Donnerstag, 1. Januar 2009
Happy New Year to all!
Fest steht, dass man fest stehen kann und keine Eiswetten mehr abhalten muss.



Ob allerdings das Eis nicht möglicherweise das einzig Tragfähige Anfang 2009 sein wird muss sich erst noch erweisen. Ob der Löwe aus dem Reich der Mitte weiterhin versuchen wird, die Welt in den Griff seiner Pranke zu bekommen oder ihm eine ebensolche Eiszeit droht wie Teilen der Finanzwirtschaft steht ebenso in den Sternen, wie unklar ist, wen die Wirtschaftskrise nun genau betrifft und wen nicht.



Für die Bewohner/Besitzer der topprenovierten, hochwärmegedämmten und mit Solartechnik und Wärmepumpen oder Blockheizanlagen ausgestatteten Bürgerhäuser am Fluss wird sich aber sicher wenig ändern. Bei den Happy Few ist die Krise nicht angekommen, und vielleicht wird sie es auch nie.










Was das Ganze für mich bedeutet ist noch völlig unklar. Anyway, Happy New Year to all!

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Mittwoch, 31. Dezember 2008
Die Strategie der Hamas
In der taz las ich ein Interview mit Prof.Nadschi Schurab aus Gaza, in dem dieser sagte, die Hamas habe Umfragen zufolge nur noch 25-30 Prozent der Palis hinter sich. Da Präsident Mahmud Abbas Neuwahlen anstrebt, hätte die Hamas den Krieg vom Zaun gebrochen, um diese zu verhindern und sich um ein paar Monate bis Jahre länger an der Macht zu halten. Wenn das wahr ist, sind das ja noch größere Bastarde als ohnehin schon angenommen.
Na, dann mal guten Putsch ins Neue Jahr, was macht eigentlich die DFLP?

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Von rumänischen und anderen Schuhen
Eines der verschiedenen Tischgesprächsthemen zu Weihnachten waren Schuhe, gewissermaßen der Weltschuh als Solcher. Als in Rumänien Ceaucescu noch so richtig fest im Sattel saß, wurden dort Schuhe hergestellt, die wirklich nur in Rumänien gefragt waren und über die man sich schon in der DDR schlappgelacht hätte. In gewisser Weise waren ja auch die Ossis sehr stylish. Die Beliebtheit westlicher Jeans auf dem Schwarzmarkt war schließlich Ausdruck eines Bedürfnisses nach Luxus und Weltniveau, wenn auch in bescheidener Form. Also, diese rumänischen Schuhe gab es in drei Formen: Als einen entfernt Chuck-ähnlichen Turnschuh aus Baumwolle, als Slipper aus Kunstleder und als ebenfalls kunstledernen Langschaftstiefel. All diese Schuhe hatten eine Sohle aus Weichschaum ohne Fußbett, wie Badelatschen. Diese war an den Oberschuh einfach angetackert, und das war´s. Anstelle einer Brandsohle hatten die Schaftstiefel noch eine Innensohle aus Pappkarton. Als Rumänien den Anschluss an den Westen fand, wurde die Gesamtproduktion dieser Billigschuhe, die in Rumänien kein Mensch mehr haben wollte nach Afrika verkauft. Und dort bedauern die Leute heute, dass es diese Schuhe nicht mehr gibt. Sie waren zwar nicht haltbar, aber doch so viel schicker als die Schuhe aus Eigenproduktion. In Tansania etwa sind Schuhe etwas, das man sich normalerweise nicht kauft, sondern selber anfertigt. Wie meine Nichte, die dort zweimal im Entwicklungsdienst gearbeitet hat zu berichten wusste, gibt es dort auch drei Arten von Schuhen. Einmal die Straßentreter: Man nimmt einen alten Autoreifen, maßt am eigenen Fuß ab und schneidet sich das Stück so zurecht, dass es unter die Sohle passt, das wird dann mit Riemen oder Bindfäden am Fuß befestigt, fertig ist die Sandale. Analog werden Treckingschuhe aus alten LKW-Reifen und Bergschuhe für den Kilimandscharo aus Landrover-Reifen hergestellt. Die Schuhe, die bei uns in der Altkleidersammlung landen gibt es dort in Secondhand-Märkten zu kaufen. Die haben da aber das soziale Prestige, das bei uns Borelli, Luigi di Mauro oder Wörishofen einnehmen.

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Montag, 29. Dezember 2008
Das Brautkleid meiner Mutter
Interessant war zu Weihnachten auch die Geschichte, wie meine Mutter zu ihrem Brautkleid kam: sie ließ sich eine spitzenbesetzte Tüllgardine umschneidern, weil sie kein Geld hatte, ein Kleid zu kaufen. Auf der Hochzeitsfeier wurden ihr "wunderschönes Spitzenkleid" sehr bewundert. das war noch eine Zeit, in der man für alkohol- und koffeinfreie Getränke kein Geld ausgab, sondern ihre Grundlage am Wegesrand pflückte: Pfefferminze, Hagebutten, Brennesseln, Löwenzahn, aus denen Tee bereitet wurde. Ich selbst kenne es noch aus meiner Kindheit, dass man Klebstoff nicht kaufte, sondern die schlechten Kartoffeln aus der Schütte zu Kleister verkochte, und Leim wurde aus solchem Kleister, Fettabfällen und Seifenresten hergestellt.

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Fundsache
Danke, Entdinglichung, für den Hinweis!


http://www.occupiedlondon.org/blog/2008/12/25/merry-crisis-and-a-happy-new-fear/

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Sonntag, 28. Dezember 2008
Hounds of war
Dass Israel den Kazam-Terror der Hamas mit einem Luftschlag beantworten würde war absehbar und wurde von einem Großteil der israelischen Bevölkerung gefordert. Was da aber jetzt losgeht überrascht mich doch. Das sieht ja nach einem Krieg aus, wie es ihn seid dem Libanon-Feldzug von 1982 nicht mehr gegeben hat. Und es ist auch nicht beruhigend, was sich da so gerade zwischen Indien und Pakistan entwickelt. Und was den Kongo angeht, wird mir auch ganz anders. Momentan sieht es danach aus, dass 2009 ein ziemlich übles Jahr werden wird.


http://www.news.de/politik/1216748699305/100-tonnen-sprengstoff-als-vergeltung.html


http://www.ots.at/presseaussendung.php?schluessel=OTS_20081228_OTS0022

http://www.n24.de/news/newsitem_4360224.html

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Donnerstag, 25. Dezember 2008
Weihnachten vor 90 Jahren
sang man
"Oh Tannebaum,
oh Tannebaum,
der Kaiser hat in´Sack gehaun.
Auguste muss Granaten drehn,
ihr Willi muss nach Holland gehn.
Oh Tannebaum,
oh Tannebaum,
der Kaiser hat in´Sack gehaun!".


Meine Oma hatte das noch life erlebt
und sang es auch in meiner Gegenwart,
und gestern griff Vater das auf.
Manche Traditionen halten sich lange;-)

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Abweichende Gedanken zu Weihnachten
Ist das Christentum, wie es sich zwischen den Tagen Pauls und dem Konzil von Nikäa entwickelte, nicht eigentlich nichts anderes als eine Synthese aus messianischem essenischen Reformjudentum, ägyptischer Gnosis und der hellenistischen Exegese der Lehren Buddhas?

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Mittwoch, 24. Dezember 2008
An alle, die jetzt noch online sind
Fröhliche Weihnachten, Hag shameh Chanukka!

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Dienstag, 23. Dezember 2008
Draußen steht keine Flak
Diese Familienzusammenkünfte haben ja immer sehr witzige Komponenten. Da kritisierte mein Vater die Tatsache, dass mein Neffe und ich täglich die Unterwäsche wechseln als dekadent, verweichlicht und unnütze Wäsche produzierend. Mein Neffe kommentierte das folgendermaßen: "Opa, hörst Du irgendwo eine Flak feuern? Der Krieg ist vorbei, man kann es sich leisten, stylish zu leben."


Der kommt ins Buch der coolen Leute.

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Sonntag, 21. Dezember 2008
Kleine Ökumene
Bei einem adventlichen Mittagessen unterhielt ich mich mit meinen Eltern über die Gemeinsamkeiten von Judentum, Christentum und Islam, darüber, dass für Moslems Jesus ein bedeutender Prophet ist und um die Frage, ob nicht auch Christen Mohammed als Propheten betrachten könnten, ohne zu Moslems zu werden. Die Drusen verbinden ja eine Mischung aus Judentum, Christentum und Islam zu einer eigenständigen Religion. Da meinte meine Mutter: "Es ist vor allem höchste Zeit, dass Weihnachtsmann und Osterhase als eigenständige Propheten oder Heilige anerkannt werden!".

Hmm, vielleicht erfinde ich mich als Sektengründer neu, das theologische Modell wurde mir ja gerade frei Haus geliefert.

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Paradigmenwechsel
In den letzten Jahren hat die Auseinandersetzung mit dem Neoliberalismus bzw. neoliberalen Positionen auf diesem Blog viel Zeit und Raum eingenommen. Dies wird sich künftig ändern, bedingt durch die veränderten Verhältnisse seit der Weltfinanzkrise. Denn diese Krise war vor allem auch eine Krise des Neoliberalismus. Wie immer man die Rettungsversuche, die von den westlichen Regierungen jetzt unternommen werden auch bewerten mag, sie sind mit Sicherheit nicht neoliberal, sie sind überhaupt nicht liberal. Es scheint so, dass sich die Politik derzeit auf eine Verbindung aus neokeynesianschen Maßnahmen und Aufrüstung im Bereich innere Sicherheit hin orientiert, und das bedeutet Staatsautoritarismus. Ereignisse wie die Unruhen in Griechenland und Island deuten außerdem darauf hin, dass soziale Aufstände auf die Tagesordnung der Geschichte zurückkehren, einschließlich einer gegen sie gerichteten militärischen Repression. In solch einer historischen Situation ist liberale Autoritätskritik mehr als angesagt.

- Zum anderen gibt es in der radikalen Linken einen Theioriestrang, der bestreitet, dass Dinge wie die Hartz-Gesetzgebung noch etwas mit Neoliberalismus zu tun haben. Für die Arranca!-Redaktion und für die Materialien für einen neuen Antiimperialismus steht die Verbindung aus neoliberalen Versatzstücken in der ideologischen Begründung von Sozialabbau- und Deregulierungsmaßnahmen ("Eigenverantwortung", "Fördern und fordern", "schlanker Staat") mit durch und durch antiliberalen obrigkeitsstaatlichen Zwangsmaßnahmen im Mittelpunkt. Für sie formiert sich gerade eine neue Form von Gouvernementalität, die in ihrer Disziplinierung der ökonomisch Schwachen und der zunehmenden Tendenz, diese zur Verinnerlichung ihnen zugemuteter Leistungsnormen zu zwingen ("Griff nach der Seele") zunehmend totalitären Charakter annimmt. In dieser Sichtweise war der Neoliberalismus eine frühe Phase des postfordistischen Umbaus der kapitalistischen Gesellschaften, die inzwischen abgeschlossen und überholt ist. In beiden Szenarien ist der Gegner der Staatsautoritarismus.

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Donnerstag, 18. Dezember 2008
Klarnamen
Es macht zwar wenig Spaß, immer wieder mit Blogauseinandersetzungen im Stil von Hinterhofkloppereien konfrontiert zu werden, aber dennoch: Es wäre schön, wenn das versuchte Outen andersdenkender Blogger und Ex-Blogger ein für alle Mal unterbliebe. "... der werfe den ersten Stein" und so weiter, es geht nicht darum, ob man selber Dreck am Stecken hat oder nicht, ein paar alte Scherereien sollten endlich mal eingestellt werden. Sie führen zu nichts.

Ende der Durchsage.

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Dienstag, 16. Dezember 2008
Noch einmal etwas zur Situation in Griechenland
Gefunden bei Monoma, und sehr wahr:

http://autismuskritik.twoday.net/stories/notiz-krisennews-und-gedanken-11

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Sonntag, 14. Dezember 2008
Tomahawk
Ich war kürzlich im Bergausstatterladen, eigentlich, um mir Schneeschuhe zu kaufen, die waren mir dort aber zu teuer, stattdessen kaufte ich mir eine Sicherungsschlinge, kann man ja immer gebrauchen. Also, jedenfalls hatte ich da einen dieser modernen kurzen Eispickel in der Hand, einen Tomahawk. Mein alter Pickel ist einen Meter lang, wiegt etwa ein Kilo und besteht aus Edelstahl mit einem Schaft aus Polyester. Das Ding, etwa halb so lang, wiegt eigentlich gar nichts und besteht aus Titan und Kohlefaser. Früher hackte man sich mit dem Pickel Stufen ins Eis und ging extrem langsam nach oben. Heute nimmt man in jede Hand einen Tomahawk, zackzackzack haut man sich hoch und knallt die Steigeisen stufenlos ins Eis. Wow!

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Buy the way, wie der Straßenhändler sagt
hier einige Anmerkungen aus dem nagelneuen Testament


http://dasnagelneuetestament.blogg.de/eintrag.php?id=17

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Die "Grüne Hölle" - eine Post-Doomsday-Apocalypse
Neue Forschungen haben ergeben, dass ein Großteil des amazonischen Regenwalds kein Urwald, sondern aus dem Brachliegen von Anbauflächen entstandener Sekundärwald ist. Vor dem Eintreffen von Kolumbus in der Neuen Welt war das Amazonasbecken eines der dicht besiedeltsten Gebiete der Welt überhaupt, mit einer mehrfach höheren Einwohnerdichte als das damalige Europa und einem Organisationsgrad in den Siedlungen, der von den mittelalterlichen Städten in keinster Weise erreicht wurde. Allerdings kann man sich das nicht wie europäische Städte und Anbaugebiete vorstellen, es war vielmehr eine Art Wohnwald: Dorfartige Siedlungen und Gartenstädte, die durch ein planvolles Netz von Zehntausenden Kanälen und Uferpfaden verbunden waren gingen gleichsam fließend in Anbaugebiete über, bei denen es sich um Palmen- und Obstbaumkulturen handelte, die von stehengelassenen Urwaldriesen abgeschirmt wurden. Es war eine vorbildliche Plenterwaldkultur, von der heutige Agrarökonomen viel lernen könnten. Während der eigentliche Regenwaldboden Amazoniens dünn und nährstoffarm ist (immergrüne Bäume, die keine Blätter abwerfen produzieren nunmal kaum Humus), finden sich hier in riesigen Arealen andere Böden: Die Tierra Negra, einen von den Einwohnern Amazoniens künstlich hergestellte Humuserde. Dem Waldboden wurden menschliche Exkremente, Küchenabfälle, Herdasche und eigens zu diesem Zwecdk hergestellte Holzkohle beigemengt. Wie Kohletabletten Im Darm Giftstoffe binden, so hielt die Holzkohle Nährstoffe im Boden fest. Einige Spanier, wie Carajal, hatten von riesigen Städten im Wald berichtet, aber als die Expeditionen der Conquistadores dort eintrafen fanden sie nichts vor - außer vereinzelten Gruppen von Indios, die sie oft mit ungeheurer Feindseligkeit angriffen. Sie begriffen nicht, was geschehen war, nahmen die verwilderten Plantagen auch nicht als Anbauflächen, sondern als Dschungel wahr. Mit den ersten Europäern waren der Schnupfen, die Grippe und die Pocken nach Südamerika gekommen, Krankheiten, gegen die die Waldbewohner keine Abwehrkräfte hatten und die in 3-5 Jahren 90& der Bevölkerung vernichteten. Der Schwarze Tod war eine Kinderkrankheit dagegen. Die Jäger und Sammler des Urwalds sind keine ursprünglichen Wildbeuter, sondern die letzten Überlebenden einer hohen Zivilisation.

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Donnerstag, 11. Dezember 2008
Eine Stellungsnahme aus Freiburg zum Jalloh-Urteil und anderem
Südbadisches Aktionsbündnis gegen Abschiebungen (SAGA)*

*c/o ADW, Postfach 5328, D - 79020 Freiburg, *

*Tel. (0049) 0761 - 2088408 - Fax (0049)0761 – 709866*



Zum Prozessausgang beim Landgericht Dessau halten wir fest:


Der Ausgang der Justizverfahrens kommt nicht unerwartet. Ein Mann
verbrennt in der Zelle, die angeklagten Polizisten werden
freigesprochen. Zeitgleich wird in Bremen ein Arzt freigesprochen, der
einen tödlichen Brechmitteleinsatz zu verantworten hatte.


Im Verfahren in Dessau wie auch in anderen Justizprozessen sind
zahlreiche Widersprüche aufgedeckt worden und offen geblieben (vgl.
Bericht des Rechtsanwalts Rolf Gössner, von Proasyl beauftragt, das
Verfahren in Dessau zu beobachten, vgl.
_www.proasyl.de/de/presse/index.html_
<http://www.proasyl.de/de/presse/index.html>)


Die These, Oury Jalloh sei umgebracht worden, ist bislang nicht
widerlegt worden. Allerdings wird sich keine deutsche Justiz zu dieser
Einsicht durchringen können.


Aus diesem Grund ist eine vielfach geforderte unabhängige Kommission zur
Aufdeckung dieser Ereignisse unabdingbar.


Schließlich ist auch festzuhalten, dass eine Untersuchung derartiger
Ereignisse voraussetzt, dass die Fehler schon stattfanden.


Vor dem Landgericht Freiburg werden im Frühjahr zwei Verfahren
stattfinden, in deren Mittelpunkt zwei Migranten stehen, die von der
Polizei in Freiburg misshandelt worden sind. Dazu gehört auch die
Geschichte mit dem Polizeihund, der auf einen Mann afrikanischer
Herkunft losgelassen wurde.

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Mittwoch, 10. Dezember 2008
Zu den Ursachen des Aufstands in Griechenland
Die italienische Tageszeitung La Stampa interviewt den prominenten griechischen Schriftsteller Vassilikkos.

Der 74jährige Vassilikos wurde durch seinen 1966 verfassten dokumentarischen Roman „Z – Die Orgie der Macht“ berühmt, der die staatlich gedeckte Ermordung des progressiven Parlamentsabgeordneten Grigoris Lambrakis am 22. Mai 1963 nach einer Friedenskundgebung in Saloniki durch zwei Faschisten behandelt und später von dem Regisseur Costa-Gavras verfilmt wurde. Vassilikos war lange Zeit Vorsitzender des griechischen Schriftstellerverbandes und von 1996 – 2005 Botschafter bei der UNESCO.

Interessantes Detail am Rande: Der gegenwärtige Ministerpräsident und Parteichef der rechten Nea Demokratia, Kostas Karamanlis, ist ein Neffe des für den damaligen Mord zumindest mitverantwortlichen Regierungschefs Kostatinos Karamanlis.


„Wir haben auf die Gelegenheit gewartet, um zu explodieren.“

Interview mit Vassilis Vassilikos

Vassilis Vassilikos, vor 30 Jahren haben sie in dem Roman „Z – Orgie der Macht“ beschrieben, wie es, ausgehend von einem Mord, zu einem Staatsstreich kommen konnte ((aus dem das reaktionäre Obristenregime von 1967 bis 1974 hervorging)). Auch heute ist ein Mord der Funke. Wohin wird er führen?

„Sie sehen es. Es ist ein ganzer Baum, der brennt. Jedes Feuer beginnt mit einem Funken und der Auslöser ist heute der Tod von Alexis Grigoropoulos. Das, was die Jugendlichen – und nicht nur seine 15jährigen Altersgenossen – mobilisiert, ist all das, was in den letzten Jahren geschehen ist und ein negatives Klima in der Gesellschaft geschaffen hat.“

Also nicht nur die Finanzkrise?

„Die zählt mit Sicherheit auch zu den Ursachen, aber davor kommt noch der Immobilienskandal, in den das Kloster Vatopedi auf dem Berg Athos verwickelt ist. Und die gefälschten Prozesse, mit Richtern, die ihre Entscheidungen entsprechend den politischen Spielen ändern. Und der versuchte Selbstmord des dreisten Generaldirektors des Kultusministeriums, der die EU-Subventionen verwaltet und die Grundstücke in der Nähe der archäologischen Stätten zu Schleuderpreisen verscherbelt hat. Dann das Rentengesetz und der Beschluss der Regierung, 28 Milliarden Euro an Hilfsgeldern für die Banken bereitzustellen und nicht für die Menschen, die Probleme haben, sich Lebensmittel zu kaufen.“

Ist das also das Unterholz, das für den Brand bereit ist?

„Ja, die Griechen hatten seit langem die Neigung, sich zu erheben, aber es fehlte der Auslöser. Als sie ihn fanden, haben alle trockenen Zweige Feuer gefangen.“

Sehen Sie Analogien zur Pariser Banlieue, in der es nach zwei Morden brannte?

„Nein, hier gibt es kein Einwandererproblem. Das ist eine innere Angelegenheit der griechischen Gesellschaft. Niemand hatte erwartet, dass die Revolte solche Ausmaße annimmt.“

Und die Anarchisten?

„Die profitieren von der Gelegenheit, um zu zerstören, aber sie sind nicht der Motor.“

Und der Staat? Warum reagiert er nicht?

„Der ist paralysiert. Er hat Angst vor einem weiteren Zwischenfall, vor einem weiteren Toten. Deshalb gehen die Polizisten zu den Demonstrationen auf Distanz.“

Gibt es Parolen?

„Eine gibt es: ‚Alexis lebt, Alexis führt uns!’ Im Augenblick existiert keine politische Führung, die die Linie vorgibt. Es protestieren die Jugendlichen aller Schulen, egal ob sie links, rechts oder Mitte sind. Das ist eine spontane Revolution gegen das System im Allgemeinen und vielleicht auch gegen Bush.“

Fordert niemand den Sturz der Mitte-Rechts-Regierung von Costas Karamanlis?

„Im Moment nicht. Das ist keine politische, sondern eine soziale Revolte. Auf der Straße ist die Generation derjenigen, die 700 Euro im Monat verdienen und diejenige, die weiß, dass sie nur noch gut 500 Euro haben wird.“

Sie haben in Ihrem Leben viele Dinge erlebt. Wie beurteilen Sie diesen Moment?

„Das ist ein schwerer Moment für Griechenland, auch weil noch nicht klar ist, wohin das führt. Alles ist neu, nichts ist so ähnlich wie vor 30 Jahren. Die Technologien haben alles verändert. Das hier ist keine virtuelle Revolution, aber es waren die E-Mails und die SMS, mit denen die Revolte so schnell ins ganze Land getragen und das Signal gegeben wurde: ‚Steht auf! Rebelliert!’ Und jetzt fragen wir uns alle, was in den kommenden Tagen passieren wird. Noch gibt es keine Köpfe, aber die werden – genau wie im Mai 68 – sehr schnell kommen.“

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Mittwoch, 10. Dezember 2008
Zu was führt die Revolte oder von Griechenland lernen
Die schätzenswerte Netbitch postuliert in Griechenland eine "Akropolis-Intifada"

http://netbitch1.twoday.net/stories/5375046

und fragt sich, ob mit den Unruhen in Griechenland die Möglichkeit der Revolution in Zeiten der Finanzkrise wieder auf die Tagesordnung oder zumindest in den Bereich des Möglichen rückt. Da stellt sich zunächst die Frage, wohin uns diese Finanzkrise bisher geführt hat und ob diese eine Krise des Kapitalismus an sich darstellt. Tatsache ist ja, dass die mikroelektronische Revolution, deren Wurmfortsatz die Dotcomblase darstellte, nachdem bereits die durch die Computerisierung bewirkte Gesamtrationalisierung der kapitalistischen Produktionsweise weitgehend abgeschlossen war, den grundsätzlichen Binnenwiderspruch des Systems nicht zu lösen vermochte. Die Menge der Waren explodierte, die der benötigten lebendigen Arbeit implodierte. Da bot die Liberalisierung der Finanzmärkte und die monetaristische und auf Deregulierung abzielende Wirtschafts- und Sozialpolitik scheinbar einen Ausweg: Das Kapital, das in der Realwirtschaft sich nicht mehr sinnvoll rentabel investieren ließ, wich erst in eigentlich unproduktive Bereiche aus, wurde in Fußballvereine, Eventbusiness, neugegründete Publikumszeitschriften usw. investiert, dann in neue Medien und IT-Firmen mit z.T. buntschillernd-fragwürdigen Geschäftsmodellen und zuletzt in fiktives Kapital. Mit Derivaten, organisierten Wetten auf die Kursentwicklung von Aktien usw. rückten hochspekulative Möglichkeiten der Kapitalvermehrung in den Fokus der Wertschöpfung. Das fiktive Kapital wurde zu einer Art Basisindustrie weltweiter Kapitalverwertung (auch zur Refinanzierung produzierender Industrien z.B. über Hedgefonds). Im Platzen der Finanzblase zeigt sich das kumulierte und bislang nicht direkt an reale Kaufkraft gekoppelte Krisenpotenzial, das seit den späten 1970ern angestaut wurde. Das bedeutet aber: Staatliche Rettungsprogramme für bankrottierende Banken oder Autokonzerne vermehren nur das fiktive Kapital. Billionenpakete zur Stabilisierung der Weltwirtschaft operieren mit Geldern, die real gar nicht vorhanden sind. Sie sind so etwas wie Wechsel, die hoffentlich nicht eingelöst werden, denn zur Einlösung ist nicht genug Substanz da. Ich fürchte, dass die "Rettungsprogramme" nicht Anderes sind als das Aufpumpen einer noch gigantischeren Blase, auf deren Platzen eine noch gigantischere Katastrophe folgen wird. Wie die ZEIT schreibt, stellen die derzeitigen Konjunktur- und Stabilisierungsprogramme die größte Wette der Wirtschaftsgeschichte dar. Was passiert, wenn die Wette verloren wird?

Die militanten Auseinandersetzungen in Griechenland sind meiner Meinung durch die Kulmination von besonders eklatanter Misswirtschaft (schon Asterix wusste: "Demonstratos, der Fremdenführer erwähnt, Geld könne bei seinem Vetter Zehnprozentos umgetauscht werden. Der Wagenlenker des „Reisebusses“ sei sein Vetter Mietkarros. Untergebracht würden die Touristen in der Herberge seines Vettern Plexiglas, gegessen werde im Restaurant seines Vettern Bratensos, und auf die Pferde, die den Wagen ziehen, sei absolut Verlass: Alles Vettern!"), extremer Jugendarbeitslosigkeit bei hohem Ausbildungsstand junger Leute, einer schon immer extrem brutalen Polizei und einer aufgrund der Erfahrung der Obristen-Diktatur sehr militanten und kompromisslosen radikalen Linken bedingt, zu der nun die Weltfinanzkrise hinzukam, als das alles dramatisch verschärfende Komponente. Die Todesschüsse auf einen jugendlichen Demonstranten waren nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Die 67er Revolte wurde in Deutschland durch die Erschießung von Benno Ohnesorg ausgelöst, weil andere Determinanten dazu passten. In beiden Fällen war der Tod eines Demonstranten nicht Ursache, sondern Katalysator. Es dampfmaschint, wenn das Zeitalter der Dampfmaschine gekommen ist.

Ob also Unruhen wie in Griechenland Begleitumstände einer schmerzhaften Umorganisierung des bisherigen Kapitalismus sind oder schon Vorboten eines Umsturzes wird sich in den nächsten Jahren herausstellen. Revolutionäre Situationen entstehen aus Anspruchshaltungen der Massen, die sich nicht befriedigen lassen und Intransigenz, d.h. Unmöglichkeit eines Krisenmanagements. Warten wir mal ab.

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Leute, lasst das Fernsehen sein - kommt herunter, reiht Euch ein!
Auf die Straße gegen Polizeiterror, in Griechenland und anderswo. Hier die Demotermine:


http://www.stattweb.de/baseportal/NewsDetail&db=News&Id=4180

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Prozess gegen Oury Jalloh mit Freispruch mangels Beweisen beendet
Ich weiß ja nicht, ob ich nur zweifeln oder wirklich Wut empfinden soll. Nach allen Erfahrungen, die mir über die Behandlung von Schwarzafrikanern durch deutsche Polizeikräfte bekannt sind, bestünde wohl Anlass, "no justice - no peace!" zu rufen.

http://che2001.blogger.de/stories/1194658/

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