Donnerstag, 22. April 2010
Provokateure und Opfer
Momorulez twitterte gerade "Als nächstes titelt DIE ZEIT "Wen darf man in Deutschland noch schlagen?" und erklärt Mixa zum Provokateur und Opfer der Gesinnungspolizei." Daran anknüpfend denke ich mal daran, wer schon so alles als "Provokateur" und "Opfer" bezeichnet wurde. Da fällt mir zunächst Theo van Gogh ein, dessen bei politisch inkorrekten Kulturalisten und Klerikalfaschisten Kultstatus genießender Film "Submission" (ich habe ihn gesehen) ein Softporno mit Peitschen und Koranversen ist und kein radikales Werk politischer Aufklärung, wie seinerzeit ständig behauptet wurde. Seine Äußerungen über Leon de Winter, dieser komme nur noch, wenn man seinen Schwanz mit Stacheldraht umwickele und "Auschwitz, Auschwitz" rufe oder er und seine Frau seien zwei kopulierende gelbe Sterne in der Gaskammer sind auch nicht das, was ich unter "Provokationen" eines politisch unkorrekten Aufklärers verstehe, und ergo ist seine Ermordung durch einen Islamisten auch kein Ereignis, das ich von der Ermordung eines Neonazis groß unterschieden sehen würde. Na ja, und die Sarrazins, Westerwelles und Möllemannsdieser Welt sind ja alle nur Abwandlungen des Musters "antisozialer Spießer lässt seinen sozialen Vorurteilen freien Lauf". Adorno sagte mal über die deutschnationalen Vorläufer des Nazismus "im Anfang waren sie Liberale, die ihre antiliberale Meinung sagen wollten". Erschreckend nur, zu wessen Sprachrohr eine einstmals liberale Wochenzeitung so geworden ist. Nein, halt, Gremliza wusste es schon 1982 besser. Mogadischoliberal.

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und ausserdem sollte mensch nicht vergessen, dass es DIE ZEIT war, die vor 20 Jahren den "Neuen Bioethikern" eine Möglichkeit zum "Tabubruch" gab

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Stimmt, die Singer-Kontroverse, die Oliver Tolmein sein "Wann ist ein Mensch ein Mensch? Ethik auf Abwegen" und mich meine Magisterarbeit über die NS-Kontinuitäten in der Bioethikdebatte schreiben ließ.

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In der Broschüre "Von Schweinen und Menschen" hatten Siegfried Jäger und Jobst Paul vom Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung (DISS) damals die soziale Zusammensetzung der Zeit-Leserschaft analysiert. Die kamen auf Beamte in Spitzenpositionen, Mittleres Management und akademischer Mittelbau. Weit mehr als alle anderen auflagenstarken Zeitungen, das Handelsblatt vielleicht ausgenommen, ist die Zeit ein Elitenblatt. Da passt es ins Konzept, von Zeit zu Zeit unterschiedliche Optionen und Varianten bürgerlicher Herrschaft durchzuspielen. Das kleine linksliberale Konkurrenzblatt Die Woche gibt es ja nicht mehr.

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habe ich auch noch, das Teil vom DISS ... die ZEIT wird v.a. von einem signifikanten Teil der ÄrztInnenschaft in der BRD gelesen

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Wir sind durch eine ähnliche Schule gegangen;-)

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