Samstag, 29. Juli 2006
Auf dem Basar
War mal wieder auf dem Flohmarkt. Irgendwie hat sich der in der letzten Zeit ja doch etwas geändert (letzte Zeit heißt bei mir in den letzten 20 Jahren). Verkauften dort früher Türken, deutsche Punks und deutsche Rentner alte Klamotten, Transistorradios und freie Waffen (Schlagstöcke, Gaspistolen, Chemical Maze) sowie Sperrmüllausstattungen an Studenten und "die Szene", so hökern hier heute Kasachen, Armenier, Aseri, Iraner, Albaner, Moldawier und sonstige Kosovotschetschenen mit Handys, Kameras, Ferngläsern, Computern, Nähmaschinen und Geschirr, das ihnen hauptsächlich von Roma, Tunesiern, Libanesen und Schwarzafrikanern abgekauft wird. Verkehrssprache auf dem Flohmarkt ist teils Russisch und teils Arabisch, man kommt aber auch mit Pimperanto ganz gut durch. Nur wenn es um Technik geht, wird es schwierig. Ich sahtete ein Notebook und fragte den Verkäufer, was für ein Gerät das sei, 386, 486 oder neuer. Die Antwort war "Das Computer. Strom einstecken seitlich."

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Solche Computer sind die Schatztruhen von heute.

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Meinst Du echt? War ein alter Sharp.

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handys, handyzubehör und handyservice müsste doch flohmarktmässig abgehen wies messer.

damals, die pc waren aufgekommen und vobis war eben dabei, sich einen namen als preisagressiver kistenschieber zu machen, war dort ein verkäufer, der wusste, was es mit dem bos (big orange switch) auf sich hatte, schon dermassen überqualifiziert, dass er dann auch nicht mehr lange dort war.

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Olle Computer als Schaetzchen halte ich fuer ein Geruecht. Es sei denn sie sind Hardwareseitig fuer Spezialanwendungen frisiert. Oder sowas wie der 'Aniversary Mac' vielleicht noch.
Dann schon eher Marktversager-Gadgets. E-Books die sich nicht durchsetzten zB.
Kofferradios klingt da schon interessanter. Braun, Bang & Olufsen etc.
Ich kenn einen der hat sich anfang der 80er, als Jukeboxen oft noch gegen Selbstabholung zu haben waren, ein kleines Vermoegen zusammen getragen. Der hatte allerdings auch genug Lagerkapazitaeten.

Leute die nicht Kunsthistoriker sind sollten sowas echt nur machen wenn sie spass daran haben sich mit solchem "Plunder" zu umgeben, wenn der Wertzuwachs ein nice-to-have ist. Wenn du nicht genau weisst, dass diese kleine, potthaessliche Porzelanfigur zu 5 euro ein paar Hunderter wert ist, hast du ziemlich schlechte Karten.

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Die Leute, die sich da eindecken, sind mehr so die Soziempfänger, für die Aldi schon zu teuer ist.

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" Verkauften dort früher Türken, deutsche Punks und deutsche Rentner ... so hökern hier heute Kasachen, Armenier, Aseri, Iraner, Albaner, Moldawier und sonstige Kosovotschetschenen"

könnte das ein hinweis auf verschiebungen in der unterschicht sein?

nachdem die italiener schon etablierte gewerbetriebende sind, und auch die türken dabei sind, es zu geschäftlichem ansehen zu bringen, kommt da der nächste schwung. sonderbar, dass das offiziell noch gar nicht wahrgenommen wird.

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Dabei kann man dort ethnlogische Feldstudien betreiben und lernen, wie man Usbeken, Pashtunen und Turkmenen auseinanderhält.

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eben.

einen tapetentisch aufgestellt, irgendwelches zeug *) drauf und die teilnehmende beobachtung kann beginnen. noch nie war es einfacher, feldforschung zu betreiben.

*) genau, die profis erkennt man daran, dass sie bereits um mitternacht, wenn die kollegen ihre stände aufbauen, deren besten dinge - erkannt beim licht funzliger taschenlampen, sind eben profis - an sich bringen. das am tag ist für die anderen.

könnte übrigens ein eigener erwerbszweig werden, für die semesterarbeiten dieser teilnehmenden beobachter die entsprechende flohmarktmässige infrastruktur bereitzustellen. entspräche dem für die feldforschung unumgänglich notwendigen dolmetscher, ohne den gehts anderswo auch nicht.

ach so, literaturtip: nigel barley ist nicht nur ein guter völkerkundler, er kann auch prima drüber schreiben, sehr zu empfehlen, gibt einiges von ihm auf deutsch und englisch.

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