Montag, 18. Juni 2007
Augenzeugenbericht aus Halberstadt
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Freitag, 08.06.2007, pünktlich um 20:00 Uhr begann die Premiere der 'Rocky Horror Show' im Harzer Bergtheater in Thale. Nach der überstandenen Vorstellung machte sich ein großer Teil des Ensembles auf den Weg zur Premierenfeier in das Restaurant 'Saloniki' (Kühlinger Straße) in Halberstadt. Essen, Trinken, Essen .....irgendwann war es um 02:30 Uhr, die Gruppe auf ca. 12 Leute geschrumpft, wir beschlossen den Mitarbeitern der Gaststätte ihren Feierabend zu gönnen und machten uns auf den Weg zum 'Spucknapf'.

Der Türsteher verweigerte jedoch einer Person unserer Gruppe aufgrund des Aussehens bzw. der Kleidung den Zutritt, mit der Begründung er 'dürfe keine Punk's, Rechts-o. Linksradikale in das Lokal lassen'.

Nach einer kurzen Diskussion mit dem deutlich rechtsorientierten Türsteher entschlossen wir uns zu gehen. Entweder dürfen alle hinein oder es geht keiner! Wir blieben noch eine Weile vor dem Eingang, beobachtet von weiteren rechtsorientierten Gestalten und überquerten dann die Kreuzung. Auf der anderen Straßenseite (Freifläche vor dem 'Clubhaus') überlegten wir nun wohin wir gehen sollten. Drei von uns waren schon auf Höhe der Theaterkasse, als plötzlich ca. 8-9 Neonazis von der Treppe des Clubhauses auf uns zustürmten.

Sie schlugen auf unsere 5 männlichen 'Begleiter' ein, bis sie verletzt und stark blutend auf der Erde lagen und sie mit dem Treten beginnen konnten. Wir riefen die Polizei, versuchten uns und die Verletzten in Sicherheit zu bringen, obwohl dies so gut wie unmöglich war, nach ca. 5-10 Minuten traf die Polizei ein. Die Neonazis spazierten in Gruppen von je zwei Mann langsam davon. Wir baten die Beamten zunächst höflich die Täter zu verfolgen, sie taten NICHTS sondern waren der Meinung, sie müssen zuerst unsere Personalien aufnehmen. Nach weiteren Aufforderungen die Schläger zu verfolgen passierte trotzdem nichts! Die Neonazis sind vor den Augen der Polizei davon spaziert!

Warum? Hatten 2 Beamte mit Dienstwaffen wirklich Angst vor 2 Neonazis, ohne Waffen??? Wohl kaum!!! Die Beamten kamen dann nach einiger Zeit auf die Idee einen (bzw. 2) Krankenwagen zu rufen. Ca.03:15 Uhr trafen die Verletzten im Krankenhaus ein.

Währenddessen ließen die Beamten 4 weibliche und eine männliche Person am Ort des Geschehens zurück, ohne sich auch nur ein wenig dafür zu interessieren wie diese nach Haus kommen sollten (auf die Frage, ob sie uns denn begleiten oder fahren könnten, antworteten sie nicht). Zu fünft, kurz vor der nächsten Kreuzung (Harmoniestraße - 'Theaterdöner') sahen wir dort ca. 5 von den Schlägern stehen und laut grölen. Wir riefen sofort die Polizei, nach genau 15 Minuten kamen die Beamten an! Natürlich waren die Neonazis verschwunden und wir durften uns Vorwürfe von den Beamten machen lassen: ' Warum haben Sie uns denn angerufen, hier ist doch niemand!'.

Einige Zeit später am Krankenhaus angekommen, warteten unsere Verletzten immer noch auf medizinische Versorgung. Es hieß, es gäbe keine Notaufnahme, wir warteten ca. 1 Stunde auf der Station A1 bis der 1. versorgt wurde. Der letzte musste 2,5 Stunden warten! Der Chefarzt kam erst gegen 6:00 Uhr an. Er erklärte uns, er sei aus Halberstadt aufgrund der Neonazis weggezogen, und wir sollten es doch genauso machen! Herausgekommen sind : 1 aufgeplatzte Lippe + Prellungen und Abdrücke von Springerstiefeln am ganzen Körper, die im OP genäht werden mussten, 1 gebrochenes Nasenbein + Prellungen, noch ein gebrochenes Nasenbein und ein verletztes Auge, Verletzungen der Unterkiefer, herausgeschlagene Schneidezähne........ und der seelische Schaden bei allen Beteiligten!

Nach ca. 3,5 Stunden im Krankenhaus wurden die körperlich Unversehrten zum Polizeirevier gefahren, immer noch mit teilweise blutverschmierter Kleidung. Dort warteten wir wieder ca. 5 Stunden bis mit der 1. Vernehmung begonnen wurde! Zum Teil vollkommen unfähige Beamten haben uns (je ca. 1-2 Stunden) vernommen, ohne Interesse an dem Fall zu zeigen! Im Gegenteil, teilweise ließ das Verhalten und die Äußerungen einiger Beamten nur einen Schluss zu: Sie heißen das Geschehene gut! (Dies gilt allerdings nicht für alle Beamten!)

Um 12:00 Uhr verließ dann auch die letzte Zeugin das Revier! Das Verhalten der Beamten wird einige Disziplinarverfahren zur Folge haben. Einen der Täter haben sie 'gefasst' und nach einer kurzen Befragung auf dem Revier wieder gehen lassen.

Aufgrund der vielen Verletzten musste die Vorstellung am Samstag in Thale abgesagt werden!

Noch vor kurzer Zeit habe ich gedacht, dass mir so etwas nie passieren würde, aber es kann jeden treffen, und wir müssen endlich etwas gegen den Rechtsradikalismus tun! Es kann nicht sein, dass man sich in seiner Heimatstadt nicht mehr aus der eigenen Wohnung traut aus Angst vor irgendwelchen minderbemittelten Gestalten

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Das erinnert ganz zwanglos an die jüdischen Ladenbesitzer, die, von SA-Leuten gezwungen, den Gehweg mit der Zahnbürste zu reinigen, sich flehend an den Schutzmann wandten – mit vergleichbarem Erfolg.

Der Aufschrei "Wir müssen etwas gegen den Rechtsradikalismus tun", ist verständlich und berechtigt. Ich meine jedoch, daß die Schläger in der Geschichte nur die zweitübelste Rolle spielen. In einer Population von 70 Mio. wird man diesen Dreck nie loswerden. Richtig schlimm wird es dann, wenn die Staatsfunktionen ausfallen, weil deren personelle Träger auf die Seite derer gehören, gegen die sie aufgestellt wurden.
Aber was wundert man sich da noch, wenn mutmaßlich bereits Spitzen von Politik, Justiz und Polizei Teil des Organisierten Verbrechens sind.
Zu diesem Themenkreis gab es den, jedenfalls nach meiner Auffassung, faszinierenden Tatort "Investigativ" am vergangenen Sonntag.

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die nazis zeigen sich im osten ganz unscheniert. im westen heißen sie politicallyincorrect...

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Wie gut, daß wir da das "Antifaschistische Kampfzentrum Weikersheim" haben.

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Nörgler, volle Zustimmung. Es scheint eh so, dass der Krimi zurzeit die Gesellschaft am Besten beschreibende Literatur- und Filmgattung ist.

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Ich habe den "Tatort" schon gekannt, als noch die Bond-Metaparodie, der Zollfahnder Kressin ermittelte. Standardsituation: Wenn der Anruf von Chef kommt, liegt Kressin mit einer Blondine im Bett.

Aber ich kann mich in Jahrzehnten nicht an etwas so Düsteres und Hoffnungsloses erinnern, wie an den vom letzten Sonntag. Wie da im Zuschauer am Schluß der an Gewißheit grenzende Verdacht hochkriecht, daß auch die Justizsenatorin dazugehört – bedrückend, weil wohl allzu nahe an der Wirklichkeit.
Bedrückend auch darum, weil die traditionelle Figur, der dramaturgische (erstmals von Aristoteles analysierte) Topos des "Deus ex machina" invers eingesetzt wird: Die Senatorin ist in der Erwartung der Staatsanwältin und in der Zuschauererwartung die rettende Instanz – und dann erfriert die Hoffnung: Die Stelle, an der das Licht und die Hilfe sein sollen, mehr noch: sein müssen, ist bereits von der Finsternis besetzt.

Das war mehr als großes Kino – das war großes Bühnentheater. Daß 'Größe' hierbei nicht als große Geste, sondern minimalistisch-lapidar figurierte, machte es erst wahrlich groß.

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Ich musste an Dürrenmatts "Großinquisitor" denken, die Stelle, wo der völlig unschuldige "Ketzer" seinen Peiniger fragt, warum er ihn noch immer bedränge, wo er um seine Unschuld wisse, und dieser sinngemäß antwortet: "Das weißt Du noch immer nicht? Wir haben uns IHM angeschlossen."

- Übrigens habe ich bei meinen Recherchen im Bereich Korruption Ähnliches real erlebt.

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Wenn ich es hätte erleben müssen, würde ich vermutlich auch Höhen besteigen wollen, in denen bald schon die Stratosphäre beginnt, womit wir wieder bei 'Trenker' wären.

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Und ich freue mich sowohl auf Deine Karte als auch auf die luftigen Höhen :-)

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wer keine weiche birne hat,
prügelt keine schauspieler in halberstadt

sondern bei sich daheim die leute die er schon länger kennt, da weiss er, dass das unter jugendliche rangeleien unter alkoholeinfluss läuft und noch nicht einmal das örtliche wurstblatt interessiert.

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Sei die Birne hart oder weich, schlau sind die Faschos wie Kruppstahl!

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Nazis ausweisen, was sonst?

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Aber wohin? Auf einen israelischen Truppenübungsplatz oder in die Antarktis?

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Wohin? Ist bereits geklärt: Deutschland dreiteilen!
Ich mische mich jetzt nicht ein in den Streit zwischen APPD und Pogo-Partei. Sympathisch bleiben mir beide insofern, als sich hier das Offensive Prekariat zu Wort meldet. Allein schon der Counterpart zu lebemann & graf_rappelstein macht meinen Day. Doch nun zum eigentlichen Thema.

Als sie noch vereinigt waren, sah das Wohin-Konzept eine Dreiteilung der BRD vor.

Area 1: Deren Insassen sind die Arbeitsamen und Lohn-/Gehaltssteuerpflichtigen. Die werden gebraucht, um als Revenue-Schaffende die Mitglieder von Area 2 zu erhalten. In Area 1 sehen wir etwa die umtriebigen lebemann & rappelstein, wie sie umherleben und herumrappeln.

Area 2: Pogo und APPD – Saufen, Ficken, Nichtarbeit, wobei Nichtarbeit der wesentliche Punkt ist, weil dafür Area 1 einsteht.

Area 3: Dahin werden die Asozialen verbracht. Dies sind Glatzen, sächsische Leitungsbeamte und weitere Mitglieder des Organisierten Verbrechens. Sie erhalten kostenfrei Waffen und Munition zum Zwecke der Klärung unterschiedlicher Standpunkte.

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Ein genitaler Plan, dem ich mich latürnich sofortestens anschließe. Wobei Don der Meinung sein dürfte, dass Area 2 in Form von Berlin bereits in einer Art Prototypenphase bestünde.

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Oh, Jessas!
Schreiben wir noch, oder sind wir schon Boheme?
:-; :-)

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Jedenfalls mit Sicherheit keine digitale, abgesehen davon, dass ich einer verantwortungsvollen und gutbezahlten Tätigkeit nachgehe. Vielen Dank für den Trenker, ist angekommen! (Und ich bin schon sehr gespannt, was sich einige Kurzdenker da schon wieder zusammenreimen ;-) )

Wer gar nicht digitale Boheme und auch nicht Pop-Zeitgeist-Geseier, sondern wunderschön spitz schreibt ist, mal wieder die Kollegin hier: http://netbitch1.twoday.net/stories/3910966/

und hier: http://netbitch1.twoday.net/stories/3911546/

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Ist das nicht der Bericht aus Indymedia?
Ich meine ich hätte den da schon mal gelesen, oder?

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Ich bekam den per mail mit der Bitte um Veröffentlichung.;-)

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