Sonntag, 4. Februar 2018
Der lange Marsch der YPG
Bei der türkischen Aggression gegen Afrin geht es dem Erdogan-Regime nicht einfach nur darum, ein Erstarken und Wachsen der kurdischen Selbstverwaltungszone zu verhindern und die YPG und mit ihr die PKK zu schwächen. Mit Rojava ist eine Region entstanden, in der revolutionäre Kräfte ein soziales Experiment wagen: Einen dezentralen Sozialismus und eine sehr wenig hierarchisierte Gesellschaft in der Frauenrechte auf sehr massive Art und Weise durchgesetzt werden. In der ganzen Großregion der strahlkräftigste soziale Aufbruch seit Fatsa https://de.wikipedia.org/wiki/Selbstverwaltung_in_Fatsa,
seit Mahabad https://de.wikipedia.org/wiki/Republik_Mahabad , seit der Räterepublik in Kurdistan-Irak 1991. Etwas, das dem islamischen Fundamentalismus den Garaus machen kann, weil es den verarmten Massen eine säkulare Alternative bietet. Und weil es die Frauen im gesamten Nahen und Mittleren Osten mobilisieren könnte ihre Rechte durchzusetzen. Nichts fürchtet ein Erdogan mehr. Nicht erscheint für die Linke unterstützenswerter. Solidarität mit Rojava, Solidarität mit der YPG! Biji Kurdistan Azad!

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Ergänzend hierzu:

http://antifra.blog.rosalux.de/afrin-demo-deutschland-du-hund/

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Letztlich war der Auslöser die Ankündigung der USA, an der syrisch-türkischen Grenze eine kurdische Schutztruppe zu installieren. Sehr ungeschickt!

Dazu kommt noch, dass Putin die YPG aufgefordert hat, das Gebiet wieder an Assad zu übergeben und da dem nicht nachgekommen wurde, hat er einen Deal mit Erdogan gemacht: Dieser hat freie Hand in Afrin, dafür hält sich dieser in Idlib raus. Als Bonbon zieht Erdogan besagte söldnerartige Islamisten zum Kampf gegen die YPG zusammen, wodurch die Islamisten in Idlib geschwächt werden, was wiederum gut für Assad ist. Es scheint, als sei Erdogan davon abgerückt, auf Assads Sturz hinzuarbeiten, was wohl auch immer unrealistischer wird. Mit einem von Assad kontrollierten Grenzgebiet kann er eher leben, als mit den Kurden.
Es könnte jetzt allerdings wieder Bewegung in die Sache kommen, da wieder Vorwürfe laut werden, Assad würde Giftgas einsetzen. Das könnte ein PR-Coup sein, der wieder ein stärkeres Engagement der USA in Syrien vorbereiten soll. Das Giftgasangriffe stattgefunden haben ziehe ich hier gar nicht in Zweifel, es ist aber auffällig, dass das ausgerechnet jetzt durch die Medien geht.
Schließlich geht es gegen die Interessen der USA und vor allem von Israel, dass der Iran ein (schiitisches)Einflussgebiet vom Irak über Syrien bis hin zum Libanon hat. Netanjahu hat neulich auch nochmal betont, dass er eine dauerhafte iranische Präsenz in Syrien nicht tolerieren wird. Wobei sich das eher auf das israelisch/syrische Grenzgebiet beziehen wird.

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Analytisch treffend auf den Punkt gebracht was das Wann und Wie angeht.

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Vielleicht wäre es für Rojava sogar wünschenswert, wenn Israel stärker in den Krieg eingreift. Als säkulare Kraft wären die Kurden der naheliegendste Verbündete für die Israelis. Sie sind halt nur am falschen Ende Syriens. Wie siehst du das, che?

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Wie ich von kurdischen Freunden weiß vergleichen die sich selbst oft mit Juden und ziehen Parallelen zwischen Israel und einem zu gründenden Kurdenstaat. Andererseits ist bei PKK und PUK, von der YPG weiß ich das nicht, ein traditioneller Antiimperialismus sehr verbreitet, der die Palis als Verbündete und Israel als einen der schlimmsten Feindstaaten betrachtet. In der Vergangenheit gehörte die Ausbildung in einem Trainingscamp der PLO zum Pflichtprogramm der Peschmerga. Und der aktuelle Verbündete heißt Iran. Das ist schon eine schwierige Gemengelage. Da gibt es ein sicher lesenswertes Buch von Volker Perthes: Das Ende des Nahen Ostens wie wir ihn kennen. Werde ich mir bei nächster Gelegenheit mal geben.

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"Und der aktuelle Verbündete heißt Iran."

Das ist natürlich scheisse. Aber was will man machen, wenn die Amis einen hängenlassen. Mit dem Assad-System hat sich die YPG ja bisher auch gut gestanden.

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Es wird immer komplizierter:

Jetzt hat Assad wohl zugesagt, die YPG gegen die türkischen Truppen zu unterstützen, die iranischen Truppen ziehen anscheinend mit nur die Russen halten sich zurück (wegen des Deals mit Erdogan?)

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Und die Gefahr einer Ausweitung des Krieges wächst und wächst.

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