Samstag, 11. Juli 2020
Frauenkörper, Männerblicke
Es ist wieder Sommer mit öfter mal Schöne-Frauen-Wetter, und als ein kontaktfreudiger Augenmensch bin ich entsprechend unterwegs. Wenn mir der Anblick einer sexy Frau gefällt lasse ich sie das in der Regel spüren, die Reaktionen fallen unterschiedlich aus: Zurückblinzeln, Lächeln, Flirtsituationen, deutliche Ablehnung oder auch Genervtheitsreaktionen, drittens Nullreaktion, Ignoranz, alles drei ungefähr gleich häufig verteilt.


Von Margarete Stokowski gibt es ja einen bekannten Beitrag zum Thema Männerblicke auf Frauenkörper

https://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/sommer-und-feminismus-das-beduerfnis-nicht-angegafft-zu-werden-a-1271756.html

dem ich teilweise widerspreche. Ohne Blickkontakt würde wohl kaum jemals eine Beziehung oder Partnerschaft, Techtel, Onenightstand oder auch nur flüchtige Bekanntschaft zustandekommen (außer jetzt bei Blinden), und es stellt sich die Frage: Wo und wann beginnt beim Anschauen die Belästigung? Sicherlich, minutenlanges Anstarren ist bestimmt niemals angesagt, darauf verzichten, schönen Frauen intensive Blicke zuzuwerfen, auf die Idee käme ich allerdings nie. Wobei ich mir einerseits meiner Privilegien bewusst bin, andererseits auch meiner eigenen Beschränktheit.

Was nämlich in bestimmten Situationen in Frauen vorgeht kann ich nicht nachvollziehen. Was ist schlimm daran, begafft zu werden, weil der eigene Körper von jemand anderem als schön oder erotisch empfunden wird? Das ist doch eigentlich ein Kompliment. Wenn mir Frauen auf den Hintern oder meinen sich beim Sport bewegenden Körper schauen und ich bemerke das erfreut das meine Eitelkeit, nicht mehr. Ich bin aber auch ein Mann, und die Lebensssituation einer Person, die potenziell Gefahr läuft vergewaltigt zu werden ist mir völlig fremd. Für sexuell attraktiv gehalten zu werden ist grundsätzlich niemals für mich mit einer Gefahr verbunden - wobei ich es durchaus schon erlebt habe, dass Frauen über mich hergefallen sind, aber das war übereinstimmend.

Was ich zum Anderen nicht verstehe sind Erzählungen von Frauen, die Opfer sexueller Übergriffe waren und sich nicht gewehrt haben, obwohl sie nicht in für sie bedrohlichen Situationen waren - Telefonanmache, Anfassen im Vorbeigehen in Anwesenheit Dritter usw. Wieso die sich nicht wehrten verstehe ich halt überhaupt nicht.

Und dann gab es da noch Situationen, wo Frauen sich von mir blicktechnisch belästigt fühlten und mir das sagten und ich sie überhaupt nicht angeschaut hatte und auch gar nicht erotisch interessant fand. In einem Fall hatte ich sozusagen durch sie hindurch oder in mich selber hineingeschaut - ich war in einem Gruppengespräch ganz auf das Gesagte und meine eigenen Gedankengänge konzentriert und hatte überhaupt nicht mitbekommen dass meine Sitznachbarin sich von mir angestarrt fühlte, eine Frau, die von ihrer ganzen Außenwirkung und Ausstrahlung für mich ein asexuelles Wesen war.

Die weibliche Wahrnehmung von Männerblicken ist dann also noch einmal ein Thema für sich.

Das ganze ist dann natürlich kulturell vermittelt, während es Gegenden in Afghanistan gibt, wo der Anblick einer Frau ohne Burka schon ein Tabu ist gibt es in Skandinavien ganze FKK-Dörfer, und es war natürlich eine Schwedin, die mich während einer Kletterpause auf einer Bergtour mit "I need a lover" ansprach, sie war 25, ich 52, und das spielte keine Rolle. Um das Fass voll zu machen kenne ich eine Mexikanerin, die sich geradezu beleidigt fühlt, dass ihr die Männer in Deutschland nicht hinterherpfeifen.

Es bleibt ein weites Feld. Bin gespannt was der Sommer so bringt, erstmal heisst es ja noch Abstand halten.

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In irgendeinem alten Film sagte Marlon Brando mal: "Ich hab noch keine gesehen, die gut aussah und es nicht gewusst hätte."

Ich denke das sagt alles.

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"Was ich zum Anderen nicht verstehe sind Erzählungen von Frauen, die Opfer sexueller Übergriffe waren und sich nicht gewehrt haben, obwohl sie nicht in für sie bedrohlichen Situationen waren" - ach, das kann ich mir schon vorstellen, wie man in sowas reinrutschen kann, z.B. wenn man als Frau der passive Part im Spiel ist und es an einer Stelle nicht schafft, den Rückkzieher zu machen, weil es einem plötzlich doch zu dicht und zu viel wird, oder man eh nur die körperlich warme Nähe des anderen oder einen Flirt gewollt hatte und der männliche Part unsensibel-übergriffig darüber hinweggeht ... sehr gut dargestellt übrigens in "Alles ist gut", einem wunderbar unprätentiösen Film zum Thema (https://de.wikipedia.org/wiki/Alles_ist_gut).

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Ich rede aber hier nicht von Dingen, die einvernehmlich begonnen haben, sondern von einseitigen Übergriffen. Zum Beispiel von einem Mann, der eine weitläufige Bekannte angerufen hat und sie damit vollquatschte, was er alles mit ihr machen wollte, und das waren teils Vergewaltigungs- und teils Folterfantasien, und sie schaffte es eine halbe Stunde nicht, den Hörer aufzulegen. Im anderen Fall kniff ein Mann einer neben ihm gehenden Frau wiederholt in den Arsch, sie wollte das nicht, traute sich das aber nicht zu sagen, dass sie das nicht wollte, sondern lächelte nur gequält. Dabei befanden sich genug Leute in der Nähe die sie hätte um Hilfe bitten können. Beide erzählten das später unter Tränen im Bekanntenkreis. Diese Art von Passivität verstehe ich nicht.

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Das allerdings verstehe ich auch nicht (kann nur mutmaßen, dass uralte Unterdrückungsmuster manchen Menschen trotz allem Leid mehr Sicherheit geben als die Solidarität ihrer lebendigen Mitmenschen, vielleicht so eine Art kollektive "Macht der Gewohnheit" im Rollenverhalten).

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Ich habe da eine ganz andere Interpretationsweise, und die hängt mit Klassensozialisation zusammen. Nachdem die Betroffene die Telefonbelästigung öffentlich gemacht hatte bedauerten sie viele ebenfalls öffentlich, während der Belästiger als Sexist geoutet und aus seiner Politgruppe ausgeschlossen wurde und in Szenekneipen Hausverbot bekam. Dieses öffentliche Bedauern argumentierte mit Bekundungen wie: "Oh, die arme Frau, die wurde ja Opfer, weil sie so lieb und empathisch ist und sich nicht wehren kann!".

Eine Genossin machte sich hämisch lustig über diese Darstellungsweise und meinte, das einzig Richtige in der Situation wäre gewesen, sie hätte sich sofort nach dem Anruf zwei Freundinnen geschnappt und die Frauen hätten den Typen bei sich besucht, ihm die Möbel geradegerückt und seine Steroanlage durch die geschlossene Fensterscheibe geschmissen - eine Verhaltensweise, die übrigens eine gemeinsame Freundin nach einer Vergewaltigung tatsächlich praktiziert hatte, allerdings noch mit Rohrleitungen aus der Wand stemmen.


Das Opfer des Telefonterrors stammte aus sehr behüteten Verhältnissen, Vater evangelischer Pastor, Mutter Montessori-Pädagogin, und die Leute die so klagend ihr Mitgefühl bekundeten stammten alle aus akademischen Mittelschichtsfamilien aus Kleinstädten.

Meine Genossin war aus Bremen, Mutter Krankenschwester, Vater Hein von der Werft.

Und diese Konfliktlinien anhand von Herkünften sehe ich immer wieder, war bei den Netbitch vs. Mämaumfeld-Diskussionen ja nicht anders. Die Träger des Ultramoralismus kommen meist aus moralproduzierenden Haushalten, Pastoren- Lehrer-Richterkinder. Und darauf gibt es immer noch eine proletarische Antwort.

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Che, vom Thema Jammerelsen, zu dem alle Welt meine Meinung kennt mal weg:

Wenn Du erleben willst was es heißt wehrlos ausgeliefert zu sein, zu der Erfahrung kann ich Dir verhelfen;-)

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Danke, netbitch, für das Wort "Jammerelsen", das es auf den Punkt trifft - und auch trifft, was mich vom hiesigen Publikum trennt: Ich mag Jammerelsen, schon weil ich selber eine bin.

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@netbitch, oh ja, gibs mir, fester, fester!

@damals, ich vermute, dass die Verwendung des Begriffs "Jammerelsen" bei netbitch etwas anderes meint als was Du bist. Gemeint sind überwiegend weibliche Personen, die der Meinung sind, Frauen seien in erster Linie Opfer und daraus einen moralischen Anspruch ableiten. Verbunden mit Wehklagen und dem Appell an andere, vor allem Männer, sich zu ändern.

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Noch enger gefasst: Dazu gehört auch, Empowerment von straighten, auf Konfrontation eingestellten Feministinnen in Richtung "Kriegt mal den Arsch hoch" als Opferverspottung wahrzunehmen.

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@damals: Ich möchte mich aus dem "hiesigen Publikum" mal rausnehmen, ich sehe das ein bisschen anders als che, netbitch und bersarin z.B.

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Es gibt kein hiesiges Publikum. Are, Chritical Philosopher, arboretum, soziohnepartei, Flavian, Willy, lacommune und andere werden das auch wieder aus anderen Perspektiven betrachten.

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Stimmt, aber ich möchte nur für mich sprechen.

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Naja viele Erwachsene verhalten sich wie narzisstische Kinder, wenn es um's flirten, Sex geht, devoid of jede Verantwortung.

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Das heißt konkret was?
So anspielungshaft wie Du das formulierst kann es alles und nichts bedeuten. Also bitte konkret.

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Zugehen auf die andere Person beinhaltet einen Vertrauensvorschuss und Überschuss an Interesse. Das hat die angegangene Person gefälligst mitzudenken.

Gleichzeitig muss die annähernde Person reflektieren, dass ihre Handlungen potenziell negative Auswirkungen auf die angegangene Person haben können.

Bei so einem Text wie von Stokowski fällt doch auf, dass es im Grunde nur um die annähernde Person geht, wenn man ihn auf mein Beispiel anwendet und von einer Mann-Frau-Binarität im Verhalten ausgegangen wird.

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Aus der Rubrik "Erotik als Verwaltungsakt":

"hat die angegangene Person gefälligst mitzudenken."

"muss die annähernde Person reflektieren"

"von einer Mann-Frau-Binarität im Verhalten ausgegangen wird."

Kleiner Tip noch für Dich: Wenn Dir ein Mensch gegenübersteht, der eine Muschi hat, dann ist es zu 99,99 % eine Frau. Wenn Dir ein Typ mit einem Pimmel begegnet, ist es ein Mann. Und die zu 0,01 % bestehende Möglichkeit, daß da ein Zwitter oder Hermaphrodit vor Dir steht, tritt, wie schon die Zahl sagt, ansonsten äußerst selten ein.

Frauen, die an Dich geraten, werden bestimmt eine Menge Spaß haben. Ein Trost hat das ganze aber: Typen wie Du pflanzen sich nicht fort und sterben aus.

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Ich bin mit sex and drugs and rock´n roll als linker Primärtugend aufgewachsen und verwahre mich gegen jede Moralisierung von Sexualität. Zum Heulen
finde ich daher dass es die linke-Szene-typische sexuelle Libertinage der 70er und frühen bis mittleren 80er Jahre nicht mehr gibt.

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Von Ina Deter gab es damals ein Lied über einen Dauerflirter:

"Ich lasse Dir Haar und Gesicht
und verlier mich doch deswegen nicht.
Willst Du wen jagen
geh mir an den Kragen
ich bin allemal stärker als Du"

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Es mag etwas hölzern formuliert gewesen sein, aber grundsätzlich würde ich die Forderung schon unterschreiben, mitzubedenken, was mein Annäherungsversuch mit dem Gegenüber macht. Ich war nie ein großer Casanova, aber ich habe nur sehr wenige Abfuhren kassiert, weil ich die subliminalen Botschaften "bleib dran" oder "lass es" meistens richtig gelesen und mein Timing darauf abgestellt habe.

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Da stimme ich durchaus zu, wobei es eher ein Mitfühlen als ein Mitdenken ist und Empathie und Instinktsicherheit geschult werden müssen. Was ich vermisse ist die spielerische Leichtigkeit, die in der Hinsicht in bestimmten Milieus mal herrschte.

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Woher kommt die Wut, die verkleideten Vernichtungswünsche, die Erbgutfantasien Bersarin? Weil du es nicht mehr lange machst, dein Körper will nicht mehr, wie er soll. Vielleicht ist auch so dein stetiges Abrutschen in die rechte Kloake zu erklären. Du bist die Variante eines Altherrenfaschismus, den man hier in seiner bizarrsten Variante bei den alten Hampelmännern der AFDler findet. Dein mal abgesonderter neidvoller Kommentar über die Erotik von Jihadis zeigt wer dein heimliches Vorbild ist. Vielleicht musst du mit deinen regelmäßigen Ausfällen ebenso deine eher hohe, näselnde Stimme kompensieren, die manche in die Kategorie unmännlich, effimiert, vielleicht auch "Verwaltungsakt" stecken würden. Widerlicher als deine Minderwertigkeitskomplexe ist aber, dass du mit deiner Ehrbeleidigung gegenüber mir die soziale Pest des Mobbings betreibst. Schließlich waren meine beiden Kommentare, die ich nach ewigen Zeiten hier mal wieder dagelassen habe, nicht mal implizit an dich gerichtet und an die alte abfällige Korrespondenz (die du ja auch an andere Adressaten richtest) erinnere ich mich durchaus. Dass du dich mal gegen Mobbing ausgesprochen hast, aber es munter betreibst, zeigt deine charakterlichen Mängel deutlich auf, Wasser predigen und Wein trinken ist dein kommunikatives Ding.

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@netbitch: Da beschreibst Du Dich implizit selbst.
Aber Dein Appel an Frauen, zu lernen sich zur Wehr zu setzen wurde ja auch schon als Opferverspottung gelesen.

Q.E.D.

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"Woher kommt die Wut, die verkleideten Vernichtungswünsche, ..."

Es ist keine Wut. Es ist Belustigung bzw. Spott über den Verwaltungsmenschen und den Bürokraten der Erotik. Man lasse sich Deine Sätze nochmal auf der Zunge zergehen:

"hat die angegangene Person gefälligst mitzudenken."

"muss die annähernde Person reflektieren"

"von einer Mann-Frau-Binarität im Verhalten ausgegangen wird."

Merkst Du das eigentlich nicht mal selber? Du beherrst nicht einmal eine basale sprachliche Eleganz und erzählst hier den Leuten was vom Pferd? Tickst Du nach sauber? Was für Weiber willst Du damit aufreißen: evangelikale Christinnen aus dem Mittleren Westen? Gretchen Modermöse?

"Dass du dich mal gegen Mobbing ausgesprochen hast, aber es munter betreibst, zeigt deine charakterlichen Mängel deutlich auf, ..."

Und da haben wir dann auch wieder die typische identitär-neocalvinistische Jammerlappenlinke: Wenn Du etwas in den Raum stellst, und dazu noch solche Scheiße, dann wirst Du damit rechnen müssen, dafür kritisiert und ggf. sogar ausgelacht zu werden. Meinestwegen kannst Du das gerne als Mobbing empfinden. Es scheint dann also zumindest, wenn man den Begriff wie Du gebraucht, auch eine gute Seite des Mobbing zu geben. Ich würde es aber eher Kritik an Jammerlappen nennen.

Und nochmal für Dich: Wer sich äußert, muß damit rechnen kritisiert zu werden. Sonst geh doch einfach in einen Safer Space. Vielleicht ein Kleiderschrank oder unter dem Bett. Da tut Dir keiner was. Und da mußt Du auch nicht lesen und vor allem nicht schreiben. Womit Du der Welt einen großen Gefallen tätest und man wird sich dann wieder der sinnvollen Debatten zuwenden können.

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Ansonsten zitiere ich in solchen Angelegenheiten gerne Karl Kraus, und zwar aus seinem Vorwort der ersten Ausgabe der "Fackel":

"Das politische Programm dieser Zeitung scheint somit dürftig; kein tönendes ‚Was wir bringen‘, aber ein ehrliches ‚Was wir umbringen‘ hat sie sich als Leitwort gewählt." (Kraus, Die Fackel, Nr. 1, 1899)

Solches Programm gegen die Spacko-Linke wäre auch heute dringend nötig. Und leider lädt das Internet eben genügend Leute ein, genau solche steindummen, oben von mir zitierten Sätze (und dazu noch als Sprachholper des Verwaltungserotikers) ins Netz zu stellen.

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Wenn man es mal anders kannte, ist klar, dass man sich die guten alten Zeiten gelegentlich zurückwünscht. So eine totale Libertinage hat es in meinen Kreisen allerdings nicht oder allenfalls ansatzweise gegeben, insofern war man da schon früh gefordert, seine Antennen feinzujustieren auf das was geht und was nicht geht - und nicht zuletzt darauf, wann es geht und wann nicht. Auf dem Punkt Timing kome ich in dem Zusamenhang immer wieder, weil das so enrscheidend ist. Ich weiß von meiner Frau und von früheren Parterinnen, dass etliche Typen, die durchaus nicht chancenlos waren, schlicht deshalb nicht landen konnten, weil der Zeitpunkt für den Vorstoß schlecht gewählt war.

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Die Libertinage galt sowieso nur für bestimmte Menschen. Sie ist eher selten. Männer und Frauen, mark793, werden immer zusammenkommen und sie kamen auch immer zusammen: mal ging es gut, mal nicht. Das ganze nennt sich: Leben. Wer allerdings schon vorher ein Reglement entwickeln muß und mit To-do-Liste rangeht: ich fürchte, da kommt am Ende nicht viel bei heraus. Zumal das Gegenüber sowas schnell merkt. Im Zweifels- und Glücksfall macht das nichts, weil auch das Gegenüber den Schüchternen oder den Listenabarbeiter sympathisch findet. (Der Aspekt des Zeitpunkts ist in der Tat sehr wichtig!) Und im Zweifelsfall geht es schief. So wie in der Liebe vieles schiefgehen kann und es halt auch mal einen verrutschten Abend gibt. So what? Nicht jeder mißglückte Kuß ist #MeToo. Wer zudem ein Problem wie echte Vergewaltigung an einen Hashtag delegiert, trägt kaum was zur Lösung bei.

Und was der oder die eine als schön empfand, das sah der oder die andere als vielleicht nur mittelprächtig. Scheitern gehört zu solchen Dingen dazu. Und das lernt man in zunehmendem Alter auch. Die meisten zumindest. Mit dem Flirten ist es ansonsten wie mit dem Schwimmen: Man kann es oder man kann es nicht. Und bei der einen kommt die eigene Art an und bei der anderen nicht, und wer Antennen hat, der merkt das auch schnell.

Und auch das Schlecht-Gewählte und das Auseinandergehen nach kurzer Zeit gehört ebenfalls mit dazu. Zumal in einer Gesellschaft, wo die Partnerwahl nicht mehr nur aus der Notwendigkeit erfolgt, sich abzusichern und sich fortzupflanzen, um qua Kindern, die als Rente dienen, im Alter zu überleben, sondern die meisten sozialen Zwänge sind inzwischen abgebaut sind. Und das macht den Raum für Freiheiten, aber auch für ein Scheitern und die unendliche Überforderung einer Beziehung durch zu viele Ansprüche um so größer. Während sich in früheren Zeiten das Scheitern dann eher in den Beziehungen selbst spiegelte, an denen man festhalten mußte, weil sie gesellschaftlich nicht so einfach aufzulösen waren. In der heutigen Libertinage im Sinne der freien Partnerwahl ist dies einfacher.

Als Lektüre dazu vielleicht ganz gut; Niklas Luhmann: "Liebe als Passion. Zur Codierung von Intimität". Darin vor allem die moderne Überforderung in der Liebe, die dann keine mehr ist, thematisch wird.

Und ansonsten die Soziologin Eva Illouz: Warum Liebe weh tut. Eine soziologische Erklärung.

Eva Illouz: Die neue Liebesordnung. Frauen, Männer und „Shades of Grey“

und "Warum Liebe endet. Eine Soziologie negativer Beziehungen."

Die Moderne ist eben auch das Projekt der Überforderungen und des tendenziellen Scheiterns. (Man muß nun lernen, mit dem Scheitern umzugehen, zumal eben auch keine religiösen oder metaphysischen Großprojekte mehr zur Enttäuschungskompensation bereitstehen.) Während sich früher Beziehungen nach sozialen Regeln ausgestalteten und auch aus einer monetären Notwendigkeit - vor allem für viele Frauen, aber eben auch nicht für alle! Man sehe sich an, wie emanzipiert Frauen in Deutschen Kaiserreich bereits um 1912 waren und man schaue auf den Lebenslauf von Felice Bauer, der Gefährtin von Kafka -, haben vor allem Frauen, aber auch Männer die Freiheit der Wahl. Ob das eine nur gute Sache ist, sei dahingestellt. Es stellen sich dafür andere Probleme ein. Das ist der Preis solcher Freiheit. Er besteht auch darin, daß man Beziehungen in unendlichen Sabbeldiskursen zerlabbern kann und daß die Leute anfangen, noch bevor sie anfangen, irgendein abstraktes Regelwerk aufzustellen. Als ob Liebe eine Vertragserfüllung wäre.

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@mark, Ich bin da aber auch durch eine harte Schule gegangen. Meine große Schwester lebte offene Beziehungen mit erlaubten Seitensprüngen, und war sie mal nicht in Beziehung hatte sie bis zu drei unterschiedliche Sexpartner die Woche. Die galt damit nicht als Schlampe sondern als besonders emanzipierte Frau. Als ich mich auf einer Party mit einer Frau über Erotik in der Kunst und Literatur unterhielt war sie zwei Meter weiter am Knutschen und Fummeln und kritisierte mich hinterher für meine Passivität "Die einen reden von Erotik und die anderen tun es".

Diese offenen Beziehungen und dieser Spontansex auf Parties war damals in der linken Szene positive Norm. Die erste Frau mit der ich als Student etwas hatte machte mir klar was sie wollte indem sie mir während eines Plenums an die Eier fasste. Das war die Welt in der sich meine sexuelle Sozialisierung abspielte. Wobei ich ein überwiegend eher schüchtern-zurückhaltender Typ war, der von straighten Powerfrauen aufgerissen wurde, eine Konstellation die es nirgendwo mehr zu geben scheint.

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@lacommune, das Blog krankt ja daran, dass es keinen Tonfall und kein Minenspiel gibt. Halte ich das Bild, das Du Dir von Bersarin machst und den tatsächlichen Menschen hinter dieser Kunstfigur, den ich im echten Leben kenne nebeneinander ergibt sich da eine Diskrepanz wie, sagen wir mal, zwischen Marilyn Monroe und Alice Schwarzer.

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@bersarin, ich finde nicht, dass lacommune fernbleiben sollte, freue mich im Gegenteil, dass er sich mal wieder zu Wort meldet, aber ich bin insofern bei Dir dass, wer hier kommentiert, Kritik aushalten muss.

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Es ist dies, che, ein Konditional. Es bezieht sich auf diese gegenwärte Art des Schreibens von lacommune. Ich freue mich dann, wenn er es schafft, als Erwachsener zu schreiben und nicht als Kindmensch, wie bisher leider fast immer, und wenn er zeigt, daß er etwas gelernt hat, statt hier solche Phrasen aus dem Handbuch des Verwaltungsbeamten einzustellen. Und wer das öffentlich macht, muß eben auch öffentlich mit der Kritik rechnen. Leider hat lacommune diese reiferen Züge bisher hier selten gezeigt.

Wer wie im richtigen Leben ist oder nicht ist, ist für Texte ziemlich egal. Und auf diese beziehe ich mich ausschließlich.

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Na, von der Schüchternheit des Che konnte ich mich überzeugen als er über mich herfiel;-)

Habe aber nur den Enddreißiger kennengernt, nicht das Larven- oder Puppenstadium.

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Welches Du wahrscheinlich in erster Linie niedlich gefunden hättest.

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Jedenfalls fällt auf, dass Sex in linken Diskussionen mal eine herausragende Rolle gespielt hatte, gerade in Hinsicht auf Befreiungsperspektiven gedacht, und heute, wobei dieses heute einen Zeitrahmen umfasst der schon so um 1990 beginnt immer nur dann, wenn es um Vergewaltigung, Mißbrauch, Übergriffe, Sexismus geht. Wobei der Begriff des Sexismus auch wieder ausgedünnt ist auf Anmache und sexistische Darstellungen, während der analog zu Rassismus entwickelte Begriff früher auch solche Dinge umfasste wie Leichtlohngruppen für Frauen.


Grundsätzlich scheint Sex für viele Linke nur in Zusammenhang mit ernsten Problemen ein Thema zu sein und wird umgekehrt auch zum ernsten Problem gemacht. Ich hatte einem früheren Freund mal in begeistertem Tonfall von einer spomtanen
sexuellen Begegnung mit einer Zufallsbekanntschaft berichtet, und da kam von ihm, dass die Frau bestimmt ein Opfer von kindlichem Mißbrauch sei, für solche Frauen sei typisch, dass sie sich auf schnellen Sex einließen, um Schlimmeres zu verhindern. Das wäre so ziemlich das Letzte, was mir einfiele, wenn eine schöne Frau mir signalisiert dass sie Lust auf mich hat.

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@bersarin - Wer wie im richtigen Leben ist oder nicht ist, ist für Texte ziemlich egal. Und auf diese beziehe ich mich ausschließlich.


Logozentriker!

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Solidarität ist die Zärtlichkeit der Völker
Sex ist die Zärtlichkeit der Erwachsenen.
Selbstmitleid ist die Zärtlichkeit der Autisten.

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Dieser Blog bräuchte ein Glossar
Von Bommelanalyse über Logozentrik und Paralogik bis Zärtlichkeit der Autisten.

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Ich bin sehr für den Logozentrismus. Denn der Logos ist das Zentrum, das uns bewegt und von dem wir bewegt werden, und freilich bin ich auch für den λόγον διδόναι

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Beleidigen macht Spaß, beleidigen tut gut!
Doch es kommt auch darauf an, wie man beleid‘gen tut.
Drecksau, Spacko, Arschgesicht befried‘gen den Beleid‘ger nicht.
Altherrnfascho, Hampelmann machen uns die Stirn nicht warm.
Rechtskloakler, tüttelschwach - da rufen wir nicht Weh und Ach.
Näselstimmler, Mobbingpest geben uns noch nicht den Rest.
Todeswünscher, Erbgutfan hören wir doch eher gern.
Minderwertig-schwerkomplex sagt zum Manne jede Ex.
Mangelmännlich, effimiert – fast ein Lob, nach dem man giert.
Predigt Wasser und trinkt Wein – ach, Beleid‘ger, lass es sein.

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Sex und die Befreiungsperspektive
Ich hole mal was aus:
Neulich geisterte Attila Hildmann durch den Äther, dieser eindeutig psychotische Verschwörungskoch. Da ich immer versuche zu verstehen, bewegte mich die Frage, was hat der Attila eigentlich gegen Volker Beck? Ist es weil der schwul ist? Oder hat sich Beck mal negativ über Goldmann geäußert?
Ein bisschen geguckt und Attilas Rechfertigungsvideo gefunden. Abgesehen davon, dass das Ding meinen Verdacht der klinischen Psychose eher erhärtet, wurde das meiste, was er dort über Beck erzählte durch ein paar Klicks zu bestätigen: die Pädophilenthematik bei den Grünen. War mir in diesem Ausmaß gar nicht bewusst.

Naja, und da dachte ich mir: sowas kann natürlich auch dabei rauskommen, wenn Sexualität unter der Befreiungsperspektive thematisiert wird....

Korrektur: Super, das ich versehentlich aus Hildmann Goldmann gemacht habe. Der jüdische Name würde ihn vermutlich härter beleidigen, als die unterstellte Psychose.

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Fett: N.Ö.R. to the G.L.E.R. stept ans Mic und feuert die dopen Skills ab, um den wacken Faker zu zerflexen!
:-)))

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Na ja, wenn man in die Kinderläden von 1967 zurückschaut und die Geschichte mit dem Penis des vierjährigen Nessim würde ich eher sagen dass da kindliche Sexualität zum ersten Mal ernst genommen wurde als die große Pädophilie-Keule zu schwingen. Gibt da einen guten Text zu: Die Psychoanalyse der Küchenarbeit von Klaus Hartung.

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Es gibt das Gerücht dass Attila Hildmann in einem chinesischen Labor geklont wurde.

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Ja, Futuretwin, das würde er. In Iluminatus! Band 3 wurde ja auch Adolf Hitler auf einem jüdischen Friedhof beigesetzt. Ich sah mal auf Sat1 eine amerikanische Komödie, wo KuKluxKlansmen in einem Football-Stadion öffentlich beschnitten wurden, von einem Rabbiner und mit lauter Sioux als Zuschauern.

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Das mag ja sein, aber es wurde anscheinend durchaus übers Ziel hinaus geschossen.

Cool, die Antwort passt auf beide Kommentare.:-))
Also den von 26 und 27

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Die Welt über Attila Hildmann und Coronaverschwörungstheorien
https://www.welt.de/satire/article211901853/Attila-Hildman-von-Fleischindustrie-in-Labor-in-China-gezuechtet.html

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Großes Kino;-)))

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Der Artikel ist großartig.

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"Hitler war eine schwule außerirdische Frau"
AntifriedentaubeAus von Der Täubling

"Hitler war faul!"
"Hitler war Vegetarier."
"Hitler war eine ganz faule Sau, hat immer bis in die Puppen geschlafen und das mit den Juden waren die Deutschen alles selber. Ja, das muss ich jetzt mal sagen hier, weil hier nämlich keiner was weiß!"
Mann mit der Halskrause in "Absolute Giganten"

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"Herr Moers, wissen wir nach ihrem Föhrerr-Comic mehr über Adolf Hitler?"

"Unter uns gesagt: Der war ne alte Nazisau."

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"Hitler, alte Nazisau!"
"Michael Jackson, alter Kinderficker!"
frei nach "Ein Abend mit mehreren Symbolen" von Walter Moers

Subtil, wie ich wieder zum anderen Thema zurück gekommen bin, oder?
;-) knickknack

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Aber genau wie die chinesischen Wissenschaftler bei der Erschaffung des Homunculus Attila Hildmann übers Ziel hinausgeschossen sind, sind das wohl Leute wie Coon-Bandit in der Pädophilie-Debatte.
Und genau das gilt halt auch für aktuelle Debatten, Stichwort Jammerelsen.

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