Montag, 16. April 2012
Wieder Einer weniger
Ein alter Kumpel ist gerade gestorben. An Krebs. Passiert ja häufiger. Ich finde es aktuell schrecklich, wieviele Gefährten ich zur Zeit so verliere. Und bin dann fast sprachlos.

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Mein Beileid!
Der Satz "Die Einschläge kommen näher" klingt nur solange nach einer Binse, bis es auch im eigenen Sichtfeld paarmal einschlägt.

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Der Satz begleitet mich seit mehreren Jahren.

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Die Sache bringt es mit sich, daß ich immer öfter in die Kirche gehe, je älter ich werde. Das Traurige ist, daß in den meisten Fällen Menschen gegangen sind, die jünger waren, als ich. Interessant aber immerhin, daß es mir als Konfessionslosen einen kleinen Stich versetzt, zu wissen, daß mein Ableben vielleicht nicht so feierlich und würdevoll begangen wird, weshalb ich bereits über eine last minute Nottaufe sinniere, die sogar von jedem vollzogen werden kann, der ein guter Christenmensch ist...

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Kann ich nachvollziehen.

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In diesem Zusammenhang ...
empfehle ich meine Lebensphilosophie:

Nicht-Aufmerksamkeit

Axiome

- Sei eher weich als hart, eher schwach als stark.
- Anfang und Ende sind Illusion.
- Es ist unmöglich, von Nicht-Aufmerksamkeit abzuweichen.
- Das Erste spontan ausüben heißt sich am Zweiten erfreuen und das Dritte verstehen.
- Alles ist spontan.


Sei eher weich als hart, eher schwach als stark
Keine Position, keine Negation. Welches Verstehen ist dem möglich, der Charakter und Struktur liebt?

Anfang und Ende sind Illusion
Tun und Geschehen sind eins. Welches Verstehen ist dem möglich, der Ausbreiten, Halten und Bewahren ernst nimmt?

Es ist unmöglich, von Nicht-Aufmerksamkeit abzuweichen
Ich bin ein Satz, was bist du?

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Das mutet mir wie eine Mischung aus Daoismus und Buddhismus an, oder?

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Eher Daoismus und Advaita Vedanta. Buddhismus finde ich lange nicht so doll - einfach eine von vielen Guru-Erzählungen. Von "gu" (dunkel, schwer) zu "ru" (hell, leicht), darum geht es seit Jahrtausenden in etlichen spirituellen Systemen, nur was gu und ru jeweils bedeuten, ist etwas anders:

- im Buddhismus ist "gu" Schlaf, Ignoranz, "ru" Wachzustand, Wissen, Erlösung (buddh- heißt nicht nur wach, sondern auch wissen)

- im Christentum ist "gu" Leid, Getrenntsein von Gott, "ru" Erlösung und Wahrheit ("die Wahrheit wird euch frei machen")

- im Daoismus ist "gu" Unterbrechung, Langeweile, Dunkelheit, "ru" Ausbreitung, Licht, Leichtigkeit

Letztlich kann man sich diese Erzählungen selber basteln. Etwas, das man nicht so doll findet, etwas, was besser ist - und, in vielen Fällen etwas Drittes, was irgendeine Methodik symbolisiert - Dao, Logos, Brahman -, in dem sich dieser Dualismus oder diese Polarität abspielt und was diese beiden transzendiert. Ein, zwei Paradoxa wie die Menge aller Elemente, die sich selbst als Element beinhaltet oder eben nicht, der Container, der kein Außen hat - und schon kann man die Leute vergessen machen, dass es eigentlich darum geht, bestimmte Werte zu leben, die ohne nette Geschichtchen eher seltsam wirken würden. In vielen Fällen geht es sogar darum (wenn man sich etwa anschaut, wie etymologisch vor allem in den indoeuropäischen Sprachen "wissen", "sehen" und andere wichtige Grundkonzepte miteinander verbandelt sind), den Lesern/Zuhörern so sehr einen einzuschenken, dass etwas zurück bleibt - Shesha, Taw, was auch immer. Während aber die Gurus in Asien wenigstens so freundlich sind, von Wahrheit, Leben und Tod und anderen Geschichtselementen abzusehen oder diese nur als illusionär zu schildern, muss man hier im Westen mit Leuten diskutieren, die die seltsam offensichtlichen Parallelen zwischen Jesus und der unter- und wieder aufgehenden Sonne irgendwie nicht verstehen und darauf bestehen, dass ein Wort sie gerettet hat.

Trotzdem bleibt, wenn man sich mit all diesen Systemen befasst hat, so eine Ahnung, dass, wenn man die strukturellen Relationen, die einen dort interessiert haben, für seine eigene Philosophie nutzt, manches doch ganz nett sein könnte. Ich finde das Wort "Nicht-Aufmerksamkeit" schön, weil sich so von vornherein jegliche Frage erübrigt, was das sein könnte.

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Also werde ich Guru
Habe ja schon mal mit dem Gedanken geliebäugelt, eine Religion rund um das Bergsteigen zu begründen. Was dort fundamental ist ist Achtsamkeit (man würde das Klettern sonst nicht überleben, jeder Griff und Tritt muss sitzen, die in sich ruhende besondere Art der Motorik ist im Grunde der von Kampfsportarten oder Tai Chi Quong wesensverwandt, das große Bergerlebnis ist mit dem sich Einstellen völliger innerer Ruhe, innerem Schweigen und gleichzeitigem Glücksgefühl verbunden, im Grunde eine Meditation im Fortschreiten.


Btw. Ich hing selbst mal einem System an, in dem die Bibel als falsch verstandene Gnosis angesehen wurde und gesagt wurde, die Bergpredigt z.B. enthielte eigentlich Meditationsanweisungen und hätte mit dem Leben in der äußerlichen Welt nichts zu tun.

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Hm, Gnosis. Es geht eigentlich in vielen dieser Rebellen-Systeme darum, sich stark unter Druck zu setzen und dann irgendwann freundlicherweise die enganliegende Muskulatur zu entspannen. Dann darf man "hoch". Diese ganze Farce um Axis und Atlas - klar, da kann man natürlich auch eine Religion draus machen.
Man sollte die Psychosomatik aber nicht unterschätzen - ich hab mal Tiefenmeditation gemacht und war plötzlich mehre Minuten lang blind - manche Konditionierungen und Assoziationen beeinflussen anscheinend das Sehen selbst. Andererseits hab ich mal bei einem Pilztrip in sechs Stunden gut ein halbes Dioptrin von antrainierter Kurzsichtigkeit weg bekommen. Deswegen finde ich spirituelle Systeme, die eigentlich 24/7-Meditation sind, klasse.

Und ja, nicht nur die Bergpredigt, sondern die ganze Bibel ist voll von subtilen Meditationen und altertümlichen Vorstellungen, was die Körperhälften bedeuten und wie man die Wirbelsäule möglichst easy hochkommt und oben bleibt - natürlich voller Demut und Bescheidenheit.

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Das Erfolgsrezept des Buddhismus
Dass daraus und nicht aus anderen Guru-Konzepten eine Weltreligion wurde hängt wohl mit drei Faktoren zusammen:

1) Der radikale Bruch mit dem Brahmanismus und dem Kastensystem stellte die theokratisch-aristokratische Wertordnung in Indien infrage und bot emanzipative Möglichkeiten.

2) Der Verzicht auf radikale Formen der Askese und die damit verbundene Anpassung an Alltagslebensweisen drängte den Jainismus zurück und eröffnete Perspektiven für Menschen, die selber kein Bettelmönch-Leben führen wollten.

3) Die Philosophie, Dinge geschehen zu lassen und in heiterer Gelassenheit abzuwarten ohne gleich Fatalist zu werden entsprach dem daoistischen Wu-Wei oder kam ihm entgegen, was dazu führte, dass der Buddhismus in China und Tibet, nicht in Indien seinen Aufstieg erlebte.

Der Zentralgedanke der Gnosis ist der, dass die Geisteswelt und die körperliche Welt grundverschieden sind und dass die Erstgenannte ewig, unzerstörbar und wahr, die Zweite eigentlich eine Täuschung sei, und dass findet sich in der buddhistischen Vorstellung vom Schleier der Maya wieder. Innerhalb der hellenistischen Welt gab es eine synkretistische Verschmelzung von griechisch-gnostischen und buddhistischen Gedanken, z.B. im Graeco-Baktrischen Reich (heute Afghanistan) und im darauf folgenden Kuschanreich (Afghanistan, Kaschmir, Tadschikistan, Usbekistan). Und da stellt sich mir die Frage, ob der Ursprung des Christentums im Kontakt von solchen Denksystemen mit häretischen jüdischen Sekten liegt.

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denke mal, dass für die Genese des Christentums der Kontakt mit iranischen, griechischen und nahöstlichen Mysterien- und Erlösungsreligionen (trotz http://de.wikipedia.org/wiki/Barlaam_und_Josaphat) wichtiger war, obwohl es durchaus archäologische Funde gibt, die sich als Beleg für die Existenz einer buddhistischen Community in Alexandria deuten lassen

zum Thema Religion und Bergsteigen: http://de.wikipedia.org/wiki/Shugend%C5%8D

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Man kann Christentum auch ganz unspektakulär als militarisierte Form der griechischen Stoa begreifen: Die Mysterienkult-Elemente - Ochse/Stier schlachten, sich vom Heißen fernhalten, nach oben kämpfen/lernen (per aspera ad astra), der Körper als ungelehriger Esel - dienen dazu, das Ganze ein bisschen spektakulärer zu machen. Ist letztlich eine Religion für Soldaten und Wehrbauern, die stolz auf Schuld und Ehre sind.

http://www.youtube.com/watch?v=eFTLKWw542g

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Buddha als katholischer Heiliger, das hat was;-)


Gibt da auch Überlegungen zur Wortverwandtschaft von Christos und Krishna.

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wobei das m.E. nicht mehr als Wortverwandtschaften sind, weitergehendes wurde und nur von heute zu Recht vergessenen "Gelehrten" wie Louis Jacolliot sowie von den Hare Krishnas (gut kochen können die) behauptet ... am besten finde ich die Eso-Theorien, welche behaupten, Jesus hätte in den Jahren (13-30 u.Z.), welche in den Evangelien unter den Tisch fallen zum Studieren und Meditieren buddhistische Klöster in Tibet besucht: mehr als 600 Jahre bevor der Buddhismus in Tibet Wurzeln fasste ;-)

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Wobei Jacolliot das Fundament sowohl für die Verbindung von Rassentheorien mit den Großsystemen des Okkultismus setzte als auch einer der Braumeister des verkitschteh Mystifax war, der in die Theosophie und Anthroposophie Eingang fand. Ein weiterer, noch viel fantastischerer und extremerer Kandidat war Baird Spalding.

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btw.:
nicht nur Buddha sondern auch eine irische Göttin: http://de.wikipedia.org/wiki/Brigid

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