Donnerstag, 1. Juli 2021
Lungen-Transplantation nach COVID-19: Für manche Patienten die einzige Chance und ethisch nicht unumstritten
Ute Eppinger, Medscape


Lungentransplantation nach COVID-19 ? für manche Patienten ist sie die letzte Option. Mayra Ramirez hat sie das Leben gerettet, berichtet Prof. Dr. Ankit Bharat, Chefarzt der Thoraxchirurgie und Leiter der Lungentransplantation am Northwestern in Chicago, in einem Interview, das jetzt im JAMA erschienen ist [1].

Bharat hatte am 5. Juni 2020 der 28 Jahre alten Rechtsanwaltsgehilfin als erster COVID-19-Patientin in den USA eine neue Lunge transplantiert. Ramirez hatte ein Akutes Lungenversagen (ARDS) entwickelt und wurde septisch, Nieren und Leber begannen ebenfalls zu versagen. Eine Entwöhnung von der künstlichen Lunge (ECMO) gelang nicht, so wurde sie für eine Transplantation gelistet.

?Wir sahen zu Beginn der Pandemie, wie bei einigen Patienten trotz bester medizinischer Behandlung schwerste katastrophale Lungenschäden auftraten. So begannen wir, Lungentransplantationen als lebensrettende Maßnahme für diese Patienten in Betracht zu ziehen?, berichtet Bharat.

Er selbst hat bislang 19 COVID-19-Patienten transplantiert. Nach Angaben des United Network for Organ Sharing (UNOS) wurden in den USA bis zum 21. Mai 2021 insgesamt 134 Lungentransplantationen bei Patienten mit COVID-19 gemeldet. Ende Mai befanden sich in den USA noch 22 Patienten mit COVID-19-assoziiertem ARDS auf der Warteliste für eine Transplantation.

Schon vor der Pandemie waren Spenderlungen knapp
Wie Prof. Dr. Jens Gottlieb, Oberarzt an der Klinik für Pneumologie der MHH, bestätigt, sind in Deutschland nach letzter Erhebung 5 COVID-19-Patienten in mindestens 3 Zentren transplantiert worden. Die Patienten waren ? ähnlich wie Patienten, die aufgrund von ARDS lungentransplantiert wurden ? in der Regel zwischen 30 und 40 Jahre alt, berichtet Gottlieb im Gespräch mit Medscape.

Es gibt viele Patienten, die schwer an COVID-19 erkrankt sind und deren Lungen stark geschädigt sind. Man kann aber nicht alle diese Patienten lungentransplantieren. Prof. Dr. Jens Gottlieb
?Das große Problem ist: Es gibt viele Patienten, die schwer an COVID-19 erkrankt sind und deren Lungen stark geschädigt sind. Man kann aber nicht alle diese Patienten lungentransplantieren.?

Gottlieb berichtet, dass in Deutschland schon im Jahr 2018, also vor der Pandemie, über 1.600 Patienten unter 60 Jahren aufgrund von ARDS eine ECMO benötigt hatten. Dieser Zahl stehen aber nur 350 Lungentransplantationen pro Jahr gegenüber (die Zahl ist seit etwa 10 Jahren konstant). ?Wir hatten schon prä-pandemisch einen deutlichen Mangel an Spenderlungen ? und circa 15% der Patienten auf der elektiven Warteliste vor Transplantation in Deutschland sterben?, berichtet Gottlieb.

Auch in den USA ging die Zahl der Organspenden während der Pandemie zurück. Im weiteren Verlauf der Pandemie sei die Zahl der Spenden dann langsam gestiegen, ?aber die Zahl der Spenderlungen ging immer noch deutlich zurück?, berichtet Bharat.

?Das lag zum Teil daran, dass die Kliniker anfangs Bedenken hatten, bei potenziellen Spendern wegen einer möglichen COVID-19-Infektion eine Bronchoskopie durchzuführen?, sagt Bharat. Er berichtet, dass die meisten lungentransplantierten COVID-19-Patienten am Northwestern 3 Monate oder länger auf eine Lunge gewartet hatten. ?Wir haben mehrere Patienten transplantiert, die seit etwa 5 Monaten an der ECMO waren.?

Wir hatten schon prä-pandemisch einen deutlichen Mangel an Spenderlungen ? und circa 15% der Patienten auf der elektiven Warteliste vor Transplantation in Deutschland sterben. Prof. Dr. Jens Gottlieb
In den USA wurden COVID-19-Patienten transplantiert, die ein ARDS oder eine Lungenfibrose entwickelt hatten. ?Die Patienten mit ARDS machten den Großteil der COVID-19-Patienten aus, bei denen wir eine Lungentransplantation durchgeführt haben. Wir haben uns auf sie konzentriert, weil sie keine anderen Optionen haben und sonst sterben würden.?

Nach COVID-19: Wer kommt für eine Transplantation infrage?
Patienten, die nach schwerer COVID-19-Erkrankung für eine Transplantation infrage kommen, müssen sehr sorgfältig ausgewählt werden, betont Gottlieb. Marcelo Cypel und Shaf Keshavjee haben in The Lancet Respiratory Medicine im August 2020 dazu 10 Empfehlungen für die Selektion solcher Patienten aufgelistet.

Dazu zählen u.a., dass Patienten nicht älter als 65 Jahre sein sollten, kein weiteres Organversagen aufweisen sollten und auch, dass der Lunge der infrage kommenden Patienten ausreichend Zeit gegeben worden sei, sich zu erholen. Auch sollte radiologisch der Nachweis einer irreversiblen Lungenerkrankung erbracht sein ? etwa das Anzeichen einer etablierten Fibrose.

Eine Lungentransplantation ist sehr ressourcenintensiv. Spenderlungen sind knapp, Prof. Dr. Ankit Bharat
Die Autoren weisen auch darauf hin, dass der Patient wach und in der Lage sein sollte, die Transplantation zu besprechen, um ihre Auswirkungen auf seine Lebensqualität zu verstehen.

?Eine Lungentransplantation ist sehr ressourcenintensiv. Spenderlungen sind knapp, also wollen wir keine Transplantation bei einem Patienten durchführen, der sich danach nicht an die medizinische Anleitung hält. Es ist wichtig, dass die Transplantationszentren sicherstellen, dass der Patient aus psychosozialer Sicht gut zu ihnen passt?, sagt Bharat.

Er berichtet, dass Patienten mit COVID-19, die für eine Lungentransplantation in Frage kommen, größtenteils jung und gesund sind und keine schweren Begleiterkrankungen aufweisen. ?Sie waren also noch nie in einer Situation, in der sie fast gestorben wären oder in der sie über eine Transplantation als einzig verbleibende Option nachdenken mussten?, so Bharat.

Typischerweise gelte ein Alter von 65 Jahren als Grenzwert für eine Lungentransplantation bei Patienten mit COVID-19. Aber ein Alter von bis zu 70 Jahren könne in Betracht gezogen werden, wenn der Patient vor der Erkrankung in außergewöhnlich gutem Zustand war, erklärt Bharat. Jedes Zentrum sollte mindestes 4 Wochen warten, bevor eine Transplantation bei einem Patienten mit COVID-19-assoziiertem ARDS erwogen werde.

?Hängt ein Patient nach 4 bis 6 Wochen immer noch am Beatmungsgerät oder an der ECMO, wird die Lunge aber besser, dann sollten Zentren die Transplantation nicht überstürzen, sondern diesem Patienten weiterhin eine Chance zur Lungenerholung geben?, stellte Bharat klar.

Die Hauptbotschaft ist, dass wir in speziellen Zentren hervorragende Ergebnisse erzielen können. Prof. Dr. Ankit Bharat
In einer Ende März 2021 in The Lancet Respiratory Medicine erschienenen Studie hatten Bharat und seine Kollegen von 12 Patienten mit COVID-19-assoziiertem ARDS, die lungentransplantiert wurden, den weiteren Verlauf untersucht. ?Die Hauptbotschaft ist, dass wir in speziellen Zentren hervorragende Ergebnisse erzielen können. Die 12 Patienten hatten ein 30-Tage-Überleben von 100%.? Auch das Langzeitüberleben habe sich nicht von lungentransplantierten Patienten ohne COVID-19 unterschieden.

Laut Bharat hat sich die Sterblichkeit von Patienten, die sich einer Lungentransplantation unterziehen müssen, nicht verändert: ?Wir können durchaus weiterhin Transplantationen bei Patienten ohne COVID-19 zusammen mit COVID-19-Patienten durchführen. Das erfordert allerdings eine gewisse Kreativität ? etwa indem wir erweiterte Spenderkriterien anwenden, wie zum Beispiel Spender mit Hepatitis-C-Infektion, die jetzt ja eine behandelbare Krankheit ist.?


In Deutschland vergleichsweise wenig COVID-19-Patienten transplantiert
In Deutschland werden ? verglichen mit anderen Ländern ? weniger COVID-19-Patienten transplantiert. ?In Österreich allein gab es 18 Lungentransplantationen bei Patienten nach schwerer COVID-19-Erkrankung?, berichtet Gottlieb. Das mag auch daran liegen, dass die Organverfügbarkeit in Österreich höher ist als in Deutschland ? die österreichische Regelung über die Organentnahme bei Verstorbenen ist die Widerspruchslösung.

?Es könnte aber auch sein, dass zentrumsspezifisch unterschiedliche Auswahlkriterien angewendet werden?, sagt Gottlieb. Er hält es für möglich, dass langfristig durch die Entscheidung, mehr Patienten nach COVID-19 zu transplantieren, und unverändertem Mangel an Spenderorganen, die Sterblichkeit aller Patienten auf der Warteliste für Lungentransplantationen steigen könnte.

Patienten, die aufgrund von COVID-19 lungentransplantiert werden müssen, haben ein höheres Risiko als Patienten, die aus anderen Gründen eine Lunge erhalten. ?In der Regel waren Patienten mit COVID-19 längere Zeit an mechanische Ersatzverfahren angeschlossen, also an künstliche Beatmung oder ECMO.?

Das 1-Jahres-Überleben solcher Patienten liegt bei ca. 70%, das 1-Jahres-Überleben von Patienten ohne mechanische Ersatzverfahren liegt hingegen bei ca. 90%?, berichtet Gottlieb. Beispielsweise Antikoagulanzien, die bei schwerem COVID-19-Verlauf besonders an der ECMO eingesetzt werden, und eine lange Liegezeit auf Intensivstationen erhöhen die Komplikationsrate.

Die Lancet-Studie von Bharat und seinen Kollegen hat unterschiedliche und auch kritische Reaktionen ausgelöst, berichtet Gottlieb. Die Tendenz, zunehmend Patienten nach schwerer COVID-19-Erkrankung zu transplantieren, sei ?ethisch nicht unumstritten, denn ein großer Anteil solcher Patienten könnte andere auf den Wartelisten benachteiligen. Dies ist auch relevant, weil in einigen Ländern das Spenderaufkommen während der Pandemie zurückgegangen ist.?

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"Drosten-Studie" bestätigt Relevanz von Superspreadern bei COVID-19
Michael Simm



Die nunmehr vollständige Auswertung der Daten von 25.381 SARS-CoV-2-Infizierten aus Berlin unter der Leitung von Prof. Dr. Christian Drosten bestätigt, dass es zwischen den Altersgruppen keine großen Unterschiede in der Übertragbarkeit des Virus gibt ? und ein relativ kleiner Personenkreis das Infektionsgeschehen anzutreiben scheint.

Die Ausbreitung von SARS-CoV2 wird von einer Vielzahl von Parametern beeinflusst. 2 davon sind die Viruslast (die z.B. anhand der Anzahl der viralen Genome pro Volumeneinheit in einem Abstrich bestimmt wird) und die Replikationsfähigkeit des Virus, die in Zellkulturen gemessen wird.

Die Bestimmung dieser Parameter über verschiedene Altersgruppen hinweg gilt auch als bedeutsam für die Frage, ob Kinder genauso ansteckend sind wie Erwachsene und deshalb strenge Schutzmaßnahmen in den Schulen gerechtfertigt sind.

Daten zu mehr als 25.000 Infizierten
Für die Studie wurden die Daten des diagnostischen Labors am Institut für Virologie der Charité ? Universitätsmedizin Berlin bezüglich der Viruslast, Isolierbarkeit in Zellkulturen und Genomsequenzen analysiert.

Unter 415.935 Personen im Alter zwischen 0 und 100 Jahren, die zwischen 24. Februar 2020 und 2. April 2021 routinemäßig 936.423 PCR-Tests erhalten hatten, war der Test bei 25.381 (6,1%) mindestens einmal positiv. Die Daten von 4.344 Individuen mit mindestens 3 Tests ? davon 2 positiv ? wurden für eine Zeitserienanalyse herangezogen.

Die 25.381 positiv getesteten Personen (davon 1.533 mit der ?britischen? Variante Alpha) wurden 3 Gruppen zugeteilt:

Krankenhausaufenthalt mit positivem Test an einem beliebigen Zeitpunkt der Infektion (37,5%). Dies war mit durchschnittlich 63,2 Jahren die älteste Gruppe.

Präsymptomatische, asymptomatische und mild-symptomatische Individuen (PAMS) mit positivem Test in einem von 24 Berliner Testzentren (24,1%). Hier lag der Altersdurchschnitt bei 38,0 Jahren, und nur 0,8% mussten später ins Krankenhaus.

Sonstige (38,4%), mit einem Altersdurchschnitt von 49,1 Jahren.

Viruslast unterscheidet sich kaum zwischen den Altersklassen, aber zwischen Individuen
Es gab keine substanziellen Unterschiede zwischen den Altersklassen über 20 Jahren bezüglich der Viruslast beim 1. positiven Test. Bei einem Durchschnitt von 6,39 log10 RNA-Kopien pro Abstrich für die gesamte Gruppe lagen die Viruslast bei Kindern um 0,49 und bei Jugendlichen um 0,16 unter dem der 20- bis 65-Jährigen.

Die Wahrscheinlichkeit, das Virus nach einem positiven PCR-Test erfolgreich zu kultivieren, betrug für die gesamte Gruppe 0,35 und war für PAMS mit 0,44 höher als für hospitalisierte Patienten (0,32), für Kinder bis 5 Jahren 0,329 und für 20- bis 65-Jährige 0,441.

Zwischen den Individuen fanden sich große Unterschiede bei der Viruslast. Mit einer Kopienzahl von mindestens 9,0 log10 waren 8,78% hochinfektiös, mit einer geschätzten Wahrscheinlichkeit eines Kulturerfolges von 0,92 bis 1,0. In dieser Gruppe waren PAMS mit 36,09% überrepräsentiert, bei den Hospitalisierten dagegen die Altersgruppe von 80 bis 100.

Die Analyse des Zeitverlaufs der Infektion ergab einen Schätzwert von durchschnittlich 4,31 Tagen zwischen der Freisetzung der Viren aus den Wirtszellen (Shedding) und der höchsten Viruslast. Das war 1 bis 3 Tage vor dem Auftreten der ersten Symptome.

Klinische Bedeutung
Die Studie unter Leitung von Drosten sorgte bereits für intensive Debatten, als sie in Form eines weniger umfangreichen Vorabdruckes erschien und Drosten daraus ableitete, dass Kinder genauso ansteckend seien wie Erwachsene. Dieses Argument wurde auch zur Schließung von Schulen und Kitas genutzt.

?Mein anfänglicher Eindruck einer ungefähr gleich großen Infektiosität aller Altersgruppen hat sich bestätigt, nicht nur hier, sondern auch in anderen Studien?, sagt Drosten nun in einer Mitteilung der Charité.

Mein anfänglicher Eindruck einer ungefähr gleich großen Infektiosität aller Altersgruppen hat sich bestätigt, nicht nur hier, sondern auch in anderen Studien. Prof. Dr. Christian Drosten
Abseits dieses Streits liefert die Untersuchung eine Fülle von Fakten und Details, deren Kenntnis zu einer präziseren Risikoabschätzung beitragen könnte.

Eingeschränkt wird die Aussagekraft dadurch, dass es sich ?nur? um eine 14 Monate alte Momentaufnahme handelt. Die taugt auch die wegen des Auftretens neuer Virusmutanten einerseits und der wachsenden Zahl Geimpfter andererseits nur bedingt zur Rechtfertigung politischer Maßnahmen.

Dieser Artikel ist im Original erschienen auf Univadis.de.

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Praxistest: Wie gut mRNA-Impfstoffe vor Corona-Symptomen schützen; neuartige Vakzine hochwirksam; Long-COVID macht Sorgen
Michael van den Heuvel, Medscape


In der aktuellen Ausgabe des NEJM fassen mehrere Autoren zusammen, was sich bei der Bekämpfung von SARS-CoV-2 bislang getan hat ? und was auf die Gesundheitssysteme noch zukommen wird [1,2,3]. So zeigen Studien, dass die zugelassenen mRNA-Impfstoffe auch unter Real-World-Bedingungen hochwirksam sind. Und in einer Phase-3-Studie erwies sich die neuartige Vakzine NVX-CoV2373 von Novavax als sehr effektiv. Impfungen verhindern zudem nicht nur schwere COVID-19-Verläufe. Sie leisten auch einen Beitrag gegen Long-COVID. Dieses kaum verstandene Postinfektionssyndrom gilt als die große Herausforderung nach der Pandemie.

mRNA-Impfstoffe im Alltag: Gegen welche Symptome sie ab wann schützen
?Es gibt nur wenige Informationen über die Wirksamkeit der mRNA-Impfstoffe BNT162b2 (Pfizer-BioNTech) und mRNA-1273 (Moderna) zur Prävention von Infektionen mit SARS-CoV-2 und zur Abschwächung von COVID-19 unter realen Bedingungen?, schreiben Dr. Mark G. Thompson von den Centers for Disease Control and Prevention (CDC), Atlanta, und Kollegen. Sie haben daher eine prospektive Kohortenstudie gemacht.

Eingeschlossen wurden 3.975 Mitarbeiter des Gesundheitswesens, Ersthelfer und weitere Angestellte. Vom 14. Dezember 2020 bis zum 10. April 2021 untersuchte Thompsons Team bei allen Probanden wöchentlich Nasenabstriche per RT-PCR.

Dabei wurde SARS-CoV-2 bei 204 Teilnehmern (5%) nachgewiesen, von denen 5 vollständig geimpft waren. Sprich: Die Infektion trat mindestens 14 Tage nach der 2. Dosis auf. 11 Personen mit positivem Nachweis hatten einen teilweisen Impfschutz; sie befanden sich also im Zeitfenster mindestens 14 Tage nach Dosis 1 und weniger als 14 Tage nach Dosis 2. Und 156 Personen waren nicht geimpft worden. 32 Teilnehmer mit unklarem Status schlossen die Forscher aus.

Viruslast reduziert, weniger Fieber, kürzere Krankheitsdauer
Als Impfeffektivität nennen sie 91% (95%-Konfidenzintervall [KI] 76% bis 97%) bei vollständiger Impfung und 81% (95%-KI 64% bis 90%) bei teilweisem Schutz. Selbst ohne 2. Dosis hatten Personen in der Kohorte einen Vorteil. Ihre mittlere virale RNA-Last war um 40% (95%-KI 16% bis 57%) niedriger als bei ungeimpften Teilnehmern. Darüber hinaus war das Risiko für fieberhafte Symptome um 58% geringer (relatives Risiko 0,42, 95%-KI 0,18 bis 0,98). Personen verbrachten auch 2,3 Tage weniger zu Hause im Bett (95%-KI 0,8 bis 3,7).

?Die zugelassenen mRNA-Impfstoffe waren bei Erwachsenen im arbeitsfähigen Alter hochwirksam zur Prävention von SARS-CoV-2-Infektionen, wenn sie unter realen Bedingungen verabreicht wurden?, fassen die Autoren zusammen. ?Vakzine verringerten auch die virale RNA-Last, das Risiko fieberhafter Symptome und die Krankheitsdauer bei Personen, die trotz Impfung eine Durchbruchinfektion hatten.?

Vakzine verringerten auch die virale RNA-Last, das Risiko fieberhafter Symptome und die Krankheitsdauer.


NVX-CoV2373: Impfstoff mit neuartigem Prinzip erweist sich als hochwirksam
Die klinische Entwicklung geht weiter. Forschende Hersteller untersuchen Impfstoffe, die auf anderen Prinzipien beruhen, etwa NVX-CoV2373 (Novavax). Es handelt sich um einen Totimpfstoff mit gentechnisch hergestelltem Virusantigen in Form von Nanopartikeln und einem Adjuvans auf Saponin-Basis.

?Frühe klinische Daten aus Studien ? zeigten, dass der Impfstoff sicher ist und zu einer robusten Immunantwort bei gesunden erwachsenen Teilnehmern führt?, berichten Forscher um Prof. Dr. Paul T. Heath von der University of London. ?Es wurden jedoch zusätzliche Daten zur Wirksamkeit, Immunogenität und Sicherheit dieses Impfstoffs in einer größeren Population benötigt.?

Jetzt liegen Ergebnisse einer randomisierten, verblindeten, Placebo-kontrollierten Phase-3-Studie vor, die an 33 Standorten in Großbritannien stattfand. Die Wissenschaftler rekrutierten Erwachsene im Alter von 18 bis 84 Jahren.

Alle Teilnehmer erhielten 1:1 randomisiert 2 intramuskuläre 5-μg-Dosen von NVX-CoV2373 oder Placebo im Abstand von 21 Tagen. Als primären Endpunkt definierten Heath und Kollegen eine virologisch bestätigte leichte, mittelschwere oder schwere SARS-CoV-2-Infektion frühestens 7 Tage nach der 2. Injektion bei Teilnehmern, die zu Beginn der Studie serologisch negativ waren.

Wirksamkeit von 86% gegen die Alpha-Variante, 96% gegen andere Varianten
Insgesamt wurden 15.187 Personen randomisiert, und 14.039 wurden in die Analyse eingeschlossen. 27,9% waren 65 Jahre oder älter, und 44,6% hatten Vorerkrankungen. Infektionen wurden bei 10 Teilnehmern in der Impfstoff- und bei 96 in der Placebo-Gruppe nachgewiesen, wobei die Symptome mindestens 7 Tage nach der 2. Injektion auftraten, was einer Wirksamkeit des Impfstoffs von 89,7% entspricht (95%-KI 80,2% bis 94,6%).

Alle 10 Fälle in der Impfstoffgruppe waren mild; kein Patient musste hospitalisiert werden oder starb. 5 Fälle mit schwerem COVID-19 traten in der Placebogruppe auf.

Laut Post-hoc-Analyse zeigte das Vakzin eine Wirksamkeit von 86,3% (95%-KI 71,3% bis 93,5%) gegen B.1.1.7 (Alpha). Für andere Varianten geben die Autoren 96,4% (95%-KI 73,8% bis 99,5%) an. Unerwünschte Reaktionen nach der Impfung waren mild. Die Inzidenz von schwerwiegenden unerwünschten Ereignissen war gering und in beiden Gruppen ähnlich.

?Eine Zweifach-Impfung mit dem NVX-CoV2373-Impfstoff, die erwachsenen Teilnehmern verabreicht wurde, gewährte einen Schutz von 89,7% gegen eine SARS-CoV-2-Infektion und zeigte eine hohe Wirksamkeit gegen die B.1.1.7-Variante?, fassen Heath und Kollegen zusammen.

Long-COVID: Von CFS, Fibromyalgie und dem Post-Borreliose-Syndrom lernen
Klar ist, dass Vakzine einen Weg aus der Pandemie öffnen. ?Jetzt, wo mehr als die Hälfte der Erwachsenen in den USA gegen SARS-CoV-2 geimpft sind, die Masken- und Distanzierungsvorschriften gelockert wurden und die COVID-19-Fälle zurückgehen, ist das Gefühl spürbar, dass das Leben wieder normal werden kann?, schreiben Dr. Steven Phillips und Dr. Michelle A. Williams in einem Kommentar im NEJM. Sie forschen an der COVID Collaborative, Washington DC, und an der Harvard T.H. Chan School of Public Health, Boston.

Sie weisen aber darauf hin, dass zwischen 10% und 30% aller genesenen COVID-19-Patienten auch Monate nach ihrer Infektion noch unter Symptomen leiden. Oft sind Menschen im Alter von um die 40 Jahre betroffen, die mitten im Berufsleben stehen, was dem Krankheitsbild auch eine starke volkswirtschaftliche Bedeutung verleiht.

?Leider deuten die aktuellen Zahlen und Trends darauf hin, dass Long-COVID unsere nächste Katastrophe im Bereich der öffentlichen Gesundheit ist?, so die Einschätzung von Phillips und Williams. Sie raten, das Ausmaß der Erkrankung besser zu erfassen und Lehren aus Fehlern der Vergangenheit im Umgang mit chronischen Krankheitssyndromen nach einer Infektion zu ziehen.

Leider deuten die aktuellen Zahlen und Trends darauf hin, dass Long-COVID unsere nächste Katastrophe im Bereich der öffentlichen Gesundheit ist. Dr. Steven Phillips und Dr. Michelle A. Williams
Problematisch ist nur: Derzeit gibt es keine klar umrissene Definition von Long-COVID, keine objektiven Tests und keine Biomarker. Niemand weiß, wie der zeitliche Verlauf ist oder wie viele Patienten langfristige Symptome haben. Die Pathophysiologie ist ebenfalls unbekannt. Hypothesen reichen von persistierenden Viren bis hin zu Autoimmunreaktionen oder sonstigen chronisch-inflammatorischen Vorgängen.

?Um zu verstehen, warum Long-COVID eine drohende Katastrophe darstellt, müssen wir nichts weiter als auf historische Vorläufer schauen, nämlich ähnliche Postinfektionssyndrome?, schlagen die Autoren vor. Sie nennen das chronische Erschöpfungssyndrom (​chronic fatigue syndrome, CFS), Fibromyalgie, das Post-Borreliose-Syndrom oder langfristige Beschwerden nach einem Pfeifferschen Drüsenfieber.


Medizinisch-wissenschaftlich sind die Krankheitsbilder umstritten, was auch für Long-COVID gilt. Manche Forscher vermuten pathophysiologische Ursachen, andere sehen eher nicht-physiologische Gründe, womöglich im psychischen Bereich.

Was ist jetzt zu tun? ?Es besteht daher ein dringender Bedarf an koordinierten nationalen gesundheitspolitischen Maßnahmen und Reaktionen, die unserer Meinung nach auf 5 wesentlichen Säulen aufgebaut sein sollten?, schreiben die Autoren.

Impfungen helfen, COVID-19 ? und damit auch Long-COVID ? zu vermeiden. Gegen die Impfmüdigkeit sollten Regierungen in allen Ländern Kampagnen entwickeln.

Wichtig seien internationale, ausreichend finanzierte Programme, um Long-COVID zu erforschen.

Bei wissenschaftlichen Projekten sollten Erkenntnisse aus Studien zu anderen Postinfektionssyndromen mit einbezogen werden.

Um Patienten mit Long-COVID zu versorgen, seien spezialisierte Behandlungszentren erforderlich. In den USA haben mehr als 30 Krankenhäuser interdisziplinäre Einrichtungen eröffnet.

Ärzte sollten Patienten Glauben schenken, wenn sie über solche Symptome berichten. Betroffene verdienten es, dass man ihnen Empathie entgegenbringe und sie ? soweit möglich ? medizinisch unterstützt.

Die Autoren sind sich einig, dass es sich bei Long-COVID medizinisch und wissenschaftlich um ein langwieriges Unterfangen handele. ?Aber insgesamt können diese 5 Strategien einen großen Beitrag dazu leisten, die zunehmende menschliche Belastung durch Long-COVID zu mindern?, schreiben sie

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Mittwoch, 30. Juni 2021
Delta-Variante schon bei 50%? Kreuzimpfung und langes Impfintervall verstärken Wirkung; STIKO aktualisiert Kinder-Empfehlung
Delta-Variante breitet sich aus " schon bei 50%"

Modifiziertes Oxford-Vakzin als Booster gegen die Beta-Variante aus Südafrika?

Kreuzimpfung mit 2 verschiedenen Vakzinen ? stärker als 2 Mal AstraZeneca

Oxford-Impfstoff: Verzögerung der 2. und 3. Dosis induziert stärkere Immunantwort

STIKO aktualisiert Impfempfehlungen für Kinder und Jugendliche

CoronaVac (Sinovac) ist auch bei Kindern und Jugendlichen sicher und wirksam

Der Trend nach unten bei den Inzidenzen setzt sich weiter fort. Nur noch 404 SARS-CoV-2-Neuinfektionen haben Gesundheitsämter bundesweit dem RKI gemeldet (Vorwoche: 455). Als 7-Tage-Inzidenz gibt das Institut 5,4 an (Vorwoche: 8,0). Jeder 10. Landkreis verzeichnete in den letzten 7 Tagen keine neuen Infektionen. Deutschlandweit wurden innerhalb der letzten 24 Stunden 57 Todesfälle durch COVID-19 verzeichnet. Vor einer Woche waren es noch 77.

Delta-Variante breitet sich aus ? schon bei 50%?
Sorgen bereitet Experten derzeit vor allem die Verbreitung der neuen Mutationen. RKI-Präsident Prof. Dr. Lothar H. Wieler sagte, die Delta-Variante mache inzwischen einen Anteil von mindestens 35% der untersuchten Proben aus. Diese Daten seien aber bereits einige Tage alt; mittlerweile könnten es sogar 50% sein. Delta verbreite sich vor allem bei nicht geimpften Menschen, so Wieler.

Laut Impf-Dashboard sind bislang nur 35,4% der Gesamtbevölkerung vollständig geimpft, und 53,6 % haben wenigstens 1 Dosis erhalten. Britische Datenanalysen zeigen, dass 2 Dosen BioNTech oder AstraZeneca auch bei Delta gut gegen einen schweren Verlauf schützen. Wer nur 1 Dosis erhalten hat, ist gegen die Variante schlechter geschützt. Daher spricht vieles dafür, die Impfabstände eventuell zu verkürzen. Derzeit prüft die STIKO alle Daten hierzu, bleibt momentan aber noch bei den bekannten Empfehlungen:

AstraZeneca: Impfwillige sollten die 2. Dosis 4-12 Wochen nach der Erstimpfung erhalten.

BioNTech/Pfizer: Hier sieht die Zulassung vor, Menschen 3-6 Wochen nach der 1. Dosis erneut zu impfen.

Modifiziertes Oxford-Vakzin als Booster gegen die Beta-Variante aus Südafrika?
Weitere Antworten können nur aus der Forschung kommen. Am 27. Juni hat die Universität Oxford zusammen mit AstraZeneca eine weitere Studie gestartet. Ziel ist, herauszufinden, ob AZD2816 auch gegen die B.1.351-Variante (Beta), wirkt, die erstmals in Südafrika nachgewiesen worden ist. Bekanntlich hat die aktuelle AstraZeneca-Vakzine gegen diese Variante nur eine eingeschränkte Wirksamkeit.

Der neue Impfstoff wurde mit der gleichen adenoviralen Vektorplattform entwickelt, die schon beim 1. Vakzin zum Einsatz kam ? mit geringfügigen genetischen Veränderungen des Spike-Proteins auf Basis der Beta-Variante.

An der Phase 2/3-Studie sollen rund 2.250 Personen aus Großbritannien, Südafrika, Brasilien und Polen teilnehmen. Für den Start der Booster-Studie in Großbritannien müssen die Teilnehmer mehr als 3 Monate vor der Studie 2 Dosen eines zugelassenen COVID-19-Impfstoffs im Abstand von 3 bis 12 Wochen erhalten haben.

Erste Daten aus der Studie werden im Laufe des Jahres erwartet. Sobald sie vorliegen, plant der Hersteller, seine Daten den Zulassungsbehörden vorzulegen. Ein beschleunigtes Zulassungsverfahren wäre möglich.

Kreuzimpfung mit 2 verschiedenen Vakzinen ? stärker als 2 Mal AstraZeneca
Forscher der Oxford University wollten auch wissen, wie wirksam Kreuzimpfungen sind. Sie haben im Februar 2021 genau 830 Teilnehmer randomisiert. Von ihnen erhielten 463 Personen 2 Impfungen innerhalb von 28 Tagen. Ergebnisse aus dieser Gruppe wurden jetzt in einem Preprint veröffentlicht; Daten zum 12-wöchigen Intervall sollen folgen.

Beide Schemata, nämlich Pfizer/BioNTech gefolgt von Oxford/AstraZeneca oder auch umgekehrt, führten zu hohen Konzentrationen von Antikörpern gegen das Spike-IgG-Protein. ?Die Ergebnisse zeigen, dass beide gemischten Schemata ? eine Immunantwort induzieren, die über dem Schwellenwert des Standardschemas des Oxford/AstraZeneca-Impfstoffs liegt?, kommentiert Prof. Dr. Matthew Snape von der Oxford University.


Bemerkenswert sei, dass die Reihenfolge der Impfstoffe einen Unterschied machte. So habe das zuerst Oxford-AstraZeneca und dann Pfizer-BioNTech-Schema höhere Antikörper-Titer und T-Zell-Antworten induziert als Pfizer-BioNTech zuerst und dann Oxford-AstraZeneca, berichtet Shape. Beide Kreuzimpfungen hätten unabhängig von der Reihenfolge zu mehr Antikörpern geführt als das 2-Dosen-Schema von Oxford-AstraZeneca.

Bereits im Mai haben Forscher berichtet, dass bei gemischten Schemata im Vergleich zu Standard-Schemata häufiger leichte bis mittelschwere unerwünschte Reaktionen aufgetreten sind, die jedoch nur von kurzer Dauer waren.

Oxford-Impfstoff: Verzögerung der 2. und 3. Dosis induziert stärkere Immunantwort
Antworten gibt es jetzt auch auf eine weitere Frage: Wird die Immunität beeinträchtigt, wenn man das Intervall zwischen der 1. und der 2. Dosis beim Oxford-Vakzin verlängert? Dem scheint nicht so zu sein. Ganz im Gegenteil. Laut einer Studie zeigten sich bei Abständen von bis zu 45 Wochen zwischen der 1. und 2. Dosis des Oxford-Vakzins sogar höhere Antikörperspiegel. ?Es gibt eine hervorragende Reaktion auf eine 2. Dosis, selbst nach einer 10-monatigen Verzögerung gegenüber der ersten Dosis?, kommentiert Prof. Dr. Andrew Pollard von der Oxford University.

Manche Länder erwägen aber auch, in Zukunft eine 3. ?Booster?-Dosis zu verabreichen. Laut Studie führte dies ebenfalls zu weiter ansteigenden Antikörpertitern. Auch die T-Zell-Antwort und die Immunantwort gegen Varianten wurde dabei verstärkt. Nach der 2. und 3. Dosis traten weniger Nebenwirkungen auf als nach der 1. Dosis. Die Forscher planen, Teilnehmer mit dem 3-Dosis-Schema noch länger nachzubeobachten.

STIKO aktualisiert Impfempfehlungen für Kinder und Jugendliche
Erfahrungsgemäß dauert es einige Zeit, bis valide Daten vorliegen, die eine Grundlage für nationale Empfehlungen bilden. Zur Impfung von Kinder und Jugendliche hat sich die STIKO bereits detailliert geäußert. Nun wurden diese Empfehlungen ergänzt. Bevorzugt sollten Heranwachsende zwischen 12 und 17 geimpft werden, falls sie folgende Vorerkrankungen haben:



Adipositas (> 97. Perzentile des BMI)

Angeborene oder erworbene Immundefizienz oder relevante

Immunsuppression

Angeborene zyanotische Herzfehler (O2-Ruhesättigung < 80%)

Chronische Lungenerkrankungen mit einer anhaltenden Einschränkung der Lungenfunktion unterhalb der 5. Perzentile, definiert als z-Score-Wert < ?1,64 für die forcierte Einsekundenkapazität (FEV1) oder Vitalkapazität (FVC). Ein gut eingestelltes Asthma bronchiale ist hier nicht gemeint.

Chronische Nierenerkrankungen

Chronische neurologische oder neuromuskuläre Erkrankungen

Diabetes mellitus, wenn nicht gut eingestellt bzw. mit

HbA1c-Wert > 9,0%

Schwere Herzinsuffizienz

Schwere pulmonale Hypertonie

Syndromale Erkrankungen mit schwerer Beeinträchtigung

Trisomie 21

Tumorerkrankungen und maligne hämatologische Erkrankungen

Neu sind die Präzisierungen bei pneumologischen Patienten aus der Pädiatrie. Ab dem Alter von 18 Jahren sei keine Priorisierung mehr erforderlich, schreiben die Autoren.

Eine weitere Empfehlung befasst sich mit Personen mit nachweislich überstandener SARS-CoV-2-Infektion ohne sonstige Vorerkrankungen. Sie sollten unabhängig vom Alter in der Regel ab 6 Monate nach Genesung bzw. Diagnosestellung eine COVID-19-Impfung erhalten.

CoronaVac (Sinovac) ist auch bei Kindern und Jugendlichen sicher und wirksam
Um Impfwillige schneller zu versorgen, hoffen Ärzte auf Neuzulassungen. Ein Vakzin des chinesischen Impfstoff-Hersteller Sinovac befindet sich unter fortlaufender Überprüfung der europäischen Arzneimittelagentur (EMA). Es handelt sich um einen Totimpfstoff, der inaktivierte Viruspartikel und Aluminiumhydroxid enthält. Jetzt liegen für diesen auch neue Daten zu Kindern und Jugendlichen im Alter von 3 bis 17 Jahren vor.

Zwischen dem 31. Oktober und dem 2. Dezember 2020 wurden 72 Teilnehmer in Phase 1 eingeschlossen. Die Phase 2 mit 480 Teilnehmern folgte zwischen dem 12. und dem 30. Dezember 2020. Mehr als 96% der Probanden entwickelten Antikörper gegen SARS-CoV-2.

Ähnlich wie bei anderen Impfstoffen, bei denen ein zunehmendes Alter mit einer verminderten Immunantwort einhergeht, stellen die Autoren fest, dass die Immunantworten bei Kindern und Jugendlichen höher waren als bei Erwachsenen im Alter von 18-59 Jahren und älteren Menschen ab 60 Jahren. Basierend auf ihren Ergebnissen empfehlen die Autoren 2 3-µg-Dosen des Impfstoffs für Kinder und Jugendliche im Alter von 3-17 Jahren.

Die meisten Nebenwirkungen waren in der Studie leicht oder moderat, wobei Schmerzen an der Injektionsstelle das am häufigsten berichtete Symptom waren.

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Montag, 28. Juni 2021
Sind die Aliens längst da?
Der vom US-Kongress erzwungene Bericht der Geheimdienste wirft mehr Fragen auf als er beantwortet. Neben Erklärungen wie Wetterballons, Satellitenschrott, Vögel, Eiskristalle oder Versuchsflugzeuge blieb die Kategorie "Sonstiges" übrig, darunter durch authentische Videos bestätigte Sichtungen von Flugobjekten mit Antriebs- und Manövrierleistungen, zu denen bekannte irdische Technik nicht in der Lage ist, wie das flugzeuggroße Tic-Tac, dem F18-Pilotin Alex Dietrich begegnet war. Der ehemalige Spionageoffizier und UFO-Beauftragte des Pentagon , Luis Elizondo, erklärte hierzu, die Menschheit habe es hier mit Technologien zu tun, die unserer um 50 - 100 Jahre voraus sein könnten.

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Uraufführung vorbehalten
Eine Trägergruppe der Royal Navy, bestehend aus dem Flugzeugträger Queen Elizabeth, 2 Zerstörern der Daring-Klasse und 3 Fregatten der Duke-Klasse bewegt sich von Südwesten kommend durch die Formosa-Straße. Diese gilt den Briten als internationales Gewässer, den Chinesen hingegen als ihr Hoheitsgewässer. Von Nordosten her läuft der britischen Kampfgruppe ein chinesischer Zerstörerverband entgegen, bestehend aus der Nanchang, dem am stärksten bewaffneten Überwasserkriegsschiff der Welt, einem weiteren Zerstörer der Sovremeny- und einem Zerstörer der Luhu-Klasse sowie zwei Fregatten.

Von der anderen Seite nähert sich ein chinesisches Atom-Uboot, aus der Luft 4 schwere Bomber vom Typ Xian, die mit weitreichenden Antischiffraketen vom Typ Kelt bewaffnet sind. Auf beiden Seiten hat man nervöse Triggerfinger. Wer überreagiert als Erster?

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Sonntag, 27. Juni 2021
Die Mösen der Terroristinnen
Ich las eine Kritik des Films "Der Baader-Meinhof-Komplex", in dem die Rede davon war, der extreme Realismus dieses Films zeige sich zum Beispiel daran, dass bei den Nacktszenen die Frauen Schamhaartoupets trugen, da in den Siebziger Jahren Frauen ihre Schamhaare nicht entfernten. Ah ja. Gefundenes Fressen für den Alltagshistoriker mit besonderen Interessen an Körpergeschichte, Geschlechtergeschichte und Abseitigkeiten. Zum Einen wurde das Tragen von Schamhaaren wie eine Marotte der Siebziger Jahre dargestellt, zum Anderen davon ausgegangen, dass es das heute nicht mehr gäbe. Das mag ja auf die Schauspielerinnen zutreffen, die in dem Film die RAF-Terroristinnen spielten, und auch auf die Münchner, Berliner und Hamburger Schicki-und Popkulturszene, der diese angehören, aber keineswegs auf die Gesamtheit der Gesellschaft. Noch alle Frauen, mit denen ich bisher Sex hatte, trugen/tragen zwischen den Beinen eine Bürste bis breiten Biber, und wenn ich mich - bis zum Lockdown - in der Sauna meines Sportclubs umschaute waren da vielleicht 20% epiliert. Und das ist Großstadt. Auf dem Dorf laufen die Mädels durchaus auch noch mit Vogelnestern unter den Achselhöhlen herum.


Der Beitrag erscheint mir also sehr aus einer Filterblase heraus geschrieben.

Wie übrigens auch vieles bei Wikipedia, etwa der unsägliche Antiimperialismus-Artikel, der es schafft, Diskurse der antideutschen Linken des 21. Jahrhunderts auf die 1960er und 70er Jahre rückzuübertragen.

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Eine muss ja das Hirn von der Tapete wischen
Wir feierten den Geburtstag meiner Lieblingsschwester. Lustig war´s, gemütlich war´s. Unter anderem kam die Rede auf alte Familiengeschichten und auf den sehr drastischen Tonfall, der früher bei uns üblich war. Bei einem Essen im Elternhaus meiner Mutter regte sich der Opa darüber auf, dass das Essen kalt sei. Die Hausmagd, Fräulein Schulze protestierte und sagte, das Essen könne nicht kalt sein, es dampfe ja. "Perschiet dampet ok." - Pferdescheiße dampft auch. So war er.

Dann erzählte sie von einem Onkel und einer Tante, die regelmäßig Salat aus Löwenzahn und Brennesseln aßen. Das waren frühe Ökos, sozusagen Grüne der Sechziger Jahre, sie dachte in ihrem Kindersinne aber, dass die zu arm wären, um sich richtiges Essen leisten zu können. Wir rätselten, wer das gewesen sein könnte, kamen anhand bestimmter Details dann drauf, und unter viel Hallo und Spaß erzählten wir Geschwister und Vater dann einander die Details und fügten kumulativ die Lebensgeschichte von Onkel Hubertus und Tante Erna zusammen. Für Onkel Hubertus endete die mit der Diagnose Krebs, worauf er sich erschoss. Tante Erna wischte dann dessen Hirn von der Tapete. "Typisch Tante Erna, der Scheiß blieb immer an ihr hängen, aber irgendwer muss ja das Hirn von der Tapete wischen."

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Vom korrekten Umgang mit Covidioten
Ulf Froitzheim ist jemand, der von Don Alphonso, Nörgler, Netbitch und mir seinerzeit wegen obrigkeitsnaher Johurnalismusauffassung mal richtig was reingepult bekam. Hier liegt er aber dennoch richtig, und der Redaktion von Kontext muss man für das blitzlichtartige kurze who-is-who dankbar sein:

https://www.kontextwochenzeitung.de/gesellschaft/507/vom-op-saal-in-die-verschwoerungsecke-7188.html?timestamp=1624729205&cHash=2136d30d8a23a7d55cbf3b585a3f378c#jumpto-comments

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Samstag, 26. Juni 2021
Am 25. 06. 1876 vernichteten die Sioux, Arapaho und Cheyenne die 07. US Kavallerie
https://www.youtube.com/watch?v=oY_a-HjdiOE

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Donnerstag, 24. Juni 2021
Corodok macht erstmal zu
Na denn. Ich hoffe mal dass der Unfug bald vergessen sein wird und das, was an sinnvoller Kritik geäußert wurde - erheblich weniger - bleibt.

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Ein DOAC zur Antikoagulation bei stabilen COVID-19-Patienten? Rivaroxaban versagt kläglich
Sue Hughes

Die therapeutische Antikoagulation mit Rivaroxaban 20 mg einmal täglich konnte das klinische Outcome bei stabilen hospitalisierten COVID-19-Patienten mit erhöhten D-Dimer-Werten nicht verbessern, sondern verstärkte die Blutungsneigung im Vergleich zur prophylaktischen Antikoagulation im Krankenhaus. Das sind die Ergebnisse der ACTION-Studie, die Dr. Renato Lopes vom Duke University Medical Center in Durham, North Carolina, im Mai anlässlich des virtuellen Jahreskongresses 2021 des American College of Cardiology (ACC) präsentierte.

Frühere Ergebnisse dieser Gruppen hatten keinen Nutzen, aber eine erhöhte Blutungsrate bei kritisch kranken COVID-Patienten gezeigt, und diese Patienten waren nicht mehr in die Studien aufgenommen worden.

Auf die Frage, wie denn nun die Daten der jetzt vorliegenden Studien insgesamt zu interpretieren seien, sagte Lopes, die ACTION-Studien und die internationale Studienplattform seien recht unterschiedlich angelegt und könnten wohl nicht direkt miteinander verglichen werden. ?Wir haben Rivaroxaban eingesetzt, und sie haben Heparin als therapeutische Strategie verwendet. Sie haben die Ergebnisse im Krankenhaus betrachtet, während wir den Endpunkt der Untersuchung nach 30 Tagen gesetzt haben?, so Lopes.

Für den Moment können wir auf der Grundlage der ACTION-Studie sagen, dass sich Rivaroxaban in einer Dosis von 20 mg einmal täglich nicht zur Thromboseprophylaxe bei stabilen COVID-Patienten eignet, die keine andere Indikation für eine Antikoagulation wie eine TVT oder LE haben. Dr. Renato Lopes
?Die Studien müssen veröffentlicht werden, damit wir die Daten vollständig interpretieren können, bevor wir klinische Empfehlungen abgeben?, fügte er hinzu. ?Es gibt noch viele weitere Untersuchungen, die derzeit laufen und deren Ergebnisse in den nächsten Monaten verfügbar sein sollten. Dann werden wir wesentlich besser beurteilen können, was zu tun ist. Für den Moment können wir auf der Grundlage der ACTION-Studie sagen, dass sich Rivaroxaban in einer Dosis von 20 mg einmal täglich nicht zur Thromboseprophylaxe bei stabilen COVID-Patienten eignet, die keine andere Indikation für eine Antikoagulation wie eine TVT oder LE haben?, sagte Lopes.

Ergebnisse der ACTION-Studie mit 615 Patienten
Die ACTION-Studie wurde in Brasilien durchgeführt. Man wollte untersuchen, ob eine primäre therapeutische Antikoagulation mit Rivaroxaban zur Verhinderung von Komplikationen bei COVID-19-Patienten mit erhöhten D-Dimer-Werten, die stationär aufgenommen werden mussten, wirksamer ist als eine prophylaktische Antikoagulation.


Dr Renato Lopes

Die Studie sollte eigentlich auch ein therapeutisches Regime von Enoxaparin (1 mg/kg zweimal täglich) bei instabilen Patienten testen, doch konnten für diese Frage nicht genügend Personen rekrutiert werden, um zu einem aussagekräftigen Ergebnis zu kommen.

Lopes beschrieb Rivaroxaban als weitverbreitetes und wirksames orales Antikoagulans für Patienten mit Vorhofflimmern, tiefer Venenthrombose (TVT) und Lungenembolie (LE). In einigen Zentren wird es auch mit dem Ziel eingesetzt, thromboembolische Ereignisse bei COVID-19-Patienten zu verhindern. Allerdings liegen keine Daten über die optimale Dosierung und die Therapiedauer in dieser Situation vor. ?Die Aussicht auf einen oralen Wirkstoff wäre für mäßig kranke Patienten sehr verlockend, da es die Hypothese gibt, nach der die Entzündung und der prothrombotische Zustand nach der Entlassung aus dem Krankenhaus weiterhin Bestand haben?, sagte er.

Die ACTION-Studie war so angelegt, dass sie eine Überlegenheit von Rivaroxaban 20 mg gegenüber einer prophylaktischen Antikoagulation zeigen sollte, aber unsere Ergebnisse wiesen tatsächlich in die andere Richtung. Dr. Renato Lopes
?Die ACTION-Studie war so angelegt, dass sie eine Überlegenheit von Rivaroxaban 20 mg gegenüber einer prophylaktischen Antikoagulation zeigen sollte, aber unsere Ergebnisse wiesen tatsächlich in die andere Richtung. Die Zahl der thromboembolischen Ereignisse unter Rivaroxaban konnte zwar leicht reduziert werden, doch kam es zugleich zu einem nicht signifikanten Anstieg der Sterblichkeit und zu einem sehr deutlichen Anstieg bei den Blutungen. Das ist unterm Strich kein günstiger Tausch?, sagte Lopes gegenüber Medscape.

Rivaroxaban derzeit nicht zur Thromboseprophylaxe bei stabilen COVID-19-Patienten empfohlen
Die Ergebnisse dieser Studie stehen im Gegensatz zu einer Reihe von US-Studien, bei denen kürzlich ein Benefit für die Vollheparinisierung gegenüber der prophylaktischen Antikoagulation bei mäßig kranken COVID-Patienten gezeigt wurde. Die Topline-Ergebnisse aus 3 international verbundenen klinischen Studien REMAP-CAP, ACTIV-4 und ATTACC wurden im Januar bekannt gegeben und sollten zeigen, dass die Vollheparinisierung beim primären Endpunkt ?Beatmungspflicht oder andere organunterstützende Maßnahmen? 21 Tage nach Randomisierung gegenüber einer Prophylaxe mit niedrigen Dosen überlegen war. Diese Studien wurden jedoch noch nicht veröffentlicht und auch die Ergebnisse zur Sicherheit sind noch nicht bekannt. Es hieß nur, dass das Nutzen-Risiko-Verhältnis zugunsten der Vollheparinisierung ausfiel.

In der Studie wurden 615 solcher Patienten zufällig einer therapeutische Antikoagulation oder einer prophylaktischen Antikoagulation mit normalerweise niedrig dosiertem Enoxaparin 40 mg einmal täglich zugewiesen.

Es wurden 2 verschiedene therapeutische Strategien für 2 unterschiedliche Patientengruppen verfolgt: Stabile Patienten erhielten eine therapeutische Antikoagulation mit Rivaroxaban 20 mg täglich, und instabile Patienten erhielten im Krankenhaus Enoxaparin (1 mg/kg) zweimal täglich. Beide Gruppen erhielten nach der Entlassung aus dem Krankenhaus für 30 Tage Rivaroxaban 20 mg.

Der primäre Endpunkt war eine hierarchische Analyse der Mortalität, der Dauer des Krankenhausaufenthalts und der Dauer der Sauerstoffanwendung bis zu 30 Tagen unter Anwendung der ?unmatched Win Ratio?.


Lopes erläuterte, dass dabei jeder Patient in der Behandlungsgruppe mit jedem Patienten in der Kontrollgruppe für die 3 einzelnen Komponenten des zusammengesetzten Endpunkts verglichen wird. Wenn zum Beispiel bei der Mortalität der Behandlungspatient überlebt und der Kontrollpatient stirbt, gewinnt ?Behandlung?. Wenn der Kontrollpatient überlebt und der Behandlungspatient stirbt, gewinnt eben die Kontrollgruppe. Und auch ein Unentschieden ist möglich.

Die Win Ratio ergibt sich aus der Anzahl der Gewinne in der Behandlungsgruppe geteilt durch die Anzahl der Gewinne in der Kontrollgruppe. Bei einem Verhältnis >1 gilt die Behandlung als vorteilhaft.

Nach den Basiswerten wurden über 90% der aufgenommenen Patienten als stabil eingestuft, wobei etwa 75% Sauerstoffunterstützung benötigten. 90% nahmen bereits Antikoagulanzien ein (meist als Standardprophylaxe), 8% nahmen Thrombozytenaggregationshemmer, und 83% erhielten systemische Kortikosteroide.

Bei der Analyse der Ergebnisse kam die therapeutische Strategie auf 34,8% Gewinne gegenüber 41,3% bei der prophylaktischen Strategie. Bei 23,9% der Vergleiche gab es ein Unentschieden. Dies ergab eine Win Ratio von 0,86 (95% Konfidenzintervall, KI: 0,59?1,22) für die therapeutische gegenüber der prophylaktischen Strategie.

Die gleichen Muster zeigten sich für jede einzelne Komponente des zusammengesetzten primären Endpunkts. Die therapeutische Gruppe wies zahlenmäßig weniger thromboembolische Ereignisse auf (relatives Risiko, RR: 0,75; 95% KI: 0,45?1,26) aber auch eine häufigere 30-Tage-Mortalität (RR: 1,49; 95% KI: 0,90?2,46).

Es gab in der therapeutischen Gruppe auch einen signifikanten Anstieg bei den schweren oder klinisch relevanten Blutungen (8,4% vs. 2,3%), was ein RR von 3,64 bedeutete. Die Ergebnisse waren in sämtlichen Untergruppen ähnlich.

Eine der großen Fragen: Die optimale Antikoagulationsdosierung
Dr. Robert Harrington von der kalifornischen Stanford University kommentierte die Studie auf der ACC-Sitzung. Für ihn stellte sich die brasilianische Studie einer der großen Fragen beim Thema COVID-19, nämlich der optimalen Antikoagulationsdosierung. Doch sei das Vorgehen hier ein anderes gewesen als bei den in den USA durchgeführten Untersuchungen, da man versucht habe zu klären, ob stabile und instabile Patienten unterschiedliche Strategien benötigten.

Auf die Frage, was die Studie in dieser Hinsicht ergeben habe, antwortete Lopes, dass das primäre Ziel die Prüfung der therapeutischen Dosis von Rivaroxaban gewesen sei, aber sie wollten auch den Einsatz von Heparin bei instabilen Patienten erlauben. ?Es stellte sich heraus, dass die überwiegende Mehrheit der Patienten stabil war, und um diese Frage zu beantworten, konnten wir nicht genug instabile Patienten einschließen.


Lopes weiter: ?Unsere Untersuchung wollte sich in erster Linie auf stabile Patienten konzentrieren, die ein orales Medikament erhalten, und das ist der Beitrag, den diese Studie leistet.?

Harrington stimmte Lopes Interpretation der unterschiedlichen Ergebnisse in dieser Studie und den Ergebnissen des internationalen Studienverbundes zu. ?Es waren unterschiedliche Settings. Wir sollten uns an die Daten aus den internationalen Studien zur Vollheparinisierung bei mäßig kranken Patienten halten.?

Wir sollten uns an die Daten aus den internationalen Studien zur Vollheparinisierung bei mäßig kranken Patienten halten. Dr. Robert Harrington
Zur Win Ratio meinte er, dass diese Analysemethode einige Beschränkungen der traditionellen ?Time-to-Event?-Analyse, bei der nur das erste eingetretene Ereignis in die primäre Analyse einbezogen wird, beseitigen könne.

?Manchmal ist dies vielleicht nicht das wichtigste Ereignis (z.B. Herzinfarkt statt Tod, Revaskularisation statt Herzinfarkt)?, sagte er, ?die Win Ratio erlaubt es, alle Ereignisse zu untersuchen und zwischen den Behandlungen zu vergleichen.?

Für Harrington gebührt den Leitern der ACTION-Studie ein großes Lob für die Umsetzung der Win-Ratio-Methode in der Praxis. ?Es ist schön zu sehen, dass dieser statistische Ansatz in einer echten klinischen Studie Anwendung findet.?

Dieser Artikel wurde von Markus Vieten aus www.medscape.com/ übersetzt und adaptiert.

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Neue Virus-Varianten, unklare Wirksamkeit der Impfstoffe: Welche Schritte jetzt erforderlich sind
Michael van den Heuvel, Medscape


Die Zahl an besorgniserregenden SARS-CoV-2-Varianten (variants of concern, VOC) steigt seit Beginn der Pandemie stetig an. Derzeit sorgt vor allem die Delta-Variante für Schlagzeilen. Im NEJM gehen Dr. Philip R. Krause von der US Food and Drug Administration und Kollegen der Frage nach, welche Strategien bei Impfstoffen weltweit erforderlich sind, sollte es zum Immune Escape kommen

Sie fordern, nicht nur mutierte Erreger zu überwachen, sondern rechtzeitig modifizierte Vakzine zu entwickeln. Internationale Forschungsprojekte sollten von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) koordiniert werden. Einfachere Studiendesigns seien aber möglich, verglichen mit den Erstzulassungen.

Unklare Daten zu SARS-CoV-2-Varianten
Zum Hintergrund: Besorgniserregende Varianten des neuartigen Coronavirus machen womöglich Erfolge von Impfkampagnen in vielen Ländern zunichte:

B.1.1.7 (Alpha) hat eine höhere Übertragbarkeit und tritt zunehmend als häufigste Mutation auf.

P.1 (Gamma) kann selbst bei Personen, die infiziert waren, eine schwere Erkrankung auslösen, obwohl abschließende Bewertungen fehlen.

Bei B.1.351 (Beta) weiß man, dass Rekonvaleszenzplasma von Patienten, die mit früher zirkulierenden Varianten infiziert waren, eine schlechtere Wirksamkeit hat.

Vorläufige Daten auf der Basis von Post-hoc-Analysen zeigen, dass Impfstoffe ? abhängig vom Typ ? weniger Schutz aufbauen. Das gilt vor allem für leichtes oder mittelschweres COVID-19, jeweils im Vergleich zum Wildtyp.

Für andere Varianten wie B.1.617.2 (Delta) fehlen noch Daten, um die Bedeutung zu bewerten. Immerhin gibt es Hinweise, dass die zugelassenen Impfstoffe wirksam bleiben. Auch das kann sich ändern, sollten weitere Mutationen auftreten. Wie können sich Gesundheitssysteme oder pharmazeutische Hersteller darauf vorbereiten? Dieser Frage ging Krause zusammen mit seinen Koautoren jetzt nach.

Die Zeit ist reif für neue Impfstoffe
Obwohl Tiermodelle und In-vitro-Studien wichtige Informationen liefern, werden klinische Daten benötigt, um festzustellen, ob zugelassene Impfstoffe ihre Wirksamkeit gegen Varianten eventuell verlieren.

Randomisierte, Placebo-kontrollierte Studien kosten Zeit ? und sind bei zugelassenen Impfstoffen auch nicht erforderlich. Die Autoren empfehlen, in Gebieten mit hoher Prävalenz einer Variante die Bevölkerung randomisiert zeitversetzt zu impfen. So könne man Personen mit oder ohne Schutz vergleichen. Harte Endpunkte wie Krankenhausaufenthalte oder schweres COVID-19 ließen sich durchaus erfassen.

Sorgfältig konzipierte Beobachtungsstudien könnten recht zuverlässige Schätzungen der relativen Impfstoffwirksamkeit gegen verschiedene Varianten liefern. Dr. Philip R. Krause und Koautoren
Solche Studien sind bekanntlich anfällig für Verzerrungen. ?Dennoch könnten in Gebieten, in denen mehrere Varianten zirkulieren und ein Teil der Bevölkerung, aber nicht die gesamte Bevölkerung geimpft wurde, sorgfältig konzipierte Beobachtungsstudien ? recht zuverlässige Schätzungen der relativen Impfstoffwirksamkeit gegen verschiedene Varianten liefern?, so Krause und Kollegen. ?Sie könnten auch den Verlust des Schutzes gegen bedenkliche Varianten bei zuvor infizierten Personen aufdecken.? Bei niedrigen Impfquoten oder niedriger Prävalenz einer Variante sei das Design aber zu ungenau, geben die Experten zu bedenken.

Modifizierte Vakzine: Nicht zu lange abwarten?
Im schlimmsten Fall zeigen solche Studien, dass zugelassene Wirkstoffe keinen ausreichenden Schutz bieten. Krause und Kollegen schreiben: ?Jetzt ist es an der Zeit, die Entwicklung modifizierter Impfstoffe zu planen, die vor resistenten Varianten schützen könnten, da solche Mutationen durchaus auftreten können.? Wer dies hinauszögere, verzögere auch die Bekämpfung von SARS-CoV-2.

Studien sollten nicht nur Geimpfte, sondern auch Personen einschließen, die bislang keinerlei Schutz hatten ? weder durch Vakzine noch durch COVID-19. ?Die Bewertung der neutralisierenden Reaktionen gegen mehrere bedenkliche Varianten und gegen das Wildtyp-Virus kann helfen, zu bestimmen, ob mehr als ein Impfstoff ? benötigt wird.? Studien, in denen ein Impfstoff mit einer späteren Dosis eines anderen Impfstoffs geboostet wird, seien ebenfalls wertvoll. Und bei Durchbruchsinfektionen mache eine Genotypisierung Sinn, die zeige, mit welcher Mutation sich Menschen infiziert hätten.

Jetzt ist es an der Zeit, die Entwicklung modifizierter Impfstoffe zu planen, die vor resistenten Varianten schützen könnten. Dr. Philip R. Krause und Koautoren
Die Hürden zur Zulassung modifizierter Impfstoffe sind jedenfalls geringer als bei der 1. Runde ab Ende 2020. ?In den jüngsten regulatorischen Diskussionen und in Leitlinien der WHO besteht Konsens darüber, dass konventionelle, große, klinische Endpunktstudien wahrscheinlich nicht notwendig sind ??, konstatieren die Autoren. Die US Food and Drug Administration (FDA), aber nicht die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) schlägt vor, auf Tiermodelle zurückzugreifen.


Nach der Einführung modifizierter oder neuer Impfstoffe, die Varianten adressieren, beginnt der Kreislauf aus Überwachung und Forschung erneut. Dabei gilt es, zu bedenken, dass in manchen Gebieten vielleicht mehrere Varianten nebeneinander persistieren.

Welche Faktoren könnten Mutationen fördern?
Impfstoffe scheinen das Auftreten veränderter Erreger jedenfalls nicht zu befeuern. ?In Anbetracht des Auftretens von Varianten, die Immunität umgehen, noch bevor Impfstoffe auf breiter Basis eingesetzt wurden, ist es schwierig, Impfstoffe oder Strategien zur Einführung von Impfstoffen als Haupttreiber der Immunevasion zu betrachten?, merken die Autoren an.

Eine verlängerte Virusreplikation bei partieller Immunität in immungeschwächten Patienten oder Umstände, unter denen hohe Viruslasten auftreten, etwa bei beengten Wohnverhältnissen, könnten jedoch zur rascheren Veränderung beitragen. Ähnliche Gefahren sehen Krause und Kollegen beim Einsatz antikörperbasierter Therapien: ?Teilweise wirksame Interventionen können die virale Evolution fördern.?

Teilweise wirksame Interventionen können die virale Evolution fördern. Dr. Philip R. Krause und Koautoren
Außerdem gilt: Je größer die Zahl an Infizierten ist, desto größer ist auch die Chance, dass neue, bedenkliche Varianten entstehen. ?Daher können wirksame Strategien ? wie soziale Distanzierung, die Verwendung von Masken und der gezielte Einsatz effektiver Impfstoffe, die sowohl die Infektion als auch die Übertragung reduzieren, dazu beitragen, die virale Evolution zu begrenzen?, heißt es im Artikel. ?Die Abwägung zwischen dem Einsatz von Impfstoffen zum Schutz vulnerabler Personen vor einer Erkrankung oder zur gezielten Verhinderung der Ausbreitung ist eine strategische Entscheidung, die auf zuverlässigen epidemiologischen Informationen beruhen sollte.?

Weltweite Koordinierung der Maßnahmen
Doch die Herausforderungen sind noch lange nicht zu Ende. Neue VOC können in jedem Winkel der Erde entstehen. Krause und Kollegen sehen die Entwicklung neuer oder modifizierter Vakzine auf internationaler Ebene, mit Federführung der WHO.

?Die Koordinierung ist von entscheidender Bedeutung bei der Beurteilung des Bedarfs an neuen oder modifizierten Impfstoffen, bei der Bewertung dieser Impfstoffe und beim Verständnis für das Risiko?, so ihre Einschätzung. ?Eine offene und wissenschaftliche Diskussion ist notwendig, um festzustellen, welche Varianten, die Anlass zur Sorge geben, Aufmerksamkeit erfordern.?

Das bedeutet: Die internationale Staatengemeinschaft braucht allgemeingültige Kriterien, um Vakzine bei neu auftretenden Varianten zu bewerten und ? falls erforderlich ? angemessen darauf zu reagieren. Als Blaupause eigne sich die Auswahl von Antigenen in Grippeimpfstoffen durch die WHO, schreiben die Experten. In die Entscheidung müssten epidemiologische Daten, Daten aus der Evolutionsbiologie sowie klinische, tierexperimentelle und In-vitro-Daten einbezogen werden.

?Durch die gemeinsame, offene Diskussion der Ergebnisse wird dieser Datenaustausch dazu beitragen, eine konsistente und durchdachte öffentliche Kommunikation über neue Varianten und ein angemessenes Vertrauen in Impfstoffe und in deren Entwicklung, Prüfung und Anwendung zu fördern?, hoffen Krause und seine Koautoren.

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Mittwoch, 23. Juni 2021
Kein Druck bitte! Durch eine Impfpflicht würde laut Umfrage die Impfbereitschaft eher sinken
Dr. Thomas Kron



Eine repräsentative Online-Umfrage spricht gegen eine Impfpflicht zur Eindämmung der Corona-Pandemie. Wie andere Untersuchungen auch zeigt die Umfrage der Verhaltensökonomin und Psychologin Dr. Katrin Schmelz und ihres US-amerikanischen Kollegen Prof. Dr. Samuel Bowles, dass es vor allem darauf ankommt, das Vertrauen der Bevölkerung in staatliche Institutionen und die Wissenschaft nicht zu beschädigen, sondern zu fördern [1].

Könnte die Impfbereitschaft in Deutschland stagnieren?
So schwer die Pandemie in Millionen Leben auch eingegriffen hat: In Deutschland gibt es keine Pflicht, sich gegen SARS-CoV-2 impfen zu lassen. In anderen Ländern ist eine solche Verpflichtung längst eingeführt, sei es für Pflegekräfte in Italien oder für Studierende in Kalifornien.

Werden sich in Deutschland genug Menschen freiwillig impfen lassen, um die Pandemie zu beenden? In Israel etwa, lange Zeit Vorreiter bei den Impfungen, stagniert das Impfniveau bei rund 63%. In Deutschland ist die Frage beim derzeitigen Stand der Impfkampagne noch offen, dürfte aber im Laufe der nächsten Monate an Relevanz gewinnen.

Eine Umfrage mit 2.600 Bürgern
Der Bereitschaft zur freiwilligen Impfung und möglichen Reaktionen auf eine Impfpflicht sind Schmelz und Bowles in der repräsentativen Online-Befragung ?Leben im Ausnahmezustand? nachgegangen.

In der Untersuchung des Exzellenzclusters ?The Politics of Inequality? der Universität Konstanz haben sie nach dem persönlichen Impfwunsch gefragt: Würden sich die Teilnehmer freiwillig impfen lassen wollen? Und würden sie sich immer noch gern impfen lassen, wenn eine Impfpflicht ihnen die Entscheidung aus der Hand nähme?

Zwang lässt Impfbereitschaft sinken
Eine Besonderheit der Studie von Schmelz und Bowles ist die Durchführung als ?Panel?: Jeweils im Frühjahr und im Herbst 2020 wurden dieselben rund 2.600 Personen befragt. Deren freiwillige Impfbereitschaft blieb unverändert hoch bei etwa 2 Dritteln. Anders die Bereitschaft unter verpflichtenden Bedingungen: In der ersten Befragungswelle blieb der Impfwunsch im Falle einer Pflicht nur bei 44% der Befragten erhalten, in der zweiten Welle waren es lediglich 28%.

"Wer dem Staat misstraut, mag sich schon gar nicht zum Impfen zwingen lassen". Dr. Katrin Schmelz


Durch die wiederholte Befragung derselben Personen können die Forscher nachvollziehen, welche Gründe zu einem vermehrten Widerstand gegen eine mögliche Impfpflicht führen. ?Das Vertrauen in öffentliche Institutionen hat einen entscheidenden und direkten Einfluss: Wer dem Staat misstraut, mag sich schon gar nicht zum Impfen zwingen lassen?, sagt Schmelz in einer Mitteilung der Universität.

?Die Akzeptanz einer möglichen Impfpflicht ? aber auch die freiwillige Impfbereitschaft ? ist gerade bei den Menschen merklich zurückgegangen, die zwischen den ersten beiden Lockdowns Vertrauen in unsere Regierung und die Wissenschaft verloren haben. Im Durchschnitt war das politische Vertrauen im Herbst allerdings noch genauso hoch wie im vorherigen Frühjahr: Menschen, die Vertrauen in den Staat verloren haben, halten sich die Waage mit Menschen, die Vertrauen gewonnen haben.?

Vertrauen in die Bürger besser als Zwang
Wie viele Menschen sich letzten Endes tatsächlich freiwillig impfen lassen werden, lässt sich noch nicht sagen. Schmelz und Bowles argumentieren aber, dass es sich für die Regierung lohnen könnte, in die freiwillige Impfbereitschaft der Bevölkerung zu vertrauen. Anhand einer Modellierung zeigen sie: Je größer der Anteil der bereits geimpften Bevölkerung, desto mehr Ungeimpfte entwickeln den Wunsch, sich ebenfalls impfen zu lassen, zumindest bis zu einem gewissen Punkt.

?Das liegt daran, dass man sich für persönliche Entscheidungen stark am sozialen Umfeld orientiert?, erklärt Schmelz. ?Haben die Nachbarn, Freunde und Kollegen sich bereits freiwillig impfen lassen, steigt der Wunsch, selbst auch diesen Schritt zu gehen. Dieser Konformitätseffekt dürfte viele derjenigen mitziehen, die sich im Augenblick noch nicht impfen lassen möchten oder unentschieden sind.?

Haben die Nachbarn, Freunde und Kollegen sich bereits freiwillig impfen lassen, steigt der Wunsch, selbst auch diesen Schritt zu gehen. Dr. Katrin Schmelz
Eine Impfpflicht könnte die Impfmotivation deshalb nicht nur direkt ? aus Widerstand gegen Zwang ? verringern, sondern auch indirekt: Die freiwillige Impfentscheidung anderer sendet ein positives Signal und das geht verloren, wenn sie bei der Impfentscheidung keine Wahl hatten.

Sollte die Impfkampagne in Deutschland ins Stocken geraten, sollten die politisch Entscheider sich der möglichen Kosten einer Impfpflicht bewusst sein, meint Samuel Bowles der Mitteilung zufolge. Bowles: ?Der Widerstand gegen das Impfen würde zunehmen und vermutlich würde auch die Entfremdung der Bevölkerung von den Regierenden und ihren wissenschaftlichen und medizinischen Experten zunehmen.?


Bedeutung von Vertrauen und Misstrauen mehrfach belegt
Wie wichtig in diesem Zusammenhang Vertrauen ist, hat unter anderen eine Studie von Wissenschaftlern des ZEW Mannheim (Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung) und der Humboldt-Universität zu Berlin zu den Auswirkungen zweier großer Querdenken-Kundgebungen gezeigt.


Wie schädlich mangelndes Vertrauen oder Misstrauen in Staat und Wissenschaft für die Akzeptanz von Schutzmaßnahmen ist, haben auch Untersuchungen eines Teams von Versorgungsforschern belegt.

Wie die Wissenschaftler der Universität Witten/Herdecke im Bundesgesundheitsblatt berichten, haben sie 6 Hauptkategorien im Zusammenhang mit der Ablehnung der Corona-Schutzmaßnahmen identifiziert:

Fehlinformationen der sozialen Medien

Misstrauen gegenüber den etablierten öffentlichen Medien

Wissensdefizite und Verunsicherung

Einschränkung der Grundrechte

Rolle der Behörden (Bevölkerungskontrolle und mangelndes Vertrauen in das Robert Koch-Institut)

wirtschaftliche Auswirkungen der Pandemie

Manche Nutzer sozialer Medien hätten zum Beispiel behauptet, ?dass die Regierung absichtlich Panik hinsichtlich der Corona-Erkrankung schüre, um Maßnahmen zur Bevölkerungskontrolle einzuführen?. Beispiel: ?Meine Freiheit lasse ich mir von euch [gemeint ist die Regierung] nicht weiter einschränken! Ihr spinnt doch. Diese Panikmache ist Absicht, um uns in Zwangsimpfungen zu bringen. Nicht mit mir! Keine Nadel, kein Chip kommt in meinen Körper!?

Auch in das Robert Koch-Institut und seine Empfehlungen haben manche Bürger den Versorgungsforschern zufolge kein Vertrauen. Empfehlungen würden als unangemessen empfunden und Informationen mangels eigener Studien des Robert Koch-Instituts zur Infektionshäufigkeit in Zweifel gezogen. Darüber hinaus werde unterstellt, dass die Quote der schwereren COVID-19-Verläufe und Todesfälle ?verfälscht und eigentlich niedriger wäre?.

Dieser Artikel ist im Original erschienen auf Univadis.de.

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Dienstag, 22. Juni 2021
Wider das Vergessen!
Genosse Bersarin zum Gedenken an den Überfall auf die Sowjetunion.

https://bersarin.wordpress.com/2021/06/22/22-juni-1941-wer-wind-sat-wird-sturm-ernten/


Ach ja, und zwei Jahre später war Kursk.

https://www.youtube.com/watch?v=4HOcCfNnRVg

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Leitlinie zur Akuttherapie des Schlaganfalls aktualisiert: Neues zum Post-Stroke-Delir und zu Geschlechtsunterschieden
Andrea Hertlein

Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) und die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DGS) haben die S2e-Leitlinie zur Akuttherapie des ischämischen Schlaganfalls zusammen mit zahlreichen weiteren Fachgesellschaften aktualisiert und erweitert [1]. Neu sind unter anderem Aspekte des Post-Stroke-Delirs und der kardiovaskulären Diagnostik sowie ein Kapitel zu geschlechtsspezifischen Unterschieden bei Schlaganfall-Patienten.

Die bisherige S1-Leitlinie stammt aus dem Jahr 2012; 2015 kam eine Ergänzung zu den Rekanalisationstherapien hinzu. Nun wurde eine komplette Überarbeitung und Aktualisierung der bisherigen Leitlinie publiziert, heißt es in einer Mitteilung der DGN.

Sprecher der Leitliniensteuergruppe sind Prof. Dr. Martin Köhrmann, Universitätsklinikum Essen, und Prof. Dr. Peter Ringleb, Universitätsklinikum Heidelberg. Viele Empfehlungen hätten sich aufgrund neuer Studiendaten verändert, so die Fachgesellschaft. Außerdem wurden verschiedene Aspekte neu in die Empfehlungen aufgenommen.

Gefäßdiagnostik vor mechanischer Thrombektomie
Alle akuttherapeutischen Maßnahmen wirken besser, je früher und zielgerichteter sie angewendet werden. Neuerungen betreffen daher auch die zerebrale Diagnostik, die sofort mit CT oder MRT erfolgen sollte, um zwischen Ischämie und Blutung zu unterscheiden und somit das therapeutische Prozedere festlegen zu können.

Wenn eine mechanische Thrombektomie in Frage kommt, müsse der Leitlinie zufolge immer auch eine Gefäßdiagnostik (vom Aortenbogen aufwärts) stattfinden.

Falls bei Ankunft in der Klinik das Zeitintervall von 4,5 Stunden überschritten sei, sollte eine erweiterte Bildgebung, etwa eine Perfusionsuntersuchung mit MRT oder CT erfolgen, lautet die Empfehlung.

Tenecteplase nur in Einzelfällen
Die Standardtherapie für die systemische Thrombolyse erfolgt in der Regel mit Alteplase. Tenecteplase könnte jedoch als modifiziertes Molekül eine noch bessere Wirksamkeit haben, heißt es in der aktualisierten Fassung.

In der EU ist diese Substanz bisher allerdings nur zur Behandlung des Herzinfarktes zugelassen. Dagegen ist die Studienlage beim Schlaganfall bislang nicht einheitlich. Gemäß der neuen Leitlinie soll Tenecteplase außerhalb klinischer Studien nur in Einzelfällen eingesetzt werden.

Post-Stroke-Delir: Screening mit etablierten Scores
Neuerungen betreffen auch das sogenannte Post-Stroke-Delir, welches bei bis zu 48% der Patienten auftritt. Ein solches Delir gehe einher mit einer fast fünffach erhöhten Sterblichkeit, längeren Klinikaufenthalten und häufigeren Entlassungen in Pflegeeinrichtungen, betonen die Autoren.

Die Leitlinien empfehlen daher das gezielte Screening mit etablierten Scores. Neben der Behandlung mit speziellen Medikamenten sei es außerdem besonders wichtig, frühzeitig die Reorientierung der Patienten zu stimulieren (Kommunikation, Mobilisation, Brille, Hörgeräte, Tag-Nacht-Rhythmus).

Eine duale antithrombotische Sekundärprophylaxe (ASS plus Clopidogrel oder Ticagrelor) sollte nicht routinemäßig erfolgen, heißt es in der aktualisierten Fassung. Sie könne bei ausgewählten Patienten nach TIA oder leichten Schlaganfällen über einen Zeitraum von 21 bis 30 Tagen Vorteile haben, möglicherweise jedoch zu Lasten des Blutungsrisikos bei insgesamt unveränderter Mortalität und nur geringem Einfluss auf bleibende Behinderung und Lebensqualität. Bei erhöhtem Blutungsrisiko sollte laut Leitlinie keine duale Plättchenhemmung erfolgen.

Frauen seltener auf Stroke Units behandelt
Die überarbeitete Leitlinie betont außerdem, dass die systematische Suche in Datenbanken keinen Anhalt dafür brachte, dass Frauen mit einem Schlaganfall anders behandelt werden sollten als Männer. Es zeigten sich jedoch je nach Studie variable epidemiologische Unterschiede zwischen den Geschlechtern: So waren weniger Frauen von Schlaganfällen betroffen als Männer.

Frauen waren jedoch durchschnittlich etwa 5 Jahre älter als Männer, hatten häufiger Bluthochdruck und Vorhofflimmern.

Alkohol- oder Nikotinkonsum sowie Hyperlipidämie und Diabetes mellitus waren indes bei Männern häufiger.

Bei uneinheitlicher Datenlage gebe es laut Leitlinie Hinweise darauf, dass Frauen seltener auf Stroke Units behandelt wurden, eine erhöhte Krankenhaussterblichkeit hatten (2017 starben 8,8% der Frauen und 5,8% der Männer) sowie ein schlechteres funktionelles Ergebnis.

Dieser Artikel ist im Original erschienen auf Univadis.de.

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Starke Hautirritationen nach mRNA-Corona-Impfung beobachtet: Ausschläge, Erytheme, Frostbeulen ? und Aktivierung von Herpes?
PD Dr. Martin Hartmann

Manchmal bleibt es nicht bei einer Lokalreaktion: PD Dr. Martin Hartmann berichtet von Fällen an der Hautklinik Heidelberg mit dermatologischen Irritationen nach Moderna- und BioNTech-Injektionen.

Transkript des Videos von PD Dr. Martin Hartmann, Heidelberg:

Schönen guten Tag,

hier ist Martin Hartmann aus der Hautklinik Heidelberg. Es geht heute um kutane Nebenwirkungen der mRNA-Impfstoffe gegen SARS-CoV2-Infektionen.

Während beim Vektor-Impfstoff von AstraZeneca (Vaxzevria®) in den letzten Wochen viel über die thromboembolischen Komplikationen berichtet worden ist und deshalb der Impfstoff nun vorwiegend bei Älteren eingesetzt wird, gibt es jetzt immer mehr Erkenntnisse zu den Impfreaktionen bzw. Nebenwirkungen nach einer Injektion mit den mRNA-Impfstoffen.


Quelle: PD M. Hartmann

Häufig lokale Schmerzen, Schwellungen und Rötungen


Esther Freeman von der Harvard Medical School hat auf dem diesjährigen Jahrestreffen der American Academy of Dermatology Association (AAD) einen Überblick zu den Nebenwirkungen bei mRNA-Impfungen gegeben.

Bei bis zu 90% der Geimpften treten direkt nach der Impfung Schmerzen auf, seltener sind Schwellungen und Rötungen. Die Symptome flauen nach 1 bis 2 Tagen ab [5,6]. Allergische Reaktionen auf die Impfstoffe sind selten [3]

Ausschläge und verzögerte Lokalreaktionen

Es wird immer wieder beobachtet, dass auch urtikarielle Ausschläge, eine Urtikaria oder eine morbilliformer Rash, also ein masern-ähnlicher Ausschlag, im Anschluss an die Impfung auftreten. Sie flauen unter einer Therapie mit Antihistaminika oder lokalen Kortikoiden rasch wieder ab.

Interessant sind verzögerte Lokalreaktionen, die 5 bis 6 Tage nach der Injektion an der Injektionsstelle als ausgedehnte Rötung mit Schwellung und Juckreiz auftreten. Sie persistieren für einige Tage. Das wird häufig nach der 1. Impfung beobachtet, nach der 2. Impfung wiederholt sich das in weniger als 50% der Fälle und tritt dann auch nicht ausgeprägt auf [2].

Multiforme Erytheme

Dann gibt es Berichte von selteneren Nebenwirkungen wie multiforme Erytheme, pernio-artige Nebenwirkungen oder Reaktivierung von Infektionen [8].

Ich möchte von einigen Fällen hier aus der Hautklinik, Heidelberg, berichten.

Vor wenigen Wochen kamen 2 Patienten am gleichen Tag zur stationären Überwachung nach jeweils einer Impfung mit dem Impfstoff von Moderna und BioNTech, die am ganzen Körper multiforme Erytheme hatten.

Sie hatten also eine Art von Ausschlag, der multiform, teilweise wie ein Erythema exsudativum multiforme aussah. Die Schleimhäute waren bei beiden Patienten nicht betroffen. Wenige Tage nach einer Therapie mit Steroiden konnten die Patienten die Klinik auch wieder verlassen.


Multiformes Exanthem nach mRNA-Impfung (Copyright: PD M. Hartmann)

Frostbeulen-ähnliche Reaktionen

Interessant sind die Perniones-artigen Nebenwirkungen, die auch bei COVID-19 beobachtet wurden. Bei uns wurde eine Patientin aufgenommen, die eine bläulich-livide Verfärbung der Zehen und auch der Hände hatte, also Frostbeulen-artige Veränderungen direkt im Anschluss an eine mRNA-Impfung aufwies. Die Histologie zeigte eine Vaskulitis. Auch diese Veränderungen flauten unter einer Steroidtherapie sehr schnell wieder ab [7].

Dann hatten wir noch einen jungen Patienten aufgenommen mit einer akuten generalisierten ekzematischen Pustulose, also mit disseminiertem Auftreten von Pusteln am ganzen Körper. Ebenso wie die Frostbeulen-artigen Veränderungen werden diese Pusteln auch bei COVID-19-Patienten beschrieben.

Reaktivierung von Herpes-Viren

Interessant sind auch die Berichte über die Reaktivierung von Herpesviren. Wenige Tage nach einer Impfung tritt entweder erstmals oder wieder sehr ausgeprägt eine Herpes-simplex-Reaktivierung auf. Wir haben einen jungen Mann aufgenommen, der erstmals eine HSV-Reaktivierung hatte, die weit über den normalen Herpes labialis hinausging.

Zudem haben wir gehäuft Patienten beobachtet, die direkt nach der mRNA-Impfung einen Herpes Zoster hatten. Das sind Patienten mit Risikoprofil, aber auch junge Menschen, z. B. eine 29jährige Frau, die bei uns nach der 2. Impfung mit einem Zoster ophthalmicus aufgenommen wurde. Das ist in diesem Alter relativ selten.

Es gibt Berichte aus Israel, aber auch aus der Schweiz, dass der Zoster gehäuft im Anschluss an die Infektion auftritt.

Inwieweit das nur ein zufälliger Zusammenhang mit der inzwischen häufig durchgeführten Impfung ist, oder wirklich seine Ursache in der Impfung hat bleibt im Moment noch unklar.

Das war es zu den Impfungen.

Vielen Dank, auf Wiedersehen

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Durchbruch bei Impfstoffen aus Kuba
https://www.gmx.net/magazine/news/coronavirus/corona-news-ticker-kubanischer-impfstoffkandidat-abdala-90-prozent-wirksam-35891232

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Sonntag, 20. Juni 2021
Ich kann Dir wirklich einen Rosengarten versprechen









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Freitag, 18. Juni 2021
Für einen Boykott der Präsidentschaftswahlen im Iran - für eine demokratische Revolution!
https://www.labournet.de/internationales/iran/politik-iran/praesidentschaftswahl-2021-im-iran-gewerkschaftlicher-aufruf-zum-wahlboykott-auch-in-deutschland/

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Donnerstag, 17. Juni 2021
SARS-CoV-2 als neues "Forever Virus": Wie sich Wissenschaftler auf die Zukunft mit dem Erreger vorbereiten
Michael van den Heuvel, Medscape



Zu Beginn der SARS-CoV-2-Pandemie hofften Forscher noch, das Virus könnte vielleicht eines Tages wieder verschwinden ? spätestens nach Abschluss flächendeckender Impfkampagnen zum Aufbau einer Herdenimmunität. Diese Hoffnung schwindet mehr und mehr, denn SARS-CoV-2 reagiert auf den evolutionären Druck mit immer wieder neuen Mutationen. Das Robert Koch-Institut (RKI), Berlin, nennt aktuell 4 Variants of Concern (VOC, besorgniserregende Varianten). Und ?Foreign Affairs?, ein Online-Magazin, schreibt bereits vom nächsten ?Forever Virus?.

Für die Wissenschaft bleibt als Herausforderung, neuartige Coronaviren flächendeckend zu überwachen und daraus ? falls erforderlich ? entsprechende Maßnahmen abzuleiten. Wie dies funktionieren könnte, erklärten Experten gegenüber dem Science Media CenterGermany (SMC) [1].

Lehren aus Influenza
Aus wissenschaftlicher Sicht ist die Aufgabe, pathogene Viren dauerhaft zu erfassen, nicht neu. Beim Influenzavirus gibt es schon lange entsprechende Strukturen. So bietet das Global Influenza Surveillance and Response System (GISRS) der WHO eine flächendeckende Überwachung. Es arbeitet mit einzelnen Zentren in allen 123 WHO-Mitgliedsstaaten.

Das Influenza-Überwachungssystem kann tatsächlich ein Vorbild sein. Prof. Dr. Richard Neher
?Das Influenza-Überwachungssystem kann tatsächlich ein Vorbild sein?, erklärte Prof. Dr. Richard Neher von der Universität Basel. Viren würden seit Jahren weltweit gesammelt und bei der WHO charakterisiert. Übertragen auf das neuartige Coronavirus heißt das: ?Die genomische Surveillance von SARS-CoV-2 funktioniert mittlerweile in Europa sehr gut, aber bei der Charakterisierung der Varianten und der Risikobewertung wäre mehr internationale Koordination sinnvoll?, so Nehers Einschätzung.

Die genomische Surveillance von SARS-CoV-2 funktioniert mittlerweile in Europa sehr gut, aber bei der Charakterisierung der Varianten und der Risikobewertung wäre mehr internationale Koordination sinnvoll. Prof. Dr. Richard Neher
Prof. Dr. Isabella Eckerle von der Universität Genf befürwortet auch, Strukturen und Netzwerke, die bereits zur Influenza-Surveillance bestehen, für SARS-CoV-2 zu nutzen. Probleme erwartet die Expertin in Ländern mit niedrigem oder mittlerem Pro-Kopf-Einkommen. Denn sie hätten nicht nur geringe Durchimpfungsraten, sondern auch niedrige Laborkapazitäten.

?Welche Faktoren bei der Zirkulation von SARS-CoV-2 eine Rolle spielen, ist noch sehr viel weniger gut verstanden als bei der Influenza, sodass man viel breiter und umfassender überwachen muss?, lautet ihre Empfehlung. ?Ein weiterer wichtiger Punkt ist in meinen Augen der Hergang in Tierpopulationen, der überwacht und sofort erkannt werden muss, wie es bereits mehrfach etwa auf Nerzfarmen geschehen ist.?

Wie könnte die Surveillance bei SARS-CoV-2 aussehen?
Wenig überraschend besteht bei Experten Einigkeit darin, SARS-CoV-2 engmaschig zu überwachen. ?Inzidenzen werden ein wichtiger Parameter bleiben; sie sind ein guter Indikator für das Infektionsgeschehen?, ist sich Neher sicher. ?Wir sollten den Fokus aber ebenso weiterhin auf die Genomsequenzierungen legen.?

Eckerle bestätigt: ?Eine Surveillance mittels Vollgenom-Sequenzierung kann den besten Überblick über zirkulierende Varianten geben, allerdings ist die Auswahl der Proben hier sehr wichtig und nicht trivial.? Wichtig sei eine repräsentative, flächendeckende Probennahme. Methodisch nennt sie entweder Sentinel-Untersuchungen, also repräsentative Stichproben, oder eine symptomatische Surveillance für respiratorische Infektionen, etwa über Hausarztpraxen. ?Neben der technisch aufwendigen und teuren Vollgenom-Sequenzierung, die gerade in ressourcenarmen Regionen ein Problem darstellen kann, können mutationsspezifische PCRs auf Marker-Mutationen einen Überblick verschaffen?, weiß die Expertin.

?Ein wichtiger Punkt ist, dass Surveillance allein noch keine Infektionskontrolle darstellt?, schränkt Eckerle ein. Ein Monitoring sei wichtig, um neue Varianten möglichst früh zu erkennen und ihre Dynamik zu beschreiben. ?Die Vorstellung jedoch, dass man sich durch massive Vollgenom-Sequenzierung vor der Verbreitung von Varianten schützen kann, ist in meinen Augen ein Trugschluss.?

Wichtig sei, dass sich das Infektionsgeschehen in sehr niedrigen Inzidenzen bewege, sodass die Nachverfolgung von Kontakten umfassend möglich sei, inklusive geeigneter Maßnahmen zur Eindämmung. Auf globaler Ebene sei die möglichst schnelle und breite Durchimpfung jetzt besonders wichtig.

Prof. Dr. Gérard Krause vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig wünscht sich außerdem, dass die im Jahr 2020 initiierten großen, repräsentativen Antikörper-Studien weitergeführt werden. ?Anhand einer solche Kohorte kann man die Veränderungen des Immunstatus in der Bevölkerung überwachen?, lautet seine Einschätzung. Mittlerweile gebe es Methoden, um Antikörper, die nach Impfung gebildet werden, von denjenigen Antikörpern nach Infektion zu unterscheiden. Auch nach Virusvarianten könne man bei dem Verfahren differenzieren.

Unklare Rolle von Hotspots
Eine Besonderheit bei der Surveillance: ?Regionale Hotspots werden dort eine Rolle spielen, wo geringe Impfraten vorliegen und das Virus weiterhin in einer teil-immunen Bevölkerung zirkuliert?, so Eckerle. ?Dies kann ganze Länder umfassen, die benachteiligten Zugang zu Impfstoff haben, oder aber bestimmte Bevölkerungsgruppen, die die Impfung aus den verschiedensten Gründen ablehnen.?

Krause spekuliert ebenfalls, das lokale Geschehen werde an Bedeutung zunehmen und damit auch die Rolle der Gesundheitsämter. Doch Vorsicht: ?Deren aktuelle Personalunterstützung von außen wird gerade wieder abgebaut und kann auch nicht nachhaltig in dem Maße wie im vergangenen Jahr aufrechterhalten werden.? Somit komme der Digitalisierung der Arbeitsprozesse weiterhin eine große Bedeutung zu.

Regionale Hotspots werden dort eine Rolle spielen, wo geringe Impfraten vorliegen und das Virus weiterhin in einer teil-immunen Bevölkerung zirkuliert. Prof. Dr. Isabella Eckerle
?Ich glaube, regionale Hotspots werden keine große Rolle spielen?, widerspricht Neher. ?Mit zunehmender Impfrate wird das Infektionsgeschehen an Dynamik weiter verlieren und eher nach dem Muster der Grippe oder Erkältungswellen ablaufen.? Es werde also voraussichtlich nicht mehr zu einer Karnevalsfeier kommen, bei der die Zahl der Ansteckungen durch die Decke gehe. ?Regionale Unterschiede bleiben aber bei der Nachverfolgung neuer Varianten wichtig?, so seine Einschätzung.

Szenarien für Impfungen
Auch zur Zukunft von Vakzinen äußerten sich die Experten. Prof. Dr. Annelies Wilder-Smith von der London School of Hygiene and Tropical Medicine nannte 4 hypothetisch denkbare Szenarien:

COVID-19-Impfstoffe führen zur starken T-Zell-Antwort und zusätzlich zur humoralen Antwort. Innerhalb der nächsten 1 bis 3 Jahre ist keine Auffrischung erforderlich.

Patienten benötigen eine Auffrischungsimpfung mit dem gleichen Vakzin wie bei der Grundimmunisierung. Es gibt bereits Hinweise darauf, dass diese Strategie zu höheren Antikörper-Titern und zu einem besseren Schutz gegen COVID-19 führt.

Eine Auffrischungsimpfung wird mit einem angepassten Impfstoff, der sich gegen eine bestimmte, zirkulierende Variante richtet, durchgeführt.

Patienten erhalten eine multivalente Auffrischungsimpfung, die neben dem Wildtyp diverse VOC als Antigen oder als Nukleinsäure enthält.

Die beste Strategie, um die Entwicklung von bedenklichen Varianten zu reduzieren, ist ganz klar die schnelle Immunisierung eines großen Teils der Bevölkerung. Prof. Dr. Annelies Wilder-Smith
Wilder-Smith´ Fazit: ?Die beste Strategie, um die Entwicklung von bedenklichen Varianten zu reduzieren, ist ganz klar die schnelle Immunisierung eines großen Teils der Bevölkerung.? Doch dann müssten prospektive Studien zeigen, welche der 4 Optionen die effektivste sei.

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Impfstoff falsch verteilt? ?Man hätte sozial Schwache eher impfen müssen? ? ein Medizinethiker über Gerechtigkeit und Impfneid
Christian Beneker, Medscape



Sind Sie privilegiert und können schon mit dem digitalen Impfausweis in den Urlaub starten? Wie gerecht wird und wurde der SARS-CoV2-Impfstoff verteilt? Medscape sprach mit Prof. Dr. Georg Marckmann, an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität Vorstand des Instituts für Ethik, Geschichte und Theorie der Medizin, über die Fragen von Impfneid und Impfgerechtigkeit.


Prof. Dr. Georg Marckmann

Medscape: Am 7. Juni wurde die Priorisierung aufgehoben - prompt sind die Hausarztpraxen überlaufen von Impfwilligen. Erwarten Sie jetzt eine Art Verteilungskampf, wo jeder nur noch sich selbst der Nächste ist?

Marckmann: Ich mahne zur Gelassenheit. Die Frage der Impfpriorisierung ist etwas dramatisiert worden, als ginge es um den Zugang zu lebensnotwendigen Maßnahmen. Das Infektionsrisiko ist inzwischen sehr niedrig und auch derjenige, der noch keine Impfung bekommen hat, kann sich weiter mit den üblichen Maßnahmen wie Mund-Nase-Schutz oder Abstand halten schützen.

Der Impfneid ist im Übrigen vor allem deshalb entstanden, weil wir so intensiv über die Rücknahme von Freiheitsbeschränkungen für Geimpfte diskutiert haben. Das ist für mich die falsche Frage gewesen.

Wir hätten eher diskutieren müssen, ob es noch gerechtfertigt ist, die Freiheiten der Menschen insgesamt weiter einzuschränken angesichts einer zunehmenden Durchimpfung der Hochrisikogruppen, angesichts sinkender Inzidenzzahlen, angesichts möglicher Alternativen zum Impfen, wie zum Beispiel Schelltests. Es war nicht mehr gut nachvollziehbar, warum die Geimpften bestimmte Freiheiten bekommen, aber die Ungeimpften nicht.

Medscape: Sie kritisieren, dass man bei der Impfpriorisierung mehr soziale Aspekte mitberücksichtigen hätte sollen. Hat man Arme, Obdachlose und Migranten vergessen?

Prof. Marckmann: Es ist ethisch geboten, schlechter Gestellte und sozial Schwache eher zu impfen. Dafür sehe ich 3 gute Gründe: Sie haben aufgrund ihrer oft beengten Lebenssituation ein erhöhtes Infektionsrisiko, sie können zum Beispiel oft nicht im Homeoffice arbeiten. Außerdem ist erwiesen, dass zum Beispiel Langzeitarbeitslose ein höheres Risiko für schwere Verläufe einer Corona-Infektion haben.

Sozial Schwache, die ohnehin schlechtere Gesundheitschancen haben, haben zudem auch noch einen schlechteren Zugang zu den Impfungen. Man hätte arme, benachteiligte Bevölkerungsgruppen eher impfen müssen.

Medscape: Ist so etwas wie Impfgerechtigkeit überhaupt möglich?

Prof. Marckmann: Ja, aber es bleibt ein Ideal, das wir nie vollkommen erreichen. Impfstoffe sollen so eingesetzt werden, dass möglichst viel gesundheitlicher und sozio-ökonomischer Schaden abgewendet wird. Wesentliche Aspekte wurden bisher bei der Priorisierung ja auch berücksichtig. Die Anwendung der Kriterien führt zwar zu einer Ungleichverteilung, aber zu einer ethisch gerechtfertigten Ungleichverteilung. Mein Ziel wäre eine ?ausreichende Gerechtigkeit.?

Es liegt übrigens im Interesse aller, dass Menschen, die in armen Verhältnissen enger zusammenleben und ein höheres Infektionsrisiko haben, schnell geimpft werden. Denn dies verhindert Infektionsausbrüche, die sich weiter auf andere Bevölkerungsgruppen ausbreiten können.

Medscape: Inzwischen sind ja Impfteams etwa in Hochhaus-Siedlungen unterwegs.

Marckmann: Ja, das ist ein wichtiger erster Schritt. Allerdings: Saisonarbeiter, Migranten oder Obdachlose sind oft nicht leicht zu identifizieren, um ihnen ein Impfangebot zu unterbreiten. Wir wissen nicht genau, wo sie leben.

In den USA gibt es Indizes, die systematisch erfassen, welche Regionen und Stadtbezirke am meisten benachteiligt sind. Den dort lebenden Menschen kann man dann gezielt Impfangebote machen. Meines Wissens werden solche Instrumente bei uns bislang nicht angewendet.

Medscape: Jetzt werden verschiedentlich auch Kinder geimpft ?

Prof. Marckmann: Ob es richtig ist, Kinder und Jugendliche jetzt zu impfen, finde ich fraglich. Das wäre eine egalitäre Gerechtigkeit, die alle gleich behandelt, aber insgesamt wenig hilft, da sie die individuelle Bedürftigkeit nicht berücksichtigt. Kinder und Jugendliche haben nun einmal ein sehr geringes Risiko für schwerwiegende COVID-19-Verläufe.

Ob es richtig ist, Kinder und Jugendliche jetzt zu impfen, finde ich fraglich. Prof. Dr. Georg Marckmann
Zudem gibt es bislang nur wenig wissenschaftliche Evidenz zur Corona-Impfung bei Kindern. Insofern sollten wir nicht alle Kinder impfen, sondern nur diejenigen, die beispielsweise aufgrund von Vorerkrankungen ein erhöhtes Risiko für schwere Verläufe haben. Dies wäre wieder eine eher bedürfnisorientierte Gerechtigkeit.

Medscape: Bei der internationalen Verteilung der Impfstoffe werden ebenfalls die armen Länder benachteiligt. Da wiederholt sich auf internationaler Ebene, was schon national nicht funktionierte.

Prof. Marckmann: Die internationale Verteilung der Impfstoffe ist bislang noch unzureichend geregelt. Dabei ist die Pandemie eine internationale Herausforderung, wir müssen entsprechend global agieren.

Doch es haben sich Länder, die nur etwa 16% der Weltbevölkerung ausmachen, über 70% der im Jahr 2021 weltweit verfügbaren Impfstoffe gesichert. Hier haben die reichen Länder eine moralische Pflicht entsprechend gegenzusteuern. Auch die ärmeren Länder müssen unbedingt ausreichenden Zugang zu den SARS-CoV-2-Impfungen erhalten.

Medscape: Auch zu Ungunsten der reichen Länder?

Prof. Marckmann: Wir stehen nicht unter Druck, sehr schnell 70% oder 80% der Gesamtbevölkerung zu impfen. Vor allem müssen die Risikogruppen geschützt werden, und das ist ja auch weitgehend erfolgt. Die Impfung der verbleibenden vor allem jüngeren Menschen hat keine so hohe Priorität mehr. Von den knapp 90.000 Menschen, die in Deutschland im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion gestorben sind, waren nur knapp 1.000 unter 50 Jahre alt.

Vor diesem Hintergrund wäre es durchaus vertretbar, der internationalen Verteilung der Impfstoffe eine höhere Priorität einzuräumen. Es wäre ethisch gerechtfertigt, global zu denken und den ärmeren Ländern mehr Impfstoffe zukommen zu lassen.

Natürlich muss dann auch über globale Verteilungskriterien nachgedacht werden: Vorrang sollte die Vermeidung von vorzeitigen Todesfällen durch COVID-19 haben, dann wären schwerwiegende soziale und wirtschaftliche Auswirkungen zu berücksichtigen und schließlich die Rückkehr zu einem normalen gesellschaftlichen Leben.

Medscape: Ist das in Deutschland vermittelbar?

Marckmann: Zumindest sollte man versuchen, dafür zu werben. Dies muss ja nicht notwendig bedeuten, dass wir viel weniger Impfstoffe für die eigene Bevölkerung zur Verfügung haben. Vielleicht sollten wir sogar vorrangig versuchen, ausreichende Produktionskapazitäten in ärmeren Ländern zu schaffen. Astra Zeneca produziert zum Beispiel Impfstoffe in Brasilien.

Aber so lange die Impfstoffe global noch knapp sind, wäre es ratsam, in den reichen Ländern zunächst nur die Risikogruppen zu impfen, um international mehr Impfstoff zur Verfügung stellen zu können.

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Die Lehren aus der Pandemie: Experten diskutieren auch über die richtige Kommunikation in Krisenzeiten
Christian Beneker


Berlin " Vertrauen schaffen, das Erreichte ausbauen, Fehler korrigieren " diesen Dreiklang im Hinblick auf den bisherigen Umgang mit der Corona-Krise schlugen alle Rednerinnen und Redner bei der Eröffnung des Hauptstadtkongresses 2021 Medizin und Gesundheit am Dienstag in Berlin an .

?Bald wird es nicht mehr darum gehen, wer beim Impfen als erster dran kommt. Sondern wir werden bald in die Phase kommen, wo wir um Leute werben müssen, die sich impfen lassen wollen?, sagte Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) in seiner Rede. ?Wir müssen an einer hohen Impfquote im Land arbeiten, weil es ? das muss man leider sagen ? auch Leute gibt, die dagegen arbeiten.? Man erlebe an Desinformation in Hinblick auf die Impfstoffe ?eine ganze Menge?, deutete Braun an.

Wir werden bald in die Phase kommen, wo wir um Leute werben müssen, die sich impfen lassen wollen. Helge Braun
Umso professioneller müsse die öffentliche Kommunikation politischer Entscheidungen etwa zum Impfen ablaufen, laut Braun eines der zentralen Themen der Pandemie. ?Wir machen pausenlos Regeln und erwarten, dass die Bürger sich daran halten?, sagte Braun. Da die Infektionen sich meistens da abspielten, wo der Staat sich mit Kontrollen zurückzuhalten habe, müsse die Kommunikation wissenschaftlicher Ergebnisse an die Bürger umso effektiver sein.

?Wir sind auf die Bevölkerung in einer Weise angewiesen, wie das sonst selten der Fall ist?, sagte Braun. Man müsse sich deshalb fragen, wie Politik und Wissenschaft der Öffentlichkeit die Balance zwischen Mehrheitsmeinung und Minderheitsmeinung der Forschung erklären können, um Desinformationen zu vermeiden.

Skandalisierungen vermeiden
Doch das dürfte schwer werden. ?Wir kennen in der Wissenschaft den Widerspruch als treibendes Element?, sagte der Kongresspräsident, Prof. Dr. Karl Max Einhäupl. Dies führte in den Medien aber oft zu Unsicherheit und Skandalisierung der Widersprüche. ?Die Menschen wissen nicht mehr, woran sie sind?, so Einhäupl.

Prof. Dr. Christian Drosten, Direktor des Institutes für Virologie an der Berliner Charité, forderte in diesem Zusammenhang eine bessere Moderation der Widersprüche durch die Medien. ?Die Medien sollten der Wissenschaft entgegenkommen?, so Drosten. Gerade der Wissenschaftsjournalismus müsse darauf hinweisen, dass verschiedene Ansichten in der Wissenschaft nicht gleich Konflikte darstellen, sondern ?differenzierte Meinungen?.

Die Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, Prof. Dr. Alena Buyx unterstrich, dass die Wissenschaft nur wenige Erfahrungen mit der öffentlichen Kommunikation habe. ?Wir sind in diesen Medienkontexten im Ehrenamt und überhaupt nicht ausgebildet für diese Art von Arbeit?, sagte Buyx. Auch die Wissenschaft verfahre hier nach dem Prinzip ?learning by doing?. Und das sei ?manchmal besser gelungen und manchmal schlechter?.

Im Übrigen sei das Vertrauen der Deutschen in die Wissenschaft erstaunlich hoch. Das Wissenschaftsbarometer, das einmal im Jahr das Vertrauen in die Wissenschaft abfragt, sei im Vergleich zu den Jahren vor der Pandemie enorm gestiegen. Im Verlauf der Pandemie sank es allerdings ?von spektakulären über 70% auf immer noch über 60%?, so Buyx. ?Deshalb meine erste Botschaft: Die Bevölkerung hält das aus, jedenfalls ein großer Teil der Bevölkerung!?

Wir sind in diesen Medienkontexten im Ehrenamt und überhaupt nicht ausgebildet für diese Art von Arbeit. Prof. Dr. Alena Buyx
Buyx plädierte dafür, schon in den Schulen zu erläutern, wie Bildung und Wissenschaft einander durchdringen. Buyx warnte auch vor Desinformation durch die Medien, die zum Teil gewollt sei. Dagegen könne allerding die Wissenschaft nichts beitragen. Sie sei vielmehr mitunter ?den Medien hingeworfen?, sagte die Ethikerin.

?Wir haben unter Dauerbelastung aufgerüstet!?
Nicht nur in der Wissenschaftskommunikation hätten die Verantwortlichen hinzu zu lernen, hieß es auf dem Hauptstadtkongress. ?Wir haben auch Schwachstellen gesehen?, räumte die Berliner Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) in ihrem Statement ein. ?Wir waren nicht gut genug vorbereitet?, so Kalayci. Tatsächlich fehlten nicht nur in Berlin Masken, Schutzanzüge, Einmalhandschuhe oder Testkits. Allerdings habe die Mangelsituation auch die Hilfsbereitschaft stimuliert. ?Wir haben unter der Dauerbelastung aufgerüstet und mussten am Schluss in den Krankenhäusern keine Triage vornehmen?, resümierte die Senatorin.

Wir waren nicht gut genug vorbereitet. Dilek Kalayci
Auch EU-Kommissionspräsidentin Dr. Ursula von der Leyen (CDU) betonte die Lernfähigkeit der EU unter dem Druck der Pandemie. So habe die EU einen Weg gefunden, die Impfstoffe gemeinsam zu bestellen. ?Die EU hat die Anfangsschwierigkeiten bewältigt und ausgebliebene Lieferungen ausgleichen können?, so von der Leyen. Zwar hätten manche Staaten ihre Grenzen für Ausfuhren geschlossen und andere nicht. Aber die EU habe dafür gesorgt, dass medizinische Geräte etwa immer dahin gelangt sein, wo man sie gebraucht habe.

Gleichwohl blieben eine Menge Aufgaben zu tun: Ein besseres Pandemie-Frühwarnsystem installieren, die Prozesse der EMA beschleunige oder die Industrie stärker auf Krisenbewältigung ausrichten und die Digitalisierung der Gesundheitsversorgung in den Mitgliedsländern voranbringen.

Der Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit in Berlin läuft noch bis zum 17. Juni. Unter dem Dach des Hauptstadtforums Gesundheitspolitik finden 3 Fachkongresse statt, der Managementkongress Krankenhaus Klinik Rehabilitation, der Deutsche Pflegekongress und das Deutsche Ärzteforum.

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Intensivbetten: DIVI und DKG verwahren sich gegen Betrugsvorwürfe
Ute Eppinger, Medscape


Erstattung von Schutzmasken, Ausgleichszahlungen an Kliniken und Aufbau von Intensivbetten ? der Bericht des Bundesrechnungshofs (BRH), der vergangene Woche dem Haushaltsausschuss des Bundestages zugeleitet wurde, verursacht reichlich Wirbel. Der BRH hat die Ausgaben der Bundesregierung in der Corona-Pandemie scharf kritisiert und strengere Kontrollen verlangt.

Die Regierung müsse ?bei künftigen Maßnahmen zulasten der Steuerzahler stärker auf eine ordnungsgemäße und wirtschaftliche Mittelverwendung achten?, heißt es in dem 42-seitigen Prüfbericht. Unterstützung sei nach dem ?Gießkannenprinzip? verteilt worden.

Eine ?massive Überkompensation aus Steuermitteln? habe es auch bei den Ausgleichszahlungen für Kliniken gegeben. Im Jahr 2020 lagen sie bei 10,2 Milliarden Euro und damit um 1,3 Milliarden höher als 2019, obwohl die Betten 8% weniger ausgelastet waren.

Betrug mit den Intensivbetten?
Moniert wird auch, dass das Bundesgesundheitsministerium bis heute nicht in der Lage sei, die Zahl der tatsächlich aufgestellten sowie der zusätzlich angeschafften Intensivbetten verlässlich zu ermitteln. Die als Folge aufgetretenen ?unerwünschten Mitnahmeeffekte? seien ?nicht vertretbar?.

Innerhalb eines Jahres flossen bis Anfang März 2021 rund 686 Millionen Euro für neue Intensivbetten. Teilt man die Summe durch den Zuschuss pro Bett müsste es 13.700 neue Intensivbetten geben ? doch die kann der BRH nicht finden, berichtet die Tagesschau . Ein im BRH-Bericht erwähntes Schreiben aus dem Robert Koch-Institut (RKI) vom Januar diesen Jahres, in dem das Institut die Vermutung geäußert haben soll, dass Kliniken zum Teil weniger Intensivbetten meldeten, als tatsächlich vorhanden waren, nährt ebenfalls Spekulationen.

?Horror-Zahlen gefälscht: Der große Betrug mit den Intensivbetten?, titelte prompt die Bild . Es sei ?befremdend? wie ein ehemaliger Staatssekretär im Finanzministerium (Spahn) ?so großzügig und planlos mit dem Geld der Bürgerinnen und Bürger? umgehe, sagte die Bundestagsabgeordnete Ekin Deligöz, die als Obfrau der Grünen im Rechnungsprüfungsausschuss den Bericht bereits lesen konnte, gegenüber der Süddeutschen Zeitung .

Erst im Mai hatte die Ad-hoc-Stellungnahme von Prof. Dr. Matthias Schrappe und Kollegen Aufruhr verursacht, in der von verschwundenen Intensivbetten die Rede war. Die Kritik der Verbände folgte prompt und die Autoren mussten einige Punkte ihrer Stellungnahme korrigieren. Durch den BRH-Bericht sehen sie jetzt aber ihre Einschätzung bestätigt. Schrappe sagt dazu: ?Der Bundesrechnungshof hat unsere Beobachtungen bestätigt und er geht sogar noch einen Schritt weiter.? Die Autorengruppe um Schrappe hat einen Kommentar zum Bericht des BRH veröffentlicht.

Laut Bild führt die Landesregierung in NRW jetzt eine ?Überprüfung eventuell auffälliger Meldewerte? durch, um ?systematisches Fehlverhalten? einzelner Krankenhäuser aufzudecken.

Intensivmediziner fordern Aufarbeitung und schnelle Digitalisierung
Wie ernst die Situation auf den Intensivstationen war, machte Prof. Dr. Christian Karagiannidis, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin (DGIIN) und Leitender Oberarzt an der Lungenklinik Köln-Merheim, auf der Pressekonferenz der DGIIN, deutlich [1]. ?Wir hatten bei uns in Köln viele Tage, da war kein einziges Intensivbett mehr frei, wir mussten COVID-19-Patienten kilometerweit auslagern, in andere Kliniken transportieren. Wir waren an diesem Punkt und brauchten dringend Maßnahmen ? das war keine Übertreibung und es waren keine falschen Zahlen.?

War die Krisenkommunikation aus seiner Sicht zu alarmistisch? ?Wir müssen uns da kritisch hinterfragen und ja, wir haben gewisse Dinge akzentuiert ? der Hintergrund war aber, dass jeder zweite COVID-19-Patient auf Intensiv gestorben ist und dass das Personal überlastet war?, erinnerte Karagiannidis.

Er betonte, dass verschiedene Lehren aus der Pandemie gezogen werden müssten. So sollten die pandemischen Daten von Think Tanks aufgearbeitet und analysiert werden. Wichtig sei, die Digitalisierung voranzutreiben und die Real-Time-Erfassung der betreibbaren Intensivbetten und des verfügbaren Personals umzusetzen. ?Eine Real Time Erfassung wäre extrem hilfreich ? hätten wir die jetzt in der Pandemie schon gehabt, wären wir unabhängig von den individuellen Eingaben der Krankenhäuser gewesen.?

DIVI: Daten des Intensivregisters zu jeder Zeit belastbar
Im Bericht des BRH heißt es, dass nach Ansicht des RKI die ans DIVI-Zentralregister gemeldeten Daten ?nicht mehr für eine Bewertung der Situation geeignet? gewesen seien. In einer Stellungnahme weist das die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) ausdrücklich zurück: ?Das DIVI-Intensivregister und die hierin abgefragten Daten aller Intensivstationen mit Akutversorgung in Deutschland, rund 1.330 an der Zahl, sind und waren zu jeder Zeit belastbar ? zur Bewertung der Pandemie und der Lage auf den Intensivstationen.? Als wissenschaftliche Fachgesellschaft stütze man die Aussagen nicht auf einzelne Daten und nicht auf eine einzige Quelle.

?Selbstverständlich gleichen wir Meldungen im DIVI-Intensivregister mit anderen Daten und weiteren Experten ab. Die DIVI hat keinen Hinweis darauf, dass eine bewusste Falschmeldung der Krankenhäuser erfolgt ist. Wir weisen den Verdacht entschieden zurück, Kliniken würden sich im großen Stil durch bewusste Falschmeldungen bereichern?, stellt die DIVI klar.

Wir weisen den Verdacht entschieden zurück, Kliniken würden sich im großen Stil durch bewusste Falschmeldungen bereichern. DIVI
Neben den ?freien betreibbaren Betten? seien im Intensivregister zahlreiche weitere Indikatoren erfasst worden (freie Beatmungskapazitäten, freie ECMO-Kapazitäten, Bewertung der Situation nach dem Ampel-Prinzip). So habe sich ein eindeutiges und umfassendes Bild der Lage ergeben, dass sich mit der Wahrnehmung zahlreicher Kollegen gedeckt habe. ?Die Intensivstationen waren voll, teilweise überlastet, die Zahl der schwerkranken COVID-Patienten stieg steil an, Patienten mussten überregional verlegt werden?, schreibt die DIVI.

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Mittwoch, 16. Juni 2021
Lob an Mats Hummels
Du warst der beste Spieler - für die Franzosen.

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Das Boot ist voll
Das THEATER in der LIST aus Hannover möchte Sie hiermit auf das Theaterstück "DAS BOOT IST VOLL! " von Antonio Umberto Riccò aufmerksam machen,

das nun nach dem langen Lockdown wieder von Ihnen und anderen Veranstaltern, (z.B. Schulen) gebucht werden kann.

Das Boot ist voll !

Theatermonolog von Antonio Umberto Riccò nach der szenischen Lesung: ?Ein Morgen vor Lampedusa? mit Willi Schlüter als Vito Fiorino

Das Theaterstück ist thematisch und inhaltlich an die erfolgreiche szenische Lesung "Ein Morgen vor Lampedusa" angelehnt.

Das Theaterstück "DAS BOOT IST VOLL" geht jedoch über die Grenzen der dokumentarischen Beschreibung der Fakten hinaus,

die die Lesung prägen, und eröffnet eine gänzlich neue Perspektive auf die Folgen der Flüchtlingsbewegung in unserer Gesellschaft.

Aus nüchternen Zahlen und aus Schlagzeilen der Medien wird mit Vito ein Mensch auf der Bühne lebendig, mit Gefühlen, Widersprüchen und ehrlichen Fragen.

Am Beispiel von Vito Fiorino, der eine kleine Eisdiele auf Lampedusa betreibt, erlebt das Publikum die Auseinandersetzung

mit der Katastrophe und ihre noch nach Jahren spürbaren Folgen. Mitleid und Empathie, Zorn und Ohnmacht,

aber auch Hoffnung und Menschlichkeit prägen das Stück ?DAS BOOT IST VOLL?.


Es ist nicht die Beschreibung einer Heldentat, sondern der demütige Versuch einen Sinn in diesem Ereignis (und im Leben selbst) zu finden.

Langsam wird das Publikum verstehen, dass nur der Zufall Vito und seine Freunde vor diese Aufgabe gestellt hat.

Sie waren einfach da, wo auch wir hätten sein können. Sie haben nur das getan, was man tun musste - und wahrscheinlich die meisten Menschen auch tun würden.

So wird die Geschichte eine Auseinandersetzung mit unserer sozialen Verantwortung, unseren Werten und Widersprüchen.

Ich freue mich auf eine kreative Zusammenarbeit

Mit lieben Grüßen

THEATER in der LIST e.V.



Durch die Mitfinanzierung des der Niedersächsischen Lotto-Sport-Stiftung

können wir in ganz Niedersachsen eine gewisse Anzahl von Gastspielen zu einem Sonderpreis von nur 250,- ? pro Vorstellung* anbieten.
Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie in Ihren Veröffentlichungen auf dieses tolle Angebot aufmerksam machen würden.

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Montag, 14. Juni 2021
"Epidemische Notlage" verlängert; Bundesnotbremse läuft Ende Juni aus
Michael van den Heuvel, Sonja Boehm, Dr. Thomas Kron

Produktionsmängel: 60 Millionen J&J-Impfdosen für den Müll

Ausbrüche bei geimpften Heimbewohnern: Schlechtere Immunantwort

USA prüfen Fälle von Myokarditis bei jungen Menschen nach Impfung

Schwere Hirnentzündung als mögliche Folge einer COVID-19-Erkrankung

Ungeimpfte Kinder als "Virus-Reservoir" und "Brutstätte" neuer Varianten?

Dem Robert Koch-Institut (RKI) sind bis Montagmorgen zum 1. Mal seit 8 Monaten weniger als 1.000 Neuinfektionen in den letzten 24 Stunden gemeldet worden, die Gesundheitsämter meldeten nur 549 (Vorwoche 1117) Neuinfektionen mit COVID-19. Die 7-Tage-Inzidenz ist damit bundesweit auf 16,6 gefallen (Vortag: 17,3). Es gab nur 10 neue Todesfälle im Zusammenhang mit COVID-19 deutschlandweit (Vorwoche 22).

"Epidemische Notlage" verlängert; Bundesnotbremse läuft Ende Juni aus
Der Bundestag hatte am Freitag trotz dieser niedrigen Zahlen auf Antrag der Fraktionen von Union und SPD die epidemische Notlage bis Ende September verlängert. Die erstmals im März 2020 vom Bundestag festgestellte ?epidemische Notlage von nationaler Tragweite" ermöglicht es, weitreichende Verordnungen gegen die Pandemie zu erlassen. Ohne Verlängerung wären die aktuellen Regelungen zum 30. Juni ausgelaufen.

Von den Abgeordneten stimmten 375 für die Verlängerung, 218 dagegen, 6 Abgeordnete enthielten sich. Die Fraktionen von FDP und AfD hatten sich gegen die Vorlage ausgesprochen. Durch die Verlängerung sollen rund 20 Verordnungen, die direkt von der festgestellten Notlage abhängen, fortgeführt werden; dazu gehören z.B. Regelungen zu Testangeboten. Im Gegensatz zur "epidemischen Notlage" soll die "Bundesnotbremse" am 30. Juni auslaufen. Mit dieser hatte der Bund im April verfügt, dass es möglich ist, einheitliche Corona-Schutzmaßnahmen in Gebieten mit hoher Inzidenz durchzusetzen.

Produktionsmängel: 60 Millionen J&J-Impfdosen für den Müll
In den USA ist nach Angaben der New York Times das Unternehmen Johnson & Johnson von den Behörden verpflichtet worden, fast 60 Millionen Impfdosen zu vernichten. Hintergrund sind festgestellte Produktionsmängel in einem Werk in Baltimore. Auch Deutschland wird von dieser Maßnahme betroffen: Das BGM erwartet, dass bis Ende Juni dadurch etwa 6,5 Millionen J&J-Impfdosen ausfallen, die nach Deutschland geliefert werden sollten.


Ausbrüche bei geimpften Heimbewohnern: Schlechtere Immunantwort
Wissenschaftler der Charité haben untersucht, warum es in Pflegeheimen " auch bei vollständiger Immunisierung der Bewohner " immer wieder zu größeren Coronavirus-Ausbrüchen kommt. Hauptgründe sind danach neben dem Auftreten neuerer Virusvarianten, eine verzögerte und geringere humorale und zelluläre Immunreaktion der Senioren auf die SARS-CoV-2-Impfung.

Basis der Analyse, die gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und Gesundheitsbehörden erfolgte, waren Längsschnittstudien bei Personal und Bewohnern eines Pflegeheims in Berlin, in dem zwischen Februar und März 2021 bei 11 ungeimpften Pflegekräften und 20 Bewohnerinnen und Bewohnern eine SARS-CoV-2-Infektion festgestellt worden war. 16 der 20 infizierten Bewohner waren vollständig mit der BioNTech/Pfizer-Vakzine geimpft.
Der Ausbruch wurde von der Virusvariante B.1.1.7 (Alpha-Variante) ausgelöst, die mit einer höheren Virusmenge im Rachen und einer größeren Übertragbarkeit einhergeht. Alle 4 ungeimpften erkrankten Heimbewohner mussten stationär behandelt werden, außerdem 2 von den 16 geimpften Senioren. Allgemein verliefen die Erkrankungen bei den Ungeimpften schwerer als bei den Geimpften. Geimpfte hatten zudem tendenziell weniger Virus im Rachen und dies über einen kürzeren Zeitraum, nämlich im Schnitt für 8 Tage vs. 31 Tage bei Ungeimpften.

3 Wochen nach der 1. Impfdosis hatten 87% der im Schnitt 34jährigen Mitarbeiter Antikörper gegen SARS-CoV-2, aber nur 31% der geimpften Heimbewohner (> 70 Jahre). 4 Wochen nach der 2. Dosis hatten 99% der jungen Impflinge SARS-CoV-2-spezifische Antikörper gebildet und circa 91% der Senioren. Die Avidität der Antikörper war bei den Älteren geringer als bei Jüngeren und die T-Zellantworten fielen schwächer aus.

Fazit der Autoren: Die Immunantworten erreichten bei den Älteren nicht das Niveau von jungen Impflingen, daher bleibe die Immunisierung von deren Kontaktpersonen sehr wichtig ? ebenso wie die Beachtung von Hygienemaßnahmen und regelmäßige Tests der Betreuer und Besucher.

USA prüfen Fälle von Myokarditis bei jungen Menschen nach Impfung
Am Freitag den 18. Juni treten Experten des CDC's Advisory Committee on Immunization Practices (ACIP) in den USA zusammen, um Fälle von Myokarditis zu überprüfen, die bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen nach der Gabe von mRNA-Impfstoffen gegen COVID-19 gemeldet wurden. Wie berichtet, scheint es eine Häufung von Fällen von Myokarditis vor allem bei jungen Männern, meist nach der 2. Dosis der Impfstoffe von Pfizer-BioNTech oder Moderna zu geben. Dabei treten die Symptome, typischerweise innerhalb von 3 Tagen nach der 2. Impfung auf.


Bei entsprechenden Symptomen solle ein Kardiologe hinzugezogen werden, raten die CDC. Trotzdem fordern sowohl die CDC als auch die American Heart Association/American Stroke Association (AHA/ASA), weiterhin alle Erwachsenen und Kinder ab 12 Jahren in den USA auf, sich so schnell wie möglich gegen COVID-19 impfen zu lassen.

Mit Stand vom 11. Juni 2021 berichten die CDC, dass seit dem 14. Dezember 2020 mehr als 306 Millionen Dosen des COVID-19-Impfstoffs in den USA verabreicht wurden und fast 43% der US-Amerikaner, mehr als 142 Millionen, vollständig geimpft sind. Laut CDC wurden bis zum 31. Mai 2021 dabei 789 Fälle von vermuteter Myokarditis gemeldet, davon 475 bei Personen unter 30 Jahren. 79 Fälle von vermuteter Myokarditis/Perikarditis betrafen Jugendliche im Alter von 16 oder 17 Jahren.

81% der 270 Patienten unter 30 Jahren mit Verdacht auf Myokarditis im Zusammenhang mit der COVID-19-Impfung haben sich vollständig erholt, die restlichen 19% berichten über anhaltende Symptome oder es fehlen vollständige Daten.

196 Fälle von vermuteter Myokarditis nach COVID-19-Impfung wurden bei jungen Erwachsenen zwischen 18 und 24 Jahren gemeldet. Diese Inzidenz ist höher als für diese Altersgruppe zu erwarten ist. Nur etwa 9% der verabreichten COVID-19-Impfstoffdosen entfielen auf die Altersgruppe der 16- bis 24-Jährigen.

Wie AHA/ASA mitteilen, sind sie ?weiterhin zuversichtlich?, dass der Nutzen der Impfung die möglichen Risiken bei weitem übersteigt?. Dabei seien auch für junge Menschen mögliche langfristige gesundheitliche Auswirkungen der Infektion und Spätfolgen auf das Herz, das Gehirn, das Gefäßsystem und andere Organe zu berücksichtigen. Die Experten verweisen darauf, dass eine Myokarditis auch die Folge einer kürzlich erfolgten Virusinfektion sein kann und der Zusammenhang mit dem Erhalt eines COVID-19-Impfstoffs nicht zweifelsfrei erwiesen sei, zumal die in den USA zugelassenen COVID-19-Impfstoffe kein lebendes Virus enthielten.

Junge Impfligen werden ermutigt, einen Arzt aufzusuchen, wenn sie in den Wochen nach der COVID-19-Impfung eines der folgenden Symptome haben: Brustschmerzen (v.a. wenn diesee plötzlich, scharf und stechend sind), Atembeschwerden/Atemnot; abnormaler Herzschlag; starke Kopfschmerzen; verschwommenes Sehen; Ohnmacht oder Verlust des Bewusstseins; Schwäche oder sensorische Veränderungen; Verwirrung oder Schwierigkeiten beim Sprechen; Krampfanfälle; unerklärliche Bauchschmerzen; oder neue Beinschmerzen oder Schwellungen.

Schwere Hirnentzündung als mögliche Folge einer COVID-19-Erkrankung
Ein Team von Forschenden des Universitätsklinikum Freiburg und des Exzellenzcluster CIBSS ? Centre for Integrative Biological Signalling Studies ? der Universität Freiburg um Prof. Dr. Marco Prinz, Ärztlicher Direktor am Institut für Neuropathologie, und Prof. Dr. Dr. Bertram Bengsch, Sektionsleiter für Translationale Systemimmunologie in der Hepatogastroenterologie der Klinik für Innere Medizin II des Universitätsklinikums Freiburg, konnte jetzt nachweisen, dass sich bei COVID-19 eine schwere Entzündungsreaktion durch unterschiedliche Immunzellen um das Gefäßsystem und im zentralen Hirngewebe entwickeln kann. Die Ergebnisse sind in der aktuellen Ausgabe von Immunity veröffentlicht.

?Auch wenn es bereits Hinweise auf eine Beteiligung des Zentralen Nervensystems bei COVID-19 gab, hat uns das Ausmaß der Entzündung im Hirn überrascht?, kommentiert Erstautorin Henrike Salié die Studie. ?Gerade die vielen sogenannten Mikrogliaknötchen lassen sich im gesunden Hirn sonst nicht finden?, so Erstautor Dr. Marius Schwabenland. Durch die Anwendung einer neuartigen Messmethode, die bildgebende Massenzytometrie, konnten unterschiedliche Zelltypen des Immunsystems, sowie Virus-infizierte Zellen und deren räumliches Zusammenwirken in bisher unbekanntem Detail untersucht werden.

?Bisher war das Entzündungsmuster bei COVID-19 wenig verstanden. Auch im Vergleich zu anderen Hirnentzündungen sind die durch COVID-19 ausgelösten Entzündungsreaktionen einzigartig und weisen auf eine schwerste Störung der hirneigenen Immunantwort hin. Insbesondere die wesentlichen Abwehrzellen im Gehirn, sogenannte Mikrogliazellen, werden besonders stark aktiviert und es kommt zur Einwanderung von T-Killerzellen in das Hirngewebe und Entwicklung einer ausgeprägten Neuroinflammation im Hirnstamm?, erläutert Prinz.

?Die Immunveränderungen sind besonders in der Nähe kleiner Hirngefäße nachweisbar. In diesen Bereichen wird der Virus-Rezeptor ACE2 exprimiert, an den das Coronavirus andocken kann und dort war das Virus auch direkt nachweisbar?, ergänzt Bengsch. ?Es erscheint plausibel, dass die Immunantwort dort infizierte Zellen erkennt und sich die Entzündung dann auf das Nervengewebe ausbreitet und so für Beschwerden sorgt. Möglicherweise könnte eine frühzeitige immunmodulierende oder immunsuppressive Therapie die Entzündung reduzieren.?

Prof. Dr. Robert Thimme, Ärztlicher Direktor der Klinik für Innere Medizin II am Universitätsklinikum Freiburg, ergänzt: ?Während wir schon wussten, dass eine starke Immunantwort für eine Ausheilung der Coronavirus-Infektion benötigt wird, kann offensichtlich auch eine fehlgeleitete Immunantwort schwere Schädigungen hervorrufen.?

Ungeimpfte Kinder als ?Virus-Reservoir? und ?Brutstätte? neuer Varianten?
Zur Diskussion, ob auch Kinder (vorrangig) gegen COVID-19 geimpft werden sollten, nimmt ein Artikel in Nature Stellung. In vielen Teilen der Welt seien auch die Infektionen bei Kindern als Folge der Massenimpfungen von Erwachsenen zurückgegangen. Doch es herrsche unter Experten Uneinigkeit darüber, heißt es, ob ungeimpfte Kinder nicht zu einem ?Reservoir" für die Infektion werden können ? und damit zu einer potenziellen Brutstätte für das Auftreten neuer Varianten.

Dem scheint nach den Daten einer brasilianischen Studie aus der kleinen Stadt Serrana im brasilianischen Bundesstaat São Paulo nicht so zu sein. In der Stadt sind im Rahmen eines Projektes 98% der Erwachsenen geimpft worden ? allerdings mit der chinesischen Vakzine von Sinovac, der eine geringere Wirksamkeit von nur rund 50% gegen symptomatische Infektionen bescheinigt wird.

Wie Forscher des Butantan-Instituts in São Paulo auf einer Pressekonferenz letzte Woche berichtet haben, sanken nach dem Impfprogramm jedoch die symptomatischen Fälle von COVID-19 um 80% und die Todesfälle um 95%. Obwohl 62% der 45.000 Einwohner von Serrana Erwachsene sind, gab es einen ähnlichen Rückgang der symptomatischen Infektionen auch bei ungeimpften Kindern.


?Es war eine unserer Befürchtungen dass, wenn man alle anderen impft, sich die Krankheit wahrscheinlich bei den Kindern und Jugendlichen konzentrieren wird", so die Untersucher. ?Aber das haben wir nicht gesehen."

Ähnlich sind die Erfahrungen in anderen Ländern mit hohen Impfraten. So sind z.B. in USA die Fälle bei Kindern und Jugendlichen zwischen Januar und Mai um 84% zurückgegangen. Dies obwohl erst etwas mehr als die Hälfte der US-Bevölkerung ? überwiegend Erwachsene ? mindestens eine Impfdosis erhalten hat.

Es gibt auch Hinweise darauf, dass Kinder das Virus mit geringerer Wahrscheinlichkeit übertragen als Erwachsene ? ein weiterer Grund, warum die Befürchtungen sie könnten als Virus-Reservoir fungieren, vielleicht nicht zutreffen.

In Israel sind die Infektionsraten bei denjenigen, die für eine Impfung in Frage kommen, ebenfalls stark gesunken, von 559/100.000 bei den über 16-Jährigen Mitte Januar auf nur noch 1,5/100.000. Die meisten Schulen sind seit März wieder geöffnet, doch auch bei den ungeimpften Kindern sank die Inzidenz in ähnlichem Ausmaß von 546 auf 1,5 bei den unter 11-Jährigen.

Dies deute darauf hin, dass Kinder am häufigsten von Erwachsenen angesteckt werden, kommentiert Dr. Eric Haas, ein Kinderarzt für Infektionskrankheiten und Epidemiologe am israelischen Gesundheitsministerium in Jerusalem. ?Sonst würde man erwarten, dass sich die Kinder, wenn sie wieder in die Schule gehen, massenhaft gegenseitig anstecken."

Es gibt aber auch andere Interpretationen. So zeichnen britische Daten, wo die Impfrate bei 60 % liegt, ein komplizierteres Bild: Bis Ende Mai waren dort die Infektionen bei Schülern der Sekundarstufe von einem Höchststand von etwa 600/100.000 im Januar auf weniger als 100/100.000 gesunken. Bei jüngeren Schulkindern sind die Zahlen noch niedriger.

Doch deuten nun jüngste Daten darauf hin, dass ungeimpfte Kinder immer noch wichtige Überträger des Virus sein könnten. Im Mai gab es fast 100 Ausbrüche ? definiert als 2 oder mehr Fälle ? in Grund- und weiterführenden Schulen in England. Dies allerdings bei insgesamt rund 25.000 Schulen in England. Auch hat sich die Gesamtinfektionsrate bei Kindern im Schulalter in den 6 Wochen nach der Wiedereröffnung der Schulen kaum verändert.

Das Ausmaß, in dem ungeimpfte Kinder als Überträger fungieren, hat Auswirkungen darauf, ob sie geimpft werden sollten, sobald die erwachsene Bevölkerung geimpft wurde ? eine Frage, die heiß diskutiert wird. In den USA, wo die FDA bereits am 10. Mai den BioNTech-Impfstoff für Kinder ab einem Alter von 12 Jahren zugelassen hat, haben inzwischen mehr als 7 Millionen Kinder mindestens eine Dosis erhalten.

Allerdings argumentiert die WHO, dass aufgrund des geringen Risikos für einen schweren Verlauf bei Kindern deren Impfung keine Priorität hat, da die Impfstoffmengen weltweit noch bei weitem nicht ausreichen, um alle Erwachsenen zu immunisieren.

Manche Experten sehen allerdings die Impfung von Kindern als entscheidend für die Kontrolle der Pandemie an. Dadurch würden sie als potenzielles Reservoir für asymptomatische Infektionen ausgeschaltet und das Auftreten neuer Varianten werde besser verhindert, argumentieren diese.

Update vom 10. Juni 2021
STIKO: Keine allgemeine Empfehlung zur Impfung ab 12 Jahren

Startschuss für den digitalen Impfnachweis ? CovPass ab nächste Woche

?Angemessene? Vergütung für Nachtragungen

CovPass in allen EU-Ländern anerkannt

Infektion trotz Zweifach-Impfung ? AHA-Regeln behalten Bedeutung

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen nimmt weiter ab, Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und RKI-Präsident Prof. Dr. Lothar Wieler haben Details zum neuen digitalen Impfnachweis vorgestellt und der STIKO-Chef Prof. Dr. Thomas Mertens äußert sich zu Fällen von schlechtem Impfschutz nach vollständiger Impfung bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem.

STIKO: Keine allgemeine Empfehlung zur Impfung ab 12 Jahren
Wie erwartet hat die STIKO sich gegen eine allgemeine Impfung von Kindern und Jugendlichen gegen COVID-19 ausgesprochen. Wie es im Epidemiologischen Bulletin 23/2021 heißt, empfiehlt sie lediglich ?für Kinder und Jugendliche mit Vorerkrankungen aufgrund eines anzunehmenden erhöhten Risikos für einen schweren Verlauf der COVID-19-Erkrankung eine Impfung mit dem mRNA-Impfstoff Comirnaty® (BioNTech/Pfizer)?. Und weiter: ?Der Einsatz von Comirnaty® bei Kindern und Jugendlichen im Alter von 12-17 Jahren ohne Vorerkrankungen wird derzeit nicht allgemein empfohlen, ist aber nach ärztlicher Aufklärung und bei individuellem Wunsch und Risikoakzeptanz möglich.?

In den vergangenen 24 Stunden wurden dem RKI 3.187 Corona-Neuinfektionen gemeldet (vor einer Woche 4.640). Die 7-Tage-Inzidenz lag laut RKI am Donnerstag erstmals unter 20 (bundesweit 19,3; Vortag: 20,8; Vorwoche: 34,1). Allerdings, so gab Wieler zu bedenken, seien die Fallzahlen immer noch etwa 10 Mal so hoch wie zur gleichen Zeit vor einem Jahr.

Zudem sind bundesweit in den letzten 24 Stunden 94 neue Todesfälle in Verbindung mit COVID-19 gemeldet worden ? vor einer Woche waren es noch 166 Tote gewesen. 47% der deutschen Bevölkerung sind laut Spahn nun mindestens einmal gegen SARS-CoV-2 geimpft.

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Mal ganz ehrlich
Das Paul-Ehrlich-Institut zum Thema ADE bei Covid19-Impfungen:

https://www.pei.de/SharedDocs/FAQs/DE/coronavirus/coronavirus-infektionsverstaerkende-antikoerper-ade.html


Wann werden die Verschwörungsschwurbler mal dahin kommen, festzustellen, dass es den großen Corona-Betrug gar nicht gibt?

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Referring Ulrich Rosky
Es waren zwei Ritter, zwei Edle vom Dorf
Der eine war kahl und der and're voll Schorf
Der Kahle hieß Karl, war von listigem Mut
Der and're war blöde, man nannte ihn Knut
Sie sahen eines Tages die Tochter des Grafen
Wollten fortan ohne sie nicht mehr schlafen
Karl hat zum pickligen Knute gesagt:
"Die Gräfin ist reich und so gut wie intakt
Wir lieben sie beide, doch einer schaut zu
Und ich hab so den Eindruck, dieser eine bist du!"
Eifrig sprach Knut: "Wen sie liebt von uns beiden
Das muss die Comtessa wohl selber entscheiden!"
Sie kamen zum Grafen, und der fragte sein Kind:
"Willste den mit der Glatze oder den mit dem Grind?"
Sie sagte: "Für mich gibt's nur eins auf der Welt:
Ich will einen Recken, einen richtigen Held
Und der, der mich will zur Gemahlin erringen
Muss mir zuvor einen Drachenschwanz bringen!"
So zogen die Ritter zum Drachen vorm Tor
Und Karl sprach zu Knut: "Knut, geh du doch mal vor!
Geh mal hin zu dem Drachen und sprich ihn mal an,
Ich mach bloß meinen Schuh zu und komm' dann gleich ran."
Knut spielte häufig mit Käfern und Bienen
Doch konnte ihm diese Erfahrung nicht dienen
Der Drache focht tapfer, doch tapf'rer focht Knut
Und bald schwamm das Untier im eigenen Saft
Knut hieb ihm den Schwanz ab mit schwindender Kraft
Und lief damit zu Karl und rief: "Ich hab's geschafft!"
Setzt' sich am Brunnenrand, fühlt sich so schlapp
Da stieß ihn sein Freund in die Tiefe hinab
Doch Knut riss den Drachenschwanz mit sich hinwech
Da sprach Karl zu sich selbst: "Ach, ich hab auch ein Pech!
Ohne Schwanz keine Gräfin, ohne Gräfin kein Schlaf
Also, Knut, gib den Schwanz her! Komm Kleiner, sei brav!
Und das mit dem Brunnen war nicht so gemeint
Du musst mir vertrauen, denn ich bin doch dein Freund."
Knut gab ihm den Schwanz und bat: "Reich mir die Hand!"
Doch Karl war schon längst zum Schlosse gerannt
Die Gräfin rief: "Karl, dein Kampf war nicht vergebens!
Das ist der herrlichste Schwanz meines Lebens!"
Bis zur Hochzeit war Knut aus dem Brunnen heraus
Er brüllte: "Verrat!" - doch alles lachte ihn aus
"Wer glaubt heut' noch an Drachen?! Ach, du bist nicht normal!"
Riefen alle, doch Knut sprach zornig zu Karl:
"Du find'st Deine Strafe, das weiß ich genau!"
Karl lachte und zog sich zurück mit der Frau
Und lebte noch hundert Jahrr glücklich mit ihr
Knutchen starb früh an einem Magengeschwür
Die Treue ist herrlich und bricht nicht so schnell
So singen schon Schiller und Sacha Distel
Die Freundschaft ist schön und reicht meist bis zuletzt -
Doch wird sie zuweilen auch stark überschätzt.

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Bizarrer Kosmos
Ich interessiere mich ja sehr für die besonders seltsamen Seiten der Astrophysik. Dazu ghören ungewöhnliche Sterntypen, oder sollte man Sternleichen sagen? Neben Weißen Zwergen, Neutronensternen und Schwarzen Löchern gibt es noch einige andere Arten von Kollapsaren bzw. werden diese vermutet: Pygmäensterne, Quarksterne, Gravasterne. Pygmäensterne, nicht mit Blauen Unterzwergen zu verwechseln, sind Weißen Zwergen sehr ähnlich, aber kleiner und heißer. Also bei Sonnenmasse Marsdurchmesser, Oberflächentemperaturen von 40.000 bis 120 000 Grad und eine überwiegende Beschaffenheit aus schwereren Elementen als Sauerstoff sind typisch. Ziemlich bizarr, oder?


Nicht so bizarr wie die im Gegensatz zu ihnen nicht nachgewiesenen, sondern nur vermuteten Quarksterne: bei 2, 5 facher Sonnenmasse Durchmesser von einigen Hundert Metern, eine unvorstellbare Dichte, die um ein Vielfaches über der eines Atomkerns liegt, Oberflächentemperaturen von Milliarden Grad und eine "Spektralfarbe" im Gammastrahlenbereich.

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Sonntag, 13. Juni 2021
Gartenfreuden, wiedereinmal
Die ersten neu gepflanzten Blumen sind gekommen, die langjährigen blühen gerade auf.













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