Sonntag, 31. August 2008
Dinge, die Sie noch nie wissen wollten: Die steyrische Rast
In diesem Bergurlaub habe ich einen neuen Begriff gelernt. Es handelt sich hierbei um eine steyrische Rast, was in die Abteilung "so diskriminieren Nachbarvölker" gehört. Wenn eine Gruppe eine große, anstrengende und mühselige Bergwanderung macht und aufgrund konditioneller Unterschiede ein Teil der Wandernden weit zurückfällt, andere vorauslaufen, so bleiben die Vordersten irgendwann stehen und warten, bis die Schwächsten aufgeholt haben. Ist das der Fall, gehen alle wieder los. So ruhen sich die Schnellsten immer besser aus und werden immer schneller, während die Langsamsten immer weiter zurückfallen. Da nach Tiroler Meinung aus der Steyermark noch nie besonders schlaue Ideen gekommen seien, nennt man so etwas in Tirol eine steyrische Rast.

... comment

 
Und wie funktioniert dann eigentlich eine tirolerische Rast?

... link  


... comment
 
Nachbarvölker
erinnert mich an die Hamburger Redensart "Ich bin doch kein Bremer" welche mensch zuweilen hört, wenn mensch jemanden (zumeist alte Menschen) fragt, ob mensch ihnen ein Stück ihrer Arbeit abnehmen soll/darf/kann

... link  

 
Die alpinistische Tiroler Rast besteht aus einer 10 minütigen Sitzpause, bei der viel getrunken und auch etwas gegessen wird, allerdings in Konzentratform (Powerriegel). Die bäuerliche Tiroler Rast dauert eher eine halbe Stunde bis Stunde, und es werden Äpfel, Zucchini und Rauchwurzen verzehrt. Aber Dean hat Recht: Tiroler rasten höchst selten, meist erst auf dem Gipfel.

... link  

 
aber alkoholfrei, oder?

... link  

 
Also, auf dem Gipfel wird gemeinhin ein Obstler getrunken, sonst große Mengen Tee oder Isostar (2 Liter pro Person im Gepäck), wo die richtigen Tiroler aber gerne Rotwein beimischen.

... link  

 
dass die tiroler auf die steirer neidisch sind, wundert mich nicht. der alpinismus in österreich wurde in der steiermark erfunden. spleenige engländer (ganz genau, aussteiger, schon damals) wollten unbedingt im gesäuse herumkraxeln, was dann wieder die jungen burschen dort und damals nicht ruhen liess...

aber das am rand.
mein beitrag zur regionalpsychologie:
in der steiermark sind alle özi-witze bekannt und gängig, nur eben als kärntner-witze.

... link  

 
Der Alpinismus in Österreich wurde am Grossglockner erfunden, der Detmolder Grat an der Hochalmspitze in Kärnten ist eine der tollsten Touren in den Alpen, Kärntnerwitze machen auch Tiroler, Steyrerwitze auch Kärntner. In Osttirol gelten Kärntner oft als Faschisten (muss sich beim Haider niemand drüber wundern), aber dass die Steyrer bei den übrigen Ösis so komisch angesehen werden, hat einen spezifischen Grund: Sie machen diese besondere Höflichkeit, die im sonstigen Österreich verbreitet ist (Wiener Schmäh, Salzburger Charme usw.) nicht mit, auch nicht die Kärntner Schlichtheit (der Salzburger würde sagen: Rauhbazigkeit) oder die Tiroler Frömmigkeit. Man könnte auch sagen: Sie sind die Preussen von Österreich.

... link  

 
also aufs gsäus lass ich nicht kommen, obwohl ich mich am die maxime: berge von unten halte.
im alpinismus waren die spleenigen engländer vorneweg, denen wir überhaupt den sport, nicht die leibesübungen, verdanken.

und des oane no sag i dir: na, breissen sans nid, die steierer, iberhaptz nid. in wien nid, in österreich nid, in ganz europa nid.

richtig ist, dass die steierer in den alpen eher etwas derbe, auch dem fremden gegenüber nicht immer aufgeschlossene, ihm gegenüber zuweilen auch wortkarge menschen sind. hängt wohl mit der landwirtschaft und dem klima zusammen und gibt sich allmählich im rahmen von orf und fremdenverkehr.

wenn sie schon etwas sein müssen, ausser steirern eben, was sie sowieso schon sind, warum nicht der vergleich zu den westfalen, beispielsweise. aber da müsste strappato mehr wissen.

diese besondere höflichkeit, die als wiener schmäh bekannt ist, irgendwie kommt es mir so vor, als ob auch totschläger nach feierabend gemütlich werden, von woher eine klebrige gemütlichkeit kein wert an sich ist. um aber den wienern, wie das in der steiermark und sonstwo geschehen mag, nicht unrecht zu tun: das mit dem wiener charme geht auf alte herren-und-knecht-verhältnisse zurück. nämlich kommt der eigentliche wiener ursprünglich aus böhmen und mähren, der slowakei und sonstwoher und hat in wien bei metternich und dergleichen als kuchelmensch oder ofenheizer angefangen. von daher das biegsame, servile im charakter, das gerne auch den reichs- und norddeutschen abstösst, weil er das getue für ernst nimmt und für servil hält. tatsächlich aber geht es dem knecht ums trinkgeld und er weiss, dass auch der herr das weiss und mitspielen muss. dieser, ebenfalls wissend, was der knecht weiss, nimmt dessen ehrerbietungen würdig an und belohnt die vorstellung dann mit dem obligaten trinkgeld. gibt es, und wenn er den knecht anpumpen muss, um ihm sein trinkgeld geben zu können.

so läuft das bis heute und der eine braucht den andern, und wenn ich in wien wäre. könnte ich im kaffeehaus zeitung lesen, und würde, wenn ich nur aussehen würde, als ob an mir ein trinkgeld verdient wäre, schon beim dritten mal mit herr doktor angeredet.

der unterschied zur tiroler frömmigkeit ist gut beobachtet: die steierer waren fromm, aber nicht ganz so kirchenfromm wie andere. die reformation in österreich geschah vor allem in der steiermark, warum weiss ich nicht, aber ein gewisser trutziger zug ist im steirer schon zu finden. den rest mag ein von sich überzeuges bürgertum, gestärkt durch die frühe industrialisierung, das montanwesen und die eisen- und stahlerzeugung ausgemacht haben.

aber wenn schon die steierer preussen sind, zumindest in österreich, was sind dann die gsiberger oder vornehm vorarlberger? einfach nur schweizer wäre zu einfach, damit gebe ich mich nicht zufrieden.

... link  

 
Über die Voralberger gibt es bei den übrigen Ösis ja die schlimmsten Vorurteile. Die würde ich ja als die Schwaben Österreichs ansehen. Die Tiroler als Solche sind ja auch inhomogen. Witziges Erlebnis: da schwadronierte ein Salzburger daher, der Großvenediger sei der zweithöchste Berg Österreichs. Ich wandte ein, das sei die Wildspitze. OK, berbesserte er sich, der zweithöchste Berg Tirols, worauf ein Tiroler Bergrführer grinsend meinte, der zweithöchste Berg Tirols sei die Königsspitze, der höchste nämlich der Ortler und der dritthöchste der Cevedale.

... link  


... comment