Dienstag, 30. Juni 2009
Dreimal Frankreich, nie zurück
Dies ist eine alte Geschichte von 2005, die ich aus gegebenem Anlass neu verlinke. Wenn mein Posting zum Thema mich prägende Literatur hier erscheint wird schon klar, warum.

?Mann, 26, sucht gleichgesinnte Person, Mann oder Frau, mit Lust, gemeinsam mit mir Frankreichs Südküste abzugrasen. Auto und Zelt vorhanden. Bitte melde Dich schnell, da frühzeitiges gegenseitiges Beschnuppern wohl angesagt.? Diese Anzeige, die ich 1985 in einem Stadtmagazin las, leitete nicht nur einen Urlaub ein, sondern eine besondere Faszination, die einen gewissen Abschnitt meines Lebens prägen sollte. Bis dahin hatte sich meine wichtigsten Urlaube in den Bergen abgespielt, auf schwarzglänzenden Graten über blauen Gletschern, in der glühenden Hölle sonnendurchfluteter Granitkare und der Arschkälte sturmgepeitschter Gipfelwächten. Das heitere Südeuropa, bevorzugter Urlaubsort meiner Mitschüler und insbesondere Mitschülerinnen war mir fremd. Jetzt, als junger Student, wollte ich das ausgleichen, und da kam mir die Anzeige gerade recht. Wir trafen uns und waren uns auf Anhieb sympathisch. Rob (alle Namen der dramatis personae bis auf Klaus und Willy habe ich geändert) war des Französischen nicht mächtig und suchte daher einen Reisebegleiter, der übersetzen konnte. Schnell kamen wir überein, wie der Urlaub zu gestalten sei: Ein bisschen Kultur, zu der auch die französische Küche zu rechnen war, ein bisschen Badeurlaub, sehr viel Landschaft und Sightseeing, jeder Tag an einem anderen Ort, Auto-Vagabondage, außerdem wollten wir Frauen aufreißen. Im Lande der Troubade sollte dies auf ganz klassische Tour erfolgen, per Lied und Gitarre.

Als erstes Ziel steuerten wir Avignon an, wo gerade das internationale Theaterfestival gefeiert wurde, ein Event, bei dem sich einige Jahre zuvor mein Schwesterherz live von Bob Dylan beim Pinkeln hatte begleiten lassen und das also dringend meiner Aufmerksamkeit bedurfte. Am Abend sah ich eine Gruppe nett wirkender Franzosen auf unserem Campingplatz zusammenhocken und fragte ?Peus je participer??, womit ich eigentlich das Zugesellen zu der Runde meinte, und wurde zurückgefragt ?Au melon?? und hatte ein Stück Melone in der Hand. Am gleichen Abend wurden Rob und ich zu einer Riesenratatouille tunesischer Art eingeladen, die originell nachgewürzt wurde: Man fasste einfach in Nähe des eigenen Fußgelenks nach unten und hatte Rosmarin, Thymian oder Oregano in der Hand, das wurde ausgerupft und kam am Stück in den Topf.
Zwischen Rob und Michelle schnackelte es am nächsten Tag, wobei, was noch niemand wissen konnte, ein Kind bei rumkommen sollte. Ansonsten bildeten wir ein Trio, das sich Kultur und Landschaft antat: der imposante, sehr spanisch wirkende Papstpalast, die Chartreuse mit dem bulligen Fort St.André, Aigues Mortes, die Camargue mit ihren weißen Pferden, schwarzen Stieren und rosa Flamingos, eine Landschaft, die so schreiend schön ist, dass es schmerzt. Im Mittelmeer badend sahen wir einem Waldbrand zu und den Löschflugzeugen, die dicht bei uns wasserten, um ihre Tanks mit Löschwasser vollzurammen - ?Canadairs?, wie Michelle wusste, unterstützt von einem alten Lancaster-Bomber aus dem Zweiten Weltkrieg, der nicht wie in seinem ersten Leben Feuer, sondern diesmal Wasser warf, vielleicht eine Beichte für alte Sünden, denn auch Flugzeuge haben eine Seele, wie wir noch sehen werden.

Wir waren schon ein merkwürdiges Trio: Ein Konditor, der sagte ?Patissier? sei auf Deutsch ein Ausdruck für jemanden, der besonders guten Sex zu bieten habe, eine Schauspielerin, die zugleich Skilehrerin, Animateurin und Grundschullehrerin war und sich spaßeshalber Juliette César nannte, und ein Student der Geistes- und Sozialwissenschaften, der auch damals schon Che war. Als ich die Chartreuse besichtige, trug ich eine Baskenmütze mit dem schwarz-roten Sandinistenstern, und der alte Pförtner fragte mich, was der vorzustellen habe, ich erwiderte, wohl mit jener Glut in den Augen, die mir in jenen pathetischen jungen Jahren zu eigen war ?Je suis Anarchiste?, da umarmte mich der alte Mann und küsste mich auf beide Wangen. So sind sie hier im Süden, dachte ich, und vielleicht war in meinem Leben nie wieder so sehr Süden wie damals.

Schließlich kam die Trennung. Michelle und ihre Freunde hatten als Bouquinistes auf dem Festival gejobbt und fuhren nach dessen Ende wieder nach Hause, wir machten die Cote d´Azur unsicher, fuhren bis Italien, rollten dann die Cote von Osten auf, Menton, Antibes, Monaco, Nizza (wo wir natürlich Nizza-Salat aßen), die Nudisteninsel Ile de Levant, wo wir bei zwei Schweizerinnen erfolglos erneute Angrabungen starteten, der Grand Canyon du Verdon und der Lac de St. Croix, großartige, von Lavendel duftende Landschaften unter glühender Sonne. Dann ging es in das Languedoc, eine herbe Landschaft, nicht so süß wie die Provence, aber erdig, krass, auf stolze Weise schön, eine Landschaft wie der Geschmack von Ziegenkäse zu Rotwein und eine Gitanes hinterher, eine Landschaft, die sprachlich, kulturell und klimatisch eine Einheit mit Katalonien bildet und eigentlich nichts Gallisches mehr hat. Séte, Perpignan, Andorra, schließlich die imposante Festungsstadt Carcassonne. Je tiefer wir in den Süden kamen, desto häufiger trafen wir Segelflieger, und öfter hörten wir vom Ruhm von Klaus. Klaus war der Ex meiner Schwester und ein berühmter Alpinsegelflieger, der ständig in Südfrankreich unterwegs war. Eine lustige Begegnung hatten wir in Perpignan, als wir eine deutsche Schäferhündin bemerkten, die bei Affenhitze hechelte. Der französische Herr dieser Hündin, der aussah wie Luis de Funès, erklärte, sie schwitze deshalb so stark, weil es eine Deutsche Schäferhündin sei, und Deutschland sei ein sehr kaltes Land. Ich erwiderte, ich sei Deutscher, so kalt sei es in Deutschland nicht, worauf er erklärte, dass er Franzose sei (darauf wären wir nicht gekommen), was in seinem goldigen Katalanisch ?Jai Franci? gesprochen wurde, und er sei als Fremdenlegionär in Deutschland gewesen, im Winter, und da war es kalt, er war aber auch schon in Afrika stationiert, und da war es wiederum sehr heiß.

- Irgendwann bekam Rob einen Stich, und er musste unbedingt Michelle wieder sehen. Wir fuhren Amok: Nonstop von Carcassonne nach Paris. Michelle wohnte mit einem Schauspielerkollegen, der gerade mit Robert Hossein drehte, mitten im Marais, unweit des Beaubourg (das nur Fremde
?Centre Pompidou? nennen). Rob und Michelle verbrachten die nächsten Tage mit Poppen, ich sah mir die Stadt an, Eiffelturm, Louvre, Montmartre, Pére Lachaise mit dem Grab von Jim Morrison, auf dem eine 25 jährige Sonia per Graffito darum bat, ?geritten? zu werden und ihre Telefonnummer angab, und wo ich ein paar Anarchisten aus Turin traf.

Schließlich traten wir nach einem unvergesslichen Urlaub die Heimreise an. Und ich war angefixt von diesem Land.


Die zweite Reise fand einige Jahre später statt. In einem Anfall tiefster Sehnsucht wollte ich die erste Reise wiederholen und gab daher eine Annonce auf wie damals Rob. Es geschah aus einer Krisenstimmung heraus, was auch schon bei der ersten Reise der Fall gewesen war: Damals war eine kurze, heftige Amour fou der Reise vorausgegangen, die ich unternommen hatte, um Abstand zu gewinnen. Tatkräftig und spontan, wie ich in jenen jungen Jahren war, war hinterher nicht Nachdenklichkeit (oder ?Trauerarbeit?, wie das ein sehr deutscher Linker in meinem Bekanntenkreis nannte) angesagt, sondern durchstarten, action bringt satisfaction. Diesmal war es die nervenaufreibende Betreuung eines ziemlich durchgeknallten Asylbewerbers aus dem Pandjab, die meinen Erholungsbedarf ins Unermessliche steigerte.

Auf meine Anzeige meldeten sich zwei Frauen, Krankengymnastik-Schülerinnen, 21 Jahre jung. Während der Fahrt kristallisierte sich schnell heraus, dass aus einem gemeinsamen Urlaub nichts werden würde, sondern die Reise eine reine Mitfahrgelegenheit war, denn allzu unterschiedlich waren unsere Vorstellungen und Bedürfnisse. Als Dorit sagte: ?Ich bin gespannt, wie die Sachen da schmecken!?, erzählte ich ihr mit Begeisterung von der französischen Küche, aber auch von einem preiswerten Couscous-Restaurant in Avignon, und bekam zur Antwort ?Klingt eklig!?, des Weiteren, dass die Mädels mit ?Sachen? Kekse, Waffeln, Riegel und Schokolade meinten und überhaupt nie warme Mahlzeiten zu sich nähmen. Da war mit mir als Gourmet schon der Minimalkonsens flöten. In Avignon eingetroffen, bestanden sie darauf, auf einem Campingplatz direkt am Fluss zu zelten, von dem ich wusste, dass es dort vor Mücken wimmelte. Für mich war das Anlass, mich zu verabschieden, ich ging stattdessen auf den etwas höher gelegenen, geliebten Campingplatz unterhalb des Fort St. André. An diesem Abend spies ich ein gegrilltes Entrecote mit handgemachten Pommes Frites und trank dazu Chateauneuf du Pape. Jetzt war ich in meinem Frankreich angekommen.

Die nächsten Tage hatten es in sich. Von einer Zigeunerin um eine größere Geldmenge beklaut, wandte ich mich an eine Gruppe Clochards, wissend, dass Gaunerehre bei denen hoch im Kurs steht, mit der Bitte, mir das Geld zurückzubeschaffen, was sie ehrlich versuchten, aber leider nicht schafften. Dafür lernte ich einen abenteuerlichen Menschenschlag kennen, lauter Bobbie Mc Gees, die in sin on the road lebten, sogar ein bolivianischer Indio war dabei, den der Wortführer der Gruppe, Alcoholix, auf seiner Weltreise per Daumen kennengelernt hatte, und ein von zuhause weggelaufenes Mädchen aus Deutschland. Ein Theologiestudent aus Göttingen erklärte mir bei der Besichtigung der Chartreuse alles, was es über den Kartäuserorden zu wissen gab, mit Dänen soff ich, und mit einer Dänin hatte ich kurzen, unverbindlichen Funsex. Däninnen und Schwedinnen sind dafür da, glaube ich, zumindest im Urlaub. Nein, damit will ich jetzt keine sexistischen Klischees reiten und auch keine sonstigen Vorurteile nähren, der Satz juckte mir nur unter den Fingern.

- Ich besuchte all die Punkte, wo ich mich mit Rob und Michelle aufgehalten hatte, selbst unseren alten Badeplatz am Gardon, aber es war nicht wie früher ? es fehlten die zugehörigen Leute. Als ich erkannte, dass diese persönliche recherche de la temps perdu keinen Sinn machte, beschloss ich, Klaus zu besuchen.

Klaus war vor zwei Jahren bei einem Überlandflug auf einem abgeernteten Lavendelfeld gelandet. Der zugehörige Bauer bewirtete ihn mit Wein und Käse, und beim gemeinsamen diner kam beiden die Idee, aus dem Lavendelfeld einen Flugplatz zu machen. Das französische Sportministerium baute von Steuermitteln einen Tower, die Bauersfamilie wurde zu Wirtsleuten, Klaus liierte sich mit deren Tochter, und nun lebte er im Caravan auf dem Aerodrome de Puimoisson, neben sich einen Geländewagen mit Surfboard, denn man brauchte nach den Ganztagesflügen ja seinen Ausgleich im Mittelmeer, auf dem Lac de St Croix oder dem Lac de Serre Poncon. Zur Zeit trainierte er gerade den amtierenden deutschen Meister im Alpinsegelflug, ansonsten nahm er 400 DM pro Nase dafür, dass Andere ihm zum Montblanc und zum Matterhorn nachfliegen durften, denn nur er kannte die Strömungsverhältnisse. Klaus empfing mich herzlich, und ich verbrachte wunderbare Tage auf dem sonnenüberfluteten Plateau de Valensole und in den malerischen kleinen Dörfern ringsherum, die, obwohl nur wenige Kilometer neben den Touristenrouten, so unberrührt wirkten, dass ich es nicht wagte, sie zu fotografieren. Es wäre mir wie eine Entweihung erschienen. Ich freundete mich mit Willy, Bernd und Charlotte an. Willy war 70 Jahre alt und führte ein unbekümmertes Rentnerdasein, flog mit seiner Cessna quer durch die Weltgeschichte, landete, wenn er keinen Flughafen mehr erreichte, auf irgendeiner Wiese und schlug unter der Tragfläche sein Igluzelt auf. Ich lernte Flugzeuge auseinanderhalten, Moranes von Cessnas, Pipers und Mooneys unterscheiden, auch, dass ein Segelflugzeug wie ein Pferd ist, das seine Launen und Mucken hat, und dass der Pilot mit seinem Flugzeug körperlich eins werden muss.


Eines morgens bat mich Charlotte, ihren Flieger an den Start zu ziehen. Der Che kann keiner Frau etwas abschlagen, und so erfüllte ich denn ihren Wunsch, ohne mir Gedanken gemacht zu haben, was das bedeutete. Ein Segelflugzeug mit 15 Metern Spannweite ist etwas Anderes, als ein Auto abzuschleppen. Im Rückspiegel sah ich, wie eine Cessna quer zu uns rollte, und dann Trauben von Menschen, die sich an die Tragflächen beider Flugzeuge hängten, um eine Kollision zu verhindern, was gerade so gelang. Ich erfuhr, dass ich auf einem Privatflugplatz nicht haftpflichtversichert bin und beinahe Schaden in Höhe von ein paar hundertausend Mark verursacht hätte. Uff, darauf erst mal ein Eau de Mente! Herrlich, das grüne Erfrischungsgetränk, überhaupt wunderbar, diese nach Lavendel, Thymian, Rosmarin und Minze duftende Landschaft, bei der man den Eindruck hat, dies sei das Original und die Toskana eine unvollendete Kopie. Großartig der fantastische Sonnenuntergang über dem rot erstrahlenden Gipfel des Luberon.

Gipfel ist das entscheidende Stichwort. Meine Tour führte mich weiter in die Berge, am Kloster Moustier St. Maries und dem Lac de Serre Poncon vorbei ins Brianconet, zu den eisblitzenden Viertausendern der Barre des Ecrins und weiter über die Festung Briancon nach Turin. Unterwegs führte ich Gespräche mit den unterschiedlichsten Menschen, mit Absinth trinkenden kommunistischen Bauern, die über die reichen Bonzen in Paris schimpften, mit einen Rüstungsmanager (Metallurge bei Avions Marcel Dassault), mit einem netten holländischen Pärchen und langweiligen deutschen Urlaubern, täglich neue Menschen. Der Rest des Urlaubs war Alpinismus pur. In Revo zwischen Iseosee und Brentagruppe übernachtete ich auf einem Kirchhof und die Nacht war voll vom Gesang der Dorfschönen. Am nächsten Tag fuhr ich über die österreichische Grenze, und ein Carabiniere stellte mit die blödeste Frage, die mir je einer gestellt hat: ?Haben Sie Haschisch zu verzollen?? Ich hatte nicht, trotzdem filzten sie mein Auto, aber die nicht gemeldete Gaspistole fanden sie nicht. Pfff, noch mal gutgegangen! Die letzte Woche meiner Reise spielte sich bergsteigend in den Hohen Tauern ab, dann rollte ich sonnenverbrannt, abgebrannt und rundum glücklich nach Hause. Einen Tag in Deutschland weilend, wurde mein Auto aufgebrochen und die coole Designer-Anlage, die mich den ganzen Urlaub mit Musik versorgt hatte, geklaut. Und das war nur Vorbote einer haarigen Zeit.

Die dritte Reise fand vier Jahre später statt. Viel war inzwischen passiert. Aus dem unbekümmerten Studenten-Anarchismus meiner früheren Jahre war bitterer Ernst geworden. Selber bekam ich die strafprozessualen Folgen meines Tuns zu spüren, wenn auch sehr glimpflich. Trotzdem, die Tatsache, dass wir kein Spiel spielten und dass Knast etwas war, womit man als Autonomer rechnen musste, wurde mir deutlich. Dann wurde eine Frau aus meiner Szene bei einem brutalen Polizeieinsatz getötet, eine andere in der Türkei gefoltert. Eigentlich hatte ich vorgehabt, mich aus den politischen Zusammenhängen zurückzuziehen. Das ließ mein Gewissen jetzt nicht mehr zu. So wurde ich erst recht zum Aktivisten, zum Kader. Den Anlass zu der Reise gab eine unglückliche Liebe und das Bedürfnis, Abstand zu gewinnen, und die zeitgleiche Tatsache, dass einer meiner besten Freunde mit seiner Partnerin Schluss gemacht hatte, diese in einen tiefen Abgrund gestürzt war und ich mich nach Kräften bemüht hatte, sie zu trösten und aufzufangen. So ergab es sich, dass ich mit ihr zusammen ein drittes Mal die Autovagabondage über Avignon machte. Sie fand es sehr interessant, all die Orte zu bereisen, die ich schon kannte, meine Erzählungen über meine Erlebnisse dort zu hören, und diesmal kehrte die Magie von früher zurück. Sie war es, die durch ihre Rezeption des Geschehenen den Orten ihre Aura wiedergab. Erneut erlebten wir die unwirkliche Schönheit der Camargue und gingen sogar in einen Stierkampf. Endlich mal nicht politisch korrekt sein!

Meine Abneigung gegen mückenreiche Campingplätze am Wasser brachte uns dazu, zu Füßen der Pont du Gard nicht auf dem offiziellen Campingplatz auf einer Sandbank, sondern weiter oben auf einer Bauernwiese zu übernachten. Ein Glück. In der folgenden Nacht gab es einen Orkan, wir hielten die Zeltstangen mit unseren Armen fest, bis sie trotzdem brachen, und wir verbrachten den Rest der Nacht im Auto. Vom Campingplatz auf der Sandbank blieb nichts übrig. Genaugenommen fehlte die ganze Sandbank.

Am nächsten Tag hatte sie ihren Zickigen und musste die ganze Zeit mit mir schimpfen, und so interessierte es sie nicht, dass im Radio gerade von einem Jahrhundertsturm mit hunderten Todesopfern berichtet wurde. ?Dreh das Radio ab! Was interessiert mich so etwas? Männer! Ich habe mit Dir zu reden, das ist wichtiger!? Na ja, und so. Nachdem wir uns nicht mehr stritten, wurde den Rest des Tages Metallica gehört. Es folgte ein entspannter Badeurlaub tief im Süden des Golfe du Lion und eine langsame, gemütliche Heimfahrt durch die romantischsten Teile des Rhonetals. Über eine Woche später riefen wir, mittlerweile auf dem Heimweg, von Lothringen aus zu Hause an und erfuhren, dass wir als vermisst gemeldet waren, unsere Eltern die Decke hochgingen und das deutsche Konsulat in Marseille nach uns fahnde. Unsere letzte Postkarte war in Avignon abgestempelt, mit dem Datum des Orkans, und der Mücken-Campingplatz war komplett vom Sturm weggespült worden, unsere Eltern hatten im Fernsehen mitangeschaut, wie Wohnmobile die Rhone runtergingen, es hatte dort viele Tote gegeben. Nun ja, was die Abneigung gegen Mücken in Zusammenwirkung mit Zickentum so alles bewirken kann?
Prallvoll mit gewaltigen Eindrücken und Erinnerungen kehrten wir in tiefer Nacht nach Hause zurück, es sollte nicht unser letzter gemeinsamer Urlaub sein.

Ich habe noch viele andere großartige Reisen gemacht, zwei wirkliche Abenteuer-Touren durch Ägypten, von denen wir eine fast nicht überlebt hätten, auch andere Frankreich-Aufenthalte, aber die besondere Magie dieser drei Autotouren steht für sich. Ich kann auch nicht einfach noch mal die Strecke abfahren, um Vergleichbares zu erleben, denn das Frankreich, das ich hier kennenlernen durfte, ist ein inneres Frankreich, das man mit der Seele suchen muss.

Klaus ist heute der anerkannt weltbeste Segelflieger, der seit Jahren Weltrekorde bricht, die alle von ihm selber aufgestellt wurden, weil es in seiner Klasse sonst niemanden mehr gibt. Rob und Michelle habe ich aus den Augen verloren, auch zu meiner letzten Reisebegleiterin inzwischen keinen Kontakt mehr.
Ich bin heute in einem Alter, in dem Männer sich gemeinhin Gedanken über Falten, ihren Bauch oder erste graue Haare machen. Das betrifft mich nicht. Ich habe immer noch mein altes ?Born to be wild?-Lebensgefühl. Sollte ich die Reise doch noch einmal wiederholen? Ich müsste mich nur vorher unglücklich verlieben?.

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da schließe ich mich an!

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Danke!

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