Donnerstag, 14. März 2013
Nachlese: RS und die Noborderkampagne
Schon interessant, was hier aus Berliner Antira-Sicht zum Thema Reclaim Society zu lesen ist und wie diese Gruppe versucht hatte, die Critical-Whiteness-Debatte und die Mobilisierungskampagne zu kapern und für sich und die sektiererischen eigenen Inhalte zu instrumentalisieren. Sichtbar wird hier vor allem, wie diese Gruppe es geschafft hatte, sich in eine Position zu bringen, in der sie die Koordination und die Diskussionsleitung des Nobordercamps teilweise kontrollierten.


http://de.indymedia.org/2012/10/335966.shtml

Hervorgehoben:


"Leider haben es in der vergangenen Zeit Aktivist_innen von reclaim society (im Folgenden rs) vorübergehend, auf subtile Art und Weise, geschafft, die No Border Berlin Gruppe als Teil der rs Organisation erscheinen zu lassen; hauptsächlich um ihre eigenen egoistischen Gruppenidentitäts-Zwecke voranzubringen während sie sich gleichzeitig hinter NBB Vorbereitungsstrukturen verstecken.

Teil ihrer Strategie war geschickt ihre Kontrolle über die ehemalige NBB Blog-Webseite ( http://noborderberlin.wordpress.com) zu nutzen, genauso wie über den ehemaligen offiziellen Email-Kontakt (noborderberlin [at] riseup.net, nobordercampberlin2013 [at] riseup.net) und die ehemalige offizielle Mailing-Liste (nobordercampberlin2013andbeyond [at] ists.riseup.net). Zur gleichen Zeit wurde die Teilnahme von anderen Gruppen und Individuen an der Vorbereitung vorübergehend verhindert, indem die Vorbereitung als untrennbar mit rs verbunden dargestellt wurde. Das ist, zum Beispiel, durch das Zurückhalten von Informationen und das Vertuschen von Fakten, die relevant für die No Border Vorbereitung sind, passiert. Das hat letztendlich sogar dazu geführt, dass andere No Border Aktivist_innen als Teil von rs wahrgenommen wurden, was sie tatsächlich nicht waren.

Auf die gleiche Art und Weise wie rs das NBB Netzwerk in Beschlag genommen hat, haben sie sich auch den Critical Whiteness Diskurs angeeignet, nicht nur um ihre Gruppenidentität als rs zu stärken sondern auch um sich selbst als Critical Whiteness Gruppe darzustellen, die die Berechtigung hat, ihre Interpretation dieses Diskurses durchzusetzen als ob es die einzig politisch korrekte Auffassung davon wäre. Hier fand eine strategische Instrumentalisierung des Critical Whiteness Diskurses auf eine dogmatische Art statt, die von Menschen gefordert hat, ihre Fähigkeit autonom zu reflektieren aufzugeben und stattdessen einem sogenannten politisch korrekten Dogma zu folgen. Auf diese Art wurden Menschen dermaßen psychologisch gefangen gehalten, dass die Furcht davor sogenannte Critical Whiteness Standards nicht einzuhalten, die tatsächlich rs Identitäts- und Machtstandards waren, zu Entfremdung geführt hat. Diese Folgen waren sowohl auf emotionaler als auch auf politischer Ebene gefährlich.

Dadurch hat die NBB-Vorbereitungsgruppe als Machterhaltungsinstrument in einem aktivistischen Kontext gedient. Das hat eher etwas mit der Profilierung als „radikale Aktivist_in“ als mit der Sache an sich zu tun. Eine rs Person of Color die sich auch als „überlebende Geflüchtete, PoC in einem frauisierten Körper“ identifiziert war gezwungen sich als nichtweiß zu identifizieren um mit Schwarzen Menschen zu arbeiten während eine andere sogenannte PoC von rs sich nicht selbst als nicht-weiß sehen wollte sondern nur als PoC, während er als weiß durchgeht. Sie benutzte weiße Strategien, die sogar die andere sogenannte PoC/“white“-Position instrumentalisierten, um eine Machtposition aufrechtzuerhalten und versteckte sich hinter einer PoC-Identität um jede Kritik an der Aneignung weißer Strategien zu vermeiden und verleugnen. Die oben beschriebene essentialistische Sichtweise des Critical Whiteness-Diskurses hat dies möglich gemacht, da dadurch weiße per se keine Kritik äußern durften und People of Color, die diese Instrumentalisierung kritisiert haben sofort aus der Gruppe ausgeschlossen wurden. Dementsprechend war NBB ein weiteres Werkzeug für die „überlebende Geflüchtete, PoC in einem frauisierten Körper“ um ihr eigenes Ego zu stärken, während dadurch der gesamten Bewegung geschadet wurde. Dies geschah nicht nur auf dem „aktivistischen“ sondern auch auf einem akademischen Niveau, da die Arbeit von Wissenschaftler_innen of Color, die versuchen und versucht haben den PoC Begriff und ein Bewusstsein für rassistische Strukturen in Deutschland zu etablieren, diskreditiert wurde.

Deshalb ist das Problem nicht der Critical Whiteness / white awareness Diskurs sondern vielmehr die Gruppe rs selbst, die versucht, den Critical Whiteness / white awareness Diskurs – anstatt die Gesellschaft – zu reclaimen, und zu monopolisieren.

Dies stellt jedoch keine Entschuldigung dafür dar, sich nicht mit Critical Whiteness oder white awareness auseinanderzusetzen, da Rassismus in weißen, sogenannten linken Strukturen re_produziert und unzureichend behandelt wird. Das NBB Netzwerk hält Critical Whiteness für ein unerlässliches Konzept, um Rassismus und seine Funktionsweise zu erklären. Es sollte jedoch nicht der Moralisierung, Essentialisierung, Instrumentalisierung und als Ideologie dienen, so wie es im Fall der Gruppe rs passiert ist."

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ich nicht-weiß Bescheid
"während eine andere sogenannte PoC von rs sich nicht selbst als nicht-weiß sehen wollte sondern nur als PoC, während er als weiß durchgeht"

Das ist wirklich wild. Gibt es noch einmal einen Unterschied zwischen "of Color" und nicht-weiß? Das erklärt vielleicht auch Momos Aussagen bei einer Diskussion über qwertzu....

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Das wird noch viel wilder
Aber meine Antwort darauf wird wirklich sehr komplex. Ich werde dazu ein wenig brauchen, aber sie kommt, versprochen. Letztlich geht es dabei ins Mark des Selbstverständnisses antirassistischer linker Gruppen.

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Wäre Ulrike Meinhof heute
rs? Wäre das für die Moralistin eine Möglichkeit, sich dem Terror der Spaßgesellschaft zu entziehen?

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UM hatte ihre eigenen Themen, war geprägt von ihrer Zeit und den Diskusen in dieser - insofern kann mit ihrer damaligen Prägung die Frage klar verneint werden. Was heute wäre, ist schwer zu beantworten, aber gerade die damalige Verstrickung deutscher Eliten (z.B. Schleyer) in den NS-Terror hatte eine sehr eigene Qualität - was politische Moralisten ganz zweifellos sehr empören konnte.

Gemessen an derartigen Themen ist das, was RS (gibt es die überhaupt noch? sind die noch für irgendetwas relevant?) umtreibt, ähem: ein laues Lüftchen, und nicht zu knapp auch ein akademisches Sprachspiel. Und eben alles andere als ein echtes, und tatkräftig angestrebtes Revolutionsszenario.

Insofern lautet die Antwort auch für heute, imho: Klar nein.

Ulrike Meinhof war zwar eine intensive Moralistin, und im Prinzip ein guter Kopf, aber - ähem - es war ihr offenbar nicht ganz klar, was die Terrorstrategie der RAF tatsächlich bewirken würde. Ich kann nicht erkennen, was RS mit Terror zu tun haben sollte.

RS ist einfach eine v.a. akademisch strukturierte (Uni Potsdam spielt hier eine Riesenrolle), linksextreme Sekte, die ihre Vorstellungen von CWS innerhalb der AntiRA- und AntiFa-Bewegung dogmatisch durchzusetzen versucht hat.

Außerdem hat sie, hier erfolgreich, einen Diskussions- und Reflektionsanreiz in Bezug auf CWS gesetzt. Was irgendwie ironisch ist, weil die Reflektiertheit und Fähigkeit zur Selbstkritik bei RS so ziemlich gegen Null ging/geht.

Was nebenbei bemerkt auch ein großer Unterschied wiederum zu Ulrike Meinhof darstellt. Ich kann mir nicht vortellen, dass UM sich mit solchen - pardon - Hampels abgegeben hätte.

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Gudrun Enslin und Andreas Bader waren auch Hampels.
UM kann in den 60ern möglicherweise als "intensive" Moralistin durchgehen, was immer das bedeuten mag. Aber für die unausgegorenen Ideen der RAF Menschenleben zu opfern, halte ich für hochgradig unmoralisch.
Diese RS scheinen eine machtbewusste Gruppe zu sein, die eine marginale, labile und nicht sonderlich intelligente größere Gruppe dominiert. Hab ich in den Büros dieser Republik zu oft erlebt. Alltag. Deshalb bin ich ja freelancer.

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Der Zusammenhang zwischen UM und RS: Ein Moralismus, der bei Bedarf ins Extrem gesteigert wird. Der moralische Impetus ist so stark, dass nach und nach bestimmte Positionen aufgegeben werden, bezüglich Gewaltfreiheit beispielsweise. Oder die Gleichsetzung lateinamerikanischer Dikaturen mit der BRD. Ich lese gerade die UM-Biographie von Ditfurth, sehr empfehlsenswert, deshalb kamen mir diese Gedanken.

RS als radikalisierte oder besser extremisierte Version des Guten, das sich so absichert, dass es zwangsläufig immer zu den Guten gehört. Die Gemeinsamkeiten sind doch offensichtlich, ganz unabhängig davon, ob RS sind bei Bedarf zur Tötung von Menschen bekennen würde.

Lemmy, was heißt denn umoralisch? Die paar toten Polizisten gegen das Elend in Vietnam. Alles eine Frage der Perspektive.

Aber natürlich halte ich die Texte und Ansätze von UM bis etwa 1969 für wesentlich intelligenter und gehaltvoller als der Krempel von RS, der ja offensichtlich in erster Linie einen eigentherapeutischen Zweck hat.

Aber eigentlich geht mir das Thema RS auf den Sack, die sind doch real völlig unbedeutend, sollen sie halt in Potsdam ein wenig herumhampeln, und ein paar interessante Gedanken sind ja dabei.

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Ich würde RS ganz woanders einordnen, im Schnittstellenbereich von Politgruppe und Psychosekte, und vielleicht mit der Marxistisch-Reichistischen Initiative (MRI) aka Bunte Liste Freiburg (also in ihrer frühen Zeit, nicht was im Verlauf der Achtziger daraus wurde),


http://www.heise.de/tp/artikel/17/17793/1.html


vielleicht auch noch mit der RIM, der AA-Kommune oder allenfalls dem Heidelberger Sozialistischen Patientenkollektiv (mit dem allerdings schon eher weniger) vergleichen.


http://de.wikipedia.org/wiki/Sozialistisches_Patientenkollektiv



Allerdings schneidet in dem Vergleich RS verhältnismäßig harmlos ab. Also vielleicht doch etwas tiefer gehängt: Selbstmarginalisierer, Neopietisten und Neue Weinerlichkeit sind in der studentischen Linken speziell in Deutschland ja keine neue Erscheinung, ich denke da an Strukturvegane und Straight Edge.

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Genova, der Vergleich von RS mit Terror - und sei es "nur" auf der ideologischen Ebene - ist doch reichlich überzogen. Bedenke, nicht allein die unausgegorene Extremfassung bestimmter polit-moralischer Vorstellungen/Ziele führte in den Terror, sondern neben historischen Umständen war es nicht zuletzt (und imho sicher mehr als der Faktor extremistische Ideologie) auch der "Faktor Repressionsstaat" (so würde ich es nennen), der die Ausbildung von Terror fördert, und zwar in einer durchaus komplexen, nicht zuletzt aber auch wechselseitigen Beziehung.

Konkret lässt sich das ganz wunderbar an der Geschichte der Berliner Haschrebellen bzw. dem Zentralrat der umherschweifenden Haschrebellen nachvollziehen.

Hier war es eben - auch - der Staat und sein konkretes Repressionsregime, was die Entwicklung in den Terror intensivierte bzw. auslöste, und (in Gestalt des Bombenüberbringers und Anstachlers) Urbach sogar aktiv förderte.

Politisierte, antiautoritär-anarchistische Haschkonsumenten (die in ihren westberliner Kommunen im Prinzip vieles von dem vorweg nahmen, was sich später in den 80er Jahren als Alternativbewegung zeigte) wandelten sich - teils - in Terroristen und Mörder.

Eine allemal erstaunliche Entwicklung, und diese ist keineswegs in erster Linie als Endkonsequenz extremistischen Denkens verstehbar.

at Che:

"Neue Weinerlichkeit" ist aber echt fies. So hart würde ich es wohl nicht formulieren.

Wenn ich "Neue Weinerlichkeit" lese, kann (und will) ich allerdings eine dabei zugleich empfundene klammheimliche Häme nicht ganz in Abrede stellen...

P.S.
An die hier ggf. vereinzelt mitlesenden, begeisterten Rezipienten_innen radikalen US-Chics a´la "Feminism 101" oder hochgradig vereinseitigter, moralisch überladener "Critical Whiteness 101", sowie an politische Freunde anspruchsvoller feministischer Elitedarstellerinnen, welche als Sprachkritik getarnten Dogmatismus mit echter Systemanalyse und Systemkritik verwechseln, möchte ich an dieser Stelle unbedingt noch eine ganz, ganz wichtige Nachbemerkung machen:

Vorsicht Triggergefahr!

;-)

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Zur Neuen Weinerlichkeit
Der Begriff ist für mich ja mehr so eine Klammer, die die in bestimmten linken Szenen mindestens seit der Atomraketenzeit ausgeprägte Selbstmarginalisierung, Selbstviktimisierung und Tendenz zur Nabelschau auf den Punkt bringt;-)

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Dean,
en Vergleich kann eigentlich gar nicht überzogen sein, es ist ja keine Gleichsetzung. Es geht ums vergleichen, was du ja auch getan hast.

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Ja, schreib mal was!
Das einzige Mal, dass ich mal sowas erlebt habe, war beim "Studentenstreik":

Es gab eine Versammlung, 400 plus Leute waren da, irgendwelcher Nonesense wurde ins Mikrophon gelabert, das Meiste langweilte mich, aber eine kleine Gruppe hatte es ganz geschickt organisiert, ihre Redebeiträge zu platzieren, um geplant die ganze Sache zu manipulieren. Kritik wurde an verschiedenen Stellen vorgetragen, am Schluss kam noch mal diese Junge Aktivistin, und zog nochmal das "Resümee". So würde ich es aus meiner heutigen vagen Erinnerung schildern. Und die Meisten Leute saßen einfach nur etwas verdutzt da. Selbstverständlich blieb das alles, was mich betrifft, auch wegen dieser Aktion, folgenlos. Ich konnte mir zwar eine gewisse Bewunderung nicht verhehlen, war aber eigentlich nur geschockt. Ging es jetzt Menschewiki vs. Bolschewickt oder sowas. Meinten die das wirklich ernst? Wo vermuteten die ihren Opponenten. Es schien mir eher wie eine Geschichtsunterrichtsstunde in praxi.

Ich glaube, es war dieselbe, die einen Lesekreis zur "Neuen Linken" angeboten hatte. Mal schauen, kannte mich da ja nicht aus. Wieder entwickelte es sich nichts. Der erwünschte Lerneffekt stellte sich offenbar wieder nicht ein. Um welche Richtung es denen ging, wurde mir nicht klar. Hätten sie aber auch mal ganz klar sagen können; wir waren wohl einfach zu ahnungslos, als dass wir hätten manipuliert werden können. Da war noch son Typ im, Lodenmantel und Heideggerhut, der aber mit einem durchaus unzynischen Gesichtsausdruck da rumsaß und seine Buttermilch trank. Als etwas wie eine Diskussion fast in Gang gekommen war, sagte ich etwas, und dieser junge Bursche mit der fast Dreadlocks-Frisur (soweit ich mich erinnere), antwortete etwas, starrte mich nach vorne gebeugt mit spitzer Nase und geblähten Nüstern wütend an. Ich hatte improvisiert und etwas in meinen Augen völlig harmloses gesagt (dass es in Deutschland Armut geben, hatte ihm nicht in den Kram gepasst oder er hatte irgendetwas völlig abseitigen-entlegendes entdeckt) - er aber hatte den Feind entdeckt!

Sowas musste ja schockierend sein oder nerven. Seltsamerweise blieb ich aber ganz ruhig - mir wurde klar, dass d e r mir ein Problem zu haben schien, dass mir das jedenfalls alles am Arsch vorbeiging. Und spürte, wie eine guttuende Seelenruhe sich in mir auftat.

Nun, dann sollte der Aufgang zum Lehrgebäude mit Plakaten und Menschenkette abgesperrt werden, auch für ein paar Fotos von den Reportern. Ich mischte mich sicherheitshalber dazwischen, damit es zu keinen peinlichen Rangeleien kam, und sorgte dafür, dass diejenigen, die vielleicht an einer Doktorarbeit schrieben und um Einlass begehrten, und solche, die mit wütendem Gesicht (voller Verachtung für diese "Loser") durchwollten, offenbar um zu provozieren, auch durchgelassen wurden. Es kam also zu keinen Rangeleien, etwas peinlich fand ich das aber Schon.

Dafür sorgte ich dafür, indem ich am Ende der Demo ebenfalls deeskalierend dazwischenging oder vorsorgend gleich mit den Beamten sprach, dass der symbolische Sarg, der den Tod der Bildung repräsentierte, von einer Delegation zum Rathaus getragen und innerhalb der Bannmeile abgelegt werden konnte.

Aber was sollte das alles. Diese Aktivisten hatten etwas mit ihrem Ego und konnten meinetwegen dort ihre Spielchen spielen. Aber wenn es um Rassismus geht, ist das nicht mehr peinlich, sondern ich finde das zuerst einmal auch eklig.

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Versuch einer sinnvollen Antwort
@Futuretwin: Zunächst einmal gibt es natürlich keine offizielle Definition von POC oder Nicht-Weiß. Die verschiedenen antirassistischen Gruppierungen streiten sich auch um die Sinnhaftigkeit solcher Formulierungen. Indes lässt sich das, vereinfacht gesagt, etwa so handhaben: ArbeiterInnen, ProletarierInnen und Proleten sind Begriffe, die sich zwar gleich verwenden lassen, semantisch aber keinesfalls das Gleiche bedeuten. Arbeiter(in) kann eine Berufsbezeichnung sein oder Klassenzugehörigkeit meinen, Proletarier(in) bezeichnet eher eine Person, die zur Arbeiterklasse gehört und selber ein entsprechendes Klassenbewusstsein hat, sich also selber so definiert (in Deutschland eine aussterbende Gattung, aber das ist anderswo anders), Prolet bezeichnet viel eher einen Habitus und ein Benehmen. Analog bezeichnet Nicht-Weiß eher ein äußeres Erscheinungsbild, POC hingegen die bewusste Selbstzuordnung zu nichtweißen Menschen im Sinne einer politisch-gesellschaftlichen Solidarisierung. Das geht dann allerdings im RS-Diskussionsumfeld teilweise so weit, dass CW-reflektierte Weiße sich als POC definieren und umgekehrt POC, auch Schwarze, die das ganze Konzept ablehnen als Nicht-POC begriffen werden - eines der Hauptprobleme beim Nobordercamp.
Und teilweise fungiert da das Maß an "Awareness", das jemand vermeintlich erreicht hat als Distinktionsgewinn und Baustein für Hierarchien. Da geht es weniger um tatsächliche Empathie für tatsächlich Diskriminierte; teilweise fungiert "Awareness" als so etwas wie Erleuchtungsstufen und Einweihungsgrade in einer mystischen Loge. Insofern hatte der Nörgler durchaus Recht, als er RS mit Scientology verglich.

Da kam dann auch noch hinzu, dass schwarze Studierende mit Herkunft aus afrikanischen Ländern meinten, qua Herkunft und Hautfarbe definieren zu können, wer POC ist und wer nicht und Sprechweisen zu definieren und Geflüchtete sich von denen sehr vereinnahmt fühlten. So die Richtung: Wir sind vor den Eliten unserer Herkunftsländer geflohen, und jetzt kommen deren in Deutschland studierenden Abkömmlinge daher und wollen uns vorschreiben, wie wir reden sollen. Ein alter Genosse von mir formulierte das so: "Diktatorensprösslinge, die sich an deutschen Unis langweilen wollen mir vorschreiben, wie ich zu reden habe".

Es sind vielfach gerade die sehr radikalen Gruppen (radikal nicht im Sinne von ideologisch extrem, sondern radikal im Sinne von Radix, Wurzel, Gruppen, die gemeinsame Praxis von Geflüchteten, Migrierten und Weißdeutschen realisieren ) wie NoLager oder Al Kargah, die den CW-Konzepten skeptisch bis ablehnend gegenüberstehen, die eher für einen Rückschritt halten, der zu einem Kulturalismus führt und betonen, dass das Konzept der Tripple Oppression tragfähiger, tiefschürfender und umfassender ist.

http://en.wikipedia.org/wiki/Triple_oppression


http://www.nadir.org/nadir/initiativ/id-verlag/BuchTexte/DreiZuEins/DreiZuEinsViehmann.html

Es wurde auch schon darauf hingewiesen, dass das Awareness-Konzept das auf dem Norbordercamp zum Tragen kam eigentlich auf ein Bullenprogramm zur Befriedung von Riots in englischen Städten zurückgeht.

http://che2001.blogger.de/stories/2117286/




Zur Debatte bei Momo: So sehr ich vielem was der schreibt etwas abgewinnen kann, seine Einlassungen zum Thema Nobordercamp und drumherum sind eine skurrile Karrikatur von dem was in Antirazusammenhängen tatsächlich diskutiert wurde, immer rückgekoppelt an Dinge, die er mit mir oder auf meinem Blog erlebt hat und die er als beleidigend oder ihn paternalisierend empfand. Das wird dann in die Aussagen von Olaf Bernau (den ich als einen sehr reflektierten, selbstkritischen und gerade nicht dominanten Menschen erlebt habe) und Vassily Tsianos (den ich nicht kenne) hineinprojiziert und umstandslos intersubjektive persönliche Konflikte auf politische Verhältnisse übertragen. Das sagt alles über ihn und Probleme die er mit anderen Leuten hat sehr viel mehr aus als über die Diskussionen unter AntirassistInnen.

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Projektion vs Personalisierung ?
naja, Che, zur Bemerkung von Dir zu Momorulez.

Seine Argumentation scheint (oder schien) mir oft - abgesehen von den Standardarumenten - darin zu bestehen, nicht unbedingt seine Opponenten ad absurdum zu führen (wovon er sowieso Abstand genommen hätte, denken wir an irgendwelche Kotzbrocken, mir fällt immer nur der Name Fleischhauer ein, zurecht, denn er hätte sich ja auf deren "Argumentation" einlassen müssen, was er dann, wie wir wissen, ablehnt) sondern eben darin, deren Argumentation in Teilen zumindest umzudrehen.

Da hab ich mir nicht die Mühe gemacht, nachzuprüfen, ob es bei diesen Umkehrungen immer sauber mit rechten Dingen zuging. Das lag, was mich betrifft, nicht bloß immer daran, dass die betreffenden Unverschämtheiten, an denen er sich abarbeitete, manchmal einem nur noch Schrecken des Erschauerns übern Rücken jagten, sondern auch an seinen Kettenbildungen von Substantiven und Substantivierungen, die sich überwiegend auf Begrifflichkeiten bezogen oder aus Theoriegebilden zu stammen schienen, von denen ich wenig bis gar keine Ahnung habe, deren Verständnis ich mich aber auf diese Weise, indem ich zu rekonstruieren versuchte, wie dar Hase nun bei Momo läuft, anzunähern, eh abgelehnt hätte. Andre schienen das aber so hinzunehmen und fingen an, ohne Einspruch zu erheben, zu argumentieren. Naja, in den mir bekannten Blogdiskussionen ist es ja eh nicht üblich, auf sonne Metadiskussion umzuschwenken. Manchmal bei Momorulez dann wirklich syntaktisch nicht mehr in einen Sinn auflösbare Sachen dabei. Seine Schnellschreibe mit Substativierungen in allen Ehren, verquere Syntax - meinetwegen! Manchmal aber Sätze dabei, die kein Deutsch mehr waren.

Seine Volten schienen mir aber oft offensichtlich berechtigt. Das Ergebnis waren dann herrlich zu lesende Polemiken!

So lasen sich seine Diagnosen für mich nicht immer argumentativ voll abgestützt; ins Verallgemeinern abdriftend. Klar kann das keine Generalentschuldigung sein, zu sagen, jetzt zeig ich´s denen mal; er nahm ja für sich in Anspruch, es gehe ihm auch schlicht um Gegenwehr. Andererseits war ich oft einfach nicht in der Lage oder zu faul, nachzuprüfen, ob seine Gegendiagnosen, entgegen dem Anschein, der sich mir bieten musste, nicht doch auf einer mir verborgen gebliebenen Argumentation beruhten.

Desh. wäre ich persönlich vorsichtig, gleich von "hineinprojizieren" und "intersubjektiven persönlichen Konflikten" zu sprechen. (Und wie Momos Volten da aussehen würden, brauch ich ja Dir nicht erst auszumalen ...) Mein vorläufiger Eindruck: Es ist ein wiederkehrendes Argumentationsschema und als solches eben nicht unbedingt persönlich gemeint. Vielleicht stimmt das mit der Projektion. Aber wer kann das schon wissen? Projektion vs Personalisierung, ist das wirklich eine Lösung? Vielleicht hat er nur seine zugegebenermaßen subjektiv geprägte oder seine Theorie der Subjektivität nur noch nicht gut genug erläutert?

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Na ja, da spielt es eine wichtige Rolle, dass Momo und ich uns im realen Leben kennengelernt hatten und ich dachte, er müsste mich gut genug kennen oder ausreichende Menschenkenntnis im Allgemeinen haben, um mir die homophoben, latent rassistischen usw. Denkweisen, die er mir unterstellte nicht anzunehmen. Alle Klarstellungsversuche, Realitätschecks usw. die es dann gab kamen über Jahre hinweg per Telefonat oder email immer nur von mir, selber hat er nie so einen Versuch unternommen, sondern mich stets im Blog vorgeführt - übrigens durchaus mit Zitaten oder Bezugnahmen aus persönlicher Kommunikation. Bis hin zu so völligen Absurditäten, dass er Fotos von rammelnden Murmeltieren, die ich auf einer Bergtour gemacht hatte als Ausdruck meines angeblich problematischen Verhältnisses zu Schwulen deutete. Er meinte ja auch mal, der Kontakt zwischen uns sei ein strategisches Bündnis gegen die Liberalblogger und keine persönliche Freundschaft - das nahm ich diametral umgekehrt wahr. Ich mache das jetzt nicht umgekehrt -aber da waren Statements dabei, die ich leider nur noch unter psychopathologischen Gesichtspunkten betrachten kann.


Weg von Momo himself: Das, was er da über Antiradebatten schrub, hat mit deren Inhalten überhaupt nichts, mit den Konflikten zwischen ihm und mir bzw. ihm und Dean, Netbitch und anderen BlogkommentatorInnen hier hingegen sehr viel zu tun.

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Ein böser Stern statt freundlicher Plauderei
Vorab: Ich empfinde ggüber Ziggev großen Respekt, nicht nur für seine Entschuldigung, und nicht nur dafür, es nachvollziehbar gemacht zu haben, wie die Dinge gekommen sind, wie sich bestimmte Urteile und auch relativ krasse Fehlurteile gebildet haben.

Ich glaube, die Sache mit den "wunden Punkten" im Leben eines Menschen spielen da auch noch sehr heftig herein, bestimmte heftige Ängste, aber auch, dass es (imho) bei MR eine gewisse Bereitschaft gab, sich in dieses Konglomerat aus Missverständnis, Projektion, elementaren Ängsten und auch Denunziation - ich sage mal: zu verbeißen.

Auch mir gelang es nicht, auf der persönlichen Ebene einen Ausgleich zu erzielen - stattdessen bekam ich eine volle Packung Wut, bei der mir im allergrößten Teil völlig unverständlich blieb, warum nun gerade ich Addresssat ebendieser wurde. Mein Eindruck war, da betreibt jemand "unfaire Kommunikation". Zwischenzeitlich war ich dann auch etwas wütend, wegen dieser Unfairness und den von mir fast schon rufmörderisch empfundenen Aussagen über mich. Ich hatte in diesem Gefolge jedenfalls auch einen Haufen von Aussagen gemacht, auch pathologisierende, die ich heute auf gar keinen Fall mehr machen würde.

Zugleich wollte ich sein Verhalten auch verstehen, verstehen auch, was ihn dazu treibt, und über den Streit hinaus auch sehr ernsthaft, wie dieser (teils sehr begabte) Mann denn tickt, bzw. welche Besonderheiten das Verständnis befördern könnten.

Inzwischen bin ich mir ziemlich sicher, dieses "Rätsel MR" weitgehend gelöst zu haben, wirklich verstanden zu haben, und seitdem sind meine Kränkung und meine Wut vollständig verraucht.

Ohne ihn jetzt damit schlecht machen oder pathologisieren zu wollen, aber man kann wohl zwei Dinge relativ objektiv sagen: Erstens, dass sich bei ihm ein Muster zeigt, das sich inzwischen - leider - auch gegen eine Reihe seiner ehemals sehr freundschaftlich verbundenen Blog-Genossen gewendet hat (sogar Bersarin und Noergler). Ich finde das einfach schade. Zweitens, dass er bestimmte Dinge (die i.d.R. dann auch mit persönlichen Konflikten und Missempfindungen verbunden sind), nun sagen wir, ausgesprochen unentspannt handhabt - und dann eine ziemlich unangenehme Eigendynamik aufkommt. Wie gesagt: Schade.

Als Gesprächs- und Blogpartner wäre mir eigentlich immer noch an ihm gelegen. Auch als - trotz mancher Irrungen - kluger Kopf. Aber unser persönliches Verhältnis begann einfach unter einem schlechten Stern, so argwöhnisch wie er mich fast eine Stunde lang beäugte, persönliche Kontaktaufnahme abwies, direkt neben mir sitzend (!), um dann einen Tag später per Twitter triumphierend zu verbreiten, dass er "so einen wie den da" ja nun auf gar keinen Fall kennen lernen wollen würde.

Und das war eben vor allen Streit...

Ein schlechter Stern, und - nun - wohl auch ein paar sozial eher unverträgliche Besonderheiten, der Beteiligten. Was mich betrifft, kann man wohl sagen, dass ich i.d.R. weder ein begabter De-Eskalierer bin, noch ein geschickter Diplomat. Im Grunde genommen treffen sich an dieser Stelle beide Streithähne. Auch in einer teils verblüffenden Ähnlichkeit, ja sogar bis in den Habitus hinein - was ab dem Moment, wo ich das für mich realisierte aber auch dazu führte, dass ich inzwischen meinen Frieden mit ihm gemacht habe, und auch damit, dass ein Haufen Dinge zwischen uns schief liefen.

Besonders ärgert mich im Nachhinein der Moment, wo ich ihn in seinem Blog besonders bösartig nachäffte. Er zeigte seinen Schmerz und seine Kränkung sogleich - was mich wiederum (damals) echt befriedigte.

Unfassbar, wie kann (und konnte) ich nur so kindisch sein. Dabei handelt es sich doch eigentlich nur um gemeinsame Plauderei über gemeinsame Interessen.

Wir haben es ganz schön verkackt. Das ist mein Resümee. Und umso mehr Respekt, wie anfangs schon angedeutet, habe ich für das Verhalten von Ziggev!

Das ist wirklich viel wert.

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Ja, dem kann ich mich doch im Großen und Ganzen sehr weitgehend anschließen. Wobei für MR Gespräche, die für andere gemütliche Plaudereien darstellen sehr häufig extrem anstrengende, konflikthaltige und fordernde Situationen sind. Der dürfte fast jeden Augenblick als embarrassing moment erleben.

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Man sollte sich bei Bewertung der ganzen “Critical Whiteness“-Geschichte immer wieder vor Augen halten, dass es sich um ein spezifisch amerikanisches Konzept handelt, das von WEIßEN amerikanischen Theoretikern (die beiden Hauptvertreter, David Roediger und Noel Ignatieff sind jedenfalls weiß) entwickelt wurde, um bestimmte konkrete Fragen zu beantworten. In erster Linie ging es darum, zu erklären, warum es in der Geschichte der amerikanischen Arbeiterbewegung nie zu einer Verbrüderung oder auch nur Kooperation von weißen und schwarzen Proletariern gekommen ist, und in zweiter Linie darum, zu erklären, warum seit den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts so viele weiße Arbeiter Reagan und Bush gewählt haben.

Diesen Ansatz auf die Situation in Deutschland zu übertragen ist, denke ich, völlig verfehlt, denn:
“In moving beyond a binary treatment of race, it is important to keep in mind that African Americans' experience of race differed qualitatively from that of other ethnic groups because of the involuntary nature of their immigration, their enslavement, and the unparalleled virulence of the racism directed against them.”, so der Historiker Peter Kolchin.

https://pantherfile.uwm.edu/gjay/www/Whiteness/kolchinreviewessay.htm

Das ist der entscheidende Punkt. In den USA kommt niemand auf die Idee, einen Schwarzen zu fragen, wo er herkommt oder wo er sein gutes Englisch gelernt hat, weil alle wissen, dass die Schwarzen seit Jahrhunderten im Land sind und nicht freiwillig hergekommen sind. Die ach so kränkende Erfahrung, die deutsche „PoC“ mit diesen Fragen machen, bleibt ihnen also erspart. Andererseits gibt es in den USA inzwischen durchaus eine (wenn auch nicht sehr große) schwarze Mittelschicht, schwarze Unternehmer und konservative bis reaktionäre schwarze Politiker und Richter, usw., die so in Deutschland natürlich fehlen. Und letztere haben durchaus ein Interesse daran, dass die schlechte Situation der schwarzen Mehrheit nicht durch politökonomische Analysen erklärt wird, sondern durch den „Rassismus“ der Weißen.

Entsprechend werden die „Whitenesss-Studies“ von schwarzen Linken in den USA heftig kritisiert. Zwei Beispiele: Adolph Reed, Politologe von der Universität Pensylvania:

“Insistence on the transhistorical primacy of racism as a source of inequality is a class politics. It’s the politics of a stratum of the professional-managerial class whose material location and interests, and thus whose ideological commitments, are bound up with parsing, interpreting and administering inequality defined in terms of disparities among ascriptively defined populations reified as groups or even cultures. In fact, much of the intellectual life of this stratum is devoted to shoehorning into the rubric of racism all manner of inequalities that may appear statistically as racial disparities.”

http://nonsite.org/editorial/django-unchained-or-the-help-how-cultural-politics-is-worse-than-no-politics-at-all-and-why

Meine Übersetzung: Das Insistieren auf dem überhistorischen Primat von Rassismus als Quelle von Ungleichheit ist Klassenpolitik. Es ist die Politik einer bestimmten Schicht der Manager-Klasse, deren materielle Interessen und ideologische Überzeugungen gebunden sind an eine Interpretation von Ungleichheit in Begriffen von festgelegten, verdinglichten Gruppen oder Kulturen. Ein großer Teil des intellektuellen Lebens dieser Schicht besteht darin, alle Arten von Ungleichheit, die zwischen rassisch definierbaren Gruppen auftreten, in die Rubrik Rassismus zu zwängen.“

Oder Barbara Fields. Historikerin von der Columbia-University:

“By its insistence upon marking and naming and making visible, whiteness scholarship
first strews race and races everywhere and then, mirabile dictu, discovers them everywhere. Race then becomes so ubiquitous as to lose determinate shape. …

As an organizing concept, whiteness leads to no conclusions that it does not begin with as assumptions. Whiteness is a racial identity; therefore, white people have a racial identity. Whiteness equals white supremacy; therefore, European immigrants become white by adopting white supremacy. Whiteness entails material benefits; therefore, the material benefits white people receive are a reward for whiteness.“

http://blogs.umass.edu/weinbaum/files/2008/05/barbara-fields-article.pdf

Oder besonders gut hier:

“Probably a majority of American historians think of slavery in the United States as primarily a system of race relations—as though the chief business of slavery were the production of white supremacy rather than the production of cotton, sugar, rice and tobacco.”

Als wäre es Ziel der Sklaverei gewesen, die weiße Vorherrschaft zu errichten, und nicht Baumwolle, Zucker, Reis und Tabak zu produzieren.

“Those who create and re-create race today are not just the mob that killed a young Afro-American man on a street in Brooklyn or the people who join the Klan and the White Order. They are also those academic writers whose invocation of self propelling ‘attitudes’ and tragic flaws assigns Africans and their descendants to a special category, placing them in a world exclusively theirs and outside history—a form of intellectual apartheid no less ugly or oppressive, despite its
righteous (not to say self-righteous) trappings, than that practised by the bio- and theo-racists; and for which the victims, like slaves of old, are expected to be grateful. They are the academic ‘liberals’ and ‘progressives’ in whose version of race the neutral shibboleths difference
and diversity replace words like slavery, injustice, oppression and exploitation, diverting attention from the anything-but-neutral history these words denote. They are also the Supreme Court and spokesmen for affirmative action, unable to promote or even define justice except by enhancing the authority and prestige of race; which they will continue to do forever so long as the most radical goal of the political opposition remains the reallocation of unemployment, poverty and injustice rather than their abolition.”

http://www.solidarity-us.org/pdfs/cadreschool/fields.pdf

Das sind Positionen die ich mir durchaus zueigen machen kann. Ich sehe „Critical Whiteness“ (zumindest so wie das Konzept von Noah Sow oder momorulez oder reclaim society verwendet wird) auch als „ein Form von intellektueller Apartheid, nicht weniger hässlich und repressiv als die der Bio- und Theo-Rassisten, trotz aller Selbstgerechtigkeit, mit der sie vorgetragen wird.“

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Auch wenn es sonst nicht meine Art ist, hier bin ich dann auch mal ein Stück weit bei Willy
Mit "intellektuelle Apartheid" wäre ich zwar vorsichtig, das ist mir too much, ich würde RS, Noah Sow und Momorulez auch nicht sofort miteinander gleichsetzen, habe aber andererseits meine guten Gründe, den Triple-Oppression-Ansatz für wichtiger und richtiger zu halten. Andererseits, mal zu erfahren oder erfahrbar gemacht zu bekommen, was es heißt, als POC Diskriminierung im deutschen Alltag ausgesetzt zu sein halte ich für unbedingt zu empfehlen, und da hat Noah u.a. mit Edutainmentattacke Großes geleistet.


http://edutainmentattacke.wordpress.com/


Btw. Privilegiencheck kann natürlich nur betreiben, wer tatsächlich Privilegien hat, und dass das keine Perspektive von ganz unten ist liegt in der Natur der Sache. Andererseits ist es verlogen, wenn weiße bürgerliche Menschen meinen, die Sacher von proletarischen POC unvermittelt vertreten zu können, usw. Dass die "Klappe halten"-Perspektive z.B. von RS aber andererseits völlig kontraproduktiv ist und nichts mehr mit solidarischem Handeln zu tun hat erscheint mir evident.

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Ah, es geht wieder zurück zum Thema,
interessant! Aber trotzdem vielleicht, was alte Vorkommnisse betrifft, nochmal nachtretenhaken.

BTW, Dean. Es ist halt so: Aus Schaden (anderer) wird man klug. ;-)

In den aufgeheizten Diskussionen der 70ern mag es ja noch soetwas gegeben haben: "Du bist ein heruntergekommenes Subjekt, das in seinem verblendeten bourgeoisen Dünkel für genau die Gesellschaft steht, die wir bekämpfen", oder so, konnte noch existenzielle Krisen auslösen, denn es bedeutete, aus dem erlauchten Kreis der Leute, durch die die reine Lehre Verbreitung fand, ausgeschlossen zu werden, jedenfalls wenn wir unseren Altvorderen glauben dürfen.

Aber wen kümmert´s heute noch in postpostmodernen Zeiten, wo wir alle "identitäres" Denken längst hinter uns gelassen haben, wenn es etwa heißt: "Du bist Teil genau der ...", "Du stehst eben genau für Verhältnisse, die ..." ?

So lief aus meiner Sicht das Aneinandergeraten zw. Hartmut und MR ab. Klar stehe ich da auch nicht erhaben und unangreifbar über den Dingen, wie ich gesehen habe. Warum aber nicht: "Aha, aus dem, was ich gesagt habe, folgt für Dich also dass ...; hab ich das richtig verstanden?" ? Denn aus solchen Einlassungen folgt gar nicht notwendig, dass es persönlich aufzufassen ist; wenn man einander persönlich kennt, ok., ist das sicherlich noch einmal etwas anderes.

Was ich da mal zu erleben glaubte, schien mir doch ziemlich als ein Rückfall in Schemata längst vergangener oder jedenfalls überflüssig gewordener Machtkämpfe zu sein. Bei fehlgelaufener Kommunikation liegt Psychologisierung/Personalisierung natürlich nahe. Die Gründe für letztere sind selbstverständlich psychologischer Natur!

Als dann aber die RAF zu einem Haufen irrational agierender Verrückter mutiert war, man aber von der alten Gewohnheit, irgendwelche Machtkämpfe auszuführen, nicht lassen wollte, entdeckte man das unerschöpfliche Reservoir der Psychologie. Nun konnte man das tun, was wir heute "psychologisieren" nennen, um wahllos irgendwelche Leute herbzusetzen! Psychologie - die Modedisziplin der Siebzigerjahre!

Es gibt jemand, der das heute noch bis zur Perfektion beherrscht, nur uns leider nicht mehr in den Genuss von Kostproben des bei ihm - aus sportlichen Gründen, wie ich es sehe - zur hohen Kunst getriebenen links-intellektuellalistisch-herablassenden Hochmuts kommen lässt, das ist der Nörgler.

Nun, was ich da mal hier las, erinnerte mich an diese Zeit der 70er, z.T. selber erlebt, an einen Dünkel, über den ich mich damals schon etwas wunderte, weil so wenig erkenntnissbringend. Ich glaube, ich meine nicht mal Dich, Che (glaube Dir hier im Thread ganz gut folgen zu können und lerne überhaupt viel über CW & RS-Debatten), und dieser "Dünkel" schien nicht einmal richtig dünkelhaft zu sein, sondern mehr ein Schatten davon: psychologisieren, mehr aus einer alten Gewohnheit heraus.

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Thema: Intellektuelle Respektlosigkeit
Ähem.

Da bin ich Willy (erneut) fern, so sehr ich auch grundsätzlich glaube,
erstens, dass es sehr unterschiedliche CW-Konzepte gibt,
zweitens, dass CW-Konzepte nur eine (imho aber interessante) Teilmenge einer sinnvollen Rassismusdebatte darstellen,
drittens, dass die RS-Variante von CWS in vielerlei Hinsicht problematisch ist (nicht nur deshalb, weil ein eigentlich selbstreflexiver und undogmatischer Ansatz von RS in etwas Aggressives und Schräges verwandelt wurde, mit "Maul halten!" als Primärtugend),
viertens, dass die Übertragung (seitens fleißiger deutscher Akademiker_innen) von US-Diskussionsansätzen seitens von RS und anderen ausgesprochen unterkomplex erfolgt ist,
fünftens, dass - trotz einiger damit möglicher wirklich interessanter Einblicke - die Übertragung von CWS auf deutsche und europäische Verhältnisse erst noch geleistet werden werden muss,
sechstens, dass die 1:1-Übertragung radikaler CW-Ansätze auf das Verhältnis zwischen schwulen und heterosexuellen Menschen in D-Schland sogar regelrecht panne ist - und sogar respektlos gegenüber jenen ist, die ungleich diskriminierter und bedrängter sind.

Gleichwohl werden sogar auch im Rahmen von RS tatsächliche gesellschaftliche Problemlagen angesprochen und erörtert - was zu respektieren ist, einerseits -, ähem, und andererseits teils auch auf das Hirnrissigste dramatisiert. Dazu rechne ich die Tendenz, beispielsweise, eine reichlich akademische Sprachkritik auch bei vergleichswesie geringfügigen Anlässen grotesk zu dramatisieren - und umgehend dann via behaupteter, zugeschriebener "Sprecherposition" jegliche Kritik am Unfug als verboten zu kennzeichnen.

Da zeigt sich durchaus ein, so würde ich es sagen, gewisses "totalitäres" Moment, gerade in der eigenen Diskussionskultur. Ich finde es immer problematisch, wenn offene Kritik und auch die Selbstreflektionsfähigkeit innerhalb linker Gruppen verunmöglicht werden. Das, was RS veranstaltet hat, das war reichlich manipulativ, und wie Che beschrieben hat, hatte es mit solidarischem Handeln und einem solidarischen Miteinander nichts zu tun.

Aber eine Gleichsetzung von einzelnen, eher misslungenen CW-Ansätzen nun ausgerechnet mit dem Rassismus von Nazis ("nicht weniger hässlich und repressiv als..."): Willy, das ist nicht nur krass überzogen, sondern geschmacklos hoch drei und geht zu weit!

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nicht schon wieder !
Nein, Dean, wieder! Ich wollte schon sagen, es sei sicherlich genug mit der zum Ausdruck gebrachten Wertschätzung meines Alias´, nur weil ich das Allernormalste getan hatte, mich zu entschuldigen, es würde schon genug Gelegenheiten geben, uns zu kabbeln, und siehe, flugs lieferst Du die Gelegenheit dazu. Durch Deine Kommentare sehe ich mich in einen falschen Kontext hestellt. Meine könnten als perfide ironische Verhohnepipelung von irgendetwas gelesen werden. Dabei versuche ich, immer meiner Kenntnislosigkeit, wenn gegeben, Ausdruck zu verleihen, und zu werben für die ziggev-Idee, dass Ironie mir in den allermeisten Fällen abgeht. Für Internt-Kommunilation das schlechtest-denkbar mögliche Medium überhaupt!

Besser, gleich ehrlich zu sein. Was Du machst, ist eine vorläufige Zusammenfassung der Diskussion, verkaufst das als eigene Position oder angeblich gewonnener Erkenntnisse, von Punkt eins bis ich glaube fünf, vom Katheder herab doziert. Alles ohne Anstrengung aus den bisherigen Kritiken abzulesen. Was sollen wir da bitte mit der Diagnose anfangen, es zeige sich eine gewisse "totalitäre Struktur"? Ich bitte Dich!

Damit drehst Du alles wieder zurück, dorthin, wo die Diskussion, die schon längst begonnen hatte, in Deiner Ahnungslosigkeit in Deinen Augen hätte ihren Anfang haben müssen. Sowas kann jeder/jede schreiben ohne sich selbst auch nur eine Sekunde zu hinterfragen!

Sorry, ich muss es so sagen, um Dich interessant zu machen, sprichst Du von einer angeblichen Gleichsetzung von mehr oder weniger gelungenen CW-Ansätzen mit dem Rassismus von Nazis, was willy gar nicht gesagt hat, der lediglich ausnahmsweise seine Zitate dergestalt in einen Kontext gestellt hatte, sodass ein Argument erkennbar wurde, dazu noch eine recht gelungene Übersetzung (on-the-fly nachgecheckt) geliefert hat.

Du scheinst hier einen Kontext aufbauen zu wollen, in welchem sich lauter völlig sachfremde Fragen stellen: ist willy ein Nazi, ist ziggev ein perfide-zynischer Ironiker - wobei weder Du noch ich noch willy wirklich etwas zum Thema zu sagen haben. Was soll diese abgehobene Diskussion?

Du ließt auf, was andere, die wirklich darüber nachgedacht haben und auch mit echten Erfahrungen auf dem Gebiet aufzuwarten haben, im Gegensatz zu Dir, legst es Dir zurecht, um zu erwähnen, dass Du Willy fern seiest, was kein Arsch interessiert - aber nicht ohne es zu unterlassen, ihm unfaire Unterstellungen zu unterstellen.

Das tolle an Ches Blog ist doch, dass er Material zur Verfügung stellt, das es einem ermöglicht, welches geeignet ist, sich darüber klarzuwerden zu versuchen, wo und wie die Diskussion wirklich abläuft oder ablaufen sollte. Umso schlimmer ist es, dass es überhaupt nicht klar ist, warum Du immerzu diese Nebelkerzen wirfst.

Ich frage Dich: Warum ist es immer erst erforderlich, das Misslingen Deiner Kommunikationsversuche zu analysieren, um Dir die Chance zu geben, Dich vielleicht doch noch einmal sinnvoll an einer Diskussion zu beteiligen?

Solltest Du wirklich nicht die Absicht haben, dich spaltpilzerisch zu betätigen, um eine weitere Diskussion zu verunmöglichen, nur zu offensichtlich, nur zu billig, dann ändere Deinen Stil, ändere Deinen Denkstil!

Wie gesagt, Du versuchst einen Kontext herzustellen, in dem selbst meine wenn ironischen, dann selbstironisch gemeinten Äußerungen als Nachtreten aufgefasst wurden, als perfide-ironische Kommentare aufgefasst werden können, dabei bin ich jemand, der Ironie gar nicht kennt. Ist mir einfach zu kompliziert und läuft im Netz auf ein Nullsummenspiele hinaus.

Es ist ja ok., zu sagen, das und das ist derzeit mein Verständnis der Angelegenheit, im Grunde alles abgeschrieben, wie geht die Diskussion jetzt weiter? Ich bin jedenfalls nicht bereit, mich darauf einzulassen, wie sich da jemand etwas zurechtgelegt hat, alles Dinge, die bereits gesagt sind, und, um dies als eigene "Position" zu verkaufen, sich mit rein erfundenen Aussagen Dritter anzulegen sich bemüßigt.

Die sonstige Diskussion hatte für mich echte Erkenntnisse hervorgebracht, alle Schwule oder Schwarze, die ich kenne, z.B., sind meilenweit von jedem Intellektuellemtum entfernt. Ches Materialien helfen mir, über bestimmte Probleme jetzt genauer nachzudenken. Aber was machst Du ? Ohne irgendeine der Szenen, auch nicht die der "intellektualisierten", würde mich wundern, zu kennen, schwadronierst Du herum und willst eine Nebensiskussion aufmachen, für die sich kein Schwein interessiert, und das tust Du auch noch mit unlauteren Mitteln, willy hätte da was mit Nazis gesagt, das interessiert wirklich kein Schwein!

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Ironie im Netz
Möglicherweise hängen hiermit einige der schwersten Mistverständnisse auf diesem Blog zusammen. Ich muss dazu sagen, dass ich manchmal schwerstironisch bin und ein prägendes Leitmedium für mich die Titanic darstellt wie sie in den 1980ern und 90ern war. Dieser gánze PC-Sprech ist mir nicht zuletzt deswegen so gründlich zuwider, weil er Ironie nicht aufkommen lässt.


BTW, Ziggev und Dean, Ihr habt beide Mail, und ganz unironisch hätte ich gern Antworten!

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kurz noch was zur Ironie. Hier hänge ich der Fowlerschen Definition an.
Irony is a form of utterance that postulates a double audience, consisting of one party that hearing shall hear & shall not understand, & another party that, when more is meant than meets the ear, is aware both of that more & of the outsiders' incomprehension.
zitiert nach wicki, bin aber im Bestiz des betreffenden Werkes (A Dictionary of Modern English Usage) und fand den Fowler, als ich´s damals las, wirklich charmant mit seiner Definition.

Aber wie ist das in Netzdiskussionen machbar? Klar ist sonst Ironie möglich, siehe Titanic. Die deansche Ironie sieht für mich aber immer so aus, als wolle er erst die Situation, dass es eine verstehende und eine gefoppte Gruppe gibt, erst herstellen.

Ein Meister darin ist allerdings der Nörgler, der sich leider nicht mehr meldet, ein Kerl, dem es nichts ausmacht, sich mit allen zugleich anzulegen.

Ich vermute, wenn ich ironisch zu sein versuchte, würde mein Versuch, zwei unterschiedliche Lager zu konstruieren, nur in dieser Unbeholfenheit auf mich selbst zurückfallen. Jedes Mitglied jeder dieser Gruppen würde die Konstruktion erkennen und mich einen Langweiler schimpfen. Soetwas würde nur funktionieren, wenn sich jemand wirklich dumm anstellen würde, aber das tut der Dean ja nicht einmal!

Desh. bei mir bitte nie Ironie hineinlesen; auch wenn ich dann manchmal etw. dümmlich erscheine, ich meine es üblicherweise, so wie ich es sage. Und deshalb bei mir, wenn, dann Selbstironie, bitte!

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Das mit der Apartheid war in der tat ein (von mir übersetztes) Zita von Barbara Fields, die (soweit ich sehe) eine sehr bekannte schwarze Historikerin in den USA ist („Fields was the first African American woman to receive tenure at Columbia University. She has also taught at Northwestern University, the University of Michigan, and the University of Mississippi.” http://en.wikipedia.org/wiki/Barbara_J._Fields).

Ich habe wirklich den Eindruck, dass politisch denkende Schwarze in den USA sich zunehmend angepisst fühlen von der ganzen Identitätspolitik, die da betrieben wird. Sprich: Dass ihnen immer wieder Kompensationsleistungen angeboten werden für den Rassismus in Form von Affirmative Action (Quotenplätze an Unis und im öffentlichen Dienst) und allen möglichen symbolischen Akten, anstatt etwas gegen die immer größer werdende Ungleichheit (unter der Weiße genauso leiden wie Schwarze) zu unternehmen. Und es sind Marxisten, die diese Kritik vorbringen. Adolph Reed schreibt:

„A Marxist perspective can be most helpful for understanding race and racism insofar as it perceives capitalism dialectically, as a social totality that includes modes of production, relations of production, and the pragmatically evolving ensemble of institutions and ideologies that lubricate and propel its reproduction. From this perspective, Marxism’s most important contribution to making sense of race and racism in the United States may be demystification. A histori¬cal materialist perspective should stress that “race”—which includes “racism,” as one is unthinkable without the other—is a historically specific ideology that emerged, took shape, and has evolved as a constitutive element within a definite set of social relations anchored to a particular system of production. …

All politics in capitalist society is class, or at least a class-inflected, politics. That is also true of the political perspective that condenses in programs such as reparations, antiracism, and insistence on the sui generis character of racial injustice. I submit that those tendencies come together around a politics that is “entirely consistent with the neoliberal redefinition of equality and democracy along disparitarian lines.” That politics reflects the social position of those positioned to benefit from the view that the market is, or can be, a just, effective, or even acceptable, system for rewarding talent and virtue and punishing their opposites and that, therefore, removal of “artificial” impediments to functioning like race and gender will make it even more efficient and just. This is the politics of actual or would-be race relations administrators, and it is completely embedded within American capitalism and its structures of elite brokerage.”

http://nlf.sagepub.com/content/22/1/49.full (“Marx, Race and Neoliberalism”, interessanter Aufsatz)

Und genau da ordne ich auch Noah Sow und momorulez ein. Bei aller radikalen Rethorik geht es ihnen eben auch um symbolische Akte und mehr ums Anklagen als ums Verbessern.

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Mit Abstrichen würde ich sagen, ja, das ist so. Wobei Momorulez durchaus auch eine marxsche Gesellschaftskritik vertritt, aber die kumulativ neben den Cultural-Studies Positionen verwendet und nicht mit ihnen verbindet. Bei ihm stehen aber noch eine ganze Reihe sonstige Dinge im Vordergrund, eine Marginalisiertenperspektive, die mit massiven Ängsten verbunden ist...

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Gibt es noch einmal einen Unterschied zwischen "of Color" und nicht-weiß?
Hallo alle! Das ist ja schon wieder sechs Monate her, wow! Eine ganz schön intensive Diskussion war das. Irgendwie nett, daß Momo sich in einem Jahresrückblick bei u.a. mir fürs nicht-lockerlassen bedankte, doch bezweifle ich, daß eine grundlegende Verständigung heute wahrscheinlicher wäre. Ich habe gerade alles nochmal gelesen, zur Frage von futuretwin ein Beitrag von Alex Weheliye (28.10.12):

„Vor einiger Zeit habe ich im deutschen Zusammenhang den PoC Begriff wie folgt definiert:
Begriffe wie “People of Color” und “Weiße” sind politisch konstituierte und historisch wandelbare Kategorien, die zwar oftmals an phänotypischen Merkmalen festgemacht werden, aber nicht auf diese zu reduzieren sind. In diesem Sinne sind “People of Color,” die Menschen, die in Deutschland von verschiedenen rechtlichen, politischen, ökonomischen, und kulturellen Institutionen und Diskursen als Nicht-Deutsche positioniert werden. “Weiße” wäre das hegemoniale Pendant, dass von diesen Institutionen und Diskursen als ursprünglich und naturgegeben Deutsch repräsentiert wird.
Nehmen wir als Beispiel die Begriffe, mit denen People of Color in Deutschland bezeichnet und aus der nationalen Gemeinschaft ausgegrenzt werden. Die Begriffswandlung von „GastarbeiterInnen“ über „AusländerInnen“ zu „MigrantInnen“ verdeutlicht vor allem eines: mittels rhetorischer und politischer Macht den Terminus „deutsch” zu vermeiden, um ihn weiterhin unter exklusivem Verschluss zu halten. (http://metalust.wordpress.com/2012/09/21/analyse-und-kritik-als-vorkampfer-des-politischen-liberalismus/)“

Er selbst „habe auch Probleme mit dem PoC Begriff–wie mit vielen anderen rassifizierten Bezeichnungen auch–und benutze selber „nicht-weiße“ Menschen, verwende aber PoC aus politischen Gründen in bestimmten Kontexten, vor Allem um Allianzen zwischen verscheiden vom Rassismus betroffen Gruppen anzuerkennen und aufzubauen.“

Schon richtig, doch bei mir kommt nicht nur aus Gründen der Rassifizierung durch die Bezeichnung ein Unbehagen auf. Mich nervt auch die total selbstverständliche Englischlastigkeit in der „PoC Szene“. Für mich ist Englisch in erster Linie und aus verschiedenen Gründen eine Hegemonialsprache und als solche nicht besonders feiernswert oder zur Abgrenzung gegen Deutsch- (und damit Weiß-, wie es ja so vehement gleichgesetzt wird) hegemonie geeignet. Das fiel mir letzt auch bei einem Black History Month-Poetry Slam auf - Englisch zu können ist u.a. eine Bildungsfrage und Englischkenntnisse vorauszusetzen eine Form der Ausgrenzung, von der gerade auch MmM, in deren Herkunftskultur und Bildungssystem Englisch kaum vorkommt, betroffen sind.

Bezeichnenderweise reicht es bei Nadine Lantzsch in „Wie produktiv ist die aktuelle Debatte um Critical Whiteness“ (http://maedchenmannschaft.net/wie-produktiv-ist-die-aktuelle-debatte-um-critical-whiteness/) gerade mal wieder für die Verschränkung von Feminismus und Rassismus, während Klassismus (habt ihr einen besseren Ausdruck?) unter den Tisch fällt. Sie schreibt zwar selbst anklagend („neue Weinerlichkeit“ ist echt bitterböse, aber schon treffend...) :

„Warum beobachte ich in letzter Zeit, dass in weiß dominierten feministischen und linken Kontexten eine kritische Besprechung von Critical Whiteness stattfindet, während Rassismus kein selbstverständliches Thema ist, selten interdependent zu Sexismus gedacht wird und weiß nie benannt wird?“

doch will sie nicht merken, welche weitere Interdependenz sie wie selbstverständlich ausläßt. Absolut, Che, um „tragfähiger, tiefschürfender und umfassender“ zu analysieren und zu kämpfen, ist ein Ansatz wie triple oppression oder Intersektionalität, ohne Identitätsolympiade, notwendig.

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Je später der Abend, je netter die Gäste!
Hallo qwertzu!


Absolut, und weswegen mir die Diskussionen bei Momo und Lantzschi wie Geisterdebatten anmuten ist die Tatsache, dass bei der Kampagne "Für freies Fluten" so ab 1990, wo im Vorfeld der faktischen Abschaffung des Asylrechts die in direkter Fortsetzung der Begrifflichkeiten der rassenhygienischen Ostforschung gebrauchte "hydraulische" Terminologie mit Begriffen wie "Asylantenflut", "einsickern" etc. der Neu-Rechten, die damals Eingang in die öffentliche Sprache gefunden hatte einfach umgekehrt wurde diese Triple-Oppression-Perspektive schon linker Konsens gewesen war. Den Begriff "Klassismus" finde ich allerdings hilflos bis dämlich, ich würde schon von "Klassenwiderspruch", "Klassenperspektive" und "Klassenkampf" sprechen. Es hilft nichts, weiter zu splitten und zu atomisieren, aber der Englischlastigkeit würde ich spaßeshalber gerne mal "Nun reden wir mal arabisch miteinander" entgegensetzen;-)

Oder halt Begrifflichkeiten "deutscher" Kanaksprak.


Bei Momorulez ist es halt das Problem, dass er Kommunikationsprobleme zwischen ihm und mir oder KommentatorInnen auf meinem Blog, die ich überwiegend als interpersonell entstandene reine Missverständnisse ansehe umstandslos auf in weiterem Rahmen geführte politische Debatten überträgt und damit dann gleichsetzt. Das führt völlig ins Leere.

Schräg sind in solchen Kontexten auch die Kritiken an "Blackface" in deutschen Theatern. Blackface bedeutet eigentlich, dass Weiße sich als Schwarze verkleiden und sich dann klischeehaft über diese lustig machen. Die Blackface-Kritiken bei Bühnenwatch et al beschäftigen sich aber damit, dass ÜBERHAUPT Weiße sich schwarz schminken, z.B. bei Rollen wie Othello. Da ist die Frage, ob für die Rolle doch besser ein/e POC einzusetzen wäre immer noch zu stellen, aber die Gleichsetzung mit einer definitiv rassistischen Praxis unangebracht, ja sogar verharmlosend. Es gab da mal eine Kritik an einem Karnevalsverein, wo sich eine blonde weiße Frau halbnackt mit Knochenkette und Knochen im Haar präsentierte als Fall von Blackface - doch die stellte eine europäische Steinzeitfrau dar. Ich habe den Eindruck, dass einige Leute sich da extrem verrennen. Und das ist in Zeiten von Massenabschiebungen und rassistischem Terror sehr kontraproduktiv.

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Blackfacing
finde ich immer unangebracht, wenn vielleicht auch nicht immer definitiv rassistisch. Ich würde es daran messen, ob es andersherum auch problemlos ginge bzw gemacht wird - und das tut es einfach nicht.
Die Frau vom Karneval allerdings ist ein anderer Fall - irgendwie eine Überreaktion, wo doch "race Merkmale" gar nicht kolportiert wurden.

Ja mir war damit auch unbehaglich – Klassismus. Weiß noch nicht, wieso. Was genau findest Du daran hilflos? Irgendwie fehlt der Hinweis auf Kapitalismus als (Mit)ursache der ökonomischen Unter- und Überprivilegierung?

Es gibt aktuell auch schon den „Klassismus-fail“ in der Blogwelt... Ich verstehe allerdings nichtmal, worum sich die Aufregung dreht.
http://takeoverbeta.de/2013/03/mindestens-klassismus-fail-hier-bei-uns/#comment-64721

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Takeoverbeta ist sozusagen der Kindergarten der Mädchenmannschaft, die muss mensch nicht verstehen, und aufregen tun die sich immer.

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Das war jetzt aber böse.

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