Sonntag, 23. Juli 2006
Tour d`Horizon
Ich liebe ja klassiszistische, historistische, Gründerzeit-Jugendstil- und 20er-Jahre-Reformarchitektur-Häuser. Diese unterschiedlichen bürgerlichen Baustile (die Baustile davor waren durch Adel und Klerus geprägt, faschistische und stalinistische Baustile sind, abgesehen von der Lomonossov-Universität, igittebähbäh, einen proletarischen Baustil gibt es nicht, und die westliche Nachkriegs- und Postmoderne sind nicht mehr in dem Sinne bürgerlich, dass die Eliten noch mit bürgerlicher Kultur identifizierbar wären) verkörpern gleichsam die Etappen, in denen das Bürgertum seine Emanzipation, seinen Aufstieg, seine Herrschaft, seine Blüte und seine Krise erlebte. Mit 3 1/2 m hohen Stuckdecken haben die Räume solcher Gebäude noch jenes Innenleben, das Klaustrophobie nicht aufkommen lassen wird. Ich hasse ja diese Neubauten mit 2,30 Deckenhöhe, wo Leute wie mein Freund Jerry (der in einer Jugendstil-Wohnung mit Stuckdecke residiert, selbstverständlich) den Kopf einziehen müssen, wenn sie durch eine Tür gehen.

Nein, so etwas hat da doch einen ganz anderen Charakter:





In der Nähe gibt es einen Italiener, der eine Pizza "Anja" anbietet. Mit viel Schinken. Hmm, wenn es da demnächst vielleicht eine Pizza "Tanja" gibt, dann eine Pizza "Sonja", eine Pizza "Svenja", die Pizza "Anja" plötzlich ausgegangen ist, dafür die Pizza "Sandra", die Pizza "Andrea", die Pizza "Mirko" und die Pizza "Meiko" auf den Rost kommen, dann, ja dann steht zu vermuten, dass "Eat the Rich" und "Delicatessen" doch keine Fiktion waren.


Nun denn, vom Fluss her betrachtet sind auch diese Glanzlichter alter Bürgerherrlichkeit einfach schön anzusehen:














Ansonsten tritt das feudalistische Rokoko nur noch in verfremdet-spielerischer Form in Erscheinung,




während ein hochrangiges Orchester einer wichtigen russischen Metropole durch deutsche Städte tingelt, um an Geld zu kommen. So weit ist es gekommen.



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Und keiner interssiert sich fuer das herrlich schwule Bootshaeusschen. Bezaubernd.

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Das herrlich schwule Bootshäuschen gehört Leuten, die von da in den Fluss stechen :-)

Übrigens rechne ich es Dir hoch an, der erste zu sein, der in diesem Thread kommentiert. Ich bin ja keineswegs nur der knallharte Politblogger, sondern ein Mensch, der sein Leben in vollen Zügen genießt, der sehr viel Wert auf Schönheit legt, und dieser Beitrag hier ist mir persönlich wichtiger als manches Polit-Posting.

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Es ist auch schwierig Haueserfassaden zu kommentieren.
Und irgendwie fuehlt es sich auch ziemlich undankbar an, wenn ich sowas sehe und traeume "was fuer ein Atellier...", wo ich doch, Gatte sei Dank, ueber den Luxus eines Atelliers verfuege.

Das persoenliche vermisse ich auch. Gerade weil schwule Bars ueber eine Klingel an der Tuer verfuegen und in der logischen Konsequenz Online-Communities Off-limits, mit Password versehen sind. Da gewoehnt man sich einfach an einen offeneren Umgang miteinander.
Jahrzehntelang habe ich offensiv gelebt. Verstecken?, Ich?, niemals!.
Anonymitaet finde ich echt zum kotzen, aber bei den Psychopathen mit denen man auch hier immer wieder konfontiert wird, hat man ja keine andere Wahl.
Ich bin es gewohnt zu wissen wie mein Gegenueber aussieht, was er macht, wie er wurde was er ist. Das fehlt mir am meisten bei dieser bloggerei.

Immer dieses um den heissen Brei herumreden ...

Das Leben geniessen; Luxus.
Fuer mich ist Luxus das Glas Wasser, dass aus dem Hahn in der Kueche laeuft, der Spaziergang im Wald mit unseren Hunden, dass ich mir mein Zeit frei einteilen kann, obwohl das oft genug ein Fluch ist.
Die Schokolade aus wildwachsendem Kakao, oder der Kaffe, der in Regionen waechst zu denen Maschinen keinen Zugang haben und der kilometerweit getragen werden muss.
Tand ist fuer die Bemitleidenswerten, die ihr Ich ueber Autos oder nutzlose Gimmicks aus den Freihandelszonen der dritten Welt definieren.

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Nun, wie ich aussehe weiß Du ja :-)

Luxus ist nicht unbedingt der geldmäßige Gegenwert von dem, was man besitzt (sagt jetzt ein zeitweiliger Sportwagenfahrer, höhö) sondern der Wert, den man den Dingen persönlich beimißt, die Art, wie man mit ihnen umgeht, die Fähigkeit, Genuss zu inszenieren.
Insofern kann ein Grillabend mit ein paar Kumpels weit stilvoller sein als ein Bankett beim Ministerpräsidenten.

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Schon wahr Che. Nur: Wie kommst Du bei einem Grillabend mit Kumpels mit dem Sprenggürtel an den Ministerpräsidenten ran?

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Hast Du jetzt schon Lugavullin getrunken?

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Du kannst es gerne löschen, wenn Du meinst, das könnte jemand in den falschen Hals kriegen.
Der Semiotizistische Salon-Marxologe ist ja letztlich harmlos. Der will nur mit Büchern spielen.

Lagavulin habe ich gar keinen da, aber dafür einen phantastischen Caol Ila 64,7%. Sensationell! Da kratzt, brennt und beißt nichts. In der Nase und am Gaumen ist von den Prozenten nichts zu spüren. Sie sind nur als Fülle und Kraft präsent.

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Ich stehe ja eher auf die Torfbomben wie Highland Park.

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Die Caol Ila-Whiskys (Isle of Islay) sind noch erheblich stärker getorft als Highland Park.

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TorfBOMBEN? Ich stelle mir Che gerade mit einem Gürtel voller Whiskyflaschen vor.

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Dieser zugegeben etwas martialisch klingende Begriff hat sich für die extrem getorften Whiskys der überwiegenden Zahl der Destillerien auf der Insel Islay eingebürgert.
Es wäre allerdings kaum ratsam, bei der Einreise in die USA zu erklären, man habe eine "peat bomb" im Koffer.

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Coal Ila hats hier auch immer im Haus.
Allerdings gestehe ich Banausitaet in solchen dingen. Mein Stoff ist eher Canadian oder Bourbon. Das gibts dann auch in rauhen Mengen auf BBQ's bei der Generalitaet. Warum sich mit Ministerpraesidenten abgeben wenn man Draehte direkt ins Pentagon hat ;-)

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