immer notwendig? Ist mehr immer richtig? Die Antwort lautet 3-mal nein. Nicht jeder Mensch benötigt oder wünscht eine Gewichtsabnahme in diesem Ausmaß. Die entscheidende Frage sollte vielmehr sein: Geht es um Gewichtsverlust oder um gesundheitliche Vorteile?“


Zugleich verwies Cheng auf die praktische Umsetzung: „Wir können hervorragende Therapien entwickeln. Entscheidend ist jedoch, dass sie die Menschen erreichen, die sie benötigen.“ Und weiter: „Patienten müssen Zugang zu dem Medikament haben, es anwenden können, es vertragen und langfristig bei der Therapie bleiben. Dafür tragen wir alle Verantwortung.“

Der Beitrag ist im Original erschienen auf Medscape.com.

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Freitag, 19. Juni 2026
Mehr als nur Sommerwetter: Die unterschätzten Folgen extremer Hitze
Ute Eppinger, Netscape

16. Juni 2026

Extreme Hitze belastet Herz, Lunge, Nieren und Gehirn, erhöht das Risiko für Frühgeburten und führt zu mehr Krankenhausaufnahmen. Neue Daten zeigen zudem einen deutlichen Anstieg von Krankmeldungen während Hitzewellen. Experten fordern deshalb konsequente Schutzmaßnahmen für besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen.

Hitzewellen werden zur neuen Normalität
Ende Mai erlebte Europa die 1. Hitzewelle dieses Jahres. Nun stehen die nächsten heißen Tage bevor. Experten erwarten für das Jahr 2026 erneut einen überdurchschnittlich warmen Sommer. Auch die Vereinten Nationen prognostizieren einen weiteren klimawandelbedingten Temperaturanstieg. Sie rechnen in den kommenden 5 Jahren mit neuen Rekordwerten.

Mit steigenden Temperaturen nehmen nach Einschätzung von Klimaforschenden auch Häufigkeit und Dauer von Hitzewellen zu. Diese stellen ein erhebliches Gesundheitsrisiko dar und fordern die Gesundheitssysteme zunehmend heraus. Die gesundheitlichen Folgen von Hitze zeigen sich sowohl in einer erhöhten Hitzemortalität als auch in einer steigenden Hitzemorbidität.


Die tatsächlichen Auswirkungen sind jedoch schwer zu erfassen, da Hitze nur selten als unmittelbare Ursache von Erkrankungen oder Todesfällen erkannt wird. Deshalb stützt sich die Forschung auf statistische Modellierungen. Das Robert Koch-Institut (RKI) kalkulierte beispielsweise, dass im vergangenen Jahr in Deutschland rund 2.500 Menschen infolge von Hitze gestorben sind.

Erstmals liegen inzwischen auch Zahlen zur hitzebedingten Morbidität vor: Bereits nach einem einzelnen Tag mit Temperaturen über 30 °C steigt die Zahl der Krankmeldungen um 3,5%. Nach 5 aufeinanderfolgenden Hitzetagen sind es 5%, nach 7 Tagen sogar 10,8%.

Hitzemortalität und Hitzemorbidität
Mittlerweile liegen belastbare epidemiologische Schätzungen zur hitzebedingten Morbidität und Mortalität in Deutschland vor, bestätigt Dr. Alexandra Schneider, stellvertretende Direktorin des Instituts für Epidemiologie am Helmholtz Zentrum München, gegenüber dem Science Media Center (SMC). „Insgesamt gehört Hitze heute neben den Luftschadstoffen bereits zu den wichtigsten umweltbedingten Gesundheitsrisiken in Deutschland und weltweit“, betont Schneider.


Temperaturbedingte Todesfälle werden deutlich zunehmen, wenn keine wirksamen Anpassungsmaßnahmen ergriffen werden, warnt Prof. Dr. Martin Röösli, Leiter des Bereichs Umweltexposition und Gesundheit am Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Institut in Basel. Er verweist dabei auf die Ergebnisse einer großen Studie, die im Januar 2025 veröffentlicht wurde.

Die hitzebedingte Morbidität ist in Deutschland bislang deutlich weniger erforscht als die hitzebedingte Mortalität. Nach Einschätzung von Dr. Veronika Huber vom Department of Conservation Biology and Global Change in Sevilla gibt es bisher keine veröffentlichten statistischen Schätzungen zur Gesamtzahl hitzebedingter Krankenhauseinweisungen in Deutschland.

Dennoch stehen zahlreiche Indikatoren zur Verfügung, um die gesundheitlichen Folgen von Hitze abzubilden. Dazu zählen Krankenhauseinweisungen, Besuche in Notaufnahmen, Rettungsdienst-Einsätze, ambulante Arztkontakte, Daten zur Arbeitsunfähigkeit sowie Register zu Herzinfarkten und Schlaganfällen, betont Huber.


Hitze belastet Herz, Lunge und Nieren stark
„Extreme Hitze belastet das Herz-Kreislauf-System stark, da durch Gefäßerweiterung der Blutdruck sinkt und das Herz schneller und kräftiger pumpen muss“, erklärt Schneider. Bei Menschen mit Vorerkrankungen steigt dadurch das Risiko für Angina pectoris, Herzinfarkt, Herzinsuffizienz und Herzrhythmusstörungen.

Gleichzeitig führen verstärktes Schwitzen und Flüssigkeitsverluste zu Dehydratation und Elektrolytstörungen, wodurch Kreislaufkollapse und Thrombosen begünstigt werden. Bestimmte Medikamente wie Diuretika oder Betablocker können diese Risiken zusätzlich verstärken. Besonders gefährdet sind zudem Menschen mit Nieren- oder Lungenerkrankungen, Diabetes oder neurologischen Erkrankungen.


Hinzu kommt, dass hohe Temperaturen häufig mit erhöhten Ozon- und Feinstaubbelastungen einhergehen. Diese reizen die Atemwege und können Exazerbationen von COPD oder Asthma auslösen.

Hohes Risiko für ältere, vorerkrankte und pflegebedürftige Menschen
„Ältere, gebrechliche Menschen stellen mit weitem Abstand die relevanteste Risikogruppe bei Hitzebelastungen und Hitzewellen dar. Die beobachtete Übersterblichkeit in der Bevölkerung während Hitzewellen ist fast ausschließlich auf diese Personengruppe zurückzuführen“, betont Prof. Dr. Kilian Rapp, ärztlicher Leiter der Akutgeriatrie und Leiter der Forschungsabteilung Geriatrie am Robert Bosch Krankenhaus in Stuttgart.

Zu den wichtigsten Risikofaktoren für eine erhöhte Hitzesterblichkeit zählen laut Rapp ein hohes Alter, ein niedriger Sozialstatus, Suchterkrankungen, Mobilitätseinschränkungen, pulmonale, kardiovaskuläre oder gerontopsychiatrische Erkrankungen sowie die Einnahme von Beruhigungsmitteln. Auch das Wohnen in höheren Stockwerken oder ein Leben allein erhöhen das Risiko. „Als schützende Faktoren zeigten sich die Verfügbarkeit einer Klimaanlage, der Zugang zu Transportmitteln und eine erhaltene Selbstpflegefähigkeit“, erklärt Rapp.


Gehirn und Nervensystem leiden
Hitze belastet auch Gehirn und Nervensystem auf vielfältige Weise. Studien zeigen, dass hohe Temperaturen die Funktion von Nervenzellen verändern, oxidativen Stress und Entzündungsprozesse im Gehirn fördern sowie die Blut-Hirn-Schranke beeinträchtigen können, berichtet Dr. Ameli Breuer, Assistenzärztin und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Klinik für Neurologie mit Experimenteller Neurologie der Charité Berlin sowie Sprecherin der Arbeitsgruppe Neurologie bei KLUG – Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit e.V.

Hohe Temperaturen erhöhen das Schlaganfallrisiko. Bei Parkinson und Multipler Sklerose kann es zu einer Verschlechterung der Symptome kommen. Auch bei Epilepsie und Migräne gibt es Hinweise darauf, dass Hitze Anfälle beziehungsweise Beschwerden verstärken kann.

Bei Menschen mit Demenz ist extreme Hitze mit einer höheren Zahl von Krankenhausaufnahmen und einer erhöhten Sterblichkeit verbunden. „Aus neurologischer Sicht ist Hitze daher längst kein Zukunftsproblem mehr. Die Auswirkungen sind bereits heute im klinischen Alltag sichtbar und werden mit fortschreitendem Klimawandel voraussichtlich weiter zunehmen“, sagt Breuer.

„Bei Hitze können wir uns schlechter konzentrieren, schlafen schlechter oder werden reizbarer, teilweise sogar aggressiv“, erklärt Dr. Sebastian Karl, Assistenzarzt in der Arbeitsgruppe Hirnstimulationsverfahren an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des ZI Mannheim. Aus psychologischer Sicht wirkt Hitze als Stressfaktor. Dadurch stehen für zusätzliche Belastungen weniger Bewältigungskapazitäten zur Verfügung, sodass Menschen schneller gereizt reagieren. Darüber hinaus gibt es auch biologische Effekte. So kann Hitze kleinste Entzündungsprozesse im Gehirn fördern, und wichtige Botenstoffe können aus dem Gleichgewicht geraten.


Die Auswirkungen auf Kinder werden unterschätzt
Kinder reagieren besonders empfindlich auf Umweltbelastungen wie Hitze, Luftverschmutzung oder Extremwetterereignisse. Ihr Körper befindet sich noch in der Entwicklung, sie verbringen mehr Zeit im Freien und sind im Verhältnis zu Erwachsenen körperlich aktiver. Zudem weisen sie eine höhere Atemfrequenz auf, betont Dr. Marie Standl, Leiterin der Forschungsgruppe Epidemiologie am Helmholtz Zentrum München. „Die langfristigen gesundheitlichen Folgen des Klimawandels für Kinder werden bislang unterschätzt“, sagt sie.

Kinder und Jugendliche gelten bei Hitze als besonders vulnerable Gruppe, da ihr Thermoregulationssystem im Vergleich zu gesunden Erwachsenen noch nicht vollständig ausgereift ist und sie sich daher schlechter an hohe Temperaturen anpassen können. Sie produzieren pro Kilogramm Körpergewicht mehr metabolische Wärme.

Vor allem im Säuglings- und Kindesalter verfügen sie über eine größere Körperoberfläche im Verhältnis zum Körpergewicht, wodurch sie mehr Wärme aus der Umgebung aufnehmen. Gleichzeitig besitzen sie ein geringeres Blutvolumen und eine niedrigere kardiale Auswurfleistung. Wie Privatdozent Dr. Dirk Holzinger, leitender Arzt der Rheumatologie an der Klinik für Kinderheilkunde III des Universitätsklinikums Essen und Mitglied des erweiterten Vorstandes von KLUG, bestätigt, gibt es „Hinweise auf eine erhöhte Hospitalisierungsrate von Kindern und Jugendlichen an sehr heißen Tagen“.


Erhöhtes Risiko für Frühgeburten
Dass extreme Hitze während der Schwangerschaft den Körper erheblich belastet und mit gravierenden Risiken verbunden ist, betont Prof. Dr. Petra Arck von der Experimentellen Feto-Maternalen Medizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). Hohe Temperaturen führen zu Dehydrierung und Herz-Kreislauf-Problemen und beeinflussen die Durchblutung der Gebärmutter. Dadurch kann der Verlauf der Schwangerschaft unmittelbar beeinträchtigt und das Risiko für Komplikationen erhöht werden.

Prof. Dr. Anke Diemert von der Klinik und Poliklinik für Geburtshilfe und Pränatalmedizin am UKE verweist darauf, dass zahlreiche Studien einen signifikanten Zusammenhang zwischen Hitzestress und Frühgeburten zeigen. Untersuchungen des UKE belegen, dass extreme Hitze mit Temperaturen von über 30 bis hin zu 35 °C über mehrere aufeinanderfolgende Tage das relative Risiko für Frühgeburten erhöhen kann.

Hitzewarnsysteme und Hitzeaktionspläne
Bislang verfügen etwa 20% aller Kommunen über Hitzeaktionspläne. Die meisten Bundesländer haben ihren Kommunen inzwischen vorgegeben, solche Konzepte in den kommenden Jahren – meist bis 2030 – vorzulegen, erklärt Prof. Dr. Clemens Becker, Abteilungsleiter der Geriatrie am Universitätsklinikum Heidelberg. Becker erinnert zudem daran, dass Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen gesetzlich verpflichtet sind, Hitzewarnsysteme und Hitzeaktionspläne vorzuhalten und kontinuierlich weiterzuentwickeln. „Das Problem sind vor allem ältere Menschen, die allein leben. Diese müssen durch Familie, Nachbarschaft und Ehrenamt geschützt werden.“

Dr. Kerstin Kammerer, Vorstandsmitglied und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Gerontologische Forschung e.V. in Berlin, verweist auf bestehende Musterhitzeschutzpläne, etwa den des Aktionsbündnisses Hitzeschutz Berlin für Gesundheitseinrichtungen wie Krankenhäuser und stationäre Pflegeeinrichtungen. Umfassende Informationen zum Umgang mit Hitze bietet außerdem der Hitzemaßnahmenplan für stationäre Einrichtungen der Altenpflege des LMU-Klinikums.


Schneider A, Röösli M, Huber V, Standl M, Kammerer K geben an, keine Interessenkonflikte zu haben.
Karl S gibt an, mehrere wissenschaftliche Publikationen zu den Zusammenhängen von menschengemachten Umweltveränderungen und psychischer Gesundheit verfasst zu haben. Er ist Mitherausgeber des Buchs „Psychiatrie in Zeiten globaler Umweltkrisen“ und Autor des Buchs „1-Minuten-Strategie Hitze“. Neben seiner klinisch-wissenschaftlichen Tätigkeit ist er Stadtrat in Stuttgart für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen.
Holzinger D gibt an, Mitglied des erweiterten Vorstandes von KLUG – Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit e.V. zu sein.
Rapp K, Breuer A, Arck P, Diemert A, Becker C: Es liegen keine Angaben zu Interessenkonflikten vor.

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Campact - Beitrag zu Nius
Weitergeleiteter Beitrag

"Die Tagesschau verheimliche die Wahrheit – das jedenfalls behauptet Nius-Chef Julian Reichelt über Deutschlands Top-Nachrichtensendung in der ARD. Normalerweise streut sein Portal nur im Netz Verschwörungstheorien. Plötzlich aber lässt er die Berliner U-Bahnen und Busse mit seiner kruden Botschaft beschriften: „Morgens um 6 schon wissen, was einem abends um 8 verschwiegen wird“. Sogar ein besonders auffällig bedruckter Doppeldecker-Bus fährt Reichelts Irrsinn durch die Hauptstadt.


Dass ausgerechnet die als modern und fortschrittlich bekannten Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) ihre Werbeflächen für Reichelts hetzerische Schwurbelbotschaften hergeben, schockt uns und Tausende Berliner*innen. Also handeln wir. Und zwar schnell und eindeutig.

Unser Slogan heißt „Morgens um 6 schon Lügen & Hetze verbreiten“ – denn dafür steht Nius wirklich.[3] Wir fahren mit dem Spruch auf einem LKW tagelang dem BVG-Bus hinterher, der Satz leuchtet auf einem riesigen LED-Bildschirm. Auffälliger geht’s nicht. Natürlich kommt unser LED-Truck in die Medien – und in den sozialen Medien dreht er ebenfalls große Runden. Schließlich wird der BVG unsere Aktion so unangenehm, dass sie die Nius-Hetze stoppt. Erfolg!

Fakt ist: Wir konnten Reichelts Fake News im öffentlichen Raum nur stoppen, weil wir nicht gezögert haben. In kürzester Zeit standen Plan und Logistik, in wenigen Stunden hatten wir LKW und Riesenbildschirm organisiert. Campact kann das, weil wir Unterstützer*innen ... haben. Menschen, die uns schnell agieren sehen wollen."

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Mittwoch, 10. Juni 2026
Hinrichtungen von Mißbrauchsopfern im Iran: Staatlich organisierter Femizid
15. August 2004. Neka, Iran.
Ein Mädchen namens Atefeh Sahaaleh wurde auf den Marktplatz geführt. Sie war sechzehn Jahre alt. Ein Kran wartete. Der Richter, der sie verurteilt hatte – derselbe Mann, der auch Staatsanwalt, Mullah und Leiter der Stadtverwaltung war –, legte ihr die Schlinge selbst um den Hals.
Atefeh hatte ihre Kindheit damit verbracht, von jedem System im Stich gelassen zu werden, das sie hätte schützen sollen. Ihre Mutter starb, als sie fünf Jahre alt war. Ihr Bruder ertrank kurz darauf. Ihr Vater wurde drogenabhängig. Ab dem neunten Lebensjahr wurde sie wiederholt von älteren Männern in ihrer Gemeinde missbraucht. Als die iranische Sittenpolizei schließlich auf sie aufmerksam wurde, geschah dies nicht, um sie zu schützen. Sie sollte verhaftet werden – wegen „Verbrechen gegen die Sittlichkeit“.
Sie wurde viermal verurteilt. In ihrem letzten Prozess schrie sie den Richter an, dass sie das Opfer und nicht die Täterin sei. Protestierend riss sie sich das Kopftuch vom Kopf. Der Richter sagte später, sie habe sich „in der Öffentlichkeit entkleidet“.
Er reiste persönlich nach Teheran, um die Genehmigung für ihre Hinrichtung einzuholen. Innerhalb einer Woche kehrte er zurück. Er legte ihr selbst die Schlinge um den Hals.
Die Behörden gaben ihr Alter mit 22 Jahren an. Ihre Geburtsurkunde wies 16 Jahre aus.
Keine große Zeitung berichtete darüber. Keine internationale Organisation griff rechtzeitig ein. Der Marktplatz verstummte. Die Welt drehte sich weiter.
Eine Journalistin namens Asieh Amini hörte ein Gerücht über den Vorfall und ließ es nicht mehr los.
Asieh war in der Provinz Mazandaran im Norden Irans aufgewachsen – derselben Region wie Neka – in einer Familie von Lehrern und Lesern, in einem Haushalt, in dem Bücher und Gedichte zum Alltag gehörten. Sie hatte sich ihre journalistische Karriere Jahr für Jahr mühsam aufgebaut und sich in einem Berufsfeld behauptet, das Frauen kaum Raum bot, bis sie Redakteurin und eine Stimme geworden war, der die Menschen zuhörten. Sie lernte. Sie gab nicht auf. Sie stieg auf.
Und dann, im Jahr 2004, erhielt sie einen Hinweis auf ein Mädchen, das gehängt worden war. Asieh ging der Sache nach. Was sie aufdeckte, war nicht einfach nur die Geschichte einer Hinrichtung – es war die Geschichte eines Kindes, das jahrelang missbraucht, als Opfer verfolgt und schließlich von eben jenem Gericht hingerichtet worden war, das es hätte schützen sollen. Sie versuchte, die Geschichte zu veröffentlichen. Sie stieß auf Widerstand. Doch sie gab nicht auf, bis die Geschichte endlich gedruckt erschien.
Das war erst der Anfang.
Kurz darauf erfuhr sie von Leyla – einer jungen Frau mit der geistigen Entwicklung eines achtjährigen Kindes, die ihr Leben lang von den Menschen um sie herum ausgebeutet und missbraucht worden war und nun im Todestrakt saß, verurteilt zur Steinigung. Asieh reiste ins Gefängnis. Sie sammelte Dokumente und Zeugenaussagen. Ihre Recherchen gingen über die Grenzen Irans hinaus und erreichten Regierungen und Organisationen weltweit. Der norwegische Ministerpräsident schrieb direkt an den iranischen Präsidenten. Der internationale Druck wuchs.
Leyla erhielt ein neues Verfahren. Sie wurde aus der Todeszelle geholt und in die Obhut einer Organisation gegeben, die sie endlich schützen sollte. Sie erhielt Privatunterricht, lernte Lesen und Schreiben und war zum ersten Mal in ihrem Leben von Menschen umgeben, die ihr helfen und nicht schaden wollten. Atefeh bekam diese Chance nie. Leyla schon.
2006 erfuhr Asieh, dass Steinigungen weiterhin im Geheimen durchgeführt wurden – offiziell verboten, aber trotz des Gesetzes fortgesetzt, da manche Richter glaubten, einer höheren Instanz als dem Parlament unterstellt zu sein. Sie war Mitbegründerin der Kampagne „Stoppt die Steinigung für immer“, die sich der Dokumentation von Fällen, der Sammlung von Beweisen und der Aufdeckung dieser verborgenen Praxis widmete. Die staatlichen Medien griffen sie an. Die Behörden leugneten alles. Der Druck wuchs mit jedem Monat.
2007 wurde sie bei einer Demonstration gegen die Inhaftierung einer Mitstreiterin verhaftet. Sie verbrachte fünf Tage im Evin-Gefängnis – einer der berüchtigtsten Haftanstalten Irans –, bevor sie freigelassen wurde. Sie kehrte nach Hause zurück und schrieb weiter.
Nach den umstrittenen Präsidentschaftswahlen 2009, als die Repression gegen Aktivisten zunahm und ihre Telefone überwacht und ihre Bewegungen verfolgt wurden, traf Asieh die Entscheidung, die viele iranische Journalisten und Schriftsteller treffen mussten: Sie ging.
Sie nahm ihre Tochter Ava und zog nach Norwegen. Sie begann ein neues Leben in einer Sprache, die sie nicht sprach, in einem Land, das sie nicht kannte, fernab von all den Geschichten, über die sie ihr Leben lang berichtet hatte. Sie schloss ihr Masterstudium ab. Sie veröffentlichte Bücher und Gedichte. Sie setzte ihre Menschenrechtsarbeit aus dem Exil fort, denn die Arbeit hört nicht auf, nur weil sich der Ort ändert.
Atefeh Sahaaleh war sechzehn Jahre alt. Ihr Name wäre beinahe in Vergessenheit geraten – begraben unter einem gefälschten Alter in einem Gerichtsdokument, vergessen auf einem Marktplatz im Norden Irans.
Asieh Amini entschied, dass das nicht hinnehmbar war.
Sie hätte die sicherere Geschichte wählen können – die, die weder Überwachung noch Verhaftung noch Exil nach sich zog. Stattdessen wählte sie diese. Und dann die nächste. Und die darauffolgende. Jahrelang wählte sie die Geschichten aus, die alle anderen lieber ignorierten.
So sieht es aus, wenn jemand beschließt, dass Schweigen keine Option mehr ist.
Irgendwo, eine Frau namens Leyla lernte dadurch lesen.
Und ein Mädchen namens Atefeh, dem keine zweite Chance gegeben wurde, ist nicht vergessen.

Gefunden auf und zitiert nach Red Dot

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Montag, 8. Juni 2026
Diskussionsmuseum
Hach, was wurden hier mal für gehaltvolle Debatten geführt:

https://che2001.blogger.de/stories/1507216

https://che2001.blogger.de/stories/1747097

https://che2001.blogger.de/STORIES/2289540

https://che2001.blogger.de/stories/564769

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Einmal ein paar nüchterne Fakten
Nein, ich bin kein großer Freund der NATO und stehe jeder Staatsmacht ziemlich fern. Und sehe mich nach wie vor als Antikapitalisten und Antiimperialisten.

Dennoch, zu aktuellen Debatten hier mal ein paar ganz nüchterne Fakten:

1990: Im Zuge der 2+4 Verhandlungen zur deutschen Wiedervereinigung sichern die USA zu, keine NATO-Truppen dauerhaft in Osteuropa zu stationieren. Dabei wird nicht über den Status von Mitgliedsstaaten des Warschauer Vertrages gesprochen.

1991: Nach einem misslungenen Militärputsch in Moskau bricht die UDSSR in 15 Einzelstaaten auseinander.

1991: In der Folge wird der Warschauer Pakt aufgelöst, dessen früheren Mitglieder sind damit bündnisfrei.

1991: Polen beantragt die Mitgliedschaft in der NATO.

1994: Im Budapester Memorandum garantiert Russland die Grenzen der Ukraine, die dafür ihre Atomwaffen abgibt.

1997: Russland stimmt in der NATO-Russland-Grundakte der NATO-Osterweiterung zu.

1999: Polen, Tschechien und Ungarn treten der NATO bei.

2004: Litauen, Lettland und Estland werden Mitglieder der NATO. Putin gratuliert den baltischen Staaten zum Beitritt und erklärt, die Russische Föderation habe hinsichtlich der NATO-Osterweiterung keine Sicherheitsbedenken.

2022: Putin nennt die NATO-Osterweiterung als Grund seiner "Militärischen Spezialoperation" gegen die Ukraine.

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Großes Review: Wie gut schützen Vitamin D und Kalzium vor Knochenbrüchen und Stürzen?
Ute Eppinger, Medscape

05. Juni 2026

Vitamin D, Kalzium oder die Kombination beider Mittel schützen ältere Menschen offenbar kaum vor Knochenbrüchen und Stürzen. Zu diesem Ergebnis kommt eine im BMJ veröffentlichte Auswertung der neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse von Dr. Olivier Massé, Abteilung für Pharmazie, CIUSSS du Nord-de-l'Île-de-Montréal, Québec, Kanada, und seinen Kollegen.

Fast ein Drittel der Menschen ab 65 Jahren stürzt jedes Jahr. Das führt häufig zu Knochenbrüchen, Schmerzen, verringerter Lebensqualität und manchmal auch dazu, dass sich die Betroffenen in stationäre Pflege begeben müssen. Die Prävention von Stürzen und Knochenbrüchen hat daher weltweit Priorität.

Mehrere frühere Evidenzüberprüfungen hatten ergeben, dass weder Kalzium- noch Vitamin-D-Präparate zu einer Verringerung von Knochenbrüchen führen, die Ergebnisse zur kombinierten Einnahme sind uneinheitlich. Dennoch empfehlen viele Ärzte und Leitlinien Vitamin-D-Präparate (mit oder ohne Kalzium) zur Knochengesundheit, und die Verschreibungen haben in den letzten Jahren erheblich zugenommen.


Evidenz aus 69 Studien mit über 150.000 Erwachsenen
Massé und seine Kollegen werteten die Ergebnisse von 69 randomisierten kontrollierten Studien mit insgesamt 153.902 Erwachsenen aus, in denen die Wirkung von Kalzium- oder Vitamin-D-Präparaten – oder einer Kombination aus beidem – auf die Verringerung der Anzahl von Knochenbrüchen und Stürzen im Vergleich zu Placebo oder keiner Behandlung untersucht wurde.

Nachdem man sich auf klinisch relevante Schwellenwerte geeinigt hatte, stellten die Forschenden fest, dass die Einnahme von Kalziumpräparaten (Evidenz von mittlerer Sicherheit aus 11 Studien; 9.067 Teilnehmer), Vitamin-D-Präparaten (Evidenz von hoher Sicherheit aus 36 Studien; 92.045 Teilnehmer) oder einer kombinierten Supplementierung (Evidenz von hoher Sicherheit aus 15 Studien; 51.126 Teilnehmer) kaum oder gar keinen Einfluss auf das Auftreten von Knochenbrüchen hatte.

Auch die Einnahme von Kalzium, Vitamin D oder einer Kombination aus beiden schien kaum oder gar keinen Einfluss auf bestimmte Frakturen, wie beispielsweise Hüftfrakturen, oder auf Stürze zu haben.


Ergebnisse stützen eine routinemäßige Supplementierung nicht
Massé und seine Kollegen weisen darauf hin, dass einige Analysen nur eine geringe Anzahl von Studien und Teilnehmern umfassten; daher sollten diese Ergebnisse mit Vorsicht interpretiert werden. Sie gelten möglicherweise nicht für Personen mit bestimmten Knochenerkrankungen oder für diejenigen, die medikamentös gegen Osteoporose behandelt werden. Allerdings blieben die Ergebnisse auch nach weiteren Analysen mit entsprechenden Adjustierungen konsistent.

Die Forschenden schließen daraus, dass die Ergebnisse „eine routinemäßige Supplementierung mit Kalzium oder Vitamin D sowie eine kombinierte Supplementierung zur Vorbeugung von Knochenbrüchen und Stürzen nicht stützen“. Sie empfehlen Ärzten, Leitliniengremien und Aufsichtsbehörden, „ihre allgemeinen Empfehlungen zur Kalzium- und Vitamin-D-Supplementierung vor dem Hintergrund der aktuellen Erkenntnisse neu zu bewerten“.

In einem begleitenden Editorial betonen Dr. Jennifer Pillay vom Alberta Research Centre for Health Evidence der Universität Alberta, Kanada, Dr. Donna Reynolds von der Universität Toronto und Guylene Thériault von der Universität Montreal, dass Erkenntnisse aus strengen und statistisch aussagekräftigen Studien benötigt würden, um Empfehlungen für die Nahrungsergänzung in Risikogruppen zu untermauern.


In der Zwischenzeit schlagen sie vor, den Fokus und die Finanzierung auf Maßnahmen zu verlagern, die nachweislich einen sinnvollen Beitrag zur Prävention von Stürzen und sturzbedingten Verletzungen leisten, wie beispielsweise Gleichgewichts- und Krafttraining, sowie auf Maßnahmen, die Elemente wie Bewegung, Gefahrenbewertung oder Aufklärung kombinieren und auf das individuelle Risiko zugeschnitten sind.


Kommentar des Verfassers: Eine gute Unfallversicherung, die eine Unfallpflegerente beinhaltet ist essentiell.

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Mittwoch, 3. Juni 2026
„Etwas in mir ist zerbrochen“: Engagierte Ärzte kehren der Medizin den Rücken – nur warum?
Von Cassie Shortsleeve

03. Juni 2026

Der Arztberuf gilt als immer noch Berufung – doch viele Mediziner kehren der direkten Patientenversorgung den Rücken. 3 Ärzte berichten von Demütigungen, Burnout, Bürokratie und moralischen Konflikten. Sie erklären, warum sie die Medizin verlassen haben und was sich ändern müsste, um dem Trend entgegenzuwirken.

Demütigungen und Schikanen im OP
Zunächst waren es die ständigen persönlichen Beleidigungen. Dann folgte eine Phase, in der nahezu der gesamte Jahrgang ihres 2. Weiterbildungsjahres entweder entlassen oder zurückgestuft wurde.


Frances Mei Hardin
Die Folge: Statt wie üblich jede 5. Nacht Bereitschaftsdienst zu haben, musste Frances Mei Hardin nun jede 3. Nacht arbeiten – ohne Aussicht auf Entlastung. Hinzu kam ein Chefarzt, der einen jungen Assistenzarzt in einem überfüllten Aufzug anschrie, er sei „verdammt hässlich“ und solle sich zur Wand drehen. Der Assistenzarzt gehorchte.


Im 4. Jahr ihrer Facharztausbildung war für sie der Punkt erreicht, an dem sie jede Begeisterung für die Chirurgie verloren hatte. „Mir wurde jede Liebe zur Arbeit als Chirurgin ausgetrieben“, erinnert sie sich.

Besonders prägend war ein Vorfall während einer Neck-Dissection (Halslymphknotenausräumung). Ein Oberarzt begann, sie wegen ihrer vermeintlich mangelnden Erfahrung vor dem versammelten Team zu kritisieren. Er warf ihr vor, nicht ausreichend gelernt zu haben, und machte sich über ihre Antworten lustig. Nach rund 20 Minuten der Schikane, die Hardin als das in Operationssälen weit verbreitete Zusammenspiel aus Ausfragen, Demütigen und Schikanieren beschreibt, verließ sie die 8-stündige Operation. „An diesem Tag ist etwas in mir zerbrochen“, sagt sie rückblickend.

Weinend zog sich Hardin auf die Toilette zurück und rief eine gute Freundin an, die ebenfalls in der Facharztausbildung war. Deren Reaktion überraschte sie nicht: Solche Situationen hatte sie selbst schon mehrfach erlebt. Ihr Rat lautete, sich zu sammeln und wieder in den OP zurückzukehren. Doch Hardin tat das nicht.


PTBS in der Facharztausbildung
Hardin entwickelte eine komplexe posttraumatische Belastungsstörung und litt unter Suizidgedanken. „In der Kultur der chirurgischen Weiterbildung ist es praktisch unmöglich, über solche Erfahrungen offen zu sprechen“, sagt sie. „Wenn so etwas einem von uns passiert, fühlt es sich katastrophal an. Es fühlt sich an, als hätte man versagt. Aber nichts davon trifft zu.“

Im vergangenen Jahr gab Hardin ihren Beruf als Chirurgin auf. Zuvor hatte sie ihre Facharztausbildung abgeschlossen und mehrere Jahre in einer privaten Praxis im ländlichen Süden der USA gearbeitet. Damit gehört sie zu den geschätzten 86.000 Ärztinnen und Ärzten, die bis zum Jahr 2036 der Medizin US-weit den Rücken kehren werden.

Zahlen aus Deutschland
Statistiken zur Situation in Deutschland gibt es zwar nicht, eine Abschätzung ist aber möglich.


Ende des Jahres 2024 waren bei der Bundesärztekammer rund 581.000 Ärzte registriert. Von ihnen gingen etwa 437.000 einer ärztlichen Tätigkeit nach, während rund 140.000 ihren Beruf nicht aktiv ausgeübt haben. Der überwiegende Teil war sich im Ruhestand. So entfielen etwa 104.000 Personen beziehungsweise 72% dieser Gruppe auf Ruheständler. Weitere rund 2.700 Ärzte galten krankheitsbedingt als berufsunfähig.

Zieht man diese beiden Gruppen ab, verbleiben schätzungsweise 33.000 bis 37.000 approbierte Ärzte, die weder ärztlich tätig noch im Ruhestand oder berufsunfähig sind. Viele von ihnen arbeiten weiterhin im Gesundheitswesen, allerdings außerhalb der direkten Patientenversorgung.

Wissenschaftliche Arbeiten bestätigen den Trend
Die Diskussion über Ärzte, die ihren Beruf verlassen, ist nicht neu. Verschiedene Daten deuten jedoch darauf hin, dass sich dieser Trend keineswegs abschwächt. Eine im Jahr 2025 in den Annals of Internal Medicineveröffentlichte Studie, die mehr als 700.000 Ärzte erfasste, zeigte, dass der Anteil aller Mediziner, die nicht mehr in der direkten Patientenversorgung tätig sind, zwischen den Jahren 2013 und 2019 von 3,5% auf 4,9% angestiegen ist. Und das noch vor Beginn der COVID-19-Pandemie.

Zu dieser Entwicklung dürften auch die hohen Burnout-Raten unter Ärzten beitragen. Eine im März 2026 in JAMA Internal Medicine veröffentlichte Untersuchung hat ergeben, dass Ärzte mit Burnout nahezu eineinhalbmal häufiger die klinische Tätigkeit verlassen als ihre Kollegen ohne entsprechende Belastung.

Jeder betroffene Arzt hat seine eigene Geschichte – und der Begriff „Burnout“ dient oft als Sammelbezeichnung für sehr unterschiedliche Erfahrungen. Spricht man jedoch mit einigen der Betroffenen, treten immer wieder ähnliche Muster zutage.

Akademische Karriere oder Privatpraxis: Alternativen sind rar

Anthony Chin-Quee
Anthony Chin-Quee, Facharzt für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, hat die Medizin im Jahr 2019 verlassen. Im Gespräch mit Medscape erzählt er, dass ihn das gesamte System bereits während seiner Ausbildung eingeengt hat. In seinen Augen schien es nur 2 akzeptierte Karrierewege zu geben: eine akademische Laufbahn oder die Tätigkeit in einer Privatpraxis.

Für Chin-Quee waren die Einschränkungen jedoch nicht nur beruflicher Natur, sondern auch zutiefst persönlich. „Ich bin schwarz, und das spielt eine große Rolle – besonders in der Medizin. Wenn man dann noch in die Chirurgie und anschließend in eine chirurgische Subspezialisierung geht, gibt es dort nur sehr wenige Menschen wie mich. Da ist man schnell isoliert“, sagt er.

Außerdem hatte Chin-Quee das Gefühl, dass für ihn andere Maßstäbe galten als für viele seiner Kollegen. Fehler, die bei anderen toleriert wurden, schienen bei ihm deutlich kritischer bewertet zu werden.

Auch die eigene Persönlichkeit passte aus seiner Sicht nicht in das Bild des typischen, stets kontrollierten und formellen Chirurgen. „Ich habe gerne Spaß, ich mache Witze, ich singe gerne und ich gehe locker und herzlich mit meinen Patienten um“, sagt er. Genau diese Eigenschaften haben ihn jedoch häufig zum Außenseiter gemacht.

Kollegen verbreiten Gerüchte
Doch damit nicht genug: Als ein Oberarzt erfuhr, dass Chin-Quee in seiner Freizeit den Roman The Hunger Games las, verbreitete sich hinter vorgehaltener Hand das Gerücht, er nehme die Chirurgie nicht ernst genug. Nach seiner Wahrnehmung änderte sich daraufhin auch die Haltung seiner Vorgesetzten ihm gegenüber – eine Entwicklung, die er direkt mit diesen Gerüchten in Verbindung bringt.


Mit der Zeit gewann Chin-Quee den Eindruck, dass er sein offenes Wesen verstecken müsse, um in der Medizin zu bestehen. In seiner schwierigsten Phase litt er an Depressionen und begann, berufliche Probleme zunehmend zu verinnerlichen. „Und wenn die Leistung nicht stimmt, hat man irgendwann das Gefühl, selbst nichts wert zu sein“, erinnert er sich.

Im Jahr 2019 zog Chin-Quee schließlich die Konsequenzen. Er gab seine Tätigkeit als Chirurg in Los Angeles auf – zunächst ohne eine neue berufliche Perspektive.

Die moralischen Zweifel wachsen

Mel Thacker
Medscape hat auch mit Mel Thacker gesprochen. Sie war lange davon überzeugt, bis zu ihrem Ruhestand in der von ihr mitgeführten Gemeinschaftspraxis in Massachusetts zu arbeiten. In der ausschließlich von Frauen geführte Praxis waren 3 Partnerinnen. Thacker gehörte zu den treibenden Kräften des Teams. „Ich wollte seit meinem 13. Lebensjahr Ärztin werden, und ich habe mir diesen Traum erfüllt. Aber es ist eben nicht wie im Märchen“, sagt sie.


Obwohl Thacker über ein Maß an beruflicher Selbstbestimmung verfügte, von dem viele Ärzte nur träumen können, nagten moralische Zweifel immer stärker an ihr. Das lag an finanziellen Anreize im US-Gesundheitssystem, die sie nicht länger ignorieren wollte.

Als HNO-Fachärztin mit Schwerpunkt Nasennebenhöhlenchirurgie wusste sie, dass ein bestimmter Eingriff in ihrer eigenen Praxis mit rund 15.000 US-Dollar vergütet wurde. Wurde derselbe Eingriff in einem ambulanten Operationszentrum durchgeführt, lag die Erstattung lediglich bei etwa 3.000 US-Dollar. „Dadurch entsteht unweigerlich die Gefahr, Patienten unbewusst eher zu dem Eingriff in der Praxis zu bewegen“, sagt sie. „Allein der Gedanke daran hat bei mir ein zutiefst unangenehmes Gefühl ausgelöst.“

Thacker beobachtete, wie einige Kollegen diese Unterschiede gezielt ausgenutzt haben. Sie sah Ärzte, die „Millionen verdient haben, berühmte Sänger zu ihren Geburtstagsfeiern einfliegen ließen und Lamborghinis fuhren – finanziert durch Geld, das sie mit medizinisch fragwürdigen Eingriffen an Patienten verdient haben.“

Gleichzeitig erlebte sie, wie das System Ärzten geschadet hat. Ein Kollege musste nach jahrelanger Betreuung eines totkranken Krebspatienten 40.000 Dollar an dessen Versicherung zurückzahlen. Thacker selbst sah sich regelmäßig gezwungen, bürokratische Hürden zu überwinden, um Patienten günstige bzw. rasch verfügbare Medikamente zu verschreiben.

Die Scham und Selbstverachtung, die sie dabei empfand, machten sich auch körperlich bemerkbar. Im OP erlitt sie Panikattacken. Anfang des Jahres 2021 nahm sie sich eine Auszeit, suchte einen Psychiater auf und entdeckte Coaching als neue berufliche Perspektive. Im Jahr 2024 verließ sie ihre Praxis.

Wie viele andere Ärzte beschreibt Thacker den Ausstieg aus der Medizin nicht als ein einzelnes einschneidendes Ereignis, sondern mit „der stete Tropfen höhlt den Stein“. Gemeint sind die vielen kleinen Belastungen und Hindernisse, die sich über Jahre ansammeln. Besonders die administrativen Anforderungen hätten das Gesundheitswesen ihrer Ansicht nach zunehmend im Griff.


Bürokratie statt Patientenkontakt
In einem Beitrag für KevinMD.com beschrieb die Endokrinologin Corina Fratila den ärztlichen Alltag als den eines „überbezahlten Affen zur Datenerfassung in einem kafkaesken Versicherungslabyrinth“. Dieser Affe sei rechtlich dazu verpflichtet, mehr Zeit mit dem Anklicken von Feldern in Dokumentationssystemen zu verbringen als mit direktem Blickkontakt zu anderen Menschen.

Fratila, die sich kürzlich aus der klassischen medizinischen Versorgung zurückgezogen hat, kritisierte in einem Essay insbesondere das System der Vorabgenehmigungen durch Krankenversicherungen. „Kein Wunder, dass Patienten unser Gesundheitssystem verabscheuen und Ärzte die Medizin in Scharen verlassen“, lautet ihr Fazit.

Was müsste sich ändern, damit Ärzte bleiben?
So unterschiedlich die Gründe für den Ausstieg aus der Patientenversorgung sind, so verschieden fallen auch die Vorstellungen eines besseren Systems aus. Dennoch gibt es einen kleinsten gemeinsamen Nenner: Ärzte wünschen sich ein Gesundheitswesen, das inklusiver und weniger bürokratisch ist, das vielmehr die Beziehung zwischen Arzt und Patient in den Mittelpunkt stellt.


Viele Mediziner sind davon überzeugt, dass Veränderungen schon in der Ausbildung beginnen müssen. Chin-Quee fordert, die vielen informellen und unausgesprochenen Regeln der medizinischen Kultur im Medizinstudium offen anzusprechen.

Hardin erinnert sich, dass sie zeitweise gegen den Impuls ankämpfen musste, junge Ärzte genauso zu behandeln, wie sie selbst behandelt worden war. Aus ihrer Sicht ist ein Kulturwandel die Voraussetzung für Fortschritte in allen anderen Bereichen – und dieser Wandel müsse eben früh in der Ausbildung beginnen.

Als Beispiel nennt Hardin die vom Accreditation Council for Graduate Medical Education festgelegte Obergrenze von 80 Arbeitsstunden pro Woche. In manchen Ausbildungsprogrammen würden Assistenzärzte schlicht angewiesen, keine höheren Stundenzahlen zu dokumentieren – selbst wenn sie tatsächlich deutlich länger gearbeitet haben. „Wir können den ganzen Tag neue Regeln beschließen“, sagt sie. „Aber sie funktionieren nicht, wenn sie nicht auf jeder institutionellen und organisatorischen Ebene tatsächlich umgesetzt werden.“


Ist Medizin doch nur ein Beruf, aber keine Berufung?
Chin-Quee stellt auch die weitverbreitete Vorstellung infrage, Medizin sei eine „Berufung“. Dieses Bild vermittle, dass Ärzte moralisch besonders hochstehende Menschen seien.

„Die Medizin sollte sich nicht fragen: ,Wie kann ich diesen Menschen zu dem Arzt machen, den ich sehen möchte?‘“, sagt er. „Die entscheidende Frage lautet vielmehr: ,Wie kann dieser Mensch zu dem Arzt werden, der er selbst sein möchte? Wie können wir unterschiedliche Herkunft, Kulturen und Perspektiven wertschätzen und erkennen, dass genau diese Vielfalt Ärzte besser macht?‘“

Freunde, die mit dem Gedanken spielten, die Medizin zu verlassen, riefen ihn häufig an, erzählt Chin-Quee. Dabei gehe es weniger um Karrierefragen als um Grundsätzliches. „Sie fragen, ob es in Ordnung ist, zu gehen.“ Seine Antwort laute meist: ja.

Quee hat mittlerweile eine berufliche Tätigkeit, die zu ihm passt. Freunde und Kollegen ermutigt er, den Ort zu finden, an dem sie morgens aufwachen und sich auf den kommenden Tag freuen.

Das Arzt-Patienten-Verhältnis wieder ins Zentrum rücken
Für Thacker liegt die Lösung vor allem in strukturellen Reformen. „Die Beziehung zwischen Arzt und Patient muss wieder das schlagende Herz unseres Gesundheitswesens werden“, sagt sie. „Ich kann einen OP betreten, und niemand weiß genau, was dort passiert. Mir wird das Leben eines Menschen anvertraut. Doch sobald ich den Saal verlasse, muss ich jede einzelne Entscheidung exakt mit den Formulierungen rechtfertigen, die Versicherungen verlangen.“

Auch wenn diese nicht immer praktikabel sind, sieht sie sogenannte Direct-Care-Modelle – also Versorgungsmodelle mit direkter finanzieller Beziehung zwischen Arzt und Patient – als einen möglichen Weg in die Zukunft.

Fratila formulierte ihre Kritik noch schärfer: „Dieses System funktioniert exakt so, wie es entworfen wurde. Für Profit. Nicht für Menschen.“ Genau das müsse sich ändern.

Wie es nach dem Ausstieg weitergeht
Ärzte, die ihren Kittel an den Nagel hängen, schlagen ganz unterschiedliche Wege ein. Kurz nachdem Chin-Quee seine Tätigkeit als Chirurg aufgegeben hatte, erhielt er eine Stelle im Autorenteam der Fernsehserie Grey’s Anatomy und später bei The Resident. Heute berät er ein Start-up, das einen KI-gestützten Coach für Ärzte und Medizinstudierende entwickelt. Außerdem veröffentlichte er im Jahr 2023 seine Memoiren unter dem Titel I Can’t Save You: A Memoir.

Thacker arbeitet inzwischen hauptberuflich als Coach für Chirurgen und moderiert den Podcast Surgeons with Purpose. Zusätzlich übernimmt sie eine Woche pro Monat Vertretungen als Ärztin. Diese Tätigkeit beschreibt sie als „direkt, unkompliziert und auf eine Weise erfüllend, wie es meine eigene Praxis nie war“.

Hardin veröffentlichte in diesem Jahr ihre eigenen Memoiren mit dem Titel Surgeon on the Edge und gründete gemeinsam mit Thacker das von Ärzten geführte Medienunternehmen The Hippocratic Collective. Sie hofft, dass die nächste Generation von Ärzten eine bessere Balance zwischen Beruf und persönlichem Leben finden wird.

Nach ihrer Einschätzung beschleunigt sich die Abwanderung aus der Medizin auch deshalb, weil jüngere Ärzte höhere Ansprüche haben, wie sie behandelt werden wollen. Diese veränderte Haltung könnte den notwendigen Druck erzeugen, um das System zu verändern.

Für Ärzte steht einiges auf dem Spiel. „Wenn eine Belegschaft nicht unter Bedingungen arbeitet, unter denen sie ihr Bestes geben kann, leidet zwangsläufig die Arbeit“, sagt Chin-Quee. „Und in diesem Fall geht es um die Gesundheit von uns allen.“


Der Beitrag ist im Original erschienen auf Medscape.com.

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Montag, 1. Juni 2026
Eine starke Ansage
Als die Franziskaner Hunderte Juden in ihrem Stammkloster in Assisi versteckten kam ein Vertreter des Vatikan, der darauf hinwies, dass es ein Konkordat zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Deutschen Reich gäbe und Mussolini Hitler die Auslieferung aller italienischen Juden versprochen habe. Darauf erwiderte der Ordensgeneral der Franziskaner: "Was kümmert mich Hitler? Was kümmert mich Mussolini? Was kümmert mich der Papst? Wir sind die Nachkommen des Heiligen Franziskus und der Heiligen Clara. Wir haben unseren Auftrag direkt von GOTT!"

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Dienstag, 26. Mai 2026
Wenn der Sommer nicht mehr weit ist
Pfingsten nicht um Spanien, Great Britain oder die Megascheiße in der Türkei gekümmert, auch keinen Kampfsport gemacht, sondern Gartenarbeiten. Heißa, und der Garten dankt es einem! Rosen (5m hoch) , Rhododendron und Blumen aller Art wetteifern an Farbenpracht, und beim Umgraben, säen und topfen begleitete mich Musik: Einmal diverse Amseln, darunter ein Männchen das wohl seine Jungen im Singen unterrichtete, jedenfalls tirilierte er vollendete Strophen, während die nur ein unartikuliertes Zwitschern zustandebrachten, und auf einem Balkon spielte jemand Saxophon. Die Mauersegler sind schon da, und auch Milan und Falke ließen sich sehen. Herrlich!

Die Rose ist gerade dabei den Jasmin zu sodomieren.



















https://www.youtube.com/watch?v=Htk2ELTOjnU&list=RDHtk2ELTOjnU&start_radio=1

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Dienstag, 19. Mai 2026
Sleep you very well in your Bettgestell!
Das pflegte meine Mutter zu sagen wenn sie mich schlafen schickte.

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Montag, 18. Mai 2026
Congratulations!
Anja Blacha hat heute ohne Sauerstoff den Lhotse bestiegen und damit ihren elften Achttausender!


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Dienstag, 12. Mai 2026
Kein Ferienziel

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Montag, 11. Mai 2026
Stress verursacht keinen Krebs – warum sich der Mythos trotzdem so hartnäckig hält
F. Perry Wilson, MD, MSCE


"Viele Patienten glauben: Stress verursacht Krebs. Doch Studiendaten widersprechen der Vermutung. Laut Prof. Dr. F. Perry Wilson lässt sich der mitunter beobachtete Zusammenhang durch Risikoverhalten erklären. Wilson ist außerordentlicher Professor für Medizin und Public Health, Direktor des Clinical and Translational Research Accelerator in Yale und regelmäßiger Kommentator auf Medscape.com. Das Transkript wurde aus Gründen der besseren Lesbarkeit redigiert. Das Video finden Sie hier.

Willkommen bei Impact Factor, Ihrer wöchentlichen Einordnung einer neuen medizinischen Studie. Ich bin Dr. F. Perry Wilson von der Yale School of Medicine.


Heute soll es um folgendes Thema gehen: Stress verursacht keinen Krebs.

Wenn man sich die medizinische Literatur ansieht, ist diese Aussage alles andere als kontrovers. Befragt man jedoch Patienten, glauben etwa 50%, dass chronischer Stress ein Risikofaktor für Krebs ist. Und auch viele Ärzte haben diesen Gedanken – zumindest im Stillen.

Wir alle kennen solche Geschichten: Ein Mann durchlebt eine schwierige Scheidung und erhält wenige Jahre später die Diagnose Magenkrebs. Oder eine Frau, dauerhaft stark belastet durch ihren Job, erkrankt in jungen Jahren an Eierstockkrebs. Solche Anekdoten bleiben im Gedächtnis, weil wir Menschen Trost darin finden, tragische Ereignisse erklären zu können.


Die Vorstellung, dass unser Schicksal zufällig ist, beeinflusst von den Launen eines gleichgültigen Universums, etwa durch einen einzelnen Gammastrahl, der genau im falschen Moment die DNA trifft, ist deutlich beunruhigender als die Idee, wir hätten zumindest ein gewisses Maß an Kontrolle. Wenn wir nur ruhig bleiben und weitermachen, so der Gedanke.

Eine gefährliche Annahme
Doch die Überzeugung, Stress würde Krebs verursachen, ist gefährlich. Sie führt dazu, dass sich manche Menschen selbst die Schuld geben, wenn sie eine Krebsdiagnose erhalten. Hätten sie doch nur gelassener, entspannter, „Zen“-hafter gelebt – dann wäre das vielleicht nicht passiert.

Gerade deshalb ist es wichtig, dass wir zeigen: Stress ist zwar gesundheitlich problematisch, aber nicht, weil er Krebs verursacht. Eine aktuelle Studie, die kürzlich veröffentlicht worden ist, liefert spannende Erkenntnisse zum Thema.


Ich habe mich intensiv mit dieser Arbeit beschäftigt, die in der Fachzeitschrift Cancer erschienen ist. Es handelt sich um eine sogenannte Individual-Participant-Data-Metaanalyse zu psychosozialen Faktoren und der Krebsinzidenz, basierend auf Daten aus 22 Kohorten weltweit.

Metaanalysen bündeln Daten aus mehreren Studien. Klassischerweise werden die Ergebnisse einzelner Studien dabei gewichtet – je nachdem, wie präzise sie sind – und anschließend gemittelt. Im Kern bedeutet das: Eine Metaanalyse ist eine Zusammenfassung von Zusammenfassungen. Hier besteht allerdings die Gefahr, quasi den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr zu sehen.


Eine Metaanalyse auf Basis individueller Teilnehmerdaten ist deutlich aussagekräftiger. In diesem Fall lieferten die 22 eingeschlossenen Kohorten nicht nur ihre zusammengefassten Ergebnisse, sondern die individuellen Daten jedes einzelnen Teilnehmers.


Gerade bei einem Thema wie Stress ist das entscheidend, weil es den Forschern ermöglicht, die Bestimmung psychosozialer Faktoren über alle Kohorten hinweg zu vereinheitlichen – unabhängig davon, welche Definitionen in den ursprünglichen Studien verwendet wurden.

Insgesamt umfasst die Analyse Daten von 421.799 Teilnehmern, von denen im Beobachtungszeitraum 35.319 an Krebs erkrankten. Das ist eine ausgesprochen umfangreiche Datengrundlage.


Die Forscher haben psychosoziale Stressfaktoren in 5 verschiedenen Bereichen erfasst, wobei nicht alle in jeder Kohorten verfügbar waren: Beziehungsstatus, wahrgenommene soziale Unterstützung, kürzlich erlebte Verluste (definiert als der Tod eines nahen Familienmitglieds innerhalb der vergangenen 12 Monate), allgemeine psychische Belastung sowie Neurotizismus.

Doch man kann nicht einfach die Korrelation zwischen diesen Faktoren und Krebs betrachten – dafür gibt es zu viele Störfaktoren.

Das Alter ist der bedeutendste einzelne Risikofaktor für Krebs. Gleichzeitig nimmt mit den Lebensjahren die Zahl psychosozialer Belastungen zu. Ältere Menschen haben mit höherer Wahrscheinlichkeit den Verlust nahestehender Personen erlebt, häufiger Trennungen oder Scheidungen durchgemacht und sind insgesamt mehr belastenden Lebensereignissen ausgesetzt.


Tatsächlich dürfte genau das einer der Gründe sein, warum sich die Vorstellung, Stress verursache Krebs, so hartnäckig hält. Denn die Lebensphase, in der Krebs typischerweise auftritt, ist oft dieselbe, in der auch viele dieser Stressoren zum Tragen kommen.


Umso wichtiger ist es, die Daten für das Alter zu adjustieren – was die Autoren auch getan haben. In ihrem Basismodell berücksichtigten sie zudem Geschlecht, Herkunftsland und Bildungsniveau. Auf dieser Grundlage lassen sich die Ergebnisse sinnvoll interpretieren.


Neurotizismus und allgemeine psychische Belastung sind jene Faktoren, die wir typischerweise mit einem bestimmten Persönlichkeitstyp verbinden – dem chronisch gestressten Menschen. Wenn es tatsächlich einen Zusammenhang zwischen Stress und Krebs gäbe, müsste er sich am ehesten hier zeigen.

Die zugrunde liegende Hypothese lautet, dass chronischer Stress etwa zu erhöhten körpereigenen Cortisolspiegeln führt, was das Immunsystem unterdrückt. Dadurch könnte die sogenannte Immunüberwachung beeinträchtigt werden, sodass Krebszellen, die sonst eliminiert worden wären, weiter wachsen können.

Doch genau das zeigte sich nicht: Weder für Neurotizismus noch für allgemeine psychische Belastung fand sich ein Zusammenhang – weder mit Krebserkrankungen insgesamt noch mit einzelnen Krebsarten.


Wie steht es um die anderen psychosozialen Faktoren? Eine als gering empfundene soziale Unterstützung, ein kürzlich erlittener Verlust sowie das Leben ohne Partnerschaft waren jeweils mit einem erhöhten Risiko für Lungenkrebs verbunden. Auch bei Singles gab es einen einen Zusammenhang mit weiteren, durch das Rauchen bedingten Krebsarten.


Rauchen als entscheidender Vermittler

Und genau hier liegt der zentrale Hinweis darauf, was tatsächlich passiert. Irgendetwas vermittelt den Zusammenhang zwischen geringer sozialer Unterstützung, einem kürzlich erlebten Verlust oder dem Fehlen einer Partnerschaft – und einem erhöhten Risiko für Lungenkrebs sowie andere rauchassoziierte Tumoren.

Und dieses „Etwas“? Es ist das Rauchen. Menschen, die solchen Formen von Stress ausgesetzt waren, rauchten häufiger. Nachdem die Autoren ihre Daten für das Rauchverhalten adjustiert hatten, schwächte sich der Zusammenhang deutlich ab. Sie erstellten schließlich ein vollständig adjustiertes Modell, das auch Lebensstilfaktoren wie Rauchen, Body-Mass-Index, Alkoholkonsum und eine familiäre Krebsbelastung berücksichtigte.

Unter Einbeziehung all dieser Parameter zeigte sich praktisch kein Zusammenhang mehr zwischen psychosozialem Stress und irgendeiner Krebsart. Es gab jedoch 2 Ausnahmen: Der kürzliche Verlust eines Familienmitglieds blieb auch nach Anpassung für das Rauchen mit einem erhöhten Lungenkrebs-Risiko verbunden. Diese Daten stammen allerdings nur aus einer einzigen Kohorte und sind daher schwer zu interpretieren. Zudem blieb ein Zusammenhang zwischen dem Leben ohne Partnerschaft und rauchbedingten Krebserkrankungen bestehen – wenn auch deutlich abgeschwächt.

Ist das real? Ich bin skeptisch. Mir erscheint es weiterhin plausibel, dass das Rauchen selbst die Ursache für diese Krebserkrankungen ist – und dass die statistische Anpassung für das Rauchverhalten naturgemäß nicht perfekt ist: Menschen unterschätzen ihren Konsum, geben ihn ungenau an oder verschweigen ihn ganz. Statistische Korrekturen sind kein Allheilmittel, und dass die Effekte nach Anpassung kleiner werden, ist ein wichtiges Signal.

Natürlich ließe sich hypothetisch argumentieren, dass gerade der Stress durch Trauer einen spezifischen krebsauslösenden Effekt auf die Lunge hat – aber biologisch überzeugt mich das nicht.


Was bedeutet die Studie?
Die rationalste Interpretation dieser Daten ist daher: Nein, Stress an sich verursacht keinen Krebs. Aber Stress kann dazu führen, dass Menschen Verhaltensweisen entwickeln – wie Rauchen oder erhöhten Alkoholkonsum –, die tatsächlich das Krebsrisiko steigern.

Das hat Konsequenzen für den Umgang mit einer neuen Krebsdiagnose. Natürlich gibt es Faktoren, die wir selbst beeinflussen und die unser Risiko erhöhen. Wir rauchen, obwohl wir es besser wissen, oder trinken mehr Alkohol als gesund ist. Diese Lebensstil-Risiken sind real.

Doch gleichzeitig spielt auch Zufall eine Rolle. Manche Krebserkrankungen sind schlicht Pech. Sich selbst die Schuld zu geben, weil man etwa mit dem Verlust eines Angehörigen nicht „richtig“ umgegangen ist, eine gescheiterte Beziehung erlebt hat oder in einem übermäßig belastenden Job geblieben ist – hilft nicht. Und vor allem: Es entspricht nicht den Fakten.


Stress ist zweifellos schädlich. Aber er ist nicht dasselbe wie Rauchen – auch wenn sich die Frage stellt, was von beidem schwerer vermeidbar ist."

Der Beitrag ist im Original erschienen auf Medscape.com.

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Mal nachgefragt
Bist Du der Meinung, dass der Migrant, der Deine Mutter im Pflegeheim versorgt Dir Geld wegnimmt?

Oder der Geflüchtete, der in Deutschland nicht arbeiten darf und von Leistungen aus dem Asylbewerberleistungsgesetz lebt, stets weniger als der Sozialhilfesatz, teils Sachleistungen, ein Mensch der weniger Geld zur Verfügung hat als jeder Obdachlose, nimmt der Dir Geld weg?

Und nicht der Superreiche mit seinen 2 Flugzeugen, 3 Yachten, 5 Häusern und 20 Autos?

Gratuliere, Bei Dir hat die Gehirnwäsche im Auftrag eben dieser Superreichen voll geklappt!

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Zum Thema 81 Jahre Zweiter Weltkrieg und "Nie wieder Faschismus!"
Lucie Aubrac (1912–2007) war eine mutige französische Résistance-Kämpferin und Geschichtslehrerin, die während des Zweiten Weltkriegs gegen die deutsche Besatzung aktiv war. Bekannt wurde sie vor allem durch die waghalsige Befreiung ihres jüdischen Ehemannes Raymond Samuel aus der Gestapo-Haft in Lyon. Sie gründete die Widerstandsgruppe Libération-Sud und kämpfte aktiv gegen den Nationalsozialismus.Wichtige Stationen ihrer Lebensgeschichte:Frühes Leben & Ausbildung: Geboren als Lucie Bernard am 29. Juni 1912 in Paris, stammte sie aus einer Winzerfamilie. Aufgrund der traumatischen Erfahrungen ihres Vaters im Ersten Weltkrieg entschied sie sich, Geschichtslehrerin zu werden.Engagement im Widerstand: Nach der Besatzung Frankreichs schloss sie sich der Résistance an. Gemeinsam mit ihrem Mann Raymond Samuel (später Aubrac) gründete sie in Lyon die Widerstandsgruppe Libération-Sud und war als Verbindungsagentin tätig.Befreiung von Raymond Aubrac: Ihr Mann wurde im Juni 1943 vom Gestapo-Chef Klaus Barbie verhaftet. Lucie Aubrac, zu diesem Zeitpunkt schwanger, organisierte eine gewagte Kommandoaktion, um ihn und andere Résistance-Kämpfer am 21. Oktober 1943 aus dem Gefängnistransport zu befreien.Flucht nach London: Nach der gelungenen Befreiung tauchte das Paar unter und floh im Februar 1944 mit einem britischen Flugzeug nach London.Nachkriegszeit: Nach dem Krieg setzte sie sich für die Erinnerung an die Résistance ein. Ihre Erfahrungen beschrieb sie in ihrer Autobiografie „Die Gestapo überlisten“ (Ils partiront dans l'ivresse), die auch verfilmt wurde.Tod: Lucie Aubrac starb am 14. März 2007 in Issy-les-Moulineaux.Lucie Aubrac gilt als eine der bedeutendsten Frauen des französischen Widerstands, die zeitlebens für Freiheit, Brüderlichkeit und gegen Unterdrückung eintrat.

https://www.deutschlandfunk.de/ein-husarenstueck-aus-liebe-100.html

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